Väter

Wo Schläge der Mutter dem Kindeswohl dienen – Eine Geschichte aus Deutschland

Bild zeigt Logo vom Väter Radio.
geschrieben von: Lucas Schoppe
In dem Text „Milgram, Domino und die seltsame Sehnsucht nach Stalingrad“ hatte ich Väter erwähnt, die in sehr bedrückten Situationen – etwa angesichts von Gewaltakten der Mütter gegen die Kinder, oder aufgrund von willkürlicher Verhinderung allen Umgangs – von ihren Kindern getrennt leben und geschrieben:

„Es sind eben auch solche Väter, oder Männer in anderen bedrückenden Situationen, die – sobald sie es wagen, den Mund aufzumachen – von institutionengeschützen Betonfeministen als ‚Maskutrolle‘ beschimpft und verhöhnt werden, auch als ‚Hater‘, als Nazis, als ‚Dummbratzen‘ und Idioten.“

„Maskutroll“ – wenn Frauen öffentlich über Geschlechterthemen sprechen und Männer aus ihrer Perspektive etwas dazu äußern, eigene Erfahrungen beisteuern, Positionen von Frauen möglicherweise kritisieren oder relativieren, dass begegnet Männern dieser Begriff regelmäßig. Die ursprüngliche Bedeutung des Netz-Terminus „Troll“ wird dabei oft in ihr Gegenteil verkehrt.

Schließlich bezeichnet er ja eigentlich eine Person, die sich an einer Diskussion überhaupt nicht beteiligen will, sondern lediglich provoziert und eine bestehende Diskussion zu verhindern versucht. Wenn nun aber Menschen als „Trolle“ bezeichnet werden, die sich schlicht mit ihren Erfahrungen an der Diskussion zu beteiligen versuchen, dann sagt das mehr über die Art der Diskussion aus als über sie selbst.

Der Begriff „Maskutroll“ ist also – vergleichbar dem Begriff „Derailing“, der den Vorwurf formuliert ist, eine Diskussion zum Entgleisen zu bringen – ein Begriff, der in vielen seiner Verwendungen lediglich die Funktion hat, eine Diskussion abzudichten und gegen den freien Austausch von Meinungen und Erfahrungen zu schützen. Er ist in diesem Sinne selbst ein Troll-Begriff. Typisch für solche Abdichtungen war die Aufschrei-Kampagne, die ohnehin ein Medienhype und nicht die Graswurzelbewegung war, als die ihre Protagonistinnen sie gern präsentierten. Eine von ihnen, Anne Wizorek, erhob im Spiegel-Interview den Anspruch, ausgerechnet „das ganze Bild“ des Sexismus in Deutschland zu zeigen.

„Männer gehen sonst durch ihre eigene Welt und nehmen den alltäglichen Sexismus gar nicht wahr.“ 

Dass vor allem anderen Wizorek selbst ist, die Sexismus nicht wahrnimmt und nicht wahrnehmen will, könnte sie beispielsweise merken, wenn sie sich einmal Sendungen des „Väterradio“  aus Halle anhören würde.

Mütterliche Gewalt – und eine Tochter, die zurückschlägt Das Väterradio besteht seit elf Jahren, wird seit Kurzem erst von der Stadt Halle unterstützt und produziert monatlich eine Sendung von etwa 50 Minuten. Betreut wird es von Dietmar Nikolai Webel, ordinierter Gemeindepädagoge, der in der DDR wegen „Staatsverleumdung“ im Stasiknast saß, im September 1989 das neue Forum in Halle mit aufbaute und seit 2001 Mitglied im Väteraufbruch für Kinder ist. Im Interview beschreibt er die Motivation für seine Sendungen so:

„Vor zehn Jahren kamen die Männer- und Väterthemen in der Medienlandschaft kaum vor. Wenn über Männer berichtet wurde, dann wurden ihre Lebensgeschichten als bedauernswerte Einzelschicksale dargestellt. Als Mitglied im Bundesvorstand des VAfK betreute ich häufig die Väterhotline und habe viele Lebensgeschichten gehört. Mir wurde deutlich, dass die Diskriminierung der Männer keine Einzelerfahrungen waren, sondern strukturelles Unrecht. Immer wieder habe ich versucht, die Medien auf diesen Punkt aufmerksam zu machen. Aber die gesellschaftspolitischen Hintergründe wurden ausgeblendet.“ 

