Kleine Schnitte, große Konflikte und offene Wunden – Kein Ende der Beschneidungsdebatte

„Seine Mutter wollte ihm etwas vorlesen, wie früher, damit er sich nicht so allein fühlte und sich beruhigte, aber er wollte nicht, dass sie da blieb, er wollte nicht Antworten geben müssen oder nachdenken oder Rücksicht nehmen, alles, was er wollte, war, eine Position zu finden, die es ihm erlaubte, sich vor dem Schmerz zu verkriechen.
Den Rest der Nacht lag er steif in seinem Bett und wagte nicht, sich zu rühren.“
Der neunjährige Jason aus Gunnar Kunz‘ 2013 erschienen Kurzgeschichte Unberührbar, oder: Nur ein kleiner Schnitt“ lebt mit seinen Eltern Bob und Fay in Deutschland – der Vater hat nach vierzehn Jahren Arbeit für die Niederlassung einer amerikanischen Firma seinen Beruf verloren, aber einen neuen Beruf in Aussicht – die Mutter erteilt Englischunterricht. Nicht lange vor der oben zitierten Szene hat er mit seinem Vater ein beiläufiges Gespräch geführt, das erhebliche Folgen haben sollte.
„‚Weißt du, es ist langsam an der Zeit, dass du beschnitten wirst.‘
‚Beschnitten? Was bedeutet das?‘
‚Dass die Vorhaut um dein Glied entfernt wird.‘
‚Warum?‘
‚Weil das hygienischer ist. In Amerika machen das fast alle so.‘
‚Es sieht auch ästhetischer aus, finde ich‘, mischte sich Fay ein.“
Der Vater hatte Jason, auch in Erinnerung an seine eigene, komplikationslose Beschneidung einen einfachen Eingriff versprochen.
„‚Von der Operation selbst wirst du gar nichts spüren, weil du ja betäubt wirst. Hinterher ist es ein bisschen unangenehm, ein paar Tage vielleicht, aber nichts, was man nicht aushalten könnte. Alles in allem nicht der Rede wert.‘“
Das Versprechen des Vaters aber erweist sich als haltlos – die Wunde der Operation infiziert sich und vereitert, das Glied des Jungen schwillt an, Jason hat bei jeder Bewegung ungeheure Schmerzen.
„Jede noch so kleine Berührung der Decke entlockte ihm einen Schrei. Bitte, lieber Gott, lass die Schmerzen aufhören!“
Vor einem Jahr, im Dezember 2012, wurde in Deutschland ein schnell entwickeltes Gesetz in zweiter und dritter Lesung durch den Bundestag gebracht, das die Beschneidung von Jungen auch bei Säuglingen und anderen Kindern, die noch nicht zustimmungsfähig sind, und auch ohne medizinische Notwendigkeit erlaubt. Gunnar Kunz‘ Kurzgeschichte bietet eine gute Möglichkeit, um an den Jahrestag des neuen Gesetzes zu erinnern.

Der verstummte Löwe und das Mittel gegen Masturbation Die Geschichte beginnt, natürlich, mit der Beschreibung eines fröhlichen Kindes.
„Hinter ihm kamen die anderen Jungen den Hügel herabgepurzelt und prallten gegen ihn, und dann balgten sie sich und wälzten sich durch eine matschige Pfütze und fühlten sich so wohl in ihren Körpern, wie es nur neunjährige Jungen können.“
„Mein kleiner Löwe“ nennt die Mutter ihren Sohn in Gedanken, und sein Vater überlegt: „Er kannte keinen zweiten Jungen in seinem Alter mit einem so großen Herzen.“ Die ungebrochen positive Darstellung des Jungen, der Vertrauen zu seinen Eltern hat, vital ist und der sich wohl in seinem Körper fühlt, stellt allerdings lediglich den hellen Hintergrund bereit, von dem sich die folgende düstere Geschichte umso stärker abhebt.
„Kein Laut drang aus dem Kinderzimmer. Ihr kleiner Löwe brüllte nicht mehr.“
Jasons Vertrauen zu den Eltern, das vorher ungebrochen war, ist erschüttert:
Nicht der Rede wert. Sein Körper wurde verstümmelt, und es war nicht der Rede wert. Sein Schniepel war eine flammende Hölle, und es war nicht der Rede wert. Nie wieder würde er sich da unten unbefangen anfassen können, und es war nicht der Rede wert.“

Jetzt erst informieren sich Bob und Fay umfangreich über mögliche Komplikationen nach dem Eingriff – über bleibende Schäden, eine beeinträchtigte Sexualität, Todesfälle, über die Schmerzen, die für Kinder mit der Operation verbunden sind.

Sie bekommen Zweifel an den Gründen, die für Beschneidungen angeführt werden, und Zweifel an der kategorischen Unterscheidung zwischen Jungen- und Mädchenbeschneidungen, deren Trick schlicht darin bestehe,

„den schwerstmöglichen Eingriff bei Mädchen und den am wenigsten schweren Eingriff bei Jungen miteinander zu vergleichen.“

Eindrucksvoll ist insbesondere, dass sich Jasons Verhältnis zu seinem eigenen Körper ebenso ändert wie zu einen Eltern. Er hatte sich zunächst noch über einen Film (wohl Doris Dörries Ich und Er“) lustig gemacht, in dem ein Mann zu seinem Penis sprach, als sei er ein Fremder – nun ist ihm sein Körper selbst fremd. Was als sachlich mit Hygiene-Argumenten begründeter einfacher Eingriff beginnt, entpuppt sich schließlich als gewaltvoller Initiationsritus, der den Jungen durch die massive Schmerzen aus seiner naiven Lebensfreude herausreißt.

Die Geschichte listet auch Reaktionen auf das Kölner Beschneidungsurteil vom 7. Mai 2012  auf, in dem die Beschneidung aus religiösen Gründen als unzulässig erklärt wurde, wenn die betroffenen Kinder keine Zustimmung erteilt haben oder noch zu jung dazu sind: Angela Merkels Befürchtung, Deutschland würde sich in den Augen der Welt zur „Komikernation entwickeln“, Renate Künasts (und Volker Becks) Vergleich der Beschneidung mit dem „Stechen von Ohrläppchen“, Alice Schwarzers Tadel für die „realitätsferne politische Correctness“ des Urteils.

Eine wesentliche Frage ist dabei allerdings, welche Realität beachtet wird. Wer sich darauf konzentriert, dass die Beschneidung von Jungen in vielen Ländern der Erde, etwa den USA, der Normalfall und nicht die Ausnahme ist, dass sie im Judentum und Islam seit Jahrtausenden selbstverständlich praktiziert wird, dass viele beschnittene Männer überhaupt kein Gefühl einer Beeinträchtigung haben – der wird es vermutlich mit Angela Merkel als komisch empfinden, wenn eine Praxis, die an vielen Orten und zu vielen Zeiten normal war und ist, in Deutschland plötzlich kriminalisiert wird.

