Deserteure an der Wickelfront

Das Kind war ein Wunschkind, für beide Eltern, doch noch vor der Geburt zog der Vater sich zurück, trennte sich, kappte den Kontakt, und über Jahre hinweg schickte er seinem Kind – das nun allein bei der Mutter lebte – nicht einmal mehr eine Geburtstagskarte. Die Mutter wollte das nicht akzeptieren, fand den Umgang mit dem Vater im Sinne des Kindes wichtig, wandte sich an das Jugendamt, schließlich an ein Familiengericht und erhielt jeweils dieselbe Antwort: Wenn der Vater nicht kooperieren wolle, dann könne man nichts tun.

Ein Vater, der nach einer Scheidung den Kontakt mit den Kindern – um die er sich vorher gern gekümmert hatte – radikal abbrach; ein anderer, der sich nach der Scheidung nur selten und unverlässlich bei seinen Kindern meldete – und jeweils dieselbe Antwort von Ämtern an die Mütter, die um Hilfe baten: Sie könnten froh sein, andere Väter benähmen sich noch schlimmer.

Das sind einige Beispiele (noch mehr wären möglich), die ich selbst aus dem Bekannten- und Freundeskreis kenne – persönliche Eindrücke also, bei denen ich keinen Anspruch darauf erheben kann, dass sie repräsentativ sind. Gleichwohl gibt es eben viele dieser Geschichten, und dass viele Menschen von ganz ähnlichen Situationen berichten können, ist wohl eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass Väter in Deutschland gesetzlich noch immer erheblich benachteiligt sind.

Denn leicht lässt sich das Engagement für die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern vor diesem Hintergrund diskreditieren: Männer würden einerseits auf das Recht pochen, sich von ihren Kindern nach Lust und Laune zu distanzieren – aber dann andererseits, wenn sie die Lust aufs Vatersein entdeckten, unbedingt das gleiche Recht auf Kindessorge haben wollen wie die Frau.

Warum dieser Vorwurf nicht nur naheliegend, sondern auch falsch ist, lässt sich unter anderem an einer Schrift zeigen, die vom Familienministerium finanziert und versandt, aber vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter erstellt wird.

Wie abwesende Väter zur Vielfalt des Kinderlebens beitragen Wäre die Abwesenheit von Vätern in irgendeiner Weise ein ernsthaftes Problem für den Verband und für das Ministerium, dann würde die Schrift „alleinerziehend. Tipps und Informationen“ (20. Auflage von 2012) sicherlich auch einige Tipps zur Einbindung sorgeunwilliger Väter bereit halten. Doch außer ein paar abstrakt bleibenden Worten dazu, dass das Kind „ein eigenständiges Recht auf Umgang mit beiden Eltern“ habe (S. 36), beschäftigt sich der über 200 Seiten starke Ratgeber nicht weiter mit diesem Problem.

Stattdessen macht er klar:

„Die gemeinsame Sorge stellt hohe Anforderungen an die Eltern. Wenn Streitigkeiten auch durch eine Beratung oder Mediation nicht beigelegt werden können, ist die gemeinsame Sorge keine geeignete Sorgeform. Die Alleinsorge ist in diesen Fällen oft die bessere Alternative.“ (33)

Die Alleinsorge der Mutter, selbstverständlich.

Eingehend beschäftigt sich der Ratgeber auch mit Situationen, in denen der Vater nicht nur kein Sorgerecht, sondern auch gar keinen Umgang mit den Kindern haben sollte. Das betrifft etwa Situationen, in denen Kinder den Umgang mit „dem anderen Elternteil“ (also im überwiegenden Großteil der Fälle: dem Vater) verweigere – und den „betreuenden Elternteilen“ (also in aller Regel: der Mutter) oft unterstellt würde, das Kind in dieser Hinsicht zu beeinflussen.

