Rechte Kerle: Rosenbrock, Gesterkamp, Kemper

„Sollte man mit den Männerrechtlern oder nur über sie reden? Die Debatte darüber hat gerade erst begonnen.“

Eine seltsame Debatte: als ob es in einer Demokratie normal wäre, zunächst einmal langwierig zu diskutieren, ob bestimmte Gruppen überhaupt zur Diskussion zugelassen werden dürften. Der Autor, der hier über „Männerrechtler“ so schreibt, wie sonst ein wohlmeinender Rassist auch über Schwarze schreiben könnte, ist Thomas Gesterkamp in seinem berüchtigten Text „Geschlechterkampf von rechts“, den er für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. An anderer Stelle verlangt er explizit einen „cordon sanitaire“ in der Geschlechterpolitik  – eine boshafte Metapher, die aus der Seuchenbekämpfung stammt und die daher implizit den Einsatz für Männer- und Jungenrechte mit einer schwerwiegenden und gefährlichen Krankheit vergleicht.

Gesterkamps Einseitigkeit, mit der er die Männerrechtsbewegung manipulativ als rechts oder rechtsradikal denunziert, und die gleiche Einseitigkeit seines grünen Pendants Hinrich Rosenbrock in dessen Schrift über die „Antifeministische Männerrechtsbewegung“ sind schon häufig zitiert, die Unseriosität dieser Darstellung von Männerrechtlern ist schon gründlich klargestellt worden. Ein ebenso wichtiger Aspekt lässt sich dabei allerdings leicht übersehen: Gesterkamp, Rosenbrock und in ganz ähnlicher Weise auch Andreas Kemper hantieren nicht nur mit bestimmten Konstruktionen von (männerrechtlichen) Männern, sondern als Pendant dazu auch mit denen von (feministischen) Frauen.

Ich habe mir also einmal angeschaut, mit welchen Vorstellungen von Frauen Rosenbrock, Kemper und Gesterkamp hantieren, und finde das Ergebnis sehr interessant: Die Frauen-Phantasien von Rosenbrock und co sind so verhärtet, erstarrt und reaktionär, dass das gern verbreitete Bild der „rechten Kerle“ auf der Seite der Männerrechtsbewegung und das Selbstbild als moderne, emanzipatorisch orientierte Männer sich nicht ansatzweise halten lässt. Wesentlich angemessener wäre die Situation eben umgekehrt beschrieben.

Gesterkamps Geschlechterkampf Die „Netzwerke“ der Männerrechtsbewegung würden die „Errungenschaften der Frauenbewegung“ (S. 4) in Frage stellen, stellt Gesterkamp gleich zu Beginn seines Textes fest und formuliert damit schon ein Leitmotiv seiner Darstellung feministischer Positionen. Dass diese Positionen so wie andere auch, sei es mit guten oder schlechten Gründen, kritisiert, angegriffen oder revidiert werden könnten, erscheint so schon an sich als skandalös.

Tatsächlich geht es also nicht um einen Austausch von Argumenten, Erfahrungen und Positionen, von dem alle profitieren könnten, sondern um eine kämpferische Auseinandersetzung gegnerischer Gruppen, in der ein Raumgewinn der einen nur ein Verlust der anderen sein kann – ein illegitimer Verlust zudem, da die „Errungenschaften“ des Feminismus außer Frage stehen.

Dem tiefschwarzen – oder genauer: tief gebräunten – Bild von der Männerrechtsbewegung, das Gesterkamp für die SPD-Stiftung in diesem holzschnittartigen Gut-Böse-Muster entwirft, steht in ein irreal lichtes und strahlendes Bild von (feministischen) Frauen gegenüber. Wenn Männerrechtler von Gleichberechtigung sprechen, dann ist das hier selbstverständlich lediglich eine „Rhetorik der Gleichheit“ (nach Ilse Lenz, S. 5), tatsächlich sei diese Gleichheit weiterhin durch die „hegemoniale Männlichkeit“ (5) bedroht.

Männer würden „Opfermythen“ spinnen und sich als Benachteiligte präsentieren (5), aber auch wenn eine junge Migranten schulische Unterstützung gebrauchen könnten, stellt Gesterkamp ohne weitere Begründung – und als sei es auch gar nicht begründungsbedürftig – ausgerechnet im Kontext der Bildungsnachteile von Jungen klar:
„Das aber macht Frauen- und Mädchenförderung an Schulen und Hochschulen, in Unternehmen und Institutionen keineswegs überflüssig.“ (4)

Frauen und Mädchen sind also nicht nur diejenigen, die Förderung brauchen, sondern auch vordringlich diejenigen, die der Förderung Wert sind. Warum?

Die umfassend belegte These, dass auch Frauen in Beziehungen in ähnlichem Maße wie Männer Gewalt ausübten, führt Gesterkamp zwar an – aber lediglich als Position, mit der sich der von ihm kritisierte Professor Gerhard Amendt „eher in einem anderen politischen Spektrum“ als dem linksliberalen „verortet“ hätte (11). Ohne auch nur die Frage zu stellen, ob und wie die These von weiblicher Gewalt sachlich begründet ist, interpretiert Gesterkamp sie ohne weitere Diskussion als Ausweis rechter Gesinnung: Allein schon der Gedanke, dass auch Frauen gewalttätig sind, ist anstößig.

Wenn Gesterkamp Männern Opfererfahrungen zugesteht, dann folgerichtig nur als Opfer anderer Männer (16). Bezeichnend ist seine Darstellung der Position von Amendt, dem er schlicht eine blindwütige Gegnerschaft gegen Frauenhäuser unterstellt. Tatsächlich hat Amendt statt Frauenhäusern Zentren gegen familiäre Gewalt gefordert, zu denen alle Geschlechter Zugang hätten, und dies plausibel begründet:

„Wir gehen davon aus, dass Frauen die Gewalt so ähnlich wie ihr Partner erlebt haben: nämlich als vom Manne ausgehend. (…) Nur, was ist dann noch Wahrheit, wenn beide sich gegenseitig beschuldigen, die Gewalt begonnen zu haben? Beide Aussagen sind subjektive Wahrheiten. Beide lügen – zumeist – nicht. Aber beide können in ihrer jeweiligen Gekränktheit anders als den guten Zeiten sich nicht mehr darüber verständigen. Sie schweigen sich einander tot oder schreien sich an. Hier können Ehe- und Familienberater helfen, Sprachzerstörung zu überwinden.“

Einfach formuliert: In Amendts Augen wird eine Gewaltdynamik in Familien eben dadurch befeuert, dass männliche wie weibliche Beteiligte jeweils nur die anderen als gewalttätig wahrnehmen, für die eigene Gewalttätigkeit aber keinen Blick haben oder sie wohlwollend umdeuten. In diesem Sinne würde dann eben tatsächlich eine feministische Deutung, die Gewalt prinzipiell als männlich definiert, zur Gewaltdynamik beitragen, anstatt sie aufzuhalten.

