Menschenteile bei Maischberger (und andere ProQuote-Seltsamkeiten)

„Zu dem unterirdischen Radiofeature „Maskuline Muskelspiele“ sei der Hinweis erlaubt, dass Homann nur „Künstler“ ist, kein Journalist. Redaktionell verantwortlich ist Ulrike Ebenbeck, rein zufällig natürlich auch Unterzeichnerin / Unterstützerin von Pro Quote.“

Soweit Thomas M. in einem Kommentar vor wenigen Tagen.  Die zentrale Forderung von ProQuote – einer seit Beginn des vergangenen Jahres tätigen Initiative von Journalistinnen, die sich unter dem Namen ProQuote Medien auch als Verein etabliert hat – ist eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in allen Führungspositionen der Redaktionen. Zu der Initiative gehören etwa dreihundert Journalistinnen (laut Spiegel-Autor Thomas Tuma etwa 150 zahlende), darunter auch Anne Will, Sandra Maischberger oder Gabi Bauer, sowie einige männliche Unterstützer. Der Verein bekennt sich zu einer umfassenden Lobbyarbeit – er will beispielsweise auf „verzerrende Berichte zum Thema Gender und Quote“ (also auf Berichte, die den Zielen des Vereins nicht entsprechen) schnell reagieren und entwickelt „Kampagnen, die Öffentlichkeit schaffen und den Druck auf die Verlage und Sender erhöhen“.

Schon mit diesen Zielen begeben sich die Journalistinnen allerdings in einen erkennbaren Konflikt – einerseits sind sie Teil von Verlagen und Sendern und tragen dort Verantwortung, zugleich aber wollen sie in ihrem Sinne Druck auf ihr Arbeitsumfeld ausüben. Umso heikler wird diese Situation dadurch, dass ihre journalistische Arbeit ja eigentlich ein hohes Maß an Abstand und Unvoreingenommenheit voraussetzt. Entsprechend kritisiert Thomas Tuma ProQuote auch im Spiegel. In seinem Essay „Die ScheinriesInnen“ schreibt er:

Sorry, Ladys, sie missbrauchen Ihren Status, Ihre Prominenz, Ihre Funktion, Ihre Medien und sogar das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen des Publikums in Ihre Unabhängigkeit! Denn Sie sind bei Ihrer Vereinsarbeit nicht nur einseitig Partei. Sie sind es leider in einem schlichten Beweggrund: Eigeninteresse, das Sie geschickt als gesellschaftliche Relevanz inszenieren. (Der Spiegel, 27.5.2013. S. 146)

Der Vorwurf Tumas, das unabhängiger Journalismus zu Propaganda zu verkommen drohe, wurde ganz entsprechend der ProQuote-Politik der schnellen Reaktion auf unliebsame Berichte heftig beantwortet, Tuma nach eigenen Angaben als ein „reaktionäres Macho-Schwein (…) oder ein heulsusiges Weichei“ beschimpft  Dabei ist gerade die eingangs angesprochene Sendung ein gutes Beispiel dafür, wie recht Tuma mit seiner Einschätzung hat.

