Monatsrückblicke

Warum die Pole Position im Opferwettrennen so wichtig ist (Monatsrückblick November 2013)

Bild zeigt Verkehrsschild (Allgemeines Fahrverbot) mit einer Hand und einem Slogan: "pssst..."
geschrieben von: Lucas Schoppe
„Nach meiner Auffassung ist es die Pflicht der Hochschule und ihrer zuständigen Instanzen, von außen kommende Versuche dogmatischer Einflußnahme auf die Lehre abzuwehren und die Möglichkeiten kritischer Diskussion umfassend zu wahren.“ (S. 73)
So argumentierte zu Beginn der neunziger Jahre der Duisburger Philosophieprofessor Hartmut Kliemt, als er gegen massive Proteste und schließlich erfolgreiche Störversuche ein Seminar über den umstrittenen australischen Moralphilosophen Peter Singer abzuhalten versuchte.

„Es darf weder Herrn Singer noch seinen Gegnern erlaubt werden, sich einer kritischen Diskussion zu entziehen oder eine argumentative Auseinandersetzung zu verhindern.“

Kurz nach Beginn meines Philosophiestudiums in Göttingen habe ich ähnliche Diskussionen über Singer miterlebt. Ich hatte kurz zuvor Zivildienst in einer Einrichtung für geistig Schwerbehinderte gemacht, und mir war die Selbstverständlichkeit suspekt, mit der Singer über das Lebensrecht behinderter Menschen schrieb, überlegte, wann eine Tötung gerechtfertigt sei, und Behinderte nonchalant als „human vegetables“ (wörtlich: menschliches Gemüse, aber auch mit einer Anspielung auf das Vegetieren) bezeichnete. Obwohl Singer nur über Menschen mit schwersten Behinderungen geschrieben hatte, nahmen viele Behinderte eine solche Diskussion natürlich als bedrohlich wahr.

Trotzdem waren die Störversuche falsch, die Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger in Deutschland übrigens sehr erfolgreich waren: Seminare über Singer wurden abgesagt oder abgebrochen, Einladungen an ihn zu universitären Vorträgen zurückgenommen. Falsch waren sie, weil sie der universitären Debatte nicht zutrauten, dass sie ihre eigene Problematik – über das Lebensrecht anderer Menschen zu debattieren – nicht ernsthaft zum Thema machen könnte und weil sich unter den Störern niemand Gedanken darüber machte, wo denn eigentlich die Grenzen der Störung freier Rede gezogen würden.

Trotzdem: Im Vergleich zu heute erscheint die Diskussion um Singer in Deutschland regelrecht als Musterbeispiel universitärer Debattenkultur. Es erschienen Sammelbände wie die oben zitierte Dokumentation, im Spiegel oder der Zeit wurde kontrovers über die Position Singers und über die Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit durch die Störversuche diskutiert.

Im Namen der Freiheit die Klappe halten Heute hingegen ist die Be- und Verhinderung freier Diskussionen an Universitäten so alltäglich geworden, dass in der überregionalen Presse niemand mehr Notiz davon nimmt. Gerade wurde eine für den 26. November an der TU in Berlin geplante Veranstaltung abgesagt, die von der dortigen Fachschaft in Zusammenarbeit mit der Fakultät Wirtschaft und Management organisiert worden war. Dabei ging es bei dieser Veranstaltung keineswegs um so ein gravierendes und vorbelastetes Thema wie das Lebensrecht Behinderter, sondern schlicht – um die Frauenquote.

Der Asta kritisierte das Konzept, nur Männer zu der Podiumsdiskussion einzuladen http – als ob Männer von der Frauenquote nicht betroffen wären und nichts dazu zu sagen hätten, solange nicht auch Frauen mitreden. Insbesondere die Einladung des emeritierten Bremer Professors Gerhard Amendt wurde als unerträgliche Provokation empfunden.

Lassahns Buch „Frau ohne Welt“ wurde vom Asta stark tendenziös skizziert und ohne Belege als „extrem frauenfeindliche Position“ diffamiert, und die Linke Liste berief sich auf die einschlägige Tendenzschrift Rosenbrocks über die „antifeministische Männerrechtsbewegung“, um Lassahn und Amendt als indiskutable Antifeministen hinzustellen. Differenzierungen hielt der hoffnungsvolle akademische Nachwuchs Deutschlands in keinem der Fälle für nötig, ebenso wenig wie die Lektüre der Texte von Amendt oder Lassahn.

Die Fachschaft entschuldigte sich schließlich für die Einladung Amendts in einem unterwürfigen Text bei Facebook,  der Michael Klein auf Science Files an die rituelle „Kritik und Selbstkritik“ zur Unterdrückung abweichender Meinungen im stalinistischen Russland erinnerte.

Nach der Ausladung Amendts sagten noch andere Redner ab, so dass die Veranstaltung platzte. Erik Marquardt von der Grünen Jugend, der ursprünglich als Teilnehmer an der Diskussion geladen war, begründete seinen Widerstand gegen die Veranstaltung auf Facebook damit, dass die Meinungen Amendts und Lasahns „im Wesentlichen überflüssig bis schädlich“ seien und dass er nicht dafür mitverantwortlich sein wolle,

„dass die beiden Männer ihr übermäßiges Geltungsbedürfnis weiter auf dem Rücken der Opfer von Rassismus, Sexismus und häuslicher Gewalt ausleben können.“

Für Marquardts Anspruch, über das Rederecht und die Relevanz von Mitdiskutanten entscheiden zu können, ist hier das Wort „Opfer“ entscheidend. Imhuman ist damit nicht etwa seine demokratiefeindliche Attitüde, sondern die als unerträglich imaginierte Zumutung, die eine freie Rede Lassahns oder Amendts – aus Gründen, die nicht einmal beschreiben werden müssen – für die „Opfer“ von „Rassismus, Sexismus und häuslicher Gewalt“ darstellen würde.

