Geschlechterpolitik

Weit oberhalb der Grunzlautschwelle, oder: Warum das Bundesforum Männer öfter ins Kino gehen sollte

Bild zeigt Mann und Frau auf einem Film-Cover.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Im Hinblick auf die Gleichstellungsarbeit schreibt das „Bundesforum Männer“ in seinen „Wahlprüfsteinen„: „Wir sprechen uns gegen ein Entweder-oder aus und wünschen uns ein Sowohl-als-auch.“  Nun hat es bekanntlich in der Gleichstellungspolitik niemals „Entweder Männer oder Frauen“-Strukturen gegeben, sondern lediglich ein klares „Entweder Frauen oder gar nichts“. In dem Satz wird also eine Tendenz deutlich, die den gesamten Text der Wahlprüfsteine prägt: Das Bundesforum zeigt sich durchaus bemüht, spezifische Interessen von Männern oder Jungen zu vertreten, vermeidet aber sorgfältig schon den Anschein einer Kritik an herkömmlichen, gegenüber Männerinteressen blinden Strukturen der Geschlechterpolitik. Bezeichnend ist etwa, dass das Bundesforum die Probleme von Vätern vor allem als abstrakte „Vereinbarkeitsprobleme“ beschreibt und verschweigt, dass die wesentlichen Einschränkungen der Rechte von Vätern auf das Konto von Lobbyistinnen und Politikerinnen gehen.

Schlimmer noch aber ist eine Gegenüberstellung von „traditioneller“ und „moderner“ Männlichkeit, die regelrecht diffamierende Züge trägt (mehr dazu auch bei Kritische Wissenschaft). Schon der erste Satz des Textes lautet: „Jungen, Männer und Väter stehen vor großen Herausforderungen. Traditionelle Rollenmuster passen vielfach nicht mehr zu heutigen Anforderungen und Bedürfnissen.“ Ganz im Sinne der Diagnose, die etwa Hanna Rosin in ihrem Buch vom „Ende der Männer“ gestellt hat, und ganz im Sinne auch einer sogenannten „antisexistischen Jungenpädagogik“ sind also nicht etwa politische Bedingungen, sondern „traditionelle Rollenmuster“ für Männer und Jungen problematisch. Was mit den „traditionellen Mustern“ gemeint ist, skizziert das Bundesforum ausgerechnet im Zusammenhang mit der Verletzbarkeit von Männern, die nicht im Interesse der Männer selbst ernst genommen soll, sondern im Interesse anderer: „Nur so können traditionelle Männlichkeitsrollen erweitert, kann erlerntes gewalttätiges Verhalten hin zu einer gewaltfreien Sozial- und Konfliktkompetenz verändert werden.“ So sind sie, die traditionellen Männer: sozial unterbelichtete Simpel, deren Problemlösungskompetenz normalerweise aus nichts anderem als einem gezielten Faustschlag auf die Nase des Gegners besteht. So fordert das Bundesforum dann auch eigentlich keine Aufmerksamkeit für spezifische Probleme von Männer und Jungen, sondern Unterstützung für Männer bei der Umwandlung von traditioneller zu moderner Männlichkeit – von gewalttätigen, engstirnigen Reaktionären, die sich kaum oberhalb der Grunzlautschwelle verständigen können, hin zu liebevollen Partnern und Vätern, die kommunikativ kompetent genug sind, um die offizielle Geschlechterpolitik nicht zu kritisieren.

Dass aber diese Gegenüberstellung einer traditionellen und einer modernen Männlichkeit zu holzschnittartig ist, dass sie zudem die als „traditionell“ identifizierte Männlichkeit diffamiert, ist eigentlich schon längst bekannt. Schon seit Jahrzehnten spielen beispielsweise Filme mit verschiedenen Männlichkeitsbildern, die den Mustern des Bundesforums ungefähr entsprechen, sie aber ganz anders interpretieren. An drei Beispielen neuerer Klassiker des britischen Films lässt sich das zeigen.

