Männer

Was hat das „Bundesforum Männer“ eigentlich gegen Männer?

Bild zeigt männliche Figur
geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Kommentator Fiete berichtet von einer unheimlichen Begegnung mit Martin Rosowski, Vorsitzender des Bundesforum Männer und Geschäftsführer der Evangelischen Männerarbeit. Es habe vor wenigen Jahren bei der Papaliste humoristisch auf ein „Werbeposting“ von Hans-Georg Nelles reagiert, mit dem dieser sich unter anderem auf die Mitgliedschaft im Bundesforum Männer bezogen habe. Statt einer Antwort sei er von Martin Rosowski persönlich angeschrieben worden, „und zwar auf einem Niveau weit unterhalb der Rasenkante“.

Er habe darauf geantwortet und einen Austausch auf der Liste angeboten. Die Antwort sei eine Mail gewesen, deren „Tenor, Orthografie und Wortwahl“ Fiete so zusammenfasst: „Ha!! Typ!!! Jetz hab ich dich!!!“

hulk

So sieht ein Mann aus, wenn er nicht die gendersensiblen Selbstreflexionen nutzt, die das Bundesforum Männer selbstlos anbietet (realistische Darstellung).

Was dann geschah, bewegt sich nach dieser Darstellung irgendwo zwischen Posse, Schulhofmobbing und Politskandal. Fiete erzählt weiter:

„Direkt danach fand ich mich im Verteiler des BuFoMä wieder, in den Rosowski mich und meine erste Antwort an ihn (nicht jedoch sein Anschreiben) hineinkopiert hatte.
Inhaltlich beschwerte er sich darüber, daß ich ihn angebl. angeschrieben und das BuFoMä “gestalkt” hätte, was glatt gelogen war. Desweiteren verlangte er eine strafbewehrte Unterlassungserklärung/ Entschuldigung und drohte offen mit seiner Juristentruppe.
Während ich noch leicht Baff war, kamen dann auch schon die ersten “Antwort”-Mails von BuFoMä-Members herein, am auffälligsten die ausgerechnet von Dr. Winter (formeller Oberdruide des VAfK-BuVo derzeit), in denen sich “das Stalking” verbeten und sich, kaum verhohlen, Rosowski’s Drohung angeschlossen wurde.
Es blieb mir also gar nichts anderes überig, als den Spieß umzudrehen, was dank Rosowski’s überhastetem Anfall auch recht einfach war.
Ich fragte also in Rosowskis Liste nach ob das üblich wäre, daß der große Vorsitzende Menschen in deren Verteiler kopiert und geklaute, verstümmelte Threads zum Zwecke der aggressiven Verunglimpfung instrumentiert. Gleichzeitig antwortete ich denen, die mich persönlich anschrieben, daß ich mich ausdrücklich und fremdschämend für das ungebührliche Verhalten des BoFoMä-Bosses bei ihnen entschuldige, nicht Urheber dieser Unannehmlichkeiten bin (sondern eben Rosowski selbst), daß jener offenbar ein extrem intrigantes Manöver fährt und, daß sie von mir nichts, zumindest nichts derart dämliches, zu befürchten hätten.
Allerdings konnte ich es mir nicht verkneifen, die dazugehörigen Mails (Nelles’, Rosowski’s und meine) mal chronologisch und vollständig untereinander und in den Thread hineinzukopieren (honi soit qui mal y pense ).
Von der BuFoMä-Liste (also querbeet von Winter bis zum Frauenrat) kam daraufhin – exakt gar nix mehr.
Von Rosowski noch genau eine Mail, in der er zerknirscht versuchte sich durch unklare Hintertürchen vom Acker zu schwurbeln (irgendwo müsse da wohl ein Versehen vorgelegen haben, oder so ähnlich ….).
Das gab ich dann inhaltlich (logischerweise nicht als exakte Kopie) an die Papa-Liste weiter, ließ Gnade vor Recht ergehen, und bot ausdrücklich noch mal einen offenen und ehrlichen Austausch auf Augenhöhe an, was dazu führte, daß in den nächsten Tagen und Wochen immer mal ein paar Anfragen kamen, ob “der Martin” denn mal aus’m Quark gekommen wäre.
War er natürlich nicht….“

Warum eigentlich diskreditiert der eigentlich für Männeranliegen zuständige Vorsitzende und Geschäftsführer offenbar andere Männer mit Hilfe von zweifelhaften oder irreführenden Informationen – im Versuch, Männern, die andere Ansichten haben als er, die offene Meinungsäußerung schwer zu machen?

Über die Persönlichkeit Rosowskis zu spekulieren, trägt dabei wenig aus. Interessanter ist es schon, wie sich Rosowski und andere aus dem Bundesforum Männer solch ein Vorgehen legitimieren und rationalisieren – welche Vorstellungen sie von Männern und von ihren spezifischen Interessen haben.

Ich habe mir, um diese Frage beantworten zu können, einen Text vom Bundesforum angeschaut – einen Kommentar Rosowskis zu einem Vortrag Michael Kimmels („Angry White Men“), der im Sommer 2014 unter anderem vom Bundesforum Männer in die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen worden war.

 

Tüpisch Tüpen: Männer sind Stereotypen verhaftet

„Wir stimmen darin überein, dass es uns Männern gut täte, freier, glücklicher, gesünder und weniger zornig zu seinem (…)“ (Seite 2)

Frei, glücklich und gesund zu sein, ist also tatsächlich besser, als unfrei, unglücklich und krank zu sein – es ist natürlich verdienstvoll, dass das einmal jemand  so deutlich klargestellt hat. Der Begriff „zornig“ aber passt nicht ganz in die Reihe – schließlich gibt es ja durchaus Situationen, in der Zorn oder Wut durchaus angemessene, vielleicht sogar gesunde Reaktionen sind.

Darum aber geht es dem Vorsitzenden nicht. Er fährt damit fort, dass Männer die Kraft für das Glücklichersein in sich selbst finden könnten:

„Nämlich dann, wenn wir uns von einengenden Stereotypen dessen, was wir sein sollen, lösen und selbstbewusst dafür eintreten, wie wir als Männer in einer geschlechtergerechten Gesellschaft leben wollen und wenn wir an ihrer Gestaltung aktiv mitwirken.“ (2)

Damit klingt ein Leitmotiv der Stellungnahme an: Nicht objektiv wahrnehmbare, politische, soziale Bedingungen seien für Jungen und Männer problematisch, sondern „Stereotypen“, die Rosowski hier zwar nicht näher beschreibt, die aber offenbar im Widerspruch zu einer „geschlechtergerechten Gesellschaft“ stehen – die er ebenfalls nicht näher beschreibt.

 

Männer sind zornig und viel zu politisch

Dazu gehört für den Vorsitzenden, dass er beispielsweise die Not von Trennungsvätern durchaus anerkennt. Er berichtet von

„Wut, Zorn und Verzweiflung zahlloser Männer, die sich im Sorgerechtsstreit von den Mühlen der Gerichte, Anwälte und Jugendämter zerrieben, betrogen und benachteiligt fühlen – und dies nicht selten zur Recht.“ (3)

Problematisch sei jedoch, wie diese Männer selbst damit umgingen.

„Diese persönlichen Erfahrungen jedoch stilisieren sie zu politischen Strukturen hoch, denen sie mit antifeministischer, biologistischer und frauenfeindlicher Rhetorik den Kampf ansagen.“ (3/4)

Das sind, genau genommen, zwei Probleme auf einmal: Dass benachteiligte Väter zu einer Rhetorik greifen würden, die Rosowski ablehnt – und dass sie ihre Erfahrungen überhaupt mit politischen Strukturen verbinden.

Der erste dieser Aspekte wäre, wenn der Redner konkret werden würde, leicht zu klären: Wenn eine feministisch inspirierte Politik – beispielsweise bei der Ablehnung gleicher Rechte von Vätern und Müttern – für die bedrückende Situation von Vätern mitverantwortlich ist, dann ist es sachlich angemessen, diese Politik zu kritisieren. Rosowski deutet diese Kritik aber offenbar als Ausdruck einer allgemeinen Haltung („Antifeminismus“), die grundsätzlich abzulehnen sei.

Weshalb Väter „biologistisch“ argumentieren sollten, ist zudem nicht recht klar – tendenziell wird sich schließlich jemand, der für gleiche Rechte von Vätern und Müttern eintritt, von biologistischen Klischees (Das Kind gehört zur Mutter) distanzieren, anstatt sie zu reproduzieren.

Ob eine Äußerung schließlich „frauenfeindlich“ – oder männerfeindlich, oder kinderfeindlich, etc. – ist, lässt sich nur dann klären, wenn diese Aussage überhaupt bekannt ist. Es ist nicht an sich schon frauenfeindlich, persönliche Erfahrungen durch einen Blick auf politische Strukturen zu erklären.

Das aber ist eben der Aspekt, der hier Rosowski stört: Dass Männer eigenen Erfahrungen nicht durch verstärkte Arbeit an verinnerlichten Geschlechterklischees begegnen, sondern nach der Bedeutung politischer Strukturen fragen. So sehr sich Rosowski selbst als emanzipatorischer, progressiver Akteur einschätzt – diese Haltung ist ein Bruch mit Traditionen, die gerade für die politische Linke unverzichtbar waren.