Marquardts Begründung ist ein gutes Beispiel dafür, warum eine Be- und Empfindlichkeitsethik nicht nur widersprüchlich, sondern auch antidemokratisch wird. Schließlich interessiert es hier überhaupt nicht, ob nicht auch durch die Verhinderung freier Rede Sensibilitäten verletzt werden. Wer seinen Anspruch auf moralische Entscheidungen mit der Empfindlichkeit Betroffener begründet, muss grundsätzlich zunächst einmal die Entscheidung treffen, wessen Sensibilitäten der Wahrnehmung wert sind – und wessen Sensibilitäten ignoriert werden können.

Richtige Männer weinen nicht richtig Die Behauptung von Opferpositionen aber war ein Leitmotiv vieler Debatten des vergangenen Monats – Abraxas berichtet auf seinem Blog „Wortschrank“ sogar live von der „Opferolympiade“. Till Krause erzählte im Magazin der Süddeutschen Zeitung  von seinen Erfahrungen als Vater in der Elternzeit.

„Es scheint, als hätten viele Frauen immer noch ein Problem damit, Männer auf einem Gebiet zu akzeptieren, in dem Mütter lange unter sich waren.“

Der Artikel wird häufig zitiert und diskutiert, unter anderem (natürlich) bei Alles Evolution, aber auch feministische Blogs gewinnen ihm etwas ab: Aus feministischer Perspektive kritisieren Robin und Onyx, dass einerseits Veränderungen von Geschlechterrollen eingefordert, andererseits Männer, die in Elternzeit gingen, herablassend behandelt würden. Über die „Tränen der Väter“ schreibt Robin Urban, und Onyx befindet, dass die „Male tears (…) diesmal zu Recht“ vergossen würden (weil es wohl eine männliche Unsitte ist, häufig zu Unrecht zu weinen, oder so).

Dass männliche Tränen sogar von Netzfeministinnen ernst genommen werden, darf so natürlich nicht stehen bleiben: „Antiprodukt“ hält auf ihrem Blog dagegen, und Tofutastisch besteht darauf, dass Frauen gar nicht diskriminieren können, sondern sämtliche Diskriminierung von patriarchalen Strukturen ausginge.

Anatol Stefanowitsch fühlt sich gleich doppelt berufen, Diskussionen über mögliche Benachteiligungen von Männern und Jungen gar nicht erst über die Wahrnehmungsschwelle kommen zu lassen: Er macht deutlich, dass er selbst als Vater Diskriminierungen selbstverständlich nur von „anderen Männern (vor allem Vorgesetzten)“ erlebt habe  – und schreibt dann gleich noch einen Text, der sich gegen die Meinung stellt, für schulische Nachteile von Jungen könnte irgendjemand anders verantwortlich sein als die Jungen selbst.

Auf Twitter gründet sich eine Gruppe, die sich über „Male Tears“ lustig macht – die aber aufgrund ihrer offenkundigen Dämlichkeit ein Rohrkrepierer bleibt. Erzählmirnix macht sich hingegen, deutlich eleganter, über die Probleme lustig, die Feministinnen mit „male tears“ haben.

Gleichwohl ist es erstaunlich, mit welcher verbissenen Lustigkeit von den Teilnehmerinnen (und auch Teilnehmern) der Gruppe darum gekämpft wird, männliche Leiderfahrungen auf gar keinen Fall ernst nehmen zu müssen. Für mich selbst waren Berichte von Männern als Opfern häuslicher Gewalt sehr beeindruckend, die im Monat Oktober auf der amerikanischen Website „A Voice for Men“ erschienen waren, und in einer Diskussion zu einem man tau-Artikel dazu schreibt „LoMi“, dass die „Kultivierung der Verächtlichmachung von Männertränen eine Diskursstrategie“ sei.

Was für eine?

Tatsächlich ist es auffällig, dass Männer offener und bereitwilliger über eigene Leiderfahrungen zu sprechen beginnen – und dass das bei Feministinnen häufig auf Widerstand oder Verachtung trifft. Das betrifft auch den Versuch, im Monat November gezielt das „Bewusstsein für Prostata- und Hodenkrebs zu erhöhen“ („Movember“),  oder eine Fotoaktion amerikanischer Männer, die Opfer von Vergewaltigungen wurden.  Warum wird das von vielen, Männern wie Frauen, nicht als Anlass für Mitgefühl, sondern als Startschuss für ein Opferwettrennen verstanden?

Warum die Pole Position im Opferwettrennen so wichtig ist

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Es ist der zweite, erst 1994 ergänzte Satz dieses Grundgesetzartikels, der einen starken Anreiz für eine verbissene Opferkonkurrenz bietet. Wenn der Staat sich nicht nur für gleiche Chancen verantwortlich fühlt, sondern insgesamt ungleiche Lebensbedingungen als Diskriminierung begreift, die staatlicherseits abgeschafft oder ausgeglichen werden müsse – dann verschaffen sich diejenigen einen Vorteil, die sich am erfolgreichsten öffentlich als Opfer allgemeiner Unterdrückungsverhältnisse darstellen können.

Eine der ungünstigen Folgen der Gleichstellungspolitik ist es also, dass es vor allem auf die wirkungsvollste Opfer-Inszenierung ankommt und die Frage, wer tatsächlich unter Benachteiligungen leidet, daneben kaum eine Rolle spielt. Das prägte auch eine der zentralen geschlechterpolitischen Diskussionen des vergangenen Monats: Alice Schwarzer besteht in ihrer Kampagne zur „Abschaffung“ der Prostitution (eigentlich: zur Bestrafung der Freier) darauf, dass Prostituierte Opfer einer Männerherrschaft seien, vergleichbar mit den kindlichen Opfern Pädophiler. Dass viele Prostituierte von Schwarzer keineswegs gerettet werden wollen und sich auch nicht als Opfer sehen, tut die feministische Übermutter wütend als Nebensache ab.