Wozu man Mordopfer so brauchen kann Die ARD-Sendung „Maskuline Muskelspiele“ stellt bekanntlich eine hetzerische Verbindung zwischen den Massenmorden Andres Breiviks und einem Engagement für Männer- und Jungenrechte in Deutschland her, die sie in keinem Moment belegt. Gleichwohl endet sie darin, ein Verbot feminismuskritischer Äußerungen nahezulegen. Selbst Kritiker von Männerrechtlern müssten angesichts dieses Vorgehens eigentlich erschrecken – die öffentlich-rechtliche Sendung diffamiert bürgerrechtliches Engagement, indem sie das Leid von Mordopfern irritierend bedenkenlos und beliebig zur Propaganda gegen politische Gegner funktionalisiert. Diese politischen Gegner aber sind eben gerade, unter anderem, Kritiker der ProQuote-Politik.
Dass die ProQuote-Frau Ulrike Ebenbeck verantwortliche Redakteurin einer Sendung über Männerrechtler wurde, war ungefähr so anrüchig, als wenn ein EON-Pressesprecher verantwortlicher Redakteur für eine ARD-Sendung über Atomkraftgegner geworden wäre. Noch weniger verständlich ist, dass Ebenbeck selbst ihr offenkundiger Interessenkonflikt gleichgültig war, dass sie nicht einmal versucht hat, den Anschein zu vermeiden, hier aus ARD-Mitteln im Eigeninteresse politische Propaganda zu betreiben: Die Behauptungen der Sendung sind erbärmlich schlecht – nämlich gar nicht – belegt, sie bemüht sich nicht einmal symbolisch um Ausgewogenheit, sie lässt die Angegriffenen nicht zu Wort kommen und ist an ihrer Perspektive auch gar nicht interessiert (mit Ausnahme eines winzigen Fetzens aus einem Interview mit Arne Hoffmann), sie ist offen manipulativ und unfair in der Auswahl von Zitaten, und sie endet in extremen Verbots-Forderungen, die sie nirgendwo legitimiert.
„Manchmal heiligt der Zweck die Mittel“ – so Simone Kaiser vom Spiegel auf der ProQuote-Seite. Kaisers Satz, der eine klassische und notorisch problematische politische Position zitiert, bezieht sich nicht auf Ebenbecks Feature – gleichwohl lässt sich eine solche Sendung kaum anders erklären als mit Kaisers fragwürdiger Maxime. Die Mittel, die Ebenbeck anwendet, sind natürlich nicht zu heiligen – wie aber sieht es mit dem Zweck aus?
Ich verschenke Argumente (aber es nützt nichts) „‚Männliche Monokulturen“ sind wirtschaftlich weniger erfolgreich als gemischte Führungsteams. Das ist inzwischen vielfach nachgewiesen.“ Das behauptet Gabi Bauer, ARD, auf ihrer ProQuote-Seite, selbstverständlich ohne auch nur anzudeuten, welche Nachweise sie meint. Tatsächlich gibt es diese Nachweise nicht (dazu mehr bei sciencefiles) – sie verwechseln Korrelationen mit Kausalitäten oder können nicht belegen, was sie zu belegen vorgeben.
Mir selbst sind Argumente zur angeblich mangelnden Leistungsfähigkeit von sozialen Monokulturen aus einem ganz anderen Bereich vertraut, aus der Schulpädagogik – als Auseinandersetzung um die Frage, ob homogene Lerngruppen oder heterogene Lerngruppen bessere Ergebnisse erzielen würden (das ist grundsätzlich eine Streitfrage zwischen Vertretern des mehrgliedrigen Schulsystems und der Gesamtschulen). Ich arbeite selbst an einer Schule mit äußerst heterogenen Gruppen, kenne aber auch andere Bedingungen. In meinen Augen ist das Ergebnis deutlich – die Frage von Homogenität oder Heterogenität wird im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit einer Gruppe von den jeweiligen Interessenvertretern viel zu hoch gewichtet. Der wesentliche Unterschied ist, dass heterogene Gruppen mehr Zeit, Energie und Aufmerksamkeit auf die Organisation ihrer Kooperation verwenden müssen – das kann unter günstigen Bedingungen sogar förderlich für die Gruppe sein, es spricht aber natürlich nicht generell für eine höhere Leistungsfähigkeit.
Ich weiß, dass diese Erfahrungen aus der Schule sich nicht ungefiltert in deutsche Reaktionsstuben übertragen lassen, aber ein Aspekt ist sicherlich relevant: Ein Mindestmaß an Homogenität, nämlich einer grundsätzlichen Einigkeit über basale gemeinsame Ziele oder Werte, ist für die Arbeit einer Gruppe wichtig. Wer dagegen grundsätzliche Dichotomien aufbaut, die eine Untergruppe gegen die andere ausspielen, schadet dem Gesamtergebnis. Eben das aber tut ProQuote, wenn der Verein rundweg und im Eigeninteresse männliche Machtinteressen und Old Boys Networks unterstellt, gegen die sich Frauen in Stellung bringen müssten, mit allen Mitteln.
Doch auch, wenn man den Proquotistinnen die Annahme schenkt, dass Heterogenität gut für die Arbeit von Gruppen sei – warum muss es dann ausgerechnet diese Heterogenität sein? Warum geht es nicht ebenso um eine Quote von Menschen aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“? Oder von Menschen „mit Migrationshintergrund“? Und warum geht es de facto nur um eine Quote in den prestigeträchtigen, mit sehr guten Einkommen verbundenen Verlagen und Sendern – warum spielt es keine Rolle, dass in weniger prestigeträchtigen Verlagen, außerhalb der „Qualitätspresse“, Frauen oft weit in der Mehrzahl sind und gewiss keine Quote brauchen (schon Hadmut Danisch konnte bei einer rein mit Quotenbefürworterinnen besetzten „Podiumsdiskussion“ niemanden finden, der ihm diese Frage beantwortete)? Doch selbst wenn man auch noch diese Fragen abschenkt und um des lieben Friedens Willen zugesteht, dass eine Mann-Frau-Heterogenität (und keine andere) in prestigeträchtigen, finanziell einträglichen Positionen (und nirgendwo sonst) wichtig und sinnvoll sei – selbst dann bleibt immer noch die Frage nach dem Mittel, ob es nämlich sinnvoll ist, diese hehren Ziele durch eine Quote zu erreichen.
Alle Erfahrung mit ProQuote spricht dagegen. Die Quotenforderung stützt sich ja eben gerade auf die Annahme, dass die etablierten Auswahlkriterien mangelhaft funktioniert hätten und durch eine Quote konterkariert werden müssten. Zu diesen Auswahlkriterien gehören klassischerweise journalistische Seriosität und Qualität. ProQuote hingegen unterstellt, dass es allein um Geschlechtsteile ginge: „Wozu genau noch braucht man einen Penis in dieser Führungsposition?“