Ein gut-katholischer Ire geht nach London und entdeckt die Transsexualität Neil Jordans The Crying Game aus dem Jahre 1992 beginnt in Nordirland: Der britische Soldat Jody (Forest Whitaker) wird von einer IRA-Gruppe entführt, die mit ihm inhaftierte Genossen freipressen will. Zwischen ihm und dem IRA-Mann Fergus (Stepehn Rea), der Jody in einem Haus in einem abgelegenen Waldgebiet bewacht, entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis. Schließlich zeigt Jody Fergus ein Bild seiner Londoner Freundin Dil und bittet ihn, sich um sie zu kümmern, wenn er die Entführung nicht überleben sollte. Als die Briten das von der Gruppe gesetzte Ultimatum verstreichen lassen, soll Fergus Jody töten – er geht mit ihm in den Wald, doch Jody rennt davon, wohl wissend, dass Fergus ihn nicht wird erschießen können. Er stirbt trotzdem – als er auf eine Straße läuft, wird er von einem britischen Militärwagen überfahren. Die Briten greifen das IRA-Haus an, es wird zerstört, Fergus flieht und lässt sich in London nieder.

Dort sucht er, nun unter dem Namen „Jimmy“, Jodys Freundin Dil auf, die in einem Friseursalon und abends als Sängerin in einer Bar arbeitet. Beide verlieben sich, gehen miteinander ins Bett – und dort bemerkt Fergus/Jimmy, dass Dil ein transsexueller Mann ist. Er rennt auf die Toilette, übergibt sich, gibt der geschockten Dil – der ihrerseits nicht klar war, dass Fergus von ihrer Transsexualität nichts wusste, schließlich ist das den Gästen in ihrer Bar allgemein bekannt – sogar eine Ohrfeige und geht.

Trotzdem nähern sich beide wieder an. Als die alten IRA-Genossen sich bei Fergus melden und von ihm ultimativ die Beteiligung bei der Ermordung eines britischen Richters einfordern, weiß er, dass Dil mit in Gefahr gerät. Der Showdown ist dramatisch: Erst erzählt Fergus Dil von seiner Mitschuld am Tod Jodys, dann stellt Dil die ebenfalls maßgeblich beteiligte IRA-Terroristin Jude (Miranda Richardson), als diese in ihr Appartment einbricht, und erschießt sie mir mehreren Schüssen – Dil richtet Jude regelrecht hin. Fergus schickt Dil fort, noch bevor die Polizei eintrifft, nimmt die Schuld für die Tötung Judes auf sich und wird schließlich in der Schlussszene im Gefängnis von Dil besucht.

Das Motiv der transsexuellen Überraschung, das sich gut für grobe Gags in komödiantischen Filmen eignet, wird hier plausibel für die Zeichnung einer männlichen Figur verwendet. Für Fergus, geprägt vom irisch-katholischen Milieu, ist die Transsexualität Dils natürlich eine erhebliche Provokation, und dass er mit Dil im Bett war, erscheint ihm (schließlich unberührt von Feinheiten der cis- und trans-gender-Debatten) als Beteiligung an einem homosexuellen Akt  – es sprengt den Rahmen seiner Erfahrungen und seines Selbstbilds. Gleichwohl verdaut er diese subjektiv immerhin erhebliche Erschütterung bald, erhält die Beziehung zu Dil aufrecht, wächst damit durchaus über sich hinaus und kann in Gesprächen  die unterschiedlichen Perspektiven beider sogar ironisieren: „Fergus: Do they know? Dil: Know what, honey? Fergus: Know what I didn’t know? And don’t call me that. Dil: Can’t help it! A girl has her feelings. Fergus: Thing is, Dil, you’re not a girl. Dil: Details, baby, details. Fergus: So they do know? Dil: Alright, they do. Fergus: Don’t. I should’ve known, shouldn’t I? Dil: Probably. Fergus: Kind of wish I didn’t. Dil: You can always pretend. Fergus: That’s true. Your soldier knew, didn’t he? Dil: Absolutely.“

Strippen für den Unterhalt The Full Monty (dt.: Ganz oder gar nicht) aus dem Jahre 1997 spielt auf andere Weise mit einer Umwandlung „traditioneller“ männlicher Rollen. Er erzählt die Geschichte arbeitsloser ehemaliger Stahlarbeiter in der ehemals florierenden Stahlstadt Sheffield. Einer von ihnen, Gaz (Robert Carlyle), erlebt zufällig, wie groß der Erfolg der Männerstrip-Gruppe der „Chippendales“ bei einem Auftritt in Sheffield ist, rechnet aus, wie viel Geld damit verdient werden könnte, und überredet dann seine Freunde, ebenfalls eine Stripgruppe zu gründen. Er selbst braucht das Geld dringend, um den Kontakt zu seinem Sohn nicht zu verlieren – den einzuschränken droht nämlich die von ihm getrennt lebende Mutter an, da er Unterhaltszahlungen versäumt hat.

