Deutschland

Stinkefinger und Schwarze Witwe: Die Bundestagswahl 2013

Bild zeigt Grafik mit Sitzverteilung von Parteien im Parlament.
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Natürlich wurde Angela Merkel in der Berliner Runde von ARD und ZDF gefragt, ob sie eigentlich alle ihre Koalitionspartner zu Grunde richte: Peer Steinbrück erinnerte daran, dass die Koalition mit Merkels CDU für die SPD zu deprimierenden Ergebnissen geführt hatte, und damit ging es ihm immer noch besser als Rainer Brüderle vom aktuellen Koalitionspartner FDP – der war nicht einmal mehr zur Elefantenrunde eingeladen worden, weil seine Partei an der Fünfprozenthürde gescheitert war.
Die ihr angetragene Rolle als Schwarze Witwe übernahm Merkel nicht und verwies mit durchaus gutem Grund darauf, dass das SPD-Ergebnis dieser Wahl nicht wesentlich besser sei als das letzte nach der großen Koalition. Die Frage hatte ein Motiv der Merkel-Kritik aufgegriffen, dass mir selbst schon vielfach im Bekannten- und Freundeskreis begegnet ist: Sie würde mit ihrer präsidialen, ungreifbaren, abwartenden Art jede Diskussion ersticken, die Gegensätze unterschiedlicher Positionen übertünchen und sich so unangreifbar machen. Eben deshalb hätten auch Koalitionspartner keine Chance, sich neben ihr zu profilieren.
Insgeheim akzeptiert auch dieser Vorwurf Merkels unangefochten starke Position in der deutschen Politik: Er erweckt den Eindruck, als ob es eigentlich Merkel Aufgabe wäre, die Opposition zu ihrer Politik gleich auch mit zu organisieren – und als ob es aus nicht ganz erklärlichen Gründen ihre Verantwortung wäre, wenn die reale Opposition keine vernünftige Alternative zu ihrer Politik entwickeln kann.
Eben das aber ist, neben dem sensationellen Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag, das wesentliche Ergebnis des Wahlabends: Er hat die ungeheure Schwäche der Opposition deutlich gemacht, und er hat auch schon einige Hinweise auf deren Gründe geliefert.

