Warum Kinder die Sache mit der Gendergerechtigkeit nicht so richtig kapieren (Geschlechter als soziale Konstruktionen? – Teil 2)

Was bisher geschah: Die Vorstellung, Geschlechter seien soziale Konstruktionen, ist nicht absurd, wenn auch möglicherweise ein wenig banal. Problematisch aber ist die Idee, Geschlechterrollen ließen sich, da ja eh nur sozial konstruiert, auch beliebig umkonstruieren. Das ist nicht möglich, unter anderem deshalb, weil bestehende Konstruktionen wichtige Funktionen erfüllen und komplex sind.

„Liebe Anwesenden und Anwesendinnen!“ – Die Bemühungen um eine „gendergerechte“ Sprache sind, gezielt oder unfreiwillig, ein dankbares Objekt, wenn man (weniger: wenn frau) sich über die Sprache der Mitmenschen lustig machen möchte. Natürlich ist Sprache für uns ein wichtiges Instrument, um unsere Wirklichkeit zu ordnen und wahrzunehmen – nicht nur über die Medien, sondern auch über die sprachliche Auseinandersetzung mit anderen. Dass wir aber in diesem Sinn unsere Welt sprachlich konstruieren, legt den Schluss allzu nahe, allein durch die Veränderung von Sprache könne auch die Wirklichkeit verändert werden. Es ist kein Wunder, dass dieser Glaube sich besonders an den Universitäten entwickeln konnte, an denen die soziale Wirklichkeit (gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften) oft durch recht reduzierte Formen der sprachlichen und metasprachlichen Interaktion gestaltet wird. Das betrifft insbesondere Regelungen zur geschlechtergerechten Sprache. „Die Verwendung maskuliner Bezeichnungen für Frauen ist diskriminierend, denn es macht Frauen unsichtbar, enspricht nicht dem Grundsatz der Gleichbehandlung beider Geschlechter und verstärkt Stereotypen über die Rollen von Frauen und Männern“, heißt es beispielsweise (nicht ganz orthografiegerecht) in einem Leitfaden zur geschlechtergerechten Sprache der Uni Göttingen.

Natürlich gibt es Zusammenhänge zwischen dem grammatischen und biologischen Geschlecht, aber ebenso offensichtlich ist, dass sie nicht zwingend sind. Der Busen wird durch den männlichen Artikel nicht zu einem Teil der männlichen Anatomie, die Hüfte eines Mannes ist kein weibliches Körperteil. Und die Idee, dass die Penetration eine weibliche, der Orgasmus aber eine männliche Angelegenheit sei, hätte schon Andrea Dworkin auf die Palme gebracht.
Sprache entwickelt sich in der unüberschaubaren Interaktion unüberschaubar vieler Individuen und Gruppen. Wer durch eine bewusste Steuerung der Sprache die Wirklichkeit verändern will, muss dafür Bündnisse mit einflussreichen Autoritäten schließen, die eine solche sprachliche Steuerung gegen den Großteil der Interagierenden überhaupt erst durchsetzen können. Es ist durchaus bezeichnend für das Ausblenden störender Aspekte der Wirklichkeit, dass der Widerspruch zwischen einem solchen Bündnis mit Autoritäten auf der einen und einem emanzipatorischen Anspruch auf der anderen Seite gar nicht wahrgenommen wird.

Wir sind nicht Gott, und Gott ist nicht queer (hetero aber wohl auch nicht) Die „Konstruktionen“ anderer zu entlarven ist einfacher, als die Konstruktionen des eigenen Agierens auch nur wahrzunehmen. Der Stoßseufzer, dass Kinder und Jugendliche in traditionelle Geschlechterrollen verfallen, obwohl sie doch aufgeklärt, gendergerecht und emanzipiert erzogen worden seien, könnte ein Beispiel für eine solche Blindheit angesichts der eigenen Konstruktionen sein („.Und Eltern verzweifeln an ihrem Versuch, ihr Kind emanzipiert zu erziehen.“) Denn schließlich erleben Kinder und Jugendliche heute die Erwachsenenwelt keineswegs als gleichberechtigt und emanzipiert. Für sie ist es wesentlich selbstverständlicher als für die Kinder und Jugendlichen vor dreißig oder vierzig Jahren, dass sie selbst oder Freunde nur bei einem Elternteil aufwachsen, nämlich in aller Regel bei der Mutter. Wesentlich relevanter als der Gebrauch des männlichen oder weiblichen Artikels ist für Kinder vernünftigerweise ja die Frage, inwieweit die Eltern Zeit mit ihnen verbringen, für sie aufmerksam sind, auf sie reagieren – und in diesem Sinne sind die „Geschlechterkonstruktionen“, die Kinder heute erleben und in denen sie aufwachsen, wesentlich starrer und betonierter als vor wenigen Jahrzehnten.