Auch dieser Film spielt mit Provokationen eines „traditionellen“ Selbstverständnisses von Männern, ohne allerdings diese Männer dabei zu diffamieren oder zu denunzieren. Ironisiert wird der Kontrast beispielweise in einer Szene, in der den Männern bei einer Probe eine Tanznummer wieder und wieder nicht gelingt – und plötzlich problemlos klappt, nachdem sie sich erklärt haben, dass sie ähnlich wie eine Abseitsfalle beim Fußball funktionieren würde. Statt Geld dadurch zu verdienen, dass sie etwas Greifbares herstellen, besteht ihre Arbeit nun daraus, sich den Blicken anderen preiszugeben und sich darauf möglichst gekonnt vorzubereiten. Das hat auch Folgen für ihre Selbstsicht – zum Beispiel wird nun ihr Gewicht zum Thema. (Gerald: Fat, David, is a feminist issue. Dave: Well, what’s that supposed to mean, when it’s at home? Gerald: I don’t bloody know, do I? But it is.) Auch Gefühle von Selbsthass treten an die Oberfläche – einer der Freunde möchte aussteigen, weil er sich zu dick fühlt und sich fragt, wer denn so etwas wie ich sehen wollen („Who wants to see such a thing?“) Obwohl jedoch das, was die Männer tun, ihr Selbstverständnis konterkariert, wird die „traditionelle“ Männlichkeit gleichwohl nicht als etwas präsentiert, was überwunden werden müsste – ganz im Gegenteil: Die Gewitztheit, Vitalität, Loyalität und, bei Gaz, die Liebe zum eigenen Sohn erscheinen von Beginn an als Bedingung dafür, dass sie ihre Grenzen ausweiten können. Es ist ihre „traditionelle“ Männlichkeit selbst, die Möglichkeiten dafür bereitstellt, dass die Männer Neuland betreten können.
Streikbrechen für den Sohn Das gilt ganz ähnlich für den Film Billy Elliot   aus dem Jahr 2000, der während der Bergarbeiterstreiks Mitte der achtziger Jahre in einer kleinen nordenglischen Bergarbeiterstadt spielt. Der elfjährige Billy (Jamie Bell), der bei seinem verwitweten Vater (Gary Lewis) lebt, entdeckt beim Boxtraining seine Liebe zum Ballett, als eine Gruppe von Tänzerinnen in der gleichen Sporthalle übt. Für den Vater und den Bruder, die beide streiken und die in ihrer Arbeit vor existenziellen Problemen stehen, ist dieses Interesse zunächst unverständlich und absurd. („Lads do football… or boxing… or wrestling. Not friggin‘ ballet.“)  Da Billy bei seiner Begeisterung bleibt, da er zudem – nach dem Urteil einer Tanzlehrerin – sehr talentiert ist und schließlich bei der renommierten Londoner Royal Ballet School vortanzen kann, unterstützt ihn er Vater schließlich – er kann die Begeisterung für das Ballett zwar nicht nachvollziehen, will aber für seinen Sohn sorgen. Da das Geld für die Fahrt nach London fehlt, ist er sogar bereit, sozialen Selbstmord zu begehen und als Streikbrecher zu arbeiten.
Der Film erzählt so nicht nur die Entwicklung Billys, sondern auch die seines Vaters – als dieser seinen Sohn nach London begleitet, sieht er die Hauptstadt das erste Mal in seinem Leben. („Billy: So, what’s it like, like? Dad: What’s what like? Billy: London. Dad: I don’t know, son. I never made it past Durham. Billy: Have you never been? Dad: Why would I want to go to London? Billy: It’s the capital city! Dad: Well, there are no mines in London. Billy: Jesus Christ, is that all you think about?“) Am Ende des Films, Jahre später, sitzt er im Theater einträchtig neben einem als Frau herausstaffierten schwulen Mann: Billys Schulfreund Michael, der ebenfalls nach London gegangen ist.
Moderne traditionelle Männer Homosexualität spielt in jedem dieser Filme eine Rolle, steht aber kaum jemals im Fokus, sondern hat eine Funktion für Reflexionen über heterosexuelle Männer. Dass etwa Michael – der früh weiß, dass er schwul ist, und der in einer Szene Billy küsst (während dieser sich in einer sprachpolitisch durchaus nicht korrekten Wortwahl wehrt: „Just because I like ballet doesn’t mean I’m a poof, you know.“) – in der kleinen nordenglischen Stadt unglücklich ist und erst in der Großstadt London offen als Schwuler leben kann, wird am Rande des Films skizziert, gerät aber niemals in den Mittelpunkt. Ein freundlicher und loyaler Umgang mit schwulen Freunden oder ein gelassener Umgang mit dem Thema Homosexualität erscheint in jedem der Filme als ein Ausweis selbstbewusster heterosexueller Männlichkeit – ohne dass sich aber Widersprüche auflösten. In „The Full Monty“ verweigert Gaz am Ende beispielsweise fast den Auftritt, weil er sieht, dass gegen die Absprachen auch Männer im Publikum sitzen: Er hat offenbar Angst vor der Idee, auch von Männern begehrlich angeschaut zu werden. Es ist realistisch, dass Widersprüche bleiben, an keiner Stelle aber werden diese Widersprüche zu Spaltungen oder dichotomischen Strukturen ausgebaut.

