Deutschland

Die Piraten entern sich selbst und spielen Schiffeversenken

PIratenpartei
geschrieben von: Lucas Schoppe
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Mein Vater war am Ende des Zweiten Weltkriegs ein kleines Kind. Seine Großmutter war mit ihm aus Schlesien geflohen, und im März 1945, nach vielen Stationen und vor vielen anderen, kamen beide auch nach Dresden.
Wären sie einen Monat vorher angekommen, dann hätten sie womöglich auch zu den Opfern des Bombenangriffs auf die Stadt gehört. Im März 1945 aber – das erzählte er uns viel später – war mein Vater beeindruckt von den vielen Trümmern, die sie sahen, als sie durch die zerstörte Stadt gingen. Er kann sich noch heute an seinen staunenden Unglauben erinnern, als seine Oma ihm erzählte, dass hier auch viele Kinder getötet worden seien – dass der Krieg sich auch direkt gegen Kinder richtet, konnte er, selber Kind, nicht begreifen.
Wenn heute eine Frau, die Berliner Bezirksverordnete für die Piratenpartie ist und auf Platz 5 der Lise für die Europawahl kandidiert,  ihre blanken Brüste in die Kamera hält, um dem Verantwortlichen für den Bombenangriff zu danken – dann ist das ist gleich auf ganz verschiedenen Ebenen eine verrückt schamlose Aktion. Ob denn wohl auf die Frauen mit nackten Brüsten bald Männer mit entblößten Penissen folgen würden, fragt ein Kommentator unter einem der wohl besten Artikel zu dieser Aktion. Ich finde es durchaus schmerzhaft, mich in dieses Szenario hineinzuversetzen.
danke mannheim
Ein Kommentar der PARTEI zu Anne Helms Dank für die Luftangriffe auf Dresden.
Dass Anne Helm ihre Femen-Aktion mittlerweile ungeschehen machen möchte, kann ich mir also gut vorstellen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, warum sie nicht schon vorher mal auf die Idee gekommen war, dass ihr „Thanks Bomber Harris“-Spruch sich nicht in erster Linie gegen Nazis richtet, die das Gedenken an die Dresdner Opfer für ihre eigene Gewaltverliebtheit funktionalisieren, sondern gegen die zivilen Opfer.

Denn es ist ja keineswegs so, dass sie sich lediglich für die Befreiung von der Nazi-Herrschaft gedankt hätte. Wer den Krieg gegen Nazi-Deutschland richtet findet, kann trotzdem die Bombardierung Dresdens ablehnen. Wer Bomber Harris dankt, kann das nicht. Also geht es bei Helm natürlich nicht allein um Dank für die Befreiung vom Nationalsozialismus.

Noch interessanter finde ich die Frage, wie es möglich ist, dass eine vor noch nicht allzu langer Zeit sehr erfolgreiche politische Organisation, die Piraten-Partei, eine solch bekloppte Aktion ihrer Europa-Kandidatin Helm akzeptiert und verteidigt, ohne dass die Parteiverantwortlichen sich für diese Parteischädigung weiter interessieren würden.

Asterix bei den Piraten Hadmut Danisch hat einmal geschrieben, die Piraten hätten nicht einmal Elfmeter hätten versemmelt, sondern Bälle, die ihnen drei Meter vor dem Tor frei vor den Füßen gelegen hätten. Die gigantische NSA-Affäre, das Vorgehen gegen Assange, die Vorratsdatenspeicherung, aber eben auch die Entwicklung politischer Debatten im Netz, vorbei an den etablierten und filternden Strukturen der Massenmedien und der Parteipolitik – sollte es tatsächlich eine heimlich steuernde Instanz des Weltgeschehens geben, sei es nun der Weltgeist oder das fliegende Spaghettimonster, dann hatte diese Instanz vermutlich die Absicht, die Piraten in das Kanzleramt zu tragen.

Das aber haben die Piraten selbst wirkungsvoll verhindern können. Sie haben sichere Chancen tatsächlich nicht einmal vergeben, sie haben gar nicht erst geschossen, sich überhaupt nicht weiter für den Ball interessiert, sondern sind stattdessen wieder und wieder in den eigenen Strafraum gelaufen, um dort den eigenen Torwart umzusäbeln.

Oder, um bei der Bildlichkeit der Partei zu bleiben: Sie haben sich benommen wie die Piraten in den Asterix-Comics, die routiniert und prophylaktisch ihr eigenen Schiff versenken, nur um nicht Gefahr zu laufen, von den Galliern versenkt zu werden.

Da die Piraten wohl politisch tot sind, ist deren Schicksal – das tragisch nur für diejenigen ist, die für die Partei seit Jahren idealistisch gearbeitet haben – an sich nicht weiter interessant. Interessant aber ist die Frage, wie es funktioniert, dass eine ehemals erfolgreiche, ehemals pragmatisch und unideologisch agierende, ehemals mutige Partei sich in so ungeheuer kurzer Zeit zu einem verschüchterten Haufen entwickeln konnte, der den aggressiven Aktionen weniger Egomanen hilflos zuschaut. Die Antworten könnten auch für andere politische Bereiche interessant sein.

Muss ich eigentlich solidarisch sein mit denen, die mich bekämpfen? Einerseits kann es sich die Mehrheit der Piraten offenbar nicht vorstellen, dass politisch extreme Aktionen sich weniger gegen Nazis oder andere Demokratiefeinde richten als gegen die zivile Mehrheit der eigenen Partei.

Das Hissen von Antifa-Bannern durch den Berliner Fraktionsvorsitzenden Oliver Höfinghoff auf dem Podium des Parteitags in Bochum, offenbar begleitet von Gewaltdrohungen gegen Piraten, die dieses Banner nicht wollten – die wiederholten bekloppten Grenzverletzungen Julia Schramms, einer engen Vertrauten des Parteivorsitzenden, die mal gegen eine „Penisliste“ wettert, mal das Recht auf Abtreibung bis zum neunten Monat fordert – die Titten-und-Bomben-Aktion Anne Helms – die Antifa-Piraten treten moderatere Piraten gezielt aus dem ohnehin kleiner werdenden Fokus des öffentlichen Interesses heraus, und das vordringliche Problem dieser Moderaten angesichts dieses Verhaltens scheint lediglich zu sein, dass sie nicht wissen, ob sie sich damit eigentlich solidarisch erklären sollen oder nicht.

Der Landesvorstand in Berlin jedenfalls gibt in einer satirischen, aber ernst gemeinten Erklärung zu Helms Dankesgrüßen der CDU die Schuld an allen Schwierigkeiten und beklagt sich bitter über den Sexismus von Zeitungen, Oben-Ohne-Fotos von Helm zu veröffentlichten, die Helm hatte produzieren lassen, damit Zeitungen sie veröffentlichen. Die Piratenpartei insgesamt hatte sich schon zuvor in einer satirisch gemeinten, aber plötzlich ernst gewordenen Mitteilung über den ersten Tag der Luftangriffe auf Dresden lustig gemacht.

Auch der Kommentator ReVolte hat hier festgestellt, dass es an einer effektivem Gegendruck gegen solche betonschädligen Einseitigkeiten fehlt. Das allerdings ist ein klassisches Problem für Gruppen, die – was ja richtig und nötig ist – politische Gewalt ablehnen. Es ist schließlich tatsächlich wichtig, aber nicht einfach,  zivile, nicht-gewalttätige Strategien gegen politische Gewalt und gewaltverliebte Statements zu finden.

Zudem sind die Antifa-Piraten zwar selbst aggressiv, reagieren aber äußerst sensibel, wenn sich jemand ihren Zielen in den Weg stellt. Der „Orgastreik“, der die Infrastruktur der Piraten kurz lahmlegte, war ja tatsächlich nur ein sehr kurzer Piraten-Warnstreik aus Protest gegen die destruktiven Selbstinszenierungen politscher Egomanen – gleichwohl sahen Höfinghoff und andere ihre demokratische Rechte sogleich tief verletzt. Was würde wohl erst bei einem effektiven Streik passieren, der nicht beendet wird, bevor nicht die Verantwortlichen für parteischädigendes Verhalten gegangen sind?

Besonders unübersichtlich wird die Situation zudem dadurch, dass die gewaltverliebten Antifa-Piraten Gruppen zum Feind haben, die tatsächlich enorm abstoßend agieren. Wenn ich lese, welche Bedrohungen Anne Helm von Nazis zugeschickt bekommen hat,  dann habe ich auch das Gefühl, dass der Schutz ihrer Person Vorrang haben muss vor der Kritik ihrer Aktion. Das ist natürlich nur halb richtig: Ganz gewiss muss sie als Person geschützt werden, aber das macht ihre Aktion nicht weniger kritikwürdig.

Wer sich nur noch auf die gegenseitige Feindschaft von – bei aller Kritik an der Antifa: sehr unterschiedlichen – extremen politischen Gruppen konzentriert, der schiebt die moderat und zivil agierende Mehrheit in beständige Solidarisierungszwänge und erschwert es ihr damit erheblich, offen und ungehindert für die eigenen Positionen zu werben. Dazu asemann:
„Und darum war es kontraproduktiv mit dem Spruch ‚Thank you Bomber Harris‘ dieses richtige, empathische Empfinden der Menschen ebenso anzugreifen wie die Neonazis, die damit getroffen werden sollten.“

Wer mit der Gewalt flirtet, egal aus welchen Gründen, der nützt den notorisch gewaltbesoffenen Nazis eher, als dass er sie bekämpft.

Oliver Höfinghoff hat bei der Einweihung seines Kreuzberger Büros eine Rede gehalten, in der er revolutionäre Positionen im kopierten Duktus eines DDR-Apparatschiks formuliert. Eine Pseudo-Ironie – er verkauft seine Parolen als Spiel, während zugleich jederzeit deutlich wird, dass er von ihnen jenseits aller Ironie und allen Spieles überzeugt ist. Dass Höfinghoff tatsächlich für linken Autoritarismus schwärmt, können nur die bezweifeln, die es unbedingt bezweifeln wollen.

Wie kann so etwas erfolgreich sein in einer Partei, die einmal besonderen Wert auf offene Diskussionen, auf uneingeschränkte Beteiligung aller Interessierten gelegt hat?

Was alles passieren kann, wenn man vom Computer aufsteht Ein Grund ist möglicherweise der, dass das formale Ideal der offenen Diskussion nicht ausreicht, sondern dass es auch so etwas Konservatives und Biederes wie einen gemeinsamen Wertekanon braucht, der die offene Diskussion schützt vor Akteuren, die sie für Partikularinteressen kapern.

Eine ganz vorsichtige, sehr kleine Versicherung solcher gemeinsamer Werte waren in der Männerbewegung beispielsweise die Blogparaden: So allgemein und bruchstückhaft die Gemeinsamkeit der Solidarität mit Homosexuellen und des Zweifels an festgelegten Geschlechterrollen war, so war diese Gemeinsamkeit doch ein Zeichen gegen Positionen, deren Vertreter sonst ihrerseits bereitwillig Andersdenkende des Gespräches verweisen – ein zumindest kleines Zeichen gegen Schwulenfeinde und gegen Vertreter zementierter Geschlechterbilder.

Die Bereitschaft, sich zu wehren und die offene Debatte zu verteidigen gegen diejenigen, die diese Offenheit dazu missbrauchen, ihrerseits Ausschlüsse Andersdenkender zu organisieren – diese Bereitschaft hat den Piraten offenbar gefehlt.

Eine zweite Bedingung für die Selbstversenkung der Piraten ist aber möglicherweise noch wichtiger. Die Diskussion im Internet ist wichtig, um sich unabhängig machen zu können von etablierten Institutionen und Parteien. Die Gemeinschaft, die dadurch entsteht, ist aber fragil und begrenzt.

