Geschlechterpolitik

Wie Geschlechterpolitik Zivilitätsbrüche produziert

Bild zeigt zwei Männer.
geschrieben von: Lucas Schoppe
Dieser Text war ursprünglich der zweite Teil des Textes „In aller Unschuld alle Männer töten“, der damit aber natürlich viel zu lang geworden wäre. Dass ich den zweiten Teil nachreiche, hat den Vorteil, dass auch einiges aus der Zeit zwischendurch einbauen kann – zum Beispiel die Diskussion anlässlich des ersten Textes, ob Feminismus denn faschistisch sei (was er nicht ist). Für mich selbst stand etwas anderes im Vordergrund. Fragwürdig ist die im Text angesprochene Solanas-Begeisterung im Mainstream-Feminismus ja  eben gerade deshalb, weil der Feminismus offenkundig nicht angemessen als faschistisch beschrieben werden kann. Ich habe die Frage nach den Gründen für die seltsame Attarktivität des Textes und die Kritiklosigkeit gegenüber anderen sehr problematischen Ansätzen – etwa den eugenischen Auslöschungs-Phantasien einer ganzen Reihe von Autorinnen – ganz ernst gemeint und schließlich selbst versucht, mir ein paar Antworten zu geben.
„Ich bin es leid, dass jede blöde Äußerung von Alice Schwarzer am nächsten Tag in allen Gazetten verrissen wird, ich bin es leid, dass in der Uni jeder bei der Erwähnung des Wortes ‚Feministin‘ kichert, ich bin es leid, dass sich aus diesem Grund kaum eine traut, sich Feministin zu nennen, auch wenn es tausend Überschneidungen mit der eigenen Überzeugung gibt, ich bin es leid, mich für jede verbale Bösartigkeit, die sich irgendeine Feministin jemals geleistet hat, rechtfertigen zu müssen, auch wenn sowas nie über MEINE Lippen gekommen wäre, ich bin es leid, als männerhassende Täterin da zu stehen, während die ganzen ach so lammfrommen Antifeministen sich als Verteidiger des Abendlandes profilieren und gleichzeitig rumjammern können, ja so dermaßen von ach so diabolischen Frauen ausgebeutet zu werden.“

Abgesehen von einigen genretypischen Klischees wie der Imagination jammernder Männerrechtler ist dieses Statement auf dem Blog „Robins Urban Life“ ja auf den ersten Blick völlig nachvollziehbar, zumal Robin Urban selbst eine sehr differenzierte Position hat, die beispielsweise in ihrem engagierten Artikel gegen die Beschneidung von Jungen deutlich wird. Natürlich möchte eine Feministin nicht ständig in Haftung genommen werden für jede verfehlte Äußerung, „die sich irgendeine Feministin jemals geleistet hat“ – und schließlich kritisieren auch Männerrechtler, und zu Recht, wenn sie in unseriösen parteipolitischen Publikationen oder Radiosendungen mit Rechtsradikalen oder gar mit einem Massenmörder wie Breivik assoziiert werden.