Die Vermutung liegt durchaus nah, dass eine Sendung wie die von Ebenbeck eben kein Zufall, sondern Ergebnis eines solchen Ressentiments ist. Es ist ja gar nicht davon auszugehen, dass eine Quotenfrau notwendig schlecht arbeiten würde – viel wichtiger und schlimmer aber ist, dass der Wert und die Vertrauenswürdigkeit ihrer Arbeit für die Quotenlogik überhaupt keine Rolle spielen. Die geforderten 30 Prozent sind eine reine Mengenangabe, keine Messung irgendeiner Qualität. Eben das ist ja auch einer der Faktoren, die Quoten in der Politik so problematisch machen – sie bestätigen die Unterstellung, dass es im politischen Alltag nur noch um die Besetzung von Posten ginge, dass es aber keine Rolle spiele, welche Arbeit auf diesen Posten geleistet werde.
So viele Argumente kann man den ProQuote-Journalistinnen also gar nicht schenken, dass ihre Position irgendwann einmal überzeugend würde.
Menschenteile bei Maischberger Dass aber ProQuote heute schon die journalistische Qualität beschädigt, bleibt natürlich lediglich eine Vermutung – es ist ebenso möglich, dass Sendungen wie das Muskelspiel-Feature auch ganz ohne Quotenforderungen so produziert würden. Erkennbar sind aber zumindest Korrelationen zwischen ProQuote-Aktionismus und einem fragwürdigen journalistischen Selbstverständnis. Bei Anne Will beispielsweise, die Monika Ebeling in eine Sendung einlud und sie gleich mit der Unterstellung vorstellte, sich als Gleichstellungsbeauftragte angeblich nur um Männer gekümmert zu haben.  (Arne Hoffmann hat gerade noch einmal daran erinnert.) Wer für eine Frauenquote eintritt, hat eben kein Interesse daran, Sexismus geschlechterübergreifend zu verstehen und deutlich zu machen, dass sowohl Männer wie Frauen Akteure und Betroffene sexistischer Handlungen oder Strukturen sein können. Die Frauenquote ist nur legitimierbar, wenn alles ordentlich getrennt bleibt – die Frauen als Opfer, die Männer als Täter, die Frauen als Benachteiligte, die Männer als Profiteure. Noch deutlicher und schlimmer hat das Sandra Maischberger in einer Nachlese zur sogenannten „Sexismus-Debatte“ gemacht.
Sie interviewt dort (etwa ab Minute 55) die Femen-Aktivistin Klara Martens und stellt sie schlicht als Kämpferin gegen Prostitution und sexuelle Ausbeutung vor. Mit keinem Wort erwähnt sie, dass eine Femen-Gruppe unter anderem dadurch auf sich aufmerksam machte, dass sie ein Mahnmal für die Opfer des Stalinismus zerstörte. Oder dass die Femen kurz zuvor ein Werbebild herausgebracht haben, das eine barbusige Femen-Frau mit einer blutigen Sichel in der einen und einem abgeschnittenen männlichen Hoden in der triumphierend emporgereckten anderen Hand zeigt (dazu gab es auch eine Diskussion bei Alles Evolution).
Menschenteile bei Maischberger (nicht der Nachfrage wert)
Während Maischberger es natürlich nicht für nötig hält, hier einmal nachzufragen, baggert die ebenfalls teilnehmende Alice Schwarzer Martens sichtlich angetan als politische Bundesgenossin an.
Wie irre diese Situation ist, wird wohl erst klar, wenn man sie sich einmal mit vertauschten Geschlechterrollen vorstellt. Wenn es eine Männergruppe gäbe, die gern auch einmal, um auf sich aufmerksam zu machen, ein Mahnmal von Opfern politischer Massenmorde zerstört. Und die ein krankes Werbebild produziert, das einen feschen Mann mit freiem Oberkörper zeigt, der in der einen Hand eine blutige Sichel trägt und mit der anderen abgehackte Frauenbrüste freudig in die Luft reckt. Ein Mann, der dieser Gruppe angehört, würde gewiss nicht in eine Talkshow eingeladen – und falls doch, dann würde er dort (zurecht) nichts anderes zu tun haben, als sich für den gewaltverliebten Irrsinn seiner politischen Gruppe rechtfertigen zu müssen. Ganz sicher würde es nicht als seriöser Journalismus gewertet, ihm ausführlich Gelegenheit dazu zu geben, sich zu inszenieren und sich beklatschen zu lassen.
Auch die ProQuote-Frau Maischberger aber hat natürlich kein Interesse daran zu zeigen, dass Frauen wie Männer sexistisch sein können und dass Sexismus auch männerfeindlich ist – anders ist ihr absurdes Interview kaum zu erklären, das sich um herkömmliche Vorstellungen von journalistischer Verantwortung nicht unnötig kümmert. „Unser Beruf lebt von klaren, kritischen Haltungen, von einem sauberen Blick auf Missstände“, schreibt ausgerechnet Anne Will auf ihrer ProQuote-Seite.  Was ProQuote angeht, deutet alles auf das Gegenteil hin – wenn erst einmal eine Quote installiert ist, dann werden die Profiteurinnen nicht plötzlich zu einer „klaren, kritischen Haltung“ finden, sondern ihre Position nutzen, um ihre Position zu stabilisieren und gegen Kritik zu immunisieren. Denn dass überhaupt noch nach dem Sinn der Quote gefragt werden kann, spricht ja irgendwie schon dafür, dass sie unbedingt eingeführt werden muss: „Warum Quote? Allein, dass ein ‘Warum?’ im Raum steht, ist ein Armutszeugnis.“
  1. Ein sehr guter Beitrag rund um ProQuote! Die Problematik der Frauenquote hat Prof. Armin Nassehi in der paradoxen Aussage „Diese Stelle muss von einer Frau besetzt werden, weil das Geschlecht keine Rolle spielen darf.“ zusammengefasst! Mir ist sehr wohl bewusst, dass große Teile der QuotenbefürworterInnen schon argumentativ weiter sind…da ist dann doch das Geschlecht konstituierend für einen Post. Da wird nicht mehr begründet, sondern die bloße statistische Ungleichverteilung aka „Unterrepräsentanz“ von Frauen stellt eine Diskriminierung an sich da!(vgl. Spiegelreplik Ranga Yogeshwar; ich nehme an mit Unterrepräsentanz bezieht man sich auf den prozentualen Anteil von weiblichen Merkmalsträger an der Gesamtbevölkerung, man könnte ja auch auf die Idee kommen den Anteil der BewerberInnen als Befürworter für sinnvoll zu halten.)