Noch in einem anderen Aspekt unterlaufen diese Filme Klischees von Geschlechterdebatten: Sie alle spielen im working class-Milieu und konterkarieren also auch das Bild des dumpfen männlichen Arbeiters, das beispielsweise auch Rosin in ihrem Buch zeichnet. Alle diese Filme erzählen von Männern, die ihre Möglichkeit ganz selbstverständlich und weit abseits von feministisch und universitär geprägten Geschlechterdebatten erweitern. Hier sind es gerade Aspekte traditioneller Männlichkeit – die Loyalität in einer „Männerfreundschaft“, die Liebe zum eigenen Kind, der Wille zum Bestreiten des eigenen und des familiären Lebensunterhalts – , die Änderungen möglich machen und initiieren.

Natürlich, und auch wenn sich gewiss noch weitere Beispiele finden ließen: Filme sind nicht die ungefilterte Realität. Gleichwohl wird an ihnen deutlich, dass schon längst wesentlich komplexere und differenziertere Bilder von „traditioneller“ und „moderner“ Männlichkeit im Umlauf sind, als sie in Schriften von Rosin, Connell, Kimmel und anderen erscheinen. Diese klischeehaften Gegenüberstellungen, die sich auch in der „antisexistischen Jungenpädagogik“ wiederfinden und auf die bedauerlicherweise auch das Bundeforum Männer zurückgreift, projizieren offenkundig ihre eigene Simplizität in die traditionelle Männlichkeit hinein und werten diese damit notwendig ab. Die Wahlprüfsteine, die das Bundesforum Männer aufstellt, übersehen dabei Rechte aller Männer: Die Rechte „traditioneller“ Männer spielen kaum eine Rolle, und die Rechte „moderner“ Männer sind an ein Wohlverhalten im Sinne der bestehenden staatlichen Geschlechterpolitik geknüpft.

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12 Comments

  • … skizziert das Bundesforum ausgerechnet im Zusammenhang mit der Verletzbarkeit von Männern, die nicht im Interesse der Männer selbst ernst genommen (werden) soll, sondern im Interesse anderer: „Nur so können traditionelle Männlichkeitsrollen erweitert, kann erlerntes gewalttätiges Verhalten hin zu einer gewaltfreien Sozial- und Konfliktkompetenz verändert werden.“

    Wegen solcher und ähnlicher Äusserungen ist offensichtlich, dass die profeministische Männerbewegung (manchmal auch als „gleichstellungsorientiert“ bezeichnet) lediglich das traditionelle Geschlechterverhältnis in die Postmoderne zu transformieren versucht.

    Die guten Männer (das sind die vom Bundesforum Männer) schützen Frauen vor den bösen (das sind wir). Dies ist übrigens ein Motiv, dass in unzähligen Filmen verwurstet wird.

  • Dies ist übrigens ein Motiv, das in unzähligen Filmen verwurstet wird.

    Hab ich schnell korrigiert, da Du ja Lehrer bist! 🙂

  • Wieder einmal ein toller Artikel. Dieses Blog hat wirklich Klasse und wird einfach mit jedem Post besser! Vielen Dank!