Es passt, dass das Thema der abgesagten TU-Veranstaltung die Frauenquote  war, deren Einführung jetzt im schwarz-roten Koalitionsvertrag beschlossen wurde (ebenfalls bei Alles Evolution  diskutiert, während „achdomina“ auf den naheliegenden, aber leider oft übersehenen Zusammenhang zwischen Frauenförderung und den Unterhosenwichteln von Southpark aufmerksam macht).

Zu den vielen Problemen der Frauenquote gehört die Frage, wer denn eigentlich auswählt, welche Gruppe gefördert werden muss, also als Opfergruppe besonders privilegiert wird: Warum eine Frauenquote, warum nicht auch, z.B., eine Migrantenquote, oder eine Ostdeutschenquote, oder eine Quote für Menschen aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“?

Willkürlich ist an der Quotenpolitik auch die Auswahl der quotierten Bereiche: Warum nur besonders privilegierte Positionen, warum nicht auch besonders unangenehme wie z.B. die Müllabfuhr, oder das Heer im Auslandseinsatz? Und warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, die deutsche Fußballnationalmannschaft zu quotieren, um zu beweisen, dass ein „diversity“-Team den rein männlichen und langweiligen Teams der anderen Länder ganz gewiss überlegen wäre?

Natürlich fordert das niemand (obwohl ich, ehrlich gesagt, hoffe, dass ich hier niemanden auf dumme Ideen gebracht habe), weil durch die massive Leistungsdifferenz von Spielerinnen und Spielern im Spitzenfußball das Scheitern fast gewiss und der Eingriff in das Leistungsprinzip viel zu offensichtlich wäre.

Allerdings: Ein Eingriff in das Leistungsprinzip, oder – in den Parteien – in demokratische Prozesse ist die Frauenquote auch sonst, so dass sich die Wissenschaftler vom Sciencefiles-Blog und Professor Günter Buchholz in einem offenen Brief an die Bundesregierung energisch gegen solche und andere Behinderungen der „Freiheit und Unabhängigkeit von Wissenschaft“ stellen.

Das überrascht ohnehin: Es sind offenkundig gerade Universitäten, die doch eigentlich Zentren offener kritischer Debatten sein müssten, die sich gleichwohl mit Eingriffen in demokratische Verfahren und in die Freiheit der Rede besonders hervortun. Ein Beispiel dafür aus dem Monat November ist auch Hadmut Danischs Klage gegen die Berliner Humboldt-Universität, die sich weigert, wesentliche Informationen über die Einrichtung von Gender-Studiengängen und die Besetzung von Professorinnenstellen öffentlich zu machen.

Die Quotenpolitik ist, ebenso wie die Politik der systematischen Verhinderung der freien Rede, eigentlich eine elitäre Politik: Anstatt auf korrekte Verfahren der Entscheidungsfindung in Unternehmen oder auf demokratische Debatten zu vertrauen, werden wesentliche Elemente dieser Diskussionen und Entscheidungen immer schon vorweggenommen. Als sei Demokratie zwar irgendwie schön und gut, aber beständig auf Anstandsdamen und –herren angewiesen, die darauf achten, dass sie auch bestimmt keine Dummheiten macht.

Eine elitäre Politik aber wird in aller Regel auch eine Politik der Privilegiensicherung sein – was erklärt, warum sie gerade in besonders privilegierten Umfeldern wie den Universitäten so floriert. In einem allgemeinen Umfeld, in dem ein Großteil der Menschen von der Bedeutung gleicher Chancen und gleicher Rechte überzeugt ist, muss sich eine Politik der Sicherung von Privilegien durch autoritäre staatliche Eingriffe allerdings neu legitimieren.

Eben deshalb ist das Beharren auf der Opferposition so wichtig. Die staatlichen Eingriffe können aus dieser Position heraus als Ausgleich bestehender Ungleichheiten verkauft werden, die Sicherung der eigenen Privilegien erscheint als Beitrag zur allgemeinen Gerechtigkeit.

Es ist ein grundsätzliches Problem der in der Geschlechterpolitik so beliebten Privilegierung der Opferperspektive, dass doch grundsätzlich erst einmal entschieden werden müsste, wer überhaupt das Opfer ist. Wenn das wiederum nur aus der „Opferperspektive“ festgestellt werden kann, schnurrt das ganze Verfahren auf eine simple Aussage zusammen: „Ich muss privilegiert werden.“

Im Monat November gab es viele Beispiele dafür, wie verbissen Menschen daher ihre Pole-Position in der Opferkonkurrenz zu verteidigen bereit sind.

 

Mir ist ein Kommentar von Oliver K. aus dem Oktober in Erinnerung geblieben, in dem er beschrieb, wie wichtig er das Herstellen „größerer Zusammenhänge“ fände.  Um solche Zusammenhänge herzustellen, gibt es ja mittlerweile einige verschiedene Möglichkeiten. Christian Schmidt hat gerade bei Alles Evolution eine stärkere Vernetzung männerrechtlicher Blogs gefordert  und mit der Einrichtung der Meta-Seite Das böse Patriarchat selbst viel dazu beigetragen.  Das wird umso wichtiger, als gerade in den letzten Wochen mehrere neue männerrechtliche Blogs gegründet wurden.

Elmar Diederichs hat zudem eine sorgfältige und kommentierte Darstellung der „Blogosphäre“ vorgelegt.  Maskulismus für Anfänger hingegen ist zweierlei – einerseits ein Lexikon, andererseits ein guter Ausgangspunkt für weitere Lektüren.  Genderama, nicht nur durch die täglichen Verlinkungen zentraler Knotenpunkt männerrechtlicher Diskussionen, hat also mittlerweile viel Unterstützung bekommen.

