Naturliebe und Männerhass – Julian Pölslers "Die Wand"

Es ist gut, dass Julian Roman Pölslers Verfilmung von Marlen Haushofers 1963 erschienenen Kultroman „Die Wand“, die im Oktober des vergangenen Jahres in die Kinos kam, nun auf DVD erhältlich ist: Ich habe mir den Film so zu Hause anschauen können, bin ungefähr fünf Mal dabei eingeschlafen und hätte im Kino also möglicherweise nur 20 Minuten des Filmes gesehen. Nun jedoch konnte ich jeweils wieder bei der letzten Stelle starten, an die ich mich noch erinnerte. Als ich wieder wach war, fiel mir zudem auf,  dass der Film auch als eine politische Metapher verstanden werden kann, die gerade im Hinblick auf Männer- und Jungenrechte sehr interessant ist.
Die Geschichte, soweit es im Film eine gibt, ist schnell erzählt: Eine Frau (Martina Gedeck) fährt mit einem befreundeten Paar auf deren Berghütte, und als die Freunde Richtung Tal in ein kleines Dorf gehen, bleibt sie mit dem Hund zurück. Am nächsten Morgen sind die Freunde noch immer nicht wieder da – sie sucht sie und stößt auf dem Weg ins Dorf an eine unsichtbare Wand, die ihr kein Durchkommen erlaubt. Diese Wand umschließt sie offenbar auf allen Seiten, und sie ist allein mit den Tieren in ihrer abgesonderten Bergwelt. In der Welt draußen hat sich währenddessen ein großes Unglück ereignet: Das Radio empfängt keine Musik mehr, niemand – auch keiner der Freunde – sucht nach der Frau, und ein älteres Paar auf einem nahen, aber auf der anderen Seite der Wand gelegenen Hof wirkt wie versteinert.
Offenkundig hält die Wand die Frau also nicht nur gefangen, sondern schützt sie auch vor den Folgen einer Katastrophe. Im Innern des von der Wand begrenzten Bereichs behauptet sich die Frau, ernährt sich durch verbleibende Vorräte, durch Pflanzen und durch die Jagd, und vor allem sorgt sie für Tiere: für den Hund Luchs, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis entwickelt, die trächtige Kuh Bella (die bald einen jungen Stier zur Welt bringt), für Katzen. Auf einer Alm merkt sie, dass sie zu einer Einheit mit der ihr umgebenden Natur findet, in der ihr das, was ihr zuvor wichtig schien – insbesondere der Wunsch, sich von anderen zu unterscheiden – bedeutungslos vorkommt.
In die einsame Idylle aber bricht nach einigen Jahren jemand ein: Ein Mann tötet den jungen Stier mit einer Axt, und als die Frau ein Gewehr holt, tötet er auch den Hund Luchs, der ihn angreift. Die Frau erschießt den Mann, begräbt Luchs tief erschüttert und rollt die Leiche des Mannes einen Abhang herab.

Gutes Töten, böses Töten Es ist bezeichnend für das Buch wie den Film, dass die Absurdität dieses Gewaltakts dort überhaupt nicht deutlich wird. Immerhin tötet die Frau wortlos den ersten lebenden Menschen, den sie seit Jahren gesehen hat, und möglicherweise auch den einzigen lebenden Menschen, den es außer ihr überhaupt noch gibt – der Fokus ihrer Wahrnehmung und auch der Wahrnehmung von Film und Roman liegt jedoch allein auf dem traurigen Ende des Hundes, den sie ehrerbietig begräbt, während sie den Mann achtlos an einem Abhang entsorgt.

Im Film wird die De-Personalisierung des Mannes noch durch die Bildsprache unterstützt: Er ist niemals ganz zu sehen, nur kurz ist sein durch einen dicken Bart ohnehin verdecktes Gesicht im Bild, nur Körperteile geraten in den Blick der Kamera (insbesondere der zum Schlag erhobene Axtarm), und nachdem die Frau ihn erschossen hat, liegt er auf dem Bauch, und sie schaut ihm nicht einmal ins Gesicht, sondern überprüft nur kurz mit der Spitze ihres Gewehrs, ob er noch lebt.

