Feminismus

Biertrinken mit Feministinnen – Kais Blogstöckchen

Bild zeigt ein Bild von Edouard Manet "Im Café Concert (1878)
geschrieben von: Lucas Schoppe
Das „Blogstöckchen“, das Kai auf seinem Blog veröffentlicht hat, ist mittlerweile von Arne Hoffmann, von Christian Schmidt, von Elmar Diederichs, von Tom, Adrian, LoMi und Graublau beantwortet worden.
Edouard Manet: Im Café-Concert (1878) Quelle
Nachdem Erzählmirnix vor wenigen Monaten blockstöckchenwerfend Blogger nach ihrem Verhältnis zum Maskulismus gefragt hat, fragt Kai nun nach dem Verhältnis zum Feminismus. Ich hatte eine volle Woche und bin gerade sehr, sehr müde, aber antworten will ich natürlich, und die Müdigkeit macht die Antworten ja vielleicht auch besonders interessant….Viel Spaß!

 

1. Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig? Welche als überzogen?

Verständlich wurde mir die Attraktivität feministischer Positionen angesichts einiger Erfahrungen an der Uni in den neunziger Jahren. So etwas wie eine männliche Arroganz gab es durchaus, sie war kein feministisches Hirngespinst – irreal ist lediglich die Fantasie, dass diese Arroganz allgegenwärtig gewesen wäre. Ich hab im Germanistik-Studium öfter die Meinung erlebt, dass man Texte von Ingeborg Bachmann oder Marie von Ebner-Eschenbach, oder auch anderen Frauen, eigentlich nicht kennen müsse.

Wer sich zudem mit der Literatur von Frauen gut auskannte, stand schnell in dem Ruf, sich auf eine Nische zu konzentrieren und von nichts anderem eine Ahnung zu haben. Das galt auch dann, wenn sie – in der Regel waren es ja Frauen – schon längst umfassend belegt hatte, dass diese Meinung nicht stimmte. Daran hat sich mittlerweile etwas geändert, auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass die „letzte Welle“ (was immer das auch sein mag, und war das jetzt eigentlich die dritte oder die vierte?) etwas damit zu tun hat.

Ich erinnere mich daran, wie eine Professorin einmal einen sehr profilierten Goethe-Forscher öffentlich zur Weißglut trieb, weil sie behauptete, dass Goethes Wilhelm Meister sich aus Frauenperspektive ganz anders lese als aus Männerperspektive, und dass der Roman dann keineswegs der Roman einer erfolgreichen Bildungsgeschichte sei. So fand ich feministische Positionen oft interessant – wenn damit die Möglichkeit entstand, etwas anders zu sehen, als man es zuvor gewohnt war. Was noch nicht heißt, dass diese andere Perspektive die bessere sein muss.

Überzogen ist es, daraus eine festgefügte Weltanschauung zu machen – sich zu stilisieren als oppositionelle Bewegung, die festgefügte Denkmuster durcheinanderbringe, beständig neue Perspektiven eröffne. Die Anti-Establishment-Pose ist besonders albern bei einer Bewegung, die mit großer Verbissenheit vor allem anderen auf das Ziel konzentriert ist, ihre Protagonistinnen möglichst stabil in den öffentlichen Institutionen zu etablieren.

2. Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Natürlich gibt es eine Reihe feministischer Forderungen, die ich unterstützen kann – nicht unterstützenswert ist aber normalerweise ihre Einseitigkeit. Schutz und Hilfe zu bieten vor häuslicher Gewalt ist ein Ziel, gegen das eigentlich kein vernünftiges Argument vorgebracht werden kann – dass Schutz und Hilfe aber allein Frauen zustünden, und zudem vor allem dann, wenn Männer die Täter seien, das ist einfach verrückt.

Verrückt ist es auch, dass diese Einseitigkeit flächendeckend zur politischen Agenda wurde.

Ein anderes Beispiel sind staatliche Unterstützungen bei der Kinderbetreuung. Für Paare ist das ungeheuer wichtig. Einseitig aber wird diese Position, wenn dagegen die Betreuung von Kindern durch die eigenen Eltern als altbacken oder reaktionär hingestellt wird.

3. Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig? Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

Es gibt vieles, was mit guten Gründen für Frauen gefordert werden kann – es gibt aber nichts, was nur und ausschließlich für Frauen zu fordern ist. Schutz vor Gewalt, Unterstützung in Notlagen, Hilfe zur Selbsthilfe, eine vernünftige Gesundheitsvorsorge: All das steht Frauen natürlich zu, aber eben nicht allein Frauen.

Insofern ist der Feminismus eine Maschine, in die richtige und plausible Forderungen eingespeist werden, aus der sie dann aber als einseitige und unplausible Positionen wieder herauskommen.

4. Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?

 

Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht? Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.

