Warum ein Messias uns auch nicht weiterhilft – Neil Blomkamps „Elysium“

Vom „smartesten und subversivsten Sommer-Blockbuster“ und vom „linksliberalsten Sommer-Blockbuster“ spricht Andreas Bocholte im Spiegel. Als gekonntes Action-Spektakel mit linkem politischem Anliegen beschreibt auch Dietmar Dath in der FAZ den Film, der wirke wie die
„paradoxe Erfindung eines hollywoodgeschulten sowjetischen Propagandafilms für heute oder die James-Cameron-Überarbeitung des ‚Bitterfelder Wegs‘ im Sozialistischen Realismus.“
Eine „115 Millionen Dollar schwere marxistische Polemik“ („a 115 million $ Marxist polemic“) sei der Film, über dessen Abspann eigentlich die „Internationale“ gespielt werden könnte, schreibt gar ein irischer Kritiker.
Tatsächlich ist Neil Blomkamps „Elysium“ unübersehbar eine politische Allegorie und spiegelt in seinem Szenario einer Zukunft in der Mitte des 22. Jahrhunderts heutige Zustände. Bocholte beendet seine Rezension ebenso euphorisch wie bitter:
„Viel zu selten sieht man zurzeit so leidenschaftlich inszeniertes Zukunftskino. Dabei, sagt Blomkamp, sei ‘Elysium’ gar keine Science-Fiction: ‘This is today. This is now.’“

Ganz weit oben, ganz weit unten In dieser Welt ist die Erde weitgehend zerstört, wirkt wie ein riesiger Slum, in dem Menschen im Dreck leben, sich mühsam mit Kleinkriminalität ernähren oder in Fabriken ausbeuten lassen, ohne auseichende gesundheitliche Versorgung in überfüllten Städten lebend, kontrolliert von jederzeit gewaltbereiten Roboter-Polizisten, die auch kleine Ordnungsverstöße rigoros bestrafen.
Die Reichen haben sich auf eine Raumstation zurückgezogen, die aussieht wie ein riesiges Rad: Elysium, eine künstlich geschaffene heile Welt über der kaputten Erde, wo die Menschen in repräsentativen Villen mit Swimming Pools und großen Gärten leben und wo in jedem Haushalt ein „Med-Pop“ steht, ein sonnenbankähnliches Gerät, das jede Krankheit heilen kann. Während die Lebenserwartung der Menschen unten kurz ist, sind hier oben Krankheit und Tod weitgehend besiegt.
Von der Erde aus ist Elysium beständig zu sehen, wirkt zum Greifen nah und ist unerreichbar weit entfernt. Selbst das Versprechen eines sozialen Aufstiegs gibt es hier nicht mehr.
„Die soziale Schere hat sich noch ein wenig weiter geöffnet und klafft nun bis zum Weltraum“,
schreibt Martina Knoben in der Süddeutschen Zeitung.  Der junge Max wächst in einem von katholischen Schwestern geführten Heim auf und verspricht dort seiner Jugendliebe Frey, dass er sie beide eines Tages nach Elysium bringen wird.
Der erwachsene Max (Matt Damon) ist ein mehrfach vorbestrafter Krimineller auf Bewährung, der durch Diebstähle versucht hatte, das Geld für eine Reise nach Elysium zusammen zu bekommen. Er arbeitet unter miserablen Umständen in einer Fabrik des Armadyne-Konzerns, der auch Elysium gebaut hatte und der eben die Roboter erstellt, von denen die Menschen kontrolliert werden. Das Resultat seiner eigenen Arbeit also begegnet Max feindlich und destruktiv – an dieser Stelle, beispielweise, ist der Verweis auf einen marxistischen Hintergrund und das marxistische Verständnis von „Entfremdung“ völlig stimmig. Bei einem fahrlässig durch seinen Vorgesetzten riskierten Arbeitsunfall wird Max verstrahlt, hat nun noch fünf Tage zu leben und wird entlassen.
Kurz zuvor hatte er Frey (Alice Braga) nach langer Zeit wiedergesehen, die zwischenzeitlich die Stadt – ein Los Angeles, dessen Bilder in den Slums von Mexico City gedreht wurden – verlassen hatte und die nun zur Behandlung ihrer schwerkranken Tochter Matilda (Emma Tremblay)zurückgekehrt ist. Max und sein bester Freund Julio (Diego Luna) treffen eine Vereinbarung mit dem kriminellen Hacker Spider (Wagner Moura): Er verschafft ihnen und auch Frey und ihrer Tochter eine Möglichkeit zur Reise nach Elysium, wo Max und das Mädchen geheilt werden können, und als Gegenleistung verschaffen sie ihm sensible Daten, die im Kopf de Armadyne-Bosses Carlyle gespeichert sind.
Diese Daten sind brisanter als vermutet. Sie Verteidigungsministerin von Elysium, Delacourt (Jodie Foster), hatte einige Flüchtlingsschiffe abschießen lassen, die versucht hatten, Elysium zu erreichen, war dafür vom Präsidenten Elysiums gerügt worden und bereitet nun einen Umsturz vor – und ausgerechnet Carlyle hat für sie die Möglichkeit entwickelt, Elysiums Computersystem ganz neu zu starten, und hat die dafür notwendigen Daten in seinem Kopf.
Es ist bezeichnend für die Kluft zwischen Arm und Reich, dass sich die Protagonisten beider Seiten, Max und Delacourt, niemals direkt begegnen. Der gemeinsame Kontakt ist der psychotisch-brutale Söldner Kruger, der Max im Auftrag Delacourts die sensiblen Daten wieder abnehmen soll: Wenn in diesem Universum, in dem alle vermittelnden Instanzen fehlen, Arm und Reich aufeinanderstoßen, dann nur mit maßloser Gewalt.
Delacourt kann schließlich selbst die Gewalt Krugers, die sie so lange instrumentalisiert hatte, nicht mehr kontrollieren und wird von ihm getötet. Max hingegen gelingt mit Spiders Hilfe tatsächlich die Reise nach Elysium, er startet dort dessen Computersystem neu, macht damit alle Menschen der Erde zu Bürgern Elysiums und verschafft so auch Matilda die Möglichkeit zur rettenden medizinischen Behandlung. Dabei opfert er sein eigenes Leben.
Das Ende der Männer und der Aufstieg der Frauen?
„Es ist eine stramm linke, leider immer wieder plakativ-naiv formulierte Message – die, das ist der besondere Reiz dieses Films, ein testosteron- und adrenalingetriebener Blockbuster transportiert. Das bringt ‚linke‘ und ‚rechte‘ Filmvorlieben zusammen.“
Dieses Urteil Knobens ist nur unter der Voraussetzung plausibel, dass Testosteron an sich irgendwie politisch rechts sei. Tatsächlich kombiniert der Film traditionell linke und reaktionäre politische Ansätze, und tatsächlich wird dies bei einem Blick auf seine Geschlechterverhältnisse deutlich – aber in einer ganz anderen Weise, als Knoben das andeutet.
Die gefährlichen, dreckigen und gesundheitsschädlichen Arbeiten auf der Erde werden hier fast durchweg von Männern geleistet – nur auf Großeinstellungen der Fabrik sind auch wenige Frauen zu sehen. Ansonsten arbeiten Frauen in sozialen Tätigkeiten, soweit es sie gibt – Frey ist Schwester in einem der schlecht ausgestatteten Krankenhäuser. Das elende Leben auf der Erde ist weitgehend männlich geprägt – Max ist sein filmischer Repräsentant, und auch sein bester Freund Julio, Spider oder der brutale Kruger sind wesentlich präsenter als Frey, die – abgesehen von zwei Szenen, in denen sie Max versorgt – ihre Bedeutung vorwiegend darin hat, das Verhalten von Max zu motivieren.
Ganz anders auf Elysium. Auf den Bildern des Müßiggangs, in denen das Leben dort repräsentiert wird, dominieren Frauen. Diese Welt hat zwar einen männlichen Präsidenten, geprägt aber wird ihre Politik durch die Verteidigungsministerin.
In vielen Aspekten ist „Elysium“ einem anderen Film des Sommers ähnlich, den Arne Hoffmann bereits aus einer männerpolitischen Perspektive rezensiert hat: „Oblivion“ mit Tom Cruise. Beide Filme stellen eine weitgehend zerstörte Erde dar, arbeiten mit einer Oben-Unten-Symbolik, die leicht erkennbar Herrscher und Beherrschte repräsentiert, und in beiden Fällen ist das Oben weiblich, das Unten männlich konnotiert.
„Inszeniert wird hier eine winzige, aber mutige und edle Männlichkeit in der Konfrontation mit einer gigantischen, unterdrückenden Weiblichkeit“,
spitzt Hoffmann das für „Oblivion“ zu.
So klar allerdings ist das Bild in Blomkamps Film nicht, hier sind erkennbar Männer und Frauen auf der Seite der Herrscher und auf der Beherrschten. Das Generalthema des Regisseurs in seinen bisherigen Filmen ist die Ausgrenzung großer Gruppen – als rassistische Ausgrenzung in „District 9“, als soziale Ausgrenzung in „Elysium“. Dieser Film erlaubt viele Interpretationen, die mit Geschlechterverhältnissen kaum etwas zu tun haben: als Kommentar zu den größer werdenden sozialen Unterschieden in westlichen Ländern, als Kommentar zur Abschottung Europas gegen Flüchtlinge  oder, und das war Blomkamps eigener Inspiration, zur Abschottung der USA gegen mexikanische Einwanderer.
Interessant aber ist die Legitimation dieser Herrschaft: Als Delacourt sich für den Abschuss der Flüchtlingsschiffe rechtfertigen muss, stellt die die vordergründige Liberalität des Präsidenten als verantwortungslose Humanitätsduselei dar und beruft sich gegen den kinderlosen Mann auf ihre mütterliche Verantwortung, mit der sie die Kinder Elysiums und ihre Kinder gegen die Zerstörung des Habitats durch die schrankenlose Zuwanderung von der Erde schützt: eine „ultraharte Mutter, die zum Schutz von Nest und Brut über Leichen geht“ (Knoben).
Während sie also diese Gewaltherrschaft mit dem Hinweis auf als typisch weiblich phantasierte Verantwortungen legitimiert und dies gegen den schwachen männlichen Präsidenten ausspielt, deligiert sie die dafür notwendige Gewalt an einen Mann. Der Söldner Kruger ist eine abermals pervertierte Version der klassischen Rambo-Figur, ein Soldat, der – wie im ersten Rambo-Film – andernorts bedenkenlos für sein Land zu tötet, aber damit in eben diesem Land keinen Platz haben kann.
Diese Konstellation lässt sich unschwer als durchaus differenzierter Kommentar auf gegenwärtige soziale Verhältnisse verstehen: Eine sich radikalisierende Abgrenzung Wohlhebender von Armen, Herrschender von Beherrschten, die zwar nicht geschlechterpolitisch motiviert ist, deren Gewalttätigkeit, Selbstbezüglichkeit und deren Egoismus aber durch eine Rhetorik verdeckt und legitimiert wird, die als spezifisch weiblich daherkommt. Die Inszenierung einer als naturwüchsig imaginierten weiblichen Fürsorglichkeit verkauft eine brutale Herrschaft als Schutz der Schwächsten.
Maria und Jesus in Action Was aber ist an dieser Analyse reaktionär? So einleuchtend der Film als politische Allegorie ist, so unplausibel wird er in seiner Lösung. Der Wohlstands Elysiums ist tatsächlich seiner Abschottung gegen den großen Rest der Menschheit zu verdanken, und auch wenn Max‘ Opfer alle Menschen formal eingebürgert hat, ist diese Einbürgerung real nicht umzusetzen. In der Logik dieser Welt sind plausible Lösungen jeweils zynisch und inhuman: Die Position der Verteidigungsministerin ist deutlich realistischer als das schnelle, traurige Happy End, und die Ausgrenzung eines Großteils der Menschen von einer befriedigenden medizinischen Versorgung ist wohl der einzige Faktor, der die Überbevölkerung der Erde überhaupt noch eindämmt.
Anstatt aber zumindest Perspektiven für zivile, humane Lösungen zu entwerfen, flüchtet sich der Film am Ende in längst überlebte, dysfunktional gewordene Geschlechterrollen. Während Delacourt sich zur Legitimation ihrer Politik auf eine ideelle Mutterschaft beruft, selbst aber niemals als Mutter zu sehen ist, stehen ihr auf der zerstörten Erde zwei ideale Mütter gegenüber, die der Film in der beständigen Sorge für ihre Kinde inszeniert: Frey und eine andere, namenlose Frau, die wie sie ihrem Kind die notwendige medizinische Behandlung auf Elysium ertrotzt.
Der dazu passende Mann ist nicht, wie Kruger bei Delacourt, eine brutale Kampfmaschine, sondern eine sich selbst opfernde Kampfmaschine. Max verkörpert das Männerideal der vaterentziehenden Mutter: Er opfert sich für Frey und ihr Kind auf, ohne eigene Ansprüche zu stellen. Selbst die eigentlich erwartbare Pointe, dass er sich schließlich als der leibliche Vater Matildas erweist, bleibt ihm versagt.
Gegenstück ist auch hier Kruger: Er bietet Frey Hilfe an, weil er sich eine Familie wünscht. In der zerstörten Welt der Erde, in der familiäre Beziehungen zerstört sind und der leibliche Vater von Freys Kind ganz selbstverständlich nicht einmal erwähnt wird, erscheinst schon der bloße Wunsch eines Mannes nach einer Familie als aggressiver Akt der Frau gegenüber.
Unterschwellig mündet der Film also in vertrauten religiösen Mustern: dem der Maria, voller Gnade und Fürsorge für ihr Kind, und dem des Messias, der sich für die Erlösung aller opfert. Geschlechterpolitisch sind diese Muster reaktionär: die Frau, die für ihr Kind sorgt und der dieses Kind daher eigentlich auch rechtschaffen gehört, und der Mann, der hinaus in die Welt zieht und sich opfert, um die Familie durchzubringen, deren Teil er nicht sein kann.
So ist „Elysium“ aber gerade in seinen großen Schwächen ein sehr aufschlussreicher Film, weil er die Ratlosigkeit angesichts gegenwärtiger politischer Konstellationen plausibel spiegelt. Er zeichnet das Bild einer skrupellos exerzierten sozialen Exklusion der meisten Menschen, die ihre Brutalität dadurch verdeckt, dass sie sich mit dem Rückgriff auf weiblich konnotierte Werte legitimiert.
Ganz ähnlich lässt sich ja beispielsweise schon in der deutschen Politik die Bedeutung feministischer Positionen verstehen: Sie sind nicht grundsätzlich verantwortlich für die Organisation sozialer Ausschlüsse, aber sie befördern ein Selbstgespräch der Privilegierten, die „soziale Ungerechtigkeiten“ beispielsweise durch Frauenquoten in den bestbezahlten Positionen bekämpft und die sozialen Notlagen vieler – auch und gerade: vieler Männer – überhaupt nicht mehr wahrnimmt.
Deutlich wird aber auch, dass traditionelle Klischees der Geschlechter, die Imagination urwüchsiger weiblicher Fürsorglichkeit und der Appell an männliche Opferbereitschaft, plausible Lösungen für bedrückende soziale Verhältnisse eher blockieren als ermöglichen. Nach seinem Tod zeigt der Film noch einmal kurz ein Bild von Max als Jungen. Eine Lösung hätte er nur skizziert, wenn dieser Junge sich nicht als Messias hätte opfern müssen, sondern, hinreichend zufrieden und glücklich, sein Leben hätte leben und dann irgendwann als uralter Mann hätte sterben können.
  1. Danke für die hervorragende Kritik. Gestern habe ich einen Film gesehen, der im Vergleich zu den Filmen, die Sie besprechen, eine relativ plumpe feministische Propaganda darstellt: „Gravity“. Sandra Bullock wir dort als die Superfrau dargestellt, die sich im Weltall rettet und alle Hindernisse meistert. Dieses Motiv der Superfrau tritt in sehr vielen neuen Hollywood-Produktionen auf, z.B. in Ridley Scotts „Prometheus“ oder in den Resident-Evil-Produktionen mit Milla Jovovich. Diese Filme vermitteln die Botschaft „Frauen können es auch“ oder „Frauen können es noch besser“. Nach meinen Informationen gibt es zu diesem Einfluss des Feminismus auf das Hollywood-Kino oder auf das Kino überhaupt keine nennenswerten kritischen Studien. Oder kennen Sie solche Studien?
    Was mir außerdem seit ca. 10 Jahren auffällt, ist, dass in den Hollywood-Produktionen Kinder in Nebenrollen fast ausschließlich von Mädchen gespielt werden. Ich nehme an, dass Menschen, die sich diese Filme anschauen, unbewusst mehr Empathie für Mädchen entwickeln. Das führt m.E. dazu, dass seit Jahren in den USA wesentlich mehr Mädchen als Jungen adoptiert werden. Das sind meine Beobachtungen und Vermutungen, die ich aber nicht belegen kann, weil es dazu nach meinen Kenntnissen keine empirischen Studien gibt.

