Feminismus

Wo Kritik ein Zeichen von Hass ist (und Menschenhatz dem Frieden dient)

Bild zeigt ein Fadenkreuz und im Hintergrund ein Inferno von Rauch und Feuer.
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Das war ein Kommentar auf meinem Blog vor wenigen Tagen. Ich schaute auf dem verlinkten Blog nach, auf dem ich auch vorher schon ein paar Mal gelesen hatte, und sah dort nur die Nachricht „Kleines Scheusal ist offline“. Dann begann ich im Internet darüber zu lesen, was passiert war, fand viel, kopierte mir Texte in einer Datei zusammen, weil ich dachte, ich könnte vielleicht einen Kommentar dazu schreiben – und bin mittlerweile, innerhalb von zwei Tagen, bei 185 DIN-A-4-Seiten gelandet (das ist mir so noch nie passiert).
Das enorme Interesse lässt sich leicht erklären: Eine Preisträgerin des Grimme Online Awards und Mit-Initiatorin der Aufschrei-Kampagne, Jasna Strick, versucht in einem Vortrag bei der von der Piratenpartei veranstalteten „Open Mind 13“ in Kassel zu zeigen, wie Netzfeministinnen tagtäglich im Internet Belästigungen, Hassbotschaften und Drohungen ausgesetzt seien – tatsächlich aber werden von ihr dabei aber, wie eine Blogbeitrag bei der „Blogblume“ bemerkt,
„Fragen wie ‚Welche persönlichen Vorteile habt ihr durch eure Aktionen‘ mit ‚Ihr gehört mal alle durchgevögelt‘ gleichgestellt.“

Die Blooggerin von erzählmirnix schreibt:

„Und ich versuche, ja wirklich, ich versuche zu verstehen warum man an diesem öffentlichen Vortrag die nicht anonymisierten Tweets präsentieren muss, die gegen Feminismus gerichtet sind. Aber da hört es leider schon auf mit dem verstehen-können.“

Im Anschluss erhält dann mindestens eine der von Strick als „Hater“ vorgeführten Frauen, eben die gerade zwanzig Jahre alte „Domino“ (@ochdomino) vom Blog „Kleines Scheusal“, nach eigenen Angaben massive Drohungen, die sie dazu bewegen, sich weitgehend zurückzuziehen und ihren Blog zu schließen.

Interessant ist auch, wie sich in dieser Konstellation die Ausgangsposition für Reaktionen verändert: Während viele Männer und Frauen, die der Männerbewegung nahe oder zumindest nicht ablehnend gegenüber stehen, Domino unterstützen, bestehen ausgerechnet Feministinnen und Feministen darauf, dass die junge Frau sich die Drohungen gegen sie womöglich nur ausgedacht habe. Gerade für Männer eine seltsame Situation: Während sich ausgerechnet Männerbewegte in der Situation wiederfinden, einer „Damsel in Distress“ beizustehen, erfreuen und beteiligen sich auf der anderen Seite recht viele (verhältnismäßig) ältere Männer gern an der Internet-Hatz auf die junge Frau, zumindest solange sie dieses Verhalten feministisch korrekt verbrämen können.

So viel Hass Feministische Frauen würden im Internet, so erläutert Strick in ihrem Vortrag „Ihr gehört nur mal ordentlich durchgevögelt“, würden alltäglich „Psychoterror“ erleben, Beleidigungen, Beschimpfungen und Gewaltandrohungen. Darüber wolle sie aufklären, weil sie das Gefühl habe, dass viele das gar nicht wüssten. Das war einer von vielen fragwürdigen Momenten dieses Vortrags (der hier genauer analysiert wird ): Warum sollten ausgerechnet Zuhörer bei einer Veranstaltung der Piratenpartei naiv denken, das Internet sei ein mobbing- und beleidigungsfreies Gebiet?

Tatsächlich stützt sich Strick mit ihrer Behauptung wohl ganz im Gegenteil auf stillschweigende Vorannahmen von vielen. Sie baut darauf, dass ihre Zuhörer sich nicht darüber wundern werden, wenn sie für die Rede von Gewaltandrohungen oder den angeblichen Rassismus der Männerbewegung keinen Beleg liefert und wenn ein Großteil der präsentierten grenzverletzenden Äußerungen in ihrem Vortrag von einer einzigen Person, dem „Berufszyniker“ stammen – und zwar keineswegs aus persönlichen Attacken auf Strick oder andere, sondern von dessen Blog oder aus Twitter-Unterhaltungen, an denen Strick und ihre Mit-Aufschreierinnen gar nicht beteiligt waren.

Eine häufige Replik auf Widerspruch zu Stricks Vortrag ist, dass Kritiker die dort präsentierten Äußerungen verharmlosen würden. Das verfehlt die Kritik genau: Das größte Problem dieses Vortrags hängt nämlich unmittelbar damit zusammen, dass einige der Äußerungen – etwa die von dem mittlerweile gesperrten Twitter-Account „Der harte Schwanz“, der gewiss zutreffender auch „Die weiche Birne“ heißen könnte – tatsächlich sprachlich sehr gewaltsam sind. Strick aber verknüpft dessen Beschimpfung von Feministinnen als „kackenhässlich“ oder als „selten dämliche Fotze“ unmittelbar mit einem Tweet von Domino, in dem diese schreibt:

„Da krieg ich imm Hass, wenn so Hipstaa-Fötzchen über ’schwere‘ Arbeit reden und dabei fast ohnmächtig werden!“

Keine weiteren Angaben dazu, kein Kontext des Gesprächs, aber dafür hat Strick das Bild Dominos in deren Twitter-Account beibehalten und präsentiert es nun öffentlich. Ebenso geht sie mit einem zweiten Tweet um: „So faschistoide Hipster-Feministinen sind auch so ein widerliches Volk!“

Nun ist es sicherlich keine vornehme Ausdrucksweise, Menschen über deren Geschlechtsteile zu bezeichnen, aber sie ist in feministischen Kontexten ja keineswegs ungewöhnlich – unvergessen ist beispielsweise Nadine Lantschzs Beschimpfung Sascha Lobos als „Privilegienpenis“. Domino hat also vor allem nicht bedacht, dass die sprachliche Reduzierung von Menschen auf ihre Geschlechtsteile nur insoweit in Ordnung ist, als diese Menschen resp. Geschlechtsteile männlich sind – das Zitat rechtfertigt also vielleicht ihre Einordnung als phasenweise spätpubertär, gewiss aber nicht als „Hater“.

Ebenso das zweite Zitat: Auch hier spricht Domino offenbar niemanden direkt an, und dass sie eine bestimmte Sorte von Feministinnen widerlich findet, mag für diese verletzend sein, hat aber mit Mobbing oder Gewaltandrohungen gar nichts zu tun.

Zudem unterschlägt Strick eine wichtige Vorgeschichte. Domino schreibt in ihrem Blog, zur Zeit nur im Cache lesbar:

„Alle meine Blogs kritisieren im Kern nur Eines: “totalitäre Systeme“. Nicht mehr, aber natürlich auch nicht weniger. Feminismus, so wie er sich mir präsentiert, ist ein solches System (…). Ich möchte bitte darauf hinweisen, dass ich in meinen Blogs keine spezifischen Personen verunglimpfe, beschimpfe, oder beleidige.“

Dies aus einem Text mit dem Titel „#aufschrei aus Sicht eines “Maskutroll Pin-Up”. In einem anderen Text begründet Domino ihre Position folgendermaßen:

„ich bin als Jüdin in Deutschland aufgewachsen. Ich habe sehr sehr früh lernen dürfen/müssen, dass es eine Frage des Überlebens ist Ideologien in Frage stellen zu dürfen/müssen, die sich lautstark und aggressiv von “Recht und Gesetz” absetzen. Gleichfalls werde ich sehr sehr schnell hellhörig, wenn mir “Mechanismen” begegnen, die ein Hinterfragen von Ideologien (gleich welcher) unterbinden wollen.“

Schon die gehässige Rede vom „Maskutroll-Pin-Up“ – sexistische Sprüche gegen eine Frau sind eben für die Aufschrei-Macherinnen völlig in Ordnung, solange sie nur dem richtigen Zweck dienen – hat eine Vorgeschichte: Anna-Katharina Meßmer, eine der Aufschrei-Initiatorinnen, twitterte nachts als „Totalreflexion“, sie würde in der U-Bahn belästigt. Domino dazu:

„In bester Absicht riet ich Totalreflexion also zur Polizei zu gehen … Es folgte ein Tribunal übelster Beleidigungen: Mein Rat würde das Opfer bevormunden, ich betriebe ‚Victim-Blaming‘, ich hätte gar nichts zu sagen und solle einfach ‚die Fresse‘ halten.“

Tatsächlich war die kurze Twitter-Kommunikation von „ochdomino“ und „Totalreflexion“ gespannter, als es der Hinweis auf die „beste Absicht“ vermuten lässt – aber als „Hater“ ist Domino auch hier nicht aufgetreten. Sie hat Zweifel an einer Aufschrei-Repräsentantin öffentlich formuliert, hat sich in ihrem Blog klar und abgewogen vom Feminismus distanziert – als Hater erscheint sie allein durch die Collage von Zitatfetzen, die Strick für ihren Vortrag herstellt.

Stricks Behauptung, sie würde „organisierten Hass“ auf Feministinnen aufdecken, unterstellt zudem gar Absprachen und konzertierte Aktionen von Domino, Birne, dem Berufszyniker und anderen – womit sie einerseits eine offen idiotische Verschwörungstheorie entwirft und andererseits die Problematik ihres eigenen Vorgehens, aus Textfetzen willkürlich eine Hass-Collage zu erstellen, ihren Gegnern unterstellt und dort als böse Absicht entdeckt.

So viel Liebe Mit dem Hinweis darauf, dass sie als Folge des Vortrags massiven Drohungen ausgesetzt sei, bittet Domino die Verantwortlichen der Piratenpartei dringlich, in dem bei Youtube hochgeladenen Video ihr Bild zu verpixeln, und sie selbst erklärt in einem zur Zeit ebenfalls offline gestellten offenen Brief entschuldigend ihre Äußerungen (Auszüge finden sich hier). Tatsächlich wird das Video kurz offline genommen, dann aber sofort – und in der ursprünglichen Form – von anderen Piraten wieder hochgeladen. Simon Kowalewski, Mitglied der Piraten-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, verbindet seine ultimative Forderung nach erneutem Hochladen des Videos stilgerecht und gewiss in vollem Bewusstsein seiner wichtigen Aufgabe als Volksvertreter mit Drohungen:

„Also entweder ändert sich das, oder es wird eskaliert werden müssen. Und das wäre für alle Beteiligten unschön.“
Und dann:
„Das ist einfach ein ungeheuerlicher Vorgang, wenn ein par Maskuarschlöcher jetzt die Fernbedienung in die Hand bekommen.“ (Ebenfalls über diesen Link)
Selbst wenn sie Domino nicht glauben, hätten sich auch Kritiker von ihr nun zunächst einmal auf eine Beruhigung der Situation konzentrieren müssen und darauf, dass nicht noch mehr Schaden entsteht. Stattdessen äußern sich nur wenige Piraten de-eskalierend – und zumindest einer von ihnen wird dafür sofort öffentlich zur Ordnung gerufen. Anatol Stefanowitsch, Linguistik-Professor an der FU Berlin, twittert:

„Wenn sich heute noch mehr Piraten so … von den Hatern instrumentalisieren lassen, ändere ich meine Wahlempfehlung.“

Eine alberne Drohung, allerdings begleitet von Äußerungen, die peinlich, aber nicht harmlos sind. Stefanowitsch macht sich offen über die Zwanzigjährige lustig  und twittert mit einer Gesprächspartnerin darüber, dass Dominos Bild ja „aus reiner Großzügigkeit“ verpixelt werden könne, wenn diese dafür weiterhin en Mund hält.
„Wenn die im Gegenzug ihr Blog offline lässt, wäre das vielleicht für alle Seiten ein Gewinn.“

Da tauschen sich also öffentlich und ganz ohne Scham zwei nominell längst erwachsene Menschen, einer von ihnen Professor an der FU, genussvoll-triumphierend darüber aus, dass eine  Zwanzigjährige ihr Blog offline gesetzt hat, offenbar nach massiven Belästigungen und Drohungen. Warum die launigen Twitterer auf die Idee kommen, die „Hater“ stünden auf der anderen Seite, ist aus dem Kontext nicht vollständig zu erklären.