Nun verlangt aber ja auch niemand von Feministinnen, jede ihrer Stellungnahmen mit einem „Hiermit distanziere ich mich von allen Äußerungen, die eine Ermordung aller Männer und Jungen zum Inhalt haben“-Disclaimer einzuleiten, oder beständig das weltweite Netz zu durchkämmen auf der rastlosen Suche nach Äußerungen, von denen sie sich distanzieren müssten. Es wäre allerdings ganz gewiss ein Beitrag zur Entspannung der geschlechterpolitischen Debatten gewesen, wenn sie sich überhaupt einmal – und nicht nur in wenigen Ausnahmefällen –  mit der offenkundigen Attraktivität irrwitziger Gewaltphantasien auseinandergesetzt hätten, die feministische Debatten eben nicht nur in irgendwelchen Ausnahmefällen zu irgendwelchen fernen Zeiten, sondern immer wieder und im Mainstream geprägt haben. Und hier ist es eben nicht nachvollziehbar, wie sehr hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Die Welt als Safer Space Ralf Homann etwa beklagt in den Kommentaren zu seinem Radiofeature „Maskuline Muskelspiele“, er habe sich von Männerrechtlern „schlicht mehr Distanzierungen von Breivik und seinen Taten erwartet.“ Da können Männer aus ansonsten ganz unterschiedlichen Richtungen Breivik unisono als „Massenmörder“ verurteilen, da kann auch immer mal wieder die Frage gestellt werden, wieso wir uns eigentlich von Breivik zu distanzieren hätten, da sich doch nirgendwo jemand mit ihm identifiziert habe – für den Macher des ARD-Features ist das schlicht egal (und selbst wenn er eine der unzähligen Distanzierungen irgendwann einmal als gültig erachtete, würde er vermutlich als nächstes fragen, wo die Distanzierungen von Idi Amin blieben, oder von Mohammed Atta, oder von Kaiser Nero, die waren schließlich ja auch nicht unbedingt als Feministen bekannt). Wenn hingegen von Feministinnen ein Text, der offen die Ermordung aller Männer propagiert, über Jahrzehnte hinweg immer wieder begeistert gelesen und wieder und wieder neu aufgelegt wird, schreibt dazu der von Homann mitfühlend interviewte Andreas Kemper auf seinem Blog über „das vor über vierzig Jahren herausgekommen SCUM-Manifest, dass immer wieder herhalten muss, um die Gewalttätigkeit von Frauen zu belegen“.  Das verfehlt das Problem genau (einmal abgesehen davon, dass in Hunderten von Studien belegt ist, dass auch Frauen – so wie Männer – gewalttätig sein können und sind; dafür braucht es nicht SCUM). Mit dem Verweis auf SCUM werden keine ollen Kamellen aufgewärmt (irgendwann muss es doch mal gut sein), sondern gerade die lange Zeitspanne seit dem Erscheinen macht die Situation umso erklärungsbedürftiger: Schließlich hat dieser gewaltlüsterne Text seit Jahrzehnten immer wieder Anziehungskraft auf Feministinnen und Feministen gehabt, ohne dass es jemals eine breite Diskussion darüber gegeben hätte. Woran liegt das? Welche Strukturen im Mainstream-Feminismus und in der feministisch inspirierten staatlichen Geschlechterpolitik sorgen dafür, dass die naheliegende und seit Jahrzehnten notwendige Auseinandersetzung ausgeblieben ist? (Und vielleicht auch: Was können Männer daraus lernen?) Mir sind vier Aspekte eingefallen.
Gruppen, nicht Individuen Eine wesentliche Bedingung ist sicher die Unterordnung Einzelner unter die Gruppe – die Zuordnung der Gruppe der Männer und der Gruppe der Frauen ist gerade in der feministisch inspirierten Geschlechetrpolitik entscheidend. Da spielt es plötzlich gar keine Rolle, dass jemand nach de Beauvoir nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht worden sei – dass man zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) unterscheiden müsse – dass nach Butler gewiss doch auch das biologische Geschlecht sozial konstruiert sei – dass man mit cis- und trans-gender-Konstruktionen hantiert  – und dass insgesamt ein Hinweis auf biologische Geschlechtsunterschiede „biologistisch“, also irgendwie reaktionär oder faschistoid oder doch ganz gewiss sowas Ähnliches sei: Wenn es um staatliche Frauenpolitik geht, zählt plötzlich nur noch das biologische Geschlecht, und das mit niemals befragter Selbstverständlichkeit. Ob es um Vorteile für Frauen bei der Einstellung im öffentlichen Dienst, um Frauenquoten in den Parteien und außerhalb geht, um die massive Bevorzugung von Frauen bei dem Recht auf Kindessorge, um die exklusiven Schutz- und Hilfsmaßnahmen gegen Gewalt, die Frauen zukommen (während Männer öffentlich als Täter präsentiert werden), oder um anderes – die staatliche, programmatisch einseitige Geschlechterpolitik ist auf die einfache, bündige Unterordnung der Individuen unter klar definierte Gruppen angewiesen, um ihre Unterstützungsmaßnahmen immer in dieselbe Richtung steuern zu können.
Moralisierungen Eine zweite Bedingung ist, das diese Gruppen nicht neutral oder folkloristisch interpretiert werden (also etwa als Unterschied zwischen Friesen und Bayern, bei dem sich jeder neutrale Beobachter die Gruppe heraussuchen könnte, die ihm am Besten gefällt), sondern dass die feministisch inspirierte Frauenpolitik ebenso wie das Gros feministischer Autorinnen die Gruppen Mann-Frau radikal moralisierend interpretiert. Unterdrücker und Unterdrückte, Gewalttäter und Opfer, Herrscher und Beherrschte, soziale Inkompetenz und soziale Kompetenz, etc.pp. – die moralisch aufgeladenen Schwarz-weiß-Gegenüberstellungen lassen sich jeweils bequem der konstruierten Mann-Frau-Dichotomie zuordnen. Diese Hypermoralisierung hat Folgen: Beispielsweise wird das Verhalten von Männern und Frauen ganz unterschiedlich bewertet, insbesondere dann, wenn es um moralisch Bewertbares geht, etwa um Gewalt – Gewalt des Mannes erscheint als Herrschaftsinstrument (auch wenn, falls etwa der „erweiterte Gewaltbegriff“ verwendet wird, manchmal gar nicht so recht klar ist, worin der Gewaltakt denn eigentlich so genau besteht), die der Frau als Gegenwehr (so dass die Gewalt auch dann, wenn eine Frau ihrem schlafenden Mann den Penis abschneidet, von anderen freudig ujnd öffentlich gefeiert werden kann). Die Moralisisierung der Mann-Frau-Gegenüberstellung schafft keinen gemeinsamen Rahmen, sondern verhindert ihn: Denn Interessenunterschiede werden nicht als legitim wahrgenommen, so dass nach Kompromissen gesucht würde, mit denen alle Beteiligten gut leben können – sondern die „bessere“ Position wird gestärkt, auf Kosten der „schlechteren“. Ein bedrückendes Beispiel sind das Sorgerecht und die entsprechende Rechtsprechung, für die Konflikte zwischen Vater und Mutter regelmäßig als Signal zur Ausgrenzung des Vaters interpretiert werden.
