Diskriminierung Männerechtsbewegung

Friede, Freude und Klingonen – Ein Rückblick auf die Blog-Parade

Bild zeigt Nervenbahnen bei zwei Menschen.
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Bei Alles Evolution  beschreibt der Blogger vom wortschrank in den Kommentaren seine „Ernüchterung“ angesichts der Reaktionen auf die Blogparade, die sich in verschiedenen zeitgleich erschienenen Beiträgen mit dem Verhältnis der Männerbewegung und Homosexuellen auseinandergesetzt hatte.
„Spott und Häme von Feministen, kaum Reaktion aus dem ‚homosexuellen Lager‘ (also weder Lob noch Kritik) und das alles vermengt mit homophoben Kommentaren.“
Mir ging das anders. In meinen Augen war das Ergebnis dieser Blogparade sehr positiv: Im Stil sehr unterschiedliche Artikel, die verschiedene Schwerpunkte setzten, aber im Grundtenor ähnlich waren – nämlich in der klaren Ablehnung von Schwulenfeindlichkeit, auch von der, die maskulistisch daherkommt.
Die Einhelligkeit dieser Ablehnung legte für manche natürlich sogleich die Frage nach der strategischen Absicht nahe. Marenleinchen bei Christian:
„Meiner bescheidenen Meinung nach WERDEN Schwule instrumentalisiert, wenn auf einmal erkannt wird, dass da “Potential” verschenkt wird (…).“
Das unterstellt, Männer – nichtfeministsiche Männer – hätten gewiss gar kein ehrliches Interesse daran, sich gegen Schwulenfeindlichkeit auszusprechen, sondern wären dabei von anderen Motiven geleitet, die es aufzudecken gelte. Das stimmt so nicht, kommt aber Verdächtigungen erstaunlich nahe, die ich so auch im „Gelben Forum“, dem virtuellen Versammlungsraum brachialer Maskulisten, gelesen habe.

