Frau Schrupp hat nichts gegen Fremde

Frau Schrupp hat nichts gegen Fremde. Sie würde eigentlich sogar gern freundlich zu Fremden sein, aber das ist leider nicht möglich, was auch Frau Schrupp „eigentlich schade“ findet.
„Ich bin ein viel unfreundlicherer Mensch als ich sein könnte, vor allem im öffentlichen Raum, dort, wo ich niemanden kenne.“

Frau Schrupp erzählt selbst, wodurch sie so unfreundlich wurde:

„Es war beim Rumknutschen mit einem der Fremden, mit dem ich befreundet war, ich glaube, ich war ungefähr 14 oder so. Wir küssten und streichelten uns, aber an einem gewissen Punkt wollte ich nicht weitermachen. Dieser Fremde, ein sehr netter Mensch übrigens, reagierte ärgerlich und sagte mir, dass ich so etwas nicht machen könne: erst aufgeilen und dann doch nicht zum Ende kommen.
Ich erinnere mich noch daran, dass mich das damals sehr schockierte, weil ich bis dahin ganz selbstverständlich (in einer von der Überfremdung offenbar noch ungestörten Naivität) davon ausgegangen war, dass Sex zu wirklich jedem Zeitpunkt des Verfahrens von allen Beteiligten einseitig beendet werden kann.“
Ich verstand Frau Schrupps Erzählungen zuerst nicht, denn schließlich, so dachte ich, hatte sie den Sex doch offenbar tatsächlich einseitig beenden können. In meiner Gutmütigkeit, die mir allerdings schon in manch anderer Situation einen ungünstigen Weg gewiesen hat, glaubte ich zudem zu wissen, dass der Ärger des fremden Jungen doch zwar unhöflich, aber nicht völlig unverständlich sei.
„Nicht jeder Fremde, so warnte er mich, würde in einer entsprechenden Situation ohne weiteres von mir ‚ablassen‘.“

Dies allerdings ist nicht nett, denn immerhin versucht der Junge hier, sich selbst in ein gutes Licht zu setzen, indem er der jungen Frau Schrupp andere Fremde als Gewalttäter ausmalt – doch auch hier verstand ich nicht, warum die ältere Frau Schrupp das noch heute allen Fremden vorwirft, anstatt sie, innerlich zwar, aber doch entschieden einschreitend, gegen die Anklage des jungen Fremden in Schutz zu nehmen.

An dieser Stelle muss ich ein Geständnis einflechten, mit dem ich eigentlich den ganzen Text schlechterdings hätte beginnen müssen, so dass dieses Geständnis nun weit verspätet kommt und fast gar nichts mehr wert sein kann, zumal es gewiss eine schwache Ausrede ist, dass ich nicht wusste, wo ich es vorher hätte einfügen können:

Ich selbst bin auch ein Fremder.

Es gab Zeiten, in denen ich das zu verbergen versucht habe, bis ich merkte, dass auch das die Einheimischen irritiert – zumal es mir offenbar ohne Schwierigkeiten anzusehen ist, wenn ich auch nicht weiß, wodurch. Immerhin bin ich in diesem Land geboren, meine Eltern sind hier geboren, alle Generationen meiner Familie, soweit ich zurückblicken kann, sind hier geboren und haben hier gelebt, so dass ich lange nicht recht verstehen konnte, was mich zum Fremden machte und wodurch die rechtschaffenen einheimischen Menschen mich sogleich und ohne Zögern und Zweifel als Fremden erkennen können.

Doch nun, dank Frau Schrupp, die ganz sicher nicht beabsichtigte, mir mein Fremdsein zu erklären, als ob es nichts Wichtigeres gäbe – so dass ich mir gewiss nicht mit lächerlicher Überschätzung die Bedeutung zumesse, sie hätte etwa an mich und meinesgleichen gedacht, als sie von sich erzählte – durch die Erzählungen Frau Schrupps verstehe ich es nun gleichwohl besser.

Die Einheimischen erkennen uns an dem, was wir ihnen antun – antun allein schon dadurch, dass wir da sind.

„Ich lernte, dass ich damit rechnen muss, dass mein Entgegenkommen, mein Mich Öffnen, meine Freundlichkeit, von Fremden (sicher nicht von allen, aber eben doch von welchen, ohne dass ich vorher wissen könnte, ob dieser konkrete Fremde, mit dem ich es gerade zu tun habe, dazu gehört) quasi als Versprechen auf ‚Mehr‘, interpretiert werden kann. Sogar als Verpflichtung.“

Das sagt Frau Schrupp, und das verstehen wir nicht, weil wir ja selbst die Fremden sind und trotz aller erdrückender Beweise des Gegenteils nicht ganz das Gefühl verloren haben, es sei normal und ein Teil des Menschseins gar, ein Fremder zu sein. Niemals geben wir uns zufrieden, kein Teil des Landes ist uns groß genug, bis wir nicht das ganze Land besitzen, und die Einheimischen, die an ein friedliches Leben gewohnt sind und die Grobheiten der Fremden nicht kennen, sind hilflos dagegen: Wer uns den Finger hinhält, gibt bald die ganze Hand hin, und wer Fremden einen Blick zuwirft, wird an sie seine Augen verlieren.

Wie hätte die junge Frau Schrupp da auch in dem jungen Fremden, der ihr so unerfreulich begegnete, einfach den enttäuschten Jungen sehen können, der er ja nur aus unserer verblendeten Sicht war – wie hätte sie übersehen können, dass er gewiss nicht einfach ein Junge ist, sondern ein Statthalter der Überfremdung, ein Räuber der Unschuld so oder so, der sie aus ihrer „ungestörten Naivität“ herausriss und in das erbarmungslosere und unfreundlichere Land führte, das seine eigentliche Heimat ist.

„Auf diese Weise begann es, dass ich unfreundlich wurde, unfreundlich zu Fremden. Ich begann auch, Fremde zu unterteilen in solche, mit denen ich gegebenenfalls Sex haben könnte und solche, mit denen ich das ausschloss. Und überhaupt nur mit ersteren fing ich irgendeine Art von freundschaftliches Verhältnis an. Ich dachte mir, wenn die mich dann irgendwann vergewaltigen würden, wäre es immerhin nicht so schlimm.“
Wie können wir denken, die Einheimischen würden nicht merken, wie wir danach trachten, ihren Raum einzunehmen, ihre Unschuld zu zerstören und ihre Züge zum Entgleisen zu bringen.
„Und genau das ist das Schlimme an der alltäglichen Fremdenfeindlichkeit: Sie vergiftet das Verhältnis zwischen Einheimischen und Fremden.“

Ich war angesichts dieser Worte zuerst erleichtert, erfreut, erlöst sogar, bis ich mir verschämt eingestehen musste, dass ich sie – und ganz durch eigene Schuld natürlich, nicht etwa, weil diese Worte nicht eindeutig und klar gewesen wären – missverstanden hatte: Nicht die Feindlichkeit gegen Fremde meint Frau Schrupp hier, wie auch, denn das wäre ein Gespräch über etwas, was es gar nicht gibt – sondern es ist die Feindlichkeit der Fremden selbst, die den Alltag vergiftet.

Die Einheimischen zeigen auf Internetseiten, wie wir Fremden in ihren U-Bahnen sitzen und mehr Platz beanspruchen, als wir rechtschaffen benötigen, und sie rechnen vor, dass unsere Lungenvolumen größer sind als ihre, so dass wir mehr der öffentlichen Luft verbrauchen als sie selbst. Sie zeigen, dass wir in alle Machtpositionen klimmen, Müllabfuhr und Straßenbau und den Soldatenstand von Alters her übernehmen, auf öffentlichen Straßen unsere Obdachlosigkeit mit Doppellitern triumphierend feiern, auf Konzerten provozierend und lachend unsere entblößten Oberkörper zeigen, während die züchtigen Einheimischen sich bedeckt halten und der Demonstration unserer Nacktheit hilflos zuschauen müssen.

Wie kann angesichts all dessen ein ungeduldiger und unfreundlicher Junge einem jungen Mädchen von hier einfach als ungeduldiger und unfreundlicher Junge erscheinen und nicht als „Einweihung in die symbolische Ordnung der Überfremdung“, so dass er ihr als eine der Fratzen kenntlich wird, mit denen die Macht der Fremdheit und die fremde Macht den naiven Einheimischen entgegengrinst.

Es ist daher nicht an uns, mit Einheimischen zu diskutieren, wenn sie über uns sprechen – wir können nur zuhören und lernen. Ein Beispiel:

Wenn Einheimische und Fremde gemeinsam Kinder haben, was trotz allem immer wieder vorkommt – was bei Licht betrachtet tatsächlich sogar sehr häufig ist, ja gar den gewöhnliche Fall von Kindsgeburten in diesem Lande darstellt, so dass alle anderen Fälle ungewöhnliche Ausnahmen sind – wenn also Einheimische und Fremde gemeinsam Kinder haben, dann können die einheimischen Eltern allein darüber entscheiden, ob die fremden Eltern ebenfalls für die gemeinsamen Kinder sorgen dürfen.

Wie vermessen von uns, solch eine Regelung als Anmaßung zu empfinden, als Eingriff in unsere Elternschaft – und zu übersehen, wie sehr in die Ecke gedrängt die Einheimischen ihren Raum gegen uns behaupten müssen, zumal sie ja gar nicht wissen können, ob wir wirklich für unsere Kinder sorgen wollen oder ob die Sorge für die Kinder nicht ein weiterer Vorwand ist, unser Territorium zu erweitern.

Frau Schrupp aber bleibt von solcher Gewalt unbehelligt.

„Allen Fremden gegenüber blieb ich reserviert. Ich vermied es, sie auch nur anzulächeln, geschweige denn zu berühren. Ich fertigte sie mehr oder weniger geschäftlich ab.“
Und sie sagt:
„Ich weiß, dass ich dadurch die Gelegenheit verpasse, nette Fremde kennenzulernen, weil ich sie mit ihren ekligen Zeitgenossen einfach in einen Topf werfe. Aber ganz ehrlich: Das Leben ist so leichter für mich.“
So erlebt sie nur wenig Gewalt durch Fremde, doch sie findet gleichwohl, dass auch sie einen „hohen Preis“ bezahlt:
„Denn ich erlebe nur deshalb wenig Fremdengewalt, weil ich Fremde meide, die mir unbekannt sind.“

Frau Schrupp hat nichts gegen Fremde. Einige ihrer besten Freunde sind Fremde. Aber es wäre besser gewesen, wenn die Fremden dort geblieben wären, wo sie hingehören.

Wo das ist? Das weiß ich nicht.

Jedenfalls nicht hier.

