#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen

Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist. Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben wird, und festgestellt, dass das Ministerium auch nicht mehr weiß als ich. Doch dazu später.

Ich hätte mein Vorhaben also aufgegeben, wenn mich nicht einige Artikel, die in Zeitungen und Blogs zum einjährigen Aufschrei-Jubiläum erschienen sind, wieder daran erinnert hätten.

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Lena Jakat beispielsweise über Frauen, die ihre „Erfahrungen über Alltagssexismus“ bei Twitter skizziert hätten:

„Sie sind sehr leise geworden, zum Schweigen gebracht von einer digitalen Front aus Aggression, die sich in den vergangenen Monaten bei Twitter aufgebaut hat. Dort schwappt dem Hashtag inzwischen so viel Hass entgegen, dass sich kaum noch jemand traut, ihn ernsthaft zu tippen. Dabei sollte das Schlagwort einst ebendiesen Hass bekämpfen.“
Jakat ist im vergangenen Jahr vermutlich ganz einfach nicht dazu gekommen, sich mit dem Thema, über das sie schreibt, näher zu beschäftigen. Sonst wäre ihr sicher aufgefallen, dass die „Erfahrungen über Alltagssexismus“ nur einen kleinen Teil der Aufschrei-Beiträge ausmachten, und dass es kein „Hass“ ist, wenn Männer sich darüber beschweren, dass ihre Erfahrungen mit anti-männlichem Sexismus in der Aufschrei-Kampagne geschlossen abgewehrt wurden.
Ein Mann beteiligt sich am „Aufschrei“
Immerhin befindet sich Jakat damit in guter universitärer Gesellschaft – gerade hat schließlich auch die Osnabrücker Professorin Julia Becker in der Zeit deutlich gemacht, dass eine Aussage wie
„Wenn ständig über Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, wird dabei die Diskriminierung von Männern vernachlässigt“

ausgesprochen sexistisch sei.

Zuvor hatte Hannah Beitzer ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung freundlich eingeräumt: „Es gab Männer, die sich selbst im Alltag benachteiligt fühlten.“ Dass damit aber neben den unzähligen Frauen mit ihren realen Diskriminierungserfahrungen Männer mitmischen und sich auch einmal ein wenig diskriminiert füllen wollten, kann Beitzer natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Sie ist sich sicher, dass sich

„hier vor einem Jahr etwas entlud, das sich schon eine ganze Weile angebahnt hatte – nämlich die Unzufriedenheit darüber, dass Männer und Frauen in Deutschland noch immer nicht wirklich gleichberechtigt sind. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer, immer noch ist ein Großteil der Führungspositionen in der Wirtschaft von Männern besetzt, während Frauen sich häufiger und intensiver als ihre Partner um Haushalt und Kindererziehung kümmern.“

Diskriminiert sein, bitteschön, ist Frauensache.

Das Schweigen der Männer, oder: Haben Männer eigentlich irgendwelche Gründe, aufzuschreien? Es interessiert Beitzer nicht allzusehr, dass der Artikel, den sie zum Beleg ihrer „22 Prozent“-Angabe verlinkt, schon selbst klarstellt:

„Bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung reduziert sich der Unterschied allerdings auf rund acht Prozent, wie aus der vorhergehenden Erhebung zur Verdienststruktur im Jahr 2006 hervorging.“
Wer wiederum in dieser Erhebung nachliest, erfährt schon auf der ersten Seite nach dem Inhaltsverzeichnis, dass dieser Wert eine „Obergrenze“ ist und geringer ausgefallen wäre,
„wenn der Berechnung weitere lohnrelevante Eigenschaften – vor allem Angaben zu Erwerbsunterbrechungen – zur Verfügung gestanden hätten.“

Das ist schon so lange bekannt, dass sicherlich auch eine SZ-Journalistin irgendwann einmal davon gehört hat: Je ähnlicher die verglichenen Tätigkeiten von Männern und Frauen tatsächlich sind, desto mehr verschwindet der „Gender Pay Gap“.