Ähnliche Verrohungen sind kennzeichnend für viele Reaktionen auf die Affäre.

das #om13gate ist hoffentlich der peak der nach scheisse stinkenden güllegrube namens feministinnenhass.oder? oder???

Bei soviel Engagement gegen den Hass werden ganz gewiss demnächst Liebe und Frieden allüberall siegreich einziehen.

Reihenweise fand ich Äußerungen von Piratinnen und Feministinnen (generisches Femininum), die  vor allem den Zweck haben, von der Verantwortungslosigkeit ihrer Verantwortlichen abzulenken. Viele bezweifeln schlicht, dass Domino überhaupt belästigt worden sei – was sie in anderen Fällen als Ungeheuerlichkeit dargestellt hätten, etwa angesichts von Anne Wizoreks Bericht über eine Belästigung, die dann bei Strick zum Vortragtitel wurde.

Der Vater Dominos, der sich in einem offenen Brief hinter seine Tochter gestellt hatte, wird über Twitter mit der Aufforderung konfrontiert, er müsse doch erst einmal beweisen, dass überhaupt seine Tochter und nicht er selbst den Blog Dominos verfasst habe. Diesen Beweis könnte er natürlich nur über die Preisgabe persönlicher Informationen über seine Tochter führen, was natürlich – wie auch seine Inquisitoren wissen – idiotisch wäre: Offenbar entlastet der Gedanke, das Blog der jungen Frau würde tatsächlich von ihrem Vater geführt, viele von dem unangenehmen Widerspruch, Gewaltdrohungen gegen eine Frau zu verharmlosen und gerade darin feministisch zu sein.

Es ist offenkundig, dass die Hetze gegen Domino, und auch gegen ihren Vater, längst tief krankhafte Züge trägt. Tiefenkaputt ist es, sich Gewaltdrohungen gegen einen Menschen mit der leichthändig in den Raum gestellten Idee schönzureden, dass es diesen Menschen ja vielleicht gar nicht gäbe. Welche Hintergründe dieser Irrsinn hat, wird unter anderem in zwei Blogeinträgen deutlich:

 „Und jetzt lässt sich ernsthaft (gefühlt) die halbe Partei von den Maskus vor den Karren spannen.“ „Und dies war clever von Seiten der Anti-Fems: kurz vor der Bundestagswahl mal eben ein Gate bei der Piratenpartei heraufbeschwören und alle kirre machen.“
Zwei Zitate aus zwei unterschiedlichen, jeweils von Verantwortlichen der Piratenpartei freudig begrüßten Blogeinträgen, die in jeweils derselben Weise problematisch sind: Sie reproduzieren lediglich die Strukturen, die zu analysieren sie vorgeben. Sie imaginieren eine harte Freund-Feind-Situation und werten noch jeden Anflug von Selbstkritik als Kollaboration, und sie leugnen eine eigene Verantwortung, indem sie die Schwierigkeiten der Situation als Resultat des heimtückischen Feindeshandelns identifizieren.

Zivilität braucht Verräter. Und Verräterinnen Diese Konstellation ist in Stricks Vortrag angelegt. Sie beendet ihn mit einer Gegenüberstellung von „denen“ und „uns“, sie macht deutlich, dass „die“ „uns“ „hassen“ und „uns“ etwas tun wollen und dass „wir“ einen Weg finden müssen, darauf zu reagieren. Das ist, in fremdschamerzwingender Simplizität und Offenheit, die grundlegende Konstellation der politischen Demagogie. Dass sich einige dadurch offenkundig zum Handeln aufgerufen fühlen, ist kein Zufall, sondern liegt in der Natur der Sache: Die Demagogie gehört nun einmal nicht zur Besinnlichkeitsrhetorik, sondern zielt auf eine aufstachelnde Wirkung.

Schrecklich aber wird der Vortrag erst dadurch, dass er stützende Strukturen vorfindet und in seiner unbeholfenen Boshaftigkeit an etablierte Argumentationsmuster anknüpft: Männerrechtliche oder feminismuskritische Anliegen dadurch zu diskreditieren, dass sie willkürlich mit massiven Gewalthandlungen assoziiert werden, haben in eben dieser Form ja schon längst die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD und die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen vorgemacht.

Dass dieses Vorgehen nun unverhältnismäßig stark eine Frau trifft, ist wohl kein Zufall – zur neueren Geschichte feministischer Bewegungen gehören eben auch viele Frauen, die sich gegenüber feministischen Glaubenssätzen kritisch äußerten und die eben deshalb, als Verräterinnen, zu Objekten von Aggressionen wurden. Dass zu diesen Aggressionen immer wieder auch körperliche Gewalt gehörte (etwa bei Esther Vilar, die buchstäblich aus dem Land geprügelt wurde), macht das öffentliche Vorzeigen des Bildes von Domino im Kontext des Vortrags übrigens noch gravierender.

Frauen, die den Feminismus offen und grundsätzlich kritisieren, untergraben seine Selbstpräsentation und seinen Anspruch, für alle Frauen zu stehen. Vor allem aber bringen sie die starre Dichotomie der Inszenierung eines Geschlechterkrieges, die inszenierte Mann-Frau-Gegenüberstellung durcheinander und schaffen Spielräume. Kurz: Sie tragen zur Zivilisierung der Situation bei. Wer das nicht erträgt, zeigt damit eben auch, dass ihm an einer solchen Zivilisierung nicht gelegen ist.

So ist es denn auch die Position nicht haltbar, Domino sei mit ihren „Hater“-Äußerungen selbst Schuld an den Reaktionen, und die Veröffentlichung ihres Bildes sei doch harmlos, da sie ihr Bild längst selbst öffentlich gemacht habe. Dass solche Äußerungen ausgerechnet aus dem Kontext der Piratenpartei kommen, deren Medium eigentlich das Internet – und damit eigentlich auch: die soziale Kommunikation – ist, macht sie nur absurder.

Denn schließlich ist das Problem der Situation ja nicht, dass irgendjemand Domino als Reaktion auf ihren Tweet „Selber Fötzchen“ oder ähnliches zugetwittert hätte und sie daraufhin wirkungsvoll in Ohnmacht gefallen wäre. Strick verschweigt wichtige Kontexte ihrer Äußerungen und stellt dafür andere, absurde demagogisch her. Das Ergebnis wird nicht von Privatleuten, sondern von einer Organisation, nämlich einer bundesweit operierenden Partei, vertrieben und von Parteiverantwortlichen verbissen verteidigt.

Insgesamt operieren auffallend viele, die sich hier so de-zivilisiert äußern, institutionell abgesichert: vor dem Hintergrund der Piratenpartei, vor dem Hintergrund von hervorragenden Medienkotakten, vor dem Hintergrund akademischer Positionen. Das eben ist ein wichtiger Unterschied zu dem Hass, den Strick zu belegen versucht: Die Feindschaft, die sie selbst mit vielen anderen hier zitierten (und noch viel mehr hier nicht zitierten) verkörpert, ist eine institutionell abgesicherter Feindschaft – und sie ist zwar gruppenbezogen, aber sie tobt sich aus an Einzelnen.

Dass Strick, Stefanowitsch und viele andere die Feindseligkeit ihres eigenen Agierens nicht wahrzunehmen scheinen, ist natürlich leicht erklärt: Zur Grundkonstellation der Demagogie, der dichotomischen Freund-Feind- oder Gut-Böse-Gegenüberstellung, gehört es natürlich auch, dass Menschen sich selbst im Kontrast zum bösen Feind idealisieren und eigene Destruktivität routiniert und betoniert eben diesem Feind unterschieben. Sie blicken in den Spiegel, glauben aber, sie würden dort nur ihren Feind sehen.

Das alles ist ja längst bekannt – umso rätselhafter ist es, wie jemand glauben kann, eine demagogische Freund-Feind-Politik, eine Politik der gruppenbezogenen Feindschaft sei vollkommen in Ordnung, sobald sie nur feministisch daherkäme.

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68 Comments

  • Erst einmal möchte ich sagen, dass dir wieder ein sehr schöner Artikel gelungen ist!

    Mit aller gebotenen Vorsicht möchte ich formulieren, diese Spielart des Gender-Feminismus zeigt inzwischen offen pathologische und totalitäre Tendenzen, von dem ich glaube, sie sind in der Ideologie selber angelegt.

    Damit meine ich, das Dogma einer Theorie welche völlig darauf verzichtet, die eigenen Thesen einer empirischen Prüfung auf ihre Richtigkeit zu unterziehen.
    Erst in diesem Augenblick würde für mich jedoch eine Theorie „wahr“ werden.
    Wenn sie adäquat die empirische Realität beschreibt.

    Die Behauptungen, es gebe zum Beispiel eine hegemoniale Männlichkeit, eine patriarchale Dividende, den gender pay gap von 23% usw. usf. haben jedoch das konkrete Problem bloße Behauptungen (nicht nur Vorannahmen) zu sein.
    In der Realität findet sich kein Anhalt für die Richtigkeit dieser Behauptungen – ganz im Gegenteil.
    Da die Theorie nicht aus der empirischen Realität entstammt, ist sie in meinen Augen ein Hirngespinst, eine „Konstruktion“, eine (philosophisch) idealistische Schrulle.

    Im Sinne der Akteure ist empirische Wirklichkeit jedoch nur eine soziale Konstruktion und, da patriarchal, per se „falsch“.
    Und in diesem Fall kann die Konstruktion von sozialen Akteuren, die aus eben dieser Spielart des Gender-Feminismus entstammen nur „wahr“ sein.

    Für diese sozialen Akteure ist es offensichtlich irrelevant, ob eine Theorie an der Wirklichkeit scheitert, weil sie falsch ist.
    Sie ist für diese sozialen Akteure „wahr“, weil sie als soziale Akteure die Auffassung teilen sie sei wahr.
    Von daher ist die Freund-Feind-Logik zwingend, da eine solche Wahrheit exklusives Privileg genau dieser Gruppe ist, die sich dieser Theorie bedient.

    Damit reduziert sich die Frage nach der Wahrheit einer Theorie auf die Größe der Gruppe und deren Ressourcen, Behauptungen beliebig oft zu wiederholen.
    Deshalb auch die ausgezeichneten Kontakte zu den Massenmedien; eine mediale Konstruktion von Wahrheit ist Wahrheit.
    Orwell hätte seine helle Freude.

