Geschlechterdebatte

Wie man durch Unfreiheit Freiheit schafft, rückwärts vorwärts fährt und dabei viel Kuchen bekommt

Evolution
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Ein Professor der Erziehungswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität hatte – darauf macht Crumar in einem Kommentar zum ersten Teil dieses Textes aufmerksam – in einer Vorlesung für Erstsemester einen entscheidenden Fehler gemacht: Er hatte nämlich, wie eine Studentin der Vorlesung berichtet,  unklugerweise „unter den Pflichttexten auch Autoren wie Platon, Kant und Rousseau“ aufgenommen.

Das geht natürlich nicht, und so kam selbstverständlich unter dem hoffnungsvollen akademischen Nachwuchs der Bundeshauptstadt „die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden“. Da Frauen ja bekanntlich immer unterdrückt wurden, kann man eigentlich auch gleich fragen, warum man überhaupt Texte lesen sollte, und überhaupt, wieso ausgerechnet im Studium, aber in dieser gedanklicher Konsequenz gingen die Beteiligten nicht vor. Nicht ganz.

Die Frage danach, ob die Lektüre eigentlich legitim sei, wurde auch „im Zusammenhang mit Autoren wie z.B. Kant und Rousseau wiederholt gestellt“ – schließlich ist deren Verhältnis zum Rassismus ja, gelinde gesagt, ungeklärt.

„Den Höhepunkt dieses Gefechts bildeten dann die Vorfälle in der letzten Vorlesung. Die kleine Gruppe Studierender, die zuvor Fragen gestellt hatte, rekrutierte, wie es aussah, einige ihrer Kommilitonen der Gender-Studies, die dann ironischerweise lautstark applaudierten und jubelten, sobald der Professor anfing zu reden. Diese letzte Vorlesung war für die meisten Studierenden ungemein wichtig, da auf Verständnisfragen bezüglich der klausurrelevanten Themen eingegangen werden sollte. Dies war nun nicht möglich. Der Professor versuchte in dem Chaos auch eine Annäherung, ging zu den Beteiligten, die in den Bänken saßen und versuchte ein Gespräch. Parolen wurden gerufen, er wurde ignoriert.“

Was soll das? Woher kommt – und zwar nicht auch, sondern ausgerechnet im akademischen Bereich – die Lust an Freund-Feind-Strukturen, mit denen Abwertungen im Rundumschlag verteilt werden und einer als korrupt wahrgenommenen Welt schnurstracks der Glaube an die eigene Lauterkeit entgegengehalten wird, die sich ganz gewiss, und ohne Kompromisse machen zu müssen, schließlich gegen die verderbte Welt behaupten kann?
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Der evolutionäre Sinn der Freude an der Rückentwicklung ist noch nicht vollständig geklärt (Quelle)
Der erste Teil dieses Textes endete mit einer ganz ähnlichen Frage: Wer kann ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Weise begrenzte, aber reale Möglichkeiten der vernünftigen Gestaltung sozialer Interaktion zu ignorieren und sie durch die Illusion einer umfassenden und willkürlichen Handlungsmacht im Sinne abstrakter Ideale zu ersetzen?

Wie man Handlungszwänge los wird und aus Minderheiten Fetische bastelt Es sei, so LoMi hier in einem Kommentar mit Bezug auf den Soziologen Karl Otto Hondrich,
„ein grenzenloser Optimimus, alles gestalten und umformen zu können. Davon hat Hondrich die Soziologie abgegrenzt, weil diese sich eigentlich mit unvermeidlichen Handlungslogiken beschäftige, die der Mensch nicht gestalten könne.“
Auch wer Geschlechter als soziale Konstruktionen begreift, könnte diese Konstruktionen eigentlich jeweils daraufhin überprüfen, welche Funktion sie erfüllen und welche Grenzen sie haben. Wer hingegen im Anschluss an Judith Butler die „heterosexuelle Matrix“ lediglich als Reproduktion gesellschaftlicher Herrschaft begreift, interessiert sich nicht für solche konkreten Überlegungen, sondern weiß auch ohne näheres Hinsehen und abstrakt immer schon, dass sich etablierte Geschlechterverhältnisse weitgehend auf die Funktion der Herrschaftssicherung reduzieren lassen.
Pragmatische Handlungszwänge, wie etwa der Zwang des Gelderwerbs, können dabei großzügig als irrelevant übersehen und komplikationslos auf das Konto umfassender Herrschaftsstrukturen gebucht werden – als könnten wir ohne diese Strukturen schnurstracks frei von solchen Handlungszwängen sein. Die Idee der umfassenden Reproduktion von Herrschaftsstrukturen im traditionellen Geschlechterverhältnis etabliert so eine bequeme Spaltung der Wirklichkeit, bei der einer verbissenen und notorisch abstrakten Herrschaftskritik auf der anderen Seite die Illusion einer umfassenden Handlungsmacht gegenübersteht.

 

Besonders verdächtig wird in einer solchen Perspektive der Begriff der „Normalität“. Pragmatisch wie evolutionsbiologisch lässt sich leicht erklären, dass es bestimmte Verhaltensweisen gibt, die zwar nicht in jedem Einzelfall, aber im Großen und Ganzen erfolgreich sind, die weiter gegeben werden, sich weiträumig etablieren und schließlich als „normales Verhalten“ wahrgenommen werden.
Das bedeutet nicht, dass davon abweichendes Verhalten falsch oder krank ist, es könnte sogar als Ressource für Veränderungen oder als Erweiterung des Handlungsspielraums begrüßt werden. (Zu eben diesen Zusammenhängen hat Christian Schmidt schon etwas bei der letzten Blogparade geschrieben.)
Allerdings erfüllt auch die Idee der „Normalität“ selbst eine wichtige Funktion. Wir sehen bestimmte Verhaltensweisen als selbstverständlich an, und wir können damit unsere Erwartungen an andere ebenso wie ihre Erwartungen an uns abschätzen. Ohne diese Selbstverständlichkeiten wären wir beständig damit beschäftigt, die Grundlagen der sozialen Interaktion zu hinterfragen, und würden darüber überhaupt nicht mehr zum Interagieren zu kommen.

 

Auch hier aber können Abweichungen von den Selbstverständlichkeiten gleichwohl eine wichtige Funktion erfüllen, beispielsweise als Möglichkeit, über sie zu reflektieren – und dies im konkreten Fall, nicht im ungefähren Allgemeinen.

 

Wer hingegen Verhaltensweisen, die weithin etabliert sind, allein als Reproduktion von Herrschaftsstrukturen begreift, der reflektiert nicht lediglich über die Möglichkeiten, die sich aus abweichendem Verhalten ergeben – sondern er macht aus der Normabweichung einen Fetisch. Die Abweichung von der Norm nämlich lädt er auf mit den Sehnsüchten nach dem abstrakten Ideal des herrschaftsfreien Lebens – als ob beispielsweise Schwule oder Transsexuelle nicht etwa Menschen wären, die in den meisten Belangen ihres Lebens in ganz gewöhnliche pragmatische Alltagsnotwendigkeiten verstrickt sind, sondern stattdessen mehr oder weniger unfreiwillige Avantgardisten einer lichteren Zukunft. (Zu diesem Thema ist ein Brief des Transsexuellen Walter Greiner an Genderama sehr lesenswert.)

