Geschlechterkampf

Wie Anne Wizorek und ihre Freunde einmal einen schlechten, schlechten Menschen aus mir machten

Bild zeigt Mann auf einem Esel, der dem Abgrund zuläuft.
geschrieben von: Lucas Schoppe
„Ich glaube einfach nicht mehr, dass die ‚Kommunikation wollen‘. Die wollen einfach nur, dass alles so ist und läuft, wie es ihnen gefällt.“

Während wir so im Anschluss an den Text über die Neuköllner Apothekenverwüstung darüber diskutierten, ob der Kommunikationsstil des Lilifee-Feminismus überhaupt etwas mit Kommunikation im herkömmlichen Sinne zu tun habe, und während LoMi darüber – was mir natürlich eine Ehre ist – gar einen eigenen Artikel schrieb, hatte Anne Wizorek längst Fakten geschaffen.

Ihr Gruppen-Blog „kleinerdrei“ veröffentlichte in deutscher Übersetzung einen Text Julie Paganos, der sämtliche Zweifel hinsichtlich etwaiger Kommunikationsabsichten souverän beseitigt und der dabei zugleich ungezwungen und elegant einen Beitrag zur Lebenshilfe leisten kann: „Schlechte Verbündete – Das Quiz“

„Disclaimer: Als weißer heterosexueller Mann (WHM) kann ich bestenfalls ein Ally sein“,
hat ein Mann richtig erkannt. Und kleinerdrei erläutert:
„Speziell feministische Verbündete sind Einzelpersonen, die keine Frauen sind und Frauenrechte unterstützen sowie Feminismus und dessen Anliegen fördern.“

Das heißt, ein Verbündeter hat keine eigenen Interessen, unterstützt aber die Interessen anderer, macht dabei aber leider oft viel falsch.

Wie ich auf die Idee gekommen bin, zu diesem Text eine alte Anti-Kriegs-Karikatur von Boardman Robinson zu veröffentlichen, weiß ich selber nicht. Ich habe aber das Gefühl, dass ich mir dafür Minuspunkte geben sollte.
Ob ich als ein guter Verbündeter tauge, oder als schlechter, oder ob ich schlimmstenfalls gar keiner bin, habe ich im Selbstversuch anhand der präzisen Fragen des Ally-Quiz ermitteln können. Ich dokumentiere hier die Highlights meiner Befragung.

Behauptest du, niemals Fehler zu machen oder in gewaltsamer Weise zu handeln? Fast ganz zu Beginn schon die erste verwirrende Frage. Nein, ich behaupte nicht, in gewaltsamer Weise zu handeln. Könnte aber falsch sein, nämlich ein Hinweis, dass ich meine eigene Gewalt nicht wahrnehme. Aber dass es auf „Ich behaupte, in gewaltsamer Weise zu handeln“ Pluspunkte gibt, kann ich mir auch wiederum nicht vorstellen. Ich sag einfach mal:
„Ich behaupte, in gewaltsamer Weise zu handeln, habe aber keine rechte Freude dran.“
Ist ganz falsch, weil es natürlich bescheuert ist zu meinen, es ginge dabei um meine Freude oder nicht. Zwei Minuspunkte.
Beschwerst du dich über Räume, die ausschließlich Mitglieder einer unterdrückten Gruppe zulassen, weil du selbst dann nicht dabei sein kannst? Hier war ich mir schnell sicher, dass das eine Fangfrage ist. Schließlich haben unterdrückte Gruppen normalerweise keine Räume, aus denen sie ihre Unterdrücker einfach mal aussperren können, so dass die dann draußen und traurig allein vor sich hin unterdrücken müssen.

Der Frage liegt evtl. das Missverständnis zu Grunde, dass z.B. die Plätze für Schwarze im hinteren Teil der Südstaaten-Busse Safe Spaces gewesen seien, um sie vor den Übergriffen Weißer zu schützen. Das ist historisch, um ehrlich zu sein, nicht ganz akkurat.