Innere Disziplinierung Die moralisierende Imagination einer „männlichen Herrschaft“ hat zudem offenbar zur Folge, dass eine innere Disziplin erzwungen wird. Feministische Frauen, die an einer Idee der männlichen Herrschaft zu zweifeln beginnen und die den Fehler begehen, diesen Zweifel auch öffentlich zu artikulieren, werden als Renegatinnen behandelt. Christine Hoff Sommers mit ihrem Werk „Who Stole Feminism?“ oder Erin Pizzey, die „Gründerin der Frauenhausbewegung“, sind zwei berühmte Beispiele aus dem anglo-amerikansichen Raum, im deutschen Raum etwa Astrid von Friesen oder Monika Ebeling. Obwohl Ebeling auf ihre feministischen Wurzeln verweist, kann sie kaum einen Vortrag an einer Universität ungestört zu Ende bringen – so sehr wird sie von feministischen Gruppen als Feindin wahrgenommen, deren bloßes Rederecht schon als Gewaltakt interpretiert wird. Eine offene, klare Kritik an Solanas‘ faschistischem Text und seiner Attraktivität für Vertreterinnen des feministischen Mainstreams würde in diesem Klima vermutlich mit dem Vorwurf konfrontiert werden, Beifall von der „falschen Seite“ zu provozieren und dem Gegner in die Hände zu spielen.
Safer Spaces Eine irritierend hypersensible Überzeichnung des ohnehin schon verzeichnenden Bildes einer allgemeinen Männerherrschaft ist das wieder und wieder artikulierte Bedürfnis nach „safer spaces“, nach Filterbubbles, geschützten Orten für Frauen usw. Wenn safer spaces zunächst als exklusiver Rückzugsort konzipiert und legitimiert sind, schließt sich natürlich bald folgerichtig die Frage an, warum denn eigentlich nur die friedliebenden Frauen sich zurückziehen und Männern das öffentliche Leben überlassen sollten – warum denn nicht Männer von der Bildfläche verschwinden müssten. Eigentlich ist Solanas‘ Vision des misandrischen Massenmordes weiter nichts als ein Bild für die Verwandlung der ganzen Welt in einen „safer space“, in dem Frauen für sich allein sind. So werden absurderweise die Opfer der imaginierten Massengewalt als Täter präsentiert, während die Täterinnen als schutzbedürftig erscheinen.
Die Kritiklosigkeit gegenüber Positionen wie der von Solanas greift auf alle vier Aspekte zurück, auch wenn keiner von ihnen allein eine hinreichende Bedingung für sie ist: Männer wie Frauen werden lediglich als Teile einer Klasse bewertet, die Klassen moralisierend in einer Weise kontrastiert, die eine gemeinsame Zivilität leugnet; Selbstreflexion wird tabuisiert; Frauen werden (auch wenn sie bei Solanas mit einem Massenmord beschäftigt sind) als umfassend schutzbedürftig, Männer aber als potenziell gewalttätig imaginiert. Alle genannten Aspekte haben eine Gemeinsamkeit – sie kreisen um die Vorstellung einer allgemeinen Männerherrschaft, eines „Patriarchats“. Es wird nicht besser, wenn diese Idee wie bei Butler durch die Imagination einer „heterosexuellen Matrix“ ersetzt wird, die de facto ebenfalls als Kampfbegriff ebenfalls die Idee einer umfassenden männlichen Herrschaft transportiert.
Zivilitätsbrüche als Kinderspiel Auch wenn die imaginierte Konsequenz, der misandrische Massenmord, nicht in die Tat umgesetzt wird, so hat doch die offen zur Schau gestellte Faszination vermutlich Folgen, nämlich als Signal eines Zivilitätsbruches. Es gibt in dieser Imagination eben eigentlich keine Männern und Frauen gemeinsame Zivilität – sondern die Männer werden als Herrscher vorgestellt, gegen die jedes Mittel erlaubt sein müsste und gegen die Frauen nur dann eine Chance haben, wenn sie die Unterstützung staatlicher Institutionen erhalten. „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Dieser berüchtigte Satz, der immer noch im SPD-Grundsatzprogramm steht, imaginiert eben die Gesellschaft insgesamt als männlich beherrscht – und so fällt offenkundig niemandem in der SPD auf (oder es ist niemandem wichtig), dass Männer im Parteiprogramm aus der Menschheit herausdefiniert werden. Ein zweites Beispiel aus dem Bereich des Sorgerechts ist die Regelung, dass Männern (bis vor Kurzem) ausdrücklich auf der Basis einer nirgendwo überprüften Willkürentscheidung das Recht zur Sorge für ihre Kinder genommen werden konnte, dass dann aber eben dieselben Väter wie zum Hohn die Pflicht zur Finanzierung der Kindessorge und der Kindesmutter auferlegt bekamen – weil sie ja schließlich, typisch männlich, nicht selbst für die Kinder sorgten. In meinen Augen ist es offenkundig, dass sich in solchen Regelungen nicht nur ein verfehltes Verständnis der Kindessorge, sondern auch einer erhebliche soziale Verachtung ausdrückt – die angesichts der Imagination einer allgemeinen männlichen Herrschaft als solche aber nicht wahrgenommen werden muss. Es ist bezeichnend, dass die deutsche Politik keinerlei Anstalten zur Änderung solcher eigentlich staatskrimineller Regelungen unternahm, sondern dass Impulse zu (kleinen) Änderungen von außen, von der europäischen und der juristischen Ebene kamen.
Mit der Imagination einer männlichen Herrschaft verbunden ist die Idee einer weiblichen Ohnmacht, Frauen werden in der Wahrnehmung so regelrecht verkindlicht – deutlich etwa in der verfehlten Kampagne „Keine Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder“, die an den Realitäten vorbei Frauen mit Kindern parallel als Opfer von Gewalt und Männer als Täter herausstellt. Es ist unter anderem dieser Aspekt, der an der Solanas-Begeisterung oder auch an dem killallmen-Hashtag so abstoßend ist: Es geht ja gar nicht darum zu unterstellen, dass real ein Massenmord an möglichst allen Männern geplant sei – doch das Spiel mit dieser Idee und die offen vorgetragene Erwartung, diese Rede doch bitteschön nicht ernst zu nehmen, ist von einem angesichts des Themas irritierenden Unernst geprägt: Ich will doch nur spielen.“
Alle realen Benachteiligungen von Frauen, gegen die sich Frauenbewegungen mit guten Gründen wandten, lassen sich auf abwertende Infantilisierungen durch Männer zurückführen: das Vorenthalten des Wahlrechts, der Kontrolle über das eigene Geld, der selbstständigen Berufswahl, der Möglichkeit zu einem akademischen Studium, etc. Wenn die Imagination einer allgemeinen männlichen Herrschaft im „Patriarchat“ notwendig begleitet wird von einer Verkindlichung der erwachsenen Frauen, dann ist das daher in besonderer Weise problematisch. Eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik erweist sich damit nämlich als eine Art politisches perpetuum mobile – als eine Politik nämlich, die beständig eben gerade die Ungleichheiten produziert, als deren unbedingt nötiger Ausgleich sie sich dann präsentiert.
Das hat auch Folgen für eine emanzipatorische Männerbewegung: zum Beispiel in der Einsicht, dass eine moralisierende Mann-Frau-Gegenüberstellung (gar in der Idee eines „Feminats“ kulminierend, als Kampfbegriff Gegenstück zum „Patriarchat“) nicht in ihrem Interesse sein kann – und dass Maskulisten, die in ihren Konzepten Frauen verkindlichen und nicht als erwachsene Menschen beschreiben, mehr mit Feministinnen gemein haben, als beide Seiten das wahrhaben wollen. Es erklärt zudem, warum der Begriff „Feminismus“ auch bei vielen Frauen eben nicht mehr angesehen ist – weil die Selbstbezeichung als „Feministin“ anderen Frauen, ob gewollt oder nicht, vermittelt, dass sie arme kleine Hascherl seien, die ohne die Hilfe großer Schwestern in der bösen Männerwelt verloren wären.
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18 Comments