 

Hier kann auch eine Kritik am Stuttgarter Bildungsplan ansetzen, die sich nicht auf eine Gegnerschaft gegen Homosexualität kapriziert. Es ist ganz gewiss gut vertretbar, dass der Bildungsplan das Ziel hat, Ausgrenzungen von Schülern aufgrund bestimmter Eigenschaften entgegenzutreten. Warum aber fixiert sich der Plan so sehr auf sexuell konnotierte Ausgrenzungen, warum etwa ist die so wichtige soziale Ausgrenzung für ihn irrelevant? Und wenn er sich auf sexuelle Zusammenhänge konzentriert, warum geht es ihm dann wieder und wieder um Homosexuelle und Transsexuelle, aber niemals, beispielweiese, um Sadomasochismus? Warum also nur LGBT, kein BDSM?

 

Anders gefragt: Was haben Homo- und Transsexualität, die ja als sexuelle Orientierung oder als geschlechtliche Identität ganz unterschiedlichen Kategorien angehören, miteinander gemein, das sie auf der einen Seite von BDSM, auf der anderen von den Formen sozialer Diskriminierung unterscheidet?

 

Mir fällt tatsächlich als Gemeinsamkeit nur ein, dass sich sowohl Homosexuelle als auch Transsexuelle aus unterschiedlichen Gründen in Distanz zu traditionellen heterosexuellen Partnerschaften befinden. So verständlich es aber sein mag, Jugendliche, die außerhalb heterosexueller Selbstverständlichkeiten leben, vor Diskriminierungen zu schützen – der Bildungsplan setzt diese Absicht auf seltsame Weise um, wenn in ihm die Distanzierung von herkömmlichen heterosexuellen Partnerschaften als Bedingung für die „Akzeptanz“ diskriminierter Gruppen erscheint.

 

Dass die Landesregierung nicht pragmatisch mit der Situation umgeht, sondern sich (ebenso allerdings wie auch Gegner des Bildungsplans) in Freund-Feind-Mustern verfängt, zeigt sich an ihrer Reaktion auf Kritik. Anstatt eine Diskussion ihres Regierungshandelns als demokratische Selbstverständlichkeit anzusehen, stigmatisiert sie Kritiker generell als „homophob“ und verweist ihre Kritik in die „unterste Schublade“.

 

Anstatt also etwa konkrete Möglichkeiten zu entwerfen, Homosexuellen an Schulen das Leben zu erleichtern, benutzt die Landesregierung sie als Deckung und versteckt sich hinter ihnen, um offene Diskussionen ihrer Politik vermeiden zu können.

 

Quoten für die Reichen, Pay Gaps für die Armen, Kuchen für mich Damit aber ist immer noch nicht klar, welchen Sinn es eigentlich hat, pragmatische Handlungszwänge – aber eben auch Handlungsmöglichkeiten – zu Gunsten der Illusion umfassender idealer Handlungsmacht zu ignorieren. Ein weiteres Zitat Dewey kann bei der Antwort vielleicht helfen.

Dewey versteht einige klassische Probleme der Philosophie, wie etwa das Leib-Seele-Problem, als Spiegelung sozialer Strukturen. Eine Geringschätzung der Auseinandersetzung mit dem Materiellen und eine Idealisierung abstrakter Formen bringt er beispielweise mit der Struktur der antiken griechischen Gesellschaft in Zusammenhang:

„Formen sind ideal, und das Ideale ist das Rationale, das von der Vernunft begriffen wird. (…) (Die) griechische Reflexion, die von einer müßigen Klasse im Interesse einer Liberalisierung der Muße getragen wurde, war vorwiegend die des Zuschauers, nicht die des Teilnehmers am Prozeß der Produktion. Arbeit, Produktion, schien keine Formen zu schöpfen, sie hatte es mit der Materie oder mit sich wandelnden Dingen zu tun (…).“  (1)
Das gilt so nicht nur für die griechische Antike. Wer sich die Illusion umfassender Handlungsmacht bewahrt, Geschlechter beispielweise abstrakt allein als „soziale Konstruktionen“ versteht, die – etwas guten Willen vorausgesetzt – auch einfach ganz anders konstruiert werden könnten, und wer dabei pragmatische Handlungszwänge ebenso ignoriert wie die biologischen Grundlagen unseres Lebens – der muss sich diese Position überhaupt erst einmal leisten können.

 

Diese Position kann sich aber nur jemand leisten, der daran gewohnt ist, dass ihm andere Menschen alltägliche Handlungsnotwendigkeiten abnehmen.

 

In diesem Sinn ist die Spaltung der Welt in das Ideal ihrer umfassenden Formbarkeit auf der einen und die Abwertung der konkreten, also biologischen oder sozialen Gegebenheiten auf der anderen Seite ein schlichter Ausdruck von gesellschaftlichen Privilegien. Das bedeutet nun nicht, dass Frauen allüberall gegenüber Männern privilegiert wären – aber feministisch inspirierte Gender-Konstrukte sind hervorragend geeignet, um die Interessen wohletablierter, privilegierter, bildungsbürgerlich sozialisierter Gruppen gegenüber anderen Gruppen der Gesellschaft zu verteidigen.

 

Wer die internen Konflikte der bürgerlichen Geschlechterordnung auf die Gesellschaft insgesamt projiziert und sie dort zu deren Hauptwiderspruch hochspielt, der weigert sich, etwas anderes wahrzunehmen als das, was er ohnehin immer schon kennt. Das ist wesentlich effektiver, als offene Debatten um soziale Gerechtigkeit durch einfache Verbote zu verhindern – sie werden stattdessen ersetzt und durch farcehafte Simulationen aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt, die das vertraute Muster des Klassenkampfes als Geschlechterkampf nachspielen.

 

Diese Fixierung auf Ersatzdebatten ist natürlich kein Ergebnis einer heimlichen Verschwörung, sondern eher das Resultat einer konsequenten, aber weitgehend uneingestandenen und in ihren Konsequenzen unreflektierten Verbürgerlichung von politischen Gruppierungen mit einem „linken“ Selbstverständnis. Der Wille, die eigenen Privilegien zu verteidigen, trifft sich hier mit dem Bedürfnis, sich zugleich als integre, sozial verantwortliche Streiter für die Belange Unterprivilegierter präsentieren zu können. „Dann sollen sie doch Kuchen essen (aber bitteschön nicht meinen).“

 

Besonders bedrückend ist natürlich die Entwicklung der ehemaligen Arbeiterpartei SPD, deren Protagonisten sich mit Konvertiteneifer die Klischees des Geschlechterkampfes zu eigen gemacht haben (dazu ist bei Cuncti gerade ein Buch von Klaus Funken erschienen: Zum 150sten keine Festschrift. Anmerkungen zur SPD heute).

 

Wenn der sozialdemokratische Justizminister Heiko Maas im Gleichklang mit der sozialdemokratischen Frauen- und Familienministerin Manuela Schwesig dem Gesetz zur Frauenquote in Aufsichtsräten „oberste Priorität“ einräumt, dann schieben beide erstaunlich selbstverständlich die Interessen einer kleinen Gruppe ohnehin schon Privilegierter in den Mittelpunkt ihrer Politik.

 

Weniger privilegierte Frauen hingegen werden durch die Rede vom „Gender Pay Gap“ abgespeist, die verbissen in der öffentlichen Debatte gehalten wird, obwohl ihre sachliche Haltlosigkeit vielfach belegt ist: Frauen, die wenig verdienen, erfahren, dass es ganz gewiss allein die Bevorzugung der Männer sei, unter der sie leiden.