Das ist – ob er ihr folgt oder nicht – grundsätzlich eine sachliche These, die Gesterkamp im Zusammenhang seiner Auseinandersetzung mit Amendt  eigentlich darstellen müsste, anstatt sich lediglich auf dessen polemische Zuspitzungen zu konzentrieren. Dafür allerdings müsste er auch Abstriche vom idealisierten Bild der Frau als gewaltloses Opfer männlicher Gewalt machen und eine ambivalentere Darstellung ermöglichen.

Statt dessen beschränkt er sich darauf, wohlwollend zu erwähnen, dass Frauenaktivistinnen Amendts Teilnahme am Männerkongress 2010 in Düsseldorf zu verhindern versucht hätten – ohne Hinweis darauf, dass dieser Widerstand unter anderem aus Drohungen gegen Amendt bestand, nach denen er auf dem Kongress nur noch mit Leibwächtern auftreten konnte.

Die Frau als frag- und begründungslos unterstützungsbedürftig, als unschuldig und gewaltlos, aber als potenzielles Opfer männlicher Gewalt – diese klinisch reine und irreal eindeutige Phantasie von Frauen wird bei Hinrich Rosenbrock noch weiter ins Absurde getrieben.

Väterausgrenzung als Frauendiskriminierung, Wehrpflicht als Privileg: Rosenbrock entdeckt das doublethink Bei Rosenbrock fehlt ebenso wenig wie bei Gesterkamp der pflichtgemäße Hinweis auf die angeblichen 23 % des Gender Pay Gap (Gesterkamp S. 5, Rosenbrock S. 28), und selbstverständlich besteht er darauf, dass dieser Unterschied nicht durch „individuelles Wahlverhalten“, sondern durch „strukturelle Zwänge“ zu erklären sei. Diese strukturellen Zwänge entdeckt Rosenbrock natürlich unter anderem in der traditionellen familiären Rollenaufteilung – das Sorgerecht, das Müttern die begründungslose Ausgrenzung von Vätern erlaubte, versteht er allein im Rahmen einer neopatriarchalen „Frauendiskriminierung“ (30), weil es dem „vorherrschenden Mutterbild“ entspreche (so wie er übrigens auch die männliche Wehrpflicht als traditionelles „Vorrecht des vollen Bürgers“ beschreibt, S. 29).

Ganz gewiss seien die Probleme des Sorgerechts

„nicht dem Feminismus zu Last zu legen (…), wie die Antifeministen das tun.“ (30)

Kein Wort davon, dass die reaktionären Strukturen des deutschen Familienrechts und der Ausgrenzung der Väter wesentlich der Lobbyarbeit solcher Organisationen wie dem VAMV, der de facto ein Mütterverband ist, zu verdanken ist – und dem Widerstand, der insbesondere von Frauen in den rot-grünen Fraktionen fairen Neuregelungen des Sorgerechts entgegengebracht wurde – und auch kein Wort davon, dass die Ausgrenzung von Vätern von Feministinnen als „Befreiung“ (Anita Heiliger) verkauft wurde. Selbst noch in massiven Privilegien erscheinen Frauen bei Rosenbrock allein als unschuldige Leidtragende einer umfassenden patriarchalen Gewalt, die gerade erst abgebaut werde.

Den Gedanken, dass auch Männer und Jungen gesellschaftlich benachteiligt werden können, tut er hingegen als „Opferideologie“ ab. Doch selbst für diese Monopolierung des Opferstatus müssen Feministinnen bei ihm keine Verantwortung übernehmen: Sie hätten sich vielmehr

„erfolgreich gegen die Stereotypisierung von Frauen als Opfer zur Wehr gesetzt“ (8).

Noch in der Monopolisierung des Opferstatus stehen (feministische) Frauen so als unschuldige Opfer da, denen dieser Status von machtbewussten Männern aufgedrängt worden sei, die aber zum Glück gelernt hätten, sich zu wehren.

Problematische Aspekte sind im Feminismus nicht zu entdecken – ein bemerkenswerter Sonderfall unter den politischen und sozialen Bewegungen aller Zeiten. Rosenbrock betont beispielweise mehrmals (S. 14, 36, 68), wie übrigens unisono auch Andreas Kemper (hier, Kommentar 26.6., 3:16), dass die feministische Faschistin Valerie Solanas im deutschen Feminismus nie eine Rolle gespielt habe.

Richtig ist daran, dass Solanas‘ wonnevolle Phantasie einer fabrikmäßigen Ermordung aller Männer nie den Stellewert eines politischen Programms für viele hatte – aber einflussreich war ihr Text SCUM, das „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ gleichwohl. Seit 1969 hat es immer wieder neue Auflagen der deutschen Übersetzung gegeben (in Internet-Antiquariaten lassen sich Auflagen folgender Jahre zusammentragen: 1969, 1970, 1975, 1983, 1984, 1990, 1996, 1997, 2010), der Text erschien unter anderem in so renommierten Verlagen wie dem Rowohlt-Verlag (1983), bei zweitausendeins (1975) oder ursprünglich im März-Verlag.

Zum Vergleich: Die deutsche Übersetzung eines der wichtigsten geschlechterpolitischen Texte der letzten Jahrzehnte, „The Myth of Male Power“ von Warren Farrell, der von Rosenbrock zurecht als eine wichtige Inspiration der Männerbewegung angeführt wird, erschien gerade zwei Mal, jeweils bei zweitausendeins: einmal 1980, einmal in einer Neuauflage 1995. Seitdem ist „Mythos Männermacht“ nur noch über Antiquariate zu beziehen.

Zudem ist Solanas ein selbstverständlicher Referenzpunkt. Eine der bekanntesten feministischen Bloggerinnen, Nadine Lantzsch von der vor einigen Jahren für den Grimme Online Award vorgeschlagenen „Mädchenmannschaft“, bezieht sich beispielsweise regelmäßig ohne Berührungsängste und auch ohne weiteren Anlass auf sie, etwa in beiläufigen Twitter-Nachichten.

