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“Habe ich überhaupt ein Recht zu existieren?”, oder: Was man von Spenderkindern über alle Kinder erfährt. Und über Väter.

Bild zeigt Mutter und Vater mit dem Kind.
geschrieben von: Lucas Schoppe
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https://man-tau.com/2013/02/07/habe-ich-uberhaupt-ein-recht-zu-existieren-oder-was-man-von-spenderkindern-uber-alle-kinder-erfahrt-und-uber-vater/
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Sarah P., die 1990 als Produkt einer Samenspende geboren wurde, hat sich vor dem OLG Hamm das Recht erstritten, vom zuständigen Essener Zentrum für Reproduktionsmedizin den Namen ihres Vaters zu erfahren. Das Urteil stößt gerade bei manchen Männern auf heftiges Unverständnis. „Wie kann man nur die Männer in die Pfanne hauen, die einem eigenes Leben ermöglicht haben?“ fragt beispielsweise ein Leser des oben verlinkten Artikels, im Ton durchaus noch vorsichtiger als einige andere Kommentatoren. (Mit späterer, noch weiter gehender Kritik an Spenderkindern setze ich mich in einem anderen Text auseinander)

Die Webseite „spenderkinder.de“ bietet über „Meinungen und Geschichten“, die dort veröffentlicht sind, die Möglichkeit, etwas über die Motive zu erfahren, warum Spenderkinder über ihre leiblichen Väter unbedingt mehr wissen, viele sie auch kennen lernen möchten. Es ist die falsche Auseinandersetzung, diese Motive als ungehörig, gar amoralisch darzustellen – stattdessen bietet die Beschäftigung mit ihnen einen einmaligen Einblick in die Bedeutung der leiblichen Vaterschaft. Käme es tatsächlich nur auf unsere Prägungen in der Erziehung, auf unser soziales und familiäres Umfeld an, dann wären die Spenderväter ihren Kindern herzlich egal – denn soziale Väter sind ja häufig vorhanden, und der leibliche Vater hat die Mutter nicht einmal bei einem One-Night-Stand, geschweige denn im Rahmen einer Liebesbeziehung befruchtet, sondern denkbar prosaisch in irgend einem Raum irgend einer medizinischen Einrichtung masturbiert, ejakuliert, seinen Samen in einem Gefäß aufgefangen, das Gefäß weiter gegeben und dafür Geld erhalten.

Warum also kann solch ein Mann für die Kinder, die als Resultat dieser Nebentätigkeit entstanden sind, von Bedeutung, gar von existientieller Wichtigkeit sein?

 

IdentitätIch denke auf keinen Fall, dass der Samenspender mein „wirklicher Vater“ ist oder dass zwischen uns eine besonders enge Bindung bestehen würde. Meiner Meinung nach sind die sozialen Eltern wesentlich wichtiger für die Entwicklung eines Kindes, und mein sozialer Vater ist natürlich mein „richtiger“ Vater.“ Obwohl Stina, die 2006 erst kurz vor ihrem Jura-Examen mit 26 Jahren von ihrer Entstehung durch eine Samenspende erfuhr, einen deutlichen Unterschied zwischen Vater und Samenspender macht, hat dieser Mann für sie gleichwohl eine große Bedeutung. Die Anonymität von Spendern beschreibt sie als massives Problem, sie empfindet es als große Belastung, wenn Menschen so „keinen Zugang zu ihrer sozialen und medizinischen Geschichte haben“, und überlegt, „ob der Spender jemals an die Kinder denkt, die mit seiner Spende entstanden sind und ob er vielleicht auch neugierig ist, wie sie sich entwickelt haben.“

 