„Dieser Vorwurf wird häufig mit dem Begriff ‚parental alienation syndrome‘ kurz ‚PAS‘ verbunden, was übersetzt soviel wie ‚elterliches Entfremdungssyndrom‘ bedeutet. (…) Neuere wissenschaftliche Untersuchungen kommen jedoch weiterhin zu der Einschätzung, dass das Phänomen ‚PAS‘ keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage hat.“ (38)
Immerhin: Zwei Jahre zuvor, in der 19. Auflage von 2010, formulierten VAMV und Familienministerium das noch viel knackiger:
„Diese Argumentation entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und wird rein strategisch eingesetzt.“ (S. 36)

Gleichwohl vertreibt das Familienministerium hier opportune Fehlinformationen. Ohne wissenschaftliche Grundlage ist „PAS“ ganz offenkundig nicht, umstritten ist allerdings, ob sich eine Einordnung als „Syndrom“ etablieren lässt.  Dass aber alleinsorgende Eltern die radikale Abhängigkeitsposition, die Kinder in der sogenannten „Alleinerziehung“ haben, zu Lasten der Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil einsetzen können – das wird kaum noch grundlegend bezweifelt (außer vom VAMV, der dies aus strategischen Gründen tut).

Anstatt aber deutlich zu machen, dass ein solches Verhalten nicht nur zu Lasten des „anderen Elternteils“, sondern vor allem zu Lasten des Kindes wirkt, empfiehlt die Schrift Frauen, die mit dem Vorwurf entfremdenden Verhaltens konfrontiert sind, lediglich dringend den sofortigen Gang zum Anwalt. Familienministerium und Verband stellen damit Müttern gegenüber klar, dass eine Beeinflussung des Kindes gegen das andere Elternteil bedenkenlos sei und das eigentliche Problem lediglich im Vorwurf der Entfremdung bestehe.

„Eher wird ein Schwarzer Präsident der USA, als dass ein Mann deutscher Familienminister wird“, stellte vor kurzem ein Bekannter fest, und die vom Familienministerium finanzierte und vertriebene VAMV-Schrift sieht entsprechend aus. Kein Wort zur Einbindung der Väter, entschlossene Ermutigungen zu ihrer Ausgrenzung, und mehr als etwa die Hälfte der Seiten sind gefüllt mit Tipps dazu, wie „alleinerziehende“ Mütter an Geld und Kinderbetreuung gelangen können.

Dass Väter sich ihrer Verantwortung entziehen, ist für die Verantwortlichen nur eben gerade dann wichtig, wenn es sich als Argument gegen die Sorgerechte von Vätern generell verwenden lässt. Ansonsten ist für Edith Schwab, die Verbandsvorsitzende, die „Alleinerziehung“ schlicht ein Beitrag zur „Vielfalt der gelebten Familienformen in unserer Gesellschaft“ (8; im Unterschied wohl zu „ungelebten Familienformen“, auch wenn ich nicht so recht weiß, was das sein soll). Die Vaterabwesenheit als Beitrag zur Vielfalt des Aufwachsens von Kindern, als ein durchaus wünschenswerter Zustand.

Moralisieren und kassieren Wesentlich ernsthafter hat sich schon fast 15 Jahre zuvor Matthias Mattussek in seiner Schrift „Die väterlose Gesellschaft“ mit den Problemen auseinandergesetzt, die durch abwesende Väter entstehen. Das ist, nebenbei bemerkt, durchaus typisch – Väter und Väteraktivisten nehmen dieses Problem allgemein wesentlich ernsthafter wahr als Vertreterinnen der „Alleinerziehung“, für die väterliche Verantwortungsferne eben nur dann ärgerlich wird, wenn Väter nicht zahlen. Matussek verweist auf die USA, in deren Politik ein wesentlich größeres Interesse am Beitrag der Väter deutlich werde als in der deutschen.
„Selbst um die Väter, die sich vor ihrer Verantwortung drücken und freiwillig aus dem Leben von Frau und Kind verschwinden, kümmert man sich anders. Das ‚Institut für verantwortliche Vaterschaft und Familie in Cleveland bemüht sich seit fast zwei Jahrzehnten um pflichtvergessene Väter. Bei uns beschränkt man sich jedoch darauf, säumige Zahlväter mit Detektiven und Polizeibeamten zu jagen – dort gibt es therapeutische Interventionen, die die Dramen von Vätern, die sich absetzten, ernst nehmen. Mit Erfolg: Rund 2000 von ihnen wurden wieder mit den Kindern zusammengebracht.“ (S. 122)

Der Einwand liegt nahe: Es könne doch nicht funktionieren, Väter in Beratungsangebote zu führen, wenn sie an einem Zusammensein mit ihren Kindern ohnehin kein Interesse hätten – denn dann hätten sie doch auch kein Interesse an einer Beratung. Oder solle hier etwa einer Zwangsberatung widerwilliger Väter das Wort geredet werden?