Betonfeministinnen und Brachialmaskulisten im klingonischen Balzritual Tatsächlich gab es lediglich eine Einigung auf einen Erscheinungstermin und auf das Thema „Homosexualität und Männerrechtsbewegung“. Es gab überhaupt keine Einigung darauf, in welche Richtung die Beiträge gehen sollten, welche Hauptthese unterstützt werden müsse oder ähnliches – es war (mir zumindest) nicht einmal klar, wer überhaupt mitmachen würde. Arne Hoffmann hatte in seinem Beitrag ausdrücklich dazu eingeladen, in die Blogparade einzusteigen – wer also eine andere Position hätte einnehmen wollen, der hätte das ohne Weiteres tun können.
Dass Schwulenfeindlichkeit so einhellig von den Bloggern abgelehnt wurde, hat bei allen sonstigen Unterschieden der Beiträge nach meinem Eindruck ein gemeinsames Motiv: Die hohle Behauptung satt zu sein, dass ein Engagement für Männer- und Jungenrechte nach der Darstellung einer besonders lauter Maskulisten nur im Kombi-Pack mit Ressentiments gegen Homosexuelle, gegen „Homo-Perverse“ und die angebliche „Verschwulung der Gesellschaft“ zu haben wäre.
Die selbstverständliche, aber von Brachialmaskulisten gleichwohl geleugnete Aussage „Schwule Männer sind Männer!“  war folgerichtig Titel des wortschrank-Beitrags, und Christian schreibt in seinem Beitrag von den „Bauchschmerzen“, die er hat, wenn er gelegentlich im Gelben Forum liest:
„Ich denke es ist durchaus an der Zeit, sich von den radikaleren Kräften abzugrenzen um genau diese Bauchschmerzen reduzieren zu können und eine Option zu schaffen, mit der man die Männerbewegung positiv wahrnehmen kann.“
Viele Beiträger in diesem Forum vereint offenkundig das Gefühl, Sprachrohr einer schweigenden Mehrheit zu sein – tatsächlich können sie sich als „Mehrheit“ nur deshalb fühlen, weil sie alle anderer Meinung weggebissen haben.
Als „Müllhalde der Männerechtsbewegung“ hat Adrian das Gelbe Forum einmal bezeichnet und damit ganz offenbar einen wunden Punkt getroffen – die Äußerung ist dort bis heute unvergessen. Adrian wird so verstanden, dass er Menschen als Müll bezeichnet hätte, und diese Bezeichnung wäre natürlich tatsächlich nicht haltbar – schon allein, weil sicher davon auszugehe ist, dass einige der dort beitragenden Männer, z.B. Trennungsväter, tatsächlich die Erfahrung gemacht haben, wie Müll behandelt zu werden.
In einem anderen Sinn aber ist Adrians Äußerung sehr präzise: Im Gelben Forum laden alle Beteiligten ihren Müll ab, niemand kümmert sich darum, was mit diesem Müll passiert, und diese wilde Sammlung hat schon längst das Grundwasser vergiftet.
Dass solch ein Forum als repräsentativ wahrgenommen werden konnte, lag auch daran, dass politische Gegner an dieser Wahrnehmung ein großes Interesse hatte – diffamierende Texte wie der von Hinrich Rosenbrock oder Sendungen wie die über die „Maskulinen Muskelspiele“ sind ja einprägsame Beispiele dafür.
Daher ist es auch ein Erfolg, wenn die Blog-Parade – wie wortschrank schreibt – Kritik von Brachialmaskulisten UND von Betonfeministen erhalten hat. Beide Seiten sind sich in vielen Punkten ähnlich: In der Gesprächsverweigerung, in der Fixierung auf Feindbilder, in der hochsensiblen Empörungsbereitschaft, die sie routiniert mit einer völlig desensibilisierten Rohheit gegenüber anderen verknüpfen, überhaupt in der Konzentration auf eigene – tatsächliche oder behauptete – Benachteiligungen und in der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer, im Interesse an einer Verhärtung der Debatten.
Beide Seiten präsentieren sich als erbitterte Gegner, sind aber eigentlich in einer Weise aufeinander fixiert, die mehr mit einem bizarren klingonischen Balzritual gemein hat als mit einer sinnvollen politischen Debatte. Gleichwohl haben beide ganz offenkundig kein Interesse daran,  dass ihnen dabei jemand in die Quere kommt.
Friede, Freude und Konflikte Dabei skizzieren die Texte der Blogparade ja keineswegs ein Friede-Freude-Eierkuchen-Modell einer störungsfreien Verständigung zwischen hetero- und homosexuellen Männern. Arne Hoffmann führt, unter anderem, viele Statistiken an, die zu einem guten Teil sehr bedrückend, aber heterosexuellen Männern meist vermutlich auch unbekannt sind: Zur vergleichsweise hohen Selbstmordquote von schwulen Männern zum Beispiel, oder zur Masse ihrer Gewalterfahrungen.
Auf ganz andere Weise illustriert der Pelz-Blog Alltäglichkeiten der Feindseligkeiten:
„Mein Kindheit war also von anerzogener Aggression gegenüber Schwulen geprägt. Mir rutscht auch nach wie vor ‚Boah, voll schwul, ey!‘  oder Ähnliches heraus. Das war ein Satz, der in meiner Kindheit oft gefallen ist. Schwul wurde auch oft als Beleidigung verwendet. Ich habe es verwendet, meine Freunde haben es verwendet.“