„Preaching to the choir“ – im Internet werden vorwiegend diejenigen erreicht, die ohnehin schon aufmerksam, interessiert oder vielleicht auch überzeugt sind. Das Internet kann ein enorm wichtiges Hilfsmittel sein – aber wer auf Dauer erfolgreich sein und seine Position nicht nur jeweils Gleichgesinnten oder Fast-Gleichgesinnten vortragen möchte, wer also seine Position im Austausch mit Gleichgültigen oder Menschen ganz anderer Meinung überprüfen will, dem wird dies kaum allein im Netz gelingen.

Wie gewinnen wir – und zwar auf zivile, gewaltlose Weise – die Aufmerksamkeit derer, die noch nicht aufmerksam sind? Auf diese Frage haben die Innovationen der Piraten-Partei, die eine offene Diskussion im Netz ermöglichen sollten, nie eine Antwort gegeben. Dadurch fehlte der Partei aber gewissermaßen die Erdung, oder, um im Bild zu bleiben, der Landgang – die Konfrontation damit, wie man selbst aus der Perspektive derer gesehen wird, die vieles ganz anders wahrnehmen, interpretieren und für wichtig halten als man selbst.

Das zeigt sich auch noch an der Aktion Helms, die zwar immerhin – wenn auch für eine idiotische politische Aktion – ihren Computer verlassen hat, die aber offenkundig in ihrer eigenen Filterbubble befangen und vielleicht tatsächlich nicht auf die naheliegende Idee gekommen war, dass der Spruch „Thanks Bomber Harris“ nicht nur eine Provokation für Nazis, sondern auch eine ernsthafte Verletzung vieler anderer sein könnte.

Die Selbstversenkung der Piraten ist, auch wenn damit möglicherweise eine wichtige Variante der Partiepolitik verlorengeht, natürlich schon längst keine Tragödie mehr, sondern eine Farce. Das bedeutet jedoch nicht, dass daraus niemand etwas lernen könnte.

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46 Comments

  • Hallo Lucas,

    „Wenn ich lese, welche Bedrohungen Anne Helm von Nazis zugeschickt bekommen hat,“

    Ich halte es fuer traurig, dass immer wieder alle Welt auf so etwas reinfaellt, und sich zum Beschuetzer aufschwingt. Der einzige Zeitpunkt, bei dem man auf soetwas reagieren sollte, ist wenn denn mal wirklich tatsaechlich etwas geschehn sollte (beweisbar!). Man muss alle derartigen Drohungen als gefaelscht ansehen. Dies halte ich wirklich fuer zwingend, ansonsten wird man staendig rumeiern, und unsere armen verfolgten Frauen oder sonstwer bedauern (dabei sind diese selbst die Verfolger).

    Frauengruppen im Westen spielen die gleiche Rolle wie die Dschihadisten im Nahen Osten. Sind finanziell gut ausgestattet, und werden dazu benutzt, permanenten Terror zu produzieren, auf dass sich niemals etwas Demokratisches rege. Die Spekulationen von Hadmut Danisch, dass der Feminismus wohl auch ordentlich vom CIA unterstuetzt wird, halte ich fuer recht vernuenftig. Zumindest in diesem Sinne: wenn ich CIA waere, dann wuerde ich da unbedingt Geld reinpumpen, denn, wie die Dschihadisten, haben die ja eine ungemein zersetzende Wirkung. Sicherlich, die Wirkung der Dschihadisten ist wohl direkter, aber dafuer sind wir ja (noch) der „Westen“, da geschieht die Zersetzung etwas feinfuehliger.

    Was irgendeine Organisation, die etwas (gutes) bewegen will, braucht, ist Disziplin. Dies ist meines Erachtens viel wichtiger als alle Gespraechsbereitschaft etc. — es herrscht ein Form von gesellschaftlichem Krieg, unter den Bedingungen von gewaltigen Meinungsmanipulationen, und da kann man nicht so tun, als sei man beim Kaffeekraenzchen.

    Grob gesagt: was den Piraten fehlte, waren Maenner (mit Mut und Standvermoegen).

  • Noch ein Nachtrag: das Neonazis stark „unterwandert“ sind, ist ja bekannt, und sollte man unter dem Aspekt betrachten, dass es ungemein nuetzlich ist, all solche Gruppen am Laufen zu halten. Es werden ja viele agent provocateurs etc. eingesetzt (was ein Staat niemals tun darf — da er das Gewaltmonopol hat, muss er unbedingt und absolut auf der Seite des Gesetzes stehen), und deren wirklicher Zweck ist es, all diese Gruppen am Laufen zu halten! Die Antifa ist vielleicht genauso „unterwandert“.

    Und wenn einmal doch in D was vernuenftiges geschehe, und eine wirkliche Alternative sich mit dem Staat verbinden wuerde, dann wird genau das geschehen, was ueberall auf der Welt in einem solchen Falle geschieht: alle radikalen Splittergruppen, Antifa, Nazis, extreme Religioese etc., wird man mit Waffen ausstatten. Und da ja leider fast alle Bewegungen, die man als „fortschrittlich“ bezeichnen koennte (ist natuerlich ungemein unscharf, aber unmoeglich dies jetzt zu diskutieren), von „Gutmenschen“ betrieben werden, die „mit allen reden“ wollen, ist das Scheitern notwendig.

    In diesem Sinne sind alle „Gutmenschen“ tatsaechlich „Schlechtmenschen“, denn in ihren Aktionen ist das Scheitern notwendig angelegt. Wollen sich nicht die Haende schmutzig machen mit „Militarismus“, „Disziplin“ und so'n Kram.

    Die (urspruenglichen) Piraten sollte man vielleicht einfach mal als Schwaechlinge ansehen, ohne Rueckgrat, ohne Kampfkraft. Was man braeuchte, waere so was wie „leninistische Piraten“.

  • … die aber offenkundig in ihrer eigenen Filterbubble befangen … nicht auf die naheliegende Idee gekommen war, dass der Spruch „Thanks Bomber Harris“ … auch eine ernsthafte Verletzung vieler anderer sein könnte.

    Nein, lieber Schoppe, Helm wusste was sie tat. Zunächst ein Plagiat der Femen. Dann der Spruch, der in antideutschen Kreisen älter ist als die Aktion. Was sie tat, ist Schreibtischtätermentalität. Da werden Hekatomben von Toten instrumentalisiert, um einen verwerflichen Ausgleich zu rechtfertigen. Das ist erbarmungslose Weiblichkeit. Denn Helm zeigt ihre Brüste, und spielt damit auch auf die archaische Weiblichkeit an, die Sättigung der Säuglinge, die Menschwerdung durch die Frau. Ihre blanke Brust soll die unbedingte Wahrheit ihrer Aktion verdeutlichen und bezeugen. Die vernichteten Kinder in Dresden, die Ihr Vater als Kind nicht glauben wollte, werden durch Helm zur gerechten Strafe gedeutet, die über die Dresdner gekommen ist. Da verliert das Denken seinen Realitätsbezug, da werden Rechnungen aufgemacht und die Schicksale ignoriert.

    Da geriert sich Helm reichlich verspätet als Kriegsbeute, die sich dem Sieger an den Hals schmeißt. Da stapft sie halb entblößt durch das noch nachtschlafende Dresden wie einst Hitler am Morgen des 23. Juni 1940 durch Paris. Das ist von einer neurotischen Kopflastigkeit oder anders gesagt von einer typisch weiblichen Herzlosigkeit, kalt, narzisstisch, ungerecht. Da gibt es kein Pardon für diese Regungen.

    Über die archaische Pose halb entblößter Weiber könnte man noch viele Metaphern anführen: Friedensengel, Racheengel, Wallküre, heutzutage alles keine besonders guten Figuren mehr. Eher ein Griff in die Mottenkiste …

  • @Oliver
    Es kann Politik immer nur mit dem Personal betrieben werden, das eben DA ist. Es ist m.E. nicht zielführend einer Organisation vorzuwerfen, sie wäre besser damit gefahren aus Individuen zusammengesetzt zu sein, die sich NICHT in dieser Organisation befinden.
    Die konkrete Existenz der Organisation verdankt sich ihren konkreten Mitgliedern.

    Ich fand bei den Piraten interessant, eine erste politische Organisation der (ich werfe das mal in den Raum) „technischen Intelligenz“ vorzufinden, die ich dem existierenden Typus einer „literarischen Intelligenz“ entgegensetze.

    Mit „Intelligenz“ meine ich hier nicht ein individuelles Vermögen, sondern eine qua Ausbildung, Sozialisation, Neigung, Beschäftigung, gruppenspezifischer Kultur etc. hergestellte soziale Schicht mit einer gemeinsamen Haltung.

    Es ist spannend, wie die literarische Intelligenz den Laden übernehmen und zu Grunde richten konnte, indem diese instinktsicher an den unbewussten Spielregeln der technischen Intelligenz ansetzte.

    Gruß, crumar

  • @Matthias
    Wenn Don Alphonso Recht hat, dann handelte es sich um überhaupt keine politische Aktion, sondern war lediglich eine mediale Selbst-Inszenierung.

    „Diese Bilder wurden meines Erachtens am frühen Morgen aufgenommen, an zwei Standorten. Es gab meines Erachtens keine „Aktion“, es gab keine Parolen, es gab kein Publikum, keine Demonstranten, kein Auffallen und kein Festnahmen – weil einfach keiner da war, gegen den man irgendwie hätte etwas tun können. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Femen sich distanziert hat. Es war keine Demo, kein Vor-Ort-Provozieren von Leuten, keinen antifaschistischen Kampf, wie man sich das in der Linken so schön vorstellt und dafür Solidarität fordert.“
    http://rebellmarkt.blogger.de

    D.h. die Bilder waren gestellt und es handelt sich um eine reine Pose.
    Was die spannende Frage aufwirft, warum diese Inszenierung als „revolutionäre, antideutsche Femen-Antifa“ überhaupt erfolgte.

    Bildinterpretation des modischen Stilmixes:

    1. Symbol geballte Faust = Revolutionärin
    2. Symbol schwarze Mütze = Autonome, Antifa
    3. Symbol blanke Brust = Femen = „radikaler“ Feminismus
    4. Symbol Slogan „Danke…“ = Antideutscher Antinationalismus

    Eine sicherheitshalber gleich vierfach aufgeladene Pose = ich bin an vorderster Front des Widerstands.
    Das gestellte Bild soll via Medien ein Bild von sich selbst erzeugen, von dem sie selber gerne glauben wollen, sie seien es.

    Welche Art von Individualität besitzen diese jungen Frauen, wenn sie von sich selbst ein Bild per Kostümierung entwerfen und sich symbolisch politische Haltungen aneignen, die sie nur als Pose nutzen?
    Ob sie überhaupt den Unterschied wahrnehmen und erkennen zwischen einer Pose (= performativ illusionäre Darstellung von Individualität) und wirklicher Individualität?

    Es ist m.E. Ausdruck eines Bewusstseins, das gar keinen Unterschied erkennt zwischen Symbolpolitik und realer Politik, zwischen narzisstischer Selbstdarstellung und realer Individualität – für dieses ist das ein und dasselbe.

    Mit einer solchen Besetzung scheitert jede Partei.

    Gruß, crumar

  • Hallo crumar,

    „Es kann Politik immer nur mit dem Personal betrieben werden, das eben DA ist.“
    Aber was „da ist“, kann nur dann gesehen werden, wenn entschieden ist, was „da sein sollte“.

    Bzgl. Organisation glaube ich, dass die „technische Intelligenz“ das Potential hat, dies zu meistern. Ich glaube nicht, dass die „literarische Intelligenz“ von aussen den Laden zugrundegerichtet hat, sondern VON INNEN.