Weiterführende Literatur:

Antje Schrupp (Aus Liebe zur Freiheit): Wie ich zu einer unfreundlichen Person wurde

Christian Schmidt (Alles Evolution): „Sowas kannst Du nicht machen, mich aufgeilen und dann nicht zum Ende kommen“ 

„Bei sexuellen Übergriffen handelt es sich eindeutig um einen bestimmten, in unserer Kultur vielfach gepflegten Akt der Konstruktion von Männlichkeit, der sich schier unendlich in Literatur und Kulturproduktion generell belegen lässt. Das nicht sehen zu wollen, sondern die Kritik daran mit Rassismus gleichzusetzen, ist nicht nur verantwortungslos, weil es Sexismus befördert, es ist auch eine Verharmlosung von Rassismus.“ (Antje Schrupp)

„PS: Weitere Kommentare, die meinen eigentlichen Blogpost derailen, indem sie auf das Thema ‚Das ist ja dasselbe wie Rassismus‘ umleiten, werde ich nicht freischalten.“ (Antje Schrupp)

Die Absicht des vorliegenden Textes ist es, diese Position von Antje Schrupp zu überprüfen und herauszufinden, ob sich ihre Position tatsächlich nicht in eine rassistische übersetzen lässt. Dazu habe ich ein Experiment angestellt, in dem ich aus ihrem Text den Begriff „Mann“ durch „Fremder“, den Begriff „Frau“ durch „Einheimische“, den Begriff „Patriarchat“ durch „Überfremdung“ und den Begriff „Sexismus“ durch „Fremdenfeindlichkeit“ ersetzt habe. Ansonsten sind die Passagen aus Antje Schrupps Text unverändert.

 

 

 
  1. Das ist ja wie Rassissmus.

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  2. Ja, tatsächlich finde ich das auch. Natürlich distanziert sich Schrupp von rassistischen Positionen und bezeichnet es als „Verharmlosung“, wenn man ihre (sexistischen) Positionen mit rassistischen vergleicht. Das aber ist ja nur dann richtig, wenn man erstens Sexismus wie den von Schrupp für harmlos hält (was ich nicht mache), und wenn man zweitens glaubt, jeder Vergleich würde eine Gleichsetzung in jeder Hinsicht bedeuten.

    Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der Situation von Männern und Ausländern in Deutschland – Strukturen der gruppenbezogenen Feindschaft aber haben nach meiner Überzeugung Ähnlichkeiten, wo immer sie etabliert werden. Dazu gehört, dass beliebig von einzelnen Erfahrungen auf ganze Gruppen geschlossen wird – dass dann beliebig von den Gruppen wieder auf alle Einzelnen geschlossen wird (bei Schrupp ist Männern generell nicht zu trauen, was eben an den „patriarchalen Strukturen“ liege, auch wenn es natürlich einzelne nette Männer gäbe) – und dass die Angehörigen der anderen Gruppe als fremd und als diffuse Bedrohung des Eigenen wahrgenommen werden. Ich finde, dass in diesen Punkten, die alle wichtig sind, Schrupps Position rassistischen Positionen nahe kommt.

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  3. Der Text wäre von seiner Intention her gesehen noch klarer (vielleicht aber auch weniger literarisch), wenn es sich um „Ausländer“ statt um „Fremde“ handeln würde. []KlausT

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  4. Ich finde es betrüblich, dass die meisten Reaktionen auf den Artikel schlicht so gestrickt sind, dass man halt versucht, Antje Schrupp am Zeug zu flicken, ihr Rassismus vorzuwerfen, ihr Verhalten zu kritisieren etc. usw.

    Offenbar muss das so im heutigen Geschlechterkampf, man interessiert sich nicht für das zugrunde liegende Leiden, bzw. wenn, dann immer nur für jenes beim eigenen Geschlecht. Schrupp hat ihre gewachsene „Unfreundlichkeit“ ja nicht etwa als großartig, richtig, nachahmenswert erzählt, sondern als durchaus leidvolle Folge bestimmter leidvoller Erfahrungen. Und nirgends steht, dass die berichtete „Ersterfahrung“ die einzige geblieben wäre.

    Es GIBT diese tragische Verstrickung in „symbolische Ordnungen“ – bei beiden Geschlechtern. Was anläge, wäre eine neue „Nettikette“ des Umgangs, die beide gleichermaßen in die Pflicht nimmt, die Gefühle und Bedingtheiten des jeweiligen Gegenübers zu respektieren, ohne sich selbst zu verbiegen. Dass sehr junge Menschen dazu kaum fähig sind, liegt auch an der mangelnden Erziehung – es gibt zwar „Sexualkunde“, aber keine Liebes- und Beziehungs-Lehre. Oder kommt das in der Schule irgendwo vor? Du als Lehrer wirst es besser wissen als ich.

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  5. Bemerkenswert ist, daß sie sexuelle Übergriffe nur von Männern auf Frauen wahrnimmt: „Bei sexuellen Übergriffen handelt es sich eindeutig um einen […] Akt der Konstruktion von Männlichkeit“. Bemerkenswert, aber nicht überraschend.

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  6. „Ich finde es betrüblich, dass die meisten Reaktionen auf den Artikel schlicht so gestrickt sind, dass man halt versucht, Antje Schrupp am Zeug zu flicken, ihr Rassismus vorzuwerfen, ihr Verhalten zu kritisieren etc. usw.“

    Das liegt daran, daß es eine systematisch Nähe des Feminismus zu rechten, sexistischen und rassistischen Einstellungen gibt. Zwar gibt der Feminismus vor, diese Dinge zu bekämpfen – was ja auch begrüßenswert ist – doch wie der vorliegende post von Schoppe zeigt, versagt er dabei auf ganzer Line.

    Es geht hier einfach darum zu verstehen, daß Bemühungen um eine bessere Gesellschaft, um weniger Diskriminierung, weniger Rechtsradikalismus, weniger Fremdenfeindlichkeit und weniger Sexismus nichts mit Feminismus zu tun haben – so der Feminismus damit auch zu tun hätte.

    Systematisches Versagen gehört einfach nicht in den schwierigen wie auch wichtigen Geschlechterkampf und daher sollte sich der Feminismus, plump und holzschnittartig wie er in seinen kurzbeinigen Ideen daherkommt, aus dem raushalten, wo er nur Schaden anrichten kann: aus dem Interessenausgleich gleichberechtigter Geschlechter.

    Zu versuchen, an Einzelerfahrungen gesellschaftliche Konflikte deutlich zu machen, man in Filmen interessant sein. Doch in einer systematischen soziologisch fundierten Diskussion um die gerechte Verteilungen gehört sowas einfach nicht mehr hinein. Das mag in Schrupp Frauenläden in den 80igern noch durchgegangen sein, aber heutzutage ist das einfach nur noch peinlich und unprofessionell.

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  7. @Lucas:

    Kannst du bitte ein Wort einfügen, daß sinnentstellender Weise in meinem Kommentar fehlt?

    „- so der Feminismus damit auch zu tun hätte.“

    heißt richtig

    „- so gern der Feminismus damit auch zu tun hätte.“

    Danke

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  8. zitate statt einer parodie. so hielt es schon robert neumann. und daß man nur ein wort austauschen muß, um zu sehen, worum es eigentlich geht, das zeigt dann eben alles worum es eigentlich geht.
    ich würde nun gerne soweit gehen, adorno zu zitieren, aus dem kopf:
    „auschwitz beginnt da, wo sich einer hinstellt und sagt, daß sind ja nur tiere“
    oder:
    „ich bremse auch für männer“

    gianno

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  9. Wer mit dem Konzept des „Fremden“ hantiert, etwas, was es in dieser Form nur in Deutschland gibt, hat sich nach meiner Ansicht schon disqualifiziert. aber wenn man das Konzept kurz ernstnimmt, dann muss man feststellen, dass Frau Schrupp mit Fremden herumknutscht, so dass man sich fragt, ob der Widerspruch zwischen der vermeintlichen Fremdheit und der angeblichen Intimität (mit Fremden) ein Gespinnst blühender Phantasie oder nicht überwundener spätpubertärer Neurose ist. Wie auch immer, eigentlich ist das alles doch einfach nur uninteressant – oder?

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  10. @ Elmar Eine Schwäche von Blogger – anders als bei wordpress kann man hier in Kommentare nicht eingreifen, sondern sie nur ganz löschen. Was ich natürlich nicht tun möchte. Daher hier Dein Kommentar noch einmal MIT Deiner Änderung.

    „“Ich finde es betrüblich, dass die meisten Reaktionen auf den Artikel schlicht so gestrickt sind, dass man halt versucht, Antje Schrupp am Zeug zu flicken, ihr Rassismus vorzuwerfen, ihr Verhalten zu kritisieren etc. usw.“

    Das liegt daran, daß es eine systematisch Nähe des Feminismus zu rechten, sexistischen und rassistischen Einstellungen gibt. Zwar gibt der Feminismus vor, diese Dinge zu bekämpfen – was ja auch begrüßenswert ist – doch wie der vorliegende post von Schoppe zeigt, versagt er dabei auf ganzer Line.

    Es geht hier einfach darum zu verstehen, daß Bemühungen um eine bessere Gesellschaft, um weniger Diskriminierung, weniger Rechtsradikalismus, weniger Fremdenfeindlichkeit und weniger Sexismus nichts mit Feminismus zu tun haben – so gern der Feminismus damit auch zu tun hätte.

    Systematisches Versagen gehört einfach nicht in den schwierigen wie auch wichtigen Geschlechterkampf und daher sollte sich der Feminismus, plump und holzschnittartig wie er in seinen kurzbeinigen Ideen daherkommt, aus dem raushalten, wo er nur Schaden anrichten kann: aus dem Interessenausgleich gleichberechtigter Geschlechter.

    Zu versuchen, an Einzelerfahrungen gesellschaftliche Konflikte deutlich zu machen, man in Filmen interessant sein. Doch in einer systematischen soziologisch fundierten Diskussion um die gerechte Verteilungen gehört sowas einfach nicht mehr hinein. Das mag in Schrupp Frauenläden in den 80igern noch durchgegangen sein, aber heutzutage ist das einfach nur noch peinlich und unprofessionell.“

    Ich sehe das übrigens genauso. Wo immer es positive Entwicklungen gibt, gibt es bestimmt auch Feministinnen, die ihren Anteil daran mit Argusaugen entdecken und herausstellen (vgl. Rosin) – wo es aber um die Problematik ihrer Positionen geht, können sie plötzlich nicht mehr so gut gucken, sondern finden, dass doch alles ganz okay aussieht.

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  11. Gut gemacht. Aber trotzdem, es wird niemals gelten.
    Feminismus ist gut und Rassismus ist schlecht. Es geht dabei nicht um Denkweisen, Konzepte oder Taten. Im Namen des Guten darf man grundsätzlich all das machen was man dem Bösen vorwirft. Schliesslich ist es für das Gute und gegen das Böse.