    Antwort

  2. Ohne dass ich die Kritik deshalb für falsch erklären will, erschien mir der Film etwas positiver.

    Jodie Fosters genial gespielte Rolle habe ich ähnlich empfunden, bei der Rechtfertigungsrede dachte ich mir, dass da mal wieder der Nagel auf den Kopf getroffen wurde.

    Ich stimme zwar zu, dass das Ende etwas zu sehr Happy End ist, die Selbstopferung passt imho aber nur auf den ersten Blick ins bekannte Muster.

    In eigentlich jedem anderen halbwegs aktuellen Actionfilm, scheint mir das Muster: In der ersten Hälfte wird gezeigt, dass der Held die Rollenanforderung nicht Erfüllt, und daher „zurecht“ verachtet wird, bis ihm dann unverdienterweise das „Glück“ zuteil wird, sich opfern zu müssen, und so der Verachtung entgehen zu können.

    „White House Down“ war beispielsweise trotz der ausgebliebenen Opferung jüngst ein recht deutlicher Vertreter dieses Schemas, aber an sich reicht schon ein Blick auf die Dramatis Personae: hat der Held eine Teenagertochter kann man sich sicher sein, dass das Klischee bedient wird.

    Elysium scheint mir mit dieser Tradition zu brechen: Max und Frey haben sich nicht aus den Augen verloren, weil Max Alkoholiker wäre, oder die Kinder geschlagen hätte, oder wegen einem der anderen Charakterfehler, die dem Actionheld seit „Die Hard“ angehängt werden, sondern einfach wegen der Umstände. Frey wirft ihm auch nichts vor, und auch ihre anfängliche (freundliche!) Ablehnung stellt sich später als der Krankheit der Tochter und nicht einem Vorwurf geschuldet heraus.

    Bezeichnend finde ich auch, dass der Katalysator, die die Handlung in Schwung bringt, eben nicht ist, dass Freys kranke Tochter auftaucht, sondern, dass Max selbst ein Problem hat, dass er selber leidet, und es als komplett legitim dargestellt wird, dass er sich darum kümmert. Beispielsweise, indem er bei seinen kriminellen Freunden die Gefallen einfordert: Nützlichkeit ist nicht länger kostenfrei.

    Auch, als Frey später Max um die Hilfe bittet, die er nicht glaubt, leisten zu können, geschieht das nicht als Forderung an den bösen Mann, der es wagt, erstmal für sich selbst zu sorgen, sondern eben – als Bitte.
    Das er zunächst ablehnt, scheint ihm (Erinnerung mag trügen, ich guck mir den Film gerade nochmal an) auch später nicht einmal zum Vorwurf gemacht zu werden, und Frey ist Max gegenüber Loyal, auch als seine spätere Nützlichkeit noch nicht absehbar ist, und sie und ihr Kind von den Söldnern bedroht werden.

    Der eigenständigen Frey, die zwar bittet, und nicht fordert, steht die ausbeutende Kriegsministerin gegenüber, für die ihre Kinder auch mal Problemlos die Rechtfertigung für den Mord an den Flüchtlingen sind.