    Meine Erfahrung mit Programmieren (sicherlich ein spezieller Kreis, aber sei's drum) ist, dass es da hauptsaechlich zwei Typen gibt: den zumindest Drittel-Autisten, der unter Minderwertigkeitsgefuehlen bzgl. der „literarischen Intelligenz“ leidet, und (deutlich seltener) der Manipulateur. Die ersteren lechzen foermlich danach, dass man ihnen genau sagt, wo's „sozial“ langgeht (muss aber von der Gesellschaft beglaubigt sein), und sind damit gerade fuer den Feminismus mit seinen einfachen Regeln (und dem Versprechen auf Frauen!) sehr offen. Die Manipulateure machen alles mit, es geht ihnen nur darum, ein moeglichst grosses Stueck vom Kuchen abzubekommen.

    Was sich haette entwickeln muessen, ist das Selbstbewusstsein der „technischen Intelligenz“ (die damit ueber sich herausgewachsen waere). Diese Moeglichkeit ist prinzipiell gegeben.

    Ein einfacher Ansatzpunkt hierfuer ist „Maennlichkeit“. Gerade unter denen, die wissen wollen, wie sie sich sozial richtig verhalten sollen, ist Maennlichkeit wohl (offiziell!) ein sehr negativer Wert, und gerade „Maennlichkeit“ in das *Bewusstsein* zu ruecken (nicht das uebliche unbewusste maennliche Verhalten) scheint mir ein wichtiger Schritt, um aus der Falle, in der sich die gesamte „westliche“ Gesellschaft zu befinden scheint, herauszukommen.

  • @Oliver
    „Ich glaube nicht, dass die „literarische Intelligenz“ von aussen den Laden zugrundegerichtet hat, sondern VON INNEN.“

    Ich scheine mich missverständlich ausgedrückt zu haben, denn genau das meinte ich auch!

    „Autistische“ Programmierer sind ein gerne gepflegtes und m.E. in dieser Szene nicht zutreffendes Klischee – sozial unbeholfen, den Manipulationsspielchen und Intrigen in politischen Zusammenhängen ziemlich ausgeliefert und konfliktscheu, wenn sich die Gegenseite der Affekte und Emotionen bedient, um ihre Sache durchzusetzen.

    Insofern passen „Feminismus“ und „Frauen“ wie Arsch auf Eimer auf die skizzierten Schwächen. 😉
    Problem mit „Männlichkeit“ in diesem Kontext ist – wie du es schreibst – „Maennlichkeit wohl (offiziell!) ein sehr negativer Wert“.

    Wer als männlicher Nerd in seiner Biographie wegen seinem Unwillen, seine zugedachte Geschlechterrolle zu spielen permanent ausgegrenzt und unterdrückt worden ist, hat sicherlich ein problematisches Verhältnis zur eigenen Männlichkeit entwickelt.
    Und wird diese gesellschaftliche Präsentation von Männlichkeit – die er ja für sich ablehnt bzw. kritisiert – für die „eigentliche“ Männlichkeit halten.
    An dieser Stelle frage ich mich, warum eine individuelle Definition von dem, was genau für diesen Nerd Männlichkeit ausmacht unterbleibt.
    Und ob „Postgender“ auszurufen nicht auch zu einem großen Teil Flucht vor der eigenen männlichen Identität ist.

    Damit will ich sagen, dass vor diesem Hintergrund „gerade „Maennlichkeit“ in das *Bewusstsein* zu ruecken“ sicherlich schwer wird.

    Für mich ist ebenso unverständlich, warum Frauen, mit denen genau dieser Nerd biographisch genauso schlechte Erfahrungen gemacht hat, von der Kritik ausgenommen werden.

    Noch befremdlicher wird es für mich, schaue ich auf die Ausbildung dieser „literarischen Intelligenz“ weiblicherseits.
    Es ist doch m.E. offensichtlich, dass Programmierer politisch ehrenamtlich arbeiten können, weil sie es beruflich gar nicht nötig haben Politik als Beruf zu ergreifen.
    Ihr Beruf ernährt sie selbst (ob angestellt oder freiberuflich), sie können arbeiten in einer Firma oder im öffentlichen Dienst, Nachfrage nach ihren Qualifikationen sind reichlich vorhanden.
    Bei einer Kulturwissenschaftlerin existiert weder diese Wahlmöglichkeit, noch die Nachfrage und mit großer Wahrscheinlichkeit landet sie in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

    Dass von daher die Bestrebung groß ist, in einer Partei als Hauptamtliche tätig zu sein liegt für mich klar auf der Hand.
    Die Motivation, mit Zähnen und Klauen um diese Chance – weil sie eine andere gar nicht hat – zu kämpfen ist offensichtlich.

    Lucas hat im Text von der Differenz zwischen kultiviertem Ideal und der politischen Realität gesprochen – das entspricht m.E. der Kluft zwischen der sozialen Realität der genannten Akteurinnen und den von diesen kultiviertem Selbstbild.

    Sie inszenieren permanent eine Identität als Avantgarde der Partei und das einzig echte daran ist die mediale Inszenierung.
    Die Medien brauchen ständig belanglose Neuigkeiten in Form von starken Bildern und verwertbare Einzelpersönlichkeiten und die „Avantgarde“ liefert sie. Und die Medien versichern der „Avantgarde“ durch die Vermittlung der Pose als Provokation ihre Existenz als „Avantgarde“ der Partei.
    Bertelsmann ranking, mediale Meinungsmache.

    Die wirkliche Motivation für diesen „Avantgardismus“ ist das wegbeißen der Konkurrenz auf der Jagd nach Posten und Pöstchen – der politische Inhalt zu diesem ist weitgehend irrelevant.

    Gruß, crumar

  • @crumar: „… Bewusstseins, das gar keinen Unterschied erkennt zwischen Symbolpolitik und realer Politik, zwischen narzisstischer Selbstdarstellung und realer Individualität“

    Ich twittere, also bin ich, ist die Devise. Die narzisstische virtuelle Selbstdarstellung ist in der Altersklasse verbreitet, um nicht zu sagen der Normalfall. Wobei ich in meinem Umfeld beobachte, daß gerade die intelligenteren ca. 20-jährigen seit Jahren strikt auf ihre digitale Anonymität achten.

  • „…das wegbeißen der Konkurrenz auf der Jagd nach Posten und Pöstchen“

    Das ist nicht nur Motivation, sondern vor allem auch Qualifikation.
    Kann man in gewissem Umfang auch lernen und wird teilweise sogar als Lernziel von Gender Studies genannt. Nicht umsonst gibt es (m.W.) bei den den Jugendorganisationen der Parteien Debattierclubs, in denen systematisch Diskussionstechnik und Rhethorik trainiert wird, um auf Kommando auch den größten Unfug verbal heftig vertreten zu können. Politisches Handwerkszeug, wenn man so will.

    In dieser Hinsicht waren die typischen Normal-Piraten genauso unbedarft wie Otto Normalverbraucher. Als politische Amateure waren und sind sie technisch chancenlos gegen trainierte Polit-Agitatoren, die ihr rhethorisches Handwerk beherrschen und die Techniken des Polemisierens, Paktierens, Koalierens usw. drauf haben, und die natürlich einen hohen Arbeitseinsatz bringen.

  • @man in the middle
    Mir ist das als bewusster nicht Nutzer von Twitter und Facebook fremd und das wird es wohl auch bleiben.

    Mein Gesicht möchte ich gerne gesehen haben, als ich einmal mit einem Kumpel Essen gegangen bin und der allen Ernstes seine Mahlzeit fotografierte und hochlud. 😉

    Wer kommt auf die schwachsinnige Idee, eine banale Alltagshandlung hätte irgendeine Relevanz für andere Menschen?
    Oder ist es andersherum so, dass der eigene Alltag für diese Menschen selbst erst relevant wird, nachdem andere ihn gesehen und kommentiert haben?

    Ich verstehe den (individuellen oder kollektiven) Sinn dahinter nicht – mir kommt das vor wie eine gigantische Verschwendung von Zeit und Energie.

    Gruß, crumar

  • @man in the middle

    „In dieser Hinsicht waren die typischen Normal-Piraten genauso unbedarft wie Otto Normalverbraucher.“

    Das denke ich auch.

    Die Affinität zur und die Herkunft aus der Open Source Szene ist m.E. bei den Piraten überdeutlich sichtbar geworden im Bemühen, der Gesellschaft mit Konzepten wie „liquid democracy“ tools in die Hand zu geben, die diese weiterentwickeln.
    Der Ansatz erinnert an die Entstehung und den Zweck der GNU-toolchain – Voraussetzung für die Entstehung von Linux.

    Das Problem, aus diesen Zusammenhängen zu stammen ist aus meiner Sicht, dass nicht ausreichend reflektiert wird, wie stark Ziele und Mittel bereits durch den (technisch) hergestellten Zusammenhang und einen grundlegenden (und unbewussten) Wertekanon gesetzt sind.

    Ich denke, dass die „literarische Intelligenz“ sich diesem schlicht nicht verpflichtet fühlt, weil dieser auch gar nicht Bestandteil ihrer Erfahrungen war und ist; stattdessen „eben Techniken des Polemisierens, Paktierens, Koalierens usw. drauf haben“, die zur Durchsetzung der eigenen Interessen ungleich effektiver sind.

    Schönen Gruß, crumar

  • @man.in.th.middle: „Als politische Amateure waren und sind sie technisch chancenlos gegen trainierte Polit-Agitatoren …“
    Das halte ich fuer stark uebertrieben. Wenn solche Agitatoren mit ihrem Schwachsinn kommen, dann muss man einfach „SCHWACHSINN“ sagen, und dass reicht erstmal (ein grosser Fehler ist es jedoch, zu argumentieren). Mit einer gesunden Haerte haetten die Piraten das durchaus schaffen koennen.

    @crumar: „Der Ansatz erinnert an die Entstehung und den Zweck der GNU-toolchain – Voraussetzung für die Entstehung von Linux.“
    Meines Erachtens haben die Piraten genau diese urspruenglichen Ansaetze misachtet, und hierin liegen die grundlegenden theoretischen Fehler.

    Quelloffene Software hat nichts mit „Basisdemokratie“ zu tun. Im Kern eines jedes erfolgreichen Projekts gibt es einen „benevolent dictator“, und Mitmachen wird durch Kompetenz entschieden. Dies ist im Grunde eine (ordentliche) militaerische Organisationsform, und damit haetten die keine Probleme gehabt, die Agitatoren rauszuhalten. Die Aufgabe waere es gewesen, diese Konzept von Teilhabe durch Kompetenz und Einsatz auf groessere Bereiche zu uebertragen.

    Zum zweiten wird in jedem quelloffenem Projekt Privates strikt rausgehalten. Da hat nichts mit jenem liquiden Schwachsinn zu tun, ausser natuerlich auf der technischen Ebene, aber eben rein technisch. „Transparenz“ ist ein fundamentaler Fehler, sondern es geht um die „Schnittstellen“, was ist oeffentlich, was ist privat. Sieht man ja ueberdeutlich heutzutage, wie das Fehlen einer solchen rudimentaeren Theorie von, sagen wir mal, opaqueness (das brauchen wir!), nur noch Unsinn produziert.

    Ich hatte ja von meiner Erfahrung mit Programmierern gesprochen. Dies kann man als die „Arbeiter“ bezeichnen. Wohl ist im Umfeld der Piraten eher der „Manager“ gross geworden, der zwar staendig den Computer bedient, aber sich noch nie die Finger schmutzig gemacht hat, d.h., nie gearbeitet hat, nie ein Programm geschrieben, sondern nur permanent die Kommunikationsformen benutzt. Diese Typen gehoeren dann in gewisser Weise zur „literarischen Intelligenz“.

