Familie

Monströse Männer, reine Frauen – und andere Sonderbarkeiten moderner Familien

Bild zeigt Nosferatu.
geschrieben von: Lucas Schoppe
Als sich einmal in einem Bielefelder Kindergarten, so der Zeit-Artikel Not am Mann. Das geschwächte Geschlecht,
„ein Mann beworben hatte, berief die Kitaleitung erst einmal einen Sonder-Elternabend ein. In hitzigen Debatten sprachen sich einige der vermeintlich fortschrittlichen Eltern gegen den Kandidaten aus. Dann machte einer der Väter einen Kompromissvorschlag: Er sei einverstanden, vorausgesetzt, seine Tochter werde nicht von dem Erzieher gewickelt.“
Für die Autorinnen Elisabeth Raether und Tanja Stelzer (deren Artikel ich hier schon besprochen hatte) ist die ablehnende, ressentimentgeladene Reaktion der Eltern angesichts ihres wohl „fortschrittlichen“ Milieus offenbar überraschend. Das lässt sich auch anders sehen: Gerade in einem vordergründig fortschrittlichen, tendenziell links-alternativen Milieu sind Geschlechterklischees wie der Glaube, dass ein Kind unbedingt zu Mutter gehöre und der Vater ihm im Zweifelsfall schädlich sei, in den vergangenen Jahrzehnten besonders liebevoll gepflegt worden.
Würden Sie diesem Mann Ihr Kind anvertrauen?

Wie also sind Kindergärten und andere Orte der Kindererziehung zu solch androphoben Orten geworden?

Ein mögliches Beispiel dafür, welche Quellen das absonderliche Verhalten der fortschrittlichen Bielefelder Eltern haben kann, lässt sich mit ein wenig Gegenwartsarchäologie finden – in den Schriften der Münchner Wissenschaftlerin Anita Heiliger, die 1991 eine folgenreiche Dissertation veröffentlicht hat, bis 2006 am Deutschen Jugendinstitut in München arbeitete und die bis heute als Vortragende auf Veranstaltungen autonomer Frauenhäuser unterwegs ist. Es lohnt sich, einen Blick in ihre Schriften zu werfen – auch wenn er erschreckend ist.

Väter wollen herrschen, und Mütter wollen immer nur das Beste Alleinerziehen als Befreiung, Heiligers 1990 in Tübingen als Dissertation eingereichter Text, basiert wesentlich auf Interviews mit Müttern, die nicht oder nicht mehr mit den Vätern ihrer Kinder zusammenleben. Erklärtes Ziel der Untersuchung, so Heiliger, sei es gewesen,

„spezifische Details über die positive Qualität des Lebenszusammenhangs zu erfahren“. (S. 1)

Gegen die Vorstellung, dass die Kinder ihren abwesenden Vater brauchen und vermissen könnten, soll also die „Mutter-Kind-Familie“ als positive Alternative präsentiert werden.

Dass die Arbeit also eher durch politische als durch wissenschaftliche Interessen bestimmt wurde, ist für Heiliger – und offenbar auch für die Universität Tübingen, die den Text als Dissertation akzeptiert hat – kein Problem gewesen. Schließlich werde ihre Forschung, so Heiliger,

„durch die wesentlichen Prinzipien der Frauenforschung: Betroffenheit, Teilidentifikation und Parteilichkeit geprägt.“ (62)
Dass das herkömmliche Vorstellungen wissenschaftlichen Arbeitens schlankweg in ihr Gegenteil verkehrt, ist sicherlich schon deshalb kein Problem, weil diese herkömmlichen Vorstellungen ebenso wie die herkömmliche Familie selbstredend patriarchalisch strukturiert sind.
„Die patriarchalische Struktur der Ehe und Kleinfamilie verbindet in ihrem Kern die sexuelle Unterwerfung der Frau mit der Nachrangigkeit ihrer eigenständigen Lebensinteressen und entsprechenden Entfaltungsmöglichkeiten.“ (2)
Väter jedenfalls, die sich auch nach einer Trennung um ihre Kinder kümmern wollten, führten dabei vermutlich nichts Gutes im Schilde – wer könnte auch auf die naive Idee kommen, diesen Vätern ginge es vielleicht wirklich um ihre Kinder?
„Das Verlangen nach gemeinsam ausgeübtem Sorgerecht oder die Übertragung des Sorgerechts auf den Vater“ könne, so Heiliger im Anschluss an Phyllis Chessler, „als eine Art kollektiver Racheakt interpretiert werden“ (53),
nämlich als ein Verlangen nach maximaler Kontrolle bei minimaler Verantwortung. Frauen hingegen, „die sich völlig oder weitgehend entfernt haben von der patriarchalisch bestimmten Definition ihrer Lebens- und Reproduktionszusammenhänge“, die also beispielsweise der Meinung seien, ein Kind zu haben ginge nur sie – und ganz gewiss nicht den Vater – etwas an, seien nach Forschungen von Jean Renvoize
„zumeist glückliche, ausgefüllte, starke, aber sanfte Individuen, die Wärme und eine Bereitschaft, mit anderen zu teilen, ausstrahlen.“ (51)
Auch Renvoize hat also ihre Forschungen offensichtlich von den einschränkenden hegemonial-patriarchalen Mustern herkömmlicher Wissenschaftlichkeit (Sachlichkeit, Nachprüfbarkeit, Reliabilität, Seriosität etc.pp) erfolgreich befreien können.

Stille Post, Heilige Nacht – und weitere Wunder des Vaterentzugs Natürlich haben bei Heiliger auch die Kinder etwas davon, dass Frauen sich in der „Alleinerziehung“ von patriarchalisch bestimmten Definitionen befreien. Nach Angaben der befragten Mütter wüchsen die Kinder „in eine größere Selbstverantwortung“ hinein und in eine „(g)rößere Lebenstüchtigkeit“ (124), würden „keine Prügel mehr vom Vater“ erleben, dafür aber einen geradlinigen und einheitlichen Erziehungsstil, würden in „Harmonie“ und in einer engen Beziehung zur Mutter (125) leben und „sozial kooperativ“ werden. (126)

Bei von den Müttern beobachteten negativen Folgen hingegen, Verlassensängsten oder dem Fehlen des Vaters etwa, würden sich wohl die „gängigen Auffassungen über die Bedeutung eines Vaters“ (139) ausprägen, die entsprechenden Angaben würden

„auf einen starken Einfluss herrschender Normen und Ideologien im Gegensatz zur Bewertung der realen Lebenserfahrungen hinweisen“. (130)

Bei Angaben positiver Folgen haben die Frauen also recht, Aussagen zu negativen Folgen hingegen zeigen lediglich ihre Beeinflussung durch herrschende Normen.