„wecke die Valerie Solanas in dir.“
  oder:
Valerie Solanas hätte zur Verhütungsfrage sicher eine schnelle und effektive Antwort parat gehabt. Kchkchkch.“

Interessant ist eben nicht allein die Häme, mit der sie Solanas‘ Massenmord-Phantasien heranzieht, sondern vor allem, dass keine weitere Erklärung nötig ist: Lantzsch kann sich darauf verlassen, dass viele ihrer Leserinnen wissen werden, was gemeint ist. Solanas ist tatsächlich nie eine feministische Chefideologin gewesen, aber sie ist ein feministischer Pop-Star. Dass sie niemals eine Rolle gespielt habe, bedeutet lediglich, dass es im deutschen Feminismus niemals eine Auseinandersetzung mit der Frage gab, warum Gewaltphantasien wie die ihre immer wieder eine so große Anziehungskraft besaßen.

Diese Sachverhalte ehrlich zu erwähnen, hätte allerdings nicht nur die ohnehin auf sehr wackligen Beinen stehende Diffamierung der Männerbewegung als „rechtsradikal“ oder gewaltnah erschwert, sondern auch das reine, idealisierte Bild des Feminismus zerstört. Und das von Frauen.

Links blinken und dann die katholische Kirche rechts überholen Es ist keineswegs begehrenswert, im Kosmos von Rosenbrock und co eine Frau zu sein: So rein, so jenseits aller Ambivalenzen kann kein  vernünftiger Mensch vernünftig leben. Weibliche Ausnahmen sind bei den Autoren lediglich feminismuskritische Frauen wie Monika Ebeling oder Esther Vilar, doch ansonsten sind die Frauenphantasien in den Texten Rosenbrocks, Gesterkamps oder auch Kempers noch eindimensionaler als die der katholischen Kirche. Dort steht der reinen Jungfrau Maria immerhin noch die Sünderin Eva gegenüber – natürlich ein erheblich simplifizierender Dualismus, der aber immerhin noch mehr Spielräume schafft als die Reduzierung auf die reine Jungfrau allein.

Es wäre sicherlich psychologisch interessant zu erörtern, welches Interesse Männer daran haben können, Frauen rundweg und zwanghaft anmutend als rein, gut, human, aber eben auch als harmlos, gewaltunfähig und schutzbedürftig zu imaginieren. Interessanter aber sind die politischen Implikationen.

Wer Frauen menschlicher, also auch – wie Männer – als ambivalent betrachtet, macht sich in dieser Perspektive sogleich der Frauenfeindschaft oder gar des Frauenhasses verdächtig: Die rückhaltlose Idealisierung kennt als Gegenstück eben allein die Dämonisierung. So wird jeder Versuch einer Debatte sogleich in simplen Freund-Feind-Mustern festgezurrt, in denen sich die Protagonisten dieses reaktionären feministischen Geschlechterbildes selbst ausgerechnet die Rolle der progressiven Kämpfer für die menschliche Freiheit zuschreiben.

Dass die Männerbewegung nicht emanzipatorisch sein kann, beweist Andreas Kemper in einer simplen Klipp-Klapp-Logik: Da Männer aggressiv herrschten, die Männerbewegung sich also mit den Aggressoren identifiziere, könne sie per definitionem nicht emanzipatorisch sein.

Tatsächlich sind es, um auch einmal ein großes Wort dagegen zu setzen, wesentliche Leistungen der Moderne, die hier preisgegeben werden: Die Universalität und die Unteilbarkeit der Menschenrechte – die Einsicht, dass die Wahrnehmung von Menschen in ihren Ambivalenzen humaner ist als ihre Festlegung auf Eindeutigkeiten – und die Überzeugung, dass es Menschen zumutbar sei, Gesellschafts- und Herrschaftsstrukturen in ihrer Abstraktheit und Unübersichtlichkeit wahrzunehmen.

Dass Männer- und Jungenrechte auch Menschenrechte seien, wird bei Rosenbrock bestenfalls pro forma einmal erwogen – für ihn geht es der Männerbewegung selbstredend um männliche Vorrechte, nicht um Menschenrechte (S. 8). Tatsächlich spielen Verletzungen von Männer- oder Jungenrechten in den hier diskutierten feministischen Entwürfen keine erwägenswerte Rolle, da Männer ohnehin als Herrscher imaginiert werden und an Verletzungen ihrer Rechte, soweit es sie denn gibt, selbst die Verantwortung tragen.

Herrschaftsstrukturen hingegen werden personalisiert, was nicht passt, wird passend gemacht – Herrschaft erscheint als Herrschaft der Männer, an der in irgendeiner Weise beinahe jeder einzelne Mann beteiligt ist. Die für moderne Gesellschaften so typische Unüberschaubarkeit lässt sich so in handhabbare Freund-Feind-Strukturen herunterrechnen.

Das sind tief reaktionäre Strukturen, die den wichtigen Zumutungen der Moderne eine strikte Gruppenmoral entgegensetzen. Es sind wohl zur Zeit allein feministische Vorgaben, die Möglichkeiten bereitstellen, solch reaktionäre Positionen in herrschaftskritische, zukunftsweisende Ansätze umzudeuten.

Wenn also weiterhin ein cordon sanitaire um männerrechtliche Forderungen gelegt wird, wenn etwa die SPD verspricht, dass „die antifeministische Männerrechtsbewegung“ – eine von Rosenbrock übernommene Chiffre für männerrechtliche Forderungen, die sich nicht feministisch beglaubigen – „keinerlei Zugang“ erhalten werde, dann geht es dabei keineswegs darum, dass diese Forderungen etwa maßlos oder irrational wären: Sie werden ja demonstrativ abgelehnt, ohne überhaupt angehört worden zu sein.

Der cordon sanitaire hat lediglich die Funktion, vorgeblich linken Parteien die Möglichkeit zu geben, mit ihren Widersprüchen zwischen einem reaktionären Verständnis der Geschlechter und einem progressiven Selbstverständnis leben zu können, ohne diese Widersprüche überhaupt wahrnehmen zu müssen. Das aber wäre nicht möglich, wenn sie eine offene, demokratische Debatte zulassen würden.
  1. In dem verlinkten Artikel spricht Kemper davon, dass Männer (DIE Männer? ALLE Männer?)Gewalt verdrängen. Ich dachte, Verdrängung ist ein individualpsychologischer Begriff und bezieht sich auf einzelne Menschen. Gibt es eine Verdrängung der Gewalt durch DIE Männer, also ALLE Männer? Wie kann man eine solche Verdrängung nachweisen?

