Wie man Gewalt gegen Männer und Kinder fördert (und das als gute Politik verkauft)

Zugegeben: Ein Blog zu betreiben hat eine Menge mit dem Senken von Schamschwellen zu tun. Beispielsweise habe ich, bevor ich dieses Blog hier gestartet hatte, noch nie ungefragt längere und gar öffentliche Briefe an andere mir eigentlich unbekannte menschliche Wesen geschrieben, und nun mache ich es gerade schon zum dritten Mal. Ich kann mich aber zu meiner Entschuldigung darauf berufen, dass ich in jedem Fall provoziert worden bin. Heute beispielsweise durch folgendes Bild:

 

Keine Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder – das ist der Name eines „Landesaktionsplans“ der Landesregierung Brandenburg. Natürlich, ich bin kein Brandenburger, sondern Niedersachse – aber da solche Slogans ohnehin länderübergreifend wirken (ich habe das Bild beispielsweise der Homepage einer kommunalen Website des hessischen Wetteraukreises entnommen) und da sich in Brandenburg gerade eine neue Gleichstellungsbeauftragte mit einem eigentlich sehr schönen und passenden Zitat vorgestellt hat, dachte ich, ich schreibe ihr einfach einmal.
Sehr geehrte Frau Hübner,

„Ein Verstand, der die Füße in einem Sack von Vorurteilen stecken hat, der kann nicht nach dem Ziel laufen“ – dieses Bettina von Arnim-Zitat, mit dem Sie sich im Internet präsentieren, ist ein wichtiger Grund, warum ich Ihnen schreibe. Ihr Bundesland Brandenburg (für mich als Niedersachsen knapp ein Nachbarbundesland, in dem ich aber aus privaten Gründen häufig bin) nennt einen von 2011 bis 2014 laufenden Aktionsplan zur häuslichen Gewalt „Keine Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder“  – und schafft es also, in sieben Wörter in gleich mehrere große Säcke von Vorurteilen unterzubringen.

Gewalt gegen Männer? Nicht so schlimm Zunächst einmal hab ich mich als unbefangener Leser natürlich gefragt, warum das Land Brandenburg Gewalt gegen Männer ganz in Ordnung findet und einen eigenen Aktionsplan aufstellt, um das der Welt auch mitzuteilen. Und nein, das ist keine Überinterpretation. Würde jemand behaupten: „Ich lehne es ab, Männer oder Kinder zu schlagen!“ – dann würden andere zurecht davon ausgehen, dass er Frauen zu schlagen nicht in gleichem Maße ablehnt. Und würde jemand sagen: „Gestern habe ich mein Kind nicht geschlagen.“ – dann würden viele mit guten Gründen davon ausgehen, dass er an anderen Tagen sein Kind schlage. Auch auffällige Auslassungen drücken eben etwas aus.

Nun könnten die Verantwortlichen natürlich einwenden, dass Gewalt gegen Männer nun einmal kein sonderliches Problem sei. Aber erstens räumt der Aktionsplan selbst ein, dass es auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt (er sieht nur keinen Anlass, aus dieser Einsicht auch Konsequenzen zu ziehen), und zweitens gibt es mittlerweile hunderte von internationalen und nationalen Studien, die zeigen, dass Männer in etwa gleichem Maße wie Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das Land Brandenburg beruft sich auf Hellfelddaten, die Kriminalstatistiken, und lässt dabei außer Acht, dass sich die Ergebnisse von Dunkelfelduntersuchungen zur häuslichen Gewalt an Männern davon erheblich unterscheiden und dass es plausible Erklärungen für diese Unterschiede gibt: Männer schämen sich erheblich für die erfahrene Gewalt; sie erwarten (aus guten Gründen), dass entsprechende Anzeigen gar nicht ernst genommen würden oder dass sie gar selbst als Schuldige dargestellt würden; sie finden anders als Frauen kein Netz von Institutionen wie Frauenhäusern etc., an die sie sich wenden könnten (und deren Anliegen zum Teil eben auch ist, Dunkelfeld- in Hellfelddaten zu überführen); und sowohl Männer als auch Frauen nehmen Gewalt an Männern oft als weniger gravierend wahr, ebenso die Gewalt durch Frauen.