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  12. @ ClaudiaBerlin „die Gefühle und Bedingtheiten des jeweiligen Gegenübers zu respektieren, ohne sich selbst zu verbiegen. Dass sehr junge Menschen dazu kaum fähig sind, liegt auch an der mangelnden Erziehung – es gibt zwar „Sexualkunde“, aber keine Liebes- und Beziehungs-Lehre.“

    Ich glaube nicht, dass das allein die jungen Menschen betrifft. Es gibt jedenfalls tatsächlich keinen Unterricht, der sich gezielt mit Liebesfähigkeit beschäftigt (außer als Spezialthema, wenn entsprechende Texte im Deutsch- oder Philosophieunterricht gelesen werden – aber nicht als generelles Ziel des Unterrichts). Aber immerhin gibt es z.B. Schulen, die sich, manchmal notgedrungen, intensiv mit Gewalt und der Organisation des sozialen Lebens auseinandersetzen, Projekte dazu anbieten, in denen es darum geht, eigene Reaktionen auf Gewalt durchzuspielen, Perspektiven anderer wahrzunehmen etc. In meinen Augen ist gerade der letzte Punkt sehr wichtig.

    Wenn Schrupp einfach nur das Entstehen ihrer Haltung auf der Basis eigener Erfahrungen erläutert hätte, wäre ihr das selbstverständlich überhaupt nicht zu bestreiten gewesen. Ihr Text geht aber darüber hinaus. Das wesentliche Problem, das ich mit ihrem Text habe, ist der Bezug persönlichen Verhaltens auf die Konstruktion des Patriarchats. Hier sind dann Frauen und Männer eben nicht, mit jeweils gleich bedeutsamen Perspektiven, in symbolische Ordnungen verstrickt – sondern die alle umfassende Ordnung wird als eine der Männerherrschaft interpretiert. Dadurch aber können die Perspektiven der Männer nicht mehr die gleiche Wertigkeit haben wie die der Frauen, weil Männer ganz anders als Frauen und in viel größerem Maße gleichsam korrumpiert sind durch die Beteiligung an dieser Herrschaft.

    Das Resultat ist keine prinzipielle Verdammung aller Männer, es gibt ja wie von Zauberhand noch einige „nette“ – aber das Resultat ist, dass Schrupp Männer eigentlich nicht mehr als Menschen wahrnimmt, sondern als Repräsentanten eines menschenfeindlichen Systems.

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  13. @sciencefiles „Wie auch immer, eigentlich ist das alles doch einfach nur uninteressant – oder?“ Natürlich – es gibt intellektuell wesentlich anspruchsvollere und befriedigendere Ideen als feministische Konzepte des Patriarchats, die in meinen Augen tatsächlich eine Art „Fremdherrschaft“ beschreiben – was Frauen praktischerweise aus der gemeinsamen Verantwortung für alle denkbaren sozialen Probleme herausnimmt und die Unübersichtlichkeit von Massengesellschaften nach einfachen Mustern ordnet, die jeder im Prinzip schon aus der frühen Kindheit kennt (Mama-Papa).

    Andererseits: Ich glaube, dass es zu lange vielen Männern und auch Frauen schlicht zu blöd war, sich mit solchen Konzepten auseinanderzusetzen – so dass sie in allen möglichen Institutionen (Unis, Parteien, Gesetzgebung, schulische Bildung, etc.) weitgehend ungestört und ohne ernsthaft herausgefordert zu werden Fuß fassen konnten.

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  14. Es ist wahrscheinlich – das meine ich nicht einmal ironisch – eine Definitionsfrage. Wenn es eine Frau tut, dann ist es kein sexueller Übergriff, weil sich im Handeln der Frau ja nicht dieselben Machtstrukturen ausdrücken wie im Handeln des Mannes.

    Wodurch sich dann wiederum nachweisen lässt, dass diese Machtstrukturen männlich sind.

    Antwort

  15. Stimmt, es dreht sich im Kreis. Allerdings glaube ich, dass das „niemals“ nicht stimmt, Sichtweisen ändern sich mit der Zeit. Auch Rassisten sind oft, so irre das von außen auch erscheint, reinen Herzens davon überzeugt, für das Gute einzutreten, und einst konnten sie damit auch Mehrheiten finden – heute wäre das (zumindest offen) nicht mehr möglich.

    Antwort

  16. @ Klaus T Das hatte ich mir lange überlegt, ich hab es auch mit „Deutsche“ und „Ausländer“ durchgespielt. Es wird dadurch deutlicher, aber ich hatte das Gefühl, es würde zu plakativ werden. Vielleicht war das zu vorsichtig – aber man kann es ja beim Lesen einsetzen, ich glaube, es funktioniert auch.

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  17. @ gianno Es gibt ja gerade eine UN-Kampagne, die unterstellt, die Google-Autovervollständigungs-Funktion würde Frauen vielfach verunglimpfen (http://genderama.blogspot.de/2013/10/alle-manner-sind-lugner-eine.html). Ich habe gerade „Ich bremse auch für M“ und „Ich bremse auch für F“ eingegeben. Im ersten Fall kommen mehrere Versionen von „Ich bremse auch für Männer“ raus, im anderen Fall nur – „Ich bremse auch für Fische“, ein Angler-Aufkleber. Ich hab den Aufkleber schon mehrfach gesehen, auch ein Buch von Janet Evanovich heißt so – und ich hab nie verstanden, wie so etwas als „lustig“ durchgehen kann.

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  18. Ich finde „Fremde“ perfekt, gerade weil nicht eindeutig. Manchen scheint eben auch das andere „fremd“.

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  19. Teil 1
    @Claudia Berlin and @all
    „Ich finde es betrüblich, dass die meisten Reaktionen auf den Artikel schlicht so gestrickt sind, dass man halt versucht, Antje Schrupp am Zeug zu flicken, ihr Rassismus vorzuwerfen, ihr Verhalten zu kritisieren etc. usw. „
    Nun, selbst wenn ich 5 mal von ausländisch aussehenden Jugendlichen in der Metro blöd angemacht wurde, so wird mir auch Frau Schrupp zustimmen, ist dies kein Grund zu Rassismus und Fremdenhass zu neigen, sondern es evtl. mal mit ner anderen Metro zu versuchen… Es ist evtl. eine Begründung für meinen (nicht vorhandenen) Rassismus, mehr nicht. Es wirft ihr auch niemand Rassismus vor, ihre Reflektion wird mit der von Rassisten verglichen. Trotzdem hier nochmals der Realitätscheck… Ach ja, Triggerwarnung: Opfer von Vergewaltigungen, Bisswunden und vom Patriarchat könnten durch meinen Text ganz böse getriggert werden und sich für immer in ihre Seifenblase und Filterbubble zurückziehen. Weiterlesen auf eigenes Risiko!
    „Ich kann mich sogar noch ziemlich genau daran erinnern, wie das bei mir anfing, dass ich Männern gegenüber unfreundlich wurde. Man könnte es auch Einweihung in die unselige symbolische Ordnung des Patriarchats nennen.“ Schrupp
    Sie schreibt dass es dadurch anfing das sie unfreundlich zu Männern wurde. Gibt es noch andere Erfahrungen, nachdem sie unfreundlich zu Männern wurde? Ich meine welche Männer würden denn bitte auf Kontaktanbahnung stehen wenn jemand unfreundlich zu ihnen ist? Also reichte bei Männern ein einziger „Trigger“ und schwups… Mehr ist da nicht, mehr war da nicht und mehr kommt auch nicht. Sie hätte hier aufhören können…
    „Es war beim Rumknutschen mit einem Freund, ich glaube, ich war ungefähr 14 oder so. Wir küssten und streichelten uns, aber an einem gewissen Punkt wollte ich nicht weitermachen. Dieser Freund, EIN SEHR NETTER MENSCH übrigens, reagierte ärgerlich und sagte mir, dass ich so etwas nicht machen könne: erst aufgeilen und dann doch nicht zum Ende kommen. ” Schrupp
    Also, er war ärgerlich, evtl. auch über die von ihm so empfundene Ablehnung von Schrupp? Aber wir gehen ins Vermuten über. Wir wissen er wahr ein sehr netter Mensch (Stockholmsyndrom?), später kommt noch ein Attribut gut hinzu, und er war ärgerlich über das abrupte Ende des Petting … Warum er ärgerlich war erfahren wir nicht. Es reicht aber für Schrupp um daraus zu konstruieren:
    „Ich erinnere mich noch daran, dass mich das damals sehr schockierte, weil ich bis dahin ganz selbstverständlich (in einer vom Patriarchat offenbar noch ungestörten Naivität) davon ausgegangen war, dass Sex zu wirklich jedem Zeitpunkt des Verfahrens von allen Beteiligten einseitig beendet werden kann.“ Schrupp
    Nun, er war verärgert, sie war schockiert, weil sie dachte das Sex jederzeit beendet werden könnte, was er ja nun auch wurde, sonst war er ja kein netter. Dass hierbei aber alle dann Super, Toll schreien müssen, das hat kein Mensch behauptet, dass Menschen eine Situation anders beurteilen oder ganz andere Schlüsse daraus ziehen hat oftmals mit Kommunikation zu tun, weniger mit ihrem Geschlecht. Aber Schrupp war über die Verärgerung des Jungen schockiert, nicht über sein Handeln, denn dieses wurde durch denn netten und guten Mann beendet.

