Warum Feminismus nicht links ist (und die Männerrechtsbewegung nicht rechts)

„Links=feministisch?“ So ist auf Genderama ein Gastbeitrag des ehemaligen SPD- und Linken-Mitglieds Sven Janssen betitelt. Janssen geht davon aus, dass eine Männerrechtsbewegung nur erfolgreich sein könne, wenn sie an der „Wurzel des Problems“ ansetze – dass nämlich feministische Positionen nicht einfach Ergebnisse „von intellektuellen Verirrungen“ wären, sondern deshalb erfolgreich seien, weil sie „einen massiven ökonomischen Vorteil für Arbeitgeber oder Finanzeliten“ böten und daher massiv gefördert würden.

 

Ich selbst stamme aus einer sozialdemokratischen Familie, bin lange Zeit traditioneller Grünen-Wähler gewesen und kann heute mit diesen Parteien – gerade auch aufgrund ihrer Männerfeindlichkeit – nicht mehr viel anfangen (darüber hab ich hier auch schon geschrieben). Menschen, die für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen eintreten und die dabei auf Benachteiligungen von Männern und Jungen hinweisen, werden aus Reihen der Grünen (Rosenbrock) und der SPD (Gersterkamp) ja gern als „rechts“ hingestellt oder gar mit rechtsradikalen Ideen assoziiert. Natürlich drängt sich dabei die Frage auf, die Janssen stellt (und alle Zitate hier kommen aus Janssens Text) – warum eigentlich sollten feministische Positionen links, feminismuskritische Positionen als rechts eingeordnet werden?
Klassenkampf als Geschlechterkampf „Beabsichtigt oder auch nicht hat der Einfluss des politischen Feminismus durch die Einführung der Frauenquote 1988 und die Entfristung der Frauenquote in der SPD 2004 entscheidend zur Entpolitisierung und Demobilisierung der Arbeitnehmerschaft und damit zur Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit in Deutschland beigetragen.“ Für Janssen ist die Frauenquote also verbunden mit einem entpolitisierenden Niedergang der SPD, und Arbeiterinteressen verschwinden aus seiner Sicht gleichzeitig mit Männerinteressen aus dem Fokus der Partie: „Nicht nur die Interessen von Männern und Vätern sondern aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind in Deutschland in den letzten 25 Jahren zu einer marginalen Größe verkommen.“
Wo aber ist die Verbindung zwischen feministisch inspirierter Politik und Entpolitisierung? Dass die SPD sich zu einer bürgerlichen Partei entwickelt und kaum noch seinen Sinn für die Vertretung von Arbeiterinteressen hat, bezweifelt wohl kaum jemand ernsthaft – die Idee aber, dass aber der Feminismus die Ursache für diese Entwicklung sei, misst ihm vermutlich zu viel Macht zu. In meinen Augen ist es eher umgekehrt: Feministische Positionen geben der SPD die Möglichkeit, Muster des Klassenkampfes als Geschlechterkampf neu zu inszenieren, als solidarischen Einsatz für die (gewiss doch) allseits unterdrückten Frauen gegen die (gewiss doch) mächtigen und hegemonialen Männer. Die farcehafte feministische Neuinterpretation der Klassenkampfrhetorik verdeckt so, dass der SPD ein Sinn für soziale Gerechtigkeit verloren gegangen ist – sie ist aber nicht unbedingt Ursache für diesen Verlust.
Allerdings blockieren die institutionalisierten Positionen natürlich die Möglichkeit einer Änderung. „Zwangsläufig musste die Frauenquote zur Folge haben, dass die Machtinteressen der Frauenfunktionäre in diesen Parteien zur Haupt- und die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen zur Nebensache wird. In diesen Parteien kann keine Kritik an feministischen Positionen mehr aufkommen, sofern man keinen politischen Selbstmord begehen will.“ Das ist um so folgenreicher, als diese Positionen selbst ausgesprochen reaktionär sind.
Reaktionär+ungerecht=links? „Ein gutes Beispiel für die Entwicklung einer Emanzipationsbewegung zur verfetteten Machtelite ist das Thema ‚gemeinsames Sorgerecht für Mütter und Väter’. Sind die Feministinnen ursprünglich mit den Zielen angetreten, das ‚Patriarchat’ abzuschaffen, Frauen die Berufstätigkeit erleichtern und einfühlsamere und familientauglich-verantwortungsbewusste Männer zu schaffen, erlebt man heute, dass gerade in den frauenquotierten Parteien alles dafür getan wird, den Vätern einen gleichberechtigten Status als Elternteil zu verweigern. Erst durch den Druck eines nicht-deutschen europäischen Gerichtes (EuGH) wurden durch eine konservative Regierung zumindest einige diskriminierende Bestimmungen im Bezug auf das gemeinsame Sorgerecht auch für unverheiratete Väter – gegen den Widerstand der frauenquotierten Parteien – beseitigt. Für die frauenquotierten Parteien war die Diskriminierung von Männern beim Sorgerecht komischerweise nie ein Thema.“
Das ist einer der offensichtlichsten Widersprüche einer vorgeblich linken, feministisch inspirierten Geschlechterpolitik: Dass sie einerseits nachdrücklich eine Stärkung der Frauen im Arbeitsleben über die Frauenquote verlangt, dass sie zugleich aber die grundrechts- und menschenrechtswidrige Schwächung der Rechtspositionen von Vätern und Kindern im Familienleben verbissen verteidigt. Es ist ein deutliches Indiz für das erbärmliche Niveau geschlechterpolitischer Debatten in der SPD, bei den Grünen und den Linken, dass dieser Widerspruch faktisch nicht zum Thema wird. Während Frauenquote und Anti-Väter-Politik politisch (und moralisch, und intellektuell) unvereinbar sind, haben sie eben doch eine Gemeinsamkeit: Jeweils wird eine Versorgung von Frauen durch Männer und durch männliche Arbeit organisiert, sei es durch die Quoten, sei es durch die Unterhaltszahlungen, für die es Bedingung ist, Männer vom Sorgerecht fernzuhalten.