Schon vorher hatte die Frau in einer Szene überlegt, wie es möglich sei, dass Menschen Freude am Töten empfinden würden. Zwar müsse sie Tiere schießen, um zu überleben, aber sie würde es aus Notwendigkeit tun, nicht mit Freude, und sie würde sich niemals daran gewöhnen. Nun überlegt sie wieder, was den Mann nur dazu getrieben haben könne, die Tiere umzubringen. Natürlich hätte sie ihn das selbst fragen können, wenn sie ihn nicht erschossen hätte – aber um eine Antwort geht es hier gar nicht (zudem die Antwort ja naheliegend ist: Er hat den Stier offenkundig getötet, um ihn essen zu können, und den Hund, weil der ihn angegriffen hat).
Wichtig ist hier wohl nur, auf die tiefe Spaltung hinzuweisen zwischen der Frau, die das Töten eigentlich verabscheut – und dem Mann, der in ihren Augen einen Drang zum Töten hat. Dass sie es ist, die ihn tötet, und nicht umgekehrt, und dass sie dies ohne Vorwarnung mit einer weit überlegenen Distanzwaffe tut – das mag für den Mann recht entscheidend sein, spielt aber für die Geschichte keine Rolle. Gerade die Darstellung des Films „als weibliche Robinsonade“ (wie in der taz) macht so deutlich, dass selbst das rassistische, christlich grundierte Überlegenheitsgefühl Robinsons gegenüber dem „Wilden“ Freitag verglichen mit dem wortlosen Tötungswunsch von Haushofers/Pölslers Frau recht harmlos wirkt.
Am Ende ist das Gerede Der Vergleich mit einer anderen modernen Robinsonade ist noch augenfälliger, nämlich der mit Sean Penns 2007 uraufgeführten Film „Into the Wild“. Auch dieser Film ist eine Buchverfilmung (von Jon Krakauers gleichnamigen Roman), auch dieser Film wird von dem Motiv der radikalen Absonderung von der menschlichen Gesellschaft getragen. Der Held in Penns Film, Christopher McCandless, zerstört kurz nach seinem Universitätsabschluss seine Kreditkarten, verschenkt sein Vermögen an Oxfam und macht sich in seinem alten Auto auf den Weg durch das Land, die USA. Sein Wunsch der Absonderung von der menschlichen Gesellschaft, nach einem einsamen Leben in der Natur, wird immer radikaler, er geht schließlich allein in die Wildnis Alaskas.
Neben den Gemeinsamkeiten mit „Die Wand“ – der Natursehnsucht, der Einsamkeit in der Absonderung von den Menschen, aber auch den anti-sozialen Ressentiments – werden eben auch die Unterschiede deutlich: Bei Krakauer/Penn verlässt der Protagonist aus eigenem Willen die menschliche Gesellschaft, bei Haushofer/Pölsler ist eine mysteriöse äußere Macht dafür verantwortlich. Penns Held entwickelt sich und will schließlich zurück in die Zivilisation, während die Natur nicht nur grandios und herrlich, sondern auch  feindselig und unbarmherzig ist – in „Die Wand“ hingegen richtet sich die Heldin überraschend schnell im Leben hinter der Wand ein, die Natur erscheint idyllisch, der einzige andere Mensch in der zweiten Hälfte des Films hingegen als Bedrohung. Da Penns Film eine männliche Hauptfigur hat, lassen sich dort anti-soziale Impulse ohnehin nicht so gut mit Geschlechterressentiments verknüpfen wie in Haushofers Roman und Pölslers Film – die technisch geprägte Zivilisation als männlich zu beschreiben, greift auf wesentlich stabilere Klischees zurück, als ihre Beschreibung als „weiblich“ es tun könnte.
Dabei wird niemals klar, was es mit der Wand eigentlich auf sich hat. Einige Passagen legen es nahe, sie als Metapher für eine psychische Erkrankung anzusehen. An einer Stelle etwa erzählt die Frau als Erzählerin aus dem Off:
„Plötzlich schien es mir ganz unmöglich, diesen strahlenden Maitag zu überleben. Gleichzeitig wusste ich, dass ich ihn überleben musste und dass es für mich keinen Fluchtweg gab. Ich musste mich ganz still verhalten und ihn einfach überstehen. Es war ja nicht der erste Tag in meinem Leben, den ich auf diese Weise überleben musste.“
Im Roman verknüpft die Erzählerin die Einsamkeit expliziter als im Film mit Auskünften über ihre Person.
„Nein, es ist schon besser, wenn ich allein bin. Es wäre auch nicht gut für mich, mit einem schwächeren Partner zusammen zu sein, ich würde einen Schatten aus ihm machen und ihn zu Tode versorgen.“ (S. 60f.)
In einer Versorgerposition ist sie im Folgenden beständig – in der Sorge um ihre Tiere. Die Abkehr von Menschen und die Zuwendung zu Tieren, die schließlich im irritierenden Kontrast zwischen dem Begräbnis des toten Hundes und dem Wegwerfen des getöteten Mannes kulminiert, werden vom Film wie vom Roman als Nähe zum Natürlichen verkauft – tatsächlich lässt sich darin vor allem ein erheblicher Machtanspruch erkennen. Dieser Anspruch äußert sich in einer auffälligen ästhetischen Besonderheit.
Einige Rezensionen zu dem Film zeigen sich irritiert von der fast beständigen Begleitung der Bilder durch Erzählungen der Hauptfigur aus dem Off –  Andreas Kilb beschreibt in der FAZ „zwei Monologe (…), einen der Bilder und einen der Worte“ , und Birgit Glombitza nennt den Film in der taz gleich ebenso treffend eine „bebilderte Lesung“. Gerade für einen Film mit einem künstlerischen Anspruch ist es auffällig, dass er offenkundig so wenig auf seine aufwändig und erkennbar mühevoll hergestellten Bilder vertraut und statt dessen das Geschehen beständig durch die Hauptfigur selbst  erzählen lässt.