 

Unterprivilegierte Männer wiederum erfahren, dass sie im Vergleich zu Frauen noch immer viel zu viele ungerechtfertigte Vorteile genießen.

 

Auch diese Diskussionen bleiben sorgfältig im Abstrakten und Allgemeinen – je mehr bei der Untersuchung des Verdienstes von Männern und Frauen auf den konkreten Kontext geachtet wird, desto mehr verschwindet bekanntlich der Eindruck einer Lohn-Diskriminierung von Frauen.

 

Problematisch ist vor allem, dass diese Form der Politik sich mit großer Entschlossenheit in öffentlichen Institutionen festbeißt. Ebenso abstrakt wie die Diskussion über das Gender Pay Gap bleiben beispielsweise die Klischees der „geschlechtergerechten Sprache“, deren Verwendung an manchen Universitäten verpflichtend und die für einige Dozenten (generisches Maskulinum) gar Bedingung dafür ist, studentische Arbeiten überhaupt anzunehmen. Soziale Gerechtigkeit wird nach dieser Vorstellung, so abstrakt wie nur möglich, durch die mechanische Manipulation grammatikalischer Regeln produziert.

 

Dieses Vorgehen wird nur Menschen einleuchten, deren alltägliche Wirklichkeit tatsächlich vorwiegend sprachlich verfasst ist und die gegenüber den meisten pragmatischen Handlungsnotwendigkeiten gleichgültig bleiben können. Auch die Plausibilität „geschlechtergerechter Sprache“ begrenzt sich damit weitgehend auf einige privilegierte Gruppen, die im Allgemeinen einen akademischen Hintergrund haben – und auch dort weitaus eher auf Sozial- und Geisteswissenschaftler als auf Naturwissenschaftler. Diese nämlich werden kaum der Illusion erliegen, Wirklichkeit ließe sich tatsächlich dadurch ändern, dass jedem zweiten Substantiv ein „_in“ angehängt wird.

 

Wie man linksrum nach rechts und rückwärts vorwärts fährt Nun aber lässt sich die Ablehnung biologischer Argumente in den Gender Studies besser verstehen. Anders als die Chemie oder die Physik tritt die Biologie in eine direkte Konkurrenz zu gendertheoretischen Erwägungen, weil eben auch sie systematisch Aussagen über die Bedingungen menschlichen Verhaltens trifft. Die Ablehnung begründet sich allerdings kaum auf dem Vorwurf der „Naturalisierung“ der Geschlechter – naturalisierende und generalisierende Äußerungen über Männer sind Gender-Theoretikerinnen schließlich in aller Regel kaum der Rede wert.

 

Allerdings stimme ich Crumar völlig zu, wenn er hier in den Kommentaren schreibt:
„Es geht nicht nur um den Feind namens ‚Biologie‘, sondern der Genderismus ist m.E. inzwischen ein unverhohlenes Projekt zur GEGENAUFKLÄRUNG.“

Die Gegnerschaft zur Biologie ist nicht das wesentliche Anliegen dieses Projekts, sie ist aber symptomatisch. In dieser Ablehnung zeigt sich eher eine fatale politische Schwerpunktsetzung: eine Fixierung auf die Illusion beliebiger Formbarkeit menschlichen Verhaltens und auf abstrakte Ideale.

Diese Fixierung ist notwendig verbunden mit einer Gegnerschaft zu pragmatischen und evolutionären Überlegungen, die bestehende Strukturen nicht im hoffnungslosen Vergleich mit abstrakten Idealen abwerten, sondern deren Funktion und Grenzen untersuchen – die an konkreten Nachweisen der eigenen Positionen interessiert sind – und die auf dieser Basis auch konkrete Handlungsalternativen entwerfen können.

Es ist eine Fixierung in entschlossener Gegnerschaft zu evolutionären Modellen, seien sie nun biologisch, politisch oder soziologisch formuliert.

Gerade aber, weil es nicht allein um Biologie und auch nicht allein um Naturwissenschaft geht, ziehen Gegner dieser Fixierung die Grenzen an einer falschen Stelle, wenn sie einen Fakultätenstreit inszenieren und im Gegenzug gegen Sozial-und Geisteswissenschaften polemisieren. Ein Beispiel, eines von vielen möglichen, ist ein Text von Hadmut Danisch, in dem er einen Beitrag von Christoph Kucklick empfiehlt, zwischendurch aber kaum an sich halten kann.

Der Begriff „Diskurs“  ist ihm selbstverständlich ein „Begriff aus dem Reich des Geisteswissenschaftlergeschwätzes“, er listet „Erkennungsmerkmale für Sozioschwätzer“ auf und kritisiert Kucklick dafür, dass er „mittendrin aber auch mit diesem saudummen Gender-Geschwätz daher“ käme. Ebenso wie andere Positionen, die Judith Butler gemeinsam mit Theodor Adorno oder der Einfachheit halber gleich mit der ganzen Soziologie als „Sozialkonstruktivismus“ verdammen, zieht Danisch hier die Grenzen, die Gender-Theoretikerinnen kalkulierend setzen, einfach nur von der anderen Seite nach.

 

Tatsächlich läuft die Grenze nicht zwischen den Fakultäten, und eine überzeugende Position gegen gendertheoretische Positionen und ihre politische Verwendung lässt sich nur formulieren, wenn deutlich wird, dass es dort um etwas ganz anderes geht: um die Sicherung von Privilegien – um die Besetzung öffentlicher Debatten mit narzisstischen Positionen, in denen privilegierte Gruppen ihre internen Probleme zu Grundproblemen der Gesellschaft emporschreiben und hinaufschreien – um die Etablierung fester Freund-Feind-Strukturen  – und um die Verhinderung von Entwicklungen.

 

Dass die damit verbundene Politik umfassender Formbarkeitsillusionen feministisch daherkommt, ist allerdings nicht notwendig. Diese Orientierung hat ihren Grund wohl darin, dass feministische Positionen in aller Regel an eben die gesellschaftlichen Strukturen anknüpfen, die zu überwinden sie vorgeben – insbesondere an schroffe Gegenüberstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit und an stillschweigend reproduzierte Erwartungen an männliche Versorgungsleistungen.

Würde der Maskulismus eine bessere Möglichkeit bieten, eine reaktionäre Politik der Privilegiensicherung als progressiv verkaufen zu können, dann würden sich die Parteien der bürgerlichen Linken vermutlich innerhalb von kurzer Zeit in maskulistische Parteien verwandeln.

Was allerdings nicht bedeutet, dass das ein vernünftiges politisches Ziel wäre.

(1) John Dewey: Erfahrung und Natur, Frankfurt am Main 1995, S. 100

Dieser Text ist der zweite Teil eines längeren Textes. der erste Teil ist dies: Wie man die Biologie abschafft, die Evolution blockiert und nebenbei die ideale Gesellschaft baut

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24 Comments

  • Ist da nicht exemplarisch eine Selbstverortung aller möglichen Anliegen aus den 68er-Protest-Aktionen gewachsen, die in der Rückschau offenlegt, wie wenig man damals an Kompromiss und Ausgleich interessiert war und bis heute eine akademische Jugendlichkeit gewachsen ist, die die eigene Meinung über alle Logik oder Wissenschaft, über alle Höflichkeit oder die Dialogfähigkeit ins Unsägliche terrorähnlicher Praktiken gesteigert hat?