Nicht nur durch diese willkürlich-einseitige Interpretation werden die Angaben zu den Folgen der „Alleinerziehung“ für Kinder haltlos. Die ganze Untersuchung ist explizit auf eine positive Beschreibung der Vaterlosigkeit angelegt, die Interviewpartnerinnen sind zu diesem Zwecke handverlesen („zur „Gewinnung von Interviewpartnerinnen“ wurde „in ein Projekt der autonomen Frauenbewegung eingeladen“, 65), und Angaben der Mütter werden – soweit sie wie erwünscht ausfallen – blind als tragfähige Aussagen über das reale Befinden der Kinder gedeutet, ohne die Befangenheit der Mütter zu berücksichtigen.

Trotz der kaum zu ignorierenden Unseriosität dieses Vorgehens sind Heiligers Daten als „Forschungsergebnisse“ zu modernen Legenden geworden, die von interessierten Organisationen wie dem Verband alleinerziehender Mütter (und Väter) gern aufgegriffen werden. Ein Beispiel ist ein Familienratgeber aus dem Jahr 2008, Familie geht auch anders, in dem die Autoren Matthias Ochs und Rainer Orban über Seiten hinweg positive Folgen der Alleinerziehung aufzählen – ohne Angabe von Quellen, selbstverständlich, aber deutlich im Anschluss an Heiliger.

Gelobt wird beispielweise der „Ausstieg aus dem chronischen Konflikt zwischen den Eltern“, die „größere Selbstständigkeit du Kooperationsbereitschaft“ der Kinder, das größere „Verantwortungsgefühl“ (112), der bessere „Schutz vor Kindesmisshandlung“, und natürlich seien auch größere „soziale Fähigkeiten alleinerziehender Mütter“ (114) nachweisbar.

Der kitschige Nivea-Spot, der die Vaterlosigkeit zur modernen weihnachtlichen Familienidylle verklärt, taugt wundervoll als Illustration dieses problem- und vaterbefreiten Bildes. Angaben wie die Heiligers wurden so unkritisch über die Jahre weitergetragen, und wie in jedem „Stille Post“-Spiel ging auch hier etwas Wesentliches verloren, nämlich das Wissen über die unzureichende Gewinnung dieser Daten – das auch niemanden ernsthaft interessierte und interessiert.

Dass die Harmonie im Mutter-Kind-Verhältnis vielleicht trügerisch sein könnte, weil das Kind nach der Erfahrung des Vaterverlusts nun Angst davor hat, auch die Mutter zu verlieren, und Konflikte vermeidet – dass das Kind womöglich deswegen verantwortungsvoller wirkt, weil es angesichts des Vaterverlusts früh in eine Erwachsenenposition manövriert wird – und dass Kinder in der „Alleinerziehung“ statistisch mehr Gewalt erfahren als Kinder, die bei beiden Eltern leben  – das sind Gedanken, die Heiliger ebenso wenig interessieren wie diejenigen, die ihre „Forschungsergebnisse“ ungeprüft nachsingen.

Dabei hätte schon die Tatsache, dass die Autorin zwischen Angaben der Mütter zum Kindeswohl und dem realen Befinden der Kinder keinen Unterschied macht, ein Warnsignal sein müssen: Die Interessen der Kinder werden hier den Bedürfnissen der Mütter beliebig untergeordnet – die Kinder werden für politische Interessen, für die „Befreiung“ der Mütter regelrecht verreinnahmt.

Sowohl in den inhaltlichen Vorannahmen als auch in seiner Form ist Heiligers Arbeit einem Text verpflichtet, der gewiss nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit hat: Alice Schwarzers Der kleine Unterschied und seine großen Folgen aus dem Jahr 1975. Beide Texte basieren vorgeblich auf Interviews mit Frauen, doch beide benutzen diese Interviews lediglich als Steinbruch, um beliebig politische Positionen der Autorinnen zu illustrieren, die diese völlig unabhängig von aller „Forschung“ ohnehin einnehmen. In einem Text für das Deutsche Jugendinstitut nimmt Wolfgang Erler Heiliger gleichwohl gegen Kritik an ihrer Arbeit in Schutz und bescheinigt ihr, „sorgfältig entlang der vorliegenden empirischen Daten“ gearbeitet zu haben

Diese Gefälligkeitskritik vom Deutschen Jugendinstitut für die Mitarbeiterin des Deutschen Jugendinstituts suggeriert, Heiliger sei aus politischen Gründen für eine wissenschaftlich untadlige Arbeit angegriffen worden. Tatsächlich ist es eher umgekehrt.

Wäre ihr Text nicht politisch opportun gewesen, dann wäre er wohl niemals als wissenschaftliche Arbeit oder gar als Dissertation akzeptiert worden. Was wäre, beispielsweise, wohl geschehen, wenn Heiliger sich mit gleichem Vorgehen und gleichem Ressentiment gegen ein anderes Feindbild als gegen Männer gewandt hätte – wenn sie zum Beispiel nachzuweisen versucht hätte, dass Ausländern in Deutschland der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden sollte, im Interesse aller und insbesondere in dem der Kinder? Hätte ihr das Deutsche Jugendinstitut dann auch eine „sorgfältige Arbeit“ bescheinigt?
Warum reaktionäre Menschen modern sind und aufgeklärte vorgestrig
„Beleidigung, Belästigung, Erniedrigung, Terrorisierung, Stalking, Einbrüche in die Wohnung, finanzielle Aushungerung der Frau, Auflauern, Bespitzeln, Drohungen, Telefonterror, körperliche Angriffe, Misshandlung und Vernachlässigung der Kinder bei Umgängen, Verabreichung von Medikamenten zur Ruhigstellung des Kindes, sexueller Missbrauch, Ablieferung der Kinder nach Umgängen in verwahrlostem körperlichem und seelischem Zustand: weinend, erkältet, mit div. Symptomen, Einsperren des Kindes beim Umgang, Umherziehen mit dem Kind durch Kaufhäuser oder Kneipen, sexuelle Perversionen diverser Arten usw. (vgl. Heiliger/Wischnewski 2003). All solche Verhaltensweisen bleiben folgenlos für das Umgangsrecht, Kinder erhalten keinen Schutz vor solchen Vätern, die Mütter sind gezwungen, ihre Kinder immer wieder entsprechenden Situationen auszuliefern unter der Prämisse: ein Vater hat ein Recht auf sein Kind.“
Ein Horrorszenario, entworfen von Anita Heiliger 2007 in einem Vortrag zum zehnjährigen Bestehen des Frauenhauses Oberursel. Frauen dagegen, die den Umgang zwischen Vater und Kind erschweren, haben hier nicht nur redliche Motive, sondern werden dafür auch noch drangsaliert, nämlich durch
„eine oft ins Absurde gehende besondere Aufmerksamkeit gegenüber allen ihren Verhaltensweisen im oft sehr deutlich erkennbarem Interesse, Anzeichen zu finden bzw. zu erfinden, mit denen sich eine Erziehungsungeeignetheit begründen lassen könnte, um die Ursachen der Weigerung leugnen zu können (…).“
Obwohl leicht erkennbar ist, dass die Wissenschaftlerin die schroffen Schwarz-Weiß-Mustern ihres Denkens weiter betoniert hat, lohnt sich ein genauerer Blick. Dass Kinder manchmal erkältet sind oder weinen, ist alltäglich, die Rede von der finanziellen „Aushungerung“ der Frau belegt weniger den bösen Willen des Vaters als die Hohlheit einer „Befreiung“ die auf Zahlungen durch den Unterdrücker angewiesen bleibt – zumal ein großer Teil der Väter schlicht nicht genug verdient, alle Unterhaltsansprüche zu bedienen.