In der Ablehnung solcher Aggressionen sind sich alle beteiligten Blogger einig. Deutlich werden aber auch sachliche Konflikte, in den Texten oder in den Kommentaren dazu. Nach meinem Eindruck gibt es insbesondere zwei besonders wichtige ungeklärte Fragen im Verhältnis von Homosexuellen und Männerrechtsbewegung, nämlich die nach der Definition von Familien – dazu gehören die sogenannte „Homo-Ehe“ und die Adoption von Kindern – und die nach dem Verhältnis zum Feminismus.
Als Single kann ein Mann (oder auch eine Frau) es beispielsweise völlig akzeptieren, wenn zwei Männer als Paar zusammenkommen, wenn sie das auch offen und nicht nur heimlich tun – gleichwohl kann er fragen, warum er denn eigentlich per Gesetz verpflichtet werden sollte, diese Beziehung anderer Menschen über steuerliche Begünstigungen der Ehe finanziell zu unterstützen.
Die Frage wird umso dringlicher, wenn eine traditionell naheliegende Antwort ausfällt: dass nämlich die Ehe als Institution, die eine familiäre Kindessorge garantiert, im Interesse der gesamten Gesellschaft und damit im Interesse aller wäre.
Es wäre falsch, eine solche Kritik an der „Homo-Ehe“ einfach als schwulenfeindlich abzutun – es ist eine sachliche Kritik, auf die sachlich geantwortet werden kann. Für mich besteht das Problem bei ihr vor allem in der engen Verknüpfung von Ehe und Kindessorge, die weder den ehelichen Beziehungen von Menschen noch den familiären Bedingungen der Kindessorge gerecht wird. Diese enge Verknüpfung führt ja nicht nur dazu, die Beziehung Homosexueller als zweitklassig anzusehen, sondern sie führt auch zur grundgesetzwidrigen, aber bleibenden Diskriminierung nicht-ehelicher Kinder und Väter.
Wie die Betonung der Ehe als Institution der Kindessorge zur Ausgrenzung leiblicher Väter sogar beitragen kann, hat ja gerade erst ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts illustriert.  Es lenkt von vielen Problemen nur ab, wenn die Frage nach der heutigen Funktion der Ehe auf die Frage nach der „Schwulen-Ehe“ reduziert wird.
Damian macht zudem in den Kommentaren bei Alles Evolution schon darauf aufmerksam, dass schwule Väter doppelt betroffen sind.
„Ich kenne eine ganze Reihe schwuler Männer, die früher heterosexuell verheiratet waren, aus dieser Ehe Kinder haben und nun nach der Trennung Streit mit der Ex haben. Die Homosexualität ihrer Ex-Männer wird von den Frauen dabei teilweise als zusätzliche Munition verwandt, z.B. bei Sorgerechtsstreitigkeiten.“
Das führt zum zweiten genannten Aspekt, der Beziehung der Schwulenbewegung zum Feminismus.
„Aber warum eigentlich kann eine Bewegung von sich behaupten die Interessen einer Gruppe mitzuvertreten, und sich gleichzeitig für Gesetze und Regelungen einsetzen, die klar entgegen den Interessen dieser Gruppe sind? Gibt es für homosexuelle Männer keine Wehrpflicht? Gilt die Quote nur bei Heteros? Dürfen Männer als Gleichstellungsbeauftragte arbeiten, wenn sie schwul sind? Gibt es keine homosexuellen Väter?“
Was Martin Domig auf seinem Blog Flussfänger  besonders pointiert ausdrückt, ist eine Gemeinsmkeit vieler Beiträge der Blog-Parade: Der Hinweis, dass schwule Männer von feministischer Männerfeindlichkeit nicht verschont werden. Arne Hoffmann zitiert beispielsweise Christoph Kucklick, der Schwulenfeindlichkeit regelrecht als Folge von Männerfeindlichkeit beschreibt:
„Kaum war der Mann als soziales Zentralproblem etabliert, galten zwei miteinander verbundene Männer als unerträgliche Bedrohung.“
Ähnich argumentiert David als Kommentator bei Alles Evolution, der wiederum von Christian zitiert wird:
„Sex ist in unserer Gesellschaft eigentlich nur dann sozial akzeptiert und nicht von Abwertung betroffen, wenn dabei eine Frau befriedigt wird.“
Tom schreibt aber bei Mein Senf  schon dazu:
„Ich glaube, noch brächte es der Schwulenbewegung schlicht nichts, sich der Männerbewegung anzuschliessen. Klar ein Mann kann in beiden Feldern aktiv sein, aber zum vereinen ist es schlicht zu früh. Ich würde mich freuen, wenn die Schwulenbewegung auch Männerrechtsdinge thematisieren würde. Wäre aber, solange sie in den feministischen Kreisen noch selbst den Opferbonus haben, und als nicht-richtige-männer (aka nicht frauenunterdrücker)angesehen werden, vielleicht ein Fehler.“
Tatsächlich gibt es ja Beispiele, wie ein gemeinsames Feindbild des weißen heterosexuellen Mannes in einem queer-feministischen Crossover gepflegt wird. Allerdings macht Damian in einer Antwort auf einen Beitrag von man.in.th.middle  auch deutlich, dass Konzepte vom „Patriarchat“ heute in der Schwulenbwegung eine deutlich geringere Rolle spielen als vor einigen Jahrzehnten.
