Wissenschaft

Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder

Irrgarten
geschrieben von: Lucas Schoppe
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„Wissenschaftliche Gender Studies hätten das Ziel, ohne ideologische Scheuklappen die Natur und Kultur der menschlichen Geschlechter zu erforschen. Biologische, psychologische, historische und soziologische Erkenntnisse würden gleichermaßen akzeptiert werden.“

So skizziert Andreas Müller im „Feuerbringer-Magazin“ die Möglichkeit wissenschaftlich fundierter Gender Studies. Eigentlich müsste dies eine fraglos mehrheitsfähige Position sein – denn auch wenn vermutlich verschiedene Interessierte an den Gender Studies verschiedene Vorstellungen vom Begriff der „Ideologie“ haben, so würde doch sicher niemand von ihnen fordern, dass Forschung „ideologische Scheuklappen“ haben sollte.

Gender Studies könnten sich also damit beschäftigen, welche Konsequenzen die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen für sein Leben hat, was diese Geschlechtszugehörigkeit überhaupt bedeutet, wie biologische und soziale Faktoren dabei zusammenspielen – und insgesamt fragen, ob und wie die Reflexion der Geschlechtlichkeit von Menschen ihre Möglichkeiten, sinnvoll zu handeln und zu leben, vergrößern kann. Wer sollte etwas dagegen haben?

Überraschenderweise aber sehen sich die Gender Studies erheblicher Kritik ausgesetzt und sind hart umkämpft.

„Genderforschung ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.“

Das schreibt beispielsweise Harald Martenstein am 8. Juni dieses Jahres in der Zeit und erhält dafür auch seinerseits massive Kritik.

Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen hingegen hat Ende des Monats Juni eine Schrift zur Verteidigung der Gender Studies herausgegeben, die ebenfalls engagiert diskutiert und scharf kritisiert wurde – etwa auf den Blogs „Alles Evolution“ und „Kritische Wissenschaft“ , die ihrerseits in dem Papier als Kritiker der Gender Studies kritisiert worden waren: Sie würden sich zu „Wissenschaftswächtern“ aufschwingen, und auch wenn man sie mit anderen Gender-Studies-Kritikern wie christlichen Fundamentalisten, militanten Antifeministen und politisch rechten Akteuren nicht gleichsetzen solle, gäbe es durchaus „argumentative Schnittstellen“ (Seite 10).

(Einmal ganz nebenbei und vollständig off-Topic bemerkt: Ich habe mir gerade den seltsamen Spaß erlaubt, auf der Webseite der NPD nachzuschauen, deren Verlinkung ich mir hier natürlich erspare – dort fordert die Partei beispielsweise einen Rücktritt von Verteidigungsminister de Maizière und kritisiert die steigenden Mieten scharf. Ich bin nun natürlich sehr beunruhigt, weil sich Grüne und SPD angesichts der argumentativen Schnittstellen mit der Rechtsaußenpartei offenbar überhaupt keine ernsthaften Gedanken machen!!!111)

Die engagierten und kritischen Reaktionen auf das Papier der Böll-Stiftung haben wohl vor allem zwei Gründe. Einerseits wird deutlich, dass sich Vertreter und Vertreterinnen der Gender Studies offenkundig durch die nachhaltige Kritik, die insbesondere auf Blogs und unabhängigen Webseiten erhoben wird, unter Druck gesetzt fühlen. Michael Klein dazu bei „Kritische Wissenschaft“:

„Wie vollständig muss der Versuch, die Männerbewegung unter Benutzung von Hinrich Rosenbrock und seiner Magisterarbeit in die rechte Ecke zu rücken, in die Hose gegangen sein, wenn das von Steuerzahlern finanzierte Gunda-Werner-Institut (Teil der Heinrich-Böll oder HB-Stiftung), das die Steuermittel einsetzt, um Ideologien zu verbreiten, sich gezwungen sieht, ein dünnes Pamphlet mit dem Titel “Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie” herauszugeben, dessen einziger Zweck darin besteht, für den Genderzirkus Wissenschaftlichkeit zu reklamieren?“

Zugleich liegt damit ein Positionspapier einer für die Gender Studies zentralen politischen Institution vor – eine Auseinandersetzung mit dieser Position ist lohnend, weil Kritiker wie Verteidiger der Schrift mit guten Gründen davon ausgehen können, hier repräsentativen Argumenten zu begegnen, die auf die Gender Studies insgesamt bezogen werden können.