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  2. Danke für diese interessante Zusammenstellung.

    Kemper und Rosenbrock sind ganz sicher kein Deut besser, aber Gesterkamp betreffend kann ich aus konkreter Kenntnis bestätigen, dass es ihm ausdrücklich darum geht, durch systematische Desinformation das öffentliche Ansehen von Männerrechtlern zu beschädigen. „Plump antifeministisch“, „krude Verschwörungstheorie“ u. ä. – das sind offenbar seine Lieblingsbegriffe, wenn es um das Thema Männerrechte geht.

    Seine Frage, ob man mit Männerrechtlern oder über sie reden solle, ist offensichtlich rein rhetorisch. Selbstverständlich sollen seine Adepten über uns reden, vorzugsweise schlecht reden. Und so nimmt es nicht wunder, dass auch er selbst schlecht über uns geredet – oder auch schlicht gelogen hat, wie sogar das LG Köln einräumen musste: „…dass die streitgegenständlichen Äußerungen [Gesterkamps] unstreitig unwahr sind“, nachdem wir (MANNdat) gerichtlich gegen ihn vorgegangen waren.

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  3. Das die Frauen nicht merken wie und für was Sie benutzt werden grenzt für mich fast an ein Rätsel ,als Frau ! Früher war es Blond und Dumm , heute sind Sie anscheinend Alle Dumm , was für ein Rückschlag in unserer Geschichte. Und die Männer die diesen Feminismus auch noch Unterstützen , das ist wahrlich Interessant ! Für Geld und Macht wird heute alles gemacht , egal wer auf der Strecke bleibt unsere Kinder , unsere Männer ; Für hohle Studien werden Steuergelder verschwendet in enormen massen alles zum Zweck der Lobbyisten Kontrolle über Jeden und Alles für Ihre Teuflische Neue Weltordnung ! Der Gezüchtigte Mensch / Sklave und die Mädels merken nix ! Das gibt mir als Frau dieses Landes schwer zu denken ! Schaltet doch einfach das Verwirrte Gehirn mal wieder ein Frauen , was ist mit euch los ? Wollt Ihr Kinder ? Mit euren Männern ? Dann lasst sie Kinder sein und keine durchgecheckten Roboter ! Und für euch Liebe Männer , es gibt Sie noch die Frauen , die euch Männer mögen und Lieben :)so wie Ihr seit !!!

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  4. „(…), dass es im deutschen Feminismus niemals eine Auseinandersetzung mit der Frage gab, warum Gewaltphantasien wie die ihre immer wieder eine so große Anziehungskraft besaßen.“
    Das Gefährliche an dem Glauben, ständig unter Angriff zu stehen, ist ja, dass man sich in seiner Verteidigung gerechtfertigt wähnt. Frauen, Feministinnen noch mehr, sehen sich schlicht angegriffen. Dieses Gefühl, sich verteidigen zu müssen, äußert sich zum Beispiel darin, dass immer, wenn Teams vorgeschlagen werden, von einer dieser Damen „Männer gegen Frauen!“ als Vorschlag kommt. Dieses Gefühl äußerst sich darüber hinaus darin, dass die Großen Lügen (ja, groß geschrieben) des Feminismus von ebendiesen Frauen immer wieder in die Unterhaltung eingeflochten werden. In diesen Äußerungen zeigt sich, dass die Propaganda Wirkung zeigt. Und obwohl noch niemand die Gläserne Decke, Lohndiskriminierung oder Ähnliches nachweisen konnte, gilt dies plötzlich als gesichertes Wissen. Die Gegenreaktion, um den Bogen zurückzuschlagen, ist selbstverständlich – als Beispiel – Frauenbünde zu gründen, um sich an den Männern zu rächen und ihnen eines auszuwischen. Wenn schon Frauen so sind, die sich nicht als Feministinnen bezeichnen, ist die Anziehungskraft von Solanas' Ideen auf Feministinnen quasi miterklärt, da Feministinnen ideologisch geschult sind, jeden bedeutenden oder unbedeutenden Furz als tief bösartigen, absichtsvollen Angriff der Männer auf alle Frauen zu deuten. Siehe Masku-Gate, Tropes vs. Women, Patriarchat etc. pp.

    „Herrschaftsstrukturen hingegen werden personalisiert, was nicht passt, wird passend gemacht“
    Diesen Absatz verstehe ich nicht. Werden Herrschaftsstrukturen wirklich personalisiert – Feministinnen schlagen Herrschaft und Herrschaftsstrukturen doch blind einer Gruppe zu. Zu den wesentlichen „Leistungen“ des Feminismus gehört doch, den Obdachlosen (= Mann) unter der Brücke als privilegiert zu fantasieren, die Hausfrau in der Vorstadtvilla aber, deren größtes Alltagsproblem die Langeweile-Bewältigung ist, als diskriminiert zu fantasieren.

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  5. Nachtrag (ja, ich weiß :)):
    Vielleicht widerspricht mir der eine oder andere, wenn ich behaupte, Feministinnen würden die Große Lüge pflegen. Daher untermauere ich diese Behauptung noch durch ein Beispiel. Das letzte Vorkommen einer solchen Großen Lüge war meines Erachtens eine BBC-Doku, in der eine Feministin behauptet hat, dass Männer erzogen würden, Frauen zu hassen. Dies hat der Moderator des BBC, der sie interviewt hat, sofort als vermeintlichen Fakt anerkannt und hat die Äußerung nie hinterfragt.

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  6. @ Eugen „Sollten Vereine wie MANNdat oder AGENS im Bundesforum Männer mitarbeiten dürfen?“ fragt Gesterkamp kurz vor der Überlegung, ob es besser sei, mit oder über Mannrerrechler zu sprechen. Man kann natürlich auch einfach mal grundsätzlich fragen, ob es eigentlich sinnvoll ist, wenn im Bundesforum Männer überhaupt Männer arbeiten, oder ob die Sache nicht einfach ganz durch das übrige Frauenministerium miterledigt werden könnte.

