Männerechtsbewegung

Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)

Bild mit Aufschrift Mann der Arbeit
geschrieben von: Lucas Schoppe
RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2014/03/29/warum-linke-die-mannerrechtler-brauchen-aber-mannerrechtler-die-linken-nicht/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
„Vor allem die linken Parteien schrecken inzwischen immer mehr Männer ab, die eigentlich für die Anliegen dieses Lagers mehr als aufgeschlossen wären“,
schreibt Arne Hoffmann in seinem gerade erschienenen „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“. (S. 19)
Der Text listet viele Beispiele panischer Abgrenzungen und Feindseligkeiten irgendwie linker Parteien gegenüber Männerrechtlern auf: vom verbissenen Desinteresse an einer „Bekämpfung sozialer Nachteile“ (27) von Männern und Jungen, dem „Fall Monika Ebelings“ (18), die von Grünen, SPD, Linken, aber auch der FDP aus dem Amt als Gleichstellungsbeauftragte getrieben wurde (18), bis zu diffamierenden Schriften der SPD (338f.) oder der Grünen (347f.), die aus Steuermitteln finanziert den Einsatz für Männer- und Jungenrechte als rechtsradikal denunzieren.
Und das sind nur wenige Beispiele dafür, dass das Wort „Männer“ – so Matthias Lohre in der taz„in der politischen Linken geradezu zu einem Schimpfort geworden“ sei. (16)
Warum eigentlich sollten sich Männerrechtler angesichts dieser entschlossenen Ablehnung ausgerechnet als „links“ bezeichnen?
„Bezeichnenderweise war es nicht das linke, sondern das bürgerliche Lager, das die ersten Schritte tat, um die bisherigen Einseitigkeiten zu überwinden“,

schreibt Hoffmann weiter (22). Angesichts dieser Situation für eine linke Männerpolitik einzutreten, wirkt wie der Versuch, mitten in Hamburg eine Werder-Kneipe zu eröffnen, weil es in Bremen ja zu einfach wäre. Oder in einem bayerischen Dorf die große Bedeutung des Preußentums zu erläutern. Was soll das?

weg endet-2

 

Eine etwas abgewrackte rote Bushaltestelle im Nirgendwo, an der niemand wartet – dazu das Schild „Weg endet in 250m“ – manche Szenen sind in aller Unschuld so allegorisch, dass sie unbedingt fotografiert werden müssen. Glaubt mir ja sonst keiner.

Das Eintreten für die Rechte von Männern und Jungen setzt linke Positionen, wie immer sie auch verstanden werden, zudem überhaupt nicht voraus. Dafür genügt es, liberale Positionen zu vertreten oder sich an basalen Grundrechten, Menschenrechten und Fairnessprinzipien zu orientieren. Männerrechtler brauchen Linke nicht.

Andersherum ist das jedoch nicht so – Linke würden erheblich davon profitieren, wenn sie die Diskussionen der Männerbewegung offen und ohne irrationale Abwehr aufnehmen würden. Dafür gibt es vor allem drei Gründe.
Kraftvoll, unversöhnlich, gewaltbesoffen Endlos sind die Belege Hoffmanns für feministisch begründete Verharmlosung und Legitimation von Gewalt – oder für die offene, hämische Freude daran, die sich beispielsweise in Alice Schwarzers triumphierenden Beifall für Lorena Bobbit zeigt, die ihrem schlafenden Mann den Penis abgeschnitten hatte.
„Eine hat es getan. Jetzt können es alle tun.“ (179)
Hoffmann schreibt ein ganzes Kapitel über die systematische Leugnung häuslicher Gewalt, soweit sie sich gegen Männer richtet oder von Frauen verübt wird (157ff.).
Er bringt unzählige Beispiele für Hate Speech, ein Gipfel davon Valerie Solanas’ „faschistischer Gewaltaufruf“ (291)  SCUM, der seit Jahrzehnten wieder aufgelegt wird und der die Tötung aller Männer fordert. Gerade erlebt der entsprechende Hashtag killallmen auf Twitter eine Renaissance.
Im linken Magazin jungle world hatte Andreas Hartmann 2010 die abermalige Neuauflage von Solanas’ Schrift so kommentiert:
„Sätze wie dieser sind kraftvoll und unversöhnlich: ‚Rational denkende Männer wollen zusammengeschlagen, mit Füßen getreten, am Boden gehalten, niedergedrückt und wie Hunde behandelt werden; dreckig wie sie sind, wollen sie ihre Widerwärtigkeit bestätigt wissen.‘“
So gewaltbesoffen ein Satz auch ist, wer heute als Linker auf sich hält, entdeckt gewiss noch positive Werte darin.
Im Horizont der Menschenrechte ist Gewalt für alle ernstzunehmenden politischen Richtungen ein erhebliches Problem. Für linke Politik aber ist eine Indifferenz gegenüber Gewalt, sogar Sympathie für Gewalt in ganz besonderer Weise katastrophal.
Schließlich sind von einer Legitimation der Gewalt zuallererst diejenigen Menschen betroffen, die nicht genügend Ressourcen haben, sich selbst dagegen zu schützen. Wer Gewalt als Mittel zu wie auch immer definierten „fortschrittlichen“ Zwecken präsentiert, verwickelt sich daher notwendig in Widersprüche, weil seine Mittel eben denjenigen am meisten schaden, denen seine Zwecke nützen sollen.
In der heutigen Linken ist das Bewusstsein für solche Zusammenhänge jedoch weitgehend verschwunden, und das betrifft keineswegs nur Vertreter extremer Positionen wie die Piratin Anne Helm, die gerade erst offen die Bombardierung Dresdens im zweiten Weltkrieg gefeiert hat.
Die Kampagne gegen Ebeling durch Vertreterinnen und Vertreter allseits etablierter Parteien hatte insbesondere ihre Kritik an einer Anti-Gewalt-Kampagne zum Anlass, in dem – „Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte“ – allein Frauen neben Kindern als Opfer häuslicher Gewalt als schützenswert präsentiert und männliche Opfer ausgegrenzt wurden. Diese vernünftig nicht begründbare Einseitigkeit setzt sich in der gerade veröffentlichen EU-Studie zur Gewalt gegen Frauen fort.
Auch was politische Gewalt angeht, haben etablierte Parteien überraschend wenige Berührungsängste. Die Familienministerin beispielsweise posiert ohne Bedenken mit einer Frau, die gerade zwei Tage zuvor die politisch motivierte Verwüstung einer Berliner Apotheke verteidigt hatte – der Apotheker hatte Bedenken gegen den Verkauf der „Pille danach“.
Dass Gewalt nicht nur abzulehnen ist, wenn sie gegen Angehörige bestimmter Gruppen oder von Angehörigen bestimmter anderer Gruppen verübt wird – sondern dass Gewalt schlicht allgemein abzulehnen ist – dafür haben ausgerechnet Vertreter von Gruppen, die sich als „links“ verstehen, den Sinn verloren. Dabei ist eine klare, unzweideutige Ablehnung von Gewalt gerade für eine demokratische linke Politik von enormer Bedeutung.
Wer diese Ablehnung schlüssig formulieren möchte, wird dabei kaum auskommen ohne die Kritik der Männerbewegung an einem einseitigen und zweideutigen Verhältnis zur Gewalt, hinter dem sich offenkundig häufig eine kaum verhohlene Freude an dieser Gewalt verbirgt.
Menschenrechte und der Rotz weißer Männer
„Teilnehmer eines Seminars des Internationalen Roten Kreuzes beantworteten (die) Frage, ob man Männer und Jungen als besonders verwundbare Gruppe hervorheben sollte, mit Sätzen wie ‚Ein Programm für Männer und Jungen würde kein Mensch finanzieren‘.“ (232)
Gerade angesichts der vielen Beispiele, die Hoffmann für die spezifischen, massiven Beispiele der Verletzungen von Jungen- und Männerrechten weltweit anführt, ist diese Position nicht zu rechtfertigen.

Das ist ein wesentlicher Grund die für die Gewaltnähe vieler frauenpolitischer Positionen, die besonders Parteien mit linkem Selbstverständnis infiziert hat: Eine gemeinsame Perspektive im Horizont der Menschenrechte und Grundrechte wird zu Gunsten einer Gruppenmoral aufgegeben. Für die Netzfeministin Nadine Lantzsch sind Rechtsstaatlichkeit und die Tradition der Aufklärung schlicht

„Rotz von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen“.

Das höhlt nicht nur den Begriff des Gemeinwohls aus, sondern schadet auch den Individuen. Deren Rechte nämlich sind stillschweigend nicht mehr allgemein garantiert, sondern hängen von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten, als besonders schützenswert wahrgenommenen Gruppe ab.