Was aber wäre eigentlich, wenn Männer die Diskussion einmal umdrehen würden und statt des Versuchs, zum fünfhundertsten Mal die auch Beitzer und anderen schon längst bekannnte Haltlosigkeit des „Gender Pay Gap“-Geredes nachzuweisen, entschlossener die Frage stellen würden, warum Frauen eigentlich immer noch so viel weniger als Männer zum Bruttosozialprodukt und zum allgemeinen Steuereinkommen (hier, gleich auf S. 1) beitragen? Was wäre wohl, wenn sich auch hier der Staat verpflichtet fühlte, für „Gleichstellung“ zu sorgen?

Ich habe neulich eine sehr kurze, schnell abgebrochene Diskussion erlebt, in der Kollegen darüber redeten, wie sehr der hohe Anteil von Kolleginnen im Mutterschutz die Ressourcen des Kollegiums insgesamt belasten würden. Eine Frau fragte daraufhin scharf, ob denn wohl Frauen nicht mehr eingestellt werden sollten – und die Diskussion war beendet. Nur einer sagte noch leise, dass er den Eindruck habe, es gäbe auch so etwas wie eine Flucht in die Schwangerschaft, dass darüber aber nicht laut geredet werden dürfe.

Niemand hatte verlangt, dass eine Frau nicht eingestellt werden oder dass der Mutterschutz abgeschafft werden sollte. Die Unzufriedenheit, die sich erst sehr kurz offen und dann, nach der erwartbaren Zurechtweisung, nur noch grummelnd äußerte, basierte vielmehr darauf, dass der Preis dafür ebenso wenig wahrgenommen wird wie diejenigen, die ihn zahlen. Denn zu leistende Arbeit löst sich schließlich nicht plötzlich in Luft auf, wenn die Gründe, von ihr fernzubleiben, gute Gründe sind – dass die Arbeit von irgendjemandem zusätzlich übernommen werden muss, wird mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit übersehen.

Das Einspringen für andere wäre wohl ein wesentlich geringeres Problem, wenn dieser zum großen Teil von Männern geleistete Anteil überhaupt als Leistung wahrgenommen und nicht als Diskriminierung von Frauen präsentiert würde. Das gilt keineswegs nur für den Mutterschutz: Laut DAK Gesundheitsreport ist der Krankenstand bei Frauen in fast allen Lebensaltern, außer bei den ganz Jungen, deutlich höher als bei Männern (S. 13). Was wird denn hier eigentlich für „Gleichstellung“ getan?

Als es aber darum ging, für Versicherungen – und das hat gerade für Krankenversicherungen große Konsequenzen – Unisex-Tarife einzuführen, stellte die Generalanwältin Juliane Kokott in ihrem Schlussplädoyer vor dem Europäischen Gerichtshof klar, eine „unmittelbare Ungleichbehandlung“ von Männern und Frauen sei nicht zulässig,

„wenn Versicherungsprämien und ‑leistungen allein oder jedenfalls maßgeblich unter Zugrundelegung von Statistiken für Männer und Frauen unterschiedlich berechnet werden.“  (Absatz 60/61)

Im Klartext: Bloß statistische Ungleichheiten würden keine Ungleichbehandlung ganzer Gruppen rechtfertigen.

Ein wesentlicher Hintergrund war die Praxis von privaten Krankenversicherungen, von Frauen deutlich höhere Tarife zu fordern als von Männern, da das Risiko der Versicherungen bei Frauen – aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung und den auch damit verbundenen höheren Kosten – deutlich größer als bei Männern ist. In den gesetzlichen Krankenkassen zahlen Männer ohnehin traditionell erheblich mehr ein, nehmen aber wesentlich weniger Leistungen in Anspruch (hier, S. 6).

Dass also die Lebenserwartung von Männern deutlich geringer ist als die von Frauen, dass es dafür natürlich auch Gründe gibt, die möglicherweise behoben werden könnten – das ist kein Problem der Gleichstellungspolitik. Sobald aber Männer dadurch, dass sie im Durchschnitt deutlich kürzere Leben haben als Frauen, auch einen kleinen Vorteil haben, erkennt eine bedeutende europäische Institution sogleich eine unrechtmäßige Ungleichbehandlung, die beseitigt werden müsse.

