Diskriminierung Männerechtsbewegung

Hetenknutschen und andere Männergeschichten

Bild zeigt zwei Männer, die sich küssen.
geschrieben von: Lucas Schoppe
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https://man-tau.com/2013/12/18/hetenknutschen-und-andere-mannergeschichten/
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„Ich habe Adrians Blog bisher vernachlässigt, mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren). Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.“
Das schreibt David in einem Kommentar bei Alles Evolution. Adrian wiederum hatte auf seinem Blog Gay West über die „Kluft zwischen heterosexuellen und homosexuellen Männern“ geschrieben und über die in seinen Augen fatale Außenwirkung der Männerrechtsbewegung, die weiterhin oft von ein paar Brachialmaskulisten geprägt werde, die gern über „Homo-Perverse“ herziehen oder dramatisch vor einer „Verschwulung der Gesellschaft“ warnen.

„Es sind eben (‚offiziell‘) heterosexuelle Männer, die Schwule auf der Straße beleidigen, anpöbeln, angreifen. Es sind (‚offiziell‘) heterosexuelle Männer, die ihre immerwährende Abneigung gegenüber Homosexualität kund tun. (…) Ich weiß, ich weiß, das alles gibt es bei Frauen ebenfalls zur Genüge, dennoch lässt sich meines Erachtens nicht verleugnen, dass Frauen Schwulen gegenüber toleranter und auch freundschaftlicher gesinnt sind.“

Gentlemen gegen Homophobie, Hetenknutschen für ein friedlicheres Deutschland – Für das Magazin Gentlemen’s Quarterly küssen sich Hetero-Männer, hier die Schauspieler Ken Duken und Kostja Ullmann
Welche Chancen auf Verständigung gäbe es also, wenn Männerrechtler Feindseligkeit gegen Schwule stärker zu ihrem Thema machten? Und: Welchen Sinn hätte es?