    Dadurch, dass Max nicht die ganze Zeit auf einem Schuldtrip ist, sondern die Geschichte ihm die Chance gibt, zu sehen, dass er nicht der einzige ist, dem Unrecht getan wird, kann er erst zum echten Helden werden: er erkennt, dass er „das System“ angreifen kann, anstatt nur eine Position etwas zu verbessern, dass er denen Helfen kann, die er für die seinen hält – kurz, dass er eine echte Altruistische Tat vollbringen kann.

    Dass nicht „geklärt“ wird, ob er Vater der kleinen ist, scheint mir da nur folgerichtig: es geht nicht um Alimente, es geht nicht darum, zu zeigen, dass er ja eigentlich was geschuldet hat, was er nur knapp zurückgezahlt hat. Er ist ein freier Mensch, er kann sich aussuchen, wer die seinen sind.

    Wie gesagt: das Happy End war schon etwas Lame, weil es (imho) nicht wirklich plausibel darstellt, wie die gerechtere Welt funktionieren soll, aber wenn man da einfach mal gewaltsam die „Suspension of Disbelief“ am Leben hält, scheint mir der Film eine Dekonstruktion der „Familiensoldatenprotagonisten“ á la Die Hard, und eine Rekonstruktion eines Klassischeren Helden zu sein.

    Oder, um es mal etwas Polemisch zu sagen „Guckt mal, liebe Radikalfeministen, wie weit man kommt, wenn man statt zu verteufeln einfach mal lieb bitte sagt, wenn man was will“.

    Antwort

  3. Regelrechte „Studien“ gibt es in der Filmwissenschaft ohnehin kaum, da könnte man auch höchstens Medienwirkungsforschung betreiben. Aber natürlich gibt es zahlreiche subjektive Analysen von Filmen und TV-Serien, und da werden feministische Subtexte bis heute durch die Bank als progressiv und befreiend dargestellt.

    Antwort

  4. Radikaler muss man dies sehen

    Die Opferung des Mannes fuer Weib und Kind ist keine Nebensache, sondern der eigentliche Kern des Filmes. Die letzten Filme dazu sind nebem Elysium noch Looper, Children of Men und Gravity. Ebenso (aber intelligenter) alle Alien-Filme.

    Der Film bietet ein Spektakel an (z.B. „Maenner“ kriegen ihren Faustkampf, auf den heutzutage jeder „science fiction“ hinauslaeuft), um genau diesen Kern zu verschleiern.

    In dem Kommentar von keppla sehe ich eine typische Rationalierung — das Spektakel, das einem etwas Lust gibt, muss gerettet werden:

    „Bezeichnend finde ich auch, dass der Katalysator, die die Handlung in Schwung bringt, eben nicht ist, dass Freys kranke Tochter auftaucht, sondern, dass Max selbst ein Problem hat, dass er selber leidet, und es als komplett legitim dargestellt wird, dass er sich darum kümmert. Beispielsweise, indem er bei seinen kriminellen Freunden die Gefallen einfordert: Nützlichkeit ist nicht länger kostenfrei.“

    Eben nicht! Der Film zeigt deutlich, dass die Selbstrettung Maxens die falsche Motivation war, und erst durch die Rettung des Maedchens bekommt sein Leben Sinn:
    1. Jenes Wunder-App, dass auch einen zerfetzten Kopft in Minutenschnelle wieder hinbekommt, haette ja wohl auch locker Max wiederherstellen koennen.
    2. Die zentrale Szene des Filmes ist, wo Max Hilfe fuer (Frau und) Kind ablehnt, aber dann zufaelligerweise sich mit dem Maedchen beschaeftigt, und dann doch schnell einsieht, dass es allein darum gehen kann. Vorher ist das Leben von Max sinnlos, kalt, etc. (wie koennte es auch anders sein — ein Mann existiert ja schliesslich ausschliesslich fuer Weib und Kind). Der Sinn ergibt sich aber, durch die typische Werbungs-Gefuehls-Musik eingehaemmert, erst durch die Frau und dann durch das Kind. Erst hierdurch gewinnt Max Kraft (alle Gegner werden nun ausgeraeumt, keine Hindernisse bestehen mehr), und Leben (wahrscheinlich koennte man das durch eine formalere Filmanalyse sehen, wie sich mehr Farben zeigen etc.).

    Der Pseudo-„Marxismus“ (wirklich ein Witz) dient nur dazu, die Opferung einem etwas „linkeren“ Publikum schmackhaft zu machen.

    Lucas betont, dass Arbeit im Film fast auschliesslich von Maennern gemacht wird. Ich halte dies fuer blosse Verdopplung — das ist halt so, wie sollte es sonst sein?

    Die Rolle von Jodie Foster ist eine typische Obszoenitaet der USA: unterschwellig wissen wir doch alle, dass sie recht hat, die Drecksarbeit muss von den USA gemacht werden, aber man darf es nicht sagen, also schnell uebertuenchen — ruck zuck werden mit dem Super-App alle Probleme geloest. Vietnam, Irak, etc., die USA schultern die Probleme der Welt, als wahre Helden nehmen sie auch noch die Schuld auf sich, und wir alle wissen, dass das Boese ausgerottet werden muss, dass aber der liberale Schein gewahrt bleiben muss.

    Der einzige Ort, wo heutzutage noch Fortschritt stattfindet, ist in der Waffentechnik. Die im Film dargestellte Zivilisation kann anscheinend alle Atome eines Menschen austauschen (oder derartiges), also sind die Kampf-Roboter voellig lachhaft, ebenso z.B. die Szene, wo man die Kommandobruecke sieht, wo irgendwelche Menschen auf irgendwelche Knoepfe druecken, und die Landung der Raumschiffchen nicht verhindern koennen. Dies ist typisch fuer alle deratigen „kritischen“ science-fiction-Filmchen (faellt mir gerade noch Total Recall ein): die Machtmittel der Herrschenden sind voellig lachhaft (und z.B. sieht man immer den obersten persoenlich rumrennen mit einem Trueppchen etc.). Dies ist so weit hinter den *heutigen* Moeglichkeiten zurueck, so dass diese Maske nur fuer das Bewusstsein da ist, waehrend das Unterbewusstsein „weiss“, das die Elimination der „Aufstaendischen“ noetig ist.

    Antwort

  5. Was man im Film „sieht“ (mit dem richtigen Blick), ist die totale Ideologie, die uns anscheinend als aufmuepfige, liberale, aufgeklaerte Menschen darstellt, waehrend die wirkliche Botschaft die Ausbeutung des Arbeiters und die Ausloeschung (nicht mehr im Krieg, sondern als Saeuberungsmassnahme) der „Unmenschen“ ist.

    (Es ist ja doch recht deutlich, dass die Figur von Jodie Foster eigentlich ziemlich positiv gezeichnet wird; es gibt ja sogar einen Augenblick der feministischen Solidaritaet, naemlich nach ihrem Tod, wenn sie in die Kammer mit Weib und Kind verbracht wird.)

    Letzte Anmerkung: dass all diese Filme zukunftsfrei sind (es gibt eine paar magische Apps, und der Rest ist lachhaft, aber eigentlich zutiefst traurig), scheint mir auch wichtig. Dies ist das Universum des Spaetkapitalismus, ewige Wiederholung, reine Reproduktionsmaschinerie (deshalb die Verweiblichung). Die Rolle des Mannes ist ja in die Zukunft gerichtet, und ohne Zukunft braucht es auch keine Maenner mehr, und sie sind nur noch dazu gut, sich fuer Weib und Kind zu opfern. (Wobei es wohl richtig ist, dass das Kind, fuer das sich Mann opfert, auch meistens (immer?) ein Maedchen ist. Es gibt auch Jungen in Filmen, aber dann immer mit der Funktion, den Mann aus seiner „Selbstbezogenheit“ herauszureissen, und an seine Verantwortung als Krieger zu erinnern. Wohl sind Jungen nicht wertvoll genug, auf dass ein Mann sich fuer sie opfern sollte.)

    Antwort

  6. Zentral scheint mir hier, dass all diese „Superfrauen“ gaenzlich falsch sind:
    1. Der maennliche Superheld hat immer noch einen koerperlichen Hintergrund, waehrend fuer die weiblichen Superhelden in den Hollywood-Produktionen ausschliesslich Fotomodelle etc. eingesetzt werden, die bestensfalls Aerobic machen.
    (Einzig in B-Filmen gibt es einige Beispiele, wo die Faehigkeiten der Frau nicht rein phantasmatisch sind, sondern eine koerperliche Substanz haben.)
    2. Der maennliche Held erarbeitet sich den Erfolg, koerperlich und durch eine Reihe von Niederlagen; allen weiblichen Superhelden fehlt dies durch die Bank weg, es sind reine Trickfiguren. (Manchmal gibt's einige Anmerkungen auf irgendeine Entstehungsgeschichte, aber immer nur ganz kurz, als Feigenblatt. Die weiblichen Superhelden sind immer Quotenfrauen — das System setzt sie in die Rolle, und alle Faehigkeiten kommen vom System.)

    Dies ist Sinnbild der feministischen Gesellschaft, auf dem Penisneid basierend: die Frau wird als phantasmatischer Popanz aufgebaut, wobei gleichzeitig dem Unterbewusstsein vermittelt wird, das dies ja alles blosse Mache ist, nichts dahinter ist. So wie auch jeder Erfolg einer Frau durch das System bedingt ist (die Quote, die anderen Frauen; am Ende das Patriarchat, dass durch den ganzen Prozess erst entsteht).

    Antwort

  7. Hab den Film gerade nochmal geguckt, daher ein noch ein paar Ergänzungen zu meinem Post:

    Frays Tochter erzählt eine Kindergeschichte von einem Flusspferd und der Meerkatze, die zusammenarbeiten, um an die Früchte von Bäumen zu kommen, wobei das Flusspferd das ganze eigentlich nicht notwendig hätte, sondern es für seinen neuen Freund Meerkatze macht. In meinen Augen passt das recht gut zum „Er kann sich aussuchen, wer die seinen sind“

    Es gibt eine Szene, wo Max versucht, die Söldner zu erpressen, indem er androht, sich, und das, was sie wollen, mit einer Handgranate zu zerstören, was die Söldner recht fiess umdrehen, indem sie ihn ins Schiff lassen, wo er mit der Granate die Geiseln Fray ihre Tochter mitgefährden würde. In der Szene kann man Frays Gesichtsausdruck als Vorwurf an Max auffasse, wofür auch Max „i'm going to make things right“ spricht. Spricht imho etwas gegen meine These der Vorwurfslosigkeit, ist aber gegen den Rest des Films imho eher ein Rausreisser.