Kein Grund, gleich aufzuschreien.
Von veganen Schweinshaxen und gerechter Geschlechterpolitik
 „Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.“

Warum ausgerechnet das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Männer schon in seinem Titel sorgfältig ausklammert, sich in dieser Weise für die „Interessen von Frauen und Männern“ stark macht, ist nur auf den ersten Blick rätselhaft.

Der Begriff „Gender“ bedeutet, dass Mann und Frau als soziale Konstruktionen, nicht als biologische Tatsachen betrachtet werden. Es ist eine Lieblingsidee der Gender-Forschung, dass es dementsprechend nicht nur zwei dieser „Konstrukte“, sondern noch beliebig viele mehr geben könnte.

Die „Gender Mainstreaming“-Politik hingegen greift stur auf bestehende Konzepte von Mann und Frau zurück, die sich anhand biologischer Merkmale eindeutig und klar unterscheiden lassen. Mit „Gender“ hat das also gar nichts zu tun – was ja auch im Prinzip nicht schlimm wäre, nur ist die Namensnennung eben ungefähr so passend, als würde eine saftige Schweinshaxe ab sofort „veganer Snack“ heißen, oder als würden die Grünen sich als „Arbeiterpartei“ bezeichnen.
„Zur tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist die Bundesregierung durch Art. 3, Abs. 2, Satz 2 GG ausdrücklich verpflichtet“,

heißt es weiter im Text. Ich verstehe nun nicht ganz, wie eine nicht-tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung aussehen könnte. Jedenfalls geht es irgendwie darum, dass Männer und Frauen nicht nur gleiche Rechte haben sollten: Das haben sie ja auch nicht, Männer sind im Kindschaftsrecht, im Recht zur Wehrpflicht, Jungen sind im Beschneidungsgesetz benachteiligt, von weiteren Regelungen ganz abgesehen – beispielsweise davon, dass nur Frauen, ausgerechnet, Gleichstellungsbeauftragte werden können.

Die Idee dabei ist wohl: Frauen sind Männern gegenüber zwar nicht mehr rechtlich benachteiligt, aber da wir, irgendwie, in einer Männergesellschaft lebten, seien sie immer noch diskriminiert, und diese Diskriminierung müsse abgebaut werden. Daher also fühlt sich für „Gender Mainstreaming“ auch vor allem und ausgerechnet das Frauenministerium zuständig – da Männer ja ohnehin im Vorteil seien, kann nach dessen Verständnis eine Balance zwischen Männer- und Fraueninteressen nur durch eine gezielte Stärkung von Frauen hergestellt werden.

Eine Graswurzelbewegung von oben Von der Lebenserfahrung der meisten Männer, und wohl auch eines Großteils der Frauen, sind diese Vorstellungen sehr weit entfernt. Die Abgehobenheit dieser Politik zeigt sich schon im Desinteresse der Verantwortlichen, den weithin unverständlichen und bei näherem Hinsehen auch widersprüchlichen Begriff des „Gender Mainstreaming“ durch Begriffe zu ersetzen, die allgemein nachvollziehbar und so für eine demokratische Diskussion brauchbar wären.

Je weniger aber eine Politik, die offen oder stillschweigend von der Idee einer „Männerherrschaft“ oder eines „Patriarchats“ ausgeht, noch allgemein plausibel ist, desto mehr zieht sie sich auf institutionelle Herrschaftspositionen zurück, von wo aus dann die „tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung“ in einem Top-Down-Prozess durchgesetzt werden kann.

Für Hanna Beitzer hat sich die Aufschrei-Kampagne dadurch ausgezeichnet, dass dort „mal jemand mit dem allgemeinen Konsens“ gebrochen habe. Das Gegenteil ist richtig. Aufschrei hat geradezu prototypisch einen Konsens gespiegelt, der Geschlechterdebatten in der Medienlandschaft und politischen Institutionen prägt, der aber außerhalb davon kaum noch vermittelbar ist.