Die eigene Situation nicht einfach nur als eigenes Verschulden zu begreifen – sie auch nicht allein als individuelle Situation zu interpretieren, sondern als ein Problem, das viele in ähnlicher Lage betrifft – und zu dem Schluss zu kommen, dass persönliche Leiderfahrungen ohne politische Veränderungen nicht zu lindern sind: Das ist eine Grundüberzeugung, ohne die es eine linke Politik nie gegeben hätte, sei sie nun kommunistisch, sozialdemokratisch oder anarchistisch geprägt.

Für mich hat das politische Verständnis der eigenen Situation als Vater zudem einen sehr wichtigen pragmatischen Aspekt, auf den ich hier im Blog schon öfter hingewiesen habe. Das deutsche Kindschaftsrecht und seine exekutierenden Institutionen, Gerichte, Jugendämter und Beratungsstellen, benutzen das Recht immer wieder gleichsam als Transmissionsriemen, um politische Konflikte in die Elternbeziehungen hinein zu tragen. Dort aber sind sie gar nicht lösbar. Es ist ein sehr wichtige Entlastung der Elternbeziehung, politische Konflikte auch als politische Konflikte zu betrachten, anstatt sie ohne Hoffnung auf Lösungen zwischen den Eltern auszutragen.

 

Männer kassieren die patriarchale Dividende ab

Warum aber ist das politische Verständnis der eigenen Situation, das in den Traditionen linker Politik steht und das für die sinnvolle Gestaltung der Elternbeziehung unverzichtbar sein kann, für Rosowski so anrüchig?

Männlichkeit ist für ihn, welche Überraschung, im Anschluss an Kimmel grundsätzlich mit Privilegien verbunden. Auch wenn sie nicht mit gleichem Nachdruck wie in den USA geführt werde, sei auch in Deutschland „die Diskussion um die ‚patriarchale Dividende‘ der Männer noch in vollem Gange“. Was er damit meint, macht Rosowski nicht klar – aber es geht ihm offenbar nicht um die grundsätzliche Frage, ob es Connells patriarchale Dividende überhaupt gibt, ob also tatsächlich jeder Mann schon allein dadurch in einer privilegierten Position lebt, dass er ein Mann ist.

Wenn aber Männer privilegiert sind, dann hätten sie auch – so offenbar die Logik des Vorsitzenden – jederzeit die Möglichkeit, politische Bedingungen zu ändern, unter denen sie leiden. Anstatt über politische Strukturen zu klagen, müssten sie also eher nach den Haltungen und Geschlechterbildern fragen, die ihrem eigenen Handeln zu Grunde liegen.

 

Jungen jammern

Das aber reproduziert unbekümmert ein klassisches Männerbild, nach dem ein Mann jederzeit Herr der Situation und auf Hilfe von außen nicht angewiesen ist. Das gilt selbst für männliche Kinder:

„Es geht bei uns nicht darum, in Jammern über die leicht gesunkenen Abschlussnoten von Jungen insgesamt gegenüber Mädchen zu verfallen.“ (5)

Nun sind bei Jungen nicht nur die Abschlussnoten leicht gefallen, sondern Jungen sind in den Haupt- und Förderschulen signifikant überrepräsentiert, im Gymnasium und im Abitur signifikant unterrepräsentiert. In der Schlüsselkompetenz des Lesens sind die Schwierigkeiten von Jungen im Vergleich größer, als es umgekehrt die häufig beklagten Schwierigkeiten von Mädchen in der Mathematik sind. Das sind reale Probleme, die für viele Betroffene reale Folgen haben – wer das Ansprechen dieser Probleme als „Jammern“ bezeichnet, argumentiert sachfern und orientiert sich an Männlichkeitsklischees, nach denen Männer und Jungen nicht klagen sollten.

Das zentrale Problem für eine „gendersensible Bildungspädagogik“ sieht Rosowski allerdings nicht darin, nach den Gründen für die schulischen Nachteile von Jungen zu fragen und diese Nachteile zu beseitigen, sondern darin,

„dass mit diesen vom Bildungssystem abgehängten Jungen eine Gruppe heranwächst, deren Zorn zu einem mittelfristigen Problem des sozialen Friedens und der inneren Sicherheit werden kann“. (5)

Das Abgehängtwerden von Jungen, zunächst als „leicht gesunkene Abschlussnoten“ beschönigt, wird also dann unversehens zu einem echten Problem, wenn diese Jungen zu einem Problem für andere werden. Auch wenn ihm das selbst vermutlich gar nicht bewusst wird, stellt hier der Vorsitzende des Bundesforum Männer klar, dass ihm die Anliegen von Jungen erst und genau dann wichtig werden, wenn auch die Anliegen anderer Menschen betroffen sind.

 

Männer mobben auf Müllhalden

Dann nämlich, wenn diese Jungen „zornig“ werden. Im Anschluss an Kimmel ist die Warnung vor männlichem Zorn Leitmotiv von Rosowskis Beitrag. In den Blogs von Väteraktivisten ginge es „nicht selten wild, zügellos bis verbal gewalttätig“ zu (4), Blogs von Männern seien „Müllhalden mit nahezu therapeutischer Bedeutung“, in denen

„die Administratoren der Chatrooms ihre Definitionsmacht, [nutzen], um die Diskussionen thematisch zu kanalisieren und sie interpretierend als Grundlage für ihre ideologischen Feldzüge gegen ‚Genderismus, Feminismus und Entmännlichung’ auszuschlachten.“ (4)

Woher er das Zitat am Ende eigentlich nimmt, mach Rosowski zwar nicht klar – er übernimmt aber eine Argumentation aus Kimmels Text: Männer, insbesondere Väter mögen berechtigte Anliegen haben – ihre Enttäuschung werde aber von politischen Aktivisten instrumentalisiert und in einen wütenden Antifeminismus gelenkt. Kimmels „zornigen Männern“ entsprächen in deutschen Sprachraum die „Maskulisten“, und die wiederum stünden rechtsradikalem Gedankengut nahe. (3)

 

Männer sind rechts. Und wenn das nicht beweisbar ist, sind sie erst recht rechts.

Bei ihnen fänden sich nämlich

„einige zentrale Bezugspunkte“, die auch „’in den Ideensystemen nationalistischer und neonationalsozialistische [sic] Bewegungen’ vorhanden seien, etwa ‚Antifeminismus sowie mytho-poetisch inspirierte Männlichkeitsstereotype’.“ (3)

Natürlich stimmt etwas an der Argumentation nicht, allein schon die Distanz zum Feminismus bringe Menschen in die gedankliche Nähe von Nationalsozialisten, weil diese schließlich ebenfalls den Feminismus abgelehnt hätten. Sonst hätten ja beispielsweise die demokratischen Staaten im  Zweiten Weltkrieg, die wie die Nationalsozialisten den Bolschewismus ablehnten, ideell auf der Seite Hitler gestanden.

Aber Rosowski kann es noch besser:

„Doch der Beleg für rassistisch-autoritatives Gedankengut als konstitutives Element der maskulistischen Szene ist wissenschaftlich-systematisch noch nicht erbracht.“ (3)

Das heißt, er stellt eine Verbindung zwischen Männerrechtlern und „rassistisch-autorativem Gedankengut“ eben gerade durch den Hinweis her, dass es für diese Verbindung keinen Beleg gibt.  Wenn nicht nachzuweisen ist, dass Männerrechtler rechts sind, dann zeigt eben das, dass sie rechts sind. Mit dieser Technik der polemischen Suggestion könnte dann beispielsweise auch klargestellt werden, dass der Beleg für die engen Verknüpfungen zwischen dem Bundesforum Männer und rechtsradikalen Organisationen von der NPD bis zum NSU wissenschaftlich noch nicht systematisch erbracht sei. Aber da muss sich die Wissenschaft wohl nur noch ein wenig bemühen, dann wird das schon.

 

Männer sudeln im Sumpf

Rosowski begründet den Zorn, den er den Männern zuschreibt, mit der „Anonymität des Netzes, im Wegfall der Hemmschwelle, dem anderen eine Beleidigung ins Gesicht sagen zu müssen.“ (4) Wer wüsste das besser als er? Doch glücklicherweise verhindere das deutsche Mediengesetz Schlimmeres:

„Noch mag unser System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weitgehend verhindern, dass ein Geflecht von politisch motivierten kleinen Privatsendern solche Diskussionen bundesweit über den Äther bringt.“ (4)

So deutlich wie hier hat wohl selten jemand, der mit einer staatlichen Institution eng verbandelt ist, klargestellt, was er vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwartet: Nämlich dass dieser Rundfunk öffentliche Debatten in seinem Sinne filtere und steuere. Offenbar werden diese Erwartungen nicht enttäuscht.

Natürlich beschreibt Rosowski dabei, wie jeder Gegner freier Rede, die aus dem Diskurs Ausgeschlossenen mit deutlich abwertenden Begriffen, spricht gar von einem „Sumpf“, der ausgetrocknet gehöre. (6) Dass diese Beschreibung, die keine Scheu vor dem Vokabular der Unmenschen hat, haltlos ist, muss dann ja nicht deutlich werden: Da die dergestalt Abgewerteten aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen bleiben, fehlt ihnen die Gelegenheit, die politischen Verleumdungen gegen sie richtig zu stellen – und da diese Verleumdungen unwidersprochen bleiben, bleibt wiederum ihr Ausschluss aus der Debatte legitimiert.