    Kurz bevor die Kriegsministerin vom durchgedrehten Söldner tödlich verletzt wird, macht sie ihm Vorwürfe dafür, dass sie jetzt Probleme hat, etwas, was dem sonst etablierten Verhältnis der Nützlichkeit zwischen ihnen Zuwiederläuft (warum sollte es ihn als Söldner interessieren?), und dann auch konsequenterweise von ihm damit quittiert wird, dass er sie Umbringt, weil ihre sie ihre Nützlichkeit für ihn auch verloren hat. Wenn man das als Allegorie auf den Umgang der Geschlechter miteinander verstehen will, ist das eine recht passende Absage an das ewige Aufrechnen, wer wo wen wie unterdrückt.

    @Oliver K

    Ich will den Film nicht „Rationalisieren“.

    Mir wäre ein abweichen von der Opferstory eigentlich ganz recht, da sie letztlich auf einer Zero-Sum-Weltsicht basiert, von der ich in letzter Zeit (subjektiv) zu viele abbekommen. Ich hätte gerne mal wieder ein „Star Trek“, wo man auch mal Win-Win haben kann. Wo verdammt ist Captain Picard?!

    Nichstdestrotrotz ist die Heldengeschichte mit dem großen Opfer eine, die es schon vor dem Radikalen Feminismus gab, und die ein recht grundlegendes Menschliches Thema ist, weshalb ich denke, dass es nicht ausreicht, dass sie mit einem männlichen Protagonist erzählt wird, um „Reaktionär“ zu sein. Von den Filmen, die diese Geschichte erzählen, finde ich Elysium, trotz seinen Fehlern einen der interessanteren, weil – das sehe ich immer noch so – hier ein freiwilliges Opfer gezeigt wird.

    Und ja, man kann gerne darüber reden, dass das Deus-Ex-Machina-heildingens etwas halbgar in der Story liegt, allerdings hat man sich durchaus die mühe gemacht, klarzustellen, warum es bei Max keine Option ist: das Hirn muss intakt sein (war ein off-hand-kommentar der Söldner), bei Max war es aber gebraten. Klar, ist schon etwas konstruiert, gebe ich zu.

    Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass Jodie Fosters Charakter irgendwie Sympathisch dargestellt wurde. Weder ich noch einer meiner Kinobegleiter konnte ihr irgendwas positives abgewinnen, und die Szene in der du „solidarität der Frauen“ siehst, war für mich eher eine Gegenüberstellung: sie, die behauptet hat, das was sie tut, für ihre Kinder zu tun, Stirbt ohne diese Familie in der Nähe, und die einzigen, die Empathie aufbringen, sind die, die sie vorher bekämpfte.

    Und bezüglich der low-tech-zukunft: auch das fand ich recht passend. Das „Problem“ von den Elsyianern ist nicht, dass sie keine Technik haben, mit der sie die Flüchtlinge stoppen könnten. Das Problem ist, dass sie sich dabei selbst im Weg stehen: sie wollen die guten sein, die unschuldigen Opfer, und deshalb können sie nicht ihr ach-so-friedliches Elysium mit Raketenwerfern ausrüsten, sondern müssen Vorwände schaffen, so wie heutzutage ja auch nicht offiziell auf Flüchtlingsboote geschossen wird. Sie abbrennen lassen, wenn sie brennen, ist natürlich was anderes…

    Antwort

  8. @Oliver K. Das kommt daher, dass es Powerfrauen nur in der Phantasie gibt. Die männlichen Superhelden sind eine Überzeichnung des Männlichen, die weiblichen hingegen eine reine Erfindung, weil es in der Wirklichkeit keine starken Frauen gibt.

    In das gleiche Horn bläst auch das Frauenhaus http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/3690/powerfrauen-gibt-es-nur-in-der-fantasie/

    Antwort

  9. @Oliver K
    Ich kann Punkt 2. nicht zustimmen. Gerade in den oben genannten Filmen „Gravity“, „Prometheus“ und „Resident Evil“ werden Frauenfiguren konstruiert, die sich den Erfolg erarbeiten. Es ist auch egal, ob es solche Frauen gibt oder nicht (auch Hollywood-Supermänner gibt es nicht in der Realität). Es geht darum, welche Rollenbilder mit solchen Filmen dem (meist jungen) Publikum vermittelt werden.
    Übrigens sind Männer in solchen Filmen nur dazu da, Frauen zuzuarbeiten, sich für Frauen zu opfern. In „Gravity“ opfert sich George Clooney für Sandra Bullock (umgekehrt ist das nicht der Fall): Dadurch soll das Rollenbild vermittelt werden: Männer sind nur dazu da, um Frauen zu helfen, sich für sie zu opfern.
    Oder schauen Sie sich „Alien – die Wiedergeburt“ an, einen der männerfeindlichsten Filme, die ich kenne. Sigourney Weaver wird als in jeder Hinsicht überlegen dargestellt, die Männer hingegen als Idioten oder bösartige Widerlinge (sie sterben dann auch einer nach dem anderen). Selbst dem Androiden, gespielt von einer Frau (Winona Ryder), wird mehr Empathie entgegengebracht als den Männern.

    Antwort

  10. @Frankie:
    Z.B. im Bereich der Kampfkunst (und im Sport i.a.) gibt es natuerlich Frauen, die gutes leisten und auch schoen sind, und in B-Filmen gibt's einige nette Beispiele davon (Film wie auch Kultur ist zumindest im „Westen“ am Boden, und in Krisenzeiten wird das Frauenbild besonders reaktionaer, so dass man schon seit Jahren nichts mehr zu sehen bekommt; einzige partielle Ausnahme (nicht unsympathisch) aus den letzten Jahren, die ich kenne, ist Tokyo Gore Police (http://en.wikipedia.org/wiki/Tokyo_Gore_Police ), was im Kontext des japanischen Avantgardekinos die Figur der kommunistischen Kommissarin wiederbelebt (dies ist die versteckte Utopie dieses Filmes); diest ist kein Beispiel fuer Koerperwirklichkeit, muss aber hier nicht sein, denn das Ganze spielt sich als geistige Mutationen ab).

    Jenem Frauenhaus-Artikel stimme ich insofern zu, als Frauen exzessiv ueberraepresentiert sind, und dies in keinem Verhaeltnis zu den realen Leistungen steht. In der gesamten Wissenschaftsgeschichte bis heute gibt es vielleicht einzig Emmy Noether, die etwas objektiv Grosses geleistet hat (nicht bloss das uebliche ganz nette). Dies liegt historisch in der jahrtausendealten Arbeitsteilung; irgendwann im neunzehnten Jahrhundert entstand dann allmaehlich die Moeglichkeit der Einbeziehung von Frauen in den Arbeitsprozess, und seitdem sehen wir, wie permanent dieser Aufstieg der Frauen in die Arbeitswelt scheitert, weil dies notwendigerweise die „Maennerwelt“ ist, und die herrschenden Ideologien am Weibe bis zum Letzten festhalten. Der Feminismus (der meines Erachtens hauptsaechlich gegen Frauen gerichtet ist, ihren Aufstieg in die Maennerwelt zu verhindern) im Kontext der allgemeinen Ideologie erzeugt permanent jene, sagen wir „glaesernen Heldinnen“ — sind ach so toll, aber man weiss, wenn man mal dagegenschlaegt, zerspringen sie in tausend Scherben. Dies „wissen“ die Frauen noch am besten. Und so kann eine Frau nur als „Frau“ was werden, nie als Mensch.

    In diesem Sinne halte ich jenes „toasten von Frauen“ (auf der Frauenhausseite) auch fuer sehr wichtig: das ewige Frauenlob muss eingestellt werden, sondern Frauen (Maedchen) muessen genau wie Jungens an Widerstaende gewoehnt werden (und weiterhin ist das, was wohl alle Frauen heutzutage leisten, nicht toll). Sonst aber ist die Frauenhausseite, wenn das nicht Satire ist, dummes reaktionaeres Geschwaetz — wenn wirklich gemeint wird, dass Frauen (und Maenner) irgendwie in ihren Faehigkeiten biologisch determiniert waeren.

    Antwort

  11. @Anonym schrieb:
    Ich kann Punkt 2. nicht zustimmen. Gerade in den oben genannten Filmen „Gravity“, „Prometheus“ und „Resident Evil“ werden Frauenfiguren konstruiert, die sich den Erfolg erarbeiten.

    Hier muss man unterscheiden zwischen Arbeit, der produktive Fortschritt, und Kampf — nur letzteres, in trivialisierter Form, sieht man in jenen Heldinnenfilmen. Sie rennen im Film herum, zeigen dabei etwas Koerper, aber ihre Faehigkeiten sind rein mystischer Art. Im „Prometheus“ ist es die Mutter-Kind-Beziehung (das Alien, von der Heldin gebaehrt, toetet (vergewaltigt — dies ist eine zentrale Phantasie der Alienfilme, die Vergewaltigung des Mannes) den Mann). Es gibt keinen Arbeitsprozess, der diesem „Erfolg“ zugrundeliegt. Waehrend bei vielen maennlichen Helden der Arbeitsprozess, der Entstehungsprozess der besonderen Faehigkeiten, wichtig ist. Ebenso in Resident Evil — die Heldin ist ein kuenstliches Geschoepf, und ihre Faehigkeiten sind Goettergaben.

    In beiden Filmen kann man entfernte Anklaenge an den Arbeitsprozess erkennen, aber diese sind immer magisch/technisch vermittelt: Die Geburt des Monsters (Prometheus) ist ein bisschen Arbeit, kommt aber aus dem Geraet. Und die Erzeugung der Heldin (Resident Evil) hat auch etwas von Arbeit, und kommt wieder aus jenem magisch/technischen System.