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  2. Man ärgert sich immer schwarz, wenn man sich das Ausmaß dieser Meinungsmanipulation klar macht. So richtig gut sichtbar war das vor 2 Wochen, als Martenstein seinen Verriß der Gender Studies in der ZEIT veröffentlichte. Von den in der Benutzerwertung bestplazierten Kommentare unterstützten fast alle Martenstein und hatten ca. 30 – 40 Leserempfehlungen, die Redaktionsempfehlungen waren praktisch alle ablehnend (was mögen die für ein Betriebsklima haben, wenn die Gesinnungsredaktion die eigenen Autoren zur Sau macht??), rund die Hälfte der Redaktionsempfehlungen hatte 0 – 2 Leserempfehlungen, die besten so ca. 10 – 15. Kann man nur als schallende Ohrfeige des Publikums bezeichnen. Nach ca. 5 Tagen wurde es der Redaktion zu bunt und mit Kommentar 437 wurde ohne Begründung die Diskussion beendet. Der Kampf einer Gesinnungsredaktion gegen das renitente Volk ist selten derart kraß sichtbar geworden.

    Nun weiß man natürlich nicht wirklich, ob die überwiegend feminismuskritischen Kommentare repräsentativ für Bevölkerung sind und ob die Allgemeinheit die Manipulation der Gesinnungsredaktionen durchschaut. Mich plagt oft der Verdacht, daß die Welt der Blogs und Kommentare keinen großen Einfluß auf die reale (analoge) Welt hat.

    Da in diesen Tagen in vielen Bundesländern Abiturzeugnisse verteilt werden, sei eine Frage an Schoppe als Lehrer erlaubt: Wie gut sind eigentlich die Durchschnittsabiturienten über Geschlechterthemen informiert? Welche Maskulismus vs. Feminismus-Themen sind den Abiturienten überhaupt bewußt? Kommt das irgendwo im Unterricht vor? Wieviele würden sich als Feministen oder Maskulisten bezeichnen? Sieht man sich als Konkurrenten um Studien- und Arbeitsplätze? Ist die Bevorzugung von Mädchen bei den Noten ein Thema? Wie bewußt ist ihnen der Feminismus in den Medien?

    Das war jetzt zugegebenerweise mehr als eine Frage … In der Shell Jugendstudie von 2010 wird das politische Interesse bei Jugendlichen ja als eher gering angesehen. Das würde auch der Manipulation durch die Medien den Boden entziehen.

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  3. Ich habe denen auf Facebook mal Folgendes geschrieben:

    Man stelle sich die Welt mal als ein riesiges “Die Reise nach Jerusalem” vor, allerdings nicht nur mit einer Schulklasse, sondern mit Abermillionen von Menschen beiderlei Geschlechts als Teilnehmern. Es findet ein Wettbewerb statt und eine Selektion, weil nach jeder Runde ein Teilnehmer ausscheidet und ein Stuhl weg genommen wird. Der Wettbewerb wird von persönlichen Eigenschaften bestimmt, wie z. B. Schnelligkeit, Intelligenz, Bildung, persönliche Interessen, Geschicklichkeit, Beharrlichkeit, Kreativität, Mut, Risikobereitschaft, Motivation, eigenen Entscheidungen, Präferenzen (insbesondere Arbeitszeit, Stichwort Überstunden), von allen nur irgendwie möglichen Dingen. Aber niemand wird aufgrund seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt. Es gibt keine Diskriminierung.

    So funktioniert “Gleichberechtigung”.

    Man nehme nun an, mit jedem Durchlauf werden die verbleibenden Stühle immer wertvoller und damit natürlich begehrter.
    Zudem läge – weil Männer und Frauen in ihren persönlichen Eigenschaften, die den Wettbewerb aber entscheiden, nun mal nicht absolut gleich sind – die Wahrscheinlichkeit, dass nach jedem einzelnen Durchlauf eine Frau ausscheidet bei 50,000001 % und dass ein Mann ausscheidet bei nur 49,999999 %. Man lasse es einen minimal kleinen Unterschied sein, aber eben einen Unterschied und er existiere auch, obwohl Frauen schon mit allen nur erdenkbaren Mittel gefördert werden, um nicht aus dem Spiel auszuscheiden.

    Diese Prämisse wird jetzt einfach mal gesetzt. Man kann sie anzweifeln, aber sie wird jetzt einfach mal gesetzt, damit klar wird, wie das rechnerisch laufen MUSS, sollte sie zutreffend sein.

    Nach Abermillionen von Durchläufen sind nur noch 10.000 Stühle übrig. Und aufgrund der o. g. Wahrscheinlichkeiten sind so gut wie nur noch Männer übrig. Das ist unter den gesetzten Annahmen eine mathematische Gegebenheit, aber sicher keine Diskriminierung.
    Wenn man dazu noch einkalkuliert, dass an dem Spiel – freiwillig – stets weniger Frauen teilnehmen als Männer (man beachte z. B. die Studienwahl), dann ist – rein mathematisch – auch klar, dass am Ende des Spiels noch deutlich weniger Frauen übrig sind, da geringere Wahrscheinlichkeit und geringere Teilnahme miteinander multipliziert nun mal mathematisch kein anderes Ergebnis zulassen. Weniger als 50 % multipliziert mit weniger als 50 % ergibt eben NOCH weniger als 50 %.