  • „Maskulisten werden hierzulande öffentlich kaum wahrgenommen. Das ARD radiofeature beleuchtet, mit welchen Strategien Anti-Feministen gegen die angebliche Unterdrückung der Männer kämpfen.“

    So der NDR zu Homanns Feature. Mit Vernunft und Logik hat das alles nichts zu tun.

    Starke Analyse, Herr Schoppe. Einmal mehr zutiefst bedauerlich, dass derlei medial auf ganz fest verkorkte Ohren trifft.

  • „Alle realen Benachteiligungen von Frauen, gegen die sich Frauenbewegungen mit guten Gründen wandten, lassen sich auf abwertende Infantilisierungen durch Männer zurückführen: das Vorenthalten des Wahlrechts, der Kontrolle über das eigene Geld, der selbstständigen Berufswahl, der Möglichkeit zu einem akademischen Studium, etc.“

    Dies ist ein fataler Fehler, die Projektion der Frauen-Benachteiligung in die Vergangenheit: Es gab niemals in der Geschichte so etwas. Ganz grob gesagt: „Auf eine vergewaltigte Frau kommen 5 zu Tode gemetzelte Maenner“.
    Aber da wir ja Zeit Urzeiten auf den Schutz von Weib und Kind gedrillt wurden, uebersehen wir immer die (toten) Maenner (liegen ja im Massengrab).

    Es gab immer die Arbeitsteilung: Weib als Idol ist fuer die Kinder zustaendig, der Mann fuer die Arbeit.

    Mit der Entfaltung der Produktivkraefte werden diese starren Arbeitsteilungen immer mehr aufgeweicht. So entstanden dann die Moeglichkeiten (und der Zwang), auch Frauen in die Arbeitswelt aufzunehmen.

    Dies ist eine ganz natuerliche Entwicklung. Ziel des Feminismus war von Anfang an, dem einen Riegel vorzuschieben, und die jungen Maedchen wieder an die Mutter zu binden, vermoege des Schuldgefuehls. Feminismus richtete sich immer gegen die Frauen, die Maenner sind nur Kollateralschaden.

  • dass Maskulisten, die in ihren Konzepten Frauen verkindlichen und nicht als erwachsene Menschen beschreiben, mehr mit Feministinnen gemein haben, als beide Seiten das wahrhaben wollen.

    Nun, damit werde wohl (auch oder vor Allem) ich gemeint bin, einer aus der „Idioten“-Fraktion.

    Was aber spricht dagegen, dieses „Konzept“ – in Wirklichkeit eine Beobachtung, die jeder von uns täglich macht – einmal ernstzunehmen? Kann man wirklich die Augen davor verschließen, daß Frauen ihre Mädchenstimmen und kindlicheren Gesichtszüge behalten und körperlich wie seelisch zu einer vorzeitigen Reife gelangen, und zwar um den Preis einer Ausreifung, die regelmäßig eher Männer erlangen? Wie kann man alles dies leugnen? Und warum überhaupt?

    Statt einer fortgesetzten Polemik, die völlig unfruchtbar bleibt, sollte doch wenigstens versuchsweise einmal der Gedanke erwogen werden, daß auch abweichende Auffassungen berechtigt sein könnten.

  • @ Oliver K „die Projektion der Frauen-Benachteiligung in die Vergangenheit“ Es geht mir eigentlich darum zu sagen, dass es „die“ Benachteiligung nicht gibt und gab – es gibt/gab Benachteiligungen in bestimmten Bereichen, aber daraus lässt sich nicht der Schluss ziehen, dass die ganze Gesellschaft auf die Unterdrückung der Frauen (bzw. der Männer) ausgerichtet ist. Tatsächlich stimme ich zu – die Vergangenheit (und dann: welche? die letzten 100 Jahre? 200? 2000?) als eine Zeit der Frauenunterdrückung zu imaginieren, ist nicht haltbar – diese Sicht lässt sich nur dann etablieren, wenn die Benachteiligungen für Männer ignoriert oder mit Floskeln wie „Das Patriarchat hat eben auch für Männer Nachteile“ weggeredet werden.

    Ein wesentlicher Unterschied ist in meinen Augen, dass es seit Jahrhunderten Frauen und immer wieder auch Männer gab, die sich für Frauen und Frauenrechte stark gemacht haben, so dass dieses Thema stärker in den Fokus kam. Für spezifische Männerrechte hingegen haben sich i.d.R. nicht einmal Männer selbst eingesetzt, so dass der Eindruck vermittelt werden konnte und kann, es hätte eigentlich nie echte Probleme gegeben.

    „Feminismus richtete sich immer gegen die Frauen, die Maenner sind nur Kollateralschaden.“ Das hab ich so noch nicht gesehen – dass feministische Positionen oft antiquierten Geschlechterbildern (etwa in Variationen des „Damsel in Distress“-Motivs) folgen, sehe ich auf jeden Fall auch so.