Als „Menschenrechtsverletzung, unter der hierzulande am meisten Männer leiden“ (229), führt Hoffmann die Praxis der willkürlichen Vater-Kind-Trennung an und kommentiert:
„Dass sich Väter über lange Jahre hinweg bis vor dieses Gericht hochkämpfen müssen, bevor ihre Anliegen fair gewürdigt werden, ist ebenso skandalös wie, dass Luzius Wildhaber, der Präsident des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, im Jahr 2006 Deutschland erst eigens zur Umsetzung seiner Urteile ermahnen musste.“ (229f.)
Diese Mahnung richtete sich nicht nur an die große Koalition, sondern mehr noch an die rot-grüne Regierung, die zuvor Urteile zu Menschen- und Grundrechtsverletzungen über Jahre hinweg ignoriert hatte.
Auch der Verlust einer gemeinsamen Perspektive und die Aufspaltung der politischen Landschaft in Gruppen mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen ist ein Problem für alle demokratischen Gruppen, für linke aber ganz besonders. Denn wenn die Perspektive eines allgemeinen Wohls entfällt, wenn die universellen Menschenrechte in spezifische Gruppenrechte umgewandelt werden, dann setzen sich auf Dauer die Angehörigen derjenigen Gruppen durch, die sich als besonders schutz- und förderungsbedürftig präsentieren können.
Da eine solche Präsentation im Rahmen einer öffentlichen Opferkonkurrenz erhebliche Ressourcen erfordert, geraten tendenziell ausgerechnet besonders privilegierte Gruppen in den Fokus einer scheinhaft linken Politik, während Angehörige weniger privilegierter Gruppen ganz aus ihrem Bewusstsein verschwinden. Die absurde Dringlichkeit, die Sozialdemokraten der Einführung einer Frauenquote in den Spitzenbereichen der Wirtschaft zuweisen, ist nur ein besonders prominentes Beispiel dafür, wie ihre Politik ganz den Fokus verschoben hat.
Zudem verliert die Politik in der Konzentration auf Gruppeninteressen ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Zustände zu analysieren und nicht lediglich unterschiedliche Ansprüche unterschiedlich gegeneinander aufzurechnen. Sie verliert den Horizont für eine Frage, die traditionell für linke Politik eine ganz besonders große Bedeutung hat: für die Frage nach sozialer Gerechtigkeit.
Gnade statt Würde Hoffmann führt Beispiele dafür an, wie ein Mann, der Abstand von einer traditionellen Versorgerrolle nimmt, gerade von linker Seite aus als Provokation verstanden und als „Weichei“ (84) beschimpft wird. Das ist nachvollziehbar: Eine Politik, die ihre Konzentration ganz auf das Bedienen von Gruppenansprüchen legt, hat wenig Interesse an Einsprüchen derjenigen, die dafür notwendige Ressourcen erarbeiten.
Von der Männerbewegung wird diese Fixierung schon lange angegriffen, etwa in der Kritik an der Medienfantasie eines „Gender Pay Gaps“, die eine angeblich umfassende schlechtere Bezahlung von Frauen behauptet, ohne die für diese Bezahlung erbrachten Leistungen überhaupt zu registrieren.
Mann der Arbeit
„Mann der Arbeit, aufgewacht / und erkenne deine Macht / alle Räder stehen still / wenn dein starker Arm es will“ Als sozialdemokratische Folklore ist Georg Herweghs Bundeslied durchaus noch in Verwendung. Quelle
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“: Heutige Sozialdemokraten haben den Sinn dafür verloren, was dieser Satz einmal bedeutete – und die meisten Grünen haben ihn womöglich ohnehin nie verstanden. Es geht hier eben nicht darum, dass Ansprüche bedient werden – sondern darum, dass diejenigen, die gesellschaftliche Werte erschaffen, auch das Recht haben, die Früchte ihrer Arbeit zu genießen. Was Marx als „Entfremdung“ beschrieb, war eben gerade die Perversion dieses Zusammenhangs: dass nämlich den Arbeitern die Folgen ihrer eigenen Arbeit als feindlich und destruktiv gegenübertreten würden.
Parteien, die sich heute als links verstehen, ändern solche Bedingungen nicht etwa, sondern drücken sie in die persönlichen Beziehungen der Menschen hinein. Ich kenne gegenwärtig kaum ein besseres Beispiel für Entfremdung als die Situation eines Vaters, der  willkürlich von seinen Kindern getrennt wird und auch noch verpflichtet ist, zu arbeiten, um diese für ihn wie für seine Kinder schädliche Situation zu finanzieren und auf Dauer zu ermöglichen. Es ist ausgerechnet die SPD, die sich mehr als alle anderen Parteien für eine Zementierung dieser Zustände einsetzt.
In der klassischen Arbeiterbewegung war die Fixierung auf Ansprüche und das Desinteresse an den dafür zu erbringenden Leistungen mit sehr guten Gründen verpönt. Unter Bedingungen knapper Ressourcen ist jemand, der auf Dauer und ohne Not Leistungen entgegennimmt, ohne selbst Entsprechendes dafür zu tun, eine Gefahr für andere – und ganz besonders für diejenigen, die tatsächlich auf den Beistand der Gemeinschaft angewiesen sind, für Kinder, Kranke und Alte.
Die Fixierung einer vorgeblich linken Politik auf das Bedienen von Ansprüchen ist ein Symptom dafür, dass ihren Akteuren ein Leben unter den Bedingungen knapper Ressourcen längst unbekannt und auch uninteressant geworden ist.
Das hat auch Folgen für das Selbstverständnis aller Beteiligten: Während Sozialdemokratie und Arbeiterbildungsvereine tatsächlich einmal viel dafür getan haben, Menschen ein würdevolles, selbstständiges Leben zu ermöglichen und ihnen einen Stolz auf die eigene Existenz zu vermitteln, schafft eine Politik der Bedienung von Ansprüchen systematisch Abhängigkeiten. Es ist keine Politik der Würde derjenigen, die unten stehen – sondern eine Politik der Gnade derjenigen, die von oben herabblicken.
Ein von Arne Hoffmann und Walter Hollstein beschriebenes Paradox lässt sich vor diesem Hintergrund leicht erklären – dass nämlich eine Offenheit für eine progressive und zukunftsfähige Geschlechterpolitik heute eher von konservativen und klassisch liberalen Parteien zu erwarten sei als von den Parteien mit einem linken Selbstverständnis. (28)
Auch wer mit konservativen Geschlechterbildern arbeitet, kann schließlich in vielen Fällen souverän und selbstbewusst auf Anliegen einer linken Männerbewegung eingehen. Für Parteien mit linkem Selbstverständnis aber sind diese Positionen eine schwer erträgliche Provokation. Wer sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzt, kann nämlich nur zu dem Schluss kommen, dass diese Parteien längst den Horizont für eine linke Politik verloren und sich zudem hoffnungslos in den Versuch verstrickt haben, die verlorene Idee des Klassenkampfs durch die Idee eines Geschlechterkampfs zu ersetzen.
Das zentrale Problem linker Männerrechtler ist daher, dass sie keine politischen Bündnispartner haben. Das liegt nicht daran, dass linke Politik und Männerrechte unverträglich wären – sondern daran, dass es in Deutschland keine ernstzunehmenden Träger einer linken Politik gibt. Linke Männerrechtler rufen gleichsam in einen Wald hinein, der längst abgeholzt ist – es ist kein Wunder, das nichts wieder herausschallt.

Wer aber ein Interesse daran hat, hier wieder etwas aufzuforsten, wird nicht umhinkommen, sich diese Rufe anzuhören.

Alle Seitenangaben beziehen sich auf das Buch Arne Hoffmanns, Plädoyer für eine linke Männerpolitik

RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2014/03/29/warum-linke-die-mannerrechtler-brauchen-aber-mannerrechtler-die-linken-nicht/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Unsere Plattform ist frei von Werbung oder Paywalls und stellt alle Inhalte kostenlos zur Verfügung. Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Artikel, die Ihnen gefallen haben, in Social-Media-Kanälen, liken oder kommentieren. Sharing is caring!

40 Comments

  • Mein Dilemma ist, dass ich als Linker derzeit keine Partei wählen kann, zumindest dann, wenn ich männerrechtliche Thema in der Vordergrund rücke. Das Argument des „kleinsten Übels“ könnte dazu führen, dass ich Partei Die Linke wähle, weil sie zwar auch den feministischen Irrweg beschritten hat, aber dies nicht so PENETRANT tut wie SPD und Grüne, sondern bei ihr immer noch die ur-linken Themen im Vordergrund stehen. (KlausT)

  • Als seit 7 Jahren für männliche Rechte Engagierter kann ich die Wahl im linken Lager absolut nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Davon abgesehen, dass wir ohnehin nur noch in einer Scheindemokratie leben.

  • „dass nämlich eine Offenheit für eine progressive und zukunftsfähige Geschlechterpolitik heute eher von konservativen und klassisch liberalen Parteien zu erwarten sei als von den Parteien mit einem linken Selbstverständnis.“

    Eher. Was nicht heißt, dass da überhaupt etwas zu erwarten wäre. Das sehe ich nicht. Ursula von der Leyen war vermutlich nur Symbol einer Form des konservativen Feminismus, der sicher auch von mehreren vertreten wird. Dafür brauchen diese Leute kaum Theorie. Sie begnügen sich mit der Feststellung der „Benachteiligung“ von Frauen. Und sie schließen an an recht alte Geschlechtervorstellungen: der böse Mann und die reine Frau. Wie Christoph Kucklick gezeigt hat, hat der Feminismus diese Teilung nicht erfunden, sondern bloß aufgegriffen.

    Du selbst, Lucas, kannst ja immer wieder Plausibilitäten finden dafür, dass der Feminismus die alten Geschlechterrollen fortschreibt. Das ist in konservativen Kreisen also gut anschlussfähig. Diese können nur nichts mit Butler und Co. anfangen.

    Ja, linke Politik wird nur noch wenig gemacht.