Och, ich finde, ein Bier zu trinken ist kein großes Opfer – es gibt kaum Menschen, bei denen ich das aus politischen Gründen grundsätzlich ablehnen würde. Auch wenn ich mich vielleicht bei vielen nach einem Bier höflich und formvollendet auch schon wieder verabschieden würde.

Aus persönlichen Gründen aber möchte ich nicht mit Mütterideologinnen zusammensitzen, die eine Politik der Vater-Kind-Trennung betreiben. Müsste ich ein Bier mit Anita Heiliger trinken, oder mit der VAMV-Vorsitzenden Edith Schwab, dann würde das meine Humorbereitschaft ernsthaft überfordern.

Ich wüsste allerdings auch nicht, wie es zu solch einer Konstellation kommen sollte – es wäre schon ein recht bösartiger Alptraum.

5. Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?

Es gibt einzelne Feministinnen, die ich auch in vielen Punkten unterstützen könnte – Leszek hat dazu gerade einen sehr passenden Kommentar veröffentlicht. Dazu gehören beispielweise Feministinnen, die sich offen mit dem Widerspruch auseinandersetzen, Gleichberechtigung zu fordern, Frauen in der Erwerbsarbeit stärker etablieren zu wollen, zugleich aber verbissen Privilegien von Müttern zu verteidigen.

Ich kenne allerdings keine feministische Gruppe, die ernsthaft versuchen würde, eine solche Auseinandersetzung in die einschlägigen Institutionen zu tragen. Mein Eindruck ist, dass es im Feminismus, sobald er sich organisiert und institutionalisiert, um kaum etwas anderes als um die Verteidigung und Ausweitung von Besitzständen geht.

6. Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?


Derselbe Fehler, der in drei verschiedenen Versionen gemacht wird – die feministische Dreifaltigkeit, sozusagen:

In der Theorie ist der größte Fehler, die komplexen Herrschaftsstrukturen moderner Gesellschaften stur als Männerherrschaft, als Patriarchat, wahlweise auch als durchdringende heterosexuelle Matrix zu deuten.

Ethisch ist der größte Fehler, dass Gewalt gegen Frauen als wesentlich gravierender angesehen wird als Gewalt gegen Männer, dass das Leid von Männern weniger zählt als das von Frauen, dass Verletzungen der Rechte von Männern als Mittel zur Gleichstellung, Verletzungen der Rechte von Frauen als ungeheurer Skandal gewertet werden.

Kommunikativ ist der größte Fehler, dass Feministinnen die Positionen von Männern nicht als ernstzunehmende Positionen wahrnehmen, sondern als Mansplainig, Derailing, insgesamt als Symptom von Herrschaftspositionen verzerren, dass der Ausdruck männlichen Leids ihnen Anlass zur Freude und selbstverständlich nicht zur Empathie ist – Mimimi.

7. Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?

Ich glaube, dass der Feminismus tot ist, dass er aber durch seine Verklammerung in Institutionen wie Parteien und Universitäten und durch beständige Zufuhr öffentlicher Mittel scheinhaft am Leben gehalten wird und so nur noch als politischer Zombie unterwegs ist.

Ich kann natürlich problemlos einzelne Feministinnen akzeptieren, die ihre Position ausweiten und nicht allein auf Fraueninteressen fixiert sind. Als humane, demokratische politische Bewegung aber ist der Feminismus in meinen Augen nicht zu retten – wenn er überhaupt jemals eine solche Bewegung war.

Ich hatte mir einmal überlegt, dass das Verhältnis zum Feminismus – und die Frage, was ihm positiv abzugewinnen ist – eigentlich auch ein schönes Blogparaden-Thema wäre. Insofern werfe ich das Stöckchen weiter an die üblichen Blogparadisten und solche, die es werden können, zum Beispiel an Martin Domig oder LoMi, und natürlich auch an Elmar, zumal er ja von Kai direkt zitiert wird.
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6 Comments

  • „Ethisch ist der größte Fehler, dass Gewalt gegen Frauen als wesentlich gravierender angesehen wird als Gewalt gegen Männer, dass das Leid von Männern weniger zählt als das von Frauen, dass Verletzungen der Rechte von Männern als Mittel zur Gleichstellung, Verletzungen der Rechte von Frauen als ungeheurer Skandal gewertet werden.“

    Ergänzend dazu sollte man sagen: Ethisch schwierig ist es auch, auf der Basis von Theorien Belastungen von Menschen zu beschließen. Zu diesen Belastungen zähle ich jetzt auch alles, was als Verdacht und Rechtfertigungspflicht an Männer herangetragen wird, wenn man etwa an Vorwürfe der sexuellen Belästigung ansieht. Da sind wir hier noch nicht so weit wie in Amerika. Aber sollten sich etwa die Verhaltensweisen amerikanischer Universitäten auch hier etablieren, wäre es ziemlich gravierend. Man kann aber nicht Männer maßregeln, sie zur Verantwortung ziehen, sie „verhören“, nur weil eine Theorie Herrschaftsverhältnisse behauptet, die sie nicht beweisen kann – jedenfalls genauso wenig wie es andere sozial- oder geisteswissenschaftliche Theorien können. Der Wahrheitsanspruch des Feminismus ist problematisch, denn er kann wissenschaftlich gesehen nicht aufrechterhalten werden. Eigentlich müsste diese Bewegung angesichts der erkenntnistheoretischen Probleme bescheidener auftreten. Dass der Feminismus das nicht tut, ist einer seiner schwerwiegenden Fehler.