Ich dachte, dass eine kleine Monatsrückschau ebenfalls dazu beitragen könnte, größere Zusammenhänge herzustellen und Diskussionen zu vernetzen. Natürlich ist meine Schwerpunktsetzung subjektiv – aber das lässt sich in den Kommentaren ja ergänzen.

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23 Comments

  • Super Idee, Schoppe, die monatliche Zusammenfassung und wieder hervorragend geschrieben. Danke!!

    Die ManTau-Texte sind zumeist so vollendet, dass sich jedwede Diskussion erübrigt.

  • @man tau „Mir ist ein Kommentar von Oliver K. aus dem Oktober in Erinnerung geblieben, in dem er beschrieb, wie wichtig er das Herstellen „größerer Zusammenhänge“ fände. Um solche Zusammenhänge herzustellen, gibt es ja mittlerweile einige verschiedene Möglichkeiten. Christian Schmidt hat gerade bei Alles Evolution eine stärkere Vernetzung männerrechtlicher Blogs gefordert und mit der Einrichtung der Meta-Seite Das böse Patriarchat selbst viel dazu beigetragen.“

    Christian ist ein Feminist und träumt von einem „guten Feminismus“. Seine Linkzusammenstellung, soweit ich das sehen kann, ist deshalb verpudelt und deshalb von vornherein ein zahnloser Tiger.

  • Du nennst Dich zwar „nuff said“, aber Du redest und redest… Drei Kommentare hab ich gelöscht, weil mir Diskussionen um Minderwertigkeit von Menschen oder „Parasiten“ zu blöd sind. Dazu ist hier alles gesagt, das muss nicht wieder und wieder aufgefahren werden.

    Einen Kommentar lass ich stehen, um kurz deutlich zu machen: Ich teile Christians Ansicht völlig, dass eine halbwegs aussichtsreiche Geschlechterdiskussion nur mit gesprächsbereiten Männern UND Frauen geführt werden kann. Diskussionen, in denen Frauen sich gegenseitig der Minderwertigkeit von Männern oder Männer sich der Minderwertigkeit von Frauen versichern, sind absurde Gruppenrituale, in denen die Teilnehmer jeweils ihre Haufen in die Mitte setzen und versonnen darüber meditieren. Sowas braucht kein Mensch.

    „verpudelt…zahnloser Tiger“ Nicht mal die Metaphern hauen hin. Solche Diskussionen nicht hier.

  • @Schoppe „weil mir Diskussionen um Minderwertigkeit von Menschen oder „Parasiten“ zu blöd sind.“

    Nein, nicht weil dir etwas zu blöd ist, sondern weil du keine Argumente hast. Du löschst wie Feministinnen halt.

    Übrigens reagierst du wie vorhergesagt bei
    http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/4060/
    „Der doppelte Aluhut“.

    Ihr sitzt völlig in eurer Bubble.

  • Hier eine plausiblere Wertigkeitsargumentation (eine Art Fabel):

    Wie es so schoen auf http://bloganddiscussion.com/frauenhaus/4060/ heisst:

    „und das obwohl Frauen schon immer das priviligierte Geschlecht waren.“

    Ist dies nicht die groesste Leistung? Eben nichts selbst leisten zu muessen, sondern sich zurueckzulehnen, und die Maenner arbeiten zu lassen? (Wenn die Maenner so toll sind, warum priviligierten sie denn das minderwertige Geschlecht?)

    Ist denn dies nicht ein Beweis fuer die Minderwertigkeit des *maennlichen* Geschlechts? Wie die Geschichte zeigt, haben Frauen die Maenner als Sklaven dazu erschaffen, die moderne Gesellschaft zu produzieren. Jetzt, mit der Erfindung des Handis, reicht's, und die Frauen schaffen den Mann wieder ab.

    Einige der Arbeitssklaven sperren sich verstaendlicherweise, aber da Maenner sich ja nicht untereinander verstaendigen koennen (sie wurden so programmiert, sich gegenseitig zu bekaempfen), ist dies nicht weiter aufregend (Maenner sind eben minderwertig).

    Nun werden natuerlich nicht gleich alle Arbeitssklaven umgebracht, und das alles dauert natuerlich ein Weilchen. Die kluegsten Maenner koennen sich also als „Pudeln“ noch retten. Der Rest wird nicht mehr gebraucht.

    Man koennte auch sagen: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.

  • Hier noch eine kleine Illustration zur Wiederherstellung des Matriarchats:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cartoons/greser-lenz-witze-fuer-deutschland-1294625.html?offset=44

    Sollte man ernst nehmen: Die Zeit der Produktion ist vorbei (da der Kapitalismus am Ende ist, aber sich wie ein Zombie am Leben halten kann, indem er sich durch seine wuchernde permanente Neuschoepfung (Reproduktion) alle lokalen Fremdkoerper einverleiben kann). Die neuen Herrscher sind die Meister des unermuedlichen Stillstands (exzessive Reproduktion des Immergleichen), waehrend Produktion Sache der „alten Saecke“ ist (wie im Witz).

  • Tatsächlich ist es auffällig, dass Männer offener und bereitwilliger über eigene Leiderfahrungen zu sprechen beginnen – und dass das bei Feministinnen häufig auf Widerstand oder Verachtung trifft. Das betrifft auch den Versuch, im Monat November gezielt das „Bewusstsein für Prostata- und Hodenkrebs zu erhöhen“ („Movember“), oder eine Fotoaktion amerikanischer Männer, die Opfer von Vergewaltigungen wurden. Warum wird das von vielen, Männern wie Frauen, nicht als Anlass für Mitgefühl, sondern als Startschuss für ein Opferwettrennen verstanden?

    Das ist eine zentrale Frage, die beantwortet werden muss, um das Phänomen Feminismus zu verstehen.

    Eine Reihe recht unterschiedlicher Erklärungsansätze gibt es schon.

