Väter

Heulende Arschlöcher – oder: Um welche Rechte welcher Väter geht es eigentlich?

Bild zeigt Vater mit Sohn am See
geschrieben von: Lucas Schoppe
„Heul doch, Papa!“ hält die „Rosa Antifa Wien“ auf einem Flugblatt der Demonstration von Menschen entgegen, die 2010 in Wien für eine gleichberechtigtes Sorgerecht für Väter (in Österreich: Obsorge) demonstrieren. „Die neuen Väter sind die alten Täter. Ich weiß einen Trick, tritt Papa in den Schritt!“ endet der entsprechende Text im Internet.
Die Soziologin Anita Heiliger, bekannt geworden durch ihre Dissertation „Alleinerziehen als Befreiung“, berichtet in ihrem Text „In Nomine Patris“ sympathisierend über  eine „linksfeministische“ Gruppe, die 2005 in Berlin eine Väterrechtsdemonstration mit Sprüchen wie „Deutsche Väter sind keine Opfer.“ oder „Papa war ein Arschloch“ begleitet.
Im Ton etwas gepflegter, in der Wirkung eher noch diffamierender geht Hinrich Rosenbrock in seiner 2012 von der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen veröffentlichten Schrift „Die antifeministische Männerrechtsbewegung“  vor. Rosenbrock assoziiert die „Männerrechtsbewegung“ mit rechtsradikalen Positionen, stellt gleich zu Beginn fest,  „dass der Väterrechtsdiskurs der größte Unterstrang im Männerrechtsdiskurs ist“ (S. 25), fügt aber sogleich an, dass er weiter nicht darauf eingehen werde, weil eine Auseinandersetzung „den Rahmen dieser Arbeit“ sprengen würde. Das ist ungefähr so, als würde ein Literaturwissenschaftler in einer Studie nachweisen wollen, dass die Weimarer Klassik rechtsnational und präfaschistisch war, einschließlich Goethes und Schillers, auf die er aber ansonsten nicht näher eingehen könne, weil das den Rahmen der Arbeit überstiege.
Immerhin gesteht Rosenbrock zu, dass „einige väterrechtliche Forderungen berechtigt“ sind (S. 27), unterstellt aber schon im nächsten Absatz, dass „Männerrechtler/innen“ insgesamt antifeministisch motiviert seien.
Das sind ziemlich viele Aggressionen, ist ein ziemlich großes Diffamierungsbedürfnis angesichts der eigentlich doch nachvollziehbaren, zivilen und wichtigen Forderung von Vätern, im Recht zur Sorge für ihre Kinder nicht weiter benachteilt zu werden. Den entsorgten Vätern, die ich kenne, ist der Feminismus übrigens entweder herzlich egal, oder sie hatten (so wie ich) ursprünglich sogar eine positive Einstellung dazu. Es ist auf eine recht putzige Weise egozentrisch, wenn eine Feministin glaubt, den gegen die willkürliche Trennung von ihren Kindern demonstrierenden Vätern ginge es selbstverständlich gar nicht um ihre Kinder, sondern allein um sie – die wackere Streiterin gegen die patriarchale Gewalt.

Der Begriff „Väterrechte“ ist dabei durchaus mehrdeutig. Um welche Rechte welcher Väter geht es eigentlich?

Das ursprüngliche Vorhaben des Justizministeriums, auch nichtehelichen Vätern und Müttern automatisch das gemeinsame Sorgerecht zuzuerteilen (soweit kein Widerspruch der Mutter vorliegt – als ob Väter nicht auch Gründe zum Widerspruch haben könnten) wurde auch auf Druck von Organisationen wie dem Alleinerziehendenverband geändert – nun sollen Väter das Sorgerecht erst dann bekommen, wenn sie es beantragen und wenn die Mutter keinen Widerspruch einlegt. Das sendet ein ausgesprochen ungünstiges Signal: Es signalisiert nämlich Vätern, es sei ganz ihnen überlassen, ob sie eine elterliche Verantwortung gegenüber ihren Kindern tragen wollen oder nicht.