    Gerade weil die Behauptungen der empirischen Realität häufig und heftig widersprechen, ist es notwendig, Kritik an diesen Behauptungen zu unterbinden.

    Schönen Gruß, crumar

  • So ist es! Und leider ist es erwartbar: es ist der Weg, den auch die anderen großen Emanzipationsbewegungen der Moderne – die der Bürger und die der Arbeiter – gegangen sind: vom legitimen Widerstand über die erfolgreiche Institutionalisierung in den totalitären Terror.

    Aber weil der Feminismus bislang weder Guillotinen aufgestellt noch Genickschüsse angesetzt hat, redet man sich ein, die Frauenbewegung würde dieser Dynamik nicht folgen.

    Übersehen wird dabei, dass der Feminismus – siehe zuletzt Hanna Rosin – längst zu einem Laboratorium für die Herrschaftstechniken eines sanften Faschismus von morgen geworden ist: ein weibliches Suprematiedenken, das Männer als minderwertige Arbeitsdrohnen des Turbokapitalismus konzipiert und selbst nur noch das Ziel hat, zur Geliebten des ideellen Gesamtkapitalisten zu werden.

    djadmoros

  • Hervorragende Analyse.

    Ich glaube, diesmal haben sie haben einen ganz schweren Fehler gemacht: Sie haben versucht, eine Person in ihr Feindschema zu pressen, der nicht der Dämon „Männlichkeit“ anhaftet und die obendrein erst knapp der Jugend entwachsen ist, noch nicht einmal als voll Strafmündig gelten würde.

    Ich meine: Wer lässt sich denn von einer 19-Jährigen derart vorführen, dass er sich auf einer Veranstaltung einer bundespolitischen Partei hinstellen muss und beklagen muss, wie er ohmächtig der Situation gegenüberstehe und dass er massiv in seiner Freiheit eingeschränkt sei?

    Das lässt man selbst einer (erwachsenen) Frau nicht durchgehen. Das eingeschliffene Opferritual zieht da überhaupt nicht mehr, es wird überdeutlich sichtbar dass versucht wird eine unliebsame Geschlechtsgenossin zu mobben.

    Die Partei- und Genderakademiabonzen, die dann in das eingeschliffene Ritterritual verfallen machen sich noch lächerlicher. Sie führen überdeutlich vor, wie wenig Arsch sie in der Hose haben, wie trotzig-infantil sie auf „Zitierrecht“ bestehen, obwohl es hier um Persönlichkeitsrechte* geht, wie sehr sie von einer rohen Straflust getrieben sind, um sich als Parteiführer zu profilieren.

    Ich hoffe, sie haben diesmal wenigstens ihr wahres, antihumanistisches Gesicht zur Genüge sichtbar werden lassen.

    Ansonsten können sie stolz darauf sein, mit vereinten Kräften und kraft ihrer gesammelten institutionellen Machtfülle eine freche und offenbar für sie überfordernd intelligente fast-noch Jugendliche zum Schweigen gebracht zu haben.

    Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte.

    Gruß, Nick

  • @crumar „Für diese sozialen Akteure ist es offensichtlich irrelevant, ob eine Theorie an der Wirklichkeit scheitert…“

    Nach meinem Eindruck ist den Denkmustern mancher Philosophen / Ideologen die „Wirklichkeit“ völlig unwichtig (nicht nur bei der Geschlechterfrage, sondern auch bei vielen andern Themen). Eine Theorie hat hier die Rolle einer Vision oder Vorgabe, wie es sein soll. Der Denkansatz ist diametral entgegengesetzt zu den Naturwissenschaften, in denen Theorien Modelle der Realität sind, mit denen ich zuverlässige Prognosen machen und Leute kurieren oder Maschinen bauen kann.

    Dieser Denkansatz erklärt die strikte Ablehnung biologischer Einflußfaktoren im Genderfeminismus (nur bei Geschlechterfragen, wenn die gleichen Leute krank sind und zum Arzt = angewandter Biologe gehen, dann glauben sie auch einmal wieder klammheimlich an die Biologie).

    Eine Theorie kann hier prinzipiell nicht an der Wirklichkeit scheitern, es kann höchstens unüberwindliche Widerstände geben, sie hier und heute umzusetzen. Die Theorie wird deswegen nicht als schlecht angesehen.

    M.E. sind es diese völlig unvereinbaren Denkansätze von Philosophen und Naturwissenschaftlern, an denen die Diskussionen mit hard-core Ideologen im Kern scheitern.

    „Damit reduziert sich die Frage nach der Wahrheit einer Theorie…“
    auf eine Machtfrage, platt ausgedrückt. Das sehe ich auch so.
    Aber mediale Macht ist auch Macht, und freie Medien wie die Blogger-Szene haben zwar weitaus weniger Einfluß als Massenmedien, sind aber m.E. nicht wirkungslos.

  • Im Sinne der Akteure ist empirische Wirklichkeit jedoch nur eine soziale Konstruktion und, da patriarchal, per se „falsch“.

    ..und unter der Annahme, dass der Ist-Zustand Gewalt produziert, wird die „Reproduktion der Konstruktion“ des Ist-Zustandes zur Gewalttat.

    Weil aber der Ist-Zustand keine (ausschließliche) soziale Konstruktion ist, ist die „Schuld“ eines jeden beliebigen Mitgliedes des vom Ist-Zustand „profitierenden“ Kollektives an jeder beliebigen Gewalt unwiderlegbar bewiesen.

    Da kann einem Angst und Bange werden.

    – Nick

  • Edit: „Weil aber der Ist-Zustand keine (ausschließliche) soziale Konstruktion ist, ist die „Schuld“ eines jeden beliebigen Mitgliedes des vom Ist-Zustand „profitierenden“ Kollektives an jeder beliebigen Gewalt unvermeidbar und gleichzeitig unwiderlegbar bewiesen.

  • Ich meine aber nicht den von gestern. Ich meine den von morgen, der mit der aktuellen, sukzessiven Sozialdarwinisierung des Kapitalismus parallel läuft und dessen politische Repressionsform darstellt. Meine These lautet, dass der Feminismus in seiner aktuellen Form an diese Entwicklung andockt. Die systematische und programmatische Entsolidarisierung mit Männern, das faktisch geübte Suprematiedenken und die Logik der Feindbekämpfung machen es möglich.

    djadmoros

  • Was es mittelfristig für die gesellschaftliche Entwicklung bedeutet, wenn ein Großteil der Menschen aufgrund ihrer Überzeugung dauerhaft verfolgt und mundtot gemacht wird, hat die Geschichte gezeigt.

    Es ist insofern nur eine Frage der Zeit bis jene inzwischen klar pathologischen Strukturen in Medien und Politik aufgrund beständig propagierter, radikalfeministischer Demagogie entsprungen einer antidemokratischen, totalitären Geisteshaltung, die aktuell am stumpfsinnig-faschistoiden Punkt „Fresse halten“ angelangt ist, das Fass überlaufen lassen.

  • Schade das sie ihren Blog schliessen musste. Denn gerade Aufklärung über totalitäre Systeme tut not und solche Seiten gehören gefördert.

    Hätte ihn gerne mal durchstöbert, befasse mich selbst viel mit solchen Themen, ausser auf deutscher Seite, dazu ist genug gesagt.

  • Ohje das sie Jüdin ist hatte ich überlesen.

    Wenn die Maskulisten davon Wind bekommen könnten sie das gut ausnutzen:

    „Feministinnen drohen Jüdin bis sie schweigt“

    Ein gefundenes Fressen. Besser Steilvorlage gibts nicht.

    Sollte man ausnutzen, der Gegner bedient sich auch jeder Schweinerei.

  • DAS macht mir viel mehr sorgen:

    Zitat:

    Anatol Stefanowitsch

    „Wenn sich heute noch mehr Piraten so … von den Hatern instrumentalisieren lassen, ändere ich meine Wahlempfehlung.“

    Wie ist das gemeint, nicht das ich hier etwas falsch verstehe?

    Was ist mit Wahlempfehlung gemeint. Wem gibt er diese? Seinen Studenten, der „Uni“.

    Wenn ich das so verstehe wie ich denke dann ist das nicht gut.

    Deutsch ist nicht meine Muttersprache, aber hier fehlt eine Info.

    Danke

  • Wahnsinn, wieder ein sehr guter Artikel. Gratulation. Gäbe es dein Blog nicht, müsste man es erfinden.

    Jetzt zum Unerfreulichen. Du hast die zentralen Punkte dieser Debatte sehr gut herausgearbeitet:
    – Freund/Feind-Gut/Böse-Denken (Nietsche nannte diese Denkweise mal Sklaven-Moral, mir wird klar, warum.)
    – absolute Rücksichtlosigkeit
    – bösartige Schadenfreude
    – Trotzreaktionen seitens der Uploader
    – Menschenverachtung
    – das Agieren aus einer Position der absoluten Stärke (als feministische Fraktion wie auch auf Vortragerinnen-Seite; ja, Jasna, du bist gemeint), die als Position der Schwäche wahnfantasiert wird
    – die Nichtigkeit des Auslösers dieser Menschenhatz (ein aus dem Kontext gerissener Tweet irgendeiner anonymen 19-Jährigen, die, seien wir mal ehrlich, keine Einflussmöglichkeiten hat.)
    – paranoide Wahnvorstellungen (der Masku-Feind hat uns mit Absicht vor der Wahl so ein Gate reingedrückt)
    – victim blaming der übelsten Sorte
    – die Überzeugung wir Feministinnen sind die Guten
    – Bigotterie (Sexismus ist gut, wenn wir Feministinnen ihn verwenden)

  • Sorry, Nachtrag:
    Mir fällt auch wieder auf, dass die Vortragende äußerst kreativ mit der Wahrheit umgeht, und zwar weit über das Weglassen von notwendigem Kontext hinausgehend.
    Jasna suggeriert z.B. Posts von Berufszyniker auf seinem (!) Blog seien direkte Attacken gegen Feministinnen gewesen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie das nicht weiß, es ist ja ihr Vortrag, insofern kann dieses Vorgehen nur böswillige Absicht gewesen sein. Die böswillige Absicht besteht darin, etwas zu suggerieren, was unwahr ist – was sich im Volksmund Lügen nennt. Oder sie denkt, dass erst dann keine Feministinnen mehr attackiert werden, wenn im gesamten Internet keiner mehr Feministinnen kritisiert (kritisieren darf).
    Die Vortragende wird mir immer unsympathischer, je mehr ich über diesen Vorgang nachdenke.

    PS: Ich habe diesen Artikel mal bei Frau Dingens in den Kommentaren weiterverlinkt, mal sehen, ob du pöhser Masku-Frauenhasser durch die „Moderation“ kommst. 🙂

  • Für die verleumderische Behauptung, mein von Ihnen verlinkter Blogbeitrag beziehe sich in irgendeiner Weise auf die hier dargestellte Situation, sollte ich Sie eigentlich einfach mal verklagen. Zu eurem Glück sind Sie mir dafür schlicht zu unappetitlich.

  • „Zu eurem Glück sind Sie mir dafür schlicht zu unappetitlich.“

    Da haben wir aber ein Glück. Der lupenreine Hater klagt nicht.