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  20. Teil 2
    „Ich lernte an diesem Tag, dass das ein voreiliger Schluss war. Ich lernte, dass ich damit rechnen muss, dass mein Entgegenkommen, mein Mich Öffnen, meine Freundlichkeit, von Männern (sicher nicht von allen, aber eben doch von welchen, ohne dass ich vorher wissen könnte, ob dieser konkrete Mann, mit dem ich es gerade zu tun habe, dazu gehört) quasi als Versprechen auf “Mehr” interpretiert werden kann. Sogar als Verpflichtung. Dass Männer auf irgend eine mir damals noch unverständliche Weise die Idee entwickeln können, sie hätten irgendwelche “Ansprüche” mir gegenüber.” Schrupp
    Und hier nun die Rückschlüsse aus dieser Fummelei und was Schrupp daraus gelernt haben will… Kurz zur Verständigung, wir reden hier über eine erwachsene Frau mit Studium (Politologie, Philosophie und Ev. Theologie)! Sie trifft auf einen Mann der verärgert über den Abbruch des Petting reagiert, aber aufhört und Schrupp schließt daraus das ein sich öffnen verletzbar macht gegenüber Männern (Lespen scheinen solche Probleme Gottseidank nicht zu haben), das dieses fehlinterpretiert werden kann, das sie auf einen Mann treffen kann der dann nicht aufhört, der auch noch glaubt Ansprüche zu haben… Frauen, so scheint es, sind beim Sex Anspruchslos. Es gab da mal den Witz, der die Frage aufwarf warum Frauen Pornos immer bis zum Ende schauen… Die Antwort, weil sie denken am Ende wird geheiratet. Auch so ein Anspruch aus Sex, nur diesmal anders herum… Aber so ist es nun mal wenn man allein mit ein paar anderen Frauen irgendwo im Patriachat ohne Männer lebt. Nur die anderen sind so, wir sind anders… In Indien werden Männer mit Vergewaltigungsdrohungen in eine Ehe gepresst, in Deutschland wird mit Vergewaltigungsanzeigen Rache geübt, Männer werden ungewollt zu Vätern gemacht, für die sie ein Leben lang zahlen dürfen, oftmals ohne die Kinder zu sehen, und Frauen (aber auch Männer) werden vergewaltigt. Das nennt sich Realität und die passiert Menschen die sich anderen gegenüber öffnen nun mal, die gibt es und die streitet auch kein Mensch ab. Doch Schrupp lernt nur, das Männer mehr wollen könnten als Schrupp bereit ist zu geben… Was man nicht alles so aus pupertärem Petting lernen kann… Nennen wir es Schrupps Pupertäre Petting Prognostik, kurz PPP…
    „Dieser Freund, der älter war als ich, verstand sein Verhalten damals nicht als Sexismus, sondern eher als Warnung. Und möglicherweise war es das auch. Er meinte es gut. Nicht jeder Mann, so warnte er mich, würde in einer entsprechenden Situation ohne weiteres von mir “ablassen”.“
    Er war also verärgert und meinte es gut, der nette, denn er (ein junger Mann, älter als 14 Jahre) weiß wie andere Männer sich verhalten. Also wieder so ein Attribut von nett, also kann bei diesem jungen Mann nicht viel Böses passiert sein. Evtl. wurde er, der junge Mann, ja bereits oftmals von Männern vergewaltigt, weil er das Petting einfach beenden wollte? Wir wissen es nicht, es geht auch nicht aus dem Text hervor… Aber nochmals, es handelt sich um eine erwachsene Feministin die PPP betreibt! Sie ist kein naives Ding von 14 mehr, nein, sie ist heute dass was man eine gestandene Frau nennt… Und sie hat ihre Lebenserfahrung aus einem Petting mit einem jungen netten und guten Mann, der wahrscheinlich das was er sagte selbst geglaubt hat, aber sicherlich nicht über die Erfahrung verfügt, die diese Aussage berechtigt. Evtl. wollte er sich auch nur als netter und guter „weißer“ Ritter hinstellen, frei nach dem Motto, seh, ich bin gut und respektiere und schütze Dich, aber die Welt da draußen, vor der musst Du Dich in Acht nehmen, und für Belohnungspetting beschütze ich Dich… Womit dann Schrupp genau den Prinzipien des angeblichen Patriachats erliegt, in dem sich eine Frau nicht ohne den Schutz und den Rat von Männern bewegen kann.

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  21. Teil 3
    „Auf diese Weise begann es, dass ich unfreundlich wurde, unfreundlich zu Männern. Ich begann auch, Männer zu unterteilen in solche, mit denen ich gegebenenfalls Sex haben könnte und solche, mit denen ich das ausschloss. Und überhaupt nur mit ersteren fing ich irgendeine Art von freundschaftliches Verhältnis an. Ich dachte mir, wenn die mich dann irgendwann vergewaltigen würden, wäre es immerhin nicht so schlimm. Es war sozusagen eine Art kalkuliertes Risiko meinerseits (es gibt alte Tagebuchaufzeichnungen, die beweisen, dass ich wirklich so reflektierte).”
    Nun, ich wurde mal als kleines Kind von 7 Jahren von einem Hund gebissen (um es mit Schrupps Worten zu sagen: Man könnte es auch Einweihung in die unselige symbolische Ordnung der Tierwelt nennen.“), direkt ins Gesicht, mit mehreren Stichen genäht, aber mit einer Urangst Hunden gegenüber wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Ich lebte auf dem Land, es gab viele Hunde und wenn ich mit dem Rad über Land fuhr, kam immer irgendwoher so ein Köter und rannte hinter mir her. Hierauf erhöhte ich das Tempo, was den Jagdinstinkt des Hundes noch weiter anheizte, der bellend hinter mir her lief… Ich hatte Angst vor Hunden, panische. Aber ich wusste immer, dass die Viecher, die hinter mir her rannten nur ein kleiner Teil der Hunde waren. Ich habe nie vermisst mich nicht gegenüber Hunden geöffnet zu haben, wozu auch. Ich konnte gut ohne Hunde leben. Schrupp hingegen findet ihre Unfreundlichkeit Männern gegenüber als schade, da sie keine Kontakte knüpft („‚Erstens, dass ich mich – anders als Nicole – mit ziemlicher Sicherheit gar nicht auf ein Gespräch eingelassen hätte. Und dass ich das eigentlich schade finde.”) Sie kennt hier den Ausgang des Gespräches, einen versauten Abend, trotzdem empfindet sie es als Schade…
    Aber niemals wäre ich auf die Idee gekommen Hunde zu unterteilen in welche von denen es nicht so schlimm ist gebissen zu werden und den anderen hässlichen Hunden… Schrupp dachte aber so. Evtl. könnte man uns Männern ja mal Kriterien mitteilen nach denen man dann ein nicht so schlimmer Vergewaltiger ist, wann ist das Risiko kalkulierbar? Denn nach Nettigkeit kann es ja nicht gehen wenn Sie Männer unfreundlich behandelt und nur die in einen inneren Kreis aufnimmt, wenn sie sich vorstellen kann mit ihnen Sex zu haben… Ich fühle mich gerade ins tiefste Patriachat zurückversetzt wo Richter fragten ob die Frau Lust empfand, und es somit doch nicht so eine schlimme Vergewaltigung gewesen sein konnte. Oder gibt es jetzt für hübsche Männer 1 Jahr weniger bei Vergewaltigung? Das sind aber Punkte die Frau Schrupp mit einem eventuellen #Aufguss des #Aufgusses des #Aufschreis ausmachen muss, nicht mit mir als Vertreter des Patriachats… Der Playboy Eden hat übrigens die gleichen Strategievorschläge. Geh auf ne Party, unterteile alle Frauen in Frauen für ggf. Sex und Frauen die Freundinnen haben für ggf. Sex und den Rest…
    Und nochmals, Schrupp hat EINEN EINZIGEN jungen Mann, der mit dem Petting aufgehört hat, sie schrieb von ihr ablässt (welch eine Formulierung, die eher auf eine Vergewaltigung passt, als auf einen ärgerlichen jungen Mann), obwohl der doch eigentlich ein ganz netter war der es gut mit ihr meinte, der sie nur vor der bösen Welt beschützen wollte (PPP halt). Und solche Frauen wollen eine Quote damit sie an weitreichenden Entscheidungen unserer Gesellschaft genau so beteiligt werden wie wirklich im Leben stehende Personen egal welchen Geschlechtes…

    Antwort

  22. Teil 4
    Ja, es gab bei mir auch ein paar mal die Situation dass ich von mir aus beim Vorspiel die Reissleine zog, auch hier reagierten Partnerinnen verärgert. Auch ich habe den Spruch mit dem heiss machen und dann aufhören bereits gehört. Oftmals ist es gut danach einen Kaffee zu trinken und sich zu erklären wenn man an einer weiterführenden Beziehung interessiert ist, warum man das gerade nicht möchte, das dieses nichts mit der Person gegenüber zu tun hat, sondern mit der Stimmung, dem fehlenden Kondom, fucking to mutch alc oder einfach gerade jetzt nicht passt, dann wird aus dem ärgerlichen Menschen auch schnell wieder ein ganz netter…
    Ach ja, es gibt übrigens ein Gerichtsurteil, in dem eine Person verurteilt wurde, weil diese Person mit dem Ehepartner keinen Geschlechtsverkehr mehr ausüben wollte… Mehrere tausend Euro Schadenersatz mussten gezahlt werden… Übrigens von einem Mann an seine Exfrau! Soviel zu Patriachat, denn das Berufungsgericht und das Familiengericht das dieses Urteil verbrochen haben sitzen zwar in Frankreich, aber sie bestehen zum überwiegenden Teil aus Frauen… Ein schönes Patriachat in dem ein Mann für das nicht einhalten seiner Ehelichen Pflichten mit Schadensersatz belegt wird, fordert er dies aber von seiner Seite aus, so ist diese Forderung bereits mit einer Vergewaltigung zu vergleichen…

    Antwort

  23. Teil 5
    Es geht hier übrigens nicht darum das Frau Sexismus erlebt, sondern das sich der Mann ihr gegenüber nicht genau so verhält wie Prinzessin es möchte. Es geht darum dass er verärgert ist, obwohl sie es nicht ist, es geht darum dass er mehr möchte als sie, es geht darum, wie Schrupp die Erfahrung von Frau von Horst schildert „Nichts wirklich Gefährliches ist passiert, aber die gute Laune war weg, der Abend verdorben.“ Genau, kein Mensch hat das Recht etwas anderes zu wollen als eine Feministin, sonst ist der Abend verdorben, ohne dass ich jetzt die Geschichte von der von Horst kenne, aber Adel und die ihm dienenden Leibeigenen sind für manche sicherlich immer noch ein schönes Lebensmodell, solange man zum Adel gehört…
    Und Rassismus ist nicht wenn ich sage, Schwarze begehen Verbrechen, sondern wenn ich suggeriere das nur Schwarze oder Schwarze Menschen mehr verbrechen begehen, eben weil sie Schwarz sind. Das ich ähnliche Situationen erlebt habe wie Schrupp, wird sie mir sicherlich noch glauben, aber im Gegensatz zu ihr, bin ich ein Mann und immer Herr der Situation, auch wenn ich Alc gesoffen habe, krank bin oder sonst was. Das sie das mit dem netten und guten jungen Mann, der ja auf Aufforderung aufgehört hat, nicht war, liegt aber nicht daran das er das nicht wollte, sondern das sie das nicht konnte. Daran ist nicht der Mann schuld, sondern ihre Persönlichkeit… Deshalb leiten wir jetzt eine Schweigesekunde ein, in der wir uns mit Schrupp solidarisieren und das böse Patriachat verfluchen um uns dann wieder ungestört den wichtigen Dingen im Leben hin zu wenden wie z. B. Petting… Wenn Schrupp dann schreibt dass sie es schade findet dass sie sich Männern nicht öffnen kann, dann ist das in meinen Augen ein Fall für den Psychiater (ohne ihr irgendwelche krankhaften Störungen zu unterstellen), denn wer sich Menschen öffnet kann enttäuscht werden, von seiner Exfrau genau so wie vom Exmann, aber auch von seinem besten Freund wie von seiner zweitbesten Freundin oder wie 40.000 Kinder die jährlich in Pflegefamilien eingewiesen werden, von ihren Eltern oder oftmals auch nur von ihren Müttern, während Väter ohne Sorgerecht hilflos zusehen müssen. Wer sich verschließt, kann keine Erfahrungen machen, auch nicht die, dass dann der drittbeste Freund ankommt und einem aus dem Tief herausholt. Das ist das eigentlich tragische an Schrupp, die sich hier zwar Frauen explizit öffnet, aber aus feministischen Urängsten sich vor Männern verschließt. Die gleichen Urängste die Rassisten in ihren Filterbubbles gegenüber Schwarzen (oder gelben oder braunen oder grünen) haben… Genau so wie jemand der gerne London sehen möchte, aber Angst hat vor Anschlägen der IRA. Manchmal muss man ein Risiko eingehen, auch ohne zu kalkulieren… Wo diese Urängste von Schrupp herkommen, aus dem Elternhaus, aus ihrer Religiösität oder durch den Feminismus kann hierbei ein Psychiater am einfachsten herausfinden, vorausgesetzt Frau Schrupp ist bereit sich zu öffnen und ggf. auch enttäuscht zu werden, in diesem Fall von ein(em/er) PsychiaterIn oder im für sie schlimmsten Fall vom nicht vorhandenen Patriachat und vom gelebten Feminismus…
    Trigger ende
    Gruss
    Kai