Ein anderes Beispiel: Der Blogger Adrian setzt sich in dem Text „Nicht schon wieder queer“ (der auch hier diskutiert wird) mit dem aus einer queer-Perspektive formulierten Anspruch auseinander, die „Heterowelt von innen (zu) sprengen“, und kommentiert, es habe „schon etwas von einer narzisstischen Anmaßung“ zu glauben, als kleine schwule Minderheit die Heterowelt sprengen zu können. Er beschließt seinen Text mit dem Hinweis, dass es für ihn als Schwulen manchmal schmerzlich, aber insgesamt „so schlimm auch nicht“ sei, in einer Minderheit zu sein. Es habe keinen Sinn, Geschlechter lediglich als (heterosexistsiche) Konstruktionen zu betrachten und damit Unterschiede einzuebnen. „Individualität bedeutet, Unterschiede anzuerkennen und sie als Teil der Pluralität des Lebens zu akzeptieren. Aber zu versuchen, diese Unterschiede einzuebnen, diese als nichtexistent, als Konstruktion zu betrachten, halte ich in höchsten Maße für absurd. Ganz einfach, weil es der Lebensrealität widerspricht.“
Schon im ersten Kommentar fängt sich Adrian den Tadel ein, es erübrige sich jede Diskussion, wenn er im Zusammenhang mit sozialkonstruktivistischen Ansätzen von „Lebensrealität“ schreibe…
Destruktiv an einem sozialkonstruktivistischen Ansatz dieses Stils, der hier nicht zufällig von einem mit einer falschen Wortwahl (!) begründeten Ausschluss aus dem Gespräch begleitet ist, ist eine durchaus verbreitete Haltung. Den „Konstruktionen“ anderer wird gar nicht erst zugestanden, dass sie grundsätzlich funktional sind, sie es ihnen also erlauben ihre Lebensrealität zu ordnen und zu gestalten. Stattdessen kommt der Hinweis auf die Konstruiertheit der Realität mit einem gewaltigen Entlarvungsgestus daher. Schon Butler fragt in Das Unbehagen der Geschlechter, ob nicht „die natürlichen Sachverhalte des Geschlechts“ diskursiv produziert seien, „nämlich durch verschiedene wissenschaftliche Diskurse, die im Dienste anderer politischer und gesellschaftlicher Interessen“ stünden (S. 24) – und so, wie Butler fragt, beantwortet sich die Frage natürlich von selbst.
Typisch für diesen auf Permanenz, durchaus auch auf Penetranz gestellten Entlarvungsgestus, mit dem soziale Konstruktionen anderer beständig als Ausdruck von Herrschaftsinteressen gedeutet werden, ist die Blindheit für die Konstruiertheit der eigene Position.
Tatsächlich speist sich dieser Anspruch nicht allein aus Positionen Butlers oder Derridas, sondern verweist auch auf Adornos Philosophie. Wenn es kein richtiges Leben im Falschen gibt, dann kann das „Richtige“ eben nur ganz ortlos daherkommen, angesichts der allgegenwärtigen Herrschaftskonstruktionen selbst unkonstruiert und in diesem Sinne rein, queer und quer zum Bestehenden, subversiv, widerständig, nicht greifbar….
Das lässt sich nicht halten. Dass die gesamte umgebende Lebensrealität „falsch“ sei, angezweifelt werden müsse, gar entlarvt – das kann man zwar als Satz formulieren, aber mit diesem Satz ist eigentlich kein vernünftiger Gedanke zu verknüpfen. Man könnte das mit Charles Sanders Peirce oder Donald Davidson vielleicht so formulieren: Wenn wir einen Zweifel ausdrücken, dann können wir das nur auf der Basis von vielen Grundannahmen tun, die wir in diesem Moment keineswegs bezweifeln, sondern schlicht und selbstverständlich als wahr voraussetzen. Wenn wir daran zweifeln, dass Werder Bremen am kommenden Wochenende gegen Bayern München gewinnen wird, dann gehen wir immerhin davon aus, dass es Werder Bremen und Bayern München gibt, dass sie gegeneinander spielen werden, dass dieses Spiel Regeln gibt, dass beides Fußballmannschaften sind, dass es in unserer Zeiteinteilung ein Wochenende gibt, dass dann Fußballspiele und auch dieses spezielle Spiel stattfinden, und vieles mehr.
Man kann also möglicherweise an jedem Sachverhalt zweifeln, aber nicht an allen gleichzeitig. Die Vorstellung, in einem allumfassenden, omnipräsenten „Falschen“ zu leben – sei es nun das Falsche des Kaptalismus, der Patriarchats, der heterosexistischen Matrix oder des fliegenden Spaghettimonsters – reiht Worte aneinander, die vielleicht eindrucksvoll klingen, aber keinen fassbaren Sinn ergeben.
Wenn wir Wirklichkeit als Konstruktion verstehen, dann gehört eben dazu, dass wir auch selbst Teil dieser Konstruktionen sind – und dass diese Konstruktionen nicht beständig Herrschaftsinteressen reflektieren, sondern uns schlicht die Möglichkeit geben, unsere Leben zu gestalten. In dem Tadel, den Begriff „Lebensrealität“ überhaupt zu benutzen, verbirgt sich natürlich auch der Vorwurf der Naivität. Diese Naivität aber ist ebenfalls funktional, und auch der Tadelnde kann sich nicht von ihr ausschließen. Würden wir tatsächlich beständig alle Konstruktionen unseres Lebens einer Prüfung unterziehen wollen, wäre das nicht nur ein völlig unmögliches Vorhaben – wir würden es nicht einmal mehr schaffen, auch nur unfallfrei Brötchen einzukaufen.
Und eben dies ist der dritte Grund, warum sich aus der Vorstellung, Geschlechter seien sozial konstruiert, nicht geschlossen werden kann, dass sie beliebig veränderbar seien: Wenn wir Wirklichkeit als soziale Konstruktion verstehen, dann sind wir auch Teil dieser Konstruktionen – und zwar auf eine Weise, die uns immer nur schlaglichtartig bewusst wird, jedoch nie in ihrer Gesamtheit. Wir haben schlicht keinen neutralen Ort, von dem aus wir beliebig steuernd eingreifen können, kein „view from nowhere“ (Nagel) und kein „God’s-eye view“ (Dewey).