Man müsste sich also nicht einmal darüber streiten, ob nun tatsächlich Gewalt an Männern im häuslichen Bereich ebenso häufig ist wie an Frauen, oder ob sie ebenso gravierend ist – klar ist in jedem Fall, dass auch Männer häusliche Gewalt erfahren, durch Frauen, und dass diese Erfahrung nicht marginal, sondern wie Gewalt an Frauen ein bitterer Teil der Normalität ist. Gleichwohl sieht der Aktionsplan viele Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen vor, für Männer ist ein einziger kleiner Bereich reserviert, nämlich die „Täterarbeit“. Das ist absurd, aber wenn es nicht um Gewalt ginge, wäre es auch sehr komisch: Vermutlich entstünde erst dann eine Möglichkeit, im Bereich politischer Institutionen auch die häusliche Gewalt gegen Männer zu thematisieren, wenn einmal gewalttätige Frauen sich darüber beschweren würden, dass es zu wenige Möglichkeiten der Täterinnenarbeit gibt.

Der erste Teil des Slogans „Keine Gewalt an Frauen und ihren Kindern“ suggeriert also entweder, dass es keine oder keine nennenswerte Gewalt an Männern (und durch Frauen) gebe – dann ist er schlicht falsch. Oder er suggeriert, dass Gewalt an Männern nicht so schlimm sei, und dass man sie nicht ernst nehmen müsse – dann ist er unvertretbar. In jedem Fall verbreitet der Satz, aus Steuermitteln, sexistische Vorurteile.

Gewalt gegen Kinder? Kommt drauf an Noch schlimmer aber, soweit das möglich ist, finde ich den zweiten Teil des Satzes. Warum eigentlich das besitzanzeigende Fürwort in dem Satzteil „und ihre Kinder“, warum reicht nicht die schlichte Formulierung „Keine Gewalt gegen Kinder“? Kinder haben, so zumindest meine letzten Informationen, nicht nur jeweils eine Mutter, sondern auch einen Vater, und sie sind eigentlich weder mütterlicher noch väterlicher Besitz. Einen Anspruch auf Schutz vor Gewalt haben sie in jedem Fall, ob nun ihre Beziehung zur Mutter oder ihre Beziehung zum Vater mehr betont wird – sie haben nicht erst dadurch einen Schutz vor Gewalt, dass der Schutzanspruch von Frauen großmütig auch auf sie ausgeweitet wird. Auf eines Website des hessischen Wetterau-Kreises habe ich den Brandenburger Slogan zum ersten Mal gelesen – dort war, passenderweise, „Keine Gewalt gegen Frauen“ ganz groß geschrieben, „und ihre Kinder“ war ganz klein, gleichsam als Appendix, daruntergesetzt.

Die Bebilderung auf einer Homepage des zuständigen Brandenburger Familienministeriums unterstützt die seltsame Besitzanzeige des Slogans noch – hier erscheinen Mutter und Kind als Einheit, und man kann vermuten, dass es der Vater ist, der beide bedroht.

Von der Seite „Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder“, Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie; Brandenburg

Und das, mit Verlaub, spinnt nicht mehr nur gedankenlos bestehende Geschlechtervorteile weiter, das ist eine sexistische und zudem auch kinderfeindliche Propaganda aus Steuermitteln. Sämtliche mir bekannten Untersuchungen zur Gewalt gegen Kinder kommen seit Jahrzehnten stabil entweder zu dem Schluss, dass Gewalt gegen Kinder gleich häufig und gravierend von Müttern und Vätern verübt wird, oder zu dem Schluss, dass die Gewalt von Müttern an Kindern häufiger und/oder gravierender ist als die von Vätern. Es gibt überhaupt keine – keine einzige – seriöse Untersuchung, die zu dem Schluss kommt, Gewalt gegen Kinder sei eine reine Männerangelegenheit.

Anstatt Kinder vor Gewalt zu schützen, ist der Brandenburger Aktionsplan also in mehrfacher Weise geeignet, Gewalt gegen Kinder zu fördern. Er suggeriert nämlich gewalttätigen Müttern, dass ihre Gewalt nicht problematisch sei, weil die eigentlich problematische Gewalt gegen Kinder von Männern verübt werde. Er spielt zudem eine Begleitmusik zur – aufgrund der Gesetzeslage und Rechtsprechung leider noch immer weit verbreiteten – Praxis des Vater- und Kindesentzugs, die sowohl Vätern als auch Kindern gegenüber erheblich gewalttätig ist und die für beide, wie ja gut belegt ist, in der Regel massive negative Folgen hat.