    PS:
    Sorry, ist etwas länger geworden, ich fand aber das Du, Lucas, diesmal einige Gesichtspunkte nicht betrachtet hast… deshalb mal mehr zum lesen…

    Antwort

  24. Dem „Andererseits“ stimme ich voll zu. Das ist mit Sicherheit so, meine Sorge ist nur, dass man durch zu viel Aufmerksamkeit bei entsprechend Neurotischen, und Frau Schrupp scheint mir in hohem Maße neurotisch zu sein, den Eindruck erweckt, Sie seien normal. Aber vielleicht ist das einfach nur eine Frage des Framings des entsprechenden Beitrags…

    Antwort

  25. Bereits bei der Carta-Geschichte wurde deutlich, dass Schrupp nicht nur unfreundlich sondern – und das wiegt schwerer – totalitären Geistes ist. Darüber hinaus ist die Art und Weise wie Schrupp Angela Merkel als einen „Meilenstein des Feminismus“ chlorifiziert, eher ein Meilenstein in Sachen Dämlichkeit.

    http://www.freitag.de/autoren/jana-hensel/ein-feministischer-meilenstein

    Antwort

  26. @ Kai … großartig geschrieben, auch wenn ich es für eine Energieverschwendung halte, jemanden bzw. so etwas soviel Raum zu geben, aber deine Kommentare sind einfach nur sehr zutreffend und wichtig.
    Ich lese hier sehr gerne und oft mit, bin aber eher selten jemand die kommentiert, aber dies wollte ich doch gerne loswerden.
    Gruß
    Velosoph

    Antwort

  27. Lieber Kai,

    vielen Dank für deinen langen und sehr differenzierten Kommentar! Hab ich eigentlich schonmal darauf hingewiesen, dass ich auch gern Gastartikel annehmen würde? (Hab ich mal irgendwo in den Kommentaren gemacht, aber das geht natürlich unter mit der Zeit – ich muss es mal deutlicher kenntlich machen) 🙂

    „Kurz zur Verständigung, wir reden hier über eine erwachsene Frau mit Studium (Politologie, Philosophie und Ev. Theologie)!“ Das ist für mich einer der wesentlichen Punkte der ganzen Geschichte, und einer, der typisch ist für viele feministische Argumentationen. Mag ja sein, dass sie mit 14 erschrocken, geschockt war, angeekelt meinetwegen – aber sie hätte ja mittlerweile natürlich Zeit gehabt, das ein wenig anders einzuordnen.

    Bei Traumatisierten gibt es meines Wissens das Phänomen der Dissoziation – sie rutschen gewissermaßen innerlich zurück in die Zeit, in der sie traumatisiert wurden, und verlieren den Kontakt zur Gegenwart. Unterschwellig macht Schrupp ihren Leserinnen (denn Leser interessieren sie kaum) klar, dass sie hier traumatisiert wurde. Warum? Weil ein Junge dachte, sie würde mit ihm schlafen wollen – und sich die Enttäuschung anmerken ließ, als sich das als falsch herausstellte. Welche Chance haben Männer eigentlich, auf Dauer und im Schnitt, eine Frau NICHT zu traumatisieren?

    Und noch wichtiger – die ganze Geschichte baut auf einer hingebungsvollen Selbst-Infantilisierung (oder Juveniliserung). Egal, welche Ausbildung und Erfahrung die erwachsene Frau auch hat, sie kann in jeder Situation wieder in die Rolle des jungen Mädchens schlüpfen und Schutz erwarten. Und DAS ist feministisch, macht Frauen stark, fordert Männern ab, Gleichberechtigung anzuerkennen? Natürlich ist es eigentlich nur eine Fortsetzung konservativer Geschlechterprofile (obwohl eben das möglicherweise feministisch ist…).

    „Womit dann Schrupp genau den Prinzipien des angeblichen Patriachats erliegt, in dem sich eine Frau nicht ohne den Schutz und den Rat von Männern bewegen kann.“ Es wird ja auch nie klar, worin das „Patriarchat“ eigentlich besteht – soll es auch nicht. Gäbe es klare Kriterien, könnte ja auch einmal klargestellt werden, wann eine Gesellschaft KEIN Patriarchat ist. Wie unsere zum Beispiel.

    Antwort

  28. „Evtl. könnte man uns Männern ja mal Kriterien mitteilen nach denen man dann ein nicht so schlimmer Vergewaltiger ist, wann ist das Risiko kalkulierbar?“ Das ist einer der Punkte, die ich kaum beachtet habe, weil ich damit nichts anfangen konnte. Offenkundig will Schrupp hier klarstellen, dass Frauen gar keine andere Chance des Verhältnisses zu Männern haben, als eine mit großer Wahrscheinlichkeit in Bälde verübte Vergewaltigung einzukalkulieren. Und dann sollte es bitte wenigstens ein – was? – netter, hübscher Vergewaltiger sein?? Der Punkt ist hier in meinen Augen: Wenn man eine allumfassende Macht beschreibt, wie die des „Patriarchats“, unter der man angeblich leben müsse, dann gibt man sich keine vernünftigen Handlungsoptionen mehr. Was praktisch ist – denn dann kann man jeden Blödsinn tun, sagen oder schreiben und hat keine Verantwortung dafür.

    „Ja, es gab bei mir auch ein paar mal die Situation dass ich von mir aus beim Vorspiel die Reissleine zog, auch hier reagierten Partnerinnen verärgert.“ Das ist mir ein anderer sehr wichtiger Punkt. Ich kenne das genauso. Und natürlich, was ja auch verständlich ist, reagieren Frauen im Allgemeinen nicht hocherfreut ob der männlichen Sensibilität und Kommunikationsbereitschaft, die sich doch in so einer Absage ausdrückt. 😉 Keine Notwendigkeit irgend eines Perspektivwechsels aber bei Schrupp – denn in der entsprechenden weiblichen Verärgerung würde sich ja, anders als in der männlichen, keine patriarchale Gewaltordnung ausdrücken, also wäre sie was ganz anderes.

    „Wenn Schrupp dann schreibt dass sie es schade findet dass sie sich Männern nicht öffnen kann, dann ist das in meinen Augen ein Fall für den Psychiater (ohne ihr irgendwelche krankhaften Störungen zu unterstellen), denn wer sich Menschen öffnet kann enttäuscht werden“ Das ist ein interessanter Punkt, der mir gar nicht aufgefallen war. Schrupp schreibt über Öffnung und den Wunsch danach, aber in ihrem ganzen Text geht es allein ums Verschließen und Abschließen. Aber eben um keines, das auf Traumata beruht – sondern um eines, das auf der Annahme beruht, in einer patriarchalen Ordnung zu leben, in der es eine radikale Trennung von Männern und Frauen geben müsse.

    Und auch da hast Du Recht – wer sich öffnet, kann verletzt werden – wäre das nicht so, müsste man sich nicht öffnen, denn dann könnte man ja permanent offen rumlaufen. Auch da inszeniert Schrupp wieder eine unterschwellige Selbst-Infantilisierung – andere sind dafür verantwortlich, sie vor ganz normalen Lebensrisiken zu schützen.

    Es stimmt eigentlich, was in den science files-Kommentaren hier steht– dass jemand wie Schrupp diese ausdauernde Beschäftigung gar nicht verdient. Eigentlich ist es ein Füttern des gigantischen Egos, das sich in ihrem Text ausdrückt, wenn wir uns hier lange damit aufhalten. Aber – es ist eben nicht nur Schrupp. In dem, was sie schreibt, drücken sich in meinen Augen Pathologien aus, die das Geschlechterverhältnis – zumindest, wenn es mit feministischen Vorzeichen versehen ist – häufig prägen. Deshalb springen wohl auch so viele darauf an.

    Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich hab ihn, trotz des Themas, auch mit Vergnügen gelesen. 🙂

    Antwort

  29. @ ReVolte Danke für den Link – ich kannte das Interview nicht.

    „Wir sollten öfter sagen, dass die Faszination, die von ihr ausgeht, damit zusammenhängt, dass sie eine Frau ist. / … aber offenbar gelingt es den Männern immer noch, sich da in den Vordergrund zu spielen. Wer hat denn im Wahlkampf über Katrin Göring-Eckardt geredet, es ging nur um Jürgen Trittin / Für Männer ist dieses Brimborium Teil ihrer Faszination für Macht. / Es ist ja nicht zu übersehen, dass sie auf diese männlich konnotierten Machtspiele verzichtet, auf diese symbolischen Gesten der Macht. / Politiker wie Gerhard Schröder oder Joschka Fischer hatten ihr Charisma stark mit Männlichkeit aufgeladen. Und Angela Merkel symbolisiert etwas anderes, was viele nachhaltig irritiert. Sie können nicht verstehen, warum sie so erfolgreich ist. Mich dagegen wundert das kein bisschen.“

    Wäre nicht allüberall klar, dass Sexismus allein männlich sein kann, könnte man Schrupp glatt für eine Sexistin halten.