    Der „rationale“ Erklärungsansatz besagt, dass der anerkannte Opferstatus Grundlage für Kompensationen ist. Die Quotierung von attraktiven Aufsichtsratsposten wäre eine solche Kompensation, die nur unter der Prämisse einer allgegenwärtigen, wirkmächtigen und okkulten Diskriminierung von Frauen durch Männer gerechtfertigt werden kann, okkult deshalb, weil der tatsächliche Nachweis einer Benachteiligung im konkreten Fall gar nicht erbracht werden muss.

    Der „evolutionsbiologische Erklärungsansatz“ besagt, dass der Feminismus deshalb so erfolgreich sei, weil er sowohl an männliche wie weibliche Instinktdispositionen anknüpft. Evochris kann das im Detail besser erläutern als ich.

    Meine bevorzugte Erklärung ist mehr politischer Natur. Die Privilegierung von Frauen durch Männer lässt sich sowohl ins „linke gesellschaftspolitische Narrativ“ wie auch ins rechte integrieren.
    Kurz und einfach gesagt: Das konservative Männlichkeitsideal verlangt den Schutz der schutzbedürftigen Frau durch den Mann. Die Quote ist die Transformation des traditionellen Geschlechterverhältnisses weg von Heim und Herd in den ausserhäuslichen Bereich, der nun zum geschützen Bereich ganz nach dem tradierten Vorbild umgestaltet werden soll.
    Der Linke versteht sich als Interessenvertreter der sozial Randständigen, der Diskriminierten, der Ausgegrenzten. Sind Frauen als Gruppe erstmal als Marginalisierte kategorisiert, ergibt sich der Rest von selbst.

    Ein weiterer Erklärungsansatz besagt, dass die abwehrenden und teils gehässigen Kommentare von Feministinnen zu männlichen Leiderfahrungen Ausdruck eines gekränkten weiblichen Narzissmus sind, ein Narzissmus, der andauernde Aufmerksamkeit (insbesondere von Männern) verlangt und keine Konkurrenz duldet.

  • Hallo Lucas, eine gute Idee, Zusammenhaenge durch einen Monatsrueckblick herzustellen — passt in diesen Blog. Da kann man sich am Monatsende schon freuen.

    Nur ein paar Anmerkungen, die mir hier so in den Sinn kommen, zur Internetbenutzung und so:

    Das Internet kann einen ja voellig aufsaugen, so dass man sich hier beschraenken muss. Ich habe also meine (sehr wenigen) Hauptblogs, die ich staendig besuche, und den Rest nur bei Bedarf. Nehme an, viele machen das auch so. Diese Form von „Heimatbildung“ (es gibt einige Blogs (vielleicht auch nur einen), wo man sich zuhause fuehlt, beim Rest ist man Gast) sollte man beruecksichtigen, wenn man allgemein ueber Wirksamkeit und ihre Verbesserung nachdenkt.

    Das Suchtpotential beim Internet ist doch sehr gross — ist ja praktisch unerschoepflich. Wie man aus manchen Anmerkungen sehen kann, sind Gedanken wie „wo bleibt denn dieser Schoppe? was macht der Mensch?? schon eine gefuehlte Ewigkeit seit dem letzten Beitrag!“ wohl nicht so selten.

    Durch die staerkere Haeufigkeit ist das Suchtpotential bei Genderama noch staerker, dann aber auch beschraenkter: es ist immer nur ein „Schuss“. Nachts um 1:00 gab's noch was Neues, ich arbeite, brauche „mehr“ um 3:00, ist nichts: „Faulpelz! ich brauche meine Injektion sex and crime and discrimination!!“.

    Ein staendiges „mehr mehr mehr!“ versus „nicht! nicht! Abschalten!!“.

    Faellt mir gerade so ein, wo ich jetzt eigentlich unbedingt und unaufschiebbar Hausaufgaben erstellen, Hausarbeiten korrigieren etc. muss, bin schon viel zu spaet. Aber nur schnell noch ein paar kleine Beitraege (was sollen die Jungs sonst machen ohne mich?!). Habe auch den Fehler gemacht, mich bei achdomina kurz einzuschalten, und muss ich auch noch irgendwann eine fundamentale Antwort schreiben, das lastet …

  • @Peter: „Das ist eine zentrale Frage, die beantwortet werden muss, um das Phänomen Feminismus zu verstehen.“

    Glaube ich nicht: „Opfer“ etc. sind zwar psychologisch wirkmaechtig, liegen dem Prozess aber nicht zugrunde. Lucas schreibt: „weil durch die massive Leistungsdifferenz von Spielerinnen und Spielern im Spitzenfußball das Scheitern fast gewiss und der Eingriff in das Leistungsprinzip viel zu offensichtlich wäre.“ Hier ist man meines Erachtens naeher am Zentrum: „Leistung“ selbst ist in einer fundamentalen Krise.

    „Leistung“, und fundamentaler, „Fortschritt“, werden in unserer Gesellschaft immer randstaendiger, werden in den Maschinenraum verbannt. Nur darum macht die Quote eben nichts aus: es ist eben egal, wer im Aufsichtsrat sitzt.