Blockaden Bitte verstehen Sie aber meinen Brief nicht so, dass ich meinen würde, Brandenburg hätte, was die Geschlechterpolitik angeht, ein spezifisches Problem. Hier in Niedersachsen beginnt die Website der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten mit den absurden Worten „Die Bestellung von Gleichstellungsbeauftragten ist notwendig, um den Interessen von Frauen in ihrem unmittelbaren Lebensbereich Geltung zu verschaffen (…)“ (auch hier gehen die Verantwortlichen selbstverständlich davon aus, dass der Titel der Gleichstellungsbeauftragten legitimerweise und selbstverständlich nichts anderes sein könne als eine kaschierende Bezeichnung für die Frauenbeauftragte); der „aktuelle Stand der Forschung“ (Zitat) zum Thema der häuslichen Gewalt wird auf der entsprechenden ministeriellen Website mit einem Text aus dem Jahr 1999 wiedergegeben, der allein Frauen als Opfer häuslicher Gewalt anerkennt; das einzige Angebot für Männer auf dieser Website – neben vielen Hilfsangeboten für Frauen – besteht in dem Selbsttest „Sind Sie gewalttätig?“ (auf der dort verlinkten Seite „4Uman“, „Für Dich, Mann“) . Brandenburg hat gewiss kein Monopol auf Absurditäten in der Geschlechterpolitik.

Sie aber schreiben in Ihrer Vorstellung (und das ist ein wesentlicher Grund, warum ich mich – obwohl ich Niedersachse bin – überhaupt an Sie wende): Festgefügte Rollenzuschreibungen sind in allen Köpfen – ob weiblich oder männlich, ob jung oder alt. Ziel ist, dafür zu sensibilisieren und dadurch Geschlechterrollen aufzubrechen. Denn Schubladendenken begrenzt Entfaltungsspielräume. Solche Blockaden beiseite zu räumen, setzt verschüttete Potenziale und Kreativität frei, es fördert die individuelle Lebensgestaltung, steigert die Lebensqualität und stärkt den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt.“ Ich gehe einmal davon aus, dass in Ihren Augen nicht nur Frauen Opfer von „Schubladendenken“ werden – denn das wäre ja offensichtlich selbst ein vorurteilsvoller Ansatz.

Der Brandenburger Landesaktionsplan nun betoniert bestehende Zuschreibungen, besteht – gegen alle seriösen Forschungen – de facto darauf, dass Männer allein Täter, Frauen allein Opfer sind und dass Kinder einerseits (zu) den Müttern gehören und andererseits durch die Väter bedroht sind. Das unterstützt Gewalt von Partnerinnen gegen Männer, und das unterstützt Gewalt von Müttern gegen Kinder. Wäre es nicht eine gute Idee, das, was Sie schreiben, auch selbst ernst zu nehmen und sich um Änderungen des Aktionsplans zu bemühen?

Ich bin Lehrer. Ich erlebe die meisten Schülerinnen und Schüler (obwohl ich an einer Schule in einem problematischen Gebiet arbeite) nicht als gewalttätig, und abgesehen davon erlebe ich Gewalt von Schülern gegen Schüler, von Schülern gegen Schülerinnen, vom Schülerinnen gegen Schüler und von Schülerinnen gegen Schülerinnen. (Interessant wäre es, jetzt auch noch Lehrerinnen und Lehrer zuzuordnen, aber darum geht es mir im Moment nicht.) Würden wir, die wir an der Schule arbeiten, uns allein auf eine dieser Mengen konzentrieren, auf die Gewalt von Schülern gegen Schülerinnen,  dann würden wir in doppelter Hinsicht unserer Aufgabe nicht gerecht. Wir würden einerseits sexistische Klischees – Schüler allzeit als Täter, Schülerinnen allzeit als Opfer – verbreiten. Wir würden uns andererseits bei vielen Fällen von Gewalt schlicht selbst für unzuständig erklären und wären so gar nicht in der Lage, Gewalt an der Schule angemessen zu regeln und zu verhindern.