    Wenn Sie schreiben, dass der „Erfolg erarbeitet“ wird, dann sollte dies praezisiert werden: der Erfolg wird erkaempft, aber die Heldin schafft nicht sich selbst, sondern wird quasi automatisch mit ihren speziellen Faehigkeiten ausgestattet. Dies fuehrt dazu, wie auch in meiner anderen Antwort andiskutiert, dass Frauen nie als Menschen was leisten, sondern immer nur als Frauen (in der herrschenden Kultur; die wirkliche Emanzipation der Frau waere ihre Mensch-, d.h., Mannwerdung (wobei ich „Mann“ hier als den utopischen Kern betrachte, d.h., ohne die Fixierung auf die Frau)).

    Gravity habe ich nicht gesehen, aber da wird es ja wohl auch nur um den Kampf gehen, Ausdauer und so.

    Antwort

  12. „Nichstdestrotrotz ist die Heldengeschichte mit dem großen Opfer eine, die es schon vor dem Radikalen Feminismus gab, …“:
    Wenn wir einen Extremfall wie Jesus betrachten, da geschieht ja ordentlich was, der Mann hat ja ordentlich was gesagt und getan. Waehrend Max ohne die Frauen im Film ein totales Nichts waere: die Erinnerungen, jenes Gutes-Mexiko (so liebt der Ami die dritte Welt), die Erfuellung mit Leben, wenn er die Frau sieht (tut sich aber nichts!), und der Auftrag, das Maedchen zu retten. Der maennliche Zuschauer soll sich darauf einrichten, die Klappe zu halten, sich fuer die hoeheren Maechte zu opfern, und dafuer kann er eine Zeitlang mit Geraeten spielen.

    „allerdings hat man sich durchaus die mühe gemacht, klarzustellen, …“ Naaa jaaa, man macht ein paar Bemerkungen. Es haengt so in der Schwebe, erreicht aber nicht das Bewusstsein. All diese Filmchen sind so dumpf und eindimensional, kein Ausbruch nirgends. Stellen wir uns nur die folgende kleine Ergaenzung vor (sonst nichts im Film aendern): Als der Boesewicht (nicht-Amerikaner) rekonstruiert wird (das Maschinchen kriegt Bart und alles hin), da ist doch etwas Zeit, zumal diese Grafik 10%-20% … niemand braucht. Also sieht man einen der beiden ploetzlich nachdenklich werden: „Duu, sag mal, warum kann der Boss denn jetzt hier rekonstruiert werden, der Max aber spaeter nicht mehr?“ Der andere denkt etwas nach, dann „Ist doch klar man — den Boss brauchen sie nochmal fuer den Abschlusskampf, und den Max den braucht hinterher niemand mehr.“ Waere schon gleich ein ganz anderer, besserer Film.

    „Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass Jodie Fosters Charakter irgendwie Sympathisch dargestellt wurde. … „
    Ich denke, wir muessen sie mit ihrer Umgebung vergleichen. Carlyle werden keinerlei Menschenrechte zugestanden, ist nur zum Abschiessen da. Der Praesident ist die typische US-Figur des korrupten UNO-Feiglings. Im Vergleich zu allen anderen bekommt sie eine Art Beerdigung, mit kleiner Trauerfeier. Frauen in Verteidigung der Kinder vereint, nur ging sie zumindest Film-offiziell etwas zu weit (waehrend die unbewusste Lesart ist, dass sie natuerlich recht hatte, und die ganze Rettung blablabla bloss ein Traum ist, voellig unwirklich).

    „low-tech-zukunft … nicht offiziell auf Flüchtlingsboote geschossen wird.“ Dies ist Teil der psychotischen iberalen Maske — auch heute schon werden Frauen und Kinder massenhaft abgeschlachtet, von Deutschen, Englaendern, etc. (brauche wohl nicht zu erwaehnen, dass das Abschlachten von Maennern irrelevant ist). So hilft der Film, den alltaeglichen Massenmord durch USA und Vasallen zu maskieren (der President muss ja schliesslich seine Unterschrift unter den Ausloeschungsbefehl setzen).

    All diese Filmchen mit ihren Revoeltchen zeigen ein exzessiv verharmlosendes Bild der Repressionsapparate. Ist doch alles halb so schlimm, mit ein paar guten Faustschlaegen kriegen wir das schon wieder in's Lot.

    Da ist wohl noch die allgemeine Dumpfheit — niemand scheint mehr die geistige Kraft zu haben, sich auch nur ein bisschen Zukunft vorzustellen. Und dies gilt dann als „Gegenwartskritik“. (Die uns natuerlich das gute, aber leider etwas korrumpierte Amerika zeigt, als den Nabel und Retter der Welt. Auf Elysium wird auslaendisch gesprochen.)

    Antwort

  13. @Oliver K „Sonst aber ist die Frauenhausseite, wenn das nicht Satire ist, dummes reaktionaeres Geschwaetz — wenn wirklich gemeint wird, dass Frauen (und Maenner) irgendwie in ihren Faehigkeiten biologisch determiniert waeren.“

    Selbstverständlich sind die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Männern und Frauen biologisch determiniert, genauso wie es auch angeboren ist, dass sich Katzen lecken und Hunde wedeln, oder warum sonst interessieren sich Männer nicht fürs Stricken und Frauen nicht für Raktenantriebstechnologie? Und jetzt bitte nicht mit „Aber ich kenne eine, die ist ganz anders“ kommen.

    Antwort

  14. @Oliver K.
    Es geht darum, dass diese Filme bestimmte Rollenbilder vermitteln, und das tun sie mit Erfolg. Das junge Publikum (Kinder und Jugendliche) kann nicht zwischen Arbeitsprozess, Fortschritt, Kampf usw. differenzieren. Nicht mal Erwachsene können das differenzieren. Nicht mal meine Freunde, die mit der männerrechtlichen Literatur bewandt sind, können das differenzieren. Sie freuen sich wie kleine Kinder, wenn Angelina Jolie in „Salt“ die ganze Welt rettet.

    Antwort

  15. Im gegenwärtigen Kino gehen der Traditionalismus/Konservatismus mit dem Feminismus eine Verbindung ein. Zu dem Traditionalismus (traditionellen Rollenbildern) gehören: Frauen müssen besonders behandelt, beschützt werden, Männer helfen Frauen und opfern sich für sie. Zum Feminismus gehören: die Überhöhung der Frauen und die Abwertung der Männer.

    Antwort

  16. @Novafil
    Das wir z.B. hier diskutieren, zeigt doch ueberdeutlich, dass wir, Menschen, keine Hunde und Katzen sind, sondern allgemeine Denkmaschinen, denen alles offensteht (im Denken, und im Prinzip).

    „Und jetzt bitte nicht mit „Aber ich kenne eine, die ist ganz anders“ kommen.“
    Dies soll aber doch wohl nicht heissen, dass die Argumentation a-priori entschieden ist, ohne Betrachtung der Empirie? Nehme ich mal nicht an, sondern dass statistisch, bzgl. „typischem Verhalten“, argumentiert werden sollte.
    Ich nehme mal an, dass die Einstellung zu den Geschlechtern fundamental von persoenlichen Erfahrungen gepraegt ist. Ich persoenlich glaube, dass keine der Frauen, die ich kenne, strickt. (Erinnere mich, wie in der 12. Klasse im Leistungskurs Deutsch zum ersten Male ein Maedchen anfing zu stricken (um 1982). Irgendwie war aus den 60ern und Anfang der 70er schon Energie da, die aber in die falschen Richtungen floss, und dann auch verpuffte.) Im abstrakten Denken habe ich nie einen Unterschied zwischen Maennern und Frauen (i.a.) wahrgenommen. Wo es die grossen Unterschiede gibt, sind die emotionalen, imaginaere, und symbolischen Bereiche. Dies sorgt fuer die Richtungen des Denkens und Handelns (wo die Energie herkommt und wo sie hinfliesst). Hier habe ich im Laufe meines Lebens nun ueberwaeltigende Erfahrungen von der enormen Staerke der familiaeren und gesellschaftlichen Zwaenge gemacht. Da bin ich im Prinzip sehr optimistisch, dass auch Frauen Menschen sind, nur halt ziemlich versaut. (Dies heisst aber auf gar keinen Fall, das ich irgendwelchen Umerziehungsprogramme anstrebe (nun mal in die andere Richtung) — ich glaube, dies kann und muss man ganz entspannt angehen. Aenderungen dauern viele Jahrzehnte, es eilt nicht, und man muss „fundamental“ den Menschen vertrauen.)

    Ich komme von der Mathematik her, dies ist ja eine recht „weiche“ Angelegenheit, d.h., es gibt recht viele Frauen dort. Sobald's „technischer“ (sagen wir „emotional haerter“) wird, sinkt der Frauenanteil. Zur Zeit haben wir hier in der Informatik gerade 5% Frauenanteil — dies war aber auch schon anders, sagen wir 20%, und man merkt sehr deutlich hier das allgemeine reaktionaere Klima (in wirtschaftlichen Krisen werden klassische Ausbildungsmuster verstaerkt). Stelle mir vor, dass in einer freieren vernuenftigen Gesellschaft deutlich mehr Frauen auch die technischen Berufe und Studiengaenge ergreifen (die Raketenantriebstechnologie als Beispiel der Ingenieurswissenschaften), und dass sich dies im Laufe der Jahre (und Jahrzehnte) erhoehen wuerde, aber dies wuerde man einfach beobachten. Die „Raketenantriebstechnologie“ steht wohl auch noch fuer Abenteuer, oder Weltabwendung, oder Unnuetzes — wiederum glaube ich, je groesser die allgemeine Depression, desto groesser die Widerstaende fuer alle, und dies dann noch mehr fuer Frauen.

    Um nochmal auf „körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Männern und Frauen biologisch determiniert“ einzugehen: Ein Computer kann immer allgemeine Rechnungen durchfuehren, ob er nun Mann, Frau oder Dell ist. Ich glaube, dies kann man auch auf's Emotionale, Imaginaere und Symbolische ausdehnen, dass man dort auch von „universellen Maschinen“ sprechen kann, und das Menschen solche sind. Es ist ein Zeichen der totalen Feminisierung der (zumindest westlichen) Gesellschaft, dass der Biologie ein solcher Stellenwert zukommt — die Festlegung auf's Biologische ist ja gerade charakteristisch fuer's Weibliche. Die wirklichen Theoretiker des Feminismus wie Deleuze sind ja dementsprechend auch Biologisten („das fliessende, amorphe, dynamische“ wird glorifiziert). (Unter diesem Licht betrachtet ist dann Nietzsche ein frueher Feminist.) Die Biologie hat auch lange nicht den Stand einer Wissenschaft erreicht. Die wirklichen Wissenschaften sind Mathematik, Physik, Informatik; die Biologie etc. (Neuro …) ist noetig zum Reparieren der Hardware, zu sonst aber gar nichts.

