Geschichten Väter

Josef und Nivea. Und eine Weihnachtsgeschichte.

Bild zeigt altes Gemälde mit der "Heiligen Nacht".
geschrieben von: Lucas Schoppe
„Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich ‚um seine Braut und das Kind‘ gekümmert und dabei ‚still‘ an der Seite Marias gestanden.“
Ganz ähnlich wie von Papst Franziskus, aber mit ganz anderer Bewertung, wird Josef von Marcus Spicker im Kuckucksvaterblog beschrieben:
„Er, der sich um Maria und ihr Kind kümmerte, aber stets im Hintergrund stand und in der Bibel nie zu Wort kommt. (…) Er, dessen Geschichte sich nüchtern betrachtet am Anfang genauso liest, wie die unzähligen Geschichten von heutigen Scheinvätern.“
Josef, der berühmteste Kuckucksvater der Religionsgeschichte, habe aber nur deshalb so tolerant sein können,
„weil er von Anfang an Bescheid wusste über seine Nicht-Vaterschaft und er die Verantwortung für den Jungen auch tatsächlich, zumindest eine Zeit lang, übernehmen durfte. Letztendlich wurde er aber genauso entsorgt, wie unzählige andere Scheinväter heutzutage auch.“
Dass heutzutage auch unzählige reale Väter entsorgt werden, wird Josef keine große Hilfe sein. Julia Schramm schrieb 2012 in der FAZ über einen Mann, der auf vielen Bildnissen weit weg von seinem neugeborenen Sohn steht, weiter als selbst Ochse und Esel, und
„der Vater sein soll, ohne das Baby gezeugt zu haben. Nicht einmal in der Lage war er, für die Niederkunft seiner schwangeren Frau eine ordentliche Herberge zu organisieren.“
Josefs Zurückhaltung sei im Laufe der Jahrhunderte aber auch in eine Tugend uminterpretiert worden. Zur „Disziplinierungsfigur für die Männer nach dem Dreißigjährigen Krieg“ sei er geworden, der „ein vorbildliches Familien- und Arbeitsleben“ vorgeführt hätte. Zudem sei die „Schmach, dass seine Frau ihm ein fremdes Kind untergeschoben hat, (…) längst zum Ausdruck seiner Reinheit umgedeutet“ worden. Ein heutiger Pastor entdeckt in Josef gar einen idealen Mann:
„Er war kein Mensch der vielen Worte, der erst eine Planungskonferenz einberufen musste. Er hat angepackt und gemacht. Und er hat traumhaft genau das Richtige getan.“
Antonio Allegri, genannt Correggio: Die Heilige Nacht (etwa 1530) Vorne ein Hirt und Mägde, die das Kind anbeten, beleuchtet von dem Glanz, der von ihm und der Mutter ausgeht. Im Hintergrund kümmert sich Josef um den Esel.

In diesem Sinne ist Josef ein Traummann aller vaterentsorgenden Mütter: Er ist da, wenn er gebraucht wird, hält aber auch dann den Mund, drängt sich nicht in den Vordergrund, übernimmt Verantwortung für Frau und Kind, ohne dumme Fragen zu stellen, macht der Mutter beim Kind keine Konkurrenz – und wenn er nicht mehr benötigt wird, verschwindet er stillschweigend, ohne dass das noch eigens erwähnt werden müsste.

 

Josef als Vorbild und verschwindender Vater Tatsächlich hat die positive Deutung dieser Figur beunruhigende Aspekte. Dass Maria bei Jesu Geburt noch Jungfrau gewesen sei, dass ihr Mann womöglich gar mit ihr auch danach eine sexfreie Ehe – eben eine „Josefsehe“ – geführt habe, lässt die Frau eben deswegen als rein dastehen, weil sie niemals mit männlicher Sexualität in Berührung kam. Nicht nur Sexualität insgesamt, sondern insbesondere die männliche Sexualität erscheinen hier als schmutzig – und Josef wird es als Verdienst angerechnet, die Frau niemals mit diesem Schmutz in Berührung gebracht zu haben, obwohl er ihn doch nach dieser Logik in sich trug.

Bei einem kirchlichen Männertag, von dem Schaaf in ihrem Artikel berichtet, habe der Leiter eine kirchliche Litanei zu Ehen von Josef verteilt.

„‘Du gerechter Josef / Du keuscher Josef (…) Du gehorsamer Josef / Du getreuer Josef / Du Spiegel der Geduld / Du Freund der Armut (…) Du Zierde des häuslichen Lebens / Du Beschützer der Jungfrauen / Du Stütze der Familien / Du Trost der Bedrängten.‘ Und dann sitzen da knapp 35 erwachsene Christen im Stuhlkreis und fühlen sich nicht richtig angesprochen.“

Das ist kein Wunder – dieser Josef wird verehrt, weil er sich selbst so sehr zurücknimmt, dass er eigentlich gar nicht mehr existiert.

Irritierend ist dabei gerade die Selbstlosigkeit, mit der Josef nach den Geschichten biblischer Tradition für Frau und Kind da war.

„Jesus, das heilige Kuckuckskind, brauchte einen Menschen, der auf dieser Welt dafür sorgte, dass es in Sicherheit behütet aufwachsen konnte“,

schreibt Schaaf. Dass er nicht der eigentliche Vater gewesen sei, dass Jesus überhaupt keinen menschlichen Vater gehabt habe, fixiert das menschliche Verwandtschaftsverhältnis des Jungen ganz auf die Mutter. Warum eigentlich sollte das gut sein?

Auch Jesus hat Josef, soweit die Bibel vom Verhältnis beider berichtet, nicht gedankt. Als er als Zwölfjähriger bei einem Besuch Jerusalems verschwunden war, fanden ihn  Maria und Josef erst nach drei Tagen Suche im Tempel wieder, wo er angeregte Gespräche führte.

„Der Vater sagt, wie immer, wenn es darauf ankommt: nichts. Woraufhin der Sohn, typisch Vorpubertät, nichts Besseres zu tun hat, als dem Papa Salz in die Wunde seines Lebens zu reiben. Er erinnert ihn daran, dass er gar nicht sein richtiger Vater sei.“
Nivea verschmiert Häme zum Weihnachtsfest Pünktlich zum Weihnachtsfest hat die Firma Beiersdorfer für ihr Nivea-Sortiment das Motiv des vaterlosen Jungen für eine Werbekampagne verwendet und damit Entzücken, aber bei vielen Männern und einigen Frauen auch Empörung ausgelöst. Der Clip ist Bestandteil einer Reihe von Nivea-Werbespots, in deren Mittelpunkt eine alleinerziehende Mutter und ihr kleiner Sohn stehen

 

Zu Weihnachten ist der Onkel zu Besuch und hilft der Mama in der Küche. Beide schmücken den Weihnachtsbaum, der Junge blickt aus dem Fenster, sieht dort jemanden und erzählt aus dem Off: „Aber am allermeisten freue ich mich auf…“ Eine kleine Pause, man sieht den Kleinen freudig zur Tür rennen, dann kommen eine alte Frau und ein alter Mann herein, und er beendet seinen Satz: „…Oma und Opa.“
„Das schönste Geschenk ist die Familie. Nivea“ Dieser Satz wird schließlich über das Bild geblendet, das die Oma mit dem Jungen auf dem Arm zeigt.

Der Spot spielt gezielt mit Erwartungen der Zuschauer, die sicherlich zu einem großen Teil davon ausgehen, dass am Ende der Vater kommt und vom Kind freudig begrüßt wird. Der Spot aber versichert, dass eine Weihnachtsfamilie ohne Vater eine vollständige Familie ist – uns, den Erwachsenen, möge der Vater fehlen, aber doch gewiss dem Kind nicht.

Warum die Boykottaufrufe gegen Nivea, die auf diesen Spot folgten, wohl sinnlos sind, erklärt das Blog Papa rockt (andere Reaktionen finden sich hier, und hier, und hier):

„Die einzigen, die sich genügend empören um etwa einen Boykott zu fordern, sind Männern. Die dürften ungefähr 2 Prozent der kaufentscheidenden Zielgruppen ausmachen. Lasst sie streiken, werden sich die Werbefachleute gesagt haben. Juckt uns nicht. Die Einkaufsliste schreibt immer noch Mama.“
Eben. Wer Geld zum Ausgeben hat, bekommt eine maßgeschneiderte Ideologie gern frei haus mitgeliefert. Im Werbespot geht es darum, alleinerziehenden Müttern ein gutes Gefühl zu geben und die bösen Gedanken zu verscheuchen, dass der Vater den Kindern zu Weihnachten fehlen könnte.
Dass dieses gute Gefühl nur zu dem Preis zu haben ist, dass ausgerechnet zum Weihnachtsfest Väter für irrelevant erklärt werden, ist dabei nebensächlich. Die Familie ist ohne den Vater komplett und glücklich – er würde nur stören. Ich würde gern wissen, was passiert wäre, wenn ein solcher Werbespot mit einem alleinerziehenden Vater gedreht worden wäre und er ebenso hämisch die Mutter für überflüssig erklären würde.
 „Für uns umfasst der Familienbegriff (…) mehr als das klassische Bild der ‚Mutter-Vater-Kind-Familie‘“,
schreibt Nivea Deutschland in einer Stellungnahme zur Kritik an der Werbesendung. Dass die Ausblendung des Vaters als modernes Familienmodell verkauft wird, zeigt, wie wenig sich die Verantwortlichen dafür interessieren, dass die Vaterausgrenzung lange Traditionen hat.