Dass sie auch weiterhin ausgeblendet werden können, liegt natürlich unter anderem an massemedial aufgeblasenen Veranstaltungen wie dem „Aufschrei“, die darauf bestehen, dass allein Frauen als Opfer sexistischer Strukturen beschrieben werden können und die andere Beschreibungen mit eingeübter Empörungstheatralik abwehren. Es ist aber nicht der einzige Grund.

Es lohnt sich, sich Sendungen des Väterradio genauer anzuhören und darauf zu achten, welche allgemeinen Strukturen in den präsentierten Einzelfällen zum Vorschein kommen. Zum Beispiel das Interview mit Klaus in der Sendung vom 16. Mai dieses Jahres.

Klaus ist heute 53 Jahre alt, seine heute volljährige Tochter war gerade ein Jahr alt, als die Eltern sich trennten. Auch wenn er als nichtverheirateter Vater kein Sorgerecht hatte und seine Tochter nur noch jedes zweite Wochenende sehen konnte, hatte die Vaterschaft für ihn offenkundig eine große Bedeutung.

„Das Vatersein war sehr wichtig, und auch sehr schön zu sehen, wie sich meine Tochter entwickelt.“ (11:28)

Spätestens mit der Einschulung der Tochter aber begannen Probleme. Klaus erzählt,

„dass sie weniger Lebensfreude als vorher versprüht und zum Teil auch etwas bedrückt aussieht. Also, als wir einmal am Wochenende unterwegs waren, ist meine Tochter auf einem Kirmesplatz plötzlich zusammengebrochen und hat nur noch geschrien und hat sich dann auch beim Autofahren nicht beruhigt, erst nach 20, 25 Minuten.“ (17:40)

Klare Gründe sind nicht ersichtlich – der Eindruck von Klaus ist aber, dass die Tochter durch die Mutter einem erheblichen schulischen Leistungsdruck ausgesetzt wird.

Klaus erfährt durch Freunde von Gewalttätigkeiten der Mutter gegen die Tochter, die von der Tochter bestätigt werden. Da er durch die „weiche Tour“ (18:20) – also durch Versuche des Gesprächs mit der Mutter – nichts an der Situation ändern kann, geht er vor Gericht und zudem, anders als die Mutter, zu verschiedenen Beratungsstellen, beides ohne positives Resultat. Die Tochter, mittlerweile acht jahre alt, beginnt wieder einzunässen.

„Ich bin dann gegen Wände gelaufen.“ (19:30) Klaus hat keine Chance, das Sorgerecht zu erhalten, und leidet erheblich darunter, als Vater nicht in der Lage zu sein, sein Kind zu schützen. (19:41) Als  er versucht, das Sorgerecht zu beantragen, erlebt er, dass statt dessen sein Umgangsrecht gerichtlich in Frage gestellt wird. (39:30) Das möchte er nicht riskieren – auch wenn die Umgangsmöglichkeiten fast ohnehin erheblich eingeschränkt sind.

„Da und dort war es auch möglich, Ferien gemeinsam mit meiner Tochter zu verbringen.“ (20:08)

Auch sonst schränkt die Mutter ihn in seiner Vaterschaft erheblich ein,

„weil sie mir die Elternabende nicht gestattet hat (…) und auch ansonsten die Kindergartensphäre möglichst von mir fern hielt“ (20:30)

In der Pubertät der Tochter, etwa mit 13 jahren, entwickelt sie riskante Verhaltensweisen, konsumiert Alkohol zum Teil exzessiv, bleibt über Nacht weg, wird auch körperlich aggressiv, stiehlt – und Klaus macht sich Sorgen darüber, dass sie in eine Drogensucht abrutschen könnte. (21:40) Die Tochter macht auf ihn oft einen verzweifelten Eindruck. Sie sagt deutlich, dass sie beim Vater leben möchte, weil sie es bei ihrer Mutter nicht aushält – der Vater aber kann ihr nur sagen, dass die Gesetzeslage dies nicht erlaubt. (23:10)

