Schulen, Sex und Bildungspläne

Manchmal gibt es bekanntlich Auseinandersetzungen, bei denen es für unbedarfte Betrachter schwer zu entscheiden ist, welche Seite ihnen stärker auf die Nerven geht. Für mich ist der Streit um die Online-Petition, die sich gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg richtet, eine solche Situation. Auch lesenswerte Diskussionen und Beiträge dazu in Blogs, etwa bei Alles Evolution, beim Stadtfuchs, bei Mein Senf oder im Pelz-Blog, beziehen ganz unterschiedliche Positionen, sind aber nach meinem Eindruck jeweils beiden gegnerischen Parteien gegenüber skeptisch.
Weht diese Fahne bald über dem ganzen Ländle? Oder setzen sich die Feinde des Regenbogens durch? Und vor allem: Kann es sein, dass beide Seiten ein wenig übertreiben? (Quelle)
Auf der einen Seite eine Petition mit mittlerweile etwa 154.000 Unterzeichnern, die sich kaum die Mühe macht, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zielen der Landesregierung zu unterscheiden und die ihr rundweg unterstellt, eine
„pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“
anzustreben.

Dass es richtig sei, die Diskriminierung von Homo-, Bi- und Transsexuellen im Unterricht zu thematisieren, erwähnt der Autor in einer einzigen Passage, die er dann nirgends weiter vertieft. Welche Diskriminierung? Was hat die Schule damit zu tun? Was erleben beispielsweise Jungen an durchschnittlichen deutschen Schulen, wenn sie früher oder später merken, dass sie sich sexuell für ihre Mitschüler stärker interessieren als für ihre Mitschülerinnen? Oder Mädchen, die merken, dass sie lesbisch sind?

Solche Fragen sind dem Petenten, dem Realschullehrer Gabriel Stängle, nicht sonderlich wichtig. Stattdessen ärgert er sich gleich mehrmals über die wolkige – und im Original übrigens in eine Frage, nicht in eine Tatsachenaussage verpackte – Formulierung des Lesben- und Schwulenverbands, dass womöglich die „Schule ein homophober Ort“ sei.

Noch seltsamer ist jedoch die Reaktion auf die Petition.

Warum eigentlich denken Bildungspolitiker immer nur an Sex? Nachdem die Petition zum Erfolg geworden war und schon Zehntausende unterschrieben hatten, erschienen in großen Zeitungen und Magazinen des Landes heftige Angriffe auf sie und ihren Verfasser – so gleichlautend, dass auch stabile Gemüter darüber zu Verschwörungstheoretikern hätten werden können.
„In Baden-Württemberg soll die Vermittlung von Toleranz gegenüber Homosexuellen in den Bildungsplan geschrieben werden. Ein Realschullehrer sammelt dagegen in einer Online-Petition mit abstrusen Argumenten Unterschriften. Er erntet erschreckenden Zuspruch.“

Damit gelingt es Carola Padtberg-Kruse im Spiegel in nur drei Sätzen, den Bildungsplan falsch darzustellen, den Petitionstext zu verzeichnen und als Sahnehäubchen auch noch das Klischee vom Volk, dem großen bösen Lümmel, draufzusetzen.

Johanna Bruckner entdeckt für die Süddeutsche Zeitung bei Stängle einen Kampf „wider die Toleranz“, bei dem er, offenbar ebenso boshaft wie durchtrieben,

„die an Menschenverachtung grenzenden Passagen geschickt weiter unten auf der Seite platziert hat“.
Welche Passagen sie damit meint, verrät Bruckner praktischerweise übrigens nicht, so dass sich alle SZ-Leser besorgt nickend selbst die Sätze der Petition heraussuchen können, die sie am meisten empören.

In der taz hatte zuvor Lena Müssigmann den Ton gesetzt, klargestellt, dass Stängle – wer hätte das gedacht – „Zuspruch aus der rechten Szene“ erhalte und dass mit der Petition „konservative Kräfte ins Feld“ gegen die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ziehen würden.

Die Zeitungen äußern sich, als sei die Idee einer kritischen Distanz von Journalisten gegenüber Politikern ohnehin absurd, fast unisono mit dem bildungspolitischen Sprecher der SPD, Stefan Fulst-Blei:

„Die jetzige Onlinepetition birgt den Geist massiver Intoleranz und ist pädagogisch wie politisch unterste Schublade”.
Solch große Worte sind bekanntlich dazu geeignet, alles Mögliche dahinter zu verstecken. Zum Beispiel die Tatsache, dass der Baden-Württembergische Bildungsplan pädagogisch und im Hinblick auf die Schulpraxis völlig misslungen ist – ein Referendar, der eine solche Planung einer Unterrichtsreihe einreichen würde, bekäme mit etwas Pech von seinen Ausbildern nahegelegt, sich doch bitte einen anderen Beruf zu suchen.
Der Entwurf hat fünf „Leitprinzipien“ (Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention und Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung – warum das „Prinzipien“ sein sollen, und nicht etwa „Bereiche“ oder „Lernfelder“ oder was auch immer, hab ich übrigens selbst nicht so richtig verstanden), die den ganz unterschiedlichen traditionellen Fächern ihre Ziele setzen.

Gemeinsam ist diesen Leitprinzipien der „Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt“, der damit gleichsam ein Meta-Leitprinzip ist.