Ein Aktionsplan gegen häusliche Gewalt, der keine sexistischen Klischees reproduziert, der tatsächlich das Ziel hat, die Beteiligten – nicht allein, aber insbesondere die Kinder – vor Gewalt zu schützen, anstatt die Gewalt gegen einige der Beteiligten (gegen Männer, aber eben auch gegen Kinder, soweit die Gewalt von Frauen verübt wird) zu verharmlosen – das wäre ein Aktionsplan, der tatsächlich einmal Blockaden beiseite räumen würde, anstatt neue aufzuschichten.

 Mit freundlichen Grüßen
  1. Ein (wie üblich bei Dir) gut argumentierter Text… der selbstverständlich ohne Reaktion bleiben und entweder in der Rundablage oder im Ordner „Haßpost“ landen wird. Und sei es im zweitbesten aller Fälle nur, weil wir alle, und damit auch die Angeschriebene, doch noch gut in Erinnerung haben, was mit einer Frauenbeauftragten geschieht, die es wagt, einen Satz wie „Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte“ als sexistisch zu kritisieren.

    Zum Inhalt: Mir ist aufgefallen, daß der Slogan nicht nur Männer und von weiblicher Gewalt betroffene Kinder vom geforderten Schutz ausschließt, sondern auch solche, die ohne eine Mutter aufwachsen müssen.

    Denn die Formulierung macht doch ganz deutlich: Der Schutz der Kinder ist lediglich Ausfluß des geforderten Schutzes für Frauen infolge des zwischen Müttern und Kindern bestehenden Besitzverhältnisses. Kinder sind also nicht um ihrer selbst Willen zu schützen, sondern um Schaden von den Frauen abzuwenden, denen sie gehören.
    So wird auch noch einmal deutlich, warum der Slogan so verstanden werden muß, daß Gewalt von Müttern gegenüber ihren Kindern als nicht schwerwiegend zu betrachten ist: Sie geht ja von der allein schützenswerten Frau selbst aus. Es ist ja auch nicht verboten, wenn ich mein eigenes Geschirr zerdeppere, während ein Besucher, der das gleiche täte, sich strafbar machen würde.
    (Wobei der Feminismus ja spätestens seit de Beauvoir auch gern mal den Anspruch hat, Frauen vor ihren eigenen als schädlich betrachteten Entscheidungen zu schützen.)

    Aber vor allem bedeutet die Formulierung doch: Keine zu schützende Frau, der das Kind als „ihres“ zugeordnet werden kann => kein Schutz.

    Ehrlich, ohne Hanlon's Razor müßte man in dieser Welt doch so bekoppt werden, wie es viele andere offenbar schon sind…

    Bombe 20

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  2. Eine andere Frage ist wohl, an wen sich eine solche Kampagne überhaupt richtet. Ich denke, wohl kaum an Männer. Eher an Frauen, die ihre Vorurteile und ihren Opferstatus bestätigt sehen wollen. Oder aber an Werbeagenturen, denen damit signalisiert wird, es ist noch Geld im öffentlichen Topf.
    Servus M. M.

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  3. Nicht nur das das Plakat aus den angeführten Gründen unerträglich ist – Wem genau ist damit geholfen? Wie naiv muss man sein um zu glauben ein solches Plakat würde irgendeinen gewalttätigen Vater davon abhalten, weiter gewalttätig zu sein?! Es sind ja nicht mal Kontakt/Notruf-Stellen darauf angegeben, an die sich betroffene Opfer wenden könnten! Bei diesem Plakat MUSS man ja zum Schluss kommen, dass es nur dazu dient, in der Öffentlichkeit das Bild des gewalttätigen, schlechten Vaters und der liebenden, unschuldigen Mutter zu verbreiten. Und das wird dann Gleichstellung genannt…

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  4. Haha, dann guck dir mal solche Kampagnen an – die wurden österreichweit geschalten:
    http://www.aoef.at/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=188&Itemid=144&lang=de

    Auf dieser Seite gibt es natuerlich viele andere hässliche Anfeindungen zwischen den Geschlechtern.