  • @Schoppe:

    Gut daß wenigstens einer noch mal daran erinnert, daß bald Wahlen sind. Ich hatte auf einem der letzten Selbermachsamstage schon mal versucht, darauf hinzuweisen und daß man vielleicht mal politische Forderungen ausarbeiten müßte, habe aber inzwischen starke Zweifel, ob man damit in einem eher unterhaltungsorientierten Forum politisch etwas anschieben kann….

    Festhalten können wir also, daß das Bundesforum die inoffiziellen Männerrechtler zunächst abgehängt hat, weil es als erstes **überhaupt irgendetwas** gesagt hat, was sich an die etablierten Machtstrukturen richtet. Peinlich genug für uns!!

    Was das Bundesforum inhaltlich zum besten gibt, ist ein schlechter Witz:

    1. es fängt gleich damit an: „Die staatliche Politik hat sich in internationalen Abkommen, europäischem Recht, nationaler Gesetzgebung … verpflichtet. Entsprechend… “ Das diese Gesetze ungerecht sein könnten und daß zuallererst eine Änderung dieser Gesetze fordern müßte, scheint gar nicht denkbar.

    Also ich wäre dafür, zunächst mal im Grundgesetz Artikel 3 (2) den Satz „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ zu streichen, weil er seit 20 Jahren systematisch mißbraucht wird. Dieser Satz ist in den 1990er Jahren irgendwann dazugekommen, also kann er auch wieder weg. Außerdem wäre das AGG komplett zu renovieren, um die Genderpolizei zurückfahren zu können.

    2. Die „Wahlprüfsteine“ des Bundesforum sind kleinmädchenhafte, teilweise konfus oder vage formulierten Fragen (a la „Sind Sie für mehr Umweltschutz?“), ob die befragten Volksvertreter vielleicht schon mal über das eine oder andere Thema entfernt nachgedacht haben und vielleicht sogar schon eine Idee haben. Wenn die die Gewerkschaft wären, würden die einmal alle 3 Jahre bei den Arbeitgebern anrufen, ob die nicht Lust hätten, noch mal unverbindlich über einen neuen Tarifvertrag zu reden, eventuell sogar über einen Inflationsausgleich. Unterwürfiger gehts kaum noch. Teilweise völlige Allgemeinplätze („…vor allem Existenz sichernde Löhne“) oder diffuse Forderungen an die Allgemeinheit („…Väter in Unternehmen und Gesellschaft mehr Wertschätzung erfahren“). Alles völlig vage, wirr und unfokussiert.

    3. Hauptamtliche Strukturen in Ministerien, Behörden und Kommunen werden natürlich gelobt. Könnten die nicht einfach überflüssig und sein und mehr schaden als nutzen? Eine sinnvolle Einstiegsforderung für Verhandlungen wäre:

    – komplette Abschaffung der bisherigen Stellen für Gleichstellungsbeauftragte

    – Umwidmung der Inhaber, die nicht gefeuert werden können, in die Familien und Sozialarbeit

    ….

  • 4. Wenn überhaupt Ressourcen für Männer, dann allenfalls additiv, auf keinen Fall aber zulasten der feministischen Infrastruktur. Klar, die öffentliche Hand weiß nämlich kaum, wohin mit den überquellenden Steuereinnahmen. Eine sinnvolle Einstiegsforderung (falls zufällig Punkt 3 nicht durchkommt):

    – Reduktion der Feministischen Infrastruktur um 50% innerhalb von 3 Jahren

    – Nutzung der freiwerdenden Mittel zum Aufbau einer Maskulistischen Infrastruktur, also einer Interessenvertretung, die mit Männern besetzt ist, von Kindesentzug oder Scheidungsfolgen persönlich betroffenen und daher fachlich einschlägig qualifiziert sind, und die organisatorisch und personell völlig getrennt von der Feministischen Infrastruktur ist.

    5. Anstatt schon 4-jährigen im Kindergarten eine „Vielfalt von Männlichkeit“ einzuimpfen – will sagen, daß ein 4-jähriger schon eine lange Liste sexueller Sonderfälle herunterbeten kann, denen er noch nie im Leben real begegnet ist bzw. begegnen wirdund die er nicht mal annähernd versteht – sollten lieber mal die Hürden abgebaut werden, die Männer daran hindern, Kindergärtner zu werden (z.B. die m.W. inzwischen auf 5 Jahre verlängerte Ausbildungszeit), damit er **wenigsten einen Mann persönlich** kennenlernt.