Aufschrei war die Simulation einer Graswurzel-Bewegung, die eine institutionell verfestigte Geschlechterpolitik brauchte, um sich und andere über ihren eigenen Realitätsverlust täuschen zu können.

Wie angreifbar aber diese Politik ist, lässt sich vielleicht mit einem Hinweis auf eine Diskussion deuten, mit der die politische Philosophie schon seit Jahrhunderten – zum Beispiel lange in der Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte, die in den achtziger Jahren begann – beschäftigt ist: eine Diskussion darüber nämlich, ob eine legitime und sinnvolle Politik vor allem die Interessen des Individuums oder die des Gemeinwohls im Auge haben sollte. Die etablierte Geschlechter-Politik wendet sich von wesentlichen Grundlagen BEIDER Seiten ab.

Die Orientierung am individuellen Wohl macht sie unmöglich, weil sie Individuen stur unterschiedlichen Gruppen unterordnet  – die Orientierung am Gemeinwohl macht sie unmöglich, weil sie diese Gruppen grundsätzlich in einen permanenten und bitteren Konflikt miteinander schiebt.

Diese Politik ist also sowohl in einem liberalen Sinn wie auch im Sinne des Gemeinwohls sinnlos und vermutlich auch schädlich. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass sie sich nicht in offenen demokratischen Prozessen durchsetzen, sondern nur über gezielte Ausschlüsse vieler aus der Diskussion und über institutionelle Herrschaftspositionen etablieren konnte.

Eigentlich gäbe es daher gute Gründe für Männer und Frauen, die diesen Konsens nicht teilen, dieses Spiel nicht mitzuspielen, das beständig ein Geschlecht gegen das andere ausspielt – und Vertrauen darauf zu haben, dass die eigenen Investitionen in das öffentliche Leben sich zumindest auf längere Sicht auszahlen.

Der Gender Mainstreaming-Politik hingegen gelingt das Kunststück, sowohl Männern wie auch Frauen das beständige Gefühl zu geben, zu kurz zu kommen. Frauen, weil sie ihnen den Eindruck vermittelt, grundsätzlich und strukturell unterdrückt zu werden – und Männern, weil diese die Erfahrung machen, dass ihre eigenen Leistungen systematisch übersehen, dass ihre rechtlichen Benachteiligungen für irrelevant erklärt und dass sie selbst dabei zwanghaft weiterhin als „Herrscher“ oder „Sexisten“ präsentiert werden.

Sich diesem Spiel völlig zu verweigern, ist allerdings wohl aussichtslos. Angesichts eines Artikels, in dem wieder einmal eine Journalistin wider besseres Wissen vom „Gender Pay Gap“ schreibt, einfach nur freundlich darauf hinzuweisen, dass dieser Gap eine haltlose statistische Konstruktion und dass das beständige Ausspielen eine Geschlechts gegen das andere eher schädlich als nützlich ist – das wirkt gegen die wütend vorgebrachte Behauptung der Diskriminierung von Frauen regelrecht hilflos, abstrakt und ausweichend.

Vermutlich haben Gegner dieser Politik nur eine Chance: Gender Mainstreaming beim Wort zu nehmen, Gegenrechnungen wie diese aufzumachen, zu zeigen, wo und wieviel Männer gesellschaftlich draufzahlen – und klarzustellen, dass „Geschlechtergerechtigkeit“, wenn man es ganz genau nimmt, eigentlich kein Privileg von Frauen ist. Der Vorschlag, dafür den Aufschrei-Hashtag zu nutzen, wäre vielleicht ein guter Anfang.
  1. Gutes Material. Sehr brauchbar. Danke!

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  2. Koalitionsvertrag 2013 unter Entgeltgleichheit steht:

    Die Koalitionspartner sind sich einig, dass die bestehende Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen nicht zu akzeptieren ist.
    Wir wollen eine Initiative gemeinsam mit den Tarifpartnern starten, um die Muster von struktureller Entgeltungleichheit in Tarifverträgen zu erkennen und zu überwinden.