  • Ach Anatol, machst dich wieder mal lächerlich. Wasn Simpel! Erzähl uns doch was über Grönländisch, du Experte? 🙂

  • ad astefanowitsch
    Unappetitlich ist es eher, dass ein Prof. der FU- Berlin sich an einer solchen Hetze beteiligt, sich hierbei vermutlich auch noch als distinktiv und aufklärerisch erlebt.
    Die Reaktion in diesem Blog klingt hierbei eher bedrohlich und einschüchternd, hat wenig von einem des Wortes mächtigen Geisteswissenschaftler

  • Nun, da ich ja diesen Beitrag verlinkt habe, bin ja vermutlich ich gemeint gewesen.
    Der Kommentar hier von Ihnen ist allerdings so dusselig, dass ich eigentlich nur an einen Fake-Account glauben kann.

    btw: Kann ich aus dem letzten Satz schließen, dass Sie grundsätzlich nur Leute verklagen, die Sie auch mögen/appetitlich finden?

  • @astefanowitsch
    Super, ich schmeiß mich weg … jetzt aber nicht mit den Füßen aufstampfen!!

    @ Don
    Ich denke dies ist leider kein Fake, aber was soll die Welt von einem erwachsenen Menschen erwarten, der sich im Netz belustigend bei so einer Hetze beteiligt.
    Traurig, traurig, traurig

    Velosoph

    @ Schoppe
    Gratulation zu 100.500 Seitenaufrufe!!!

  • @ crumar „Für diese sozialen Akteure ist es offensichtlich irrelevant, ob eine Theorie an der Wirklichkeit scheitert, weil sie falsch ist.“ Ja, und sogar noch mehr: Da ja die soziale Wirklichkeit, wie sie ist, „falsch“ ist, könnte eine Theorie, die nicht scheitert, gar nicht wahr sein. Was in dieser falschen Welt Erfolg hat, kann logischerweise nur selbst falsch sein.

    Mein Eindruck ist schon lange, dass das eine politisierte religiöse Position ist: Wir können aus eigener Kraft in dieser Welt gar nicht zu einer (Er-)Lösung kommen, sondern sind auf eine Offenbarung angewiesen, oder auf das ganz Andere. Dieses „Andere“ ist im „Patriarchat“ natürlich – die Frau.

    Und das hat dann eben eine solche völlige Abwesenheit von pragmatischen Überlegungen, oder common sense-Überlegungen, oder auch schlichten fairness-Überlegungen zur Folge, die für die Debatte so typisch ist. Die gehören ja schließlich alle in die „falsche“ Welt…

    Schönen Gruß auch von mir!

  • @ man.in.th.middle Die Ignoranz gegenüber Fragen der Bestätigung von Annahmen in der Praxis – „Lässt sich mit diesen Vorannahmen eigentlich vernünftig arbeiten? Und was erreicht man damit?“ – gibt es in den Geisteswissenschaften tatsächlich. Aber keineswegs überall.Ich finde zum Beispiel, dass der amerikanische Pragmatismus in vielen Spielarten verucht, sowohl natur- als auch geistewissenschaftlichen Annahmen gerecht zu werden.

    Ich stimme völlig zu im Hinblick auf die Funktion der Medien: Wenn Medien Wirklichkeit gar nicht spiegeln, sondern eigentlich erst „erzeugen“, dann ist eine starke Position in ihnen von enormer Bedeutung. Und für die mediale „Erzeugung“ von Wirklichkeit hast Du ja z.B. auf deinem Blog ein sehtr gutes Beispiel – die Analyse der Aufschrei-Kampagne, die bei nährem Hinsehen ja ganz anders war, als sie in ihrer medialen Präsentation erschien.

  • @ Nick „Wer lässt sich denn von einer 19-Jährigen derart vorführen, dass er sich auf einer Veranstaltung einer bundespolitischen Partei hinstellen muss und beklagen muss, wie er ohmächtig der Situation gegenüberstehe und dass er massiv in seiner Freiheit eingeschränkt sei?“

    Sie desavouiert auch in meinen Augen ihre Position. Sie will ja deutlich machen, dass Feministinnen im Netz permanenten Belästigungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. Und angesichts der vielen verrückten Äußerungen, die man im Netz, und insebsondere in sozialen Netzwerken lesen kann, ist diese Aussage ja auch grundsätzlich völlig plausibel.

    Wenn Strick dann aber die Fötzchen-Äußerung einer Neunzehnjährigen, die sich nicht auf sie bezog und die nicht an sie adressiert war, oder die Frage nach persönlichen Interessen an der Aufschrei-Kampagne als Beispiele für diese beständigen Bedrohungen und Belästigungen anführt – dann komme ich natürlich auf die Idee, dass ja möglicherweise an der ganzen Aussage etwas nicht stimmt.

    Das kann ja sogar ein ungerechter Eindruck sein – aber um ihn zu revidieren, müsste Strick dann eben argumentieren, anstatt die Schwäche ihrer Aussagen durch Herabsetzungen ihrer Kritiker zu bemänteln.

  • Danke für Ihren Beitrag, Herr Schoppe.

    Einer der absurdesten Aspekte ist, daß Frau Strick und ihre Mitstreiterinnen den nach ihrem Dafürhalten maximal beleidigenden Aussagen über sie offensichtlich bis in die Wüste nachgehen. Immerhin waren die Tweets von Domino sowie die (leider wirklich würdelosen) Blogeinträge des Berufszynikers ja gar nicht direkt an die Damen gerichtet.

    Mein Punkt ist: Während die besonders krassen Kommentare als weiterer Beleg der Bestätigung und Unhinterfragbarkeit der eigenen Verfolgungsbehauptungen förmlich aufgestöbert werden, weigern sich Feministinnen wie Frau Strick und andere, mit gemäßigt argumentierenden Kritikern wie @thomasmichael71 (dessen Einträge ich im übrigen sehr schätze) überhaupt zu diskutieren.

    Das erscheint vordergründig zwar widersinnig, da angeblich das Leid mit jeder Lektüre eines sog. hate speech wächst, in Wirklichkeit bietet es aber natürlich die bequeme Möglichkeit, das Gegenüber als nicht stubenrein gar nicht erst vorzulassen, da es ja mit Hass erfüllt ist. Insofern ist diese unsägliche Epidemie des Hass-Begriffes wirklich ein Instrument der Vermeidung der Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Ausweis der unerschütterlichen Voreingenommenheit.

    Ironischerweise richteten sich viele der Beiträge auf dem Blog des kleinen Scheusals gegen derlei Meinungsdiktatur.

  • Ihre Androhung einer Strafverfolgung kann man, insbesonders vor dem Hintergrund, dass de jure definitiv keine Verleumdung vorliegt, durchaus als Versuch der Einschüchterung werten.

    Insofern bestätigen Sie in entlarvender Art und Weise die Berechtigung der Kritik an Ihrer Person und der Methodik im Umgang mit Kritikern.

  • @ Haselnuss Vielen Dank für den Kommentar zum Blog 🙂
    Ich seh die Punkte, die Du aufeglistet hast, tatsächlich allesamt genauso, will aber einen noch einmal herausgreifen:

    „die Nichtigkeit des Auslösers dieser Menschenhatz“ Ich glaube, dass diese Nichtigkeit sogar eine Funktion erfüllt – sie schafft eine massive Verunsicherung. Wenn ich mich offen gegen jemanden stelle, oder ihm im Wissen um das, was ich tu, (metaphorisch) ans Bein pinkle, dann kann ich ja eine Reaktion einkalkulieren (s.u.).

    Aber wenn Nichtigkeiten, die ja vermutlich 99% der täglichen Handelns ausmachen, massive und völlig unverhältnismäßige Folgen haben – dann verunsichert das total. Die Wirklichkeit ist dann eben nicht mehr kalkulierbar, und alles, was ich mache, könnte im Zweifelsfall dramatisch falsch sein.

    Insofern ist wohl gerade die massive harte Reaktion auf Nichtigkeiten ein sehr effektives Mittel der Einschüchterung.

    PS. Danke für die Verlinkung! – Ich hab aber das Gefühl, dass Frau Dingens eher zögerlich darauf reagiert…

  • „Einer der absurdesten Aspekte ist, daß Frau Strick und ihre Mitstreiterinnen den nach ihrem Dafürhalten maximal beleidigenden Aussagen über sie offensichtlich bis in die Wüste nachgehen.“ Das glaube ich auch. Wenn ich das Netz nach aggressiven Äuerungen durchsuche, dann finde ich auch aggressive Äußerungen, und zwar zuhauf. Es wäre aber albern, auf die Idee zu kommen, es ginge in all diesen Äußerungen um mich.

    Insofern entsteht dann eben der deutliche Eindruck, dass der wesentliche Zweck des Vortrags von Strick eben gar nicht darin bestand, massive Belästigungen und Bedrohungen gegen sie und andere vorzuführen – sondern eher darum, Kritker mundtot zu machen, ohne deren Argumente auch nur hören zu müssen.

  • Weiß jemand, seit wann und wieso der Blog vom berufszyniker abgestellt ist? Ich wollte schon vor mehreren Tagen nachsehen, was er denn so schreibt.
    berufszyniker.com existiert als Servername gar nicht mehr, auf berufszyniker.de kommt nur eine Fehlermeldung.

  • Ergänzend zur Bemerkung von chribu kann man feststellen, daß die Äußerung „sind Sie mir dafür schlicht zu unappetitlich“ keinerlei sachlichen Anknüpfungspunkt mehr enthält, sondern eine reine Kundgabe der Mißachtung der so angesprochenen Person darstellt. Mit anderen Worten, es drängt sich der Eindruck auf, daß es sich hier um eine strafbare Beleidigung handelt.

  • „Bestrafe einen, erziehe hundert.“ Ist das vielleicht das Motto dieser Feministinnen? Oder planen die doch nicht soo weit?

    DerdieBuchstabenzählt

  • Das würd ich nicht machen. Domino hatte selbst auf ihr Jüdischsein verwiesen, um zu begründen, warum ihr ihre Position so wichtig ist. Das ist im Zusammenhang von Bedeutung, weil damit überaus klar wird, dass es ihr um tiefe und für sie sehr wichtige Überzeugungen geht – und dass sie sich nicht einfach nur einen Zickenkrieg mit Meßmer + Co. geleistet hat.

    Aber beide Themen hier deswegen völlig zu vermengen würde beiden nicht gerecht: weder der Frage, wie eine Jüdin heute in Deutschland lebt, noch der Frage, wie denn das Geschlechterverhältnis abseits von simplfizierenden Freund-Feind- oder Gut-Böse-Schemata gestaltet werden kann.

  • Vielen Dank für diese Perle! Insbesondere auch für den gelungenen Erklärungsversuch, warum hier mit einer solchen Härte auch gegen eine Frau vorgegangen wurde.

  • Ich möchte noch nachtragen, daß sich inzwischen unter Feministen die Strategie breitgemacht hat, zu behaupten, daß das Ganze eine gesteuerte Aktion gewesen sei, daß die bloggerin gar nicht existiere, daß eine PR-Agentur dahinterstecke und die Maskutrolls das nun ausnutzen würden. Schlußfolgerung:

    „Und jetzt hetzt ein Mann im Namen einer PR-Kampagne gegen Feminist_innen. Schreibt beleidigende, verhetzende Tweets (oder lässt schreiben, das macht keinen Unterschied), setzt diese Feminist_innen trotz Solidaritätsbekundungen und Hilfsangeboten einem unglaublichen Shitstorm aus und hat dann die Frechheit zu behaupten, es wäre niemand zu Schaden gekommen?“

    Nachzulesen ist das Ganze z.B. hier:

    http://www.malte-welding.com/2013/09/02/kleines-scheusal-de-war-das-projekt-einer-pr-agentur/

    http://gedankenundrecht.wordpress.com/2013/09/02/omgate-was-wir-wissen-und-was-ich-vermuten-kann/

    http://hanhaiwen.wordpress.com/2013/09/02/der-ochdomino-fake-war-nicht-harmlos/

    Obwohl ich Feminismus im allgmeinen nicht für den Audruck einer psychischen Störung halten, scheint mir diese Wendung nun doch definitiv ein Fall für den Therapeuten zu sein.