Die Josefsfigur ist ein guter Anlass, eine Geschichte darüber zu erzählen – eine Geschichte, die eben den Vater in den Mittelpunkt stellt, der in der glücklichen Nivea-Familie nicht vorkommt. Aber vorher:

Ich wünsche allen, wo und wie auch immer, sehr schöne Feiertage!

 

Josefs Stern. Eine Weihnachtsgeschichte

Josef übernahm immer die Weihnachtsschichten. Er kam am frühen Mittag vor dem Heiligen Abend, blieb die Nacht über, machte einige Stunden Pause und kam am nächsten Mittag zurück. Heiligabend selbst sei gar nicht so schwer für die meisten, sagte er, erst danach würden viele ganz verstehen, was es heißt, über die Feiertage allein zu sein.

Der Stern an der Spitze des Weihnachtsbaumes leuchtete nicht. Ich war noch allein mit Josef. Er arbeitete schon sehr viel länger als ich in dem kleinen Haus hinter der Kirche, das pausenlos geöffnet war und das auch einige Notschlaflätze bereithielt. Er nahm den Stern ab. Der Raum war nun am frühen Nachmittag noch leer, wir erwarteten die Besucher erst später zur Feier.

„Was hast du eigentlich gegen Weihnachten?“, fragte ich Josef. „Wir würden mit dir abwechseln, wenn du wolltest. Warum bleibst du die ganze Zeit hier?“

Josef nahm den Weihnachtsstern vorsichtig auseinander und überprüfte die Lichterkette darin. „Es ist schon in Ordnung so, keine Sorge“, sagte er. „Ich mach das gern. Und ich muss Weihnachten etwas zu tun haben. Für mich ist es ohnehin kein Familienfest.“

Das hatte mich von Beginn an bei Josef irritiert: Ich wusste nie genau, wann er etwas ernst meinte. Wenn er einen Witz machte, war das – aber das hatte ich erst spät gemerkt – daran zu erkennen, dass er todernst schaute, anders als sonst.

„Wir haben noch Zeit“, sagte ich, und da ich gerade Kaffee gekocht hatte, setzte ich mich zu ihm an den Tisch und schob auch ihm einen Becher hin.

„Rieke hieß sie“, sagte Josef beiläufig und schaute konzentriert auf eine Spitze des Sterns, aus der er eine Leuchtdiode herauszog. „Wir waren beide sehr jung, und wir hatten ein Kind zusammen. Oder sie hatte ein Kind, aber ich war immer dabei.“

„Ich wusste nicht einmal, dass du Vater bist.“

„Ich weiß es selbst nicht so genau. Jedenfalls bekam Rieke ihr Kind, unser Kind, in der Zeit, als wir zusammenwaren. Ich war dabei bei der Geburt, obwohl sie mir gesagt hatte, dass ich vermutlich nicht der Vater bin. Aber was sollte ich machen, ich war nun einmal sehr verliebt. Sie war toll.“ Josef schaute ernst auf die Lichterkette.

„Die Geburt war furchtbar. Rieke hat so geschrien…und ich konnte nichts machen. Aber als der Kleine da war, dachte ich nicht mehr daran. Er schrie, die Hebamme legte ihn mir in den Arm, und ich sagte die ganze Zeit: ‚Es ist alles gut, es ist alles gut, es ist alles gut…‘

Später, als Rieke und der Junge schliefen, kamen drei Freunde von mir. Sie wussten, dass das Kind wohl nicht mein Kind war, sie verstanden nicht, was ich tat, aber sie kamen zu mir. Es war mitten in der Nacht, in der Aufregung von Riekes Geburtswehen hatte ich mein Geld zu Hause vergessen und konnte mir nicht einmal einen Kaffee leisten. Carsten gab mir einen aus uns sagte:

‚Wir wissen nicht, was du hier eigentlich machst, aber da wir gerade nichts anderes zu tun hatten, dachten wir, ein bisschen Geburtstourismus wäre zur Abwechslung einmal ganz interessant.‘

Merle umarmte mich und flüsterte in mein Ohr: ‚Du bist ein Esel. Aber es ist toll, was du tust.‘

‚Oder ein Ochse‘, sagte Ben, ‚jedenfalls kein Stier.‘ Er lachte. Merle gab mir eine Zigarette, und wir gingen zum Rauchen vor die Tür des Krankenhauses.

‚Es ist etwas Besonderes‘, hab ich ihnen gesagt. ‚Als er zur Welt kam, war er im ersten Moment ganz fremd, wie ein kleines Alien. Aber dann hatte ich das Gefühl…das es richtig ist. Dass ich mich um ihn kümmern werde.‘

‚Und du bist dir sicher?‘, fragte Carsten.

‚Natürlich nicht. Bauchschmerzen habe ich, die ganze Nacht hat schon. Nicht nur im übertragenen Sinne…mein Bauch tut so weh, als wär ich selbst schwanger gewesen.‘

‚Immer diese sensibel mitfühlenden Männer‘, sagte Merle grinsend, ‚Rieke kann froh sein, dass sie sich nicht um dich kümmern musste, während sie nebenbei das Kind bekam.‘ Ben aber ging in das Haus zurück und versuchte, ein Mittel gegen die Bauchschmerzen aufzutreiben.

‚Ich weiß selbst nicht, ob es richtig ist, was ich hier mache. Oder ob sie einen Trottel aus mir macht. Aber zumindest beim Namen habe ich mich durchgesetzt.‘

‚Grandios. Wie soll er heißen?‘, fragte Carsten.

‚Jes. Das ist ein alter norddeutscher Name, oder ein dänischer. Er klingt wie das englische Ja. Das gefällt mir.‘

Ich war nun einmal noch sehr jung, damals.“

Josef hatte nun die ganze Lichterkette aus dem Stern entfernt und packte eine neue aus. „Wie ging es dann weiter?“, fragte ich.

„Sehr gut. Viel besser als befürchtet. Bald allerdings zogen wir um, weil der Kleine krank war und eine Luftveränderung brauchte, an die Küste – aber wir lebten zusammen wie eine richtige Familie. Bis er zwölf war.

Rieke und ich hatten uns ab und zu gestritten, nichts Ernstes, hatte ich gedacht. Doch eines Abends sagte sie mir, dass sie etwas Raum für sich bräuchte und bei ihrer Schwester in Berlin unterkommen wolle. Den Kleinen wollte sie mitnehmen, nur für eine Weile, bis sie ihre Gedanken geordnet hätte. Ich verstand sie nicht, bekam Angst, jedenfalls war ich nicht einverstanden. Als ich am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause kam, war sie mit dem Jungen weg.

Ich rief sie an, schrieb ihr Mails – aber sie antwortete, dass ich alles nur noch schlimmer machen würde, wenn ich sie unter Druck setzte, und dass sie Zeit bräuchte. Also wartete ich. Drei Monate, tatsächlich, auch wenn mir das heute verrückt erscheint. Dann fuhr ich nach Berlin, zur Schwester, und die sagte mir nach langem Bitten, dass Rieke mit dem Jungen bei einem alten Freund eingezogen war.

Ich fuhr hin, wütend, panisch, ich klingelte – und ausgerechnet Jes öffnete. Ich sagte dem Kleinen, dass ich ihn mit nach Hause nehmen würde, aber er antwortete, dass er schon zu Hause sei und nun bei seinem richtigen Vater leben würde.

Rieke kam dazu, sagte mir, ich solle den Jungen in Ruhe lassen, schrie mich schließlich an, dass ich gehen solle. Ich hätte den Mann, den ich gar nicht kannte, gern zusammengeschlagen, aber ich ging und sagte nichts mehr. Rieke bleib dabei, dass dieser Mann der richtige Vater von Jes sei, aber ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt.“

„Was ist denn jetzt mit Jes?“

„Ich hab ihn seit zehn Jahren nicht gesehen. Er studiert, das weiß ich, ich habe ihm ab und zu Briefe geschrieben, aber kaum einmal eine Antwort bekommen.“

Während er erzählt hatte, hatte Josef die neue Lichterkette in den Spitzen des Sterns befestigt. Nun legte er alles beiseite, sah mich an und sagte: „Ich wünsche dem Jungen alles Gute. Dass er ein langes Leben haben wird, und dass er irgendwann als alter Mann von seinen Kindern und Enkelkindern Besuch bekommt.“ Dann nahm er den Stern wieder auf und fügte hinzu, ohne seine Mine zu verziehen: „Er braucht also definitiv mehr Glück bei den Frauen als ich.“

Er war nun fertig, steckte den Stecker der Lichterkette in die Steckdose – und der Stern leuchtete. „Jetzt wissen die Mühseligen und Beladenen wieder, wo sie hingehen müssen. Ich hatte schon befürchtet, Weihnachten ohne anständigen Stern verbringen zu müssen, das hätte mir schwer zu schaffen gemacht.“

Ich befestigte den Stern oben auf dem Baum und wusste nichts zu sagen. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich schließlich.