    Wenn man mit dem Endergebnis aus ideologischen Gründen nun nicht einverstanden ist, nicht zuletzt, weil die Stühle von Frauen und Männern gleichermaßen begehrt werden, was läge dann näher, als eine Diskriminierung zu behaupten, auch ohne sie schlüssig beweisen zu können?

    Und um diese vermeintliche Diskriminierung abzustellen, wird dann gefordert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann oder eine Frau ausscheiden, künftig bei exakt 50 % liegt. D. h., in bestimmten Abständen wird einer nach einer Runde ausgeschiedenen Frau der Stuhl eines x-beliebigen Mannes überlassen, der an ihrer Stelle aus dem Spiel ausscheiden muss, obwohl er sich erfolgreich einen Stuhl sichern konnte. Mehr noch, es wird aufgrund der unterschiedlichen Beteiligung am Spiel so oft ein erfolgreicher Mann zugunsten einer Frau aus dem Spiel ausgeschlossen, dass eine Wahrscheinlichkeit von meinetwegen 70 % besteht, dass ein Mann das Spiel verlässt und somit am Ende exakt 5.000 Frauen und 5.000 Männer übrig bleiben.

    So funktioniert “Gleichstellung”. So funktioniert „Quote“. Offene Diskriminierung, um simpler Mathematik zu begegnen.

    Wurde zensiert.

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  4. Pro-Quote.de hat vor einigen Wochen die Kommentarfunktion abgeschaltet. Kein einziger bis dahin geschriebener Kommentar ist mehr sichtbar. Auf Facebook kann zwar (noch) gepostet werden, jedoch findet keine ernst zu nehmende Auseinandersetzung statt. Meistenteils waltet Ignoranz. Verweise auf Klaus Funkens SPD-Analyse bspw. bleiben frei von jeder Reaktion. Ein klares Signal von Pro-Quote: wir diskutieren die Quote nicht. Stattdessen Demagogie vom Schlage „Maskuline Muskelspiele“ und Maischbergers Femen-Kränzchen.

    Der Grimme Online Award erging gestern an die mediale Farce namens 'aufschrei'. Pro-Quote gratuliert via Facebook selbstredend. Anders als mit flächendeckender Infiltration und allgegenwärtigen Konformitätsdruck ist eine solche Entscheidung nicht zu erklären. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Medien geschlechterpolitisch auf feministischer Linie s.h. latent misandrisch, dem Opferin/Täter-Dogma ergeben und dennoch genderideologisch. Kritik an zuhauf auftretenden Widersprüchen dieser vertretenen Linie wird ignoriert oder fällt mehr und mehr der Zensur zum Opfer. Eine wahrhaft erschreckende Entwicklung hat diesbzgl. DIE ZEIT genommen.

    Ich selbst habe auf zeit-online ca. 5 Jahre lang als „Zeitist“ immer wieder feminismuskritisch gepostet bzw. die zunehmende Misandrie in ZEIT-Artikeln hinterfragt.
    Schließlich trat H. Rosenbrock mit seiner „Studie“ auf den Plan, in der ich namentlich als Antifeminist genannt wurde, ohne dass dies anhand eines Zitates von ihm belegt worden wäre, denn es hätte sich nur herausgestellt, dass Zeitist konsequent emanzipatorisch argumentiert und damit ja eigentlich feministisch.

    Das kurz darauf folgende Rosenbrock-„Interview“ der ZEIT-Redakteurin und bekennenden Feministin Tina Groll ist eine Aneinanderreihung von Suggestivfragen und insofern ein Wendepunkt hin zu strammfeministischer Linie. Die kritische Kommentarflut zum Interview und der redaktionelle Umgang damit bilden die inzwischen waltende Deutungshoheit innerhalb der ZEIT-Redaktionsstuben deutlich ab.

    Wenige Tage später wurde mein Account bei zeit-online ohne Vorwarnung gesperrt.
    Diskussionen unerwünscht. Und das ist wie das Homann-„Feature“ zeigt noch nicht das Ende der Fahnenstange.

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  5. Maischberger kann es nicht. Man sehe nur ihre Interviews mit dem großen Dampfplauderer Helmut Schmidt. Keine kritische Frage, keine vertiefende Nachfrage. Sie sitzt vor dem Zampano wie das Kaninchen vor der Schlange. Ihr Versagen in dem von Ihnen zitierten Gespräch mit Martens ist darum nicht ideologisch, sondern in ihrer grundsätzlichen Unfähigkeit begründet. Deshalb sollte sie schnellstens in eine Chefredaktion befördert werden, damit fähigere junge Journalisten eine Chance bekommen, sich zu beweisen.

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  6. Bei der Gelegenheit koennte man doch mal Einschaetzungen bzgl. der Massenmedien zusammentragen, waere doch informativ.

    1. Taz erschien mir immer als das Hetzblatt des Feminismus Nr. 1.
    2. Dem scheint Der Freitag wohl Konkurrenz machen zu wollen, er hatte so aber doch nicht angefangen, oder?
    3. Ich lese nur Online-Zeitschriften, und da ist bei Zeit nicht viel zu holen. Ist die Zeit nun auch so schlimm wie obiges?
    4. Spiegel Online ist allgemein ein Hetzblatt, scheint mir aber doch ein aehnlicher Mitlaeufer zu sein wie Frankfurter Rundschau und die Sueddeutsche, d.h., mein Eindruck ist, das die nicht selbststaendig Propaganda machen (wie wohl Spiegel Online beim Neoliberalismus etc.), sondern einfach nachplappern.
    Genauso z.B. Neue Zuercher Zeitung.
    5. Neues Deutschland wird Taz-aehnlicher, allerdings keine Kriegshetze und weniger Feminismus-etc. Sicher, Frauen sind gut und so, ist aber doch nicht schlimmer als das allgemeine Geblubbere.
    6. Junge Welt aehnlich.
    7. Nachdenkseiten halten sich fast immer raus bzgl. Feminismus.