Natürlich ist der Wunsch, den Spender kennen zu lernen, auch ein Bedürfnis, um die eigenen Wurzeln zu wissen. „Ich persönlich finde es sehr belastend, dass ich nicht weiß, von wem ich die Hälfte meines Aussehens und meiner Anlagen habe.“ (Stina) Für die oben schon erwähnte Sarah  „ist es ein normales Bedürfnis seine Wurzeln kennenzulernen. So gerne würde ich diesen Menschen begegnen und sehen, was ich von ihm geerbt habe. Wie viel optisch übereinstimmt auf der einen Seite, auf der anderen Seite jedoch auch, was ich für Vorlieben, Berufungen, Charakterzüge, Talente und Schwächen von ihm haben könnte.“ Marissa, die schon mit sieben Jahren erfahren hat, dass sie durch eine Samenspende entstanden ist, überlegt: „Immer mal wieder, in komischerweise ganz alltäglichen Situationen wie im Büro oder im Auto, schießt es mir kurz in den Sinn, dass ich meinen Erzeuger nicht kenne und nie kennen lernen werde. In diesen Minuten fühle ich mich wie gelähmt. Die Vorstellung, ich habe hier ein unlösbares Problem, eine Ungewissheit, die ich niemals bewältigen werden kann, 50 Prozent von mir, die ich niemals kennen lernen werde und damit unweigerlich nicht wirklich weiß, wer ich bin (…).Ich fühle mich haltlos, nicht verwurzelt.“ Anne, die  von der Art ihrer Erzeugung weiß, seitdem sie zehn ist, schreibt: „Ich will es einfach wissen. Ich will einfach nur wissen, wer mein Erzeuger ist, der Mann, dessen Mund, Augen oder was auch immer ich habe.“ Für Leni ist es nicht nur ein Schock, als sie mit 23 Jahren über ihre Herkunft erfährt, sondern auch eine Erleichterung: „Bis heute ist mir ein Rätsel wieso ich um 10 Ecken denke und in vielen Dingen so sensibel und emotional bin…..denn das habe ich sicher nicht von meinen Eltern. Für mich wurde in dem Moment der Wahrheitsverkündung klar: Anscheinend gibt’s da noch eine andere Seite- vielleicht meinen Spender?“

 

Neben der  pragmatischen, medizinischen Information ist die Frage der genetischen Abstammung offenkundig eine zentrale Frage der eigenen Identität – nicht bloß als technische Größe, sondern als die Frage nach den eigenen Wurzeln, nach den Ursachen von Verhaltensweisen, nach dem eigenen Ort im sozialen Raum.

Existenz Über die Frage nach den eigenen Wurzeln hinaus hat die Information über den Spender offenbar noch eine weiter gehende Bedeutung. Fast durchgehend berichten die Spenderkinder von einem Gefühl, den Boden unter den Füßen verloren zu haben, als sie erfuhren, wie sie entstanden sind, Manuela, die heute dreißig ist und die sich jetzt erst von ihrer Existenz als Spenderkind eingeholt fühlt, berichtet davon, „dass von einem Moment auf den anderen meine Grundfesten erschüttert wurden“. Anna schreibt: „Es dauerte einige Tage bis die Worte sich mit Inhalt und Bedeutung füllten. Doch je klarer ihre Bedeutung wurde, desto stärker fühlte ich meine Identität bedroht.“

“Da stand ich nun, bei meinen vermeintlichen ELTERN, den Menschen, denen ich ein Leben lang vertraut hatte, und fühlte mich betrogen, leer und allein. Binnen kürzester Zeit hatte ich meinen Erzeuger, meine Schwester zur Hälfte und mein Vertrauen in meine Eltern verloren.“ (Leni) – „Doch als ich verstanden habe, dass mein Vater nicht mein leiblicher Vater ist, entglitt mir der Boden unter den Füßen. Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf und ließen keinen klaren Gedanken zu. So viele Fragen entstanden in meinem Kopf, Emotionen, die man nicht beschreiben kann. Im ersten Augenblick ein Gefühl von Einsamkeit.“ (Sarah)

Die Information über die eigene Entstehung in der künstlichen Befruchtung erschüttert natürlich das Verhältnis zur Mutter und zum sozialen Vater – zumal dann, wenn diese lange Zeit die Information zurückgehalten haben. Das Ausmaß der Erschütterung macht zugleich deutlich, wie existienziell die Information ist, dass die sozialen Eltern zumindest zum Teil nicht die leiblichen Eltern sind – und dass man ein leibliches Elternteil nicht kennt und möglicherweise auch niemals kennen lernen wird.

Die leiblichen Eltern sind eben nicht nur über die vererbten Eigenschaften wichtig – diese sind noch objektivierbar. Sie sind zugleich auch diejenigen Menschen, die – auf welche Weise auch immer – für die bloße Existenz ihres Kindes verantwortlich sind, und diese existenzielle Verbindung lässt sich kaum objektivieren. Sie ist schlicht da. „Nun kam diese Wahrheit, die solche tiefgreifende Fragen wie “Wer bin ich?”, “Wie ordne ich mich in eine Abfolge von Generationen ein?”, “Wo sind meine Wurzeln?” oder “Habe ich überhaupt ein Recht zu exististieren?” schreiend macht.“ (Anna)