„Nein“, antwortete Josef. „Und bei dir?“

Er hätte aber das Gefühl, aus all dem noch etwas Sinnvolles gemacht zu haben, und deshalb arbeite er auch zu Weihnachten gern. Es gäbe schließlich andere, denen es deutlich schlechter ginge als ihm.

Als ich etwas später nach Hause ging, war es schon dunkel geworden. Es nieselte, ich überquerte die Straße und blickte mich noch einmal um. Durch das Fenster sah ich den Stern leuchten.

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49 Comments

  • Mein Vater machte sich aus dem Staub, als ich 10 war. Familie war ihm zu langweilig. Seit dem gab es keine Geburtstagsgrüße und keine Besuche zu Weihnachten. Er hatte seine Kinder einfach aus seinem Leben entfernt.

  • Es gibt zwei Gründe, mindestens, warum die „Botschaft“ des Nivea-Spots falsch ist. Der zweite ist, dass er ausgegrenzten Vätern hinterherruft, sie würden ohnehin nicht gebraucht. Der erste ist, dass er Väter, die ihre Kinder vernachlässigen oder ignorieren, darin bestärkt, dass dieses Verhalten ganz in Ordnung sei – schließlich würden die Kinder gewiss ohne sie klarkommen.

  • So richtig kann ich nicht nachvollziehen, wie man diesen Spot derart überbewerten kann. Sind Männer so domestiziert, dass Sie sich NUR über Kinder definieren? Und wieso springen manche Männer immer durch den Reifen, der Ihnen hingehalten wird: Jeder weiß, wie Kinder zu Stande kommen, und deshalb war Josef kein Heiliger, sondern ein Depp, der sich von einem Flittchen ein Kind hat aufhängen lassen.

  • Der Punkt ist, dass der Spot gar keine Aussage zum Vater trifft. Alles was dazu spekuliert wird, sind Projektionen eigener Befindlichkeiten.

  • „Alles was dazu spekuliert wird, sind Projektionen eigener Befindlichkeiten.“ Naja, das ist eine Selbstverständlichkeit. Wann immer wir es mit Geschichten (und der Spot erzählt eine) zu tun haben, verstehen wir sie nur, weil wir eigene Erfahrungen hineinlesen. Das heißt aber nicht, dass es keine verallgemeinerbaren Aussagen zu Geschichten gibt.

    Hier ist das sehr deutlich. Wir sehen eine Familie ohne Vater. Klargestellt wird, dass die Familie ohne Vater vollständig und glücklich ist. Der Satz „Aber am allermeisten freue ich mich auf…“ wird unterbrochen – und fordert damit dazu auf, im Stillen ergänzt zu werden. Wäre die Ergänzung „Oma und Opa“ nicht überraschend, dann hätte der Film keine Pointe, und die Pause wäre nicht nötig gewesen. Also: Mit der Abwesenheit des Vaters wird absichtsvoll gespielt, das ist keine bloße Projektion.

    Warum er abwesend ist, das bleibt unklar, Er könnte gestorben sein. Er könnte noch nachkommen. Er könnte von der Mutter ausgegrenzt sein. Und da die Vaterausgrenzung ein großes rechtliches und soziales Problem ist, das in den letzten Jahren mehrfach in den Schlagzeilen war, ist es legitim, diese Version stark zu machen. Zumal die von Nivea nachgereichte Stellungnahme zum Spot auf traditionelle Topoi einer Politik der Väterausgrenzung zurückgreift.

  • „Sind Männer so domestiziert, dass Sie sich NUR über Kinder definieren?“ Nein, Männer definieren sich über alles Mögliche, sehr häufig natürlich über den Beruf (was in mancher Hinsicht deutlich vernünftiger ist als über die Vaterschaft). Wer aber Kinder hat, für den werden sie in aller Regel zu einem wichtigen Teil der Selbst-Definition. Das bedeutet nicht, dass man Kinder haben sollte oder sich ohne sie nicht definieren kann.

    „deshalb war Josef kein Heiliger, sondern ein Depp, der sich von einem Flittchen ein Kind hat aufhängen lassen.“ Er könnte dagegen zumindest wenig sagen. „Nein nein, ich bin noch Jungfrau, das Kind ist von Heiligen Geist“ – wer das glaubt, macht sich natürlich zum Deppen. Deshalb hat Josef nach dem Matthäusevangelium ja noch einen Traum, der ihn überzeugt. Nach heutigen Maßstäben auch nicht sehr vernünftig – aber die Erzählung vom Traum ist zumindest ein Zeichen dafür, dass Josefs Leichtgläubigkeit schon von Zeitgenossen als seltsam und erklärungsbedürftig empfunden wurde.

  • Mein Vater zog mich alleine groß, seit ich 7 Jahre alt war. Ich bin jetzt 44 Jahre alt, in den 70ern war diese Alleinerzieherrolle meines Vaters – jedenfalls in unserem Bekanntenkreis – singulär. Ich bin ihm undenklich dankbar für all die Opfer, die er dafür gebracht hat. Er selbst bereut davon keine Sekunde. Meine Mutter? Abwesend. Ich hätte aber auch nicht bei ihr bleiben wollen. Es geht also auch andersherum.

  • „Aber am allermeisten freue ich mich auf…“

    … den Weinachtsmann. Das ist in einem Weihnachtsspot das naheliegendste. Alles andere ist persönliche Interpretation und als solche legitim. Aber ungeeignet sie der Firma Nivea als genrell Väter verunglimpfendes Motiv zu unterstellen. Dieser subjektivistischen Argumentationsmethode bedienen sich gemeinhin nur Feministinnen, wenn sie Diskriminierung in harmlose Darstellungen hinein geheimissen, weil sie ihre eigene emotionale Befindlichkeit zum Maß der Dinge verklären.

  • „… den Weinachtsmann. Das ist in einem Weihnachtsspot das naheliegendste.“ Oder auch das Christkind, das vor der Tür steht. Das passt nicht gut, weil es sich auf einer anderen Ebene befindet – das Kind blickt ja aus dem Fenster und sieht etwas Reales. Es könnte allerdings natürlich der Vater sein, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat…

    Ganz sicher wird dieser Spot anders interpretiert von Menschen, die Erfahrung mit ausgegrenzten Vätern haben oder es selber sind, und denen, die diese Erfahrung nicht haben. Oder denen, die Erfahrung mit Vätern haben, die sich entziehen.

    In jedem Fall aber gibt es eine Struktur in dem Werbespot, die jenseits persönlicher Empfindungen nachweisbar ist – die Position, dass eine Familie ohne Vater eine vollständige Familie ist, dass nichts wirklich fehlt. Wenn sich Väter, die – wie ich – selbst ausgegrenzt sind, daran stören, dann setzen wir damit natürlich persönliche Schwerpunkte. Sie sind aber nicht willkürlich. Und ganz gewiss nicht willkürlicher als die Sichtweise, der Spot habe nichts mit Vaterausgrenzung zu tun und alles andere sei hinein geheminisst.

    Ich unterstelle Nivea übrigens kein „genrell Väter verunglimpfendes Motiv“, sondern das Motiv, alleinerziehende Mütter zu umgarnen. Dass dafür Vätern vor den Kopf gestoßen wird, nehmen die Verantwortlichen in Kauf, und das können sie sich auch leisten.

  • Ich glaube, objektiv ist die Stelle „am meisten freue …“ eine Leerstelle. Definitiv der Spannungshoehepunkt, der dann aber seltsamerweise nicht ausgefuellt wird. Also dreht sich der Spot objektiv um diese Leerstelle, etwas, das fehlt, was aber nicht ausgesprochen werden kann. Die Betonung des Onkels, dann am Ende „… die Familie“. Warum sollte er sich besonders auf Oma und Opa freuen? Das geht dann ja auch ganz schnell.

    Der Junge ist in dem Spot wohl Statussymbol der Frau, die sich Maennlichkeit eingekauft hat; vielleicht zielt der Spot darauf ab.

    Interessant die Diskussion auf https://www.facebook.com/niveadeutschland/posts/564356420299826 , die zum Ende in Idiotie umkippt: da hat wohl Nivea mal schnell ein paar Angestelle oder ihre Verwandten eingestellt.

  • Diese Betrachtungen zu Josef scheinen mir doch sehr trivialisierend („Vulgaer-Ideologiekritik“). Jesus war zum einen Gott, da konnte er natuergemaess keinen leiblichen Vater haben — der leibliche Vater praegt den Sohn durch den Oedipus-Konflikt, die Mutter traegt ihn nur aus, plus sinnliche „Umhuellung“. Gott wird aber nicht gepraegt. Dementsprechend schafft sich Jesus aus dem eigenen Ebenbild. Daneben ist Jesus auch Gottes Sohn,, und nebem diesem wirklichen Vater muss der Ziehvater schlecht aussehen.