  • @ T.R.E. Lentze Sie zitieren da einen nicht spezifisch auf Sie bezogenen Teilsatz aus einem längeren Text, in dem es insgesamt eigentlich um etwas ganz anderes geht. Prinzipielle Abwertungen von Angehörigen des anderen Geschlechts schaffen keine vernünftige Grundlage für eine Diskussion, egal ob sie von maskulistischer oder feministischer Seite kommen. Auch Frauen erzählen manchmal, dass Männer für sie ewige „Jungs“ seine, und finden dafür „Belege“. Nur gibt es daraus eben keinerlei vernünftige politische Schlussfolgerungen.

    Ich stimme jungsundmaedchen völlig zu: Diskussionen haben keinen Sinn, wenn man basale Grundsätze – wie z.B. die Gleichwertigkeit von Menschen – nicht teilt. Ich hab nur begrenzte Zeit für dieses Blog, und ich will die nicht auf Diskussionen wie die verwenden, ob Frauen weniger Rechte zustehen als Männern o.ä. Das sind völlig sinnlose Debatten, die von Wichtigerem ablenken. Man könnte ebenso gut darüber diskutieren, ob es nicht prima wäre, Giraffen in der Antarktis auszuwildern oder die Wochentage nach Playmobil-Figuren zu benennen. Wer so eine grundsätzliche Annahme wie die Gleichwertigkeit von Menschen, und die Bedeutung gleicher Rechte, nicht teilt, wird eben zu vielen Diskussionen keinen Anschluss finden.

  • Obwohl es mich Überwindung kostet, will ich im Interesse der Wahrung der Menschenwürde (die auch Männern zukommt) noch einen letzten Versuch wagen.

    Die Kennzeichnung „Prinzipielle Abwertung“ setzt eine Vorstellung voraus, die hier gerade auf dem Prüfstein steht. Diese Vorstellung ist im wahren Sinne des Wortes ein Vor-Urteil, nämlich: es seien die angeführten Belege einer ontologischen Differenz zwischen Mann und Frau allesamt unbelegt, oder gleichbedeutend mit dem Abstreiten von Gleichwertigkeit (d.h. einem gemeinsamen Anteil an der Menschenwürde), oder aus anderen Gründen nicht diskussionswürdig.

    Anstatt nun die Belege zu vermehren, wähle ich als letztes Mittel jetzt einen Vergleich. Nehmen wir an, Kinder hätten eine Schule besetzt, oder sie würden dieses Recht einfordern. Sie, Herr Schoppe, würden dann – natürlich mit anderen Worten als ich – auf die ontologische Differenz hinweisen und etwa sagen: Kinder haben nicht den nötigen Reifegrad.

    Aber es ist auch klar, was diese Kinder Ihnen entgegenhalten würden. Sie werden entweder nämlich sagen:

    1. Kinder können alles genauso gut wie Erwachsene; oder:
    2. Kinder sind die eigentlichen Erwachsenen.

    Es bedarf wohl keiner Erläuterung, daß Position (1) ihre Entsprechung im Identitätsfeminismus, Position (2) ihre Entsprechung im Differenzfeminismus (Solanas, Gearhart, Daly) hat.

    Wenn Sie nun mit dem Verhalten oder Vorhaben der o.g. Kinder nicht einverstanden sind – und das nehme ich stark an -, wie wollen Sie dann deren Einstellung erklären oder gar die Angelegenheit in Ordnung bringen, wenn Sie die ontologische Differenz zwischen Kindern und Erwachsenen nicht zugeben?

    Ich weiß, wie Ihr Reflex sich artikuliert: Der Vergleich sei falsch, ihm fehle die Grundlage. Frauen seien nicht anders, unreifer oder „schlechter“ als Männer. – Genau so würden aber die Kinder, mit Bezug auf Erwachsene, auch argumentieren.

    Ich kann also nicht umhin, in Ihnen ganz folgerichtig einen Identitätsfeministen zu sehen. Sie wollen zwar eine Verbesserung der Situation der Männer, aber Sie können keine theoretische Legitimation vorweisen. Sie erläutern den tatsächlichen Sachverhalt in immer wieder neuen Variationen, aber Sie können nicht angeben, warum er eingetreten ist (vielleicht sogar eintreten mußte), und was Sie überhaupt berechtigt, den Sachverhalt als ein Unrecht herauszustellen.

    Ich habe Ihnen auch etwas vorzuwerfen. Nicht, daß Sie einen anderen Standpunkt haben. Sondern daß Sie eine Ungleichwertigkeit von Standpunkten postulieren. Sie lehnen es notorisch ab, einen abweichenden Standpunkt überhaupt als diskussionswürdig anzuerkennen. Daß Sie dann auch die Prüfung von Belegen und Argumenten ablehnen, ist nichts weiter als eine notwendige Folge. Auch dies ist feminismus-typisch.

    Wenn ich hiermit auch nichts in Ihnen sollte bewirken können, so freut es mich dennoch, daß ich auf diese Weise die Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Positionsbestimmung wahrnehmen konnte. Sie wird mir noch in Zukunft nützlich sein.

  • Wieder mal viele kluge Gedanken.

    Ein paar Anmerkungen:

    Die Moralisierung und die Folgen:
    „Interessenunterschiede werden nicht als legitim wahrgenommen, so dass nach Kompromissen gesucht würde, mit denen alle Beteiligten gut leben können“.

    Das halte ich für einen ganz wichtigen Kritikpunkt. Wir finden hier eine Sichtweise vor, die es nicht schafft, einfach davon auszugehen, dass es mehrere Parteien mit verschiedenen, legitimen Bedürfnissen gibt. Aber nur dann könnte man im nächsten Schritt schauen, ob es Kompromisslösungen gibt, die für alle Seiten akzeptabel sind.

    Faktisch wird durch die Moralisierung also eine symmetrische Beziehungskonstellation, die dem viel beschrieenen „auf Augenhöhe“ oder einem herrschaftsfreien Diskurs nahe kommen würde, abgelehnt.
    Die Moralisierung ist damit ein Instrument zur Einführung partikularer Machtinteressen, sie verhindert jede Lösung, bei der beide Parteien als gleichwertig gelten.
    Interessant, wenn man das Gleichberechtigungsgeschrei dieser Gruppe dabei im Hinterkopf hat.