    Dies haengt wohl auch mit der „Krise der Maennlichkeit“ zusammen. Seltsamerweise wurde wohl in der Diskussion von Schule vor kurzem hier jener fundamentale Sachverhalt zur Verteilung von „Leistung“ bei Maennern nicht erwaehnt: die groessere Streuung. Dies ist vielleicht der entscheidende Grund, weshalb man meines Erachtens tatsaechlich sagen kann, dass „insgesamt“ Maenner mehr leisten — nicht im Durchschnitt (der ist irrelevant), sondern im Maximum. Die gesamte moderne Erziehung kann man dahingehend interpretieren, diese Spitzen abzuschneiden, und so mehr „Gerechtigkeit“ walten zu lassen. Die gesamte Anbetung der „nordischen Laender“ (so einer Art neuer Arierkult) scheint mir viel mit der Einebnung von Unterschieden zu tun zu haben, was in einer Verweiblichung der Kultur (Erziehung) resultiert, denn diese tendiert zur Mittelmaessigkeit. Als positive Idee enthaelt der Unterschied „Hauptschule versus Gymnasium“ die Erkenntnis, dass es sehr praktisch orientierte Menschen und sehr theoretisch orientierte Menschen gibt. Durch die Einebnung wird in einem kuenstlichen „Durchschnitt“ mehr geleistet, aber insgesamt viel weniger, weil die entscheidenden Spitzen fehlen. Diese Entwicklung ist aber nur moeglich, wenn sie mit wesentlichen Entwicklungen in der Wirtschaft korrespondiert. Mit den „alten Schloten“ kann man keine Profite mehr machen (ausser in der dritten Welt), sondern hauptsaechlich nur noch in der Reproduktionswelt des Finanzkapitalismus (Ausnahmen werden natuerlich auch noch gebraucht).

    Wenn ich meine Module unterrichte (GB), und dies mit meinem Bahnenschwimmen vergleiche, dann frage ich mich natuerlich auch: Auf keiner Ebene des Schwimmtrainings kaeme man auf die Idee, die unterschiedlichen Leistungsgruppen in der gleichen Bahn schwimmen zu lassen — denn Leistung hier ist natuerlich fuer den Olympia-Krieg wichtig. Aber fuer den Unterricht ist dies kein Problem (im Namen der Macht der Verwaltung und der fairness). Dies fuehrt zu einer grausamen Einebnung. Als ich hier vor 10 Jahren ankam (nicht „Oxbridge“), waren die Unterschiede schon wesentlich geringer als ich das von deutschen Mathe-Fachbereichen kannte; dort gab es in jedem Uni-Fachbereich doch eigentlich mindestens einen Studenten, der internationales Niveau erreichte. Hier gibt's das wohl ausserhalb Oxbridge nicht, aber sub-nationales Niveau war noch drin. Heutzutage sehe ich nur noch sub-regionales Niveau (kein „Raum“ mehr zur Entfaltung). Aber dies ist „kein Problem“ — wer braucht schon gute Mathematiker/Informatiker — die koennten ja was veraendern, es soll aber alles beim alten bleiben (durch frenetischen pseudo-change). Man sieht ueberall die Krise von „Leistung“, besser von „Fortschritt“ (ganz unten dann die Krise von „Wahrheit“).

  • @Peter: „Der Linke versteht sich als Interessenvertreter der sozial Randständigen, der Diskriminierten, der Ausgegrenzten.“

    Dies ist eine fundamentale Degenerierung, vielleicht die entscheidenste ueberhaupt. Deshalb gibt es keine Zukunft mehr, und eben auch keine Leistung mehr (die ja immer die Distanz zu etwas Besserem misst). Als Kommunismus/Sozialismus wirklich stark waren (auch inhaltlich), dann weil sie eine neue Welt zu bieten hatten. Eine *bessere* Welt, die Errungenschaft der Kapitalismus freisetzend.

    Die Idee der „Kritik“ hat sich, im Sinne der Dialektik der Aufklaerung, von einem Element der Aufklaerung in ein zentrales Mittel der Repression und Antiaufklaerung verwandelt. Die Linke ist entweder „liberal“, mit Deckung der USA, oder „ganz anders“, ueber die zukuenftige Welt darf man gar nicht nachdenken, sonst wird sie sofort beschmutzt. Beides erhaelt und vertieft den Status quo. „Leistung“ und Fortschritt wird denunziert im Nahmen der Natur, der benachteiligten Gruppen etc. Nirgends ein Aufbruch mehr (der Feminismus ist ja vollkommen eingebettet in den US-Imperialismus). Das die neue Gesellschaft nicht hinter den Kapitalismus zurueckfallen duerfe, sondern ihn abloese, ist undenkbar geworden. Nur auf diesem Hintergrund ist die Hinwendung zu den Opfern zu verstehen! (Es gibt „keine Alternative“, ausser als Lobbyist aufzutreten.)

  • Nur noch eine Anmerkung (eine notwendige Verkomplizierung): Ein einfaches „Zurueck“ tut's absolut nicht. Die Krise von „Leistung“ ist auch eine innere (keine barbarischen Feministen). Mein Gott ja, dies ist alles wirklich nicht so einfach, aber ein einfaches Beispiel: So ein kleines bisschen sympathisiere ich ja mit NovoArgumente, weil die noch gelegentlich die Idee des Fortschritts (ueberhaupt der Veraenderung!) hochhalten. Z.B. war da mal ein Artikel darueber, dass in dieser Welt gut 1000 Milliarden Menschen leben koennten, wenn gut organisiert (und bis wir dahin angekommen sind, dann sollte die Besiedelung des Weltraums doch entlich angezogen haben). So was halte ich fuer sehr wichtig (denn die herrschende Idee der „Endlichkeit“ fuehrt notwendigerweise zu Mord und Totschlag). Dann aber ist diese Zeitschrift aber permanent voll von Klimaleugnung, Atomverherrlichung, Windrads- und Solarzellenphobie etc. Leider ist's ja nirgends anders. Gelegentlich immer mal wieder ein Aufflackern, aber alles „atonal“, wie Badiou treffend beschreibt. Er selbst haelt zwar Wissenschaft hoch (gut!), nicht aber die Technik; bzgl. der Wissenschaft steht fuer ihn an der Spitze die Mathematik (sehr gut!), aber Informatik gehoert wohl zur Technik und gibt's gar nicht. Seufz …

    Von einigen wird dies wohl als ziemliche Abschweifungen empfunden werden, aber ich glaube, dass Arbeiter viel mit „Mann“ zu tun hat, und der Maskulismus gut daran taete, sich mit Arbeit, Leistung, Fortschritt, Wahrheit naeher auseinanderzusetzen.