    8. Faz hat weniger Feminismus, aber doch auch die allgemeine Unterdrueckung der Frauen (und als Hetzblatt der Reaktion schon schwer ertraeglich).
    Je mehr man dann zum rechten Rand rueberschwengt, desto feminismusfeindlicher wird's dann.

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  7. „Je mehr man dann zum rechten Rand rueberschwengt, desto feminismusfeindlicher wird's dann.“

    Leider ein echtes Image-Problem. Aber was mir wirklich Hoffnung macht, sind die Kommentare auf Oestreich, Schmollack & Co. Der taz-Leserschaft wird das reaktionäre, antiemanzipatorische Wesen feministischer Dogmen und Einflussnahme mehr und mehr bewusst.

    Antwort

  8. Off Topic:

    @Schoppe – vielen, vielen Dank für die neue Formatierung und die damit wesentlich bessere Lesbarkeit dieses hervorragenden Blogs

    Ich freue mich, dass meine Anregung aufgegriffen wurde und bin nun noch begeisterter von den Inhalten

    Ganz herzlichen Dank 🙂

    Antwort

  9. @Zeitist:

    Ich habe die Kommentare immer gerne gelesen und teile die Analyse über das feministische Medium „Die Zeit“ voll und ganz. Da wird mittlerweile so munter und unreflektiert zensiert, dass man fast wie in der DDR seine Botschaften verstecken muss.

    Dass „Die Zeit“ zum überwiegenden Teil den Parteien „Die Grünen“ oder der s.g. Volkspartei „SPD“ (wer die menschliche Gesellschaft will …) anhängt, verwundert mich -nicht nur mittlerweile- überhaupt nicht mehr!

    Falls es ein Trost ist, Zeitist: Auch in der „taz“ scheint man feminismuskritische Redakteure mittlerweile aus der Redaktion zu mobben …

    Ein Pyrhus-Sieg für die Schmollacks, Grolls und Oestreichs dieser Welt. Denn sie wissen im Grunde, dass sie schon längst die Meinungshoheit verloren haben!

    VevendoVides

    Antwort

  10. @VevendoVides

    Danke für die Blumen und angenehm mal wieder jemanden aus der zerschlagenen zon-community zu treffen.

    Ich habe auch den Eindruck, dass der Bogen inzwischen überspannt wird. Der Grimme online Award an #aufschrei stellt in seiner offensichtlichen Unaufrichtigkeit diesbzgl. einen neuen Höhepunkt dar. Die feministsichen Gatekeeperinnen der ZEIT haben auch hier keinen Zweifel an ihrem Einfluss aufkommen lassen, wie die einzige Redaktionsempfehlung zur gestrigen Meldung zu erkennen gibt.

    Ideologisch motivierte Maulkörbe werden erfahrungsgemäß ihre radikalisierende Wirkung tun. Insofern sind da kommenden Gegenbewegungen in ihrer Intensität buchstäblich eine Frage der ZEIT.

    Beste Grüße

    Antwort

  11. Was ist denn „Oestreich, Schmollack & Co.“ – wenn ich mal fragen darf? 🙂

    Antwort

  12. Heide Oestreich, Sabine Schmollack, schreiben öfters in der Taz zu Geschlechterthemen. Beides Feministinnen. Schmollack hat in der Taz so gefühlte 100 Artikel pro Quote verfasst.

    http://arnehoffmann.blogspot.ch/2011/06/das-schlichte-weltbild-der-simone.html

    http://genderama.blogspot.ch/2007/01/die-mediale-herrenfront-hat-zuwachs.html

    Antwort

  13. Ich bin Linker und trotzdem (deswegen!) feminismuskritisch. Zum Glück gibt es Blogs wie diesen und auch viele fundierte kritische Reaktionen im Anhang der online-Artikel – soweit sie denn freigeschaltet bzw. nicht gelöscht werden. Oliver K hat leider recht mit seinen Einschätzungen. Die Nachdenkseiten, die sonst gerne gegen den Strom schwimmen, finde ich hinsichtlich Feminismuskritik bedenklich zurückhaltend. Ich führe das darauf zurück, dass sie es sich mit der mächtigen Feministinnenlobby nicht verscherzen wollen, schließlich sind die Nachdenkseiten auf Spenden angewiesen.
    KlausT

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  14. @ man.in.th.middle Ja, es ist gerade Zeugniszeit, daher auch die verspätete Antwort… „Welche Maskulismus vs. Feminismus-Themen sind den Abiturienten überhaupt bewußt? Kommt das irgendwo im Unterricht vor?“ Feministische Positionen sind im Unterricht natürlich häufig vertreten, schon über die Lehrbücher. Ich finde aber, das man als Lehrer trotzdem große Freiheiten hat, etwa darin, Bücher zur Lektüre auszusuchen, die auch Jungen ansprechen. Insgesamt glaube ich, dass der Geschlechterkampf an den Schulen durch die Alltagsroutine abgeschliffen wird – ich kenne praktisch keine Feministin, auch keine Maskulisten.

