Sex, Geld und Nähe, oder: Was haben Feministinnen eigentlich gegen die Prostitution?

Er möge
„dieses Thema, das nicht zu den zentralsten Anliegen der Männerrechtsbewegung gehört, nicht überstrapazieren, und auch wohlverdientes Alice-Schwarzer-Bashing ist auf Dauer nur begrenzt unterhaltsam.“

Das schreibt Arne Hoffmann auf Genderama zur Kritik an Schwarzers Appell, die Prostitution „abzuschaffen“. Das ist offensichtlich – die Forderung eines freien Zugangs zu Prostituierten als zentrales Anliegen einer politischen Bewegung zu verankern, würde das Urteil eines amerikanischen Journalisten bestätigen, die Männerrechtsbewegung habe bei weitem die schlechtesten politischen Instinkte aller Bürgerrechtsgruppen, denen er je begegnet sei („the single worst political instincts of any civil rights groups I have ever encountered“).

Dennoch berührt der Appell von Schwarzer und ihren Unterzeichnern (Senta Berger, Margot Käßmann, Wolfgang Niedecken und viele andere) Themen, die sehr wohl zentral für die Männerbewegung sind: die Frage nach der Bedeutung von Sexualität, die allgemeine Unterstellung an Männer, gewalttätig zu sein – und die Tatsache, dass Männer für Frauen bezahlen.

Dabei lassen sich die kritischen Aspekte des Appells recht schnell erledigen.

Rot-grüne Frauenhändler und der Zwang der Freiwilligkeit In einem Artikel zum Thema bringt Schwarzer das Kunststück fertig, einerseits „mindestens“ jeden zweiten Mann, aber eigentlich schlicht so viele Männer wie nur möglich als Freier von Prostituierten hinzustellen und andererseits darauf zu bestehen, dass „eine Welt ohne Prostitution“ denkbar sei.

Das ist offenkundig utopisch – es geht nicht um die Abschaffung, sondern um das Verbot der Prostitution. Natürlich ist davon auszugehen, dass dadurch die Prostitution nicht verschwindet, sondern schlicht aus der Sichtbarkeit verdrängt wird. In Schweden, wo die Prostitution verboten ist und die Freier – nicht aber die Prostituierten – hart bestraft werden können, deuten einige Ergebnisse darauf hin, dass dies die Situation für Prostituierte eher erschwert als verbessert.
„Hinweise darauf, dass sich das Sicherheitsgefühl von Frauen in der Prostitution verschlechtert hat, sowie auf die Verschlechterung der Situation von Migrantinnen werden in Schweden zugunsten eines höheren gesellschaftlichen Ziels ausgeblendet“,

schreibt dazu das deutsche Familien- und Frauenministerium.

„Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie.“ In diesem Zitat aus dem Appell geraten Schwarzer und ihren Unterzeichnern offenbar moralischen Verurteilung und sachliche Bewertung durcheinander: Dass für sie – im Unterschied zu Prostituierten selbst  – Prostitution moralisch mit der Sklaverei gleichzusetzen ist, bedeutet schließlich noch nicht, dass sie tatsächlich ebenso abgeschafft werden kann.

„Die Reform des Prostitutionsgesetzes 2002, die angeblich den geschätzt 700.000 Frauen (Mittelwert) in der Prostitution nutzen sollte, trägt die Handschrift der Frauenhändler und ihrer LobbyistInnen.“

Bei Sätzen wie diesen sind Zweifel angebracht, ob Schwarzers Unterzeichner den Text vor ihrer Unterschrift eigentlich zumindest oberflächlich gelesen hatten. Immerhin unterstellen sie hier ohne alle Belege der verantwortlichen rot-grünen Regierung, dass internationale Frauenhändler sie gekauft und sich damit die Möglichkeit verschafft hätten, Gesetze nach ihrem Gutdünken zu formulieren und durch das Parlament zu bringen.

„Das System Prostitution degradiert Frauen zum käuflichen Geschlecht (…).“ Das kann so nur jemand behaupten, der sexuellen Verkehr zwischen Frauen und Männern, ganz gleich welcher Art, als Inbesitznahme der Frau durch den Mann versteht. Ganz im Einklang damit wird eine „Deregulierung von Frauenhandel und Prostitution“ gefordert – als ob Frauenhandel, der weiterhin natürlich verboten ist, durch die rot-grüne Regierung „dereguliert“ worden sei. Die pauschale Bewertung der Prostitution als Kauf der Frau durch den Mann erlaubt es nicht, Unterschiede zwischen freiwilliger Prostitution und Zwangsprostitution wahrzunehmen.

Ob so tatsächlich die Zwangsprostitution verhindert werden kann, ist fragwürdig.

„Meines Erachtens bekämpft man Zwangsprostitution am Besten, indem man Prostitution legalisiert, weil dies den Schwarzmarkt eindämmen, Licht in das Dunkel verbrecherischer mafiöser Strukturen werfen und diesen die Geschäftsgrundlage entziehen würde“,
schreibt Adrian im Blog Gay West.
Auch wenn eingeräumt wird, dass die Legalisierung der Prostitution polizeiliche Razzien in Bordellen erschwert hat und so auch die illegale Zwangsprostitution begünstigen könnte, lässt sich dieses Problem klären, ohne die Prostitution insgesamt wieder zu verbieten (dazu z.B. die Frankfurter Rundschau in einem Text zu den Koalitionsverhandlungen).
So schießt die Forderung nach einer „Abschaffung“ der Prostitution in ihren Metaphern und Vergleichen – Schwarzer setzt in einem anderen Text gar Prostituierte mit sexuell missbrauchten Kindern gleich  – und auch in ihren Forderungen deutlich über das sachlich Begründbare hinaus. Der Bezug auf die Zwangsprostitution ist offenbar nötig, weil sonst die Forderung nach einem Verbot der Prostitution kaum begründbar wäre – gleichwohl geht es um die Prostitution insgesamt, nicht um den ohnehin schon illegalen Zwang.

Was genau aber haben Schwarzer und ihre Unterzeichner eigentlich gegen die Prostitution?

Geld gegen Nähe, oder: Warum man mit der patriarchalen Dividende nicht gut für Sex bezahlen kann  Die Frage wird umso interessanter, als einige Aspekte der Prostitution einer misandrischen Feministin doch eigentlich gut gefallen müssten. Der Mann zahlt hier für die Nähe einer Frau – „Nähe“ nicht verstanden in einem emphatisch-sentimentalen Sinn als Begegnung der Seelen, aber doch als körperliche Nähe. Aus einer männerpolitischen Perspektive ist dieser Aspekt der Prostitution eher abschreckend (und für mich persönlich war das übrigens ein Grund, weshalb ich niemals zu Prostituierten gegangen bin).

Es gibt schließlich keinen vernünftigen Grund, weshalb die Körperlichkeit, die Nähe, die Aufmerksamkeit eines Mannes weniger wert sein sollten als die Körperlichkeit, die Nähe oder die Aufmerksamkeit einer Frau. Wenn ich die Nähe zu einer Frau wünsche und erleben kann, dann ist meine Nähe zu ihr eine völlig ausreichende Gegenleistung – ich sehe keinen Grund, weshalb ihr oder mir darüber hinaus noch weitere Kompensationsansprüche entstehen sollten. Dass Männer für die Nähe von Frauen zu bezahlen haben, ist ein Aspekt der Prostitution, der sie für Männer entwürdigend machen kann – es ist, als ob eine Frau dafür entschädigt werden müsste, dass sie die körperliche Nähe eines Mannes erträgt.

Hier allerdings passt sich die Prostitution offenkundig gut in traditionelle Formen der Beziehungsanbahnung ein. Dass der Mann zunächst einmal zu bezahlen, also beispielsweise bei einem Rendezvous die Frau einzuladen habe, ist eine tradierte Selbstverständlichkeit, der auch heute noch viel Frauen und Männer nachhängen. Erklärbar ist das leicht mit Rückgriff auf evolutionspsychologische Erwägungen: Der Mann müsse demnach, um für eine Frau als Partner in Frage zu kommen, zunächst einmal seine Bereitschaft und Fähigkeit belegen, für die Frau – und mögliche Nachkommen – zu sorgen und seine verfügbaren Mittel nicht allein für sich selbst zu investieren.

Heute jedoch, da ja so klare Zuordnungen des Geschlechterverhaltens längst an Funktionalität verloren haben, bekommt die Erwartung an den Mann, für beide zu zahlen, einen anderen Charakter – zumindest wenn sie über die rein spielerische Inszenierung traditioneller Rollen hinausgeht. Diese Erwartung suggeriert nun, dass Nähe und Aufmerksamkeit des Mannes als Gegenstück zur Nähe und Aufmerksamkeit der Frau nicht ausreichen können, sondern dass der Frau eine weitere Kompensation zustünde.

Warum aber sind Strukturen, in denen der Mann implizit einen geringeren Wert als die Frau hat und dies durch finanziellen Einsatz ausgleichen muss, für misandrische Feministinnen nicht attraktiv?

Das lässt sich gut an einem Text erklären, der zufällig fast zeitgleich mit Schwarzers Appell erschien und der hier schon Thema war. Wenn Antje Schrupp erklärt, wodurch sie ein unfreundlicher Mensch wurde, und zur Begründung von einem Erlebnis als Vierzehnjähige berichtet, dann greift sie damit eigentlich auf ein sehr traditionelles literarisches Muster zurück: auf das der Initiationsgeschichte.

Sie erlebt aber gleichsam eine pervertierte Initiation, nicht einen Eintritt in die Welt, sondern einen in das „Patriarchat“. Anders als bei klassischen Schriftstellerinnen wie etwa Jane Austen, die wieder und wieder „a young lady’s entrance into the world“ gestalteten, sind bei Schrupp die Konsequenzen dieses Eintritts negativ, nicht positiv. Sie gewinnt nicht dazu, indem sie sich der Welt und die Welt sich ihr öffnet, sondern sie verliert etwas – als Frau und junges Mädchen sei sie eigentlich schon vollständig, ruhend in sich gewesen, die patriarchale Gewalt habe sie aber gleichsam aus ihrem Schwerpunkt gerissen.

Diese Phantasie einer umfassenden männlichen Herrschaft, die übrigens deutlich narzisstische Züge trägt, prägt auch Schwarzers Appell. Es ist für sie und ihre Unterschreiber uninteressant, mit Prostituierten selbst zu sprechen, so wie auch die Unterschiede der Lebensbedingungen von Zwangsprostituierten oder Luxus-Callgirls, von Frauen auf dem Drogenstrich oder in der Gelegenheitsprostitution sie nichts anzugehen scheinen. Männliche Prostituierte oder weibliche Kundinnen haben im Bild erst recht nichts zu suchen und werden bestenfalls am Rande einmal pflichtschuldig erwähnt. Die Prostitution ist hier schlicht ein Anlass, um noch einmal das alte Lied von der Männerherrschaft anzustimmen.