Dass es also durchaus sachliche Konflikte zwischen hetero- und homosexuellen Männern geben kann,  ist an sich gar nicht problematisch, sondern ausgesprochen erwartbar – und es ist auch gut so.
Von den Vor- und Nachteilen des Klappehaltens  Denn schließlich ist „Mannsein“ keine sonderlich sinnvolle soziale Kategorie. Unterschiede in den Interessen, Erfahrungen und Erwartungen – zwischen Männern verschiedener sozialer Schichten, verschiedener politischer Überzeugungen, verschiedener Berufsfelder, verschiedener Generationen, zwischen Vätern und Kinderlosen, hetero-und homosexuellen, etc. – sind so groß, dass eine bruchlose Gemeinsamkeit ohnehin nicht zu erwarten ist. Das ist bei Frauen eigentlich ganz genau so.
Warum aber haben Feministinnen dann erfolgreich behaupten können, Fraueninteressen“ zu vertreten? Der Erfolg beruht entgegen der Selbsteinschätzung wohl nicht darauf, dass durch den Feminismus Frauen endlich zu Wort gekommen wären, die zuvor in rundweg männerdominierten Strukturen hätten ruhig sein müssen. Der feministische Erfolg beruht eher darauf, dass bis heute ein großer Teil der Frauen konsequent die Klappe gehalten hat.
Alice Schwarzers Weise, ihren Protest gegen die Prostitution zu managen, ist ja nur ein aktuelles Beispiel. Sie reagiert ungehemmt wütend und herrisch auf Frauen, die ausnahmsweise einmal nicht ordnungsgemäß die Fresse halten, während sie heroisch für ihre Interessen streitet.
Gravierender war der Umgang mit Frauen, deren Leben das Leitmotiv der Befreiung aus der Unterdrückung durch den Mann nicht unterstützten. Auf die Idee eines Hausfrauengeldes angesprochen, hat Heide Pfarr  – für die SPD immerhin Ministerin in Hessen und Senatorin in Berlin – einmal in einer verrückten, aber typischen Schärfe reagiert:
„Also die Hausfrau, die sich mein Kollege zu Hause hält, um mit mir besser konkurrieren zu können, weil ich mir so was nicht halte, die unterstütze ich weder steuerlich noch sonstwie. Überhaupt null. (…) Diesen weiblichen Lebensentwurf unterstütze ich nicht, sondern bekämpfe ihn, wo ich ihn treffe.“ (zitiert nach: Karin Jäckel: Deutschland frisst seine Kinder, Reinbeck 2000, S. 193)
Nicht einmal solch ein dehumanisierendes Gerede, das Hausfrauen als Tiere präsentiert, hatte Pfarr geschadet – sie verlor ihren Ministerposten in Hessen erst dadurch, dass sie öffentliche Gelder für die Renovierung ihrer Privatwohnung verwendete. Ihr Fall war weich, sie hatte bis 2011 einen Direktorinnenposten bei der Hans Böckler Stiftung.
Angesichts solcher Bedingungen ist die notorisch schlechte Laune brachialer Maskulisten durchaus verständlich. Obwohl ihnen, was die Härte ihrer Formulierungen und übrigens auch die Liebäugelei mit Gewalt angeht, eher noch weniger vorzuwerfen ist als ihrem feministische Gegenpart, bleibt ihnen vorwiegend die Möglichkeit, sich in einem schlecht beleumundeten Bereichs des Internets auszutoben – während ihre frauenbewegten Pendants mit Ministerposten und Bundesverdienstkreuzen versorgt werden.
Das Mitgefühl für diese Ungerechtigkeit kann sich allerdings in Grenzen halten. Grenzen der Zusammenarbeit sind nämlich erreicht, wenn jemand basale demokratische und rechtsstaatliche Voraussetzungen leugnet – wenn also beispielsweise die prinzipielle Gleichwertigkeit von Menschen oder ihr Recht, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen, in Frage gestellt werden.
Abgesehen davon wird sich eine Männerrechtsbewegung eben darauf einstellen müssen, dass Männer verschiedener Hintergründe deutlicher ihre Interessen und Erfahrungen artikulieren, als Frauen verschiedener Hintergründe das getan haben. Daher wohl ist es für eine Männerbewegung auch eine wichtige Perspektive, nicht als Sprachrohr „der“ Männer aufzutreten, sondern sich auf menschenrechtliche Traditionen zu berufen und einer Aufteilung von Menschen und ihren Rechten entlang der Geschlechtergrenzen zu widersprechen.
Zudem sind die Erfahrungen ganz unterschiedlicher Männer ja nicht in jeder Hinsicht ganz unterschiedlich. Es gibt Erfahrungen, die von völlig verschiedenen Männern geteilt werden, etwa im Hinblick auf die Abwertung männlicher Sexualität, auf die prekäre Position von Vätern, auf berufliche Ungerechtigkeiten, auf schulische Nachteile von Jungen oder anderes.
Es ist gut, die Diskussion dieser Erfahrungen, wie nun in der Blog-Parade, gezielter zu strukturieren.
„Schön, dass sich viele beteiligt haben, ich freue mich auf die nächste Blogaktion!“,
schreibt Christian als Initiator. Das geht mir genauso.