  • Spinnen wir doch einmal drei mögliche Szenarien zusammen:

    1. Die feministischen Protagonisten merken, dass sie zu weit gegangen sind, als sie eine 19-jährige jüdische Bloggerin aus dem Netz gemobbt haben und reparieren jetzt den Schaden mit Hilfe eines eilfertigen Alphabloggers, in dem sie das Blog als männlichen PR-Stunt darstellen, der in die Hose gegangen ist.
    Dagegen spricht, dass die Fotos im Blog ein polnisches Model darstellen (sollen), was aber bisher nicht belegt wird.

    2. Eine feministische PR-Agentur hat ein U-Boot gestartet, um den Maskulinisten ein Spielzeug in die Hand zu geben, das sie kurz nach einem vermeindlichen Sieg in einer Schlacht um einen denunziatorischen Vortrag vor ihren Augen kaputt machen.
    Praktische Folge: Alle ernst zu nehmenden Blogger für Männerrechte, die auf den Zug aufgesprungen sind, sind blamiert bis auf die Knochen.
    Dagegen spricht, dass die gesamte Eskalation zwischen Welding, der Faserpiratin und allen anderen Beteiligten abgesprochen sein muss, was schwer durchzuhalten ist, außer man ist wirklich fest verschworen, wonach es nicht aussieht. Welding ist eigentlich seriös.

    3. Ein Mann hat sich tatsächlich als 19-jährige Jüdin ausgegeben, um die feministische Seite, die im Zuge von #aufschrei enormen Auftrieb bekam, effektiver bekämpfen zu können als er dies als Mann könnte. Frau und Jüdin = schwer angreifbar. Je bekannter das Blog wurde, desto mehr bestand die Gefahr der Enttarnung. Und nach dem Piratenvortrag eskalierte es und es haben eine Menge Leute damit begonnen, zu recherchieren und tatsächlich was gefunden. Dann wurde es ihm zu heiß und der „Vater“ musste eingreifen, aber es war zu spät. Das wäre ein klassischer Bärendienst, den der Mann hier geleistet hat.

    Sorry, aber dagegen spricht wenig. Das kleine Scheusal war mir immer zu glatt, zu aufgesetzt und die eitlen Fotos, die wirklich unter jeden Post gepappt wurden, zu unglaubwürdig. Ich werde immer misstrauisch, wenn alles zu gut passt und hier passte es zu gut.

    Da wird die nächsten Tage noch was nachkommen, doch was immer es sein wird: Es wird die Debatte nicht versachlichen.

  • @Schoppe:
    *Aber wenn Nichtigkeiten, die ja vermutlich 99% der täglichen Handelns ausmachen, massive und völlig unverhältnismäßige Folgen haben – dann verunsichert das total. Die Wirklichkeit ist dann eben nicht mehr kalkulierbar, und alles, was ich mache, könnte im Zweifelsfall dramatisch falsch sein.*

    Das ist nmE ein ganz entscheidender Punkt, in diesem Zusammenhang.

    So funktioniert Terror.

    „Es kann jeden erwischen. Sieh' bloß zu, dass du nicht aus der Reihe tanzt! Schon ein falscher Blick kann den Fokus der Religionswächter auf sich ziehen, dann bist du sozial erledigt!“

    Jasna Strick, Frau Dingens et al, im Buch zum Film, „Ich bin kein Sexist, Aber…“:

    „Eine oftmals wiederkehrende Reaktion ist die Verunsicherung in Bezug darauf, welches Verhalten »noch in Ordnung« ist und welches Verhalten schon als sexistisch gewertet werden kann. Was unterscheidet einen Flirt von Sexismus? Die Grenze verläuft unstetig, ist schmal und unsichtbar. Sie liegt dort, wo sich Menschen nicht mehr auf Augenhöhe, sondern in einem Machtverhältnis begegnen. Die gute Nachricht vorab: Studien belegen immer wieder, dass sowohl Frauen als auch Männer klar erkennen können, wann etwas sexistisch – also objektifizierend, abwertend – und wann etwas ein Kompliment oder ein Flirt ist. Eine Ende der 1990er Jahre durchgeführte Untersuchung zeigte sogar, dass Männer anzügliche Witze, Bemerkungen und pornographische Bilder am Arbeitsplatz eher als Belästigung einstuften als Frauen.“

    Im Gegensatz zur vorgeschobenen Intention einer Klärung der Frage, wann ein sexuelles Fehlverhalten vorliege, wird die Kategorie vollkommen entobjektiviert bzw. verwillkürlicht, es wird darauf abgestellt dass Männer“ erwiesenermaßen ganz genau wüssten, dass und wann sie etwas falsch machen würden.

    Das sei die „Gute Nachricht“(!)

    Dieses massive Entobjektivieren von moralischen Kategorien zieht sich wie ein roter Faden durch den radikalfeminitischen Diskurs. Das ging offenbar schon in den 1970ern (ach, was red' ich: Schon im 19. Jahrhundert) los. Es ist ein ganz zentraler Kern radikalfeministischer Politik.

    Kaum etwas eignet sich besser für solche Machttechniken als die Trope „sexuelle Gewalt“, nachdem wir ja keinen Satan mehr haben.

    Frau Strick reitet natürlich auf dieser Trope. Die Zielrichtung ist letztlich weniger, dass _sie_ in ihrer politischen Aktivität behindert werde, sondern vielmehr, dass Opfer sexueller Gewalt daran gehindert würden, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und ihr Schicksal sichtbar zu machen. Durch die Konstruktion eines konzertierten Vorgehens wird jeder, der in den Fokus gerät zum Mittäter oder zum Täterschützer.

    Sebastian Greiner sprach ausdrücklich von „Täterschutz“ als es darum ging, @ochdmino durch Verpixelung ihres Fotos vor dem Mob zu schützen.

    Diese Machttechnik wird natürlich auch benutzt, um „Kollaborateurinnen“ zu disziplinieren. Frauen, die Kritik wagen sind eine Bedrohung, weil sie die Legitimation „für Frauen“ zu sprechen – die entscheidende Grundlage dafür Exekutivgewalt vom „Patriarchat“ zu erhalten – in Frage stellen.

    LG, Nick

    Und: Auch von mir, Glückwunsch zu den >10e5 Seitenaufrufen!

  • > (…) Praktische Folge: Alle ernst zu nehmenden Blogger für Männerrechte, die auf den Zug aufgesprungen sind, sind blamiert bis auf die Knochen.

    Selbst wenn diese Spekulation zuträfe, finde ich das ganz und gar nicht. Ein Vergleich: Angenommen, es gäbe einen Landstrich, in dem es häufig zu rechtsradikalen Übergriffen kommt. Eine Zeitung berichtet, Neonazis hätten einem Mädchen jetzt sogar ein Hakenkreuz in die Wange geritzt. Viele Blogger beziehen sich auf diesen Artikel, erklären dabei Solidarität mit dem scheinbaren Opfer und verurteilen aggressiven Rechtsextremismus. Später stellt sich heraus, dass das Mädchen psychisch gestört ist und sich das Hakenkreuz selbst in die Wange ritzte. Haben sich nun alle Blogger „blamiert bis auf die Knochen“? Die Rechtsextremisten würden es mit Sicherheit so darstellen, auftrumpfen und eine Entschuldigung erwarten, aber sonst ..?

  • Selbst wenn es diese bloggerin nicht gab: Das Verhalten des Organisationskomitees der Open Mind 13, das des Vorstandes der Piratenpartei, das der feministischen blogger, twitterer usw. zusammen mit ihren – wenn vielleicht auch vermeindlichen – Gründen … das gab es.

    Und das ist doch der Punkt.

  • Malte Welding hat angeblich eine Mail erhalten, derzufolge das Janze die Aktion einer PR-Argentur war.

    Naja.

    Die Moralität einer Vorgehensweise wird ja nicht dadurch aufgewertet, dass die angegriffene Person tatsächlich nicht existiert.

    Auf den ersten Blick natürlich eine ziemliche Blamage für „DieMaskus“, die sich leidenschaftlich für die nichtexitente Person eingesetzt haben.

    Worin besteht aber die Blamage eigentlich? Hauptsächlich wohl darin, dass man so „blöd“ war, auf diese Aktion einer PR-Argentur „hereinzufallen“. Dann sind aber wohl „DieFemis“ gleichermaßen „hereingefallen“. Die Frage, was PR-Argenturen s veranstalten ist doch eigentlich eine ganz andere als die Frage, wie man mit abweichenden Meinungen umgeht.

    Es gab vernünftige Gründe dafür, davon auszugehen dass hinter @ochdomino eine reale Person steckt. Ob sie tatsächlich bedroht wurde oder nicht wusste sowieso von Anfang an niemand. Wenn jemand – egal ob „echt“ oder „unecht“ – vorbringt bedroht worden zu sein, dann ist es nicht lächerlich sich damit zu beschäftigen.

    Die Verantwortlichen der Piratenpartei sind gleichermaßen von einer echten Person ausgegangen, und haben dennoch so agiert wie sie agiert haben. Sie haben damit demonstriert, dass sie mit einer echten Person so umgehen _würden_. Auf diesen Umstand müssen wir immer wieder hinweisen.

    Nun wird es wohl durch die große Presse gehen.

    Das wird so seine Vor- und Nachteile haben. Ich bin voläufig der Auffassung, dass fast jede Form von Aufmerksamkeit mehr Feminismusgegner als Feminismusbefürworter produziert. Aber wir werden wohl auch mit viel Dreck beworfen werden, und haben „nur“ unsere Blogs, um uns dagegen zu wehren. Diese Blogs werden andererseits auch mehr Aufmerksamkeit erfahren.

    Was wohl mit diesem Sujet kaum gelingen dürfte, ist, uns als „große Gefahr für zentrale Werte der Gesellschaft“ zu konstruieren. Das aber die Ecke, in die uns der Radikalfeminsimus gerne gestellt sähe.

    – Nick

  • @man in the middle
    „M.E. sind es diese völlig unvereinbaren Denkansätze von Philosophen und Naturwissenschaftlern, an denen die Diskussionen mit hard-core Ideologen im Kern scheitern.“

    Hier muss ich protestieren – bitte nicht einfach „von Philosphen“ reden. Die Gender-Fraktion bsw hat nach meinen – und nicht nur nach meinen! – Kriterien keine philosophische Theorie im Untergrund, sondern stoppelt sich in ekklektizistischer Manier wild was zusammen.