An vier der fünf „Prinzipien“ wird daher ein Passus angehängt, der mit der ritualisierten Wendung „Zusätzlich ist zu berücksichtigen“  beginnt. Bei beruflicher Orientierung haben also die Lehrkräfte zusätzlich zum Bewerbungstraining, zur Organisation von Praktika („Realbegegnungen“) und Jobbörsen, zum Erstellen von Portfolios und zur Hilfe bei der Berufs- und Karriereplanung unbedingt ein weiteres Lernziel zu berücksichtigen:

„Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der eigenen geschlechtlichen Identität und Orientierung auseinander mit dem Ziel sich selbstbestimmt und reflektiert für ein ihrer Persönlichkeit und Lebensführung entsprechendes Berufsfeld zu entscheiden.“ (S. 9)

Wär ja auch noch schöner, wenn Schüler_innen* sich ihren Beruf nach solchen profanen Kriterien wie dem Verdienst suchen würden, ohne darauf zu achten, ob er auch angemessen zu ihrer geschlechtlichen Identität passt.

Die Passagen zur Akzeptanz sexueller Vielfalt sind in vier von fünf Fällen in dieser willkürlichen Weise an das Ende der Listen mit den jeweils zu erwerbenden „Kompetenzen“ angeklatscht. Seltsamer noch wird dieses Vorgehen, wenn in anderen Fällen klar wird, dass die Auseinandersetzung mit der „geschlechtlichen Identität“ ihren Schwerpunkt bei der Beschäftigung mit Homo- und Transsexualität hat.

Für die Unterrichtsplanungen in Schulen würde das bedeuten, dass Lehrkräfte wie bisher Jahresarbeitspläne oder Pläne für Unterrichtseinheiten erstellen und sich am Ende jeweils fragen müssen, wo sie denn nun eigentlich noch die Schwulen, die Lesben oder die Transsexuellen unterbringen können.

Was wäre wohl, wenn sich eine einzelne Lehrkraft im Unterricht so zwanghaft auf Sexualität fixieren würde wie dieser Bildungsplan? Wenn ein Lehrer beispielweise wieder und wieder nach Gelegenheiten suchte, sein Steckenpferd „lesbische Liebe“ im Unterricht unterzubringen?

Dass es ausgesprochen seltsame Folgen haben würde, an Schulen tatsächlich nach diesem Bildungsplan zu unterrichten und ihn dabei ernst zu nehmen, hat sicherlich auch Stängle gemerkt. Wie arrogant aber von ihm, anzunehmen, als Lehrer könne er im Hinblick auf Schulunterricht oder pädagogische Fragen kompetenter sein als eine Spiegel-Redakteurin oder ein Baden-Württembergischer Landespolitiker.

Was Stängle in seiner Umerziehungs-Rhetorik jedoch verschweigt, ist, dass dieser Bildungsplan in den Routinen des Schulalltags ohnehin abgeschliffen würde. Vielleicht würde sogar, in der Zersetzungsarbeit der Alltagstätigkeiten gegen die erhabene Planung, etwas Positives daraus werden – dass Lehrkräfte ab und zu mal auf gute Filme oder Texte aufmerksam würden, die Homosexualität oder Transsexualität zum Thema haben, oder dass schwule Kollegen und Schüler  oder lesbische Kolleginnen und Schülerinnen weniger allein mit der Frage dastünden, wie sie in der Schule mit ihrer Homosexualität umgehen können.

Ist es eigentlich normal, normal zu sein? Heikler als die an vier der Leitlinien herangeklatschten Absätze ist ohnehin das einzige „Leitprinzip“, in das die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ bereits eingebaut werden konnte, nämlich das zur „Prävention und Gesundheitsförderung“. Zur „Identität und Identitätsentwicklung“ gehören dort nicht nur solche Klassiker wie der „Abgleich von Selbst- und Fremdbild“ (25), sondern auch die „Vielfalt in der sexuellen Identität und Orientierung (Hetero-, Homo-, Bisexualität; Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle)“ (25f.) sowie die

„Zusammenhänge von Sexualität, Geschlechtsidentität und gesellschaftlichen Mustern in Bezug auf die Identitätsentwicklung (erlebtes Geschlecht, biologisches Geschlecht, soziales Geschlecht, juristisch zugeschriebenes Geschlecht)“ (26).

Fächerübergreifend und prinzipiell schon von der Grundschule an.

Hier werde die „Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken in der Schule als neue Normalität“ propagiert, schreibt Stängle in seiner Petition. Das stimmt so nicht – der Begriff „normal“ kommt im Arbeitspapier zum Bildungsplan überhaupt nicht vor, auch der Begriff „Normen“ (26) nur zwei Mal, und dann unabhängig von sexueller Identität. Das ist angesichts eines Bildungsplans für Schulen überraschend und unrealistisch, aber erklärbar – schließlich ist der Begriff „normal“ im Zusammenhang mit sexuellen Orientierungen vorbelastet.

Wird „normal“ im Sinne von „gesund“ verstanden, dann werden diejenigen, die außerhalb dieser Normalität leben, als krank angesehen, als abnorm. Im Hinblick auf sexuelle Orientierungen hat sich das keineswegs total verflüchtigt, aus guten Gründen übrigens – schon der Stadtfuchs weist in seiner sehr lesenswerten Begründung, warum er die Petition unterschrieben habe,  darauf hin, dass es bei der Auseinandersetzung von Menschen mit ganz unterschiedlichen sexuellen Orientierung doch wahrscheinlich nicht, beispielsweise, um eine eingehende Beschäftigung mit der Lebenssituation Pädophiler gehen soll.