Diese Verhaltensweisen und Situationen werden von Heiliger umstandslos mit körperlichen Angriffen, Misshandlungen, Verwahrlosung, sexuellem Missbrauch in eine Reihe gestellt. Im Ergebnis dieses Vorgehens gibt es praktisch keinen Vater, dessen Verhalten hier nicht mit aufgelistet und mit schweren Straftaten gegen Kinder und Frau gleichgesetzt wird.

Mütter haben hier hingegen auch dann noch reine Motive, wenn sie offene Gesetzesbrüche begehen und den Umgang zwischen Kindern und Vätern verweigern. Heiliger interessiert sich also nicht für Unterscheidungen zwischen verschiedenen Verhaltensweisen gegenüber Kindern, sondern allein für eine offenbar kategoriale Unterscheidung zwischen Frauen und Männern, die auf einem tief reaktionären Geschlechterverständnis beruht: Sicher ist das Kind allein bei seiner Mutter.

Gewalt gegen Kinder ist hier völlig uninteressant, soweit sie von Frauen ausgeübt wird – interessant wird sie lediglich, wenn sie sich als Argument gegen den Umgang von Vater und Kind verwenden lässt. Tatsächlich geht es hier nicht einmal um Alleinerziehung, sondern um eine Ideologisierung des Vaterentzugs. Dass es tatsächlich Situationen geben kann, in denen eine Mutter oder ein Vater, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage zur Kindessorge ist und das Kind zu seinem eigenen Wohl allein beim anderen Elternteil lebt, ist dabei gar nicht von Belang – alleinerziehende Väter werden sogar massiv belastet.

Wenn Heiliger in anderen Texten und Vorträgen  „Täterstrategien“ der sexuellen Gewalt gegen Kinder beschreibt, bedient sie sich –  hier im Text Täterstrategien bei sexuellem Missbrauch und Ansätze der Prävention –  der gleichen Mischung aus alltäglichen und offensichtlich gewalttätigen, massiv übergriffigen Verhaltensweisen wie in ihrem Text über die Umgangsverweigerung.
Täter würden, beispielweise, einen Missbrauch langfristig vorbereiten, etwa eine Frau suchen, um mit ihr ein Kind zu haben – sie hätten oft eine „sozial angesehene Position“ – sie würden bei „Schwächen und Bedürfnissen“ des Kindes ansetzen – Nähe spielerisch herstellen – diese Nähe dann immer stärker sexualisieren – dem Kind Schuldgefühle machen und es gezielt verirren – es bedrohen – dem Kind Geschenke machen – es in Abhängigkeiten bringen – das Kind isolieren – das Kind isolieren – die Mutter-Kind-Beziehung spalten.
So wichtig es ist, über sexuelle Gewalt gegen Kinder aufzuklären – dies ist kein Beitrag dazu. Problematisch ist auch hier, dass Heiliger die wesentliche Unterscheidung an der falschen Stelle trifft, nämlich zwischen Männern und Frauen und nicht zwischen problematischen und unproblematischen Verhaltensweisen. Ihr scheint nicht einmal aufzufallen, dass unter den tatsächlich gravierenden Verhaltensweisen einige sind, die auch ihre Ideologie der mütterlichen Alleinerziehung prägen, etwa die Störung der Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil und die Schaffung massiver kindlicher Abhängigkeiten.

Zugleich werden viele Verhaltensweisen, solange es denn nur Verhaltensweisen von Männern sind, als „Täterstrategien“ auch dann gebucht, wenn sie völlig unspezifisch und für ein alltägliches, zugewandtes Zusammensein eines Vaters mit Kindern nicht nur normal, sondern sogar wichtig sind (wie das Herstellen von Nähe oder die Sensibilität für kindliche Bedürfnisse).

Dieses Konstrukt ist eben keine Aufklärung über sexuellen Missbrauch, sondern ein Muster, das es Frauen erlaubt, ihr eigenes Verhalten in jedem Fall als rein und unschuldig wahrzunehmen – indem alle problematischen Aspekte in den verdorbenen Mann und Vater phantasiert werden. Das bedeutet nicht, dass männliche sexuelle Gewalt gegen Kinder harmlos wäre oder nur aufgebauscht würde – dass es Männer gibt, die sexuelle massiv gewalttätig gegen Kinder sind, ist ebenso wenig zu bestreiten, wie es die schweren Folgen dieser Taten sind.

Es bedeutet aber, dass Heiligers unspezifisch bleibendes Muster weniger dazu geeignet ist, solche Gewalt aufzudecken, als dazu, sexuelle Gewalt zu verdecken, soweit sie nur von Müttern ausgeübt wird.

Doch auch hier interessiert sich Heiliger eigentlich nicht für die Gewalt gegen Kinder, sondern instrumentalisiert sie, um ein reaktionäres Geschlechterbild zu etablieren, in dem die Kinder in jedem Fall zur Mutter gehören und von der väterlichen Sorge anscheinend in hohem Maße bedroht sind. Sicherlich haben die eingangs erwähnten Bielefelder Eltern nicht allesamt Heiliger gelesen, gleichwohl lässt sich an diesem Beispiel zeigen, dass ihre Haltung nicht einfach fortschrittlichere Entwicklungen verpasst hat, sondern ein Resultat offen verbreiteter, schon lange zur Gewohnheit gewordener Ressentiments ist.

Heiliger steht mit ihren Schriften ja nicht allein, sondern ist nur ein Beispiel für viele und hat über Jahre hinweg – vom Deutschen Jugendinstitut, vom Familienministerium, von Frauenhäusern – erhebliche institutionelle Unterstützung gefunden. Anstatt dass die massive Feindseligkeit ihrer Positionen dabei irgendwann einmal ernsthaft als Problem der wissenschaftlichen Arbeit angesprochen worden wäre, konnte sie ungehindert dazu beitragen, Alltagsklischees über Männer und Frauen zu prägen oder zu verstärken.