Eben diese Fiktion einer umfassenden patriarchalen Gewalt aber begründet weibliche Kompensationsansprüche an Männer neu, die eigentlich schon längst zu Gunsten einer gleichberechtigten Geschlechterbeziehung hätten aufgegeben werden müssen. Da Frauen in einer feministisch inspirierten Geschlechterpolitik rundweg als Geschädigte einer diffus bleibenden, aber offenbar unerschütterlichen männlichen Dominanz dargestellt werden, ist auch der Ausgleich, der ihnen demnach zustehe, prinzipiell unendlich groß. Es ist schlicht kein Punkt erkennbar, an dem „das Patriarchat“ und seine Nutznießer (prinzipiell alle Männer) für die Sünde ihrer Dominanz genug bezahlt hätten.

Eben deshalb aber erleben Feministinnen wie Schwarzer die Prostitution wohl als Provokation. Auch hier müssen Männer Frauen dafür finanziell kompensieren, dass sie sich ihnen überhaupt nähern – hier aber ist die Kompensation, so groß sie auch sein mag, prinzipiell begrenzt und Ergebnis von Aushandlungsprozessen, an denen beide Seiten freiwillig beteiligt sind.

Daher ist denn auch für Schwarzer und andere der Gedanke so unerträglich, dass es Frauen gibt, die sich freiwillig prostituieren – sie sind dann nämlich keine hilflosen Opfer männlicher Dominanz, und wenn der Mann den vereinbarten Preis bezahlt hat, dann hat er auch genug geleistet und ist ihr darüber hinaus nichts weiter schuldig. Eben das akzeptieren die Unterstützer eines Prostitutionsverbots nicht – auch und gerade dann, wenn der Mann bezahlt hat, hat er nicht etwa seine Schuldigkeit getan, sondern muss nach ihren Vorstellungen darüber hinaus dafür bestraft werden, dass er sich als Nutznießer der patriarchalen Dividende eine Frau verfügbar gemacht habe.

Wer genau ist hier eigentlich pervers? Gleichwohl ist die Prostitution kein ganz normaler Beruf. Würde eine Schülerin im Unterricht erzählen, dass ihr Berufswunsch „Prostituierte“ sei, dann würden Lehrer vermutlich eher irritiert reagieren, als ihr etwa zuzuraten, dass sie dort gewiss viele interessante Leute kennen lernen würde o.ä. Allerdings habe ich als Lehrer auch noch nie einen Jungen erlebt, dessen Berufswunsch die Arbeit bei der Müllabfuhr oder im Straßenbau gewesen wäre. Es ist selbstverständlich, dass junge Männer diese und andere, möglicherweise stark gesundheitsgefährdende Berufe nicht aus Neigung, sondern aus finanzieller Notwendigkeit ergreifen. Warum ist das so viel weniger skandalös als die weibliche Prostitution?
„Mit dem Verbot der Prostitution würde man zur absurden Situation gelangen, dass Sex legal ist, Geld verdienen legal ist, aber die Verbindung zwischen beidem nicht“,

schreibt Adrian in seinem Text. Ganz normale alltägliche Aushandlungsprozesse werden offenbar illegitim, sobald Sexualität im Spiel ist, und alltägliche Sexualität wird illegitim, sobald sie in Aushandlungsprozesse eingebunden wird. Das ist nur mit einem sehr unplausiblen Bild von Sexualität erklärbar.

Einerseits wird Sexualität hier offenbar weiterhin und gegen alle Sexualaufklärung der vergangenen Jahrzehnte als etwas Sündhaftes und Schmutziges erlebt – als etwas, das auch normale geschäftliche Beziehungen beschmutzt, die in anderen Kontexten unzweifelhaft legal wären.

Andererseits kann Sexualität aus ihrer Sündhaftigkeit offenbar erlöst werden – wenn sie als etwas Reines, Unverdorbenes daherkommt, als völlig freie Begegnung der Seelen. Diese Erlösung aber wird ihr natürlich versagt, wenn sie in alltägliche Aushandlungsprozesse eingebunden und bezahlt wird.

Auf diese Weise ist der Appell von einem krassen Schwarz-Weiß-Bild der Sexualität geprägt, das zwischen Verdammung und Sakralisierung schwankt und dessen Seiten kaum miteinander vereinbar sind. Ein pragmatischer, nüchterner Umgang der Geschlechter miteinander ist damit kaum möglich. Dies ist umso gravierender, als der Appell beide Seiten der Sexualität ja sauber zwischen den Geschlechtern aufteilt – würde nicht der männlichen Sexualität der schmutzige, der weiblichen aber der reine Teil zugewiesen, dann ließe sich beispielsweise kaum erklären, warum denn die (männlichen) Freier bestraft werden sollen, die (weiblichen) Prostituierten aber nicht.

Schwarzers Unterschreiber haben möglicherweise subjektiv das Motiv, liebevollere, respektvollere Beziehungen zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen. Die Unterstützung eines misandrisch begründeten Prostitutionsverbots trägt dazu offenkundig nichts bei. Wesentlich sinnvoller wäre es zu akzeptieren, dass sich keines der Geschlechter an das andere prinzipiell endlos verschuldet hat – und dass auch Liebe, Nähe und Sexualität natürlich Gegenstände alltäglicher ziviler Aushandlungsprozesse sein können, in denen Begriffe wie Fairness und Autonomie wesentlich wichtiger sind als Kontraste von Sünde und Heiligkeit.

Eines der grausamsten und destruktivsten deutschen Gesetze, die ich kenne, etabliert Bedingungen, in denen eine Mutter sich – nicht nur für die Kinder, sondern vor allem für sich selbst – eben gerade dadurch den Anspruch auf umfangreiche Zahlungen durch den Vater erwirbt, dass sie Väter und Kinder willkürlich voneinander trennt und die väterliche Sorge für die Kinder verhindert. Ich kenne viele Väter und Kinder (mich und unser Kind eingeschlossen), die unter solchen Regelungen erheblich leiden.

Dadurch, dass er der Frau nahe gekommen ist und ein Kind mit ihr gezeugt hat, ist ein Mann offenbar in einer Weise kompensationspflichtig geworden, die alle herkömmlichen Fairness-Erwägungen und Überlegungen zum Kindeswohl außer Kraft setzt. Es sind solche Regelungen, die das Prinzip Geld gegen Nähe in Gesetzesform gießen und endgültig in die Perversion treiben.

Wer also tatsächlich liebevollere und respektvollere Beziehungen zwischen den Geschlechtern befördern möchte, hat hier gute, mannigfaltige und lohnende Möglichkeiten, tätig zu werden.

  1. 16.24h war von mir (Matthias)

    Antwort

  2. So, tut es das?
    Ich bin Naturwissenschaftler und Heilberufler und da kommt man dem Menschen und seiner Körperlichkeit verdammt nahe.
    Weinende Männer – bewirken nichts!
    Schreiende Männer – bewirken nichts!
    Sauber argumentierende Männer – bewirken nichts!

    13 Also ward das Herz Pharaos verstockt, und er hörte sie nicht, wie denn der HERR geredet hatte ….

    Und eine weitere Plage traf das Volk, aber

    22 Und die ägyptischen Zauberer taten auch also mit ihrem Beschwören. Also ward das Herz Pharaos verstockt, und er hörte sie nicht, wie denn der HERR geredet hatte. 23 Und Pharao wandte sich und ging heim und nahm's nicht zu Herzen.

    Menschen, die Gott vernichten will, denen verstockt er das Herz, so dass sie ihren eigenen Wahnsinn nicht erkennen.

    Es ist egal, was geschrieben oder gesagt wird, die Blinden sehen es nicht und die Tauben hören es nicht und FeministInnen verstehen es nicht.

    Der Mensch wird nur durch Schaden klug, wenn überhaupt.

    Und darum sollte gesagt werden, was zu sagen ist, auch wenn es dem Zeitgeist nicht entspricht.

    Beim Kampf gegen Prostitution geht es nicht um die Prostituierten, es geht um Ideologie. Das Glück der Menschen ist diesen Ideologen völlig egal.

    Sex zu verkaufen ist eine caritative Tätigkeit, auch wenn die Beteiligten das vielleicht gar nicht so sehen. Es ist tätige Nächstenliebe von Seiten der Frau, der mit dem verdienten Geld auch geholfen ist. Ja, ja, ja es gibt auch ganz schäbige Nutten und ganz schäbige Freier. Es gibt auch in konfessionellen Pflegeeinrichtungen ganz, ganz schäbige Pflege und ganz, ganz schäbige Patienten. Gelle!

    Das Gebot des Nazareners lautet: Was Du willst, das Dir getan werde, das tue!

    Das ist ein Aufruf zum Handeln, nicht ein Aufruf zum Unterlassen!

    Und das nur mal am Rande!

    Andere Religionen kannten Tempelprostitution – why not?

    Wenn ich das Sagen hätte, dann käme Prostitution nicht so billig daher. Von wegen Rotlichtbezirk. Bei mir wäre Niveau Pflicht! In der Vergangenheit betrieben Courtisanen intellektuelle Salons, wo Dichter und Denker verkehrten, die wahre Boheme.

    Wir brauchen nicht das Lied der Spießer singen. Wir brauchen uns nicht dem Niveau der Spießer anpassen.

    DschinDschin

    Antwort

  3. @ DschinnDschinn„Und darum sind klare Worte notwendig.“ Wenn mir eine „Ich sag’s, wie’s ist“-Haltung begegnet, erwarte ich unwillkürlich Äußerungen, die eine Situation versimpeln, einseitig sind, Gegenargumente ignorieren und sich einen Dreck darum scheren, ob die Äußerung eigentlich zu etwas Vernünftigem führt. Um mich mal zu outen – ich habe kein Vertrauen in revolutionäre Umstürze, wohl aber in langsamere Veränderungen. Die sind nur möglich, wenn man neue Verbindungen schafft, unterschiedliche Menschen ins Gespräch bringt, etc. Dazu gehört, dass man eine Sprache spricht, mit der sich verschiedene Seiten anfreunden können. Eine „Ich hab eh recht, friss es oder lass es“-Haltung gehört nicht dazu.