  • Mir scheint die ganze Wortwahl „ein Bier trinken“ etc. manipulativ — es geht um eine Verharmlosung des Feminismus. Ich vermute, dies geschieht in Vorbereitung darauf, dass der „Regenbogen-Maskulismus“ sich an den „gemaessigten Feminismus“ anschliesst, um so mit der herrschenden Ideologie konform zu werden (und an die Geldtroepfe zu kommen).

    Vielleicht geht is allgemeiner darum, die fundamentale Erkenntnis, dass Feminismus eine faschistische Ideologie ist, aus dem Wertekanon des „Westens“ auszuschliessen, besser, es soll gar nicht mehr gedacht werden koennen.

  • @ Oliver Es ging beim „Bier trinken“ für mich gar nicht um die Frage, wie der Feminismus eigentlich einzuschätzen sei, sondern wie man sich im persönlichen Kontakt verhalten kann. Reden kann ich durchaus mit allen möglichen unterschiedlichen Leuten, ich hab – als ich noch jung und naiv war – auch mit Nazis diskutiert, wenn auch nicht unbedingt einträchtig beim Bier.

    Keine ideologische Entscheidung, auch keine taktische der Annäherung an Fleischtöpfe via Annäherung an Feministinnen (das ist eher die Taktik des Bundesforums Männer) – sondern die Frage, ob mir die Ablehnung der Ideologie oder die Wut darüber das persönliche Gespräch verhindert.

  • In der Theorie ist der größte Fehler, die komplexen Herrschaftsstrukturen moderner Gesellschaften stur als Männerherrschaft, als Patriarchat, wahlweise auch als durchdringende heterosexuelle Matrix zu deuten.“

    Ja, das ist tatsächlich ein schwerwiegender Fehler im Feminismus. Man sollte das Thema aber nicht unterschätzen, das ist nicht bloß irgendeine Dummheit, die sich aus unerklärlichen Gründen breit macht.

    Was ist denn die männerrechtliche Antwort auf „die komplexen Herrschaftsstrukturen moderner Gesellschaften“? Man muss ja nicht ein Patriarchat diagnostizieren. Mal ab von Unterhalts- und Sorrgerechtsthemen – wo gibt es auf unserer Seite eine Auseinandersetzung mit derartigen Zukunftsthemen? Gibt es da nichts zu kritisieren, keine Utopien, kein Änderungsbedarf? Basieren denn unsere gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen nicht auch auf einer ungleichen Verteilung von Testosteron? Wenn ja: Wer hier fragt, bekommt Anworten nur im Feminismus, wenn auch die falschen. Müsste ein linker Maskulismus die bestehende Gesellschaftsordnung nicht etwas grundlegender in Frage stellen? Und andere Antworten finden?

  • „Ich erinnere mich daran, wie eine Professorin einmal einen sehr profilierten Goethe-Forscher öffentlich zur Weißglut trieb, weil sie behauptete, dass Goethes Wilhelm Meister sich aus Frauenperspektive ganz anders lese als aus Männerperspektive, und dass der Roman dann keineswegs der Roman einer erfolgreichen Bildungsgeschichte sei. So fand ich feministische Positionen oft interessant – wenn damit die Möglichkeit entstand, etwas anders zu sehen, als man es zuvor gewohnt war. Was noch nicht heißt, dass diese andere Perspektive die bessere sein muss.“
    Du gehst von der Gegenüberstellung von Männer und Frauenperspektive automatisch davon aus, dass die „Frauenperspektive“ eine feministische sei.
    Isses aber nicht.
    Die Identifikation von Feminismus mit Themen, die primär Frauen vertreten ist völlig unangebracht.
    Das klassische Gegenbeispiel sind Kinder und Familie, die im Ursprung das
    Gegenbild zum Feminismus sind.
    (Dummerjan)

  • Zu „ein Bier Trinken“ habe ich einen Kommentar -passend zum heutigen Datum- mit Gegenüberstellung zweier Nachrichten geschrieben: http://emannzer.wordpress.com/2014/04/01/welch-ein-datum-was-fur-nachrichten/

    Ich musste gerade schmunzeln, als mir danach die Frage dazu aus dem Blogstöckchen wieder in den Sinn kam. Allerdings bezog sich diese ja auf „Feministinnen“ – Nun denn, ich halte gerade die lesbische Fraktion gerade für den Hardcore-Typus dieser Ideologie …

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