Problematisch ist hier wohl insbesondere, dass diese Ideologie einerseits an vertraute Geschlechterklischees anknüpft und sie absurd überspitzt, dass sie sich zudem offen aus etablierten Positionen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bedient, wie sie auch in rassistischen Ideologien üblich sind – dass die Autorin ihre Position zugleich aber als „fortschrittlich“ oder „modern“ verkaufen kann. Die offen diskriminierende, für die Kinder schädliche Praxis der Vaterausgrenzung wird beispielweise zur „Mutter-Kind-Familie“ und zu einem Bestandteil moderner, pluralistischer Familienpolitik verklärt.

Das absurde Resultat ist, dass jemand, der sich von reaktionären Geschlechterbildern dieser Art abgrenzt, damit rechnen muss, selbst als vorgestrig, kinder- und frauenfeindlich und möglicherweise gar als gewaltnah präsentiert zu werden.

Und welche fortschrittlichen Eltern wollen das schon – sei es in Bielefeld oder anderswo?

Literatur, soweit sie nicht verlinkt wurde:

Anita Heiliger: Alleinerziehen als Befreiung. Mutter-Kind-Familien als positive Sozialisationsform und als gesellschaftliche Chance, Pfaffenweiler 1991

Anita Heiliger: Probleme im Sorge- und Umgangsrecht. Vortrag in Oberursel am 18.9.2007 im Rahmen der Feier zum 10-jährigen Bestehens des Frauenhauses Oberursel.

Anita Heiliger: Täterstrategien bei sexuellem Missbrauch und Ansätze der Prävention, in: beiträge zur feministischen theorie und praxis 56/57, 2001, S. 71 – 82

Matthias Ochs/Rainer Orban: Familie geht auch anders. Wie Alleinerziehende, Scehidungsfamilien und Patchworkkinder glücklich werden, Heidelberg 2008

 

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33 Comments

  • Es ist verwunderlich, dass Dissertationen wie die von Heiliger durchgehen. Da kann eigentlich von Wissenschaftlichkeit keine Rede mehr sein.Also was lernt man daraus? Nicht nur das Abschreiben und falsches Zitieren von gewissen Dissertationen sind bedenklich, auch ideologische Tendenzen in manchen Doktorarbeiten sollten von den jeweiligen Hochschulen überprüft werden. Den verantwortlichen Hochschullehrer und -lehrerinnen gehört die Rote Karte gezeigt. Fragt sich, unter welchen Umständen zu ihren Posten gekommen sind.

  • Dem Kommentar stimme ich zu. Es ist nur verwunderlich, welches Niveau an der sogenannten “ Elite-Universität“ Tübingen vor 23 Jahren geherrscht hat. Zu fragen wäre allerdings, wie die verantwortlichen Hochschullehrer und -lehrerinnen zu ihren attraktiven Posten gekommen sind.

  • „Frauen hingegen, […] seien nach Forschungen von Jean Renvoize
    „zumeist glückliche, ausgefüllte, starke, aber sanfte Individuen, die Wärme und eine Bereitschaft, mit anderen zu teilen, ausstrahlen.“ (51)

    Das geht in die Richtung, die Nick in den Kommentaren zu Deinem letzten Artikel beschrieben hat, nämlich in Richtung eines Differenzfeminismus. Gute Frauen, böse Männer. Soviel Blauäugigkeit ist erstaunlich. Was da fehlt, ist Ambivalenz. Da Frauen nach meiner Erfahrung Menschen sind, werden sie auch dann und wann mal negative Gefühle haben und sie werden auch Fehler machen, z.B. hin und wieder eigennützige Entscheidungen fällen. Wie man derart menschliches so ausblenden kann, wie Heiliger das tut, ist mir vollkommen schleierhaft.

    „Schließlich werde ihre Forschung, so Heiliger,
    „durch die wesentlichen Prinzipien der Frauenforschung: Betroffenheit, Teilidentifikation und Parteilichkeit geprägt.“ (62)“

    Im Grunde gibt Heiliger mit solchen Statements sich selbst der Lächerlichkeit preis. Sie macht aus Wissenschaft eine Art Pippi-Langstrumpf-Forschung. Eigentlich kann kein Akademiker so etwas noch ernst nehmen, weil es krass gegen die Kriterien von Wissenschaftlichkeit verstößt. Unter anderen Umständen würde es auch keiner ernstnehmen, gäbe es da nicht ein Klima, dass vor Einwänden schützt.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere derzeitige Kultur es einigen Frauen erlaubt, ihre Spleens zu pflegen. Das geschieht sowohl privat als auch öffentlich. Niemand widerspricht ihnen. Niemand zwingt sie zur Relativierung ihrer Ansichten bzw. ihrer Ansprüche darauf, Recht zu haben. Und so halten sie ihre Ansichten über Kindererziehung, Ernährung, Gesundheit usw. für allgemeingültige Wahrheiten. Sie können recht ungebremst der Homöopathie frönen, einem unreflektierten „Bio ist immer gut“ Mantra und natürlich auch der Annahme, sie seien als Frauen die geborenen Erziehungsexpertinnen. Dabei kommt jede Menge Unsinn zum Tragen. Diesem Unsinn widerspricht anscheinend niemand so richtig. Man lässt sie gewähren und bestätigt sie darin. Niemand „zwingt“ sie zur Verständigung, wodurch sich die Ansprüche dieser Frauen radikalisieren. Sie fordern ungebremst, dass alles so geschehen müsse, wie sie es für richtig halten. Sie erleben nicht, dass sie sich verständigen müssen, dass sie Kompromisse suchen müssen.

    Umgekehrt werden viele Väter genau das verinnerlicht haben: Dass ihr Wort nur bedingt gilt, dass sie der Mutter Mitsprache einräumen müssen, schon allein, um nicht das Zerrbild des Patriarchen zu bedienen.

    Das gilt freilich für ein bestimmtes Milieu.

  • Und die heilig gesprochenen Mütter fühlen sich bestätigt als Autoritäten und propagieren daher mit großem Selbstbewusstsein alles, was sie eben für richtig halten. Defizite in der Kindererziehung gibt es nur bei Männern. Sie sind diejenigen, die sich verändern und bemühen sollen. Frauen machen dagegen alles richtig, deshalb haben sie in entsprechenden Diskussionen ein Übergewicht.

    Das ist natürlich sehr überspitzt. Aber irgendwie passt Heiliger und die Heiligung der Mütter gut zu dem von mir (im Umfeld) beobachteten Verhalten von Männern und Frauen.

  • @ LoMi „Eigentlich kann kein Akademiker so etwas noch ernst nehmen, weil es krass gegen die Kriterien von Wissenschaftlichkeit verstößt.“ Der Hintergrund ist, soweit ich sehe, dass Heiliger und andere soziale Situationen stur unter dem Gesichtspunkt der Herrschaft interpretieren und davon abgesehen an den Funktionen von Strukturen überhaupt nicht intessiert sind. Das gab es nicht nur Anfang der Neunziger, das gibt es an Unis auch heute noch so.