Für Homosexualität, auch für Transsexualität aber hat sich die Zuschreibung als „krank“ für die meisten Menschen wohl erledigt, und ebenfalls mit guten Gründen. Wenn Stängle Homosexualität mit erhöhten Gesundheitsrisiken konnotiert, dann haben sich darin womöglich Restbestände dieser Zuschreibung erhalten – doch einerseits sind Stängles Daten, wenn auch nur zum Teil, belegt (die im Vergleich zu Heterosexuellen relativ hohe Zahl der HIV-Infektionen bei homosexuellen Männern), und es ist auch hier nicht die Homosexualität selbst, die als krank erscheint.

Im Sinne von „vertraut“ ist der Begriff „normal“ möglicherweise schon relevanter für das Thema. Wenn Homosexuelle von Heterosexuellen als fremd, andersartig wahrgenommen werden, dann wird es ihnen damit schwerer gemacht, offen homosexuell zu leben – was wiederum eine Situation betoniert, in der Homosexualität als fremd empfunden wird. Hier kann es also sehr wohl sinnvoll und gerechtfertigt sein, den Begriff der Normalität zu überprüfen.

Wichtig ist ebenso noch ein anderes Verständnis von Normalität, das Homosexuelle oder Transsexuelle weder als krank noch als fremd und andersartig dastehen lässt – der Begriff „normal“ im Sinne von „(statistisch) erwartbar“. Wenn Kinder und Jugendliche ihre „Identität entwickeln“ sollen, dann gehört dazu ja wesentlich die Frage, was sie bis im Normalfall und bis auf Weiteres von anderen erwarten können – und was sie im Hinblick auf die Erwartungen anderer an sie selbst erwarten können.

Ein Jugendlicher, der mit einem Freund unterwegs ist, wird nicht ohne Weiteres erwarten, dass dieser andere Junge ein sexuelles Interesse an ihm hat. Ähnlich geht es auch Erwachsenen, Männern wie Frauen, mit gleichgeschlechtlichen Freunden oder Freundinnen. Hat der andere dieses Interesse doch, dann ist das weder schmutzig noch sündhaft, aber es ist eben überraschend und möglicherweise überrumpelnd.

Normalerwartungen sind funktional, um das eigene Handeln im Alltag zu strukturieren und es mit dem Handeln anderer abzustimmen – auch wenn diese Erwartungen in einigen Fällen falsch sind, sind sie nützlich. Ein Mann etwa, der bei jeder Frau, die er trifft, eingehend überlegt, ob sie eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle sein könnte, wird sich vermutlich weder tolerant noch offen, sondern einfach ein wenig seltsam verhalten.

Es hat keinen Sinn, vom Grünen Tisch – bzw. von der Landesregierung oder einem Uni-Schreibtisch aus – die Funktion dieser Normalerwartungen zu leugnen, als ob in der Landesregierung oder in der Uni nicht auch mit eben solchen Erwartungen hantiert würde. Im Gegenteil: Mit dem Blick auf diese Erwartungen lässt sich überhaupt erst nachvollziehbar machen, mit welchen Schwierigkeiten ein Leben verbunden ist, dass solche selbstverständlichen und daher oft gar nicht mehr bewussten Erwartungen nicht erfüllt – Schwierigkeiten im Hinblick auf die Interaktion mit anderen wie auf das Selbstgefühl.

Es ist also auch in den Schulen völlig richtig zu versuchen, Menschen das Leben mit solchen Schwierigkeiten zu erleichtern. Das wird aber weit eher gelingen, wenn klargestellt wird, dass ein Leben, das Normalerwartungen in einigen Aspekten nicht erfüllt, deshalb weder krank noch fremd noch bedrohlich noch lächerlich ist – anstatt dadurch, schnurstracks alle diese Erwartungen mit großem Gestus als soziale Konstrukte im Dienste von Herrschaftsstukturen zu entlarven, die ebenso gut anders konstruiert werden könnten.

Von solchen (gender-)feministischen Positionen würden Transsexuelle, so der selbst transsexuelle Walter Greiner,
„als Gallionsfigur für eine geschlechtliche Willkür und Beliebigkeit missbraucht, für die doch gerade wir Transsexuelle der lebende Gegenbeweis sind. Denn genauso wie alle Männer und Frauen – aber ganz anders, als Feministinnen glauben – sind wir geschlechtlich schon von klein auf das, was wir sind: originär, im Kern nicht veränderbar durch jegliche Erziehungs- und Therapieversuche.“

 

Wer schützt Menschen eigentlich vor ihren Beschützern? Die unerklärliche und unerklärte Sexualitäts-Fixiertheit des Bildungsplans, aber auch die ebenso unerklärte Ignoranz gegenüber nicht-sexuell motivierten Formen der Diskriminierung (zum Beispiel der statistisch wesentlich bedeutenderen aus sozialen Gründen) legt den Gedanken nahe, dass es der Landesregierung weniger um Offenheit und Toleranz geht als darum, Schulen auf die oben skizzierten Grundannahmen der Gender-Theorien zu verpflichten.
 „Es gibt nicht eine Demokratietheorie, aus der Politiker den Auftrag ableiten könnten, ihre Wähler zu erziehen bzw. ihren Wählern Vorgaben zu machen“,

schreibt dazu Michael Klein bei Kritische Wissenschaft.

Stängles Umerziehungs-Rhetorik überspielt, dass die Schule tatsächlich einen weitgehend als legitim anerkannten Erziehungsauftrag hat. Bei den genderheoretischen Fixiertheiten des Bildungsplans geht es allerdings weniger darum, Schüler im Sinne gesellschaftlich anerkannter Normen zu erziehen – als darum, die Schulen als Hebel zu benutzen, um diese Normen allgemein umzugestalten. Wer die Gesellschaft verändern will, fängt damit eben praktischerweise bei den Menschen an, die sich am wenigsten dagegen wehren können.

