Gedichte

Kleine Motivationshilfe für die kommenden Abiturprüfungen

Bild zeigt Fläche mit dem Wort Abitur drauf.
geschrieben von: Lucas Schoppe


Habe nun, ach, seit vielen Jahren
viel gelernt und viel vergessen,
quer und krumm die Welt erfahren
und an meinem Tisch gesessen.
Ich kann Englisch, etwas Spanisch,
und ich kann sogar Latein:
exspecto – exspectas – exspectat.
Ich kenn die Mendel´schen Gesetze,
kann mit Logarithmen rechnen
(und weiß heute noch nicht, was man davon hat).
Ich hab viele Kompetenzen,
ich kann unauffällig schwänzen,
ich kann kritisch hinterfragen,
ich kann „Ja“ und „Amen“ sagen.
So viele Fragen, und keine Antwort.
So viele Antworten, und keine Fragen….
Alles nützlich, wundervoll!
(Ich weiß nicht, was ich damit soll.)

Ich weiß, dass ich sehr vieles weiß:
Physik, Geschichte, Politik,
deutsche Dichtung abschnittweis´
und leider auch Mathematik.
Die Vergangenheit der Deutschen –
gibt es Frieden oder Krieg? –
ich kann zu allem sehr begründet etwas sagen.
Ich kenn den Marieanengraben
und fast alle Halogene.
Nebenbei noch etwa fünf der sieben Plagen.
Ich kenne manche alten Griechen,
ich kann aufrechtgehend kriechen.
– Und doch frag ich mich vergebens
nach dem Sinn des ganzen Strebens.
So viele Fragen, und keine Antwort.
So viele Antworten, und keine Fragen.
Leer bin ich und übervoll…
(Ich weiß nicht, was ich machen soll.)

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3 Comments

  • (Ich weiß nicht, was ich machen soll.)

    Wie wär's mit einem Sabbatjahr und einer langen Reise in den Osten oder in die Staaten. Was man halt so nach dem Abi-Ball macht …

    Und wenn Du schlau bist, lerne auf Deiner Reise zu lernen; weil bislang weißt Du nur und das ist für sich recht unbedeutend.

    Servus M. M.

  • Ist das Gedicht Ironie? Hoert sich nach einem marktkonformem Subjekt an, das von Verstaendnis nichts wissen will, sondern nach „praktischer Relevanz“ giert. Da passt die Ablehnung der Mathematik gut in's Bild, da Mathematik die Grundlage des selbststaendigen Denkens ist (wovon die Meisten in der Schule nichts mitbekommen). Zur Ablenkung die Sinnfrage — etwas Religion wird's schon richten, und dann sind wir prima desillusioniert dabei am Markt.

    Denkwuerdig der Zusammenhang von Abitur und „seit vielen Jahren viel gelernt“: fuehlt sich die heutige Jugend schon so alt? Wenn man wirklich im Abituralter ist, dann hat man ja gerade das Noetigste gelernt, und nun faengt es erst richtig an mit dem Wissen. Vielleicht ist es das heutige Lebensgefuehl der „Jugend“, schon am Ende zu stehen? Es gibt keine Anfaenge mehr, vielleicht?

  • An das „marktkonforme Subjekt“ hab ich nicht gedacht, aber ich verstehe – es passt schon oft zur kritischen Frage, wozu das Lernen in der Schule eigentlich gut sein soll. Ich selbst hab erst Jahre nach der Schule verstanden, dass die Mathematik sehr interessant ein kann – in der Schule ist sie für viele immer noch ein Schreckensfach. Was schade ist, natürlich.

    Ich glaube außerdem, dass die, die jetzt Abitur machen, tatsächlich das Gefühl bekommen, dabei schon viel hinter sich zu haben – auch wenn sich das aus späterer Sicht natürlich relativiert und zudem etwas altklug aussieht. Und ich weiß, dass viele sich unter Druck fühlen, möglichst schnell mit allem fertig zu werden…obwohl es wirklich keine gute Idee ist, nach der schneller gewordenen Schule schnell die Uni fertig zu machen und dann vielleicht gleich wieder in die Schule zu gehen. Ich würd Matthias Malas Äußerung oben zustimmen – erstmal ein Jahr lang etwas anderes machen, ins Ausland zu gehen, ist natürlich viel besser…

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