    Antwort

  17. @Anonym schrieb:
    „Es geht darum, dass diese Filme bestimmte Rollenbilder vermitteln, und das tun sie mit Erfolg.“

    „Rollenbilder“, da habe ich meine Zweifel. „Salt“ ist ja ein prima Beispiel fuer eine rein phantasmatische „Heldin“. Welches „Rollenbild“ wird da vermittelt? Wuerde mich wundern, wenn da irgendjemand „heldischer“ rauskaeme aus einem solchen Film. Oder dass Frauen denken „wir koennen das auch“ ?? Ist doch ein typischer Woelfe-und-Schafe-Film (die Auserwaehlten, die im Geheimen die Welt fuehren, und die anstaendigen einfachen Menschen). Ob's vielleicht eine Konzern-Chefin ermuntert??? Wer weiss …

    Vielleicht ist in diesem Film (wie in so manch anderem) die „Heldin“ etc. nur die ideologische Maske? Der US-Imperialismus, der aus diesem Film trieft, ist vielleicht wichtiger. Durch den ganzen Genderschwachsinn wird die gute alte Ideologiekritik total vergessen.

    „Nicht mal meine Freunde, die mit der männerrechtlichen Literatur bewandt sind, können das differenzieren. Sie freuen sich wie kleine Kinder, wenn Angelina Jolie in „Salt“ die ganze Welt rettet.“
    Koennte doch sein, dass sie sich in Wirklichkeit ueber den US-Faschismus freuen, und das sie dies unter der Maske des „Feminismus“ verstecken koennen?

    Antwort

  18. @Oliver K.
    „Welches „Rollenbild“ wird da vermittelt?“ Genau das Rollenbild, das Sie erwähnen: Frauen können es auch! Frauen können bei der Polizei, FBI oder CIA mit Erfolg arbeiten, Frauen können so gut sein wie Männer oder noch besser! usw. Es handelt sich um Selbsterbauungsfilme für Frauen. Bedenken Sie, dass mit diesen Filmen Vorbilder für Mädchen und junge Frauen geschaffen werden.
    Ob diese Filme den „US-Imperialismus“ verstecken, weiß ich nicht. Das ist hier nicht das Thema. Es geht hier um den Einfluss des Feminismus auf die Filmproduktion und auf die westliche Kultur. Und es geht um die Mechanismen, mit denen dieser Einfluss ausgeübt wird, Mechanismen der Manipulation, die den meisten Menschen gar nicht bewusst sind.

    Antwort

  19. So abstrakt habe ich mit „Frauen können es auch“ keine Probleme. Ich glaube aber eher, dass solche Filme wie „Salt“ etc. letztendlich „Frauen koennen es nicht“ vermitteln, wegen der exzessiven Unglaubwuerdigkeit. Deshalb meine Insistenz auf den „fehlenden Koerper“ bei den allermeisten Frauen-action-Filmen, und auf die blosse Zuweisung der Heldinnenrolle, ohne das sie sich erarbeitet worden waere (auch nur im mindesten). Dies zusammen mit Selbstzweifeln, die anscheinend im Frausein einbebaut sind, ergibt einen hohlen Popanz: angeblich ganz toll, aber doch blosse Maske.

    Antwort

  20. „die Frau wird als phantasmatischer Popanz aufgebaut, wobei gleichzeitig dem Unterbewusstsein vermittelt wird, das dies ja alles blosse Mache ist, nichts dahinter ist. So wie auch jeder Erfolg einer Frau durch das System bedingt ist (die Quote, die anderen Frauen; am Ende das Patriarchat, dass durch den ganzen Prozess erst entsteht).“ (Oliver K) Das kann sein: Wenn die Heldin sich ihre Kraft und Fähigkeiten nicht selbst erarbeitet, sondern der Inszenierung anderer verdankt, dann ist unterschwellig auch klar, dass all ihre Leistungen auf das Konto anderer verbucht werden müssen. Es kann gut sein, dass männliche Unterstüzungen für Frauenquoten und inszeniertes „Empowerment“ von Frauen eben diesen Motiven folgt: Mit der Quotenfrau ist der Erfolg einer Frau de facto immer der Erfolg der wohlwollenden Männer.

    „Diese Filme vermitteln die Botschaft „Frauen können es auch“ oder „Frauen können es noch besser“.“ Oder sollen es vermitteln… Das gilt nicht nur für Filme, sondern für viele öffentliche Präsentationen der Geschlechter. Ein sehr interessantes Beispiel (eines von vermutlich Hunderten möglicher, aber eines, das mir im Gedächtnis geblieben ist) war in dieser Hinsicht ein Titelbild des Time Magazine zur „Person of the Year“, die im Jahr 2003 „The American soldier“ war. Auf dem Titelbild drei Soldaten, vorne und ganz im Zentrum eine Frau, dahinter zwei Männer. http://www.defense.gov/News/NewsArticle.aspx?ID=27583

    Auch dieses 1:2-Verhältnis, bei dem zudem die Frau in den Vordergrund geschoben wurde, ist weit davon entfernt, repräsentativ zu sein. Im Irak wurden beipielsweise etwa 44 mal mehr männliche als weibliche amerikanische Soldaten getötet. http://apps.washingtonpost.com/national/fallen/

    Soviel zur feministischen Rede, Frauen würden medial „unsichtbar“ gemacht. Diese Medienmanipulation wird vermutlich deshalb so bedenkenlos exerziert, weil die Protagonisten das Gefühl haben, es sei eigentlich eine Art Gegenmanipulion: Frauen seien nur deshalb weniger in Führungspositionen etc. vertreten, weil sie durch ungünstige mediale Darstellungen entmutigt worden seien. Insofern wird ein Frauen-„Empowerment“, das ein realitätsentkoppeltes Bild von Frauen und Männern zeichnet, wohl regelrecht als Richtigstellung der eigentlich zuvor schon verzerrten Realität wahrgenommen.

    Das ist unter anderem deshalb zu simpel, weil Frauen ja nur in Wunschpositionen nach Ausgleich streben: Wenn es darum geht, die Person of the Year zu ehren, muss natürlich eine Frau vorn stehen – aber niemand käme auf die Idee, ein Gleichziehen der Frauen bei den getöteten Soldaten zu verlangen.

    „Sonst aber ist die Frauenhausseite, wenn das nicht Satire ist, dummes reaktionaeres Geschwaetz —“ Find ich auch. Und sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie man wichtige Diskussionen verballern kann. Fragen und Thesen, wie sie auch von den Kommentatoren hier formuliert werden, auf die Aussage einzudampfen, dass Frauen Männern irgendwie naturwüchsig unterlegen seien – das bedient einfach nur Ressentiments und lenkt von allen wichtigen Punkten ab.

    Antwort

  21. @ keppla „Von den Filmen, die diese Geschichte erzählen, finde ich Elysium, trotz seinen Fehlern einen der interessanteren, weil – das sehe ich immer noch so – hier ein freiwilliges Opfer gezeigt wird.“ Ich finde Elysium auch sehr interessant, obwohl ich die Freiwilligkeit des Opfers etwas bezweifle – dazu passt das Opfer zu gut ins Klischee. Aber lohnend ist der Film sicherlich, weil er differenziert mit Klischees umgeht.

    In meinen Augen ist Olivers Argument überzeugend – die Verteidigungsministerin wird nicht gerade sympthisch präsentiert, aber in ihrem Umfeld kommt sie gut weg: Inmitten von Müßiggängern ist sie die Einzige, die sich überhaupt Gedanken zu machen scheint, wie die – im Wortsinne – himmlische Welt Elysiums aufrechterhalten werden kann.

    Trotzdem fand ich es außergewöhnlich, wie klar ihr Zynismus einer öffentlich präsentierten und funktionalisierten mütterlichen Fürsorglichkeit hier bloßgestellt wurde. Das ist umso interessanter, als sie ja gerade nicht einfach als ein un-weibliches, verrücktes Monster präsentiert wird, das sich von den anderen, guten Frauen vollkommen unterscheidet (so wie etwa Glenn Close in „Eine verhängnisvolle Affäre“).

    Trotzdem: Auch diese Kritik an einer traditionell positiv besetzten Frauenrolle, in der Funktion als Mutter, wagt der Film offenbar nur zu formulieren, weil zum Ausgleich zugleich gleich zwei andere Frauen als gute, wirklich fürsorgliche, opferbereite „richtige“ Mütter aufgeboten werden.

    Für mich ist der Film sehr ambivalent, also auch gewiss nicht durchgehend negativ. Das Ende, in dem er kippt, macht diese Ambivalenzen nur deutlich – doch auch bei einem ausbalancierteren Ende wäre er zwiespältig gewesen. Aber der Film lohnt auf jeden Fall die Auseinandersetzung (und ich finde die verschiedenen, äußerst interessant zu lesenden Kommentare hier eine Bestätigung dafür).

    Antwort

  22. @Schoppe schrieb:
    „Trotzdem fand ich es außergewöhnlich, wie klar ihr Zynismus einer öffentlich präsentierten und funktionalisierten mütterlichen Fürsorglichkeit hier bloßgestellt wurde.“
    „Für mich ist der Film sehr ambivalent, also auch gewiss nicht durchgehend negativ.“

    Ich halte diese Einschaetzungen fuer schwerwiegende Fehler — Ambivalenz ist ein zentraler Aspekt der modernen Ideologie.

    Wenn erst das „neue amerikanische Fernsehen“ im Kino ankommt (ein weiterer Rueckschritt), dann werden wir ganz standardisiert ununterbrochen Ambivalenz vorgesetzt bekommen. Im wesentlichen zufaellige Gewalt. Dies entspricht dem zerfetzten Bewusstsein.