    Hier ist auch der Charakter der christlichen Religion als eine „Religion des Sohnes“ wichtig, gegen die „Religion des Vaters“ (das Judentum) gerichtet. Mt 10,34-39 (Jesus sagt): … Ich werde die Kinder gegen ihre Eltern aufwiegeln (und die Familien spalten), so dass die eigenen Hausgenossen zu Feinden werden. Dies wird haeufig (plausibel) interpretiert als zum Universalitaetsanspruch des (wahren) Christentums gehoerend, quer durch alle Differenzen hindurch.

    Wohl ist der Marienkult eine spaete Hinzufuegung zum Christentum.

  • Diese Leerstelle scheint mir ganz interessant. Sie kann doch eigentlich gar nicht ausgefuellt werden?! Egal was man in Gedanken einsetzt, scheint doch nichts zu passen.

    Wir haben ja das Hauptpersonal der Weichnachtsgeschichte im Spot: das Jesuskind, Maria, und Josef (der Onkel). Was aber ist es, worauf sich Jesus am meisten freut?? Nur eines weiss man mit Sicherheit: nicht auf die Grosseltern.

  • @ Oliver K „Also dreht sich der Spot objektiv um diese Leerstelle, etwas, das fehlt, was aber nicht ausgesprochen werden kann.“ An den Begriff „Leerstelle“ hatte ich auch gedacht. Er kommt ja (da hab ich ihn jedenfalls kennen gelernt) aus der Literaturtheorie, von Wolfgang Iser. http://de.wikipedia.org/wiki/Leerstelle_(Literatur) Kurz gesagt – aus dem Text ergeben sich wichtige Fragen, die der Text aber selbst nicht beantwortet, so dass der Leser die Lücke füllen muss.

    Für mich war das immer eine der einleuchtendsten Unterscheidungen zwischen literarischen und wissenschaftlichen Texten – während Wissenschaftler textliche Leerstellen so weit es geht vermeiden sollten, ist ein literarischer Text ohne Leerstellen langweilig.

    Wichtig ist hier aber eben auch, dass die Leerstelle nicht beliebig gefüllt werden kann. Das Kind freut sich gewiss nicht auf einen rosa Elefanten, auch wenn der Spot das nicht ausdrücklich ausschließt. Dass das Ausfüllen nicht beliebig ist, liegt einerseits an den Vorgaben des Textes (oder hier: des Spots), andererseits daran, dass die Erfahrungen der Rezipienten nicht beliebig unterschiedlich sind, sondern oft auf wichtige Weise ähnlich sind.

    Interessant, in meinen Augen: Alle, die ich kenne (auch Frauen), die nähere Erfahrungen mit Väterausgrenzung haben, haben bei diesem Spot sofort daran gedacht – diejenigen, die weniger Erfahrungen damit haben, fragen sich eher, warum bloß jemand so allergisch auf so einen kleinen Weihnachtsspot reagieren kann.

    Für mich ist daraus eine Schlussfolgerung, dass überhaupt keine Erfahrung „privilegiert“ werden sollte, weder die der „Betroffenen“ noch die der Nicht-Betroffenen in ihrer vermeintlichen Objektivität.

  • Ist nicht ebenso interessant, dass in der Analogie der Onkel in dem Werbespot auftaucht, als sei er die moderne Verkörperung des entsorgten Vaters oder eben Ausdruck der Josefsehe? Nach Freud könnte man einwenden, dass die brüderliche (schwägerliche) Beiwohnung dieses Onkels daraus besteht, dass er sich in der Entsexualisierung verwandtschaftlicher Verhältnisse als ein Lamm Gottes manifestiert. Er ist in platonischer Liebe verbunden; Ausdruck für eine Familie, die nicht nur zu Weihnachten in kindlicher Freude vereint ist – ein Paradies auf Erden, wo das Lamm beim Löwen liegt, weil die moderne Frau fressen und kuscheln will und eben der Sündenfall die körperliche Vereinigung von Mann und Frau bleibt.

    Was den Jesus angeht, der sich eines überirdischen Vaters lobt: Erinnert das nicht an den imaginären Freund Harvey, das typische Motiv kleiner Kinder eine aristokratische Herkunft (bei der Geburt vertauscht) anzunehmen, etc. – mit dem einzigen Nutzen, Trost in einer Phantasie zu finden, die gerade die Sklaven-Religion Christentum perfektioniert hat, wenn sie einerseits dem Menschen seine Fehlbarkeit lebenslang nachträgt und gleichzeitig eine Erlösung über die Unterordnung verspricht, die diesseitig nie, auch nicht durch Tugend oder Askese, zu erreichen ist.

    Motiv von Werbung ist es, den Kauf von Produkten anzuregen respektive dafür zu loben, dass sich der Konsument für ein Produkt entschieden hat. Man lobt den Verbraucher dafür, dass er so schlau war, sich für etwas entschieden zu haben. Man gibt ihm das Gefühl richtig in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu handeln. Insofern korrespondiert die Nivea-Werbung mit all den vielen alleinerziehenden Müttern mit der Aussage, die Re-Infantilisierung von Getrennt-Frauen und -Müttern wäre in Ordnung, alles wäre gut und richtig für die Kinder wie die Frau – so wie eben vor 30 Jahren die Rama-Familie (Vater, Mutter, Sohn, Tochter) ein Ideal darstellte, welches sich in den wenigsten Familien so wiederfand. Und in den vielen Alleinerziehenden-Resterampen der Sozialität kommt kein Onkel über die Weihnachtsfeiertage zu Besuch. Auch die Großeltern kommen höchstens, um ein paar Geschenke für die Kinder abzuwerfen und in gequälter Konversation zwei Tassen Kaffee und drei Stück Torte abzuhocken.

    Die Wahrheit liegt im existenziellen Spannungsbogen Ikea-Nivea-Medea. Das Elend ist nicht der an Weihnachten fehlende Vater, sondern schlicht eine monadisierte Gesellschaft, die sich die entschuldigenden Sozial-Mythen nachreicht. Es ist dieses mehrheitliche soziale Scheitern, dass nach Trost lechzt und diesen in Religionen des Spirituellen wie Materiellen findet. Kein Leben ist so banal, dass man daraus nicht noch einen Groschen- oder Dienstmädchenroman schreiben könnte. Mehr macht die Nivea-Werbung nicht – mehr macht die christliche Religion nicht, wenn sie den Gläubigen einredet, Gott würde Seelenschrott ankaufen.

  • „die Position, dass eine Familie ohne Vater eine vollständige Familie ist, dass nichts wirklich fehlt“

    Diese Position ist völlig legitim. Eine Familie ist mehr als Mutter, Vater, Kind. Das wird in dem Spot verdeutlicht. Und natürlich kann auch eine Familie ohne Vater eine vollständige sein.

    Ich würde sogar soweit gehen, die Annahme, eine Familie wäre nur MIT Vater vollständig, als ungerechtfertigt zu bezeichnen.

  • Der Punkt ist, dass der Spot gar keine Aussage zum Vater trifft. Alles was dazu spekuliert wird, sind Projektionen eigener Befindlichkeiten.

    Ja genau. Er ist ist die Leerstelle. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Hauskatze vorgestellt wird. Die fehlt auch noch, um die Familie komplett darzustellen. Und dass es nicht die Mutter ist, die fehlt, ist wohl rein zufällig.

    Ach ja, Maneula Rousseau, Leiterin Global Corporate Social Responsibility Beiersdorf AG, Hamburg

    Unter „Vorträge“ auf ihrer homepage steht als erstes:

    03/11
    Das Aufsichtsratsmandat in der Praxis
    Weltfrauentag in der Handelkammer Hamburg

    Alles nur Projektionen?
    Ich mag es nicht, wenn Werbefuzzis glauben, sie müssten politische Botschaften transportieren, um ihre Pflästerchen und Sälbchen zu verhökern.

  • Diese Position ist völlig legitim. Eine Familie ist mehr als Mutter, Vater, Kind. Das wird in dem Spot verdeutlicht. Und natürlich kann auch eine Familie ohne Vater eine vollständige sein.
    Ich würde sogar soweit gehen, die Annahme, eine Familie wäre nur MIT Vater vollständig, als ungerechtfertigt zu bezeichnen.

    So kann man nur argumentieren, wenn die gesellschaftliche Realität völlig ausgeblendet wird. Väterausgrenzung ist nicht legitim. Wenn sie nur in Nivea-Werbespots geschieht, dann hab ich damit kein Problem.

  • @Anonym
    Ich kenne Kinder da sendet die Mutter nicht mal mehr Weihnachtsgrüsse. Nach der Geburt weg. Und, wo ist das Problem? Wenn es bei Dir der Vater war, super Klischee voll getroffen… Ich kenne aber auch Väter da kommen die Weihnachtsgrüsse und Päckchen zurück, ohne Komentar. Den Kindern wird dann erzählt, der Vater wolle nichts von ihnen wissen. Der ist halt jetzt weg, hat ne andere. Wenn Du Dir Deiner Geschichte so sicher bist, schön!