    @crumar: „“Autistische“ Programmierer sind ein gerne gepflegtes und m.E. in dieser Szene nicht zutreffendes Klischee.“
    Fuer Programmierer halte ich dies fuer sehr zutreffend (wie gesagt, nicht alle, aber doch sehr viele, und eben nur „drittel-autistisch“). Im weiteren bist Du nicht mehr darauf eingegangen, warum dies nicht zutreffend sei. Sicher gibt es noch andere Typen, die Programmier-Typen sind in meiner Typologie bloss die Arbeiter.

  • @Hallo Oliver,
    Natürlich ist es bspw. möglich, einen radikalen (Werte-) Individualismus alleine vor dem Bildschirm zu pflegen, wenn die (internationale) Kooperation bei der Arbeit an dem Projekt X auf einem ganzen Bündel von Voraussetzungen beruht, die dieses überhaupt erst ermöglichen.

    D.h. die „Disziplin“ wird durch die Arbeit an der Sache selbst erzwungen.
    Und der Individualismus findet darin seine Begrenzung und muss sich diesem Sachverhalt, der gemeinsamen Sache unterordnen.
    So bildet sich eine *spezifische* Identität und Individualität.

    Du sprichst vom „benevolent dictator“ – genau das ist die Betonung der kompetenzbasierten Konkurrenz von Einzelindividuen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Sache – ohne anerkannte Kompetenz keine Anerkennung. Ohne dahinter versteckte Anerkennung der gemeinsamen Sache auf der Basis der Anerkennung dessen was gemeinsam ist, ist gar nichts.

    Wenn Vertreter und -innen der literarischen Intelligenz hingegen – wie Helm und Schramm – mit ihrem radikalen Individualismus hausieren gehen und Solidarität für ihre Aktionen einwerben, dann wird das reflexhaft allgemeine Zustimmung hervorrufen.
    Denn sie spielen instinktsicher mit den (unbewussten) Spielregeln der technischen Intelligenz, auf die sie sich durch die Einforderung von Solidarität berufen.
    Für diese oben genannten Vertreterinnen jedoch ist „die Sache selbst“ und „sie Selbst“ deckungsgleich – es gibt keine Arbeit an der gemeinsamen Sache als disziplinierendes Moment in ihrer Sozialisation und in ihrem Bewusstsein.
    Es gibt für ihr ausagieren von „Individualität“ in ihrem Selbstverständnis und gemäß ihrer Sozialisation weder Schranken, noch Beschränkungen.
    Mit dieser Haltung ist es jederzeit möglich, Narzissmus als Individualität zu verkaufen und anderen dieses agieren als neue Spielregel aufzuzwingen.

    Die neuen Spielregeln sind, sie müssten anerkannt werden auf der Basis ihrer „Individualität“ – und wie du richtig gesagt hast, haben die sich nie die Finger schmutzig gemacht „d.h., nie gearbeitet hat, nie ein Programm geschrieben, sondern nur permanent die Kommunikationsformen benutzt.“

    D.h. wenn du schreibst „Transparenz“ ist ein fundamentaler Fehler, sondern es geht um die „Schnittstellen“, was ist oeffentlich, was ist privat.“, dann verkennst du das Problem.

    Die Veröffentlichung ihrer Privatheit IST ihre Individualität.

    Sie sind der festen Überzeugung, es gäbe diese Individualität (und Anerkennung) ohne Arbeit, ohne Kompetenz und ohne Konkurrenz.
    DAHER stammen ihre Ideale.
    Sie produzieren notwendig Unsinn, weil diese Geisteshaltung für sie Sinn macht.

    Du schreibst: „Im weiteren bist Du nicht mehr darauf eingegangen, warum dies nicht zutreffend sei. Sicher gibt es noch andere Typen, die Programmier-Typen sind in meiner Typologie bloss die Arbeiter.“

    Komisch, oder?
    30% aller „Arbeiter“ im Silicon Valley sind Asiaten – männlich – hast du jemals einen #Aufschrei vernommen, wieso genau diese Ethnie so unterrepräsentiert ist im board of directors?

    Und warum ist Marissa Mayer eigentlich eine Antwort auf welche Frage genau?

    Schönen Gruß, crumar

  • Hallo crumar,

    ich verstehe nicht richtig, worauf Du hinaus willst.

    „Mit dieser Haltung ist es jederzeit möglich, Narzissmus als Individualität zu verkaufen und anderen dieses agieren als neue Spielregel aufzuzwingen.“

    Noch kann z.B. mir oder Dir niemand sowas aufzuzwingen. Es geht um den Kampf, und ich moechte hierfuer mobilisieren.

    Weiteres Zitat:
    „D.h. wenn du schreibst „Transparenz“ ist ein fundamentaler Fehler, sondern es geht um die „Schnittstellen“, was ist oeffentlich, was ist privat.“, dann verkennst du das Problem.
    Die Veröffentlichung ihrer Privatheit IST ihre Individualität.“

    Wiederum, mir geht es um den Kampf: Erstmal feststellen, worum man kaempft (z.B. um die Trennung von Oeffentlichkeit und Privatheit), und dann das Feld sondieren. Menschen, deren Individualitaet wie von Dir beschrieben konstituiert sind, sind dann Feinde, wenn sie dies anderen aufzwingen wollen. Ganz einfach.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cartoons/ulf-k-keuner-und-die-deutsche-politik-12547163-bg2.html

    Du schreibst: „Komisch, oder?“

    Wieder verstehe ich nicht, worauf Du hinaus willst. Wir als gute alte Kommunisten sind doch mal ganz grob darin einig, dass Arbeiter es nicht leicht haben unter'm Kapitalismus, oder?

    „Und warum ist Marissa Mayer eigentlich eine Antwort auf welche Frage genau?“

    Meines Erachtens ist „technische Intelligenz“ versus „literarische Intelligenz“ nicht der wirkliche Konflikt — letztere ist ihrem Wesen nach nur leichter korrumpierbar (darin hat sie's schwerer als erstere). Der Kapitalismus in seiner Endphase hat den Bezug zur Entwicklung der Produktivkraefte im Wesentlichen verloren, und versucht nun, Produktion durch Reproduktion zu ersetzen (kein Fortschritt mehr, nur noch permanente Umverteilung). Darum werden solche Leute wie Marissa Mayer nun eingesetzt. An uns ist es, aus dieser Sackgasse herauszukommen.

    (Es ist sicherlich so, dass die „literarische Intelligenz“ in diesen Zeiten des Zerfalls aus den Loechern gekrochen kommt, und nun endlich hofft, die Herrschaft anzutreten. Dies ist wohl auch ein allgemeiner Zug von Herrschaft, dass Herrschaft sich dadurch beweist, dass sie nichts nuetzliches tut (sobald sie dies tut, gibt sie die Herrschaft auf). Der Manager muss gewissermassen nutzlos sein, sonst waere er bloss ein Arbeiter. Ich als guter alter Kommunist sehe aber darin kein fundamentales Problem — sind halt Kinder, die Erziehung brauchen. Ich halte den alten kommunistische Optimismus fuer richtig: der Kommunismus kommt *notwendigerweise* (dies heisst, er ist ein notwendiger Schritt im Fortschritt — moeglicherweise kommen wir nicht zu diesem grossen Schritt, weil z.B. ein Komet die Erde zerstoert, oder die Feministen zusammen mit den Finanzkapitalisten alles produktive Denken ersticken, dies ist aber letztlich irrelevant).

  • „es gibt keine Arbeit an der gemeinsamen Sache als disziplinierendes Moment in ihrer Sozialisation und in ihrem Bewusstsein“ Den Punkt finde ich entscheidend. Wenn es ein gemeinsames Ziel gibt, das man erreichen möchte, dann ist ja eben nicht jedes Verhalten beliebig, und gleichwertig – und was die Einzelnen tun, rechtferitgt sich eben immer auch daran, was es zum gemeinsamen Ziel beiträgt.

    Was, @ crumar, Du als „literarische Intelligenz“ bezeichnest, oder was, @ man.in.th.middle, Du als besondere rhetorische Professionalisierung bezeichnest, ist ja besonders dadurch gekennzeichnet: Dass die Illusion aufrechterhalten bleiben kann, Wirklichkeit sei vollständig sprachlich und durch Symbole geprägt, so dass die Manipulation der Sprache immer schon die Veränderung der Wirklichkeit bedeuten würde.

    Mit einer solchen Haltung rechnet man einfach nicht, wenn man daran gewohnt ist, dass praktische außersprachliche Probleme gelöst werden müssen. Wer eim Haus baut, weiß, dass das Haus ein Dach braucht und dass man ohne Dach früher oder später nass wird – wer für die persönliche Vorliebe für dachlose Häuser Verständnis und Solidarität aller einfordert, steht als bekoppt da, nicht als individuell.

    Ich möchte trotzdem zur Ehrenrettung der „literarischen Intelligenz“ beitragen (was Wunder, ich hab auch Sprachen studiert). Nicht die Auseinandersetzung mit Sprache, Kommunikation und Literatur ist das Problem, sondern die Härte, mit der Typen wie Helm oder Höfinghoff einerseits der gemeinsamen Sache – und mein Eindruck ist: gezielt – schaden, und mit der sie gleichzeitig die Solidarität derer einfordern, denen sie Schaden zufügen.

    Mit dem Hinweis, @Oliver, dass Helm massive Drohungen duch Nazis erhalten hat (und es gibt nach meiner Erfahrung durchaus Leute, die bekloppt genug für solche Drohungen sind, das muss man wohl nicht faken), wollte ich ja eben gerade darauf hinaus: Helms Anspruch auf Schutz ist richtig, begründet aber keinen Anspruch auf Solidarität der Geschädigten mit schädigendem Verhalten.

  • @ Matthias Mala Ich wollte Helm nicht entschuldigen. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie viel zu sehr in gewohnten Mustern – Kampf gegen den Faschismus! – dachte, um noch zu merken, dass sie Nazis mit ihrem Spruch nur nebenbei trifft. Die vielen zivilen Opfer sind auch für Helm einfach ein Kollateralschaden.

    Das ist aber eben keine Entschuldigung, sondern zeigt für mich nur, wie inhuman eine Fixierung auf Freund-Feind-Strukturen wird – auch wenn die Feinde, die man hat, tatsächlich Arschlöcher sind.

    Übrigens bin ich mir sicher, dass Helm den Nazis mit ihrer Aktion erheblich geholfen hat.

    @ Crumar „Es ist m.E. Ausdruck eines Bewusstseins, das gar keinen Unterschied erkennt zwischen Symbolpolitik und realer Politik, zwischen narzisstischer Selbstdarstellung und realer Individualität – für dieses ist das ein und dasselbe.“

    Das passt ja zu der Diskussion oben. Wenn die Wirklichkeit ausschließlich aus Sprache und Symbolen besteht, dann fehlt einfach etwas, was das Handeln reguliert und davor schützt, in totale Beliebigkeit abzudriften (wie z.B, das Fotografieren und Posten eines Essens).

    Also braucht man andere Regulatoren – z.B, die Idee, dass nur einige Gruppen von Menschen berechtigt sind, andere mit ihren persönlichen Erfahrungen zu behelligen, andere Menschen jedoch bitteschön den Mund halten sollen (die „Definitionsmacht“ der Opfer beispielweise, die sich aber ja gerade aufgrund dieser DefMa als Opfer definieren können, etc.).

    Außerdem beschädigt die Verschmelzung von Privatem und Öffentlichen ja nicht nur die Privatsphäre, sondern auch den öffentlichen Raum. Man verliert den Sinn dafür, dass es einige Belnage gibt, die für alle relevant sind, und andere, die nur private Bedeutung haben.

    Die Femen, die ihre Brüste öffentlich zur Schau stellen und sich damit gleichdsam Werbefläche kaufen, um irgendwelche – i.d.R. simple oder bekoppte – Botschaften zu verbreiten, eignen sich regelrecht als Sinnbild dafür.