    Antwort

  30. Komischerweise habe ich noch keinen Mann behaupten hören, er würde täglich, grundsätzlich und immer versuchen Alle ihm unbekannte und (!) für ihn unattraktive Frauen freundlich anzulächeln. Wäre ja auch Quatsch, würd ihm eh keiner abnehmen.

    Gefragt, warum nicht, würde der durchschnittliche Mann wohl sowas antworten wie: Einfach weil.

    Über den Vorwurf, dies Verhalten sei Sexismus oder gar Rassismus, würd er nichtmal ne Sekunde ernsthaft nachdenken.

    Er will nix von ihnen, sieht von ihnen ausgehend aber auch keinerlei Gefahrenpotential, und er weiß ja auch bitteschön um sein Recht, selbst zu entscheiden, wann und auf wen er wie zugehen will.

    Ende und gut.

    Oder?

    Antwort

  31. Mit anderen Worten: das wirklich interessante ist nicht, wie Frau Schrupp so „unfreundlich“ wurde (wie notabene jeder x-beliebige Mann).

    Spannend ist die Frage, wann, warum und wie sie verinnerlicht hat, dass sie immer jedem gegenüber freundlich zu sein habe.

    Antwort

  32. @ sciencefiles Ja, die Sorge ist sicher berechtigt – wir füttern Schrupp regelrecht. Was sie schreibt, ist sicher nicht normal unter gängigen Kriterien geistiger Gesundheit (ich möchte nicht wissen, wie eine Frau mich heute anschauen würde, wenn ich sagte, ich könne mich Frauen nicht öffnen und ihnen gegenüber nicht freundlich sein, weil eine Freundin von mir mal sauer war, als ich als Vierzehnjähriger nicht mit ihr schlafen wollte).

    Normal im Sinne einer ziemlich üblichen Anspruchshaltung ist es aber schon. Oder, wie Kai das in seinem langen Kommentar unten schreibt: „Und solche Frauen wollen eine Quote damit sie an weitreichenden Entscheidungen unserer Gesellschaft genau so beteiligt werden wie wirklich im Leben stehende Personen egal welchen Geschlechtes…“

    Antwort

  33. Zumal Politik komplett hinter Schrupps „Faszination Frau“ verschwindet. CDU oder Linke? Wurscht, Hauptsache Frau. Mit der gleichen Begeisterung könnte so auch die „erfolgreiche“ Marie LePen abgefeiert werden.
    „Wir sollten öfter sagen, dass die Faszination, die von ihr ausgeht, damit zusammenhängt, dass sie eine Frau ist.“ Und bloß nicht Hollande und sein igitt männliches „Brimborium“.
    Wie gesagt, ein Meilenstein der nachhaltigen Dämlichkeit. Und bezeichnend, dass sie damit bei den Medien durchkommt.

    Antwort

  34. „Spannend ist die Frage, wann, warum und wie sie verinnerlicht hat, dass sie immer jedem gegenüber freundlich zu sein habe.“ Das hat sie aber natürlich nicht. Möglicherweise läuft die Argumentation darauf hinaus, Frauen würden es lernen, jederzeit freundlich sein zu müssen. Das sehe ich allerdings nicht so: Weder müssen Frauen jederzeit freundlich sein, noch hab ich bei allzu vielen Frauen das Gefühl, sie hätten das verinnerlicht.

    Jedenfalls ist das in meinen Augen nicht das Problem, das Schrupp darstellt. Sie schreibt ja nicht darüber, immer freundlich sein zu müssen, sondern darüber, dass sie sich lieber öffnen würde, dass sie lieber weniger „schlechte Stimmung“ verbreiten würde, etc. Es sind aber für sie eben die Männer, bzw. die männlich dominierte Ordnung, die dem entgegenstehen.

    Und damit wird der Text für mich sehr wohl problematisch, denn Schrupp nutzt Unterstellungen an Männer (und zwar bis zum Beleg des Gegenteils an alle), sie würden blind „patriarchale“ Gewaltstrukturen repräsentieren, um die Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu delegieren.

    Antwort

  35. „„Bei sexuellen Übergriffen handelt es sich eindeutig um einen bestimmten, in unserer Kultur vielfach gepflegten Akt der Konstruktion von Männlichkeit, der sich schier unendlich in Literatur und Kulturproduktion generell belegen lässt.“ (Schrupp)

    Spannend finde ich hier, dass sie als Belege für ihre These Literatur und Kulturproduktion heranzieht. Das klingt nach einem deutlich unempirischen Ansatz. Es wird gelesen und geschaut. Aber niemand spricht mit den Männern. Sondern man liest, was andere über Männer schreiben. Ohnehin ist der Bezug auf „Kulturproduktion“ problematisch. Was sagen Filme und Bücher eigentlich über Männer aus? Würde man das Kino als Tatsachenbeschreibung annehmen, müsste man davon ausgehen, dass auf unseren Straßen ein permanenter Krieg herrscht. Das ist offenkundig falsch. Aber wenn das falsch ist, kann man „Kulturproduktion“ wohl kaum als einen Beleg dafür heranziehen, wie sich Männer als ebensolche verstehen. Es ist noch weniger ein Beleg dafür, wie sich Männer verhalten.

    Dann sagt sie, sexuelle Übergriffe seien ein Teil der Männlichkeitskonstruktion. Das wäre beweispflichtig. Das ist nämlich ein harter Vorwurf. Aber wie kann man das beweisen? Man müsste schon schauen, wie Männer erzogen werden, welche Handlungsregeln ihnen auf den Weg gegeben werden. Nach Schrupps Behauptung sei es ja so, dass Männer zur Herstellung ihrer Männlichkeit auch sexuell übergriffig wären. Also hätte es da auch Sozialisationsagenten geben müssen, die ihnen sagen: „Hol Dir, was Du willst“ oder „Scher Dich nicht um den Widerstand der Frau“.

    Ich halte das aber für äußerst unwahrscheinlich. Wäre dem so, wäre wohl auch die Mehrheit der Männer übergriffig. Aber welche Eltern bringen solche Dinge ihren Kindern bei? Normalerweise erziehen wir unsere Kinder zur Unterordnung, zur Anpassung und zu einem halbwegs höflichen Umgang („Sag guten Tag zu…“, „Hast Du nicht vergessen, danke zu sagen?“ „Wie heißt das Zauberwort? Bitte!“). Die meisten Eltern mögen es nicht, wenn ihre Kinder sich einfach holen, was sie wollen. Ich denke, das wird letztlich maßgeblich sein auch für das Verhalten zwischen den Geschlechtern.

    Antwort

  36. Die „Weiblichkeit“ Merkels ist doch nichts weiter als ihr öffentliches Erscheinungsbildes, also eine Form ihrer medialen Inszenierung. Wir erfahren durch die Medien nur wenig, wie Frau Merkel letztlich tatsächlich regiert, welche Entscheidungen sie trifft und wie sie sie durchsetzt. Schließlich wird der Verzicht auf „Brimborium“ alleine noch kein Mittel sein, wie man seine Widersacher bezähmt. Dass sie ihre Rivalen bezähmt, ist bekannt. Sie hat etliche Konkurrenten aus dem Weg geräumt. In der Konsequenz ist es wohl egal, ob sie es freundlich-lächelnd tat oder ob sie dies mit „Brimborium“ untermalte: Merz oder Röttgen hatten ihren Hut nehmen müssen, gegen ihren Willen. Und das ist das Entscheidende an Machtverhältnissen, dass jemand etwas gegen jemand anderen durchsetzen kann. Der Habitus ist dabei zweitrangig. Merkel nutzt Macht und sie herrscht, das auch gegen andere und ich kann darin jetzt keine besondere, weil geschlechtsspezifische Qualität erkennen.

    Antwort

  37. Wäre ich ein misstrauischer Mensch, würde ich Folgendes sagen:
    Antje Schrupp legt sich eine für sie und ihre feministischen Freunde wohlklingende Ausrede zurecht, nur mit solchen Männern zu verkehren, die sie sexuell attraktiv findet. Das Lebensunwertes Leben, die anderen Männer, zum Beispiel Alte Säcke, muss sie so nicht beachten, vulgo: keine Zeit auf sie verschwenden.
    Dass sich das Verhalten von Antje Schrupp voll als hyperegoistisches Eigeninteresse deuten ließe, wäre sicherlich reiner Zufall.
    Aber, Gott sei Dank, ich bin nicht missstrauisch. Sonst würden mir auch die vielen Parallelen zur stockkonservativen Bürger“dame“ einfallen, die nur Verkehr, im doppelten Sinne, mit ihresgleichen haben will.

    Völlig unabhängig davon habe ich auch eine Anekdote zu erzählen:
    Kürzlich beobachtete ich aus der Ferne, wie ein Handwerker in einem Büro, das sich mehrere Frauen teilen, etwas reparieren wollte. Er war wahrscheinlich sogar von den Frauen gerufen worden, genau weiß ich es aber nicht. Auf jeden Fall beobachtete ich aus der Ferne, wie der Mann eine Frau mittleren Alters geschlagene 3 Mal ansprechen musste, bevor sich die Frau dazu bewegte, ihn überhaupt zur Kenntnis zu nehmen oder ihm zu antworten. Nachdem er während des Fragens einen Stecker in der Hand hielt, vermute ich, er fragte nach einer Steckdose.

    Und zu guter Letzt fällt mir noch ein, dass das Verweigern von Kommunikation oder das Annerkennen einer Person durch Blicke a) typisch weiblich ist und b) eine Form von Gewalt.

    Antwort

  38. Ehrlich gesagt hatte und habe ich keine Lust, mich zum Inhalt dieser laufenden Debatte zu äußern. Einige Bemerkungen über die Debatte als solche und die Resonanz, die der Schruppsche Post ausgelöst hat, scheinen mir umso wichtiger.

    1. Gegenstand des Schruppschen Posts sind bestimmte private Problem von Frau Schrupp, die sie verallgemeinert und zu einem Politikum stilisiert. So what, oder mein Beileid, würde man eigentlich sagen. Stattdessen suchen etliche andere Blogs, alle Facetten des tieferen Sinns in diesem Text des Orakels aus 60316 Frankfurt am Main zu ergründen oder ihn – wie hier – zu widerlegen. Agenda Setting at its finest. Die Macht einer Ideologie zeigt sich u.a. daran, Themen der Debatten festlegen und die mentalen Radarschirme der aktiven Teilnehmer füllen (um nicht zu sagen vollspammen) zu können.

    2. Oberthema des Schruppschen Posts sind die pubertäre Beziehungsanbahnung und die dabei üblichen Probleme und Pannen. Ein nicht gerade neues Thema, sondern seit ca. 2000 Jahren immer wieder aktuell und Gegenstand von ca. 2 Buchregalmetern Beziehungsratgebern und gefühlten 100 Regalmetern Weltliteratur über Liebe, Herzensschmerz, Jugend, Initiation usw., nicht zu vergessen Dr. Sommer von der Bravo. Wobei Dr. Sommer nach meinem Eindruck die Probleme weitaus besser als Frau Schrupp verstanden und auch die besseren Ratschläge hat, wie man die Probleme löst.