Wichtige und unwichtige Debakel Denn immerhin: Da die FDP mit 4,8% und die Alternative für Deutschland mit 4,7 % scheiterten, haben Parteien aus einem bürgerlich-konservativen Spektrum fast zehn Prozent der Wählerstimmen an der Fünfprozenthürde verpuffen lassen. Trotzdem hätte die Union beinahe die absolute Mehrheit der Mandate erreicht – für die Opposition aus SPD, Grünen und Linken müsste das eigentlich alarmierend sein.
Dabei ist zumindest die Zufriedenheit der Linken noch nachvollziehbar. Die Partei entwickelt zwar keine weithin überzeugenden Konzepte linker Politik, aber sie erfüllt offenkundig für viele Ostdeutsche eine Funktion als Vertreterin ihrer Interessen und hat sich trotzdem auch bundesweit etabliert – auch in Hessen zieht sie in den Landtag ein. Dass die Moderatoren der Berliner Runde, Stephan Frey (ZDF) und Thomas Baumann (ARD), den Linken-Vertreter Bernd Riexinger eine Dreiviertelstunde lang demonstrativ ignorierten, war daher eher eine arrogante Demonstration des Desinteresses als eine souveräne demokratische Geste der Abgrenzung von Links-Populisten.
Wesentlich gravierender ist die Situation der Grünen: Noch vor zwei Jahren konnten sie im Fukushima-Aufwind von 30 Prozent der Wählerstimmen träumen und liegen nun deutlich unter zehn Prozent. Trittin spricht erstarrt von ominösen „Kräften“, die gegen die Grünen gearbeitet hätten, und wird in der Elefantenrunde gleichwohl nur vorsichtig auf die Pädophilie-Debatte angesprochen. Mit kaum unterdrückter Wut – als ob ihm da ein lächerliches Thema viel wichtigere politische Projekte verhagelt hätte – tut er die Frage ab und konzentriert sich dann sogleich darauf, staatsmännisch darzulegen, weshalb die Grünen mit den Linken nicht koalieren könnten.
Ob tatsächlich ein Generationenwechsel ansteht, oder ob Trittin, Roth, Künast, Göring-Eckardt ihre Positionen verbissen verteidigen werden – oder ob sich nicht möglicherweise die Grünen ohnehin als eine Ein-Generationen-Partei erweisen werden, die nach der allmählichen Verrentung ihrer Gründungsmitglieder langsam wieder verschwindet – ob sich die verschiedenen Flügel der Partei wieder Kämpfe liefern werden  – diese Fragen werden vermutlich Schlagzeilen der kommenden Monate garantieren, sind aber tatsächlich nur begrenzt wichtig.
Unwichtig war auch das erwartete Debakel der Piraten. Der verrückte Wandel von einer „Post-Gender“-Partei, die sich gegenüber feministischen Automatismen wie der Frauenquote sperrt, zu einer Partei, die betonfeministische Hetze gegen Einzelne institutionell trägt, hat sicherlich dazu beigetragen.
„Das enorme Engagement, mit dem die Piraten Scharen an männlichen Wählern – ihre Stammklientel! – weggemobbt haben, war unbegreiflich“,
kommentiert Arne Hoffmann. Vermutlich aber war nicht nur diese kopflose Neu-Ausrichtung für das Desaster verantwortlich – ganze Gruppen von Piraten hatten sich ohnehin immer wieder als unverlässliche, infantile und dabei irritierend aggressive Verhaltensauffällige präsentiert – beispielsweise auf einem vom politischen Geschäftsführer in Hessen stolz über Twitter verbreiteten Foto, auf dem Piraten kollektiv und aus nichtigem Anlass ihrem Parteichef den Stinkefinger zeigten.
Mitgefühl haben allenfalls die verbliebenen integren Piraten verdient, die sich von ihrer Partei einmal die Möglichkeit für die Erneuerung demokratischer Prozesse erträumt hatten. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Piraten – was für eine solch kleine Partei eigentlich ganz unsinnig ist – bei den Wahlen mehr Erst- als Zweitstimmen erhalten haben. Offenbar waren die Kandidaten an der Basis, trotz ihrer Chancenlosigkeit in der Direktwahl, oft überzeugender als die Gesamtpartei. Übrigens waren diese Direktkandidaten – was Hoffmanns Rede von der „Stammklientel“ bestätigt – in weit überwiegender Anzahl männlich.
Die SPD trifft eine gute Fee und zeigt ihr den Stinkefinger Mit einem Stinkefinger hat auch Peer Steinbrück schließlich Politik zu machen versucht. Das hat ihn möglicherweise bei manchen sympathisch und frisch, bei anderen eher mittelschwer verwirrt erscheinen lassen – da er sich aber nun einmal für das Kanzleramt und nicht für DSDS beworben hat, konnte er damit gegen Merkels präsidialen Habitus nichts gewinnen.
Tatsächlich ist das Ergebnis der SPD, eine leichte Steigerung nach der letzten Bundestagswahl, dramatischer, als es scheint. Denn schließlich hatten Sozialdemokraten so günstige Bedingungen, als hätte ihnen eine gute Fee diesen Wahlkampf beschert: Die Piraten hatten sich selbst zerlegt, die Grünen verstrickten sich in ihrer Pädophilie-Affäre in eine arrogante, aber offensichtliche Doppelmoral und hatten sich vorher schon durch ihre Steuerpläne und die nebensächliche, aber symbolträchtige Forderung nach einem „Veggie-Day“ geschadet. Noch vor eineinhalb Jahren hätten die Piraten 8 % und die Grünen 20 % erreichen können – dann wäre die SPD wohl deutlich unter 20% gedrückt worden.
Dazu das Glück des knappen Scheiterns von FDP und AfD: Die SPD hat unter idealen Rahmenbedingungen, die besser kaum hätten sein können, eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte erreicht.
Interessant ist dabei unter anderem, dass wesentlich mehr Frauen als Männer CDU, aber mehr Männer als Frauen SPD gewählt haben. Dabei hatten Sozialdemokratinnen offensiv einen „Gender Gap“ im Wahlergebnis angestrebt – anstatt also um Stimmen von Männern wie von Frauen zu werden, kam es ihnen aus rational nicht ganz nachvollziehbaren Gründen vor allem darauf an, dass mehr Frauen als Männer SPD wählen.
Das Ergebnis zeigt unter anderem, dass solche Beiträge zu Debatten um feministische Positionen den meisten deutlich unwichtiger sind, als Feministinnen, aber auch ihre Kritiker das glauben. Mehr noch: Die Union hat die Einführung der Frauenquote auf die lange Bank geschoben und europäisch vorerst blockiert, sie hat das Betreuungsgeld eingeführt, das von SPD und Grünen als „Herdprämie“ verspottet wurde, und hat dabei gleichwohl eine deutliche Mehrheit der Frauenstimmen erhalten. Das Gros der Frauen lehnt feministische Vorstellungen davon, wie Frauen leben sollten, also entweder ab oder ignoriert sie souverän.
Ebenso zeigen sich aber auch viele Männer unbeeindruckt davon, dass die SPD ihr Geschlecht doch eigentlich im Interesse des „menschlicheren“ Geschlechts überwinden möchte. Folgen hat diese Politik eher indirekt: In den letzten Jahrzehnten hat die SPD fast die Hälfte der männlichen und etwa ein Drittel der weiblichen Mitglieder verloren.  Die Vorstellung, dass das Engagement von Männern verzichtbar sei, inspiriert offenkundig kein größeres Engagement von Frauen. Die SPD verliert damit schlicht einen großen Teil ihrer Basis, dabei auch den Kontakt zum alltäglichen Leben vieler Menschen, und sie schwächt sich in einer Weise, die sie nicht kompensieren kann.
Zudem fehlt es ihr an tragfähigen Konzepten zu ihrem Kernthema, der sozialen Gerechtigkeit. Sozialdemokraten, die allen Ernstes die Frauenquote in Führungspositionen – die der Privilegiensicherung einer kleinen Gruppe ohnehin schon privilegierter Frauen dient – als zentrale Gerechtigkeitsfrage behandeln und die mit einer „menschlichen“ Gesellschaft lediglich die Überwindung einer „männlichen“ Gesellschaft assoziieren, konzentrieren sich auf Scheinprobleme, stoßen ohne Not eben die Männer (und übrigens auch Frauen) vor den Kopf, die sie eigentlich zurückgewinnen müssten – und nehmen sich selbst die Möglichkeit, sich auf überzeugendere Konzepte sozialer Gerechtigkeit zu konzentrieren.
Dabei zeigt der Erfolg der AfD, die aus dem Stand fast in den Bundestag eingezogen wäre, dass es sich durchaus lohnt, politisch außerhalb eingeübter Routinen zu agieren. In der Elefantenrunde präsentierte sich Trittin zwar persönlich sehr verletzt von den Angriffen aus der Union und sprach von „Gräben“, gratulierte Merkel aber auch sehr artig und war intensiv um eine staatsmännische Pose bemüht. Eine schwarz-grüne Koalition könnte durchaus interessante Perspektiven schaffen: Sie wäre nämlich ein Anreiz für die SPD und auch die Linke, sich gegen die Union und zugleich auch gegen die Grünen zu positionieren. Vor allem für Sozialdemokraten wäre das eine Chance.
Zudem wäre es interessant zu beobachten, ob Merkel es schafft, auch die Grünen unter die Fünfprozenthürde zu koalieren.
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24 Comments