    Die herkömmlichen Kriterien von Wissenschaftlichkeit sind demnach eben Ausdruck patriarchaler Allmacht, und es erscheint als völlig aussichtslos, an dieser Situation etwas ändern zu können, wenn solche Kriterien weiterhin anerkannt werden. Sie seien schließlich nur Verschleierungen von Herrschaft, und wer sie akzetiert, akzeptiere diese Herrschaft ebenso.

    Dass die herkömmlichen Kriterien von Wissenschaft, auch in ihrem herkömmlichen Verständnis und nicht in willkürlichen Umdeutungen, Funktionen erfüllen – dass sie für eine Verlässlichkeit, Nachprüfbarkeit, Übertragbarkeit, eine intersubjektive Verständlichkeit von Ergebnissen sorgen – das ist demgegenüber gar nicht wichtig.

    Insofern ist das in meinen Auge eine der wesentlichen Verengungen feministischer Positionen – die Fixierung auf „Herrschaftsstrukturen“. Wer als Werkzeug aber nur einen Hammer hat, entdeckt natürlich überall Nägel – kein Wunder, dass sich aus dieser Perspektive „Herrschaftsstrukturen“ tatsächlich allüberall „aufdecken“ lassen.

    „Niemand widerspricht ihnen.“ Diesen Eindruck hatte ich auch schon oft – dass manche Frauen, zumindest in den von Dir erwähnten Milieus, an Widerspruch gar nicht mehr daran gewohnt sind. Am SPD-Stand der letzten Wahl hatte ich mal ein seltsames Erlebnis, als dort eine Wahlkämpferin ausschließlich meine Begleiterin ansprach, mich daneben völlig ignorierte – und dann sofort ins Schleudern geriet, als meine Begleiterin Zweifel an den Erzählungen dieser Frau über den berühmten „Gender Pay Gap“ äußerte.

    Man merkte, dass die SPD-Frau solche Äußerungen von Zweifeln tatsächlich überhaupt nicht gewohnt war, und dass sie – als Wahlkämpferin! – damit auch gar nicht rechnete. Sie zog sich jedenfalls nach sehr kurzer Zeit von sich aus zurück und erzählte, sie könne jetzt auch nicht mehr zu dem Thema sagen.

  • Und auch das hier past sehr gut – ich hab es gerade bei Genderama verlinkt gefunden, ein Beitrag aus dem Deutschlandradio:

    „Florian ist Erzieher – ein Profil, das derzeit gesucht ist in Deutschland. Eigentlich. Als er in einer katholischen Kita den Bundesfreiwilligendienst absolvieren wollte, bekam er aber zu spüren, welche Vorbehalte es gegenüber männlichen Erziehern gibt. Für ein paar Probetage war er da. Aber er durfte sich den Kindern kaum nähern. Sie auf den Schoß zu nehmen oder zu trösten, war tabu – aus Angst davor, dass er den Kindern zu nahe kommen könnte.

    Das Beispiel zeigt, dass es sich um ein sensibles Thema handelt, das auch unter Eltern kontrovers diskutiert wird. Einerseits finden sie es toll, dass es männliche Erzieher gibt – aber wenn es darum geht, dass er das eigene Kind auch mal wickelt und in den Arm nimmt, sind sie misstrauisch.“

    Das ist verrückt. Man sieht auch hier, dass die, die diese Vorbehalte verbreiten, wohl auf traditionelle Feindbilder einer „moral panic“ zurückgreifen – der Mann als sexbesessenes Monster – und so tun, als ob sie damit etwas ganz Neues entdeckt hätten.

    http://genderama.blogspot.de/2014/01/angst-vor-mannlichen-erziehern.html

    Unser Sohn ist übrigens in einem Kindergarten, in dem er glücklicherweise auch einen männlichen Erzieher hat. Vorher war er in einem rein-weiblichen. Es tut ihm ganz offensichtlich gut, auch mal einen männlichen Erzieher zu erleben.

  • Ich habe mich letzte Woche mal wieder mit der Mütterlobby beschäftigt, wo ich auch auf Heiliger gestossen bin und eine Rede von ihr vor autonomem Frauenklimbim veroffentlicht wurde: Hier mal ein paar Auszüge:

    „Weiter ging es mit der Durchsetzung der Ideologie, der Vater schlechthin sei ein wesentlicher, ja unabdingbarer Faktor für eine gesunde kindliche Entwicklung und daher müsse der Kontakt unter allen Umständen hergestellt bzw. aufrechterhalten werden.“

    „Es folgten in der Umsetzung des Gesetzes, dass der Kontakt beider Elternteile, faktisch gemeint des Vaters, zum Kind zum hohen Rechtsgut erklärt und in der Praxis als Recht des Vaters zum Umgang mit seinem Kind mit Kindeswohl gleichgesetzt wurde unter Missachtung der realen physischen und psychischen Bedürfnisse von Kindern.“

    „Fragwürdige Forschungsergebnisse mit kritikwürdigem methodischen Vorgehen wurden verbreitet, um negative Folgen eines mangelnden Vaterkontaktes für das Kind nachzuweisen…“

    Hier also das ganz grosses Kino, Vaterschaft ist nicht wichtig für das Kind! Andere Forschungsergebnisse sind fragwürdig, sie hat aber Wissen, das sicher ganz tief in den Unis versteckt ist, wie Lantsch es mal schrieb, ausgegraben. Leider hohlt auch sie die Wirklichkeit dann mal ein wenn sie schreibt:

    „Interessant an diesem Thema ist nebenbei die aktuell zum Ausdruck kommende hohe Bewertung des Samens, wie es z.B. die Klägerin [gemeint ist die junge Frau, die ein Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Auskunft über Spenderväter erklagt hat] ausdrückt: Sie möchte wissen, wem sie ihre Existenz verdankt. Das Sperma ist ja biologisch gar kein Samen, aus dem der neue Mensch wächst, sondern er gibt bekanntlich den Anstoß zur Zellteilung des weiblichen Eies und fügt Chromosomen hinzu…“

    Man hört direkt wie sie hier ihren Hass auf die Frau, die diese Klage durchführt, ausdrückt, weil sie sich gegen die von ihr doch konstruierte Wirklichkeit stellt… Wie kann diese blöde Kuh von Spendenkind nur, weiss sie nicht das das Ei alles, der Samen hingegen nichts ist… Es ist immer wieder erschreckend zu sehen wenn Dumheiten auf Wirklichkeit trifft…

    Gruss
    Kai

  • Gerade das letzte Zitat ist irre, aber auch interessant. Heiliger zieht daraus dann allen Ernstes den Schluss:

    „Von Gleichwertigkeit der Leistung und daraus entstehender Ansprüche kann m.E. keine Rede sein, einer Gleichberechtigung fehlt hier die Basis.“

    Weil das Ei nunmal eine sehr viel größere Leistung erbringe als der Samen, gäbe es keine Basis für einen Gleichberechtigung (schön, dass hier eine Feministin wenigstens einmal deutlich und klar ausspricht, dass sie von Gleichberchtigung nichts wissen will). Ein Kind, dass den Vater vermisse, wüde sich zudem eben daher (!) etwas vormachen.