Wer sich aber darauf konzentriert, dass die Beschneidung eine ernstzunehmende Operation ist, die zudem bei kleinen Kindern ohne medizinische Notwendigkeit und ohne deren Zustimmung durchgeführt wird, dass sie etwa bei einer erheblichen Anzahl der beschnittenen Säuglinge Komplikationen zur Folge hat  und dass auch schon Kinder an ihren Folgen gestorben sind, dass zudem Säuglinge nicht etwa (wie Erwachsene sich das lange einredeten) schmerzunempfindlich sind, sondern im Gegenteil Schmerzen intensiver und hilfloser erleben als Ältere  – dem wird es regelrecht unwirklich vorkommen, dass eine Kritik an dieser Praxis als realitätsfern verhöhnt wird.

Bei der Diskussion um Beschneidung stehen sich also Positionen gegenüber, von denen jede aus der Sicht der anderen absurd, ja skandalös erscheint. Dabei ist das in der Kurzgeschichte zentrale Hygiene-Argument für die Beschneidung noch relativ leicht zu entkräften und für sich genommen kaum überzeugend: Es ist schließlich einigermaßen bizarr, sich Körperteile amputieren zu lassen, nur um sie nicht mehr waschen zu müssen.

Seine Kraft gewinnt dieses Argument wohl vor allem aus dem Umstand, dass es eine Rationalisierung herkömmlicher sexualfeindlicher Beschneidungsbegründungen ist, von denen Kunz als Motto seiner Kurzgeschichte eine berühmte zitiert:
„Ein Mittel gegen Masturbation, das bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung.“ (John Harvey Kellogg)

Heute schützt die Beschneidung, zeitgemäßer, eben nicht mehr vor unreinen Tätigkeiten und Gedanken, sondern von Unreinheiten unter der Vorhaut. (Mit diesem Argument, und vielen anderen, hat sich übrigens Robin Urban in ihrem viel gelobten und viel gelesenen Text zur Beschneidung auseinandergesetzt).

Besserwisser und Brückenbauer Wesentlich schwieriger ist die Auseinandersetzung mit einem anderen Aspekt. Unter den Reaktionen auf das Beschneidungsurteil, die Kunz‘ Erzähler anführt, ist auch die Charlotte Knoblochs, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung schreibt sie über die „unzähligen Besserwisser aus Medizin, Rechtswissenschaft, Psychologie oder Politik“, die die „verschwindend kleine jüdische Existenz in Deutschland infrage stellen.“ Und weiter:
„Anders als im Islam ist die Beschneidung im Judentum konstitutiv. Sie ist Kern der jüdischen Identität. Der Eifer, mit dem Selbstberufene gefühls- und gedankenlos unsere religiösen Fundamente in den Dreck ziehen, sucht seinesgleichen.“
Die zentrale religiöse Bedeutung der Beschneidung für Muslime und Juden in Deutschland schafft sehr viel mehr als das Hygiene-Argument einen schwierigen Wertekonflikt, nämlich zwischen der medizinisch begründeten Ablehnung der Säuglings- du Kinderbeschneidung und religiösen  Verpflichtungen und Überzeugungen. Dass Juden betroffen sind, hat auch angesichts des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden eine besondere Brisanz, daher werde ich mich in diesem Text auf Argumente von jüdischen Autoren konzentrieren – sie lassen sich in vielen Fällen jedoch unschwer mit Argumenten von Muslimen vergleichen,
Gerade in dem von Kunz‘ Erzähler zitierten Text, in dem sie die rituelle Beschneidung, die Brit Mila, mit einer „Impfung“ vergleicht, argumentiert Knobloch auf eine Weise, die prinzipiell eine Vereinbarkeit beider Seiten behauptet und so eigentlich eine Brücke zwischen medizinischer und religiöser Einschätzung schlägt.
„Im Judentum hebelt der Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit alle religiösen Gebote aus. Wir brauchen keine Nachhilfe. Jüdische Eltern willigen in die Beschneidung ein, weil der Eingriff unschädlich, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar gesundheitsfördernd ist.“
Das heißt eben auch: Religiöse Gebote können dann nicht gültig sein, wenn sie Leben und körperliche Unversehrtheit gefährden – von der Beschneidung aber ginge, so Knobloch, eine solche Gefährdung eben nicht aus.
Es lohnt sich allerdings, die Empfehlung der WHO (dazu auch dieser Text) genauer anzusehen, auf die sie sich wohl beruft: Diese bezieht sich auf Untersuchungen in afrikanischen Ländern, nach denen die Beschneidung einen gewissen Schutz vor einer HIV-Infektion biete. Inwieweit die Empfehlung auch auf europäische Länder übertragbar ist, in denen beispielsweise Kondome viel leichter verfügbar sind, ist fraglich.

Vor allem aber weist die WHO auf die große Bedeutung der „informierten Einwilligung“ („informed consent“) in die Beschneidung hin   – das aber ist eben der entscheidende Aspekt für Juristen, die eine Säuglingsbeschneidung ablehnen: Säuglinge nämlich sind selbstverständlich zu einer solchen Einwilligung noch nicht in der Lage.

Der sachliche Konflikt ist also bei näherem Hinsehen gar kein tragischer Konflikt zwischen religiösen Überzeugungen und juristisch-medizinischen Argumentationen, sondern reduziert sich auf eine unterschiedliche Einschätzung des medizinischen Risikos.

In diesem Punkt aber ist das Urteil von Medizinern deutlich. Die „Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin“ (DAKJ), der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Fachverbände Deutschlands, stellt auch die rituelle Beschneidung als eine „Körperverletzung“ dar und betont insbesondere:

„Eine Beschneidung ohne wirksame Analgesie (Schmerzausschaltung, LS), gleichviel in welchem Alter, ist (…) strikt abzulehnen.“
Diese Kritik ist keine deutsche Eigenart, die Königlich-Niederländische Ärztevereinigung ist eher noch deutlicher:
„Die nicht-therapeutische Beschneidung minderjähriger Jungen ist eine Verletzung der Rechte des Kindes auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit.“
Der Appell skandinavischer Kinderärzteverbände fordert schon in seiner Überschrift:
„Lasst Jungen selbst entscheiden, ob sie beschnitten werden wollen.“

Mehr noch: Im Frühjahr dieses Jahres haben Vertreter von neunzehn europäischen Kinderärzteverbänden einer positiven Einschätzung des amerikanischen Kinderärzteverbands klar widersprochen, die der Bundestagsentscheidung im Dezember zu Grunde lag.

Gemeinsamkeiten dementieren, Spaltungen zementieren Trotzdem ist es natürlich verfehlt, wenn – wie in Kommentaren auf der Webseite „abgeordnetenwatch“ zur Entscheidung des Bundestags, die Beschneidung aus religiösen Gründen zuzulassen – über eine „Antisemismus-Keule“ räsonniert und „Knast“ für die Befürworter der religiös begründeten Säuglingsbeschneidung gefordert wird. Auch wenn die Assoziationen der Europäischen Rabbinerkonferenz, die  ein Verbot der Säuglingsbeschneidung als schwersten „Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland seit dem Holocaust“ bezeichnete, ebenso ungerecht und eskalierend sind wie die Parallelschaltungen der „Antisemiten in Nazi-Deutschland“ mit Gegnern der Säuglingsbeschneidung durch den französischen Philosophen Alain Finkielkraut: Es lässt sich gleichwohl nicht einfach als Demagogie abtun, wenn sich Juden durch das Kölner Urteil massiv angegriffen sahen.