  • @Oliver und @Schoppe in mehreren Teilen.

    Oliver schrieb:
    „Mit dieser Haltung ist es jederzeit möglich, Narzissmus als Individualität zu verkaufen und anderen dieses agieren als neue Spielregel aufzuzwingen.“

    Noch kann z.B. mir oder Dir niemand sowas aufzuzwingen. Es geht um den Kampf, und ich moechte hierfuer mobilisieren.“

    Das ist eine Illusion – wir diskutieren hier, weil wir uns diesen Narzissmus haben aufzwingen lassen. Wir reagieren; egal wie kritisch wir uns verhalten.
    Eben gerade deshalb, weil *Helm* medial mobilisiert hat.

    Lucas: „Wenn es ein gemeinsames Ziel gibt, das man erreichen möchte, dann ist ja eben nicht jedes Verhalten beliebig, und gleichwertig – und was die Einzelnen tun, rechtferitgt sich eben immer auch daran, was es zum gemeinsamen Ziel beiträgt.“

    Offensichtlich akzeptieren diese „Linken“ keine gemeinsamen, demokratisch beschlossenen Ziele einer Partei, sie fühlen sich sogar noch nicht einmal verpflichtet, parteischädigendes Verhalten zu unterlassen.
    Sie nutzen die medialen Inszenierungen offensichtlich, um eine parteiinternen Diskurs und Willensbildung auszuhebeln.
    Beispiel: Einen inhaltlichen Beitrag zum Verhältnis der Partei zur Antifa einzubringen und eine Diskussion anzustoßen ist mühselig und langwierig
    Die Fotos, die inhaltlich nichts sagen, nichts begründen und bloß eine Pose darstellen, sind ein schneller und billiger Ersatz.
    Zu diesem ERSATZ von Debatte muss sich verhalten werden – und gerade weil diese inhaltlich nichtssagend sind und nur symbolisch für Haltungen stehen, können sie beliebig mit Bedeutungen aufgeladen werden.
    Es ist m.E. ein elitär selbstermächtigendes Konzept des agenda-setting, das auf die Interessen der bürgerliche Presse zurückgreift, um kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzeugen.
    Damit meine ich, die „Aufmerksamkeitsökonomie“, wonach es einen erheblichen Überschuss, eine Überproduktion an Information gibt und man starke Emotionen bieten muss, um Aufmerksamkeit zu erzeugen ist Grundlage der Vorgehensweise.

    Und mit Grundlage meine ich: dies wird völlig unkritisch als Basis der eigenen Arbeit übernommen. Solche Methoden der emotionalen Überwältigung (der Leserschaft), der kalkulierten Affekte sind Techniken der Manipulation und keine Methode der Emanzipation.

    Die satirische Rede zur Büroeröffnung von Oliver Höfinghoff (die Lucas im Beitrag erwähnt) war gar keine – Kalkül war der Schock (=Aufmerksamkeit) durch die Verwendung des DDR-Vokabulars, dem durch die gleichzeitig verwendete Ironie des Vortrags der Zahn gezogen wurde.
    Das ist eine Schmierenkomödie, eine Farce, eine rein modische Haltung.

    Solidarität: „Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte“ – wobei genau diese „Linken“ an kein einziges Wort dieser Definition glauben.
    Auch das einfordern von Solidarität ist vor diesem Hintergrund eine Farce, ein Spielchen, ein weiteres agenda setting.

    Oliver: „Meines Erachtens ist „technische Intelligenz“ versus „literarische Intelligenz“ nicht der wirkliche Konflikt — letztere ist ihrem Wesen nach nur leichter korrumpierbar (darin hat sie's schwerer als erstere).“

    Ich muss an dieser Stelle leider zugeben, ich habe den Begriff „literarische Intelligenz“ nicht erfunden. Das war Lothar Peter. Zum Begriff „Intelligenz“ als sozialer Schicht habe ich mich an Jürgen Kuczynski orientiert.
    Und ich wollte auf gar keinen Fall einen Konflikt zwischen beiden herbeireden.

    Für mich war nur wichtig, dass die literarische nicht mehr von sich als allein kritischer Intelligenz ausgehen kann.
    Und das ist historisch doch relativ neu.

    Ende Teil 1
    Schönen Gruß, crumar

  • @Oliver
    Du hast mich mehrfach gefragt, worauf ich eigentlich hinaus will und das lässt sich vielleicht besser am Beispiel erklären.

    Die Frage nach der demokratischen „Repräsentanz“ – allein die Wortwahl lässt sofort an „gender“ denken.
    Weil im Kontext immer „Frauen“ gemeint waren und sind.

    Lucas schreibt: „Dass die Illusion aufrechterhalten bleiben kann, Wirklichkeit sei vollständig sprachlich und durch Symbole geprägt, so dass die Manipulation der Sprache immer schon die Veränderung der Wirklichkeit bedeuten würde.“

    Die Symbolform, in der von dieser „Repräsentanz“ geredet wird und die mediale Darstellung der Bedeutung von demokratischer Repräsentanz
    ist bereits eine durch die Sprache erfolgte Manipulation der Wirklichkeit.
    Das ist m.E. der Witz.

    Um das zu illustrieren: dass die asiatisch-stämmigen Männer einen konkreten (!!!) 30%igen Anteil an der Belegschaft haben spielt gar keine
    Rolle. Niemand fragt nach der „Repräsentanz“ dieser Gruppe in Vorständen oder Aufsichtsräten.
    Hingegen ist es ein Skandal, wenn Frauen, die allgemein (!!!) 50% der Bevölkerung stellen, nicht „repräsentiert“ sind.
    Zugespitzt: das eine ist ein Skandal für eine Demokratie – das andere nicht. Und genau hier und dadurch wird festgelegt, was unter Demokratie zu verstehen ist.
    Wer die Definitionsmacht hat kann darüber befinden, welche Ansprüche an demokratischer Repräsentation legitim sind und welche ignoriert werden können.
    Und durchgesetzt wurde: die allgemeine Existenz von Frauen in der Bevölkerung generiert ein größeres Recht auf Teilhabe als die konkrete Existenz von Männern in einer Belegschaft.

    Durchgesetzt wird m.E. so ein a. ranking von Gruppen, die b. hierarchisch abgestuft mehr oder weniger Rechte auf Teilhabe haben. Und c. eine Sicht auf die Wirklichkeit, die empirische Realität ausblendet und verfälscht, um diese nur gemäß abstrakter Ideale wahrzunehmen, die genau diese empirische Realität wiederum auf den Kopf stellt.

    Beispiel für c.: der Skandal ist gar nicht mehr, dass 30% der Belegschaft nicht repräsentiert sind (empirische Realität), sondern die mangelnde Repräsentation von 15% der Belegschaft – die „eigentlich“ 50% sind bzw. sein müssten (abstraktes Ideal). Die empirische Realität der einen Gruppe misst sich gar nicht an der der anderen Gruppe, sondern an einem abstrakten Konstrukt.
    Und die konkrete Antwort auf diese Frage ist mit Marissa Mayer keineswegs zufällig eine weiße Frau aus der Mittelklasse – sie ist das Resultat der medialen Durchsetzung der Punkte a-c in den Hirnen.
    Von race, class, gender bleibt nur noch gender = Platz 1 im ranking.

    Genau diese Kröten werden geschluckt, während wir den Vorgang selbst für Demokratie halten sollen.
    D.h, in der Form des Arguments entscheidet sich, was wir fortan als Demokratie wahrzunehmen und anzuerkennen haben.
    Deshalb empfand ich die Vorgänge in Baden Württemberg auch anders als Lucas, weil genau dieses Spielchen dort ebenfalls abgezogen worden ist.

    Ende Teil 2, crumar

  • Zwei sehr gute Fragen,
    Wie erreichen wir auch ausserhalb des Internets Menschen? Wie überzeugen wir andere…

    Wie erarbeiten oder legen wir uns auf einen Wertekontext fest? Einfach weiter Blogparaden machen und die Ergebnisse dann in ein Manifest übernehmen? Ein weiteres Manifest schreiben, ein bestehendes übernehmen? Wäre mal ein Thema für ne Blogparade, was möchte ich als Männerrechtler erreichen, oder welchen Wertekontext… Apropo Blogparade, wann ist die nächste?

  • Man erreicht Leute außerhalb des Internets mit medienwirksamen Aktionen. Ich will jetzt nicht die schrecklichen Femen nennen, aber wir können beispielhaft zurückblicken auf die 80er/90er Jahre, als Greenpeace mit spektakulären Aktionen auf Umweltprobleme aufmerksam machte. Der Unterschied zu Femen war u.a., dass die Greenpeaceleute – zumindest die, die sich öffentlich äußerten – auch fachlich kompetent waren. Allerdings fanden sie, anders als die Männerbewegung, auch ein offenes Ohr bei der Presse. Das Problem, auch meins, ist, dass wir uns NICHT TRAUEN, einfach mal etwas SPEKTAKULÄRES zu machen. Das würde die Wirkung hunderter von Blogparaden, Diskussionen, Büchern, usw. übertreffen. (KlausT)

  • @crumar

    Coole Analyse:
    „Beispiel: Einen inhaltlichen Beitrag zum Verhältnis der Partei zur Antifa einzubringen und eine Diskussion anzustoßen ist mühselig und langwierig
    Die Fotos, die inhaltlich nichts sagen, nichts begründen und bloß eine Pose darstellen, sind ein schneller und billiger Ersatz.
    Zu diesem ERSATZ von Debatte muss sich verhalten werden – und gerade weil diese inhaltlich nichtssagend sind und nur symbolisch für Haltungen stehen, können sie beliebig mit Bedeutungen aufgeladen werden.“

    Das ist in der Tat agenda setting. Den Antrag, den man einreicht, muss man erst einmal auf die Parteiagenda bringen. Er muss von verschiedenen Gremien diskutiert werden. Es bleibt dabei offen, ob man eine parteiweite Debatte anstoßen kann oder ob der Antrag in der Flut der Meinungen untergeht. Eine Aktion wie in Dresden schafft dagegen schlagartig ein Thema für die ganze Partei. Jetzt müssen sich alle dazu verhalten. Alle müssen Stellung nehmen. In einer etablierten Partei wäre das der Zeitpunkt entweder der kollektiven Distanzierung oder der Solidarisierung, um ja nicht nach außen als zerstritten zu erscheinen.

    Ich frage mich allerdings, ob es sich um eine bewusste Taktik handelt. Für so schlau halte ich diese Leute nicht. Ich sehe da eher einen Habitus am Werk, eine Kultur der Radikalität und der Diskursverweigerung. Die Effekte sind freilich die selben. Nur zerschießt sich die Partei damit. In einer etablierten Partei hätte man das Thema eher „eingeschlichen“ und nach und nach die Bastionen der Gegner geschleift, siehe SPD. Bei den Piraten war eher Ungeschick am Werk.

    Ich verstehe übrigens nicht, warum die jetzt kenternde Partei nicht einfach die offene Diskussion anstrebt, zu verlieren haben die eigentlich nichts mehr.