    Gesterkamp verkauft sich damit aber tatsächlich immer noch besser als Kemper, für den schon die Mitarbeit des Väteraufbruch ein großes Problem ist. „Werden die sich von ihren antifeministischen Gründen distanzieren (müssen), oder schaffen sie es das Bundesforum diffus in Hinblick auf Antifeminismus zu gestalten?“ Neben dieser Angst vor Unterwanderung verleumdet er auch unbekümmert, wenn er z.B. MANNdat mit wgvdl gleichsetzt und als „extrem rechts“ darstellt. So Kemper jeweils in einem Interview mit „DieStandard“.
    http://diestandard.at/1304553570645/Hass-gegen-Frauen-Maennerrechtler-sehen-sich-als-Opfer

    Ich glaube allerdings, dass alle drei, Rosenbrock, Gesterkamp, Kemper, nicht einmal nur verbohrte Ideologen, sondern vor allem Opportunisten sind, die sich mit offener, z.T. gezielt verleumderischer Feindschaft gegen Männerrechtler eine Resonanz verschaffen, die zu bekommen ihnen ansonsten die Mittel fehlen würden.

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  7. Den Parteigängern des aktuell klar destruktiven und antiemanzipatorischen Feminismus will sagen den Betonköpfen sollte eher ein Psychogramm erstellt werden. Rational ist da Hopfen und Malz verloren – kein rankommen. Die Einpeitscher, die Mielkes und Kempers in ihrer ideologischen Verblendung wollen es nicht anders – bis ihre Zeit abgelaufen ist und sie ihre Macht abgeben müssen.

    Totalitäre Strukturen sind erfahrungsgemäß Zeiterscheinungen und man sollte meinen, dass die Geschichte hierfür genügend Lehrmaterial generiert hat. Wie auch immer, die Situation wird früher oder später Folgen haben.
    Norwegen, das Land des wachsenden Gender-Gleichheitsparadox, hat sich mit der konservativen “Eisernen Erna” (Solberg) in da kommender Koalition mit den Rechtspopulisten der Fortschrittspartei einen bemerkenswerten Richtungswechsel verordnet.

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  8. @ Haselnuss „Das Gefährliche an dem Glauben, ständig unter Angriff zu stehen, ist ja, dass man sich in seiner Verteidigung gerechtfertigt wähnt.“ Ich finde es auch offenkundig, dass solche Freund-Feind-Strukturen eben dazu beitragen, eigene Positionen nicht mehr zu überprüfen, nichts zu hinterfragen und schließlich auch offene Lügen mitzutragen. Die Vebissenheit, mit der rotz aller Gegenargumente an dem 23%-Gender Gap festgehalten wird, ist ja nur ein weiteres der möglichen Beispiele.

    Jede Überprüfung der eigene Position könnte schließlich dem „Feind“ in die Hände spielen. Allerdings sind solche Strukturen ja nicht spezifisch für den Feminismus – ich bin z.B. überzeugt, dass die schwerkriminellen Strukturen an der Odenwaldschule nur deshalb über Jahrzehnte hinweg vertuscht werden konnten, weil niemand dem „Feind“, den Vertretern einer „reaktionären, autoritären, inhumanen Pädagogik“ zuarbeiten wollte.

    Zur Personalisierung von Herrschaftsstrukturen: Ich meine damit, dass Strukturen eben nicht als abstrakt wahrgenommen werden, sondern dass tatsächlich fast wahllos jeder real existierende Mann (wofür hat man schließlich die „patriarchale Dividende“?) als Vertreter dieser Herrschaft wahrgenommen, aber auch behandelt werden kann.

    Eigentlich ist das infantil: Indem komplexe moderne Herrschaftsstrukturen auf das Geschlechetrverhältnis heruntergekocht werden, noch dazu mit übersichtlicher Zuteilung der Schurken- und Opferrollen, begibt man sich gleichsam wieder in die Perspektive eines Kindes, dass sich die Welt über seine Wahrnehmung von Papa und Mama ordnet.

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  9. „der neue faschismus wird nicht sagen, ich bin der latente faschismus. er wird sagen, ich bin der antifaschismus“

    ignazio silone (1900-1978)

    guter gruß und dank für ihre stets diffenzierten und erhellenden worte. 🙂

    @MelekSgrafitto

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  10. Hallo Schoppe,

    du schreibst: „Man kann natürlich auch einfach mal grundsätzlich fragen, ob es eigentlich sinnvoll ist, wenn im Bundesforum Männer überhaupt Männer arbeiten…“

    Damit würde die Arbeit dort ja überhaupt erst anfangen 😉 Bislang verbraten sie ja nur Steuergelder.
    http://schwarzbuch.steuerzahler.de/Neue-Maennervereine-braucht-das-Land/47935c56516i1p1618/

    Und weiter: „Ich glaube allerdings, dass alle drei, Rosenbrock, Gesterkamp, Kemper, nicht einmal nur verbohrte Ideologen, sondern vor allem Opportunisten sind…“

    Das sehe ich auch so. Sie grasen nur einfach die Frauenweide ab, weil es für mehr nicht langt, als für fragwürdige Gefälligkeitsexpertisen und „krude Verschwörungstheorien“ im Dienste des Feminats 😉

    Gruß, Eugen

    Antwort

  11. Julia Lentsch hat das Muttersyndrom entdeckt. Heureka. Wenn du nicht auf die Welt gekommen wärest, ja dann wäre ich am Glockenseil gehangen und gut wärs gewesen. Aber du bist Schuld, dass…. . Entgegnet man, dass die nicht Existenz für einen besser gewesen wäre, artet es erst richtig aus.

    Als Sohn durfte ich das nicht sagen, aber die Frage bleibt im Raum, warum gebu*** wurde.

    Also deswegen wird immer wieder von Vergewaltigung berichtet? Verstehe!

    Ach du meine Güte, dass, ich bin nicht fähig zu trennen und rennen, wird als Vorlage zur Übertünchung der eigenen Konsequenzlosigkeit hergenommen und auf andere übertragen. Gehebelt wurde dies von der Hautevoulee, Extrempositionen und Kassaristen.

    Ist das wirklich feministische Literatur? Da sag noch einer man sollte Achtung für solchen Unsinn aufbringen.

