Gesellschaft

Wie man die Biologie abschafft, die Evolution blockiert und nebenbei die ideale Gesellschaft baut

Bild symbolisiert die Evolution vom Affen zum Computermenschen.
geschrieben von: Lucas Schoppe
„Baden-Württemberg will Biologie-Unterricht abschaffen. Stuttgart in den Händen der Gender-Ideologen.“
So betitelte Mitte des Monats die Wirtschaftswoche  einen Artikel über die grün-rote Bildungsplanreform. „Denn die Biologie ist ihnen ein Greuel“, begründet dessen Autor Ferdinand Knauß ohne Angst vor falschem Pathos die Pläne der Landesregierung.

Vermutlich wäre der Artikel für die Erregung von Empörung weniger geeignet gewesen, wenn Knauß zumindest nebenbei erwähnt hätte, dass die Landesregierung lediglich in den Schuljahren 5 und 6 das Fach „Naturphänomene und Technik“ einführen möchte, das sich „aus den Fächern Physik, Chemie, Biologie und Technik“ zusammensetzt.  Knauß hätte bei der Gelegenheit dann übrigens auch gleich erwähnen können, dass diese Zusammenlegung von naturwissenschaftlichen Fächern an Gesamtschulen schon seit Jahrzehnten üblich ist – es lässt sich darüber streiten, ob das sinnvoll ist, aber es ist gewiss keine Konsequenz der „Gender-Ideologie“.

Einerseits wird also in Baden-Württemberg das Fach Biologie keineswegs abgeschafft, andererseits hätte der Autor ebenso gut von einer Abschaffung des Fachs Chemie, oder Physik, oder Technik sprechen können. Diese Fächer allerdings hätten sich kaum als Alptraum der „Gender-Ideologen“ verkaufen lassen.

So belegt der Artikel vor allem ein erhebliches Misstrauen gegenüber der Landesregierung – und das Wissen darum, dass eine am Gender-Begriff orientierte Geschlechterpolitik, die Frau und Mann als „soziale Konstruktionen“ versteht, mit der Biologie ein ganz besonderes Problem hat.

Könnte also daher nicht die Biologie besonders geeignet sein, um einer Gender-Politik grundlegend und systematisch zu widersprechen? Über diese Frage gab es vor wenigen Wochen bei Alles Evolution eine lange, zu Teil auch harte und bittere Diskussion – angestoßen durch Elmar Diederichs, der in einem Artikel die Frage „Was können Biologisten?“ stellte, und der dann in der darauffolgenden Diskussion in seinem Blog und bei Alles Evolution darauf bestand, dass der Maskulismus keineswegs auf Biologie angewiesen sei.

Ich kann diese interessante und zum Teil auch überraschend scharfe Diskussion hier natürlich nicht fortführen. Interessant aber ist für mich die Frage, warum die Biologie für Anhänger der Gender-Theorie eigentlich einen so großen Provokationswert hat – und welche politischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Fußball, Halma und die Ablehnung der Biologie Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der Gender Studies, soziale Zusammenhänge zu betonen und demgegenüber biologische Argumentationen abzuwerten oder gar zu skandalisieren. Warum aber können sich Vertreter dieser Richtung eigentlich nicht mit Biologen arrangieren und akzeptieren, dass beide Disziplinen unterschiedliche und womöglich komplementäre, also sich gegenseitig ergänzende Zugänge zum selben Thema haben?

Das ist kaum ohne den Hinweis zu verstehen, dass die Gender Studies sich nicht allein als wissenschaftliche Disziplin verstehen, sondern in aller Regel auch deutliche politische Anliegen haben. Wenn Unterschiede zwischen den Geschlechtern rundweg sozial konstruiert sind, und wenn einige Gruppen von Menschen – nämlich Frauen, natürlich – durch diese Unterscheidungen benachteiligt werden, dann kann vom Staat auch gefordert werden, Mittel zum Ausgleich dieser Unterschiede einzusetzen.