Eben damit aber ist feministische Politik tatsächlich reaktionär. Eine konservative Familienpolitik hält an dem Bild des Mannes als Versorger der Frau fest, obwohl es sich überlebt hat und dysfunktional geworden ist. Eine feministische Politik aber reagiert schon darauf, dass die traditionellen Versorgungsstrukturen nicht mehr funktional sind, und entwirft wieder und wieder neue Szenarien, um sie doch beibehalten zu können – weil die Frauen im Patriarchat unterdrückt seien und besonderen Schutz bedürften, weil sie im Beruf gegen gläserne Decken stoßen würden, weil es einen beträchtlichen „Gender Pay Gap“ gäbe, weil die Mütter nicht in die Abhängigkeit von Vätern geraten dürften (und daher deren Versorgungsleistung staatlich erzwungen werden müsse), weil Väter Kindern doch ganz gewiss Gewalt antun würden, etc. pp. Das heißt: Die feministisch inspirierte Politik der institutionalisierten Versorgung von Frauen durch Männer ist nicht nur in manchen ihrer Resultate, sondern in ihrer ganzen Anlage eine reaktionäre Politik.
Sozial ungerecht ist sie zudem, und aus mehreren Gründen. Es ist, so Janssen, „wirklich kein Wunder, dass Männer bei Arbeitgebern so hoch im Kurs stehen. Die werden nicht mehr aufbegehren, denn hinter dem Scheitern im Beruf und einem finanziellen Absturz droht das Scheitern der Ehe und der Entzug der Kinder.“ Tatsächlich ist die Familie für Männer eben unter den gegebenen Umständen kein Rückhalt, sondern eine Institution, die sie für das Arbeitsleben diszipliniert – die implizite, angesichts der rechtlichen Rahmenbedingungen auch gar nicht vermeidbare Drohung der Frau, dem Mann beim Ausstieg aus seiner Versorgerrolle Kinder und Familie zu nehmen, spielt den Interessen der Arbeitgeber erkennbar in die Hände.
Zugleich aber profitieren davon nur wenige Frauen. Sowohl die Frauenquoten auch die Unterhaltsregelungen nützen fast ausschließlich denjenigen, die ohnehin schon in privilegierten Verhältnissen leben – die also gut genug vernetzt sind, um von den Quoten profitieren zu können, oder die auf einen Ex-Partner zugreifen können, der solvent genug für die monatlichen Zahlungen ist.
What’s left? „Der bestehende politische Einfluss des Feminismus ist in Deutschland nie durch demokratische Wahlen zustande gekommen. Eine feministische Partei hätte nie mehr als zwei Prozent der Wähler erreichen können. Aber wer als Arbeitnehmer in Deutschland seine sozialen Interessen einigermassen gewahrt wissen will, muss eine Quotenpartei wählen.“ Die Wahl von SPD, Grünen oder Linken gleicht damit dem Kauf eines Computers, bei dem man aus unerfindlichen Gründen verpflichtet ist, noch ein Zusatzprogramm zu installieren, das zwar keine erkennbare vernünftige Funktion erfüllt, aber viele Ressourcen frisst und bei ungünstigen Konstellationen zum Absturz des gesamten Systems führt. Das darin illustrierte Dilemma besteht tatsächlich: Ich bin froh, dass weder Grüne noch SPD an der gegenwärtigen Bundesregierung vertreten sind, weil die winzigen Änderungen im Sorgerecht, die eine konservativ-liberale Regierung durchsetzen musste, von einer Regierung mit roter oder grüner Beteiligung (davon kann man nach allen bisherigen Erfahrungen ausgehen) auch noch blockiert worden wären.
Gleichwohl sieht Janssen die Situation der genannten Parteien immer noch sehr optimistisch, wenn er ihnen zugesteht, soziale Interessen zu wahren. Ich bin mir selbst nicht sicher, was noch als „links“ bezeichnet werden kann, glaube aber, dass viele sich auf einige notwendige Bedingungen einigen könnten. „Links“ wäre demnach eine Politik, die allen Mitgliedern einer Gesellschaft die Möglichkeit für ein hinreichend würdevolles Leben bereitstellt und die soziale Interaktion auf eine ausreichend faire Weise organisiert – und die zudem in die Zukunft offen ist, bemüht ist, neue Möglichkeiten zu schaffen, anstatt an überkommenen Formen auch (oder gerade!) dann festzuhalten, wenn sie längst dysfunktional geworden sind.
Nach diesen Mindestkriterien sind die SPD, die Grünen und auch die Linke keine linken Parteien. Denjenigen, die daran etwas ändern wollten, stellt sich tatsächlich eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik als ein wesentliches Hindernis in den Weg – einerseits, weil die farcehafte Re-Inszenierung des Klassenkampfs als Geschlechterkampf die sozialen Ungerechtigkeiten rot-grüner Politik vertuscht, andererseits, weil die Akteurinnen und Akteure dieser Politik ihre institutionalisierten Machtpositionen natürlich gegen Möglichkeiten der Veränderung schützen. In dieser Hinsicht hat Janssen völlig recht: „Das Gegenteil von Feminismus und Frauenquote ist nicht Maskulismus, sondern ganz einfach Demokratie.“
  1. Sven Janssen und nun diese Kommentierung – eine großartige, erkenntnisreiche Diskussion, auf einem Niveau, das wir bei Frau Butler oder gar Frau Baer niemals hoffen dürften!