    Aber ich bin auch reichlich genervt von den Konservativen, die mit der Haltung „Ich habe es schon immer gewusst“, alten Rollenbildern, der angeblich alles bestimmenden Biologie und ganz viel Weltuntergangsrhetorik daher kommen. Die sind mir auch oft zu sehr festgelegt in ihren Vorstellungen. Das Vorzeichen ist halt anders. Aber ich sehe nicht, dass der Konservatismus da wirklich offener ist als SPD und Grüne. Allenfalls in der Empörung über feministische Aktivisten wird man eine oberflächliche Einigkeit finden. Sobald man aber aus dem Modell der traditionellen Familie ausschert, werden die Konservativen dann eben doch wieder komisch.

  • Da sich Linke mit allen Mitteln gegen die Wahrnehmung von Männerproblemen sperren, bleibt einem als Männerbewegter eigentlich gar nichts anderes mehr übrig, als sich politisch auf jene Kreise zu konzentrieren, die weniger dogmatisch und verbissen agieren. Ich wüsste nicht, warum ich als Männerbewegter links sein sollte, auch wenn mir linke Anliegen nahe stehen.

  • Wir sind uns einig, daß Buben und Männer in unserer Gesellschaft die benachteiligte, diffamierte, verspottete und auch ausgebeutete Gruppe (immerhin 50% der gesamten Bevölkerung) in der Gesellschaft sind.
    Nach bisherigem Verständnis waren es immer die Linksparteien (SPD, früher KPD, Die Linke), die sich für diese Gruppe einsetzten, tun sie es heute nicht mehr, sind sie auch keine Linksparteien mehr. Die Linke kann ich auch nicht mehr wählen, grad vor 2 Tagen hat Gysi, den ich eigentlich immer noch mochte, im Fernsehen erklärt: „Neue Männer braucht das Land“.

    Da die Männerrechtsbewegung, wie sie sich auch noch nennen mag, sich für diese Bevölkerungsgruppe einsetzt, ist sie auch „LINKS“, dies war sie, ist sie und wird sie auch bleiben.

    Deswegen halte ich diese ganze Diskussion für überflüssig.

  • Vergesst die dämliche Frage, ob etwas „links“ ist oder „blaunordwest und gelb“. Was hilft das weiter?

    Es geht um Politik, die sich um Menschen kümmert. Nur solche Politk kann die Menschen erreichen.

    Übrigens wird es erst dann eine Männerbewegung geben, wen es eine solche Politik gibt, sprich: sich kümmrnde Gruppen vor Ort, dicht miteinander vernetzt.

    Alles andere ist (notwendige) Ankünigung und Programmatik.

    Aber noch keine Politik.

  • Ich möchte lediglich anmerken, dass viel Tendenzen momentan eber nicht mehr links sind.

    Männerrechte müssten in einer linken Poltik normalerweise gar nicht erst speziell thematisiert werden müssen.

    Die SPD ist übrigens keine „linke Partei“. Sie war es einst. Sie ist es schon lange nicht mehr.

  • Wo stehe ich politisch:

    Das ist doch egal – denn diese zusätzliche Diversifizierung in links-/rechts-politische Lager verwundert mich schon seit Jahren! Ebenso gut kann man auch einen Streit zwischen Veganern und ‘Fleischfressern’ anzetteln. Und ich stehe hinter engagierten linken Männerrechtlern genau so, wie ich auch rechtsliberale Positionen unterstütze. Ich denke, das sollte als Positionierung nicht nur vorerst genügen. Ich empfehle dazu übrigens Arne Hoffmanns Beitrag:
    “Wir müssen reden …“

    Rechts oder Links, Oben oder Unten ist doch egal
    Es geht um Männer- und Väterrechte

  • Was du schreibst ist Unfug. Keine Partei setzt sich für Männer u. Jungen ein. Viele Parteien sind sogar äußerst Männer- und Jungefeindlich programmiert. Die restlichen Parteien sind Mittäter, weil sich nichts dagegen tun. Männerrechte, basierend auf primitivsten Menschenrechten (z.B. Unschuldsvermutung) haben nichts mit „Links, Rechts oder Mitte“ zu tun, denn es sind unpolitische Rechte, Menschenrechte eben.

    Verschaff dir mal einen Überblick, wo durchweg alle Parteien mitmachen, mindestens aber passiv zusehen:

    http://www.frauengewalt.fall.vn
    http://www.missbrauchgewaltschutzgesetz.fall.vn
    http://www.zahlvaeter.fall.vn

    Schau dir bitte auch die Links an, falls man mir unterstellen sollte, es wäre ja nur ein „bedauerlicher Einzelfall“ ….

  • @ LoMi Ich bi ja nicht deshalb schon ein Fan der Konservativen, weil ich das, was vorgeblich linke Parteien tun, kritisiere. Aber wenn man politische Ziele formuliert, finde ich die Überlegung schon wichtig, wo denn eigentlich die Gelegenheit besteht, sie zumindest zum Teil durchzusetzen.

    Arne geht an mehreren Stellen ausdrücklich auf die Situation ein, dass Offenheit für geschlechterpolitische Positionen von Männern, für die Auseinandersetzung mit spezifischen Benachteiligungen von Männern deutlich eher bei Konservativen als bei „Linken“ zu finden ist. Das hat in seinem Buch nie den Charakter einer Wahlempfehlung für Union oder FDP, sondern eher den einer etwas ungläubigen Frage an die „Linken“: Das wäre eigentlich euer Job – warum interessiert er euch nicht?

    Das zumindest ist auch der Punkt, auf den ich hinauswill. Wenn „Links“ überhaupt noch eine Bedeutung hat, dann die, die Position derjenigen verbessern zu wollen, die aus sozialen Gründen in der schlechtesten Situation sind. Dass das auf demokratische Weise geschehen muss, über einen allgemeinen Ausgleich und nicht über das systematische Ausspielen verschiedener Gruppen gegeneinander – das geht für mich schon daraus hervor. Eine nicht-demokratische Linke ist überhaupt keine Linke, weil eine Ablehnung von Demokratie immer auf Kosten derer installiert wird, die in der schwächsten Position sind.

    In beiderlei Hinsicht – dem Einsatz für Menschen, die von sozialen Nachteilen erheblich betroffen sind, und dem demokratischen Bemühen um einen Ausgleich in der Perspektive des Gemeinwohls – versagen die „linken“ Parteien regelrecht mit großer Entschlossenheit. Mir geht es daher nicht um Werbung für Konservative, sondern eher um die Frage, was denn eigentlich an dieser Politik „links“ sein soll.

  • Ein Witz ist ja, dass viele Grünenwähler meinen, die Grünen ständen links. Oder dass manche meinen Schwarzer wäre eine Linke. Dass die SPD nicht links steht sollte ja seit Willy Brandt, aber spätestens seit Helmut Schmidt bekannt sein. Dass Feministen nicht links sind, sondern ausschließlich für sich selbst stehen und das eher rechts ist ebenso erkennbar. Männerrechtler haben eher bei den konservativen Verbündete. Nur da weicht mittlerweile auch vieles auf … Der Liberalismus hingegen hat in der gegenwärtigen Welt, in der sich die Mehrheit einen paternalistischen Versorgungsstaat wünscht kaum Chancen. Und als Mehrheitenbeschaffer kegeln sich die Liberalen über kurz oder lang selbst von der Bahn.
    Insofern kann man nur nach dem Prinzip vorgehen: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Wobei diese Position immer wieder aktuell überprüft werden sollte.

  • Die Grünen sind nicht nur nicht links. Sie sollen auch aufpassen, dass sie ihren Ruf als
    Umweltschutzpartei nicht verlieren. Ein sehr gutes Beispiel ist die Gemeinde Lilienthal zwischen Bremen und Worpswede, wo die Grünen bei der letzten Kommunalwahl stärkste Partei im Gemeinderat wurden. Die Bremer Straßenbahn plante ihre Straßenbahn bis nach dem Ende von Lilienthal verlängern, obwohl jahrelang eine Buslinie von Lilienthal nach Bremen fuhr. Der Öffentliche Nahverkehr war also gewährleistet. Auch Alternativen, wie beispielsweise Elektrobusse, mit denen die Bremer Straßenbahngesellschaft wirbt, wurden erst gar nicht in Erwägung gezogen.
    Die Grünen im Lilienthaler Gemeinderat haben sich 3 Jahrzehnte lang für eine Baumschutzsatzung eingesetzt, gemeinsam mit der örtlichen SPD. Aber die örtliche CDU, die jahrelang die absolute Mehrheit in Lilienthal hatte, lehnte die gemeinsame Anträge ab. Der Skandal ist, dass durch den Neubau der Straßenbahnlinie ca. 300 Bäume abgeholzt werden mussten, die an der Lilienthaler Hauptstraße standen. Zum Opfer fiel auch eine ansehnliche Allee von Bremen-Borgfeld nach Lilienthal, Statt Bäume sieht man nun Stahlmasten für die E-Oberleitung.Die Grünen, die sich im Bundestag für den Klimaschutz angeblich einsetzen, haben nichts dagegen, Sauerstoffspender im örtlichen Bereich abzuholzen. Für einen alten Sauerstoffspender müssten 2500 neue Bäume gepflanzt werden. So weit zur grünen „Umweltschutzpartei“

  • @Schoppe

    Danke für die Klarstellung, jetzt verstehe ich Dein Anliegen auch besser und kann Deiner Einschätzung zustimmen.