    Schüler wie Schülerinnen sind manchal eher irritiert über Zuspitzungen des Geschlechterkampfes – der wird eher durch Strukturen geführt (Lehrerinnenüberschuss gerade in den unteren Klassen) als durch einzelne Akteure. Solche Beispiele wie das neulich von MANNdat veröffentlichte über Feminismus in der schulischen Praxis (http://manndat.de/geschlechterpolitik/feminismus-so-funktioniert-er-in-der-schulischen-praxis.html) kommen eher aus der Hierarchie – wer hingegen als real existierende Lehrkraft nun einmal ständig mit Jungen wie Mädchen klarkommen muss, hat ein ziemlich starkes Motiv, feministische wie maskulistische Zuspitzungen zu meiden.

    Es fehlt aber tatsächlich vielen Schülern auch nach meiner Erfahrung an Interesse, daher auch an Wissen über politische Zusammenhänge („Hitler? Das war doch der mit dem Ersten Weltkrieg, oder?“ hat mich mal eine Elftklässlerin, also Oberstufenschülerin gefragt. Das ist ein krasses, aber gar nicht so untypisches Beispiel). Zumindest, was die Mittelstufe angeht, ist die Tendenz aber schon deutlich: Es gibt eine politisch interessierte Minderheit, und die ist fast immer männlich. Überhaupt bin ich gar nicht so kulturpessimistisch, was die Jungen angeht – mir kommen gerade die Oberstufenschüler, und gerade die politisch Interessierten, relativ renitent gegenüber feministischen Zuschreibungen vor, ohne dass sie sich deshalb als Maskulisten sehen würden.

    Die Bevorzugung von Mädchen ist manchmal ein Thema, allerdings in der Regel eher auf eine grantlerische Weise als über zielgerichtete Kritik (manche Schüler reden z.B. schlicht von einem „Titten-Bonus“ für Mädchen an der Schule – das hat aber eher keinen feminismuskritischen Hintergrund). Als Konkurrenten in der Schule sehen sich Jungen und Mädchen manchmal schon, aber eher weniger als Konkurrenten um Arbeitsplätze – so mein persönlicher Eindruck. Dazu gehen die Berufsinteressen von Jungen und Mädchen vielleicht zu weit auseinander.

    Antwort

  15. Ja, das ist ein gutes Beispiel. Wenn sich zwei Gruppen ziemlich ähnlich sind und nur leicht unterscheiden – dann sind in manchen exttremen Bereichen die Unterschiede eben gleichwohl sehr deutlich. Ich hab mir das über Größenunterschiede deutlich gemacht – wenn Männer im Schnitt nur 5 Zentimeter größer sind als Frauen, ist das nicht viel – es führt aber, bei einer annähernd regelmäßigen Verteilung, eben dazu, dass der Männeranteil bei den größten Menschen von allen bei fast 100% liegt.

    Ein Unterschied zwischen Männer und Frauen, der im Schnitt nicht unbedingt ins Gewicht fällt, aber in manchen Bereichen eben große Folgen hat, ist wohl – dass Frauen tendenziell mehr Optionen haben als Männer. Sie können sich eher für den Beruf, eher für die Familie oder für eine Mischung aus beidem entscheiden. Für Männer hingegen ist das Setzen auf Familie und Kinderbetreuung aus mehreren Gründen sehr riskant, so dass sie sich eher ganz auf den Beruf konzentrieren. Der größere Reichtum an Optionen für Frauen äußert sich in einigen Bereichen, in denen eine große berufliche Fixiertheit gefragt ist, eben als Nachteil – so dass durchaus auch ohne die Annahme einer Diskriminierung erklärbar ist, warum in Spitzenpositionen deutlich weniger Frauen als Männer vertreten sind. (Dazu: http://www.cuncti.net/streitbar/252-catherine-hakims-praeferenztheorie-was-frauen-wollen)

    Antwort

  16. @ Matthias Mala „Ihr Versagen in dem von Ihnen zitierten Gespräch mit Martens ist darum nicht ideologisch, sondern in ihrer grundsätzlichen Unfähigkeit begründet.“ Das ist gut möglich, ich hab sie auch oft eher als unsicher erlebt. Gleichwohl hat sie eine Redaktion, die sie vorbereiten kann – irgendjemandem wird sicher aufgefallen sein, dass die Femen nicht nur aus aufrechten Kämpferinnen bestehen, die für das Gute in der Welt telegen mit blanken Brüsten eintreten…

    Maischberger selbst fragt übrigens bei ProQuote(http://www.pro-quote.de/unterzeichnerinnen/sandra-maischberger/): „Warum kommen nicht die fähigen Frauen im Team zum Zug, sondern immer der gleiche Typus männlicher Allesversprecher?“

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  17. Gern geschehen – und danke für den Hinweis!

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  18. @Schoppe:
    „der mit dem Ersten Weltkrieg, oder?“

    Wenn ich sowas lese, befällt mich immer regelrechtes Entsetzen. Nichts gelernt aus unserer Vergangenheit, wie totalitäre Systeme funktionieren, was Rassismus bedeutet, wo die Alarmglocken schrillen müßten??

    „Es gibt eine politisch interessierte Minderheit, und die ist fast immer männlich.“

    Interessant. Wundert mich aber kein bißchen, denn m.W. haben die Jugendorganisationen der Parteien alle einen deutlichen Männerüberschuß.