    Man kann kein geistes- oder naturwissenschaftliches Fach studieren, ohne auf die Altvorderen zu stoßen und diese auch ernst nehmen zu müssen, ob diese nun Rassisten oder allerliebster Ausdruck eines Paradieses waren, in der die Lämmer bei den Löwen liegen.

    Wenn nun die schlechtesten menschlichen Verhaltensweisen über den wissenschaftlichen Anspruch obsiegen, liegt es wohl an der Zugangsberechtigung zu den Universitäten. Seit es das Abitur für 40 – 60 Prozent eines Jahrgangs für lau gibt, außer in den „harten“ Studiengängen jeder mit „sehr gut“ oder „gut“ benotet wird, der mehr als einen Haupt-Nebensatz schreiben kann, scheint die Exzellenz-Initiative mehr als gescheitert. Es tummeln sich immer mehr formelle und eigentliche Realschüler an den Universitäten, die intellektuell schon mit einer Fachhochschulausbildung überfordert wären.

  • „Es tummeln sich immer mehr formelle und eigentliche Realschüler an den Universitäten, die intellektuell schon mit einer Fachhochschulausbildung überfordert wären.“ Was ja eine Gegenthese zu meiner These ist, dass Genderisten vor allem Bewahrer elitärer Privilegien sind. Mir ist allerdings bei der Aktion, die Crumar zitiert hat, natürlich auch der Gedanke gekommen, dass es dabei einfach darum ging, sich Mühe zu ersparen – die Mühe nämlich, sich in Platon, Kant oder Rousseau hineinzuarbeiten.

    Entscheiden kann man das nur an Daten, und die hab ich nicht. Mein Eindruck aus universitären Diskussionen ist aber wieder und wieder derselbe gewesen, dass nämlich die Diskussion sozialer Ungerechtigkeiten zurücktritt, sobald es um „Gender“ geht.

    Zudem glaube ich nicht, dass die Zig-Millionen, die für die Gender Studies rausgehauen werden, einfach nur eine Investition in „formelle und eigentliche Realschüler“ sind.

    Übrigens ist das Abitur in den letzten Jahren sukzessive schwerer geworden, die Anforderungen größer. Es stimmt natürlich – dadurch, dass das Abitur heute viel häufiger ist als früher und an vielen Orten zum Regelabschluss geworden ist, hat es natürlich auch seinen Wert verloren – eine Inflation eben. Manche Berufe, die früher ganz gewöhnliche Lehrberufe für Jugendliche mit Haupt- oder Realschulsbaschluss waren, erwarten heute bekanntlich das Abitur.

    Das aber sind, gewissermaßen, Marktprozesse. Das hat nichts damit zu tun, dass das Abitur tatsächlich auch leichter und unkomplzierter geworden wäre.

  • Eine reaktionäre Politik der Privilegiensicherung als progressiv verkaufen gelingt nur mittels Erpressung und Deutungsmacht. Rational ist diese Politik nicht da eben ein unverhohlenes Projekt zur Gegenaufklärung. Insofern sollte im gleichen Maße über effektive Gegendruckmittel nachgedacht werden.
    Bei den Piraten haben kürzlich die Administratoren gestreikt, nachdem ihnen das irrationale Treiben jener aggressiven Kulturrevolutionärinnen aus dem Genderseminar zu bunt wurde. Natürlich viel zu spät. Das hätte damals schon während der klar antidemokratischen PiratinnenKon passieren müssen, denn inzwischen ist die Partei dank Anke Domscheit & Co so gut wie tot.

    Diese Gegenaufklärung läuft letzthin nur auf weitere Radikalisierung und Konfrontation hinaus.

  • „Übrigens ist das Abitur in den letzten Jahren sukzessive schwerer geworden, die Anforderungen größer.“

    Das erinnert mich an einen Aufsatz der Bildungsforscherin Heike Solga. Sie schrieb, dass entgegen der allgemeinen Annahme fortgesetzter schulischer Laschheit die Lernmenge der heutigen Schülergenerationen größer geworden ist. Im Vergleich mit früheren Generationen hätten sogar Hauptschüler ein höheres Lernvolumen, hieß es da.

    Ich glaube auch nicht, dass die Aktion in Berlin der Überforderung entspringt, sondern dass da auch intelligente Leute eher eine allgemeine Haltung demonstriert haben. Diese Haltung können auch Leute vertreten, die im höchsten Maße bildungsfähig wären. Es ist also eher eine Kulturfrage, keine Frage des Vermögens.

  • @ ReVolte Die Partei benimmt sich mittlerweile nur noch so, wie sich die Piraten bei Asterix benehmen – aus lauter Angst, mit den Galliern in Kontakt zu kommen, versenken die sich prophylaktisch lieber selbst. Und das wieder und wieder.

    Dass die Euphorie der schnellen Aufstiegs sich nicht halten würde, war ja keine Überraschung. Aber dass die Piraten so extrem abstürzen, hat etwas Irres. Die Themen der Piraten sind ja nicht unwichtiger geworden, im Gegenteil. NSA, Vorratsdatenspeicherung, demokratische Prozesse außerhalb der etablierten Medien im Internet – eigentlich sind das alles Elfmeter für die Piraten. Aber die Elfmeter verschießen die nicht mal – stattdessen laufen die zum eigenen Strafraum und säbeln da ihren Torwart um.

    Ich glaube auch, dass die Rücksichtslosigkeit und Irrationalität, mit der sich Helm, Höfinghoff, Schramm und andere Extreme in die Öffentlichkeit schieben, eine wichtige innerparteiliche Funktion hat. Rationalere, behutsamer argumentierende Piraten werden dadurch völlig aus dem Fokus der Öffentlichkeit getreten – der bei den Piraten ja ohnehin nur noch klein ist.

    Tatsächlich müsste die Partei Gegendruck aufbauen. Aber selbst der Orgastreik, der ja eigentlich nur ein vorsichtiger und später Warnstreik war, wurde von manchen der Extremen schon als enorm extreme Aktion erlebt.

    Aber eigentlich sind die Piraten in meinen Augen eh politisch tot. Interessant an der gegenwärtigen Situation ist vor allem, WAS passiert, wenn Extreme sich in einer Bewegung weit in den Vordergrund spielen können – und WIE das funktioniert.

  • Natürlich liegt es daran, dass dort die Leute überfordert sind!
    Sehen wir uns doch einfach mal die letzten Einflussnahmen in diese Richtung an. Die deutsche (oder arische) Physik wollte unter anderem ein Nobelpreisträger mit Namen Philipp Lenard einführen. Hier wollte er so blöde Dinge wie die bösen Quanten und deren Mechanik genau so ausklammern wie die Relativität und zugehörige Theorien. Nun darf man sich nicht täuschen lassen, bereits 1930 waren Nobelpreisträger höchstens auf Realschulniveau.

    Aber auch die 68er mit Meinhof und Ensslin und den ganzen anderen verkappten Freizeitrevolutionären, die damals auch maximal auf Hauptschulniveau waren, und glaubten in einem Unterdrückerstaat zu leben, dieses sogar im Staats-TV verbreiteten und sich von einer freiheitlich demokratischen Republik am anderen Ende von Deutschland finanzieren ließen, waren absolut überfordert. Sonst hätten sie gemerkt, dass die BRD-Bürger sogar bis Malle in den Urlaub dürfen, die Brüder und Schwestern in der DDR aber nicht mal Tante Käthe’s Garten im Westen besuchen können.