    Von einer philosphischen Theorie erwartet man, und zwar nicht nur, wenn man Kant gelesen hat, begriffliche Konsistenz, präzise Angabe eines Gegenstandsbereiches, eine geklärte Methodik für den Gegenstandsbereich, Überprüfbarkeit, wenn empirische Phänomene beschrieben werden etc.
    Und die Beiträge des Kritischen Rationalismus zur Aufdeckung von sich selbst immunisierenden Theorien sind doch auch nicht zu verachten.
    Das Problem ist doch, dass aus Gründen der geistigen Faulheit ein „wir sind doch Postmodern“-Geschwafel vorgeschoben wird, um um härtere Kriterien herum zu kommen.

    Kurz gesagt: Die Schwurbel-Fraktion ist nicht „die Philosophie“. Da gibt es noch ein bisschen mehr, auch den von Schoppe genannten Pragmatismus.

    Seitenblick
    (der dieses Philosphen-Bashing dann doch nicht so stehen lassen wollte)

  • @Seitenblick: OK, diese Kritik akzeptiere ich. Das war zu pauschal ausgedrückt, womöglich habe ich meine privaten Erfahrungen verabsolutiert. Wie nennt man denn die Schwurbel-Fraktion der Philosophie auf Hochdeutsch?

    Der Anspruch der „Überprüfbarkeit, wenn empirische Phänomene beschrieben“ werden, ist übrigens m.E. nahezu unerfüllbar, wenn die Phänomene über mehrere Generationen entstehen und sich entwickeln, und das ist nach meiner Einschätzung z.B. bei allen Geschlechterstereotypen der Fall. Das würde ich auch nicht mehr als Philosophie bezeichnen, sondern als empirische Sozialforschung. Aber immerhin die Absicht, das zu tun (zumindest näherungsweise), ist schon mal lobenswert.

  • 2. Eine feministische PR-Agentur hat ein U-Boot gestartet, um den Maskulinisten ein Spielzeug in die Hand zu geben, das sie kurz nach einem vermeindlichen Sieg in einer Schlacht um einen denunziatorischen Vortrag vor ihren Augen kaputt machen.
    Praktische Folge: Alle ernst zu nehmenden Blogger für Männerrechte, die auf den Zug aufgesprungen sind, sind blamiert bis auf die Knochen.

    Blamabel ist es, eine solche hirnverbrannte „PR-Aktion“ zu machen (wenn es denn tatsächlich so gewesen sein sollte). Ich hab den Fall und all die Twitterei nicht wirklich verfolgt, um mir eine Meinung zu diesem Fall zu bilden. Dass Feministen über ein grosses Agressions- und Diffamierungspotential verfügen weiss ich seit langem, völlig unabhängig davon, ob die ganze Chose nun ein Fake ist oder nicht.

    Für was soll eine solche PR-Aktion gut sein? Um den Beweis anzutreten, dass Informationen im Netzt leicht gefälscht werden können und Personen, die sich nur unter Nicknamen äussern eine Identität vortäuschen können, die in der Realität gar nicht existiert? Aha.

  • Aus dem Blog: „Texte, sowie der Twitter Account, wurden von einer anderen Mitarbeiterin geführt.“
    Um gewissen feministischen Kreisen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Autorin existierte, im Blog war kein Mann am Werk.
    Mal soll diese Autorin authentisch geschrieben haben (betrunken an einer Bushaltestelle) und mal nicht (wenn's gegen Aufschrei ging). Das macht mich erst einmal stutzig und ich denke mir meinen Teil zu dieser Aussage der höchst glücklichen Authentizität der Autorin. Glücklich in dem Sinne, dass ihre Aussagen nie gegen den Feminismus gingen und die Hatz damit jetzt ein Ende haben kann.

    Ansonsten war der Hass und die Hatz und die Menschenverachtung real. Das haben ja schon mehrere betont.

  • „Sorry, aber dagegen spricht wenig. Das kleine Scheusal war mir immer zu glatt, zu aufgesetzt und die eitlen Fotos, die wirklich unter jeden Post gepappt wurden, zu unglaubwürdig.“
    Ich bin sicher: Wenn sich herausstellt, dass es tatsächlich ein Fake war, wird man im Nachhinein viele Gründe finden, warum man das eher hätte wissen können. Solche Gründe gibt es aber oft – wenn alle Menschen, die sich im Internet „aufgesetzt“ oder „eitel“ verhalten, Fakes wären, dann wäre ein Großteil der Interkommunikation ein Gespräch von Fakes mit Fakes.

    Natürlich ist es peinlich und beschämend, wenn man merkt, das man im Internet einem Fake aufgesessen ist. Aber die Alternative ist eher schlechter – auch wenn man gelegentlich Zweifel an der Selbstdarstellung einer Person hat, ist es ja doch wichtig, grundsätzlich davon auszugehen, dass sie zumndest existiert. Und sei es nur, um basale Bedingungen der Fairniss und der Höflichkeit einzuhalten.

    In Situationen mit unzureichenden Informationen ist es ja ein gutes Prinzip für Entscheidungen, diejenige Wahl zu treffen, mit der man – falls sie sich als falsche Wahl herausstellt – weniger Schaden anrichtet. Insofern war beispielsweise die Entscheidung für einen Rückzug des Videos absolut richtig, auch wenn die Person, die damit geschützt werden sollte, gar nicht existierte.

    Und: Die Ergebnisse des Milgram-Experiments sind ja tragfähig, auch wenn die Menschen dort nicht tatsächlich Stromstöße erhalten haben. Die Bereitschaft der versuchspersonen, andere zu quälen, wurde ja trotzem deutlich. Insofern war Domino, wenn sie denn ein Fake ist, ein Experiment, dass nicht nur mit „Masku-Trolls“, sondern auch mit Feministinnen angestellt wurde. Und ich finde ganz und gar nicht, dass die „Maskus“ dabei schlechter weggekommen sind.

    Alerdings ist die Situation nun offenkundig pathologisch: Wenn Domino kein Fake ist, sind die Fake-Vorwürfe irre – und wenn sie ein Fake ist, dann ist der Aufbau dieser Fake-Identität ein erheblich gestörtes Verhalten.

  • Ich habe noch eine Nummer 4 als Theorie, die ich inzwischen ebenso wahrscheinlich finde:

    Hier hat sich ein Vater vor seine Tochter gestellt und nimmt den Blog als sog. „PR-Aktion“ auf seine Schippe.

    Auf kleines-scheusal.de ist folgender Text erschienen:


    Hiermit bestätigen wir die Richtigkeit der Angaben in dem Artikel von Malte Welding. Die Informationen wurden von uns genau so an ihn weitergegeben. Der zitierte Text ist also authentisch.

    Nachtrag: Da in der öffentlichen Diskussion immer wieder der Vorwurf einer vorgetäuschten „jüdischen Identität“ auftaucht; es gibt Dinge, die sollte man nicht erfinden. Die meisten unserer Mitarbeiter, inkl. mir selbst sind Juden. Im Blog wurde nicht explizit gegen „Feministinnen“ gehetzt, sondern JEDER allzu verbohrten Ideologie widersprochen. Viele der Blogposts beschäftigten sich mit Antisemitismus und Fremdenhass – aus „jüdischer Sicht“.

    Auf der Webseite http://inkommodus.com/team.html ist Dominica als Teammitglied aufgeführt. Herr Schwarz, der Geschäftsführer, hat sich laut Kommentarleiste von Malte Welding als Vater von Dominica bezeichnet, auch wenn sie einen anderen Nachnamen hat.

    Das würde erklären, warum die Domain auf die Agentur registriert war. Lief auf den Namen des Vaters. Nicht unüblich für 19-jährige.

    Das würde auch erklären, warum die Agentur so kampflos alle Schuld auf sich nimmt und sich zu einer „PR-Aktion“ bekennt, die gar keinen Sinn ergibt.

    Nochmal: Ich glaube inzwischen, hier schützt ein Vater seine Tochter. Das ist sein Recht.

  • PS. Der Verweis auf das Milgram-Experiment stammt aus einer Tiwtter-Äußerung, von wo ich ihn übernommen habe.

    Die Idee von einem „feministischen U-Boot“ (die oben ja auch nur der Vollständigkeit halber durchgespielt wurde) finde ich übrigens unplausibel, damit wittert man hinter unliebsamen Sachverhalten sofort ein verschwörerisches Wirken des „Gegners“. So wie auch die Rede von einer „Hatz“ keine feministische Verschwörung unterstellt (dies gegen den Text von „gedankenundrecht“),sondern darauf zielte, dass „Domino“ nach ihren bzw. ihres „Vaters“ Informationen als Resultat des Vortrags massive Drohungen erhalten hatte – und das diejenigen unter den Piraten, die darauf umsichtig genug waren, den Vortrag zurückzuziehen und persönliche Angaben verpixeln zu wollen, damit auf massiven, auch herrischen Widerstand gestoßen sind.

    Hätte „Domino“ angegeben, für feministische, nicht für feminismuskritische Äußerungen so bedroht zu werden, dann wäre die Reaktion gewiss ganz anders gewesen. Der Widerspruch zum ansonsten doch gern bemühten „Definitionsmacht“-Konzept ist klar.

  • Nochmal: Ich glaube inzwischen, hier schützt ein Vater seine Tochter. Das ist sein Recht.

    Gut möglich.

    Immerhin ist ja der volle Name incl. Adresse, Telefon und Email von fleißigen „Aufdecker_innen“ ins Netz gespeist worden („aber verbreitet das _bloß nicht_“ *kicher*). Heldenhafte Investigativjournalisten haben auch schon Blut gerochen und haben sich auf die Jagd begeben..

    Das wäre ziemlich schlau: Die Journalistenmeute hat eine Story, die sich erheblich besser als die (hiebei angenommene) Realität verkauft und die Tochter hat eine Legende, falls sie mal irgendwo arbeiten will wo eine Feministin Pesonalchefin ist.

    Andererseits passt die Story auch: Die Agentur gibt als Dienstleistung u.A. an, Blogs zu betreiben. Was mich schon erstaunt hat war das stark ausgeprägte Rechtsbewußtsein bzgl. der Veröffentlichung der Fotos der angeblichen S-Bahn-„Täter“. „Die Empörung war echt“ schreibt der Agenturchef. Die Texterin soll eine Journalistin sein, da ist es plausibel dass sie für solche Sachen ein außergewöhnlich gesundes und Ethik- und Rechtsempfinden hat.

    Am Ende ist es, jedenfalls für mich, piepegal. Wenn es eine Legende sein sollte, dann sollte man es dabei belassen und bloß nicht weiter nachbohren.

    Ich finde es ziemlich „witzig“, wie sich nun einige hinstellen und behaupten, es hätte gar keinen Pranger gegeben weil die Person doch nicht „echt“ gewesen sein soll. Der Schaden ist in der Tat immens, und sie reiten sich so noch tiefer hinein in ihre moralische Selbstdemontage.

    -Nick

    Insofern hat die Wendung eigentlich noch eins draufgesetzt

  • @man in the middle
    „Wie nennt man denn die Schwurbel-Fraktion der Philosophie auf Hochdeutsch?“

    Hm, die Schwurbler findet man m.E. hauptsächlich unter dem Stichwort der Postmodernen Theoretiker (sorry, ist nicht wirklich hochdeutsch ;-). Ich will damit auch nicht alle Postmodernen pauschal als Schwurbler abtun. Bei Foucault bsw. findet man auch Beschreibungen von Machtverhältnissen, durch die er manche Beobachtungen Nietzsches treffend dynamisiert. Aber das führt jetzt etwas weit ab …)

    Der Unterschied liegt übrigens nicht einfach bei der Frage Konstruktivismus ja oder nein. Kant ist in gewissem Sinne auch Konstruktivist – in seiner Erkenntnistheorie bauen wir mit unseren Verstandeskategorien aktiv unsere Gegenstandserkenntnis auf.