    Antwort

  5. Noch besser ist der Slogan „Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, der das Leitmotiv einer kürzlich stattgefundenen weltweiten Veranstaltung war. Rund um den Globus haben Frauen tanzend kund getan, dass sie Gewalt gegen Kinder einen Scheißdreck interessiert, wenn es das falsche Geschlecht hat. Als jemand, der durch seine gewalttätige Mutter geschädigt wurde, kann ich da nur sagen: Man muss sie einfach lieben.

    Antwort

  6. Bereits die Hellfelddaten zeigen, dass häusliche Gewalt gegen Männer und häusliche Gewalt durch Frauen keineswegs ein marginales Problem darstellt; in Berlin (dem m.W. einzigen Bundesland, dessen polizeiliche Kriminalstatistik bei häuslicher Gewalt die Zahlen für die jeweiligen Geschlechter angibt) waren 2011 23,8% der Tatverdächtigen und 23,6% der (mutmaßlichen) Opfer männlich. Das ist absolut nicht vernachlässigbar.

    Übrigens: „Aber erstens räumt der Aktionsplan selbst ein, dass es auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt (er sieht nur keinen Anlass, aus dieser Einsicht auch Konsequenzen zu ziehen), du zweitens gibt es mittlerweile hunderte von internationalen und nationalen Studien, die zeigen, dass Männer in etwa gleichem Maße wie Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind.“
    Hier ist wohl aus einem „und“ ein „du“ geworden.

    Antwort

  7. @Andreas Rheinhardt Vielen Dank für beide Hinweise! Das „du“ hab ich im Text geändert. Der Hinweis auf die Kriminalstatistik bezieht sich auf folgendes Zitat von der Seite, die in der Bildunterschrift verlinkt ist: „Im Jahr 2011 wurden in Brandenburg in der polizeilichen Kriminalstatistik insgesamt 3.647 Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt registriert. Die meisten Opfer sind Frauen, die meisten Täter aktuelle oder frühere Partner. Auch Kinder leiden unter der Gewalt gegen ihre Mütter.“ Das ist offenkundig, und wohl bewusst, sehr vage – es ist davon auszugehen, dass eine genauere Angabe der Daten Deinen Hinweis stützen würde, auch schon die Hellfelddaten würden eine Marginalisierung der Gewalt gegen Männer nicht hergeben.

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  8. Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik zeigt nur an, wieviele Verdachtsfälle es gibt. Sie spiegelt die Anzeigenhäufigkeit wider. Daher ist sie keine verlässliche Basis, um die tatsächliche Häufigkeit von Gewaltvorkommnissen genau zu bestimmen. Wenn Männer als Gewaltopfer die erlittene Gewalt nicht anzeigen (was ich für wahrscheinlich halte), kann diese Statistik nur schief sein.

    Das heißt vor allem, dass man das erst einmal überprüfen müsste.

    In einem seriösen Werk zur Gewaltforschung las ich einst: Männliche Jugendliche würden 10 Mal häufiger wegen Gewalt angezeigt als weibliche, also für die gleichen Vorkommnisse. Daraus folgt, dass die Statistiken nicht korrekt sein können. Leider erinnere ich mich nicht mehr genau an die Quelle.

    Die Jugendforscherin Ulrike Popp stellte in einer Fußnote mal fest, dass sich bei Unterschichtenjugendlichen auch ein höherer Anteil an weiblichen Gewalttäterinnen zeige. Sie führte dies an, weil in ihrer Studie hauptsächlich die Männer als Täter vorkamen. Sie hatte offenbar gemerkt, dass die untersuchte Gruppe Jugendlicher ein schichtspezifisches Verhalten zeigte.

    Das sind natürlich alles nur Indizien und ich muss die Quellen schuldig bleiben (es ist zu lange her).

    Aber es stimmt mich misstrauisch und bestärkt mich in dem Gefühl, dass es ungerecht ist, Gewalt als scheinbar männliches Problem darzustellen.

    Antwort

  9. Es ist ein grandioses Vergnügen Ihre Texte zu lesen! Ich danke Ihnen dafür ausdrücklich und darf Sie auffordern weiter zu machen. Und – bitte – machen Sie ein Buch daraus! Ich möchte es vorrätig haben, um es allen zu schenken, deren täglicher Unsinn mich anfängt wahnsinnig zu machen!