  • Hallo Klaus,

    für ne Aktion würde ich mich sofort zur Verfügung stellen. Ich lege mich an den Strand und ihr übergießt mich mit Wasser, bis ich wieder ins Meer geschleppt werde. Der Vorteil bei Greenpeace ist jedoch, ein süßes Robbenbaby hat nun mal schönere Kulleraugen wie ich.

    http://www.welt.de/newsticker/news2/article113683131/Franzoesische-Vaeter-besetzen-in-Sorgerecht-Streit-Kraene.html
    Hier siehst Du eine „Öffentlichkeitswirksamme“ Aktion, die von einer „konkurierenden“ Väterorganisation durchgeführt wurde. Gebracht hat es nichts, auch nicht die Folgeaktionen. Wenn Du nicht ein 1000 Häuserprogramm hast, bei der immer 2 bis 3 Gebäude besetzt sind, Landesweit; sobald ein Gebäude geräumt ist, dann ist es halt ein Einzelfall, ein armer Vater, der wahrscheinlich einfach mal Pech hatte. Irgendwie wie ein gewisser Gustel M. aus Bayern ja auch ein Einzelfall ist, obwohl z. B. der Part der häuslichen Gewalt bei vielen genau so abläuft wie bei ihm…

    Aussterbende Großsäuger sind wichtig für die Artenvielfalt, ausgegrenzte Väter ein hinnehmbarer Kollateralschaden im Ehekonflikt.

    Das Problem ist, uns fehlen die süßen Kulleraugen, eine breite Lobby und eine Presse die kapiert was abläuft. Solange wir das nicht haben, sind wir halt ein paar Hansel im Internet die nicht wissen was abgeht…

    Was eventuell was bringen könnte ist, bei der nächsten Wahl die Stände von Grünen und SPD zu „besuchen“, allen Menschen die sich dort Interesse zeigen dann darüber informieren, das diese Parteien ihren Kindern, wenn es Jungen sind, die Bildungschancen verwehren, sie als Väter diskriminieren etc. etc. etc. Ob das Hilft? Glaube ich auch nicht, würde ihnen aber wehtun…

    Gruss
    Kai

  • @Schoppe
    Du schreibst:

    „Wenn die Wirklichkeit ausschließlich aus Sprache und Symbolen besteht, dann fehlt einfach etwas, was das Handeln reguliert und davor schützt, in totale Beliebigkeit abzudriften.
    Also braucht man andere Regulatoren – z.B, die Idee, dass nur einige Gruppen von Menschen berechtigt sind, andere mit ihren persönlichen Erfahrungen zu behelligen,“

    Und ist es nicht bemerkenswert, dass du hier von ein und DERSELBEN Gruppe von Menschen sprichst?

    Es sind genau die, die die Existenz einer materiellen Welt ersetzen wollen durch Sprache und Symbole und daher keine regulierende Instanz zur Kontrolle und Korrektur ihrer Handlungen haben.
    Und demnach in Gefahr geraten in Beliebigkeit abzudriften
    Was für ihre Handlungen m.E. ebenso zutrifft, wie auch für sie selbst als Subjekte. Wer sich als Selbst gar nicht wahrnimmt, der muss sich inszenieren – oder regelmäßig „neu erfinden“.

    Oder neudeutsch: relaunchen.

    Die Femen tauchen in den Medien auf wie product placement.
    Jedes branding beinhaltet eine simple, klare Botschaft und Femen passen passgenau in dieses Konzept.

    Mich interessieren ihre Botschaften nicht, sondern mich interessiert, welche Mechanismen sie nutzen (die sie nicht verstehen).
    Sie denken, sie verkaufen die Botschaften mit „sex sells“ – das ist Quatsch.

    Sie sind Markenbotschafterinnen und verkaufen schranken- und rücksichtslose Selbstvermarktung.
    Das ist ihr eigentliches Produkt.
    Nimm keine Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer Menschen, auf deren Grenzen bei deinen Vorhaben!
    DU hast die Definitionsmacht über die Mittel zur Erreichung deiner Ziele!
    Chakka, du schaffst es!

    Deshalb sind sie m.E. medial gehypt – sie verkaufen, wie man verkauft.
    Damit meine ich: sich selbst.
    Oder mit anderen Worten: Kauf, du Arsch! 😉
    http://www.brandeins.de/archiv/2014/werbung.html

    Schönen Gruß, crumar

  • @ LoMi Es gibt für die Art des destruktiven Agenda-Setting, das crumar analysiert, ja durchaus sehr prominente Beispiele in etablierten Parteien. Gerhard Schröder ist so aufgestiegen, er hat mit gezielt parteischädigendem Verhalten Aufmerksamkeit gebunden und sich so für die Partei unverzichtbar gemacht. Von der Leyen hat sich daran schon öfter ein Beispiel genommen.

    Der Begriff „Aufmerksamkeitsökonomie“, @ crumar, ist dabei auch in meinen Augen zentral. Gespräche, auch öffentliche Debatten, haben eben immer eine Struktur – sonst wären sie nur ein Durchienander von Monologen. Zu der Struktur gehört eine Unterscheidung dessen, was zentral ist, und der weniger wichtigen Aspekte.

    Und es gehören Grenzen dazu, die zum Beispiel durch die allgemeine Ablehnung von Gewalt gesetzt werden, durch das selbstverständlich vorausgesetzte Anerkennen der Menschenrechte, durch die Erwartung, die Würde und die Rechte anderer zu achten…

    Natürlich lässt sich Aufmerksamkeit gewinnen, wenn diese Grenzen demonstrativ verletzt werden, so wie Helm das tut, wenn sie die ohnehin perverse Freude über die massenhafte Tötung von Menschen mit der Präsentation blanker Brüste kombiniert und dabei einfordert, dass das als bedeutender politischer Beitrag interpretiert werden muss.

    Es ist völlig bescheuert, so zu tun, als ob ein solcher Tabubruch an sich schon ein Beitrag zur Freiheit der Debatte wäre – das funktioniert nur, wenn man blindlings und ressentimentgeladen alle bestehenden Tabus (etwa das Tabu, Freude an massiver Gewalt zu zeigen) als Ausdruck von Herrschaftsstrukturen interpretiert.

    Tatsächlich wichtig aber ist die Frage: Was wird denn nach den gezietlten Brüchen der Tabus an die Stelle der bestehenden Gesprächsstrukturen gesetzt? Jedenfalls ist klar, dass ein „herrschaftsfreier Diskurs“ so eben gerade nicht etabliert wird, ganz im Gegenteil: An die Stelle der oben skizzierten liberalen Strukturen der Debatte tritt eine gezielt herrische Attitüde, mit der Rederecht wilkürlioch zugeteilt oder entzogen wird.

    Insofern ist das zwanghafte Produzieren von Aufmerksamkeit nur ein Teil des Problems – dieser Zwang ist nach meinem Endruck für viele, die sich in sozialen Netzwerken bewegen, normal geworden. Für Schüler ist es z.B. ein großes Problem, wenn sie bei Facebook etwas posten und nicht besoners viele „Likes“ bekommen.

    Der andere Teil des Problems ist eine autoritäre Ideologie, die auf das Ressentiment baut, bestehende Stukturen zwanghaft als Instrumente der Herrschaftssicherung zu interpretieren – und die an deren Stelle unverblümte Dominanzansprüche stellt, die sich durch die (etwa angesichts der demonstrierten Begeisterung für die massenhafte Tötung von Menschen) immer verrückter werdende Behauptung legitimieren, dass man ja für die gute Sache streite.

  • @ crumar Den Bildungsplan in Baden-Württemberg verstehe ich ganz so wie Du – als willkürliche massive Privilegierung von Gender-Aspekten gegenüber allen anderen relevanten Problemen. Ich glaube allerdings, dass der Protest dagegen oft nicht sinnvoll ist – weil er sich eben nicht auf das willkürliche Agenda-Setting der Regierung konzentriert, sondern (wie Matussek) auf das Recht pocht, Schwule als unnormal wahrnehmen und bezeichnen zu können.

    Die Regierung versteckt die von Dir skizzierte Agenda hinter der Behauptung, sie würde sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen. Diese Behauptung wird von Leuten wie Matussek blind akzeptiert – und damit bestätigt man das Regierungshandeln, anstatt es zu analysieren.

  • Mir fällt bei der Gelegenheit noch etwas anderes auf. Femen rekrutiert offenbar nur junge, schlanke Frauen. Die Aufschrei-Macherin Wieczorek ist eine junge, attraktive Frau. Der Aufschrei entzündete sich an der „Anmache“ durch einen Mann. Femen zeigt nackte Brüste, wohlgeformt und jugendlich, also das, was Begehren weckt. Der Aufschrei beklagt Anmachen, über die manche weitaus weniger attraktive Dame sehr glücklich wäre. Es gibt schließlich auch die Frauen, die von Männern kaum beachtet werden und die vereinsamen und ihre Wünsche und Lüste kaum ausleben können. Präsentiert sich der mediale Feminismus nur noch als der der attraktiven jungen Frauen, die den Luxus des Begehrtseins anderen voraus haben? Irgendwie kommt mir dabei die Privilegienchose in den Sinn ^^. Und Charlotte Roche, begehrenswert und jung, die öffentlich herumschmuddeln darf, was man einem „alten Sack“ niemals verziehen hätte. Zumindest bolzen Aufschrei-und Femen-Aktivistinnen gegen Männer, vielleicht wohl wissend, dass sie immer noch attraktiv genug sind, um weiterhin von Männern begehrt zu werden. Im Grunde wirkt das wie die Arroganz der Schulholfschönheit, die es sich leisten kann, die Jungs runterzumachen, weil diese ihr zu Füßen liegen.

  • @ Kai Könntest Du nicht weingstens die THEORETISCHE MÖGLICHKEIT einräumen, dass irgendjemand von uns süße Kulleraugen hat?

    Würde uns allerdings nichts nützen, denn was sollte man damit anfangen? – Man könnte ihn ja schlecht öffentlichkeitswirksam schlagen, um damit mediale aufemerksamkeit zu bekommen.

    Das größte Problem, das wir für Aktionen außerhalb des Internets haben, ist die fehlende Masse. Auch Väterdemos, die noch die größten Demonstrationen für Männerrechte sind, sind grundsätzlich mitleiderregend klein.

    Und die Taktik der Autonomen, die eigene geringe Zahl durch Militanz auszugleichen, scheidet aus, weil sie einfach indiskutabel ist.

    Aber vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, zumindest das, was wir im Netz haben, auszuweiten. Ich könnte mir zum Beispiel eine Blogparade vorstellen, bei der wir offene Briefe an das Bundesforum Männer schreiben. Schließlich sind die offiziell dafür da, unsere Interessen zu vertreten – man könnte sie ja mal freundlich und verbindlich fragen, was sie dafür eigentlich tun.

  • „und die an deren Stelle unverblümte Dominanzansprüche stellt“

    Das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem. Nach einigen Tagen Abstand finde ich die Aktion von Frau Helm in jeder Hinsicht nebensächlich, was die Piraten angeht. Zentral ist deren Einbettung in der innerparteilichen Diskussion, die ja keine offene ist. Der Umgang mit parteiinternen Kritikern ist die eigentliche Offenbarung, der rüde Umgangston, den hier vor allem Berliner Piraten an den Tag legen. Helms Aktion ist diesbezüglich nur ein Thema von vielen, wo sich dieser Dominanzanspruch einer bestimmten Gruppe zeigt.

    Ich weiß nur noch nicht, wie man das deuten muss. Die Berliner Piraten scheinen die Partei als Lebensstilgemeinschaft benutzen zu wollen, als Fortsetzung des Szenelebens mit anderen Mitteln. Ähnlich wie eine Gemeinschaft wehrt sich diese Gruppe auch heftig gegen die innerparteiliche Diversität. Gemeinschaften setzen auf Geschlossenheit, sie knüpfen enge Beziehungen, die auf Gemeinsamkeit beruhen. Diese Gemeinsamkeit verschafft der Gruppe eine Identität.

    Das Gegenbild wäre eine professionelle Partei, in der die Mitglieder wohl einen gewissen Konsens haben, aber gleichwohl keine Gemeinschaft suchen, sondern die Parteifreunde in gewisser Hinsicht eher nüchtern als Kollegen betrachten, mit denen man eben zusammenarbeiten muss. Professionalität bedeutet hier, Kompromisse einzugehen, nüchtern die Möglichkeiten für Zweckbündnisse auszuloten und ein wenig Distanz zu den Eigenwilligkeiten der Persönlichkeiten der Parteifreunde zu wahren. All das ist der Berliner Piratenfraktion vollkommen fremd. Sie agieren zu sehr als Gemeinschaft, als Bewegung.