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  2. Danke für diese Differenzierung. Ich fand die Klipp-klapp-Logik von Janssen für diese Problematik auch etwas verkürzend und unpräzise. Der aktuelle verschleiernd vorgetragene Armutsbericht der Bundesregierung skizziert ja auch das Ergebnis dieses feministischen Klassenkampfes nach unten. Weshalb ich es schon recht amüsant fand, wie gestern die Wortführer von SPD und Grünen die Backen dick machten, obwohl sie mit der Agenda 2010 fleißig mit an dieser Entwicklung gewirkt haben.
    Servus M. M.

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  3. Gar nicht so übel, die Einsichten eines 'Linken'.

    Historisch gesehen ist der Genderfeminismus mit seiner Zerschlagung familiärer Strukturen und Schaffung des 'Neuen Menschen' unzweifelhaft eine totalitäre linke Ideologie und die Neomarxisten setzten auf die 'Frauenbewegung als Speerspitze der Weltrevolution' (Marcuse).
    Mit dem Sieg der 'Linken' auf ihrem Marsch durch die Institutionen wurden ihre Ideologismen diskursbeherrschend und nie waren die Unterschiede zwischen den etablierten Parteien so gering wie jetzt.
    Dies blieb nicht ohne Auswirkung auf die Innenfunktion der Parteien selbst: stark sinkende Mitgliederzahlen und steigende Nichtwählerzahlen sind Ausdruck der Kaderisierung und Kastenbildung, nur die Agenda dieser Eliten zählt und man schert sich einen Dreck um Wähler- und Mitgliederwillen: siehe Euro, siehe EUSSR; so ganz das getreue Vorbild KPdSU!
    Es ist müßig darüber zu streiten, ob die CDU nach links gerückt oder Grünrot 'bürgerlich' geworden sind: entscheidend ist, daß sie um des Machterhaltes Willen REAKTIONÄR geworden sind und allesamt nicht davor zurückschrecken, mit der (durch sie!) entfesselten Hochfinanz ins Bett zu steigen: KB- Trittin und die Bilderberger, Schuldenorgien, raubähnliche Besteuerung und das Private, das für alle politisch geworden und zu reglementieren ist.

    „„Links“ wäre demnach eine Politik, die allen Mitgliedern einer Gesellschaft die Möglichkeit für ein hinreichend würdevolles Leben bereitstellt und die soziale Interaktion auf eine ausreichend faire Weise organisiert“
    Damit kann man leben, denke ich.
    Nur ist das nicht 'links', sondern liberal :-))

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  4. „Ein gutes Beispiel für die Entwicklung einer Emanzipationsbewegung zur verfetteten Machtelite ist das Thema ‚gemeinsames Sorgerecht für Mütter und Väter’. Sind die Feministinnen ursprünglich mit den Zielen angetreten, das ‚Patriarchat’ abzuschaffen, Frauen die Berufstätigkeit erleichtern und einfühlsamere und familientauglich-verantwortungsbewusste Männer zu schaffen…“

    Herr Janssen scheint mir wie so viele „Linke“ keine Ahnung davon zu haben, welche Ziele „der“ Feminismus tatsächlich verfolgt hat. Nur soviel: Feminismus war in seiner ursprünglichen Verfasstheit eine emanzipatorische Bewegung, deren Ziel nicht darin bestand, Männer zu Vätern zu machen, sondern die Reproduktion als Ursache von Ungleichheit gänzlich aus der menschlichen Sphäre und in die Retorte zu verschieben. Ich empfehle Shulamith Firestone als Einstieg. Feministinnen der ersten Stunde waren auch zu intelligent, als dass Sie sich mit Mythen wie dem Patriarchat abgegeben hätten, das in Teilen der Linken deshalb so beliebt ist, weil es auf dem Unverständnis von Friedrich Engels und einer Fehlrezeption angelsächsicher Texte, die er aus Randnotizen von Marx zu rekonstruieren versucht hat, basiert. Diese Fehlrezeption hat Dr. habil Heike Diefenbach eingehend dargestellt:

    http://sciencefiles.files.wordpress.com/2012/06/heike-diefenbach_2012_das-patricharchat_sciencefiles-org.pdf

    Dass Feminismus in Deutschland ausschließlich als Staatsfeminismus vorhanden ist, der einen Fertilitätskult propagiert, der den Vril-Kult in den Schatten stellt, ist eine Entwicklung, an der gerade die „politische Linke“ entscheidenden Anteil hat. Im Ergebnis trifft sich dann konservatives und linkes Gedankengut da, wo man sich beiderseits wohlfühlt: am Wickeltisch.

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  5. „Damit kann man leben, denke ich.
    Nur ist das nicht 'links', sondern liberal :-))“
    Damit wiederum kann ich leben. Eine linke Politik, die nicht auch liberal ist, braucht schließlich kein Mensch (und zu einem „linken“ Politikverständnis gehört nicht notwendigerweise die Bereitschaft, Menschen – falls nötig – auch gegen ihren Willen glücklich zu machen).

    Ich glaube auch, dass die 68er-Bewegung massive autoritäre Elemente enthielt (die dann in der RAF ihre irrwitzigste Zuspitzung fanden). Die staatliche Geschlechterpolitik aber kommt mir eher beliebig als linksideologisch vor – sie kann sich, z.B., mit Versatzstücken klassischer linker Ideologien ebenso gut begründen wie mit Verherrlichungen der Mütterlichkeit (je nachdem, wie's passt).

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  6. Ich glaube, das Verhaeltnis „Linke versus Feminismus“ ist eines der wichtigen Themen unserer Zeit, und somit moechte ich hier ein wenig weiter ausholen (ich tue aber mein Bestes mich kurzzuhalten). Ich glaube man muss die These von Sven Janssen weiter verschaerfen, von dem zu engen Kreis von SPD und Deutschland befreien.

    1. Feminismus (in allen Formen) ist der Hauptfeind (in erster Approximation).
    Es ist schlicht richtig, dass „es keine Alternative gibt“ (heute), denn die „Linke“ hat sich verabschiedet von der Oekonomie, Technik, Wissenschaft, von der gesamten Produktionssphaere, und es geht nur noch um Gleichstellungsbeauftragte in verschiedenen Formen. „Andere“ machen die Arbeit, und die moderne Priesterschicht verteilt Spenden und Opfer.

    2. Feminismus ist die Ideologie des Neoliberalismus.
    Der Kern von 68 ist vielleicht Elimination von Oeffentlichkeit, Verdraengung des Wahrheitsbegriffes. Dies kam dann zur Entfaltung, ueberlagerte vollends die noch vorhandene „alte Energie“, in der Mitte der 70er.

    3. Ideologien zu betrachten ist wesentlich. Einfache soziale Konstellationen wie „Versorgung der Frauen durch den Mann“ sind nur ein Aspekt.

    4. Wenn ich sage, „in erster Approximation“, dann meine ich „Feminismus“ als Teil einer „heiligen Dreifaltigkeit“, deren drei Momente jeweils Opfer- und Herrschaftsphantasien buendeln: „Frau“ als universelles Opfer und emotionale Herrenrasse (wohl auch als universelles Idol), „Juden“ als sakrales Opfer und spirituelle Herrenrasse, „Homosexuelle“ als gesellschaftliches Opfer und biologische Herrenrasse. Die Aufspalten der Linken koennen dadurch verstanden werden, welchem Idolkreis sich hauptsaechlich verschrieben wird.