Tatsächlich kehrt ein so agierender pädagogischer Staat die Vorgaben eines liberalen Staates um. Dieser hat seine Freiheiten ja nur, weil seine Bürger Freiheiten an ihn delegiert haben – „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Es sind die Bürger, die kontrollieren, ob dieser Staat seine Kompetenzen nicht überschreitet.

Im pädagogischen Staat aber ist es umgekehrt eben der Staat, der kontrolliert, ob seine Bürger sich auch in angemessener Weise liberal verhalten. So offen und toleranzverpflichtet sich auch seine Lernziele geben mögen – tatsächlich ist dieser Staat ein autoritärer Staat. Wir brauchen kein Vertrauen, wir sind so oder so im Recht – eine so von sich überzeugte Politik produziert verständlicherweise Misstrauen, und es ist unrealistisch zu glauben, in diesem Klima zur Entwicklung von Offenheit und Toleranz Ernsthaftes beitragen zu können.

Gibt es beispielweise an Schulen bald Noten für die „richtige“ Einstellung zu verschiedenen Formen der Sexualität, als Gesinnungstest? An den Universitäten ist es schließlich auch schon längst normal geworden ist, die sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“ zur Bedingung für die Annahme studentischer Arbeiten zu machen und so dem Nachweis der richtigen Gesinnung absoluten Vorrang vor der wissenschaftlichen Qualität eines Textes zu geben.

Wenn sich autoritäres staatliches Handeln auf den Schutz von Minderheiten beruft, dann produziert das zudem die Gefahr, dass der Widerspruch gegen dieses Handeln sich nicht etwa gegen die verantwortlichen Politiker, sondern gegen die vorgeblich geschützten Minderheiten richtet. Dass die größten französischen Demonstrationen der letzten Jahrzehnte sich ausgerechnet gegen Rechte von Homosexuellen richteten (dazu dieser Gastbeitrag von Kai), ist möglicherweise so erklärbar.

So weit gehen die Proteste gegen den Bildungsplan nicht, doch auch bei der Petition ist nicht deutlich, ob sie sich eigentlich gegen die autoritären Vorstellungen der Landesregierung richtet – oder gegen das, was der Verfasser als einen homosexuellen „Lebensstil“ hinstellt. In einigen Debattenbeiträgen zur Unterstützung der Petition entlädt sich durchaus eine erhebliche Wut auf Schwule, Lesben oder Transsexuelle.

Verfestigt sich diese Konstellation, dann stehen sich schließlich zwei autoritäre politische Gruppen gegenüber: eine, die sich als Schutzherrin der Minderheiten gegen die Mehrheit, und eine, die sich als Schutzherrin der Mehrheit gegen die Minderheiten in Szene setzt.

Vernünftige politische Perspektiven bietet weder die eine noch die andere. So war es eigentlich noch freundlich ausgedrückt, wenn ich eingangs behauptet habe, das mir beide auf die Nerven gehen.
  1. Sehr schöne Analyse, speziell der Rolle, die die Begriffe „normal“ oder „vertraut“ spielen, und der autoritären Mentalität der Grünen. Die Grünen und tw. die SPD kommen mir wie „pazifistische“ Eltern vor, die ihre Kinder windelweich verprügeln, weil sie schon wieder aggressiv und gewalttätig waren.

    Betonen würde ich noch das Mißtrauen als eine entscheidende Komponente in der Diskussion: Rahmenrichtlinien sind notwendigerweise allgemein gehalten und daher interpretierbar. Das schafft ein Potential, sie exzessiv anzuwenden und hier konkret zu purer Indoktrination für den Genderfeminismus auszubauen oder aber auch im Schulalltag wirkungslos verpuffen zu lassen. Nun haben sich die Grünen und die SPD ein nachhaltiges Image verschafft, zugunsten ihrer Genderideologie Grundrechte außer Kraft zu setzen und notfalls mit der Brechstange zu operieren (wie z.B. beim kommenden Entgeltgleichstellungsgesetz). Es ist daher leider plausibel anzunehmen, daß die Unschärfen in den Richtlinien weitgehend im Sinne des Genderfeminismus ausgestaltet werden, z.B. bei der Zulassung von Schulbüchern, Detailvorschriften usw. Ich glaube, ein Großteil der Kritik basiert auf diesem Mißtrauen bzw. auf diesen Annahmen zur konkreten Ausgestaltung der Richtlinien.

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  2. Sie machen einen entscheidenden Fehler, Herr Schoppe, indem Sie diskursiv und in der Tradition der sokratischen Auseinandersetzung Herr und Gescherr verwechseln. Während Sie und andere kritische Geister in Blogs aufzudröseln versuchen, wie man den unterschiedlichen Meinungen etwas ethisch-logisches abgewinnen kann, schafft die Politik längst Fakten. Eben darum geht es in der Bewertung, ob es nun um die Rechtschreibreform, Europa oder die Implentierung von Gender Mainstreaming geht. Polemisch überspitzt weiß doch jeder, dass der Intellektuelle Zweifel hegt, wo der Dumme längst in die Tat umsetzt, wenn er auf die Macht schielt. In den USA -teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht – nannten Schwarze die Kompromissler Onkel-Tom. Soweit sich Gender Mainstreaming in div. Erscheinungsformen in einer übernational Machtposition befindet, werden Ihre Einlassungen geduldet – das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie machtfern und wirkungslos solche Debattenbeiträge nicht weniger als die Online-Petition von Stängle verpuffen. Nachdem jeder zu allem etwas gesagt hat, zieht die Karawane weiter. Dumm nur, dass keiner von uns zur Karawane gehört. Blowin' in the wind.