    Menschen als Parasiten zu bezeichnen ist ein alter Topos der politischen Hetze – da hilft es nichts, hinterher zu erklären, dass man den Begriff eigentlich ganz sachlich meinte. Wenn ich jemanden als Schwein bezeichne und ihm dann hinterher versichere, dass der Begriff doch positiv gemeint gewesen sei, weil das doch sensible Tiere seien etc. – dann wird das die Beleidigung nicht zurücknehmen.

    Und ich will hier weder Hetze noch Beleidigungen.

    @ Elmar „Mir ist nicht klar, warum das hier stehenbleibt.“ Hier bleibt bislang alles stehen, mit Ausnahme von offensichtlicher Werbung und Doppelposts, die ich freundlicherweise kommentarlos lösche. Du bist hier doch selbst entschieden dafür eingetreten, die Logik feministischer Positionen nachzuvollziehen, gerade auch dann, wenn man sie nicht teilt. Da hilft es nichts, ein gesäubertes Bild der Äußerungen von Männern zu präsentieren und dann hinterher unschuldig zu fragen, was diese Feministinnen denn eigentlich daran stört.

    Ich weiß, dass brachiale Äußerungen benutzt werden können und benutzt werden, um sachlichere Positionen zu diskreditieren. Ich kenne aber auch eine Reihe von Situationen, in denen es sehr schädlich war, auf einen offenen Austausch mit dem Argument zu verzichten, dass das „dem Gegner in die Hände spielen“ könnte.

    Ich habe insgesamt den Eindruck, dass die Diskussionen auf diesem Blog sehr sachbezogen sind, trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen. Und ich finde es sehr gut, dass dieses Bild nicht über Streichungen, Löschungen, intensive Moderation meinerseits zu Stande gekommen ist, sondern dass es ein reales Bild der Kommentatoren ist, die hier schreiben.

    Ich würd natürlich nicht seelenruhig zuschauen, wenn das in Richtung Brachialrhetorik abdriften sollte. Aber im Moment glaube ich, dass die Kosten von Streichungen oder Löschungen größer wären als die Kosten des Stehenlassens.

    Antwort

  4. “ manchmal reicht es vielleicht schon, deutlich zu machen, welche Grausamkeiten sich aus ihnen ergeben können.“#

    Der Punkt ist doch aber gerade, daß Feministinnen das gar nicht leugnen, sondern sogar der Ansicht sind, die sei unvermeidlich.

    Antwort

  5. Hallo Lucas, ich finde es etwas merkwuerdig, auf dem Beitrag von DschinDschin herumzureiten, wo das Konzept „Parasit“ Teil der biologischen Betrachtungsweise ist. Mir scheint es auch ganz vernuenftig, wenn man Erklaerungen nachschiebt.

    „Und ich will hier weder Hetze noch Beleidigungen.“ Es ist doch nicht DschinDschin, der sich in beleidigender Weise ausdrueckt, sondern jungsundmaedchen. Etwas wirklich besonderes an Deinem Blog war mir bis jetzt immer die Freundlichkeit des Umgangs. Dies hat ganz wesentlich mit Deinem integrativen Bemuehen zu tun, sagen wir, so eine kleine „Gemeinde“ hier entstehen zu lassen. So dass ich mich immer freuen konnte, nicht bloss auf neue Straenge sondern auch auf die Kommentare — ohne die sonst recht uebliche Aggression.

    Man koennte sagen, jungsundmaedchen versucht jetzt hier eine Art „feindlicher Uebernahme“: eine Selektion der Kommentare in Gute und Schlechte, die Ausuebung einer Art Polizeifunktion, und die Neudefinition der Blogausrichtung („es geht hier um Maskulismus und Feminismus — basta!“).

    Antwort

  6. Hallo Oliver,
    erst einmal danke für den Kommentar zum Blog!

    Ich glaube, es ist bei Blogs mit einer sehr offenen Kommentarpolitik ganz normal, dass immer wieder auch die Frage auftaucht, ob nicht die Kommentare rigider gesiebt werden sollten. Bei Alles Evolution z.B. war das immer mal wieder ein Thema. Ich hab ja erklärt, warum ich die Kommentare gern weiter offen halten möchte.

    Was Aggressivität im Umgangston angeht – da bin ich selbst noch unschlüssig. Einerseits möchte ich es selbstverständlich nicht – andererseits diskutieren hier nunmal erwachsene Menschen miteinander, die mögliche Konflikte eigentlich selbst regeln können, und ich möchte ungern den Aufpasser spielen und beständig prüfen, ob sie denn auch nett genug miteinander umgehen. Aber es stimmt: Wenn ein aggressiveres Klima normal wird, ist das schlecht für die Offenheit der Diskussion.

    Die ganze Diskussion hat ja auch eine lange Vorgeschichte – nämlich das Unbehagen vieler eher gemäßigter Männerrechtler angesichts brachial vorgetragener Positionen. Beruhend auf der Erfahrung, dass angsichts dieser Brachialität andere Argumente nicht mehr gehört und möglicherweise jeder Einsatz für Jungen oder Männer diskreditiert werden könnte.

    Für mich, der ich nun einmal kein Biologe bin, geht z.B. die Parasiten-Metapher schlicht zu weit – ich kenne halt die politische Vorgeschichte. Auch für mich (und ich bin mir sicher, das die so oder ähnlich von vielen geteilt wird) geht es, wenn man eine solche Metapher gebraucht, sehr schnell zunächst um die Legitimität der Redeweise, nicht mehr um die Qualität der Argumente. Damit verschenkt man also eher Spielräume, als welche zu gewinnen.

    Antwort

  7. @ Matthias Die Geschichte mit der Orgasmushäufigkeit der Frauen reicher Männer ist in meinen Augen ein gutes Beispiel für einseitige Auslegungen, die duch die Überzeugung entstehen, so etwas wie einen Generalschlüssel für menschliches Verhalten gefunden zu haben. Es suggeriert, Reichtum würde Frauen eher zum Orgasmus bringen (also: Frauen stehen auf Status etc.) – tatsächlich finde ich die Geschichte ohne weitere Informationen (Alter der Untersuchten z.B., oder Gesundheitszustand, oder Dauer der Beziehungen, oder alltägliche Arbeitsbelastungen, etc.) aber wenig ergiebig. Und ich bin sicher: Wenn man diese weiteren Informationen hat, dann wird man noch einige weitere Erklärungen des Phänomens finden.

    Mir geht es nicht um das Beispiel, mein Punkt ist: Wenn man glaubt, Allround-Erklärungen gefunden zu haben, dann neigt man m.E.dazu, andere Erklärungen allzu schnell auszublenden.

    „Befreit man den Mann davon, das Einkommen der Familie zu erwirtschaften, wird er für die Frau umso überflüssiger. Er wird umso leichter weggekickt.“ Was ich daran richtig finde: Auch ökonomische Notwendigkeiten, nicht nur romantische Gefühle, halten Familien zusammen. Wenn sich mehrere zusammentun, leben sie nunmal im Schnitt günstiger, als jeder für sich allein leben würde.

    Dass aber Frauen zwangsläufig allein am Verdienst des Mannes interessiert sind, kann ich so nicht bestätigen. Ich kenne Frauen, die seit vielen Jahren wesentlich das Einkommen der Familie erwirtschaften, ohne den Mann weggekickt zu haben. Das mögen wenige Fälle sein – es zeigt aber, dass Menschen gegen ihre Dispositionen (wenn es sie denn so gibt wie beschreiben) handeln können.

    Was widerum zeigt, dass die Erklärungsmacht evolutionspsychologischer Ansätze begrenzt ist – sie benötigen weitere Erklärungen aus anderen Ressourcen.

    Das macht sie in meinen Augen eigentlich sympathisch – gegenüber Weltformellieferanten bin ich ohnehin eher misstrauisch. Evolutionspsychologische Erklärungen können möglicherweise sogar selbst dazu beitragen, dass Menschen über ihre Impulse reflektieren und sich so von ihnen distanzieren können.

    Und: Was wäre denn so schlimm, wenn Frauen Männer einfach so wegkicken würden, sobald diese nicht mehr für den Familienunterhalt sorgen? Das ist doch schlimm bloß aufgrund der Rahmenbedingungen, die damit für Männer oft verbunden sind – Verlust der Kinder bei gleichzeitigem finanziellen Ruin.

    Würde man diesen Rahmen ändern, dann wäre der Verlust einer Frau, die den Mann nur als Arbeitstier nutzt (und das sind, wie gesagt, nicht alle Frauen), doch eher eine Erleichterung, oder?

    Antwort

  8. Bzgl. der „brachial vorgetragener Positionen“ sehe ich sehr viele Merkwuerdigkeiten, deren Untersuchung mir wichtig erscheint.

    Ein Aspekt, von dem ich i.a. nicht weiss, wie er einzuschaetzen ist, ist der folgende. Dies bezieht sich jetzt nicht auf diese Diskussion hier, sondern allgemein auf Brachialpositionen.

    Da kommt also einer an und schreibt „Frauen sind doof. Ich mag sie nicht, und brauch sie nicht.“ Oder so. Das Problem ist wahrscheinlich das „oder so“. D.h., die Sprache wird expliziter sein, haeufig explizit sexuell, mit Verbalinjurien versetzt.

    Nun ist folgendes Szenarium zumindest denkbar (keine Ahnung, wie haeufig das ist). Ich nehme an, dass die, die hier haeufiger schreiben, recht viel Erfahrung im Schreiben haben. In absoluten Zahlen haben aber wohl die meisten in unserer Gesellschaft, und dies trifft wohl noch staerker auf Maenner zu, wenig Erfahrung mit dem Schreiben. Stellen wir uns einen Handwerker vor, der diesen Blog liest, das im Prinzip interessant findet. Ich glaube, mit grosser Wahrscheinlichkeit hat er nur geringe Schreiberfahrung, und vielleicht gar keine mit solcher Mischung aus Prosa, Sachtext und Polemik. Wenn er sich dann ueberwindet, und auch beitragen moechte, wird das notwendigerweise sehr ungelenk sein. Hinzu kommt, dass das Thema wohl schwierig ist. Dann ist Intellektuellenfeindlichkeit in der Gesellschaft auch weit verbreitet. Dies wird alles einen Einfluss haben. Und die andere Sprache, die ein Handwerker spricht. Ich gehe davon aus, diese wird derber sein. Da kann ich mir vorstellen, dass es eine Kraft in Richtung solcher Brachialpositionen gibt. (Ein Student waere wohl vorsichtiger. Oder jemand, der eine technische Frage in einem Internetforum stellt. Da gibt es ja Unterwerfungsrituale: „hi, I'm a newbie * fuenf smileys * can u help me?“. Aber ab einem gewissen Alter wird die Unsicherheit wohl brachialer rauskommen.)