    Was zur Frage führt, ob Beziehungsanbahnung tatsächlich das zentrale Thema des Feminismus ist und der Feminismus dieses Problem nach 2000 Jahren endlich lösen wird.
    Oder ob das ganze nur ein Nebenkriegsschauplatz ist, bei dem jeder ein paar eigene emotionsgeladene Erfahrungen beisteuern kann und ein klein wenig Dr. Sommer imitiert.
    Und ob diese Debatte nicht von den wirklich relevanten Themen wie z.B. der feministischen Unterwanderung der Demokratie ablenkt.

    Antwort

  39. „Weder müssen Frauen jederzeit freundlich sein, noch hab ich bei allzu vielen Frauen das Gefühl, sie hätten das verinnerlicht.“

    Also müssen sie es nicht, werden aber angepflaumt (freundlich gesagt), sobald sie zugeben es nicht zu sein?

    Antwort

  40. Borderline-artige Muster zu analysieren kann einen selbst fast verrückt machen.

    Offenbar neigen Frauen zu dieser Form der eher indirekten, aber enorm destruktiven Gewaltform der entgrenzten Verantwortungsverschiebung, Projektion und Anmassung. Im Kollektiv ergibt das dann wohl Feminismus.

    Antwort

  41. „Antje Schrupp legt sich eine für sie und ihre feministischen Freunde wohlklingende Ausrede zurecht, nur mit solchen Männern zu verkehren, die sie sexuell attraktiv findet.“

    Noch besser: Sie lässt sich von der Gesellschaft helfen, den abgelehnten Mann auch ganz sicher loszuwerden. Denn der wird ja als „übergriffig“ skandalisiert. Also wird er verurteilt, geächtet oder gar ganz handfest in die Schranken gewiesen. Frau Schrupp hat nicht nur eine Ausrede entworfen, sie hat auch einen Handlungsdruck für ihr gesellschaftliches Umfeld geschaffen, welches „Übergriffigkeit“ nicht dulden solle. Auf diese Weise selektiert sie die Bewerber nicht nur, sie setzt ihre Selektionsentscheidung durch.

    Zumindest könnten misstrauische Menschen das so sehen 😉

    Antwort

  42. @anonym, kennst den Unterschied zwischen „müssen es immer sein“ und „bringen eine hanebüchene Begründung, es nie zu sein“?
    Falls ja ist es mir unerklärlich, wofür oder gegen du versuchst zu argumentieren.

    Antwort

  43. @Velosoph
    Danke an den Radfahrenden Denker!!!

    @Lucas

    An Gastkommentar hatte ich überhaupt nicht gedacht, gerade auch, weil Du das Thema schon beackert hast 😉 – Aber, da ich ja Deinen Kommentarbereich zuspammen durfte …

    Ich finde die Beschäftigung mit diesen Schrupp Text im übrigen überaus wichtig, denn Schrupp wurde durch genau solche Texte sozialisiert und in ihrer Einstellung gefestigt, das zeigen auch die Komentare unter dem Blog. Da ist nicht dieses pupertäre Petting, es war und ist ihr Umfeld das sie zu dem gemacht hat was sie ist… Diese kleinen „Anekdoten“ die jeder von uns berichten kann, werden dann nur als Verstärker genommen, sieh her, auch mir ist was passiert…

    Wenn man dann mal genauer liest und nachdenkt sieht man, dort ist nichts, oder wie Du es mal ausdrücktest, der Kaiser ist nackt. Schrupp hat sich hier auch gerade ausgezogen und schreit, seht her meine tollen Kleider… Und erschreckend,

    Sinniger Weise findet man in einem ihrer Texte folgendes: „Wie konnte es dazu kommen, dass Frausein mit komplett sinnfreiem Geblubber assoziiert wird?“
    Ganz einfach, wenn ein intelligenter Mensch auf eine Frau trifft, die trotz Studium einen solchen Text wie Schrupp schreiben und publizieren kann ohne irgendwelche Ironietags, dann bleibt einem oftmals nichts anderes übrig… Denn auch Männer können manchmal nicht anders als von einer Frau auf alle Feministinnen zu schliessen…

    Du schreibst:
    „Das ist einer der Punkte [netter Vergewaltiger], die ich kaum beachtet habe, weil ich damit nichts anfangen konnte. Offenkundig will Schrupp hier klarstellen, dass Frauen gar keine andere Chance des Verhältnisses zu Männern haben, als eine mit großer Wahrscheinlichkeit in Bälde verübte Vergewaltigung einzukalkulieren. Und dann sollte es bitte wenigstens ein – was? – netter, hübscher Vergewaltiger sein??“
    Nun, ich denke sie will uns hier ihre Angst als kleines Mädchen mitteilen, die sie bis heute noch hat, die sie haben musste, weil sie ja in einer solch bösen männlichen Welt lebt. Irgenjemand wollte mir mal Kastrationsangst einreden, bei den Feministinnen gibt es Vergewaltigungsängste, die Frauen alles erlauben und die ihnen nur durch Schutzräume (wie Du auch schon mal angemerkt hast) genommen werden können…
    Nicht umsonst müssen Statistiken mit 50% „vergewaltigten“ Frauen herhalten… Nicht umsonst sagt eine #Aufguss-Mitbegründerin auf die Frage: „Was war das schönste was sie von einem Mann an der Bar gehört haben?“ – „Nichts, ich habe noch nie von einem Mann an der Bar was schönes gehört.“

    Es würde in diesem Fall ein T-Shirt reichen auf dem Draufsteht, „Ich möchte von Männern in Ruhe gelassen werden“ oder einfach „Feministin“. Ja, es kann nervig sein einen oder mehrere Verehrer abzuwimmeln, ja, es gibt Frauen die wollen gerne allein leben, aber das kann nicht bedeuten, das sie jeden Raum einnehmen und ihren Regeln unterwerfen… Eine Bar ist nun mal ein Ort wo man auch Kontakte knüpft, auch zu Frauen… Aber das möchte Schrupp hier, ich bin das Mass, ich brauche über den Unsinn den ich schreibe nicht nachdenken, denn ich bin bei den guten. Das das was sie schreibt, bei ein wenig Überlegung nur Nonsens ist, geht ihr garnicht erst auf. Ja wir brauchen Schutzräume, wo wir vor solchen Feministinnen geschützt werden!

    In einer Antwort auf einen Kommentar schreibt Sie selbt:
    „Ja, das wäre natürlich toll, wenn sich die Verhältnisse im Vergleich zu vor 20,30 Jahren verändert hätten und der Preis, den Frauen fürs Freundlichsein gegenüber Männern zu bezahlen haben, nicht mehr so hoch wäre. Manchmal habe ich auch den Eindruck, aber das kann natürlich auch daran liegen, dass ich in zwischen fast 50 bin und nicht mehr 20 🙂 _ Andererseits, wenn ich so #aufschrei mitgelesen habe, dann zweifle ich daran auch wieder.“

    Sie hat NULL Erfahrung, sie kennt jemanden der einen kennt der gehört hat das… Thats it! Und sonst, nichts, nothing, nada, riente…

    Antwort

  44. @man.in.th.middle Was tatsächlich stört (und ja auch andere Kommentatoren), ist, dass Schrupp mit ihren privaten, enorm hochgespielt wirkenden Befindlichkeiten die Phantasien von so vielen okkupiert. Nicht nur hier – allein die Kommentare bei Alles Evolution zu Schrupp würden viele hundert Seiten ergeben, wenn man sie auf DIN-A-4-Blätter kopieren würde.

    Weshalb das so interessant für viele ist, ist aber wiederum eine interessante Frage, und ich fänd es nicht überzeugend, sie allein damit zu beantworten, dass hier die Leser manipuliert und von Wichtigerem abgelenkt würden.

    Schrupp (so meine Erklärung) beschreibt eigentlich eine Inititationserfahrung, aber eine pervertierte: Die Einführung der jungen Antje in die Schrecken des Patriarchats. Anders als bei anderen Initiationsgeschichten aber ist der Eintritt in die Welt kein Gewinn, sondern nur ein Verlust – für sich allein, in sich ruhend, bei sich war sie schon vollständig, die patriarchale Welt reißt sie da nur heraus. Auf mich wirkt das ausgesprochen narzisstisch und rückwärtsgewandt – eben das spricht aber möglicherweise viele an.

    Und offenkundig haben mit Frauen, die sich ihr Leben so konstruieren, mittlerweile viele Männer mehr oder weniger bittere Erfahrungen gesammelt – jedenfalls springen viele (ich auch) darauf an. Massiv moralisch abgewertet zu werden aufgrund von Handlungen, die mit keiner bösen Absicht verbunden waren – beliebige und massive Unterstellungen hinsichtlich der Motive des eigenen Handelns zu erleben – für „das Patriarchat“ die Verantwortung übernehmen zu müssen, ohne jemals so recht zu verstehen, was das eigentlich sein soll – oder Ähnliches gehört möglicherweise heute ihrerseits für Männer zur ganz normalen Initiation.

    Ich meine das gar nicht selbstmitleidig – es kann aber sein, dass vielen Männern Ausführungen wie die von Schrupp viel zu lange schlicht viel zu blöd waren, als dass sie sich offen damit auseinandergesetzt hätten (siehe die kurze Diskussion mit „sciencefiles“ hier). Das aber trägt gerade zur Unterwanderung demokratisches Strukturen bei.

    Deshalb finde ich es schon an der Zeit, das Männer – und Frauen, die anders drauf sind als Schrupp und co. – klarer Position dazu beziehen. Auch wenn man sich zwischendurch immer wieder fragt, ob das die Mühe eigentlich wert ist.

    Antwort

  45. „Also müssen sie es nicht, werden aber angepflaumt (freundlich gesagt), sobald sie zugeben es nicht zu sein?“ Es ist ja kein „Zugeben“, sondern ein Zuweisen. Du bist Schuld, dass ich unfreundlich bin, dabei würd ich eigentlich gern freundlich sein.

    Da finde ich Widerspruch (der ja nicht unbedingt ein „Anpflaumen“ sein muss) absolut gerechtfertigt und nötig. Sie darf unfreundlich sein, nimmt ihr keiner – aber wenn sie es ist, ist das ihre Sache und ihre Verantwortung. Nicht die eines einzelnen Jungen und auch nicht die „patriarchaler Strukturen“.