 

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16 Comments

  • Klingonisches Balzritual trifft es wohl ganz gut.

    Was die homo-Ehe angeht, ist es schon deshalb gut dass sie kommt, weil dadurch eben auch die klassische Ehe in Frage gestellt wird. Warum sollen kinderlose Paare von Staat subventioniert werden, wenn sie ohnehin schon durch das Zusammenleben Synergieeffekte haben?

    Ist das nicht eigentlich eine ungefrechtfertigte Diskrimminierung von Singles? Andererseits warum sollten Schwule keinen Eintrag in ihren Pass bekommen, oder eine Heiratsurkunde? Das tut niemandem weh, außer vielleicht notorisch Konservativen, für die jede Veränderung des Teufels ist.

  • Die Ehe von Mann und Frau ist objektiv auf Fortpflanzung bezogen. Solche Paare können ungewollt kinderlos bleiben, dann wird Satz 1 dadurch bestätigt, oder sie können, z. B. mit Hilfe der „Pille“ oder der Vasektomie, gewollt kinderlos bleiben, dann, und nur dann, könnten Subventionsargumente geltend gemacht werden. Aber die Absicht der Kinderlosigkeit ist Privatangelegenheit und überdies kaum nachweisbar. –
    Die Homo-„Ehe“ kann einerseits zwar als harmlos und unbedeutend angesehen werden, aber auf der Ebene der symbolischen Politik spricht gegen die Homo-Ehe, dass durch sie der Bezug auf die Fortpflanzung verwischt wird, und damit der Bezug zur unaufhebbaren biologischen Ungleichheit zwischen dauerhaften heterosexuellen Partnerschaften in der kulturellen Gestalt der Institution der Ehe und diesen ähnlichen homosexuellen Partnerschaften. Ehen und Familien können zwar zerfallen, und daraus ergeben sich oft ernsthafte Probleme. Aber diese nehmen der Institution Ehe nicht ihre Bedeutung, verlangen aber dringend nach einer gerechten Nach-Ehe-Situation im Hinblick auf Kinder, Väter und Mütter. Um diese Verwischung von Ungleichheit, die einer illusionären faktischen Gleichheit aufsitzt, scheint es zu gehen.