    6. „Gewalthandeln ist Teil traditioneller Männlichkeitskonstruktionen.“ — Da ich männlich konstruiert bin, tut mir dieser Satz leider verbale Gewalt an, wenn ich das mal so sagen darf.

    „Das Bundesforum Männer fordert daher flächendeckend professionelle Beratungs- und Unterstützungsangebote für Männer“ – Darüber kann man reden. Am meisten würde ich mich unterstützt fühlen, wenn irgendwer Maßnahmen gegen alle ergreift, die Männer als solche, inkl. meiner Wenigkeit, pauschal diskreditieren, unter anderem das „Bundesforum Männerdiskreditierung“!

    Wenn man diese „Wahlprüfsteine“ liest, kann man nur Depressionen bekommen. Für die offizielle Politik reicht es aus, sich mit dieser Pseudointeressenvertretung einmal zum Kaffee und Kuchen zu treffen und auf alle Fragen je nach Tageslaune mit Ja oder Nein zu antworten und in der abschließenden Pressekonferenz laut und deutlich „mehr Wertschätzung für Väter in Unternehmen und Gesellschaft“ zu fordern (und natürlich nicht zu vergessen, die Finanzierung des Bundesforums für eine weitere Wahlperiode zuzusagen). Damit wären auch wirklich alle (!) Forderungen „der Männer“ erfüllt und alle Fragen beantwortet. Ende des Interviews, der nächste Termin drängt (Budgetplanung für das nächste Professorinnenprogramm, die Damen bestehen auf 100 Stellen zusätzlich, mit denen ist nicht gut Kirschen essen).

    Eher traumatisierend ist die Erfahrung, wie abhängig man von einer formalen Struktur ist, also einem Büro und anderen Infrastrukturen, die immer wieder die eigenen Standpunkte vorbringen und die rein logistisch solchen Volksverdummungseinrichtungen wie dem Bundesforum Paroli bieten können. Die detaillierte Forderungskataloge ausarbeiten und sich dazu auch die notwendige juristische Expertise einkaufen können. Die Frankfurter Erklärung ist ja schon mal ein Anfang, aber das ist nur 1 von vielen Themen, und man muß es auch unters Volk bzw. an die Volksvertreter bringen.

  • @man.in.th.middle Ja, dass bald Wahlen sind hab ich im Kopf…was mir auch nicht viel weiterhilft bei der Entscheidung… Ich stimme zu – nur wenn die „Wahlprüfsteine“ fordernder formuliert wären, würden Antworten informationshaltig sein können. Viele Punkte des Bundesforums kenne ich schon aus Texten zur feministisch inspirierten „Jungenarbeit“ – zum Beispiel, dass Mittel dafür keinesfalls aus den Töpfen für die Mädchen stammen dürften (was ja schön wäre, wenn die verfügbaren Mittel unendlich wären), oder dass Jungen eine Vielfalt von Männlichkeitsbildern erleben sollten (was ja gar nicht schlecht wäre, wenn es ernst gemeint wäre – es ist aber einfach nur eine Chiffre dafür, Jungen bloß von Vorstellungen einer „traditionellen Männlichkeit“ wegzuführen).

    Bezeichnend ist auch der Punkt über das „Recht von Jungen, in getrennten Familien ihre Väter aktiv zu erleben“ – dass es ja möglich sein könnte, die Kinder gar nicht von einem Elternteil zu trennen (Doppelresidenz), oder dass die Kinder ja auch beim Vater leben könnten – das darf um Gottes Willen nicht ins Spiel gebracht werden. Du hast Recht – der ganze Text des Bundesforums ist von einer „Entschuldigung, wir wollen auch bestimmt nicht stören“-Atmosphäre getragen. Da ist es eine gute Idee, einmal richtige „Wahlprüfsteine“ dagegen zu setzen – ich finde Deine Vorschläge gut!

  • @ Radaffe Danke für den Link – die Textstelle ist vernichtend, auch wenn sie so gar nicht gemeint ist. „Klar, ab und zu bringen sie auch reine Männeranliegen aufs Tapet. Aber bevor sie das tun, fragen sie erst um Erlaubnis“. Das meint die Kommentatorin, wenn ich es richtig sehe, sogar unironisch – aber schlimmer als so kann man das Bundeforum eigentlich gar nicht runterputzen.

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