    Antwort

  46. „ein bestimmter Akt der Konstruktion von Männlichkeit“ – das ist wohl bewusst unbestimmt gelassen. Nach dieser Vorstellung sind es wohl andere Jungen, die Jungen in die Übergriffigkeit einführen…oder die Väter als Modelle… Die Vorstellung ist tatsächlich: Zur Männlichkeit gehört die sexuelle Übergriffigkeit nicht nur, sie konstruiert die Männlichkeit regelrecht.

    Der Umgang mit kulturellen Produkten, mit Literatur, Bildern, Filmen etc. ist hanebüchen. Natürlich können die nicht einfach als passgenaue Darstellung des alltäglichen Lebens interpretiert werden – man kann sie eigentlich nur verstehen, wenn man akzeptiert, dass sie immer schon selbst Interpretationen sind. Das müsste eigentlich selbstverständlich sein…

    Außerdem sind „Männlichkeitskonstruktionen“, wenn schon dieser Begriff verwendet wird, sehr viel vielfältiger und widersprüchlicher, als Schrupp das darstellt. Eigentlich redet sie wie jemand, der ein paar Chuck Norris-Filme gesehen hat und denkt, er kenne deshalb jetzt die ganze Filmgeschichte.

    Antwort

  47. @ Haselnuss „Völlig unabhängig davon“ Seltsamerweise passt die Anekdote trotzdem ausgesprochen gut 🙂

    Das ist ein sehr interessanter Gedanke – ob sich nicht viele feministische Stellungnahmen neu interpretieren, „reframen“ ließen, wenn sie als Signale der Abgrenzung einer distinguierten Oberschicht gegen eine grobe Unterschicht gedeutet würden.

    Dazu passt auch die standhafte Verweigerung einer gemeinsamen Ebene, eines Perspektivenwechsels und der Überlegung, ob das eigene Verhalten aus der Perspektive des anderen nicht AUCH ziemlich unangenehm sein könnte.

    Dass dabei „Handlungsdruck“ für das gesellschaftliche Umfeld geschaffen wird, dass insbesondere der Staat zum Schutz der Distinguierteren eingreifen muss – das rundet das Bild natürlich schön ab.

    Antwort

  48. „Das ist ein sehr interessanter Gedanke – ob sich nicht viele feministische Stellungnahmen neu interpretieren, „reframen“ ließen, wenn sie als Signale der Abgrenzung einer distinguierten Oberschicht gegen eine grobe Unterschicht gedeutet würden.“
    Ich denke, die wesentliche Unterscheidung ist attraktiv/unattraktiv, wobei Ober- und Unterschichtszugehörigkeit in diese Attraktivitätsmerkmale sicherlich hineinspielen und damit zusammenhängen.
    Mehrere Gründe: 1. Die Unterscheidung attraktiv/unattraktiv ist die Dichotomie, die Antje Schrupp setzt. 2. Der kübelweise Hass der über „Alten Säcken“ und allem Unattraktivem (und Deviantem [Obdachlose]) ausgeschüttet wird. 3. Wie du so schön aaO sagtest: Ist der Mann attraktiv, schafft die Frau es selbst „Geile Titten!“ in einen konstruktiven und wertvollen Gesprächsbeitrag zu verwandeln.

    Es ergibt ja irgendwo 'Sinn', dass das Geschlecht, das wesentlichen Wert auf seine Äußeres legt und aus seinem Äußeren wesentliche Teile seines Selbstwertes zieht, dieses Merkmal, Attraktivität, als das scheidende Merkmal überhaupt anwendet. Sicherlich tun Männer dies auch in einem gewissen Maße, aber Männer sind nach meiner Erfahrung weniger schnell dabei, Abweichungen so hart zu bestrafen, Abweichungen so eilfertig negative Charaktermerkmale (creep shaming) zuzuschreiben und Abweichungen so aggressiv auszuschließen. Männer halten mit anderen Worten im Geschäfts- und Privatleben schlicht gewisse basale Höflichkeitsformen ein, wozu einfach das Anerkennen – durch Kommunikation und Blicke – eines anderen Menschen zählt, unabhängig davon ob man ihn mag oder nicht mag, ob man ihn attraktiv oder unattraktiv findet. Diese Erkenntnis geht selbstverständlich gegen alles, was man in dieser Gesellschaft über die heilige Frau/Bürgerdame weiß.

    Anekdoten-Zeit (Yeah!): So schafft es auf meiner Arbeit selbst der niedrigste Azubi oder Handwerker seinen Mund zum Grüßen aufzubekommen. Die allermeisten Frauen haben da ein Problem. Dieses Phänomen zieht sich als Erkenntnis durch mein Leben und selbst im Treppenhaus des Hauses meiner Studenten-WG ließ sich dieses Phänomen beobachten.
    Ich könnte noch ein wenig ätzen und hinzufügen, dass die (feministisch inspirierte) Bürgerdame eben noch nicht lange genug von Heim und Herd entfesselt ist, um sich voll funktional in die Gesellschaft einzugliedern.
    Soviel auch zu „müssen immer freundlich sein“ und „haben das 'Immer-freundlich-sein internalisiert'“.

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  49. Wenn vor allem Frauen bestimmen, wann etwas übergriffig ist und wann nicht, dann stärken sie ganz allgemein ihre Position in der Partnerwahl. Sie bestimmen dann die Regeln der Annäherung und Beziehungsanbahnung. also verschaffen sie sich auch Möglichkeiten, ihre Selektion durchzusetzen.

    Und was Haselnuss sagt, ist wirklich auffällig: „Alte Säcke“ sind offenbar ein willkommenes Feindbild, über das man straflos spotten darf (ist das nicht schon Ageismus? ^^). Über Männer mit Bierbäuchen darf man auch lachen (fat-shaming?). Gängig ist auch die Unterstellung, Männer mit großen Autos hätten ein kleines Genital (was ja eine dramatische Reduktion des Mannes auf seinen Körper ist).

    Es kann natürlich nicht darum gehen, Übergriffigkeit wegzureden. Es gibt sie. Aber durch Verschleifung solcher Begriffe und durch ihre Unkonkretheit und ihre Anwendung auf alles Mögliche werden sie zu schlichten Machtinstrumenten. Es kann dann hilfreich sein, sich „alte Säcke“ oder Männer mit Bäuchen vom Hals zu halten.

    Ich will das gar nicht mal als Absicht unterstellen, sondern eher als Folge. Wenn man einseitig Definitionshoheit für sich beansprucht und mit dem Gegenüber nicht mehr redet, kommt es zu solchen Verzerrungen. Dann wird nämlich auch jede Ambivalenz ausgeblendet und jede Möglichkeit von Missverständnissen.

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  50. „Der Umgang mit kulturellen Produkten, mit Literatur, Bildern, Filmen etc. ist hanebüchen. Natürlich können die nicht einfach als passgenaue Darstellung des alltäglichen Lebens interpretiert werden – man kann sie eigentlich nur verstehen, wenn man akzeptiert, dass sie immer schon selbst Interpretationen sind. Das müsste eigentlich selbstverständlich sein…“

    In der Tat, es sind Interpretationen. Oft sind es auch einfach Fantasieprodukte, die bewusst mit der Wirklichkeit brechen. Das gilt wohl für sehr viele Hollywoodprodukte, die von Übertreibungen leben. Jeder Mensch weiß, dass es keine solchen Überhelden gibt wie „Rambo“. Aber Fiktion ist frei, sie kann die Grenzen unseres Alltags überschreiten.

    Man kann daher aus dem Gebrauch von Buch oder Film nicht eins zu eins ableiten, was für ein Mensch der Nutzer ist.

    Und zu Männlichkeitskonstruktionen: Eigentlich müsste jedem Empiriker klar sein, dass keine Person so durchsozialisiert sein kann, dass alle Männer die selben Grundmuster zeigen. So homogen ist keine Gesellschaft und die Wechselwirkungen sind zu groß. Jedes Kind wächst ja in unterschiedlichen Kontexten auf.

    Aber Genies wie Pierre Bourdieu etwa haben es geschafft, die Männlichkeitsverständnisse in den europäischen Gesellschaften auf den „mediterranen Sockel“ herunterzubrechen und schon ließ sich auch im noch so soften, liberalen Verhalten einer Person das archaische Mannesbild identifizieren. Das ist eine extrem starke These, die gerade in den Sozialwissenschaften ein hohes Scheiterns-Risiko haben müsste. So etwas wird aber gerne geglaubt.

    Für mich ist das ohnehin das Problem bei den Gender Studis. Grundsätzlich kann man schon berechtigt nach der sozialen Konstruktion von Geschlecht fragen. Aber die Reduktion auf wenige einfache Prinzipien bei Verzicht aller Selbstkritik ist grundfalsch und wissenschaftsfern. Ebenso fehlt die Überraschung durch die Empirie. Nach meinem Eindruck neigen die Gender Studies dagegen zur Selbstimmunisierung und zu einem drastischen Reduktionismus, ausgedrückt in der These des allumspannenden „Patriarcharts“.

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  51. @Lucas
    „Massiv moralisch abgewertet zu werden aufgrund von Handlungen, die mit keiner bösen Absicht verbunden waren – beliebige und massive Unterstellungen hinsichtlich der Motive des eigenen Handelns zu erleben – für „das Patriarchat“ die Verantwortung übernehmen zu müssen, ohne jemals so recht zu verstehen, was das eigentlich sein soll – oder Ähnliches gehört möglicherweise heute ihrerseits für Männer zur ganz normalen Initiation.“

    Ja, ich denke schon, das man unsere Kultur inzwischen als grundlegend misandrisch bezeichnen kann. Das zeigt sich eigentlich in allen Kulturprodukten, Filmen, Fernsehserien, Werbung, Songtexten ect. pp. Überall findet sich ein misandrischer, männerabwertender Unterton.

    Doris Lessing merkte 2001 dazu an: „Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird. …
    Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.”

    Wir sollten es tun, meint Lessing. Wir sollten die allgegenwärtige Misandrie, die so tief in unsere kulturellen Deutungsmuster verwoben ist, dass sie kaum noch auffällt, thematisieren. Aber mir geht es da ja auch wie dir: Man fragt sich zwischendurch immer wieder, ob es etwas nützt, ob es der Mühe wert ist.

    Ich weiß es nicht …

    virtual-cd

    Antwort

  52. Heute in der SZ
    http://www.sueddeutsche.de/leben/umgang-mit-vergewaltigungsopfern-nicht-so-traumatisiert-wie-gewuenscht-1.1810672

    Hier sieht man wie überaus Absurd Schrupps Haltung ist, wenn man diese Buchempfehlung in der SZ liest… Jeder reagiert sicherlich anders, aber unter diesen Voraussetzungen ist Schrupp dann nochmal doppelt und dreifach lächerlich…

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