    5. Feminismus war von Anfang an (Ende des 19. Jahrhunderts) Hausfrauenwissenschaft, hauptsaechlich auf die Kontrolle der Frauen gerichtet. Wohl vor allem Kontrolle der Maedchen, von denen es drohte, dass sie zu Menschen werden konnten, und denen eingebleut werden muss, nur noch Frauen zu sehen, keine Menschen mehr. Universelle Schuld der Mutter gegenueber, ohne die das Maedchen nichts werden kann (dies ist der urspruengliche Sinn aller Quotierung). Der Penisneid wird psychotisch verleugnet, und dadurch allmaechtig.

    6. Zum Feminismus als Ideologie des Neoliberalismus: Der Neoliberalismus ist die Verfallsform des Kapitalismus, der an seinen Hauptwiderspruechen zugrunde gegangen ist(!), und nun als Zombie weiterlebt. Nun wird Produktion durch Reproduktion ersetzt — dies ist vielleicht(!) das wirkliche Drama, der Rest ist Mystifizierung.

    Nehmen wir irgendeinen Aspekt, z.B. das Grossraumbuero: soll uns alle „kommunikativ“ machen, d.h., keine Produktion mehr (die immer Produktion von Neuem ist), sondern Reproduktion. Deleuze etc. als die Kirchenvaeter dieser „Ueberwindung“ von Produktion durch Reproduktion.

    (Dies ist u.a. der ideologische Kern der Filme von Ridley Scott, schoen zu sehen im Prometheus: Daemonisierung des Mannes (des engineers (kenne nur die englische Fassung, da ich in Grossbritannien lebe)), Vergewaltigung des maennlichen Koerpers, Verwandlung desselben in die reine Gebaermutter.)

    Da waere natuerlich noch viel mehr zu sagen …
    Ich hoffe, diese Thesen werden nicht bloss als Polemik verstanden, sondern als moegliche Ansatzpunkte fuer einen Neuanfang der „Linken“.

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  7. Ich denke, dass die Grünen seit mindestens 20 Jahren keine linke Partei mehr sind, wenn sie denn je eine waren. Die Grünen unbesehen ins „linke Lager“ einzusortieren, ist ein Irrtum. Die Grünen sind eine bürgerliche Partei, soziologisch gesehen stammen sie aus dem Bildungsbürgertum. Das war schon in der Frühzeit der Grünen so und ist so geblieben. Radikalere Linke, die „Fundis“, sind schon Ende der 80er aus der Partei rausgegangen.

    Die Grünen neigen teilweise zur Esoterik und rutschen damit ins Konservative. Schließlich interpretieren auch die Esoteriker die Moderne als Sündenfall, der zur Vertreibung aus dem Paradies des „ganzheitlichen Lebens“ führte. Kurz gefasst: Früher war alles besser. Diese Esoterik hat auch Einzug in die Politik der Grünen gefunden, vermutlich nicht nur im Bereich Gesundheit.

    Ich schätze (weiß es aber nicht), dass sich bei den Grünen der Feminismus mit esoterischen Frauenmythen verbindet. Damit meine ich Hexen- und Heilerinnenmythen, die die Frau als das Wesen mit der instinktiven, angeborenen Verbindung zur Natur beschreiben. Solche Mythen korrespondieren gut mit dem oft verbreiteten Glauben, Frauen seien einfühlsamer, logischer, kompetenter usw., eben in allen Dingen Männern überlegen.

    Was übrigens sehr gut zur „Jungenkrise“ und zur Ignoranz des Feminismus ihr gegenüber passt: Als bürgerliche Partei (also milieutechnisch gesehen) sind die Grünen eher Anlaufstelle für Akademiker in Dienstleistungsberufen, Sozialberufen und anderen kommunikationsorientierten Bereichen. Anders als Arbeiter auf dem Bau braucht der Dienstleister Diplomatie. Er muss sich zurückhalten und muss mit allen Kunden oder Bürgern freundlich umgehen. Er darf keineswegs jedem seine Meinung direkt ins Gesicht sagen oder im Zweifel zur Gewalt greifen. Aus der Sicht der Dienstleistungsgesellschaft erscheint das körperbetonte Verhalten der Jungen als Problem. Es fehlt ihm an Zurückhaltung und Selbstbeherrschung. Genau das muss den Jungs (aus dieser Sicht) wohl eingebleut werden, damit sie tauglich werden für Büro, Laden und Medien.

    Vermutlich gibt es die Jungenkrise gar nicht so sehr wegen des Feminismus. Möglicherweise liegt es eher an der Konzentration an Dienstleistungsmentalitäten in einer Partei wie den Grünen. Das heißt, dass aber auch deren Männer mehrheitlich im Verhalten der Jungen ein Problem sehen, und dies nicht, weil sie Feministen wären, sondern weil es ihrem eigenen Kommunikationshabitus stark widerspricht.

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  8. *… Ich denke, dass die Grünen seit mindestens 20 Jahren keine linke Partei mehr sind, wenn sie denn je eine waren. Die Grünen unbesehen ins „linke Lager“ einzusortieren, ist ein Irrtum. …*

    Genau das ist der Knackpunkt! Die GRÜNEN waren und sind nicht links! Es sind zwar desintegrierte Splittergruppen der Linken damals zu den Grünen gewechselt (und haben dort die Randgruppe der „linken Grünen“ gebildet, aus deren Umfeld später dann der Kreis „Radikale Linke“ hervorgegangen ist), aber mit den echten „sozialistischen“ Linken haben und hatten diese Leute rein gar nichts zu tun. Absolut nichts! Diese Szene hat linke Politik immer schon nach eigenem Gutdünken ausgelegt, weshalb sie bei den echten Linken immer wieder angeeckt und letztendlich zu den Grünen gewechselt ist (das gleiche Phänomen kann man derzeit bei den Piraten erleben, die von gescheiterten Grünen, Linken und Rechten regelrecht usurpiert werden). Und nicht nur zufällig hat sich in diesem grünen Milieu der Selbsgerechten dann die heutige Antifa und die Antideutsche Bewegung entwickelt.

    Und natürlich gibt es auch Rückkopplungseffekte, die bis in die ursprüngliche Partei hinein wirken, weshalb eine Trennung bei oberflächlicher Betrachtung schwer fällt.