Die Möglichkeit, andere beliebig ausschließen zu können, ist ein sicheres Kennzeichen für Privilegien. Wer das richtig findet, findet es wohl auch toll, wenn Reiche ihre Wohngebiete mit Mauern und Wachpersonal vor dem Anblick des Pöbels schützen. Also antworte ich mit tiefer Überzeugung: Klar beschwer ich mich!

Dafür gibt’s zehn Minuspunkte. Und weil ich nicht kapiere wofür, gleich nochmal zehn Minuspunkte hinterher. Und nochmal zwanzig drauf für’s Mansplaining.

Benutzt du bevormundende Formulierungen (z.B. indem du eine erwachsene Person als Kind bezeichnest) wenn du mit oder über Leute aus der Gruppe sprichst, deren Verbündeter du bist? (20 Punkte pro Vorfall). Da fehlt ein Komma vor dem „wenn“. Und „mit Leute“ spricht man auch nicht, weil die Präposition „mit“ den Dativ erfordert, Kindchen. — Ach, verflixt… (40 Minuspunkte)
Verwendest du Beleidigungen wenn du mit oder über Leute aus der Gruppe sprichst, deren Verbündeter du bist? (1000 Punkte pro Vorfall). Also nochmal: ein Komma vor dem „wenn“, und „mit Leute“ spricht man eigentlich nicht, min lütten Döspaddel. — Ach scheiße, nochmal drauf reingefallen.
Arschloch! (2000 Minuspunkte)
Verlangst du von anderen Leuten, dass sie dir alles beibringen (anstatt dich selbst weiterzubilden)? Also, erst versteh ich, dass ich alles falsch mache, wenn ich es so mache, wie ich es verstehe…und wenn ich dann frage, wie ich es denn machen soll, ist es auch schon wieder falsch. Kann mir da mal jemand helfen, bitte? (1 Minuspunkt)

Sagst du ihnen, dass sie ein bestimmtes Problem beheben sollen, weil sie einer Gruppe angehören (z.B. indem du forderst, dass sie bei einer Konferenz vortragen oder indem du darauf bestehst, dass sie einen Blogpost über ein spezielles Thema schreiben)? (10 Punkte pro Vorfall) Verdammt, das sag ich tatsächlich oft zu Frauen: „Das hast Du so schön gesagt, da solltest Du unbedingt einen Vortrag bei einer Konferenz draus machen.“ Ich hatte eigentlich IMMER das Gefühl, dass das toll ankommt.

Seit wann allerdings Konferenzvorträge oder Blogposts Probleme beheben, versteh ich nicht, und auch nicht, was das mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu tun hat. Ich geb mir mal vorsichtshalber hundert Minuspunkte, bevor ich hier noch mehr falsch mache.

Vor dem „oder“ fehlt allerdings ein Komma. Ich glaub, ich werd kleinerdrei mal ein paar Kommata schenken, falls das nicht allzu gönnerhaft rüberkommt. (1000 Minuspunkte)

Sagst du ihnen, wie sie zu reden oder sich zu verhalten haben? Verdammt, ja, neulich hab ich mal einem Menschen* gesagt, dass sie mich bitte nicht als „Masku-Troll“ und „menschlicher Abschaum“ beschimpfen, dings, sachlich bezeichnen soll. Das war anmaßend von mir. Fünf Minuspunkte.
Bist du ein “Betroffenheitstroll” (“concern troll”)? Also, „concern troll“ heißt eigentlich eher „Bedenkentroll“, ganz ehrlich. Ich bin ja eigentlich ganz für den Feminismus, aber die Sache mit dem Töten aller Männer macht mir doch ein paar Bedenken, vor allem, weil sie immer wieder aufkommt. Könnte ich zum Beispiel sagen. Das gibt hundert Minuspunkte für die Trollerei und nochmal zweihundert für das Mansplaining. Und hundert drauf, weil ich damit auch noch recht hatte.