Die Tochter schweigt daraufhin – und reagiert gegenüber der Mutter. Nach einer Ohrfeige von ihr schlägt sie die Mutter so, dass diese kurz bewusstlos wird, und tritt noch nach. Die Mutter möchte keine Hilfe, die Tochter flieht in die Nacht zu Freunden. (23:30) Als Resultat der Gewalt gegen die Mutter kommt die Tochter in eine sozialtherapeutische Einrichtung – ein „Wendepunkt“ (24:17) in ihrem Leben.

Ein Wendepunkt ist die Unterbringung der Tochter im Heim wohl auch deshalb, weil nun beide Eltern eingebunden werden und die Mutter den Vater nicht mehr beliebig ausgrenzen kann.

„Für mich war jetzt die Situation, ernst genommen zu werden.“ (38:21)

Der Vater fühlt sich nach der Unterbringung der Tochter im Heim enorm entlastet.

„Was hat meine Tochter denn auch erlebt: einen Vater, der nicht eingreifen kann und schwächlich ist, weil er das Sorgerecht nicht hat.“ (39:14)

Nachdem die Tochter mehrfache Schulwechsel hinter sich hatte, mit 13 Jahren zum Beispiel das Gymnasium verlassen musste, erholen sich ihre Leistungen im Heim. „Viele Ängste lösten sich in Luft auf.“ (40:08) Heute hat die Tochter, die mit 18 Jahren aus dem Heim entlassen wurde, seit einem Jahr eine eigene Wohnung, hat einen stabilen Freundeskreis und ist in der Schule integriert. (41:40) Der Vater will sie weiter unterstützen:

„Schließlich haben wir Glück mit unserer Tochter, weil sie sich der Verantwortung stellt.“ (42:10)

Wer genau ist hier eigentlich das Kind? „Befreiungsschlag ins Leben“ heißt die Sendung passend – wäre die Tochter nicht gewalttätig gegen die Mutter geworden, dann hätte sich in ihrem Leben wohl nichts zum Positiven geändert. An diesem Zusammenhang sind gleich mehrere Aspekte bedrückend.Einerseits ist deutlich, dass Gesetzgeber, Gerichte und Ämter eine zivile Lösung der Situation systematisch blockierten. Die Tochter äußerte ausdrücklich den Wunsch, beim Vater zu leben – die Möglichkeit dazu aber gab es rechtlich nicht, nicht gegen den Willen der Mutter. Der Vater wiederum war schon vorher gerichtlich eingeschüchtert worden – sein Versuch, das Sorgerecht zu erhalten, zog gerichtliche Drohungen auf Einschränkungen des ohnehin schon begrenzten Umgangs nach sich, ohne dass die Gründe für die Initiative des Vaters überhaupt eine Rolle gespielt hätten.

Schließlich erreicht die Tochter, was sie sich offenbar ersehnt hat – sie kommt fort von der Mutter, aber dann in ein Heim und nicht zum Vater. Als ob es vernünftiger wäre, staatliche Gelder für die Unterbringung im Heim zu investieren, als ein Kind bei seinem Vater leben zu lassen.

Andererseits ist die enorme Schutz- und Schonhaltung gegenüber der Mutter auffallend, die hier behandelt wird, als wäre eigentlich sie das Kind, dessen Wohl zu schützen es gelte. Dass die Mutter offenkundig jahrelang die Tochter schlägt, ist irrelevant – dass dann aber die Tochter einmal zurückschlägt, wird von den zuständigen Institutionen so sehr als Skandal empfunden, dass sie nun endlich handeln. Anstatt dass also die Mutter in der von ihr beanspruchten alleinigen Verantwortung für das Kind angesprochen würde, legen Insititutionen regelrecht einen Schutzschirm um sie.