    Antwort

  10. @Bombe20 „Mir ist aufgefallen, daß der Slogan nicht nur Männer und von weiblicher Gewalt betroffene Kinder vom geforderten Schutz ausschließt, sondern auch solche, die ohne eine Mutter aufwachsen müssen.“ Ja, das ist tatsächlich eine naheliegende Konsequenz. Aber vermutlich kommt in der Gedankenwelt hinter dem Slogan das Kind beim alleinerziehenden Vater gar nicht vor. Kann sei, dass das auch dafür spricht, ihn mit „Hanlon's Razor“ eher auf Beschränktheit oder Dummheit als auf Bösartigkeit zurückzuführen.

    Antwort

  11. Danke für den Link! Als ich die Plakate zum ersten Mal sah, hab ich tatsächlich nicht gewusst, ob sie eine Satire sind. Das gilt aucvh für ein Zitat wie das folgende von der Seite: „Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz stattgefunden hat, wurde die Kampagne „Verliebt. verlobt. verprügelt“ mit finanzieller Unterstützung der damaligen Frauenministerin Doris Bures erneut lanciert. Die Befürchtungen, es könne im Rahmen eines derartigen Sport-Großevents zu einem dramatischen Anstieg von Gewalttaten an Frauen kommen, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet.“ Männer reinen Gewissens dargestellt als primitive Tiere – reine Glückssache, dass wir uns wider Erwarten mal als Menschen benehmen konnten….

    Antwort

  12. Danke schön – das freut mich…

    Antwort

  13. Nein, solche Aktionen dienen einmal dazu Frauen die von Gewalt betroffen sind zu sensibilisieren, was übrigens auch dazu führt das die Zahl der Falschbeschuldigungen steigt (was aber bezogen auf 'Opferstatistike' als pos. Nebeneffekt gesehen wird)…
    Zum anderen aber auch dazu Milliarden, die in Projekten und Hilfeeinrichtungen begraben werden, beim Bürger zu begründen. Das ist so, wie wenn die CDU jetzt eine Kampagne zur Akzeptanz von Atomstrom macht, in der darauf hingewiesen wird wie sicher doch AStrom ist. Davon werden Kraftwerke auch nicht sicherer, aber viele fühlen sich sicherer und würden AKraftforschung beführworten…

    Gruss
    Kai

    Antwort

  14. Hallo Michael,

    natürlich ist die PKStat eine Helllfeldstudie, die nur auf Fälle bezogen auf die Polizei gillt, die wirklichen Zahlen sind natürlich anders verteilt. Doch sie ist eine gute Basis um zu zeigen das die 600 Studien und Expertisen zur häuslichen Gewalt, die Männer auch im Fokus haben, nicht totaler männl. esotherischer Blödsin sind…

    In Frankreich z.B. gibt es 0, in Worten NULL, Statistiken die überhaupt mal einen Mann zeigen, entweder werden sie neutral als Fälle von häuslicher Gewalt dargestellt, also ohne Geschlecht, oder sie werden einfach nicht dargestellt. Deshalb argumentieren selbst wir hier in F mit der PKStat von Berlin…

    Viel befremdlicher finde ich hingegen, wenn morgen in Rumänien, selbst wenn es dort eine Verteilung von 50/50 gäbe, Statistiken zu Gewaltverbrechen von Sinti/Roma an Rumänen erstellt würden, alle Gewaltverbrechen von Rumänen die nicht Sinti/Roma sind aber nicht behandelt würden, was würde dann passieren? Die EU würde Rumänien zurecht als Rechtspopulistisch brandmarken, Sanktioenen ergreifen, das Thema wäre immer wieder in den Medien…
    Erstellt die EU einseitig nur Statistiken zu Gewalt gegen Frauen, so ist das Mainstream… Gender Mainstreaming… Jo, so plem plem sind sie halt in in der Politik, Intelligenz und Aufklärung war in einigen Bereichen immer schon hinderlich…

    Obwohl ich zur Verteidigung sagen muss, wenn ich mit Freunden rede, so glauben die das mit der Gleichverteilung immer noch nicht, sind halt auch nett konditioniert…