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  3. „Betonen würde ich noch das Mißtrauen als eine entscheidende Komponente in der Diskussion.“ Ja, den Punkt erwähne ich nur am Rande, aber er ist auch in meinen Augen sehr wichtig. Die Proteste gegen das Arbeitspapier zum Bildungsplan speisen sich eben nicht nur aus feindseligen Ressentiments gegen Schwule und andere, wie das die zitierten Zeitungen glaube machen wollen. Sie basieren gewiss auch auf einem erheblichen Misstrauen gegen die Gutwilligkeit einer rot-grünen Politik.

    Ich bin mir jedenfalls sicher, dass es vielen derjenigen, die die Petition unterschrieben haben, in dieser Hinsicht ähnlich geht wie mir (auch wenn ich selbst übrigens nicht unterschrieben habe, ich hab im Text begründet, warum nicht):

    Ich glaube ganz einfach nicht, dass es roten und grünen Politiker_innen* lediglich um den Schutz von „Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexullen (LSBTTI)“ vor Diskriminierungen geht, dass ihnen dabei aber im Eifer des guten Willen einfach ein erstaunlich schlechtes Arbeitspapier unterlaufen ist. Die verrückten Sexualitäts-Fixierungen des Arbeitspapiers entsprechen eben genau den Fixierungen gender-politischer Positionen, die wieder und wieder mangels allgemeiner Überzeugungskraft allein durch die Besetzung institutioneller Herrschaftspositionen durchgesetzt wurden, und werden. Am schimmsten wohl in Universitäten.

    Dass rote und grüne Politiker ihren schleppenden, aber erheblichen Verlust an Vertrauenswürdigkeit nicht einmal wahrnehmen, sondern auf enstprechende Proteste einfach mit Beschimpfungen der Protestierer reagieren, stellt das Vertrauen in sie ja nun auch nicht wieder her.

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  4. Es gibt keine vernünftige Alternative zum Versuch, mit Argumenten zu überzeugen. Man muss natürlich auch Bilder finden, Emotionen ansprechen, deutlich machen, dass viele Menschen hinter bestimmten Positionen stehen (wäre schön, wenn z.B. zu Väterdemos mal mehr Leute kämen) – aber auf Argumente muss man auch zurückgreifen.

    Das Arbeitspapier zum Bildungsplan hat definitiv verrückte Züge. Man muss sich mal einen Referendar vorstellen, der jede seiner Stunden nur mit 35 Minuten plant, um am Ende dann rituell 10 Minuten für eine Arbeitsphase „Wir reden über Sex“ zur Verfügung zu haben – egal, was zuvor in der Stunde eigentlich das Thema war. Der Referendar würde natürlich nicht mehr lange unterrichten. Genau so seltsam und willkürlich ist auch der Bildungsplanentwurf auf Sexualität fixiert, und zwar für jede Klassenstufe.

    Natürlich ist es ein Versagen von Zeitungen und Journalistinnen, diese Planung blind als Aktion gegen Diskriminierung zu verstehen, sich gar nicht dafür zu interessieren, was tatsächlich im Plan steht – und Kritiker daran ebenso blind, und im Gleichklang mit den verantwortlichen Politikern, als rechte Hetzer abzustempeln. Ich glaube aber, dass viele sich davon beeinflussen lassen, weil sie nicht besser informiert sind und Publikationen wie dem Spiegel oder der Süddeutschen, die ja immer noch einen ganz guten Ruf haben, einigermaßen vertrauen (jedenfalls soweit, dass sie keine eklatant-gezielten Falschdarstellungen erwarten).

    Mein Punkt ist: Es gibt keine informierte, öffentliche, abgewogene Diskussion über Fragen der Geschlechterpolitik, sondern viel vermintes Gelände und haufenweise ritualisierte Ausschlüsse aus dem Gespräch. Würde sich daran etwas ändern, dann ergäben sich ganz neue Möglichkeite für positive Veränderungen. Dass sich daran aber etwas ändert – das ist nur mit Argumenten möglich, und auch mit Abgewogenheit.

    Ich bin mir übrigens sicher: So etwas wie dieser Bildungsplan hat nur eine Chance, weil Proteste dagegen oft eher bauchgesteuert sind und sich dann in einigen Beitägen, wie bestellt, gegen Schwule und Lesben positionieren. Möglicherweise ist das sogar Absicht – das Kalkül, bescheuerte Reaktionen poltischer Gegner zu produzieren, um von den eigenen Schwachpunkten ablenken zu können. Auch in dieser Hinsicht jedenfalls sehe ich keine vernünftige Alternative dazu, in Ruhe und vernünftig zu argumentieren und zu hoffen, dass das auf lange Sicht etwas verändern kann.

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  5. In der Schweiz gibt es eine ähnliche Initiative gegen die zunehmende sexuelle Indoktrination an den Schulen und Kindergärten. Insbesondere des Sexkoffer erregt die Gemüter der Gegner dieser Sexualpädagogik. Sein Inhalt ist ja auch in Maßen abgeschmackt: Hier ein genitaler Einblick!

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  6. Betonen würde ich noch das Mißtrauen als eine entscheidende Komponente in der Diskussion: Rahmenrichtlinien sind notwendigerweise allgemein gehalten und daher interpretierbar. Das schafft ein Potential, sie exzessiv anzuwenden und hier konkret zu purer Indoktrination für den Genderfeminismus auszubauen oder aber auch im Schulalltag wirkungslos verpuffen zu lassen.