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  9. Welche Ziele der Feminismus irgendwann mal verfolgt hat, mag für die Wissenschaft von Bedeutung sein, für die aktuelle politische und alltägliche Diskussion ist das nahezu belanglos. Zu oft wurde der Feminismus von bestimmten Interessengruppen gekapert und umgekehrt, so wurde z.B. schon ca. 1920 Suffragetten vom Kapitalismus instrumentalisiert. http://bit.ly/XWOi8W Ganz ähnlich verhält es sich beim Verhältnis von Marx und dessen fadem Aufguss in heutigen „linken“ Parteien.

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  10. Donnerwetter!

    Ein unbedarfter Leser faßt sich vermutlich an den Kopf: von ganz links bis bürgerlich, sogar neoliberal wird der Feminismus eingeordnet!
    Was erst einmal nach Begriffsdefinitionen schreit und besonders von den 'Linken' hier war eigentlich nur zu lesen, was alles nicht links ist (zu sein hat?). Gehts noch? Und völlig automatisch werden die Grünen ins Spiel gebracht :-))
    und vehement bestritten, daß diese links seien- facepalm!
    Vielleicht läßt sich ja die Kollektivierungsneigung als Kriterium für die politische Richtung nehmen und mit zunehmender Gleichmacherei wirds halt auch kollektivistischer und somit röter (was aber im Prinzip egal sein sollte!).
    Herr Klein hat eine sehr zutreffende Feststellung gemacht (Reproduktion als Ursache des weiblichen Leidens) und sein Hinweis auf Frau Diefenbach ist erhellend hinsichtlich des Märchens vom Patriarchat, das uns seit Jahrzehnten aufgetischt wird und zweifelsfrei aus der Marx- Engelsschen Mottenkiste stammt.
    Einigkeit scheint nur darin zu bestehen, daß man den real existierenden Genderfeminismus ablehnt und als überparteiliches Phänomen auffassen muß, das ist doch schon mal was.
    In gewisser Weise muß der feministischen Ideologie ein Chamäleoncharakter attestiert werden- üblicherweise behaupten ja Feministen, daß es DEN Feminismus gar nicht gäbe.
    In der Tat ist man flexibel und nimmt fürs sich ideologische Versatzstücke in Anspruch nach Bedarf: ist der Mainstream gerade 'links', darf es kollektivistisch zugehen, zur Rechtfertigung von Privilegien wie Quoten in Aufsichtsräten für eine hauchdünne Funktionärsschicht kastenhaft- elitär, feudal- nepotistisch beim Verteilen von Pöstchen mit Nonsensecharakter auf Steuerzahlers Kosten wie in der Gleichstellungsindustrie und Agitpropfächern an Universitäten, schlichte 'kapitalistische' Bestechung ist Mittel der Wahl beim Professorinnenprogramm.
    Und narzißtisch anmutende Übermutterallüren kommen im Rundum- Pampern des mystisch- esotherisch verklärten Weiblichen als Psychopathologie einer orientierungslosen Gesellschaft zum Ausdruck.

    Soweit so schlecht:
    Bash the feminists whereever you can find them!

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  11. Es gab auf „Alles Evolution“ vor ein paar Wochen eine interessante und auch witzige Diskussion über einen Test, indem man überprüfen kann, wie feministisch man ist.
    http://allesevolution.wordpress.com/2013/02/01/der-test-bin-ich-ein-feminist/

    Feministisch zu sein bedeutet in diesem Test, kurz gefasst, dass man für eine Gleichberechtigung der Geschlechter und für eine faire Interaktion zwischen Männern und Frauen eintritt. Entsprechend konnten auch (fast) alle Beteiligten als extrem feministisch eingeordnet werden (ich selbst bin dem Test nach zu 94% Feminist).

    Es liegen Welten zwischen diesen populären Versionen des Feminismus, auf die sich auch Janssen bezieht – und einer ganzen Reihe klassischer feministischer Positionen – dass die bürgerliche Kleinfamilie notwendig zu zerstören sei; dass die Penetration grundsätzlich als Gewaltakt zu werten sei; dass die Kastration eines Mannes daher nur Notwehr sei; dass Männer eigentlich unnötig seien und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung begrenzt werden müsse, etc. Auch die Entwürfe Firestones zur Verlagerung der Fortpflanzung in die Retorte sind für mich Skizzen einer negativen Utopie, intellektuell konsequent, aber erschreckend.

    „Welche Ziele der Feminismus irgendwann mal verfolgt hat, mag für die Wissenschaft von Bedeutung sein, für die aktuelle politische und alltägliche Diskussion ist das nahezu belanglos.“ Ich finde es wichtig, die Traditionen genauer zu betrachten und nicht gleichsam auf der Benutzeroberfläche geschlechterpolitischer Diskussionen zu bleiben – schon weil man sonst beständig aneinander vorbei redet (und nicht weiß, über welchen Feminismus man eigentlich gerade spricht).

    Das gilt so auch für den Begriff „Patriarchat“: Auch hier liegen Welten zwischen der Verwendung dieses Begriffs als (hohler) politischer Kampfbegriff und einer Analyse, wie sie Heike Diefenbach vorlegt.

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  12. „Vielleicht läßt sich ja die Kollektivierungsneigung als Kriterium für die politische Richtung nehmen und mit zunehmender Gleichmacherei wirds halt auch kollektivistischer und somit röter (was aber im Prinzip egal sein sollte!).“

    Das ist kein verlässliches Kriterium. Kollektivismus ist kein Alleinstellungsmerkmal (gewisser) linker Strömungen. Das findet sich genauso gut auf konservativer und rechter Seite. Beispiele gibt es dafür haufenweise, nicht zuletzt in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wäre es nicht so, gäbe es keinen Liberalismus und es gäbe auch keinen Grund, konservativen Parteien liberale Parteien als Ergänzung an die Seite zu stellen.

    Eigentlich klassisch links ist nicht der Kollektivismus, sondern die Vorstellung, dass alle Probleme im Kapitalismus und den von ihm erzeugten prinzipiellen Widersprüchen zwischen Kapital und Arbeit wurzeln. Der linke Ansatz war es entsprechend, den Privatbesitz an Produktionsmitteln abzuschaffen (um es mal in marxistischer Terminologie zu sagen).
    Diesbezüglich sind die Grünen nun wirklich alles andere als links. Und wie gesagt, Kollektivismus als Heilsweg haben viele politische Strömungen für sich immer wieder gern benutzt, darüber hinaus natürlich auch die Religionen.