Falsche Gegner und richtige Probleme „Die Schwulenbewegung ist sehr viel besser positioniert und etabliert als die Männerrechtsbewegung. Die haben unseren Beistand schlicht nicht nötig“, schreibt Peter in einer Antwort auf David. Alexander Roslin setzt das fort:
„Das ist kein Zufall und nicht allein das Verdienst der Schwulen. Sie gehören schließlich zu der Koalition der Minderheiten, die gebraucht und benutzt wird, die ‚Bourgeoisie‘ der weißen, heterosexuellen Männer zu entmachten.“
Besonders kritisch sieht er das Recht zur Adoption durch Homosexuelle –
„ein Recht des Kindes auf BEIDE Eltern beiderlei Geschlechtes wird kaum bedacht – das Kind als Selbstverwirklichungsaccessoire und GLEICHSTELLUNGSTROPHÄE“.
In diesem Punkt sind tatsächlich sachliche Kontroversen zwischen Väterrechtlern und Homosexuellenaktivisten möglich, die nicht allein auf das Konto irrationaler Ressentiments gebucht werden können. Ich kenne Väter, die mit dem Adoptionsrecht für Homosexuelle die Befürchtung verbinden, dass neue Möglichkeiten der Väterausgrenzung geschaffen werden.
Ich teile diese Befürchtung nicht: Ausgrenzungen von Vätern durch eine neue lesbische Lebensgemeinschaft der Mutter sind ohnehin möglich und nicht auf das Adoptionsrecht angewiesen.
Sie ist aber Ausdruck einer tieferen Irritation darüber, dass in der Berliner Politik die Möglichkeit der Adoption durch Schwule und Lesben engagiert diskutiert und vorangetrieben wird, während zugleich die Kindessorge leiblicher Väter weiterhin massiv eingeschränkt bleibt. Wer aber dem Recht von Kindern auf Adoption einen größeren Stellenwert einräumt als ihrem Recht auf die Sorge leiblicher Eltern, muss dringend seine Prioritäten überprüfen.
Eines der abschreckendsten Beispiele lieferte 2009, pünktlich zum Bundestagswahlkampf, die damalige Justizministerin Brigitte Zypries: Während sie, trotz ausdrücklicher Aufforderung durch das Bundesverfassungsgericht, Überprüfungen des mittlerweile als menschenrechts- und verfassungswidrigen deutschen Sorgerechts über mehrere Jahre verschleppt und so im Amt Väter- und Kinderrechte erheblich verletzt hatte, brachte sie sich mit einem engagierten Vorstoß für das „volle Adoptionsrecht für Regenbogenfamilien“ in die Schlagzeilen.
An dieser Aktion zeigt sich aber auch schon, dass das politische Engagement für Homosexuellen-Rechte oft etwas Unernstes und Plakatives hat: Zypries ging es offenkundig gar nicht darum, breite Akzeptanz für das volle Adoptionsrecht zu erlangen, sondern vor allem darum, die CDU in eine Zwickmühle zu bringen: entweder zuzustimmen und einen großen Teil ihrer Wähler zu brüskieren oder zu widersprechen und als reaktionär dazustehen.
Tatsächlich ist das Adoptionsrecht Homosexueller mit Problemen verbunden, doch problemlos ist es natürlich auch bei Heterosexuellen nicht. Eine „Trophäe“ kann ein Kind für Schwule und Lesben ebenso wie für heterosexuelle Frauen und Männer sein, und der Kontakt mit den leiblichen Eltern ist schon immer ein belastetes und wichtiges Thema in der Adoption gewesen.
Gewiss sind Kinder auf gute Kontakte zu Erwachsenen beiderlei Geschlechts angewiesen, aber die stehen auch in der Alleinerziehung in Frage – und im Unterschied dazu stehen die Kinder zweier Schwuler oder Lesben zumindest nicht in voller Abhängigkeit von einem einzigen Elternteil.
Einen ausreichenden Kontakt zu verlässlichen Bezugspersonen beiderlei Geschlechts und zu den leiblichen Eltern zu ermöglichen, läge damit in der Verantwortung der Adoptiveltern – wie in anderen Fällen auch würde sich die Frage nach dem Sinn der Adoption also an der Verantwortungsbereitschaft der Eltern orientieren müssen und nicht an der Geschlechtszugehörigkeit ihrer Partner.
Rätselhafter als die Widerstände gegen das Adoptionsrecht Homosexueller sind die massiven Widerstände gegen die „Homo-Ehe“, die in Frankreich eine der größten Bürgerbewegungen nach dem zweiten Weltkrieg entzündet haben. Wer wie der Rechtswissenschaftler Bernd Rüthers wesentlich an der
„einmaligen und unveränderlichen Bedeutung von Ehe und Familie für die Erhaltung von Gesellschaft und Staat“
orientiert ist, also an der Ehe als Institution zum Aufwachsen von Kindern, der wird natürlich Bedenken gegenüber einer Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften haben, weil die Privilegierung der klassischen Ehe damit gefährdet werde.
Auch das aber ist kaum plausibel. Nicht nur – wie schon Kai in seinem Artikel bei man tau argumentiert  – wären damit andere Kinderlose, etwa Ältere, ebenso von der Ehe ausgeschlossen: Es ist zudem nicht einzusehen, warum denn eigentlich auch nur eine einzige klassische Mann-Frau-Ehe weniger geschlossen werden sollte, wenn die Ehe auch auf Homosexuelle ausgedehnt wird.
Tatsächlich lenkt eine Diskussion um die sogenannte „Homo-Ehe“ lediglich von der Frage ab, wodurch eigentlich die Institution der Ehe tatsächlich belastet wurde.
„Die Frau, die nach drei Scheidungen noch keinen Porsche fährt, hat etwas falsch gemacht“,
hat Gaby Hauptmann einmal gewitzelt, und diese Witzelei hat durchaus einen realen Hintergrund. Durch Abfindungen, Unterhalt, Betreuungsgelder und weitere Unterstützungsleistungen ist eine Situation entstanden, in der eine Trennung sehr attraktiv werden kann. Laut Spiegel ist es
„ein offenes Geheimnis (…), dass viele Paare die Trennung vortäuschen und sich die Väter nur zum Schein eine andere Wohnung suchen.“ 
Nach der Trennung haben insbesondere Mütter mit Kindern so viele Ansprüche auf Unterstützung, dass eine Scheidung unter manchen Bedingungen tatsächlich als lohnendes Geschäft erscheinen kann. Das gehört für den Alleinerziehendenverband zur „Vielfalt der gelebten Familienformen in unserer Gesellschaft“: Die Bruchstücke der zerstörten Familie werden einfach flugs wiederum als Familie definiert, und wer sich darüber wundert, erweist sich damit als unmodern.
Angesichts dieser Entwicklung, die eine Zerschlagung familiärer Strukturen als Bereicherung des Familienlebens verkauft, ist die Debatte um die Ausweitung der Ehe auf Homosexuelle eine Diskussion, die von den tatsächlichen Problem bloß ablenkt. Eher ginge es für Homos wie für Heteros darum, gemeinsam mit der amerikanischen Männerrechtler-Webseite „A Voice for Men“ zu fragen, ob nicht die Ehe eher eine Institution zur Auslöschung persönlicher Freiheiten statt eine zur Ausweitung ihrer Rechte ist.
Das also ist ein wichtiger Grund, warum Männerrechtler sich um eine stärkere Einbeziehung der Rechte Homosexueller und um eine Abgrenzung von schwulenfeindlichen Positionen bemühen sollten: Schwule sind schlicht der falsche Gegner, und eine Fixierung auf das Gerede von „Homo-Perversionen“ lenkt lediglich von den realen Perversionen des deutschen Familienrechts ab.
Hetenküsser und Frauenversorger Das führt zu einem weiteren Grund, der eingangs zitierten Position von David zuzustimmen. Maskulistische Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen ist eine Feindseligkeit von Männern gegen Männer – und mehr noch: Sie begründet sich ausgerechnet in dem Sachverhalt, dass Männer andere Männer und nicht Frauen lieben. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Feindschaft ein regelrecht selbstschädigendes Verhalten ist.
Was offen homosexuell lebende Männer schon lange auszeichnet, ist, dass sie nicht als Versorger von Frauen leben – jedenfalls nicht im Bereich ihrer persönlichen Beziehungen. Wer ihnen aus diesem Grund feindselig gegenübersteht, bezeugt damit ein großes Interesse daran, dass Männer ihre Funktion des finanziellen Versorgers von Frauen aufrechterhalten.
Solcher Feindseligkeit begegnen schwule Männer übrigens auch bei Feministinnen – so wie homosexuelle Männer dort ohnehin nur immer dann unterstützt werden, wenn diese Unterstützung gegen heterosexuelle Männer funktionalisiert werden kann.
Es ist im Unterschied dazu ein zentrales Argument der Männerrechtsbewegung, dass die Versorgung der Frau durch den Mann – mit Warren Farrell argumentiert – von einer ehemals funktionalen zu einer massiv dysfunktionalen Einrichtung geworden ist. In diesem Sinn sollte es sogar ein wesentliches Anliegen von Männerrechtlern sein, die eigene Position gegenüber Homosexuellen zu klären und Schwulenfeindlichkeit entgegenzutreten – es ist davon auszugehen, dass diese Feindlichkeit in einer Haltung wurzelt, die für alle Männer und nicht nur für Schwule schädlich ist.
„Homosexuelle gehören (…) quasi automatisch zum Kern des Maskulismus“,
schreibt man.in.th.middle in seinem Blog Maskulismus für Anfänger in einem Artikel, in dem er auch die gemeinsamen Anliegen hetero- und homosexueller Männer konkretisiert.
Das allerdings muss nicht in solchen Kampagnen wie der gerade aktuellen Kuss-Kampagne münden, in der sich heterosexuelle Männer öffentlichkeitswirksam küssen. Wenn Heten sich schwul stellen, dann bewirkt das für Minderheitenrechte ähnlich viel wie eine Aktion, in der sich hellhäutige nordeuropäische Menschen Schuhcreme in das Gesicht schmierten, um der Ausländerfeindlichkeit entgegenzutreten – es geht eher, wie beim zitierten Zypries-Vorstoß, um eine effektvolle Selbstdarstellung als um eine überzeugende Geste der Solidarität.
Was für ein Problem haben eigentlich Männer mit der Solidarität? Dies aber führt zu einem dritten Grund, warum Männerrechtler die Rechte Homosexueller stärker zu ihrem eigenen Thema machen sollten. Männer haben nach meinem Eindruck traditionell Schwierigkeiten, mit anderen Männern, als Männer, Solidarität zu zeigen. Das gilt keineswegs nur für die Solidarität heterosexueller Männer mit Homosexuellen.
Ich habe beispielsweise auf den (kleinen) Demonstrationen von Väterverbänden kaum einmal Solidarität von Nicht-Vätern erlebt – eher noch waren es Frauen, die mit den Vätern demonstriert haben. Dabei sind von der Einschränkung der Väterrechte ja auch andere betroffen, beispielsweise auch homosexuelle Männer – als Väter, als Söhne entsorgter Väter oder als neue Partner entsorgter Väter.
Solange Männer nicht lernen, die Unterschiede mit anderen Männern – in der sozialen Situation, in der politischen Ausrichtung, in der sexuellen Orientierung – wahrzunehmen und gleichwohl mit ihnen, falls nötig, solidarisch zu sein: Solange wird eine Männerbewegung relativ wirkungslos und zerstreut sein.
Eben das stört mich an der oben erwähnten Kuss-Aktion: Sie ist eine gönnerhafte Geste. Wer so agiert, wähnt sich selbst sicher und schert sich nicht darum, ob nicht auch er selbst, als Hetero-Mann, Solidarität einfordern müsste. Anstatt nach gemeinsamen Interessen homo- und heterosexueller Männer zu fragen und sich um eine Situation zu bemühen, in der im günstigen Fall alle voneinander profitieren können, mündet die Kampagne in einer hohlen Identifikation. Damit zapfen die Beteiligten lediglich die mediale Attraktivität einer Minderheit an, anstatt sich um eine gemeinsame Perspektive zu bemühen.
Es sind also wesentlich drei Gründe, die dafür sprechen, Rechte von Homosexuellen als Teil der Männerrechte zu verstehen:

1. Homosexuelle Männer sind der falsche Gegner, und Feindschaft gegen sie lenkt bloß von den Konflikten ab, die tatsächlich wichtig sind.

2. Die Auseinandersetzung mit der Schwulenfeindschaft und die Abgrenzung von ihr tragen dazu bei, männerrechtliche Positionen zu klären und von dysfunktional gewordenen Ansprüchen der Versorgung von Frauen durch Männer Abstand zu nehmen.

 

3. Ohne Solidarität ganz unterschiedlicher Männer miteinander wird eine Männerrechtsbewegung wirkungslos bleiben.

 

Zum selben Thema erscheinen heute auch noch folgende Texte:

Alles Evolution: Die Schwulen und die Männerbewegung 

Flussfänger: Warum eigentlich?

Genderama: Erste maskulistische Blogparade: Warum auch Schwulenrechte Männerrechte sind

Mein Senf: Schwule und die Männerrechtsbewegung

Pelz-Blog: Ach, ist doch alles schwul hier…

Wortschrank: Schwule Männer sind Männer!

Grundlegend ist auch der gerade erschienene und oben schon zitierte Artikel Wie steht der Maskulismus eigentlich zu Homosexuellen? auf dem Blog Maskulismus für Anfänger.

Ein wichtiger Bezugspunkt war Adrians Text Männerrechtler – ich mag euch ja… bei Gay West. Eine Reaktion dort auf die Blogparade zum Thema Schwule und Männerrechtsbewegung trägt den Titel Männerrechtler – Hand in Hand.

Wichtig zum Thema finde ich auch weiterhin Kais Gastbeitrag, den er hier bei man tau vor einigen Tagen veröffentlicht hat: Wer hat Angst vorm bösen Männerrechtler?

Und  eine schöne Illustration dieser Blog-Parade gibt es, wo sonst, bei erzählmirnix: Kleiner Flachwitz

 

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17 Comments

  • Ressentiments gegen Schwule haben nicht selten einen konservativen Unterton. Gerade der zitierte Roslin ist in meinen Augen so ein Konservativer. Abgesehen davon glänzt er mehr durch Rhetorik als durch Sachargumente. Ich wiederhole mal das Zitat:

    „„Das ist kein Zufall und nicht allein das Verdienst der Schwulen. Sie gehören schließlich zu der Koalition der Minderheiten, die gebraucht und benutzt wird, die 'Bourgeoisie' der weißen, heterosexuellen Männer zu entmachten.““

    Hier wird eine Verschwörungstheorie entworfen, die den feministischen VTs kaum nachsteht. Eine Koalition der Minderheiten soll also existieren. Ihr Ziel ist es nicht, sich Rechte zu erkämpfen, sondern jemand anderes zu entmachten. Der Vorstoß dieser Gruppe ist also feindselig. Man will anderen etwas wegnehmen. Unterstellt wird also ein sehr hoher Machtanspruch, der rücksichtslos gegen andere Gruppen ist. Das klingt ähnlich wie im Feminismus, wo auch immerfort überzogene Machtansprüche von Gruppen beschworen werden. Auch der Feminismus fantasiert von einem immerwährenden Drang der Gruppe der weißen Heteromänner nach Unterdrückung der Frauen. In Roslins Zitat findet sich dieses Denken bloß mit anderem Vorzeichen wieder.