  • @Lomi
    Diese Kerze brennt an zwei Enden,

    Bascha Mika beklagt jetzt im „Freitag“ die ausbleibende Aufmerksamkeit der Männer für ältere Frauen im „öffentlichen Raum“.
    Wirft man das Alter über Bord, dann erscheint es, als hätten Frauen ein *angeborenes* Recht auf Aufmerksamkeit – das sie im nächsten Atemzug verdammen können als den „männlichen Blick“.

    Warum sollten Frauen aber ohne zu handeln überhaupt beachtet werden?

    Der Feminismus beklagt, Frauen würden in eine passive Rolle gedrängt werden.
    Aufmerksamkeit zu erwarten rein auf der Basis von *biologischem* Sein setzt genau das VORAUS.

    „Sei ein Mann!“ – ist ein Bündel von Erwartungen betreffend Verhalten und Handeln.
    „Sei eine Frau! – ist und will gar nichts.

    Wenn der mediale Feminismus sich der Attraktivität seines Personals bedient, dann setzt er genau daran an – für Attraktivität und „sexyness“ gibt es einen Aufmerksamkeitsbonus. Das wird so zum Beispiel ganz klar von Teresa Bücker vertreten: nutze Attraktivität für die mediale Botschaft

    Nur funktioniert die Aufmerksamkeitsökonomie nach den Spielregeln der ordinären Ökonomie.
    Auf dem Aktienmarkt der Schönheit bestimmt der Markt, wer schön ist; meinetwegen auf einer Skala von 1-10.

    Das ist die Grundlage der „Arroganz der Schulholfschönheit, die es sich leisten kann, die Jungs runterzumachen, weil diese ihr zu Füßen liegen.“
    – sie ist eine 9 oder 10.
    Ihr Blick auf die Jungs geht auf dieser Basis vom Anspruch aus, ein männliches Äquivalent MINDESTENS gleichen Werts erwarten zu können.
    Und die Jungs wissen, dass sie weiß, dass sie das erwarten kann.

    Den Beweis ihres WERTS können sie jedoch nur erbringen, indem sie spezifisch männlich agieren.
    „Sei ein Mann!“ – zurück auf Anfang.

    Wenn diese hoch gehandelte Aktie meinetwegen 20 Jahre (18-38) ihre regelmäßige Dividende einfährt und dann rapide an Wert verliert, ist das der Anlass für weibliche Jammerei.
    Der „weibliche Blick“ durch die gläserne Decke NACH UNTEN, welcher ihr genau dadurch ermöglicht worden ist, wird dann gerne vergessen.

    „Aber was ist mit George Clooney – Sexismus!“
    Gegenfrage: Was ist mit Scarlett Johansson?
    In welchem Lebensalter hatten beide ihren Durchbruch?
    Und warum sind typische Frauenfilme mit männlichem Personal genau dieses Alters gepflastert?

    Wenn der mediale Feminismus sich dieser (kapitalistischen Markt-) Mechanismen bedient, dann sollte dieser zu den erwartbaren Effekten – der Stabilisierung des Bestehenden – einfach mal die Fresse halten.

    Den Gefallen wird er uns leider nicht tun.

    Schönen Gruß, crumar

  • Ich habe mal nachgeschaut, was Mika sagt:

    „Aber wer macht da was falsch? Soll ich denken: Wenn ich die junge Frau anschaue, muss ich auch die ältere zumindest eines Blickes würdigen? [Frage des Interviewers]

    [Antwort Mika] Natürlich kann keine Frau von einem Mann verlangen: Begehre mich! Aber was wir Frauen selbstverständlich verlangen können, ist, im öffentlichen Raum wahrgenommen zu werden. Das gehört zu den ganz wichtigen Punkten.“

    http://www.freitag.de/autoren/jaugstein/das-ist-nicht-so-lustig

    Und dann macht sie das offenbar an Schönheitsidealen fest (wenn auch nur ganz diffus). Sie behauptet weiterhin folgendes:

    „Aber irgendwann haben Männer beschlossen, dass sie einfach in allen Generationen wildern können. Das steckt nicht in deren Genen. Das ist einfach eine Frage von Macht. Dann haben sie sich die jüngeren Frauen gegriffen.“

    Das bezieht sich jetzt nicht auf den 50jährigen Top-Manager, der mit seiner Sekretärin den zweiten Frühling erlebt, sondern auf die Tatsache, dass Männer generell etwas jüngere Frauen haben.

    Woher weiß Mika eigentlich, dass das nicht in den Genen der Männer steckt? Das wäre doch mal interessant. Es ist mir auch nicht klar, warum die – vermutlich letztlich gar nicht so erhebliche – Altersdifferenz eine Machtfrage sein soll. Haben wir alle unsere drei, vier Jahre jüngeren Frauen dazu gezwungen, mit uns zusammen zu sein?

    Mika unterstellt Männern eine starke Selektionsmacht. Nur so könnte man sich Mikas Vorstellung erklären. Männer suchen aus und lehnen die älteren Frauen ab.

    Männer empfinden es meist ganz anders herum: Dass die Frauen aussuchen und entscheiden und dass die Männer sich bewerben mit dem Risiko der Ablehnung. Ich kenne auch genügend Frauen, die lächelnd sagen, sie seien die eigentlichen Entscheider. Es ist jedenfalls nicht so ganz ersichtlich, warum Männer eine ausschließliche Macht haben sollten, wenn es um die Partnerwahl geht. Auch Männer haben ja einen gewissen „Marktwert“, der von Frauen taxiert wird. Sie können nicht alle mitbieten im Wettbewerb um die Schönste.

    Naja, mir kommt Mika letztlich wie die beleidigte Leberwurst vor, missachtete Prinzessin, die jetzt erlebt, wie es viele Männer eben auch kennen – und durchaus auch Frauen.

  • @Lomi und @Schoppe

    Das erinnert mich an die Debatte (und andere), warum Frauen als Mitglieder so schwach in den Parteien vertreten sind.
    Kernpunkt war m.E. dass Frauen eben keine „professionelle Partei“ wünschen, wo gemeinsame Werte konsensuell verhandelt werden in nüchterner Distanz zur individuellen Persönlichkeit.

    Sondern eine „Lebensstilgemeinschaft“, mit engen emotionalen Bindungen, die intern kuschelige Geborgenheit bietet und in der Gemeinschaft den Rahmen der Bestätigung der je eigenen Identität ist und bietet.
    D.h. Frauen sind beleidigt, wenn sie in den Parteien nicht automatisch das vorfinden, was ihre Rolle im Alltag bestimmt und absichert.

    Problematisch ist, dass weder die Medien, noch sie selbst diese Erwartungshaltung als unerfüllbar kritisieren, sondern im Wehklagen über den Mangel an „Repräsentanz“ dieser Haltung scheinbar Recht gegeben wird.

    Du schreibst, diese Fraktion der Piratenpartei biete „Fortsetzung des Szenelebens mit anderen Mitteln“.
    Ich würde sagen, es ist das verlängerte FAMLIENLEBEN oder der Ersatz für eines, das sie nie erfahren haben.
    Wenn letzteres stimmt, dann stehen uns Angesichts der Anzahl geschiedener Ehen, Patchwork-Familien und Alleinerziehender noch schwere Zeiten bevor…

    Anne Helm spielt die pubertäre Rabaukentochter im Selbstfindungsprozess – heute Antifa, morgen Prinzessin Lilifee, übermorgen…wer weiß das schon.
    Julia Schramm ist die ältere Tochter Höfinghoff (dem antiautoritären Vater) – sie spielt die Studentin, mit der man schon ernsthaft diskutieren kann. Die aber blöderweise morgen die radikal entgegensetzte Meinung vertreten wird von dem, was sie heute noch behauptet – mit identischer Radikalität.

    Es könnte aber auch sein, dass Schramm die Mutter von Helm ist – bis zu einer Familienaufstellung lässt sich das nicht abschließend beantworten.

    Wenn wir weiter unten diskutiert haben, es wäre dysfunktional Öffentlichkeit und Privatleben zu verschmelzen, dann ist das unsere Sicht.
    Aus deren Sicht hingegen ist es funktional.
    Damit will ich sagen, ihr agieren in der Partei setzt voraus, dass sie vorher die ÖFFENTLICHE Partei in PRIVATES verwandelt haben und diesen Zustand reproduzieren.

    Nur so können sie Mechanismen der Auseinandersetzung etablieren, die auf das zurückgreifen, was Basis unserer Sozialisation ist und setzen an bekannten Emotionen an.
    Beispiel: Das rebellierende Kind gegen die seltsamen und völlig willkürlichen Rituale der Erwachsenen (Abendessen! Ich wiiiiiiill nicht!) – die sie hier aber selber sind.

    Aus dieser Perspektive diesen Satz von Schoppe:

    „Tatsächlich wichtig aber ist die Frage: Was wird denn nach den gezietlten Brüchen der Tabus an die Stelle der bestehenden Gesprächsstrukturen gesetzt?“

    Nichts.
    Sie selber haben außer De(kon)struktion nichts im Angebot.

    „Jedenfalls ist klar, dass ein „herrschaftsfreier Diskurs“ so eben gerade nicht etabliert wird, ganz im Gegenteil: An die Stelle der oben skizzierten liberalen Strukturen der Debatte tritt eine gezielt herrische Attitüde, mit der Rederecht wilkürlioch zugeteilt oder entzogen wird.“

    Das ranking selbst (wie ich oben schrieb) ist doch die größte Ironie.
    Das sich Rederechte aus einer Hierarchie von Rederechten ableiten lassen und sich Kritik an der Top 1 von selbst verbietet.
    Majestätsbeleidigung!
    Das ist Vor-Aufklärung.

    Wenn aus einer Theorie der Herrschaftskritik neue Formen von Herrschaft entstehen und Regeln, die diese absichern, dann kann etwas an der Theorie nicht stimmen, wenn sie für sich in Anspruch nimmt „links“ zu sein.
    Wenn die Subjekte, die diese Theorie propagieren in eine „herrische Attitüde“ verfallen können, dann können diese keine Linken sein.

    Schönen Gruß, crumar

  • @Schoppe
    „Den Bildungsplan in Baden-Württemberg verstehe ich ganz so wie Du – als willkürliche massive Privilegierung von Gender-Aspekten gegenüber allen anderen relevanten Problemen.“

    Jein. Ich beschränke mich einmal auf das Beispiel schwuler Jungen.

    In der Form der Argumentation erscheinen „schwule Jungen“ als *Gegensatz* zur Gruppe der Jungen.
    In Wirklichkeit sind sie ein Bestandteil der Gruppe der Jungen.
    Sie bilden einen Anteil an der Gesamtheit der Gruppe von Jungen in Höhe von 3%.

    Nun das Gefährdungsargument, das sie wiederum als besondere Gruppe ausweist:

    „Schwule Jungen leben in einer um 15% höheren Gefahr Selbstmord zu begehen als Jungen!“

    Der gesetzte Vergleich ist wieder = Jungen versus schwule Jungen.

    Komplett unter den Tisch fällt, dass die Gesamtheit ALLER Jungen beweisbar vielfach höher gefährdet ist Selbstmord zu begehen als die Gesamtheit der Gruppe der MÄDCHEN.

    Das heißt, die Gruppe der schwulen Jungen wird in ihrer Besonderheit benutzt, um den Vergleich zwischen den Geschlechtern eben NICHT anzustellen.
    Es wird Gefährdung durch „sexuelle Orientierung“ im Besonderen skandalisiert, gerade um NICHT über die Gefährdung qua Gender im Allgemeinen zu reden.