    Aber nichtsdestotrotz gibt es bei ihm allgemein verbindliche Regeln für das Denken, aus denen u.a. so etwas wie Konsistenzanforderungen hervorgehen. Bei ihm gibt es in Form der Vernunft eine unentbehrliche, übergreifende Instanz, die erst einen gemeinsamen Boden für Kommunikation und Prüfung von Argumenten bildet.

    Und hier liegt m.E. der Unterschied: Wenn so eine parteienübergreifende Instanz aufgegeben wird und es nur noch um partikulare Interessen geht wie bei gewissen feministischen Strömungen, wenn der Ausgangspunkt nicht mehr Menschenrechte und -pflichten sind, dann wird es kritisch. (Schoppe und ich haben uns hier ja schon mal über die dadurch entstehende Zersetzung der Grundlagen einer Zivilgesellschaft unterhalten – so was steht dabei für mich im Hintergrund.)

    Ich persönlich beantworte gewissen Feminismus-Quark deshalb auch nicht mit „oh, dann bin ich Maskulist“. Weil ich mich dann auf diese partikularistische Logik einlassen würde. Ich gehe von Menschenrechten aus, die mal bei Männern und mal bei Frauen verletzt werden können. Und kritisiere dementsprechend eine Denkweise, bei der der einen Gruppe von Menschen mehr Rechte zugestanden wird als der anderen. (Fühle mich bei manchem Prinzesschen-auf-der-Erbse-Gejammer an Adels-Attitüden erinnert.) Darin sehe ich auch den positiven Beitrag von diesem Blog oder deinem: Sie weisen auf blinde Flecke der Doppelmoral hin. Und das ist im Moment leider nötig.

    „Der Anspruch der „Überprüfbarkeit, wenn empirische Phänomene beschrieben“ werden, ist übrigens m.E. nahezu unerfüllbar, wenn die Phänomene über mehrere Generationen entstehen …“

    Da hast du natürlich recht, in der Praxis ist das ausgesprochen schwierig. Aber es kann dennoch sehr sinnvoll sein, derartige Anforderungen im Gepäck zu behalten. Sie können durchaus eine Korrekturfunktion haben und Immunisierungen zumindest entgegenwirken.

    Gruß
    Seitenblick

  • @ Schoppe
    Dein Eindruck, es handele sich um eine Religion neuen Typs, drängt sich auch mir immer mehr auf.
    Es ist eine Art „säkularer Mystizismus“.

    Wenn ich in der Wikipedia unter dem Stichwort „Heilserwartung“ nachschaue, dann trifft m.E. die Charakterisierung dieser Gruppierung als „Heilserwartungsbewegung“ ins Schwarze.

    crumar

  • @man in the middle

    Die Charakterisierung als „postmodern“ oder „poststrukturalistisch“ argumentierend würde ich teilen, jedoch fände ich das zu unpräzise, weil es am Kern des Problems vorbeischrammt.

    Die erste Unterscheidung ist m.E. das Verhältnis von Denken und Sein; stimmst du der Aussage zu, dass eine Welt außerhalb dir selbst, unabhängig (und dir vorausgehend) von deinem Bewusstsein existiert, dann bist du philosophisch gesehen ein Materialist, lehnst du dies ab, du bist du ein Idealist.

    Selbst wenn man jedoch diese Unterscheidung nicht trifft, dann stellt sich die Frage, wie wir a. mit der Realität umgehen, welche b. Erkenntnisse wir mit c. welcher Sicherheit aus dieser gewinnen können.
    (Wobei, wer leugnet, dass es eine objektive Realität gibt, sich in mehr oder weniger idealistischen Fahrwasser befindet)

    „Postmodern“ bedeutet in diesem Kontext ein mehr oder weniger konsequenter *Relativismus*.

    In der Regel wird von dieser Denkweise a. bestritten, dass es eine objektive Realität gibt, aus der b. sich demnach auch nicht wahre und objektive Erkenntnisse gewinnen lassen, denn c. die Charakterisierung einer Tatsache als „wahr“ oder „falsch“ ist abhängig vom Individuum oder einer sozialen Gruppe.

    Letztlich eine reine Meinung.

    Mit der Ausnahme, es handelt sich um eine, die *richtige* soziale Gruppe.
    In dem Fall haben alle Aussagen automatisch einen „wahren“ Charakter, ohne dass dieser im Einzelnen überprüfbar sein könnte oder müsste.
    Oder auch nur belegt werden kann, warum sich aus der bloßen Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe automatisch ein „Standpunkt“ oder überhaupt eine Position oder Aussage ergibt

    Das ist, nicht nur in diesem Fall, reine Willkür, denn Wahrheit wird damit zu exklusivem Verfügungsmasse einer sozialen Position sozialer Akteure.

    Ich möchte a. betonen, denn wenn es keine empirische Realität gibt und kein gesichertes Wissen, dass aus dieser zu gewinnen wäre, dann entfällt natürlich der Anspruch und die Mühsal, die eigenen Theorien und Thesen experimentell in der empirischen Wirklichkeit bestätigen zu müssen.
    Oder überhaupt herleiten zu können, aus welcher empirischen Wirklichkeit die Theorien entstanden sind.
    Das ist natürlich eine immense Einsparung an Aufwand.
    Quasi eine eingebaute Arbeitszeitverkürzung. 😉

    Und weil Kritik damit ins Leere läuft – eine Aussage als „falsch“ oder „unwahr“ zu bezeichnen verbietet sich von selbst, da dies entweder eine reine Meinungsäußerung ist.
    Oder du nur kritisierst, weil du im Grunde einen „privilegierten“ Standpunkt verteidigst.
    Mit dieser (unsinnigen) Unterstellung, Kritik hätte rein subjektive Gründe kann nur glaubwürdig argumentieren, für den die Unterscheidung zwischen „wahr“ und „falsch“ ebenfalls rein subjektiv ist, weil es Objektivität gar nicht geben kann.
    Sondern nur – letztendlich – richtige oder falsche Subjekte.

    Das ist eine perfekte Selbstimmunisierung gegenüber Kritik und der Tod jeder (Sozial-) Wissenschaft.

    Schönen Gruß, crumar

  • Hi djadmoros!

    Also, die Feministinnen würden schon noch ganz gerne – aber nicht so ausdrücklich:

    Andrea Roedig im „freitag“: Tugend ist kein Schrecken

    „Denn der generelle Verdacht gegen die Moral und der Vorwurf ihrer Rigidität hat selber Schlagseite. Die Gegenseite, die sich als Verfechterin der Liberalität geriert, benutzt ihn, um alles an der moralischen Tugendhaftigkeit zu diskreditieren, also auch das, was an deren Erregung richtig war.“
    (…)
    „Philosophen beim Wort zu nehmen, kann verheerende Folgen haben. Robespierre hat den Gedanken Rousseaus, dass ein Gemeinwesen sich unter den allgemeinen Willen, die Volonté générale zu stellen habe, in Politik umgesetzt. Da die Volonté générale absolut gut ist und absolut vernünftig, ist dieses Übertragungsverfahren – rein theoretisch – bombenrichtig. Praktisch ist das Terror. Die Tugend rechtfertigt den Schrecken. Wir kennen das aus allen möglichen Regimen. Wie klar und gewaltig klingt Robespierre in Büchners Drama Dantons Tod: Ohne Tugend ist der Schrecken verderblich, ohne Schrecken ist die Tugend machtlos. „Der Schrecken ist nichts anderes als die schnelle, strenge, unbeugsame Gerechtigkeit.“

    Es ist klar, dass das nicht sein darf. Eine Wahrheit, die das Einzelne restlos unter das Allgemeine zwingt, wird unwahr. Die einzige absolute Aussage, die man treffen kann, ist vermutlich die, dass das Absolute nicht absolut sein darf. Dass nicht die Totalität eines einzigen Prinzips herrschen darf.

    Nicht so radikal bis zur Guillotine, auch wenn das manchmal ganz praktisch wäre.“

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/habt-euch-nicht-so

    Da kommt man doch schon ins grübeln…

    Schönen Gruß, crumar

  • @ crumar Danke für den Link, sehr interessant. „So falsch die absolute Rigidität in sich ist, so sehr profitiert ein Gemeinwesen davon, dass irgendwer die moralische Drecksarbeit macht.“ Die „moralische Drecksarbeit“, das klingt nach Müllraustragen. Tatsächlich heißt es, dass jemand sich unmoralisch verhält, um der Moralität aller zum Sieg zu verhelfen.

    Roedig beruft sich dabei auf „zivilen Anstand“, der doch damit duerchgesetzt werde, und konkretisiert den zu Beginn z.B. als „anständiges Verhalten gegenüber Frauen“. Das eben ist das Problem: In der Brüderle-Debatte, mit der sie anhebt, konnte man ja gut auch die Frage stellen, ab das Verhalten gegenüber ihm denn nun eigentlich so anständig war – und ob es nicht auch generell „unanständiges“ Verhalten gegenüber Männern gibt.

    Wer hingegen die moralische Drecksarbeit macht, kennt solche Abwägungsprobleme nicht. Dabe sind eben solche Abwägungen das, was Zivilität eigentlich erst ausmacht.

    Schönen Gruß!

  • @Schoppe Schönen Gruß zurück!
    Der Besuch ist weg und ich stehe noch unter Kulturschock.;)

    Die „moralische Drecksarbeit“ zu erledigen, wer hat die Damen und Herren Genderisten denn damit beauftragt?
    Und wer definiert mit welcher Legitimation, was Moral ist?
    Es kann sich dabei nur um eine Selbstermächtigung handeln.
    Und ich fürchte, „Abwägung“ wird nicht Bestandteil dieser Herrschaftsform sein.

    Frau Roedig nahm in der Beschneidungsdebatte erstaunt zur Kenntnis, dass auch Männer Opfer sein können.
    Das waren sie beispielsweise in der Missbrauchsdebatte, die katholische Kirche betreffend schon die ganze Zeit.
    90 % der Opfer waren männlich, nämlich Jungen.
    MEDIAL wurde dieser Skandal als „Kindes“missbrauch (da fehlte auf einmal das Geschlecht) verhandelt und dargestellt in der Gewissheit, das Kind im Kontext von Missbrauch immer „Mädchen“ meint.

    Diese „Lesart“ fiel jedoch nicht vom Himmel, sie wurde propagandistisch durchgesetzt.

    Damit möchte ich sagen, genau dieselben Medien, zu denen Frau Rödig gehört, haben die Wirklichkeit erst konstruiert, die ihr Anlass zum Staunen gibt.
    Sie staunt über die Entdeckung einer Tatsache, zu deren Verhüllung sie durch ihr Wirken beigetragen hat.

    Genau dieselbe Doppelmoral kultiviert sie in der Verwendung des Wortes „Anstand“. Denn Anstand und Respekt – hier nimmt sie bürgerliche Werte in Anspruch, deren Herkunft und Funktion ihr anscheinend unklar ist – gebührt (und das hast du völlig richtig geschildert) nur Frauen.
    Einer der größten Geschlechter Missverständnisse kommt hier ans Tageslicht: Respekt gebührt den Frauen alleine durch ihre biologische Existenz, Männer müssen sich Respekt erarbeiten.