Zwar beschreibt Rosowski die „Maskulisten“, gegen die er sich so entschlossen wendet, als „äußerst heterogen“ (3), das ändert aber nichts an seiner pauschalen Ablehnung. Dabei wäre es gerade hier wichtig, Unterschiede einigermaßen systematisch zu beschreiben.

 

Männer sind alle gleich. Außer die im Bundesforum.

Lange Zeit orientierten sich Männer, die sich geschlechterpolitisch äußerten, grundsätzlich  an feministischen Setzungen: Sei es deutlich zustimmend, wie Rosowski und das Bundesforum Männer – oder sei es ablehnend dadurch, dass die feministische Argumentation durch ein männliches Gegenstück gespiegelt wurde.

Für Rosowski bessert sich die Situation von Männern dann, wenn sie feministische Beschreibungen von Männlichkeit übernehmen. Damit bedient er die Illusion, Geschlechterklischees würden ausschließlich von konservativen Feminismus-Gegnern produziert. Dass feministische Setzungen – der Mann als Täter, die Frau als Opfer – ihrerseits Klischees reproduzieren, bleibt hier ebenso undenkbar wie die Tatsache, dass einige Geschlechterbilder mit unverzichtbaren realen Funktionen zusammenhängen. Wer sich als Mann in einer heterosexuellen Partnerschaft aus dem Klischee des finanziellen Versorgers verabschieden möchte, braucht dafür beispielsweise nicht allein eine Bewusstseinsänderung, sondern auch eine Partnerin, die ihrerseits ausreichend verdient – und er braucht rechtliche Sicherheiten.

Männliche Spiegelungen des Feminismus hingegen, die sich beispielsweise im wgvdl-Forum finden, bilden zu Rosowski nur scheinbar eine Gegenposition. Sie übernehmen aus dem heutigen Feminismus von männlicher Seite aus das Geschlechterressentiment – die Reizbarkeit und Bitterkeit – das beständig abrufbare empörte Gefühl, rundheraus betrogen zu werden – und das diffuse, aber sicher verankerte Gefühl, dass die Angehörigen des anderen Geschlechts rundheraus privilegiert seien: Was den Feministinnen das Patriarchat, ist ihren männlichen Spiegelbildern der Femi-Faschismus.

Seit einigen Jahren aber entwickelt sich eine weitgehend männlich initiierte, aber längst nicht mehr nur von Männern geführte, vielfältige Geschlechterdiskussion, die sich von feministischen Setzungen löst. Ein Beispiel dafür ist der Text Christoph Kucklicks, Das unmoralische Geschlecht, der die These entfaltet, dass Männlichkeitsabwertungen keine Erfindung des heutigen Feminismus seien, sondern moderne Diskussionen seit Beginn der Aufklärung begleiteten. Ein anderes Beispiel ist Arne Hoffmans Plädoyer für eine linke Männerpolitik, in dem Hoffmann – angelehnt an den linken Männerrechtler Leszek – das Konzept des „integralen Antisexismus“ vorstellt, das sich ausdrücklich gegen geschlechterbedingte Diskriminierungen aller richtet, nicht nur gegen Diskriminierungen eines Geschlechts.

Ein Beispiel ist auch die vielfältig gewordene Blog-Landschaft, ein anders sind Organisationen wie Gleichmaß e.V. oder MANNdat, aber eben auch der Gender-Kongress des letzten Jahres, gegen den Rosowski offenbar hinter den Kulissen und per Email entschlossen agitiert hat.

So wird denn eben auch klar, warum er in seinen heftigen Angriffen auf feminismuskritische Männer gleichwohl so seltsam diffus bleibt. Die Unterstellung, sie seien tendenziell rechtsradikal, ist natürlich nicht haltbar, er braucht sie aber. Die Pointe dabei: Mit den männlichen Spiegelungen des Feminismus, die sich tatsächlich politisch deutlich rechts  – wenn auch nicht rechtsradikal – verorten, mit längst eingestellten Blogs wie den „Söhnen von Perseus“ oder dem „Maskulist“, oder auch mit dem wgvdl-Forum, kann Rosowski sehr gut leben. Schwierig wird für ihn erst eine Auflösung gewohnter Fronten, um die sich etwa der Gender-Kongress bemüht hat.

Die Unterteilung, dass es eine linke und eine rechte Männerbewegung gäbe, ist richtig, erklärt aber nur einen Teil der Unterschiede – zumal in meinen Augen Konservative zu einem demokratischen Spektrum sicher dazugehören. Der wesentliche Unterscheid ist möglicherweise nicht der zwischen rechten und linken Männern – sondern der zwischen Männern, die feministischen Ressentiments verhaftet bleiben und sie bloß aus männlicher Perspektive zurückspiegeln, und Männern, die sich von diesen Ressentiments und Frontstellungen zu lösen beginnen.

Dass diese Ablösung ebenso wenig im Interesse vom Bundesforum Männer ist wie in dem von brachial-antifeministischen Männerrechtlern, zeigt sich beispielsweise daran, dass sie beide den Gender-Kongress als erhebliche Provokation wahrnehmen.

Wenn Rosowski dabei Männern vorwirft, an einer „Benachteiligungslegende“ (3) zu stricken, dann wiederholt er auch damit die klischeehafte Verknüpfung von Männlichkeit und Herrschaft: Die Rede von männlichen Benachteiligungen kann für ihn selbstredend nur eine Legende sein, ohne dass das weiter belegt werden müsste.

Gleichwohl hat er in einem Punkt nicht ganz unrecht: Heutige Versuche, Geschlechterdebatten abseits feministischer Setzungen neu zu gestalten, sind sehr stark auf männliche Benachteiligungen konzentriert. Das schließt mich selbst – insbesondere aufgrund meiner eigenen Situation als Trennungsvater – mit ein.

Es fehlen also noch positive Perspektiven, die sich von den üblichen feministischen Vorschlägen – Verschärfungen von Gesetzen, Bereitstellung staatlicher Gelder, Schaffung von Positionen in öffentlichen Institutionen –unterscheiden. Aber dafür wäre auch ein politischer Rahmen wichtig, der nicht auf Abgrenzungsmanöver bis hin zu politischen Verleumdungen fixiert ist, sondern der die Impulse aufnimmt, die durch die sich verändernde Debattenlage möglich werden.

Wer sich hingegen aus Steuermitteln unterstützen lässt und dann bürgerrechtliches und bürgerschaftliches Engagement bekämpft – der wird vielleicht Schaden anrichten können, solange er noch auf seinem Posten sitzt, aber er wird nichts bewegen.

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18 Comments

  • Ob Rosowski wohl wirklich glaubt das er mit seinem Verhalten einen Platz in irgendeiner Art von Himmel/göttlichen Paradies verdient hat?

    Mit der Besetzung des Posten des Vorsitzenden des Bundesforum Männer mit Martin Rosowski ist auch eindeutig, welchen Stellenwert die Anliegen von Männer für die Bundesregierung haben. Er sitzt auf diesem Posten genau wegen seinen schlechten Ansichten über Männer und nicht weil man hofft das mit ihm sich irgendetwas an der Situation von Männern verbessert.

    • @ Matze Ich glaube, aus der eigenen Perspektive sind es eben keine „schlechten Ansichten“. Aus der Perspektive des Bundesforum sind Männer durchaus veränderungsfähig, haben auch durchaus echte – und nicht nur eingebildete – Probleme, verdienen auch Unterstützung… Aber eben immer mit einer wichtigen Einschränkung: Die Setzung, Männlichkeit und Herrschaft seien miteinander verknüpft, wird ganz ungeprüft übernommen.

      Demnach ist Männlichkeit eben dann positiv, wenn Männer über diese Privilegien reflektieren können – wenn sie Herrschaft abgeben können – etc. Das schafft gleich zwei Probleme:

      Erstens sind Männer so niemals einfach prinzipiell erstmal in Ordnung, wie sie sind, sondern sie können sich höchstens in Ordnung bringen, wenn sie ihre gesellschaftlichen Privilegien angemessen reflektieren.

      Und zweitens: Die Männer, die tatsächliche Nachteile erleben, werden mit dieser Darstellung verfehlt. Denn es geht ja gar nicht darum, den Spieß einfach umzudrehen („Die Frauen unterdrücken uns!“) – sondern einfach nur darum, anzuerkennen, dass es eben auch spezifische Nachteile für Männer gibt.

      Oder, noch einmal anders formuliert: Das Bundesforum Männer ist immer genau so lange auf Seiten von Männern, solange es sich damit nicht in echte Konflikte mit institutionalisierten feministischen Positionen bringt.

  • @Schoppe

    Du Schreibst: „Weshalb Väter „biologistisch“ argumentieren sollten, ist zudem nicht recht klar – tendenziell wird sich schließlich jemand, der für gleiche Rechte von Vätern und Müttern eintritt, von biologistischen Klischees (Das Kind gehört zur Mutter) distanzieren, anstatt sie zu reproduzieren.“

    M.E. verstehst Du da etwas falsch. Die Männer sollen nicht biologistisch argumentieren, sondern die biologistische Kampfrhetorik ist eben genau das Problem. Also meine Interpretation.