  • @Anonym: Dein Argument ist in einem präzisen Sinne »biologistisch«, weil es Elternschaft an Zeugung und Schwangerschaft festmacht anstatt am Aufziehen von Kindern. Das Wesen der Elternschaft besteht darin, Kinder bis zum nominell achtzehnten Lebensjahr erzieherisch fördernd zu begleiten und zu vollwertigen Gesellschaftsmitgliedern zu sozialisieren. Diese soziale Elternschaft kennzeichnet den Menschen als Kulturwesen im Unterschied zur bloß biologischen Elternschaft, die verglichen mit der entscheidenden Bedeutung einer ausgeglichenen Persönlichkeitsentwicklung als geradezu vernachlässigbar erscheint.

    Was von der Ehe geschützt werden soll, ist eben nicht die biologische Fortpflanzung, sondern stabile Bedingungen des Aufwachsens. Und eben solche Bedingungen sind auch dann schützenswert, wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen – mögen diese durch Zeugungsakte aus vorangehenden Beziehungen oder durch Adoption »erworben« worden sein. Die Tatsache der Gleichgeschlechtlichkeit also solche steht dabei dem »Erfolg« der Erziehung nicht entgegen – entscheidend ist das konkrete Problem- und Verantwortungsbewusstsein des Paares. Denn es gibt auch genug verkorkste heterosexuelle Ehen, die ihre Kinder psychisch ruinieren.

    Von daher sind Ehen objektiv gerade nicht auf Fortpflanzung bezogen, sondern auf Enkulturation, und können aus genau diesem Grund problemlos auf die »Homo-Ehe« erweitert werden.

  • Was die homo-Ehe angeht, ist es schon deshalb gut dass sie kommt, weil dadurch eben auch die klassische Ehe in Frage gestellt wird. Warum sollen kinderlose Paare von Staat subventioniert werden, wenn sie ohnehin schon durch das Zusammenleben Synergieeffekte haben?

    Das frage ich mich auch. Steuererleichterungen und sonstige Subventionen lassen sich doch nur mit der finanziellen Mehrbelastung durch Kinder rechtfertigen und nicht durch die Heirat.

  • Selbstverständlich ist das „biologistisch“!
    Kinderkriegen ist nun mal eben eine biologische Angelegenheit.
    Ist schon komisch, bei unserem Kalbsschnitzel ist die artgerechte Haltung ganz wichtig. Am besten bei der leiblichen Kuhmutter. Für unsere eigenen Kinder soll das aber nicht gelten. Da darf rumexperimentiert werden.
    Da ist Massenkinderhaltung in der tollen Kita kein Problem. Am besten schon mit 6 Monaten.
    Als ich Kind war haben sich meine Eltern scheiden lassen. Ich weiß aus eigenem Erleben, daß ein Stiefvater eben nicht das gleiche ist wie der richtige Vater.
    Und heute als Vater versuche ich genau das wieterzugeben. Ein Grundvertrauen und eine Liebe die eben auch biologisch bedingt ist.