Warum aber sind die Gender Studies, die doch allem Anschein nach stets das Gute wollen, überhaupt so umkämpft? Die Frage kann als Auftakt für eine kleine Sommer-Serie dieses Blogs dienen: Über die Denkmöglichkeit seriöser Gender Studies In dieser Folge geht es um den Vorwurf der Beliebigkeit und Willkür, der an die Gender Studies erhoben wird – und im nächsten Text um die Frage, wo bei alledem eigentlich die Männer bleiben.

Aus den dunklen Zeitaltern ins helle Licht Was aber sind die Gender Studies eigentlich? Wo stehen sie im Vergleich zu etablierten Fächern wie etwa der Physik, der Germanistik, der Biologie oder der Soziologie? Dazu Sebastian Scheele im Papier der Böll-Stiftung:

„Die Gender Studies sind nicht in einer einzigen disziplinären Tradition angesiedelt – im Gegenteil: Sie sind keine eigene Disziplin, sondern ein gegenstandszentrierter Forschungsbereich, der davon ausgeht, dass der eigene Gegenstand sowohl durch verschiedene Disziplinen geprägt als auch nur mit Hilfe verschiedener Disziplinen zu untersuchen ist. Daher sind die Gender Studies meist als interdisziplinäre oder transdisziplinäre Zentren institutionalisiert und nicht als eigene Universitätsinstitute.“ (S. 32)

Für Scheele ist die durch die programmatische Interdisziplinarität, die Arbeit zwischen ganz verschiedenen Fachbereichen regelrecht ein Generator für kritische Reflexionen:

„Daher ist in der Geschlechterforschung eine starke Selbstreflexivität in Bezug auf disziplinäre Grenzen und die eigenen disziplinären Verortungen entwickelt worden.“

In diesem Zusammenhang zitiert er auch aus dem Klappentext des Lehrbuchs über Feministische Methodologien und Methoden von Althoff et.al, der über ein erstaunliches Resultat der Methodendiskurse der Frauen- und Geschlechterforschung in den letzten Jahrzehnten berichtet:

„Als zentrale Erkenntnis dieser Diskurse gilt bis heute, dass Methoden keine neutralen Forschungsinstrumente sind, die unabhängig vom Untersuchungsgegenstand, dem sozialen Standort der Forschenden, ihren Interessen und theoretischen Vorannahmen Gültigkeit haben.“ (33)

Nun muss man allerdings schätzungsweise 98% aller nicht-feministischen Beiträge zur Wissenschaftstheorie in den letzten zweihundert Jahren, von Männern wie Frauen, ignorieren, um das so formulieren und tatsächlich glauben zu können, Wissenschaft sei in den dunklen Zeitaltern vor der zweiten Welle des Feminismus rundweg von dem naiven Glauben ausgegangen, wissenschaftliche Methoden würden völlig bedingungslos gelten und hätten niemals etwas mit Interessen oder theoretischen Vorannahmen zu tun. Im Zusammenhang mit der programmatischen Interdisziplinarität der Gender Studies ist die Aussage gleichwohl sehr problematisch.

Sie unterschlägt nämlich, welchen zentralen Stellenwert die spezifischen Methoden der einzelnen Disziplinen haben: Sie sind eben selbst wesentlich ein Mittel der Kritik, also im Wortsinne eines der Unterscheidung – nämlich der Unterscheidung zwischen solchen Vorgehensweisen, die zu tragfähigen, intersubjektiv überprüfbaren Ergebnissen, zu wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen führen und solchen Vorgehensweisen, die nicht dazu führen.