Der Sinn dieser Konstruktion wird aber deutlich angesichts der Tatsache, dass die Frau in der Einsamkeit innerhalb der Wand das einzige sprachmächtige Lebewesen ist – mit Ausnahme des Mannes, den sie aber ja kurz nach seinem ersten Auftritt auch schon getötet hat. Sie allein kann dem Geschehen Bedeutung verleihen, es benennen, Verknüpfungen herstellen – die Natur erscheint nur deshalb als so friedlich und rein, weil sie nicht widersprechen kann. Die sprachlose natürliche Welt, mit der die Frau scheinbar eines wird, ist zugleich ganz Objekt ihrer Interpretationen, zu denen es nirgendwo Alternativen gibt und geben kann, und so wird die scheinbar innige Einheit von ihr und den Tieren unterlegt von ihrer beständigen Deutung des Geschehens: Am Anfang war das Wort, aber am Ende ist das pausenlose Gerede.
Eva erschießt Adam, und alles ist gut Tatsächlich ist die ganze Anlage des Romans wie des Films endzeitlich, und sie als „reaktionär“ zu bezeichnen, wäre noch verharmlosend. Wer reaktionär ist, wünscht sich in vergangene Verhältnisse zurück, die aber damals immerhin noch eine Zukunft hatten – die Zurück-zur-Natur-Bewegung dieses Films aber löscht eine mögliche Zukunft regelrecht aus. Das Adam-und-Eva-Motiv, das mit der Ankunft des Mannes immerhin angedeutet wird, wird auch sofort wieder erstickt: Mit dem Verschwinden des Mannes verschwindet eben auch die Möglichkeit, dass die Menschen doch noch eine Zukunft haben könnten. Die Rückprojektion in die paradiesische Situation, die nach der biblischen Erzählung Anfang aller Menschheitsgeschichte ist, hat hier nur einen Sinn: Die bloße Möglichkeit einer solchen Geschichte ein für alle Male zu verhindern.
So erklärt sich vielleicht auch mein Schlafverlangen angesichts dieses Films. Er erzählt programmatisch keine Geschichte, von keiner Entwicklung, nicht von einer äußeren, aber anders als Sean Penns grandioser „Into the Wild“ auch nicht von einer inneren. Auch die Vorgeschichte des Mannes ist völlig irrelevant. Wenn er viele Monate mit der Frau gemeinsam hinter der Wand gelebt hat – wieso hat sie dann nie etwas von ihm bemerkt? Wenn er aber durch die Wand zu ihr gekommen ist – wer lebt dann noch außerhalb der Wand, und wo ist die Verbindung zwischen den Welten? Diese Fragen wären entscheidend, wenn es dem Film um eine Geschichte ginge – hier aber sind sie belanglos.
Ebenso desinteressiert hakt der Film die Entwicklung der Frau ab: Zu Beginn weint sie einmal, einmal hat sie einen Alptraum, der die Wand immer näher rücken lässt – und das war’s dann auch schon, dann hat sie sich mit dem Leben innerhalb der Wand arrangiert. Die offenkundig zerstörte Welt bleibt draußen, und sie richtet sich diesseits der Wand ein wie in einer riesigen Gebärmutter, die nichts mehr gebären wird.
Es ist im Rückblick interessant, dass aus einer solchen Konstruktion, die im Roman kaum anders ist als im Film, in den siebziger und achtziger Jahren ein „Kultbuch der Frauen- und der frühen Ökologiebewegung“ (FAZ) werden konnte. Dass die politische Haltung, die sich hier zeigt, überhaupt einmal als „progressiv“ eingeschätzt werden konnte, ist nur angesichts einer besonderen Gemengelage zu erklären. Entscheidende Bedingungen dafür waren wohl die Nutzung der Atomenergie und die damit verbundenen Katastrophenszenarien, die von der Anti-AKW-Bewegung – gegen die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung – und der Friedensbewegung – gegen ihre militärische Nutzung – entworfen wurden. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich die radikale, ressentimentgeladene Abkehr von der menschlichen Welt als etwas Positives, Zukunftsträchtiges darstellen.
Im Film wie im Buch ist diese Abkehr begleitet von einer tief männerfeindlichen Position: Der Mann erscheint als der zwanghaft agierende Zerstörer der Natur, als Vernichter des Lebens, dessen Tötung und Entsorgung moralisch völlig unbedenklich ist – und emotional wesentlich weniger bedeutsam als der Tod eines Hundes. Dass der Film diese Position des Romans nicht etwa bloßstellt oder zumindest in Frage stellt, sondern gehorsam reproduziert, macht ihn trotz der schauspielerischen Leistung Gedecks zu einem politisch wie ästhetisch äußerst fragwürdigen Werk.
Gerade für Männer aber ist der Film damit interessant. Die Verknüpfung von Öko- und Frauenbewegung ist schließlich eine der wesentlichen Grundlagen der grünen Partei und hat auch die SPD erheblich beeinflusst. Es ist bekanntlich ein bleibendes Problem, dass ausgerechnet die sich als „progressiv“ verstehenden Parteien Männer- und Jungenrechte für belanglos halten und ihre Vertretung sogar massiv diskreditieren. Pölslers Film macht, wohl ganz gegen seine Absicht, die Haltung deutlicher, die hinter dieser Abwehr steht: eine abgeschottete Selbstbezogenheit, die sich als Naturliebe missversteht, die mit schablonenhaften Geschlechterklischees arbeitet und die alles radikal diskreditiert, was als Gefahr für die imaginierte Einheit der eigenen Person mit der Natur wahrgenommen wird.
Anders formuliert: Die Wand im Roman und im Film ist möglicherweise eben die Wand, an der sich von der anderen Seite aus Männerrechtler die Nase blutig laufen, wenn sie mit Vertretern „linker“ Parteien ins Gespräch zu kommen versuchen.