Auch Männerrechtler, die ja an beliebige Rechtsradikalismus-Unterstellungen gewohnt sind, könnten das einräumen: Wenn Juden angesichts des Beschneidungsurteils antisemitische Motive vermuten, ist das etwas anderes, und es hat auch einen anderen Hintergrund, als wenn Feministen männerrechtliche Positionen beliebig als rechtsradikal denunzieren. Dafür gibt es gleich mehrerer Gründe:

Einerseits gibt es einfach viele Beispiele dafür, dass judenfeindliche Positionen sich Vorwände suchen und sich nicht offen als antisemitisch präsentieren. Ein genuin „linker Antisemitismus“ , der sich vordergründig auf Menschenrechte beruft, ist nur eines davon. Wenn Juden angesichts der Kritik der Säuglingsbeschneidung antisemitische Motive vermuten, ist das in vielen Fällen verfehlt – es ist aber nicht absurd und hergeholt, sondern basiert auf realen Erfahrungen. „Ein Dauerbrenner in den Top-Ten antijüdischer Propaganda ist das Thema Beschneidung,“ schreibt Daniel Neumann in der Jüdischen Allgemeinen.

Zudem stellt sich tatsächlich die Frage, wie denn jüdisches Leben in einem Land möglich ist, in dem die Beschneidung verboten wird. Sicherlich lässt sich der Ritus modifizieren, wie das auch die DAKJ nahelegt, und die Beschneidung lässt sich in einem Alter nachholen, in dem die Jungen zustimmungsfähig sind. Das aber ist eine erhebliche Änderung, deren Tragweite von Nicht-Juden allem Anschein nach unterschätzt wird. Nachvollziehbar wird das große Befremden angesichts der Kölner Entscheidung beispielweise in einem Text von Channah Trzebiner.

Zudem war der deutsche Massenmord an den europäischen Juden schließlich auch, unter anderem, der größte systematische Kindermord der Geschichte – bekanntlich wollten die Nationalsozialisten die Zukunft des Judentums auslöschen und ermordeten daher gezielt die Kinder. Das mag vielen nichtjüdischen Deutschen als geschichtliches Wissen präsent sein, für Juden aber ist es in aller Regel in der unmittelbaren Familiengeschichte gegenwärtig – im europäischen Judentum nach dem Krieg fehlt eine Generation fast komplett. Wenn heute Deutsche mit dem Anspruch auftreten, die jüdischen Kinder vor ihren Eltern schützen zu müssen, dann muss das vielen Juden regelrecht als verrückt erscheinen.

Mein Eindruck ist, dass hier viele Gegner der Jungenbeschneidung, auch männerrechtliche, einen blinden Fleck haben: Männerrechtler konzentrieren sich darauf, dass die Rechte von Jungen auf körperliche Unversehrtheit geringer geachtet werden als die von Mädchen, und übersehen dabei leicht andere, ebenfalls wichtige Aspekte des Konflikts. Dass jedoch ihre Argumente gut sind, bedeutet ja nicht, dass ein Verbot der Säuglingsbeschneidung keine gravierenden Konsequenzen hätte. Wer sich aber mit diesen Konsequenzen nicht auseinandersetzt, wird vermutlich auch nichts erreichen können.

Dabei sind die Verständigungen, die die DAKJ in ihrer Stellungnahme dringend – und vergeblich – eingefordert hat, im Prinzip durchaus möglich. Weder steht das Kölner Landgericht in der Nachfolge des Volksgerichtshofs, noch sind die deutschen Gesetze zum Kinderschutz Neuauflagen der Nürnberger Gesetze – und das ist gewiss auch eigentlich allen Beteiligten klar.

 „Wollt ihr uns Juden noch?“, fragt Knobloch in ihrem SZ-Text, und sie behauptet damit eine massive Spaltung zwischen den (offenbar in ihren Augen nur auf Zeit geduldeten) Juden und den – nichtjüdischen – Deutschen. Diese Spaltung dementiert Gemeinsamkeiten, etwa in der gemeinsamen Rechtsstaatlichkeit und der gemeinsamen Orientierung am Wohl von Kindern – und sie zementiert Unterschiede und Gegensätze.

Die Bundestagsentscheidung hat diese Spaltung eben nicht überbrückt – Juden und ebenso Moslems wirken angesichts dieser Entscheidung wie Fremde, die nun einmal seltsame Bräuche hätten, welche man nicht verstehen, aber doch irgendwie akzeptieren müsse. Sie werden weiterhin eher als Gäste denn als Bürger dieses Landes behandelt – auch wenn heute immerhin viele Politiker ein Interesse daran vorgeben, dass sich diese Gäste zumindest wohlfühlen.

Es hat der weit überwiegenden Mehrzahl des Bundestags der Mut oder das Interesse gefehlt, offen zu vertreten, dass es bei der Kritik an der Säuglings- oder Kinderbeschneidung um Argumente zum Wohl von Kindern geht, hinter denen sich keineswegs Antisemitismus oder Antiislamismus verstecken. Dem Bundestag ist nicht vorzuwerfen, dass er die Konflikte wahrgenommen hat, die sich aus dem Kölner Urteil ergeben – ihm ist aber vorzuwerfen, dass ihm das Wohl von Kindern nicht wichtig genug war, diese Konflikte auch offen anzusprechen.

Wenn die religiös oder „hygienisch“ motivierte Säuglingsbeschneidung – wie ja viele Stellungnahmen aus der organisierten Ärzteschaft deutlich machen – medizinisch nicht vertretbar ist, dann lässt sich die Position nicht halten, dass zwar christliche oder atheistische, nicht aber jüdische oder muslimische Kinder einen Anspruch auf den Schutz ihrer körperlichen Integrität haben. Die Entscheidung des Bundestags hat eben keine Rechtssicherheit geschaffen, sondern den Konflikt vertagt.

Dabei gibt es ja durchaus auch bei Juden – und auch bei Muslimen  – keine geschlossene Gesprächsverweigerung, die Texte von Gil Yaron  oder Michael Wolfssohn sind eindrucksvolle Beispiele dafür.

Tatsächlich erkennen auch alle Seiten an, dass eine Legitimität der Beschneidung ihre medizinische Vertretbarkeit voraussetzt – die Unterschiede, wie immer sie auch motiviert sein mögen, äußern sich in unterschiedlichen Einschätzungen eben dieses Aspekts. Die Beschneidungsdebatte ist in dieser sachlichen Hinsicht keine tragische Diskussion, in der eine Verständigung prinzipiell unmöglich wäre. Was fehlt, insbesondere bei den verantwortlichen Politikern, ist die Bereitschaft zum sachlichen Konflikt – und das Interesse am Wohl und am Leid von Kindern.

Eine Geschichte wie die, die Gunnar Kunz geschrieben hat, kann dabei vielleicht ein wenig helfen: „Unberührbar“ ist einerseits die Geschichte eines Jungen, der sein Urvertrauen gewaltsam verliert, es ist aber zugleich – gerade für die Leser, die an der Einschätzung der Beschneidung in dieser Geschichte Zweifel haben und sich näher informieren wollen – ein guter Einstieg in die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ich bedanke mich bei Gunnar Kunz, der mir auf Nachfrage eine Reihe der hier verwendeten Links geschickt hat.