    Das ist der Grund, warum mir die Männerrechtsbewegung oft suspekt erscheint. Da wird nicht differenziert, sondern draufgehauen und pauschalisiert und eine große Weltverschwörung hinter allem vermutet. Dies paart sich dann noch mit der Neigung, alles und jedes durch biologische Unterschiede erklären zu wollen. Ja, ich weiß, das ist nur ein Teil der Szene, insofern ist mir ja auch der Männerrechtsaktivismus als solcher nicht suspekt. Es geht mir um einen Teil seiner Protagonisten. Und noch scheint mir die Bewegung nicht hinreichend fähig zu sein, zu differenzieren. Sie ist oft eher Sammelbecken für Feminismuskritik aller Art, eben auch konservativer Kritik, die von alten Rollenbildern ausgeht und die das ausschließlich biologisch legitimieren möchte.

    Eine Männerrechtsbewegung sollte Schwulenrechte anerkennen, sollte Minderheitenrechte anerkennen. Sie sollte nicht versuchen, die Normalitätsvorstellungen der Mehrheit als alleingültige durchzusetzen. Solange einige Aktivisten das aber tun, bleibt sie ambivalent und dann kann ich die Sorgen von Adrian verstehen.

  • Ich habe die Männerbewegung bisher eher als Antiquotenverein und Väterrechtsbewegung gesehen, ich hoffe das ändert sich nun endlich mal!

    Ja, auch bei uns in France haben einige Bedenken vor dem Sorgerecht für Schwule Paare. Hier geht es aber eher um das Unsichtbar machen der Väterrechte, frei nach dem Motto, seht, selbst zwei Frauen oder Männer können ein Kind erziehen, der Soziale Vater ist wichtig, der leibliche Erzeuger überflüssig. Natürlich im Gegensatz zur heiligen Mutter, auch wenn sie nicht Maria heisst…
    Ich bin hier jedoch bereit, wie Du auch, jeden zu unterstützen, der die leibliche Elternschaft BEIDER Eltern als Prioritär ansieht.
    Aber auch ein Schwules Paar hatten wir bei uns, diese hatten mit einem Lesbenpaar ein Kind, nach der Geburt wurden „die“ Väter ausgegrenzt…

    Ich habe jedoch noch ein anderes Problem bei der Adoption, was auch bei Arne schon angesprochen wurde. Das Adoptionsrecht ist ein Recht für lesbische Beziehungen, wer heute schon einen Vater ausgrenzt, wird zwei erst recht nicht zulassen, wo doch die Mutter so wichtig ist. Wo ein männliches Arschloch nur an Karriere denkt, kann es bei zweien doch nur noch schlimmer sein… Ein weiterer Punkt, der zumindest in Frankreich mit dem Adoptionsrecht einhergeht, die künstliche Befruchtung, bei der ebenfalls Männer nur als Spender für eine Mutter fungieren. Leihmutterschaft ist nicht vorgesehen… Und deshalb brauchen Lesben mit Kinderwunsch 1. die Ehe und 2. das Adoptionsrecht um in den Genuss der künstlichen Befruchtung zu kommen… Schwule, egal, die fallen halt hinten runter.
    Für mich brauchte die Homosexuellen Bewegung die Schwulen Männer nur aus zwei Gründen, erstens waren Schwule in Deutschland bisher immer Sichtbarer und traten offener mit ihrer Sexualität auf, zweitens wurden Schwule durch den 175er stärker ausgegrenzt. Jetzt ist die Schwulenbewegung nur noch ein Rattenschwanz bei Lesbenrechten, den man braucht um ein nicht vorhandenes Gleichgewicht zu halten…

    Zur Ehrenrettung von La France möchte ich jedoch bemerkten, das hier 60% der Franzosen FÜR die Homoehe waren. Einige lehnten die Ehe wegen mit einhergehenden administrativen Veränderungen ab. Anstatt Mann und Frau gibt es Ehepartner 1 und 2. Genau so beim Adoptionsrecht. Der Kompromiss, verschiedene Formulare, die mich weiter als Vater, oder bei Heirat als Ehemann, bezeichnen, finde ich persönlich gut. Dieser ist leider nicht in der Bevölkerung bekannt geworden…
    Beim Adoptionsrecht sah dieses genau anders herum aus, 60% der Franzosen waren gegen ein Adoptionsrecht. Unter anderem aber auch, weil einige Pipifaxpunkte nicht spezifiziert waren.

    Gruss
    Kai

    PS:
    Ach ja, toller Beitrag

  • @Kai: „Ich habe die Männerbewegung bisher eher als Antiquotenverein und Väterrechtsbewegung gesehen, ich hoffe das ändert sich nun endlich mal!“

    Denn endlich erkennen „wir“ nun, worum es wirlich gehen sollte: „… Sorgerecht für Schwule Paare.“

    Na dann, viel Spass. Ich gehoere dann wohl mal zu den „Konservativen“ oder Schlimmeren.