    Vor allem aber: Die Mutter hat ANSPRÜCHE auf das Kind, bei denen der Vater ihr nicht in die Quere kommen darf. In meinen Augen eine extrem narzisstische Ideologie, für die es offensichtlich eine enorme Kränkung darstellt, dass eine Frau ein Kind nicht ohne Mann bekommen kann, dass sie also noch jemanden dazu braucht, und dass das Kind nicht allein von ihr ist.

    So sind denn auch die Aggressionen auf ein (erwachsen gewordenes) Kind rklärbar, dass deutlich macht, wie sehr es seinen Vater vermisst – es erkennt damit, in aller Naivität, Ansprüche der Mutter nicht an, die sie aber für selbstverständlich hält.

    Hier wird klar, wie sehr eine solche Ideologie der mütterlichen Alleinerziehung eben nicht nur den Vätern, sondern auch und mehr noch den Kindern gegenüber gewalttätig ist. Es ist eine Ideologie der Einverleibung von Kindern.

    Vielleicht ist auch daher die Beschäftigung mit sexueller Gewalt hier so sehr auf den Geschlechterunterschied fixiert, statt Verhaltensweisen BEIDER Geschlechter zu unterscheiden. Es geht bei Heiligers Beschreigung von „Täterstrategien“ ja nicht darum, Verhalten von realen Tätern und Täterinnen zu analysieren – schon allein deshalb, weil es TäterINNEN in diesem Denken eigentlich gar nicht gibt.

    Es geht eher darum, auch ein Verhalten von Männern zu sexualisieren, und damit in diesem Zuammenhang zu kriminalisieren, das mit Gewalt oder Übergriffigkeit gar nichts zu tun hat – und zugleich Verhaltensweisen von Frauen generell von jedem Verdacht freizusprechen.

    Möglicherweise spiegelt das den eigenen großen Drang zur Einverleibung von Kindern, der sich in Heiliges Ideologie ja ausdrückt, der von der „Mütterlobby“ und anderen geteilt wird – der aber nicht offen zugestanden, sondern den ohnehin schmutzigen Männern unterstellt wird. Also ein klassisches Muster der Projektion, wie man das z.B. ja auch in rassistischen Strukturen findet.

    Der Text ist aus dem letzten Jahr…und wohl eine Reaktion auf die neue Geetzgebung. Danke für die Hinweis!
    http://www.muetterlobby.de/home/so-sieht-es-für-mütter-derzeit-aus/

    Viele Grüße!

  • Unser Sohn war knapp 20 Monate beim Tagesvater. Letzterer hatte diesbzgl. auch einiges zu erzählen, war aber immer mit 5 Kindern voll ausgelastet und machte seine Sache absolut engagiert und tadellos.
    Danach Kita – rein weiblich besetzt und ein geschlagenes Jahr ohne Führung, weil keine der Ladys bereit war den Job zu übernehmen.

  • Ich ergänze mal das von Dir angeführte Zitat:

    „Das Sperma ist ja biologisch gar kein Samen, aus dem der neue Mensch wächst, sondern er gibt bekanntlich den Anstoß zur Zellteilung des weiblichen Eies und fügt Chromosomen hinzu. Die gesamte Leistung der Entstehung des Kindes im Körper der Frau mitsamt dem Risiko der Geburt und die intensive Versorgung des Säuglings kommt nun mal der Frau zu. Von Gleichwertigkeit der Leistung und daraus entstehender Ansprüche kann m.E. keine Rede sein, einer Gleichberechtigung fehlt hier die Basis.“

    Das illustriert, was Du schriebst, noch ein bisschen besser.

    Auch das hier fand ich irgendwie ziemlich erschreckend einseitig:

    „Nun ist es auch noch gelungen, die Frauen die letzte Möglichkeit anzugehen, ihr Leben mit dem Kind, das sie 9 Monate ausgetragen und zur Welt gebracht haben, selbst zu bestimmen, die geS (Anm. BT geS = gemeinsame elterliche Sorge) auch für Menschen, die nicht heiraten wollen. Darauf wurde von der Vaterrechtsbewegung lange hingearbeitet, der Groll, dass Frauen selbst bestimmen können, wie und mit wem sie leben, war und ist offenbar riesig.“

    Und es zeigt den von Dir beschriebenen umfassenden Anspruch der Mutter auf ihr Kind, weil sie es ja „geleistet“ habe.

    Insgesamt empfinde ich den Sprachduktus ihres Vortrages als aggressiv und unangenehm.

  • Was in dem Zusammenhang interessant ist: Sie wirft jenen, die den biologischen Vater favorisieren vor, „biologistisch“ zu argumentieren. Gleichwohl arbeitet sie ebenfalls mit biologischen Argumenten, wenn sie auf die Schwangerschaft und auf die „Leistung“ via Eizelle hinweist, um damit höhere mütterliche Rechte zu begründen.

  • @Lucas,
    ich kenne den Rest von Heiligers Arbeiten leider nicht, jedoch wollte ich zu dem Vortrag auch etwas schreiben und hatte damit ende letzter Woche schon angefangen. Ich war Baff erstaunt dass Du hier dann an meinen Computerlosen WE einen Text hochgestellt hast… Glückwunsch übrigens, er ist wirklich gut. Ich hätte mich halt nur auf diesen einen Vortrag eingeschossen…

    Dieses Zitat von ihr ist aber wirklich so überzeichnend, da geht wirklich nichts mehr drüber…

    Aber auch die Damen bei der Mütterlobby sind ähnlich drauf… Da fallen Worte wie Mutterinstinkt und Vaterland. Kommentare schrappen knapp am Aufruf zur Kindesentziehung und damit in meinen Augen an einer Straftat vorbei… Aber nichts für Ungut, ist ja ein Senatsgefördertes Projekt mit offiziellem Logo der Stadt Berlin…

    Sie bezieht sich jedoch nicht nur auf das Ei an sich, sondern, und das muss man fairerweise sagen, auf die gesammte Schwangerschaft. Das ist natürlich nicht besser, doch auch wir müssen zugestehen das unsere Beziehung zum Kind, gerade bei getrennten Paaren, erst nach der Geburt aufgebaut werden kann. Etwas das bei der Mütterlobby übrigens als Konsens zu gelten scheint, Mütter haben mehr Rechte weil sie ja die Schwangerschaft und Geburt und so wie so…
    Der Kampf ums Kind wird bei ihnen mit allen Mitteln ausgetragen, das Kind wird nicht aus dem Schussfeld genommen. Attacke, ohne Angst um Verluste, Gefangene werden keine gemacht, ausser dem Kind, das da Zufällig in der Schusslinie steht…