    @ man in the middle

    Misstrauen – das ist es. Von der Gleichberechtigung als gleiches Recht vor dem Gesetz zur positiven Diskriminierung, von der Gleichberechtigung zur Gleichstellung genau dort, wo es etwas zu gewinnen gibt. Denen glaub ich rein gar nichts mehr.
    Wer den politischen Kontext beachtet, der weiss, dass es nicht lediglich um die Einforderung gegenseitigen Respekts geht, sondern dass Gender Mainstreaming als „politische Querschnittsaufgabe“ top down in (vorerst) den staatlichen Institutionen implementiert werden soll. Und GM umfasst bekanntlich einiges mehr als die Forderung, Schwule, Lesben und Transsexuelle zu respektieren.

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  7. Das kann ich unterschreiben (im Gegensatz zur Petition).

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  8. @Peter und @Schoppe

    Es fängt mit den „noblen Lügen“ an.

    Ich kenne keine einzige Studie, die die Gesamtheit von LSBTTI auch nur annähernd in der Größenordnung von „mindestens 5-10%“ (so eine Grüne Landtagsabgeordnete) der Bevölkerung sieht.
    Schwule und Lesben werden in D bei zwischen 1,5-2% geschätzt und aus einer Studie aus Kalifornien (nicht den USA) weiß ich von 3% der Bevölkerung.
    Bei „bisexuell“ wird gerne der Trick verwendet, eine bisexuelle Handlung als Zeichen von Bisexualität zu werten – was völlig falsch ist, aber die Zahlen nach oben treibt.
    Transgender und Transsexuell dürften – wenn es hoch kommt – 0,05% stellen.

    Dass also in jeder Klasse ein Betroffener oder eine Betroffene sitzt oder sitzen könnte – wie von der GEW verbreitet – ist m.E. blanker Unfug.

    Mich ärgert nicht nur die Lügerei, sondern auch die Heuchelei.
    Die Suizidgefahr junger Schwuler sei 20% höher als die von heterosexuellen Jungen – dass die Suizidgefahr von Jungen gegenüber gleichaltrigen Mädchen 600% höher ist thematisiert keiner und das ist mir zu auffällig.

    Ebenso auffällig ist, das zu Recht andere Diskriminierungen benannt werden, die gar keine Rolle spielen sollen.
    Z. B. der ungleich realere Einfluss der sozialen Herkunft eines Kindes.
    15% der Bevölkerung von BW gelten als armutsgefährdet – wieso spielen diese in den Leitprinzipien keine Rolle, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung ungleich höher ist?

    Ist der Genderismus nicht die höchst nützliche Idiotie, selektiv Gruppen als diskriminiert und zwar BESONDERS diskriminiert darzustellen?
    Und dann kann in der Tat eine solche Bevölkerungsgruppe gar nicht klein genug sein, dafür der symbolische Gewinn gar nicht groß genug, sich um die so besonders Diskriminierten besonders zu kümmern.

    Es ist dann ein ganz neues ranking, in dem bestimmt wird, wem welche Rechte und Kompensationen zustehen auf der Basis von einem ranking von Diskriminierungen, die nichts mit der sozialen Realität zu tun haben, sondern mit theoretischen Konstrukten.

    Ich halte es ebenfalls für das Ziel, diese irrationale Lehre institutionell als Meta-Wissenschaft zu verankern.
    Die fünf Leitprinzipien sind Genderismus pur.
    Da wird die Schule noch ihre helle Freude haben, wenn sie Villas eigensinnige Ideen über die Natur der Frau verbreiten muss…

    Schönen Gruß, crumar

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  9. „Schwule und Lesben werden in D bei zwischen 1,5-2% geschätzt“
    Auf Gay West gibt es dazu einen interessanten Thread mit vielen Links:
    http://gaywest.wordpress.com/2010/01/30/wie-viele-sind-wir-eigentlich-homosexualitat-und-die-nackte-zahl/#comment-14222

    „Ist der Genderismus nicht die höchst nützliche Idiotie, selektiv Gruppen als diskriminiert und zwar BESONDERS diskriminiert darzustellen?“
    Sex sells. Alles, was irgendwie mit Sexualität zu tun hat, verkauft sich eben besser und erzeugt mehr Emotionen. Deswegen fehlen offenbar auch die asexuellen in der Aufzählung LSBTTI.
    Einfach nur arm zu sein und keine Designer-Klamotten zu haben, ist unerotisch.

    „… Rechte und Kompensationen zustehen auf der Basis …. von Diskriminierungen, die nichts mit der sozialen Realität zu tun haben, sondern mit theoretischen Konstrukten.“
    Zum Begriff „Diskriminierungen“: mir ist erst neulich richtig bewußt geworden, wie häufig und teilweise sehr geschickt die Genderistas mit der Bedeutungsverschiebung vom Begriff „Nachteil“ zum Begriff „Diskriminierung“ operieren. Ich habe das in meine Sammlung der relevanten feministischen Argumentationsfehler aufgenommen:
    http://maninthmiddle.blogspot.de/p/antifeminismus.html#diskriminierung.
    (Unter der Annahme, daß die selber nicht merken, was sie falsch machen, was mein Eindruck bei Begriffen wie Ableismus ist. Kann natürlich auch bewußte Täuschung anderer sein.)

    Antwort

  10. @man in the middle

    Zunächst einmal finde ich die einfache Definition von M. Klein nicht schlecht, um eine Unterscheidung zu treffen: „Nachteile hat man, diskriminiert wird man.“

    Ich finde deinen Text sehr gut, habe ihn gerade gelesen, aber an genau dieser Stelle wäre er m.E. zuzuspitzen.

    Denn unterstellt wird, jede Benachteiligung sei per se eine Diskriminierung – Ursache sei also gar kein Zufall oder Unfall, sondern ist das Resultat einer *Handlung*.