    Also GroKotzer fangt mal damit an, die Chimäre einzufangen.

    Antwort

  3. Über Hannah Beitzer habe ich mal geschrieben.

    Sie gehört zum feministischen „Medien-Wikipedia-Piraten-Netzwerk“. Zumindest hat sie in alle Bereiche Kontakte.

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  4. Aus der Manndat Analyse Gender-Bugeting:

    „Aber auch die von Antje Hermenau (Grüne), Brigitte Vöster-Alber (Leonberger Sicherheitstechnikunternehmen GEZE) sowie Gertrud Traud (Landesbank Hessen-Thüringen) öffentlich und unverblümt vorgetragene Forderung nach Einführung einer Männersteuer sei an dieser Stelle ins Gedächtnis des geneigten Lesers gerufen.“

    Dachte zuerst ich hab mich verlesen, aber stimmt tatsächlich:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/reform-vorstoss-frauen-fordern-steuersenkung-fuer-frauen-a-487687.html

    Da werden Politiker abgesägt wegen fehlerhaften Doktorarbeiten (Gabriel hat nicht mal einen Doktor und ist trotzdem Politiker) und andere propagieren reine Sexismus-Gesetze, den mal auch genauso gut als Rassissmus bezeichnen kann und kommen ungeschoren davon? Oder sind diese Personen mittlerweile deswegen raus aus dem Spiel?

    Von mich auf andere schließen funktioniert bei mir bei Feministen nicht. Wie kann auch nur eine Feministin behaupten der Feminismus ist auch gut für Männer oder arbeitet nicht aktiv gegen Männer?

    Antwort

  5. @ Wolle Danke! „Das beweist eben zum einen die Personalie von der Leyen, die die alte feministische Weisheit “Männer werden nach Potenzial befördert, Frauen nach erbrachter Leistung” aushebelt.” Auch an einem solchen Zitat Beitzers merkt man, wie sehr ihre – feministische – Logik eine Logik des Ressentiments ist, und wohl auch eines verbissenen Neids. Jemand anderes hat etwas bekommen, was ich nicht habe? Das kann KEINESWEGS gerecht sein oder gar auf einer regulären Leistung beruhen…

    Verrückt ist es (wie Du ja auch in Deinem Text klarstellst), wie selbstverständlich Beitzer als erklärte Feministin zur Expertin für alle möglichen Geschlechterthemen wird – anstatt dass ihre Zeitung auf die Idee käme, dass ihre radikale Voreingenommenheit sie gerade für diese Themen disqualifiziert.

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  6. Ich möchte mal wissen, wie das überhaupt gehen soll – „Muster von struktureller Entgeltungleichheit in Tarifverträgen erkennen und überwinden“.

    Das heißt eigentlich: Tarifverträge dürfen schon lange Nachteile wie geringere Bezahlung nicht auf Geschlechtszugehörigkeit zurückführen, aber das reicht nicht. Sie dürfen für eine bessere Bezahlung auch keine Kriterien angeben, die potenziell oder statistisch von Männern eher erfüllt werden als von Frauen.

    Sie dürfen dann z.B. längere Arbeitsuntrebrechungen bei Beförderungen nicht berücksichtigen, wenn statistisch Frauen häufiger und länger ihre Erwerbsarbeit unterbrechen als Männer. Oder sie dürfen Voll- und Teilzeitarbeit nicht als Kriterium bei Beförderungen einfließen lassen.

    Das konzentriert sich allein auf den Abbau vermeintlicher Diskriminierungen und ist völlig ignorant gegenüber der Tatsache, dass Unternehmen den Lohn nicht aus Gefälligkeit, sondern für erbrachte (oder zu erwartende) Leistungen auszahlen. Zu bedenken, dass jemand, der drei Jahre aus dem Beruf raus war, nicht mehr auf dem gleichen Stand ist wie jemand, der kontinuierlich und in Vollzeit gearbeitet hat – das wäre wohl schon eine „strukturelle Entgeltungleichheit“.