  • Danke für die Analyse. Einige enthaltene Punkte hatte ich schon wieder vergessen 🙂

    Ich bin gespannt wie die Analysen von Grünen, SPD oder Piraten aussehen werden. Sicherlich werden die etwas blumiger aussehen und bestimmt wird dann auch wieder festgestellt werden, dass nicht genügend weibliche Wählerinnen mit zu wenig Frauenthemen mobilisiert werden konnten. Umso wichtiger dürften unabhängige Analysen in nächster Zeit, zumindest für mich, wichtiger werden.

    Auch wenn ich jetzt erst einmal eher von Neuwahlen ausgehe. Schließlich ist da nix koalitionsfähiges.

  • Neuwahlen sollte es in den nächsten Jahren nicht geben. Dann besteht die Gefahr, dass die FDP wieder in den Bundestag einzieht. Es war schon interessant, die belämmerten Gesichter der 5 FDP-Minister und des Generalsekretärs zu sehen. Zum ersten Mal hat die Trickkiste mit den Zweitstimmen nicht geklappt, im Gegensatz zur Niedersachsenwahl, wo der CDU unter MacAllister wenige Stimmen fehlten, um Ministerpräsident zu bleiben. Lieber Herr Schoppe, tolles Lob für die fantastische Analyse der BTW. Eine bessere kann man auch nicht in der SZ und der FAZ zu Gesicht bekommen. Machen Sie weiter so.