    Es wird meines Erachtens in dieser Spielart des Feminismus eine diffuse Macht, deren omnipotentes Wirken vorausgesetzt wird, personalisiert.
    Diese omnipotente Macht (in der Regel bin ich das) schafft lauter böse -isms, also Ausschlüsse.
    Willentlich und wissentlich – d.h. ich handle immer und allüberall.
    Deshalb produziert diese Macht auch automatisch eine Regenbogen-Koalition der Unterdrückten (= isms).

    Wie die -isms zusammengerechnet auf die omnipräsente Macht verweisen, so ist die Addition aller NICHT -isms automatisch die Macht an sich.
    Also weiß, männlich, heterosexuell (usw.usf,) – also ich (Gähn, das wusste ich schon!).

    Das fasst man in ein ranking – eines der Privilegien.
    Und im Gegenzug gibt es ein ranking der -isms und das ist dann die neue Hit-Liste der Menschenrechte = Anspruch auf Kompensation.

    Wie du schön gezeigt hast, bleibt dann von Menschenrechten und Rechten allgemein nichts mehr – das ist ein Kollateralschaden dieser Klappskalli-Theorie. Ob denen das bewusst ist?

    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  11. Korrektur!
    Michael Klein hat exakt gesagt: „Der Unterschied liegt auf der Hand, Nachteile hat man, benachteiligt wird man.“
    Das stammt also im Original so nicht von ihm und ich habe es falsch erinnert.
    Schönen Gruß, crumar

    Antwort

  12. @crumar

    „Denn unterstellt wird, jede Benachteiligung sei per se eine Diskriminierung – Ursache sei also gar kein Zufall oder Unfall, sondern ist das Resultat einer *Handlung*.“

    Man kann das differenzieren. Die aus Behinderungen folgenden Nachteile können reduziert werden durch eine barrierefreie Gestaltung der Infrastruktur. Das setzt einen entsprechenden politischen Willen voraus. dass diese Barrierefreiheit nicht existiert, ist aber umgekehrt keinesfalls gleich Ausdruck einer Unterwerfungsstrategie.

    Kann man aber die Schönheitsideale gestalten, um den „Lookismus“ zu beheben? Vermutlich kann man das nicht und es ist auch unethisch, diesbezüglich Menschen umerziehen zu wollen.

    Fazit: Handeln, das Nachteile mindert, ist möglich, aber nicht unbegrenzt.

    Aber der Feminismus mit seinen *ismen und die Diskriminierungsbehauptungen behaupten undifferenziert: Alles ist Produkt des Handelns. Folglich könne alles durch Handeln umgestaltet werden. Ergo ist eine bessere Welt für alle möglich, wenn man nur will und wenn alle sich richtig verhalten.

    Das ist aber eine Heilslehre, die Hoffnungen auf Glück durch Gestaltung von Gesellschaft verheißt. Wohl deshalb ist sie so attraktiv. Und wohl deshalb ist es auch attraktiv, hinter jedem Problem und Nachteil das Wirken eines Machtkomplottes zu sehen. Denn nur dann ist es glaubwürdig, dass die Nachteile abgeschafft werden können. Nur so existiert Grund für die Hoffnung auf das große Glück.

    Soziologisch gesehen gibt es aber einige Zweifel daran. Macht wird immer ein Element von Beziehungen bleiben. Normen wird es immer geben, die dann auch von irgendjemanden als restriktiv empfunden werden (das illustriert der Feminismus ja ganz besonders gut mit seiner protestantischen STriktheit). Es wird immer einen Kampf um knappe Güter geben. Beziehungsdynamiken lassen sich nicht aus der Welt schaffen und damit eben auch nicht die Grenzen der individuellen Selbstverwirklichung.

    Antwort

  13. Die Behauptung, dass Ihnen „beide auf die Nerven gehen“, nehme ich Ihnen nicht ab angesichts der Tatsache, dass sowohl Sie als auch befreundete Blogs dieses Thema ständig in Blogparaden und im Blockstöckchenwerfen ventilieren.

    Anonym hat ja schon auf die Verwechslung von Herr und Gescherr hingewiesen.
    Und auch ich glaube nicht, dass ihnen dabei aber im Eifer des guten Willen einfach ein erstaunlich schlechtes Arbeitspapier unterlaufen ist. In einem Land, das die Durchsetzung der Gender-Ideologie zur politischen „Querschnittsaufgabe“ erklärt hat und erklärtermaßen auf allen Ebenen durchsetzen will, kann man das ausschließen.

    Und Anonym hat recht mit der Feststellung, dass die Politik da Fakten schafft.
    Deshalb liegen Sie auch vollkommen falsch, wenn Sie meinen, dass es „keine vernünftige Alternative zum Versuch, mit Argumenten zu überzeugen“ gäbe. Die Politik und die von der Politik gesponsorten Homo-Lobbyisten scheißen auf Ihre Argumente. Wesentlich wirksamer ist die Abstimmung mit den Füßen.

    Aber machen Sie ruhig weiter mit Ihren Blogparaden, Blogstöckchen und Argumentationsversuchen … 😉

    Antwort

  14. Wir stehen an der Schule gerade knapp vor den Zeugnissen, da wird auch die Zeit knapp – sonst hätt ich schon eher auf die Diskussion geantwortet, weil mich ihre Themen auch schon lange beschäftigen. Keine Ahnung aber, welcher -ismus da gerade wirkt….