    Dieser Spot hier spielt aber auf die Schiene Alleinstehende Mutter mit ausgegrenztem Vater hin. In einer intakten Familie möchte ein Kind eine Beziehung zu beiden Eltern haben. Es möchte sich nicht auf die Grosseltern (und hier besonders die Oma) freuen, es würde den Vater vermissen. Das diese Darstellung so wie hier getroffen, einseitig getätigt wird, ist eine politische Aussage der Firma Beiersdorf. Wenn mich Eltern oder Grosseltern demnächst fragen warum unsere Gesellschaft es zulässt dass ein Elternteil komplett aus dem Leben eines Kindes ausgegrenzt wird, das passiert mind. 2 mal die Woche, dann werde ich auf diesen kleinen Film verweisen. Seht her, sogar in der Werbung seit ihr nicht mehr wichtig…

    Mein Vater war die Woche über abwesend, zu Weihnachten hatte ich beide Grossmütter, die mir beide wichtig waren. War mein Vater aber noch nicht zuhause, so hätte ich nie von kompletter Familie gesprochen! Und auch für meine Stieftochter hätte ich nie zugelassen das der Vater und seine Eltern ausgegrenzt werden. Sie hat diese vermisst, auch und gerade an Weihnachten…

    Gruss
    Kai

  • „So richtig kann ich nicht nachvollziehen, wie man diesen Spot derart überbewerten kann. Sind Männer so domestiziert, dass Sie sich NUR über Kinder definieren?“

    Öhm, lieber Sciencefile.
    ich weiss, in der Science wird viel definiert. Aber nun eine für Dich sicherlich erschreckende Wahrheit. Ich definiere mich nicht über Kinder, ich habe Kinder. Ich definiere mich nicht als Vater, ich bin Vater. Es ist eine Tatsache 😀 Und an dieser Tatsache können keine Feministen, keine Familienrichter und auch keine Väterausgrenzenden Mütter irgendetwas unternehmen.

    Man sagt, eine Mutter kämpft wie eine Löwin um ihre Kinder. Ich kenne Väter die kämpfen wie ein Löwenrudel und verlieren trotzdem. Sie definieren sich nicht, sie sind Väter und tun alles dafür dies auch zu bleiben. Deshalb stösst dieser Spot, der Väter wie selbstverständlich zur Disposition stellt auf soviel Ablehnung.

    So, ich beende meine Arbeit für heute, gehe jetzt nach Hause und kipp ein paar Bier. Allen anderen ein besinnliches Fest, eine schöne Zeit mit Euren Familien und alles was ihr sonst noch wollt…

    Gruss
    Kai

  • „So kann man nur argumentieren, wenn die gesellschaftliche Realität völlig ausgeblendet wird.“

    Im Gegenteil, Peter. Abwesende Väter sind Realität. Aber längst nicht alle werden ausgegrenzt. Die hier vermutetet Ausgrenzung ist eine Spekulation, die der Mutter die alleinige Schuld für seine Abwesenheit zuschiebt. Das ist dahingehend unlauter, als dass viele Väter kein Interesse an ihren Kindern haben. Dies ist eine Realität, die du zur Kenntnis nehmen solltest.

  • „Das ist dahingehend unlauter, als dass viele Väter kein Interesse an ihren Kindern haben.“

    Was sind viele Väter?
    einer, fünf, 10, 100, 1000? Realität ist meist messbar, viele ist eine Gefühlsaussage.

    Auch viele Mütter haben kein Interesse an den Kindern. Viele Väter werden ausgegrenzt. Viele Väter gehen, weil sie den Konflikt nicht mehr aushalten. Viele Väter verschwinden, weil sie den Konflikt nicht auf die Kinder übertragen wollen… Wer im Endeffkt daran Schuld ist, ob Gesellschaft, Richter, System oder/und Mutter, ist egal. Die Kinder vermissen nun einmal auch diesen Elternteil, zumindest wenn man sieht das Kinder von Spendenvätern sich nun mal nicht so aus Spass bis zum BVerfG hochklagen um zu erfahren wer ihr leiblicher Vater ist…

    Oder wie Lucas einmal in einem Komentar schrib, dass ihn eine Beratungsstelle doch geben hat sich jetzt bitte eine andere Familie zu suchen und die Mutter doch bitte in Ruhe zu lassen…

    Die Welt ist nun einmal keine Scheibe, sie ist nun einmal nicht einseitig und immer so klar wie einige glauben… Und Nivea bedient genau diesen, dann muss Papa sich doch bitte endlich endlich ne neue Familie suchen Quatsch. Deshalb werde ich Baiersdorf nicht mehr unterstützen, weder Hansaplast, noch Labello noch Nivea noch sonstwas….

    Gruss
    Kai

  • Als ich den Spot sah, erschreckte mich die Kälte, mit der ein Vater als nicht existent ausgeblendet worden war. Es machte mich traurig.

    Das Kind wartet ersichtlich nicht auf den Weihnachtsmann, sondern wie wir nach der Kunstpause sehen, auf Oma und Opa. Es wartet nicht auf den Vater. Es denkt auch nicht an den Vater. Mutter, Onkel und Großeltern sind seine Familie. Einen Vater gibt es in seiner dargestellten Gedankenwelt nicht. Er ist restlos eliminiert.

    Der fehlende Vater wurde von Nivea bewusst gewählt, um eine moderne Familie zu zeigen. Eine matriarchale Familie, in der, der einzig intakte Mann ein verweiblichter Onkel ist. Jedenfalls nehme ich den jungen Mann als unmännlich wahr. Der Großvater dient ja nur als Begleiter der Großmutter. Dann gibt es noch den Mann mit Geschenken überladen auf der Straße vor dem Fenster. Er ist ohne Gesicht. Eine Metapher für den ausgeixten Vater. Diese Unperson ist zugleich ein Bild für die stille Gewalt hinter dem Spot. Denn wenn ein wichtiger Mensch im Leben eines kleinen Kindes so gründlich verschwunden ist, ging dem ein gewaltsamer Akt voraus Tod oder Todschweigen.

    Dann noch ein Gedanke zur Figur des Josephs in der Kunst der Renaissance. Ich sah unlängst die Ausstellung von Dürers Grafiken in Frankfurt. Dort wird auch zur erbärmlichen Darstellung des Josephs in der damaligen Zeit reflektiert. In der Tat wird Joseph dort als ein impotenter Hahnrei und kraftloser Zausel dargestellt und so wurde damals auch seine Rolle im Krippenspiel verstanden. In Ihrem beispielhaften Bild ist dieses Motiv ebenfalls noch lebendig. Joseph ist ein hutzliges Männlein im Hintergrund, seine Frau hingegen ein resches Weibsbild.

    Mit Maya, Buddhas Mutter, haben wir eine ähnliche Figur wie Maria. Maya empfing Buddha ebenfalls durch den heiligen Geist in der Traumgestalt eines weißen Elefanten. Sie gebar Buddha noch jungfräulicher als Maria nämlich aus ihrer Seite heraus und nicht durch die Scheide. Maya starb sieben Tage nach der Ausscheidung Buddhas. Somit war Buddha so etwas ähnliches wie ein Waisenkind oder besser gesagt der erste Homunkulus. Während Jesus nach heutigem Verständnis das Ergebnis einer lesbischen Schwangerschaft ist. Das notwendige Spermizid wird aufgenommen und damit hat sich die Sache.

    Nun gut, das ist also das Familienbild, das Nivea in den Fokus seiner Werbung rückt: Eine lesbische Frau, ein feminisierter Bruder, ein hübscher Junge und zwei Großeltern, die keine Meinung haben. – Wenn es so ist, dann sollte man es auch so an den Mann bringen und nicht so verschwurbelt tun, als wäre alles sooo normal. Denn normal wäre der entsorgte Vater, wie Sie ihn, lieber Schoppe, in Ihrem Aufsatz behaupten und wie viele andere den Spot interpretieren.

    Gruß Matthias Mala

  • Anonyer Kai,

    Sie haben gerade perfekt das belegt, was ich als Frage formuliert habe. Offensichtlich haben Sie durch Ihre Vaterschaft aufgehört als Mann zu existieren und sind jetzt nur noch Vater. Und das finde ich ärmlich.

  • Im Gegenteil, Peter. Abwesende Väter sind Realität. Aber längst nicht alle werden ausgegrenzt. Die hier vermutetet Ausgrenzung ist eine Spekulation, die der Mutter die alleinige Schuld für seine Abwesenheit zuschiebt.

    Die Ausgrenzung ist keine Vermutung, sondern eine Tatsache. Es handelt sich um keine in der Realität existierende Familie – davon geh ich mal aus. Deshalb ist allein das Motiv der Werbespot-Verantwortlichen entscheidend.

    …verfüge der Beiersdorf-Konzern über eine Abteilung namens „Corporate Social Responsibility“, eine Abteilung also, die behauptet, sich um die „soziale Verantwortung“ des Konzerns zu kümmern.

    Geleitet wird diese Abteilung nun von einer Frau namens Manuela Rousseau – und diese Dame wiederum wird im Beiersdorf-Jahresbericht 2012 nicht nur als „Diversity-Beauftragte“ aufgeführt, sondern ist auch Mitglied bei Organisationen wie ZONTA („Advancing the Status of Women Worldwide“) und FidAR („Die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte“).
    http://genderama.blogspot.ch/

    So, und jetzt müssen wir uns alle ganz dumm stellen, um das Offensichtliche zu ignorieren – die politische Verortung der Dame und die damit einhergehenden gesellschaftspolitischen Vorstellungen, insbesondere die in den Medien penetrant verbreitete Botschaft, dass die Patchworkfamilie etwas Tolles sei, die Patchworkfamilie, die sich i.d.R durch das Fehlen des Vaters auszeichnet.