    Als ich meinen Kommentar schrieb, war ich etwas genervt von dem „konservativen Flügel“ der Blogger- und Kommentatorengemeinde. Dort fällt mir auf, dass es immer sehr schlicht zugeht: Die Natur ist die Antwort auf alle Fragen. Entgegen aller Philosophiegeschichte wird schnell gesagt, die Welt „sei eben so“, als ob es nicht mal die Überlegungen zum Unterschied zwischen Sein und Sollen gegeben habe. Drittens wird ohne Abstriche die traditionelle Familie als Allheilmittel hochgehalten. Schließlich wird noch auf alle Geistes-und Sozialwissenschaft – komplett kenntnisfrei – eingeprügelt als Ursache aller Probleme und gleichzeitiger Hort kompletter ideologischer Hirnverhornung. Das ist auf Dauer nur sehr schwer zu ertragen.

    Dabei habe ich weniger Probleme mit jemanden, der eben die traditionelle Familie als Lebensmodell bevorzugt oder sonstwie politisch konservative Modelle verfolgt. Schwierig ist die Diskursverweigerung und die permanente Aufladung mit Bewertung, die dann aber gleichzeitig als Fakt behauptet wird.

    Ich will eigentlich da keine Fronten aufmachen, aber ich sehe bei einigen konservativen Vertretern ein ähnliches Phänomen wie in der linken Szene: Da wie dort gibt es einen Gegner, der als hegemonial beschrieben wird und von dem man sich unterdrückt fühlt, was den Widerstand dagegen adelt als den Aufstand der Wahrheit gegen die Lüge. Das führt auch zur Selbstüberhöhung und damit zur fehlenden Reflektion der eigenen Schwachpunkte. Während die Linken gegen die Verschwörung des Kapitals kämpft, sehen sich die Konservativen einer Vormacht der Grünen, Politisch Korrekten, Linken, Lesben und Schwulen und überhaupt den 1968ern gegenüber, die durch und durch geistig in die Irre rennen und unaufrichtig sind, während sie selber lediglich deren Lügen entlarven und für sich einen ideologiefreien Standpunkt reklamieren. Sie behaupten, Fakten gegen Phantasiegebäude zu stellen, aber diese vermeintlichen Fakten haben sie ihre Bewertungen und Präferenzen längst untergeschoben.

    Aus diesem Ärger heraus hatte ich hier kommentiert.

    „In beiderlei Hinsicht – dem Einsatz für Menschen, die von sozialen Nachteilen erheblich betroffen sind, und dem demokratischen Bemühen um einen Ausgleich in der Perspektive des Gemeinwohls – versagen die „linken“ Parteien regelrecht mit großer Entschlossenheit.“

    Ja, das ist ausgesprochen faszinierend und erklärungsbedürftig. Vielleicht kann man hier der Einschätzung des Parteienforschers Franz Walter folgen. Er sah die Entwicklung der SPD als Generationenphänomen an: Die Schröder-SPD vertrat die Generation der akademisierten Mitglieder, die zuhauf in die SPD eintraten unter Willy Brandt. Nunmehr verteidigt diese Generation ihre Vorteile und Gewinne und verweigert den nachrückenden ihren Anteil daran. Und das schlägt sich dann nieder in Hartz IV und anderen Beschlüssen. Ich fand den Gedanken interessant.

  • Mein Grundproblem mit „linken“ Männerrechtlern ist ein grundlegendes, das ich mit der/den Linken allgemein habe. Meine Befürchtung ist, das eine starke „linke“ Männerrechtsbewegung in noch mehr staatlichen Stellen für allerlei „Kümmerlinge“, generell in noch weit mehr Staat, noch mehr Einmischung und noch mehr Steuern und Abgaben für allerlei Kümmerpöstchen resultiert, da ja jetzt noch eine Gruppe mehr versorgt und betreut werden muß.
    Das Grundübel der „linken“ halt. Das ist meinen Interessen sogar eher konträrer, als der aktuelle Zustand.

  • Alles sehr differenziert und bedenkenswert, was hier geäußert wurde. Bleibt aber eben die Frage: WEN wähle ich? Man wählt ja immer das komplette Paket.
    Ich liebäugele trotzdem derzeit mit einem simplen Motto: Parteien, die für Frauenquoten eintreten, bekommen meine Stimme NICHT.
    Damit sehe ich eigentlich nur zwei Optionen: FDP und AfD. (wobei mir natürlich bewusst ist, dass z.B. die FDP Quoten aus den „falschen“ – jedenfalls nicht männerrechtlichen – Gründen ablehnt. Sondern nur, weil man aus liberaler Sicht der Wirtschaft so wenig Vorschriften wie möglich machen soll.)

  • „Meine Befürchtung ist, das eine starke „linke“ Männerrechtsbewegung in noch mehr staatlichen Stellen für allerlei „Kümmerlinge“, generell in noch weit mehr Staat, noch mehr Einmischung und noch mehr Steuern und Abgaben für allerlei Kümmerpöstchen resultiert, da ja jetzt noch eine Gruppe mehr versorgt und betreut werden muß.“

    Eine solche Forderung wäre maximal die der Einrichtung von Männerhäusern oder Gewaltschutzhäusern. Ansonsten sehe ich da keinen Forderungskatalog, der letztlich mehr Staat bedeuten würde. Ich habe eher den Eindruck, dass eine „linke“ Männerpolitik einfach einen anderen Blickwinkel einnehmen würde: Man würde fragen, welche Ungerechtigkeiten eigentlich die wesentlichen sind und feststellen, dass es wesentlich mehr ökonomisch denn geschlechtsspezifissch begründete gibt. Bzw. würde man feststellen, dass viele Männerprobleme zugleich Probleme der ökonomischen Ungleichheit sind. Der Feminismus hat dagegen die vermeintliche Diskriminierung der Frauen als einzige Ungleichheit verabsolutiert und dabei vergessen, welche anderen Dimensionen es da noch gibt.

  • Mir scheint das Angehen wollen von „Problemen der ökonomischen Ungleichheit“ immer zu wesentlich mehr Staat zu führen.
    Und ein Staat, der für „ökonomische Gleichheit“ sorgen würde, um „Gerechtigkeit“ zu schaffen, ist ja in jeder Hinsicht so ziemlich das wenigst Wünschenswerte überhaupt.

    Ich halte die Idee, das die bestehenden, durch den Feminismus herbeilobbysierten Pfründe, „Kümmerstellen“, Pöstchen und Einrichtungen aufgeteilt würden und nicht nochmal dieselbe Menge dazukäme für ziemlich naiv. D.h. m.E. würden eben nicht die für „Frauenforschung“ aufgewendeten Beträge dann geteilt und etwa gleichermaßen für Frauenforschung und Männerforschung ausgegeben, sondern natürlich würden für Männerforschung zusätzliche Beträge ausgegeben, Pöstchen geschaffen etc.

  • Hallo Schoppe,
    ich habe den Eindruck, in diesem Artikel ist einiges an Ärger und Enttäuschung über die zeitgenössische politische Linke und ihre Ignoranz gegenüber männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen eingeflossen.

    Die Idee, den Spieß einfach mal gedanklich umzudrehen und darüber zu reflektieren, wie eine Öffnung der zeitgenössischen Linken gegenüber der Männerrechtsbewegung für die Linke selbst potentiell hilfreich sein könnte, um sich zu erneuern, zu tatsächlich klassisch linken Werten und Idealen zurückzufinden und wieder eine ernsthafte linke Politik von Relevanz zu entwickeln ist sicherlich interessant und kreativ, bei einigen Schlussfolgerungen deines Artikels bin ich jedoch – wie bei diesem Thema nicht anders zu erwarten – anderer Meinung.

    Du schreibst: „Arne geht an mehreren Stellen ausdrücklich auf die Situation ein, dass Offenheit für geschlechterpolitische Positionen von Männern, für die Auseinandersetzung mit spezifischen Benachteiligungen von Männern deutlich eher bei Konservativen als bei „Linken“ zu finden ist. Das hat in seinem Buch nie den Charakter einer Wahlempfehlung für Union oder FDP, sondern eher den einer etwas ungläubigen Frage an die „Linken“: Das wäre eigentlich euer Job – warum interessiert er euch nicht?“

    Arnes sehr gutes Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ ist in Bezug auf die angesprochene Thematik m.E. in seinen Reflektionen hierzu deutlich ausgewogener.
    Einerseits wird an vielen Stellen ausführlich darauf eingegangen, dass und warum männerrechtliche Anliegen mit linken Werten, Prinzipien und Themen gut vereinbar sind und es wird herausgestellt, warum es eigentlich eine selbstverständliche Aufgabe linker Politik sein sollte, männerrechtliche Anliegen aufzugreifen, andererseits werden die Versäumnisse der Linken in dieser Hinsicht analysiert und kritisiert und in diesem Kontext wird auch darauf hingewiesen, dass in den seltenen Fällen, wo es in der Politik überhaupt zu Anstößen zu einer Berücksichtigung von männlichen Problemlagen kam, diese vom bürgerlichen Lager ausgingen, obwohl es doch eigentlich gerade Aufgabe der Linken sein müsste, sich dieser Problemfelder anzunehmen.

  • Das heißt nun aber nicht, dass in „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ nicht auch Versäumnisse des bürgerlichen Lagers hinsichtlich der Berücksichtigung männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen herausgestellt und kritisiert werden. Hierzu ein paar Beispiele.