    Aber ich kann da ja auch nicht viel zu sagen, denn ich habe meinen Hauptschulabschluss, übrigens bei einem Pisaspitzenreiter, vor 30 Jahren erworben. Damit bin ich heute wahrscheinlich auf Grundschulniveau ;-D

    Spaß beiseite, ich denke es ist gerade auch diese Elitehaltung, die z. B. Abiturienten entgegengebracht wird. Selbst ein Kowalewski, der Frauenpolitische Sprecher der Piratenfraktion in Berlin, der sich als Feminist bezeichnet und auch sonst von mäßigem Verstand zu sein scheint, sieht es als Privileg an, sein Abitur als einer der Jahrgangsbesten hingelegt zu haben. Was wollen wir mehr? Menschen wie er oder auch Matussek, der Goethe, Heine, Hesse und sonst was gelesen und (nach eigener Aussage) sogar verstanden hat, können trotzdem in anderen Gebieten absolute Deppen sein. Und um dem noch einen drauf zu setzen, Mons. le President Hollande, Abschluss an einer franz. Eliteuni, hat den Schuss ebenfalls nicht gehört. Aber machen wir uns nichts vor, in 100 Jahren ist der maximal Kindergartenniveau…

    Wie eigentlich alle, die eine Vision, eine höhere Idee über all das stellen, was sie als Wirklichkeit wahrnehmen, aber nicht wahrhaben wollen oder können…

    Gruß
    Kai

  • „Besonders bedrückend ist natürlich die Entwicklung der ehemaligen Arbeiterpartei SPD, deren Protagonisten sich mit Konvertiteneifer die Klischees des Geschlechterkampfes zu eigen gemacht haben …“

    Eigentlich müsste man von der Linken wesentlich lautere Töne hören, was feministische Politik betrifft. Ich finde, zumindest nach der oberflächlichen Betrachtung, dass gerade die SPD wesentlich aggressiver auftritt was Frauenrechte betrifft. Dies kann natürlich auch nur an meinen einseitigen Erfahrungen liegen.

    Im Gegensatz zur Linken, die an Sozialismus und „alle haben sich lieb und tanzen ringelrein nach erfüllung des 4 jahresplanes“ glaubt, ist die SPD immer eine Interessenvertretung gewesen. Zuerst für den kleinen Mann, den sie aber spätestens mit Harz 4 abserviert hat. Jetzt ist die SPD halt eine Interessenvertretung für dumme und geldgierige PolitikerInnen, mehr nicht. Nur so kann ich mir erklären, das es eine Linke war die Tritin konterte, als dieser unter dem Applaus seiner Grünfrauen von intelligenteren Mädchen fabulierte. Die SPD Frauen sind immer mehr in den Fokus gerückt, egal wie dumm die Forderungen auch sind. Die Gewerkschaften, die ebenfalls immer feministischer wurden, und auch nur eine reine Vertretung derer sind, die immer mehr vom Kuchen abhaben wollen, bilden hier keinen Regulator mehr, an dem die SPD sich ausrichten kann. Ohne diesen aber, ist die SPD sich selbst und damit auch der AG Frauen und immer feministischeren Gewerkschaften ausgeliefert, die gleiche Thesen wie die SPD selbst fordern. Nur so kann ich mir erklären was da gerade abläuft…

    Und ob ich nun die 35h Woche ausrufe, obwohl ich als Land schon längst gegen „Billiglohnländer“ konkurrieren muss, oder ob ich es als wichtigstes Thema überhaupt ansehe Frauen in Aufsichtsräte zu bringen, ist hierbei egal. Jede noch so überzogene Forderung wird umgesetzt, Hauptsache es gibt Wählerstimmen, oder auch nur Ruhe in der Partei.

    Wenn ich mir ansehe dass ein Gabriel jetzt bejubeld wird, weil er einmal in der Woche seine Tochter aus dem Kindergarten abholt um HotteHü zu spielen, dann frage ich mich, ob die noch alle Latten am Zaun haben. Mir ist es egal wann er in seiner 70h Woche Zeit für seine Tochter abzwackt, genau so wie bei Nahles, wo mir das absolut egal ist. Aber das ist die heutige SPD, Männer machen Wirtschaft und Recht, Frauen Sklavenarbeit und Familie. Danke für das neue Genderkonzept liebe SPD!

    Ich traue, wenn Gender voll gegen die Wand fährt, der Linken zu die SPD zu beerben. Dazu müsste man eigentlich mal mehr schauen was die Linken in dem Bereich machen…

    Gruss
    Kai

    PS:
    Wo sind eigentlich alle Kommentatoren hin? Sind die alle beim Schifahren oder lesen die alle Arne Hoffmanns neues Buch???

  • Was wenn Frauen im statistischen (kontextuell unbereinigten, also nicht fair vergleichenden, aber immer von feministischer Seite angeführten) Mittel mehr als Männer verdienen würden – wenn also der sog. „Gender Gap“ umgekehrt wäre?
    Dann würden Feministen damit argumentieren, dass Frauen mehr an Steuern bezahlen würden (was Männer heute tun). Diskriminierung! … Aufschrei!

    Oder was wenn Männer tatsächlich mehr Zeit mit Kindern als Frauen verbringen würden, also nicht im mehr mehrheitlich die Versorgerrolle hätten?
    Dann würden Feministen plötzlich die entdecken, dass Kinderhüten und Hausarbeit nicht mehr eine Belastung sondern ein Vergnügen sind. Die armen Frauen bei der Arbeit, während die Männer zu Hause vor dem Fernseher sitzen und eine gute Zeit zur Bindung mit den Kindern verbringen. Und wieder … Diskriminierung! … Aufschrei!

    Nicht nur zeigen diese einfachen Szenarien die Unmöglichkeit von Gleichheit im Daseinsgeschehen und menschlichen Umgang, da Ursache und Wirkung tatsächlich existieren und alles eben über Konsequenz auch zwei oder mehrere Seiten hat, aber niemals nur eine (offenbar und u.a. ist deshalb ist Wissenschaft auch im Weg, insbesondere wohl auch kognitiv).

    Hier gibt es viele weitere solcher Bespiele wie etwa Gleichstellung, die Diskriminierung von Mehrheiten. Auch Genderismus setzt auf solche Mechanismen.

    Ein toller (Taschenspieler-) Trick! Die so missbrauchten Werte werden hier zu versteckten totalitären Machtinstrumenten. Die perfekte Diktatur. Und es wird langsam sichtbar, dass die Lichtscheu feministischer, insbesondere akademischer Genderakteure, mehr als mit bewusstem Betrug zu tun hat.

    Im Gegensatz zu offenkundig sehr wohl auch existierenden Defiziten des männlichen Geschlechts, drückt sich im Feminismus ganz offenbar ein wesentlicher (Neid-)emotionaler und kindlich verantwortungsdelegierender Drang des Weiblichen aus (sicher nicht alle, aber eben auch in allen Graduierungen und manchmal extrem und dies offenbar genau dann, wenn die Möglichkeit dazu gegeben ist – wie in dieser Zeitperiode), der so vorher ganz offenkundig noch nicht in Erscheinung treten konnte. Die Geschlechter sind sich also in nichts besser, eben nur unterschiedlich, auch in ihren negativen Seiten.