  • „Die Schwulenbewegung ist sehr viel besser positioniert und etabliert als die Männerrechtsbewegung. Die haben unseren Beistand schlicht nicht nötig“

    Das stammt von mir und sollte keine Ablehnung ausdrücken. Ich glaube nur, dass die Männerrechtsbewegung (MRB) weit davon entfernt ist, so gut organisiert und öffentlichkeitswirksam zu sein wie die Schwulenbewegung.

    EIN Problem der MRB ist in dieser Hinsicht der doch recht grosse rechte Flügel, der die öffentliche Wahrnehmung prägt und die Schwulen als politische Gegner begreift. So lange das so bleibt, wird sich die Schwulenbewegung bestimmt nicht mit MRB solidarisieren. Die andauernde pauschale Diffamierung der MRB durch die Rosenkamps und Gesterbrocks erledigt dann den Rest.

  • @ Oliver „Ich gehoere dann wohl mal zu den „Konservativen“ oder Schlimmeren.“ Ich glaube, dass das Adoptionsrecht für viele eine Grenze ist, ich wüsste nicht, warum das mit Konservatismus oder noch Schlimmerem unbedingt so viel zu tu haben sollte…. Schließlich brauchen Kinder Kontakt zu Männern UND Frauen, und zu beiden Elternteilen, da begründet sich die Ablehnung ja nicht nur aus Ressentiments gegen Neuerungen.

    Ich sehe aber auch den Vergleich. Verglichen mit dem Aufwachsen der Kinder bei beiden Eltern ist jede andere Möglichkeit natürlich schlechter. Verglichen mit der Alleinerziehung wachsen Kinder in einer homosexuellen Beziehung immerhin bei zwei Elternteiloen auf und sind nicht völlig abhängig von einem – was aber auch wiederum nicht generell gegen die Alleinerziehung spricht, manchmal gibt es ja keine andere Möglichkeit. Erst Recht verglichen mit einem Aufwachsen im Heim hat eines bei zwei schwulen Vätern deutlich bessere Möglichkeiten.

    Zudem glaub ich, dass in der Ablehnung sich – unterstelle ich Dir nicht persönlich – oft heimlich die alte Skepsis gegenüber Männern in der Kindessorge verbirgt. Lesbische Frauen können schließlich unschwer ohnehin Kinder bekommen, bei Männern hingegen wird aus der biologischen auch eine rechtliche Grenze.

    Ich würde, wenn schon, die rechtliche Grenze andersherum setzen: Ich habe lesbische Frauen erlebt, die aus politischen Grüpnden lesbisch waren – als Lebensform der grundsätzlichen Ablehnung von Männlichkeit. In einen solchen Kontext gehört kein Kind hinein (bei einem Jungen ist das eh klar, aber für Mädchen wär es nicht weniger schädlich). Bei Männern hingegen ist die Homosexualität als politsche Entscheidung, als grundsätzliche Ablehnung von Weiblichkeit nach meiner Erfahrung viel seltener.

    Der wesentliche Punkt ist für mich aber, dass die Homosexuellen-Adoption ein Ablenkungsgefecht ist. Bei der im Text erwähnten Zypries kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sie durchaus damit gerechnet hat, harte, auch schwulenfeindliche Gegenreaktionen zu provozieren – das war ihr möglicherweise sogar ganz recht so. Schließlich konnte sie sich damit als progressiv, ihre Gegner als Reaktionäre hinstellen.

    Eine schöne Ablenkung davon, dass die eigentlichen Probleme des Kindschaftsrechts ganz woanders liegen.

    Könnte man sicher sein, dass die beteiligten Institutionen – Jugendämter, Beratungsstellen, Gerichte – sich tatsächlich am Kindeswohl orientieren und sich auch um entsprechende Kompetenzen bemühen, dann bräuchte man eine Debatte um die Homosexuellen-Adoption nicht zu führen: Dann könnte einfach im Einzelfall entschieden werden, ohne ansonsten starre Grenzen zu setzen, die sich letzlich durch die Geschlechtszugehörigkeit der Beteiligten begründen.

    Von einer solchen Kindeswohlorientierung sidn wir allerdings extrem weit entfernt.

  • @ Peter Ich wollte das auch nicht als Ausdruck der Ablehnung hinstellen – ich finde, es ist ein absolut naheliegender Gedanke. Wäre ich schwul und über Männerrechtler informiert, würde ich auch kalkulieren, was ich durch eine Zusammenarbeit gewinnen – oder auch verlieren könnte. Und ich gebe Dir recht – zumindest auf den ersten Blick hätten Schwule möglicherweise mehr zu verlieren als zu gewinnen. Auf den zweiten Blick sieht das aber vielleicht anders aus…hoffe ich zumindest.

  • Der Punkt ist, dass diese Schwulenforderungen praezise die gleiche falschen Forderungen sind, mit der gleichen Demagogie verbunden, wie die feministischen Forderungen. Dass sich da zwei Maenner finden, die sich als „schwules Paar“ bezeichnen, ist voellig irrelevant, hat nichts mit Ehe oder sonstwas zu tun. Aber, wie im Feminismus, durch permanente Wiederholung des gleichen Schwachsinns entsteht dann eine „Diskriminierung“, etc. Ebenso wie Frauen auf's Podest gesetzt werden sollen, unabhaengig von „Leistungen“, sollen nun Schwule auf's Podest gesetzt werden, aus keinem anderen Grunde als das sie die Wahnvorstellung entwickelt haben, in den letzten 20-30 Jahren wohl so, dass sie doch auch eine „Ehe“ bilden wuerden.