  • Ehrlich gesagt nehme ich Leute wie Rosowski inhaltlich nicht mehr ernst. Sie sind gefährlich, weil sie viel Macht haben, ähnlich wie die Kreationisten. Argumentativ sind ihre Thesen falsch, widersprüchlich und letztlich verlogen.

    Wenn man nach der ideologischen Positionierung von Rosowski fragt und sich dazu z.B. die Wikipedia-Seite über ihn ansieht (ja, die gibt es, obwohl Herr Rosowski wohl kaum die Relevanzkriterien erfüllt, aber eine gewisse Fiona B. hat sich wohl zu seinen Gunsten eingesetzt und die Seite gleich dutzendfach selber editiert), dann findet man außer außer einigen lobenden Worten von Fiona B. über ihn vor allem einen Weblink auf ein Papier an seine Kritiker, in dem der sich selber und das BFM über den grünen Klee bejubelt. Das ganze enthält soviel dummdreiste Propanda, daß man einen weiteren Verriß wie diesen Blogpost darüber schreiben könnte. Er glaubt das wahrscheinlich selber.

    Nicht unzufällig ist diese Selbstdarstellung beim GWI publiziert, also einer Institution, die am äußeren Rand des politischen Spektrums steht. Womit auch die Titelfrage („Was hat das….“) schon fast automatisch beantwortet werden: Alles! Nichtfeministische Männer sind für Mitglieder des GWI das Böse schlechthin. Das GWI ist ja sozusagen ein Verein mit dem Vereinszweck, negative Stereotype über Männer zu verbreiten, die Stereotype also sozial zu konstruieren.

    Unterbewußt merken sie es vielleicht noch so gerade, wie mies die Verleumdungskampagnen gegen Männer sind. Deswegen muß auch Kritik verboten werden, denn dann würde ja das eigene positive Selbstbild angekratzt. Stattdessen projiziert man die eigenen Verfehlungen auf andere und unterstellt anderen, normativ (um nicht zu sagen repressiv) wirkende Stereotypen zu erfinden und verbreiten zu wollen.

    Diese Besessenheit von normativen Stereotypen und das darauf folgende Mantra, Männer müßten sich „von einengenden Stereotypen dessen, was wir sein sollen, lösen“, ist mMn ein Schlüssel zum Verständnis des heutigen Feminismus und speziell von GWI-lern.

    • Das gehört unbedingt dazu. Ich habe keinen erschöpfenden und auch keinen repräsentativen Überblick geben wollen. Danke für den Hinweis!

  • Genau solche Leute sind für den Niedergang der Linken verantwortlich; es wird nicht mehr politisch analysiert, sondern von vornherein moralisch argumentiert von feststehenden, nicht begründeten Axiomen (des Feminismus) aus.

  • Mir geht es wie mitm. Rosowski nehme ich inhaltlich nicht ernst und würde ihn komplett ignorieren, wenn er denn nicht in einer Position mit politischem Einfluss wäre.

    Bei allen seinen Aussagen ist seine oberste Maxime deutlich erkennbar: Keine Feminismuskritik – so als wäre jede Kritik am real existierenden Feminismus so widerwärtig wie Holocaustleugnung durch Judenhasser, so als wäre jede solche Kritik notwendigerweise reaktionär und von einem abwertenden Frauenbild geprägt, so als wäre Feminismuskritik per se moralisch verwerflich. Damit deutet er seinen Opportunismus, seine Feigheit zu einem ehrenwerten Kampf gegen das Pöööhse um – einen Kampf gegen Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und was sonst noch so gemeinhin als amoralisch gilt.

    Der Mann belügt nicht nur sein Umfeld, sondern auch sich selbst. Eine für Pfaffen typische Bigotterie – so zumindest legt mir das meine Erfahrung nahe.

    Es ist im Grunde ein reaktionäres Geschlechterverhältnis, das von Männern die unbedingte Erfüllung weiblicher Ansprüche erwartet. Es ist weder fortschrittlich noch Ausdruck einer sozialen Politik, wenn das Geschlecht zur primären Analysekategorie erhoben wird. In einer kapitalistischen Gesellschaft ist es primär die materielle Basis des Individuums, welche seine Freiheiten garantiert oder seine Freiheiten einschränkt. Aber das weiss er im Grunde ganz genau. Darum schleimt er im Bundesforum Blockflöten rum.

  • Rosowskis Position kann in etwa wie folgt zusammengefasst werden:

    Bitte keine Jammerei und kein Zorn über Benachteiligungen der Männer (obwohl ab und an sogar berechtigt) und keine Kritik an gesellschaftlichen bzw. politischen/rechtlichen Strukturen und schon gar nicht in antifeministischer bzw. feministisch kritischer Manier.
    Am besten seine Privilegien als Mann reflektieren und sein „tradiertes“ männliches Rollenverständnis (stereotypes Männerselbstbild) hinterfragen und überwinden.
    Also eigentlich nix neues unter der feministischen Sonne. 🙂

  • „tendenziell wird sich schließlich jemand, der für gleiche Rechte von Vätern und Müttern eintritt, von biologistischen Klischees (Das Kind gehört zur Mutter) distanzieren“

    Warum sollte „das Kind gehört zur Mutter“ ein biologistisches Klischee sein? Mittlerweile ist recht gut belegt, daß das Kind schon in der Schwangerschaft eine Prägung auf die Mutter erfährt, beispielsweise durch die Stimme. Siehe z.B. hier: http://www.spielundzukunft.de/willkommen-im-leben-baby/schwangerschaft/1151-inge-weser-fruehe-praegungen
    Aber auch Ulrich Kutschera schreibt das in seinem Buch „Das Gender-Paradoxon“.

    • „Es gibt viele Belege, dass ein Kind in der Schwangerschaft eine Prägung auf die Mutter erfährt“ – dies ist eine überprüfbare Aussage über die Wirklichkeit. Niemand hier bestreitet das.

      „Das Kind gehört zur Mutter“ – dies ist eine normative (!) Aussage, welche u.a. mit der Beobachtung (!) gerechtfertigt wird, dass Kinder in der Schwangerschaft eine Prägung auf die Mutter erfahren. Mit anderen Worten, hier wird vom „Sein“ (Beobachtung) aufs „Sollen“ geschlossen. Dies bezeichnet man i.A. als naturalistischen Fehlschluss.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalistischer_Fehlschluss

      Naturalistische Fehlschlüsse haben keinen Platz in der Gesetzgebung (und darum geht es in der von dir zitierten Passage) eines modernen, humanistischen Staates.

  • Zunächst freut es mich diebisch, daß der Vorfall in der Papa-Liste doch noch, nach langen Jahren, etwas nützliches bewirken konnte, sei es zumindest als Einleitung für einen abschließenden Blogpost zum Thema „BuFoMä und dessen Boss“.
    Ich hatte seinerzeit selbst überlegt, ob ich die Geschichte gründlich ausschlachte und möglichst weiträumig öffentlich mache, habe es dann aber aus mehreren Gründen doch lieber gelassen. Zum einen war ich noch mit jeder Menge anderer Aktivitäten beschäftigt, zum anderen wollte ich v.dh. auch keine weitere juristische Auseinandersetzung ( zusätzlich zu denen die ich derzeit gerade halbwegs durch hatte ) provozieren, die es ansonsten mit Sicherheit gegeben hätte. Denn ich hätte ggf. rücksichtslos den gesamten „Austausch“ ohne Abstriche in meine Stellungnahme dazu eingebaut und damit das Urheberrecht, resp. die persönlichen Rechte der involvierten Leute, mindestens erheblich tangiert.

    Meine Darstellung aus dem Gedächtnis ist natürlich, nach ca. 4-6 turbulenten Jahren wohl verständlich, einigermaßen grob, das sinngemäße Zitat von Rosowski’s Ausbruch allerdings nahezu vollständig und wortgenau, wesentlich mehr stand in seiner privaten Mail an mich nicht drin, insofern ist es keine Zusammenfassung ( kleine Korrektur am Rande ).
    Ganz nebenbei habe ich den genauen Ablauf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer noch irgendwo in einer meiner chaotisch über mehrere Festplatten verteilten E-Mail-Sicherungen vorliegen ( sowas schmeißt man nicht weg! ), muß aber gestehen, daß ich keine Lust habe u.U. Stunden damit zu vergeuden danach zu suchen. Ich hoffe also, daß, sollte der Martin zufällig ( oder auch gezielt ) über diesen Thread stolpern, er mittlerweile soviel Selbstkontrolle entwickelt hat, gar nicht erst ( nochmal ) am Rad zu drehen ( inshAllah, wie der Moslem so sagt ).