    Und wenn alle Chimären eingefangen sind, dann bauen wir uns eben neue…

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  7. Danke für den Link! Beim Lesen des Artikels war ich mir nicht immer ganz sicher, ob er nicht als Satire gemeint ist.

    „Hermenau plädiert „dafür, die Einkommensteuer nur für Frauen zu senken. Im Gegenzug sollte die Belastung für Männer leicht angehoben werden“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Partei in Sachsen der „Bild am Sonntag“. „Eine solche Steuersenkung wäre ein großer Beitrag zu mehr Gleichberechtigung.“ „

    Als würde hier ein absurdes Spiel gespielt – wer schafft es, den albernsten und ungerechtesten Vorschlag, und zwar ohne lachen zu müssen, für einen „Beitrag zu mehr Gleichberechtigung“ zu erklären?

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  8. Eine Steuersenkung nur für Frauen: Das würden sich die feministischen Parteien SPD und Grüne nicht trauen. Dann würde nämlich ihr Wirken im Dunkeln – und das ist es für die meisten (Männer) in der Bevölkerung immer noch – offensichtlich. So gesehen „hoffe“ ich auf die Quote in der Wirtschaft, zumindest dann, wenn sie „top down“ von Vorständen und Aufsichtsräten weiter runtergeht zu Abteilungsleitern und „niedrigeren“ Chefpöstchen. Im öffentlichen Dienst haben wir das ja schon – und mich hat genau das – neben der Kachelmann-Geschichte – feminismuskritisch werden lassen. [KlausT]

    Antwort

  9. @ Klaus T Ja, ich glaube auch, das stünde im Moment so nicht an. Allerdings ist der Artikel ja nicht aktuell, sondern 6 Jahre alt, der Vorschlag steht also eh nicht aktuell zur Debatte. Was natürlich nicht heißt, dass das durchgeknallte Denken dahinter verschwunden ist. Ich glaube aber auch, dass entsprechende Regelungen nicht ganz so offensichtlich durchgeführt würden.

    Antwort

  10. Danke für den Link (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/reform-vorstoss-frauen-fordern-steuersenkung-fuer-frauen-a-487687.html) was mir in letzter Zeit negativ beim Spiegel auffällt, ist das solche Artikel nicht mehr kommentiert werden dürfen. Wo es kritisch werden könnte, da wird die Debatte nicht erlaubt ;o)… Und die Zensur schläft schärfer zu… Sarkastische/Ironische Beiträge die sind nicht mehr so gern gesehen (werden nicht veröffentlicht)…

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  11. Die Aufschrei-Kampagne steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Vorkommnissen, in denen ein Übergewicht des Kommunikationsempfängers festgeschrieben werden soll. Das Problem ist nämlich, dass nicht mehr gefragt wird, wie der Sender einer Botschaft diese gemeint haben könnte. Es geht nur noch darum, wie der Empfänger sie auffasst. Hält der Empfänger eine Kommunikation für sexistisch, dann gilt sie auch als solche. Freilich gilt das nur dann, wenn eine der theoretisch festgelegten Opfergruppen der Empfänger ist.

    Aber diesen Gruppen gegenüber hat der Sender nunmehr die volle Verantwortung. Er muss seine Kommunikation so gestalten, dass sie beim Empfänger richtig ankommt. Es ist auch seine Schuld, wenn der Empfänger eine Botschaft als „offensive“ empfindet. Dagegen wird nicht mehr danach gefragt, inwiefern der Empfänger die Botschaft nach seinen Wahrnehmungsmustern interpretiert und ob diese Interpretation stimmig ist. Die Interpretation des Empfängers gilt als wahr. Da scheint das Definitionsmachtkonzept durch: Wenn der Empfänger sich als Opfer empfindet, stimmt das auch, ganz gleich, was der Sender eigentlich wollte. Da fehlt dann jeder Austausch und jede Vermittlung. Der Sender hat mit gesenktem Kopf hinzunehmen, dass der Empfänger seine Äußerungen als Übergriff, als sexistisch, als diskriminiert einstuft. In diesem Zusammenhang werden laufend neue Konstrukte eingeführt: Sei es so etwas wie Lookismus oder wie Fatshaming. Allen diesen Konstrukten ist gemeinsam, dass sie alle Verständigung blockieren, weil sie mit ihren Behauptungen über den Charakter einer Äußerung oder Tat eine absolute Geltung beanspruchen. Und so kann es dann auch kommen, dass ein simples Kompliment, von dem Falschen ausgesprochen, zum Skandalthema werden kann.