    „… ohne dass sie sich deshalb als Maskulisten sehen würden.“

    Maskulist ist ja auch ein sehr dehnbarer Begriff – die Minimalvariante, die ich propagiere, besteht ja nur darin zumindest formal gleiche Rechte zu reklamieren. Allerding fehlt in dem Alter vermutlich noch die persönliche Betroffenheit, die kommt erst nach einer Trennung von einer Frau oder Fehlschlägen in Beruf, also 25 Jahre und älter.

    Ist schon mal eine von den Mädels so auftaucht: http://cdn.theatlantic.com/static/mt/assets/hua_hsu/rine_feminist_post.jpg oder gibts das nur in de USA? Im Falle des Falles sollte zumindest einer der Jungs mit der männlichen Gegenvariante auftauchen.

    „manche Schüler reden z.B. schlicht von einem „Titten-Bonus“ für Mädchen an der Schule – das hat aber eher keinen feminismuskritischen Hintergrund“

    Was muß denn noch alles passieren, damit ein Problembewußt sein entsteht?

    „Dazu gehen die Berufsinteressen von Jungen und Mädchen vielleicht zu weit auseinander.“

    Trotz kulant geschätzt 20 Jahren Werbung für Frauen in Männer- bzw. MINT-Berufen. Hat nicht funktioniert? Also noch mehr Werbung. Ich muß dabei immer an die Regenmachern denken: Kein Regen trotz Opfergaben? Also mehr opfern (den Zauberer freuts).

    Wobei es ein paar Berufe gibt, die bei Jungen relativ beliebt sind und bei denen es den Jungen bewußt sein sollte, daß sie inzwischen von den Mädchen mittels besserer Noten verdrängt werden; Arzt und Richter fallen mir spontan ein.

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  19. @ man.in.th.middle „Arzt und Richter fallen mir spontan ein“ Ja – nur ist das, soweit ich sehe, noch nicht durchgesickert, dass hier die schlechteren Abi-Noten von Jungen auch zu schlechteren Berufschancen führen. Jedenfalls hab ich noch nicht erlebt, dass von den Schülern offen darüber geredet würde.

    Was noch passieren muss für ein Problembewusstsein? Ich glaube, was noch fehlt, ist das Gefühl, nicht nur irgendwas zum Mosern zu haben, sondern klare und berechtigte Interessen zu vertreten – die auch niemand vertreten wird, wenn man es nicht selber tut. Das fehlt aber ja nicht nur bei den Schülern…

    „Ist schon mal eine von den Mädels so auftaucht“ Nein, habe ich noch nicht gesehen – wohl nicht, weil Feminismus generell abgelehnt würde, sondern weil es zu deutlich politisiert. Eine Schülerin von mir hatte mal in der achten Klasse ein T-Shirt mit so einem Motiv an: http://kochschuerze.org/motive/kochschuerze-frau-mit-mann-an-der-leine-14494445

    Frau mit Mann an der Leine, darüber stand dann noch „Gassigeher“ oder so etwas. Das hat sie wohl nicht politisch gemeint, sie fand das eher witzig. Ich hab sie dann nach der Stunde zu mir gebeten und ihr gesagt, dass dieses T-Shirt in der Schule unangemessen ist, und sie gefragt, wie sie das Motiv den umgekehrt fände. Ich hab sie nicht runtergeputzt (bin ja ein sehr freundlicher Mensch:-) ), aber sie hat sich offenkundig ziemlich geschämt und das T-Shirt nie wieder getragen.

    Aber ansonsten hab ich das Gefühl, die politisierten Geschlechterkämpfe gehören für viele Schüler in eine andere Welt. Ein Beispiel: Ich hab gerade mitbekommen, wie ein paar Schülerinnen einem Schüler erklärten, dass ein älterer Junge sich mit einer jüngeren Freundin möglicherweise strafbar mache, umgekehrt eine ältere Freundin aber nicht. Das stimmt übrigens nach dem Gesetzestext nicht bzw. nicht mehr(§182 StGB), auch wenn es vermutlich oft noch so ausgelegt wird. Wichtig in diesem Zusammenhang ist mir nur, dass ein diffuses Gefühl der Bevorzugung von Mädchen durchaus verbreitet, wenn auch nicht alltägliches Thema ist – und dass die Schüler über die Geschlechterkonflikte der Erwachsenenwelt sprachen, als seien es Regelungen aus einem fremden, seltsamen Land.

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  20. PS. Vielen Dank übrigens für Deine Analyse der #aufschrei-Kampagne, die finde ich sehr klar und erhellend!
    http://maninthmiddle.blogspot.de/p/aufschrei.html

    Ich hatte mich damals auch durch eine ganze Menge Tweets gelesen und ebenfalls den Eindruck, dass Erzählungen von sexistischen Übergriffigkeiten, gleich welcher Art, deutlich in der Minderheit waren, zudem mit deutlich abnehmender Tendenz vertreten. Ich hätte den Eindruck aber niemals so gut mit Zahlen untermauern können – und die Zahlen, die Du vorlegst, übertreffen ohnehin diesen Eindruck auch noch. Es ist in deinem Text z.B. eine ganz sachliche Aussage, aber zugleich regelrecht satirisch, wenn Du lapidar feststellst, dass die Gruppe der Tweets über körperliche Belästigungen von Frauen (ebenso wie die von belästigten Männern) so klein ist, dass deren Zahl nicht seriös auf eine größere Gruppe hochgerechnet werden kann.

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