Ich hatte mir zunächst überlegt, oben ein Bild einer Beschneidung einzufügen, weil durch solche Bilder deutlich wird, wie wenig überzeugend Vergleiche mit dem Ohrlochstechen oder einer Impfung sind. Ich habe mich dagegen entschlossen, weil in diesem Fall eine Trigger-Warnung tatsächlich einmal angebracht ist und ich niemanden ohne Vorwarnung damit konfrontieren wollte. Es ist zur Einordnung der Informationen aber empfehlenswert, sich die Bilder hierhier oder hier  bei wikimedia anzuschauen.
  1. Ich bin erstmal gänzlich geschockt durch die Bilder…

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  2. Difference Between: Male & Female Circumcision:

    Circumcision: The Whole Story :

    Politische Geschichte: Wer war dafür?
    http://www.humanist-news.com/beschneidungsgesetz-wer-stimmte-fur-das-gesetz-wer-dagegen/

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  3. Richtig lustig wird's, wenn hierdran weitergestrickt wird:
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schoenheits-op-cdu-und-spd-wollen-ops-bei-minderjaehrigen-verbieten-a-936680.html
    Eine Beschneidung ohne medizinische Indikation ist zweifellos als „Schönheitsoperation“ zu werten.

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  4. Das Thema ist kompliziert. Natürlich, auf dem ersten Blick ist die Beschneidung eine Körperverletzung. Das Kindeswohl sollte immer schwerer wiegen.

    Auf dem zweiten Blick ist die Religionsfreiheit auch ein wichtiger Wert. Dazu gehört eben auch, dass eine Religion für sich selbst bestimmt, was für sie zentral ist. Niemand kann von außen darüber urteilen, worauf es in einer Religion ankommt. Gerade Nicht-Gläubige können sich ohnehin nicht in religiöse Menschen hineinversetzen. Es ist daher auch schwierig, von außen das Judentum aufzufordern, ihre Theologie zu modernisieren. Insofern habe ich Verständnis für Verärgerung bei Menschen jüdischen Glaubens (obwohl ich selber keiner Religion anhänge).

    Dennoch bin ich gegen die Beschneidung. Ein Brückenschlag wäre hier wünschenswert, auch wenn ich ihn mir nicht vorstellen kann.

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  5. Eine Argumentation, die mir in verschiedenen Foren (auch SPON) schon untergekommen ist, ist die Behauptung, dass die Beschneidung ja auch Auswirkungen auf das Sexualleben habe und zwar dergestalt, dass er ja dann „länger könne“ (da die Empfindlichkeit der Eichel herabgesetzt wäre). Gerne wird so (meist verklausuliert bzw. hinter vorgehaltener Hand) von der Damenwelt argumentiert…

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  6. Robin hat da mal die Frage gestellt: Kannst du länger oder brauchst du länger?

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  7. Wenn es tatsächlich einen Vorteil im Schlafzimmer geben sollte, dann wird das erst im Erwachsenenalter relevant und es gibt keinen Grund, Kindern so etwas anzutun.

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  8. Woher weißt du, dass so von Frauen argumentiert wird, wenn es hinter vorgehaltener Hand passiert? Ich habe dieses Argument bisher nur von Männern gehört.

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  9. Nein. Es ist ein wichtiger Wert der Religionsfreiheit, dass der Gläubige bestimmen kann/darf, was für ihn zentral ist. Religionsfreiheit ist ein individuelles Recht und hat hinten an zu stehen, wenn die Rechte von Dritten (z.B. auch den eigenen Kindern) verletzt werden.

    Es regt sich übrigens auch innerhalb des Judentums Widerstand gegen dieses veraltete Ritual.

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  10. Zwei Dinge möchte ich dazu anmerken.
    Die Forderung, die Entscheidung für eine Beschneidung ihrer Vorhaut den Jungen selbst zu überlassen ist aus libertären Gesichtpunkten zwar durchaus akzeptabel, bleibt aber immer noch weit hinter dem allumfassenden Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung, egal in welcher Form zurück. In der BT-Drucksache 13/8281 heißt es: „In der Bundesrepublik Deutschland ist die Beschneidung von Frauen und
    Mädchen nach den §§ 223 ff. StGB strafbar. […]
    An dieser Rechtslage ändert auch eine Einwilligung der Frau bzw. des
    Mädchens im Einzelfall nichts. Nach § 226 a StGB handelt derjenige, der
    eine Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten vornimmt, dann
    rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten
    Sitten verstößt. Ein Verstoß gegen die nach der deutschen Rechtsordnung
    maßgeblichen „guten Sitten“ dürfte bei der Beschneidung von Frauen und
    Mädchen grundsätzlich anzunehmen sein. Dasselbe gilt, wenn die
    gesetzlichen Vertreter des Opfers in die Beschneidung eingewilligt
    haben.“

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/082/1308281.asc

    Wie zynisch die Entscheidungsträger zwischen Jungen und Mädchen unterscheiden, sieht man an dem Frage-und-Antwort-Spiel mit dem der Wahlpöbel abgefertigt wird:

    http://www.bmj.de/DE/Buerger/gesellschaft/Beschneidung/_doc/_faq.html?nn=1465432 .

    Ein anderer Aspekt der Beschneidung von Jungen wird meist vernachlässigt. Die Verwendung von Jungenvorhäuten in der Pharma-und Kosmetikindustrie. Das dies Handel mit Körperteilen nicht einwilligungsfähiger Personen bedeutet ist ein unfassbarer Skandal auch in Anbetracht der Tatsache, das Frauen Hauptabnehmer der daraus enstandenen Produkte sein dürften.

    http://www.skin-care-forum.basf.com/de/artikel/haut/publikationsjahr/2004/behandlung-der-haut-von-innen/2004/10/12?id=c770803c-6016-4333-9930-820915ddbe56&mode=Detail

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/die-hautfabrik-vorhaut-von-kindern-wird-fuer-forschungszwecke-verwendet-11565661.html

    http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Neue-Haut-aus-der-Vorhaut-von-kleinen-Jungen-id17949996.html

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  11. „Was fehlt, insbesondere bei den verantwortlichen Politikern, ist die Bereitschaft zum sachlichen Konflikt – und das Interesse am Wohl und am Leid von Kindern.“

    Ich würde hier gern ergänzen: Was fehlt, insbesondere bei den verantwortlichen Politikern, ist … das Interesse am Wohl und am Leid von Kindern männlichen Geschlechts. Denn jedwedes Wegschneiden von Haut im Genitalbereich kleiner Mädchen wird demgegenüber strafrechtlich verfolgt.

    Jenes Desinteresse mithin seit Jahresfrist nach Geschlecht getrenntes Recht auf körperliche Unversehrtheit spiegelt den gesellschaftlichen Stellenwert des Mannes/Jungen als buchstäbliche Verfügungsmasse, welche im Ernstfall zu marschieren/fallen hat. Dieses Gesetz ist staatlich legitimierter Sexismus und deshalb möglich, weil die Instrumentalisierung von Männern in ein 'Privileg' umgedeutet und die nachhaltige Dämonisierung des Mannes seiner dauerhaften 'positiven' Diskriminierung den Boden bereiten sollte. Dies ist inzwischen gelungen und so kann Mann auch bereits als Neugeborener seiner sexuellen Selbstbestimmung qua Gesetz beraubt werden, denn der Mann ist kein Bürger mit Grundrechten, kein Opfer gesellschaftlicher Strukturen und Zurichtungen wie Frauen etwa, sondern von Natur her ein gefühlloses, privilegiertes Monster, dass es zu diskriminieren gilt – und das vom ersten Tag seines Lebens an.
    Sarcasm off.