  • Das ist keine Subvention sondern eine ganz logische Folge daraus, daß die Ehe/ Familie eine Wirtschaftsgemeinschaft ist.
    Würde man das Splitting abschaffen hätte der Ehepartner auch keinen Anspruch mehr auf Unterhalt und ganz Wichtig: Natürlich auch keinen Anspruch auf das Gehalt des jenigen der mehr verdient.
    Bisher werden beide Gehälter steuertechnisch zusammengeworfen und dann so behandelt als würde jeder die Hälfte davon verdienen. Wenn nun einer Steuern zahlen muß als wäre er alleinstehend, warum soll er dann mit dem anderen teilen müssen. Sprich der wirtschaftlich schwächere ist der Dumme bei dem Spiel.
    Wenn dann noch Kinder dazukommen wird es richtig schwierig. Natürlich nicht für zwei Beamte die möglichst gleich verdienen. Da reduziert halt jeder seine Arbeitszeit und gut ists. Wenn ich mir allein bei uns an der Grundschule anschau welch vielfältige Arbeistzeitmodelle die paar Damen Lehrer veranstalten. Beneidenswert.
    Ganz anders die Beschäftigten in kleinen Betrieben oder gar Selbständige. Da kann eben nicht so leicht reduziert werden. Der Betrieb muß laufen. Und gerade kleine Handwerker und Selbständige müssen eben mal da sein. Der Bäckermeister kann eben nicht die halbe Zeit seine Frau in die Backstube schicken. Bei Physiotherapeuten verlangt die AOK sogar, daß der Chef Vollzeit arbeitet. Aber alles scheißegal, selber ist man ja nicht betroffen. Nur der Neid ist immer da. Haben doch glatt welche eine glückliche Beziehung. Und dann auch noch Kinder. Frechheit!
    Omti und Peter, die Synergieeffekte könnt Ihr doch auch haben: Gründet ne WG!
    Liebe Leute, 80% der Kinder wachsen in ganz normalen Familien auf.
    Dagegen sind 1-3% der Menschen homosexuell. Vielleicht sollten wir unsere Energien darauf verwenden allen Kindern und besonders Jungs das Leben leichter zu machen und nicht nur verzweifelt versuchen die Familien abzuschaffen. Es sind nur die Ideologien die gewinnen wenn es keine Familien mehr gibt. Der größte Feind des Genderwahns ist doch eine intakte Familie in der die Kinder erleben, daß Frauen und Männer doch unterschiedlich sind.
    Viele Grüße von einem Hausmann.

  • Liebe zum Kind ist biologisch bedingt? Das ist sie wohl, aber in biologischer Hinsicht ist dafür das Kindchenschema verantwortlich, und das ist *nicht* auf die biologisch *eigenen* Kinder beschränkt.

    Woraus folgt, dass das Kinder*kriegen* eben nicht der wesentliche Punkt ist. Sondern die (kulturellen) Bedingungen des Aufwachsens, die Du mit der (m. E. zutreffenden!) ironischen Rede von der »artgerechten Haltung« dann ja selbst zum Schwerpunkt machst.

    Und auf nichts anderes wollte ich hinaus.

  • @ Omti „Warum sollen kinderlose Paare von Staat subventioniert werden, wenn sie ohnehin schon durch das Zusammenleben Synergieeffekte haben?“ Das würde ich als reale, gar nicht als rhetorische Frage verstehen: Warum sollte es jenseits der Kindessorge so ein großes Gemeininteresse daran geben, dass Menschen dauerhaft zusammenleben (bzw. sich das versprechen)? So sehr, dass dafür sogar eine Subventionierung über die ohnehin gegebenen Vorteile der Kooperation geleistet wird, und zwar von allen?

    Mögliche Antworten könnten sein, dass eine völlig atomisierte Gesellschaft mit lauter Singles, die nur zeitweise unverbindlich zusammen sind, nicht als wünschenswert erachtet wird. Oder dass die Heirat Familien verknüpft und so eine Aufspaltung in verschiedene Familienverbände verhindert. Das sind vielleicht keine restlos überzeugenden Antworten, aber so etwa könnten sie aussehen.

  • @ Grand Cherokee „Für unsere eigenen Kinder soll das aber nicht gelten. Da darf rumexperimentiert werden.“ Allerdings geht es ja nicht darum, Kinder ihren Eltern zu nehmen und sie in homosexuellen Partnerschaften zu platzieren. Grundsätzlich ist es richtig und wichtig, dass Kinder bei ihren eigenen Eltern aufwachsen, mit alltäglichem Kontakt zu erwachsenen Bezugspersonen beiderlei Geschlechts.