    Die Konsequenz ist in der Tat
    „Es gibt in dieser Imagination eben eigentlich keine Männern und Frauen gemeinsame Zivilität“.
    Und damit tritt man aus dem Rahmen heraus, in dem sinnvolle Diskussionen möglich sind. Solange die Basis verbindender und verbindlicher ziviler Rechte und Pflichten nicht gegeben ist, müssen solche Gruppen als zivilitätsfeindlich angeprangert werden!

    Den Punkt mit der Infantilisierung würde ich sogar noch härter formulieren. Du schreibst:
    „Frauen werden in der Wahrnehmung so regelrecht verkindlicht“.

    Ja. Aber mir scheint es darüber hinaus zu gehen. Ich würde sagen, bei Bedarf wird faktisch der Status „Behindert“ beansprucht.
    Abweichler blicken es nicht, sind also geistig oder psychisch behindert, weil sie ihre Unterdrückung nicht realisieren. Schutzräume und Triggerwarnungen gehen von einer unendlichen Verletzbarkeit aus und damit von der Unfähigkeit, eigene Grenzen zu sichern – das Ganze kippt bei Bedarf in ein umfassendes Schonungskonzept um. Das ist mehr als eine Infantilisierung: Hält man sich die Phantasien vom umfassenden safer space vor Augen, erscheinen Kinder mit ihrem weltentdeckenden Experimentierverhalten ja als geradezu robust und angstfrei. Es ist die Ablehnung jeglicher Anforderung, die hier im Hintergrund steht. Es geht um Rechte, denen keine Pflichten gegenüber stehen.

    Die Entmündigung anderer Frauen, die darin liegt, finde ich beachtlich. Ist es mit dem Begriff des autoritären Verhaltens ausreichend charakterisiert? Immerhin wird jede abweichende Meinung entweder dämonisiert oder auf Unmündigkeit zurückführt – und das durch Leute, die ihrer eigenen Einschätzung nach etwas von „Machtkritik“ verstehen. Aber wenn es um die Konstruktion eigener Machtpositionen durch Moralisierung und Entmündigung geht, hat der blinde Fleck wohl schon das ganze Gesichtsfeld erfasst.

    Ach ja, noch was zu Teil 1: Ich fand den Kritikpunkt des reaktionären Männerbildes sehr interessant. Und ich könnte mir vorstellen, dass dieser Punkt über verschiedene Lager hinweg die Kritik bündeln könnte.

    Seitenblick

  • @ Seitenblick „Die Moralisierung ist (…) ein Instrument zur Einführung partikularer Machtinteressen, sie verhindert jede Lösung, bei der beide Parteien als gleichwertig gelten.“ Das finde ich auch einen ganz wichtigen Punkt.

    „Hält man sich die Phantasien vom umfassenden safer space vor Augen, erscheinen Kinder mit ihrem weltentdeckenden Experimentierverhalten ja als geradezu robust und angstfrei.“ Ja, da hast Du Recht. Man würde ja auch große Schwierigkeiten bekommen, Kinder auf Dauer in safer spaces einzugrenzen – weil sie sich spürbar dagegen wehren würden. Und auch hier prägen sich eben wieder Strukturen der Ungleichheit aus – wer sich als „unendlich verletzbar“ wahrnimmt, kann kaum die anderen ebenso als unendlich verletzbar einordnen, sondern sieht sie eher als potenzielle Grenzübertreter.

  • „Und auch hier prägen sich eben wieder Strukturen der Ungleichheit aus – wer sich als „unendlich verletzbar“ wahrnimmt, kann kaum die anderen ebenso als unendlich verletzbar einordnen, sondern sieht sie eher als potenzielle Grenzübertreter.“

    Ja. Ein symmetrischerer Blick, der eigene und fremde Rechte kopräsent hält, ist aus dieser Position heraus gar nicht mehr möglich.
    Kein „ich habe meine Verletzlichkeiten, die andere Seite ihre, und nun suchen wir einen modus operandi, mit dem beide leben können“. Statt dessen eine Egozentrik, die die eigene Verletzlichkeit grenzenlos überhöht.

    Die Frage ist, wie man aus einer derartig verkorksten Kommunikationssituation raus kommt. Wie kriegt man Leute dazu, dass sie kapieren, wie kontraproduktiv ihr Beharren auf einer derartigen Sonderposition ist? Dass sie damit echte Lösungen unmöglich machen?

    Mir fällt zur Zeit auch nur ein, bei derartigen Positionen den manipulativen und autoritären Part aufzudecken.
    Habe aber selbst den Eindruck, dass das noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist ;-).
    Seitenblick

  • Ein paar Anmerkungen, die mir schon lange aufgefallen sind, und hoffentlich hier auch reinpassen:

    Es scheint mir eine Verkehrung der klassischen Rollen vorzuliegen. Feminismus heute agiert in klassischer maennlicher Form, waehrend der „Maskulinismus“ in klassischer weiblicher Form reagiert. Feminismus ist agressiv, waehrend der Maskulinusmus vielleicht hysterisch darauf reagiert, gespalten in „unendlich verstaendlich“ (siehe oben: „Kommunikationsstrukturen aufbrechen“, „auf Augenhoehe begegnen“ etc.), oder regressiv („Frauen sind doof“, siehe auch oben).

    Daran scheint es mir zu liegen, dass anscheinend die „Maennerbewegung“ (meines Erachtens ein Widerspruch in sich selbst) so *exzessiv* ineffektiv zu sein scheint. Den ganzen normalen Kampf gibt es nicht fuer sie (ganz im Gegenteil dazu, was man ja gemeinhin dem Manne zuschreibt — vielleicht kann er nicht gegen Frauen kaempfen!).