    Dass mit Schnarrenberger eine Frau den Gesetzestext zur legalen Genitalverstümmelung liefert, passt trefflich ins sexistisch-feministische Schwarzer-Deutschland unserer Tage.

    Antwort

  12. @ Radaffe Das Frage- und Antwortspiel ist tatsächlich unwürdig. „Die Regelung soll nur anwendbar sein auf Jungen, die aus nicht medizinisch indizierten Gründen beschnitten werden sollen und darüber selbst noch nicht selbst entscheiden können. Sie gilt gerade nicht für Mädchen. Es ist völlig klar, dass die weibliche Genitalverstümmelung als Eingriff mit schwerwiegenden Gesundheitsrisiken und weitreichenden Folgen für die weibliche Sexualität verboten und strafbar bleibt.“ Ohne weitere Begründung – es geht allein darum, die Sorge abzuwehren, das mit der Jungenbeschneidung auch eine Möglichkeit der Mädchenbeschneidung geschaffen werden könnte. Wenn diese Möglichkeit ausgeschlossen bleibt, ist die Jungenbeschneidung okay. Das Justizministerium könnte gar nicht klarer stellen, dass es von einem Zwei-Klassen- (bzw. Zwei-Geschlechter-)Kinderschutz ausgeht.

    „Warum wird die Regelung nicht beschränkt auf religiös motivierte Beschneidungen? Eine solche Einschränkung hätte zur Folge, dass die religiöse Motivation der Eltern erforscht werden müsste. Eltern können die Beschneidung ihres Sohnes nicht nur aus religiösen Gründen für sinnvoll halten, sondern auch bei einer Beschneidung zur Gesundheitsvorsorge, wie sie sehr häufig zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgt.“ Das ist unehrlich. Motiv für das Gesetz ist eindeutig die Sorge, dass die religiös motivierte Beschneidung gesetzlich verhindert werden könnte – die Motive von Eltern, die ihr Kind aus hygienischen Gründen beschneiden lassen wollten, haben in der Debatte keine Rolle gespielt. Allerdings erkennt der Bundestag wohl, dass die eigene Motivation – ein Sonderrecht für einige Religionen zu schaffen – gesetzlich nicht haltbar ist. Anstatt aber deshalb diese Motivation zu überprüfen, wird sie einfach kaschiert.

    „Kommt die Regelung zu schnell? Muss das nicht intensiver debattiert werden? Die Zeitvorgabe, im Herbst eine Regelung vorzulegen, ist eine Forderung des Deutschen Bundestages und ist begründet durch die große Rechtsunsicherheit, die schnell beseitigt werden musste.“ Als der Europäische Gerichtshof und das Verfassungsgericht entschieden hatten, dass das deutsche Kindschaftsrecht bei Nicht-Verheirateten menschenrechts- und verfassungswidrig ist, wäre auch Eile geboten gewesen, um möglichst schnell einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der Grund- und Menschenrechte respektiert. Der Bundestag ließ sich ein paar Jahre Zeit und kam dann mit einem Gesetzchen an, das im Wesentlichen den alten Zustand bestätigt. Wann Eile geboten ist und wann nicht, entscheidet unser Gesetzgeber ausgesprochen willkürlich – im einen Fall werden nötige Veränderungen durch Aussitzen verhindert, im anderen Fall durch eine Eile, die alle vernünftige Diskussion unmöglich macht.

    Danke für die Links!

    Antwort

  13. @ Robin „Es regt sich übrigens auch innerhalb des Judentums Widerstand gegen dieses veraltete Ritual.“ Ja, aber sehr zaghaft. In Israel sind meines Wissens fast alle jüdischen Männer beschnitten. Der Anteil der Eltern, die ihre Söhne nicht beschneiden lassen würden, wenn sie die völlig freie Wahl hätten, ist deutlich größer – liegt aber immer noch unter einem Fünftel der Eltern insgesamt. Mir gefällt insbesondere der im Text verlinkte Artikel von Gil Yaron sehr gut – soweit ich es sehe, vertritt er aber eindeutig eine Minderheitenmeinung.

    Ansonsten ist es klar – wenn basale Rechte von Menschen verletzt werden, lässt sich das nicht mit der Berufung auf die Religionsfreiheit legitimieren. Interessanterweise habe ich auch niemanden gefunden, der das ausdrücklich behaupten würde – Kritiker des Kölner Urteils argumentieren eher damit, dass die Beschneidung relativ harmlos sei und daher eben keine basalen Rechte verletze. Diese Argumentation ist nicht haltbar, eben weil die Beschneidung nicht harmlos ist.

    Antwort

  14. „Einen jungen Körper im Wachstum unnötig einem solchen massiven Eingriff auszusetzen, kann körperlich und geistig fatale Folgen haben. Eine Brustvergrößerung als Geschenk für eine 15-Jährige zu Weihnachten finde ich jedenfalls völlig inakzeptabel.“ Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU. Also aus der Partei, die fast geschlossen für die Möglichkeit der Säuglingsbeschneidung gestimmt hat.

    Finde ich völlig in Ordnung, Schönheitsoperationen bei Minderjährigen ohne Indikation zu verbieten – aber warum dann Säuglinge (!) solchen Operationen unterzogen werden können, ist nicht nachvollziehbar. Zumal ja das Beschneidungsgesetz ausdrücklich NICHT nur die Beschneidung aus religiösen Motiven erlaubt (denn das wäre wohl rechtswidrig, siehe unten den Kommentar von Radaffe, Verlinkung des BMJ), sondern sie insgesamt in das Ermessen der Eltern stellt.

    Im Klartext heißt das: An Brüsten fünfzehnjähriger Mädchen darf nicht herumgeschnitten werden, an Säuglingspenissen schon. Den Unterschied muss Herr Spahn erstmal erklären.

    Antwort

  15. @ jungsundmaedchen Danke! Beeindruckend ist im zweiten Video z.B. die lange Liste von angeblichen Vorteilen, die im Laufe der Jahre willkürlich der Beschneidung untergeschoben wurden – als Mittel gegen das Bettnässen, als Vergewaltigungsschutz weißer Frauen gegen schwarze Männer, als Schutz gegen Krebs etc.pp. Es wäre interessant zu wissen, woher eigentlich das ungeheure Bedürfnis stammt, an Penissen herumzuschneiden – angesichts der großen Energie, die über die Jahrhunderte in die Rationalisierungen dieses Bedürfnisses gesteckt wurde.

    Der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Beschneidung wird so wie im Video auch im Text von Kunz angesprochen. Und die Darstellung im Video ist völlig richtig: Auch in der unten von Radaffe verlinkten Stellungnahme des Justizministeriums, z.B., interessiert die Schwere der Beschneidung überhaupt nicht – entscheidend ist allein der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen.