    Gruss
    Kai

    Antwort

  15. Dem Lob kann ich mich nur anschliessen…

    Aber:
    'Und – bitte – machen Sie ein Buch daraus! Ich möchte es vorrätig haben, um es allen zu schenken, deren täglicher Unsinn mich anfängt wahnsinnig zu machen! '

    Ich weiss nat. nicht wie viele Menschen Sie diesbezgl. wahnsinnig machen, doch es scheint, allein dadurch hätte das Buch beste Chancen ein Bestseller zu werden. Mir würden aus dem Stehgreif schon 10K Politiker und deren Mitarbeiter in Deutschland einfallen, alle Mitarbeiterinen von Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen, alle Mitglieder der Grünen, 70 Prozent der SPD, CDU, CSU Mitglieder, alle Mitarbeiter des Minist. für Frauen und Nebensächliche Lebensformen etc. etc. etc. Doch leider sind diese Menschen Beratungsresisten… Der best of war mal, selbst wenn die Verteilung in den 600 Stats/Expertisen so stimmt (also Gleichverteilung sowohl in Zahl als auch im Gewaltumfang), dann sollte man trotzdem Überlegen ob die Männer jetzt nicht mal zurückstehen (also mal wieder den Kavalier spielen) um die viel stärker betroffenen Frauen von Gewalt zu schützen. Die Frau war wirklich so strunzdämlich und hat das geglaubt…

    Es scheint wirklich Menschen zu geben, die glauben Männer gehen Freitags mit den Kollegen noch ein Bier trinken und freuen sich auf das Wochenende, weil sie da mal wieder ausgiebig Zeit haben ihre Alte zu verkloppen… Gewaltspirale ist inexistent, Frau und Eigenanteil ist nur darin begründet das sie nicht vom Mann loskommt etc. Schöne neue Welt!

    Gruss
    Kai

    Antwort

  16. …Auch von mir die Aufmunterung, das in Worte zu fassen, was mich manchmal sprachlos und ohnmächtig macht.
    Norbert

    Antwort

  17. „und gegen ihre Kinder“ ist übrigens klein geschrieben.

    Die Kinder gehören also der Frau und Gewalt gegen Kinder ist weniger schlimm als gegen Frauen?

    Die Diskriminierung der Männer nimmt kein Ende.

    Antwort

  18. Das BESTE, was dazu jemals geschrieben wurde!

    Schaut euch mal die jährliche Kampagne
    der diversen Landes-BÄCKER-Innungen an
    mit Frauenverbänden, Presse und Polizei:

    „Gewalt gegen FRAUEN und MÄDCHEN
    kommt uns nicht in die Tüte!“

    Und die Gewalt gegen Männer und Jungen?

    Antwort

  19. Die Diskriminierung der Männer NIMMT eine Ende – Salafisten haben Zulauf.

    Antwort

  20. Emanzipation und ihre Folgen!
    Die Polarisation der Geschlechter gehört endlich abgeschafft. Warum ist heute so vieles so kompliziert, es muss einfach wertlos heissen, Gewalt gegen den Menschen nicht Mann, Frau oder Kind. Es geht heute nur noch ums Geld unter dem Deckmantel irgendwelcher Lobbyisten.
    Mittlerweile geht die Emanzipation meist zum Nachteil des Mannes/Vaters, Wertbarometer in unserer Gesellschaft sind unsere Kinder, schaut euch unsere Jugend an, Konsumterror/zwang etc. Politik sollte dem Menschen dienen, nicht dem Geld. Wohin führt das?

    Antwort

  21. @Kai „Gewaltspirale ist inexistent, Frau und Eigenanteil ist nur darin begründet das sie nicht vom Mann loskommt etc.“ Ja, und noch mehr: Die Gewaltspirale lässt sich ja eben gerade dadurch weiter drehen, dass grundsätzlich nur die andere Seite als gewalttätig definiert wird, während die eigene Gewalt überhaupt nicht wahrgenommen oder bestenfalls als Notwehr oder Gegenwehr bestimmt wird. Eben die Dynaimik, die geleugnet wird, wird so gleichzeitig gefüttert.