    Auch hier wieder die oben skizzierte Vorgehensweise
    – nur in diesem Fall SPIEGELVERKEHRT (weil es sich um Männer handelt):
    Es ist ein Skandal für die Demokratie, wenn es Gefährdungen für 3% einer Gruppe gibt, hingegen NICHT, wenn diese Gefährdung für 97% einer Gruppe vorliegt.

    In diesem Fall begünstigt das abstrakte Ideal des Wohlergehens einer Gruppe nicht zufällig bloß 3% dieser Gruppe und ignoriert die empirische Realität der „restlichen“ 97%.

    Du schreibst: „Die Regierung versteckt die von Dir skizzierte Agenda hinter der Behauptung, sie würde sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen.“

    Das praktische an dieser Behandlung der Minderheitenrechte ist doch, dass ZUGLEICH die Rechte der Mehrheit ignoriert werden und diese wissentliche Ignoranz dann als fortschrittlich verkauft werden kann.

    Die Gruppe, die diese besondere Fürsorge der Politik verdient kann und sollte aber gar nicht klein genug sein – das ist der geldwerte Vorteil einer elitären Sichtweise, die durchgesetzt worden ist.

    Besondere Fürsorge für 3% ist wesentlich billiger.

    Schönen Gruß, crumar

  • Die Familie ist eine Form der Gemeinschaft. Gemeinschaften werden von „Gesellschaft“ unterschieden. Gemeinschaften schaffen emotionale Bindungen. In diesen Bindungen wird die Distanz zueinander eher aufgehoben. Man ist also mit seinem besten Kumpel in der Partei. In der Gesellschaft geht es nüchterner zu, man tritt sich auch ein wenig als Objekte füreinander gegenüber, mit denen der jeweils andere kalkuliert.

    In einer Partei, die man eher als gesellschaftlichen denn gemeinschaftlichen Ort, versteht, ist für den „besten Kumpel“ kein Platz. Hier geht es um eine durchaus auch technisch verstandende Verwirklichung von Zielen.

    Was mit den Piraten passiert, ist daher nur bedingt Produkt der Ideologie der Berliner. Solche Phänomene sind schon häufiger aufgetreten. Bewegung wird plötzlich zur Partei, aber schafft es nicht, sich zu öffnen. Die Bewegung lebt noch zu sehr von großen Hoffnungen, Fernzielen, auch Heilserwartungen. Sie kann sich selbst noch nicht als schlichtes Instrument betrachten, als Zweckbündnis.

    Gemeinschaften, wie eben auch Familien, sind sehr grenzorientiert. Nach außen solle man zusammenhalten. Wer der Gruppe den Rücken kehrt, wird schnell als Verräter angesehen, erzeugt also emotionale Reaktionen. Die Außenwelt wird als eher feindlich angesehen. Zugleich gilt die Binnensphäre als etwas besonderes. Der Gemeinschaft anzugehören ist eine Ehre.

    Vor diesem Hintergrund würde ich eher sagen, dass die Berliner Piraten als Gruppe pubertieren. Sie nehmen ihre Freizeitwelt, ihre Gemeinschaft, mit in das Berufsleben. Sie setzen ihre hippen Bürogemeinschaften der Kumpels in der Politik fort. Aber sie vermögen dann auch nicht, die Anforderungen an Freundschaft von den professionellen Anforderungen zu trennen. Loyalität soll gezeigt werden, weil man das unter Freunden macht bzw. unter den Genossen einer Gemeinschaft der Erleuchteten. Das durchquert jede vernünftige nüchterne Kalkulation.

    In gewisser Weise haen die Berliner Piraten die Jugendphase noch nicht verlassen. Sie leben in ihren Freundeskreisen. Sie vermögen in einer gesellschaftlichen Öffentlichkeit der einander Fremden nicht adäquat zu handeln. Denn sie beschimpfen sich und prangern sich öffentlich an. Der moderate Verhandlungston der einander Fremden ist ihnen nicht gegeben. Sie gehen mit jedem um, wie man mit dem Freund am Biertisch umgehen würde.

  • @Lomi

    Bitte schau dir doch einmal diesen Satz an:

    „Aber was wir Frauen selbstverständlich verlangen können, ist, im öffentlichen Raum wahrgenommen zu werden. Das gehört zu den ganz wichtigen Punkten.“

    Sie (also WIR FRAUEN) kann etwas SELBSTVERSTÄNDLICH von ANDEREN erwarten.

    „Selbstverständlich“ übersetzt: es versteht sich von selbst und bedarf keiner weiteren Erklärung.
    Was genau ist denn die Grundlage dieser Behauptung?
    Seit wann kann eine ERWARTUNG, eine Anforderung an das Verhalten anderer Menschen völlig voraussetzungslos, eben „selbstverständlich“ existieren?

    Wieso fordert sie dieses Verhalten anderer, welches sich selbstverständlich auf SIE beziehen muss, als ihr völlig selbstverständliches RECHT ein?

    Dem Satz liegt ein völlig irrer Narzissmus als scheinbarer „Naturzustand“ zu Grunde.

    Schönen Gruß, crumar

  • „Sie (also WIR FRAUEN) kann etwas SELBSTVERSTÄNDLICH von ANDEREN erwarten.“

    Ja, das ist mir aufgefallen und ich finde es auch ziemlich schräg.

    Sie präzisiert:

    „Das sagen Sie so. Stellen Sie sich mal vor, keine Frau würde Sie mehr angucken. Das könnten Sie vielleicht grade noch verschmerzen. Aber wenn Sie das Gefühl haben, der gesamte öffentliche Raum nimmt Sie nicht mehr wahr, dann wird die Sache politisch.“

    Soso, da wird es also politisch. Das heißt, der Staat soll den alternden Frauen zur Aufmerksamkeit von Männern verhelfen? Seltsam. Es genügt hier ja auch schon das „Gefühl“, man werde nicht wahrgenommen. Das ist Facebookismus in Reinkultur. Keine Likes und die Welt ist verkehrt eingerichtet.

    Was ist eigentlich mit Männern, die von Frauen ignoriert werden: Ist das auch politisch?

  • Hallo Lucas,

    Ok ok, wir haben alle keine süßen Kulleraugen, bis auf Lucas, der hat theoretisch welche, auch wenn sie ihm nichts nützen. War das jetzt so ok?

    Ich denke es gibt schon Möglichkeiten auch Öffentlichkeitswirksam was zu machen. Ich habe nun mal keine Kulleraugen, aber mein Sohn hatte mal welche. Auch der PAREIsoldat oben auf dem Bild hat keine Kulleraugen, aber durch ne witzige Idee ist auch der in die Zeitung gekommen, wie viele Aktionen von „Die Partei“, obwohl meist Inhaltsleer. Wir hätten sogar Inhalte, mehr als wir verkaufen können…

    Und es gibt auch andere Möglichkeiten auf sich Aufmerksam zu machen, auch mit kleinen Gruppen, sehr kleinen, übrigens ohne Militant zu werden! Und auch nur mit theoretischen Kulleraugen…

    Gruss
    Kai

  • Mit Greenpeace-Aktionen meinte ich gerade nicht Massenveranstaltungen, sondern originelle und/oder leicht grenzverletzende Aktionen wie beispielsweise die Blockade eines Schiffes = Nötigung oder das Aufhängen eines Transparenz beim Gegner = Hausfriedensbruch. Mir jedenfalls fehlte der Mut zu vergleichbaren Aktionen… (KlausT)

  • Ich denke wir hatten das auch so verstanden, zumindest ich. Wie bei der Aktion von „Die Partei“ ersichtlich, kann man es schaffen mit einem kleinen Slogan ohne grossen Aufwand in die Presse zu kommen. Mehr ist auch bei der Kranaktion, die ich angeführt habe, nicht raus gekommen, obwohl der Aufwand und die Planung wesentlich Zeitintensiver waren. Ein kleiner Slogan mit Zeitungsartikel, mehr nicht.

    Greanpeace hatte ein anderes Thema, aber auch ein Konzept dahinter, bei dem die Pressearbeit stimmte. Die ersten Aktionen waren „waghalsige“ Schlauchbootmanöver gegen Wahlfänger. Die Aktionen wurden durch befreundete Journalisten gefilmt und verbreitet.

    Wir hatten ganze Dokumentationen, z.B. der entsorgte Vater, und trotzdem ist nichts passiert, weil Journalisten entweder nicht interessiert sind, andere „Fakten“ verbreiten und wir kaum zu Wort kommen. Es wird dann nicht mitgeteilt warum soundsoviele Sorgerechtsentzüge passieren, warum Jungen eine Lesescwäche haben etc. etc. etc.

    Selbst die Minimallösung zum gem. Sorgerecht wurde, trotz Urteil vorm EU Gericht, als Gnadenaktion für Väter verkauft. Es muss erst eine Öffentlichkeitsarbeit erfolgen, die Menschen erst einmal auf genau das Problem hinweist. Aber genau das ist jedoch ein Problem. Lucas hat in einem Artikel zur häuslichen Gewalt ein Video verlinkt, dort siehst Du die selbe Situation, Gewalt in Paarbeziehungen, aus zwei Blickwinkeln, einmal Mann gegen Frau und einmal umgekehrt. Bei Frau attackiert Mann hast Du eine Frau die im vorbeilaufen noch eine Geste der Zustimmung macht, selbst diese Frau ist sich nicht zu schade diese noch vor einer Kamera zu kommentieren. Ich wäre vor Scham im Boden versunken, die Frau nicht. Wir haben noch einen langen Weg vor uns…

  • Wie gewinnen wir – und zwar auf zivile, gewaltlose Weise – die Aufmerksamkeit derer, die noch nicht aufmerksam sind? Auf diese Frage haben die Innovationen der Piraten-Partei, die eine offene Diskussion im Netz ermöglichen sollten, nie eine Antwort gegeben.

    Würde ich nicht so sehen. Öffentliche Aufmerksamkeit haben die Piraten genug bekommen, nicht nur innerhalb ihrer eigenen Filterbubble. Und die einflussreichen Alpha-Mitglieder haben klassische Offline-Qualitäten: Dominantes Auftreten, flüssiges Reden, Rhetorisches Geschick, gutes Aussehen, ortsgebunde persönliche Freundschaften. Ich hatte immer den Eindruck, dass die einfachen Parteimitglieder den Alphatieren das Spiel zu einfach machen, vielleicht wegen ihres jugendlichen Alters oder ihres zuvor mangelnden politischen Interesses, vielleicht haben sich die Strukturen zu schnell formiert. Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht, aber es wäre schon interessant zu wissen, was da eigentlich schiefläuft.

    Zu Anne Helm: Meines Erachtens wird Bombergate zu sehr inhaltlich diskutiert (wobei das Fementhema komischerweise so gut wie keine Beachtung findet). Dass es irgendwann mal ordentlich kracht, liegt ja schon länger in der Luft, der konkrete Anlass erscheint mir da fast schon unwichtig. Früher gab's doch schon mal Probleme mit Holocaustleugnern oder sonstigen rechten U-Booten – nur hat das den Zusammenhalt der Partei nie in dem Maße gefährdet wie der jetzige Streit.

  • Was sicher noch eine Rolle spielt, ist dass das Internet soviele Möglichkeiten schafft, sich selbst zu „vermarkten“. Das Problem betrifft auch die etablierten Parteien, wie man kürzlich beim stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter sehen konnte (seine Tweets bezüglich des Spiegel-Edathy-Interviews). Die die neuen Techniken finden Diskussionen viel direkter statt. Die einflussreichern Bekanntheiten dominieren da natürlich mehr oder weniger. Weil nur noch wenige Leute einbezohen werden müssen, geht ein moderierender Faktor verloren.

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