Diese irrationale Schutzhaltung gegenüber Müttern durchzieht viele Auseinandersetzungen um die Kindessorge. Es ist bei Familienanwälten beispielsweise durchaus gängig, Vätern davon abzuraten, mögliche psychische Probleme von Müttern überhaupt bei Ämtern oder Gerichten anzusprechen – es würde ihnen lediglich der Vorwurf gemacht werden, die Mutter schlecht machen zu wollen. Menschen, die vorgeblich professionell mit dem Kindeswohl befasst sind, erklären sich so für unfähig zu entscheiden, ob ein Vater solche Informationen aus gutem Grund oder lediglich zur Belastung der Mutter anführt.

Selbst in der Interviewsituation des Väterradios ist die Mutter noch geschützt. Als „Symptomträger für die Konfliktsituation der Eltern“ (22:55) wird die Tochter dort vorgestellt. Während ein wesentliches Problem der Konstellation ja gerade darin besteht, dass die Mutter auf der alleinigen Verantwortung besteht und der Vater keine rechtlichen Möglichkeiten zum Engreifen hat, wird auch hier die reale Verantwortung säuberlich zwischen beiden Eltern aufgeteilt. Den Konflikt allerdings hätte der Väter nur vermeiden können, wenn er die Gewalt der Mutter gegenüber der Tochter ignoriert hätte –  was nur zeigt, dass keineswegs jede Konfliktvermeidung dem Kindeswohl dient.

Der tief widersprüchlichen, blind unterstützenden Haltung gegenüber der Mutter, die gleichzeitig allmächtig und unendlich schutzbedürftig zu sein scheint, steht eine demütigende Degradierung des Vaters gegenüber. Er erwähnt kurz und freudig, dass er sogar ab und zu Ferien mit der Tochter habe verbringen können – als ob das keine Selbstverständlichkeit sein müsste. Vom Kindergarten wie von Elternabenden wird er durch die Mutter ferngehalten – was für mich als Lehrer regelrecht verrückt erscheint: Wir sind froh über alle Eltern, die zu Elternabenden kommen, und dass eine Mutter die Anwesenheit des Vaters in der Schule überhaupt willkürlich verhindern kann, ist pädagogisch eine schlichte Idiotie.

Wer braucht eigentlich schwache Väter? Einerseits macht diese durch die Rahmenbedingungen erzwungene Schwäche des Vaters nicht nur ihm, sondern auch der Tochter zu schaffen: Wer Väter schwächt, stärkt dadurch eben keineswegs die Kinder. Zugleich führt sie auch dazu, dass Geschichten wie die von Klaus, seiner ehemaligen Partnerin und ihrer gemeinsamen Tochter überhaupt weiterhin möglich sind. Das neue Sorgerecht hat kleine theoretische Möglichkeiten der Änderung geschaffen, aber nicht einmal versucht, die bestehenden Probleme zu lösen.

Klaus hätte eine prinzipiell einfache Möglichkeit gehabt, seine enorm schwache Position zu verlassen und seine erheblich eingeschränkte Autonomie zurückzugewinnen: Er hätte sich nur von seiner Tochter ganz distanzieren müssen. Eben zu dieser Distanzierung werden Väter durch die deutschen Rahmenbedingungen der Ämter und Gerichte regelrecht gedrängt, sobald die Mütter kein Interesse an einer Kooperation haben – und so erleben Institutionen wie der Väteraufbruch auch wieder und wieder, dass Väter zwar kurzzeitig engagiert sind, sich aber zurückziehen, sobald sie für ihre persönliche Situation eine Lösung gefunden haben.

Die Bedingungen des deutschen Familienrechts werden so kaum als strukturelles Problem deutlich, sondern lösen sich in Tausende von Einzelfällen auf, in denen Väter jeweils individuelle Lösungen – oder: Loslösungen – finden müssen. Auch bei Klaus scheint die Notwendigkeit der Distanzierung übrigens deutlich – allerdings nicht als Distanzierung von der Tochter, aber doch in einer sehr distanziert wirkenden, häufig auf einen Nominalstil zurückgreifenden Sprache.