Wirfst du Leuten vor, sie würden überreagieren, seien zu empfindlich sind oder würden Dinge unnötig aufblasen? Aber hallo. Diese dämlichen Väter zum Beispiel, die durch die Gegend jammern, dass sie werweißwie unterdrückt wären, nur weil sie ihre Kinder nicht mehr sehen können und dabei durch die Unterhaltszahlungen auch noch ruiniert werden. Aufgeblasene Privilegienpenisse, die sich nicht für fünf Minuten Gedanken darüber machen, was eine Frau* tagtäglich erleben muss.

Hmm. Keine Minuspunkte. Vielleicht kapier ich das Spiel jetzt langsam… Obwohl ich das mit dem „seien zu empfindlich sind“ eigentlich gar nicht verstehe.

Benutzt du andere Mitglieder der Gruppe, um dein Verhalten zu rechtfertigen (z.B. „Ich habe schwarze Freunde“, „Ich bin mit einer Frau verheiratet“)? Hmm. Kann sein, dass mir schonmal ein „Ja, ich bin schlecht gelaunt, miesepetrig und mutlos, aber ich bin ja auch mit einer Frau verheiratet“ rausgerutscht ist. Aber das war nur ein blöder Spruch, ich bin ja nichtmal verheiratet.
Hundert Minuspunkte für den Spruch, hundert mehr dafür, weil man darüber keine Witze macht, und nochmal hundert für die Weigerung zu heiraten. Fürs Heiraten gäb‘s auch hundert Minuspunkte, bevor sich hier jemand noch zu sicher fühlt.
Haben Mitglieder der Gruppe dich als schlechten Mitstreiter bezeichnet oder gesagt, dass du gar kein Verbündeter bist? (100 Punkte pro Vorfall) Ähh…nie. Niemals. (Kann nicht sein. Tausend Minuspunkte für die Weigerung, zuzuhören). Eigentlich ist, wenn ich ehrlich bin, nie jemand auf die Idee gekommen, dass ich ein Ally sein könnte…fürchte ich. (Nochmal tausend)
Hast du erwähnt, dass du ein Verbündeter bist, wenn du auf Fehler oder schädliches Verhalten hingewiesen wurdest? (5 Punkte pro Vorfall) „Hör mal, was macht denn da deine Hand auf meinem Hintern?“ – „Ich bin ein Verbündeter.“ Nee, das wär mir doch zu blöd. (Hundert Minuspunkte für den schlechten Witz.)
Machst du immer wieder die selben Fehler? (10 Punkte) Fällt das so sehr auf, ehrlich? Zehn Minuspunkte.

Tust du Dinge, die Mitgliedern der Gruppe mit der du verbündet bist, aktiv schaden? (100 Punkte pro Vorfall) Tust du es sogar mit Absicht? (1000 Punkte pro Vorfall) Ich versuche der ganzen Gruppe aktiv und systematisch zu schaden, tu es aber ganz bestimmt nicht mit Absicht.

Hmm…ich hab das Gefühl, das kam jetzt irgendwie unglücklich rüber, oder? (Dreitausend Minuspunkte)

Ich habe ehrlich geantwortet und mir eine Menge Gedanken gemacht, das mit der Bewertung müsste also ganz gut gehen. 7998 Minuspunkte habe ich, das sieht auf den ersten Blick natürlich nach ziemlich viel aus, aber das wird täuschen. Also:
„Du bist kein Verbündeter. Du bist ein schrecklicher Mensch. Was zur Hölle stimmt nicht mit dir?“
Hmm…selbst wenn ich einberechne, dass ich nur sehr knapp, um gerade mal 2998 Minuspunkte, eine bessere Bewertung verpasst habe, finde ich das jetzt schon ein bisschen deprimierend.