    „Ein komplexes Problem wird auf die binäre Mitgliedschaft in zwei künstlich geschaffenen, einander entgegengesetzten Gruppen reduziert.“
    Das hat, mindestens, zwei problematische Konsequenzen. Erstens die Reduktion komplexer Wirklichkeit auf binäre Muster. Und zweitens, dass das beständige Hantieren mit Diskriminierungen und der Notwendigkeit korrigierender staatlicher Eingriffe notwendig willkürlich ist. Ohne die „Idiotie, selektiv Gruppen als diskriminiert und zwar BESONDERS diskriminiert darzustellen“, geht es gar nicht.

    Denn prinzipiell ist ja die Menge möglicher Diskiminierungen unendlich groß. Auch Männer hätten schließlich viele statistische Daten zur Verfügung, sich Frauen gegenüber als diskriminiert darzustellen – und warum sollte man den binären Code nur auf das Muster Mann-Frau reduzieren? Warum nicht auch Kind-Erwachsener, bildunsgfern-bildungsnah, norddeutsch-süddeutsch, jung-alt, Migrant-Nicht-Migrant, etc.etc – den Möglichkeiten sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, und in jedem Fall werden sich Daten finden lassen, um eine bestimmte Gruppe als diskiminiert hinzustellen.

    Damit aber würde jede Diskussion in eine unendliche Beliebigkeit hinein explodieren, wenn nicht die beständige Suche nach Diskrimierungen selbst prinzipiell diskriminieren würde. Wenn also nicht von vornherein, und ohne weitere Analyse von Daten, klargestellt würde, welche Gruppen es wert sind, dass wir ihr mögliches Diskriminiertsein untersuchen – und welche Gruppen es nicht wert sind.

    Noch komplizierter wird es, wenn man daran denkt, dass ja nicht nur von Beginn an feststeht, welche Gruppen überhaupt bedacht werden dürfen – sondern auch, welche Bereiche überhaupt untersucht werden können. Frauen in Aufsichtsräten? Eine entsetzliche Diskriminierung. Männer in Kindergärten? Hat schon seine Gründe, warum es da nicht mehr gibt. Frauen in Führungspositionen der Parteien? Eine demokratische Notwendigkeit, das zu fördern. Männer in der Obdachlosigkeit? Die sollen sich mal richtig auf den Hosenboden setzen.

    Glerichstellungspolitik, die sich durch die Unterstellung von Diskiminierungen legitimiert, hat gar keine andere Chance als die, willkürlich zu sein – sonst kämen wir vor lauter Hin- und Her, Vorwärts- und Zurück-Gleichstellerei zu gar nichts anderem mehr. Ich frage mich nur: Woher kommt dann das Privileg, als diskriminert gelten zu dürfen – und warum wird es vielen Gruppen verweigert?

    Vielleicht muss einfach eine plausible Geschichte über das „Wirken eines Machtkomplottes“ erzählt werden können, und das ist z.B. bei der Gruppe der Männer oder der Auto-Sexuellen („Wichser!“) schwerer als bei der Gruppe der Frauen oder der Homosexuellen.

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  15. @ Mus Lim „Die Behauptung, dass Ihnen „beide auf die Nerven gehen“, nehme ich Ihnen nicht ab angesichts der Tatsache, dass sowohl Sie als auch befreundete Blogs dieses Thema ständig in Blogparaden und im Blockstöckchenwerfen ventilieren.“

    Das Thema Homosexualität und Aggressionen gegen Schwule anszusprechen, ist ja etwas anders als das, was die BaWü-Landesregierung mit ihrer Planung macht. Dort werden Homosexualität und Transsexualität, völlig unproportional gegenüber anderen Formen von Benachteiligungen (s.o.), in den Mittelpunkt gestellt – und offenkundig instrumentalisiert, um gendertheoretische Lieblingsideen (vor allem die, dass „Mann“ und „Frau“ bloß soziale Konstruktionen seien, zumal in einem, gähn, traditionell hetereosexuellen Verständnis) an zentraler Stelle in die Lehrpläne einzuschleusen.

    Ich finde es völlig richtig, an den Schulen gegen Schwulenhass (Lesbenhass ist nach meiner Erfahrung ein wesentlich kleineres Thema) vorzugehen, weil der Einzelnen – und übrigens nicht nur Homoexuellen, sondern auch anderen, die Angst davor haben, als „schwul“ zu gelten – das Leben sehr schwer macht. Aber das, was die Landesregierung macht, ist etwas ganz anderes.

    Und es ist so unseriös, dass es durchaus als lächerlich dastehen könnte, wenn Gegner davon sich nicht selbst auf Schwule einschießen würden, anstatt sich auf die autoritäre Realitätsferne des Bildungsplanes zu konzentrieren.

    „Aber machen Sie ruhig weiter mit Ihren Blogparaden, Blogstöckchen und Argumentationsversuchen … ;-)“ Danke, gern. 😉

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  16. Es ist eigentümlich, dass ausschließlich über Diskriminierung und notwendige breiteste Gleichmacherei, jedoch über die wunderbaren Ergänzungsmöglichkeiten von Frau und Mann kaum oder nicht gesprochen wird, denn eigentlich ist das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien, welche sich eben nicht einfach beispielsweise mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen in der Kindheit oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen erklären lassen.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014)

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  17. […] gibt es viele gute Gründe für Kritik, fern von rechtsradikalen Positionen. Nach dem baden-württembergischen Bildungsplan ist der „Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ein übergreifendes Leitprinzip und […]

    Antwort

  18. […] wird dann auch erst verständlich, warum die rot-grünen, genderorientierten Bildungspläne so fixiert sind auf Benachteiligungen, von denen mit den Transsexuellen nicht einmal ein Prozent […]

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