  • Lieber Schoppe

    Wieder mal eine zutreffende Analyse. Wie sehen denn die „Rezeptions-und Distributionsbedingungen “ aus, einfacher. von wie vielen Leuten werden die Texte gelesen ?. Es geht ja nicht nur um eine kluge Analyse, sondern auch um die Möglichkeit der Einflussnahme auch das „kollektive “ Bewußtsein
    Gruß Stephan

  • Danke für die Grüße! Die Reichweite der Texte ist natürlich begrenzt – gestern hatte ich z.B. 1200 Zugriffe, und wenn gerade kein aktueller Text veröffenltich ist, entsprechend weniger – der Durchschnitt im September lag bei etwa 825 Zugriffen.

    Das ist sehr wenig, wenn es um Reichweite und Einfluss geht – aber ich bin trotzdem sehr zufrieden mit der Entwicklung. Eigentlich ist das Blog hier einfach ein Angebot, von denen es – wie ich fand – zu wenig gab, als ich danach suchte. Und die Menge derjenigen, die darauf zugreifen, übertrifft meine Erwartungen sehr weit – auch wenn damit die Möglichkeiten der Einflussnahme auf das kollektive Bewusstsein natürlich immer noch verschwindend gering sind.

  • @ Goofos „dass nicht genügend weibliche Wählerinnen mit zu wenig Frauenthemen mobilisiert werden konnten“ Das kann sein – ich hab jetzt schon mehrfach die Meinung gelesen, dass Frauen CDU gewählt hätten, weil sie dort eben eine KanzlerIN bekommen bzw. behalten konnten.

    Ich fürchte, die SPD wird nicht etwa auf die Idee kommen, dass das Vegraulen der Männer im Hinblick auf die Perspektiven der Partei kein guter Plan war – sondern eher den Ehrgeiz entwickeln, das nächste Mal gegen Merkel auch eine Frau als Kandidatin aufzustellen.

  • Bei der Bewertung des hohen Prozentsatzes weiblicher Wähler der CDU muß man vorsichtig sein: die CDU dominiert stark bei der Altersklasse 60+, s.
    http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2013-09-22-BT-DE/umfrage-alter.shtml
    Dort sind wiederum Frauen wegen der längeren Lebenserwartung stark überrepräsentiert.

    Deswegen ist z.B. der Vergleich des Wahlverhaltens von Männern und Frauen auf
    http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2013-09-22-BT-DE/umfrage-werwas.shtml
    (1. und 2. Diagramm) nicht sehr sinnvoll, denn die Gruppen der Männer und Frauen sind nach Altersklassen anders zusammengesetzt.

  • @ man.in.th.middle Ja, der Punkt ist wichtig – dass Frauen stärker CDU gewählt haben, lässt sich zum teil darauf zurückführen, dass einfach Ältere stärker CDU gewählt haben und Frauen in diser Gruppe nun einmal deutlich stärker vertreten sind. Es gab darüber auch gerade schon eine Diskussion bei Ales Evolution (http://allesevolution.wordpress.com/2013/09/24/wie-man-bei-allgemeinen-freien-geheimen-wahlen-die-stimmen-von-frauen-im-patriarchat-wirkungslos-macht/ ).

    Aus den dort verlinkten Grafiken aus der Brigitte wird aber auch deutlich, dass Frauen in allen Altersgruppen stärker CDU gewählt haben, mit Ausnahme der Gruppe der 30-44jährigen, in der es zwischen Schwarz und Rot-grün ein Patt gibt. http://www.brigitte.de/frauen/politik/bundestagswahl-frauen-1178151/3.html

    Und auch wenn man den Altersfaktor berücksichtigt – es wird in jedem Fall deutlich, dass der feministsiche Anspruch, alle Frauen wesentlich zu vertreten, von einem Großteil der Frauen nicht akzeptiert wird: Entweder fühlen sie sich durch feministische Positionen, die ja bei Grünen oder SPD deutlich stärker zum Tragen kommen als in der CDU, nicht vertreten – oder es gibt für sie deutlich Wichtigeres.