Es ist offenkundig, dass die Einzeldisziplinen ein unterschiedliches Verständnis gültiger Methoden entwickelt haben, dass Methoden auch weiter entwickelt werden, dass sie also jeweils nicht absolut gültig sind. Scheele allerdings erweckt darüber hinaus den Eindruck, Methoden seien schlicht Herrschaftsinstrumente, die geschaffen wuden, um wissenschaftliche Territorien zu sichern. Wer jedoch auf dieser Basis allen Methoden gegenüber distanziert ist, wird dadurch keineswegs herrschaftskritisch –  er oder sie entzieht sich lediglich der Verpflichtung, das eigene Vogehen systematisch zu kontrollieren und für andere nach gemeinsamen Maßstäben überprüfbar zu machen.

Es ist illusionär, den Eindruck zu erwecken, das spezifische methodische Vorgehen in einer Disziplin sei ersetzbar durch eine allgemeine methodenkritische Haltung.

Haben Zahlen ein Geschlecht? Und ist das Urheberrecht männlich? So ist es denn eine sehr berechtigte Frage, wie sich eine so programmatisch interdisziplinär angelegte „Wissenschaftsrichtung“ (S. 67) wie die Gender Studies davor schützt, völlig beliebig zu werden. Diese Frage würde an jedes ähnlich designte Forschungsprojekt gestellt werden. Anstatt aber das Programm der Gender Studies zu konturieren, Standards und Gütekriterien vorzustellen, ersetzen die Autoren die seriöse Auseinandersetzung mit ihrer Forschungsrichtung gratismutig durch Angriffe gegen Kritiker, denen sie schlankweg unterstellen, sie würden verängstigt auf das Potenzial für gesellschaftliche Veränderungen reagieren, das sie wie selbstverständlich den Gender Studies zuschreiben.
In der Religionssoziologie gibt es den Begriff des „Sheilaismus“, benannt nach einer Krankenschwester namens Sheila Larson, die sich aus willkürlichen Versatzstücken verschiedener Religionen ihren ureigenen, ganz individuellen Glauben zusammengestellt hatte. Das Modell der Sheilaismus mag praktikabel sein, wenn es um den individuellen Glauben eines einzelnen Menschen geht – als Modell für Wissenschaften, in denen es um die intersubjektive Überprüfbarkeit von Aussagen nach gemeinsam akzeptierten Standards geht, ist es offenkundig ungeeignet.

Denkbar ist Interdiziplinarität jeweils konkret, beispielsweise als Projekt von Evolutionsbiologen und Entwicklungspsychologen zur Frage der Entwicklung geschlechtsspezifischen Verhaltens bei Kindern. Die Projektgruppe müsste dann koordinieren, inwieweit die methodischen Standards und auch die als gesichert geltenden Vorannahmen der einen Fachrichtung auch für die andere verbindlich sind, wo sie sich widersprechen, wo sie sich ergänzen – und ob ein gemeinsames Forschen im Vergleich zu einem auf die Fachbereiche beschränkten eigentlich ertragreicher ist.

Kurz: Die Arbeit in einem solchen Projekt setzt nicht nur hohe Kompetenzen in den beteiligten Disziplinen voraus, sondern auch eine ausgearbeitete dritte Position, von der aus diese Disziplinen überhaupt koordiniert werden können. Die Gender Studies versprechen, eine solche Position generell anzubieten – und eine wesentliche Kritik an ihnen läuft auf den Vorwurf hinaus, dass dieses Versprechen allzu vollmundig ist.

Denn die konkrete Koordinationsleistung lässt sich schließlich nicht einfach verallgemeinern, hin zu einer generellen, unspezifischen Inter- oder Transdisziplinarität, also von einer realen Koordination mehrerer Disziplinen für ein bestimmtes Projekt hin zu einer potentiellen Koordination jeder Disziplin mit jeder anderen für unspezifische Projekte. In der gesamten Verteidigungsschrift der Böll-Stiftung ist an keiner Stelle erkennbar, wie die Gender Studies eine solche Funktion erfüllen könnten.