    Schoppe:
    „Warum eigentlich diskreditiert der eigentlich für Männeranliegen zuständige Vorsitzende und Geschäftsführer offenbar andere Männer mit Hilfe von zweifelhaften oder irreführenden Informationen – im Versuch, Männern, die andere Ansichten haben als er, die offene Meinungsäußerung schwer zu machen?“

    Diese Frage, einer der roten Fäden im obigen Artikel und den Kommentaren dazu, haben sich sicherlich schon viele Leute gestellt. Ich auch. Und selbstverständlich kann man dazu nur spekulieren.
    Ich komme dabei zu etwas anderen Schlüssen, als die meisten hier.
    Wichtiger finde ich im Endeffekt das was Mitm dazu sagt und Pjotr im Weiteren wiederholt:

    „Ehrlich gesagt nehme ich Leute wie Rosowski inhaltlich nicht mehr ernst. Sie sind gefährlich, weil sie viel Macht haben, ähnlich wie die Kreationisten. Argumentativ sind ihre Thesen falsch, widersprüchlich und letztlich verlogen.“

    Daß Rosowski nicht zuletzt ( auch ) sich selbst belügt, halte ich für recht sicher, daß er von diesen Lügen auch wirklich überzeugt ist, allerdings nicht. Dazu ist der Murks, den er absondert, zu widersprüchlich und verlogen, er selbst zu sehr in den von ihm angeprangerten Klischees gefangen und seine Rhetorik ( Jonglieren mit suggestiven Halbwahrheiten aggressivsten Inhalts, dabei aber Vermeidung klarer Positionen ) zu geschickt ( zumindest solange er sich beobachtet fühlt ). Und immerhin ist er Bundes-Führer der evangelischen „Männerarbeit“ ( was immer das genau sein soll ) und wird von regierungsamtlichen Stellen als „Vertreter aller Jungen und Männer in D.“ nicht nur unwidersprochen angenommen, sondern ( was für sich schon Skandal genug ist ) großzügigst finanziert! Eine gewisse Intelligenz muß man ihm also ( zumindet im weitesten Sinne ) zubilligen.
    Mit nix als Opportunismus ist das m.E. nicht zu erreichen/ zu halten.

    Warum er also mangels Alternativen über u.a. Kinderrechtler und Gleichberechtigungsbefürworter ( im feministischen Jargon Männerrechtsjammerer und privilegienverhaftete Maskus ) herfällt, ist damit auch einfachlogisch erklärt:
    a) die Made im Speck wird sicherlich keine Veganer verteidigen.
    b) Machtgefühl ist geil, auch wenn man dafür Totalitaristen in den Hintern kriechen muß.

    “ schließlich gibt es ja durchaus Situationen, in der Zorn oder Wut durchaus angemessene, vielleicht sogar gesunde Reaktionen sind.

    Darum aber geht es dem Vorsitzenden nicht. Er fährt damit fort, dass Männer die Kraft für das Glücklichersein in sich selbst finden könnten:

    „Nämlich dann, wenn wir uns von einengenden Stereotypen dessen, was wir sein sollen, lösen und selbstbewusst dafür eintreten, wie wir als Männer in einer geschlechtergerechten Gesellschaft leben wollen und wenn wir an ihrer Gestaltung aktiv mitwirken.“ (2)"
    

    Da gebe ich ihm im weitesten Sinne sogar Recht!
    Nur ist es ja z.Zt. so, daß Feministen und Profit-Feministen diese Stereotype vorgeben, um ihre Pfründe zu sichern.
    Und Rosowski bestätigt das mit seinem Verhalten, z.B. mir ggü.:
    „Ha!! Typ!!! Jetz hab ich dich!!!“
    Geht es noch stereotyper? Er löst sich also keineswegs davon, im Gegenteil.
    Daß eine „gerechte“ ( also insofern auch geschlechtergerechte ) Gesellschaft nicht zuletzt auch eine solche – auf geschlechtsunabhängige Gleichberechtigung/-verpflichtung gründende – Politik und Justiz, sowie ein davon einigermaßen durchdrungenes institutionelles Wesen benötigt, setze ich mal als allgemein bekannt voraus. Dafür kann sich der Martin aber nicht verwenden, da er sonst ganz schnell zum Hartz IV-Empfänger, Kartonzerreisser bei ALDi, oder bestenfalls Telefonisten in einem mittleren Wirtschaftsbetrieb mutieren würde. Denn das wäre schon aktiver Antifeminismus, wenigstens aus Sicht der Feministen und die haben die evangelische Kirche und das Frauernministerium ja offenbar recht fest im Griff.
    Nur zum Verständnis: Hier meine ich Antifeminismus im feministischen Sinne, also eine verbissen um Privilegien und Diskriminierungen kämpfende Ideologie in Gegenrichtung, die ansonsten inhaltlich relativ identisch funktioniert.
    M.M.n. eine Begriffsklitterung, die Menschen mal ausschließt, mal in den selben Pott rührt ( je nach Bedarf ), welche einfach gegen radikale Ismen an sich sind ( wie ich z.B. ) und v.dh. nicht zuletzt auch anti Feminismus ( allerdings auch konsequenterweise anti – genauer wäre eigentlich contra – Maskulismus, wenn er als radikale Ideologie – im feministischen Sinne von „Antifeminismus“ – einherkommt ).

    „Ob eine Äußerung schließlich „frauenfeindlich” – oder männerfeindlich, oder kinderfeindlich, etc. – ist, lässt sich nur dann klären, wenn diese Aussage überhaupt bekannt ist. Es ist nicht an sich schon frauenfeindlich, persönliche Erfahrungen durch einen Blick auf politische Strukturen zu erklären.“

    Nun, daß es ein paar Leute immer geben wird, die extrem verkürzt schlussfolgern und v.dh. das 10:1-Verhältnis der entsorgten Elternteile „den Frauen“ ( oder bestenfalls den Feministen allein ) anlasten, ist eine Binse.
    Deshalb aber gerade allen denen, die sich mit den aktuellen und historischen politischen Hintergründen dieses Verhältnisses kritisch befassen, dieses intellektuelle Unvermögen anzudichten, ist schon arg verlogen.
    Ein Umkehrschluss mit der Brechstange, wie ich meine ( „Da wir die Männer alle für mindestens latente Verbrecher halten, müssen sie alle Frauen für männerhassende Radikalfeministen halten“ ).
    Mal ganz davon abgesehen, daß es eindeutig frauenfeindlich ist, sich selbst zu Vertretern aller Frauen aufzuschwingen, dieselben zu unzurechnungsfähigen, zumindest aber selbstbestimmungsunfähigen Opfern zu erklären, um sie per Gesetz und Mediendauerbeschallung zu ihrem vermeintlichen Glück zu zwingen, indem man ihnen einredet, sie hätten gefälligst durch die Bank Karriere zu machen und ihre Kinder von Dritten aufziehen zu lassen.
    Dagegen hat der Martin aber ganz offensichtlich nichts einzuwenden, im Gegensatz zu den meisten Männer- bzw. Väterrechtlern, die ausgiebig genau darüber diskutieren. Woraus sich auch automatisch Schnittmengen u.a. mit B. Kelle ergeben ( z.B. zum Recht auf Selbstbestimmung – Ohgottogott, das das erfüllt ja schon wieder ein feministisches Klischee, nämlich den „Pakt zur Verschwörung alle Frauen zum Heimchen am Herd zu machen“, was tatsächlich weder „die Männerbewegten“, noch Kelle je beabsichtigt, oder gar zum Ausdruck gebracht haben ).

    „Für mich hat das politische Verständnis der eigenen Situation als Vater zudem einen sehr wichtigen pragmatischen Aspekt, auf den ich hier im Blog schon öfter hingewiesen habe. Das deutsche Kindschaftsrecht und seine exekutierenden Institutionen, Gerichte, Jugendämter und Beratungsstellen, benutzen das Recht immer wieder gleichsam als Transmissionsriemen, um politische Konflikte in die Elternbeziehungen hinein zu tragen.“
    Schön, hier die Jurisdiktion wenigstens grob der Exekutive zuzurechnen ( meinen Dank dafür, das ist keineswegs selbstverständlich ).
    Trotzdem kann ich den Satz nicht so unkommentiert stehen lassen. Denn es ist nicht das Recht an sich, welches hier instrumentalisierend mißbraucht wird, sondern „lediglich“ seine aktuelle ideologische Auslegung, die daraus verzerrend gestaltete Gesetzeslage, die weiteren niederen ( mittlerweile schon z.T. recht gruseligen ) Ausführungsvorschriften und die sich wiederum daraus ergebende Alltagspraxis in den Gerichten und entsprechenden Institutionen.

    „Männer kassieren die patriarchale Dividende ab

    Warum aber ist das politische Verständnis der eigenen Situation, das in den Traditionen linker Politik steht und das für die sinnvolle Gestaltung der Elternbeziehung unverzichtbar sein kann, für Rosowski so anrüchig?