  • Ich habe nie aufgehört als Mann zu existieren, ich habe nicht mal angefangen einer zu sein. Ich bin Mensch und damit voll und ganz ausgelastet.

    Aber wie hätten wir es denn gerne? Soll ich, nur weil Mama und Familienrichter das gerne wollen, jetzt einfach sagen, ok. ich habe 5 Jahre einen Sohn gehabt, das wars dann? Dann würde ich auch aufhören als Mensch zu existieren und das ist nicht nur ärmlich, sondern erbärmlich…

  • “ Sind Männer so domestiziert, dass Sie sich NUR über Kinder definieren?“

    Kinder sind Menschen, zu denen man als Eltern eine Beziehung hat. Wie in allen Beziehungen möchte man auch zu Kindern die Bindung erhalten. Das hat mit Definition nichts zu tun. Wenn Beziehungen beendet werden, schmerzt das. Wenn das einseitig geschieht, ist das umso demütigender. Dadurch wird Mann nicht in Frage gestellt als Mann. Aber Mann kann schnell in die Situation kommen, dass er derjenige ist, der in Sachen Beziehung zum Kind nurmehr erleidet, was andere entscheiden. Das geschieht, WEIL er ein Mann ist, aus keinem Grund mehr. Insofern kann ich – obwohl nicht betroffen – die Aufregung schon nachvollziehen.

  • „Was sind viele Väter?“

    Es sollte dir aufgefallen sein, dass niemand hier mit belastbaren Zahlen operieren kann. Es gibt nämlich keine. Deine „vielen“ sind genauso viel wert, wie meine „vielen“. Es gibt ausgegrenze Eltern und Eltern, die an ihren Kindern kein Interesse haben.

  • „Jedenfalls nehme ich den jungen Mann als unmännlich wahr.“

    Weil er der Mutter in der Küche und dem Kind beim Anziehen hilft?

  • Ist die Frage rhetorisch gemeint (in dem Sinne, dass es sich eben doch um einen richtigen Mann handele, nur sei eben heutzutage der richtige Mann weiblich), oder echt zum Nachhaken?

    Was den „jungen Mann“ insgesamt als „unmaennlich“ erscheinen laesst:
    – schmaechtiger Koerperbau; insgesamt betont harmlos (exaltierte Grimassen — „ich bin ja sooo harmlos“)
    – wie er sich auf den Boden setzt
    – Aufenthaltsort Kueche, dort essend
    – uebermaessig fuersorglich.

  • @Kai V: „Ich habe nie aufgehört als Mann zu existieren, ich habe nicht mal angefangen einer zu sein. Ich bin Mensch und damit voll und ganz ausgelastet.“

    Dies ist heute eine Luege. Man muss sich entscheiden — „Mensch“ heisst heute „Frau“. Darum ist nun „Mann“ zum „Mensch“ geworden.

    Die Irritation, die im urspruenglichen Beitrag von @sciencefiles.org wohl ausgedrueckt ist, koennte man durch eine alternative, „positiv maennliche“ Interpretation des Spots naeher beleuchten: Der richtige Mann ist notwendigerweise die Leerstelle des Spots, haelt sich fern von all dem weibischen Getue — Gut so! Zeit fuer Interessanteres. Lasst doch alle die Weibchen und Pseudoweibchen (alle Maennchen) im Spot verrotten.

  • @Matthias Mala: “ Während Jesus nach heutigem Verständnis das Ergebnis einer lesbischen Schwangerschaft ist. Das notwendige Spermizid wird aufgenommen und damit hat sich die Sache.“

    Diese grundlegend falsche Auffassung zeigt vielleicht eine Schwaeche des Geistes heute auf. Maria war ja nur ein Gefaess. Und, wie ich schon andeutete, muss der leibliche Vater schwach zuruecktreten hinter dem wirklichen Vater, dem *symbolischen* Vater. Vielleicht ist es eine charakteristische Schwaeche des Geistes heute, denn symbolischen Vater (sagen wir in erster Naeherung, den Vater des Gesetzes und seiner Ueberschreitung) ueberhaupt nicht mehr denken zu koennen, sondern nur noch den leiblichen Vater (der deswegen eine weibliche Figur geworden ist).

  • @Oliver K.
    'Dies ist heute eine Luege. Man muss sich entscheiden — „Mensch“ heisst heute „Frau“. Darum ist nun „Mann“ zum „Mensch“ geworden.'

    Du scheinst Dich jedenfalls nur über Feminismus/Maskulismus zu definieren.
    Es gibt viele Wege ein Mensch zu sein, auch ohne Feminismus.

    So wie 'Lasst doch alle die Weibchen … im Spot verotten.' weil der Mann ja was interessantes macht.
    Halten wir also fest
    1. Weihnachten ist nicht interessan, ist weibischt
    2. Um seine Kinder kümmer (was ja der Onkel macht) ist nicht interessant, weibisch.
    3. Was leckeres zu Essen kochen, gut essen an sich, ist weibisch.

    Danke, dann bin ich weibisch. Huraa, das wäre geklärt und ich weiss endlich bescheid. Nun zufällig habe ich mir, weil ich immer mit meinen Cousinen gespielt habe, schon als Kind Pupen gewünscht. Aiutos interessieren mich bis heute nur insofern als das ich sie zum Transport nehme oder auch nicht. Ich habe keine Ahnung von Sport. Und? Zumindest habe ich Spass und muss mich nicht andauernd fragen, ist das männlich.

    Wir können aber gerne mal bei eine Glass Prosecco darüber reden…

  • Ja, nur das ist dahingenhend unlauter weil es auch viele Väter gibt die kein Interesse an ihren Kindern haben, ist jedoch einseitig. Viele gibt es nun mal in viele Richtungen… Wenn Nivea dies jedoch einseitig nur auf Väter bezieht, dann transportieren sie eine Botschaft, einseitig.

  • @ Kai V: „Du scheinst Dich jedenfalls nur über Feminismus/Maskulismus zu definieren.“

    Hier koennte man die Selbsttaeuschung des „Regenbogen-Maskulismus“ sehen, der in einer Einheit mit dem Feminismus existiert, in dem sie beide von den gleichen Grundvoraussetzungen ausgehen. Und ausserhalb des Regenbogen-Maskulismus existiere nichts (wertes). Es gibt aber drei Richtungen des „Maskulismus“; dazu ist mir ein Aphorismus eingefallen:

    Der konservative „Maskulismus“ will den unnegierten Mann.
    Der Regenbogen-„Maskulismus“ will den negierten Mann.
    Der generische „Maskulismus“ will den doppelt-negierten Mann.

    (Der negierte Mann laeuft staendig mit der Negation umher; vielleicht deshalb hat Schwulsein etc. fuer den Regenbogen-Maskulismus so eine grosse Bedeutung.)

    „1. Weihnachten ist nicht interessant, ist weibisch.“ — Ich bezog mich ja auf die Welt des Spots, nicht auf Weihnachten an sich.

    „2. Um seine Kinder kümmer (was ja der Onkel macht) ist nicht interessant, weibisch.“ Der Onkel kuemmert sich ja in ganz bestimmter Weise um die Kinder, sagen wir nicht Welt-oeffnend, sondern Welt-verschliessend. Das wird ja schon im Spot selbst reflektiert. So ein traniges Pseudo-Selbstbewusstsein („pseudo“ wegen des „so isses halt“).

    „3. Was leckeres zu Essen kochen, gut essen an sich, ist weibisch.“ Wieder ist es unergiebig, die Situation „an sich“ zu diskutieren. Die Kuechenszene bezieht sich auf ein Stereotyp des franzoesischen Films der sagen wir letzten 10 – 15 Jahre oder so. Im franzoesischen Film kann man den Verfall des Politischen gut sehen: Hoehepunkt in den 60er'n, grosse Energie. 68 als der Schluss- und Kippunkt, das Politische wird Sexuell und zerstoert sich damit. Die franzoesischen Filme der 70er sind ein deutlicher Abfall, aber man spuert noch die Energie. Diese kann sich aber nur noch im Sex und exzessivem Rauchen entladen. Heute, im „weiblich-dominierten“ franzoesischen Kino, sind die Essens-Szenen zentral. Mit dem typischen O-Ton, und wichtig sind wohl auch die Essensgeraeusche. In den Siebzigern hatten wir „Ich rauche, also bin ich.“ Heute dagegen „Ich fresse, also bin ich.“

    „Zumindest habe ich Spass und muss mich nicht andauernd fragen, ist das männlich.“ Hmmm, so als Kuechenpsychologe werde ich hier natuerlich hellhoerig, und vermeine eine Art „Identitaetsproblem“ zu hoeren. Aber wie auch immer. Mal etwas salopp-propagandistisch formuliert: Der generische Maskulismus steht jedem offen. Man muss sich nur dem Allgemeinen oeffnen. (Gefaellt mir irgendwie, diese paradoxe Formulierung, ist aber vielleicht nur ein Augenblicks-Gedanke.)