    Wie immer sorgen diese Verschleifungen dafür, dass wirkliche Belästigungen und Diskriminierungen komplett untergehen. Sie werden relativiert und damit der Aufmerksamkeit entzogen.

    In einem Roman von Wolfram Fleischhauer las ich das folgende (von ihm selber als schräg beurteiles) Beispiel: Eine Feministin hält einen Vortrag über den Schleierzwang in gewissen Nahost-Regionen. Sie behauptet dann, dass die Sexualisierung westlicher Frauen das Äquivalent dazu sei, also quasi die „Entkleidung“ der Frau durch den männlichen Blick. Damit wird der Unterschied zwischen einem realen, polizeilich gewaltsam durchgesetzten Schleierzwang und der womöglichen kulturellen Ausprägung eines einseitigen Frauenbildes aufgehoben.

    Als Ex-DDR-Bürger denke ich dann immer, dass diese Damen einfach nicht wissen, was echte staatliche Restriktionen sind.

    Antwort

  12. Die Einstellung „Eine Frau versteht nie etwas falsch. Wenn dann hat der Mann sich falsch ausgedrückt.“ findet sich sogar beim Tanzen wieder:

    „As with a language interpreter at the United Nations, a dancer’s ability to interpret signals benefits from intelligence and experience. Leads, if you want to make a good impression on your partner, show her that you respect this intelligence and experience. How? If she does something that you didn’t intend, recognize that she still made a valid alternate interpretation of the signals you gave her. She didn’t make a “mistake”.

    No, don’t just recognize it. Show her that you know she didn’t make a mistake, by flowing along with her during her valid alternate interpretation. She’s dancing — try to keep up with her.“
    (http://socialdance.stanford.edu/syllabi/partnering.htm)

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  13. Das passt doch zu der altehrwürdigen Regel, dass der Mann sich entschuldigt auch für ihre Fehltritte. Das ist doch sehr konservativ.

    Freilich glaube ich, dass die Übergewichtung der Interpretation des Empfängers nicht einfach eine Fortführung dessen ist. Tanzen ist sehr ritualisiert. Dagegen wird man früher wohl in nicht-ritualisierten Begegnungen wohl doch davon ausgegangen sein, dass aufgrund von unterschiedlichen Interpretationen auch Missverständnisse möglich sind. Diese lassen sich durch Reden aufdecken. Das anerkennt dann aber, dass beide Interaktionspartner als Gleiche miteinander sprechen.

    Dieses Modell scheint man in den -ismen und -ings über den Haufen geworden zu haben.

    Mir erscheint das kindisch, weil so jeder Widerstand der Realität wegdefiniert wird und als Verschulden Anderer behandelt wird. Eigentlich glauben doch nur kleine Kinder an eine so ungeheure Macht der Eltern, dass diese sämtlichen Jammer in der Welt beheben könnten, wenn sie nur wollen. Diese Haltung sehe ich in den -ismen verstetigt.

    Antwort

  14. @LoMi Derlei reflexionsfreies Verständnis, im Sinne von „sag was ich hören möchte“, hat neurotische Züge. Borderliner und Narzissten zeigen derlei Kommunikationverhalten.

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  15. Leider ist diese Neurose zur „Theorie“ geworden und partiell auch zur politischen Praxis. Das neurotischste Beispiel der jüngeren Vergangenheit war doch die T-Shirt-Affäre, als ein Konzert einer Band abgebrochen wurde, weil einer von den Musikern sein Shirt auszog.