Text, soweit nicht anders verlinkt:
Marlen Haushofer: Die Wand, München 1996

DVD: Die Wand, Arthaus 2013

  1. Ich verstand den Roman, von dem ich vor 30 Jahren mal grad ein Drittel las, ehe ich ihn für immer weglegte, und später den Film, der mich ebenfalls langweilte, als die Schilderung einer Depression. Ein Frauenthema konnte ich darin nicht entdecken, mit Ausnahme des Mordes an dem Mann. Die rüde Beseitigung, dem Hund ein Grab, dem Mann die Geier, empfand ich als „politisch korrekte“ Kriecherei des Regisseurs an sein weibliches Publikum – denn der Film wurde offensichtlich für ein solches Publikum gedreht. Nebenbei deutete ich als Stereotyp den Umgang der Frau mit der verbliebenen Technik, nämlich mit welcher Achtlosigkeit sie das Auto zu Schrott fuhr.

    Die depressive auch depravative Situation der Frau wurde auch von anderen Lesern mit denen ich über die Zeit sprach empfunden. Eine misanthropische Note pflegen Roman und Film auch mit der Beschreibung der übertriebenen Tierliebe der Frau. Dieser Habitus wiederholt sich ja auch realiter bei den Tierschützern, die vermeintliche Tierquäler in ihrer Phantasie bestialisch meucheln.

    Der Roman wurde in den späten 70er und Anfang der 80er auch als radikale Utopie für eine alternative Lebensweise sprich Versöhnung mit der Natur verstanden. Er war also zu Beginn der grünen Aufbruchbewegung noch nicht so antiquiert, um nicht als hellsichtige Wahrnehmung Haushofers wiederentdeckt zu werden.

    Rein von der Sprache her ist der Roman beachtenswerter Wohlklang. Das findet sich auch im Film wieder, wirkt dort aber eher ermüdend.

    Was mir am Film neben dem Mord und der stereotypen Darstellung des Mannes als Zerstörer missfiel, war, dass an der Wand keine Vögel mit Genickbruch lagen, wie vor den Glasfassaden der Hochhäuser in der Stadt. Auch dass das Wasser ungehindert durch die Wand floss machte mich stutzig, ich hätte dann an dieser Stelle sofort das Graben begonnen. Ebenso dass das Bauernpaar vor der Wand über Tage so standhaft war, war für mich nachdenkenswert. Ebenfalls irritierte mich die Wettersituation innerhalb der Wand. Das alles sind Dinge, die im Buch unerheblich waren, im Film aber deutlich als Plotschwäche erscheinen.

    Servus M. M.

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  2. „Die Wand im Roman und im Film ist möglicherweise eben die Wand, an der sich von der anderen Seite aus Männerrechtler die Nase blutig laufen, wenn sie mit Vertretern „linker“ Parteien ins Gespräch zu kommen versuchen.“

    Niemand muss in diese Wahnwelten eintreten. Lassen wir sie einfach dort verrotten. Die Welt ist draussen.

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  3. @ Matthias Mala „Die Wand“ als Schilderung einer Depression zu interpretieren, finde ich sehr stimmig. Ich hatte gedacht, dass möglicherweise „Die Glasglocke“ („The Bell Jar“) von Sylvia Plath ein Vorbild für den Roman war – aber ich hatte nachgeschaut, beide Bücher sind 1963 erschienen und sicher jeweils Resultate längerer Arbeit. Bei Plath ist die Glasglocke ja explizit ein Bild für die Depression.

    Wichtig ist dann aber, dass „Die Wand“ eigentlich kaum eine Auseinandersetzung mit einer Depression ist, sondern eine Schilderung des Einrichtens in ihr, in der die Krankheit schließlich deutlich positive Züge bekommt. Es äußern sich am Ende eher massive Aggressionen, nämlich gegen jemanden, der durch die Wand zur Frau durchdringen kann. In dieser Verschiebung – nicht mehr die Krankheit als etwas Schlimmes zu präsentieren, sondern den Mann, der trotz der Krankheit der Frau nahe kommen kann – haben Text und Film in meinen Augen dann eine sehr deutliche männerfeindliche Tendenz.

    Die Plotschwächen sind tatsächlich augenfällig – im Buch kann man das ganze Geschehen noch als Metapher für ein inneres Erleben interpretieren, im Film ist es nun einmal zweifelsfrei ein äußeres Geschehen. Für mich waren die Plotschwächen ein deutlicher Hinweis darauf, dass es dem Film überhaupt nicht um eine auch nur einigermaßen plausible Geschichte geht.

    Servus!

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  4. @ Oliver K. Finde ich eine gute Haltung. Der Grund, mit den „linken“ Parteien ins Gespräch kommen zu wollen, ist ja auch kaum noch die Hoffnung, dass dort etwa eine linke, jedenfalls menschenfreundliche Politik gemacht würde, an die man Anschluss finden könnte. Der Grund ist eher, dass sie Einfluss haben und diesen Einfluss bislang auf eine destruktive Weise (nicht nur in den berüchtigten Gesterkamp-Rosenbrock-Publikationen) nutzen.

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  5. Ich halte das Buch für eines der großartigsten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe (, muss aber gestehen, dass ich den Film nicht kenne.). Vielleicht ist es wichtig, es im Kontext der Zeit zu lesen, der es entstammt. In den späten 1950er Jahren war die Rolle der Frau bekanntermaßen sehr verschieden von heutigen Zuständen. Karriere zu machen war schwierig und vielleicht sogar ein bisschen unschicklich, die Erziehung der Kinder allein, füllte eine kluge und gebildete Frau wie Haushofer aber eben nicht aus, die materielle und auch emotionale Abhängigkeit von ihrem Mann, war für Haushofer schwer auszuhalten.