    „Bündnis 90/die Grünen:
    Ja: 34
    Nein: 16
    Enthaltung: 15
    Nicht abgegeben: 3″
    Das finde ich noch schwerwiegender als die große Mehrheit für die Beschneidung bei der CDU – den großen Anteil der Enthaltungen bei den Grünen. Entscheidet Ihr mal, mir ist das hier zu schwierig. Das ist ja nun völlig daneben – warum lässt man sich dann in den Bundestag wählen?

    Antwort

  16. @ Revolte „Was fehlt, insbesondere bei den verantwortlichen Politikern, ist … das Interesse am Wohl und am Leid von Kindern männlichen Geschlechts“ Das seh ich genauso. Ich hatte mir erst auch überlegt, von „Jungen“ statt „Kindern“ zu schreiben – ich hab das nicht gemacht, weil es ganz deutlich sein sollte, dass es um KINDER geht, für die ERWACHSENE die Verantwortung tragen. Und wenn sie diese Verantwortung nicht wahrnehmen, gibt es keine Entschuldigung, weder im Geschlecht des Kindes, noch in seiner Religion, noch in hergeholten „Hygiene“-Argumenten.

    Antwort

  17. @Revolte und @Schoppe

    An dieser Stelle möchte ich mich schamlos selbst zitieren:

    „Wenn man Sondergesetze und eine Sonderethik schafft für muslimische und jüdische Jungen, so müssen diese explizit von den Segnungen der Artikel 1-3 des Grundgesetzes ausgeschlossen werden.

    „(1,2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

    (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

    (3,2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“

    Ein religiöses Gender-Grundgesetz also, welches Menschenrechte für muslimische und jüdische Jungen ausschließt.

    1. Die Integration der religiösen Sonderbehandlung bedeutet demnach die Exklusion dieser Gruppen aus dem Rahmen des Grundgesetzes. Also: Inklusion der Religion durch Exklusion der männlichen Religionszugehörigen.

    2. Religiöse Abwägung von Ethik hieße in diesem Fall: Wenn es um Männer geht, gibt es keine universellen Menschenrechte, keine Kinderrechte, kein Grundgesetz, sondern diese werden quasi als Verhandlungsmasse betrachtet.

    Daraus folgert: Eine religionskonforme Demokratie ist keine mehr.

    Noch einmal: Ich verhandle weder das deutsche Grundgesetz, noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und auch nicht die UN-Kinderrechtskonvention.

    Wer sich auf Verhandlungen mit den Religionsvertretern einlässt, gibt über kurz oder lang fundamentale Menschenrechte preis und ich habe den Eindruck, dass dies gewünscht ist.

    Wer die marktkonforme Demokratie will, der organisiert auch eine religionskonforme – also deren Abschaffung.“

    Gruß, crumar

    Antwort

  18. @all

    Meine Standardantwort als Betroffener ist in diesem Fall:

    „Guter Sex dauert länger – schlechter leider auch!“ 😉

    Gruß, crumar

    Antwort

  19. @Schoppe

    Deine Argumentation ist leider verkürzt, weil du/ihr nicht so richtig durchschaut, was für ein Spielchen hier abgezogen wird.

    Zunächst einmal kommt erheblicher Widerstand gegen die Beschneidung aus der US-amerikanischen jüdischen community selbst, DEMNACH ist innerhalb der jüdischen community aus den USA dieses Thema höchst umstritten.
    Und diese ist zahlenmäßig annähernd so groß wie die jüdische in Israel.

    Die ersten Menschenrechtsaktivisten, die sich des Themas Mitte der 90er überhaupt angenommen haben kamen ebenfalls aus den USA; viele davon Juden.
    Deshalb ist der Blick ausschließlich nach Israel – gewollt – irreführend.

    Die Kritik in den USA (auf Bedarf Links) wird bewusst ausgeblendet um den Eindruck zu erwecken:

    a. es gäbe einen monolithischen jüdischen (Religions-) Block, deren Vertreter
    b. US- und deutsche jüdische Lobbygruppen sowie israelische Religionsvertreter seien.
    c. Wäre die deutsche Kritik an der Beschneidung völlig voraussetzungslos und damit
    d. letztlich antisemitisch.

    Exakt nichts davon ist jedoch wahr.

    Gerade c.und d. kommt den notorisch meinungsstarken und rechercheschwachen Vertretern der Mainstreampresse sehr gelegen, um die Bewegung gegen Beschneidung zu diffamieren (siehe Süddeutsche Zeitung und Zeit).

    Der Clou der konzertierten Aktion von US- und deutschen Lobbygruppen ist die Etablierung eines Antisemitismus-Verdachtes, um diesen in die USA zu REIMPORTIEREN.
    Die deutsche jüdische community ist klein, die amerikanische jedoch ist groß und hat politische Bedeutung.

    Setzen die in Europa durch, Kritik an der Beschneidung sei antisemitisch, dann wird dies in den USA verwendet, um die dortigen Kritiker mundtot zu machen.
    Das ist das eigentliche ZIEL der Kampagne.

    Genau so ist es mit der beknackten Antisemitismus-Definition gelaufen – der AJC und Konsorten (namentlich Ken Stern) haben sie im EUMC etabliert und keiner verwendet sie mehr hier – aber dafür ist sie im state department gelandet. Und dient dort dazu Kritik an Israel zu denunzieren.

    Es sollte m.E. die Debatte hier wesentlich internationalistischer geführt werden, weil sie sich nämlich nicht auf Deutschland beschränkt.

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  20. Hallo crumar,

    vielen Dank für die Einordnung! Mir fiel dazu eine Anekdote von Ignaz Bubis und Werner Höfer ein:

    „Ohne Anzeichen von Gereiztheit oder Arroganz erzählt er also auch noch sein Erlebnis mit Werner Höfer, der ihn – bei einem Treffen in Baden-Baden – über die Reaktionen „in Ihrem Lande“ nach den Ausschreitungen von Rostock befragte. „Ach“, hat der Frankfurter Bubis da geantwortet, „das sehen wir in Hessen so ähnlich wie die Leute hier in Baden-Württemberg.“ Aber auch Höfer habe darauf bestanden, ihn als Ausländer zu behandeln.“ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8905566.html

    Das spielt auch in dieser Debatte eine Rolle. Der Anspruch, eine Kritik an der Beschneidung sei eine Einmischung in jüdische – oder muslimische – Angelegenheiten, verkennt, dass es um GEMEINSAME Angelegenheiten geht. Es ist schließlich nicht möglich, den Schutz der körperlichen Integrität von Kindern zu garantieren, aber jüdische und muslimische Kinder auszunehmen (obwohl es, aber das ist eben das andere große Thema der Debatte, aus unerfindlichen Gründen möglich ist, männliche Kinder auszunehmen).

    Der Vorwurf des Antisemitimus aber lässt sich nur mit einer „Die-und-wir“-Struktur aufrechterhalten, oder mehr noch – „die gegen uns“. Eine Position, wie etwa Knobloch sie vertreten hat, ist wesentlich schwerer haltbar, wenn eingeräumt werden muss, dass es gute Gründe für eine Kritik an der Säuglings- und Kinderbeschneidung gibt – und dass der generelle Vorwurf verfehlt ist, diese Kritik wäre lediglich eine Pseudo-Rationalisierung antisemitischer oder antiislamischer Motive.