    Männlichkeit ist für ihn, welche Überraschung, im Anschluss an Kimmel grundsätzlich mit Privilegien verbunden.“

    „Wenn aber Männer privilegiert sind, dann hätten sie auch – so offenbar die Logik des Vorsitzenden – jederzeit die Möglichkeit, politische Bedingungen zu ändern, unter denen sie leiden. Anstatt über politische Strukturen zu klagen, müssten sie also eher nach den Haltungen und Geschlechterbildern fragen, die ihrem eigenen Handeln zu Grunde liegen.“

    Nun ja, Rosowski kassiert seine Dividende ab.
    Ganz im Wortsinne von den Papas Kirche und Staat.
    Und im sprichwörtlichen Sinn indem er seine Machtposition auch ganz offensichtlich gern mal von oben herab ausnutzt ( s.o., indem er z.B. mich, vermutlich nicht als einzigen, einzuschüchtern versucht ).
    Ich frage mich wo da meine biologischen, oder auch sozial konstruierten, Privilegien bleiben. Im Laufe meines Lebens hatte ich u.a. diverse Male mit staatlichen Institutionen zu tun, wie wohl die meisten Menschen. Und ich habe es nie erlebt, daß ich, in welchem Anliegen auch immer, einer Frau vorgezogen wurde, eher im Gegenteil. Z.Zt. lebe ich in einem „Allüsantencontainer“ in einerm Zweibettzimmer aus Blech und Plastik.
    Die beiden alleinstehenden Frauen in der Anlage haben jeweils eine Wohnung – in einem Haus aus Stein – für sich, die normalerweise für Familien mit Kindern reserviert sind. Das gönne ich den beiden auch von ganzem Herzen ( wer möchte schon gern mit diversen Mitbewohnern Klo, Dusche und Küche teilen und hätte nicht lieber ein komplettes Zweizimmerappartment für sich? ), aber – wer wird da geschlechtsspezifisch privilegiert?
    Und das könnte ich, laut Rosoweski, ändern indem ich mein eigenes Geschlechterbild und die entsprechende Geisteshaltung hinterfrage? Hmmm! Ich brauche also nur zum deutschen Männerrat, oder der kirchlichen Hilfsorganisation „Männer helfen Männern“ zu gehen und zu sagen: „Ich bin ein potentieller Gewalttäter und möchte hier meine unverdienten Privilegien an die Frauen abgeben ( na, zumindest äußerst kritisch hinterfragen )“, und schon würde mir geholfen?
    Arno Wizorek und die „Bluestinkers“ würden einen #Aufkreisch starten und Gesetzesentwürfe an Heike Maaslos herantragen? Die renommierte Männerrechtsorganisation „PLANLOS“ würde Plakataktionen und sonstige Kampagnen initiieren, nach dem Motto: „Schützt die Fietes dieser Welt. Doppelzimmerwohnungen für in Not geratene Männer jetzt!“?
    Mal ehrlich, wovon phantasiert der Mann nachts?
    Ganz klar, so überzeugt kann weder er, noch Kimmel von dem Quatsch sein, den er ablässt.
    ( Als Parallele fällt mir gerade der Jörg Rupp, Männerrechtsexperte der grünbraunen Partei, ein, der vor Jahren auf seinem Blog herumblubberte, daß es für Männerhäuser ja gar keinen Bedarf gäbe, denn sonst gäbe es ja welche ).

    Und genau deshalb hält er auch das Symptom – also z.B. die möglw. in Zukunft wütenden Jungs – für die größere Gefahr für den „sozialen Frieden“ ( seinen Frieden! ), als die Ursachen ( also nicht zuletzt den Feminismus und dessen Männerdiskriminierung, woran Rosowski ja wenigstens billigend beteiligt ist ).
    Der Kerl hat Angst! Oder wie ich es im letzten Kommentar ausdrückte: Er ist angeschossen.
    Er ahnt zumindest, daß er seinen Budenzauber nicht ewig aufrechterhalten kann und daß es um so schlimmer für ihn kommt, je länger er sich aktiv an dem Mummenschanz beteiligt.
    Daher auch sein irrationales, nur sehr schlapp verklausuliertes „Nazi, Nazi“-Gepöbel, daß er recht deckungsgleich ( nur eben verkürzt und verschwurbelt ) von seinem BuFoMä-Kollegen Th. Gesterkamp und dessen Agit-Prop-Triumviratskameraden Rosenbrock und Kemper übernimmt.
    Aprospos Rosenbrock ( nur mal so am Rande ): Was ist aus dem I.-Lenz-Protegee eigentlich geworden?
    Das letzte was man von ihm las war, daß seine feministischen Mitbewohnerinnen ihn öffentlich der sexistischen Gewalt bezichtigten. Die einzigen, die sich aus geschlechterpolitischer Sicht dazu äußerten, waren: Tadaa! Die pöösen Männerrrechtler, welche ihm zwar nicht gerade alles Gute wünschten, aber ihm eindeutig und durch die Bank den Rechtsgrundsatz „in dubio pro reo“ zugestanden.
    Von Lenz und sonstigen Ex-Mitstreitern wurde er fortan totgeschwiegen ( zumindest ist mir kein unterstützender feministischer Kommentar dazu bekannt ). Und verschwand in der Versenkung. Soviel zu unpraktisch gewordenen Allys.

    „Doch der Beleg für rassistisch-autoritatives Gedankengut als konstitutives Element der maskulistischen Szene ist wissenschaftlich-systematisch noch nicht erbracht.“ (3)
    Nö! Aber: Doch der Beleg für rassistisch-autoritatives Gedankengut als konstitutives Element der feministischen Szene, kann wohl als wenigstens reichlich belegt angesehen werden, lieber Martin. Mir z.B. wurde, anläßlich einer ( eher nebensächlichen ) Unmutsäußerung meinerseits über einen grottenschlechten Artikel von A. Schrupp von einer, sich als hochintellektuell gerierenden Femitante ( sie meinte, ich wäre für eine Diskussion mit ihr per se zu dumm ) auf Diaspora.de ein Wohnsitz in „Angrywhitemenistan“ ( https://pbs.twimg.com/media/CU4J5aqUEAEUioT.jpg ) unterstellt und ein finaler Rückzug dorthin angeregt, nur um mal ganz willkürlich ein Beispiel von vielen herauszugreifen. Ein feministischer Ally der „Antifa“-Kreise wollte mich und ein paar weitere ( aus anderem, aber ähnlich „gravierendem“ Anlass ) gleich an Straßenlaternen aufhängen ( lassen ). Beides selbstredend ohne inhaltliche Argumentation.
    Rassistisch ja, autoritativ ja, nur mit den Vorzeichen scheint da irgendetwas durcheinandergekommen zu sein. Hat der Martin da vielleicht einfach die Filterblasen verwechselt, in denen derartiges Gedankengut und entsprechendes Verhalten der „Normalfall“ ist?

    „Rosowski begründet den Zorn, den er den Männern zuschreibt, mit der „Anonymität des Netzes, im Wegfall der Hemmschwelle, dem anderen eine Beleidigung ins Gesicht sagen zu müssen.“ (4) “
    Na ja, der Martin schreibt unter ausnutzung der patriarchalen Dividende Beleidigungsversuche unter Klarnamen ( s.o. ), aber auch nur, wenn er sich halbwegs sicher sein kann, daß der Angegriffene nicht über die nötigen „Connections“ verfügt, seine Untaten an die große Glocke zu hängen.
    Das passt m.E. ganz gut zu seinem Ruf nach dem schützenden „System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ ( beschützende Werkstätten für rassistisch-autoritative Agit-Prop-Künstler mit cholerischem Handicap, you know? Gesterkamp und Rosenbrock im ARD sind natürlich kein Problem, da im Safe Space ).

    „Für Rosowski bessert sich die Situation von Männern dann, wenn sie feministische Beschreibungen von Männlichkeit übernehmen.“
    Sehe ich auch so, nur möchte ich nicht in einer Welt leben, in der meine Geschlechtsgenossen sich grundsätzlich als Masochisten verstehen und verhalten. Oder meint er gar, die Männer sollten endlich ( wieder? ) solche „echten Kerle“ werden, die ihre Frauen hinter den Herd und in’s Kinderzimmer prügeln ( ganz klar eine feministische Beschreibung von „Männlichkeit“ )? Ich spiele mit dem Gedanken ihm das, zumindest als heimlichen Wunsch für sich selbst, zuzutrauen 😉

    „Männliche Spiegelungen des Feminismus hingegen, die sich beispielsweise im wgvdl-Forum finden, bilden zu Rosowski nur scheinbar eine Gegenposition. Sie übernehmen aus dem heutigen Feminismus von männlicher Seite aus das Geschlechterressentiment – die Reizbarkeit und Bitterkeit – das beständig abrufbare empörte Gefühl, rundheraus betrogen zu werden – und das diffuse, aber sicher verankerte Gefühl, dass die Angehörigen des anderen Geschlechts rundheraus privilegiert seien: Was den Feministinnen das Patriarchat, ist ihren männlichen Spiegelbildern der Femi-Faschismus.“

    So ganz substanzlos ist diese Meinung ja nun nicht, auch wenn sie sich nicht pauschal generalisieren lässt. Bspw. auf einen großen Teil der Jugendamtsmitarbeiter, Familienrichter und sonstiger im Kinder- u. Sorgehandel involvierter Kräfte trifft sie scheinbar zu ( zumindest wenn man die Sache recht undifferenziert betrachtet ).
    Und der Fairness halber soll auch gesagt werden, daß es auch auf wGvdL sachlich bemühte Mitschreiber gibt. Mit Rainer und Christine ( „Eingeweihte“ wissen sicherlich wen ich meine ) z.B. hatte ich nie Probleme. Daß es mir dort zu dumm wurde lag einfach daran, daß es einfach extrem nervig und zeitraubend ist, wenn über so ziemlich jeden einigermaßen brauchbaren Beitrag ( resp. dessen Autoren ) in ellenlangen Threads und z.T. auf flachster Schiene hergezogen wird, teilweise off-topic und sehr persönlich.