    Dar Inhalt ist so seicht, dass man sich den Kopf stößt. Analog nehme ich an, dass man doch nicht so ganz weg soll, denn wie anders soll Prestige funktionieren, wenn nicht als Leader, die auf Entwicklungen achtet.

    Antwort

  12. Entweder war der joint, welchen ich grad geraucht habe, zu stark, oder ich bin zu dumm um ihre Worte zu verstehen.

    Antwort

  13. Habe keinen geraucht , schliesse mich aber an völlig wirrer Kommentar v. s.o. Anonym , möglicherweise made by a Maschine ? Muss man ja heute alles Hinterfragen ob Mensch oder Maschine !
    Es wird immer Chaotischer , Google ist anscheinend in der Lage , Hirnströme und Herztätigkeit fest zu stellen , ohhhh Mann ,oh Mensch Technik ? = Kontrolle pur .

    Antwort

  14. Ich muß noch mal nachfragen, weil ich nicht völlig sicher bin, worauf dein Artikel abzielt.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, sagt der post Folgendes:

    Rosenbrock, Gesterkamp, Kemper und auch die üblichen feministischen blogs kann man zur feministischen Praxis zählen. Das sind Leute, die wengistens vorgeben, ein geordnetes Weltbild zu haben, nach dem Männer – etwas vereinfacht dargestellt – für alles Schlechte in der Welt und Frauen für den Rest verantwortlich sind. Das Frauenbild daraus bezeichnet du als reaktionär.

    Feministische Praxis meint weiter, daß die zugehörigen Leute aus allen möglichen Motiven feministisch klingende Thesen schwingen, sich aber wenig darum kümmern, inwiefern ihre Thesen empirisch belegt sind, mit den Arbeiten feministischer oder anderer Theoretiker zusammenhängen oder sonst durch sie gedeckt sind: Argumente zählen wenig, die Dokumentation der richtigen – politisch korrekten – Einstellung umso mehr.

    Auch die findest du antiquiert.

    Was aber NICHT gesagt wrd, ist das Folgende:

    (i) Die feministische Praxis hat die Geschlechterrollen bisher falsch – falsch i.S.v. realitätsfremd – rekonstruiert.

    (ii) Eine korrekte Rekonstruktion würde zeigen, daß die feministische Praxis die tatsächlich virulenten, traditionellen Geschlechterrollen in neuem Vokabular vor allem fortschreibt.

    (iii) Die Fortschreibung traditioneller Geschlechterrollen ist ein wesentlicher Grund für die rasche Verbreitung und gesellschaftliche Akzeptanz feministischer Praxis in westlichen Gesellschaften.

    (iv) Ein präziser time table der feministischen Debatten und der Einführung wesentlicher Gleichheitsmerkmale in die Gesellschaft zeigt, daß der Feminismus nicht nur ein zeitlich nachhinkendes Epiphänomen ist, sondern auch eine Art Luxusphänomen, daß ohne die Kombination feministischer Vorrechte mit patriachalen Bequemlichkeiten nie gesellschaftlich wirksam geworden wäre.

    Meine Frage ist nun: Wie weit ist dein vorliegender post – oder vielleicht sogar deine Meinung – eigentlich von den Thesen (i)-(iv) entfernt?

    Antwort

  15. „der neue faschismus wird nicht sagen, ich bin der latente faschismus. er wird sagen, ich bin der antifaschismus“

    Dieses ist genau der Punkt. Das eigentlich Totalitäre ist die zunehmende diskursive Einengung des Meinungsspektrums im „Kampf gegen rechts“, die jede „bürgerliche“, möglicherweise konservative Kritik in ihren „Kampf“ integriert. Dieser Kampf ist auch aufgrund ihrer begrifflichen Unklarheit („Was ist rechts“)schwer zu fassen.
    Als NW verharmlost er hierdurch antidemokratisch-faschistische POsitionen, denunziert andererseits berechtigte kritische „konservative “ Einwände als extremistisch. Dieses ist auch sehr schön an der Europolitik zu sehen
    Auch zeigt sich das an Auseinandersetzungen mit dem Maskulismus. Im Grunde geht es überhaupt nicht um inhaltliche Argumente (in der „öffentlichen Diskussion/REzeption“), sondern nur um die FRage, wie rechts/links ist eine Position.
    Ich sage das als jemand, der den Entstehungsprozeß der GrünenAnfang der 80 ger mitarbeitend unterstützt hat, aber auch schon damals für Argumentation und gegen billige Denunziation (wie von den K-GRuppen getätigt) gewesen ist.

    Gruß
    StephanM

    Antwort

  16. @MelekSgraffito Vielen Dank erst einmal für den Kommentar zum Blog!

    Was das Silone-Zitat angeht: Ich bin der Meinung, dass feministsiche Geschlechterklischees ein hervorragendes Mittel sind, um reaktionäre Positionen in progressive, herrschaftskritische umzudeuten. Rundweg „faschistisch“ ist der Feminismus sicher nicht (Solanas ist es hingegen ganz bestimmt), aber er ist ein gutes Beispiel für eine soziale Bewegung, die mit einem emanzipatorischen Selbstverständnis gestartet ist, tatsächlich viele reaktionäre Positionen besetzt und die jeden Sinn für die eigenen problematischen Aspekte verloren hat.

    @ StephanM Das „Totalitäre“ am Feminismus ist in meinen Augen die Etablierung und verbissene Aufrechterhaltung von Freund-Feind-Strukturen. Abweichende Positionen können unterschiedslos als Beitrag zur „männlichen Herrschaft“ interpretiert und entsprechend bekämpft werden, ohne Sinn dafür, dass ja gerade die Abweichung die demokratische Diksussion bereichert.

    Und eben nicht nur die inner-feministsiche Abweichung, sondern beispielsweise auch Erfahrungen von Männern mit geschlechtsspezifischen männlichen benachteiligungen. Wenn die während der Aufschrei-Kampagne geäußert wurden, wurde das von deren Protagonistisnnen flugs als „Trollerei“ und „Derailing“ gewertet.

    Antwort

  17. @ jungsundmaedchen Ja, ich finde das Frauenbild bei Rosenbrock und co. tatsächlich reaktionär, ebenso das Männerbild. Reaktionär finde ich zudem vor allem den Widerstand gegen eine Unteilbarkeit der Menschenrechte und das Sortieren der politischen Debatte entlang von zementierten Freund-Feind-Strukturen.