Wenn aber diese Unterschiede zumindest zu einem guten Teil biologisch begründet sind und daher durch staatliche Interventionen auch nicht kurzfristig nivelliert werden können, oder wenn Geschlechterunterschiede gar nachvollziehbare Funktionen erfüllen, dann lässt sich eine „Gender Mainstreaming“-Politik weit weniger begründen.

So werden biologische Erkenntnisse in den Gender Studies in aller Regel auch nicht als Ergänzung zu den eigenen Positionen anerkannt, sondern ausgeblendet. Eben damit begeben sich Gender-Theoretiker allerdings in eine leicht angreifbare Position,

Vor wenigen Jahren der norwegische Soziologe Harald Eia in einer Reihe von Fernsehfilmen die Gender Studies seines Landes in eben dieser bewussten Ignoranz erheblich bloßgestellt  – mit dem Resultat, dass ein mit Millionen gefördertes Gender Studies Institut in Oslo geschlossen wurde. Daher ist die Hoffnung verständlich, mit biologischen Argumenten auf ähnliche Weise Klischees der – in aller Regel feministisch positionierten – Gender Studies maskulistisch auszuhebeln, sie ist aber auch trügerisch.

Gerade weil sich Vertreter der Gender Studies regelmäßig gegenüber biologischen Argumenten gleichgültig oder ablehnend verhalten und weil diese Ignoranz von den politischen Geldgebern noch akzeptiert wird, gehen biologische Argumente gegen diese Position ins Leere. Wer auf ihnen beharrt, wirkt tatsächlich wie jemand, der seinerseits lediglich seine „kleine Farm verteidigen“  möchte.

Anders formuliert: Wer von Vertretern der Gender Studies verlangt, biologische Argumente als Widerlegung der eigenen Position zu akzeptieren, verhält sich wie jemand, der beim Fußballspiel dem Gegner vorschlägt, statt Fußball sollte man doch einfach mal Halma spielen. Warum sollte der sich darauf einlassen?

Denn wenn der Gesprächspartner hundert schlüssige Hinweise darauf nicht zu Kenntnis nimmt, dass Geschlechtsunterschiede auch biologisch begründet sind, wird er sich vom hundertersten Hinweis aller Voraussicht nach nicht plötzlich überzeugen lassen. Zudem wären überzeugte Vertreter von Gender-Theorien wohl ohnehin taub gegenüber kritischen Argumenten – das aber muss nicht in gleichem Maße für ihre politischen und medialen Unterstützer gelten.

Was also in der politischen Geschlechterdiskussion fehlt, sind Versuche der Vermittlung zwischen biologischen und anderen, also beispielsweise soziologischen oder politischen Zugängen. Eia gelang diese Vermittlung vohl gerade deshalb, weil er Soziologe und eben kein Biologe ist. Es reicht also nicht, wieder und wieder drauf hinzuweisen, dass die Gender Studies gegenüber biologischen Argumentationen weitgehend ignorant sind – wichtiger ist es, die politischen Folgen dieser Ignoranz zu verdeutlichen.

Vom guten und bösen Biologismus – und von unwichtigen Samenzellen Dabei argumentieren Feministinnen übrigens durchaus nicht streng anti-biologistisch. Kai hatte bei man tau vor Kurzem beispielweise eine Passage von Anita Heiliger zitiert.

„Interessant an diesem Thema ist nebenbei die aktuell zum Ausdruck kommende hohe Bewertung des Samens, wie es z.B. die Klägerin [gemeint ist die junge Frau, die ein Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Auskunft über Spenderväter erklagt hat] ausdrückt: Sie möchte wissen, wem sie ihre Existenz verdankt. Das Sperma ist ja biologisch gar kein Samen, aus dem der neue Mensch wächst, sondern er gibt bekanntlich den Anstoß zur Zellteilung des weiblichen Eies und fügt Chromosomen hinzu…“

Von der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit der männlichen Samenzelle schließt Heiliger hier ohne unnötige weitere Überlegungen auf die Bedeutungslosigkeit des Vaters, den zu kennen für die junge Klägerin doch eigentlich völlig unwichtig sein müsse. Was eigentlich stört Feministinnen an biologischen Argumenten, wenn einige von ihnen dich selbst – und gerade bei der Privilegierung der Mutterschaft gegenüber der Vaterschaft ist das notorisch – bei Gelegenheit gern biologistische Schnellschüsse abgeben?