    Und es stimmt, die ARD-Grafiken sind erklärungsbedürftig, aber auch interessant. Unabhängig von allen Geschlechterfragen müsste es z.B. eigentlich für die SPD alarmierend sein, dass sie auch in der Berufsgruppe der Arbeiter deutlich hinter der CDU liegt.

  • Nachfrage:
    „Die Reichweite der Texte ist natürlich begrenzt – gestern hatte ich z.B. 1200 Zugriffe“
    Handelt es sich dabei um 1200 unterschiedliche Personen, oder sind Mehrfachzugriffe mehrfach gezählt worden, nur mal, um eine genauere Vorstellung von der „Wirkmächtigkeit“ deiner Texte zu bekommen

  • Ich bin enttäuscht über diese Wahlanalyse in einem männerrechtlichen Blog.

    Die wichtigste Feststellung fehlt.

    Die AfD und die FDP haben es nur deshalb nicht in den Bundestag geschafft, weil in Deutschland das unsägliche Frauenwahlrecht herrscht.

    Stattdessen sitzen nur noch Feminatsparteien im Parlament, von denen jede einzelne Frauenquoten will und parteiintern schon hat. Kein Wunder, stellen doch Frauen die Mehrheit des Elektorats, da wird man halt gewählt, wenn man eine KanzlerIN ist oder Frauen Privilegien verspricht.

    Zwei Schaubilder, die das ganze verdeutlichen
    http://imgbox.com/g/eCA6lyCwCk

  • @ Salpetersäure Ich finde, dass Mänerrechtler oft eine seltsame Tendenz haben, mit dem Hintern wieder einzureißen, was sie gerade mit den Händen aufgebaut haben. Die Kritik an Frauenquoten und Frauenstatut finde ich absolut berechtigt, und in meinen Augen blockieren beide demokratische Prozesse.

    Es ist aber sinnlos, diese Kritik allen Ernstes mit der Forderung nach der Abschaffung des Frauenwahlrechts zu verbinden. Mit solch einer Forderung zieht man sich in die eigenen Filterbubbles zurück und geht mit den Rechten anderer um, als seien sie beliebige Verfügungsmasse – und das ist eben das, was Männerrechtler einer feministischen Politik vorwerfen.

    Die FDP ist jahrzehntelang auch mit Frauenstimmen gewählt worden, und dass sie es dieses Mal verbockt hat, hat sie sich selbst zuzuschreiben und nicht den fehlenden Frauenstimmen (auch sehr wenige Männer haben FDP gewählt, wären es ein paar mehr gewesen, säß die Partei jetzt im Bundestag). Die AfD hat für einen Newcomer, der noch in vielen Bereichen eine Wundertüte ist, enorm viele Stimmen erhalten, auch von Frauen.

    Es ist müßig, sich nach der Wahl die Stimmen anzuschauen und zu überlegen, welche Stimmen man verbieten müsste, um zu Wunschergebnissen zu kommen – da kann man gleich klarstellen, dass man das Wahlrecht insgesamt für ein Problem hält, und muss sich nicht aufs Frauenwahlrecht konzentrieren.

  • @Stephan Mit den Statistiken von blogspot kann ich nicht differenzieren, ob die Seitenaufrufe von verschiedenen oder von einer Person kommen. Ich gehe davon aus, dass oft dieselben Leser mehrere Seiten aufrufen – so dass die tatsächliche Anzahl der Leser noch deutlich geringer ist als die Anzahl der Seitenaufrufe.

    Es gibt Programme, mit denen ich das besser differenzieren könnte – wie viele Leser klicken wie viele Texte an, wie lange bleiben sie im Schnitt, etc. Die hab ich mir noch nicht besorgt, weil die Statistiken bislang für meine Bedürfnisse ausreichten. Ich wird das aber ändern, wenn es mit dem Blog so weiter geht wie bisher.

    Um mehr öffentliche Resonanz zu erreichen, müsste ich allerdings auch deutlich mehr Zeit investieren – die hab ich aber leider nicht, schließlich arbeite ich voll.

    Ich bin aber, wie gesagt, von der Resonanz bisher sehr positiv überrascht – sowohl, was die Klickzahlen, die Verlinkungen, als auch die Kommentare angeht.