    Ich vertrete einen „generischen Maskulismus“ (es gibt Allgemeines und Wahrheiten, „Mann“ und „Frau“ sind darin nur Momente, die man nicht unterdruecken kann, aber eben nur wie man auch nicht Koerpergroesse unterdruecken kann), im Gegensatz zu einem, nenen wir es, „partizipatorischen Maskulismus“ (es gibt nur Interessenvertretung, es gibt nichts Allgemeines; Feminismus ist nur in seinen Uebertreibungen abzulehnen, ansonsten ist es richtig, dass alles eine Angelegenheit von Interessenvertretung ist, und insbesondere ist die Vertretung von Geschlechterinteressen wichtig; man koennte auch „Regenbogen-Maskulismus“ sagen), und einem „konservativen Maskulismus“ (die Rollen von Mann und Frau sind fest vorgegeben). Eine solche Grundlagendiskussion scheint mir sehr wichtig, auch zur Staerkung der Bewegung. Es gibt eben verschiedene Fluegel, und gegenseitige Anerkennung der Fluegel waere ein Fortschritt.

  • Es gäbe da noch einen Erklärungsansatz für den Erfolg des Feminismus, den ich interessant finde.

    Der Feminismus bietet eine heilsgeschichtliche Erwartung, eine gesellschaftspolitische Utopie.

    Der Kommunismus hatte eine solche Utopie – das Heilsversprechen der klassenlosen Gesellschaft, in der alle Verhältnisse umgeworfen sind, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Der Kommunismus versprach eine fundamental neue Ordnung, hat aber seine Strahlkraft eingebüsst, weil das Heilsversprechen nicht mal ansatzweise eingelöst wurde.

    Es gibt i.m.h.o heute nur noch eine politische Bewegung, die gesellschaftspolitisch global wirkmächtig ist und eine völlig neue Welt verspricht – der Feminismus, der zum Matriarchat führt und eine Jahrtausende währende Herrschaft der Männer beendet und damit auch all die Übel tilgt, die mit dieser Herrschaft einhergingen.

    Insofern hat der Feminismus klar religiös-irrationale Aspekte, die der rationalen Diskussion nicht zugänglich sind.

  • @Oliver K 1. Dezember 2013 15:21 „.. die gesamte moderne Erziehung kann man dahingehend interpretieren, diese Spitzen abzuschneiden, und so mehr „Gerechtigkeit“ walten zu lassen.“

    Man kann das auch als zwanghafte Gleichstellung in allen Lebensbereichen sehen. LoMi hat mich auf einen hervorragenden Text von Rainer Paris (2009) aufmerksam gemacht, den ich als Pflichtlektüre bezeichnen würde. Der Text behandelt m.E. vor allem die Gleichstellung auf der Ebene von Individuen (und deren negative Konsequenzen). Er ergänzt hervorragend andere Texte zum Thema Gleichstellung auf der Ebene von Kollektiven (a.k.a. Frauenquoten). Ehe ich alles wiederhole, voila: http://maninthmiddle.blogspot.de/p/gender-mainstreaming.html#gs

  • LOL. Sorry für die Entzugserscheinungen! 🙂

    Aber das ist eine gute Gelegenheit, mich einmal generell zur Genderama-Blogpolitik zu äußern: Ich bin entschieden dagegen, mein Blog mit zweitklassigen Beiträgen vollzumüllen, nur damit täglich ein oder mehrere neue Beiträge erscheinen. Wenn es gerade nichts gibt, was ich selbst so spannend finde, dass ich das Bedürfnis habe, dazu zu bloggen, würde Genderama theoretisch sogar wochenlang brachliegen. Idealerweise sollte jeder einzelne Genderama-Blogbeitrag sogar für viele Leser außerhalb der Männerrechtsbewegung selbst von Interesse sein, weil Genderama viele Zugriffe von außerhalb unserer Bewegung hat. Mit diesem Ideal breche ich aber immer wieder, wenn ich glaube, dass bestimmte Nachrichten für Männerrechtler zu relevant sind, als sie ungebloggt zu lassen.

  • @ Oliver Danke für den Kommentar!
    Und: Ich hab ja subjektiv das Gefühl, eigentlich schon ganz schön viel zu schreiben… Und stimmt, für das Unterrichten muss ich ja auch noch ab und zu was tun, und korrigieren auch noch.

    Im Ernst: Bei mir gibt es ab und zu Phasen, so wie in den letzten Wochen z.B., wo ich beruflich oder persönlich soweit eingespannt bin, dass ich kaum noch zu etwas anderem komme. Da ist es ganz gut und disziplinierend, dass ich mir fest vorgenommen habe, zwei Texte pro Woche zu schreiben, einen in der ersten, einen in der zweiten Wochenhälfte. Kommt auch fast hin.

    Aber ich schaff es manchmal nicht mehr, Kommetare in Ruhe zu beantworten – und schon gar nicht auf anderen Blogs mitzukommentieren. Das ist richtig schade.

    Andererseits: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass das Offline-Leben ständig vor der Tür steht, nervös mit den Fingern klopft oder mit den Füßen scharrt. Oder mir ins Ohr brüllt („Die Korrekturen MÜSSEN bis morgen fertig sein…“) Denn das mit dem „Aufsaugen“ kenn ich auch.

  • @ Arne „würde Genderama theoretisch sogar wochenlang brachliegen“ Hmm, komischer Gedanke… Ich finde es ja gut, dass täglich etwas kommt – eine Anspruchshaltung, sicher, aber ja mit gutem Grund und edlen Absichten.