So ist der Wunsch, den eigenen Spendervater kennen zu lernen, auch mehr als der Wunsch nach Informationen über die eigene Abstammung – es ist der Wunsch nach einer realen Interaktion mit einem der beiden Menschen, von denen die eigene Existenz grundlegend abhängt. „Würde ich meinen biologischen Vater treffen, würde ich ihn zunächst Dinge fragen, die zunächst relativ banal erscheinen mögen: Lieblingsautor, -buch, -politiker, -schauspieler, -sänger, -komponist, -essen. Was war das für ihn wichtigste Ereignis in Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter. Was war sein Berufswunsch und welchen Beruf hat er tatsächlich gewählt. Welche Partei er wählt, Freizeitgestaltung, welche Priorität zwischenmenschliche, immaterielle und moralische Werte für ihn haben…ob er sich vielleicht über seinen-materiellen-Besitz definiert (im Gegensatz zu mir) oder ob ihm Dinge wichtig sind, die man nur durch hohen persönlichen Ehrgeiz und Einsatz erreichen kann…ob er zäh, entschlossen, stur, gerechtigkeitsliebend, eine „harte Nuss“ ist wie ich (manchmal) oder das genaue Gegenteil…mir würden 1000 Fragen auf einmal einfallen, aber vor lauter Nervosität käme mir womöglich keine über die Lippen-ich hätte einen Riesenbammel vor dem eventuellen ersten Date mit meinem Erzeuger!“ (Sibylle)

Verfügbarkeit Noch ein dritter Aspekt belastet einige Spenderkinder. „Ich fühle mich wie „gekauft“. Von meiner Mutter weiß ich, dass der Spender nach dem Abbild meines Vaters ausgesucht wurde. Gleiche Größe, gleiche Haarfarbe, gleiche Augenfarbe. Überdurchschnittlich intelligent und sportlich soll er gewesen sein. Heraus kam ein Kind, das wie aus einem Katalog nach bestimmten Kriterien zusammengebaut wurde. Man fühlt sich unecht, irgendwie nicht richtig lebendig. Ohne Identität. Und irgendwie auch beschmutzt.“ (Marissa) Das ist für Eltern möglicherweise schwer nachvollziehbar. Wenn sie den Spender nach bestimmten Eigenschaften aussuchen, dann tun sie dies vermutlich in dem Gefühl, damit das Beste für ihr Kind zu wollen, seine Existenz optimal zu gestalten, ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Für das Kind aber kann dies schlicht das Gefühl einer weitgehenden Verfügbarkeit bedeuten – es entstammt nicht aus einer Beziehung zwischen den leiblichen Eltern, welcher Art auch immer, sondern ist Resultat eines wohlmeinenden, aber womöglich auch schlicht egoistischen elterlichen Kalküls. Das kindliche Beziehungsbedürfnis wird ausgeblendet zugunsten einer von den Eltern kalkulierten Qualitätsmaximierung. In ihrer Wahrnehmung war Marissa kein Geschenk an ihre Eltern, sondern wurde von ihnen schlicht gekauft.

So lassen sich aus den Erzählungen der Spenderkinder Rückschlüsse ziehen, die für alle Kinder und Eltern von Bedeutung sind.

Die biologische Abstammung ist nicht allein von medizinischer Bedeutung, sondern hat einen zentralen Stellenwert für die Frage nach der eigenen Identität.

Die innere Beziehung zu den leiblichen Eltern ist existenziell, nicht objektivierbar – auch dann, wenn eine gute Beziehung zu (anderen) sozialen Eltern besteht.

Wenn das Kind nicht aus einer wie auch immer gestatteten sozialen Beziehung der Eltern entsteht – wenn das kindliche Bedürfnis nach einer intakten Beziehung zu beiden leiblichen Eltern nicht ernst genommen wurde – dann wird das Kalkül der Eltern (oder schlicht der Mutter), gleichwohl ein Kind haben zu wollen und sich entsprechend auf dem Markt eines zu verschaffen, vom Kind vermutlich nicht als Element einer modernen Familiengestaltung verstanden, sondern als Organisation der eigenen Verfügbarkeit.

Es ist eine verpasste Chance, wenn Männer die Forderungen von Spenderkindern lediglich als Belastung verstehen („Oh Gott oh Gott, da wollte ich mir während des Studiums nur mal ein paar Euro dazuverdienen, hab entdeckt, dass man mit Wichsen tatsächlich Geld verdienen kann – und jetzt kommen diese Kinder an und wollen was von mir???“). Statt dessen wird deutlich, wie problematisch es ist, wenn Elternschaft und die Entstehung von Kindern zu etwas beliebig Verfügbaren wird – und wenn Väter auf die Rolle von Samenspendern reduziert werden.
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10 Comments

  • Dein Artikel hat viele Menschen aus meinem Umfeld angesprochen und so bin ich auf ihn gestoßen. Es gibt viele Parallelen zwischen Samenspenderkindern und Kuckuckskindern.