    Was z.B. diese sexistischen Texte betrifft, dass sollte doch ein leichtes sein, den jaemmerlichen Ast der Frauenbewegung, der darauf sitzt, abzusaegen. Mit konzertierten Aktionen:

    1. Einfachste Stufe ist, diese Texte zu nehmen, weiblich und maennlich zu vertauschen, und dies auf breiterer Basis zu veroeffentlichen, zunaechst *ohne* Quellenangaben. Die Repressionsapparate werden sicher einschreiten, und dann legt man die Quellen offen. Wohl werden die Repressionsapparate darauf nicht reagieren (wie im Fall Mollath, einfach Augen zu und durch), aber dies ist ja schon mal was.

    2. Verfeinerter dann eine Bearbeitung, die die Aussagen abschwaecht, sozusagen einen Frauenbonus gibt. Mal ein Versuch: „A man not only takes his identity and individuality as granted, but knows instinctively that the only wrong is to hurt others, and that the meaning of life is love. Every woman, deep down, knows she has problems.“
    Darauf reagieren die Repressionsapparate sicher auch.

    Als konzertiere Aktion, *geschickt* (also unterschwellig, immer ironisch, nie klagend, eben die Kampfformen des happenings uws. nutzend; lakonisch, spielerisch, ueberall da, nie greifbar).

  • @ Seitenblick „Mir fällt zur Zeit auch nur ein, bei derartigen Positionen den manipulativen und autoritären Part aufzudecken.“ Das ist ja schon war, finde ich. Dass man Menschen erreichen könnte, die sich in einer unendlichen Verletzbarkeit eingerichtet haben, ist unwahrscheinlich. Aber man kann ja vielleicht etwas an den Rahmenbedingungen ändern und dort Menschen erreichen – es wäre ja schon beispielsweise etwas gewonnen, wenn Parteien auf spezifischen Themen von Männern aufmerksam würden, oder wenn in Massenmedien (wie jetzt dem Spiegel) auch Themen von Männern öfter Platz hätten.

  • Mir scheint die argumentative Ebene ausgeschöpft. Kritik an feministischen Auslassungen sind jetzt unzählige Male wiederholt worden und auf die immergleiche Ignoranz oder aber Demagogie gestoßen.
    Schoppes Blog legt recht gut und differenziert den Finger in die Wunde. Aber das tat Hoffmanns „Sind Frauen die besseren Menschen“ vor gut 10 Jahren auch. Dennoch haben wir 2013 flächendeckend Statements wie das oben stehende vom NDR.
    Vielleicht muss einfach beharrlich und ohne den Demagogen Munition zu liefern weiter gemacht werden. Wer weiß, vielleicht ändert sich etwas grundlegend. Vielleicht stehen wir aber in 10 Jahren auch immer noch vor der gleichen Situation, weil männliche Beschützerinstinkte Strippen sind, an denen sich prima ziehen lässt.
    Alles Evolution?

    Der aktuelle Zensus offenbart, dass hierzulande – also im frauenunterdrückenden Patriarchat – knapp 2 Millionen mehr Frauen als Männer leben. Irgendwo las ich den knappen Kommentar:

    „JETZT FRAU WERDEN! Profitieren Sie von staatlicher Förderung, garantierter Karriere und einem einzigartigem Familienrechtsvorteil.“

    Vielleicht sollten wirklich großflächig Anzeigen mit dieser sarkastischen Aufforderung geschaltet werden, um eine breite Öffentlichkeit zu mobilisieren.

  • @ Oliver K „Es scheint mir eine Verkehrung der klassischen Rollen vorzuliegen. Feminismus heute agiert in klassischer maennlicher Form, waehrend der „Maskulinismus“ in klassischer weiblicher Form reagiert.“ Ja, das stimmt – Feminismus verhält sich oft enorm fordernd, eine männliche Reaktion eher vermittelnd („Kinder gehören zur Mutter“ auf der einen, „Allen Kindern beide Eltern“ auf der anderen Seite – und, was ja auch gut ist, nicht etwa: „Kinder gehören zum Vater“). Es kann allerdings sein, dass klassischerweise schon längst viele Beziehungen so funktionieren, und dass die „klassischen Formen“ immer schon trügerisch waren.

    Die Umkehrung der Geschlechterzuordnungen sind ein gutes Mittel, finde ich. Es gibt allerdings Positionen, die dagegen immun sind. Edgar J. Forster beispielsweise schließt ja gerade aus der Tatsache, dass man die Gewalt einer Frau gegen einen Mann als unproblematischer wahrnimmt als die Gewalt eines Mannes gegen eine Frau, dass sie also auch unproblematsicher IST.
    http://man-tau.blogspot.de/2013/02/gewalt-ist-mannlich-weil-gewalt.html

  • „Es gibt allerdings Positionen, die dagegen immun sind.“

    Mir scheint es ein fundamentaler Fehler zu sein, irgendwelche „Positionen“ anzugreifen, und dazu noch argumentativ. Es geht um Kampf, Blossstellung, Vernichtung. Mit diesen Leuten kann man genauso wenig diskutieren wie mit jemandem, der die Judenvernichtung leugnet — dies sind Fetische, die die Persoenlichkeit zusammenhalten, und es wird mit aller Gewalt daran festgehalten.