Der Hinweis reicht nicht, die Biologie würde Geschlechterunterschiede „naturalisieren“, also Unterschiede, die tatsächlich sozial begründet sind, als natürlich darstellen und sie so scheinhaft legitimieren. Tatsächlich werden biologische Zusammenhänge  manchmal in dieser Weise verwendet, aber gerade dann wäre es eigentlich besonders wichtig, sich eingehend mit biologischen Erkenntnissen auseinanderzusetzen und auch ihre Grenzen deutlich machen zu können.

Möglicherweise also hat die genderpolitische Gegnerschaft zu biologischen Argumentationen also einen ganz anderen Grund, der damit im Zusammenhang steht, dass biologische Erklärungen menschlichen Verhaltens in aller Regel auch evolutionäre Erklärungen sind.

Warum das eine Provokation sein kann, lässt sich an Überlegungen des amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey zeigen.

Wie man im Interesse des Fortschritts Evolutionen blockiert Dewey geht von dem einfachen Gedanken aus, dass eingeübte, also habitualiserte Verhaltensweisen bestimmte sinnvolle Funktionen erfüllen – sonst wären sie nicht habitualisiert worden. Natürlich kann eine Änderung dieser Verhaltensweisen gleichwohl wichtig werden, beispielsweise, weil sich ihr Kontext verändert und sie nun nicht mehr funktional sind.

Nun ist aber ein Verhalten nicht einfach durch ein anderes zu ersetzen – Änderungen von Verhaltensweisen sind nur auf der Basis eben des Verhaltens möglich, das geändert werden soll. Ein schönes und übliches Beispiel für diesen Zusammenhang ist der Umbau eines Schiffes auf hoher See, bei dem eben nicht kurzerhand das ganze Schiff auseinandergenommen werden kann, sondern seine grundsätzliche Seetauglichkeit beständig bewahrt bleiben muss. So ist es dann beispielsweise wichtig anzuerkennen, dass auch ein ungünstiges Verhalten bestimmte Funktionen erfüllt – und zu überlegen, wie diese Funktionen auf andere Weise erfüllt werden können.

Eben das aber wird von nicht-evolutionären Konzepten der Veränderung nicht anerkannt. Dewey skizziert sie so:

„Wir argumentieren weiter so, als ob die Schwierigkeit in dem bestimmten System stecken würde, das versagt hat, und als ob wir nun endlich zum Punkt gekommen wären, auf ein System zu stoßen, das dort wahr ist, wo alle anderen falsch waren.“ (1)

Anstatt auf dem Bestehenden aufzubauen und es konkret zu beschreiben, orientiert sich dieses Modell der Veränderung an einem abstrakten Ideal und wertet das Bestehende kurzerhand und verallgemeinernd als falsch“ ab.

Das führt zu Spaltung zwischen dem abgewerteten Realen und dem Ideal, das angeblich allein zur verlässlichen Orientierung dienen kann. Angesichts dieser Spaltung wird allerdings eine Entwicklung tatsächlich nicht etwa vorangetrieben, sondern blockiert – anstatt bestehende Strukturen weiter zu entwickeln, werden sie konserviert, aber als etwas Neues ausgegeben.

Mir hat Deweys Unterscheidung zwischen evolutionären Modellen und Modellen, die an einem abstrakten Ideal orientiert sind, immer eingeleuchtet, gerade in pädagogischer Hinsicht. Natürlich bauen Kinder und Jugendliche (und übrigens auch Erwachsene) manchmal Mist – ihnen deshalb aber das Gefühl zu geben, sie seien fundamental falsch und wertlos, ist nicht nur inhuman, es ermöglicht auch keine positiven Veränderungen.