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  13. @ Oliver K Was mich an der Darstellung stört, sind Begriffe wie „Hauptfeind“ und „Herrenrasse“, weil sie einfach viel zu aufgeladen sind, um einer klaren Analyse diesen zu können.

    Was feministische Positionen angeht: Nach meinem Eindruck ist die staatliche Geschlechterpolitik eher beliebig in ihrer Begründung und an egoistischen Interessen orientiert als ideologisch. Begründungsmuster wechseln, je nachdem, wie sie gerade dienlich sind. Gerade was Menschen, die sich der Linken zurechnen, angeht, wäre schon viel gewonnen, wenn man einfach klarstellen könnte: Eine Position ist nicht allein dadurch gut, progressiv, menschlich, nur weil sie mit Versatzstücken feministischer Positionen hantiert – und sie ist nicht allein deswegen schon reaktionär, unmenschlich, herrschaftsfixiert, weil sie feministische Positionen kritisiert.

    Die Aufspaltung linker Politik anhand der jeweils in den Fokus gerückten Opferpositionen finde ich im Prinzip einleuchtend – aber natürlich können weder Juden noch Homosexuelle auf ernstzunehmende als „Herrenrasse“ dargestellt werden (diese Darstellung kenne ich im Bezug auf Juden eigentlich nur von sehr fragwürdiger Seite, die die Verbrechen an ihnen relativieren will). Dass Frauen immer mal wieder als das (sozial, moralisch, emotional, intellektuell etc.) überlegene Geschlecht präsentiert werden, stimmt – aber auch hier finde ich die Auseinandersetzung mit dem einzelnen Beispiel dass ergiebiger als die Vorstellung, Frauen würden allgemein als „Herrenrasse“ präsentiert.

    Insofern ist es für mich wichtig, auf bestimmte soziale Konstellationen zu achten, nicht allein auf Ideologien – weil man sich auf der Ebene der Ideologien ohnehin endlos darüber streiten kann, was denn nun der „eigentliche“ Feminismus sei, was denn der „Neoliberalismus“ im Kern sei, etc.

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  14. „Und völlig automatisch werden die Grünen ins Spiel gebracht :-))und vehement bestritten, daß diese links seien- facepalm!“
    Die Diskussion darüber, inwieweit die Grünen „links“ sind, gibt es ja schon länger – und sie setzt Traditionen der Linken fort, wo sich unterschiedliche Gruppen ja gegenseitig immer schon gern abgesprochen haben, wirklich „links“ zu sein… Zumindest kann man sicher sagen, dass die Grünen eine bürgerliche Parte sind und in ihrer Anlage auch schon immer waren. Das aufzugreifen, finde ich nicht Facepalm-würdig.

    Anlass für mich, überhaupt auf eine Rechts-links-Diskussion einzusteigen, war der gerade ja auch von Seiten der Grünen (insbesondere in der Rosenbrock-Studie) unternommene Versuch, das Eintreten für Grund- und Menschenrechte als „rechtsradikal“ zu diffamieren, sobald es dabei auch um die Grund- und Menschenrechte der von Männern und Jungen geht. Wenn jemand in dieser klar aufgeräumten Welt (in der man ganz genau weiß, was links und was rechts ist – immerhin das) ein wenig Unordnung schafft, ist mir das durchaus angenehm – und ich finde auch nicht, dass die Unordnung durch klarere Begriffsdefinitionen gleich wieder beseitigt werden muss.

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  15. „Bash the feminists whereever you can find them!“
    Nein, das teile ich nicht, aus den erwähnten Gründen – Positionen zu „bashen“, nur weil man sie einer bestimmten Gruppe zuordnen kann, würde ja den Rosenbrock-Ansatz nur von anderer Seite her wiederholen.

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  16. Ich finde den Text von Janssen lohnend, aber tatsächlich sind die Zuordnungen eben nicht so klar. Feminismus=Kapital – das ist zu einfach, und es dreht die Zuordnung feministisch=links einfach nur um.

    Die Peinlichkeit für Rot-Grün beim Armutsbericht besteht unter anderem darin, dass der Unterschied zwischen Arm und Reich in der rotgrünen Regierungszeit deutlich größer geworden ist. Daran möchte man sich natürlich nicht so gern erinnern…

    Servus

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  17. Das Gegenteil von Feminismus und Frauenquote ist natürlich nicht Demokratie, sondern Freiheit.

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  18. Einige Gedanken hierzu (habe da doch einige Zeit dran gearbeitet, und dann sagt das Teil mir „your html cannot be accepted“; da hab ich's auf drei Teile aufgeteilt).

    Zunaechst zu den extremen Begriffen, erstmal „Hauptfeind“.
    Vielleicht hilft es, wenn ich mal kurz darstelle, wie ich zu dieser Seite hier gekommen bin. Ich halte die gegenwaertige Situation fuer apokalyptisch. Nicht wegen „Verbrechen an der Natur“ und so, sondern wegen des Kollabieren des Denkens. Da bin ich gewissenmassen auf der Suche nach etwas Licht, und bin von den Nachdenkseiten auf Genderama und dann auf diese Seite gestossen. Gewissermassen ist bzgl. der Maennerproblematik die Sache ziemlich trivial, waehrend sich auf dem oekonomischen Gebiet, dem Hauptthema der Nachdenkseiten, Depression auf der einen Seite, Geschaeftsmaessigkeit auf der anderen Seite breitmacht, es scheint alles hoffnungslos.

    Demgegenueber scheint es noch moeglich, einem Kollegen schlussendlich die Moeglichkeit sehen zu lassen, das es keine unumstoessliche Tatsache ist, dass Maenner frueher sterben (als Frauen); das hat meine Generation noch in der Schule gelernt (wohl ist das immer noch so), dass es eine biologische Grundtatsache ist, wegen der Chromosomen und so — na, mit einem langgezogenen „ach neee, wissenschaftlich bewiiieesen, is ja nen Ding, schaun wir doch mal …“ kann man da schon was machen. Etwas schwieriger anzuknacken (vielleicht auch wesentlich schwieriger), aber vielleicht noch machbar, ist die allgegenwaertige Totalunterdrueckung der Frau: hier wuerde ich mit einem „na, wie viele Frauen hast Du schon so vergewaltigt?“ anfangen — „haaeeehhh??“, „ist doch allgegenwaertig, praktisch jeder macht's, oder ?“. Okay, niemand kennt natuerlich auch nur irgendjemanden, der irgendwie gewaelttaetig gegen Frauen ist, aber „draussen“, da ist das immer so, erstmal die Proleten, die verpruegeln ihre Frauen tachtaeglich, und noch viel schlimmer die Araber, jetzt die Inder (und China sollte ein noch viel groesseres Potential fuer unbegrenzte Frauenunterdrueckung haben, bei all dem Chinahass).