    Tatsächlich wollte ich auf etwas hinaus, das ich in Deinen vier Punkten und insbesondere in Punkt 2 und 3 wiederfinde: Der Erfolg feministischer Positionen begründet sich vor allem dadurch, dass sie an traditionelle Geschlechterklischees weiträumig anknüpfen. Zu erklären ist dann aber noch, warum es so wichtig ist, sie zugleich als „progressiv“ und irgendwie „links“ auszugeben.

    Die Identifizierung als „Luxusphänomen“ reicht dabei m.E. als Erklärung noch nicht aus. Meine Idee ist vorläufig: Feministische Positionen erfüllen eine Funktion für eine weitgehend verbürgerlichte Linke, die einerseits den Kontakt zu Lebenserfahrungen außerhalb eines relativ engen – akademisch und im öffentlichen Dienst geprägten – Horizonts verloren hat, die gleichzeitig aber zur eigenen Legitimation den Anspruch auf eine gesellschaftsweit emanzipatorische Praxis beibehalten muss.

    Feministische Positionen bieten dabei den Vorteil, faktisch auf die Sicherung bestehender Privilegien abzuzielen, rhetorisch aber und dem eigenen Selbstverständnis nach gesellschaftsweit zu größerer Gerechtigkeit beizutragen.

    Ich meine das übrigens ausdrücklich NICHT als Abwertung eines akademischen oder öffentlich-dienstlichen Erfahrungshorizonts, darin bewege ich mich ja auch selbst. Sehr problematische Folgen aber – und das lässt sich eben gerade bei der SPD gut zeigen – hat es, wenn politische Akteure keinen Sinn dafür haben, dass auch dieser Horizont natürlich begrenzt ist.

    Antwort

  18. „Zu erklären ist dann aber noch, warum es so wichtig ist, sie zugleich als „progressiv“ und irgendwie „links“ auszugeben.“

    Nicht unbedingt – z.B. dann nicht, wenn die Feministen schlicht nicht erkennen, daß sie die de facto virulenten Geschlechterrollen lediglich in neuen Vokabular fortschreiben.

    Doch das man das nicht erklären muß, erklärt natürlich seinerseits noch nicht, warum sie so hip finden, sich links und fortschrittlich zu geben … oder überhaupt hip sein sollen.

    Hier ist meiner Ansicht nach eine normative Komponente am Werk, die mir leider selbst immer noch unklar ist. Daß man vom Feminismus einfach nur profitiert, leuchtet mir wenig ein. Aber ich habe auch nichts Besseres.

    „Feministische Positionen erfüllen eine Funktion für eine weitgehend verbürgerlichte Linke“
    Könntest du noch sagen, welche Funktion das ist?

    Antwort

  19. Der Erfolg feministischer Positionen begründet sich vor allem dadurch, dass sie an traditionelle Geschlechterklischees weiträumig anknüpfen. Zu erklären ist dann aber noch, warum es so wichtig ist, sie zugleich als „progressiv“ und irgendwie „links“ auszugeben.

    Weil sie gar keine andere Wahl haben als sich als progressive Kraft zu verkaufen. Der Feminismus tritt mit dem Anspruch an, die Geschlechterverhältnisse grundlegend zu verändern, was im Gegensatz zum Konservativismus steht, der mehr für das Bewahrende, sich nur langsam evolutionär Verändernde steht (frei nach Edmund Burke).

    Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, dass sich progressive politische Kräfte, einmal etabliert und institutionalisiert, konservativ oder gar reaktionär werden, denn als Profiteure des Systems ist der Wunsch nach Veränderung naheliegenderweise nicht mehr all zu gross. Der Marsch durch die Institutionen liess die 68-er zu dem werden, was ihnen damals verhasst war.

    Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. Vielleicht hat ja Marx in dieser Hinsicht recht.

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  20. „Doch das man das nicht erklären muß, erklärt natürlich seinerseits noch nicht, warum sie so hip finden, sich links und fortschrittlich zu geben … oder überhaupt hip sein sollen.“
    – Wie Schoppe schon sagte: Diese Kreise haben sich mal als Links verstanden (anno 1960). Das ist wesentlicher Teil ihrer Identität. Deshalb bezeichnen sie sich heute noch als links, obwohl heutiger Feminismus wahrlich gar nichts mit links zu tun hat.
    – Linke Positionen verfügen außerdem über eine wesentlich größere Chance in die Medien zu kommen.
    – Linke Positionen gelten in akademischen Kreisen als besser. In diesen Kreisen bewegen sich die Feministinnen.
    – Versuch heute mal jemandem als Rechtsextremer die Fresse zu polieren. Das geht einfach nicht mehr. Schrei dabei „Nazis raus!“, kleide dich in schwarz und du kannst dir sicher sein, die Lokalzeitung findet schon eine Ausrede, warum du dem Typen jetzt eine reinhauen musstest.

    Bitte, viele Gründe.

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  21. @Peter @Haselnuss

    Ah, ja – verstehe: Offenbar kannte ich das politische Selbstverständnis der sog. Linken einfach nicht, die missionarische Idee dahinter und sowie ein dem korrespondierendes Rechtfertigungsbedürfnis, daß über den Wahrheitsanspruch der eigenen Behauptungen hinausgeht.

    Dieses „besser sein“ in akademischen, das Haselnuss erwähnt, macht mir schwere begriffliche Probleme … hm …

    Danke für die Nachhilfe. 🙂

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  22. @ jungsundmaedchen „Könntest du noch sagen, welche Funktion das ist?“ Wer sich als „progessiv“ versteht, und das ist immerhin ein Kern linken Selbstverständnisses, kann sich ja nicht einfach auf das Bewährte berufen und darauf, das wertvolle Bestehende zu schützen. Er braucht statt dessen etwas, das er gegen bestehende Verhältnisse ausspielen kann.

    Nach meinem Endruck ist daher die moralische Legitimation ihrer Position für Linke in der Regel wesentlich wichtiger als für Konservative – denn es sind eben meist moralische Argumente, die eine Notwendigkeit der Veränderung bestehender Verhältisse begründen (und dabei praktischerweise auch gleich den Weg in eine bessere Zukunft weisen).