An keiner Stelle auch widerlegen die grünen Apologeten der Gender Studies zumindest versuchsweise den naheliegenden Vorwurf, die Forschungen würden statt einer reflektierten Interdisziplinarität eine programmatische Beliebigkeit entwickeln und in allen möglichen Themen willkürlich eine Relevanz für Geschlechterfragen entdecken (wenn etwa, wie im Blog „Zettels Raum“ skizziert, die Forscherin Ann Bartow glaubt, das Urheberrecht sei „grundlegend vergeschlechtlicht“).

An keiner Stelle enthält das Papier auch nur den Ansatz von Reflexionen darüber, ob eigentlich alle Disziplinen gleichermaßen anschlussfähig für Gender Studies sind – obwohl dies ja beispielsweise für die Mathematik offenkundig in wesentlich geringerem Maße der Fall ist als etwa für die Soziologie.



Endlich bewiesen: Warum fundierte Kritik an den Gender Studies prinzipiell nicht möglich ist Wenn von Reflexivität die Rede ist, dann folgt in der Schrift regelmäßig nicht etwa eine Reflexion des eigenen Vorgehens, sondern eine Kritik an anderen. Die Geschlechterforschung habe ihre Herkunft nun einmal unter anderem in „Kämpfen gegen Ausschlüsse aus der Wissenschaft und gegen Androzentrismus in der Wissenschaft“ (35), und es ginge – so Manfred Köhnen im vierten Kapitel des Bandes – bei der Kritik an den Gender Studies darum, „ganze Fächer und Themen aus der Wissenschaft auszuschließen“. (39) Im Fazit unterstellen die Autoren den Gender-Studies-Kritikern schlicht eine Angst vor dem Wandel von Geschlechterverhältnissen. (68)

Aus dieser Perspektive werden die Gender Studies lediglich kritisiert, weil sie in progressiver Absicht „Geschlechterverhältnisse“ zum Thema hätten. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig – dass sie Geschlechterverhältnisse thematisieren, hat die Etablierung dieser „Wissenschaftsrichtung“ überhaupt erst möglich gemacht. Würde sonst jemand eine Wissenschaftsrichtung von einer solch halsbrecherischen, methodisch unklaren Interdisziplinarität etablieren wollen und sie etwa als „universelle Alleswissenschaft“ bezeichnen, dann wäre allen anderen Beteiligten deutlich, dass er vermutlich größenwahnsinnig und ganz sicher unseriös ist.

Allein dadurch, dass dieses Vorgehen mit dem Geschlechterthema verknüpft ist und dass politische wie universitäre Verantwortliche ein großes Interesse daran haben, sich im Hinblick auf Geschlechterfragen offen und engagiert zu zeigen, wurde ein so diffuses wissenschaftliches Projekt wie das der Gender Studies überhaupt möglich – möglich nämlich im Sinne von: finanzierbar.

Manfred Köhnen verwendet die methodische Unterbestimmtheit der Gender Studies als Wissenschaft von allem und jeder allerdings als Waffe gegen ihre Kritiker:

„Dabei muss an dieser Stelle erneut festgehalten werden, dass die Gender Studies zu vielfältig sind, als dass homogenisierende Kritik berechtigt sein könnte (…).“ (42)

Hadmut Danisch kommentiert:

„Als ob Gender Studies generell gegen jede Kritik immun wären. Dass aber gerade darin, dieser Inhomogenität, die Unwissenschaftlichkeit liegt, merken sie nicht.“

Das ist sogar noch freundlich ausgedrückt. Die Gender Studies werden schließlich mit vielen Millionen aus öffentlichen Geldern finanziert, und nach Martenstein  gab es schon 2011 173 Professuren dieser „Wissenschaftsrichtung“. Gleichwohl fühlen sich ihre Apologeten keineswegs verpflichtet, überprüfbare Standards zu beschreiben, beispielsweise Gütekriterien zu formulieren, die gute von schlechter Geschlechterforschung unterscheidbar machen könnte – und die dann ihrerseits die Geschlechterforschung auch zum Gegenstand der Kritik aus anderen Fachbereichen machen könnten.