    Und nicht unerwähnt bleiben sollen auch die immer wieder auftauchenden hartnäckigen Gerüchte, daß ein Teil der sich dort als wütende Antifeministen im feministischen Sinne Gerierenden tatsächlich Feministen seien, die mal so richtig auf die Maskukacke hauen wollen, um den eigenen Vorbetern weitere Munition zu liefern. Für ausgeschlossen halte ich das jedenfalls nicht, manche erfüllen die entsprechenden Klischees wirklich bilderbuchmäßig nach Schablone. Man kann leicht den Eindruick gewinnen, daß dort immer mal einige „Malen nach Zahlen“ betreiben.

    „Die Unterteilung, dass es eine linke und eine rechte Männerbewegung gäbe, ist richtig,“

    Sehe ich etwas anders. Sicherlich gibt es etwas, das im weitesten Sinne zusammenfassend als „Männerbewegung“ bezeichnet werden kann. Einige versuchen in letzter Zeit verstärkt, daraus eine ernsthafte und einigermaßen organisierte politische „Bewegung“ zu machen. Davon wiederum verstehen sich einige als „links“ ( vermutlich überwiegend im Sinne der Definition von Prof. Buchholz ).
    Dem größten Teil der im Netz aktiven Kinder-, Familien-, Väter- u. Männerrechtler ist eine solche Einordnung aber zunächst mal völlig Latte, sie wollen Mißstände aufzeigen und entsprechende Aktivitäten unterstützen oder zur Organisation/Bekanntmachung derselben beitragen.
    Ich jedenfalls käme nie auf die Idee, z.B. einen Thomas Friedrichs, Wolle Pelz, oder sonst einen der mir bekannten Aktivisten zu fragen ob er „links“ oder „rechts“ wäre, geschweige denn einen davon ungefragt einzusortieren. Und umgekehrt bin ich auch nie von einem anderen auf derartiges angesprochen worden. Es geht um konkrete Mißstände, nicht um das Einreihen in eine ideologische Richtung.
    Die mir bekannten Zuschreibungen, besonders natürlich mir selbst ggü., kamen ausnahmslos von der Gegenseite ( s.o. Beispiel „Angrywhitemenistan“, „Laternenpfähle“ ), also eindeutig extrem rechts, was lustig ist, da ich lebenslang Grundsätze vertreten habe, die, soweit mir bekannt, allgemein eher als „links“ verstanden werden.
    Davon abgesehen gehen mir ideologische Zuschreibungen schon seit meinen Zwanzigern auf den Sack, da
    1) sie immer unschärfer werden und
    2) zu unkritischem Mitläufertum provozieren ( bspw. „links zu sein beinhaltet Feminist zu sein“, die Ergebnisse flattern uns jetzt auf den sozialen Plattformen um die Ohren und sind m.E. zum Kotzen ).

    „Wenn Rosowski dabei Männern vorwirft, an einer „Benachteiligungslegende“ (3) zu stricken, dann wiederholt er auch damit die klischeehafte Verknüpfung von Männlichkeit und Herrschaft: Die Rede von männlichen Benachteiligungen kann für ihn selbstredend nur eine Legende sein, ohne dass das weiter belegt werden müsste.

    Gleichwohl hat er in einem Punkt nicht ganz unrecht: Heutige Versuche, Geschlechterdebatten abseits feministischer Setzungen neu zu gestalten, sind sehr stark auf männliche Benachteiligungen konzentriert. Das schließt mich selbst – insbesondere aufgrund meiner eigenen Situation als Trennungsvater – mit ein.“

    Doch, er hat Unrecht! Es ist/sind keine Legende/n, im Sinne von ideologischen Märchen. Die politische, justizielle und institutionalisierte, rein ideologisch gestützte pauschale Benachteiligung von Männern, speziell Trennungsvätern, die er selbst ja ( Schoppe zitiert es ) andeutungsweise zugibt, ist knallharte Realität im Alltag!
    Ich denke, Rosowski provoziert mit diesem weiteren Beleidigungsversuch bewußt gleich doppelt. Zum einen bestätigt er damit feministische Grundsätze ( „DIE jammern ja nur, weil sie Angst um ihre Privilegien haben“ ), was er offenbar für seinen primären Auftrag hält. Zum anderen will er damit tatsächlich zu wütenden, und nach Möglichkeit mit Kontrollverlusten einhergehenden ( hier schließt er m.E. von sich auf andere ) Antworten reizen, die er und seine Mitprofiteure dann in klingende Münze und weitere Selbstbestätigungen umwandeln können.
    Genau diese Benachteiligungen sind aber nunmal das dringendste Problem, zumindest im Familienrecht und müssen noch wesentlich mehr bekannt gemacht werden, bevor sich Medien und Politik nicht mehr feige davor verstecken können ( immerhin scheint es seit ein paar Jahren einen leichten Trend zur Besserung zu geben ). Was natürlich nicht heißen soll, daß es nicht an positiven Perspektiven fehlt, da bin ich mit Mr. Man Tau absolut einer Meinung.

    ( Puuh! Der Kommentar ist jetzt um ein mehrfaches länger geworden, als er sollte. Sei’s drum, wer weiß, wann ich mal wieder dazu komme. Sollte der eine oder andere darin hie und da eine Spur Sarkasmus zu entdecken meinen, so gönne ich ihm das.
    Die Kommentare zerpflücke ich nicht auch noch einzeln, sonst sitze ich morgen früh noch auf der Bettkante, mit Tastatur auf dem Schoss. )
    CU……

    • Lieber Fiete, vielen Dank für Deine lange Antwort! Ich möchte auf ein paar Punkte noch eingehen.

      Erster Punkt: „Ich hoffe also, daß, sollte der Martin zufällig ( oder auch gezielt ) über diesen Thread stolpern, er mittlerweile soviel Selbstkontrolle entwickelt hat, gar nicht erst ( nochmal ) am Rad zu drehen“

      Schon das ist in meinen Augen ein echtes Problem: dass man schon gleich im Kopf hat, es könne juristische Konsequenzen geben, wenn über einen Mailwechsel berichtet wird. Der hat ja immerhin einen institutionellen Hintergrund und ist bezogen auf öffentliche Äußerungen.

      Wäre es ein rein privater Mailkontakt gewesen – oder wäre es dabei um Themen gegangen, die offenkundig vertraulich sind – dann hätte ich einen öffentlichen Bericht davon auch anrüchig gefunden. Aber hier geht es um etwas anderes – nämlich um einen Versuch, öffentliche Äußerungen zu beeinflussen, und dies offenbar mit institutionellen Folgen. Jedenfalls berichtest Du ja davon, dass Du auch von anderen angeschrieben worden bist, die durch Herrn Rosowski offenbar einbezogen worden waren: Es ging offenkundig nicht um einen rein privaten Austausch.

      Überhaupt auf die Idee zu kommen, dass eine Äußerung dazu ja juristische oder andere Konsequenzen haben könnte – das zeigt ja nur, wie belastet das Verhältnis ist. Und diese Belastung liegt m.E. wesentlich in der Verantwortung des BüFo-Vorsitzenden. Da berichtet jemand darüber, dass er eingeschüchtert werden sollte – und sofort hat man Bedenken, ob denn dieser Bericht selbst in Ordnung ist…

      Ich hätte es übrigens völlig legitim gefunden, und keiner juristischen Auseinandersetzung wert, wenn Rosowski zum Gender Kongress hingefahren wäre und dort seine Vorwürfe offen formuliert und begründet hätte. Das wiederum hätte ja anderen die Möglichkeit zur Erwiderung gegeben. Das Problem waren nicht einmal diese Vorwürfe selbst, sondern die Tatsache, dass er offenbar sie hinterrücks, institutionell gedeckt und ohne Möglichkeit der Gegenrede lanciert hat. Das ist einfach ein tief undemokratisches Verhalten.

      Zweiter Punkt: „Rechts und links“ geraten heute ja tatsächlich in Verwirrung. Eine Politik, die sich als links versteht, ist mehr und mehr eine Politik einer weitgehend abgegrenzten, auf sich selbst bezogenen, sozial und ökonomisch privilegierten Schicht – während das Dazwischenreden von Menschen aus weniger privilegierten Schichten als rechts präsentiert wird. Ist es manchmal natürlich auch, in der Hetze gegen Flüchtlinge ist das ja nicht zu übersehen.

      Es lohnt sich trotzdem, darauf zu achten, wie dieses „Rechte“ dann sonst noch beschrieben wird: als trollig, als ungeschlacht, wütend, primitiv, ungebildet, undifferenziert, vorurteilsbehaftet, unaufgeklärt, eben pöbelhaft. Die Rechts-Links-Zuordnung wird benutzt und instrumentalisiert für eine klassische Abgrenzung distinguierter Schichten gegen den Pöbel.

      In der Männerpolitik hat die Rechts-Links-Zuordnung m.E. trotzdem einen sehr guten sachlichen Sinn.