    Wie gesagt, keine Ahnung wie haeufig das ist. Aber ob irgendjemand das weiss??

    Antwort

  9. „möglicherweise jeder Einsatz für Jungen oder Männer diskreditiert werden könnte“

    Ich habe auch den Eindruck, dass das Konzept des „big others“, des grossen Anderen, dieser Art gesellschaftlichen Gewissens, der, zu dem man spricht, wenn man denkt (grob gesagt), hier wichtig ist. Mir scheint es da so etwas wie eine „grosse Feministin“ zu geben, zu der man implizit spricht, und um deren Wohlwollen man heischt.

    Derartige Instanzen sind immer obszoen. Sie fordern ihre Ueberschreitung heraus. Man koennte also aus den hauefigeren, derben Ueberschreitungen auf eine rigide „Ueber-Ich-Struktur“ schliessen, einen enormen Druck auf „Maenner“, sich artig zu benehmen, wenn sie ueber Frauen, Feminismus etc. sprechen, wobei gleichzeitig ein unterschwelliger Druck besteht, die „Sau rauszulassen“.

    Diese „grosse Feministin“ wird man gleichzeitig anbeten und zutiefst verachten.

    (Nun denn, noch ein Lacansches Fass aufgemacht. Schaetze mal, hat hier nicht so viele Fans. Mir scheint da aber viel dran zu sein. Es sollte eine wirkliche Logik des gesellschaftlichen Unbewussten geben.)

    Antwort

  10. @Oliver K

    Ich finde das einen interessanten Gedanken. Mein Eindruck ist auch, dass es eine solche „Über-Ich-Struktur“ gibt.
    Und in gewisser Weise sind Blogs wie dieser hier und ihre Kommentatorengemeinde auch eine „Versehrtenvereinigung“. Hier sammeln sich Verkrüppelte und Versehrte des Geschlechterkrieges. Bei unserem virtuellen Hausherren ist ja die persönlich-biografische Motivierung sehr deutlich.

    Und von daher sehe ich die Funktion dieser Blogs und ihrer Kommentare auch eher so, dass es in gewisser Weise der Selbstklärung dient. Im Schreiben wird einem etwas klar. Bei Kleist gibt es einen sehr schönen Text über das „langsame Verfertigen des Gedankens beim Sprechen“. Und so ist es in Blogkommentaren mitunter auch.

    Dieser Prozess wird gestört, wenn man in der Diskussion zu sehr mit dem „dritten Auge“ und mit dem „inneren Zensor“ unterwegs ist. Immer mit dem Gedanken: Wie kommt das jetzt bei Dritten an, was ich gerade versuche, für mich in Worte zu fassen.

    Von daher finde ich auch Forderungen, man möge doch bitte immer an die „Vermittelbarkeit“ oder die „Außenwirkung“ denken, bei allem was man sagt und schreibt … äh … nun ja: uninteressant. In DIESEM Kontext.

    Das wäre etwas anderes, wenn man über Aktionen oder Kampagnen oder was auch immer versucht, als politische Organisation im politischen Raum etwas zu bewirken oder zumindest Themenfelder zu besetzen. In diesen Kontexten ist es sinnvoll, sich zu überlegen: Was soll die zentrale Aussage sein, welche Wirkung will ich erzielen usw.

    Aber in Kontext privater Blogs wäre eine solche Forderung nur „another brick in the wall“. Eine weitere Aufforderung, unauthentisch oder bestenfalls selektiv authentisch zu sein.
    Blogs wie dieser sind keine politische Organisation, keine Lobbygruppe und keine Propagandainstitution.

    Mir zumindest geht es so, dass unter anderem im Schreiben von Kommentaren dieser innere „große Bruder“ manchmal sichtbar wird. In dem ich merke, dass ich hier bestimmte Dinge schreibe, die ich öffentlich so nicht oder viel vorsichtiger formulieren würde.

    Das alleine hat ein gewisses Erkenntnispotential.

    Dass ich damit nicht dazu auffordern möchte, einfach wahllos „die Sau rauszulassen“ und völlig ungefiltert Halbverdautes in den öffentlichen Raum hinein zu kotzen, sollte auch klar sein.

    Antwort

  11. Also ich bin schon der Meinung, dass man einen großen Teil, aber natürlich nicht alles am menschlichen Verhalten, evolutionsbiologisch erklären kann. Als Weltformel oder Allrounderklärung habe ich die Biologie noch nie betrachtet. Natürlich ist ihre Erklärungsmacht begrenzt.

    Ob ich andere Erklärungen ausblende? Nein, zum Schein aber schon. Wir leben in einer Zeit, in der der biologisch bedingte Anteil am Verhalten weit unterschätzt wird.

    Klar handeln Menschen auch mal gegen ihre instinktiven Dispositionen. Im großen und ganzen aber nicht. Wenn eine Frau einen Mann versorgt, kann der ja auch aus anderen Gründen für sie attraktiv sein. Oft ist es aber so, dass wenn er kein Geld mehr verdient, für sie uninteressant wird.

    „Und: Was wäre denn so schlimm, wenn Frauen Männer einfach so wegkicken würden, sobald diese nicht mehr für den Familienunterhalt sorgen? Das ist doch schlimm bloß aufgrund der Rahmenbedingungen, die damit für Männer oft verbunden sind – Verlust der Kinder bei gleichzeitigem finanziellen Ruin.“

    Die Rahmenbedingungen machen es noch viel schlimmer. Weggekickt werden ist aus meiner Sicht nie schön, wen es auch immer trifft. Männer brauchen stabile Existenzen, damit stabile Ehen und Familien im Lande möglich sind.

    „Würde man diesen Rahmen ändern, dann wäre der Verlust einer Frau, die den Mann nur als Arbeitstier nutzt (und das sind, wie gesagt, nicht alle Frauen), doch eher eine Erleichterung, oder?“

    Im Einzelfall bestimmt. Nur: Wenn ganz viele Männer Frauen nicht mehr genug Ressourcen liefern, wird es weniger stabile Beziehungen, Ehen und Familien geben, und das wird nicht nur den Partnermarkt weiter entfesseln und immer mehr Männer von ihm ausschließen, sondern unsere demographische Krise verschärft sich weiter. Das ist aus meiner Sicht so. Die Gesamtheit aller Männer wird es dadurch nicht besser haben. Die der Frauen auch nicht.

    Wichtig ist, dass geschiedene Väter nicht weiter platt gemacht werden, das ist klar. Auch deshalb, weil sich sonst kaum mehr einer auf eine Familiengründung einlässt.

    Antwort

  12. War auch von mir (Matthias) das um 11:50h

    Antwort

  13. @ Oliver, Anonymus Ich finde, das ist eine enorm interessante Diskussion (die eigentlich nicht nur am Ende eines ohnehin langen Diskussionsstranges geführt werden sollte).

    „Wie gesagt, keine Ahnung wie haeufig das ist. Aber ob irgendjemand das weiss??“ Das lässt sich kaum sagen – es fehlen ja gerade die Äußerungen von denjenigen, die sich nicht äußern, auch wenn sie gern etwas sagen würden. Jedenfalls hat sich das Thema hier schon ab und zu einmal angedeutet. Gerade erst hatte zu dem Schrupp- Artikel „Haselnuss“ geschrieben, ihm würden, wenn er misstrauisch wäre, „die vielen Parallelen zur stockkonservativen Bürger“dame“ einfallen, die nur Verkehr, im doppelten Sinne, mit ihresgleichen haben will.“ http://man-tau.blogspot.de/2013/10/frau-schrupp-hat-nichts-gegen-fremde.html?showComment=1383389547997#c4062677886899169561

    Parallellen zu ziehen zwischen feministischen Abgrenzungen und Diskreditierungen von Männern und Abgrenzungen einer distinguierten Schicht gegen das einfache Volk könnte sehr interessant sein. Schon Bourdieu, der sonst ja nun wirklich nicht gerade ein Maskulist war, hat nach meiner Erinnerung den Oberschichten-Habitus als „weiblich“, den der Unterschichten als „männlich“ skizziert.

    „Stellen wir uns einen Handwerker vor, der diesen Blog liest, das im Prinzip interessant findet. Ich glaube, mit grosser Wahrscheinlichkeit hat er nur geringe Schreiberfahrung, und vielleicht gar keine mit solcher Mischung aus Prosa, Sachtext und Polemik.“ Was diese Sprache betrifft (auch meine), die ja akademisch geprägt ist und die auch in den sogenannten „Qualitätsmedien“ vorherrscht, ist in diesem Zusammenhang wohl besonders ein Aspekt wichtig. Es ist eine Sprache, die sehr große Härten und massive, herabwürdigende Angriffe mit einer glattpolierten sprachlichen Oberfläche vorbringen kann. Man kann damit angreifen, ohne selbst eine Angriffsfläche zu bieten.

    Ein Beispiel ist etwa die dumpf-bekloppte und natürlich völlig unbelegte Unterstellung Schwarzers an die rot-grüne Regierung, von internationalen Frauenhändlern gekauft gewesen zu sein. Dieser Vorwurf kommt in einer Sprache daher, die es leicht macht, ihn zu überlesen (und die eine Möglichkeit offen lässt zu behaupten, SO sei das doch alles nicht gemeint gewesen).

    Das bedeutet natürlich nicht, eine „Handwerkersprache“ sei frei von Subtilitäten – aber um DIESE Subtilitäten zu erlernen, die öffentliche Diskussionen fast durchweg privilegierter Menschen mit Universitätshintergrund prägen, braucht man nun einmal Zeit. Wäre andersrum auch so – nur ist es andersrum eben seltener nötig.

    Wenn dann aus nicht-akademischer Perspektive Härten ausgeteilt werden, ist es natürlich sehr leicht, aus akademischer Perspektive demonstrativ nach Luft zu schnappen, empört oder wahlweise mit gepflegter Wut den Kopf zu schütteln bzw. erschüttert um ein Riechsalzfläschchen zu bitten. Aber: Ich glaube nicht, dass es irgendeine Perspektive böte, nun einer brachialeren Sprache das Wort zu reden, um das Monopol einer akademisierten Sprache zu brechen. Damit rennt man gegen Wände. (Ende Teil 1)

    Antwort

  14. (Teil 2) Die Perspektive ist für mich, zu zeigen, wie viele Härten, Grausamkeiten und krankhafte Ungerechtigkeiten sich in einer Geschlechterdiskussion verbergen, die Frauen mit Schutzbedürftigkeit, Männer mit Täterschaft assoziiert und die dabei auf eine Sprache zurückgreift, die beständig Sensibilität für alle simuliert, aber tatsächlich kräftig gegen alle austeilt, die in dieser Diskussion irgendwie stören.