    Der Punkt ist: Gerade die Verteidigung der Beschneidung besteht auf Spaltungen zwischen Juden und Nicht-Juden, oder Moslems und Nicht-Moslems, während es bei der Kritik an der Beschneidung um gemeinsame Rechte und Verantwortungen geht.

    Schöne Grüße auch von mir!

    Antwort

  21. Das sehe ich exakt genauso!

    Perfide ist die Konsequenz, nun ein Gender-Grundgesetz zu haben, welches explizit Jungen abspricht ebenso schutzbedürftig zu sein wie Mädchen.

    Und auch der gut gemeinte Versuch der Linken, eine eigene Gesetzesvorlage ausgearbeitet zu haben, stellte sich der eigentlichen Frage nicht:

    Warum?

    Warum brauchen wir zwei Gesetze für das, was EIN Grundgesetz für BEIDE Geschlechter schon formuliert hat?

    Und dann zu Frau Knobloch….
    Wenn du den Artikel sorgfältig liest wirst du feststellen, sie schmuggelt explizit eine *politische* Identität in ihren Beitrag über eine jüdische und diese ist ebenso explizit rechts.
    In den USA sind die „uns Juden“ bei AIPAC und der Rest landete auf der S.H.I.T.-List (=Self Hating and/or Israel Threatening Jew!).

    Was gleichbedeutend ist damit, jede Weigerung zu glauben, die Freiheit Deutschlands werde am Hindukusch verteidigt sei undeutsch und derjenige also ein „Scheiß-Deutscher“.

    Nun ja…

    Gruß, crumar

    Antwort

  22. Der Vorwurf, dass das eigentliche Motiv der Beschneidungskritiker Antisemitismus sei, wurde salopp damit begründet, dass die so urplötzlich artikulierte Sorge um jüdische oder muslimische Jungs doch völlig unglaubwürdig sei, auch in Anbetracht der seit langer Zeit bekannten Beschneidungspraxis.

    Dieser Vorwurf und die Begründung ignoriert zwei wesentliche Fakten:

    – Durch die jahrelange mediale Thematisierung der Beschneidung von Mädchen war bereits eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegeben.

    – Der sich aufdrängende Vergleich machte klar, dass hier willkürlich geurteilt wird und ein fundamentaler Rechtsgrundsatz mit fadenscheinigen Begründungen missachtet wird. Für viele Menschen sind solche fundamentalen Rechtsgrundsätze etwas, was nicht leichtfertig mit fadenscheinigen Begründungen ausgehebelt werden darf. Die Motive der Beschneidungskritiker sind für die Beurteilung irrelevant.

    Der Antisemitismusvorwurf war nichts anderes als Diskursverweigerung, was die Auseinandersetzung an Schärfe gewinnen liess.

    Antwort

  23. @Robin
    Durchflöhe mal das SPON-Forum zur Beschneidungsdebatte, dort wird dir einiges in der Richtung über den Weg laufen (auch wenn Deine Frage bereits impliziert, dass Du das nicht glaubst ;o)… Nicks kann ich Dir leider nicht mehr sagen, dazu ist das zu lange her… Meine pers. Erfahrung geht allerdings auch in die Richtung, das geht hier aber keinen was an…

    Antwort

  24. Auf die schnelle gefunden (sollte noch was arbeiten)… „Nur: wenn man ihn oral oder nur mit Hand verwöhnen wollte, hab ich meißt gesagt, er soll doch eine halbe Stunde vorher schonmal alleine anfangen. Das hab ich nicht bös gemeint, aber das hat immer so lang gedauert, bis er „soweit“ war…
    War halt doch ein bischen unempfindlicher.“… ein Schelm der daraus… Aber das war's auch zu dem Thema… (nein ist nicht aus SPON sondern aus „Die Zukunft ist weiblich“… ;o)

    Antwort

  25. Dem Verbot von Schönheitsoperationen bei Minderjährigen kann ich nichts abgewinnen. Zum einen hört man wenig darüber, wie häufig so etwas eigentlich stattfindet. Die „Brustvergrößerung als Geschenk für eine 15-Jährige zu Weihnachten“ scheint mir eher eine Wahnidee als ein ernstzunehmendes Diskussionsthema zu sein; schon deshalb, weil dieses Weihnachtsgeschenk preislich aus dem für mindestens 95% der Bevölkerung aus dem Rahmen des Erschwinglichen fällt. Das Ganze mutet nach politischem Aktionismus an. Tatsächlich gibt es mitunter medizinische Indikationen für Brustverkleinerungen; oder man denke an Korrekturen von Zähnen oder Segelohren. der Gesamtkomplex „Schönheitsoperationen“ hat eine Spannweite von physisch-medizinischer Indikation über Gründe des psychischen Wohlbefindens bis zu reiner Verrücktheit. Das läßt sich aber nicht durch Vorschriften, und schon gar nicht solche, die in der Art hiesiger Gesetzestexte formuliert sind, in einen akzeptablen und einen inakzeptablen Teil auftrennen. Es mag in singulären Einzelfällen solche Dinge wie Brustvergrößerungen an 15jährigen geben; wobei mir fraglich erscheint, ob ein Arzt unter dem Aspekt, daß er für die medizinische Richtigkeit seines ärztlichen Tuns verantwortlich ist, jetzt so etwas machen darf. Dem stehen andere Fälle gegenüber, in denen womöglich aufgrund eines solchen Verbots von Schönheitsoperationen vertretbare oder in der Detailansicht des jeweiligen Falles auch sinnvolle Maßnahmen wegen dieses Verbots unterbleiben. Ich sehe nicht, daß ein solches Verbot ein Problem tatsächlich lösen würde oder in der Gesamtsumme einen positven Effekt hätte.

    Antwort

  26. Wenn die Beschneidung tatsächlich so harmlos wäre, wie die Befürworter vorgeben, und wie es die Öffentlichkeit wohl im allgemeinen, und auch ich speziell lange Zeit angenommen haben, dann wäre es zu dem Kölner Urteil nie gekommen. Wenn die Befürworter der Öffentlichkeit „die so urplötzlich artikulierte Sorge“ vorwerfen, dann werfen sie der Öffentlichkeit tatsächlich vor, ihre, der Befürworter, eigene Darstellungen geglaubt zu haben, und das ist eine reichlich seltsame Positionierung.

    Antwort

  27. „Der Anteil der Eltern, die ihre Söhne nicht beschneiden lassen würden, wenn sie die völlig freie Wahl hätten, ist deutlich größer“
    Unter diesem Aspekt muß man das vom Bundestag beschlossene Gesetz direkt als Knabenverstümmelungsförderungsgesetz bezeichnen. Wäre die Beschneidung nichteinwilligungsfähiger Kinder verboten, so könnten Eltern sozialem Druck aus ihrer Umgebung, an ihrem Kind eine solche durchzuführen, durch Hinweis auf dieses Verbot entgegentreten. Das Gesetz in der jetzigen Form stellt aber eher einen Hebel zur Verstärkung solchen Drucks dar.