    An vielen Stellen im Buch beschreibt sie ja auch, wie sie nur auf sich selbst gestellt neue Dinge lernen muss – die Geburt eines Kalbes beispielsweise oder das schlagen von Holz. Eine solche Geschichte mit einem weiblichen lyrischen Ich zu konzentrieren, lag gerade in dieser Zeit, zumal für eine weibliche Autorin, sehr nahe.

    Haushofer spricht im Roman selbst wenig von Männern und wenn, dann beileibe nicht durchweg negativ. Den Mann des Paares, mit dem sie reiste findet sie sogar sehr imponierend. Ihren Töchtern hingegen steht sie sehr kritisch gegenüber.

    Den Mann, der am Ende des Buches in ihre Welt eindringt, habe ich daher als Sinnbild für „den anderen Menschen“ gelesen, der ihr nimmt, was ihr lieb war. Zwei der Lebewesen nämlich, mit denen sie ihr einsames Leben teilte. Dementsprechend leuchtet mir die wortlose Rache ein.

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  6. Als ich das Buch las, fragte ich mich auch immer wieder, warum die Protagonistin sich in der „Zone“ einrichtet. Diverse Zeichen deuten ja darauf hin, dass die Wand überwunden werden kann – Wasser, Wetter, Vögel. Die Protagonistin erschien mir schwach, phlegmatisch, defätistisch. Jetzt erfahre ich, das Buch war ein Klassiker der Frauenbewegung. Es ist schon seltsam, wie lange die Frauenbewegung bereits dieses unglaublich reaktionäre Frauenbild als progressiv verkauft, nach der die Frau passives Objekt ist, an dem Dinge passieren.

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  7. CDU/CSU, PDF, SPD, Gruene sind hoffnungslos korrumpiert, und die Piraten aufgefressen von ihren eigenen Monstern. Aber Die Linke ist zumindest auf Bundesebene eine anstaendige Partei, in der Tat die einzig staatstragende Partei noch (alle anderen Partei sind auf Staatszerstoerung aus). Was Lafontaine, Wagenknecht und Gysi sagen, ist im allgemeinen das einzig Anstaendige, was man in politischen Debatten hoert. Bzgl. Gender, Feminismus halten die sich wohl raus aus den Debatten. Das reicht natuerlich nicht, und ich halte das Krebsgeschwuer des Feminismus-artigen Denkens fuer eine der zentralen Ursachen, warum wir heute anscheinend „keine Alternativen“ mehr haben. Aber auf der anderen Seite sollte man doch den Tunnelblick vermeiden, alles auf die Mann-Frau-Krise zu beziehen. Man muss sich die Wahrheiten zusammenklauben heutzutage aus allen moeglichen Ecken.

    Habe gerade mal was zu Wagenknecht und Feminismus gesucht: es gibt wohl nicht vieles, nur hier: http://www.zeit.de/2011/30/Wagenknecht-Interview/seite-3
    Scheint mir typisch: ist kein grosses Thema, wird aber auch nicht reflektiert, und der allgemeine Unsinn wird nachgeplappert.

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  8. Das Gewehr ist wohl der Verraeter, das einzig verbleibende Zeichen dafuer, dass keine „Robinsonade“ und Natuerschoenheit vorliegt, sondern eine Art Garten, der durch (Maenner-)Arbeit errichtet worden ist. Das Eindringen des Mannes ist dann die Wiederkehr des Verdraengten.

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  9. Ich warte inzwischen auf die ersten separatistischen Zielsetzungen. Kein Arbeiter- und Bauernstaat, sondern ein feministischer Frauenstaat FDR. Allein den Damen beim Mauerbau zuzusehen, könnte für die zeitgeistige Misandrie der letzten Jahrzehnte entschädigen.

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  10. @ Kopfkompass Ich hab das Buch vor Jahren gelesen (weil eine Freundin von mir davon so begeistert war) und hatte es in ganz kurzer Zeit durch, weil mir – wie Matthias Mala das oben ja auch ganz ähnlich geschrieben hat – die Sprache gut gefiel, aber auch, weil ich gespannt war, was es denn nun eigentlich mit der Wand auf sich hat, ob die Frau noch einmal herauskommt etc.

    Diese Spannung war für mich beim Film natürlich verschwunden, weil ich ja wusste, dass es Antworten auf Fragen wie diese für die Geschichte ganz belanglos waren.

    Allerdings hatte ich dann im Nachhinein ein Unbehagen bei dem Text, das beim Überlegen eher noch größer wurde. Ich finde es völlig plausibel, wenn Du auf die Situation der bürgerlichen Ehefrau in den 50er Jahren hinsweist – aber es fehlt dabei eben ganz die Perspektive des Mannes, dessen Leben dann unwillkürlich als weitgehend unproblematisch erscheint. Das kann ja durchaus auch einmal sein – es kann ja eben darum gehen, sich auf die weibliche Perspektive zu konzentrieren. Nur ist in der Wand-Konstruktion die männliche Perspektive eben grundsäzlich ausgeschlossen, sie könnte kaum nachgeliefert werden. Wenn doch einmal ein Mann hereinkomt, erscheint er gleich als ein destruktiver Eindringling, gegen den sie sich wehren muss. Das eben ist der Aspekt, der in meinen Augen sehr problematisch ist und der das Buch zu einem Kultbuch für Frauenbewegte hat werden lassen.

    Du hast auch Recht – bevor die Wand die Frau einschließt, kommt auch im Film der befreundete Mann Hugo nicht schlecht weg. Er trägt sogar durch die Vorräte, die er angelegt hat, zu Versorgung der Frau bei (so dass Oliver K. im Kommentar unten schon Recht hat, wenn er die Berghütte und Umgebung beschreibt als „eine Art Garten, der durch (Maenner-)Arbeit errichtet worden ist“).