    „dass die Homosexuellen-Adoption ein Ablenkungsgefecht ist“: meines Erachtens ist dies richtig, aber in einer wohl ganz anderen Richtung. DIe USA und ihre Vasallen fuehren Krieg nach Belieben, mittels des transatlantischen Freihandelsabkommen werden weitere Reste von „Demokratie“ gestrichen, und wir beschaeftigen uns genau mit dem, was uns noch bleiben soll — dem Kampf fuer (Sonder-)Rechte fuer sexuell defininierte Gruppen.

    Zwar ist auch der Kampf gegen Quoten ein Nebenschauplatz, aber doch einer, der zentral Arbeit betrifft. Der Schwulenbewegung (die ebensowenig die maennlichen Homosexuellen vertritt wie der Feminismus die Frauen) geht es alleinig um ihre Pfruende. Soll der Rest der Welt untergehen, Hauptsache, sie kriegen ihre Sonderrechte. Dies liegt genau daran, dass die Schwulenbewegung einzig deshalb eine gewisse Macht entfalten konnte, indem sie, ebenso wie der Feminismus, die Wunde (Hausfrauendasein beim Feminismus, die unterdrueckte Sexualitaet beim Homosexuellen) zum einzigen Lebenszweck gemacht haben. Dadurch wirken sie auch wunderbar zur Zerstoerung aller politischen Bewegungen. Wie wir hier, aktuell in diesem Blog, bewundern koennen.

  • „„Das ist kein Zufall und nicht allein das Verdienst der Schwulen. Sie gehören schließlich zu der Koalition der Minderheiten, die gebraucht und benutzt wird, die 'Bourgeoisie' der weißen, heterosexuellen Männer zu entmachten.““

    Hier wird eine Verschwörungstheorie entworfen, die den feministischen VTs kaum nachsteht.

    @ Lomi

    Eine Koalition der Minderheiten, die geschlossen und einig an einem Strang zieht, um die Dominanz des weissen, heterosexuellen Mannes zu brechen, die gibt es nicht. Soweit bin ich mit Dir einverstanden.

    Werfen wir aber mal einen Blick in die USA, dann stellen wir fest, dass mit dieser Fiktion „alle Minderheiten gegen den weissen heterosexuellen Mann“ operiert wird.

    Die Gender – Studies, die aus den Women Studies hervorgingen, haben ihren Ursprung an US-amerikanischen Universitäten der 60-er Jahre. Es war die Zeit der Emanzipation der Schwarzen in den USA, die Kritik an der vor allem in den Südstaaten nach wie vor bestehenden Rassendiskriminierung. In dieser Zeit des kulturellen Wandels wurden viele bis anhin als selbstverständliche gesellschaftliche Konventionen betrachtete Gewissheiten in Frage gestellt. Als primäres universales Feindbild eignete sich der WASP, der „weisse, angelsächsiche Protestant“ als Inbegriff der ökonomischen und kulturellen Dominanz, als der Norm schlechthin.

    Die feministische Theorie betonte das Attribut „männlich“, die Emanzipationsbewegung der Schwarzen das Attribut weiss. Damit ist die Fiktion einer Einheitsfront von Minderheiten (wobei Frauen tatsächlich keine Minderheit sind) gegen die imaginierte Einheitsfront des weissen heterosexuellen Mannes vorgezeichnet.

    Es gibt durchaus Theorien, die sich entlang dieser Narrative bewegen.

    Connells Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“, wo der schwarze und der schwule Mann unter „marginalisierte Männlichkeiten“ eingeordnet wird. In der Soziologie wird Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit häufig zitiert und darf als etabliert gelten, ist also durchaus im politischen Diskurs von Bedeutung.

    Die ebenfalls aus den USA stammenden „critical whiteness studies“, die „whiteness“ als soziale Klasse konstruiert.

    Es ist deshalb nicht gerechtfertigt, die erwähnte Fiktion der „Koalition der Minderheiten gegen den weissen, heterosexuellen Mann“ als Verschwörungstheorie ohne Realitätsbezug abzutun.

    Das Bundesministerium für Senioren, Frauen und Jugend, manchmal spöttisch „Ministerium für alles ausser Männer“ genannt, ist Resultat dieser Kategorisierungen, die nahelegen, dass der weisse, heterosexuelle Mann als gesellschaftliche Norm privilegiert ist und daher keiner besonderen Unterstützung bedarf.

  • @ Peter

    Es ist richtig, dass dieses Narrativ existiert und das auf seiner Grundlage auch Politik gemacht wird.

    Vermutlich nicht richtig ist, dass es diese Koalition der Minderheiten als realen politischen Akteur gibt. Das von mir aufgegriffene Roslin-Zitat legt einen solchen Akteur nahe. Im Grunde unterstellt Roslin eine Art zentralen Planer, der diese Minderheiten „benutzt“ für seine eigenen Ziele. Das halte ich für unrealistisch.

    Das Problem des Narrativs bzw. entsprechender Theoriekonstruktionen ist, dass sie reale Bewegungen, de facto Pressure Groups mit unterschiedlichen Interessen, zu einer Einheit zusammenbaut, und das eben begrifflich, etwa durch „Queere Theorie“. Die Vertreter diverser Theorien haben diese Möglichkeiten, weil sie in Positionen sitzen, wo sie ihre Deutungen als „wissenschaftliche Wahrheiten“ verkünden können. Ob sie damit den politischen Willen der Schwulenbewegung wirklich abbilden, ist damit längst nicht klar. Ich schätze mal, dass dem nicht so ist.

    Was Connell angeht: Ich bin in dem Fach beheimatet und ich habe auch Geschlechterforschungsseminare belegt (war Pflicht). Er ist mir nicht über den Weg gelaufen. Ich bin mir nicht sicher, ob er diese Geltung wirklich hat. Freilich: Wo es nicht Connell ist, ist es ein anderer und das ist meist genauso schräg im Ergebnis.