    Wie gesagt, hier hat man vielleicht noch einen Ansatzpunkt, den allgemeinen Verblendungszusammenhang an einer Stelle mal zu sehen. Waehrend bzgl. Neoliberalismus etc. zwar gemurrt wird, aber klar ist doch, dass es „unvermeidlich“ ist (und es ist alltaegliche Lebenswirklichkeit, z.B. die Umwandlung der Universitaeten in Profitbetriebe). Fuer mich ist also die Maennerproblematik nur ein letzlich untergeordneter Aspekt (ein „Nebenwiderspruch“), aber eben ein „handgreiflicher“ Aspekt.

    Zurueck zum „Hauptfeind“: Ich halte dies fuer eine *politische* *Wahrheit*. Wenn man sich an solche Kategorien nicht heranwagt, dann befuerchte ich, wird die Maennerbewegung bloss auf Maennerbeauftragte herauslaufen. Da habe ich bei Genderama doch ziemlich den Verdacht, dass die Ablehnung einiger(!) Feministinnen bloss darauf herauslaeuft, auch ein Stueck vom Gleichstellungskuchen abzubekommen, eben die schlechten Verhaeltnisse weiter zu befestigen durch eine weitere Form von Gleichstellungsbeauftragten (ordentlich ist dann die Frauenbeauftragte eine Frau, der Maennerbeauftragte ein Mann, und dann braucht es naturgemaess(!) auch fuer die weiteren Geschlechter welche, etc.).

    Vielleicht gibt es ja eine Marktwirtschaft von solchen Gleichstellungs-Organisationen, Frauen, Maenner, Vaeter, Behinderte, Schwule, Lesben, vielleicht demnaechst auch Atheisten, etc., und die ganzen Kaempfe koennen dahingehend interpretiert werden, sozusagen mit dem Ziel, auch als Option auf dem Derivatenmarkt gehandelt zu werden.

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  19. Nun zum zweiten Extrembegriff: „Herrenrasse“. Klar, die Polemik liegt auf der Hand (Feminismus -> Herrenrasse). Aber ich glaube, dass sich da etwas sehr Brutales entwickelt, eine Zukunft dergegenueber „1984“ und „Schoene neue Welt“ (Schullektuere) altbacken aussehen wird, da beiden Visionen noch ein Versorgungsgedanke zugrundeliegt. Im verfaulenden Koerper des Kapitalismus breitet sich rasant die kuenstliche Knappheit aus (dies ist der gemeinsame Kern von „Konservativen“ und Gruenen), immer mehr werden in Armut und Armutsangst hineingerissen, was eine Gesellschaft ergibt, in der grosse unsichtbare, unangreifbare Macht mit Reichtum verbunden ist, und der Rest, 99,9%, konkurriert auf dem Markt der Idole, versucht einer Idolgruppe wie „behindert“, „Frau“, demnaechst vielleicht auf „Vater“ anzugehoeren, genauer, moeglichst vielen davon, mit der man z.B. eine Stelle vom Staat erhalten kann (vielleicht die einzige Form von temporaerer Sicherheit die noch bleibt), oder, wahrscheinlich wesentlich bedeutender, um Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Klingt sicherlich extrem, aber z.B. die Behindertenolympiade letztes Jahr erzeugte recht stark bei mir solche Assoziationen, bei der allgemeinen Betonung (in Grossbritannien) des „tapferen Behindertenkoerpers“, auf der einen Seite in Bezug auf die britischen Kriegshelden (auf 100 tote Afghanen kommt schon mal ein verlorenes Bein), auf der anderen Seite mit aehnlicher Ausrichtung wie die „tapferen Afrikaner“, die auch noch bei niedrigsten Loehnen froh auf den Muellbergen herumspringen.

    Desweiteren glaube ich, dass eine „Opferrolle“ immer mit einer impliziten Ueberhoehung einhergeht, mit der Vorstellung eines „auserwaehlten Volkes“. Ziemlich offensichtlich ist dies bzgl. aller Formen von Behinderungen, die sich nun mit Cybergnostik verbinden, und endlich den biologischen Koerper (koerperliche Behinderung als Startbrett) und den biologischen Geist (geistige Behinderung als Startbrett) hinter sich lassen. Ich rechne „Homosexualitaet“ und „Behinderung“ dem biologischen Feld zu. Z.B. im lesbischen Bereich gibt es aehnliche Allmachtsphantasien, Uebermenschen, die die gesellschaftlichen Schranken hinter sich lassen, und mit Reproduktionstechnologie und Sexualtechnologie ganz neue Universen betreten.

    Zum sakralen Bereich: Bzgl. der sogenannten Theorie geht doch nichts (zumindest bei der „Linken“) ohne dauernden Bezug auf Juden, den Holocaust, etc. Dabei scheint meines Erachtens immer das auserwaehlte Volk durch — was immer verleugnet wird, am direktesten ist wie immer Zizek, der's auch so woertlich sagt: „ich spreche zwar die ganze Zeit vom auserwaehlten Volk der Juden (in seinen neueren Buechern), ich meine das aber nicht so.“ Wie gesagt, ich spreche hier ueber bestimmte Phantasien — die aber moeglicherweise ebenso wirklich sind wie andere Phantasien, wie z.B. das Geld. Judentum und Herrenrasse ist wohl das allerkritischste Feld, da einmal ein Nationalsozialist sagte, es koenne keine zwei auserwaehlten Voelker geben.

