Gedichte

Wie einmal das Böse verschwand (Gott sei Dank nur für zwei Minuten)

Bild zeigt konzentrische Kreise in Farbe Grün und Blau
geschrieben von: Lucas Schoppe

Als Gott einst einen Schluckauf hatte
(ein bis zwei Minuten lang,
doch das sind bei Gott nun einmal
ein bis zwei Mal Ewigkeiten),
sprangen andre für ihn ein
mit dem Ziel, die Welt zu bessern.

Wie kann Gott das Böse dulden?
fragten sie, und wild entschlossen
stopften sie die Schöpfungslücken,
löschten sie das, was nicht passte.
Erst einmal die Mörder,
Faschos in den Sack,
dann die Kriegsverbrecher
und Rassistenpack –

So war alles schon viel schöner,
doch noch lange nicht perfekt:
Kinderschänder, Frauenfeinde
und Kapitalistendreck:

Lösche, lösche
manches Böse
dass zum Zwecke
all des Guten
unsre Welt nun reiner werde,
und die Bösen endlich bluten.

Dann die Intellektuellen,
Dumme, Faule, décadents,
Lehrer, Schüler, Journalisten,
rape culture-Propagandisten

Einer wollte Weiße löschen,
und ein andrer Schwarze,
Pudel und Gewaltversteher,
Bei-Rot-über-die-Ampel-Geher:
Immer mehr des Bösen,
und die Welt wird leer,
Löscherin um Löscher
einander hinterher.

Lösche, lösche
manches Böse
dass zum Zwecke
all des Guten
unsre Welt nun reiner werde,
und die Bösen endlich bluten.

Übrig bleibt ein kleines Mädchen,
traurig, ängstlich, sehr verschreckt,
das allein auf dieser Erde
leise „Mama!“ – „Papa!“ ruft.
Eine Quintessenz des Guten
sehnt sich nach dem Unperfekten…

Bis dann schließlich Gott, frei atmend,
all das Böse, nicht ganz Reine
unverletzt zurückerschafft,
und das Kind vor Freude lachend
(die Welt: ganz einfach weitermachend)
endlich wieder schlafen kann.

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2013/02/16/wie-einmal-das-bose-verschwand-gott-sei-dank-nur-fur-zwei-minuten/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

Leave a Comment