    Manche Meldungen, die am Anfang nicht so wichtig scheinen, werden ja mit der Zeit wichtiger – und es hat schon seinen Wert, finde ich, sich jeden Tag neu umschauen zu können. Mir geht es da ähnlich wie Oliver – nachts um drei muss nicht unbedingt sein, aber immerhin doch bitte zum Morgenkaffee….:-)

  • @ man.in.th.middle Danke für den Hinweis! @ Oliver Was die „Einebnung“ angeht, triffst Du einen richtigen Punkt. Ich bin Lehrer an einer Gesamtschule, und ich merke – so wie viele Kollegen auch -, dass insbesondere clevere Schüler in der Mittelschule kaum gereizt werden, ihre Möglichkeiten ab und zu auch mal auszufahren. Der Konformitätsdruck kommt aber gar nicht unbedingt von Lehrern – die Zeiten, in denen das Herausheben besonderer Leistungen verpönt war (die gab's!), sind nach meinem Eindruck und zum Glück vorbei.

    Der Konformitätsdruck kommt aber extrem stark aus der Gruppe, und er hat etwas damit zu tun, dass viele befürchten, auf der Strecke zu bleiben. So gehören nach meiner Erfahrung zwei verschiedene Entwicklungen zusammen – eine regelrecht verbissene Bemühung darum, dass niemand zu gut wird, und die Angst, auf der Strecke zu bleiben. Vielleicht lässt sich das auch in den Bereich des Politischen übertragen.

    @Peter Die mehrfache Nutzbarkeit feministischer Ansätze für konservative UND progressive Politik leuchtet mir bei den Beispielen besonders ein.

    Ich habe dazu noch eine weitere Erklärung: Gerade in Krisenzeiten war es für Gruppen ein Vorteil, wenn Männer für Frauen sorgten, weil so wesentlich besser für das Überleben der Gruppe gesorgt wurde – denn das konnten im Extremfall ja schon sehr wenige Männer garantieren, wenn es nur genügend Frauen gab.

    Das heißt: Die Sorge für Frauen gibt Menschen beiderlei Geschlechts ein Gefühl der Sicherheit, wenn ansonsten Lebensbedingungen unsicher und unübersichtlich erscheinen. Auf der Basis dieser Disposition sind dann auch die schrecklichen Vereinfachungen sexistisch-feministischer Positionen, die doch in vergleichbarer Form in anderen Bereichen (Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus, Antisemitismus etc.) schon auf den ersten Blick abgelehnt würden, in der Geschlechterpolitik nicht nur nicht anstößig, sondern sogar irgendwie beruhigend.

  • Das würde aber bedeuten, dass man in Saure-Gurke-Zeiten krampfhaft nach Themen sucht Dinge zum Skandal hochjazzt, die eher trivial sind. Hab ich keine Lust zu. Dank Christians Übersicht „Das Patriarchat“ über die jeweils aktuellen Beiträge auf männerpolitischen Blogs gibt es jetzt eigentlich immer irgendwo etwas zu lesen, damit man seine Sucht befriedigen kann. 🙂

  • „Minderwertig“ ist im Zusammenhang mit Menschen kein gut gewähltes Wort. Niemand ist minderwertig, auch nicht Frauen, Kinder etc.

    Menschen haben Schwächen und manipulieren bzw. täuschen häufig um sie auszugleichen. Ein alter und gern angewendeter Trick, auch querbeet durchs Tierreich zu besichtigen.

    Manch andere lassen sich manipulieren und täuschen – meist über den „ego-altruistischen Köder“, dass sie selbst gut dastehen würden oder dadurch Wertschätzung bzw. Status erlangen etc. Dafür verraten sie dann auch gern andere.

    Frauen sind darin Meister die männliche schwache Disposition hier zu benutzen. Funktioniert auch im Kollektiv – auf beiden Seiten – und kann deshalb wohl auch gefährlich werden. Gerade liberale eigentlich aufgeklärte demokratische Systeme scheinen hier sehr anfällig für den Missbrauch in Form von betrügerisch-demagogischen Opferolympiaden von vermeintlich benachteiligten Gruppen oder Minderheiten zu sein, die so zu unverdienten Privilegien auf Kosten anderer bis hin zu tatsächlichen Diskriminierungen so dann auch dämonisierter Gruppen und einem in diesem Sinne totalitär-rassistischen Staatsgebilde, dass sich auf der „guten Seite“ wähnt. Es bilden sich ideologische „Ansammlungen“ vermeintlicher Rationalität – eigentlich ein Klassiker.

    Heute als eine Art „Gesellschaftstrollen“. Feminismus und Genderismus sind wohl dazuzurechnen.

    Und von hier scheint eine größere Gefahr auszugehen als von z.B. rechts- oder linksextremen Gruppen oder so etwas … an denen man sich aufgrund ihrer Sichtbarkeit recht naiv „abarbeitet“ … teilweise natürlich auch sehr zurecht.

  • „dass Frauen minderwertig sind“

    Hört das denn nicht mehr auf hier? Eine solche Prämisse ist nicht annehmbar. Der dahintersteckende deterministische Biologismus (siehe link) ebenfalls nicht. Auf solch einen Unsinn sollte man nicht mehr eingehen. Das ist geschlechterpolitisches Mittelalter.

  • Danke für deine Monatszusammenfassung. 🙂 Ich glaube, du hast einen wichtigen (englischen) Text Nancy Frasers zum Zusammenspiel von Femimismus und Neoliberalismus übersehen: http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/oct/14/feminism-capitalist-handmaiden-neoliberal. Der stammt zwar schon aus dem Oktober hat aber viele Reaktionen in der englischssprachigen feministischen Blogosphäre ausgelöst. Die Übersetzung des Artikels ist in der aktuellen Ausgabe der „Blätter f. dtsch. und intern. Politik“ und soll Debattenauftakt sein. Könnte also sein, dass wir zu dem Thema in den nächsten Monaten noch mehr hören… 🙂

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