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  20. Diese von mir unterstellten Fantasien von „Herrenrassen“ haben jeweils ganz unterschiedliche Erscheinungsformen. Im biologischen Feld wird es z.B. zumindest in der Peripherie so kommen, dass Menschen sich etwas amputieren oder ein Geschlecht umwandeln, um z.B. im Sport einen Konkurrenzvorteil zu erhalten, und da ist „Herrenrasse“ dann am augenfaelligsten. Im sakralen Bereich wird es immer eben „sakral“ zugehen, apokryph. Bzgl. der „Frauen“: da dies das universelle Idol darstellt, ist hier notwendigerweise die Herrschaftsfantasie gleichzeitig am umfassendsten (z.B. wird uns doch staendig von allen Zeitschriften seit Jahrzehnten verkauft, dass jetzt endlich die Frauen das starke Geschlecht seien, klueger, schneller, verdienen mehr etc.) und am unschaerfsten, wesentlich unfassbar (bisschen grob gesagt: „noch haben sie's nicht geschafft, aber mit noch mehr Quoten wird's bald endlich soweit sein“). (Einerseits liest man, wie viel besser die Frauen sind. Andererseits, wie schlecht es ihnen geht. Dies ist gerade die Staerke der „Frauen“ — sie sind so wandlungsfaehig.)

    Somit ist sicherlich der Feminismus kein linkes Phaenomen — er zersetzt aber (zusammen mit den anderen Idolen) alles progressive Denken.

    Was die Analysemaechtigkeit von Begriffen wie „Hauptfeind“ betrifft: Klar, wenn man es besser und/oder genauer sagen kann, nur her damit! Ich glaube aber, dass „Analyse“ Teil unserer Misere ist: Nur damit beschaeftigt, den totalen Wahnsinn in dem wir leben, zu „analysieren“ (man muss ja den Feind kennen etc.), wird das ganze Denken vom Wahnsinn aufgesaugt, unfaehig etwas Anderes zu denken. Entsprechend wird haeufig eine bessere Gesellschaft als heilig abgesondert, das „ganz Andere“ koennen so verschmutzte Geister wie wir gar nicht denken (da ist was dran — wenn wir unsere ganze Zeit mit der „Analyse“ vom Wahnsinn verschwenden). Es braucht sicherlich eine gewisse Analyse, fuer Wichtiger erachte ich aber die Betrachtung dessen, wo es hingehen soll, und dann muss man betrachten, wie man dahin gelangen koennte, und dafuer braucht man Kampfbegriffe.

    Tja, dies waren einige Stichpunkte, die mir in den Sinn kamen.

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  21. So verblüffend einfach ist das!

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  22. Ich finde den verlinkten Text in den ersten beiden Teilen – in denen gezeigt wird, dass der Rechtsradikalismusvorwurf an Männerrechtler absurd ist – stimmig. Wenn er aber in den späteren Teilen Nationalsozialismus und Feminismus bzw. Sozialismus parallel schaltet, wird er selbst oft absurd… Politischen Gegnern Rechtsradikalismus zu unterstellen zielt nunmal i.d.R. eher auf eine Denunziation ab als auf eine Analyse. Auf allen Seiten.

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  23. Der ganze Blog ist eigentlich inakzeptabel. Er arbeitet nur mit Thesen, liefert keine Argumente und nutzt Kampfbegriffe. Es mag das Eine oder Andere noch irgendwie zutreffend klingen. In seiner Gesamtheit ist der Blog aber kein Beitrag zu einer sachlichen Debatte.

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  24. @Oliver K „eben die schlechten Verhaeltnisse weiter zu befestigen durch eine weitere Form von Gleichstellungsbeauftragten“ Eben das sehe ich anders. In meinen Augen ist der Anspruch, die schlechten Verhältnisse in ihrer Gänze analysieren (und negieren) zu können, nicht einlösbar. Ich kann auch, z.B., Adornos Rede von den Verblendungszusammenhängen oder der vielzitierten Vorstellung, dass kein richtiges Leben im falschen möglich sei, wenig abgewinnen. Sicher – auf Konkretes, auf Einzelheiten konzentriert zu sein, wirkt aus dieser Perspektive wie eine Klempnerarbeit, die zwar ein paar Löcher im System stopft, aber ganz aus dem Blick verliert, dass das System als Ganzes (das durch die Klempnerarbeit gestützt wird) falsch sein könnte. Dagegen würde ich aber pragmatische Positionen anführen, etwa Donald Davidson (der damit Peirce aufgreift) – um einen Zweifel vernünftig formulieren zu können, muss man viele mögliche Aussagen implizit als „wahr“ voraussetzen, die man in diesem Moment eben nicht bezweifelt. Zu denken, dass die gesellschaftliche Realität als Ganze falsch sei und nur, wie durch eine Offenbarung, durch etwas „ganz Anderes“ geheilt werden können, entfernt sich ja eben nicht aus dieser falschen Realität (geht ja auch gar nicht) – sondern vollzieht einfach etablierte religiöse Muster (die Welt als Welt des Satans, Rettung durch Offenbarung) nach.

    Da finde ich es sinnvoller, einzelne Konstellationen zu untersuchen – und natürlich darauf aufmerksam zu sein, welche Verbindungen es zu anderen Konstellationen gibt. Richtig und wichtig finde ich z.B. die Hinweise auf Opferkonkurrenzen. Dazu: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Ein Nachteil dieses Zusatzes zum GG ist ja eben, dass hier regelrecht der Startschuss zu einer Opferolympiade gegeben wird – wer sich erfolgreicher als benachteiligt präsentieren kann, erwirbt den Anspruch auf staatliche Hilfen. (Daran hat man allerdings 1994 kaum gedacht – damals gingen wohl alle Beteiligten, trotz der scheinbar neutralen Formulierung, davon aus, dass natürlich nur Benachteiligungen für Frauen gemeint sein können).

    Solche konkreten Verbindungen herzustellen finde ich wesentlich hilfreicher als etwa die zu einer Rede vom „auserwählten Volk“, die in diesem Zusammenhang eher ablenkt und gleichzeitig dem Begriff der Auserwähltheit (der ja für Juden etwas ganz anderes bedeutet als die „Arroganz“, die ihnen von Gegnern – wie etwa vor ein paar Jahren von Jostein Gaardner – dabei unterstellt wird) nicht gerecht wird.

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  25. Der Feminismus braucht einen starken Staat um seine (ihre?) Ideen durch zu setzen, dadurch ist er links (und nicht liberal) ein zu ordnen. Das Verfechter eines starken Staates nicht immer die gleiche Meinung sind, ist auch die Ausprägung des Staates überall anders.

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