    Verglichen damit ist der Auftritt des wilden Mannes am Ende allerdings deutlich dramatischer und einprägsamer. Gerade die Tatsache, dass mir beim Lesen seine Erschießung auch durchaus einleuchtete, fand ich später einen sehr heiklen Aspekt des Textes – weil es eben einleuchtet nur unter der Bedingung, dass seine Perspektive ausgeblendet bleibt.

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  11. Du glaubst doch wohl nicht, dass die Damen sich ihre Mauer selber bauen würden…sowas wird deligiert, da finden sich bestimmt ein paar hilfreiche Männer, die den antimaskulistischen Schutzwall galant errichten. 😉

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  12. @ Haselnuss „Als ich das Buch las, fragte ich mich auch immer wieder, warum die Protagonistin sich in der „Zone“ einrichtet.“ Ja, eben über den Punkt bin ich auch gestolpert. Es ist eigentlich nicht einmal so, dass sie schließlich alle Versuche zu entkommen aufgibt, weil ihre Aussichtslosigkeit deutlich geworden wäre, o.ä. Eher wirkt es so, als ob sie es begrüßen würde, dass die Wand sie vom Rest des Lebens fernhält. Tatsächlich ein passives Einrichten in der Begrenzung, das für Feministinnen wohl deshalb interessant war, weil Männer aus eben diesen Grenzen draußen bleiben mussten.

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  13. @ Oliver K. Ich kann mich an eine Debatte im Bundestag zum Sorgerecht erinnern, in der ein PDS-Abgeordneter eine in meinen Augen wirklich gute Rede hielt, der aber dann kurz darauf von einer anderen Abgeordneten seiner Fraktion widersprochen wurde (ich hab den Link jetzt auf die Schnelle nicht gefunden). Tatsächlich war der Vorschlag der PDS zur Neuregelung aber durchaus sinnvoll: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/094/1709402.pdf

    Allerdings betrachtet sich die PDS eben auch als feministsiche Partei. Aus einem Aufsatz dazu: „Ein linkes Selbstverständnis wird nicht zukunftsfähig sein können, solange die Vorstellung von einer sozial gerechten, ökologisch verträglichen, friedlichen und demokratischen Einen – Welt, die ohne jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung auskommt, nicht mit Patriarchatskritik, Feminismus also, endlich dauerhaft verknüpft wird.“ http://www.christian-schenk.net/politik/gender-mainstreaming/CNTRVRS_u1.pdf (dort auf S. 7. Christian Schenk ist als transsexueller Mann, geboren als Christina, sicherlich in einer besonderen Position – ich glaube aber, dass seine hier formulierte Haltung in der PDS absolut mehrheitsfähig ist).

    Ich habe den Endruck, dass es überhaupt keine Partei gibt, aif die Männerrechtler setzen könnten.

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  14. „(…), das für Feministinnen wohl deshalb interessant war, weil Männer aus eben diesen Grenzen draußen bleiben mussten.“
    Ok, jetzt sind wir bei der Interpretation. Da kann man verschiedener Meinung sein.
    Ich bin anderer Meinung, weil:
    – stark impliziert wird, dass alle Personen der Außenwelt tot sind (ja, ich weiß, der Mann; wenn er allerdings von außen kam, dann belegt er ein Scheitern der Zone als mannfreien Rückzugsraum [„safe“ space]),
    – ein Rückzugraum nicht verhindert, dass man sich aus ihm herausbewegt – man kann ja wieder zurück, wenn es gefährlich wird.

    Ich würde eher sagen, dass die romantischen Feministinnen mit der Protagonistin sympathisieren, weil sie einem Manne gleich ist (Holz hacken, Wege anlegen!). Die unglaubliche Passivität aber nicht sehen. Das gibt es ja heute auch noch zur Genüge.

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  15. Ich fand bisher alle Deine Artikel hilfreich und beeindruckend. Auch hier ist es interessant wie Du auf ziemlich extrem männerfeindliches hinweist und belegst, was mir so auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen wäre.

    Und ich bin mir ganz sicher, daß angesichts von Mikrofongate und Brüderle, von Schrupp und Stefanowitsch sehr viele diesen Männerhaß begrüßen und unterstützen.

    Andererseits, ich will diese Haltung nicht spiegeln, diese ständige Betonung auf Geschlecht, auf Hass und Macht. Man kann diesen Film/Roman so sehen wie Du ihn deutest. Und es kann auch sicherlich wichtig sein, in einer Diskussion über dieses Stück auf die perfide Männerfeindlichkeit hinzuweisen. Aber man muß es nicht. Ich sehe diesen Film vor allen Dingen als depressiv, beklemmend und vor allem: langweilig. Danke für die Warnung.

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  16. Das, oder wenn Mann nicht spurt, wird er an die Wand gestellt.

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  17. Ich beführworte das seit Jahren: so wie Männer zur Armee müssen, müssen Frauen in einem Staat und einer Gesellschaft, die nur aus Frauen besteht, leben.

    Und dann einfach mal abwarten, was passiert…. 😉

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  18. Ein paar allgemeine Ideen, die hier so reinpassen:

    1. Wie's oben schon anklingt, ist Quote Teilhabe an Herrschaft, nicht Teilhabe an Arbeit. Die Arbeiter selbst sind nicht „galant“, sondern nur jene, die selbst Teil der Herrschaft sind — oder besser, sein wollen! Wenn die Mauer also gebaut werden muesste, dann von der Arbeiterschaft (Maenner).