Auffällig ist dabei außerdem, dass das Verhalten staatlicher Institutionen in einem wesentlichen Aspekt dem der beschriebenen Mutter sehr ähnlich ist: Sie beanspruchen in der Ausgrenzung des Vaters eine enorme Verantwortung, die real wahrzunehmen sie tatsächlich kaum bereit oder in der Lage sind. Die erhebliche Einschränkung der Rechte von nichtehelichen Vätern und ihren Kindern wird immerhin mit einem Interesse am Kindeswohl begründet – selbst diejenigen, denen diese Begründung einleuchtet, müssten also einräumen, dass staatliche Institutionen als Konsequenz davon in einer ebenso erheblichen Bringschuld stehen, ihre Verpflichtung gegenüber dem Kindeswohl auch nachzuweisen. Davon kann hier, wie in anderen Fällen, offenkundig keine Rede sein.

Während aber die radikale Schwächung ihrer väterlichen Position für die betroffenen Väter kaum zu ertragen ist, so dass sie Distanz dazu und zu ihren Kindern suchen, verhindert sie zugleich Solidarisierungen durch andere. Der Schmerzensmann ist kein Modell, das zur Identifikation einlädt – zumal Männer, anders als Frauen, sehr schnell der „Jammerei“ oder der Pflege einer „Opferideologie“ bezichtigt werden, wenn sie öffentlich über eigene Leiderfahrungen berichten.

Auch deshalb ist der Ansatz des Väterradio so wichtig: Das Leid, das durch die irrationalen Bedingungen des deutschen Familienrechts produziert wird, deutlich zu machen und so, unter anderem, dem blind-sexistischem Aufschrei-Gerede über Sexismus ein Gegengewicht zu bieten. Es ist aber eben auch wichtig, zugleich plausibel werden zu lassen, dass dieses Leid das Resultat von allgemeinen inhumanen Strukturen ist, die geändert werden können und werden müssen.

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6 Comments

  • Es wäre schön wenn die Tochter jetzt mal das Gericht der Beihilfe zur Körperverletzung anzeigt. Nur mal sehen was passiert… Klar, nichts.

    Ich habe auch mal gedacht ich könne die Gewalt meiner Ex gegen unseren Sohn vor Gericht als Grund gebrauchen. Es wurde natürlich ebenfalls gegen mich verwendet. Im Gutachten steht sogar drin, dass meine Ex unseren Sohn ja nur deshalb schlägt, weil sie mit ihm mehr Zeit verbringt (also meine Schuld, weil ich abwesend bin). Wenn er dann später selbst mal zuschlägt liegt es daran dass er ein Mann ist…

    Wir raten bei solchen Situationen wie Klaus, wo die Gewalt ausgeprägter und Sichtbarer ist, immer die Schule oder den Kindergarten zu informieren, zu sagen die Tochter hätte dieses oder jenes behauptet und ob sie bitte mal ein Auge drauf werfen können. Oftmals passiert nichts, aber manchmal meldet die Schule so was und schwups, innerhalb von einem Tag ist das Problem gelöst, das Kind kommt in eine Pflegeeinrichtung oder auch mal zum Vater… Diese Reihenfolge ist übrigens nicht zufällig gewählt, Richter sind eher bereit ein Kind in eine Pflegefamilie zu geben, wie zum eigenen Vater. Irgendwo müssen ja die 40.000 Kinder herkommen, die (in Deutschland) jedes Jahr in eine Pflegefamilie kommen. Für das Land in dem ich geschieden bin habe ich die Zahlen leider nicht.

    Viele Grüsse
    Kai

  • Ich habe einmal einen offenen Brief an die geschätzte Frau von der Leyen, die einmalige Frau Schröder und diverse Gleichstellungsbeauftragte zu einem ähnlichen Thema geschrieben.

    Es ist bitter, aber wahr:
    Mein Sohn und ich hatte nur Glück, dass die Mutter meines Sohnes verstorben ist. Sonst würde er entweder bei ihr, eine schwerstens Borderlineerkrankte oder im Heim aufwachsen.