Aber, um ehrlich zu sein, die anderen Resultate sind auch nicht besser: Du bist noch nicht mal ansatzweise ein Verbündeter. – Du bist nicht so weit, ein Mitstreiter zu sein, also hör auf damit, dich einen zu nennen. – Du musst auf jeden Fall schon mal viel Zeit einplanen, um dich weiterzubilden. – Du machst viele Fehler – Du machst einige Fehler und hast immer noch Platz für Verbesserungen – Arbeite (…) fleißig weiter an dir. – Schäm dich.

Das „Schäm dich“ bekommt man für das beste Ergebnis, weil das ganz bestimmt nur durch Schummelei zustande kommen kann. Warum aber gibt es eigentlich überhaupt keine Chance, ein richtig gutes Resultat zu bekommen?

Jetzt einmal ganz im Ernst: Das liegt offenkundig daran, dass ein Verbündeter eben niemals die eigenen Interessen vertritt und grundsätzlich die von anderen, mit denen er aber nun einmal definitionsgemäß nicht identisch sein kann. Die unrealisierbare Hoffnung, er könnte irgendwann einmal alles richtig machen, ist wie die Karotte, die dem Esel vorgehalten wird, während er den Wagen zieht.

Anders ausgedrückt: Der Ally ist Gegner im Geschlechterkrieg, der bleibend als Feind behandelt wird, sich selbst aber als Verbündeter betragen soll.

Warum nur macht jemand so einen Quatsch mit?

Ganz offensichtlich ist die Struktur dieses autoritären Spiels für beide, für Frauen wie für Männer, sehr entlastend. Die beteiligten Frauen betonieren sich die Phantasie ihrer Unterdrückung erdbebensicher ein, dichten sie gegen empirische Einwände ab und können so jegliche Forderung als ewig unzureichenden Ausgleich für erlittene Benachteiligungen imaginieren.

Männer entledigen sich ebenfalls der Verantwortung für ihr Verhalten, weil sie verstehen, wie unzureichend sie grundsätzlich sind und wie sehr darauf angewiesen, sich in ihrem Leben der beständigen Leitung anderer zu bedienen. Belohnung für die Unterwürfigkeit in engen Strukturen ist die Entlastung von der Verantwortung gegenüber alle anderen, die außerhalb dieser Strukturen leben – der selbsterniedrigende Disclaimer beispielweise, den ich zu Beginn zitiert habe, stammt aus einem einige Monate alten Text, der damals die Hatz auf ochdomino verteidigte.

Arne Hoffmann schreibt über dieses Quiz:

„Leute, die so denken, bestimmen die deutsche Geschlechterpolitik.“

Das eben ist das Problem: Wir können kleinerdrei tatsächlich dankbar sein dafür, wie entschlossen dieses Blog die kranke Struktur von Geschlechterdebatten wiedergibt, die sich wider alle Vernunft als „emanzipatorisch“ verstehen. Der Ally-Glaube beruht offenbar auf der Illusion, dass jemand, der bereit ist, eigene Opfer zu bringen, moralisch ganz gewiss und per Definition auf der sicheren Seite steht.

Das, natürlich, ist Quatsch. Wären nicht viele Männer der Überzeugung, dass es wie von Zauberhand immer irgendwie integer und richtig sei, auch verrückt-aggressive Forderungen von Frauen zu bedienen – dann wären die Beziehungen zwischen den Geschlechtern um viele Brutalitäten ärmer.

Dazu gehört, und das ist das für mich natürlich einprägsamste Beispiel, das Kindschaftsrecht, das nicht nur sozialdemokratischen Frauen, sondern auch noch ihren verständnisinnigen Männern schon viel zu liberal ist.

Die Verzweiflung und das Unglück, die dabei für die Privilegien weniger in Kauf genommen werden, sind enorm – bei Kindern, bei Männern und auch bei Frauen. Für die jahrelange, gerichtlich festgestellte Verletzung von Grund- und Menschenrechten fühlt sich niemand verantwortlich, auch nicht dafür, ernsthaft an diesen Zuständen etwas zu ändern. Die liebevoll gepflegte Ideologie der Alleinerziehung privilegiert ausgerechnet die Form des Aufwachsens von Kindern, die europaweit mit dem größten Risiko der Kinderarmut verbunden ist.