    Das obige „Ausbeutungs-Spiel“ kann unendlich fortgesetzt werden, wenn es keine Grenze bekommt. Und mit der unreflektierten Dekadenz des Zeitgeistes, insbesondere der privilegierten Mittelklässlerinnen (die sich ja wie kleine Mädchen unverhohlen als unterdrückt gerieren, um zu Kontrollieren und sich unverdient an anderen bedienen oder sich gegenüber anderen bevorzugen zu können).

    Diesen Dynamiken hat sich die SPD mit ihrem dann doch offenkundig werdenden sozialistischen Hang zum anmaßenden „Mehrheitler“(Bolschewismus)-Tum (siehe Groko) im heuchlerischen Gutmenschengewand offenbar vollens verschrieben. Ihre eigentliche Klientel, die Arbeiterschaft wird gar nicht mehr als solche vertreten.

    Nur noch eine Art heuchlerische wie totalitäre Genderbolschewiki-Bourgois-Partei? Reformierbar? Oder nur einem fatalen narzisstischen wie selbstgerecht-dekadenten westlichen Zeitgeist feministisch-marxistischer Prägung aufgesessen?

  • @petboy Es stimmt – wenn es Ungleichheiten gibt, Verteilungen verschiedener Aufgaben und Mittel – dann wird es immer Möglichkeiten geben, die eine oder andere Seite als diskriminiert wahrzunehmen. Martin Domig hatte dazu im Flussfänger-Blog neulich einen Artikel, den ich sehr schön fand: Das Gras auf der anderen Wiese http://flussfaenger.wordpress.com/2014/02/10/das-gras-auf-der-anderen-wiese/

    Dass eher Frauen als Männer als diskriminiert interpretiert werden, würde ich allerdingsg nicht so interpretieren, dass sich hier ein „kindlich verantwortungsdelegierender Drang des Weiblichen“ ausprägt – allein schon, weil es immer auch Männer gibt, denen offenkundig sehr viel daran liegt, Frauen als diskriminiert zu betrachten.

    Was sich hier auswirkt, sind m.E. Schutz- und Versorgungserwartungen an Männer, gegenüber Frauen – und zwar Erwartungen, die von Frauen wie Männern geteilt werden.

    „Sozialistisch“ finde ich die SPD übrigens gerade nicht – für mich ist „Sozialismus“ allerdings auch kein Synonym für „Gleichmacherei“.Was der SPD fehlt, ist eine Offenheit für Diskussionen (die Geschlechterpolitik ist nur ein kleiner Teil davon), ein Blick für die Lebenssituation ganz unterschiedlicher Menschen, ein simples Gefühl für Fairness – und die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren. Das sind alles Aspekte, die in einem demokratischen Sozialismus einen Platz haben könnten.

  • Moin Kai,

    ich glaube auch, dass es kein Zufall ist, dass es „eine Linke war die Tritin konterte, als dieser unter dem Applaus seiner Grünfrauen von intelligenteren Mädchen fabulierte“ – dass es jedenfalls niemand aus der SPD war. Die Kette der Beispiele lässt sich ja ewig verlängern, einschließlich des Versprechens:

    „Die antifeministische Männerrechtsbewegung wird, wenn wir in Regierungsverantwortung sein sollten, keinerlei Zugang bekommen. Wir werden dafür sorgen, dass progressive und profeministische Kräfte in der Männerpolitik gestärkt werden.““ http://man-tau.blogspot.de/2013/08/die-spd-als-gender-streber-und.html

    Danke aber für den Kommentar, auch an die anderen, die hier schreiben – ich hab in den beiden letzten Texten so viel und so lang theoretisiert, dass ich eigentlich schon die Befürchtung hatte, damit alle zu vertreiben oder in den Schlaf zu schicken. Da ist es eher gut, dass noch eine ganze Menge am Ende mit dabei sind!

    Abgesehen davon lesen sicherlich auch alle Arne Hoffmanns neues Buch.

    Ein Gruß zurück!

  • „ich hab in den beiden letzten Texten so viel und so lang theoretisiert, dass ich eigentlich schon die Befürchtung hatte, damit alle zu vertreiben oder in den Schlaf zu schicken. Da ist es eher gut, dass noch eine ganze Menge am Ende mit dabei sind!“

    Da besteht eigentlich keine Gefahr, denn ich finde die Texte gut. Dewey ist ja ohnehin nicht der schlechteste Ratgeber.

    Ich habe mich auch schon gewundert, dass es hier recht still war in den letzten Tagen. Ich selber hatte halt meinen eigenen Blog aktiviert. Ansonsten ist es eher ein Zeitproblem. Manchmal fehlt die Zeit für einen vernünftigen Kommentar.

  • „Was der SPD fehlt, ist eine Offenheit für Diskussionen (die Geschlechterpolitik ist nur ein kleiner Teil davon), ein Blick für die Lebenssituation ganz unterschiedlicher Menschen, ein simples Gefühl für Fairness – und die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren.“

    Das empfinde ich ebenso. Mein Verdacht ist, dass die SPD zu sehr Regierungspartei geworden ist. Sie orientiert sich deshalb eher an „preußischen Tugenden“, die man braucht, um in der Öffentlichkeit als souverän, geschlossen und nicht zerstritten zu erscheinen. Deshalb vermeidet sie seit Jahren auch echte Debatten. Man ist in der Partei offenbar vielmehr auf Linie und das in vielen Fällen auch freiwillig. Diese Linientreue wird als taktische Notwendigkeit begriffen, um in den Medien nicht allzu sehr als Chaoshaufen dargestellt zu werden.

    Diese Entwicklung ist durchaus verständlich, immerhin musste die Partei 16 Jahre Kohl als nahezu aussichtslose Daueropposition hinnehmen. Viel ist in dieser Zeit kritisiert worden an der SPD. Außerdem festigte sich das Bild, dass eine linke Partei eben zwar als Ankläger gebraucht werde, aber eigentlich nicht regierungsfähig sei. In der Partei selbst gab es Kritiker, die bemängelten, dass den Genossen der Wille zur Macht fehle. Das war später ein Dauerthema des Vorsitzenden Müntefering. Über diesen Willen zur Macht hat die SPD aber vergessen, über sich und die Welt neu nachzudenken. Die Disziplin überwiegt.

  • @Lomi
    Es sollte m.E. nicht vergessen werden, dass der Weggang aus der SPD und Wechsel von Lafontaine zur (dann) Linke nicht nur eine Personalie war, sondern damit einhergehend sich der linke Flügel der SPD von dieser verabschiedete.

    D.h. die dann folgenden „Debatten“ fanden von vorne herein ohne ein wichtiges politisches Korrektiv statt und es unterstützte die Tendenz der Rechtsentwicklung der SPD.
    Ein Zeichen dieser Entwicklung ist in meiner Sicht Sarrazin und das gescheiterte Parteiausschlussverfahren gegen ihn, dass nur hat scheitern können, weil er eine Reihe einflussreicher Unterstützer hat gewinnen können.

    Gruß, crumar

  • „Es sollte m.E. nicht vergessen werden, dass der Weggang aus der SPD und Wechsel von Lafontaine zur (dann) Linke nicht nur eine Personalie war, sondern damit einhergehend sich der linke Flügel der SPD von dieser verabschiedete.“

    Das kommt hinzu. Freilich weiß ich auch aus eigener Erfahrung, dass sich auch eher „rechte“ Sozialdemokraten mit der Frage plagten, was an der Agenda 2010 eigentlich sozialdemokratisch sei. Darauf hatte der Vorsitzende Müntefering keine Antwort, außer der Ansage, Opposition sei Mist. Dagegen haben die Zweifler nicht aufbegehrt, sondern sie haben dies einfach hingenommen. Das scheint mir kennzeichnend für die SPD zu sein. Die SPD hat die Fähigkeit verloren, über die realpolitischen Notwendigkeiten des Tages hinauszudenken. Damit hat sie sich gegen jede Öffnung nach links zugesperrt.

