Schule

Warum Inkompetenz sich an der Schule lohnen kann

Bild zeigt eine Schule
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Ein sehr guter Freund von mir, auch er ist Lehrer, hat gerade seine Schule gewechselt. Er kennt sich ausgesprochen gut mit Computern aus, mit ihrer Instandhaltung und der Pflege von Netzwerken (von Computernetzwerken, er ist kein Politiker), und so war er auf seiner alten Schule für die Computer verantwortlich. Eine enorme Arbeit, für die man an einer größeren Schule eigentlich eine eigene Stelle bräuchte, für die er allerdings lediglich eine Entlastungsstunde (also: eine Stunde weniger Unterrichtsverpflichtung) bekam.
Aufgrund dieser Erfahrung und der Überarbeitung, die damit verbunden war, versteckt er auf der neuen Schule nun sein Wissen und Können. Ein Schulcomputer ist nicht in Ordnung, er könnte ihn leicht instand setzen – lässt sich aber wohlweislich nichts anmerken und den Computer in seinem derangierten Zustand.
Gegenbeispiel: Es gibt natürlich an jeder Schule – so wie an jedem anderen Arbeitsplatz – auch Kolleginnen und Kollegen, die bestimmte zentrale Aufgaben kaum erledigen können oder wollen. Beispielsweise die zeitaufwändige, aber wichtige Klassenleitung. Wer sich dabei (aus Unbedarftheit oder mit Kalkül) so blöd anstellt, dass er bzw. sie die Klassenleitung schon nach kurzer Zeit in den Sand gesetzt, das Verhältnis zur Klasse tief gestört und vor allem (das ist entscheidend) die Eltern so sehr gegen sich aufgebracht hat, dass sie der Schulleitung auf die Nerven gehen – der bzw. die kann damit rechnen, in Zukunft von der Arbeit einer Klassenleitung verschont zu bleiben.
Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Berühmt wurde ja die Geschichte der Grundschullehrerin Sabine Czerny, die mit den Schulämtern gerade deshalb in Konflikt geriet, weil ihre Schüler stabil deutlich bessere Noten hatten als die Schüler anderer Lehrkräfte. Es ist relativ normal, dass beispielsweise in Abschlussarbeiten (deren Bewertung standardisiert ist, so dass große Unterschiede der Benotung kaum durch größere bzw. geringere Schülerfreundlichkeit zu erklären sind) das Spektrum der Durchschnittsnoten ziemlich groß ist. Das kann verschiedene Gründe haben – die Zusammensetzung des Kurses, den Unterricht in den zurückliegenden Jahren, aber eben auch die Arbeit der gegenwärtigen Lehrkraft. Bezeichnend jedoch ist, dass niemand nach diesen Gründen fragt, obwohl die Benotung für den Abschluss der Schüler womöglich entscheidend ist.
Genauer: Gerade WEIL die Note womöglich entscheidend ist, wird nicht genauer gefragt. Die Schüler können sich in der Regel ihre Kurse schließlich nicht selbst wählen, sondern werden zugeteilt. Dieses System kann nur dann als gerecht präsentiert werden, wenn man mit der (unrealistischen) Fiktion operiert, dass alle Kurse prinzipiell die gleichen Chancen bieten.
Inkompetenz kann sich an der Schule lohnen – wer aber etwas wirklich gut kann, muss aufpassen, dass er sich dabei nicht erwischen lässt. Sicher: Dieser paradoxe, offensichtlich nicht sonderlich funktionale Sachverhalt wurzelt darin, dass gerade verbeamtete Lehrkräfte sich eigentlich kaum noch bewähren müssen – man muss die Auslese am Anfang, in der Initiationsphase des Referendariats, schaffen, und hat dann zur Belohnung bis zur Pensionierung Ruhe.
Dies aber begründet sich weniger, wie oft unterstellt, in dem Wunsch, es den Beamten möglichst leicht zu machen  – der Grund ist eher die Fiktion der Gleichheit, auf welche die hierarchisch von oben nach unten funktionierenden Zuweisungen (in Kurse, Klassen, Schulformen etc.) zu ihrer Legitimation angewiesen sind.
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