    2. Quote ist nicht unnatuerlich von Seiten der Frauen: Wenn sie Teilhabe an Herrschaft bekommen koennen qua angeborener Eigenschaft (Frauen als Idole; Quotenfrauen als Form von Priesterschaft), dann werden sie dies machen (vielleicht, ebenso wie bei den galanten Herren: die emotionale Teilhabe an der Herrschaft zaehlt!).

    Wird fortgesetzt.

    Antwort

  19. 3. Die entscheidende Frage scheint mir, warum die Gesellschaft (in den „westlichen Laendern“) dies mitmacht: Weil der Kapitalismus seine Endphase erreicht hat, in der er von der Produktion zur Reproduktion wechselt. Davor ging es gewissermassen bergauf (bis zirka Ende der 60er, Anfang der 70er), nun in der Endphase aber, wo Ideologie zur bloss falschen Ideologie wird, faellt dieser auessere Antrieb (der Fortschritt bedeutete) weg, und es entsteht die unendliche Ebene der degenerierten Ideen, wie wir sie heute beobachten. Wesentlich, dass nichts produziert wird, sondern alles einfach „da“ ist. Wenn Technik heute referenziert wird, dann als App, den man sich runterlaedt. Und wo Technik voellig unterdrueckt wird, ist es dann eben Magie.
    Darum ist es also „schluessig“, dass die Wand einfach da ist, *nicht* gebaut wird.

    4. Ich glaube, dass zumindest von der Seite der Theoretiker (ohne jenes Heraufbeschwoeren des Zeitalters der Frauen, einer der fruehesten war wohl Benjamin, und dann die Hauptbewegung in den 60er'n mit Derrida, Focault, Deleuze, …, gaebe es nicht diesen geistig-hegemonialen Feminismus, der auf den Schultern dieser Giganten steht) da nicht „Galanterie“ im Spiele ist, sondern dass, wenn diese Maenner von unterdrueckten Frauen sprechen, sie hauptsaechlich sich selbst meinen. Projektion der eigenen Empfindlichkeit, Hoeherwertigkeit. Wesentlicher Teil der Mann-Werdung ist ja, sich als essentiell unvollstaendig zu erleben, im Begehren immer um die Frau zu kreisen, und mit jener inneren Integration der „Frau“ loest man in gewisser Form das Problem.

    Mir scheint diese (falsche) Projektion des „inneren Frauseins“ wichtiger zu sein als Galanterie (die aber natuerlich da ist — der Mann ist „naturgegeben fair“ (verschwindet im Allgemeinen), die Frau „naturgegeben unfair“ (verkoerpert das Besondere)).

    In diesem Film hat „die Frau“ ja einige maennliche Zuege (asexuell), was wohl solche Projektionen erleichtert.

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  20. @ Oliver K. Es stimmt – es ist regelrecht unheimlich, wie selbstverständlich es um Teilhabe an Herrschaft, nicht an Arbeit geht (natürlich ist das nachvollziehbar, als ganz normaler Egoismus – es ist aber überraschend, wie unbekümert diese Position auch offen verkauft werden kann).

    Plausibel finde ich auch die Idee, dass Männer sich gewissrmaßen selbst in den Frauen spiegeln, für die sie eintreten. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema „Arbeit“ leuchtet das ein – zu Grunde liegt dieser Identifikation dann möglicherweise eben das klassische bürgerliche Geschlechtermodell, nach dem der Mann eingebunden in alle möglichen Zwänge des Arbeitsmarktes ist (was in der Frankfurter Schule dann als „Verdinglichung“ bezeichnet wurde, als Verwandlung des Menschen in eine Ware), er sich die Frau aber zugleich als „rein“ phantasieren kann, weil sie gleichsam in einem geschützten Bereich lebt, in dem sie irgendwie menschlicher bleiben könne, als er es kann.

    Auch das würde dann wieder dafür sprechen, dass viele feministsiche Poaitionen auf längst überlebten, dysfunktionalen Geschlechtermodellen aufbauen.

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  21. Danke für den Kommentar!

    Es stimmt, die Konzentration auf das Geschlechterverhältnis nimmt nur einen Aspekt wahr – auch beim Film „Die Wand“ gäbe es noch ganz andere Ansätze, den Film zu interpretieren (zum Beispiel die Frage, wie psychische Befindlichkeiten als äußere Handlung dargestellt werden – oder das Verhältnis eines einzelnen, auf sich gestellten Menschen zur Natur – oder das Verhältnis des Textes von Haushofer bzw. des Films zu literarischen Vorbildern, besonders der Robinson-Geschichte, etc.).

    Und es stimmt auch, dass es das Geschlechterverhältnis wiederum verkürzt, wenn es allein unter dem Aspekt der Macht, des Hasses oder der Gewalt interpretiert wird. Eben das ist etwas, was mich z.B. an vielen Positionen der „Gender-Forschung“ sehr stört.