  • Danke für die Nachricht. Ich fand die Berichte auf der spenderkinder-Seite sehr beeindruckend. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich nichts über die Parallelen, von denen Du schreibst – aber wenn ich den großen Text von Liane Scholl („Bin ich ein Kuckuckskind?“) auf Eurer Seite lese, finde ich sie auch deutlich.

    Ich kopier hier einfach einmal den Link des ersten Teils herein:
    http://kuckucksvater.wordpress.com/2012/12/27/mama-verplappert-sich-und-es-last-mich-nicht-los-bin-ich-ein-kuckuckskind-liane-scholl/

  • Hi Schoppe, vielen Dank für Deine Rückmeldung. Lianes Geschichte ist sehr lebhaft geschrieben. Da fällt es einem leicht, nachzuvollziehen, was Kuckuckskinder beschäftigt. Ein ganz anders gestrickter Fall, den ich Dir empfehlen möchte ist der von Yelka Schmidt, die weiterhin einen sehr guten Kontakt zu ihrem Scheinvater pflegt und ihn auch bei den Gerichtsverfahren unterstützt. http://kuckucksvater.wordpress.com/2011/10/07/ich-lasse-jetzt-die-bombe-hochgehen-%E2%80%93-anatomie-der-kuckucksgeschichte-von-yelka-schmidt-%E2%80%93-teil-1/

  • Ja, die Geschichte ist aufwühlend, auch beim Lesen. Es ist natürlich schwer vorstellbar, wie es möglich ist, verschiedenen nahen Menschen gegenüber so zentrale Sachverhalte über Jahrzehnte hin zu verheimlichen (nicht nur, wie es moralisch möglich ist – sondern schlicht, wie man das eigentlich hinbekommt).

    Übrigens habe ich den Eindruck (den ich mir dann nicht ganz erklären kann), dass Kindergeschichten – bei den Spenderkindern wie bei den Kuckuckskindern – ganz überwiegend von Frauen erzählt werden und dass viele Männer, was Kinderperspektiven angeht, sich da sehr zurück halten. Vielleicht täuscht das jetzt aber auch und ist einfach ein Zufall der „Stichprobe“.

  • Dem kann ich mich ebenso anschließen, denn gerade nach Lesen des Berichts habe ich ebenso Parallelen bei mir entdeckt.
    Bei Samenspenderkindern kommt nur jener Alptraum hinzu, dass sie zu bezahlten Prestigeobjekten ihrer sozialen Eltern, einschl. den leiblichen Müttern wurden und deren Zeugung jene Liebe/Zuwendung, wie das Bedürfnis nach Nähe zweier Menschen (Mutter und Vater) fehlte, die eine Zeugung zweier sich Liebenden/Mögenden zu Folge hat.
    Letztlich zeichnen sich bei Samenspender- und uns Kuckuckskinder ab und finden Gemeinsamkeiten, im Bezüg auf unsere Erzeugern wieder, den jene handelten,- kann man sagen,- aus dem Interesse ihrer Vorteile wegen. Die einen aus finanziellem Interesse, wie jene, für dass ihrer sexuellen Begierde. letztlich auf dem Rücken von uns, die für beide keine wirkliche Rolle gespielt haben und wie für sie letztlich gar nicht existenziell waren.

    Was für eine traurige Welt?

  • @Petra Scholz
    „jene handelten,- kann man sagen,- aus dem Interesse ihrer Vorteile wegen. Die einen aus finanziellem Interesse, wie jene, für dass ihrer sexuellen Begierde.letztlich auf dem Rücken von uns, die für beide keine wirkliche Rolle gespielt haben und wie für sie letztlich gar nicht existenziell waren. Was für eine traurige Welt?“

    Das kann ich nur, sozusagen, von außen kommentieren. Dass Kinder aus allen möglichen Gründen gezeugt werden, nicht nur aus Liebe, ist ja für viele Normalität – auch wenn man sich natürlich wünscht, dass man aus Liebe entstanden wäre. Aber die Umstände der Zeugung sind ja nicht alles. In meinen Augen ist das Problem vor allem, wie Erwachsene dann damit umgehen. Es ist ja durchaus möglich, dass ein Mann, der ein Kind bei einem sexuellen Abenteuer gezeugt hat, trotzdem Verantwortung für das Kind übernehmen will. Oder dass Spenderväter vielleicht nicht mit Vatergefühlen, aber zumindest mit Interesse auf die Kinder reagieren, die sie mit in die Welt gebracht haben – falls diese dann später den Kontakt suchen. Auch die Einstellung von Müttern müsste ja nicht immer so sein wie bei der Zeugung des Kindes.