  • Vielen Dank für deine transparente Information. Es bleibt eben ein sehr ungleicher Kampf, wenn man sieht, wieviel Personen die Desinformations-kampagnen des ÖR so ganz nebenbei erreichen – leider
    Gruß Stephan

  • Da haben wir ihn wieder. Den Gleichwertigkeitsfanatiker Schoppe, dem es noch nicht einmal auffällt, dass auf seine beiden reflexartigen Argumente bereits auf den Bildern eingegangen wird.

    Herr Schoppe, fällt Ihnen wirklich nicht auf, dass Ihr Kommentar eins zu eins gleich lauten würde, gäbe es das Kinderwahlrecht in Deutschland, so z.B, ab 5 Jahren?

    „Die FDP hat jahrelang Stimmen von Kindern bekommen, und dass es jetzt weniger waren, hat sie nur sich selbst zu verdanken“.

    Oder „Da kann man gleich auf das Wahlrecht verzichten und muss sich nicht aufs Kinderwahlrecht konzentrieren“.

    Im Parlament säßen nur noch Parteien, die kostenlose Bonbons verteilen wollen, und Herr Schoppe zuckte nur mit den Armen und sagte „Es ist sinnlos über das Kinderwahlrecht nachzudenken“.

    Pfui.

  • @Schoppe „…Mänerrechtler oft eine seltsame Tendenz haben…“

    das sind keine Männerrechtler, sondern Verfassungsfeinde. Die beiden Kommentare sprechen sich eindeutig gegen ein Grundrecht aus, ich würde das gar nicht erst freischalten bzw. löschen. Solchen Leuten sollte keine Plattform geboten werden, Du beschädigst damit den guten Ruf deines Blogs.

  • Verfassungsfeinde gibt es in der herrschenden Einheitspartei (mit gegenwaertig nur noch vier Faktionen) genug.

    Und wirres Zeug gibt es im Internet auch genug. Ein bisschen davon koennen wir schon verkraften.

    Wie sollte das den guten Ruf beschaedigen? Irgendwie wird ja doch wohl unterstellt, dass irgendwo doch eine gewissen Naehe zu diesen Ansichten herrscht?

    Es gibt genug Dummheit auf dieser Welt, und notwendigerweise ist ein Gutteil davon auf Maenner zurueckzufuehren — was kratzt das uns??

    Stellen wir uns doch einfach vor, das derartige Kommentare von Feministen verfasst werden (passt doch).

  • @ man.in.th.middle Es ist ja deutlich, dass ich die Meinung in dem Kommentar klar ablehne. Ich bin zudem dagegen, den Eindruck zu erwecken, als ob es unter Männerrechtlern nichts als unproblematische, faire und vernünftige Meinungen gäbe – indem man die Meinungen löscht, die nicht dazu passen. Insofern finde ich nicht, dass ich hier eine Plattform biete – ich verdecke nur nicht, dass es solche Positionen gibt.

    Ich kann nicht einerseits Feministinnen vorwerfen, dass sie sich einen Dreck darum scheren, wenn im Feminismus solche kranken Positionen wie die vom Solanas Kultcharakter haben, und dass sie eine geschönte Version vom Feminismus als „Engagement für Gleichberechtigung“ präsentieren – und dann gleichzeitig eine geschönte Version von Männerrechtlern präsentieren, die kaschiert, dass es hier natürlich auch problematische Positionen gibt. Das Frauenwahlrecht anzugreifen ist indiskutabel, und solche Positionen sind absolute Minderheitenpositionen auch bei Männerrechtlern und solchen, die sich dafür halten – aber so zu tun, als ob es sie überhaupt nicht gäbe, hilft nicht weiter.

    Außerdem: Ich habe bisher noch überhaupt keinen Kommentar gelöscht, von mittlerweile fast 1500 (Ausnahme sind lediglich offensichtlich kommerzielle Kommentare, die durch den Spam-Filter gerutscht waren). Ich finde, das hat auch einen Wert, gerade in einem Blog, in dem es wesentlich um Geschlechterverhältnisse geht.

    @ Oliver K. „Ein bisschen davon koennen wir schon verkraften.“ Das glaub ich auch.

  • Ich halte die Analyse in vielen Punkten fuer falsch.