  • Was ich nicht verstehen kann, ist diese Borniertheit, die Interesselosigkeit an historischen Entwicklungen. Hitler war ein Arschloch. Damit wär dann die Zeit des NS abschliessend abgehandelt oder was?

    Es wird hier und nicht nur hier von vielen Linken bemängelt, dass die SPD sich sehr weit von ihren Ursprüngen als politische Vertretung der unteren sozialen Klassen entfernt hat. So sehe ich das auch. Die Erklärung für dieses Phänomen scheint mir aber recht naheliegend zu sein. Das soziale Milieu, aus dem sich die SPD ihre Leute rekrutiert ist nicht primär die Arbeiterschaft, die zahlenmässig in einer dienstleistungsorientierten Ökonomie erheblich an Gewicht verloren hat. Wenn sich der klassischen Industriearbeiter noch mit der SPD halbwegs indentifizieren kann, dann doch bloss wegen mangelnden Alternativen.

    Da der klassische Industriearbeiter, der unter prekären Verdienstverhältnissen schuftet, zahlenmässig keine ausreichende Basis bildet, um als das revolutionäre Subjekt zu gelten, wurde im Zuge der Emanzipation der Frauen – im Wesentlichen bloss die Integration weiblicher Arbeitskraft in die Produktionsprozesse – der Feminismus als Geschlechterklassenkampf als Wiederholung der Geschichte als Farce inszeniert.

    Der Feminismus konnte sich in nahezu allen grossen Parteien etablieren, gerade weil er tradierte Geschlechterverhältnisse in die Postmoderne transformiert. Wenn der zentrale Begriff der sozialen Klasse durch Geschlecht ersetzt wird, dann hat die Linke aufgehört Linke zu sein. Die grosse Koalition ist die logische Konsequenz.

  • Die Generalfrage ist ja: Was ist eigentlich „links“ in der Politik? Daran lassen sich sowohl die Politik der sogenannte „Linkspartei“ als auch der sogenannten Linken in der SPD und den Gewerkschaften messen. Die Linkspartei hat sich von ihren kommunistischen Herkunft noch nicht überzeugend befreit. Selbst die „unsozialisdischen“ Zustände in der DDR werden ja zeitweilig romantisch verklärt z.B endet jeder Parteitag mit dem Absingen der Internatinalem wie es auch bei den Parteitagen der SED üblich war. Kommunismus ist das Synonym für Unfreiheit in Staat und Gesellschaft.Dafür zeugen die Ostblockstaaten, bis zur Neuorientierung der Sowjetunion, aber auch die Zustände In China, Nordkorea und Kuba sind Beweise für die Unterdrückung einzelner kritischer Individuen. Die SPD hat sich seinerzeit im „Godesberger Programm“ von kommunistischen Tendenzen abgegrenzt und der SED bestritten sich überhaupt sozialistisch zu nennen. Die „Linkspartei“ hat den Begriff „demokratischer Sozialismus“ aus dem Godesberger Programm entlehnt, ohne sich von SED und Stasieinflüssen überzeugend zu distanzieren. Auch die westdeutschen kommunistischen Splittergruppen (DKP, KBW, KPD/ML ), die bei den Wahlen in der BRD nie eine Chance gehabt haben sind bei der Linkspartei untergekrochen. Während in der SPD Willy Brandt. Helmut Schmidt, Hans-Joachen Vogel, Johannes Rau u.a. überzeugend „demokratisch sozialistische“ Ziele glaubwürdig verteten haben, haben LaFontaine, Schröder und Müntefering als SPD.Vorsitzende politische Ziele im Interesse der sogenannten Unterpriviligierten völlig verfälscht. LaFontaine konnte es sich leisten , jahrelang auch über die BILD-Zeitung gegen die SPD zu hetzen. Und Schröder und Münterfering haben nicht die Interessen ihrer Wähler und Mitglieder vertreten, sondern sie eher belastet. Spitzensteuersatz für Großverdiener reduzieren und Arbeiter und Rentner belasten, durch die sogenannten unausgegorenen Hartz-Gesetze, durch Riester, und Rente mit 67.Folge war die Mitgliederzahl der SPD hat sich in den letzten Jahren halbiert und der SPD-Anteil ist bei der Bundestagswahl auf 23% gesunken, bei der letzten BTW hat er sich nur unwesentlich erhöht auf 25,6%. Die Arbeiterschaft wählte bei der letzten BTW mehrheilich CDU und nicht mehr die traditionelle „Arbeiterpartei“ SPD.

  • @Peter
    Klassisch marxistisch gesprochen ist deine Reduktion des „Proletariats“ falsch, eine stalinistische Verengung = Industrieproletariat,

    Um das Proletariat handelt es sich im weitesten Sinne bei allen Menschen, die nicht im Besitz der Produktionsmittel (of production and distribution) sind.
    Das ist wirklich so einfach.
    Weniger einfach sind die sozialen Schichten und ihre Stellung in diesem Prozess und in der Gesellschaft.

    Auch die beschönigend als „Dienstleistungsgesellschaft“ beschriebene hat genau die gleiche Struktur nach Klassen – nur eben in diesem Sektor.
    Die große Hoffnung des Kapitals ist von G-W-G´ direkt zu G-G´ zu gelangen – welche perversen Konsequenzen das hat, kann man gerade in den USA beobachten = Finanzkapitalismus + Kriegskapitalismus + Ölindustrie.

    Noch beschönigender ist die Praxis hier, z.B. Leiharbeit als „unternehmensnahe Dienstleistung“ zu beschreiben.
    Also sind die rein nominal Dienstleister und keine Produktionsarbeiter/-innen mehr.
    Ebenso nominal ist das doppelte outsourcing:
    a. schmeißt du als Industriebetrieb dein Kantinenpersonal raus und überträgst die Aufgaben einer catering- Firma = Dienstleister.
    b. überträgst du Aufgaben der Entwicklung eines neuen Produktes an eine Ingenieursgesellschaft = Dienstleister.

    Dann hat man eine Entwicklung, wo sich der Industriebetrieb mirakulös in Umsatz und Gewinn vergrößert und zugleich die Beschäftigung in diesem sich verringert.
    Alles für die Dienstleistungsgesellschaft – notfalls auf Basis von Fälschungen!

    Noch abenteuerlicher läuft es in den USA, wo in den letzten Jahren zusätzlich Millionen Arbeitsplätze nach oversea verlagert worden sind und ganze Industrien ausbluteten.
    Die produzieren nun den Profit, der wiederum die Finanzblase produzierte,

    Es gibt reihenweise Firmen, die gar keinen Produktionsstandort mehr in den USA haben und deren Import von Produkten das wunderbar mysteriöse Handelsbilanzdefizit hinreichend erklären.
    1 Million importierte (China) iPads sind 500 Mille Defizit (USA) und 125 Mille Profit für Apple, den sie aber im Ausland bunkern, um nicht in den USA Steuern zu bezahlen.
    Die nehmen lieber heimisch einen Kredit auf, als die Gewinne im Ausland aufzulösen und in die USA zu transferieren.