Wie destruktiv das Desinteresse an der Funktionalität des Bestehenden und die Fixierung auf ein abstraktes Ideal sein kann, zeigt beispielsweise die Nice Guys Engine. Die realen Jungen werden als falsche Systeme behandelt, die durch richtige, von den Verantwortlichen der Maschine entworfene Systeme, nämlich die Nice Guys, zu ersetzen seien. Dass diese Pädagogik mit großer Sicherheit (und Gott sei Dank) nicht erfolgreich sein wird, kann dann der Widerborstigkeit der beteiligten Jungen angelastet werden.

In politischen Geschlechterdebatten ist für mich eines der einprägsamsten Beispiele für Deweys Gegenüberstellung  das Ideal der mütterlichen Alleinerziehung, das von Autorinnen wie Anita Heiliger, aber auch von Lobbyorganisationen wie dem VAMV als Befreiung der Mütter von der Herrschaft der Väter verkauft wird.

Bei diesem Bemühen um die Überwindung der bürgerlichen Ehe spielt der Gedanke keine Rolle, welche Funktionen diese Institution eigentlich erfüllt, und wo genau sie nicht oder nicht mehr funktional ist. Stattdessen wird ein Ideal der Alleinerziehung an ihre Stelle gesetzt, das abstrakt bleibt, weil die Frage niemals wichtig wird, wie dieses neue Ideal wichtige Funktionen der traditionellen bürgerlichen Familie eigentlich übernehmen kann.

Da aber eine dieser klassischen Funktionen, die der finanziellen Versorgung von Müttern und Kindern durch die Väter, nicht einfach unwichtig wird, wenn man sie nur lange genug ignoriert, wird diese Funktion kurzerhand ausgerechnet an die ausgegrenzten Väter delegiert. Ein Outsourcing von Handlungszwängen.

Das Resultat ist eben keine Veränderung bestehender Strukturen, sondern ihre Zuspitzung ins Absurde: Anstatt dass vorwiegend die Mutter sich um die Kinder kümmert, hat nun ausschließlich sie das Recht zur Kindessorge – und anstatt das der Vater bloß einen großen Teil des Tages fern von der Familie im Beruf zubringt, bleibt nun von ihm gar nichts anderes mehr als die Funktion des finanziellen Versorgers übrig.

Was aber soll das? Wer kann ein ernsthaftes Interesse daran haben, begrenzte, aber reale Möglichkeiten der vernünftigen Gestaltung sozialer Interaktion zu ignorieren und sie durch die Illusion einer umfassenden und willkürlichen Handlungsmacht im Sinne abstrakter Ideale zu ersetzen? Bei der Antwort kann ein Kommentar helfen, den LoMi hier bei man tau vor Kurzem gepostet hat.


Nach diesem doch eigentlich recht elegant platzierten Cliffhanger wird der Text (der mir, ehrlich gesagt, ein bisschen zu lang geraten war – ganz unüblich für mich, eigentlich) übermorgen fortgesetzt. Es geht dann unter anderem um die Fetischisierung von Minderheiten, um den Zusammenhang zwischen einer Ablehnung der Biologie und einer seltsamen Art von Politik – und darum, dass die Umwandlung linker Parteien in maskulistische Organisationen möglicherweise kurz bevorsteht.

Hier ist dieser zweite Teil: Wie man durch Unfreiheit Freiheit schafft, rückwärts vorwärts fährt und dabei viel Kuchen bekommt

Das Dewey-Zitat im Text habe ich selbst übersetzt. Hier das Original:

(1) „We continually reason as if the difficulty were in the particular system that has failed and if we were on the point of now finally hitting upon one that is true as all the others were false.”

John Dewey: Individualism, Old and New, in ders., The Later Works, Vol. 5: 1929-1930, S. 41-123, hier S. 99f.