    Weiter ein paar saloppe Ideen, was der „generischen Mann“ so macht:
    1. Nun denn, mit Puppen spielen ist verschmerzlich. Ist aber etwas einseitig, da wohl der technische Bereich ausgegrenzt wird.
    2. „Autos“ klar, kann man darauf verzichten. Wenn es aber fuer Technik und Wissenschaft steht, dann ist der instrumentelle Gebrauch („nur insofern als das ich sie zum Transport nehme“) Teil der schlechten Ideologie.
    3. Sport: Der Schulsport vermag sicherlich sehr zu verletzen, da muesste *etwas* getan werden. Aber irgendwo auch den Koerper als Maschine zu erleben, und sich auch bzgl. Leistung zu verorten („irgendwo“), halte ich fuer wichtig. Wenn ich z.B. mit Studenten rede, die keine Erfahrung mit „Objektivem“ haben, z.B. mit dem Sport oder mit ein (richtiges!!) Musikinstrument spielen, wo man (schmerzlich) die eigenen Grenzen erfaehrt, dann sehe ich immer wieder, wie diese Studenten nicht „zum Objekt“ vordringen koennen, kein Selbst-Bewusstsein haben, keine Kraft.

  • Ich bin gespannt, wie viele Demütigungen Männer, Väter noch auf sich nehmen, bis sie aufstehen. Oder ob und wie lange sie weiter ihrem Absaufen in Bedeutungslosigkeit und öffentlicher Verachtung zuschauen.

    Denn zu Weihnachten gab es einen Dammbruch, und die Flut kommt: konnten Gender”Wissenschaftler”_Innen bislang ihr Wirken auf den publizistischen und den Raum im öffentlichen Dienst beschränken, hat es die GenderQueen Manuele Rousseau von ihrem Thron im Aufsichtsrat als Diversity- Managerin der Beiersdorf AG geschafft, den Ausschluss der Männer, Väter zumal, auf breitester WerbeMedienfront zu vollziehen.
    Väterlichkeit findet im Weihnachtsspot von Nivea schlicht nicht statt.
    Und weil Redaktionen schreiben und tanzen, wie die Flöte der Werbekunden spielt, kann man sich ausrechnen, wie das redaktionelle Echo auf diesen Skandal der Meinungsbildung ausfallen wird. Leise. Sehr, sehr leise.
    Inklusion allerorten- Behinderte, Muslime, Transgender, Lesben, Homosexuelle sowieso, nur Väter müssen leider draussen bleiben.
    Quosque tandem?!
    Wie lange noch, Männer, wollt Ihr Euch das bieten lassen???
    Angebot: copy & paste:
    Liebes Nivea Marketing-Team!
    Wenn Sie meinen, Familie, Weihnachten ginge auch ohne Vater, meine ich, Körperpflege geht auch ohne Beiersdorf. Ich war echter Fan von Tesa und Nivea. Mein Bad war quasi blau- weiss!
    Sie haben gerade einen treuen Kunden nach 30 Jahren verloren- und ich werde meinen Protest gegen Ihre Anti- FamilienBotschaft viral verbreiten.
    Kennen Sie …? Noch nicht?
    Aber bald. Wir Männer sind die Hälfte Ihrer zahlenden Zielgruppe.

    http://m.rp-online.de/digitales/internet/youtube-hit-shitstorm-gegen-niveas-weihnachts-werbung-aid-1.3908665

    Proteste an Nivea

    http://m.nivea.de/about-us/beiersdorf/contact

    in cc bitte direkt an die verantwortliche ManagerIN (war klar, oder?) hier: manuela.rousseau@arcor.de

  • Ich habe geschrieben:


    Subjekt: Gratulation zum Weihnachtsspot
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank fuer die Aufklaerung: mir war es gar nicht bewusst, dass Nivea „women only“ ist, aber mit dem Weihnachtsspot habe ich dies endlich auch gesehen. Da hatte ich faelschlicherweise immer noch verschiedene Produkte „for men“ gekauft, aber wir Maenner wissen doch, dass wir die Frauen nur stoeren, und also besser alleine lassen.
    Mit freundlichen Gruessen

    Meine Motivation ist, dass ich in der Tat als „rationaler Konsument“ Nivea nicht mehr kaufen werden: irgendwie war mit Nivea seit der Kindheit ein sehr positives Bild verknuepft (na ja, selbst die vernuenftigsten Menschen haben kleine Schwaechen), so dass ich typischerweise deren „for men“-Produkte bevorzugt habe. Aber mit der eindeutigen Zielgruppenausrichtung auf Frauen scheint mir dies nun eine recht wahrscheinlich schlechte Wahl (die werden ja wohl z.B. kaum Forschung in diese Produkte stecken). Der E-Brief drueckt dies nicht aus, aber ist halt Teil einer Aktion.

  • Ich habe die Logik nie verstanden, die das Ausgrenzen von Vätern damit rechtfertigt, dass es ja auch Väter gibt, die sich entziehen. Natürlich gibt es die, ich kenne selbst entsprechende Situationen – auch von Müttern, die tatsächlich ein nachdrückliches Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Vater hatten (eine ist damit bis vor's Familiengericht gegangen und biss dabei auf Granit, mit ähnlichen Argumenten konfrontiert übrigens, die auch entsorgte oder ausgesorgte Väter hören – „Wenn er nicht will, kann man ihn doch nicht zwingen.“ – „Sie haben's doch noch vergleichsweise gut, andere sind eher schlimmer dran.“)

    Nur: Was daran macht die Ausgrenzung von Vätern legitimer? Die Empörung über sich entziehende Väter hat nach meiner Erfahrung oft rein funktionalen Charakter, um die Verantwortungswilligkeit von Vätern insgesamt in Frage zu stellen. Tatsächlich machen es Mütter, besonders aber Verantwortliche in der Politik sich entziehenden Vätern wesentlich leichter als entsorgten Vätern, die ihre Verantwortung wahrnehmen wollen.

    Der Spot bedient sich aus dem Arsenal der Väterausgrenzung, er ist ja selbst sorgfältig um die Leerstelle des abwesenden Vaters herum konstruiert. Dass eine solche Familie genau so vollständig sei wie eine Vater-Mutter-Kind-Familie, ist Wunschdenken Erwachsener, die sich nicht bei ihrem Beziehungsmanagement durch die Interessen der Kinder stören lassen wollen.

    Für Kinder ist die Abwesenheit leiblicher Elternteile in aller Regel ein erhebliches Problem – und das anwesende Elternteil kann damit, wenn überhaupt, nur angemessen umgehen, wenn es dieses Problem akzeptiert.

    Anstatt es mit ideologischen Statements zu modernen Familienformen und Kitsch à la Nivea zuzukleistern.

  • @ Oliver Den „generischen Maskulismus“ hab ich noch nicht verstanden. Ein dialektischer Maskulismus, mit These (Position: konservatives Männerbild), Antithese (Negation des konservativen Männerbilds) und Synthese (Negation der Negation)?

    @sciencefiles „Offensichtlich haben Sie durch Ihre Vaterschaft aufgehört als Mann zu existieren und sind jetzt nur noch Vater. Und das finde ich ärmlich.“ „Nur noch“ steht ja nirgendwo, aber die Bezeichnung als „ärmlich“ macht stillschweigend Voraussetzungen darüber, wie ein Mann zu sein hat oder nicht zu sein hat. Das bringt in meinen Augen nichts.

    @ Kai Es geht nicht um „Weibischsein“, so wie ich es verstanden habe, eher um die Frage, was denn mit „Mensch“ denn nun eigentlich so genau gemeint ist. Ich finde es aber (@ Oliver) gut, gerade diesen Punkt stark zu machen – nicht der feministischen Anmaßung, das richtiges Menschsein weibliches Menschsein sei, nun das männliche Menschsein mit ähnlicher Attitüde entgegenzuhalten. Sondern darauf zu beharren, dass „Mensch“ sich nun einmal nicht in männlich-weiblich auflösen lässt. Auch auf die Gefahr hin, dass man damit erstmal im allzu Allgemeinen landet.

    @ LoMi „Das geschieht, WEIL er ein Mann ist, aus keinem Grund mehr.“ Ja, genau. Und entscheidend ist daran ja eben gerade, dass dieser Grund völlig unzureichend ist – dass Spekulationen über die Selbst-Definition durch das Vatersein in dieser Hinsicht substanzlos sind, sondern dass es tatsächlich eher um die Frage geht, wie den eigentlich solch ein Kriterium in den Augen des Gesetzgebers und denen von Richtern allen Ernstes so zentral entscheiden sein kann.

  • „Das Elend ist nicht der an Weihnachten fehlende Vater, sondern schlicht eine monadisierte Gesellschaft, die sich die entschuldigenden Sozial-Mythen nachreicht.“ Das finde ich einen sehr interessanten Punkt. Eine totale Vereinzelung, die gemeinsame Orientierungen nicht mehr erlaubt – für die dann aber individuell maßgeschneidert mit der Entscheidung für ein bestimmtes Produkt Ideologien als Ersatz mitgeliefert werden. Wir waschen unsere Hände nicht in Unschuld, aber wir cremen sie – noch besser! – mit Nivea ein.