    Diesen Blödsinn als keynesianistischen Beitrag der USA zu feiern, die mit der Nachfrage nach Gütern den Weltmarkt beleben, heißt, die Ideologie, die dahinter steckt in vollem Umfang zu bejahen.
    Der gesellschaftliche Bedarf an den Gütern in den USA ist ja noch da, hingegen sind aber die Firmen weg, die diesen Bedarf mit heimischer Produktion decken könnten.

    Die haben die Arschkarte dieser Ideologie haben die Menschen in den USA in so vielerlei Hinsicht gezogen, die können mir noch noch leid tun (wären nicht so viel irrationale Irre darunter).

    Den Geschlechterklassenkampf gibt es nicht.
    „Frauen“ sind keine Klasse – Friede Springer hat mit Lieschen Müller nichts gemeinsam.
    Die Durchsetzung eines theoretischen Wahnsinns war, dem radikalen Feminismus durchgehen zu lassen, „Männer“ wären die Bourgeoisie, weil stolze 2% von ihnen die Produktionsmittel besitzen.
    DAS war schon die FARCE schlechthin.
    LIHOP von Geschichtsfälschung (feminist fake history).

    Und es ist präzise das, was du schreibst: ersetze ich die Frage der sozialen Klasse durch das Geschlecht, dann verpacke ich Machtfragen als Genderfragen.
    Deshalb ist diese Scheindebatte so nützlich.
    Was ist denn die materielle Basis der „tradierten Geschlechterverhältnisse“?
    Um diese Frage wird sich damit glorios herumgemogelt,

    Es wird ein Kollektivsubjekt „Frau“ inszeniert, das es historisch ebenso wenig gab, wie es jemals ein Kollektivsubjekt „Mann“ gab.
    Damit werden Fronten errichtet, die es so nie gab,
    Wenn das nicht nützlich ist im Sinne von Herrschaftspraxis, was ist denn sonst?

    Gruß, crumar

  • @ Crumar

    Ich lese Deine Beiträge immer mit Gewinn. Du solltest einen Blog betreiben, finde ich zumindest, weil Du einiger der wenigen bist, die noch fähig sind, fundierte Kritik aus linker Perspektive an der „real existierenden Linken“ zu üben.

    @ Anonym

    bei der letzten BTW hat er sich nur unwesentlich erhöht auf 25,6%. Die Arbeiterschaft wählte bei der letzten BTW mehrheilich CDU und nicht mehr die traditionelle „Arbeiterpartei“ SPD.

    Was ja viel aussagt. Offensichtlich können sich selbst Lohnempfänger in prekären Arbeitsverhältnissen nicht mehr mit der SPD identifizieren. Das ist nicht verwunderlich, wenn man sieht, wie welchen zentralen politischen Begriffen die SPD operiert. Wann wurde letztmals die Niedriglohnstrategie der BRD grundsätzlich kritisiert? Wer profitiert davon? Nur wenige. Wem nützt der Titel „Exportweltmeister“, wenn die Exportüberschüsse nur durch eine seit Jahrzehnten andauernde Niedriglohnpolitik gehalten werden können?

    Es wird ein Kollektivsubjekt „Frau“ inszeniert, das es historisch ebenso wenig gab, wie es jemals ein Kollektivsubjekt „Mann“ gab.
    Damit werden Fronten errichtet, die es so nie gab,
    Wenn das nicht nützlich ist im Sinne von Herrschaftspraxis, was ist denn sonst?

    Teile und herrsche. Entsolidarisierung. Etwas besseres als einen Geschlechterkampf auf politischer Ebene zu inszenieren, um jede Solidarisierung zu verhindern gibt es zu diesem Zweck nicht. Als Quintessenz dieser Politik wird als vordringlichste Aufgabe die Erhöhung des Frauenanteils in Spitzenpositionen der Politik und Wirtschaft postuliert. Dass davon nur Frauen profitieren, die ohnehin schon in privilegierten Verhältnissen leben, das kommt schon gar nicht mehr zur Sprachen.

  • @Lomi
    Ich denke es wurde entschieden zu redefinieren, was eigentlich sozialdemokratisch ist – beliebig systemdienlich mit Einsprengseln von „progressiven“ Positionen, die sich nicht aus der Geschichte der SPD oder deren Theorie herleiten lassen, sondern aus tagespolitischen Erwägungen.

    Symbolisch dabei der Farbwechsel von Rot zu Purpur (Lila) 2011 und der faktische Austritt aus der „Sozialistischen Internationale“, samt Neugründung der „Progressive Alliance“ 2013.

    Wiki dazu:
    „Die Allianz soll auch gemäßigt links orientierte Parteien einschließen, die keine explizit sozialistische Tradition teilen und/oder nicht in der SI vertreten waren, wie die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten (!!!!), den Indischen Nationalkongress, die brasilianische Partido dos Trabalhadores oder der italienische Partito Democratico.“

    Das sagt doch eine Menge aus über das zukünftige Selbstverständnis, oder?
    Gruß, crumar

  • „PS: Wo sind eigentlich alle Kommentatoren hin?“

    Also im Ernst, sieh mal in den Kalender, gestern war ….?? Weiberfastnacht!
    Ist natürlich in manchen Regionen so gut wie nicht existent, eignet sich aber ungemein für Geschlechterstudien: in den Hochburgen ist es ausgemachte Sache, daß an dem Tag auch die Frauen, die sich sonst nicht trauen, die Sau rauslassen dürfen, und das machen viele dann auch.
    Also im Moment dominiert das analoge Leben. Ab Aschermittwoch sehen wir weiter.

  • „Ist natürlich in manchen Regionen so gut wie nicht existent“

    In meiner Region z.B. gibt es das einfach nicht, nur bei Exilanten aus den katholischen Westgebieten ^^

  • @ Crumar, Peter Ich teile die Ansicht ja auch, dass das Ersetzen des Klassenkampfs – so obsolet der geworden sein mag – durch den „Geschlechterkampf“ einfach Machtfragen und -ansprüche verdeckt.

    Zumal dieser Geschlechterkampf – gerade weil „Männer“ und „Frauen“ ja kein Kollektivsubjekt sind, sondern sich zwischen den verschiedenen sozialen Positionen erheblich unterscheiden – eigentlich eine Nabelschau des akademisierten Bürgertums ist. Der Geschlechterkampf hat also den großen Vorteil, dass man den ganzen Pöbel da draußen nicht mehr wahrnehmen muss und trotzdem behaupten kann, man würde Fundamentales für die soziale Gerechtigkeit tun.

    Es fehlen, auch mir, Analysen dessen, WAS denn eigentlich damit verdeckt wird. Ich hab außerdem den Eindruck, dass das allgemeine Interesse daran ohnehin gering ist – es ist halt komplizierter als die Idee, wir würden seit Jahrtausenden in einem Patriarchat leben. Daher danke für den Einblick!

  • Ja, ich habe den Blog jetzt reaktiviert. In der Zeit, als ich den eingerichtet hatte, war ich mir irgendwie unsicher, mit welcher Identität ich im Internet kommentieren sollte. Jetzt meine ich, es ist besser, wenn man dauerhaft erkennbar ist. Daher die Namensverwirrung. Ich hatte hier vor Monaten auch mal mit „Suwasu“ kommentiert. Jetzt bin ich eigentlich überall LoMi.

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