Das wäre offenkundig sinnlos, sogar zynisch: einerseits darauf zu bestehen, dass Vätern gleichsam nach Belieben die Möglichkeit zur Sorge für ihre Kinder genommen werden kann – und andererseits darauf, dass sie aber zugleich die Bereitschaft zu dieser Sorge unter Beweis zu stellen hätten. Wer über die Einbindung von Vätern redet, muss also auch über gleiche Rechte reden (weshalb die Einbindung von Vätern in der einschlägigen Publikation von VAMV und BMFSFJ dann eben auch keine Rolle spielt).

Denn schließlich wäre ein Angebot zur Beratung, wie Matussek es vorstellt, sehr wichtig. Sicherlich–  es gibt Väter, die schlicht aus Egoismus oder Bequemlichkeit Distanz zu ihren Kindern suchen. Es ist aber immerhin möglich, dass ein Vater sich auch aus Angst oder dem Gefühl der Überforderung aus seiner Verantwortung zurückzieht. Das ist keine Entschuldigung – im Interesse des Kindes wäre es gleichwohl besser, mit solchen Vätern zu sprechen, anstatt sie lediglich moralisch zu verurteilen.

Es ist zudem sehr wohl möglich, dass in vielen Fällen der Rückzug der Väter eher ein Aspekt der Interaktion von Vätern und Müttern ist, als dass die Väter sich ganz aus eigenem Antrieb zurückgezogen hätten. Ich habe selbst beispielsweise einmal eine Situation kennen gelernt, in der eine Mutter dem Vater – der sehr um den regelmäßigen Umgang besorgt war – jahrelang das Leben so schwer wie möglich machte, bis er sich schließlich zermürbt zurückzog. Im selben Moment fing sie dann an, über seine Verantwortungsvergessenheit zu klagen.

Sicherlich, auch dieser Hinweis ist anekdotisch – er belegt aber immerhin, dass es in manchen Fällen sinnvoll sein kann, den Rückzug von Vätern als Teil der Interaktion beider Eltern zu verstehen. Nur muss man dazu eben auch mit beiden Eltern sprechen.

Insgesamt zeigt sich im Umgang mit verantwortungsverweigernden Vätern also eine Logik, unter der das gesamte Kindschaftsrecht leidet: Anstatt  das Recht so zu gestalten, dass jeweils kindeswohldienliches Verhalten gefördert und kindesschädliches Verhalten erschwert wird, teilt der deutsche Gesetzgeber weiterhin blind-sexistisch Menschen entlang der Geschlechtergrenze unterschiedliche Rechte zu: Nicht die Kindeswohldienlichkeit, sondern die Geschlechtzugehörigkeit steht im deutschen Recht weiterhin im Vordergrund, als seien Väter und Mütter jeweils Repräsentanten einander verfeindeter Lager.

Show-Wickler und Sesselwärmer Diese Frontstellung wird massenmedial nicht nur begleitet, sondern zelebriert. Ein Beispiel dafür ist der „Spiegel“, der 2011 in einer kleinen Serie die Vorstellung der „neuen Väter“ (was bedeuten sollte: der Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollen) als Mythos zu entlarven versuchte. Anna Reimann beispielsweise machte dort deutlich, dass viele Väter nur kurz Elternzeit nähmen und danach sofort zurück in den Beruf gingen – „durchschnittlich verbringen sie dann sogar mehr Zeit im Büro als vor der Geburt, sagen Studien.“

Welche Studien das denn nun eigentlich sind, interessiert natürlich weder Reimann noch ihre Leser – ebenso wenig wie die Überlegung, dass Väter ja möglicherweise nicht etwa deswegen mehr arbeiten, weil sie vor dem Windelwickeln fliehen, sondern deswegen, weil die größer gewordene Familie mehr Geld braucht und der Mann mit der Aufgabe der Finanzierung oft recht allein steht. Gerade einmal 23 Prozent tragen Frauen im Schnitt zum Familieneinkommen bei – aber wenn ein Vater nach der Geburt eines Kindes mehr arbeitet als vorher, dann gibt es für Reimann partout nur eine Erklärung: Er habe „erkannt, wie anstrengend Familienmanagement sein kann“.