Der Fall Bruce/Brenda/David Reimer ist auch deshalb so bekannt geworden, weil er nicht nur Beispiel für ein enorm gewalttätiges Handeln von Wissenschaftlern, sondern zugleich auch eine Metapher für die Gefährlichkeit des Glaubens ist, Geschlechter seien als soziale Konstruktionen beliebig modellierbar. Im Fall Reimers hat dieser Glaube souverän ignoriert, dass soziale Konstruktionen komplex, funktional und zugleich auch niemals völlig objektivierbar sind.

Was wir als „Geschlechtsidentität“ erleben, ist Ergebnis eines Zusammenspiels unüberschaubar vieler Faktoren, die medizinisch und biologisch beschreibbar sind, und wiederum des Zusammenspiels dieser Faktoren mit der sozialen Umwelt eines Menschen. Es ist offenkundig anmaßend zu glauben, es wäre problemlos möglich, in solch komplexe Zusammenhänge durch die gewaltsame Veränderung einiger Faktoren (der Kastration Reimers, der Hormonbehandlung und einer äußerst fragwürdigen psychologischen Begleitung) beliebig steuernd einzugreifen.
Zugleich ignoriert dies, dass die Entwicklung einer hinreichend stimmigen, also eben nicht beliebig modellierbaren Geschlechtsidentität eine wichtige Funktion hat, nämlich das Zusammenspiel all dieser Faktoren im eigenen Körper und in der sozialen Umwelt organisieren zu können.
Ganz sicher ignorierte der verantwortliche Psychologe Money zudem, wie sehr eben auch sein eigenes Verhalten von sozialen Konstruktionen geprägt war. Dass der Fall seiner akademischen Karriere äußerst dienlich sein könnte, war ihm sicherlich klar. Desinteressiert war aber offenkundig an der Gewaltsamkeit seines eigenen Anspruchs, beliebig steuernd in die biologische und soziale Wirklichkeit eines Menschen eingreifen zu können.
Blind gegenüber den eigenen Konstruktionen waren auch feministische Reaktionen – blind beispielsweise gegenüber den impliziten jungenfeindlichen Elementen des Falls. Alice Schwarzer etwa hätte auf die Misshandlung des kleinen Bruce Reimer vermutlich weniger begeistert reagiert, wenn nicht ein Junge in ein Mädchen umgewandelt, also unter anderem kastriert worden, sondern wenn statt dessen ein Mädchen in einen Jungen zwangsumoperiert worden wäre.