    Und dazu gehört es sicher, dass man sich erstmal überhaupt selber dessen klar wird, was man sagen will. Mir leuchtet das Bild der „großen Feministin“ ein, die an Stelle Big Brothers tritt. Wer beständig kontrolliert, ob das, was er sagt, mit feministischen Perspektiven vereinbar ist, wird vermutlich sehr bald gar nicht mehr sagen. Dafür leben diese Perspektiven in aller Regel viel zu grundsätzlich von der Ausgrenzung der Männer (und der Ausgrenzung derjenigen Frauen, die sich von feministischen Frauenfantasien distanzieren).

    Sehr wichtig finde ich auch den Hinweis auf die verschiedenen Kontexte. Es ist ein Unterschied, ob in einem privaten Blog Erfahrungen ausgetauscht werden – oder ob eine Partei offizielle Positionen formuliert. Es hat auch überhaupt keinen Sinn, sich ständig zu fragen, was Typen wie Rosenbrock oder Gesterkamp aus Aussagen machen könnten – die werden sich ohnehin immer das, was sie finden, so zurechtdrehen, dass es passt.

    Die Grenzen, die es gibt, sind ganz normale zivile Grenzen: Gewalt, Drohungen, Beleidigungen kommen nicht in Frage. Dazu kommt noch: Eine beständig brachiale Sprache wird nichts klären oder „befreien“, sondern nur denjenigen das Maul stopfen, die gern in anderer Sprache kommunizieren möchten.

    Das wäre eigentlich ein guter Grundsatz: So zu sprechen oder zu schreiben, dass möglichst viele andere ohne unnötige Hindernisse ins Gespräch einsteigen können (wenn sie wollen).

    Antwort

  15. Vielleicht kann es interessant für die Diskutierenden sein, Erfahrungen eines „Betroffenen“ abzuholen.
    Zu mir: ich bin Mitte 30, männlich, seit mehr als 10 Jahren in einer glücklichen heterosexuellen Paarbeziehung und im Schnit 1-2 mal im Monat Prostitutionskunde.
    Mein Sexualleben ist generell eher ungewöhnlich und ich beschäftige mich viel mit meinen Wünschen, deren mutmaßliche Ursachen und den moralischen und sonstigen Implikationen. Insbesondere auch, da die „normalen“ Erklärungen für sexuelle Verhaltensweisen (z.B. „Prostituierte sind arme Opfer“ und „Freier sind notgeile, perverse Schweine, denen das Leid ihrer Opfer egal ist“) irgendwie nicht meiner Wahrnehmung der Lebensrealität entsprechen.
    ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════

    Antwort

  16. ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════
    ● Warum suche ich sexuelle Abenteuer außerhalb meiner Beziehung?

    1) Abwechselung
    Leider wird mir Sex mit nur einer Frau mit der Zeit langweilig. Das liegt sicherlich nicht an meiner Partnerin, die sehr offen für Variation ist (Dessous z.B., ausgefallene Rollenspiele, auch Analverkehr etc.) sondern an mir: ich will ab und zu einfach „fremde Haut“ spüren. Das belebt im Übrigen auch meine „Lust“ in der Beziehung. Wenn ich längere Zeit keine Abwechselung hatte, schläft auch das Sexualleben in der Beziehung ein – und das ist dann alleine meine Schuld.

    2) Sexuelle Wünsche, die in der Beziehung nicht befriedigt werden können
    Ich bin Sadomasochist. Meine Freundin auch, aber sie nimmt nur die passive Rolle ein: sie wil gefesselt werde, gedemütigt etc..
    Mir ist die passive Rolle eigentlich auch lieber, aber das kann ich mit ihr nicht ausleben. Daher muss ich mir das außerhalb der Beziehung suchen. Meine Ausflüge ins Domina-Studio haben im Übrigen mit „Sex“ im eigentlichen Sinne meist nur sehr wenig zu tun.
    Zudem bin ich auch bisexuell. Zwar war ich auch schon mit Callboys zusammen, aber für gewöhnlich gehe ich in Gaysaunas. Warum für etwas zahlen, was man auch umsonst haben kann?
    Ich habe schon Geld dafür bezahlt, einen Mann blasen zu „dürfen“ und am nächsten Tag dafür gezahlt, selbst von einer Frau geblasen zu werden. Das bringt einen schon etwas zum Nachdenken… In der Gaysauna einen potentiellen Partner zu verführen und zu sehen, wie er mich begehrt ist sehr geil. Und ein toller Schub für das Selbstvertrauen. Weiterhin interessant in dem Zusammenhang finde ich auch, dass ich in dem Zusammenhang manchmal mit Partnern dort zusammen bin, die ich gerade nicht übermäßig attraktiv finde. Von einem Mann gefickt, „benutzt“, zu werden, den man nicht attraktiv findet, kann das devote, passive Gefühl der Hingabe ungemein verstärken. Oft fordere ich sogar von den Partnern ein: nimm keine Rücksicht, benutzte mich, beschimpfe mich etc.: das erhöht meinen Spaß an der Sache. Sexuelle Devotheit ist manchmal eine seltsame Sache…
    Ich frage mich in dem Zusammenhang auch, inwiefern es bisweilen einer Prostituierten Spaß machen kann, mit einem Mann zusammen zu sein, den sie gerade nicht attraktiv findet, wenn sie ähnlich veranlagt ist, wie ich. Ich spiele bisweilen auch das Spiel, dass ich den ersten besten, der sich in der Sauna für mich interessiert nehmen „muss“ und habe auch schon das Spiel gespielt, dass dieser nach dem Sex meinen nächsten Partner aussuchen darf – das finde ich unheimlich erregend, gerade auch, wenn ich mir umgekehrt diesen Partner nicht gewählt hätte. Insgesamt ist Sexualität denke ich viel, viel komplizierter, als einfache, mehrheitsfähige Interpretationen es nahelegen.
    Besonders toll finde ich im Übrigen Transsexuelle Prostituierte, welche ich recht häufig aufsuche: sie verbinden das Beste beider Welten. Brüste und Schwanz.

    Antwort

  17. Eine Nebenüberlegung:
    Die vorherrschende Vorstellung monogamer heterosexueller Beziehungen ist völlig überladen. Was soll die Partnerschaft alles sein? Beste Freundschaft, sexuelle Erfüllung, eige Liebe, stabiler Raum für Kinder, lebenslage Verbindung…
    Das ist völlig unrealistisch.

    3) Einmal im Leben…
    Ich hatte erst mit drei Frauen Sex außerhalb einer Kaufsituation. Und die entsprachen alle meinem typischen „Beuteschema“: kaukasisch, vollbusig, etwas mollig, sehr weiblich.
    Bei Prostituierten habe ich hingegen alles schonmal ausprobiert. Insbesondere auch viele Frauen, mit denen ich nie eine Beziehung würde führen wollen.
    Ich sehe es als wertvole Erfahrung an, auch mal mit Frauen anderen Typs geschlafen zu haben: Schwarze, asiatische, sehr mollige, zierliche, ältere, jüngere usf.
    Die vorherschende Meinung, Männer würden vorallem „junge, schlanke und devote Frauen“ suchen ist für mich völlig hirnrissig. Ich habe mehr als zwei Jahre regelmäßig eine 20 Jahre ältere, ziemlich mollige Hure aufgesucht, von der ich mich fesseln und zum Oralverkehr habe „zwingen“ lassen, was ihr meiner festen Überzeugung nach ebenfalls sehr viel Spaß gemacht hat. Und sie konnte sich nach eigener Aussage vor Kunden kaum retten.
    ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════

    Antwort

  18. ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════
    ● Warum nutze ich Prostitution um die oben genannten Erfahrungen machen zu können?

    1) Weil es unkompliziert ist
    Ich habe eine Job mit jede Menge Reisetätigkeit. Eine Affäre neben meiner Beziehung zu unterhalten wäre recht schwierig – es sei denn, ich lege mir meherere in verschiedenen Städten zu… Zudem habe ich unter der Woche oft lange Arbeitszeiten.
    Eine Affäre will auch gepflegt werden, es reicht nicht, sich alle paar Monate mal für Sex zu treffen. Mal davon abgesehen, dass die Affäre vermutlich auch ins Geld geht, mit Essenseinladungen, Hotelzimmer usf..
    Einen Bordellbesuch muss man auch hingegen nicht vorher umständlich planen, es geht ganz spontan und unkompliziert. Ein Gaysauna Besuch im Übrigen auch.
    Dabei hätte ich glaube ich keine großen Probleme, mir eine Affäre zuzulegen. Ich arbeite seit fast 10 Jahren in der Unternehmensberatung: mein Verdienst ist entsprechend alles andere als schlecht. Ich habe mich auch nicht schlecht gehalten für mein Alter (das mag auch an meinem Fitness-Coach liegen…) und ernte zwischenzeitlich Aufmerksamkeit der weiblichen Hälfte der Bevölkerung, für die ich mit 20 gemordet hätte. Allerdings ohne sie zu nutzen und ohne wirklich daran interessiert zu sein…

    2) Es ist mit Sicherheit erfolgreich ist
    Wenn ich mich in die nächste Disko auf die Suche nach einem One-night-stand stürze, weiß ich nicht, ob ich die Nacht alleine verbringe oder nicht.
    Zudem entsprach das Disko-aufreißen noch nie meinem Stil und meinen Fähigkeiten.
    Wenn ich einen Prostitutionsbesuch unternehme ist es dagegen mit einiger Sicherheit erfolgreich: ich bekomme am Enda das was ich gesucht habe.

    Antwort

  19. 3) Es ist sicher
    Eine Affäre setzt mich der Gefahr aus, mich zu verlieben und meine Beziehung zu gefährden, was ich nicht will.
    Gerade dieses Jahr hat mich beim Kunden auch eine sehr viel jüngere Praktikantin recht agressiv angeflirtet, was mir unangenehm war und zu Gerede bei den Kollegen geführt hat. Darauf habe ich keine Lust. Bei Prostitierten besteht derlei Gefahr nicht, die Absichten von beiden sind von vornerherein klar definiert.
    Und auch die Gefahr, Bekannte oder Kollegen zu treffen ist minimal – da wäre ich mir bei einem Swingclub-Besuch o.ä. auch unsicher.