Im vergangenen Monat wurden zwei Selbstmorde von Vätern aus der Väterrechtsbewegung publik, die durch lange Ausgrenzungen mürbe gemacht worden waren. Ich bin überzeugt davon, dass das keine Einzelfälle sind, dass aber der größte Teil des erfahrenen Elends gar nicht wahrgenommen wird.

Das bedeutet nicht, dass nun Frauen als Allüberall-Unterdrückte gegen Männer ausgetauscht werden sollten. Aber es bedeutet sehr wohl, dass die altmodische Idee von der Unteilbarkeit der Menschenwürde deutlich tragfähiger ist als die seltsame Vorstellung, man müsse nur irgendeine Gruppe als „unterdrückt“ definieren, diese Gruppe sodann bedingungslos, vernunftfern und selbsterniedrigend unterstützen, um sich dadurch dann so etwas wie moralische Reinheit einkaufen zu können.

Die Herrin-Knecht-Strukturen des Ally-Spiels sind verrückt. Ihr krankhaftester Aspekt aber ist, dass dieses Spiel ein Spiel auf Kosten Dritter ist.

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14 Comments

  • Das stimmt. Ich hab allerdings, ich weiß nicht wieso, den dunklen Verdacht, dass es dort gar nicht als Facepalm-Bild verstanden wurde…

    Außerdem wüsste ich gern unbedingt von kleinerdrei, warum der Mann dort nackt ist und in welchem Zusammenhang das mit dem Post steht. Es ist schließlich IN JEDEM FALLL falsch, solche Fragen humorvoll und souverän auf sich beruhen zu lassen.

  • Im Moment schaffe ich es nicht, das alles zu lesen, ohne dass mir der so dringend benötigte Morgenkaffee wieder abhanden kommt. ^^

    Ja, es ist ein autoritäres Spiel, wo allein eine Gruppe bestimmt, wie das Verhalten des vermeintlich oder tatsächlichen Verbündeten zu bewerten ist. Auch hier zeigt sich wieder die widersprüchliche Haltung: einerseits Beziehungen aufbauen wollen, andererseits sie aber einseitig definieren zu wollen. Man verweigert jegliche auch nur vorstellbare Infragestellung der eigenen Definitionen. Ein solcher Feminismus immunisiert sich komplett gegen jeden Einspruch. Er will seiner Bezugsgruppe, den Männern ausschließlich etwas diktieren, was diese ohne Widerspruch hinzunehmen haben. Was soll Mann damit anfangen?

    Beim Frontberichterstatter (Kai V) wurde ein ausführlicher Bericht eines Berliner Piraten von einem „Gendercamp“ zitiert. Dieser Bericht eines „Feministen“ war gekennzeichnet von der Demut gegenüber feministischen Definitionen. Als er seine Hilfe anbot bei der Kinderbetreuung, wurde das als Versuch bewertet, sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Er wisse doch, dass er privilegiert sei und deshalb wolle er, dass er für sein Angebot gelobt werde, während er mit seiner Betreuungsunfähigkeit den Frauen nur noch mehr zur Last fallen würde.
    http://frontberichterstatter.blogspot.de/2014/03/das-privilegienwurstchen.html

    Der Herr Feminist hat diese Deutung anerkannt. Er hat sich nicht das Recht zugestanden, seine Motive selber interpretieren zu können. Stattdessen hat er sich das Misstrauen der Feministinnen zu eigen gemacht, die hinter jeder männlichen Tat doch nur egoistische Motive vermuten. Ein Ally zu sein, scheint hier zu bedeuten, sich selbst zu misstrauen, sich permanent hinterfragen zu müssen, ob man nicht doch nur seinem Ego frönt. Das kann doch auf Dauer nur ein ungesundes Verhältnis zur eigenen Person erzeugen, eben dauerhafte Schuldgefühle. Zweitens wird dieser Mensch komplett abhängig vom Wohlwollen der Frauen. Nur sie können bestimmen, wann er ein „guter“ Mann, ein „guter Ally“ ist.