    – Auf S. 108 f. beim Thema „Zwangsdienste“ heißt es z.B.: „So wirbt die frauenpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Dorothee Bär, für die Einführung einer „neuen Dienstpflicht für junge Männer“ im zivilen Bereich, wofür sie von der Jungen Union Unterstützung erhält: „Die junge Union tritt dafür ein, die Wehrpflicht zu bewahren, und sie zu einer allgemeinen, sicherheitspolitisch begründeten Dienstpflicht für junge Männer weiterzuentwickeln.“ Währenddessen plädiert der bayrische Innenminister Joachim Herrmann dafür, junge Männer und Reservisten bis zu zwei Wochen pro Jahr zu Übungen im Bereich des Katastrophenschutzes heranzuziehen. Frauen bleiben bei solchen Gedankengängen wie selbstverständlich außen vor.“

    – Auf S. 19 heißt es beim Thema „Diskriminierung von Männern mit Behinderungen“: „Im Jahre 2009 erklärten alle Bundestagsfraktionen Einigkeit darüber, dass behinderte Frauen und Mädchen besser vor Gewalt geschützt werden müssen. Die Unionsfraktion forderte die Bundesregierung dazu auf, eine Studie über das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen sowie einen Zwischenbericht dazu vorzulegen, außerdem ausführliches Informationsmaterial für die Prävention. Frauen und Mädchen mit Behinderung müssten zudem barrierefreie Zugänge zu Anlaufstellen für psychosoziale Beratung erhalten. Keiner Bundestagsfraktion schien der Gedanke zu kommen, dass auch behinderte Jungen und Männer ein Recht auf Schutz vor Gewalt haben könnten. Hier zeigt sich anhand von Männern mit Behinderungen mithin wieder die Intersektionalität von Diskriminierung.“

    – Auf S. 184 heißt es beim Thema „Sexuelle Gewalt in Gefängnissen“: „Was die Situation in Deutschland angeht, zeigte eine 2012 veröffentlichte Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, dass die Wahrscheinlichkeit, im Jugendvollzug innerhalb eines Monats vergewaltigt zu werden bei sieben Prozent liegt. „Das ist eine Horrorquote. Wir haben ja nicht nach einem Jahr gefragt“, erklärte dazu Christian Pfeiffer, Leiter des Forschungsinstituts. Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) allerdings erklärte, er könne derlei Zahlen „gut akzeptieren“. Ein Knast sei nun einmal „keine Mädchenpension“.“

  • – Im Kapitel 3 „Geschlechterrollen – Männer emanzipieren sich“ wird u.a. aufgezeigt wie traditionelle konservative Rollenbilder zu männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen und deren Weiterbestehen beitragen. Hier nur zwei Zitate von S. 76, aber das Thema wird in dem Kapitel sehr ausführlich behandelt: „Tatsächlich stellt das althergebrachte Männerbild eine gigantische Belastung dabei dar, sich für Männerrechte und gegen Männerdiskriminierung einsetzen, denn eben dieser Anachronismus verlangt es von Männern, stark zu sein wie eine Eiche, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Jungen weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz. Es wird im Verlauf dieses Buches noch zu zeigen sein, wie geschickt gerade auch viele Feministinnen diese überholten Rollenerwartungen immer wieder zu instrumentalisieren versuchen, um Männer, die über Opfererfahrungen sprechen, als „Jammerlappen“ und „Plärrer“ abzuwerten.“ (…)
    „Einer der entscheidenden Pferdefüße der althergebrachten Männerrolle liegt darin, wie sehr sie dazu führte, dass nicht nur das Leiden, sondern auch das Leben von Männern gering geschätzt wird.“

    – Erst Recht dürfte bezüglich der Formen männlicher Diskriminierung, die in Kapitel 10 und 11 behandelt werden, in denen es um Benachteiligungen und soziale Problemlagen von schwulen Männern sowie männlichen Zuwanderern geht, fraglich sein, inwieweit eine konservative politische Gesinnung hier hilfreich für Lösungsansätze ist.

    „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ beschränkt sich, wie die genannten Beispiele zeigen, also keineswegs darauf, die Versäumnisse hinsichtlich einer aufgeklärten Männerpolitik nur im linken Lager zu kritisieren, auch auf die Versäumnisse des konservativen Lagers wird mehrfach eingegangen.

  • „Warum eigentlich sollten sich Männerrechtler angesichts dieser entschlossenen Ablehnung ausgerechnet als „links“ bezeichnen?“

    Dafür kann es einige gute Gründe geben. Z.B. könnte es sein, dass sich manche Männerrechtler nun einmal politisch links verorten und ihr männerrechtliches Engagement vor dem Hintergrund klassisch linker Werte, Prinzipien und Theorien verstehen oder es könnte sein, dass manche linke Männerrechtler sich von konservativen Männerrechtlern und insbesondere von den von dir sogenannten Brachial-Maskulisten, die ja oft dem konservativen Lager entstammen, abgrenzen wollen, um nicht mit diesen in einen Topf geschmissen zu werden.

    „Das Eintreten für die Rechte von Männern und Jungen setzt linke Positionen, wie immer sie auch verstanden werden, zudem überhaupt nicht voraus. Dafür genügt es, liberale Positionen zu vertreten oder sich an basalen Grundrechten, Menschenrechten und Fairnessprinzipien zu orientieren. Männerrechtler brauchen Linke nicht.“

    Man kann das Eintreten für Männerrechte sicherlich auch von einem humanistisch-liberalen und einem humanistisch-konservativen Standpunkt aus theoretisch fundieren, aber m.E. ist dies von einem linken politischen Standpolitik sehr viel umfassender, kohärenter und überzeugender möglich.

    Bereits Warren Farrells Buch „Mythos Männermacht“, auf das die Männerrechtsbewegung ideengeschichtlich wesentlich zurückgeht, ist ja von den linken und liberalen politischen Grundsätzen US-amerikanischer Bürgerrechtsbewegungen geprägt.

    Ich denke, dass Farrells „Mythos Männermacht“ in vielerlei Hinsicht in der Tradition der 68er-Bewegung und ihrer Nachfolger steht und einen Versuch darstellt, deren ursprüngliche emanzipatorische Ideale vor der Korruption durch den radikalen Feminismus (bzw. durch das, was ich als das „Paradigma des Radikalfeminismus“ bezeichne) zu bewahren und auf die Problemlagen von Jungen und Männer anzuwenden.
    Das zeigt sich bei Farrell ja u.a. auch darin, dass bereits bei ihm die Kritik an den Nachteilen starrer traditioneller Geschlechterrollen für Männer (aber auch für Frauen) ein wichtiges Thema darstellt. Gleichzeitig praktiziert er eine Kritik an autoritären und sexistischen Strömungen und Positionen im Feminismus, vor dem Hintergrund der ursprünglichen Werte von Freiheit und Gleichberechtigung, die sich im Rahmen der US-amerikanischen Bürgerbewegungen der 60er und 70er Jahre entwickelt hatten.

    Arne Hoffmanns Bücher stehen m.E. ebenfalls von Anfang in dieser Traditionslinie und „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ verdeutlicht dies noch mal explizit.
    Wie ich manchmal ironisch mit Bezug auf die bescheuerten Verschwörungstheorien der politischen Rechten zu sagen pflege: Der linke Maskulismus ist „kulturmarxistisch“ und geschlechtersozialistisch. Und das von Anfang an.

  • Diese theoretische Verortung in einem Wertesystem und einer Weltsicht, die von linken Ideen geprägt sind, bietet m.E. ein gutes Fundament sowohl für die Kritik der Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer als auch für eine Kritik am „Paradigma des Radikalfeminismus“ und dessen Einfluss auf die akademischen und medialen Diskurse und die Politik als auch für die Kritik an andere Aspekte, die zu männlichen Benachteiligungen beitragen wie z.B. die kapitalistische Klassengesellschaft und deren neoliberaler Umbau.

    Im Rahmen einer links-maskulistischen Orientierung können auch Diskriminierungen und soziale Problemlagen von schwulen Männern und Männern mit Migrationshintergrund leichter einbezogen werden, es können Intersektionalitäten und Gemeinsamkeiten zu anderen sozialen Bewegungen herausgearbeitet werden, z.B. hinsichtlich der Kritik an Zwangsdiensten und einseitiger Wehrpflicht zu antimilitaristischen Bewegungen oder hinsichtlich der Benachteiligung von Männern mit Behinderung zu Interessengruppen von Menschen mit Behinderung.

    Für eine multikausale und intersektionale Analyse und Kritik der Ursachen und Bedingungskontexte männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen ist eine linke politische Orientierung m.E. diejenige, die die umfassendsten Möglichkeiten und besten Vorraussetzungen bietet. Ich glaube nicht, dass sich das Thema „Männerrechte“ von einem rein liberalen oder gar einem konservativen Standpunkt aus, potentiell so umfassend wissenschaftlich und theoretisch bearbeiten und fundieren lässt.

    Ein weiterer Aspekt, bei dem dein Artikel m.E. zu kurz greift, ist die etwas zu starke Fixierung auf politische Parteien.
    Damit es wahrscheinlicher wird, dass politische Parteien männerrechtliche Anliegen aufgreifen, ist es m.E. wichtig und notwendig, dass diese in den zeitgenössischen akademischen und medialen Diskursen zunehmend bekannt werden und zur Anerkennung gelangen. Erst dann ist m.E. realistischerweise zu erwarten, dass politische Parteien berechtigte männerrechtliche Anliegen zunehmend aufgreifen.

    Insofern sehe ich persönlich es auch als Aufgabe seriöser und humanistischer Männerrechtler der verschiedenen politischen Lager, ihre jeweilige Perspektive auf männliche Benachteiligungen und soziale Problemlagen an den Mainstream in den Medien und den Sozialwissenschaften anschlussfähig zu machen. Und dass bedeutet für linke Männerrechtler, dass es zu ihren Aufgaben gehört, die linke Sichtweise auf männliche Benachteiligungen und soziale Problemlagen für Journalisten und Sozialwissenschaftler mit linker politischer Orientierung nachvollziehbar zu machen. (Seriöse und humanistische liberale und konservative Männerrechtler sollten dies für ihren jeweiligen liberalen und konservativen Mainstream natürlich ebenfalls tun.)