    Antwort

  28. „Wenn die Befürworter der Öffentlichkeit „die so urplötzlich artikulierte Sorge“ vorwerfen, dann werfen sie der Öffentlichkeit tatsächlich vor, ihre, der Befürworter, eigene Darstellungen geglaubt zu haben, und das ist eine reichlich seltsame Positionierung.“ Das stimmt. Es passt zu einer Aussage Charlotte Knoblochs, dass der deutsche Gesetzgeber die Beschneidung doch längst verboten hätte, wenn sie wirklich schädigend wäre.

    Nunja…DASS die Beschneidung nicht als unzulässig interpretiert wird, war Hauptanliegen ihrer Argumentation. Auch sie stellt damit eigentlich nur eine „Warum jetzt?“-Frage. Nach meinem Eindruck soll das suggerieren, dass es Gegnern der Beschneidung um ganz anderes ginge als um das Kindeswohl – weil sie doch sonst schon längst etwas hätten sagen müssen.

    Antwort

  29. @ Peter „Der Antisemitismusvorwurf war nichts anderes als Diskursverweigerung, was die Auseinandersetzung an Schärfe gewinnen liess.“ Ja, das sehe ich auch so. ich glaube, das hat aber auch damit zu tun, dass hier zwei belastete Debatten aufeinanderstoßen, die sich einander eigentlich relativ fremd sind: Einerseits Diskussionen um Antisemitismus und um „moderne“ Ausprägungen davon, die nicht in Gestalt reaktionärer oder faschistischer Ideologien daherkommen (dass es z.B. einen „linken Antisemitismus“ gibt, hab ich selbst mehrfach erlebt).

    Andererseits aber auch ein selbstbewussterer Einsatz für die Rechte von Jungen und Männern, der z.B. darauf aufmerksam macht, dass es nicht haltbar ist, Jungen einen Schutz vorzuenthalten, der Mädchen selbstverständlich zusteht. „Perfide ist die Konsequenz, nun ein Gender-Grundgesetz zu haben, welches explizit Jungen abspricht ebenso schutzbedürftig zu sein wie Mädchen.“ Das sehe ich, @ crumar, ganz genau so.

    Die von Dir erwähnte Sensibilisierung für das Thema Beschneidung ist natürlich auch Juden bekannt, nur wird in fast allen Stellungnahmen von Juden, die ich gelesen habe, der Vergleich der Jungen- und der Mädchenbeschneidung klar abgelehnt. „Bitte lasst uns die Debatte um Beschneidung bei Männern um Himmels Willen von der Debatte um Beschneidung bei Frauen trennen“, schrieb z.B. Marina Weisband schon im letzten Jahr zu der Debatte. http://www.marinaslied.de/?p=730

    Das lässt sich so nicht halten. Der von Elmar (jungsundmaedchen) oben verlinkte Film macht ja gut klar, dass es bei Männern wie bei Frauen Beschneidungen verschiedener Schwere gibt und dass, wenn überhaupt, nur nach Schweregraden, aber nicht nach Geschlecht unterschieden werden kann.

    Es ist aber insgesamt ein Problem in der Debatte, dass die Beteiligten der verschiedenen Diskussionsstränge wenig voneinander wissen und die Unterstellungsbereitschaft sehr hoch ist. Jüdische Autoren, so mein Eindruck, wissen oft gar nicht einzuordnen, dass das Engagement von Beschneidungsgegnern eben auch in der Wut über die sexistische Kinderfeindlichkeit der Unterscheidung von Jungen- und Mädchenbeschneidung wurzelt, und unterstellen dieser Wut antisemitische Motive.

    Männerrechtler hingegen verlieren manchmal aus dem Auge, dass die Antisemitismus-Unterstellung aufgrund von realen Erfahrungen Plausibilität gewinnt. So sehr diese Unterstellung natürlich auch in politischen Kalkülen, wie crumar oben ja dargestellt hat, nutzbar ist – plausibel ist sie ja deshalb, weil sich judenfeindliche Positionen eben tatsächlich oft Vorwände gesucht haben.

    Demgegenüber blieben allgemeine Erwägungen über Religionsfreiheit und ihre Grenzen zu abstrakt. Damit macht man es Positionen zu leicht, wie sie z.B. Gauck bezogen hat:

    „“Da haben sich echte, aufgeklärte Sorge um Kindeswohl und körperliche Unversehrtheit bei einigen gelegentlich mit einem Vulgärrationalismus gemischt, in dem auch antisemitische und antimuslimische Einstellungen sichtbar wurden“, betonte das Staatsoberhaupt. „Das ist schlimm.““ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/beschneidungsdebatte-gauck-ruegt-vulgaerrationalismus-a-870549.html

    Es wäre gut gewesen, wenn Gauck diese Pseudo-Abgewogenheit durch eine reale Abgewogenheit ersetzt hätte, wenn er also nicht nur auf Antisemitismus-Befürchtungen eingegangen wäre, sondern wenn er den Zuhörern in der Ulmer Synagoge, in der er sprach, auch ein Zugeständnis abverlangt hätte: dass nämlich Gegner der Beschneidung reale und begründete Sorgen um das Kindewohl artikulieren und nicht einfach nützliche Idioten von Judenfeinden sind.

    Antwort

  30. Es ist aber insgesamt ein Problem in der Debatte, dass die Beteiligten der verschiedenen Diskussionsstränge wenig voneinander wissen und die Unterstellungsbereitschaft sehr hoch ist.

    Wenn Juden überreagieren und Antisemitismus wittern, dann hab ich dafür ein gewisses Mass an Verständnis und ich versteghe, dass es nicht bloss als polittaktisches Manöver abgetan werden kann.

    Kein Verständnis aber habe ich für die Bagage, die den Antisemitismusvorwurf instrumentalisierte, weil sie die Männerrechtsbewegung ablehnt (oder sagen wir besser:hasst), d.h das Gros der Feministinnen, die ihr Opfermonopol gefährdet sehen und ihr männlicher Anhang auf der Schleimspur.

    Antwort

  31. @ Peter Was natürlich ohnehin verrückt ist – schließlich haben Feministinnen seit eh und je genug eigene Antisemitismus-Probleme, mit denen sich immer nur einzelne kritisch befasst haben – sei es in der Glorifizierung der „friedfertigen Frau“, die mit dem Nationalsozialismus eigentlich gar nichts zu tun gehabt hätte, den seltsamen Positionen der „Matriarchatsforschung“ (z.B. bei Gerda Weiler) oder in der bekloppten Opferkonkurrenz mit Juden, in der sich Alice Schwarzer gern betätigt hat.

    Zum Thema hat ja Gerhard Amendt mal bei hagalil etwas geschrieben:
    http://www.hagalil.com/archiv/2009/10/05/frauenbewegung-1/

    Antwort

  32. […] wird gerade in westlichen Medien weniger ernst genommen als die von Mädchen, sie wird von Kinderärzten aber einmütig als unnötiger und riskanter Eingriff verurteilt. Medizinisch sind Beschneidungen bei Jungen ebenso wenig zu rechtfertigen wie bei Mädchen, wenn sie […]

    Antwort

  33. […] Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt der Jungen-Beschneidung, die von Kinderärzten einmütig als illegitim verurteilt wird – während die […]

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