  • Was Connell angeht: Ich bin in dem Fach beheimatet und ich habe auch Geschlechterforschungsseminare belegt (war Pflicht). Er ist mir nicht über den Weg gelaufen. Ich bin mir nicht sicher, ob er diese Geltung wirklich hat. Freilich: Wo es nicht Connell ist, ist es ein anderer und das ist meist genauso schräg im Ergebnis.

    Interessant. Ich habe nie Geschlechterforschungsseminare belegt. Meine Kenntnisse habe ich mir als Autodidakt angeeignet. Ich vermute, dass Connell und seine Theorie der hegemonialen Männlichkeit eine bedeutende Rolle spielt, weil ich das zu Grunde liegende Deutungsmuster bei Feministen so oft wieder zu erkennen glaube.

    Was bei diesen Geschlechterforschungsseminaren so „abgeht“, von einem kritischen Insider dargelegt, das würde mich übrigens sehr interessieren.

  • @ Oliver K „Soll der Rest der Welt untergehen, Hauptsache, sie kriegen ihre Sonderrechte. Dies liegt genau daran, dass die Schwulenbewegung einzig deshalb eine gewisse Macht entfalten konnte, indem sie, ebenso wie der Feminismus, die Wunde (Hausfrauendasein beim Feminismus, die unterdrueckte Sexualitaet beim Homosexuellen) zum einzigen Lebenszweck gemacht haben.“

    Es ist ja tatsächlich keine Forderung nach Sonderrechten, sondern danach, dass eine Lebensgemeinschaft zweier Männer (oder eben zweier Frauen) rechtliche Möglichkeiten hat, die auch eine von Mann und Frau hat. Das Argument dagegen beruft sich in der Regel darauf, zu einer Ehe gehöre eben die Möglichkeit, dass dort Kinder entstehen und aufwachsen können – darüber hatten wir ja schon zu Kais Post diskutiert. Als „Sonderrecht“ sehe ich es jedenfalls nicht.

    Ich finde das Gerede von „Homo-Perversen“, „Verschwulung“ etc. schädlich für alle Beteiligten, und unsinnig. Da es solche Positionen gibt, sie Energien binden und in ihrer Fixierung von Wesentlicherem ablenken, ist eine Distanzierung davon wichtig.

    Die Schwulen, die ich kenne, haben ihr Schwulsein übrigens nicht zum einzigen Lebenszweck gemacht…da bin ich als nichtehelicher Trennungs-Vater manchmal eher mehr absorbiert.

  • @LoMi Ich habe Roslin nicht so verstanden, dass er eine zentrale Planung unterstellt, das wäre auch tatsächlich ein verschwörungstheoretischer Ansatz, der ins Nichts führt.

    Was ich aber schon als problematisch sehe, ist, dass eine sinnvolle Frage nach dem „Gemeinwohl“ kaum noch gestellt wird. Gerade Politik, die sich mit guten oder schlechteren Gründen als „links“ versteht, hat dazu überhaupt keine Konzepte mehr, sondern stellt sich als Sachwalter immer kleinerer Minderheiten dar.

    Zypries war im Text für mich ein wichtiges Beispiel. Vorzuwerfen ist ihr gar nicht das Eintreten für Homosexuelle, sondern dass sie dieses Eintreten funktionalisiert und damit von ihren riesigen Versäumnissen abgelenkt hat.

    @ Peter Ich hab in Germanistik auch Seminare zu Geschlechterforschung gemacht. Ich fand es zum Teil recht skurril… muss mal meine Erinnerungen rauskramen…

  • @ Peter

    „Was bei diesen Geschlechterforschungsseminaren so „abgeht“, von einem kritischen Insider dargelegt, das würde mich übrigens sehr interessieren. „

    Dazu kann ich vielleicht irgendwann und irgendwo mal was schreiben. Meine Erfahrungen waren nicht so skurril, wie man erwarten würde. Es war, wie gesagt, im Curriculum vorgeschrieben. Aber eine gewisse Härte war immer im Spiel, also eine bestimmte politische Ausrichtung und eine gewisse Unempfänglichkeit für Gegenargumente.

    Mir fiel heute noch etwas ganz anderes ein: Ich erinnere mich an meine Berufsschule vor der Uni. Da kam das Thema Scheidungen auf. Frau Lehrerin erklärte mit schlecht verhohlener Wut, dass üblicherweise die Männer schuld seien an den Scheidungen. Fand natürlich kein männlicher Lehrling so richtig witzig.

  • @ LoMi „Dazu kann ich vielleicht irgendwann und irgendwo mal was schreiben.“ Das würd ich gern lesen.

    „Frau Lehrerin erklärte mit schlecht verhohlener Wut,…“ Auch das wäre einmal interessant – zu klären, inwieweit Männer- und Jungenabwertungen im schulischen Bereich tatsächlich so zum Alltag geworden sind, wie das von männerrechtlicher Seite oft behauptet wird.

    Mir als Lehrer kommt es so eigentlich nicht so vor – mein Eindruck ist, dass Jungen seltener durch direkten und offenen Sexismus als durch Selbstverständlichkeiten des Schulbetriebs benachteiligt werden: durch die stillschweigende Vormeinung, Jungen seien unordentlicher oder weniger pflegeleicht als Mädchen – durch den Männermangel gerade in den unteren Klassen…

    Aber gerade weil ich mitten in den Schulroutinen stecke, ist meine Perspektive natürlich auch begrenzt und vorwiegend durch die Erfahrungen in meinem eigenen Unterricht bestimmt.