  • In dem Zusammenhang scheint es mir wichtig festzustellen, dass m.E. erst seitdem der linke Maskulismus sich explizit als eigenständiger Flügel der Männerrechtsbewegung konstituiert hat, die ideologische Hegemonie der Konservativen innerhalb der Männerbewegung mit all ihren Fragwürdigkeiten spürbar durchbrochen wurde. Seitdem hat sich ein deutlich erkennbarer gemäßigter Flügel der Männerrechtsbewegung herausgebildet, (zu dem freilich nicht nur Linke gehören.)

    Zuvor hatte der radikale Teil des konservativen Lagers quasi in einer Art eigenwilligen Kooperation mit den radikalfeministischen Gegnern der Männerrechtsbewegung so ziemlich alles gegen die Wand gefahren, was sich gegen die Wand fahren ließ und die Mixtur aus Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und antilinken, antisemitischen und homophoben Verschwörungstheorien am rechten Rand der Männerbewegung drohte das Vorhaben berechtigte männerrechtliche Anliegen in den Mainstream zu bringen, erheblich zu erschweren.

    Erst seitdem der linke Flügel der Männerrechtsbewegung klar erkennbar als Gegengewicht zu radikalmaskulistischen und antihumanistischen Tendenzen in Erscheinung getreten ist und eigene Ideen und Theorien zum Ausdruck gebracht hat, kam es in Folge zu einer deutlichen Stärkung der gemäßigten Kräfte, konnten die „Brachial- Maskulisten“ weitgehend isoliert werden und hat sich eine gut vernetzte, gemäßigte linke und liberale maskulistische Blogger-Szene herausgebildet.

    Und in etwa zeitgleich zu dieser Entwicklung ist m.E. wahrnehmbar, dass männerrechtliche und feminismuskritische Themen zunehmend häufiger in den Medien in Erscheinung treten, zwar meist noch ohne direkte positive Zunahme auf die Männerrechtsbewegung, aber es zeigt sich doch, dass Interessierte diese Themen die letzten Monate häufiger aufgegriffen haben.

    Eine gemäßigte und humanistische Männerrechtsbewegung erleichtert es potentiell interessierten Journalisten und Sozialwissenschaftlern natürlich männerrechtliche und feminismuskritische Themen aufzugreifen. Mit durchgeknallten rechten Radikal-Maskulisten möchte hingegen niemand in Verbindung gebracht werden – verständlicherweise.

    Eine Stärkung des konservativen Flügels der Männerbewegung und eine Schwächung des linken Flügels brächte meines Erachtens die reale Gefahr mit sich, die aktuelle positive Entwicklung wieder umzukehren.
    Selbstverständlich behaupte ich nicht, dass es eine Garantie dafür gebe, dass es mit Hilfe linker Männerrechtler gelingt, männerrechtliche Anliegen erfolgreich in den Mainstream zu bringen, aber, ich denke, es gibt eine Garantie dafür, dass dies mit rechten Radikalmaskulisten nicht gelingen wird.

  • Bekanntlich sehe ich es auch als Aufgabe linker Männerrechtler an die durchgeknallten antilinken, homophoben und antisemitischen Verschwörungstheorien, die in Teilen des konservativen/rechten Lagers der Männerbewegung kursieren, kritisch zu analysieren und ihren Einfluss soweit wie möglich zurückzudrängen. Meiner Vermutung nach WOLLEN so manche aus dem konservativen Lager eigentlich keinen Erfolg haben, es stecken ganz andere psychodynamische Motive bei ihnen dahinter.

    Die Propagierung der lächerlichen und dummen Anti-„Kulturmarxismus“-Verschwörungstheorie scheint mir z.B. unbewusst vor allem drei Funktionen zu haben:
    1. dadurch wird es Gegnern der Männerrechtsbewegung erleichtert, diese mit antisemitischen Verschwörungstheorien und den Anschlägen von Breivik in Verbindung zu bringen. Männerrechtliche Anliegen in den Mainstream zu bringen wird dadurch erschwert.
    2. es wird suggeriert, dass augrund einer linken Verschwörung (und nicht etwa aufgrund mangelnder Kenntnisse über männliche Probleme) ein größerer Teil des Mainstreams der Medien und Sozialwissenschaften einseitig feministisch orientiert sei. Durch diese Behauptung soll offenbar errreicht werden, dass Männerrechtler entmotiviert werden auch nur zu versuchen ihre Anliegen in den Mainstream zu bringen.
    3. werden durch die ganzen absurden Behauptungen, die mit solchen Verschwörungstheorien einhergehen, falsche Analysen über Möglichkeiten und Hindernisse hinsichtlich des Ziels männerrechtliche Anliegen zur Anerkennung zu verhelfen, vermittelt – und damit auch (diskurs-)strategische Fehler begünstigt.

    Alle drei Aspekte laufen auf das Gleiche hinaus: Konservative/rechte Verschwörungstheorien erschweren es, dass berechtigte männerrechtliche Anliegen Eingang in den Mainstream finden. Und ich denke, das ist auch die unbewusste Funktion, die hinter dem Propagieren solcher Ideologien steht.

    In der Regel besitzen, wenn überhaupt, nur Leute mit linker Weltsicht genügend Wissen, um solche Verschwörungstheorien kritisch zu analysieren, sie zu widerlegen und diskursiv zurückzuschlagen.

    Des Weiteren sollte mitbedacht werden, dass es vermutlich in jeder, der zahlreichen zeitgenössischen miteinander konkurrierenden linken Strömungen Individuen gibt, die potentiell für männerrechtliche Anliegen offen sind, wenn man sie auf eine Art und Weise vermittelt, die für Linke nachvollziehbar ist.
    Auch hier kann es natürlich keine Garantien geben, aber falls sich in jeder linken Strömung mit der Zeit auch nur ein oder zwei Personen finden würden, die sich darum bemühen, die Legitimität männerrechtlicher Anliegen in ihren jeweiligen linken Kontexten aufzuzeigen und zu begründen, dann bestünde die Möglichkeit die gegenwärtige Ignoranz gegenüber männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen innerhalb der Linken Schritt für Schritt zunehmend abzubauen, so dass sich die Linke idealerweise auf das zubewegen würde, was ich als „integraler Antisexismus“ bezeichne – eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Probleme, die alle Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle Transsexuelle, Transgender) und ihre Probleme und berechtigten Anliegen theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt.

    Es gibt also m.E. einige gute Gründe dafür einen starken linken Flügel der Männerrechtsbewegung zu befürworten.

    Ich halte den Titel deines Artikels „Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)“ aus diesen Gründen auch nicht für so besonders gelungen. Insbesondere besteht bei einem solchen Titel leider auch das Risiko unbeabsichtigt die antilinken Affekte konservativer/rechter Dummschwätzer anzusprechen, die einen solchen Titel und den Artikel dann als Bestätigung für ihre Auffassungen interpretieren, dass es keine linken Männerrechtler geben sollte.

    Soweit erstmal.

    Beste Grüße

    Leszek

  • Das Posten meines längeren Beitrages funktionierte leider nur scheibchenweise. Keine Ahnung, woran das liegt, aber es handelt sich natürlich eigentlich um einen zusammenhängenden Text.

  • Erst einmal besten Dank für diese fundierte Argumentation.

    Mir ist nicht klar, ob die Verwendung des Etiketts „links“ nicht mehr Verwirrung stiftet als zu nützen. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist der Begriff nach meiner Beobachtung her inhaltsarm, weil alle Parteien mehr oder minder sozial eingestellt sind. Im politischen Wertedreieck sehe ich mich viel näher bei der liberalen Ecke als bei der sozialistischen. Unklar bleibt, welche speziell linken Prinzipien für welches männerrechtliche Thema relevant sind.

    Über die Etikettierungsthematik hinaus stellt sich die Frage, ob man die Geschlechterthematik überhaupt von den politischen Ideologien trennen kann und ob man wegen der unterschiedlichen Wertepräferenzen uneinig wird.

    Das Konfliktpotential kann man sehr leicht an einer sehr aktuellen Frage festmachen: Frauenquoten und gesetzliche Angleichung der Gehälter in frauen- bzw. männerdominierten Berufen.

    Wenn man (ich z.B.) geschlechtsspezische statistische Unterschiede bei den Talenten und Interessen von Frauen und Männern annimmt, sind männlich oder weiblich dominierte Berufe (Lehrer vs. Ingenieure) normal, daher auch damit zusammenhängende Stereotype, ggf. Einkommensunterschiede (vor Einkommensteuer und der Progression) usw. Solange allen alle Optionen offenstehen und keinem ernsthafte Hindernisse in den Weg gelegt werden und keiner verhungert, ist die Welt für mich in Ordnung. Ich glaube, daß die Leute so glücklicher werden, weil sie das tun dürfen, was sie wollen (auch wenn sie dann weniger verdienen). Ein egalitärer Linker sieht das vermutlich anders, für den ist Gleichstellung wichtiger als das absolute Niveau des Lebensstandards. Damit hätte man ggf. schon einen Dissens in einer zentralen politischen Frage (Quoten).