    Schwierig wird diese Position natürlich dann, wenn man sich so gut etabliert hat, dass man an einer Veränderung gesellschaftlicher Bedingungen überhaupt kein Interesse mehr hat, wenn man aber gleichzeitig gemerkt hat, dass „linke“ Positionen durchaus eine passable Möglichkeit sind, sich in solchen privilegierten Positionen einzurichten. Beispielsweise über Karrieren in der SPD oder bei den Grünen. Ich kann aus meiner Erfahrung auch die Einschätzung von Haselnuss bestätigen, dass zumindest im geisteswissenschaftlichen Bereich der Unis „linke“ Positionen wesentlich verbreiteter und kleidsamer sind als rechte oder schlicht konservative.

    Nun gibt es zur Zeit wohl kein besseres Mittel, den Widerspruch zwischen einem „emanzipatorischen“, „progressiven“ Anspruch und dem Wunsch nach Sicherung von Privilegien zu kitten, als Versatzstücke feministischer Positionen. Debatten über soziale Gerechtigkeit können dort eingedampft werden in simple Mann-Frau-Konflikte, die zudem über eine begrenzte bildungsbürgerlich geprägte Perspektive nie hinausweisen. Ein schönes Beispiel ist ja die Quotenpolitik, die auf privilegierte Positionen, i.d.R. mit akademischem Hintergrund, so fixiert sind, dass auch die SPD vergessen hat, dass es auch noch andere Berufe und berufliche Positionen gibt.

    Kurz gesagt: Ich kenne kein politisches Instrument, mit dem die Sicherung eigener Privilegien so prima als emanzipatorische Politik verkauft werden kann wie mit feministsichen Positionen.

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  23. @ Peter „Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, dass sich progressive politische Kräfte, einmal etabliert und institutionalisiert, konservativ oder gar reaktionär werden“ Das ist ein Punkt, über den ich auch nachdenke. Ich glaube, ein Umschlagpunkt im Feminismus war es, von allgemeinen politischen Forderungen – klassisch ja das Frauenwahlrecht, aber beispielswiese auch die Gleichberechtigung der Ehepartner – Abstand zu nehmen, weil sie schlicht erfüllt waren, und sich statt dessen auf die These zu konzentrieren, dass die Gesellschaft insgesamt „männlich“ dominiert sei und so auf subtile oder grobe Weise jede einzelne Frau unterdrücke.

    Damit geht es dann nämlich nicht mehr um rechtliche Gleichheit, oder um zivile Aushandlungsprozesse – sondern um einen exklusiven Anspruch auf Schutz und Beistand gegenüber der allanwesenden Männermacht, der eben gerade nicht mehr mit zivilen Ideen wie der der Reziprozität oder schlicht der Goldenen Regel einzufangen war.

    Damit war dann zugleich eine enorme Selbstermächtigung in den Bereichen verbunden, die (feministische) Frauen als ihre ureigenen Territorien identifizieren konnten – Definitionsmacht statt ziviler Aushandlungen.

    Vielleicht ist das Engagement für die Streichung des Paragrafen 218 für den Umschlag von einer emanzipatorischen Bewegung in eine anti-zivile ein gutes Beispiel: Es ist schließlich grundsätzlich völlig nachvollziehbar und richtig, dass Frauen fordern, selbstbestimmt über eine Schwangerschaft entscheiden zu können.

    Ein Slogan wie „Mein Bauch gehört mir“ ging aber schon viel weiter, bestimmte das sich entwickelnde Kind nicht nur als Eigentum der Mutter, sondern definierte es auch als ihr Körperteil, als sei es ein Blinddarm. Die feministische Forderung der Möglichkeit eines fristenlosen Abbruchs – was prinzipiell auch einen willkürlichen Abbruch im achten oder neunten Monat hätte bedeuten können – setzt dieses radikale Inbesitznahme nur fort.

    Notorisch ungeklärt ist zudem die Position der Männer dabei, die zwar einerseits nicht mitzureden haben, dann aber volle verantwortung übernehmen sollen – soweit die Frau das will.

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  24. […] Menschen aber, die sich in dieser Weise politisch engagieren, werden von steuermittelfinanzierten Publikationen der sozialdemokratischen Friedrich Ebert Stiftung und der grünen Heinrich Böll Stiftung als […]

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  25. […] auch Lenz – und fügt natürlich noch die „Männerrechtler“ dazu, die Hinrich Rosenbrock in seiner von der grünen Böll-Stiftung publizierten Magisterarbeit bei Ilse Lenz beleglos als […]

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  26. […] von Männern selbst, sondern kann auch im Interesse vieler Frauen sein. Andererseits gibt es auch Männer, die sich mit den Institutionen einer feministisch inspirierten Politik gut arrangiert und die […]

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  27. […] sachliche Kritik an der eigenen Position wurde als „Hass“ präsentiert – beispielweise von Thomas Gesterkamp, der es zur Hate Speech im Internet rechnete, wenn Menschen den wissenschaftlichen Wert seiner […]

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  28. […] werden Vorwürfe dann eben an die gerichtet, die überhaupt zum Zuhören bereit sind. Innerhalb des Cordon Sanitaire, den Akteure wie Thomas Gesterkamp – in einer tief inhumanen Metapher, übrigens – um die […]

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  29. […] gegen Frauen geführt – er würde rituell als Vertreter einer männlichen „Opferideologie“ (Hinrich Rosenbrock von der grünen Heinrich-Böll-Stiftung) entlarvt werden, ehe er noch zum ersten Nebensatz gekommen […]

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  30. […] Radikalfeministinnen bezogen, sondern von Institutionen wie der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung. Der amerikanische Soziologe Michael Kimmel nennt männerrechtliches Engagement völlig […]

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  31. […] abarbeitet, sondern das sie im Interesse von Wichtigerem umgeht und vielleicht auch integriert. Ein Cordon Sanitaire aber müsste ganz im Unterschied dazu um die Männerrechtsbewegung gelegt werden, hat der Feminist […]

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  32. […] von Tagesspiegel, Dagmar Freudenberg vom Deutschen Juristinnenbund, der Politikwissenschaftler Thomas Gesterkamp –  grundsätzlich dieselbe Meinung hatten wie Wizorek […]

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  33. […] im Register einer modernen demokratischen Linken argumentieren und sich darüber empören, damit gedankenlos und von steuermittelfinanzierten Stiftungen als „rechts“ dargestellt zu werden. Diese […]

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  34. […] aus Steuermitteln finanzierten politischen Verleumdungen aus der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Heinrich-Böll-Stiftung, die Kritik an feministischen Positionen oder die Thematisierung von Rechtsverletzungen, die […]

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