    4) die Qualität stimmt
    Auch die Qualität der Dienstleistung stimmt fast immer. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass ich in hochhpreisigen Segmenten unterwegs bin. Ich kann mir eigentlich recht sicher sein, dass meine Sexualpartnerin in Sachen Aussehen, sexuellen Praktiken, Körperhygiene usf. meinen Wünschen entspricht – wo geht das denn sonst?
    Zudem beherrscht die Hure meist die angebotenen Sexualpraktiken auch. Gerade beim Analverkehr zum Beispiel benötigt es einige Kenntnisse, Vorbereitung und auch Übung, um das zu einem gelungenen Erlebnis zu machen. Das weiß ich, weil ich sowohl aktiv als auch passiv damit jede Menge Erfahrung habe. Mit einer unerfahrenen Partnerin das das erste mal zu probieren macht mit einiger Sicherheit wenig Spaß, weil man unheimlich vorsichtig sein muss – erst mit einiger Übung macht es beiden mehr Spaß.
    Blasen können Huren sowieso besser als die meisten anderen Frauen.
    Zudem (und hier schreit die Feministin vermutlich auf): ich muss bei einer Prostituierten weniger Rücksicht darauf nehmen, was ihr Spaß macht. Wenn meine Freundin bei mir Fellatio praktiziert, habe ich immer irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil sie es glaube ich nur mir zuliebe tut. Das reduziert mein Vergnügen daran doch erheblich. Bei einer Prostituierten habe ich dieses Problem nicht: sie bietet die Dienstleistung an, sie wird dafür bezahlt, deshalb habe ich kein Problem damit, wenn sie dabei nicht sexuell auf ihre Kosten kommt. Ihre sexuelle Erfüllung ist irrelevant.
    Dasselbe gilt z.B. auch für Massagen, da ich häufiger auch einfach nur „sexualisierte“ Massagen nachfrage, ohne dass es zu Sex kommt. Wenn meine Freundin meinen Rücken massiert, fühle ich mich danach verpflichtet, sie danach auch zu massieren. Bei einer Dienstleisterin, die ich bezahle, fühle ich diese Verpflichtung nicht.
    Andererseits habe ich aber kein Interesse an einer Begegnung mit einer unwilligen Sexualpartnerin. Wenn ich merken würde, dass sie sich ekelt oder generell der Tätigkeit stark ablehnent gegenübersteht, dann hätte auch ich keinen Spaß daran. Selbiges ist mir nur einmal passiert. Die Frau war müde, gereizt und wollte „die Sache“ offensichtlich nur schnell hinter sich bringen und ich habe die Begegnung ziemlich direkt abgebrochen.
    Da besteht im Übrigen auch kaum ein Unterschied zu irgend einer anderen Dienstleistung. Ich habe auch eine Putzfrau. Wenn ich den Eindruck hätte, dass sie die Arbeit hasst, würde ich sie nicht beschäftigen. Nicht, weil ich für ihr Glück verantwortlich bin oder der Asicht bin, man müsse seine Arbeit immer lieben (das ist offensichtlich Unfug und gilt auch für mich mitnichten), sondern weil ich mich schlecht fühlen würde, wenn ich eine Dienstleistung erbracht bekäme, die zu erbingen der Dienstleister wirklich hasst.
    Biete die Dienstleistung an oder lasse es sein, aber runinier nicht mein Leben mit Deinen Problemen! Das reduziert die Dienstleistungsqualität derlei, dass ich sie (bei Dir) nicht mehr nachfrage.
    ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════

    Antwort

  20. ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════
    ● Moralische Implikationen

    Ist das alles jetzt moralisch verwerflich?
    Vielleicht meiner Freundin gegenüber. Aber das geht nur uns beide etwas an. Und ich bin mir eingentlich recht sicher, dass sie mir freie Hand ließe. Ohne meine Eskapaden hätte ich sie schon längst verlassen und uns beiden ist die Beziehung zu wichtig dafür.
    Und die Prostitution als solche? „Handele so, dass die Maxime Deines Willens…“ gemessen daran würde ich mein Dasein als Freier nicht als verwerflich bewerten. Ich kenne die sexuelle gefühlswelt Anderer nicht, aber mit meiner wäre es nicht unvereinbar, diese Tätigkeit auszuüben. Demnach sehe ich auch kein Problem darin, sie nachzufragen.
    Beute ich Prostituierte nun aus? Mißbrauche ich sie? Beuten sie gar mich aus? Und die Männer, mit denen ich in der Gaysauna Sex habe? Und wenn diese mich dafür bezahlen würden (Angebote hatte ich schon)?
    Wer bestimmt das? Und wen geht es etwas an? Nur die Beteiligten.

    Der Blick von außen ist in meiner Wahrnehmung völlig daneben, da er permanent Einschätzungen und Klischees produziert, die nicht auf meine Lebensrealität passen. Auf Basis dieser Fehleinschätzungen kann man kein Urteil über die Lebensentwürfe anderer Menschen fällen.
    ══════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════════

    Antwort

  21. @ Thomas sehr ehrlicher und interessanter Beitrag.
    Besonders deine sachliche Schilderung der Dinge gefält mir. Muss dir wirklich in vielen Dingen zustimmen. Es ist vor allem immer eine Sache zwischen zwei Menschen, egal ob es sich dabei um den käufliche oder den partnerschaftliche Sex handelt. Zwei Menschen handeln untereinander aus wie sie den Umgang gestalten und es braucht niemand einen Dritten, der mit erhobenen Zeigefinger erklärt wie verwerflich und unmoralisch das hier gerade ist oder gar zu Verboten aufruft. In Gesprächen mit Prostituierten (ich habe lange als Krankenschwester gearbeitet) habe ich auch eine ganz andere Sicht auf diesen „Job“ bekommen. Es ist ein Job mit Vor- und Nachteilen wie jeder andere auch, einige Dinge macht man besonders gern, andere gehören zum „Alltag“ dazu, so eine mehrfache Aussage von verschiedenen Damen.

    Antwort

  22. „Wir leben in einer Zeit, in der der biologisch bedingte Anteil am Verhalten weit unterschätzt wird.“

    Man kann es auch anders formulieren. Die heutigen 50 jährigen Männer haben ja in der Regel eine (pro-) feministische Sozialisation durchlaufen.
    Hierzu gehren eben auch Vorstellungen der (fast) beliebigen Formbarkeit des Menschen. Dieses zeigt sich ja auch an der „Psychotherapeutisierung“ unseres Lebens, an der damit verbundenen Vorstellung, alles auch sich machen zu können, alles erreichen zu können. Wenn jetzt bezüglich der Geschlechterdebatte der Aspekt gewisser (evolutionsbiologischer) Verhaltensdispositionen thematisiert wird, die kulturell überdauernd zu sein scheinen, erweitert es den Blick auch insofern , das bestimmte geschlechtsspezifische Verhaltensweisen klarer werden. Dieses ist ja im Blog ALLES EVOLUTION immer wieder sehr interessant zu verfolgen, eben nicht monokausal, aber als ein ergänzender „nicht-psychologischer“ Erklärungsversuch unserer aktuell schwierigen Situation. Ich fand eben auch die Erklärung, daß aus evolutionsbiologischer Sicht Männer eher polygam, Frauen hingegen hypergam sind, also auf der (unbewußten) Suche nach dem Alpha-Mann, als zusätzliche Betrchtungsebene sehr instruktiv

    Antwort

  23. „Wer bestimmt das? Und wen geht es etwas an? Nur die Beteiligten.“

    Dabei musste ich spontan an die „Cider House Rules“ denken. Sehr gutes Buch, das die Moralität von Abtreibung durchleuchtet.
    (Der Titel kommt daher, dass in dem Buch die Arbeit auf einer Apfelplantage geschildert wird. Die Arbeiter halten sich nicht an die Liste mit Regeln, die an der Scheune hängen. „Das sind die Regeln der Besitzer, aber die arbeiten hier nicht. Diese Regeln sind nicht unsere Regeln, wir haben unsere eigenen.“

    Und dabei musste ich daran denken, dass Feministinnen gerne anführen, dass Abtreibungsgesetze von weißen, alten Männern gemacht werden, die qua alter-Sack-sein kein Mitspracherecht haben sollten, wenn es um die Körper (junger) Frauen geht.

    Und jetzt kommt eine weiße, alte Lesbe und will Gesetze haben, die das Sexualleben junger Männer regeln.

    Na, watt denn nun?
    Muss ein nicht-unmittelbar-Betroffener gefälligst die Klappe halten? Oder findet eine offene Diskussion statt?

    Antwort

  24. Es ist falsch, wenn von einem (möglichen) Verbot der Prostitution die Rede ist. Der Freier soll bestraft werden, die Prostituierte jedoch nicht. So ist das in Schweden bereits üblich und in Frankreich angedacht. Das ist es, was mich am meisten stört: Es gibt zweierlei Recht, eins für Frauen, die pauschal von jeder Verantwortung freigesprochen werden und eins für Männer, die für ihre Handlungen die volle Verantwortung tragen und strafrechtliche Konsequenzen tragen müssen. Es bahnt sich eine weitere feministische Pervertierung elementarer Rechtsgrundsätze an.

    Antwort

  25. „Es gibt zweierlei Recht, eins für Frauen, die pauschal von jeder Verantwortung freigesprochen werden und eins für Männer, die für ihre Handlungen die volle Verantwortung tragen“

    Dahinter steht das Konzept der WEIBLICHEN SUPREMATIE

    Frauen stehen auf einer anderen Stufe des Menschsein, sind im Vergleich zum Triebtäter Mann „höhere“ und „bessere“ Wesen.

    Männer sind im Täter (= Tätergeschlecht), Frauen sind immer Opfer (= Opfergeschlecht)

    Antwort

  26. Organspende ist nicht immer erst beim Tod der Fall, zB bei Nieren. Oder man rechnet auch Knochenmark dazu.

    Und ja, es mag sein, dass man fürs Blutspenden belohnt wird, aber angenommen, Blut wäre völlig dem Markt überlassen, zB. mit Preiskämpfen und Preisanstieg bei Katastrophen, und mit der Möglichkeit des Kaufens auf Empfängerseite – dann wäre das illegal und würde auch von den meisten Leuten als höchst unmoralisch empfunden.

    Antwort

  27. „So ist das in Schweden bereits üblich“

    Na, was ich von der schwedischen Situation lese, kommen die Prostituierten da auch nicht ungeschoren davon.
    Das liegt vor allem an der Zusammensetzung der Klientel. Es ist ja normal, dass man gute und schlechte Kunden hat. Wenn „Kunde sein“ illegal wird, bleiben nur die schlechten übrig.