    Vielleicht bin ich zu pessimistisch. Die Aufgabe, eine maskulistische soziale Theorie zu entwickeln, die für alle wichtigen politischen Ideologien (ohne Radikale und Fanatiker darin natürlich) akzeptabel ist und aus der man auch gemeinsame politische Ziele und Forderungen ableiten kann scheint mir noch ungelöst und eine ziemliche Herausforderung. Es wäre aber schon ein Erfolg, wenn man ein i.w. gleiches Theoriegebäude hätte, auch wenn unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen werden.

  • „Lucas hat übrigens mehrfach zu Gastbeiträgen auf seinem Blog eingeladen, diese ausführliche Argumentation ist ein heißer Kandidat dafür.“ Das sehe ich genauso. Mir ging es, als ich meinen Text geschrieben habe, um einen ganz bestimmten Aspekt: Nämlich nicht nur darauf aufmerksam zu machen, dass Linke sich nach ihrem eigenen Selbstverständnis viel mehr mit den Anliegen von benachteiligten Männern beschäftigen müssten, und nicht nur zum wiederholten Male zu zeigen, dass die demagogischen Breivik- und Rechtsradikalismus-Vergleiche daneben sind – sondern deutlich zu machen, dass Linke substantiell etwas verpassen, wenn sie sich nicht mit den Argumentationen von Männerrechtlern auseinandersetzen.

    Um es knapp und überzeichnet zu sagen: Sich von der Position eines Bittstellers um Aufmerksamkeit in die Position von jemandem zu begeben, der etwas zu bieten hat – und der durchaus damit leben kann, wenn andere mit dem, was er zu bieten hat, nichts angemessenes anzufangen wissen.

    Dass ich dabei die politische Situation ebenso wie den Text von Arne Hoffmann pointierre und dass ich Aspekte auslasse, war mir klar. Das fand ich aber auch unvermeidlich.

    Ich finde, Leszek, dass Dein Text die Auslassungen sehr deutlich macht, und ich würde ihn gern hier als Beitrag einstellen, auch gern noch mit einer knappen Erwiderung der Erwiderung von mir selbst. Wärst Du damit einverstanden?

  • @ Schoppe

    „Ich finde, Leszek, dass Dein Text die Auslassungen sehr deutlich macht, und ich würde ihn gern hier als Beitrag einstellen, auch gern noch mit einer knappen Erwiderung der Erwiderung von mir selbst. Wärst Du damit einverstanden?“

    Ich bin grundsätzlich einverstanden.

    Es wäre allerdings nett, wenn du dabei 2 meiner Rechtschreibfehler kurz korrigieren könntest sowie eine Formulierung präzisieren könntest. (Ich hatte den Text relativ schnell runtergeschrieben und abgeschickt.)

    Bei dem Satz:

    „Man kann das Eintreten für Männerrechte sicherlich auch von einem humanistisch-liberalen und einem humanistisch-konservativen Standpunkt aus theoretisch fundieren, aber m.E. ist dies von einem linken politischen Standpolitik sehr viel umfassender, kohärenter und überzeugender möglich.“

    sollte natürlich „Standpunkt“ stehen, nicht „Standpolitik“

    Und bei dem Satz:

    „Und in etwa zeitgleich zu dieser Entwicklung ist m.E. wahrnehmbar, dass männerrechtliche und feminismuskritische Themen zunehmend häufiger in den Medien in Erscheinung treten, zwar meist noch ohne direkte positive Zunahme auf die Männerrechtsbewegung, aber es zeigt sich doch, dass Interessierte diese Themen die letzten Monate häufiger aufgegriffen haben.“

    sollte natürlich „Bezugnahme“ stehen, nicht „Zunahme“.

    Und bei folgendem Satz wäre vermutlich noch eine Präzisierung sinnvoll:

    „In der Regel besitzen, wenn überhaupt, nur Leute mit linker Weltsicht genügend Wissen, um solche Verschwörungstheorien kritisch zu analysieren, sie zu widerlegen und diskursiv zurückzuschlagen.“

    Besser:

    „In der Regel besitzen, wenn überhaupt, nur Leute mit linker Weltsicht genügend Wissen bezüglicher linker Strömungen und Theorien, um solche Verschwörungstheorien kritisch zu analysieren, sie zu widerlegen und diskursiv zurückzuschlagen.“

    Darüber hinaus finden sich hier und da in meinem Text noch ein paar kleinere Rechtschreibfehler etc. Falls dir spontan was auffällt, kannst du es gerne korrigieren, ist aber nicht so wichtig.

  • MIt dem Begriff der „linken Männerpolitik“ konnte ich nie viel anfangen. In der Politik sind links und rechts oft nicht mehr unterscheidbar und längst Begriffe von gestern. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist linker Maskulismus z.B. Ablehnung der „50er-Jahre-Hausherrenrolle“, Toleranz für Minderheiten usw. OK, damit grenzt man sich zwar dann von den doofen „durchgeknallten“ rechten Männerrechtlern ab (die es zweifelsohne gibt), aber im Gegenzug ist man dann auf Linie mit anderen durchgeknallten Leuten, wie z.B. Herrn Kemper. Der ist übrigens auch links, stramm links sogar. Ob das die bessere Gesellschaft ist, wage ich mal zu bezweifeln.
    Ich halte die künstlich vorgenommene Teilung der Männerrechtsbewegung daher für falsch. Noch bevor sie sich richtig formiert hat, wird ihr gleich ein Arm abgetrennt. Und ob man als „linker Männerrechtler“ mehr Gehör findet, wage ich ebenfalls zu bezweifeln, denn gerade die Parteien, die sich irgendwie als links definieren, lehnen Männerrechte aktiv ab, ganz egal ob diese von Männerrechtlern vorgetragen werden, die sich als links oder rechts definieren.
    Meiner Meinung nach kann eine veränderte Männerpolitik (leider!) nur von rechts kommen, also aus dem bürgerlich-konservativen Lager. Also dort, wo Gender in weiten Teilen zu recht immer noch igitt ist, und wohl auch bleibt. Und ob man bei denen weiterkommt, wenn man sich als politisch linker definiert, wage ich ebenfalls mal stark zu bezweifeln. Warum man nicht einfach Männerrechtler sein kann, ohne sich das Etikett „links“ oder „rechts“ ranzupappen, ist mir schleierhaft.

  • „Und ein Staat, der für „ökonomische Gleichheit“ sorgen würde, um „Gerechtigkeit“ zu schaffen, ist ja in jeder Hinsicht so ziemlich das wenigst Wünschenswerte überhaupt.“

    Es geht nicht um Gleichheit oder Gleichmacherei. Es geht um etwas mehr Gerechtigkeit und es geht um das Abfedern ökonomischer Risiken. Diese werden offenbar unterschätzt, vermutlich, weil wir derzeit gut leben mit vielen Errungenschaften: Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rente. Sozialpolitik heißt ja nicht, Leuten ihren Reichtum wegzunehmen oder sie nicht reich werden zu lassen. Aber drastische Ungleichheiten, wie sie z.B. in den 20er Jahren normal waren, die müssen nicht sein. Es ist nicht notwendig, dass Leute im Alter verelenden und es ist nicht einzusehen, warum eine wohlhabende Gesellschaft wie unsere so etwas zulassen sollte. Arbeitslosigkeit etwa gehört nun einmal zu den Risiken des Kapitalismus. Wer Markwirtschaft haben will, also auch eine flexible Personalpolitik der Unternehmen, der muss eben auch die Risiken dessen abfedern, will er menschenwürdige Lebensbedingungen schaffen. Daran ist nichts falsch. Es ist falsch, die Menschen ihrer Armut zu überlassen – auch ökonomisch, aber vor allem menschlich. Nicht zuletzt ist es fragwürdig, wenn eine kleine Gruppe ungeheure Reichtümer anhäuft und damit auch gewaltige politische Macht ansammelt.

    Es geht nicht um Männerforschung und noch mehr Sozialarbeiter. Es geht um politische Rahmenbedingungen. Die schafft man auch über Gesetze.

  • „Künstlich vorgenommene Teilung der Männerrechtsbewegung“ trifft es ziemlich gut.
    Kaum streckt sich das zarte Pflänzchen Maskulismus ein wenig empor, schon muss es intersektionell, human-liberal, konservativ-liberal, links-rechts kohärent integral verortet werden. Ist natürlich intellektuell alles extrem wertvoll, schadet (hoffentlich) auch niemand, aber wem nutzt das ?
    Eine kleine aufstrebende Bewegung braucht kein Auseinanderdividieren,sondern Verbündete.

  • @Leszek

    So, nun habe ich Deinen Beitrag endlich ganz gelesen und ich finde ihn sehr gut! Ich teile nicht alles, aber die Bandbreite der Betrachtung gefällt mir.

