Väter, Schwule, Lesben

Als ich mit einem Freund beisammen saß, der ebenfalls ein ausgegrenzter Vater ist, kam unser Gespräch, wie auch immer, auch auf das Thema des Adoptionsrechts von Schwulen und Lesben. Der Freund war sehr skeptisch – er sei davon überzeugt, dass angesichts der Position von Vätern im deutschen Familienrecht lesbische Frauen durch ein neues Gesetz ohnehin in wesentlich höherem Maße profitieren würden als schwule Männer, und dass vor allem die lesbische Adoption nur neue Möglichkeiten schaffen würde, leibliche Väter auszugrenzen.

Beide Einschätzungen sind wohl realistisch – es gibt keinen vernünftigen Grund, davon auszugehen, dass schwule Männer von den durchaus verbreiteten Ressentiments gegen Väter nicht betroffen wären, und zudem haben viele Väter die Erfahrung gemacht, dass prinzipiell alles zur Ausgrenzung von Vätern benutzt werden kann. Trotzdem: Es hat ganz einfach und ganz offensichtlich keine Perspektive, wenn man die Rechte der einen (der Väter) zu schützen versucht, indem man anderen (Schwulen, Lesben) Rechte vorenthält.

Es mag ja sein, dass es günstig für ein Kind ist, wenn es elterlichen Kontakt zu zwei Erwachsenen unterschiedlichen Geschlechts hat (auch „Spenderkinder“, auf deren Seite ich schon in einem anderen Text verlinkt habe, sind in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung). Trotzdem hat das Aufwachsen eines Kindes bei zwei Eltern, und das Recht zur Sorge beider, gegenüber dem Aufwachsen des Kindes bei nur einem Elternteil erhebliche Vorteile, die ja nicht einfach dadurch verschwinden, dass beide Eltern demselben Geschlecht angehören. Sicherlich gibt es zudem auch schwule oder lesbische Paare, die keinen günstigen Rahmen für die Entwicklung eines Kindes bieten – aber die gibt es bei Heterosexuellen auch, ohne dass jemand deshalb gleich die Adoption durch Heteros gesetzlich untersagen wollte.

Übrigens ist auch heute schon die Adoption auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften erlaubt, wenn es dabei um das leibliche Kind eines der Partner bzw. einer der Partnerinnen geht. Auch heute könnte das Gesetz also schon zur Ausgrenzung leiblicher Väter verwendet werden…

Interessant fand ich an dem Gespräch unter anderem, zu sehen, wie schnell es geht, dass man versucht ist, die Rechte anderer einzuschränken oder zu verletzen, wenn man um eigene grundsätzliche Rechte fürchtet. Wenn man Angst hat. Verschiedene Gruppen, die allesamt in ihren Rechten eingeschränkt sind, werden so regelrecht gegeneinander ausgespielt.

Dies auch als Nebenbemerkung zu der Vorstellung, man könne Konflikte ausgerechnet dadurch vermeiden, dass man die Rechte einiger der Beteiligter einschränkt – es ist eine offenkundig autoritäre und unzutreffende Idee. Ebenso, wie auch die Vorstellung autoritär und hergeholt ist, Rechtsstaatlichkeit (die die Rechte aller Beteiligten garantiert) sei nichts als „Rotz“, ein Herrschaftsinstrument.

  1. Richtig, da gebe ich dir Recht. Ist eben kein einfaches Thema … Danke für eine Meinung!

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