    Mit anderen Worten: Die Regelung bestraft auch die Frauen, aber – und das ist natürlich der Bringer für die Feminismus-Mannschaft – nicht direkt durch das Gesetz.
    Sonst müsste sich ja die schwedische Schwarzer eingestehen, dass sie einem Haufen Frauen in die weiblichen Klöten getreten hat. Hat sie aber formal nicht. Sie hat ja nur Männer unter Strafe gestellt, für alle Folgeerscheinungen kann sie nichts.
    War ja gut gemeint.
    (http://sciencefiles.org/2013/11/07/verbot-von-kinderarbeit-aktionismus-mit-perversen-effekten/)

    Mal wieder etwas simplifizierend dargestellt, aber für „intelligent“ hab ich grad keine Zeit 😉

    Antwort

  28. Ich wundere mich, dass eine solche Perversion so relativ gleichgueltig hingenommen wird. Wenn dies wirklich die Gesetze sind, dass im Prostitutionsfalle der Freier bestraft wird, nicht die Prostituierte, dann ist Schweden kein ziviles Land mehr, sondern, im allgemeinen Sprachgebrauch sagt man wohl dazu, eine Diktatur.

    Es ist doch nicht voellig so, dass „die Maennerbewegung“ ganz ohne Organisationen ist. Diese sollten zum Boykott Schwedens aufrufen. Was ist denn mit den schwedischen Maennerechtlern? Lassen die das einfach mit sich machen? Warum nicht eine grosse Welle zivilen Ungehorsams? Es wundert mich wirklich, wie relativ gleichgueltig man eine solche Perversion hinnimmt.

    Antwort

  29. Ich habe gerade auf AVfM (https://www.avoiceformen.com/feminism/government-tyranny/swedens-empire-of-governance-feminism/) eine Werbebroschüre für das schwedische Gesetz gefunden: http://prostitution.procon.org/sourcefiles/targeting-the-sex-buyer-the-swedish-example-stopping-prostitution-and-trafficking-where-it-all-begins.pdf

    Effizient gemacht. Wer nicht gewohnt ist, selbst zu denken und Konsequenzen von Vorhaben zu hinterfragen, der wird sofort sagen: klar, unterstütze ich. Die armen, versklavten Kinder müssen doch gerettet werden.

    Ich glaube der Sciencefiles Post über Gutmensch-Projekte, die nach hinten losgehen, wird einer meiner meistgebrauchten Links werden.
    (http://sciencefiles.org/2013/11/07/verbot-von-kinderarbeit-aktionismus-mit-perversen-effekten/)

    Antwort

  30. Danke fuer diese Werbebroschuere: Ein wahrlich ekelhaftes Dokument. Ich glaube aber nicht, dies sei „effizient gemacht“. Im Gegenteil, wenn jemand geschickt ist mit Collagen etc., sollte es nicht so schwer sein, den offensichtlich faschistischen Charakter den meisten Menschen deutlich zu zeigen. (Hmm, vielleicht haben wir das Pech, zu viele Wissenschaftler zu haben, und zu wenig Medienschaffende („Kreative“)?)

    Antwort

  31. Ein paar Ideen zur Organisation des Widerstands

    1. Man koennte/sollte eine Ausstellung organisieren.

    Titel vielleicht „Der ganz gewoehnliche Faschismus“, oder „Der ganz gewoehnliche Sexismus“. Da wird solches Material wie der Prospekt zusammengestellt, vielleicht einfach ohne Kommentar. Vielleicht solche typischen Darstellungen des Mannes als den ewigen Juden versetzt mit den vielen feministischen Witzen ueber Maenner. Da wuerde ich mich auf diesen Typus Witz konzentrieren, wo sich ueber schwache, unsichere Maenner hergemacht wird.

    2. „An ihren Witzen sollt ihr sie erkennen“

    Aus den Studienzeit erinnere ich mich noch an den Ekel, den ich beim Lesen der Witzspalte der Frauenzeitschrift an der Uni Frankfurt empfand. Habe natuerlich davon nichts mehr, aber ich schaetze, da gibt es 'ne Menge, bundesweit.

    3. Dies muss alles gesammelt werden. Sollte alles noch in den Archiven vorhanden sein. Um da Zugang zu bekommen, kann man sich feministisch aktivieren lassen. Immer etwas dumm stellen (Maenner sind Schafe, wissen wir doch alle), ein dumpfes Gefuehl, das man hat, und das von den Feministen dann ans Licht gebracht wird, bis es sich entlaedt „Schweine!! Das Patriarchat!!!“. Hoffe, man versteht, was ich meine. Muss doch Spass machen. Und noch sollten sie sich sicher an der Macht fuehlen, so dass noch der Zugang zu den Archiven moeglich sein sollte. Vielleicht kann man auch die Freundin gewinnen.

    Ich glaube, es gibt eine Menge Material, auf der einen Seite der Monster-Mann, auf der anderen Seite diese Witze, z.B. (wie gesagt, erinnere mich unscharf daran), typischerweise ueber unsichere Annaeherungsversuche eines Mannes, der dann in der Salzsaeure oder so endet. Sollte eine ordentliche Ausstellung ergeben. Muss ja nicht material sein (kann aber), koennte auch virtuell sein.

    Waere ich ueberhaupt in Deutschland, ich wuerde mich sofort zu einer Uni aufmachen, und am Kampf gegen das allgegenwaertige Patriachat teilnehmen! (Und an diesem Tabu ruetteln!!! Niemand wagt es auszusprechen, wie ueberall Frauen unterdrueckt werden. Aber es gibt da doch die vielen tapferen Frauen, an denen ich mir ein Vorbild nehmen kann.)

    Antwort

  32. Lieber Herr Schoppe …. Glückwunsch zu 150.000 Seitenaufrufe, weiter so 😉

    Antwort

  33. Die Initiative von Oliver K. finde ich auf jeden Fall gut. Vielleicht finden sich blogger zusammen, die an derselben Sache interessiert sind, so daß wir nicht immer als Einzelkämpfer arbeiten: Nicht für alles ist ein Verein wie Manndat oder Agens geeignet.

    Antwort

  34. @thomas

    Dürfte ich deine Kommentare zu deiner Situation als Freier bei mir im Blog als Artikel veröffentlichen? ich finde es eine interessante Perspektive

    Antwort

  35. Hi Christian,
    gerne sogar.
    Ich lese Deinen Blog häufiger, und vor allem auch die Diskussionen im Kommentarbereich.
    Es würde mich interessieren, was die DIskutierenden dort hierzu sagen – insbesondere Adrian (dessen Blog ich ebenfalls lese).
    Seine Sicht auf bisexuelle Männer, die Prostitutionskunden sind, würde ich gerne mal erfahren.

    Antwort

  36. Vielen Dank! Ich geb mir Mühe 🙂

    Antwort

  37. Ich finde es auch eine gute Idee. Und auch die Idee einer Zusammenarbeit verschiedener Blogs ist sehr reizvoll. Es könnten in unterschiedlichen Blogs „Ausstellungsräume“ zu jeweils bestimmten Themen installiert und über Links verbunden werden – so dass man durch die Blogs wie durch eine große zusammenhängende Ausstellung wandern könnte.

    Themen könten sein (als erste, noch unausgereifte Vorschläge):
    – Der Mann als „gelöstes Problem“ („Gewalttäter“ kriegen, was sie verdienen)
    – Der wertlose Mann
    – Der Mann als Trottel
    – Der Mann als Sexbestie
    – Der Junge als Pascha im Wartestand

    Ich würde jedenfalls sofort mitmachen.

    Antwort

  38. Ich wär auch dabei. Themenvoschläge bringe ich heute abend. Auch das Wandern durch blogs wie durch Räume einer Ausstellung finde ich absolut überzeugend.

    Antwort

  39. Grossartig!

    Ein paar Assoziationen (numeriert bloss der Uebersichtlichkeit halber; sind keine „Thesen“ oder so):

    1. Durch solche Ausstellungsraeume werden gewisse Resultate des Blogs dargestellt, er wird produktiv.

    2. Aber wohl konzentriert man sich (zumindest am Anfang) auf Visuelles. Als Gegengewicht zur Textlast der Blogseiten (mit ihren Kommentaren; wenn man die im Nachhinein durchliest, kann man doch leicht ein Matschhirn bekommen). Also auch mit der Funktion eines leichten Einstiegs.

    3. Mit „Visuellem“ meine ich jetzt auch kleine Textausschnitte oder aehnliches. Aber einzelne Exponate, keine durchgaengige Argumentation (zur der kann man ja noch verlinken, wenn es sie gibt).

    4. Eine gewisse Reichhaltigkeit sollte angestrebt werden. Mitarbeit scheint mir sehr wichtig hier. Es sollte ein Protokoll geben, wie man Exponate einreicht. Aber kein direktes Hineinstellen — es muss schon einen „wohlwollenden Diktator“ geben.

    5. Diese Exponate sollten genaue Quellenangaben haben. Zwar sollten die Ausstellungen auch (irgendwo) etwas Leichtes haben, aber auch muessen sie praezise verankert in der Wirklichkeit sein.

    6. Man koennte natuerlich auch kuenstlerische Ausstellungen machen. Aber erstmal das Hauptgewicht auf die Aufarbeitung der Wirklichkeit, das ZEIGEN der Ideologien. Gewissermassen so einen feministischen Slogan umdrehen: „Mann! Du Trottel!! Augen oeffnen!!!“

    7. Fuer die Mitarbeit, das Sammeln der Exponente, koennte man „calls for papers“ erstellen. Das koennte sehr motivierend sein. Gerade die feministischen Bereiche sind doch an sich sehr deprimierend, und man wendet sich traurig ab. Wenn man aber eine Aufgabe hat, kann das sogar richtig Spass machen. Ich hatte einmal einen Freund um irgendeine buerokratische Auskunft gefragt, die es wo gab, wo er grad was zu tun hatte. Nun hatte er etwas Freizeit (kommt vor, selbst bei uns hart arbeitenden Maennern), und er hat sich richtig reingehaengt: was, wenn man es tun muss, um fuer sich etwas rauszuholen, aeusserst unangenehm sein kann, kann, als Erfahrung eines Wirklichkeitsbereiches und aus reinem Vergnuegen, ohne irgendeine Ergebnislast exploriert, Vergnuegen bereiten. Man kann sich auch Fantasien machen (Unterwanderung, under-cover agent … Gefahr, Abenteuer …).