    Was die Kulturmarxismus-Menschen angeht: Ich verstehe diese Simplifizierung einfach nicht. Vermutlich hast Du Recht, dass es eher eine psychodynamische Angelegenheit ist. Zumindest ist diese Art Verschwörungstheorie weit entfernt von einer sachlichen Kritik und sie operiert fortwährend mit Freund-Feind-Bildern und das vor allem durch Rhetorik und nicht Reflektion. Es kommen ja meist metaphorische und stark wertgeladene Begriffe zum Einsatz und weniger echte logische Konstruktionen. Zudem wird dogmatisch, aber kenntnisfrei gegen alle Sozialwissenschaft gewettert. Das ist besonders nervig. Erst wird ein Popanz aufgebaut: Alle Sozialwissenschaft ist generell ideologisch und links (welch ein Irrtum, man denke an Parsons und Luhmann). Dann wird dieser Popanz bekämpft. Don Quichote wäre begeistert…

  • Linke Parteien lehnen keine Männerpolitik ab, sondern haben sie nur noch nicht entdeckt 😉
    Die linke Politik ist zum einen immer noch Traumatisiert von Schröders Agenda. Linke Politik war aber immer eine Politik der „Massen“. Für den kleinen Mann, immer auch für Feminismus. Kleiner Mann ist immer weniger geworden und wird immer weniger, und „kleine Männer“ wählen heute oftmals die Linke. So ist als feste Hausmacht noch Feminismus geblieben. Der Ruck in die Mitte, der von Schröder angestrebt wurde, hat nicht funktioniert. Nun will man keine Experimente. Doch wenn der Druck aus der Wählerbasis erst groß genug ist, wird sich etwas ändern. Gleiches grillt auch für konservative Parteien.

    Aber auch bei den Konservativen ist nicht viel Spielraum, wenn ich deren Ablehnung zum gemeinsamen Sorgerecht sehe, wo sie lieber Männern ein Recht verweigern, weil die Frau ja vergewaltigt worden sein kann. Aber vergewaltigte Männer zu reinen Unterhaltszahlern abstempeln, die keine Rechte über das Kind erhalten, nicht einmal ein Auskunftsrecht in der Schule, sehe ich da auch schwarz, und nicht nur politisch.

    Die Teilung war hingegen nötig, weil ich z. B. nicht mit Menschen zusammenarbeite die noch an einen Familienvorstand glauben, die von Frühverschwulung reden und die in meinen Augen gar keine Politik, sondern nur Polemik machen um ihre Wunden zu lecken. Und nicht nur ich, auch viele andere gemäßigte sehen das so. Wir wollen vorankommen und nicht immer Grabenkämpfe austragen.

    Ob wir nun links, gemäßigt, liberal oder sonst was sind, ist erst einmal egal. Ich kann mit einem Männerrechtler der in der CDU ist, traditionelle Werte hat, aber nicht dogmatisch ist, besser zusammenarbeiten wie mit Gabriel, Steinmeier, Nahlens oder den absoluten Rechtsauslegern die sich Männerrechtler nennen, aber keine sind.

    Das was wir heute als rechts und links verorten, ist bezogen auf Männer zwar vorhanden, aber gerade um die Probleme anzusprechen, eher unerheblich. Ich gebe Lucas sogar Recht, wenn er bemerkt das gerade konservative eher für unsere Probleme offen sind. So gibt es in vielen Bundesländern mit CDU/FDP Regierung, ein Programm zur Jungenförderung in der Schule, aber in SPD/Grün geführten Ländern immer nur den Hinweis, das dieses Problem ja nur Migrantenjungen betrifft, die dann komischerweise nicht gefördert werden müssen. Aber, wie bei Sorgerecht zu sehen, oder in der Beschneidung, auch das rechte Lager lehnt hier vieles dogmatisch ab.

    Es geht nicht um Teilung, es geht hier einfach um eine Richtung, in die wir uns bewegen wollen. Da hat die traditionelle Familie mit erwerbstätigem Vater und Mutter als Hausfrau nicht mehr viel zu suchen, auch wenn ich das Modell nicht ablehne, aber nicht als Allumfassend ansehe, sondern als eines von vielen. Andere Möglichkeiten als Linker aber eben auch etnwickelt sehen möchte, wie mehr Kindergärten, Teilzeit etc. etc. etc.

    Gruss
    Kai

  • @LoMi @Leszek

    1. Es handelt sich m.E. um den US-Import des Vokabulars der US-amerikanischen Rechten, die inzwischen zum offenen Irrationalismus übergegangen ist.

    „Cultural marxism“ demnach der baldige Ruin der „westlichen Zivilisation“, (gemeint ist natürlich die USA) und es herrsche dort bereits „socialism“.
    Übersetzt ins Deutsche erkennt man das in inflationären und abenteuerlichen Vorwürfen, dieses oder jenes sei bereits „sozialistisch“ – die Frauen-Quote z.B. als Instrument.
    Das hat mit der Bedeutung von „sozialistisch“ selbstverständlich nichts zu tun, wird jedoch propagandistisch ausgeschlachtet, als sei jede Beschränkung unternehmerischer „Freiheit“ bereits die Vorstufe zur Abschaffung des Kapitalismus.
    In diesem Kontext macht die Propaganda m.E. derzeit Sinn (bspw. im Rahmen der politischen Re-Regulierung der Finanzmärkte).

    2. Noch einmal zu Breivik / Antisemitismus: die besondere Ironie seines Manifestes ist nicht, dass er bei Broder abgeschrieben hat, sondern dass sich Broder auf einer neurechten Argumentationslinie liegt, die global durchgesetzt worden ist.
    Breivik hat sich eines Gedankengutes zur Rechtfertigung seiner Taten bloß bedient.

    Von den Rechten wurde und wird die Gefahr des Islam und also der Muslime besonders beschworen und diese Instrumentalisierung von Phobien ist für zwei Gruppen nützlich a. denen es um die Sicherung von Rohstoffen geht und b. denjenigen, die Kritik an der Politik der israelischen Gesellschaft unterbinden wollen.

    Es ist nicht weiter erstaunlich, wenn man nun die beiden Sündenböcke miteinander verbindet, also

    1. Islam/Muslime
    2. Kultur-Marxismus

    eigentlich nur den Ersatz für das gute alte (/sarcasm off)

    1. jüdisch-
    2. bolschewistisch

    im neuen Gewand vorzufinden.
    Diese Bestrebungen setzen also an Verschwörungstheorien an, die schon einmal da waren und gerade Linke sollten wissen, wohin sie geführt haben.

    Gruß, crumar

  • @crumar
    Das Konstrukt kommt mir in der Tat etwas irrational vor.

    @Leszek

    Vielen Dank für die Aufklärung zu Althusser und Butler (nebenan bei Christian)

  • „Es geht um etwas mehr Gerechtigkeit „

    Genau darum geht es eben grade wohl nicht. Sondern um mit dem Wort „Gerechtigkeit“ verbrämtes, sozial Erwünschtes. Das mag für sich gut oder schlecht sein, mit Gerechtigkeit hat es meist sehr, sehr wenig zu tun, bzw. ist sogar das Gegenteil.
    Eine absolut und ideal gerechte Gesellschaft wäre eine, in der jeder Mensch alle negativen oder positiven Folgen seines Handelns ausschließlich und absolut alleine tragen würde.

    „Sozialpolitik heißt ja nicht, Leuten ihren Reichtum wegzunehmen oder sie nicht reich werden zu lassen. „

    Sozialpolitik heißt in der Realität vor allem, das Menschen durch Funktionäre ihre Arbeitsleistung weggenommen wird, um diese an deren Klientel und die Funktionäre selbst zu verteilen. Und viele, viele eigentlich wert- und nutzlose „Kümmerpöstchen“ zu schaffen.

    „Aber drastische Ungleichheiten, wie sie z.B. in den 20er Jahren normal waren, die müssen nicht sein. „

    Sie müssen aber auch nicht nicht sein. Tatsächlich dürfte Ungleichheit ein *positives* Maß für die Gerechtigkeit einer Gesellschaft sein.

    „Es ist nicht notwendig, dass Leute im Alter verelenden und es ist nicht einzusehen, warum eine wohlhabende Gesellschaft wie unsere so etwas zulassen sollte.“

    Zum Beispiel, weil das Prinzip Selbstverantwortung wichtiger ist. Es verelenden ja auch keineswegs alle. Und der Verelendung ließe sich wesentlich wirkungsvoller ohne die staatliche Einmischung allüberall entgegenwirken. Und zum Anderen, weil „die Gesellschaft“ nicht wohlhabend ist, sondern mit dem Begriff nur verbrämt wird, das „die Gesellschaft“ sich das Eigentum von Individuen aneignet. Es *gibt* „die Gesellschaft“ nicht. Es gibt nur Individuen und Interessengruppen.

    „Arbeitslosigkeit etwa gehört nun einmal zu den Risiken des Kapitalismus. Wer Markwirtschaft haben will, also auch eine flexible Personalpolitik der Unternehmen, der muss eben auch die Risiken dessen abfedern, will er menschenwürdige Lebensbedingungen schaffen. „

    Das ist kompletter Quatsch. Es gibt keinerlei Grund für die anscheinend zwingende Herleitung. Richtig ist, das Du das gerne möchtest, es aber keinen logischen Grund für diese Folgerung gibt.

    „Nicht zuletzt ist es fragwürdig, wenn eine kleine Gruppe ungeheure Reichtümer anhäuft und damit auch gewaltige politische Macht ansammelt.“

    Wie die Caritas und Diakonie, als enorme „Sozialunternehmer“ ? Oder die Gewerkschaften? Oder die „Sozialpipapolitiker“ ?

    „Es geht nicht um Männerforschung und noch mehr Sozialarbeiter. Es geht um politische Rahmenbedingungen. Die schafft man auch über Gesetze. „

    Und die werden erfahrungsgemäß eben in einer Verdopplung der unproduktiven, nutzlosen, aktionistischen und ausschließlich auf Kosten anderer Lebender „Sozialkümmerlinge“ enden.
    Nein danke. Lieber keine linke Männerrechtsbewegung als noch mehr Sozial- und Wohlfahrtsentmündigung und Diebstahl. Und um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen – eine rechte auch nicht.

Kommentar verfassen

close

Enjoy this blog? Please spread the word :)