    Ich frage mich nur, wie sich die Gesellschaft in diese Neurose hat hineinentwickeln können. Schoppe hat ja schon aufs Schweigen der Männer hingewiesen. Ich mache mal einen vielleicht schiefen Vergleich: Wir schweigenden Männer wirken ein bisschen wie Ko-Abhängige, die auch immer einen Grund zur Rechtfertigung des Suchtverhaltens des Partners finden.

    Antwort

  16. So schief ist Ihr Vergleich gar nicht. Der männliche Beschützerinstinkt gegenüber Frau und Kind dürfte gleichwertige Affekte auslösen, wie bei Co-Abhängigen.
    Die psychiatrische Perspektive auf die Genderei würde sicher viele treffende Parallelen zu pathologischen Verhaltensweisen liefern. Leider bin ich dahingehend nicht ausreichend beschlagen, dass ich einen solchen Versuch wagen würde.

    Antwort

  17. „So schief ist Ihr Vergleich gar nicht. Der männliche Beschützerinstinkt gegenüber Frau und Kind dürfte gleichwertige Affekte auslösen, wie bei Co-Abhängigen.“

    Ich denke nicht, dass es der Beschützerinstinkt ist. Meiner Meinung nach ist es eher ein Ausdruck von Abhängigkeit sexueller und emotionaler Art der Männer von ihren Frauen. Und es ist der Versuch, zu ertragen und Erwartungen zu erfüllen, in der Hoffnung, dann endlich geliebt zu werden.

    Antwort

  18. Betreibszugehörigkeit + Berufserfahrung wäre das einzige das es noch in Tarifverträgen gibt, dass eine Ungleichbehandlung bei gleicher Entgeltgruppeneinstufung ermöglicht.
    .
    Aber wie man das als einseitige Frauen diskriminierung verkaufen will ist mir schleierhaft, aber da wird Schwarzrotgrün sicherlich eine Lösung finden.

    Antwort

  19. „(…) Meiner Meinung nach ist es eher ein Ausdruck von Abhängigkeit sexueller und emotionaler Art der Männer von ihren Frauen. Und es ist der Versuch, zu ertragen und Erwartungen zu erfüllen, in der Hoffnung, dann endlich geliebt zu werden. „
    Sehe ich genauso.
    Deshalb niemals versuchen, eine Frau zufriedenzustellen, sondern weitergehen zur nächsten, die entweder entsprechende Dankbarkeit zeigt oder selber etwas für Mann tut.

    —-Wechsel von der Individual- zur Kollektivebene—-

    Umgekehrt ist es für Frauen ebenso wichtig, von männlicher Seite (sexuelle) Aufmerksamkeit zu erhalten. Ist sie ungewollt, kann frau sich darüber beschweren, je öffentlicher, desto besser, ist die Aufmerksamkeit gewollt, kann sie damit prahlen und sich gut fühlen.

    —–Fazit, sorry, wenig Zeit—-

    Männer erkennen einfach nicht, über wie viel Macht sie verfügen. Alternativ: Männer können ihre Macht nicht ausüben, weil sie psychologisch so abhängig von weiblicher Zustimmung sind – was ich aber, denke ich, ändert. Nicht zuletzt durch 50 Jahre Hysterie-Ferminismus.

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  20. @ Haselnuss „Männer erkennen einfach nicht, über wie viel Macht sie verfügen.“ Das finde ich einen sehr interessanten Gedanken, der vielleicht auch die große Attraktivität selbst extrem männerfeindlicher Positionen für Männer erklärt. Vielleicht lässt es sich sogar weiterspinnen – von dort, dass Männern ihre Macht nicht bewusst ist, bis dahin, dass viele möglicherweise auch Angst vor ihrer Macht haben.

    Macht z.B. als Möglichkeit des selbstständigen Handelns – das ist sehr gut, natürlich, aber es ist nicht nur mit Verantwortung verbunden, sondern es eröffnet auch große Räume und unübersichtliche Möglichkeiten. Da ist es möglicherweise schlicht einfacher, sich in den kleinen, schmutzigen, aber übersichtlichen Keller zurückzuziehen, den feministisch inspirierte Frauen für ihre „Allies“ bereithalten.

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