    Im Grunde reproduziert dies die ohnehin vorhandenen Haltungen bei Männern. Zumindest Matthias Stiehler beschrieb in seinem Buch „Männerversteher“ diesen Typ Mann, der sich darüber definiert, dass er die Erwartungen seiner Mutter erfüllt. Und das überträgt er dann auch auf andere Frauen.

  • In einer Radiosendung hatte der Taz-Autor Matthias Lohre ebenfalls gesagt, dass Männlichkeit allzu oft von Frauen definiert wird. Zugleich ist es ja eine Identität, aus der der Mann nicht entlassen wird, wie diese Ally-Regeln zeigen. Du bist und bleibst Mann und als Mann kannst Du niemals einer von uns sein. Also wird einem die Männeridentität als maßgeblich zuerst zugeschrieben und dann wird sie in Alleinvertretungsanspruch durch Feministinnen definiert. Das ist totalitär und als Beziehungsmuster ist es ungesund, die Wiederholung der Abhängigkeit der Jungs vom Lob der Mutter.

    Mir zeigt das, dass der Feminismus ethisch und philosophisch grandios unterentwickelt ist. Sie basteln einerseits komplizierte akademische Konstrukte der Sprachreinheit. Andererseits sind sie nicht in der Lage, die Auswirkungen ihres Tuns mal etwas globaler zu reflektieren. Sie infantilisieren sich selber, weil sie Widerstände und versagte Zustimmung um jeden Preis vermeiden wollen. Sie formen sich ihre Welt ganz allein nach ihrem Willen, was aber letztlich unreif ist, weil die Welt widerständig ist. Oder mit Thomas Luckmann gesprochen: Es gibt Transzendenzen, die schon dort beginnen, dass es Andere gibt, die sich meiner willentlichen Beherrschung entziehen und sei es nur in der Freiheit ihres Denkens. Erwachsene Reife hieße aber, das als Tatsache des Lebens hinzunehmen, besonders dann, wenn ich von diesen Anderen erhoffe, dass sie meine Wünsche erfüllen.

  • Hallo LoMi,

    dieser Post ist mir auch sofort in den Sinn gekommen…

    Das schlimme an Kowalewski, dem Frauenpolitischen Sprecher der Piraten, ist ja nicht einmal das er sich diesem Blödsinn ohne jede Kritik unterwirft, ohne überhaupt irgendetwas zu hinterfragen. Gleicher Kowalewski pöbelt ja gegen Menschen die sich eben anders definieren, als Maskuarschlöcher, denen er lieber keine Fernbedienung in die Hand geben möchte. Also auch Kowalewski möchte sein total verkapptes Bild allen anderen aufzwingen. Doch wie er sich z. B. ohne irgendeine Form der Anleitung in die Kindererziehung einbringen kann, dass will er uns nicht verraten. Denn genau das hat er ja mit seinem Praktikum beabsichtigt, zu helfen…

    Er selbst ist hingegen jemand der sich als Hilfsbereit beschreibt, der gerne anderen erklärt, doch er ist ja auch, im Gegensatz zu unterdrückten Frauen, privilegiert. Wo die privilegierten Väter dieser Kinder sind, und warum eine Frau ein Kind austrägt, obwohl sie darunter leidet, so stark leidet, fragt er nicht. Prinz Lillifee ist es auch egal…

    Irgendwie erinnert es mich an eine Rede von einem gewissen John F. Dingens, der mal sagte, „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“
    Frage nicht was Du für Dich tun kannst, um Dich z. B. mehr einzubringen in die Erziehung, sondern was Du für Frauen tun kannst!
    Für Solanes gibt es ja nur eines was er machen kann, sich doch bitte bitte endlich selbst zu vernichten, damit er sie nicht durch seine Anwesenheit stört…