    Wie einmal Slavoj Zizek betonte (leider hat er sich von solchen Einsichten heute ganz verabschiedet, und ist nun Hollywoods Hofphilosoph), ist Obszoenitaet charakteristisch fuer die US-Ideologie. Oberflaeche glaenzend, und direkt darunter brutale „Realitaet“, protzend zur Schau gestellt. Die Verteidigungsministerin ist die Repraesentantin der USA dort oben, macht den Job, fuer den sich Europaer und der Rest (das sonstige Elysium-Establishment) zu fein sind. Ihr Zynismus etc. sind letztendlich ihre guten Eigenschaften. All diese Filmchen dienen dazu, in unserem Unterbewusstsein klar zu machen, dass Politik nun mal ein dreckiges Geschaeft ist — man muss den Schein bewahren, aber darunter herrscht nackte Gewalt.

    Und dies kann man auch „sehen“ in dem Film, naemlich es ist die voellige Alternativlosigkeit. Ja, das Ende ist ein wenig schwach, wird gesagt — in Wirklichkeit macht es uns aber „klar“ (als Ideologie), dass es keine Alternativen gibt (zur Herrschaft). Denn wenn man etwas Ueberzeugenderes wollte, muesste man einen voellig anderen Film drehen. Einer, der sich u.a. mit Technik und Wissenschaft beschaeftigt, und der dann auch *politische* Alternativen aufzeigt. Weder auf Erden noch im Himmel gibt es in Elysium irgendeine politische Alternative. Und so, ganz folgerichtig, zeigt uns das Ende, wie eben jener Apparat das Gute austeilt. Alles bestens, niemand braucht eine Alternative, nur eben kleine Korrekturen (einfach das Betriebssystem neu starten). Dies ist die erste Schicht der Ideologie; tiefer unten weiss man dann, dass die Gewalt herrschen muss, und dass eben nur kleine Korrekturen moeglich sind.

    Ganz typisch ist ja die „Weltlosigkeit“ im Film, ausser den USA, in der Gestalt von Los Angeles, und der emotionalen Unterfuetterung in Form von „Mexiko“, gibt es ja nichts in jener Welt. Entsprechend sieht man dann auch die Roboter von Elysium schnurstracks nach Los Angeles eilen. Da ja der Film den typischen Buhmann der Ueberbevoelkerung aufgestellt hat, „weiss“ man dann auch, das war's dann (niemand sonst wird „geheilt“ — sollten sie sich dann alle gegenseitig auffressen?).

    So werden wir also auf die ewige Zukunft (ohne Zukunft) eingestellt: das einzige was bleibt, sind pressure groups, wie hier die Los-Angeles pressure group, die fuer ihre Mitglieder einen Vorteil erkaempft, wobei man dafuer die internen Spannungen in der Herrschaft (die „natuerlich Boese“ ist) benutzt. Wir leben in der best-moeglichen Welt (die natuerlich nur „zweitbest“ ist, wie jeder Demokrat uns stolz mitteilen wird, aber das ist eben alles, was moeglich ist).

    Also das feministisch-neoliberale Universum. Maenner duerfen sich opfern (es bleibt ja praktisch keiner am Leben ausser der weibischen Figur des Praesidenten), in einem ewigen Kreislauf.

    (So war ja schon der erste Film vom Regisseur, „District 9“, nichts weiter als eine Rachephantasie unser neuen sexuellen Eliten, natuerlich liberal verpackt. Das war natuerlich interessant fuer Hollywood.)

    Antwort

  23. „Und so, ganz folgerichtig, zeigt uns das Ende, wie eben jener Apparat das Gute austeilt. Alles bestens, niemand braucht eine Alternative, nur eben kleine Korrekturen (einfach das Betriebssystem neu starten).“ Ja, das stimmt. Das gute Ende ist eigentlich eben die Zauber-Maschinerie, die den gewaltigsten Unterschied zwischen den Privilegierten und den Verlendeten markiert: Der Film geht schließlich ebenso unkompliziert gut aus, wie die Med-Pops heilen, ohne Operation, ohne komplizierte Diagnose, ohne Notwendigkeit, etwas an der Lebensführung zu ändern. etc.

    Med-Pops für alle, das ist erkennbar nicht einmal eine Utopie, weil es dafür viel zu simpel ist (ebenso könnte man behaupten, das alles gut wäre, wenn wir alle zaubern könnten und unsterblich wären).

    Und so bleibt tatsächlich die Position der Verteidigungsministerin die einzige im Film, die sich angemessen mit Realitäten auseinandersetzt. Dass der Film also insgeheim eine zynische Position propagiert, lässt sich nicht von der Hand weisen – bestenfalls könte man ihm zu Gute halten, dass er diesen Zynismus vorführt, damit außerhalb des Films Lösungen gefunden werden können, die IM Film nicht möglich sind (so ähnlich hat das Brecht ja am Ende des „Guten Menschen von Sezuan“ formuliert: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! / Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“).

    Gegen diese wohlwollende Interpratation spricht allerdings tatsächlich der Mangel an „Welthaltigkeit“. Die ökonomischen Zusammenhänge werden nicht klar – offenbar wird Elysium durch Ausbeutung der meisten finanziert, aber wie? Wenn diese gesamte Welt im Elend lebt und sich durch Kleinkriminalität und ab und zu die Herstellung von Polizei-Robotern ernährt, wo werden dann die gewaltigen Mittel erwirtschaftet, die Elysium braucht? Dass sowohl die technischen als auch die ökonomischen Bedingungen unklar bleiben, ist keine Nebensächlichkeit, die bestenfalls für Menschen interessant ist, die gern nach Filmfehlern suchen – diese Unklarheit (und eben nicht die massive Unterdrückung) ist die Bedingung dafür, dass hier keine glaubwürdige UND humane Perspektive entworfen werden kann.

    Trotzdem bleibt der Film für mich lohnend, weil sich Blomkamp für die Spiegelung politischer Bedingungen zumindest interessiert, auch wenn er darauf achtet, dass sie einer schließlich sehr klischeehaften, aber eben auch bewährten Action-Film-Maschinerie nicht in die Quere kommt.

    Antwort

  24. @Schoppe „auf die Aussage einzudampfen, dass Frauen Männern irgendwie naturwüchsig unterlegen seien – das bedient einfach nur Ressentiments und lenkt von allen wichtigen Punkten ab.“

    Leider ist aber genau das, der allerwichtigste Punkt.

    Sind Frauen minderwertig oder nicht?

    Woran genau machen Sie fest, dass Frauen gleichwertig sind? Mal abgesehen von „Menschenwürde“ und dass man Frauen zur Fortpflanzung braucht.

    Was wäre denn Ihrer Meinung nach ein Beweis für die Minderwertigkeit der Frau? Wenn Sie jetzt sagen „So einen Beweis gibt es nicht“ oder „will ich nicht“, dann geben Sie zu, dass sie den Gleichwertigkeitsmythos nur aus Prinzip und Ideologie hochhalten, und nicht weil Gleichwertigkeit der Geschlechter tatsächlich existieren würde.

    Antwort

  25. @ Nie nie sagen „Woran genau machen Sie fest, dass Frauen gleichwertig sind? Mal abgesehen von „Menschenwürde“ und dass man Frauen zur Fortpflanzung braucht.“ Braucht man Männer ja auch, oder?. Dass Werturteile nicht aus deskriptiven Aussagen hergeletet werden können, sondern auf gesetzten Wertungen aufbauen, ist in der Philosophie ein alter Hut – und das betrifft ja nicht nur Frauen und Männer. Trotzdem sind Werturteile nicht beliebig, sondern sie lassen sich daran überprüfen, wie sinnvoll sie das Handeln leiten.

    Und es gibt nun einmal überhaupt kein auch nur halbwegs human konzipiertes Gemeinwesen, das eine Gruppe von Menschen als prinzipiell wertloser beschreibt als eine andere. Jeder Mensch ist es wert, Grundrechte zu haben, ohne erst lange nachweisen zu müssen, dass er ihrer würdig ist – wer das bestreitet, ist eben tatsächlich (wie ja hier anderswo schon klar gestellt wurde) verfassungsfeindlich. Denn eine Position, die Menschen als ungleich wertvoll deklariert, bestreitet nicht nur einzelne Grundrechte („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“), sondern sie wendet sich gegen die Idee der Grundrechte prinzipiell.

    Mir sind solche Positionen auch deswegen zuwider, weil ich genügend Erafhrung damit gemacht habe – Vätern wird beispielsweise ja immer noch zugemutet, erst einmal ihre Kindeswohltauglichkeit unter Beweis zu stellen, bevor ihnen und ihren Kindern großzügig ihre eigentlich garantierten Grundrechte zugestanden werden.

    Insgesamt sind also die spiegelbildlichen Ähnlichkeiten zwischen Ihrer Position („Frauen sind weniger wertvoll“) und betonfeministischen Positionen augenfällig. Bekannt ist ja z.B. die Herabüwrdigung der allgemeinen Menschenrechte als „Rotz“ durch Nadine Lantzsch, Feministin und Gewalt-Fan.

    Insofern ist Ihr Verhältnis zum Feminsismus eigentlich keine poltische Gegnerschaft, sondern eher so etwas wie ein seltsames klingonisches Balzritual. Nur lasen Sie davon doch bitte Menschen unbehelligt, die mit einer solchen Balz nichts zu tun haben wollen.

    Antwort

  26. @Schoppe

    Und wieder weichen Sie aus oder antworten auf etwas, was ich nie geschrieben habe.

    Ich bleibe dabei: Sie behaupten AUS PRINZIP, dass Männer und Frauen gleichwertig sind, nicht etwa weil es so wäre. Denn die Unterlegenheit von Frauen im Bereich Technik, Wissenschaft, Kultur usw. springt einem förmlich ins Auge, auch heute noch.

    Sie wollen einfachste Tatsachen nicht wahr haben (mit anderen Worten: Sie brav die Weltsicht der Linken gefressen) und halten stattdessen fest an der feministischsten aller feministischen Forderungen: Dem Frauenwahlrecht.

    Sie sind und bleiben ein linker Feminist, nicht mehr.