    „war daher eher eine arrogante Demonstration des Desinteresses als eine souveräne demokratische Geste der Abgrenzung von Links-Populisten.“

    Also Die Linke sind Links-Populisten, die man souveraen ausgrenzen sollte?

    Aber konzentrieren wir uns auf die „Maennerfrage“. Bzgl. der Piraten wird stipuliert, dass der dortige Betonfeminismus eine Rolle fuer das schleche Abschneiden gespielt haette — wo sind Belege dafuer? Ausser den wenigen wohlbekannten Quellen kann ich nichts finden, was dafuer spraeche, dass Feminismus, Gender etc. irgendeinen Einfluss auf die Piraten(nicht)wahl (oder auf die Wahl als Ganzes) gehabt haette. Z.B. http://www.neues-deutschland.de/artikel/834321.wir-brauchen-ein-neues-narrativ.html : dort findet man ueberhaupt nichts bzgl. Quoten etc. ausser einer kurzen Anmerkung, dass der tolle Aufschreierfolg die richtige Richtung angezeigt haette.

    Bzgl. SPD: ich kann nirgends ein Anzeichen entdecken, dass Quote, Feminismus (als herrschende Ideologie) etc. irgendeine Rolle gespielt haette. Bzgl. unserer SPD-Aktion muss man wohl sagen, dass die Antworten fuer ein grosses Unverstaendnis sprechen: „was wollen denn die, ist doch alles sonnenklar??“.

    Marktwirtschaft, parlamentarische Demokratie, Feminismus, dies sind unhinterfragbare Eigenschaften der Welt, wie Microsoft, Foerderalismus etc. Da willl kaum jemand mehr diskutieren.

    Ich habe mal die zitierte Seite https://www.spd-fem.net/damenwahl/it%C2%B4s-women%C2%B4s-vote-honey durchgelesen: dies ist ja nicht notwendigerweise die SPD, sondern nur eine Lobbygruppe. Klar, fuer die gibt's nur Frauen, der Rest ist irrelevant. Aber auch sie beklagen sich, dass „Geschlechergerechtigkeit“ kein Thema waere:

    „Zuerst die guten Nachrichten: Beim Thema Geschlechtergerechtigkeit ist die SPD am besten von allen im Bundestag vertretenen Parteien aufgestellt. … Die schlechte Nachricht: Das wird im Wahlkampf bisher kaum thematisiert.“

    Die einzige Partei, wo „Frauen“ eine moeglicherweise groessere Rolle gespielt haben, ist die CDU: da findet man doch immer wieder Kommentare i.a., dass die „girls group“ der Kanzlerin eine Rolle gespielt habe. Man koennte die CDU als die eigentlich feministische Partei dieser Wahl bezeichnen. Gut vorstellbar, dass es fuer eine Anzahl Frauen in ihrem Wahlverhalten alleinig darauf ankommt, Frauen zu sehen. Ha ha, gefaellt mir: mit der CDU kriegen wir den Feminismus, und von der ehemaligen DDR die allerschlimmste Brut, die Machtmenschen.

    (Ganz fatal, der CDU/CSU irgendeinen Konservatismus zu unterstellen: die einzige konservative Partei Deutschlands ist Die Linke (darin liegt auch ihre Tragik).)

  • @ManInThePoodle „das sind keine Männerrechtler, sondern Verfassungsfeinde.“

    Soso, Verfassungsfeinde. Was genau ist denn verfassungsfeindlich und lässt sich nicht in der Verfassung neu ordnen? Dass man das Wahlrecht an (politische) Wissenstest knüpfen will?

    Oder dass man das Recht wiederherstellen will, so wie es einmal war?

    Wenn es Kinderwahlrecht gäbe und man wollte das abschaffen, wäre man dann auch verfassungsfeindlich?

    Es ist typisch für euch beide, Schoppe und maninthemiddle, dass ihr nicht auf diese Argumente eingeht, sondern euch auf feministische Suffragettenpositionen zurückzieht.

    Feministische Männerrechtler seid ihr. Auf einer Feminatsskala ist das wahrscheinlich noch unter Feministinnen. Die kämpfen wenigstens für Privilegien des eigenen Geschlechts.