    Was ich meine, ist: Sobald ein Mensch auf der Welt ist, gibt es ja sehr viele Chancen und Möglichkeiten – ganz gleich, wie die Umstände der Zeugung waren. Das Problem scheint mir aber zu sein, dass von den Erwachsenen wenig erwartet wird, diese Möglichkeiten im Sinne ihrer Kinder auch zu nutzen.

  • Mir ist aufgefallen: hier melden sich ausschließlich Frauen zu Wort, die ihren Erzeuger kennenlernen wollen. Warum?
    * Wurden Männer nicht gefragt?
    * Gibt es so wenig „gespendete“ Jungen? Wenn ja warum?
    ** „Bevorzugt“ das Befruchtungsverfahren Mädchen?
    ** Lässt sich das Geschlecht des Kindes bestimmen und wollen die Eltern nur Mädchen?
    * Beschäftigt Männer die Frage ihrer Herkunft nicht, oder reden sie einfach nicht darüber?

    Was denkt ihr?

  • Ich hab mich auch schon gefragt, warum eigentlich Frauen unter den Spenderkindern, die sich engagieren, so stark überrepräsentiert sind. Soweit ich weiß, liegt es nicht daran, dass bei der Befruchtung durch Samenspende eher weibliche Kinder entstehen würden. In einem Stern-Artikel habe ich eine andere Erklärung gelesen:

    „“Die Frage nach dieser Herkunft beschäftigt die Menschen ein Leben lang“, weiß Dr. Petra Thorn. Die Familientherapeutin beschäftigt sich seit Jahren mit den spezifischen Problemen, die Spendersamenkinder und -familien betreffen. Zu seinen Wurzeln zu finden sei ein Urbedürfnis. Es falle aber auf, dass Mädchen ein stärkeres Bedürfnis verspüren, als Jungen, sie suchen intensiver und können weniger leicht abschließen.“

    http://www.stern.de/tv/sterntv/kinder-von-samenspendern-auf-der-suche-nach-dem-leiblichen-vater-1970113.html

  • @Petra Scholz
    „Bei Samenspenderkindern kommt nur jener Alptraum hinzu, dass sie zu bezahlten Prestigeobjekten ihrer sozialen Eltern, einschl. den leiblichen Müttern wurden und deren Zeugung jene Liebe/Zuwendung, wie das Bedürfnis nach Nähe zweier Menschen (Mutter und Vater) fehlte, die eine Zeugung zweier sich Liebenden/Mögenden zu Folge hat.“

    Ja. Da steckt i.d.R. das was Psychologen Narzissmus nennen dahinter,eine Form von eigentlich – mitmenschlich – gesehen bösartiger Persönlichkeitsstörung, die auch immer etwas mit Bindungsstörungen, grundsätzlich fehlender Empathie und einem Gewaltgeschehen zu tun hat. Es fusst letztendlich uf so etwas wie eine Entwicklung in selbstgerechte Verdrängung und einem offenbar fehlenden guten inneren „seelischen Wesenskern“ (was immer das genau sein soll), der offenbar u.a. auf einer Art über jedes Maß hinausgehender Selbstgefälligkeit beruht, die auch Säuglinge angeborenerweise (und hier zu recht!) haben – eine parasitäre Drückebergerstrategie, die durch einen Drang zur Selbstgeltung ohne Selbst- und Mitverantwortung (an)getrieben wird.

    Dazu ist dann auch immer die umgebende soziale Gruppe notwendige, die dies Verhalten toleriert. D.h. sie hat so eine Mitverantwortung, die sie nicht tragen möchte und nach Ausflüchten sucht (Sündenböcke, Opfer hat selbst Schuld etc.). Machen Männer wie Frauen, aber heutzutage ist dies Verhalten gerade bei Frauen nicht wirklich „geahndet“.

    Wohl auch immer ein kultureller Spiegel und gerade westliche Gesellschaften zeigen sich hier offenbar hässlich pathologisch unter vorgegeben vermeintlich guten Absichten. Funktioniert immer nach gleichen Mustern.

    Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Leben, egal welcher Form auch immer, achten! Das ist für manche Gesellschften und Menschen offenbar zu schwer – es wird verdrängt, verleugnet, umdefiniert etc. … häufig ist es offenkundig und sehr einfach zu sehen und zu (er)spüren. Wie auch in dieser Thematik. Ja, tatsächlich eine traurige Welt! Aber wir sind ja erwachsen, oder nicht …

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