Die Vorstellung, Geschlechter seien Konstruktionen, spielt damit, dass sie zwischen sehr plausiblen, zum Teil gar banalen Konzepten auf der einen und ganz unplausiblen Ideen auf der anderen Seite changiert.

Wir nehmen die Welt nicht als das wahr, was sie „an sich“ ist, sondern ordnen sie uns mit Hilfe von Mustern, Erwartungen, Erfahrungen – wir konstruieren sie. Diese Konstruktionen sind nicht völlig individuell, sondern entstehen auch aus dem sozialen Zusammenspiel, greifen auf Muster zurück, die sozial verfügbar sind (etwa Konzepte der Wissenschaft oder Politik). In diesem Sinne ist es durchaus plausibel davon auszugehen, dass natürlich auch Geschlechter soziale Konstruktionen sind.
Und natürlich verändern sich Geschlechterkonstruktionen auch, aber sie verändern sich eben auf eine Weise, die nicht völlig überschaubar und steuerbar ist – und normalerweise mit anderen Resultaten als erwartet.
Ganz unplausibel aber ist es, zu denken, dass diese Konstruktionen, also auch die Geschlechter, lediglich Ausdruck von inhumanen Interessen wären und beliebig veränderbar, wenn nur diese darin manifestierten Herrschaftsinteressen erst entlarvt worden seien. Das ist eher eine Form religiösen Glaubens als ein ernsthafter Ansatz zur Analyse und Veränderung (oder zur Abwechslung auch mal: Bewahrung) der Lebensrealität von Menschen.
Es ist allerdings ein Glaube, in dem sich seinerseits sehr wohl erhebliche Herrschaftsinteressen ausdrücken und der von Gewalt nicht fern ist.

  1. Geschlecht ist keine Konstruktion, sondern bezeichnet zwei komplementäre Partner, die zur Fortpflanzung unabdingbar sind.

    Dies ist der Inhalt des Begriffs Geschlecht.

    Der Geschlechtsbegriff ist zwingend ein rein biologischer. Soziale Prägungen finden zusätzlich statt, berühren aber nicht das biologische Wesen von Mann und Frau.

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  2. Ich glaube, mit sozialkonstruktivistischen Argumentationen ist es wie mit dem Hasen und dem Igel. Man kann mit Hinweisen auf biologische Grundlagen des Lebens gegen sozialkonstruktivistische Positionen dagegenhalten und bekommt die Antwort, dass natürlich auch die Kategorien der Biologie soziale Konstruktionen seien. Ick bün all dor.

    Das ist eigentlich nicht zu bestreiten – unter anderem deshalb, weil es recht banal ist. Überhaupt nicht banal, sondern willkürlich ist allerdings die Schlussfolgerung, dass man soziale Konstruktionen beliebig verändern könne – oder dass die Kategorien der Soziologie, Politikwissenschaft oder Philosophie grundsätzlich gültiger wären als die der Biologie.

    Mir ging es nur darum, dass man sich in die Rolle des Hasen gar nicht erst begeben muss und ruhig zugestehen kann, dass wir natürlich mit sozialen Konstruktionen operieren – daraus ergibt sich, beispielsweise, gar nicht die Folgerung, das man Geschlechter beliebig modulieren könne, oder gar, dass die biologischen Grundlagen unseres Lebens unwichtig wären, oder dass es gar reaktionär („biologistisch“) wäre, biologische Erkenntnisse über Geschlechterverhalten ernst zu nehmen.

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  3. Natürlich sind die Begriffe der Biologie „soziale Konstruktionen“, sie haben aber ein physisches empirisches Gegenüber, sind also nicht leer, sondern klar und eindeutig.

    Die Vorstellung, Geschlechter seien soziale Konstruktionen, ist nicht absurd, wenn auch möglicherweise ein wenig banal. Problematisch aber ist die Idee, Geschlechterrollen ließen sich, da ja eh nur sozial konstruiert, auch beliebig umkonstruieren. Das ist nicht möglich, unter anderem deshalb, weil bestehende Konstruktionen wichtige Funktionen erfüllen und komplex sind.

    Sorry, aber ich bin ein kleiner Rechthaber. Hier gestehen Sie zu, daß nicht nur die Begriffe, sondern auch deren reale Ausfüllung sozial konstruiert sind. Sie argumentieren mit einer gewissen Behäbigkeit und Beharrung sozialer Rollen.