Tatsächlich erwecken die Autoren der Böll-Stiftung sogar den Eindruck, noch überhaupt nicht gemerkt zu haben, dass die Rundum-Interdisziplinarität der Gender Studies gewaltige und vermutlich unerfüllbare Anforderungen an die seriöse Begründung des Faches stellt.

Stattdessen argumentiert Köhnen ernsthaft, dass die Gender Studies nicht kritisiert werden könnten, weil sie als Wissenschaftsrichtung ja gar nicht identifizierbar seien. Aus Fairnessgründen möchte ich darauf hinweisen, dass er damit die Gender Studies vor dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit schützen und nicht etwa diesen Vorwurf belegen möchte (ich will ja nicht, dass der Autor am Ende noch Ärger von seinen Auftraggebern bekommt).


In der nächsten Folge unserer kleinen Sommerreihe: Welchen Platz haben eigentlich die Männer in den Gender Studies? Und die Biologen? Und was sagt Friedrich Schiller dazu?
Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die verlinkte Schrift „Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie“ der grünen Heinrich-Böll-Stiftung
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14 Comments

  • Ich fand es auch interessant, dass sie die Kritik gar nicht inhaltlich aufgreifen, sondern nur auf einer eher formellen Ebene, nach der es eben nur subjektives gäbe. Das ist schon ein sehr merkwürdiger Ansatz, ein „Wir sind eh ein Pudding, deswegen kann man uns nicht an die Wand nageln“.

    Bin auf deine weiteren Folgen sehr gespannt. Gender Studies könnte mit einem streng wissenschaftlichen und ruhig auch interdisziplinären Ansatz ein superinteressantes Fach sein.

    Schade, dass es so von Ideologen besetzt ist

  • Wenn die gender studies so „vielfältig“ sind, so ist ganz einfach jedes Gespräch über sie durch eine Vorabklärung zu beginnen. Jeder Vertreter der gender studies muss also das tun, was auch jeder andere Wissenschaftler tun muss, zumal dann, wenn er sich in terminologisch umstrittenes Gelände begibt:

    1. Erkläre DEINEN Begriff von gender studies.

    2. Was ist das Erkenntnisinteresse, mit welchen Methoden soll welche Fragestellung an welchen Gegenstand herangetragen werden?

    3. Was sind die Grenzen des Faches? Gib ein Beispiel für gegenstandsadäquate und eines für gegenstandsinadäquate Anwendung der Methode.

    4. Wie kommen Hypothesen zustande?

    5. Was sind die Kriterien, was sind die Hilfsmittel für Falsifizierung und Verifizierung einer Hypothese?

    ICH BEFÜRCHTE, auf diese Standardfragen wird man von den wenigsten Antwort bekommen. Bleibt die Frage, aus welchen Gründen eine solche WISSENSCHAFTSAUFWEICHUNG mit soviel Geld allüberall installiert wird.

    Vielleicht WILL die Politik Wissenschaftsaufweichung?

  • Nicht die Politik will »Wissenschaftsaufweichung«, sondern immer nur die linke (kollektivistische) Politik. In dem Roman »Der Campus« wurde es ja in den 1990er Jahren schon recht scharfsinnig skizziert – damals haben viele Leute noch darüber gelacht, heute ist den meisten das Lachen vergangen.

  • Ich wehre mich dagegen, „die Linke“ über einen Kamm zu scheren. Es gibt auch Linke, die gegen die derzeit praktizierte Form des Genderns sind!
    KlausT

  • Nichts Neues.

    Auch vom Feminismus heißt es (seitens des Feminismus) ja ständig, man könne ihn gar nicht kritisieren, weil es „den“ Feminismus ja gar nicht gäbe.

    Tolle Idee, nicht? So schnell kann man eine Diskussion und auch Kritik abwürgen. Vermeintlich. 🙂

  • Sie sind sich aber schon im Klaren darüber, Stefanolix, daß Sie damit Herrn Schoppe expressis verbis unterstellen, „Wissenschaftsaufweichung“ zu wollen?
    Michel D.