    @LoMi
    Ich habe nur die vier Zitate in Kurzform aufgeführt in einem Text in dem ich die Mütterlobby mal generel bewerte, weil ich eigentlich Heiliger etwas länger abarbeiten wollte… Das hat Lucas aber besser und ohne jeden Sarkasmus hinbekommen, was ich in dieser Art nie hingekriegt hätte…

    Die Damen auf dem Schiff Mutterlobby haben aber auch nur ihr Mutterhobby und sonst nichts. Alle Väter sind bei denen narzisstisch bis egozentrisch, auf jeden Fall gewalttätig bis hin zur Kinderbeeinflussung. Das beste was ein Vater machen kann damit es dem Kind gut geht, ist alles zu tun damit es der Mutter gut geht…

    Genau der Typus von Mutter der uns in der Organisation, aber vor allen Dingen den beteiligten Vätern, am meisten Probleme bereitet… Viele sind bereit alles zu tun um den Vater auszugrenzen. Wie oben bereits angedeutet, sogar eine Kindsentziehung oder -entführung. Frei nach dem Motto, ich habe ja nichts gegen Väter, aber wenn ich was gefunden habe das gegen die Hilft, dann setze ich es ein…

    Gruss
    Kai

  • @ LoMi „Insgesamt empfinde ich den Sprachduktus ihres Vortrages als aggressiv und unangenehm.“ Die Sprache passt dabei sehr gut zum Inhalt und zur Absicht – das EIGENE Territorium zu sichern und jeden wegzubeißen, der es zu betreten versucht

    Faszinierend finde ich an Heiliger, dass sie noch nicht einmal pro forma und oberflächlich einräumt, dass auch Väter wichtig für Kinder sein könnten, wenn sie denn gut mit Müttern kooperieren, etc. Ihr ist es offenbar sehr wichtig, ihre Feindschaft rein zu erhalten und sie nicht durch gelegentliche, und sei es noch so phrasenhafte, zivile Zugeständnisse zu korrumpieren.

    Wäre sie Fußballer, dann würde sie vermutlich zur antiquierten Spezies der Treter gehören, die jeden umhauen, der auch nur in die Nähe des eigenen Strafraums kommt. Mit dem Unterschied nur, dass Heiliger zu allem Überfluss auch noch hyper-moralisch daherkommt.

    Argumentative Kohärenz ist da natürlich nicht so wichtig. Mir ist allerdings schon öfter aufgefallen, dass der beliebte Vorwurf des „Biologismus“, wenn er aus einer gender-theoretischen Ecke kommt, beliebig ist. Die gleichen Frauen, die empört oder amüsiert alle biologischen Erklärungen von Unterschieden zwischen Männern und Frauen zurückweisen, lassen dann, wenn es um Frauen-Fördermaßnahmen geht, natürlich ausschließlich biologische Kriterien der Geschlechtszugehörigkeit gelten. Wär ja noch schöner, wenn ein biologischer Mann in den Genuss von Frauenförderung käme, nur weil er sich sozial eher weiblich „konstruiert“.

  • @ Kai „Genau der Typus von Mutter der uns in der Organisation, aber vor allen Dingen den beteiligten Vätern, am meisten Probleme bereitet…“ Das eben verstehe ich auch nicht. Es gibt natürlich immer wieder einzelne Leute in Gruppen, die sich verrückt oder destruktiv verhalten. Ebenso ist es einfach eine Frage der Wahrscheinlichkeit, dass jede hinreichend große soziale Bewegung auch Typen hervorbringt, die krankes oder gewaltverliebtes Zeug von sich geben.

    Nicht Heiliger aber ist eigentlich das Problem, solche Gestalten wird es vermutlich immer geben. Verrückt ist die institutionelle Unterstützung, die sie konsequent erhalten hat, sei es vom Deutschen Jugendinstitut oder vom Familienministerium.

    Ebenso ist es verrückt, dass die „Mütterlobby“, die kriminelles und kindsschädigendes Verhalten zumindest sehr nahelegt (und ein Klima schafft, in dem sich Mütter gegenseitig in ein solches Verhalten hineinpuschen), tatsächlich vom Senat gefördert wird.

    Ich fänd übrigens den Text über Heiliger und die Mütterlobby interessant…bist Du schon fertig?

  • Lieber Lucas Schoppe,
    herzlichen Glückwunsch zu über 200 000 Aufrufe zu Deinem Blog.
    Mach weiter so.
    Deine Familie

  • „Niemand widerspricht ihnen. Niemand zwingt sie zur Relativierung ihrer Ansichten bzw. ihrer Ansprüche darauf, Recht zu haben.“
    +1. Diesen Eindruck habe ich auch. Wobei ich formulieren würde: Niemand zwingt sie, ihre Ansichten bzw. ihre Ansprüche auf Recht haben zu überdenken. Die allermeisten Männer sind darauf gepolt, Frauen zufriedenzustellen, auch unter dem Preis der Selbstaufgabe und Selbstverleugnung.
    Ich denke, Männer würden als Gruppe profitieren, würden sie zu Frauen mehr und häufiger: „Nein!“ sagen. Ich habe das schon häufiger gemacht, einige waren beleidigt, das waren aber die, die sowieso eher mau waren, viele haben begriffen.

  • „Nicht Heiliger aber ist eigentlich das Problem, solche Gestalten wird es vermutlich immer geben. Verrückt ist die institutionelle Unterstützung, die sie konsequent erhalten hat, sei es vom Deutschen Jugendinstitut oder vom Familienministerium.“

    Alle politischen Vereinigungen unterliegen dem Zeitgeist. Besonders die Linken sind hier betroffen. Hat hier erst einmal eine Gruppe einen gewissen Einfluss erlangt, dann ist es schwer hier noch mit Argumenten durchzukommen… Selbst grösste Dummheiten werden als Wahrheit angesehen, wenn es nur in das eingeimpfte Weltbild passt. Es ist egal ob nun religiöser Eiferer oder politischer Aktivist mit Hang zum Extremismus, beide folgem dem gleichen Weg. Ähnlich ist es ja auch bei uns, sie nennen sich nur WGVDL, aber auch einige Väterseiten etc. Wobei hier ein Extremismus gelebt wird, der eben auch in Idiotien abgleitet (Familienvorstand muss bei der Heirat gewählt werden). und alle Anwesenden klatschen Beifall, die intelligenten gehen.

    Nimm die Klage von Danisch, in der er von CIA faselt und den Untergang der Piraten an amerikanischen Interessen fest macht die über eine bestimmte Verfassungsrichterin hier eingetütet worden sind.