Zwei Jahre später wiederholt Amelie Fried im Cicero-Magazin  genau dieselben Argumente. Väter seien „Show-Wickler – super engagiert umsorgen sie ihr Kind, solange Publikum zugegen ist“. Aber tatsächlich sein die Situation ganz anders: „Jüngere Väter arbeiten zwei, ältere sogar bis zu fünf Stunden mehr in der Woche als kinderlose Männer“. Auch Fried findet nur eine einzige mögliche Erklärung: Viele Väter

„sonnen sich im tollen Neue-Väter-Image und flüchten dann so schnell wie möglich zurück ins Büro. Seien wir ehrlich: Dort ist es ja auch weniger anstrengend als zu Hause.“
Und als ob Fried an einem Wettbewerb teilgenommen hätte, in dem es darum ging, möglichst viele haltlose Geschlechterklischees in möglichst wenigen Zeilen unterzubringen, findet sie sogar noch eine Chance, den „Gender Pay Gap“ beizusteuern:
„Solange Männer 20 Prozent mehr verdienen als Frauen, ist klar, wer nach der Geburt zu Hause bleibt. Und solange viele Gehälter fürs Wärmen des Bürostuhls bezahlt werden, ist klar, wer spät nach Hause kommt.“

Da haben wir’s: Während die Frauen an der „Wickelfront“ (O-Ton Fried, tatsächlich) kämpfen, machen es sich Männer auf Bürostühlen bequem und nennen das Arbeit. Natürlich bekümmern sich Fried und Reimann nicht weiter darum, dass sie sich in den meisten Arbeitsfeldern offenkundig nicht  auskennen – keine Ahnung von etwas zu haben, erleichtert das Urteil darüber schließlich oft ungemein.

Ihre Darstellungen leben eben davon, dass sie das Verhalten von Vätern prinzipiell nicht im Sinne von Kooperationsnotwendigkeiten, sondern lediglich als Ausweis von Egoismen deuten. Was der Vater tut, tut er für sich, nicht für seine Familie – was die Mutter tut, tut sie für die Familie, nicht für sich. Die Texte Frieds und Reimanns sind damit Beispiele für eine Logik, die Männer und Frauen als gegnerische Parteien gegenüberstellen, anstatt sich auf Möglichkeiten zu konzentrieren, die Kooperation von beiden möglichst im Interesse der Kinder und möglichst fair zu organisieren. Das Gerede von der Wickelfront ist kein Lapsus – was Reimann und Fried liefern, ist eine heiter formulierte Kriegslogik.

Literatur, soweit nicht verlinkt:
Matthias Matussek: Die vaterlose Gesellschaft. Eine Polemik gegen die Abschaffung der Familie, Frankfurt am Main 2006
Dieser Beitrag ist zugleich der vierte Teil der Reihe Prima Gründe, Väter loszuwerden. No. 4: Väterliches Desinteresse.
Die anderen Teile:
  1. Hallo Lukas,

    was will man von einer Welt erwarten in der über Männer alles gesagt werden darf, egal ob man Hintergründe kennt oder nicht, bei Frauen aber schon sexistisch ist, wenn nur zwei Beine gezeigt werden, die einen Ball in eine Waschmaschine schiessen.