  • Es ist ja richtig – die Beispiele von „Wissenschaft“, die sich einer politischen Dienstbarkeit verschreibt und die eine Themtisierung von Männer- und Jungenrechten zu diskreditieren versucht, gehören in ein „linkes“ politisches Spektrum („links“ zumindest nach dem Selbstverständnis der Protagonisten). Die Gesterkamp-Expertise für die SPD, die von Roenbrock für die Grünen, dazu diese Gender Studies-Schrift, die „Studie“ „Bildung von Geschlecht“ für die GEW…

    Das belegt aber nicht, dass die Einflussnahme auf die Wissenschaft prinzipiell eine exklusiv linke Angelegenheit wäre (die „Rassenkunde“ zum Beispiel war ja nun wirklich kein Beispiel linker Einflüsse auf die „Wissenschaft“). Außerdem ist die Gleichung links=kollekivistisch nicht haltbar, es gibt schließlich rechte kollektivistische und linke nicht-kollektivistsiche Ansätze.

    Was vermutlich tatsächlich typisch links ist an der Argumentation der Böll-Stiftung: Die Idee einer Autonomie der Wissenschaft wird schlankweg als Ideologie abgetan, als Verschleierung von Machtverhältnissen. Anstatt also ernsthaft zu überlegen, wie eine wissenschaftliche Autonomie angesichts massiver politischer und wirstschaftlicher Abhängigkeiten überhaupt realisierbar sein kann, gehen die Autoren fröhlich davon aus, dass es lediglich darauf ankäme, Wissenschaft in die RICHTIGEN Abhängigkeiten zu bringen.

    Wissenschaft also systematisch in Abhängigkeiten zu manövrieren, der Forschung politisch opportune Ergebnisse vorzugeben und das dann auch noch allen Ernstes als herrschaftskritische Position zu verkaufen – das ist wohl tatsächlich kennzeischnend für „linke“ Positionen. Abegesehen davon ist es aber weder so, dass alle Linke die Abhängigkeit der Wissenschaft, etwa in Form der Gender Studies wollen (da gehe ich ganz konform mit KlausT), noch so, dass die politische (oder eben auch: wirtschaftliche) Einflussnahme auf Wissenschaft und das Aufweichen ihrer Standards ein Monopol der Linken wäre.

  • @ Christian „Gender Studies könnte mit einem streng wissenschaftlichen und ruhig auch interdisziplinären Ansatz ein superinteressantes Fach sein.“ Das sehe ich auch so. Auch die Interdisziplinarität könnte in Einelfällen sicherlich interessante Ergebnisse liefern – aber auffällig ist schon, wie wenig die Autoren der Studie über die Grenzen und die Bedingungen der Interdisziplinarität reflektieren.

    So wie das der Kommentator unten schreibt: „Was sind die Grenzen des Faches? Gib ein Beispiel für gegenstandsadäquate und eines für gegenstandsinadäquate Anwendung der Methode.“ Das, zum Beispiel, ist eine zentrale Frage – und Protagonisten der Gender Studies weichen ihr, so meine Vermutung, eben deshalb aus, weil sie nicht zu ihrem Konzept passt. Prinzipiell könnte schließlich alles „vergeschlechtlicht“ sein, was auch bedeutet, von mehr oder weniger subtilen Herrschaftsformen geprägt. Wer da Grenzen des Faches beschreiben möchte, macht sich verdächtig.

  • Es war missverständlich. Mit der Klammerung wollte ich eigentlich ausdrücken, dass es linke kollektivistische und linke individualistische Strömungen gibt.

    Ich wollte mit keinem Wort ausdrücken, dass alle Linken Anhänger des Gender-Feminismus seien. Man kann darüber streiten, ob der Gender-Feminismus selbst als links eingestuft werden sollte.

    Nach meiner persönlichen Sicht sind unter den Vertreterinnen und Vertretern des Gender-Feminismus zum einen radikale Salonlinke und zum anderen radikal-kollektivistische Linke. Eine gemäßigte Fraktion (so etwas wie Realos) scheint es gar nicht zu geben.

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