      „Rechts“ sind Positionen, die einen Verlust geordneter Verhältnisse beschreiben, so als ob früher alles besser gewesen wäre – versetzt mir Ressentiments gegen die „Kulturmarxisten“, die mit den Feministinnen im Bunde seien, um die westlichen Gesellschaften zu untergraben.

      „Links“ hingegen sind Positionen, die Veränderungen positiv gegenüberstehen, die beispielsweise für größere Möglichkeiten von Vätern eintreten, für ihre Kinder auch direkt zu sorgen und nicht allein in der Bereitstellung finanzieller Mittel.

      Unterscheidbar sind diese Positionen u.a. gut in ihrer Kritik an feministischen Positionen. „Rechts“ ist nach meinem Verständnis eine Kritik, die beschreibt, dass der Feminismus intakte Verhältnisse und Ordnungen zerstört habe. „Links“ ist eine Kritik, die Feministinnen vorwirft, Geschlechterklischees aufrecht zu erhalten, die sich längst überlebt haben. Ich finde es schon wichtig, dass es dabei nicht einfach um unterschiedliche Stillagen geht, sondern um unterschiedliche Analysen und Ziele.

      Dritter Punkt: Wie ein Vorsitzender des „Bundesforum Männer“ überhaupt dazu kommt, es pauschal als „Legende“ abzutun, wenn Männer sich als benachteiligt beschreiben – das müsste er tatsächlich erst einmal selbst erklären.In meinen Augen ist das herrisches, substanzloses Gerede.

      Richtig daran ist nicht der Legenden-Aspekt, sondern der erste Teil: Wir diskutieren tatsächlich häufig über Benachteiligungen von Männern, die nicht wahrgenommen würden – was in vielerlei Hinsicht, eben etwa angesichts der Situation von Vätern, auch verständlich ist. Es fehlen aber positive Perspektiven. Die fehlen bei Feministinnen auch (wenn man mal vom Requirieren öffentlicher Mittel absieht), aber den meisten heutigen Feministinnen geht es – eben aus der oben beschriebenen linken Sichtweise – darum auch gar nicht. Mir schon.

      • Moin Lucas,
        zu Punkt eins:
        Jo, insofern hat Rosowski sein offenbares Ziel durchaus ein kleines Stückchen weit erreicht; ein gewisser Einschüchterungseffekt ist wohl unzweifelhaft gegeben, selbst bei mir, der ich in Punkto Drohungen mit Anwaltsflottillen relativ schmerzfrei bin. Und prompt stellst Du einen immerhin spürbaren Dominoeffekt bei Dir fest. Und ich denke, genau das war die Absicht hinter der intriganten Aktion. V.dh. bin ich, so ärgerlich der Vorfall war, für den cholerischen Dillettantismus in der Ausführung sogar dankbar, sonst hätte er sich wohlmöglich schlauer angestellt und ich wäre u.U. drauf hereingefallen. Zumal ich derzeit noch eine ganz hübsche Wut im Bauch hatte, auf alles, was ( zumindest im weitesten Sinne ) eine Art Mitschuld am Verlust meines Kindes trägt, resp. diesen billigt, oder gar in’s Lächerliche zieht ( Stichwort „Legenden“, oder „gefühlte Benachteiligungen“, das sind gezielte Beleidigungs-/Verunglimpfungsversuche, jedenfalls bewußte Gehässigkeiten, die ihre Wirkung gar nicht verfehlen können, egal wie abgestumpft man ihnen ggü. mit der Zeit wird ).

        In der Tat war ja eine der Mails von ihm formell betrachtet rein privat ( und ich glaube, eine meiner Antworten – die letzte, in der ich ihm „Gnade vor Recht“ anbiete, wenn ich mich nicht irre – war es auch ). Trotzdem gebe ich sie inhaltlich einigermaßen genau wieder, weil sie einen wesentlichen Kern der Sache und einen zum Verständnis des „Charakters“ R.s m.E. ganz bedeutsamen Punkt beinhaltet, nämlich das ( offenbar ebenfalls private, aber in seinen öffentlichen Äußerungen auch beachtbare ) pöbelhafte Niveau.
        Nur zum Verständnis: Ich habe durchaus einen rabenschwarzen Humor, besonders wenn es um Befassungen mit Werken der Gegenseite ( und als solche betrachte ich das BuFoMä – als Profitfeministische Organisation – immer noch ) geht. Da mag sich der eine oder andere sicherlich hart angegangen fühlen, das gönne ich ihm. Aber derart ghettomäßig wie R. in dieser Mail würde ich selbst dem schlimmsten Feind ggü. niemals reagieren, schon gar nicht, wenn es um einen scheinbar sicheren Triumph aufgrund von dessen totaler Niederlage ginge. Das ist nicht nur nicht mein Stil, sondern m.E. ernsthaft defizitär. Eben auch deshalb sehe ich ein öffentliches Interesse, gerade aufgrund der Funktionen R.s, sei es als selbsternannter „Vertreter aller deutschen Jungen und Männer“, sei es als Kirchenbonze und weichgespülter Redner.
        Ein bilderbuchtypischer Kreidefresser, so schätze ich ihn ein.

        „Ich hätte es übrigens völlig legitim gefunden, und keiner juristischen Auseinandersetzung wert, wenn Rosowski zum Gender Kongress hingefahren wäre und dort seine Vorwürfe offen formuliert und begründet hätte.“
        Gar keine Frage, aber in dem Sinne ist er eben ein „ganz normaler“ ( ab-)gehobener feministischer Funktionsträger und die diskutieren grundsätzlich nicht, wenn Gefahr besteht, daß nicht nur Claqueure im Raum sind, das kann man mittlerweile wohl als allgemeine Grunderkenntnis zu dieser Personengruppe sagen. Sie sondern im Safe-Space Statements ab, sonst i.d.R. nix ( „hinterrücks, institutionell gedeckt und ohne Möglichkeit der Gegenrede“, Du sagst es )
        Ausnahme wäre evtl. A. Kemper, der frozzelt schon mal ein wenig herum, trifft dabei aber üblicherweise kaum je das Thema.
        „Oh, ein neues Maskuforum“, war sein einziger Kommentar auf einen eindeutig inhaltlich gemeinten Link zu einem Beitrag auf der Startseite von „Väter-für-Gerechtigkeit“ ( was im Netz normalerweise unter einem Forum verstanden wird, begreift der genau so wenig wie der Martin ).
        Ich habe auf Facebook mal ( ist auch schon ein paar Jahre her ) versucht einen Austausch in der BuFoMä-Gruppe vom Zaun zu brechen, es ist mir nicht gelungen. Erst wurde eisern geschwiegen, dann wurde ich gesperrt und direkt darauf alles von mir dort gelöscht. Nun gut, es war natürlich schon radikal pro Gleichberechtigung und dementsprechend scharf feminismuskritisch 😉

        Zu Punkt zwei:
        Tja, ich bin wohl „rechts“ und „links“ zugleich, oder eben nix von beiden, insofern bestärkt mich Deine Kurzdefinition eher in meiner Ablehnung ideologisierter Weltsichten.
        „Never touch a running system“ ist m.E. i.O., solange das entsprechende System gut funktioniert und niemanden gravierend benachteiligt. Neuerungen ggü. bin ich erstmal vorsichtig, bis sie einigermaßen ausgeforscht sind. Dann können sie im Alltag getestet werden.
        Je nach Notwendigkeit halt.
        Deine Beispiele dazu scheinen mir gut zur etwas allgemeineren Definition von Prof. Buchholz zu passen, der ja auch erklärt hat, warum er manche sich selbst als links bezeichnende Politik als eindeutig rechts empfindet ( bin gerade zu faul zu versuchen den Link zu finden, ich meine es war auf „Cuncti“, kann aber auch „Frankfurter Erklärung“ gewesen sein, ist schon etwas länger her ).

        Zu Punkt drei: ( Siehe zu Punkt eins ), da stimme ich also grundsätzlich zu.
        Im Endeffekt stellt Du ziemlich knapp den für mich wesentlichen Unterschied zwischen Feminismus und „Maskulismus“ ( falsch; hier muß es „Männerbewegung“ heißen, welche ja – in meinen Augen – auch noch die „Kinder-, Familien-, Elternrechtler“ und sonstige männliche Gleichberechtigungsbefürworter beinhaltet – im Gegensatz zu Feminismus, der eben nicht als recht vollständig integraler Bestandteil einer Frauenbewegung gelten kann, die es z.Zt. schlichtweg nicht zu geben scheint ).
        Ersterer will überwiegend gegen etwas angehen, Zweiterer will ( zumindest zum größten Teil und auf lange Sicht ) etwas für die Allgemeinheit positives erreichen.
        Das sehen die Femis natürlich genau umgekehrt, liefern aber keine brauchbaren Begründungen dazu, jedenfalls kenne ich keine.
        ( Jetzt fange ich selbst schon an von „Maskulisten“, Männerrechtlern, Väterrechtlern u.s.w. zu schreiben, obwohl die Termini m.M.n. in fast allen Fällen falsch sind, aber sei’s drum, es vereinfacht die Sache ).

        „Mir schon.“
        Dem schließe ich mich vollumfänglich an, sonst würde ich den gesamten Themenkomplex einfach ignorieren, weil zu doof, zu anstrengend und überhaupt…. 😉

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