    „Sei ein Mann!“ Ist ein sinnvoller Satz, „Sei eine Frau!“ Ist aus diesem Grund sinnlos.

    Insofern ist der Appell an den „Anstand“ der Männer einer auf der Ebene des Verhaltens, eine Frau ist (im gesellschaftlichen Sinne) „anständig“ oder nicht.
    Du kannst von Frau Rödig nicht verlangen, die Stereotype zu reflektieren, die sie permanent bedient. 😉

    Wirklich komisch finde ich nur, ihre miserablen Kenntnisse der Geschichte. Die Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses so naiv im Kontext von Tugend darzustellen ist insofern erstaunlich, als sonst das feministische Narrativ der Hinrichtung von Olympe de Gauge ein wenig anders klingt.
    Ich hatte mir schon überlegt einen Beitrag zu schreiben: „Rübe ab für die royalistischen Schlampen! Feministinnen nehmen endlich Vernunft an.“
    Sehr schade das! 😉
    Aber ohne Zweifel hätte mir das wieder eine Sperre von mindestens 14 Tagen eingebracht…

    Die Genderisten im „Freitag“ sind ausgeprägt humorlos und im einstecken (nicht im austeilen) ausgesprochen ungeübt.

    So, das war's für den heutigen Tag. Muss Schlaf nachholen!
    Schönen Gruß, crumar

  • @crumar

    Warum schreibst du bei den humorlosen Maulkorbgenderisten vom freitag? Du brauchst die nicht. Mach es wie Man Tau und publiziere auf deinem eigenen Blog. Ich wär ein treuer Leser.

    Beste Grüße
    ReVolte

  • hallo Crumar.

    Wir haben wohl etwas verschiedene Hintergründe, kommen aber m.E. zu recht ähnlichen Einschätzungen.

    Dein
    „“Postmodern“ bedeutet in diesem Kontext ein mehr oder weniger konsequenter *Relativismus*. … [es gibt in Folge] nur – letztendlich – richtige oder falsche Subjekte“

    läuft ja auf das gleiche hinaus wie mein „wenn eine übergreifende Instanz fehlt, die erst einen gemeinsamen Boden für Kommunikation und Prüfung von Argumenten bildet …“.

    (Ich ordne es halt deshalb nicht über die Stichworte „Verhältnis Denken – Sein“, weil Kant bsw. diese Differenz unterläuft: Sein kritischer Idealismus betont zwar a. unseren Konstruktionsanteil, weist aber zugleich darauf hin, dass es b. eine von uns unabhängige Außenwelt als Voraussetzung für unsere Konstruktionen gibt und dass c. unsere Konstruktionen erst dann intersubjektiv nachvollziehbar sind, wenn sie nicht beliebig sind, sondern nach Vernunftregeln verlaufen. Bei ihm kommt eben keine Beliebigkeit oder Relativismus dabei raus. Aber das ist jetzt vielleicht etwas ot.)

    Die Charakterisierung als „Heilserwartungsbewegung“ trifft es m.E. gut. Auch wenn es eine eigenes Thema wäre, von welchen Bedürfnissen und Zuständen solche Heilserwartungen genährt werden.
    Aber jedenfalls handelt man sich damit natürlich das alte Problem ein: Man braucht dann auch einen Heiland. Dafür taugen Menschen aus Fleisch und Blut aber in der Regel nicht so gut ;-). Macht man es trotzdem und schunkelt sich in ein „die Frauen bringen uns die bessere Welt“ rein, kommt es danach zu Realtitätsableugnungen und -umbiegugen, zu Immunisierungen und Verteufelungen anders Denkender – bis es zum Realitätscrash kommt.

    Ach ja: Ich fand übrigens deine früheren Blogbeiträge beim Freitag sehr anregend. Du machst da nichts mehr, oder?

    Gruß
    Seitenblick

  • Ich bin auch immer wieder verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit da ein allgemeiner Relativismus in Bezug auf die Möglichkeit, die Welt zu erkennen, vorgetragen wird, und gleichzeitig ein extremer Dogmatismus was politisch/moralische Fragen betrifft.

    Objektive Wahrheiten gibt es nicht, objektives Gut und Böse aber sehr wohl, und das ist so objektiv, dass sich jede Diskussion darüber verbietet.

    Der Philosoph Paul Boghossian schreibt dazu:

    „If the powerful can't criticize the oppressed, because the central epistemological categories are inexorably tied to particular perspectives, it also follows that the oppressed can't criticize the powerful. The only remedy, so far as I can see, for what threatens to be a strongly conservative upshot, is to accept an overt double standard: allow a questionable idea to be criticized if it is held by those in a position of power — Christian creationism — for example, but not if it is held by those whom the powerful oppress — Zuni (Indian) creationism, for example. Familiar as this stratagem has recently become, how can it possibly appeal to anyone with the slightest degree of intellectual integrity; and how can it fail to seem anything other than deeply offensive to the progressive sensibilities whose cause it is supposed to further?”

    http://www.nyu.edu/gsas/dept/philo/faculty/boghossian/papers/bog_tls.html

  • @Seitenblick

    Vielen Dank, dass du meine Blogeinträge gelesen hast und so freundlich einschätzt.
    Ich hatte mich daran gewöhnt, mehr oder weniger ungelesen zu bleiben und früher, als ist das Bewertungssystem beim Freitag noch gab, hat ein Rudel Genderisten regelmäßig für Abwertung gesorgt. Na ja.

    Ich habe zur Zeit (bedingt durch einen Unfall und seine Folgen) Freizeit für solche Diskussionen; wenn das Projektgeschäft jedoch wieder einsetzt, dann sitze ich quasi auf einem Berg Gedanken und mir fehlt die Zeit, sie konsequent niederzuschreiben.
    Das macht jedoch – nach meiner Erfahrung – die erforderliche Regelmäßigkeit für einen Blog zunichte.
    Der ganze bürokratische Kram, mit dem ich mich gerade jetzt herumschlage ist zwar denervierend, aber wenigstens ist das Hirn halbwegs frei.

    Deshalb freue ich mich, wenn Schoppe solche ausgezeichneten Artikel verfasst und ich durch meine Kommentare etwas zur Diskussion beitragen kann.
    Ich gebe zu, meine Kommentare sind manchmal etwas off-topic im Verhältnis zum Ausgangstext, solange das Schoppe jedoch nicht stört, nehme ich gerne teil.

    Mein Standpunkt in politischer und philosophischer Hinsicht ist ein marxistischer, daran habe ich auch nie einen Zweifel gelassen.
    Mein Marxismus kommt ohne Dogmatismus aus – weitgehend, wenn ich mir selber glauben darf. 😉

    Wer so etwas schreibt:

    „AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

    Kann kein schlechter Mensch sein! 😉
    Oder anders gesagt: der Kant geht völlig in Ordnung mir.

    Im selben Text wird auch plausibel geschildert, erstens, dass Frauen beim großen Aufklärungstest gescheitert sind und zweitens wie das Verhältnis des Genderismus zu Frauen ist:

    „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.
    (…)
    Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.“

    Female-as-child…
    Maria hat ein Kind im Arm und das ist sie selbst.
    Amen! 😉

    Schönen Gruß, crumar

  • @ReVolte Besten Dank für dein Interesse! Ich habe versucht regelmäßig zu schreiben – überhaupt nur wegen der zunehmend dreisteren Lügen – und bin dann m.E. an die Grenzen meiner Möglichkeiten gelangt. Ein Kommentar ist schnell verfasst, ein eigener Beitrag nicht. Wenn der Arbeitstag bis 22 Uhr geht, dann möchte ich gerne auch weg vom Schirm. 😉 Von daher ist es fraglich, ob ich in gebotener Regelmäßigkeit veröffentlichen könnte. Dann: früher war der „Freitag“ mal eine linke Zeitschrift, heute eine „irgendwie-linke“. Das war so nicht abzusehen.

    Gruß, crumar

  • Hallo Crumar.

    „als ist das Bewertungssystem beim Freitag noch gab, hat ein Rudel Genderisten regelmäßig für Abwertung gesorgt.“

    Es gab aber auch mindestens eine plus-Stimme. Ich konnte mich einmal nicht zurückhalten ;-).
    Nein, ich fand, dass du bsw. bei dem Spiegel-Online-Artikel gründlich die Behauptungen hinterfragt hast. Das war eine Arbeit, die eigentlich von einem größeren Medium hätte gemacht werden müssen. Aber das geht halt nur, wenn man solche Äußerungen nicht als sakrosankt behandelt (womit wir schon fast bei Maria mit sich selbst als Kind im Arm sind). Die Medien haben hier als kritischer Diskussionsraum, wo Plausibilitäten überprüft werden, völlig versagt.

    „Mein Marxismus kommt ohne Dogmatismus aus – weitgehend, wenn ich mir selber glauben darf. ;)“
    Da grüße ich mal als halbwegs undogmatischer (ehemaliger??) Philosoph und Feldforscher zurück ;-).
    Ich wollte mit meinen Statements auch gar nicht sagen, dass man nur mit Kant konstruktiv denken kann, und ich sehe auch bei seiner Sichtweise – ich sag mal „Ergänzungsbedarf“. Aber man kann bei ihm was lernen. Selbst, wenn man sagt „da muss noch was dazukommen“.
    „der Kant geht völlig in Ordnung mir“ freut mich natürlich nichtsdestotrotz ;-).
    Nebenbei: Ich erinnere mich noch, dass einige der Marburger Neukantianer bei einem philosophischen Sozialismus landeten. Was ich nicht für Zufall halte bei einer Philosophie, in der Menschwürde und Mündigkeit zentrale Begriffe sind.

    Also: Ich zumindest lese Beiträge, wenn ich sehe, unten steht Crumar drunter ;-).

    @Man in the middle
    „Bin leider für kommenden Tage ausgebucht“
    Nur kein Stress ;-). Ich denke, wir laufen uns ja austauschender Weise auf manchen Blogs über den Weg.

    Schönes Wochenende, natürlich auch an Schoppe

    Seitenblick

  • Ich war gerade auf Klassenfahrt, als diese Kommentare hier gepostet wurden, und hatte zu dem zeotpunkt keine Chance auf eine Antwort. Aber das hol ich jetzt nach – vielleicht liest es ja noch jemand. 🙂

    „dann sitze ich quasi auf einem Berg Gedanken und mir fehlt die Zeit, sie konsequent niederzuschreiben.
    Das macht jedoch – nach meiner Erfahrung – die erforderliche Regelmäßigkeit für einen Blog zunichte.“

    Eine gute Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass keineswegs alle Artikel in diesem Blog von mir kommen müssen. Ich würde gern auch mal Gastartikel abzudrucken – oder vielleicht auch mal einen Doppelartikel zu einem Thema aus zwei Perspektiven… Möglichkeiten gibt es da sicher viele. Ich komm mit dem Schreiben selbst noch gut nach, drum geht's nicht, aber ich finde Texte es auch interessant, wenn Texte aus untetschiedlichen Perspektiven in einem Blog stehen.

    Bei Interesse einfach eine kurze Nachricht, würd mich freuen. (Das ist natürlich an alle gerichtet, nicht nur an crumar, von dem das Zitat stammt – an den aber natürlich auch – ich will schließlich auch mal die Chance haben, interessante und gute off-topic-Kommentare abzugeben 😉 )

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