  • @ Schoppe
    „Mir als Lehrer kommt es so eigentlich nicht so vor – mein Eindruck ist, dass Jungen seltener durch direkten und offenen Sexismus als durch Selbstverständlichkeiten des Schulbetriebs benachteiligt werden: durch die stillschweigende Vormeinung, Jungen seien unordentlicher oder weniger pflegeleicht als Mädchen – durch den Männermangel gerade in den unteren Klassen…“

    Das glaube ich auch. Ich habe selber jahrelang Lehramtsstudierende unterrichtet. Die meisten waren ganz „normale“ Menschen und weit entfernt von dem Zerrbild „grüner“ oder „linker“ Feministinnen. In dieser Gruppe spielte der Feminismus als Theorie schlicht keine Rolle. Dennoch gab es eben ein Grundverständnis von Männern und Frauen, das einschloss, dass Jungs bzw. junge Männer eben problematischer sind. Das lag auch daran, dass sie die Lebenswelt männlicher Jugendlicher gar nicht wirklich kannten.

    Hinzu kommt, dass das Thema Jugendgewalt, das in der Lehrerbildung ja auch eine Rolle spielt, unhinterfragt die Haltung transportierte, dass Gewalt ein Männerproblem sei. Diese Meinung wurde von eher feministischen Lehrtexten vertreten, aber auch von diesbezüglich unverdächtigen Autoren so vertreten. Ich selber habe das sehr lange für bare Münze genommen. Nur wenige Autoren hinterfragen diese Position kritisch. Mir wurde die Fragwürdigkeit dieser Meinung erst klar, als ich davon las, dass Mädchen erheblich weniger strafverfolgt werden, wenn sie gewalttätig werden. Das führt natürlich auch zu verzerrten Wahrnehmungen, insbesondere dann, wenn die Kriminalitätsstatistik Basis der Beurteilung ist, wer in welchem Maße gewalttätig ist. So verfestigt sich ein Bild, ohne dass man dieses feministisch begründen müsste.

    Insofern hat sich ein Teil des Feminismus eigentlich mit ganz konservativen Geschlechtervorstellungen „verheiratet“. Ich las vor einiger Zeit mal ein Buch, in dem es unter anderem um die Sexualmoral im viktorianischen Zeitalter ging. Dort entstand eine Doppelmoral: Männern wurde zwar zugestanden, die Grenzen zu übertreten. Aber die Frauen haben, so die Autoren, ihre Tugend zur Waffe gemacht und sich als moralische Instanz inszeniert und sind gegen die Schlechtigkeit der Männer zu Felde gezogen. Das war lange vor der Geburt jedweger Frauenbewegung. Dieses ur-konservative Bild hat sich schließlich bis heute erhalten: „Männer wollen nur das eine“.

    Mit diesem Bild bin ich schließlich aufgewachsen. In meiner Vorstellungswelt als Kind waren die Männer an allem Übel schuld: Krieg, Verbrechen, Alkohol, Gewalt, Ausbeutung. Die großen wissenschaftlichen Köpfe, so hieß es gerne mal, hätten meist eine kluge Frau hinter sich gehabt. Mitunter mutmaßte man, dass eigentlich die Frau diese Leistung vollbracht hätte. Im polnischen Science Fiction Film „Sex Mission“ hieß es z.B., Einstein sei in Wahrheit eine Frau gewesen. Wichtige historische Personen der Arbeiterbewegung (ich wuchs in der DDR auf), wurden gerne unter der Hand als private Tyrannen und Frauenunterdrücker entlarvt. Die mit hohen Positionen oder Leistung verbundene Männlichkeit wurde allzugerne als Fassade verunglimpft, hinter der lediglich Mittelmäßigkeit, ein schlechter Charakter und das Angewiesensein auf die Frauen versteckt war. Scheidungen wurden nicht nur von meiner Berufsschullehrerin so erklärt, dass die Frauen sich die ehelichen Verhältnisse nicht mehr bieten lassen müssten, weil sie finanziell nicht mehr von ihren Männern abhängig waren. Wenigstens implizit, aber oft genug sehr offen wurde so behauptet, dass das Scheitern der Ehe den Männern zuzuschreiben wäre.

  • Zypries war im Text für mich ein wichtiges Beispiel. Vorzuwerfen ist ihr gar nicht das Eintreten für Homosexuelle, sondern dass sie dieses Eintreten funktionalisiert und damit von ihren riesigen Versäumnissen abgelenkt hat.

    Das Thema Homosexuellenrechte eignet sich eben bestens, um sich als progressiv und liberal zu profilieren, denn auf Widerspruch von konservativ-religiöser Seite ist Verlass. Die von Dir angesprochene Funktion (Funktionalisierung) ist die eines Distinktionsmerkmals. Konkret geschieht meist gar nichts, sondern es wird nur beteuert, dass man sich als Interessenvertreter der Homosexuellen begreift.

    Die sogenannte Linke ist derart verbürgerlicht, dass sie geradezu auf den konservativ-religiösen Block als Gegner angewiesen ist, um wenigstens noch etwas Profil erkennen zu lassen.

  • Der Punkt für mich ist, dass Ressentiments gegen Schwule oft genug eingesetzt werden um zu definieren, was ein Mann sei: In einigen südafrikanischen Ländern z.B. kann man als Mann keine Ohringe tragen, weil das als schwul gilt und Schwule riskieren, körperlich angegriffen oder sogar getötet zu werden. Bei uns geht es nicht um Ohrringe und Mord – das läuft subtiler. Vielleicht macht das Beispiel aber deutlich, um was es geht: der Kampf gegen die Diskriminierung Schwuler ist IMMER auch ein Kampf für ein Mehr an Freiheit für alle Männer.

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