Außerdem:
John Dewey: Human Nature and Conduct, in ders: The Middle Works, Vol. 14: 1922, S. 1-230

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2014/02/23/wie-man-die-biologie-abschafft-die-evolution-blockiert-und-nebenbei-die-ideale-gesellschaft-baut/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Unsere Plattform ist frei von Werbung oder Paywalls und stellt alle Inhalte kostenlos zur Verfügung. Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Artikel, die Ihnen gefallen haben, in Social-Media-Kanälen, liken oder kommentieren. Sharing is caring!

10 Comments

  • Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Da weckst du ja große Erwartungen!

    Ich selbst habe mich am Wochenende einem Selbstexperiment unterworfen: Ich habe mich in die Höhle der Löwin gewagt und an einem Feminismusseminar der Jusos teilgenommen. Meine Eindrücke davon und warum ich mich fortan als Anti-Feminist bezeichnen werde, werde ich in den kommenden Tagen auf meinem Blog veröffentlichen:
    http://nachdenklichermann.wordpress.com/

  • @Schoppe

    Ich bin inzwischen der Meinung, dass der Genderismus in seinen Ambitionen weit über das hinausgeht, was du hier verfasst hast.

    Es geht nicht nur um den Feind namens „Biologie“, sondern der Genderismus ist m.E. inzwischen ein unverhohlenes Projekt zur GEGENAUFKLÄRUNG.

    An der Berliner Universität im Rahmen einer Veranstaltung in den Erziehungswissenschaften geschehen und auch bei genderama nachzulesen, hier fefe: http://blog.fefe.de/?ts=ac026ab7

    Ich zitiere den Kommentar einer Studentin:

    „Um sich diesen Überblick zu verschaffen, waren unter den Pflichttexten auch Autoren wie Platon, Kant und Rousseau zu finden, da diese die Erziehung in unserer Kultur maßgeblich beeinflusst haben.
    Schon in den ersten Sitzungen kam die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden. Daraufhin antwortete der Professor, dass man sich mit der Geschichte auseinandersetzen müsse, um diese zu verstehen.“

    Was den Genderisten und -innen natürlich nicht passte und sie zu verhindern suchten. Wer sich nämlich mit welchen Texten auseinanderzusetzen hat, das bestimmen Genderisten. Als sie aber keinen Erfolg hatten:

    „Die „Gruppe gegen Intoleranz“ (Anm.: Sind sie nicht putzig in der Selbstwahrnehmung?) publizierte dann ein öffentliches Schreiben, in dem sowohl die Erziehungswissenschaft als Fach als auch der Professor diskreditiert wurden. Dieses Schreiben wurde als Flugblatt öffentlich ausgehangen und sein Inhalt kam einer Hetzschrift nahe.“

    Die Situation eskalierte bis zu dem Punkt, dass einer der Studierenden die Polizei rief und diese die genderisten aus der Veranstaltung entfernte.

    Aber auch an anderer Stelle wird lustig weiter in diesem Sinne genderisiert:
    „Der verschwiegene Rassismus der Philosophen“ – gestern auf „telepolis“ erschienen.

    Ich mache es mal kurz: Heidegger, Hegel, Kant, Lichtenberg, Rousseau, Diderot, Voltaire, Wagner, Arendt – alles entweder Rassisten oder Antisemiten oder beides.
    Der Autor, Patrick Spät, wohnt ebenfalls in Berlin.
    Dieses völlig verwirrte Denken greift wie die Pest um sich und ich denke, es ist nicht zufällig so.

    Es geht nicht nur um die Beseitigung der durch die Genderisten völlig falsch verstandenen Biologie, sondern es geht darum, diese und jede andere Wissenschaft und rationales Denken per se unter den Verdacht zu stellen, sie würden „falsche“ Ergebnisse produzieren.

    Und darüber befinden was falsch und was richtig ist, können ausschließlich nur Genderisten und Genderistinnen.