    Es sollte doch recht einfach sein, diesen Leuten Fallen zu stellen. Bei den feministischen Maennern z.B. ist ja wohl ein starker Beweggrund, sich selbst als starken Mann darzustellen, der die Frauen beschuetzt, und der selber, wegen seiner Staerke, nichts zu befuerchten hat. Schoenes aktuellen Beispiel im Hetzblatt des Feminismus, dem Freitag (der war nicht immer so?):
    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/gehen-quote-und-qualitaet-zusammen
    Schoen zynisch, aber ohne es zu merken, wird gesagt, dass nur der mittelmaessige Mann sich vor der Quote fuerchtet (der Zynismus besteht darin, dass eben jeder, der in diesem Wettkampf verliert, nach Definition mittelmaessig ist).
    (Es findet sich neben Zynismus auch unglaublicher Schwachsinn: Direkt nach der Aussage, dass die Quote ja als ein Selektionsmechanismus fuer die starken Maenner dient (dies ist nicht weiter verwunderlich), kommt dann: „Das gängige Vorurteil, dass mittelmäßige Quotenfrauen die kompetenten Männer ersetzen, wurde so widerlegt.“ — dabei wurden die Frauen niemals betrachtet.)

    Mit etwas Einfallsreichtum sollte es doch moeglich sein, dies permanent ins Laecherliche zu ziehen.

    Z.B. an Universitaeten sollte man doch die Darsteller kennen. Da kann man doch schoen was vorbereiten. Getuerkte Veranstaltungen, getuerkte unterdrueckte Frauen …

  • @ Jörg „Mir scheint die argumentative Ebene ausgeschöpft. Kritik an feministischen Auslassungen sind jetzt unzählige Male wiederholt worden und auf die immergleiche Ignoranz oder aber Demagogie gestoßen.“ Ich schätze das ähnlich ein. Zumindest einige Kritikpunkte, z.B. die Gewaltnähe vieler feministischer Positionen, sind so offenkundig, dass jeder, der sie sehen wollte, auch sehen könnte. Was sich aber m.E. geändert hat, ist, das Arne Hoffmanns Buch vor Jahren relativ isoliert war, mittlerweile ähnliche Ansätze aber auch schon in Massenmedien vertreten werden – Sendungen wie die von den Maskulinen Muskelspielen, deren Reichweite man ja auch nicht überschötzen sollte, stehen heute nicht mehr alternativlos da.

    Was in meinen Augen trotzdem noch fehlt, ist eine allgemeine Sichtbarkeit. Da wären Plakat- oder Anzeigenaktionen wie die vorgeschlagene gar nicht so schlecht, aber es wäre auch gut, wenn auf Demonstrationen wie denen vom Väteraufbruch mal mehr als ein paar wenige hundert Leute zusammenkämen (wenn überhaupt). Mein Eindruck ist nicht, dass alles beim Alten bleibt, aber gleichwohl, dass Veränderungen unendlich langsam sind.

  • Den Fokus auf Filme als populärkulturelle Ausdrucksform halte ich ebenso für gut geeignet und aufschlussreich, denn hier treten die eigentlichen strukturellen Mechanismen zutage. Die Leute können nur mit Geschichten ins Kino geholt werden, die ihren realen Problemlagen und ihrer Identität entsprechen, und nicht etwa mit einem politischen Willen.

    In dem Zusammenhang sei auf „Passwort Swordfish“ verwiesen.
    Die zentrale Figur ist hier ein vorbestrafter Hacker (gespielt von Hugh Jackman), der als typischer Trennungsvater mittels simplen Verweis (süffisant und hämisch vorgetragen von Lockvogel Halle Berry) auf den durch Mutter verhinderten Umgang mit seiner Tochter dazu gebracht werden kann, wiederholt kriminell zu werden bzw. geradezu einen Bund mit dem Teufel einzugehen, um die Unsummen für den besten aller Anwälte aufbringen zu können, denn nur dieser verheisst Erfolg.

  • „Alle realen Benachteiligungen von Frauen, gegen die sich Frauenbewegungen mit guten Gründen wandten, lassen sich auf abwertende Infantilisierungen durch Männer zurückführen: das Vorenthalten des Wahlrechts, der Kontrolle über das eigene Geld, der selbstständigen Berufswahl, der Möglichkeit zu einem akademischen Studium, etc.“
    Wer suchet der findet – eine andere Rechtsordnung hat nun mal für heutige Augen seltsame Züge.
    Gern wird jedoch vergessen, dass diese Regelungen u.a. dazu führten daß nur Männer steuerpflichtig waren – egal wie groß das Einkommen der Frauen war, so daß man im 15 und 16 Jhd. bei manchen Zünften in Hansestädten eher von Frauenbünden reden konnte. Einebenso einseitiges Relikt ist die geschlechtsbezogene Wehrpflicht. Die Möglichkeit eines akademischen Studiums auf die hier abgestellt wird bezieht sich auf akademisches Studium im heutigen Sinne, was es aber lange nicht war. Uns so undurchlässig, wie behauptet wird. Sonst gäbe es weder eine Sofia Kowalewskaja noch eine Marie Curie.

    Mir gefällt die ungeprüfte und unkritische Übernahme von behaupteten Benachteiligungen nicht, die mit der damaligen lebensrealität wenig zu tun hatte. Meine Großmutter geb 1920 hatte seit 1932 ein Sparbuch auf ihren Namen.

    Und die Nachkriegszeit der Bundesrepublik Deutschland von 1950-1970 ist ein historisch wahrlich zu kurzer Ausschnitt um alles daran zu messen – vor allem eine „Unterdrückung“.

  • Ich stimme allem zu. Mein Punkt weiter oben in den Kommentaren war gerade, dass aus realen Benachteiligungen nicht geschlossen werden kann, dass es eine umfassende „Unterdrückung“ gäbe. Ein umfassendes „Patriarchat“ der lückenlosen Frauenunterdrückung lässt sich daraus nicht herleiten – u.a. deshalb, weil die Rede von einem Patriarchat schlicht darauf beruht, dass klassische Benachteiligungen für Männer notorisch ausgeblendet werden.

    Mein Punkt im Text war, dass reale (nicht: umfassende, die gab es nicht) Benachteiligungen von Frauen durch Infantilisierungen begründet (und oft eben von entsprechend höhere Verantwortungen von Männern begleitet) waren – und dass heute ausgerechnet Feministinnen Frauen in dieser Weise infantilisieren.

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