    Gruss
    Kai V

  • (Möglicherweise wiederhole ich mich, aber der vorherige Komentar ist irgendwie verschwunden)

    „Leute, die so denken, bestimmen die deutsche Geschlechterpolitik.“

    Das finde ich mit am Schlimmsten. Das Feministinnen, wie Anne Helm, Anne Wizorek, Ines Pohl oder A.S. das öffentliche Bild prägen. Der größere Teil der Feministinnen mag keiner starren Männer = Täter und Frauen = Opfer Ideologie anhängen und verlangt keine Reparation der Männer gegenüber der Frauen für 3000 Jahre angeblicher Unterdrückung oder sieht in Männern nur dauergeile egoistische Sexbestien, nur sehen ich deren Einfluss auf den öffentlichen Diskurs in den Medien, Politik und Bildung nicht. WO SIND DIE?

    Matze

  • „Die liebevoll gepflegte Ideologie der Alleinerziehung privilegiert ausgerechnet die Form des Aufwachsens von Kindern, die europaweit mit dem größten Risiko der Kinderarmut verbunden ist.“

    Erschreckend finde ich das in den Medien ja bereits über „Zwei-Eltern-Familien“ geschrieben wird der gegenüber die „Alleinerziehende oder Mutter-Kind-Familie“ gestellt wird.
    Erschreckend ist dies für mich, weil für den Normalzustand ein neues Wort geschaffen wird und dadurch der Normal- mit dem Sonderfall gleichsetzt wird.

    B

  • Das halte ich für falsch
    1. Gibt es Alleinerziehung in unserer Gesellschaft defacto nicht.
    Der Vater greifft an seinen Besuchswochenenden NULL in die Erziehung ein, Das würde auch bedeuten Lehrer greifen z. B. NULL in die Erziehung ein. Onkel, Tanten und Grosseltern greifen NULL in die Erzeihung ein…
    Dies ist ein Zustand der so in unserer Gesellschaft nicht vorkommt. Somit ist Alleinerziehend allein als Begriff durchweg falsch und eine politisch falsche Honorierung von Müttern, die das Sorgerecht für sich beantragen.

    2. Kann man die Statistik in der Pfeiffe rauchen, denn sie geht rein von Erwerbseinkommen aus.

    3. Betrifft es fast ausschliesslich die Eltern, die von Unterhaltszahlungen des anderen Elternteiles leben oder hier nur geringfügig zuverdienen.

    Hier in Frankreich ist z. B. zu beobachten das Alleinerziehende deutlich mehr gepamptert werden wie Familien. Neben Sozialwohnungen, Unterhalt, Kindergeld gibt es noch einen Beitrag für Alleinerziehende. So hatten wir z. B. einen Familienvater, der mit seiner Frau 3 Jahre auf ne Sozialwohnung gewatet hat. Als die Frau ihn wegen angeblicher Gewalt rausgeworfen hat, hatte sie innerhalb von 3 Monaten ne eigene Wohnung.

    Gruss
    Kai

  • „Der Frage liegt evtl. das Missverständnis zu Grunde, dass z.B. die Plätze für Schwarze im hinteren Teil der Südstaaten-Busse Safe Spaces gewesen seien“

    made my day 😉
    Ich hoffe sehr, du hattest beim Beantworten und Schreiben so viel Spaß wie ich beim Lesen.

    Aber mal Spaß beiseite: Die Frage im Test „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir?“ sollten sich in der Tat diejenigen Männer stellen, die gerne „Ally“ (tolles Wort) sein wollen. Du sagst ja zu Recht “ ein Verbündeter hat keine eigenen Interessen, unterstützt aber die Interessen anderer“.