    Womit der blanke Irrationalismus unter den Bedingungen der Herrschaft der Ideologie des Genderismus Einzug in die Gesellschaft halten kann und muss.

    Schönen Gruß, crumar

  • „Anstatt auf dem Bestehenden aufzubauen und es konkret zu beschreiben, orientiert sich dieses Modell der Veränderung an einem abstrakten Ideal und wertet das Bestehende kurzerhand und verallgemeinernd als „falsch“ ab.“

    Dein Rückgriff auf Dewey ist interessant. Der radikale Kritiker verfängt sich eigentlich in Widersprüche. Er muss wenigstens auf die herkömmliche Sprache zurückgreifen, um seine Kritik ausdrücken zu können. Anderenfalls versteht ihn keiner. Er muss die bis dato vorhandenen Erkenntnismittel nutzen, weil es noch keine neuen gibt. Das neue Paradigma arbeitet er aus durch Kritik am alten. Damit hält er es aber auch lebendig, denn er muss es beschreiben und nutzen, um sich dann davon abgrenzen zu können.

    Im Grunde wäre das der Punkt, an dem radikale Kritiker, insbesondere Feministinnen einräumen müssten, dass die als patriarchal verdammte Wissenschaft wohl doch sinnvolles geleistet haben muss. Schließlich behaupten sie, dass sie trotz aller Abgrenzung mit den Mitteln der Wissenschaft arbeiten würden. Und das hier ein Weg frei werden könnte, um die vermeintliche Total-Unterdrückung aufzuheben. Sie müssten zugeben, dass sie aus dem kritisierten System heraus agieren und dass dieses System demnach nicht total sein kann, weil es offenbar Alternativen zulässt.

  • Na holla, ich erwarte intellektuelle Tiefflüge auf Staatsbürgerkundeniveau.
    Eine Film/Tondokumentation dieser politischen Propagandaveranstaltungen wäre darüber hinaus sehr aussagekräftig und daher ratsam. Das Zeug muss gar nicht kommentiert werden, sondern spricht – wie der Mitschnitt einer Honecker-Rede – quasi für sich.

  • Das traurige Beispiel Piraten-Partei offenbart aktuell, an welchen Punkt wir inzwischen gekommen sind. Anfangs postgender angetreten, wurde die Partei aufgrund dessen zur Zielscheibe radikalfeministischer Gender-Zirkel und mit autonomer Hilfe auf Grund gesetzt.
    Die totalitäre Geisteshaltung und antidemokratische, destruktive Vorgehensweise dieser Kulturrevolutionäre ist nun wiederholt zutage getreten.

    Bleibt die Frage: wie diesem ideologischen Furor effektiv begegnen?

    http://piratensumpf.blogspot.de/2014/02/planspiele-die-ins-chaos-fuhren-sollten.html

  • @revolte
    Das Problem der Piraten war m.E., dass „Postgender“ gar nicht akzeptiert werden kann von Genderisten – das wäre der direkte Weg in die Arbeitslosigkeit.
    It´s the economy, stupid! 😉
    Es wurde aus meiner Sicht sehr blauäugig angenommen, es gäbe keine mediale Meinungsmache und keine feministischen Netzwerke, die in die politische Willensbildung der Partei hinein regieren.

    Dabei hat man doch sehr gut verfolgen können, dass die erste Forderung nach Quotierung einherging mit dem medial (orchestriert) durchgesetzten Klischee, die Partei sei frauenfeindlich, weil Frauen nicht adäquat „repräsentiert“ sind.

    Was ebenso wirklichkeitsfremd ist wie eine Forderung nach quotierter männlicher Beteiligung bei einer Partei, die von Erzieherinnen gegründet worden wäre.
    Aber dieser völlig irreale Irrsinn, das nicht existierende „Repräsentanz“, also Dasein, von Frauen automatisch deren vorangegangenen Ausschluss durch Männer beweist – genau dieser Mumpitz musste erst einmal in den Köpfen verankert werden.