    Antwort

  40. Ich finde die Vorschläge sehr gut. So etwas wie ein Call zur Mitarbeit wäre zentral, ich bin aber auch dafür, die Gestaltung und Präsentation dann jeweils pro Blog in einer Hand zu lassen – allein schon, um einen halbwegs einehitlichen Stil zu gewährleisten.

    Sammeln kann man auch über den Kommentarereich und über Seiten, die extra dafür eingerichtet werden.

    Grundsätzlich müssten wir erst einmal zwei Fragen klären:

    – Wer macht mit? Bislang haben wir jungsundmaedchen und man tau, wir bauchen noch ein paar mehr.

    – Welche Kategorien haben wir? Das lässt sich im Laufe der Arbeit vielleicht neu einteilen, wenn es nötig wird – es ist aber für den Anfang wichtig, ein paar Kategorien zu formulieren, um gezielt suchen zu können.

    Ich finde auch den Hinweis gut, dass aufgrund der Textlastigkeit unserer Blogs visuelles Material sehr wichtig wäre. Knappe Witze wären auch gut, da wird die Emma uns sicher behilflich sein. Ansonsten könenn wir die Frage nach der Art von „Exponaten“ klären, wenn wir ein wenig gesammelt haben.

    Antwort

  41. Dieser Artikel mit der These der beim Mann ur-genetisch imprägnierten Schuld zum Zwecke des bestmöglichen Kindeswohls war jetzt für mich ein höchst interessanter Denkansatz, vielen Dank. Da möchte ich gern noch ein paar eigene Gedanken hinzufügen und auch auf eine Lücke hinweisen.

    Dazu erstmal die Schilderung eines frühkindlichen Schlüsselerlebnisses von mir:
    Ich, etwa 5 oder 6 Jahre als, in einer kaputten Familie mit zwei gewalttätigen Elternteilen, die selbst auch aus gewalttätigen Familien kamen und demzufolge seelische Krüppel waren (sind). Trotz allem mit einem nur minimal erfüllten Bedürfniss nach Nähe und Zärtlichkeit frage ich meine Mutter ob ich in ihrem Bett schlafen darf, was ausnahmsweise gewährt wurde. Das Licht ghet aus, ich schmige mich eng an meine Mutter und geniesse es für vielleicht eine halbe Minte sehr, endlich ein bisschen Wäreme zu bekommen.
    Plötzlich geht das Licht an, die Mutter richtet sich auf und herrscht mich wütdend an was das denn soll?
    Voller Zorn und Entrüstung: „Du bist ja ein richtiger Liebhaber! Das geht aber nicht“.
    Von Sex, Fortpflanzung u.ä, wusste ich damals noch gar nichts, und konnte auch den Begriff „Liebhaber“ nicht zuordnen. Als dann das Licht wieder ausging war ich völlig verstört und geschockt.
    Man kann sich leicht vorstellen was für fatale Auswirkungen dieses prägende Ereignis auf den späteren Erwachsenen haben muss. Immer dann, wenn ich mich einem Mädchen näherte, hatte ich jedesmal das starke Gefühl, dass meine Annäherung etwas Schlimmes, Verwerfliches ist. Durch Sex wurde dieses unerträgliche Gefühl noch potenziert, so dass ich, nach ein paar kläglichen Nummern, es mit 20 aufgab und seither nie wieder Sex mit jemand anderes hatte.
    Lange Zeit dachte ich dass dieses Erlebnis die grundlegende Ursache für meinen Widerwillen gegenüber einer Beziehung wäre, aber nach vielen Jahren des Nachdenkens und der Selbst-Reflektion bekam ich immer mehr das Gefühl, dass dieses Erlebnis nur eine Art Vertärker war für eine viel tiefer liegende Ursache.
    Sex für Geld kaufen zu müssen war für mich immer schon widerlich und völlig inakzeptabel, ich war nie bei einer Prostituierten. Einmal jedoch, so Ende 20, habe ich mir aus Verzweiflung heraus viel Geld in die Tasche gesteckt und mich Richtung Strassenstrich aufgemacht. Doch es ging einfach nicht. Als ich die Frauen aus der Ferne sah befiel mich wieder dieses unangenehme mächtige Gefühl wie ich es damals nach dem Licht-Wieder-Aus erlebt hatte. Und mit jedem weitern Schritt wurde das Gefühl noch mächtiger und dann bald unerträglich. Ich drehte wieder um mit Gewissheit, dass dieser Weg für mich niemals gangbar sein wird.
    Ich habe das alles nie so richtig verstanden auf emotionaler Ebene. Dieser Erklärungsansatz der genetisch imprägnierten Schuld erscheint mir jedoch ziemlich einleuchtent und überzeugend, bringt er doch etwas Licht ins Dunkel. Es kotzt mich so furchtbar an mich mit meinen Bedürnissen nach Nähe und Sex immer wie ein Verbrecher fühlen zu müssen. Ich kann gar nicht anders als mein Leben allein zu verbringen, so elend das auch ist. (Ende Teil 1)

    Antwort

  42. (Teil 2)
    Die Lücke im Artikel ist m.E. die fehlende Differenzierung zwischen Alpha- und Beta-Männern. Ich unterteile uns Männer in drei Gruppen: Alphas, destruktive Betas und und Beta-Idealisten. Mit einer Verteilung von etwa 20/40/40.
    Alphas sind im Grunde arme Schweine. Als Sklaven ihres Drangs, ihren Samen möglichst weit zu verbreiten, müssen sie von Frau zu Frau wechseln, können nie echte Bindungen aufbauen, sich nie wirklich um ihre Kinder kümmern, nie etwas echtes Zwischenmenschliches erleben. Sie haben viel Sex, sind aber zeitlebens seelisch immer allein und müssen meist allein sterben. Lieblose Hüllen um primitiven Trieb herum, deren Schiksal ich niemals teilen möchte, ganz egal wieviel Sex es dafür gibt. Diese Männer sind aber die Väter von sehr vielen von uns Männern, kein Wunder dass die Welt dauerhaft in so einem schlimmen Zustand ist.
    Die destruktiven Betas sind einfach nur die Kaputten unter uns, die zu kaputt und zu dumm sind um über irgendwas wichtiges Nachdenken zu können, die sich voll und ganz ihren Trieben und Gefühlen hingeben, vermutlich die allermeiste Gewalt ausüben und einfach nur schlimmen Schaden überall anrichten.
    Und es ist auch genau diese Gruppe die im Fokus der misandrischen FeministInnen steht, aus der sie ihre stete Überzeugung bezieht, dass alle Männer gewalttätige Schweine sind.
    Und übrig bleiben dann wir, also die die z.B. hier schreiben, die Beta-Idealisten, die sich Kraft ihres Intellekts ein Stück weit gegen die fatalen Einflüsse von Genen, Hormonen und Unterbewusstsein wehren und wenigstens versuchen, ihre dunklen Seiten im Zaum zu halten. Die das ganze Elend analytisch betrachten, voller Bestürzung in der Gewissheit dass sie kaum was dran ändern können, weil sie der Dominanz der Alphas und der Gewalttätigkeit der destruktiven Betas kaum was entgegensetzen können. Und es ist nur ein kleiner Trost, dass es im wesentlichen wir Beta-Idealisten sind, die die Zivilsation und den Fortschritt erschaffen haben. Und als Dank wirft man uns in einen Topf mit den beiden anderen primitiven Gruppen und nennt uns Schweine. Naja, Undank ist der Welt Lohn.

    Und was jetzt die vermutete genetisch imprägnierte Schuld angeht: Die spüren nur wir, aber die Alphas nicht, die den Sex eh umsonst kriegen, und die destruktiven Betas nicht, die über das ganze nur dreckig lachen.

    Antwort

  43. Die Sündhaftigkeit des Menschen

    „Damit der Mensch gedeihe, muss es ihm möglich gemacht sein, sich in allen Lagen so zu geben, wie er ist. Der Mensch soll sein, nicht scheinen. Er muss immer erhobenen Hauptes durchs Leben gehen können und stets die lautere Wahrheit sagen dürfen, ohne dass ihm daraus Ungemach und Schaden erwachse. Die Wahrhaftigkeit soll kein Vorrecht der Helden bleiben. Die Wirtschaftsordnung muss derart gestaltet sein, dass der wahrhaftige Mensch auch wirtschaftlich vor allen am besten gedeihen kann. Die Abhängigkeiten, die das Gesellschaftsleben mit sich bringt, sollen nur die Sachen, nicht die Menschen betreffen.“

    (Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918)

    Silvio Gesell (1862 – 1930) veröffentlichte die erste vollständige Theorie zur Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) bereits im Jahr 1906. Sein späteres Hauptwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (1916), in dem alle makroökonomischen Zusammenhänge noch genauer beschrieben sind, wäre für die rein technische Verwirklichung des eigentlichen Beginns der menschlichen Zivilisation nicht mehr nötig gewesen – konnte aber, obwohl es „ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht“, vom „Normalbürger“, der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im „Programm Genesis“ befindet, bis heute nicht verstanden werden. Es sind drei kulturelle Entwicklungsstufen zu unterscheiden, und erst heute erfolgt der Übergang von der zweiten zur dritten Stufe:

    Erste Stufe: zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus)
    Zweite Stufe: Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft)
    Dritte Stufe: Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus)

    Die Gedankenwelt des „Normalbürgers“ im zivilisatorischen Mittelalter wird vom künstlichen Archetyp Jahwe = Investor im kollektiv Unbewussten gesteuert, der erfunden wurde, um die halbwegs zivilisierte Menschheit an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld anzupassen. Erst das Geld, als eine Universalware, die sich gegen alle anderen Waren tauschen lässt, ermöglicht eine entwickelte Arbeitsteilung und persönliche Freiheit durch Geldersparnisse. Solange das Geld aber noch fehlerhaft ist und die Gesellschaft in Herrscher (Zinsgewinner) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, kann auf die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) und die damit verbundene Lügerei nicht verzichtet werden, um die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden und alle daraus entstehenden Zivilisationsprobleme einer hypothetischen „Sündhaftigkeit des Menschen“ anzulasten.

    Einführung in die Wahrheit

    Antwort

  44. Die Unterteilung finde ich interessant. Insofern, dass Feminismus, so wie ich ihn verstehe, von dem Kontakt mit Alphas und destruktiven Betas, wie du sie nennst, häufig inspiriert wird.

    Was denkst du, ist die Ursache, warum der eine als destruktiver Beta und der andere als Beta-Idealist endet? Oder auch als Alpha?

    Antwort

Antwort

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s