    Antwort

  27. „Ich bleibe dabei: Sie behaupten AUS PRINZIP, dass Männer und Frauen gleichwertig sind,“

    Ich denke, Schoppe macht die wichtige Unterscheidung zwischen „gleichwertig“ und „gleichartig“.
    Männer und Frauen sind nicht gleich. Aber sie haben den gleichen Wert.
    Insofern, als man bei Menschen von „Wert“ reden kann, ohne sie nur als Mittel und nicht immer auch als Zweck zu sehen.

    Antwort

  28. Objektiv feministischer Provokateur

    Objektiv (von der Wirkung her) muss man NieNiesagen als feministischen Provokateur betrachten. Und meine Einschaetzung ist, dass dies in den naechsten Jahren von Bedeutung sein wird, wie folgt.

    Ich glaube, die Zeichen stehen auf Sturm: wenn z.B. die grosse Koalition kommen wird, dann wird sich die SPD mit aller Macht auf die „Gleichberechtigung“ stuerzen, im Ausgleich fuer die sonstige Machtlosigkeit, und CDU/CSU werden dies gewaehren lassen, da es Demokratie zerstoert. Wenn z.B. fuer die Wahllisten aller Parteien eine Quote verbindlich wird, dann wird sich vielleicht nie mehr in Deutschland was tun politisch (oder nur mit grosser Gewalt). Mit der grossen Koalition koennte man dies in die Verfassung reinschreiben.

    Da werden sich dann schon Gegenstimmen erheben. Und dies wird dann die grosse Zeit unserer feministischen Provokateure. Wie die Medien und die Feministen sie lieben werden! Und wie sie zurueckgeliebt werden werden von unseren feministischen Provokateuren. Jedem werden sie ununterbrochen von der Minderwertigkeit der Frau etc. vorschwaetzen, in Talkshows, im Radio … Diese Strategie scheint mir ganz offensichtlich fuer den Feminismus, und diese „Maennerrechtler“ werden dann auch entsprechend einen solchen Laerm machen (ganz wie gewuenscht), dass man kaum mehr was anderes hoeren kann.

    Dann scheint mir die einzige Moeglichkeit, eben wie Lucas schon argumentiert hat, die grosse Naehe von Maennerhassern (Feministen) und Frauenhassern aufzuzeigen, so deutlich als moeglich. Aber da kann man nicht nur kritisieren (dies ist viel zu schwach). Und ich glaube auch, dass all diese Feinheiten, Adjektive mit „gleich“ betreffend, in die Irre fuehren. Irgendwie ist da schon alles verloren, man denkt von vornherein nur in Geschlechtskategorien!

    Ich versuche nun mal, in meinem naechsten Kommentar ganz knapp die wesentlichsten Prinzipien des, tja, wie nennen, „unserer Bewegung“ aufzustellen. (Bin kein Freund von „Masku-irgendwas“, da dies geschlechtszentriert ist, „links“ auch nicht, da verrottet heutzutage … )

    Antwort

  29. Als erstes Prinzip:
    1. Geschlecht ist grundsaetzlich irrelevant — es zaehlt der Mensch.

    Sicher ist noch vieles andere grundsaetzlich irrelevant (letzlich alle Bestimmungen), aber damit wuerden wir uns ueberheben.

    Fuer die Maennerhasser wie fuer die Frauenhasser ist Geschlecht eine zentrale Kategorie, und es gibt keine Menschen.

    Leider sind wohl grosse Teile der „Maennerrechtsbewegung“ (oder wie auch immer) geschlechtszentriert (biologistisch, oder biologistisch zweiter Stufe, d.h., evolutionistisch), aber er kaeme darauf auf, sie davon zu ueberzeugen, dass die sagen wir nicht-generischen Aspekte des Mannes nur feministische Spiegelbilder sind. Wenn dies nicht gelingt, dann gute Nacht.

    Ich glaube, jene „Irrelevanz“ ist es, worauf es ankommt, nicht irgendwelche Feinheiten bzgl. Gleichstellung, -berechtigung, wertigung, … es ist positiv zu ignorieren (abstrahieren), und nicht schon von jener (irrelevanten!) Spaltung auszugehen, und sie dann kitten zu wollen.

    2. Jeder Mensch kommt konkret daher, hat also Bestimmungen, wie z.B. ein Geschlecht, eine Koerpergroesse etc., dies hat aber keine grundsaetzliche Bedeutung, sondern sind nur Parameter.

    Dies soll das „grundsaetzlich irrelevant“ erklaeren.

    3. Vertraue grundsaetzlich dem Volk.

    Will sagen, dass man den Menschen in ihren Berufswahlen und all dem vertrauen soll. Das was sie selbst betreffen. Daraus folgt jedoch nicht, dass z.B. fuer technische Angelegenheiten das Volk was zu sagen haben sollte — aber diese Fragen sollten wir wohl wiederum ausklammern; die Loesung aller grossen Menscheitsfragen auf einen Schlag sollten wir besser ein bisschen verschieben.

    Antwort

  30. @ Oliver K „Fuer die Maennerhasser wie fuer die Frauenhasser ist Geschlecht eine zentrale Kategorie, und es gibt keine Menschen.“ Woraus zwei gravierende Nachteile folgen. Erstens die Unterordnung von Individuen unter Gruppen, zweitens die Unterordnung aller möglicher Widersprüche und Konflikte unter einen Hauptwiderspruch.

    Wenn es sinnvoll ist, mit der Kategorie Geschlecht zu agieren, dann in konkreten Zusammenhängen – dort, wo es geschlechtsbedingte gesetzliche Nachteile gibt (wie im Sorgerecht) – oder auch bei statistischen Auffälligkeiten, die ohne die Kategorie Geschlecht nicht erklärt werden können (wie z.B. die schlechteren Bildungsabschlüsse von Jungen gegenüber Mädchen). Doch auch im letzten Fall ist es dann voreilig, grundsätzlich eine geschlechtsbedingte Diskriminierung als Erklärung anzunehmen, ohne andere Erklärungen zu berücksichtigen.

    Ganz gewiss NICHT sinnvoll ist es, Geschlecht rundweg als Herrschaftskategorie zu verwenden und zu meinen, das eine Geschlecht herrsche total und umfassend über das andere, und die Angehörigen dieses anderen Geschlechts hätten daher keine vernünftigen Wahlmöglichkeiten mehr, etc.

    Deshalb finde ich es auch vernünftig, grundsätzlich davon auszugehen, dass Menschen ihre Entscheidungen aus Gründen treffen, die für sie richtig und vernünftig sind. Vom „Volk“ würde ich dabei in einem ähnlichen Sinn reden wie das Grundgesetz es tut – „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“

    Dass Menschen in ihren Angelegenheiten prinzipiell mit guten Gründen entscheiden, lässt sich nur sinnvoll bezweifeln, wenn man sie entweder (1.) für unzurechnungsfähig erklärt ODER (2.) davon ausgeht, sie würden so sehr unter dem Druck herrschender Verhältnisse sein, dass sie immer wieder vor Dilemma-Situationen stehen und gar keine Möglichkeit einer vernünftigen Entscheidung haben. Viele Feministinnen greifen offiziell zur zweiten Möglichkeit, aber inoffiziell (angesichts der Tatsache, dass solche totalitären Machtstrukturen gegenüber Frauen schlicht nicht vorfindbar sind) zur ersten, wenn sie Frauen beschreiben.

    Antwort

  31. @ yacv „Männer und Frauen sind nicht gleich. Aber sie haben den gleichen Wert.Insofern, als man bei Menschen von „Wert“ reden kann, ohne sie nur als Mittel und nicht immer auch als Zweck zu sehen.“ Ja, das ist eine gute Erklärung. Es ist überhaupt nicht nötig, eine prinzipielle Gleichheit von Frauen und Männern zu behaupten – oder davon auszugehen, dass alle Unterschiede nur „sozial konstruiert“ seinen -, um gleiche Rechte zu fordern. Und der Hinweis auf Kants Zweckformel ist auch in der Hinsicht hilfreich – es geht darum, dass kein Mensch schlicht als Instrument anderer Menschen begriffen werden kann. Insofern haben alle Menschen eine Wert, der anderen nicht verfügbar ist.

    Das ist, nebenbei, wohl auch der Sinn solcher absurden Standpunkte wie der Anzweiflung des Frauenwahlrechts. Diese Frage steht ja (zum Glück, aber auch selbstverständlich) nirgendwo ernsthaft zur Debatte – doch hier soll wohl demonstriert werden, dass Rechte von Frauen eigentlich nur von männlichem Gutdünken abhängig sind. Auch das ist eine Konstruktion von Verfügbarkeit, die der Zweckformel widerspricht.

    Dass solche Standpunkte, @ Oliver, eigentlich die feministischer Agents Provocateurs sind, lässt sich gut argumentieren – allerdings gibt es eben viele Männer, die diese Rolle gern freiwillig übernehmen.

    Auffällig ist jedenfalls, wie begierig sich unseriöse Auseinandersetzungen mit feminismuskritischen Positionen – in den bekannten „Studien“ der SPD und der Grünen, in der Sendung über „Maskuline Muskelspeile“ etc. – auf solche unhaltbaren Meinungen stürzen und dabei die vielen erntszunehmenden Argumente schlicht ignorieren können.

    Antwort

  32. @ Oliver

    Im Film Demolition Man, der ja eher eine Kommödie ist, sind die Machtmittel schon eher realistisch:

    Umerziehung, kleinliche Gesetze gegen und für Alles, Waffenverbot, unterschwellige Propaganda, DNA Manipulation, Chipimplantate, Kein Fleisch mehr,Ökoterror Geburtenkontrolle, Verbot von Sex und Küssen, keine Körperkontakt, und hausgemachter Terror und allgemeine Nutzung der Technik zur Überwachung der Menschen.

    Immer noch ein geiler Film aber lachen kann man darüber heute nicht mehr so unbeschwert weil vieles dort eben nicht abwegig ist.

    Wir mussten in der Schule bei einer Lehrerin mal pro Schimpfwort 50 Pfennig in die Klassenkasse zahlen. Nur das es keinen Automat gab wie im Film der die Strafzettel ausspuckt ist….

    Antwort

Antwort

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s