    Antwort

  22. „Es geht heute nur noch ums Geld unter dem Deckmantel irgendwelcher Lobbyisten.“ Oder es geht um partikulare Interessen. Was eigentlich ja in Ordnung wäre. Dass bestimmte Eigen- oder Gruppeninteressen vertreten werden können, ist ja grundsätzlich legitim – solange die Interessen anderer Gruppen auch Platz haben und als legitim wahrgenommen werden, und solange die verschiedenen Betiligten sich noch auf irgendweine grundsätzliche Vorstellung von einem Gemeinwohl verständigen können.

    Und der Begriff „Gemeinwohl“ mag sehr bieder klingen, aber eine ehrlich gemeinte Orientierung daran fehlt in meinen Augen sehr, gerade in Diskussionen um Geschlechterpolitik.

    Antwort

  23. @Michael Lohmann „Aber es stimmt mich misstrauisch und bestärkt mich in dem Gefühl, dass es ungerecht ist, Gewalt als scheinbar männliches Problem darzustellen.“ Die automatisierte Verknüpfung von Männlichkeit und Gewalt ist in meinen Augen in beide Richtungen problematisch. Einerseits wird Gewalt übersehen und verharmlost, wenn nur als männlich identifizierte Gewalt überhaupt wahrgenommen wird. Andererseits werden eben Männer, zumindest tendeziell, de-humanisiert, wenn ihnen grundsätzlich eine spezifische Gewaltneigung untergeschoben wird. Und da geht es eben um die klischeehafte Verknüpfung – dass es natürlich gleichwohl auch tatsächlich gewalttätige und massiv gewalttätige Männer gibt, ist davon ja unberührt.

    @Kai „Obwohl ich zur Verteidigung sagen muss, wenn ich mit Freunden rede, so glauben die das mit der Gleichverteilung immer noch nicht, sind halt auch nett konditioniert…“ Ich glaube, dass das auch eine Frage der Bewertung von Gewalt ist. Wenn man fragt: „Sind sie in der Partnerschaft in den letzten zwei Monaten geschlagen worden?“, dann würde man möglicherweise tatsächlich ungefähr eine Gleichverteilung feststellen. Wenn man aber fragt: „Haben Sie in den letzten zwei Monaten in ihrer Partnerschaft Gewalt erlebt?“, dann würden vermutlich mehr Frauen als Männer mit „Ja“ antworten.

    Ob eine Handlung als Gewalt gewertet wird oder nicht, ist eben auch abhängig vom Geschlecht (der Handelnden UND der „Leidtragenden“ der Handlung). Daher geht die Frage, welches Geschlecht mehr Gewalt erlebt, wohl oft von Daten aus, die nicht verlässlich sind und das Ergebnis schon vorwegnehmen.

    Antwort

  24. Kleine Anmerkung zu einem Text, der völlig berechtigt ist, auch wenn m.E. einige Details zu polarisiert dargestellt werden:

    Auch für Männer gibt es sinnvolle Hilfen, im Falle dass sie häusliche Gewalt erfahren. Dies nennt sich Gewaltberatung und kann für beiderlei Geschlechter sowohl, Opfer sowohl als auch Täter, in Anspruch genommen werden. In Berlin, Brandenburg und Oldenburg gibt es meines Wissens auch „Männerhäuser“ (wenn auch die öffentliche Hand sich kaum um letztere kümmert …)

    Antwort

  25. Danke für den Text! Die Frage ist, ob es jemals eine Reaktion geben wird. Wäre schön wenn diese auch hier veröffentlicht wird!

    Antwort

  26. Fänd ich auch schön, und ich würde auch eine Antwort natürlich gern veröffentlichen. Aber dass eine Antwort kommt, ist wohl ziemlich illusorisch.

    Antwort

  27. […] Eine EU-Studie ist von Beginn an so angelegt, dass in ihr Gewaltopfer weiblich, Täter aber männlich erscheinen, Schwesigs Familienministerium fährt eine Kampagne zur häuslichen Gewalt, die im unbekümmerten Widerspruch zur Forschungslage häusliche Gewalt als männlich und Gewaltopfer als weiblich hinstellt – und befindet sich damit ganz im Mainstream regierungsamtlicher Gewaltdarstellungen. […]

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