  • @ Oliver „unmännlich“ ist der Onkel auch, siehe den anonymen Kommentar oben, weil er kein Liebhaber der Mutter ist – er ist entsext, was das Verhältnis zu ihr angeht. Das ist schon wichtig – wäre er nicht der Bruder und hätten sie eine Liebesbeziehung, dann gäbe es auch im Verhältnis zum Kind vielleicht die Möglichkeit eines Gegengewichts zur Mutter. So aber sind die Rollen klar verteilt.

    @ Matthias Mala Ich glaube auch, dass hier Männlichkeit durchaus systematisch ausgeblendet wird, jedenfalls bleibt sie betont belanglos.

    Die Intention ist vermutlich nicht einmal bewusst männerfeindlich – es geht wohl darum, Mütter und auch Großmütter in ihrem Gefühl eines unantastbaren Exklusivverhältnisses dem Kind gegenüber nicht zu irritieren.

    Was zu der Frage führt, welch eine vernichtende Vorstellung von den (groß-)mütterlichen Nivea-Käuferinnen in den Köpfen der für diese Werbung Verantwortlichen herumspukt. Schöne Grüße!

  • „Die Intention ist vermutlich nicht einmal bewusst männerfeindlich – es geht wohl darum, Mütter und auch Großmütter in ihrem Gefühl eines unantastbaren Exklusivverhältnisses dem Kind gegenüber nicht zu irritieren. „

    Die Werbung projeziert eben exakt das, was die Macher in den Köpfen der Zielgruppe auszumachen meinen. Das wiederum tut sie sehr bedacht.

    Man lässt beispielsweise Oma und Opa nicht etwa nebeinanander vor der Tür auftauchen, man lässt lieber Opa hinter der Oma die Treppe hoch steigen, damit er nur für Sekundenbruchteile jenseits des Bildzentrums auftaucht. Die Tiefenschärfe ist dabei sehr eng gewählt, sodass nur das Gesicht der Oma scharf ist. (0:43)

    Offiziell spricht Nivea davon, „dass die Familie das schönste, da wichtigste Geschenk ist“. Das Kind redet von „Oma _und_ Opa“. U.a. die filmerische Gestaltung sagt aber sehr deutlich etwas anderes, das eigentliche „Geschenk“ ist vor allem alleine die Oma.

    „Was zu der Frage führt, welch eine vernichtende Vorstellung von den (groß-)mütterlichen Nivea-Käuferinnen in den Köpfen der für diese Werbung Verantwortlichen herumspukt. Schöne Grüße!“

    lt. Clipfish nennt man diese Werbeform „Emotionales Storytelling“. Man bietet hier eben eine Geschichte, bei der die Oma das Weihnachten des Kindes „rettet“. Das schafft man nach meiner Einschätzung vor allem dadurch, dass man eine Hierarchie der (emotionalen) Verfügbarkeiten der Bezugspersonen des Kindes aufbaut: Der Vater taucht gar nicht erst auf, der Onkel weiß schonmal nichts über den Entwicklungsstand des Kindes und ist eher ein Clown, die Mutter ist durch die Weihnachtsvorbereitungen arg belastet (schafft es aber dennoch, „nebenbei“ emotional verfügbar zu sein); Der Opa ist nur ein Anhängsel der Oma.

    Weihnachten ist ja heutzutage vor allem ein Event, in dem viele Erwachsene um die Aufmerksamkeit der wenigen Kinder der Familie konkurrieren. Die Story ist hier: „Oma schlägt sie alle um Längen“.

    Um der Oma Honig ums Maul zu schmieren, heizt man also diesen Konkurrenzkampf an und lässt alles Männliche weit abgeschlagen auf den hintersten Plätzen erscheinen.

    Ich würde behaupten, dass der Spot deshalb so viele „oh, wie süüß!“-Kommentare erhält, weil das Kind eher traurig und vernachlässigt wirkt. Das löst Behütungsinstinkte aus, triggert also ein Bedürfnis, sich um das Kind zu kümmern und weckt die Hoffnung, durch ein Lächeln des Kindes eine tiefe emotionale Zufriedenheit zu erfahren.

    Mutti hat ja keine Zeit, weshalb ja der Hilfsonkel in die Spur geschickt wird. Der aber nicht viel reißen kann weil er einfach unfähig ist. Das „Lieblingsessen“ wird in Form von Keksen vor dem Fernseher zu sich genommen und während Mutti und Onkel den Baum schmücken schaut das Kind sehnsuchtsvoll aus dem Fenster.

    Die Pointe ist dann eben die Oma, bei der das Kind regelrecht aufblüht. Die Leerstelle ist, dass der Alltag des Kindes auch nicht soo glücklich ist. Da kann dann der Zuschauer sich was zurechtreimen.

    Was er sich zurechtreimen soll, scheint mir auf der Hand zu liegen. Das liefert der gesellschaftliche Diskurs: Männer taugen nichts, sie versagen sowohl darin, der Mutter eine Umgebung bereitzustellen in der sie sich voll auf die Bedürfnisse des Kindes konzentrieren kann, als auch darin, für das Kind wichtige und verfügbare Bezugspersonen zu stellen.

    Letzteres ja sowieso.

    Zu Weihnachten kommt aber die rettende Oma, sie ist das tröstende Geschenk zum Fest der Liebe.

    Männerfeindlich ist der Spot nmE in erster Linie dadurch, dass er gezielt Öl in dieses gesellschaftliche Feuer gießt, um seine Marke zu platzieren.

    Nick

  • Was ja auch auffällt: Das Kind selbst ist fast eher ein Kuscheltier als ein Junge. Das Kinderzimmer ist voll der Kuscheltiere, nur am Rande oder unscharf ist mal ein Spielzeugauto oder eine Spielzeuglok zu sehen.

    Ein Junge, der eigentlich nur Bedürfnisse hat, wie sie Klischeegemäß am allerbesten durch Muttis und Omas Betüddelungsinstinkte erfüllt werden können. Nach meiner Wahrnehmung hat das äußerst wenig mit realen Jungen in dem Alter zu tun.

    Auch eine Form der Ausblendung der Bedeutung von männlichen Bezugspersonen.

  • Interessant wie Medienbeobachter zu dem Plot und die Aufregung darum stehen. So schreibt Meedia: Aus klassischer Werbe-Sicht ist der Spot gleich aus zwei Gründen interessant. Zum einen hat der Film nichts mit dem Produkt zu tun. Es ist noch nicht einmal eine einzige Creme-Dose zu sehen. Zum anderen beschweren sich einige Kommentatoren über das Familienbild, das der Clip transportieren würde.
    Was also wird damit eigentlich beworben? Das Familienbild oder eine Schmier, die nicht zu sehen ist? Egal, man ist ins Gespräch gekommen. Ob positiv oder negativ, Hauptsache man spricht über uns …

  • @ Matthias Mala Tatsächlich ist es interessant, dass Nivea-Produkte im Spot überhaupt keine Rolle spielen.Zweck der Werbung ist allein, Frauen der Nivea-Zielgruppe mit einer maßgeschneiderten Familien-Ideologie zu beliefern und darauf zu spekulieren, dass das im Gegenzug die Kundenbindung vergrößern wird.

    Ich wüsste gern, ob Proteste gegen dieses knallreaktionäre Nivea-Familienbild (nur die Mutter kümmert sich um Kinder, der Vater hat da nichts zu suchen) tatsächlich einkalkuliert waren oder ob die Verantwortlichen damit gerechnet haben, dass viele Frauen begeistert sein würden, während Männer diesen Mist schon hinnehmen würden.

  • @ Nick „Ich würde behaupten, dass der Spot deshalb so viele „oh, wie süüß!“-Kommentare erhält, weil das Kind eher traurig und vernachlässigt wirkt. Das löst Behütungsinstinkte aus, triggert also ein Bedürfnis, sich um das Kind zu kümmern und weckt die Hoffnung, durch ein Lächeln des Kindes eine tiefe emotionale Zufriedenheit zu erfahren.“ Der Punkt war mir so noch gar nicht aufgefallen. Das Kind steht zwar als Erzähler im Off und als – stumme! – Projektionsfigur in den Bildern zur Verfügung, tatsächlich spielt der Junge aber nur als Spiegel der Erwachsenen eine Rolle (damit hängt wohl auch zusammen, @ Anonym, .dass der Spot sich um eine realistsiche Darstellung eines Jungen nicht weiter kümmert).

    Transportiert wird eine Ideologie der mütterlichen Alleinerziehung, der die vitalen Interessen von Kindern – nämlich die Interessen an einem stabilen Kontakt zu beiden Eltern – völlig egal sind. Das für mich perfideste Element des Spots ist es, dass diese radikal erwachsenenfixierte Ideologie ausgerechnet einem Kind in den Mund gelegt wird, zudem einem Kind, das von dieser Ideologie womöglich erheblich betroffen ist.

  • Weihnachten ohne die eigenen Kinder feiern zu müssen ist schon schlimm genug aber auch noch gesagt bekommen man wäre überflüssig… danke schön.

    Wo ich kann werde ich in Zukunft Produkte von der Firma Beiersdorf vermeiden.

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