Das bisherige Sorgerecht verletzt die Rechte derjenigen Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, und verletzt damit zugleich auch die Rechte dieser Kinder. Es schützt zugleich auch das Recht anderer Väter: das vermeintliche Recht eines Vaters nämlich, die Verantwortung gegenüber dem eigenen Kind zu ignorieren, wenn er dies so wolle. Andersherum schützt das Sorgerecht keineswegs generell Rechte der Mütter, sondern es schützt diejenigen Mütter, die eine Kooperation mit den Vätern ihrer Kinder verweigern. Diejenigen Mütter aber, die mit den Vätern kooperieren wollen, werden im Regen stehen gelassen, sobald diese Väter nicht von sich aus ihre Verantwortung übernehmen.
Väter, die eine Verantwortung für ihre Kinder verweigern, finden (und das ist nur auf den ersten Blick paradox) gerade bei mütterrechtlich orientierten Politikerinnen und Lobbyistinnen ihre treuesten Bündnispartnerinnen. Passend wäre hier eigentlich eine Auseinandersetzung mit der Stellungnahme Edith Schwabs, die als Vorsitzende des Alleinerziehendenverbandes als „Sachverständige“ vor dem Rechtsausschuss des Bundestages vorgetragen hat. Ein anderes Beispiel ist aber so hübsch, dass ich daran nicht vorbeikomme. Die ebenfalls als Expertin geladene Richterin Carmen Hensgen warnt davor, Vätern das beantragte Sorgerecht zuzuerkennen, wenn die Mutter nicht nach einer gewissen Frist widerspreche. Sie betont, dass Mütter in den Monaten nach der Geburt Schwierigkeiten haben könnten, ihre Post zu öffnen, und daher eine entsprechende gerichtliche Information lange übersehen könnten. (S. 3, mehr dazu auch hier) Während die Sachverständige einer Mutter also nicht einmal zutraut, einen Brief öffnen zu können, ist es für sie zugleich völlig in Ordnung, wenn diese Mutter 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche allein für ein kleines Kind sorgt.

Dieses Beispiel wäre natürlich eine gute Gelegenheit, demonstrativ und augenrollend vom Stuhl zu fallen („DAS ist eine Richterin? DAS ist eine Sachverständige?“). An dieser Stelle aber geht es lediglich darum, ein ja irgendwie auch lustiges Beispiel dafür zu nennen, wie sehr bei der Diskussion einer Verbesserung des Sorgerechts regelrecht zwanghaft nach Argumenten gesucht wird, um eine größere Gleichberechtigung von Vätern und Müttern zu verhindern.

Das ist eben nicht nur zum Nachteil von Kindern und von Vätern, die Verantwortung tragen – sondern auch zum Nachteil von Müttern, die mit den Vätern ihrer Kinder kooperieren wollen. Nachvollziehbar ist diese Position nur unter zwei unplausiblen Voraussetzungen – wenn man nämlich zum einen davon ausgeht, dass sich „Frauen“ und „Männer“ wie zwei monolithische Blöcke gegenüberstehen, und zum anderen davon, dass das Verhältnis zwischen beiden als Nullsummenspiel funktioniert. Was zum Nachteil von Männern sei, sei zwangsläufig zum Vorteil von Frauen – und umgekehrt.

Wer Vorteile für Väter schaffe, schaffe also zugleich Nachteile für Mütter – und das könne doch (im Sinne der Kinder, latürnich) niemand wollen.

Offensichtlich ist diese Position nicht haltbar – und die eingangs zitierten Beschimpfungen oder Diffamierungen sind vermutlich ein Zeichen dafür, dass das den entsprechenden Akteurinnen und Akteuren insgeheim auch klar ist.

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