    In meinem aktuellen Artikel setze ich mich mit dem Geschlechtsbegriff auseinander. Man kann unsere beiden Auffassungen integrieren, wenn man die Geschlechtlichkeit als (sozial) unveränderbar annimmt, aber vielmehr unser gesamtes Menschsein, unsere Individualität als sehr wohl in hohem Maße kulturell beeinflußbar.

    Geschlecht wäre hier nur ein Teil unseres Menschseins, der ein unabdingbares und unveränderliches Fundament darstellt, über dem sich gewissermaßen unsere Individualität entfaltet.

    Das Problem bei diesem Streitpunkt ist es vor allem, daß der Geschlechtsbegriff in der heutigen Zeit über alle Maßen aufgebläht wird und Dinge „tragen“ muß, die mit diesem Begriff/dieser Qualität gar nichts zu tun haben, sondern unabhängig davon bestehen (Freiheit, Individualität).

    Ist ein bißchen anspruchsvoll, vor allem weil es den Zeitgeist grundsätzlich hinterfragt. Durch begriffliche Reflexion kann man aber leicht drauf kommen.

    Der Artikel könnte auch interessant sein:

    http://www.gender-ideologie.de/artikel/warum-ist-unsere-geschlechtlichkeit-ausschliesslich-biologisch-bedingt.html

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  4. Danke für die Antwort, und den Link!

    „Natürlich sind die Begriffe der Biologie „soziale Konstruktionen“, sie haben aber ein physisches empirisches Gegenüber, sind also nicht leer, sondern klar und eindeutig.“ Davon gehe ich auch aus. Für mich wäre das „Gegenüber“ der Begriffe allerdings, dass sie eine sinnvolle Funktion erfüllen, dass man mit ihnen gut in der Welt habdeln kann. Tatsächlich ging es mir darum, dass Begfiffe eben nicht einfach Manifestationen von Herrschaft oder ähnliches sind, sondern einen realen Inhalt haben. Allerdings gibt es ja auch Beispiele dafür, dass Begriffe im Gebrauch sich wandeln, wenn sich ihre Funktion wandelt.

    „Man kann unsere beiden Auffassungen integrieren, wenn man die Geschlechtlichkeit als (sozial) unveränderbar annimmt, aber vielmehr unser gesamtes Menschsein, unsere Individualität als sehr wohl in hohem Maße kulturell beeinflußbar.“
    Ja. Die kulturelle Beeinflussbarkeit steht, glaube ich, außer Frage. Dass die Geschlechtlichkeit sozial unveränderbar ist, liegt in meinen Augen schlicht daran, dass ihre grundsätzliche Bestimmung über die Fortpflanzung eine so zentrale soziale Funktion erfüllt. Es gibt, soweit ich sehen kann, einfach keinen vernünftigen Grund für eine Änderung. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass jeder einzelne Mensch erst als geschlechtliches Wesen gelten kann, wenn er bzw. sie sich fortgepflanzt hat. Es geht um allgemeine Kategorioen, und Funktionen, die Spielräume für Einzelne (und die Einzelnen selbst) gar nicht ausschließen müssen.

    „Das Problem bei diesem Streitpunkt ist es vor allem, daß der Geschlechtsbegriff in der heutigen Zeit über alle Maßen aufgebläht wird und Dinge „tragen“ muß, die mit diesem Begriff/dieser Qualität gar nichts zu tun haben, sondern unabhängig davon bestehen (Freiheit, Individualität).“ Ja, das finde ich plausibel. Für mich ist es insebsondere die Aufladung des Geschlechtsbegriffs durch Herrschaftsunterstellungen (natürlich meist als Herrschaft des Mannes über die Frau), die hier problematisch ist. So dass dann eine „Auflösung“ der binären Geschlechterordnung als Befreiung von dieser Herrschaft erscheinen muss.

    Ich finde auch in dem verlinkten Artikel viele dieser Ideen wieder. Wobei ich, wie erwähnt, die Begriffe sehr stark an ihre Funktionalität für sinnvolles Handeln knüpfen würde (ich hab zu viele Autoren des amerikanischen Pragmatismus gelesen, sowas kommt dabei dann raus…) Natürlich gibt es in dem Text auch Aspekte, von denen ich mich unterscheiden würde (etwa die Annahme einer jedenfalls pathologischen Ursache für Homosexualität), aber die stehen, soweit ich sehen kann, ja gar nicht im Mittelpunkt.

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  5. […] für falsch. Gender Mainstreaming ist eine unwissenschaftliche feministische Ideologie, durch die Jungen depriviert, die Gesellschaft gespalten und unter deren Einfluss Kinder massiv sexualisiert werden (hier eine […]

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