    Wie sexistisch die Kritiker des Werbefilmchens sind, zeigt sich darin dass sie bei rasierten Beinen sofort an Frauen denken. Somit zeigen sie ihre eigenen blindblöden Kategorien und die enges ihres Tellerrandes…

    Kai

    Antwort

  2. @ Kai Das hat auch etwas Komisches, diese permanent vorhandene Empörungsbereitschaft, die nur nach Anlässen sucht, um sich Luft machen zu können. Interessant wird die entsprechende Meldung bei Genderama auch dadurch, dass sie neben einer Meldung über die pikierten Reaktionen des NDR auf User-Kommentare zu der eigenen „Wer braucht Feminismus?“-Unterstützung vergleicht. Auf der einen Seite Männer (und sicher auch Frauen), die als Trolle hingestellt werden, nur weil sie sich nicht so gern beliebig mit Nazis in Verbindung bringen lassen wollen – auf der anderen Seite Frauen, die vor Empörung kaum noch Luft bekommen, weil eine Frau treffsicher einen Ball in eine Waschmaschine schießt. Während die Assoziation Männer-Nazis völlig in Ordnung geht, ist die Assoziation Fußballerin-Waschmaschine ein wahrhaft atemberaubender Skandal.

    Wenn es eine Männerrechtsbewegung gibt, muss sie offenkundig etwas angriffslustiger werden, anders lassen sich die durcheinandergeratenen Maßstäbe wohl nicht wieder sortieren.

    Antwort

  3. „Eher wird ein Schwarzer Präsident der USA, als dass ein Mann deutscher Familienminister wird“

    Nach aller Erfahrung mit den Rosenbrocks, Kempers, Homanns… wird das ideologische Kraut mit einem lupenreinen Feministen an der Spitze des Ministeriums vermutlich noch fetter. Und was anderes wird dort kaum zugelassen.
    Aber ähnlich wie die Figur des Stephen (Samuel L. Jackson) in 'Django – unchained' haben die krummen Kollaborateure auch irgendwann ausgespielt.

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  4. Das Grundübel beginnt ja schon beim Wort „Sorgerecht“. Solange es SorgeRECHT heisst und nicht SorgePFLICHT wird der Gaul von hinten aufgezäumt.

    Beide Elternteile haben sich um ihre Kinder zu kümmern, und zwar mit persönlichem Umgang, nicht rein finanziell. Ob sie wollen oder nicht. Notfalls – ja, auch unter Zwang. Wenn es um Kinder geht haben die Interessen und Rechte der Eltern sich immer dem Kindeswohl unterzuordnen. Solange in unserer Gesellschaft aber einseitige Interessensvertretungen mit einer Agenda Gesetze so beschließen, dass ihrer Agenda zuerst und den Interessen der Kinder erst danach gedient wird, solange wird die Sorgepflicht noch als Sorgerecht missverstanden werden. Es hat nicht nur die Mutter das Recht auf ein Kind, genauso wenig wie es der Vater hat. Das Kind hat das Recht auf Vater und Mutter – auch dann, wenn der Vater keinen Bock hat, oder die Mutter den Umgang mit dem Vater verhindern will.

    So wird z.B. immer wieder ernsthaft darüber diskutiert, ob eine allein erziehende Mutter das RECHT darauf hat, in eine Samenbank zu gehen und von einem anonymen Spender ein Kind zu bekommen, ob ein Mann das RECHT darauf hat, eine solche anonyme Samenspende abzugeben, ob gleichgeschlechtliche Paare das RECHT darauf haben ein Kind zu adoptieren, ob irgendein Erwachsener das RECHT AUF EIN KIND hat – so lange werden die RECHTE DER KINDER zweitrangig behandelt.

    Unsere Gesellschaft mutet lieber einem Kind ein geplantes schweres Schicksal zu als einem Erwachsenen ein passiertes schweres Schicksal. Obwohl Erwachsene damit besser umgehen können, obwohl so viel weniger Schaden und Leid verursacht werden würde. Hier geht es verdammt noch mal um kleine, hilflose, wehrlose Menschen die darauf angewiesen sind dass wir sie beschützen, ihr Recht auf beide Elternteile wahren und ihnen die Identität mitgeben, die zu ihnen gehört.

    Das Recht auf einen Menschen gibt es schon lange nicht mehr. Dass immer wieder von dieser Seite argumentiert wird stimmt mich sehr traurig.