    Bloß: Wer nicht klar kriegt, was seine eigenen Interessen sind, der kann auch nicht für sie eintreten. Und mit dem stimmt in der Tat was nicht. Genug Leute mit diesem Problem schlagen dann irgendwann mit Depressionen oder Burn out bei irgendwelchen Therapeuten auf, weil das eine Form der Lebensuntüchtigkeit ist.

    „Männer … Belohnung für die Unterwürfigkeit in engen Strukturen ist die Entlastung von der Verantwortung gegenüber alle anderen, die außerhalb dieser Strukturen leben“

    Ich glaube eben, es geht noch mehr um die Entlastung von der Verantwortung für sich selbst. Da müsste man sich ja mit den eigenen Bedürfnissen auseinandersetzten, und das kann sowohl innere als auch äußere Konflikte nach sich ziehen. Die Triebkraft dieses Verhaltens, das eine Form der Selbstnegation bzw. der Selbstaufgabe ist, liegt m.E. in der Konfliktvermeidung. Da wäre nämlich Rückgrad nötig.

    @Lomi
    „Ja, es ist ein autoritäres Spiel“
    Ja, dieser autoritäre Gestus ist einer der Gründe für meine Abneigung. Aber er kommt auch immer psychisch übergriffig daher. Respekt vor der Autonomie anderer, ihrem Denken und Fühlen, ist für diese Gruppen schon lange zum Fremdwort geworden. Das narzistische Um-sich-Kreisen hat wohl die letzen Reste davon niedergemacht.

  • Liebevoll ? Es geht wohl eher darum, dass ursprünglich alle Aliens waren, die nicht direkt zur Gruppe (z.B. Feministinnen, Lesben, usw.) gehörten. Auch nichtlesbische Frauen wurden so stellenweise als „Aliens“ bezeichnet, Männer sowieso.

    Dass die „Hilfswilligen“ dann zu „Allys“ wurden, ist gut nachvollziehbar. Die Dinge beim Namen zu nennen, hätte doch den einen oder anderen vielleicht eher zum Nachdenken anregen können.

    Die exakte Bezeichnung wäre nämlich einfach: Nützliche Idioten

  • Ich hätte eine viel kompaktere und präzisere Version des Tests.

    Bezeichnest Du Dich Ally oder willst Du einer sein?

    10.000 Minuspunkte. Und als Bonus ein Gutschein für eine psychatrische Untersuchung wegen Anfangsverdachts auf schweren Masochismus (ICD-10 F65.5) und die Gefahr akuter Selbstschädigung.

  • Was hier als „autoritäres Spiel“ bezeichnet wird ist charakteristisch für Sekten. Insbesondere die kritiklose Identifikation des Einzelnen mit der Sekte und deren Lehren, die Selbstaufgabe sowie die zum Teil demütigende Unterwerfung unter das Kollektiv ist doch typisch. Bezeichnend auch die scharfe Trennung zwischen Mitgliedern der Sekte und allen anderen, die samt und sonders als potentiell feindlich eingestuft werden. Dazu gesellt sich noch die Abschottung (filter bubble) mit einem latenten Hang zur Paranoia (rape culture).

    „Sekte“ wird oft als Kampfbegriff verwendet und ist oft unangemessen. In vorliegenden Fall aber sind so ziemlich alle Wesensmerkmale des Sektierertums vorhanden. Der Ally ist ein Sektenmitglied auf einer niederen Hierarchiestufe, der seine Loyalität zur Sekte durch die kritiklose Identifikation, durch Unterwerfung und Selbstaufgabe immer wieder beweisen muss, ohne jemals vollständig zu genügen. Damit wird ein permanenter psychischer Druck erzeugt, um das Individuum zu disziplinieren.

  • „Das stimmt. Ich hab allerdings, ich weiß nicht wieso, den dunklen Verdacht, dass es dort gar nicht als Facepalm-Bild verstanden wurde… „

    Doch das denke ich schon. Es geht ja um das Verhalten von Verbündeten und denen gilt die Facepalm, wenn sie (gemäß Test) alles falsch machen, sich aber trotzdem als Verbündete sehen.

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