    Das er dies nur als Vermutung ausspricht, in einer Klage um Auskunft gegen eine Uni, spielt hier keine Rolle, er macht sich lächerlich. Trotzdem klatschen sogar viele Blogs Beifall, die ich für eher Intelligent halte. Viele haben nicht mal die Klage gelesen… Spricht man aus was man sieht, dann muss man in politischen Organisationen immer damit rechnen rausgemobbt zu werden von denen die die 'Wahrheit' kennen. Dies natürlich besonders in hierarchischen Orgs wie der SPD, bei uns, als lockere Orgs, die noch Strukturen aufbauen, sieht es anders aus.

    '… in dem sich Mütter gegenseitig in ein solches Verhalten hineinpuschen), tatsächlich vom Senat gefördert wird.“

    Ich habe mal beim Senat angefragt, der teilte jetzt mit das die „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ zuständig ist. LOOOOOOOOLLLLLL, mehr fällt mir nicht mehr ein. Ich denke (oder hoffe) dass die nur ne Anstossfinanzierung geleistet haben und nicht weiter durchblicken wofur sie gerade Geld raushauen…

    Ich warte mal warten was noch kommt, die Anfrage ist weitergeleitet. Einen Fehler zugeben werden die nicht, können die als pol. Org auch nicht, sonst würde der Wähler ja denken die sind inkompetent. Wer arbeitet macht Fehler, wer viel arbeitet macht viele Fehler, wer keine Fehler macht wird gewählt…

    „Ich fänd übrigens den Text über Heiliger und die Mütterlobby interessant…bist Du schon fertig?“

    Sende dazu mal ne mail…

  • „Ich denke, Männer würden als Gruppe profitieren, würden sie zu Frauen mehr und häufiger: „Nein!“ sagen.“

    Ja, das denke ich auch.

    Ich kann meinen Eindruck nicht weiter belegen. Ich kann nur auf Erfahrungen zurückgreifen, die notwendigerweise subjektiv sind. Aber ich sehe öfters, wie fordernd manche Mütter auftreten gegenüber ihren Männern. Diese Forderungen steigern sich. Sie halten nicht inne, sondern bauen ihren Anspruch aus. Die Hoffnung, dass man irgendwann mal einen Punkt erreicht hat, wo sie zufrieden sind, ist trügerisch (wie gesagt, das gilt nur für einige persönlich beobachtete Fälle).

    Natürlich fehlt hier das Nein des jeweiligen Partners (es fehlte auch meines). In diesem Klima gedeihen zuweilen auch abwegige Forderungen. Nach meiner bescheidenen Beobachtungen sind es eher Frauen, die Homöopathie befürworten und andere medizinische Möglichkeiten am liebsten ignorieren. Und das ist nur ein Gebiet, auf dem sich die Forderungen mancher Mütter radikalisieren. Aber weil niemand sie bremst, glauben sie letztlich auch, dass sie Recht haben.

    Bei Männern wird dagegen schnell ein verächtliches Urteil gefällt. Ein Mann, der vehement etwas fordert oder auf einer bestimmten Lehre besteht, wird durchaus gerne mal als „Prediger“ angesehen, als Besserwisser, als Missionar. Er wird schnell als lächerlich gekennzeichnet. Nach meinem Eindruck jedenfalls.

    Nun gut, gerechterweise muss man sagen, es gibt auch den Witz über die überengagierten Mütter, z.B. vom Karikaturisten OL mit der Reihe „Die Mütter vom Kollwitzplatz“.

  • @ LoMi, Haselnuss „Ich denke, Männer würden als Gruppe profitieren, würden sie zu Frauen mehr und häufiger: „Nein!“ sagen.“ – „Die Hoffnung, dass man irgendwann mal einen Punkt erreicht hat, wo sie zufrieden sind, ist trügerisch (wie gesagt, das gilt nur für einige persönlich beobachtete Fälle).“

    Es gibt ja das nette Bild mit dem Karren, der von einem Esel gezogen wird, dem wiederum der Kutscher mittels einer Rute eine Karotte vor das Maul hält. Der Gedanke, es irgendwann einmal Recht machen zu können, entspricht dieser Karotte – dazu kommt es nie, aber in der ganzen Zeit zieht man den Karren.

    Ich finde die Dynamik solcher Forderungen an andere sogar verständlich. Bedürfnisse können nunmal bodenlos sein, und Grenzen bekommen sie eher dadurch, das man realistisch abwägen muss oder dass man Fairnesserwägungen anderen gegenüber Raum gibt, als dadurch, dass die Bedürfnisse tatsächlich restlos erfüllt würden.

    Wer vermittelt: Du hast auf jeden Fall das Recht, dass ich Deine Bedürfnisse befriedige! – der bastelt sich also, sozusagen, ein Fass ohne Boden. Deswegen ist es auch in meinen Augen sehr wichtig, „Nein“ zu sagen, und zwar nicht nur für das eigene Wohlbefinden, sondern auch für die Beziehungsdynamik.

    Väter haben, auch das ist meine Erfahrung, dabei manchmal die (begründete) Angst, das könnte ihnen als Suchen nach Konflikten oder als Sturköpfigkeit ausgelegt werden. Aber zugleich ist klar: Wenn man alles mitmacht, dann wird einem das keineswegs als friedvolles Verhalten zugeschrieben. Das zahlt sich nicht aus, im Gegenteil – nach meiner Erfahrung züchtet so ein Verhalten Konflikte, gerade in Vater-Mutter-Beziehungen.

  • @ Kai „Hat hier erst einmal eine Gruppe einen gewissen Einfluss erlangt, dann ist es schwer hier noch mit Argumenten durchzukommen…“ Gerade im akademischen Umfeld stört mich die Fallhöhe zwischen dem universitären Anspruch, der ja mit erheblichen Privilegien verbunden ist, und der Primitivität des Verhaltens.

    Dass man mit eingefleischten Schalke-Fans schlecht darüber reden kann, wie gut Borussia Dortmund ist, verstehe ich ja. Aber es ist immer wieder ein wenig ernüchternd zu sehen, dass wissenschaftliche Organisationen im Prinzip nicht anders funktionieren als ein kleiner Fußball-Fanclub nach dem dritten Kasten Bier.

    „Ich habe mal beim Senat angefragt, der teilte jetzt mit das die „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ zuständig ist. LOOOOOOOOLLLLLL, mehr fällt mir nicht mehr ein.“ Mir auch nicht. Es interessiert mich aber auch, ob noch etwas weiter kommt….

  • Danke! Und:

    Wieso sollte ich ausruhen? Ich werde höchstens ab und zu durch meinen Beruf abgelenkt…. Blogtexteschreiben ist ja schließlich eine rekreative Tätigkeit (ich glaube, die Formulierung gibt es gar nicht bzw. ich habe sie gerade erfunden, aber sie hört sich gut an, oder?).

  • Ist es nicht so, dass Anita Heiliger das Patriarchat dadurch überwinden will, indem man Kinder grundsätzlich dem väterlichen, also patriarchalen Einfluss entzieht? Nur so aus dem Gedächtnis.
    Roger

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