  • @ Oliver K. „Die Linke sind Links-Populisten, die man souveraen ausgrenzen sollte“ Das hab ich so nicht gemeint. Was ich sagen wollte: In ihren eigenen Augen grenzen sich die Journalisten vermutlich einfach von Leuten ab, die sie für Links-Populisten halten – tatsächlich aber ist das, was sie machen, eine arrogante Demonstration ihrer Machtposition.

    Nach meiner Erinnerung hat der Abwärtstrend der Piraten tatsächlich nicht erst mit dem Ersetzen eines „post-gender“-Selbstverständnisses durch feministsiche Positionen begonnen. Mir kam es eher so vor, als ob viele Piraten versuchten, so etwas wie eine unterstellte Schwachstelle zu bearbeiten – nämlich die Unterstellung, einfach nur eine Partei männlicher Nerds zu sein, deren Umgang mit Frauen bestenfalls linkisch, schlimmstenfalls belästigend ist (es gab direkt vor der Niedersachsen-Wahl einen entsprechenden Spiegel-Artikel von Annette Meiritz http://www.spiegel.de/spiegel/annett-meiritz-ueber-die-frauenfeindlichkeit-in-der-piratenpartei-a-877558.html ).

    Ich glaube also auch nicht, dass es der Feminismus war, der die Piraten nach unten beförderte – aber dass die Übernahme feministischer Positionen (bei der PiratinnenKon, bei om13, etc.) viele abgeschreckt hat, die am Abwärtstrend noch etwas hätten ändern können.

    „Bzgl. unserer SPD-Aktion muss man wohl sagen, dass die Antworten fuer ein grosses Unverstaendnis sprechen“ Glaub ich auch – obwohl ich nicht weiß, wie weit dieses Unverständnis nur vorgespielt ist. Mein Punkt ist ja auch hier nicht, dass feministische Positionen dafür verantwortlich wären, dass die SPD so ein schlechtes Wahlergebnis hat – sondern dass die durch die Frauenquote institutionalisierte Konzentration auf den Geschlechterkampf die Partei daran hindert,überzeugendere Positionen zur sozialen Gerechtigkeit zu entwickeln. Ich unterstelle einfach probehalber, dass die SPD daran prinzipiell ein Interesse hätte.

    Ich glaube zudem auch, dass es Frauen gibt, die für die CDU gestimmt haben, weil sie eine KanzlerIN wollten. Wie viele das sind, und ob dieses Motiv wesentlich zum hohen CDU-Anteil von Frauenstimmen war, weiß ich nicht. Ich vermute, die SPD wird jedenfalls beim nächsten Mal schwer überlegen, ob sie nicht lieber eine Frau gegen Merkel stellt. Mehr Potenzial zur Veränderung traue ich der SPD nicht zu, leider.

  • Besten Dank für die, dings, Argumente.Andere Kommentatoren werden hier üblicherweise nicht mit „Pudel“ o.ä. angesprochen – ich möchte, dass das so auch bleibt.

  • Naja, was an Tante Merkel präsidial sein soll, ist mir schlecht ääähmmmm verständlich. Ihr inhaltsloses Geschwafel und die EU-Scheckbuchdiplomatie wird von dem Zeugs dem mann sich tunlichst enthalten sollte hochgeschrieben und „öffentlich-rechtlich“ hofberichterstattet. Mehr ist da nicht.

    Bei den Diätenjägern mit dem S am Anfang gilt, mit Verrätern spricht man nicht. Mann wählt Sie auch nicht.

    Die Piraten sind erst von den Drecksmedien zum Zwecke von Absorption und Spaltung hochgeschrieben worden. Das ist voll aufgegangen. Dann ist diese überdüngte Naivlingstruppe von den Genderabgraserinnen natürlich sofort unterwandert worden. Kein Wunder bei der Vernetzung, Die Tanten machen ja kaum noch was anderes als ihr face zu booken. Das war absehbar und IMHO auch genau so geplant. Im verdummten Deutschland reichen primitive Taktiken vollkommen aus.

    Wenn dann nun wiklich keine Partei meine Interessen weckt dann bin ich nach Marktgesetzen eine Minderheit. Aber den Aufwand mit dem Kreuzchenmachen für die Wahlurne kann ich mir dann auch schenken.

    Who cares? Den Krieg haben die Tanten übrigens gewonnen, aber mit der verbrannten Erde ist kein Staat und erst recht keine Gesellschaft zu machen.

    So long sag ich nur, macht euren Krampf alleine.

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