    Bei der Adoption aber geht es ja um eine andere Situationen – wenn etwa die Eltern sich getrennt haben, das Kind (selten genug) beim Vater ist und er eine Beziehung mit einem anderen Mann beginnt. Wenn sich beide auf Dauer gleichermaßen um das Kind kümmern, kann es sinnvoll sein, ihnen auch gleiche rechtliche Möglichkeiten zu geben.

    Ein anderes Beispiel sind Kinder in der Adoption, die sonst im Heim oder (möglicherweise verschiedenen) Pflegefamilien aufwachsen würden.

  • @ Grand Cherokee „Vielleicht sollten wir unsere Energien darauf verwenden allen Kindern und besonders Jungs das Leben leichter zu machen und nicht nur verzweifelt versuchen die Familien abzuschaffen.“ Das ist ein wichtiger Punkt – beim Versuch, niemanden auszugrenzen, nicht ganz zu vergessen, dass auch diejenigen, die in der Mehrheit oder in vermeintlich privilegierten Positionen sitzen, ab und zu Unterstützung brauchen können.

    Als Abschaffung von Familie oder Ehe sehe ich die Ausweitung auf die sogenannte „Schwulen-Ehe“ aber nicht – die Forderung danach ist ja eher ein Beispiel dafür, dass auch Schwule oder Lesben in herkömmlichen Familienmodellen leben wollen.

    Anders die Abschaffung des Ehegattensplittings – bei dieser Forderung wird tatsächlich darauf bestanden, Menschen als Einzelpersonen, außerhalb dauerhafter Beziehungen zu betrachten. Das hätte in meinen Augen sehr viel schlechtere Folgen auf Ehen als die Ausweitung des Eherechts auf Homosexuelle, bei dem mir die negativen Folgen – abgesehen von der oben angesprochenen symbolischen Ebene, aber dabei geht es auch um stark persönlich gefärbte Bewertungen – immer noch nicht klar sind..

  • Der Bäckermeister kann eben nicht die halbe Zeit seine Frau in die Backstube schicken…

    Doch, das kann er. Er kann sie sogar die ganze Zeit in die Backstube schicken, WENN keine Kinder betreut werden müssen. Ich sehe immer noch keinen Grund, warum eine Ehe oder „Lebenspartnerschaft“ steuerlich begünstigt werden muss, wenn keine Kinder da sind, deren Betreuung Zeit und Geld kostet.

  • @Grand Cherokee: dein eigenes Erleben zeigt nur EINE der möglichen Varianten. Es gibt auch unzählige Fälle, in denen der soziale Vater für das Kind der Richtige, oft Einzige ist – und der biologische Vater durch Abwesenheit glänzt oder gar Angstgegner ist.
    Es gibt keine selbstverständliche „wahre Liebe“ per Biologie… nicht mal bei Müttern.

  • Falsch @djadmoros: Das Kindchenschema funktioniert im Ggs. zu Frauen bei Männern nur dann, wenn diese selbst Väter geworden sind. Gruß Klaus

  • Die Schwulen „Ehe“ ist ein vehementer Angriff auf die Ehe.
    Bisher war die Ehe ganz klar durch den Familienbegriff und der wiederum durch die -manchmal nur theoretische- Möglichkeit des Kinderkriegens definiert. Wenn ich das „Kinderkriegen“ nicht mehr als Grundlage nehme sondern das ausweite auf beispielsweise gegenseitiges Versorgen oder lieben, dann stellt sich die Frage warum nur Schwule in den Genuss kommen sollten. Wieso nicht auch Geschwister oder Elternteile mit Kindern? Weil sie keinen Sex haben dürfen?
    Ist also das sich gegenseitig vögeln können der Maßstab für die Ehefähigkeit? Und warum?
    Und warum nur 2 Personen? Warum nicht 3 Schwule?
    Warum nicht 4 Bisexuelle?
    In dem Moment wo wir von der klassischen Definition weggehen ist die Tür für alles offen. Und wenn jede Form des Zusammenlebens möglich ist, dann frage ich mich wo der besondere Schutz für Ehe und Familie noch sein soll wie er im GG gefordert wird.

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