    Für mich sind diese Aspekte allerdings wichtig, auch aus persönlichen Gründen. Um sie besser zu verstehen, konzentriere ich mich auf sie, auch wenn ich dafür anderes für eine Weile ausblende. Aber eigentlich könnte bei allen Texten auch ein Disclaimer stehen: „Dies beschäftigt sich nur mit einem Teil der Wirklichkeit. Nicht alles lässt sich sinnvoll über Geschlechterverhältnisse interpretieren, und Geschlechterverhltnisse lassen sich nicht rundweg sinnvoll über die Frage von Macht oder Hass verstehen.“

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  22. Krieg im Frieden…

    „Wer braucht Feminismus?“ heißt eine soeben gestartete Kampagne, deren Ziel es ist, einen Beitrag zum Imagewandel von Feminismus zu leisten. Die Heinrich Böll Stiftung unterstützt dabei nach Kräften.

    In der Tat ähnelt diese bunt bebilderte Marketingaktion jenen, mit der für gewöhnlich Werbeagenturen zweifelhafte Produkte anpreisen. Es wird einem „Mach mit – sag uns, wie dir Feminismus schmeckt“ zugerufen. Und wenn man dann jedoch wahrheitsgemäß via fracebook mitteilt, außen steht was von „ganzen Nüssen und Feigen“ – wenn auch nicht biologisch – drin ist aber nur konstruierter Pflaumenmus, dann gelangt diese Mitteilung nicht an die Öffentlichkeit. Sie wird gelöscht und dein Account für weitere Posts gesperrt.

    So wird er kommen, der Imagewandel des Feminismus. Ganz gewiss.

    http://werbrauchtfeminismus.de/

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  23. Danke für den Link! Tatsächlich geht es bei dieser Kampagne wohl weniger darum, irgendjemandem, der nicht überzeugt ist, die Vorteile des Feminismus nahezubringen. Statt dessen bietet die Seite, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine endlose Reproduktion von Klischees zur Überzeugung der Überzeugten.

    Die Beteiligten brauchen Feminismus…

    „solange weltweit jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt erlebt“ (weil Männer ja bekanntlich keine Gewalt erleben, bzw. weil es ganz okay ist, wenn Männer Gewalt erfahren, und weil die Rede von „jeder dritten Frau“ ja auch niemals als Propaganda entlarvt worden ist)

    „weil Machos und männliche Arroganz nicht nur in der Politik nervig sind“ (sagt Sahra Wagenknecht, weil weibliche Arroganz ja bekanntlich im Unterschied zur männlichen eine erquickliche Wohltat ist)

    „weil nur eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleichgestellt sind, eine moderne Gesellschaft ist.“ (sagt Andrea Nahles, weil sie ja partout nicht auf die Idee kommen kann, dass Gleichberechtigung und Gleichstellung sich widersprechen könnten. Wer schließlich allen Menschen gleiche, freiheitliche Rechte gibt, wird erleben, dass sie aus diesen Rechten ganz Unterschiedliches machen – wer das verhindern und sie „gleichstellen“ will, muss entweder Gleichberechtigung oder Freiheitsrechte einschränken. „Ich brauche Feminismus, weil ich gegen Freiheit und Gleichberechtigung bin.“ Danke, Andrea.)

    „weil Mannsein mehr ist als Karriere, Herrschaft und Macht.“ (Danke, Sven Lehmann, Vorsitzender der Grünen NRW – ohne den Feminismus wäre sicher nie ein Mann auf diese ungeheuerliche Idee gekommen; und Feministinnen andererseits würden ja bekanntlich nie auf die Idee kommen, Männlichkeit mit Macht oder Herrschaft zu verknüpfen)

    Ganz putzig: „Ich brauche Feminismus, weil uns Frauen Gleichstellung nicht einfach zufliegt wie ein warmer Windhauch.“ Das sagt Christine Lüders, Vorsitzende der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Sie macht in einem einzigen Satz klar, dass es ihr allein um Frauen geht – dass auch sie Gleichstellung favorisiert und Gleichberechtigung der Geschlechter ablehnt – und dass sie zu einer Ideologie steht, deren Protagonistinnen immer wieder mit antimännlicher Feindseligkeit bis hin zu offener Gewaltpropaganda arbeiten. Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass eine solche Frau ausgerechnet Vorsitzende der Antidiskriminerungsstelle wird. Aber ich bin trotz allem immer wieder überrascht, wie selbstverständlich solche Positionen offen vertreten werden können, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hat.

    In den USA gibt es die „I need feminism“-Kampagne ja schon länger, und auch Reaktionen von Männern darauf:

    http://www.avoiceformen.com/feminism/i-needed-feminism-because/

    http://www.avoiceformen.com/mens-rights/i-need-the-mens-rights-movement-because/

    Antwort

  24. … eine selten dämliche Kampagne. „Ich brauche MAOAM, weil alles andere ist Quatsch!“ Und irgendeine RTL-Betriebsnudel will nicht angesehen werden. Man, Frau, den Gefallen tue ich dir schon seit Jahren.
    Andere Frage: Wer bezahlt den Schwachsinn?

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  25. Hi,
    richtig, es ist nie klug, sich bei Interpretationen von „persönlichen Gründen“ die Sicht verstellen zu lassen: „Der Mann hat schließlich nur den Stier erschossen, weil er ihn essen wollte, und den Hund, weil der ihn (deshalb)angegriff“ …wie gemein! es gibt gutes (weibliches) und schlechtes (männliches)Töten.
    also BITTE! :-)))

    Bei diesem 1963 geschriebenem Text handelt es sich um eine modellhafte existenzielle Metapher. – Sie würden doch auch nicht Frieda, Olga und Amalia in Kafkas Schloss aus „persönlichen Gründen“ unter einer „Genderproblematik“ betrachten, oder?

    Antwort

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