    Antwort

  5. Den Überdruss an Leuten wie Rosenbrock und den Ärger über sie teile ich, ich verstehe sie nur nicht als Kollaborateure. „Kollaboration“ setzt Krieg voraus. Der hat als Krieg zwischen Männern und Frauen für mich keinen Sinn, und gerade dann nicht, wenn es um Kindessorge geht. Sinn hat für viele Beteiligte (s.o.) allerdings eine Kriegslogik, die beachtliche persönliche Profite abwirft.

    Insofern würde ich Rosenbrock und Co. weniger „Kollaboration“ vorwerfen, sondern eher, dass sie eine Schwarz-Weiß-Welt propagieren, die nach einer solchen Kriegslogik funktioniert – und sich dann selbst in dieser Logik einen Platz suchen, von dem sie sich Vorteile erhoffen.

    Sie warten regelrecht sehnsüchtig auf Bestätigungen dieser Logik (so wie zum Beispiel die „Morddrohung“, von der Rosenbrock gern spricht – eine völlig offenkundig satirisch gemeinte Drohung auf dem Gender-Universum-Blog, die sich auf Gleichsetzungen von Männerrechtspoltik und Rechtsradikalismus lustig machte). Das verdeckt praktischerweise auch, wie harsch die Folgen für die Frauien sind, die von feministischer Seite der „Kollaboration“ bezichtigt werden, für Monika Ebeling beispielsweise (die bei öffentlichen Vorträgen an Unis angesichts organisierter Störungen kaum dazu kommt, in Ruhe ihre Position darzulegen).

    Antwort

  6. @ martin Die Betonung der „Pflicht“ – man könnte auch sagen: der elterlichen Verantwortung – finde ich schlüssig. Ginge es lediglich um ein elterliches „Recht“ zur Sorge, dann wäre es ja auch völlig in Ordnung, wenn Eltern von diesem Recht beliebig keinen Gebrauch machen würden (wie das beim Wahlrecht für Nichtwähler ja z.B. ohne weiteres möglich ist). Das funktioniert beim Sorgerecht offenkundig nicht – Eltern, die für ihre Kinder nicht sorgen, verzichten damit ja nicht nur auf ein eigenes „Recht“, sondern werden ihrer Verantwortung nicht gerecht.

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  7. Nun, erschreckend finde ich, nachdem ich es heute auf NDR gelesen habe, das ein Herr Hinrich Rosenbrock hier kritisiert, was die Frauenbewegung „gross“ gemacht hat,
    „In Foren verabreden sie sich, um gezielt Veröffentlichungen zu kommentieren. Auf Maskulisten-Blogs weisen sie auf Artikel hin und fordern Gleichgesinnte auf, dort Statements abzugeben. „
    Also, mit anderen Worten, Herr Rosenbrock empfindet es als unschön das gewisse Menschen ihre Meinung kundtun, Herr Rosenbrock empfindet es als unpassend andere über solche Artikel zu informieren etc. Die gleiche Strategie, die Feministinnen anwenden wie bei der Waschmaschine, beharrten Frauenbeinen und einem (Achtung Triggerwarnung ganz schlimm) Lederwaschprogramm…

    Auch der Spiegel schiesst hier den Vogel ab: http://einestages.spiegel.de/s/tb/29043/sexismus-klage-emma-vs-stern-angriff-auf-die-maennerpresse.html
    Hier wurde durch Emma ein Prozess losgetreten, der den Stern und dessen Naktfotos im Visier hatte. Im Verlauf des Prozesses hält Nannen dann Naktfotos von zwei der Klägerinnen hoch:
    „Den Gipfel der Peinlichkeit erklomm Henri Nannen selbst: „Ist das ein Sexobjekt?“, fragte er in den Raum und hielt großformatige Nacktfotos der Klägerinnen Erika Pluhar und Margarethe von Trotta hoch. Das Publikum tobte.“
    Was natürlich der Gipfel der Peinlichkeiten ist, nicht das zwei Frauen die selbst diesen Aufzug benutzt haben nun klagen…

    Ich denke nur über solche Aktionen könnte man was erreichen, Geld sammeln, Thema suchen, Klage einreichen, Presse informieren… Themen und zu gewinnende Prozesse gibt es mehr als genug! Das bring Publicity, zeigt Menschen das wir wirklich in einigen Bereichen diskriminiert sind und bringt unsere Vertreter in die Talkshows…

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