    Das Jugendamt hatte damals Pläne in der Schublade meinen Sohn und seine Halbschwester in ein Heim zu stecken. Ich als Vater – mit geteiltem Sorgerecht – kam in diesen Plänen gar nicht vor. (Ich war damals von der Mutter schon getrennt.)

    http://www.nuklearsprengkopf.de/2012/07/offener-brief-an-frau-von-der-leyen-und-frau-schroder-familienministerin/

  • Vielen Dank für den Link! Ich finde den Brief sehr eindrucksvoll. Hat es denn, von Schröder oder von der Leyen, irgendwann einmal eine Antwort darauf gegeben?

  • @ Kai „Wir raten bei solchen Situationen wie Klaus, wo die Gewalt ausgeprägter und Sichtbarer ist, immer die Schule oder den Kindergarten zu informieren“ Das ist sicher ein guter Rat. Als Lehrer hab ich allerdings – völlig unabhängig von aller Vaterprobleamatik – auch schon öfter die Erfahrung gemacht, dass man beim Jugendamt gegen Wände laufen kann.

    Und ich kenne sogar einen Fall, in dem eine Schulleiterin sich hilfesuchend an ein Gericht gewandt hat, weil sie nicht mehr wusste, wie die Schule mit einer – alleinerziehenden, väterausgrenzenden – Mutter umgehen kann, die dort wiederholt sehr aggressiv und unberechenbar aufgetreten war. Keine Reaktion von Ämtern und Gerichten.

    Das heißt nicht, dass all meine Erfahrungen mit diesen Institutionen negativ waren – aber es ist schlicht eine Glückssache, ob man dort an Leute gerät, die ein Interesse daran haben, sich um Kinder oder auch Eltern in Notlagen zu kümmern.

    Viele Grüße auch von mir!

  • „Dass vor allem anderen Wizorek selbst ist, die Sexismus nicht wahrnimmt und nicht wahrnehmen will,“
    Wohlgemerkt, Sexismus gegen Frauen und Männer. Naturgute Unschuldsfrau ist ein Anspruch, dem frau kaum gerecht werden kann.

    Ansonsten blieb mir beim Lesen häufiger mal der Mund offen stehen. Kein Wunder reagiert der Vater auf diese organisierte, staatlich geschützte und damit billigend in Kauf genommene Kindesmisshandlung mit psychosomatischen Symptomen. Wie könnte er auch unberührt davon bleiben? Bloß keiner naturguten Unschuldsfrau das Sorgerecht entziehen.

  • @ Haselnuss „organisierte, staatlich geschützte und damit billigend in Kauf genommene Kindesmisshandlung“ Das ist mir so auch im Kopf gewesen, als ich von diesem Fall hörte.

    Vor allem müsste sich etwas in Jugendämtern ändern, um solche Zustände zu beenden. Das Klischees, Jugendamtsmitarbeiterinnen (die gibt es ja in viel größerer Zahl als -mitarbeiter)seien mütterfixiert, hat gute Gründe. Mir haben zum Beispiel schon mehrere Mütter erzählt, dass sie bei der Abgabe einer Erklärung zur gemeinsamen Sorge von Jugendamtsmitarbeiterinnen (unterschiedlicher Amtsbezirke) unter Druck gesetzt worden seien, diese Erklärung NICHT abzugeben. Das ist völlig irregulär, aber offenbar gängig.

    Ein anderer Fall, den ich persönlich kenne: Da hat eine Mitarbeiterin bei einer alleinerziehenden Mutter tatsächlich einmal genauer und kritisch nachgefragt, warum sie denn den Vater aus der Kindessorge heraushalte – die Mutter hat sich dadurch unter Druck gesetzt gefühlt und nach einem einzigen Gespräch eine umfangreiche Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben – und anstatt dass das Jugendamt überprüft hätte, welche Hintergründe denn dieses Verhalten der Mutter hat, wurde die Mitarbeiterin stillschweigend und ohne weitere Angabe von Gründen durch eine andere ersetzt.

    Und diese Fixiertheit auf die Mutter begünstigt eben auch Verhalten, das dem Kind massiv schadet – wenn es die Mutter ist, die sich so verhält. Bis heute hat sich der selbstverständliche Gedanke nicht durchgesetzt, dass ein ziviles, faires, gleichberechtigtes Verhältnis zwischen den Eltern auch positiv für das Kind wäre.

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