    Diese Ideologie muss m.E. als erstes erledigt werden.
    Ich werde mal etwas dazu verfassen.

    Schönen Gruß, crumar

  • > Diese Ideologie muss m.E. als erstes erledigt werden. Ich werde mal etwas dazu verfassen.

    Mach bitte. Das erstaunliche ist ja, wie umfassend hier ein override über einfache logische Operationen passiert ist. Die Logik wurde geradezu auf einen anderen Planeten gebeamt.

    Keiner würde, wenn sich aktuell eine Partei der Hebammen gründen würde, auf die Idee kommen, von einer Unterrepräsentanz der Männer aufgrund einer kollektiven Unterdrückungsabsicht zu faseln. Aber bei den Piraten ist genau das passiert. Natürlich – wieder einmal! – erst dann, als sie etwas bedeutender wurden und dadurch Pöstchen, Geld und Einfluss in Aussicht waren.

    Und so wurde dringend benötigtes kritisches Potential in der seltenen Verbindung mit technischen Fachkenntnissen gekillt. Und das fehlt nun. Schon dafür gehören sie an den Pranger.

  • >Im Grunde wäre das der Punkt, an dem radikale Kritiker, insbesondere Feministinnen einräumen müssten, …“

    Ich befürchte, das ist ein etwas idealistischer Gedankengang. Er gilt nur, wenn die Betreffenden überhaupt ein Interesse an Konsistenz, Geltung einer Aussage, ja überhaupt an Erkenntnisgewinn haben. Aber der Wunsch nach Erkenntnisgewinn setzt Offenheit voraus.
    Ich befürchte, die mentalen Zustände einiger Akteure sind Teil eines anderen Trips.
    (In diesem speziellen Fall würde ich gern mal die Bilder eines Gehirnscans sehen. Ich vermute, insbesondere die Areale für emotionale Erregung würden eine stark erhöhte Aktivität zeigen. An ein paar anderen Stellen könnte es geradezu dunkel aussehen ….)

    >Dein Rückgriff auf Dewey ist interessant.
    Mir sprang die Ähnlichkeit zwischen dem Dewey-Ansatz und einer systemischen Kommunikationstheorie ins Auge.
    Ist mal wieder ein Beleg für meine These, dass man aus ganz verschiedenen Theorierahmen heraus zu ähnlichen Einsichten gelangen kann, wenn man sich an Phänomenen abarbeitet ;-).
    Bin also ebenfall gespannt auf die Fortsetzung.

  • @ LoMi, Seitenblick „Im Grunde wäre das der Punkt, an dem radikale Kritiker, insbesondere Feministinnen einräumen müssten, …“ Ich befürchte, das ist ein etwas idealistischer Gedankengang. Er gilt nur, wenn die Betreffenden überhaupt ein Interesse an Konsistenz, Geltung einer Aussage, ja überhaupt an Erkenntnisgewinn haben“

    Das wäre wirklich schön, wenn es tatsählich Diskussionen einer wissenschaftliechen Community gäbe, deren Teilnehmer bei allen unterschiedlichen Interessen eine Begeisterung für das gemeinsame Ringen um Wahrheit mitbrächten. Allerdings gibt es das ja auch in manchen Bereichen nicht, die mit Feminismus oder Gender überhaupt nichts zu tun haben.

    Was Gender-Ansätze aber als besondere Blockade anschleppen, ist m.E. eine auf Permanenz gestellte Moralisiererei. Ich weiß nicht, ob man sowas auf Gehrinscans entdecken kann – aber wenn der Gegner nicht nur unrecht hat (sowieso), sondern auch noch prinzipiell destruktiv ist, dann ist es natürlich geradezu unmoralisch, ihm auch nur IRGENDETWAS einzuräumen.

    Dass das natürlich und bekanntlich auch umgekehrt funktioniert, ist kein großer Trost, weil es umgekehrt ja bei Weitem nicht so stark institutionell getragen wird.

Kommentar verfassen

close

Enjoy this blog? Please spread the word :)