Männerechtsbewegung Männerpolitik

Über den Sinn linker Männerpolitik

Bild zeigt Tafel mit Aufschrift "Weg endet"
geschrieben von: Lucas Schoppe

– Eine Erwiderung von Leszek –

Auf meinen Text Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht) zu  Arne Hoffmanns Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik hat Leszek einen ausführlichen, detaillierten, mehrteiligen Kommentar geschrieben, der in vielerlei Hinsicht eine Erwiderung auf meinen Text ist. Eine Auseinandersetzung damit hat im Kommentarstrang schon begonnen. Es dient ihr aber sicher, wenn Leszeks sehr engagierter Text, der ein eigenes Plädoyer für eine linke Männerpolitik ist, auch einen eigenen Platz bekommt.
Die eingefügten Zwischenüberschriften stammen von mir, ich habe mich dabei nah an den Text Leszeks gehalten. Lucas Schoppe
 weg endet-2

Hallo Schoppe, ich habe den Eindruck, in diesem Artikel ist einiges an Ärger und Enttäuschung über die zeitgenössische politische Linke und ihre Ignoranz gegenüber männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen eingeflossen.

Die Idee, den Spieß einfach mal gedanklich umzudrehen und darüber zu reflektieren, wie eine Öffnung der zeitgenössischen Linken gegenüber der Männerrechtsbewegung für die Linke selbst potentiell hilfreich sein könnte, um sich zu erneuern, zu tatsächlich klassisch linken Werten und Idealen zurückzufinden und wieder eine ernsthafte linke Politik von Relevanz zu entwickeln ist sicherlich interessant und kreativ, bei einigen Schlussfolgerungen deines Artikels bin ich jedoch – wie bei diesem Thema nicht anders zu erwarten – anderer Meinung.

„Arne geht an mehreren Stellen ausdrücklich auf die Situation ein, dass Offenheit für geschlechterpolitische Positionen von Männern, für die Auseinandersetzung mit spezifischen Benachteiligungen von Männern deutlich eher bei Konservativen als bei „Linken“ zu finden ist. Das hat in seinem Buch nie den Charakter einer Wahlempfehlung für Union oder FDP, sondern eher den einer etwas ungläubigen Frage an die „Linken“: Das wäre eigentlich euer Job – warum interessiert er euch nicht?“
Arnes sehr gutes Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ ist in Bezug auf die angesprochene Thematik m.E. in seinen Reflektionen hierzu deutlich ausgewogener.

Versäumnisse der Linken und der Bürgerlichen
Einerseits wird an vielen Stellen ausführlich darauf eingegangen, dass und warum männerrechtliche Anliegen mit linken Werten, Prinzipien und Themen gut vereinbar sind, und es wird herausgestellt, warum es eigentlich eine selbstverständliche Aufgabe linker Politik sein sollte, männerrechtliche Anliegen aufzugreifen.

Andererseits werden die Versäumnisse der Linken in dieser Hinsicht analysiert und kritisiert und in diesem Kontext wird auch darauf hingewiesen, dass in den seltenen Fällen, wo es in der Politik überhaupt zu Anstößen zu einer Berücksichtigung von männlichen Problemlagen kam, diese vom bürgerlichen Lager ausgingen, obwohl es doch eigentlich gerade Aufgabe der Linken sein müsste, sich dieser Problemfelder anzunehmen.

Das heißt nun aber nicht, dass in „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ nicht auch Versäumnisse des bürgerlichen Lagers hinsichtlich der Berücksichtigung männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen herausgestellt und kritisiert werden. Hierzu ein paar Beispiele.

– Auf S. 108 f. beim Thema „Zwangsdienste“ heißt es z.B.:

„So wirbt die frauenpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Dorothee Bär, für die Einführung einer „neuen Dienstpflicht für junge Männer“ im zivilen Bereich, wofür sie von der Jungen Union Unterstützung erhält: „Die junge Union tritt dafür ein, die Wehrpflicht zu bewahren, und sie zu einer allgemeinen, sicherheitspolitisch begründeten Dienstpflicht für junge Männer weiterzuentwickeln.“
Währenddessen plädiert der bayrische Innenminister Joachim Herrmann dafür, junge Männer und Reservisten bis zu zwei Wochen pro Jahr zu Übungen im Bereich des Katastrophenschutzes heranzuziehen. Frauen bleiben bei solchen Gedankengängen wie selbstverständlich außen vor.“
– Auf S. 19 heißt es beim Thema „Diskriminierung von Männern mit Behinderungen“:
„Im Jahre 2009 erklärten alle Bundestagsfraktionen Einigkeit darüber, dass behinderte Frauen und Mädchen besser vor Gewalt geschützt werden müssen. Die Unionsfraktion forderte die Bundesregierung dazu auf, eine Studie über das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen sowie einen Zwischenbericht dazu vorzulegen, außerdem ausführliches Informationsmaterial für die Prävention. Frauen und Mädchen mit Behinderung müssten zudem barrierefreie Zugänge zu Anlaufstellen für psychosoziale Beratung erhalten. Keiner Bundestagsfraktion schien der Gedanke zu kommen, dass auch behinderte Jungen und Männer ein Recht auf Schutz vor Gewalt haben könnten. Hier zeigt sich anhand von Männern mit Behinderungen mithin wieder die Intersektionalität von Diskriminierung.“
– Auf S. 184 heißt es beim Thema „Sexuelle Gewalt in Gefängnissen“:
„Was die Situation in Deutschland angeht, zeigte eine 2012 veröffentlichte Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, dass die Wahrscheinlichkeit, im Jugendvollzug innerhalb eines Monats vergewaltigt zu werden bei sieben Prozent liegt. „Das ist eine Horrorquote. Wir haben ja nicht nach einem Jahr gefragt“, erklärte dazu Christian Pfeiffer, Leiter des Forschungsinstituts. Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) allerdings erklärte, er könne derlei Zahlen „gut akzeptieren“. Ein Knast sei nun einmal „keine Mädchenpension“.“
– Im Kapitel 3 „Geschlechterrollen – Männer emanzipieren sich“ wird u.a. aufgezeigt wie traditionelle konservative Rollenbilder zu männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen und deren Weiterbestehen beitragen. Hier nur zwei Zitate von S. 76, aber das Thema wird in dem Kapitel sehr ausführlich behandelt:
„Tatsächlich stellt das althergebrachte Männerbild eine gigantische Belastung dabei dar, sich für Männerrechte und gegen Männerdiskriminierung einsetzen, denn eben dieser Anachronismus verlangt es von Männern, stark zu sein wie eine Eiche, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Jungen weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz. Es wird im Verlauf dieses Buches noch zu zeigen sein, wie geschickt gerade auch viele Feministinnen diese überholten Rollenerwartungen immer wieder zu instrumentalisieren versuchen, um Männer, die über Opfererfahrungen sprechen, als „Jammerlappen“ und „Plärrer“ abzuwerten.“ (…)  
„Einer der entscheidenden Pferdefüße der althergebrachten Männerrolle liegt darin, wie sehr sie dazu führte, dass nicht nur das Leiden, sondern auch das Leben von Männern gering geschätzt wird.“

– Erst Recht dürfte bezüglich der Formen männlicher Diskriminierung, die in Kapitel 10 und 11 behandelt werden, in denen es um Benachteiligungen und soziale Problemlagen von schwulen Männern sowie männlichen Zuwanderern geht, fraglich sein, inwieweit eine konservative politische Gesinnung hier hilfreich für Lösungsansätze ist.

„Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ beschränkt sich, wie die genannten Beispiele zeigen, also keineswegs darauf, die Versäumnisse hinsichtlich einer aufgeklärten Männerpolitik nur im linken Lager zu kritisieren, auch auf die Versäumnisse des konservativen Lagers wird mehrfach eingegangen.

Kritik der traditionellen Geschlechterrolle und Kritik des Radikalfeminismus
„Warum eigentlich sollten sich Männerrechtler angesichts dieser entschlossenen Ablehnung ausgerechnet als „links“ bezeichnen?“
Dafür kann es einige gute Gründe geben. Z.B. könnte es sein, dass sich manche Männerrechtler nun einmal politisch links verorten und ihr männerrechtliches Engagement vor dem Hintergrund klassisch linker Werte, Prinzipien und Theorien verstehen, oder es könnte sein, dass manche linke Männerrechtler sich von konservativen Männerrechtlern und insbesondere von den von dir sogenannten Brachial-Maskulisten, die ja oft dem konservativen Lager entstammen, abgrenzen wollen, um nicht mit diesen in einen Topf geschmissen zu werden.
„Das Eintreten für die Rechte von Männern und Jungen setzt linke Positionen, wie immer sie auch verstanden werden, zudem überhaupt nicht voraus. Dafür genügt es, liberale Positionen zu vertreten oder sich an basalen Grundrechten, Menschenrechten und Fairnessprinzipien zu orientieren. Männerrechtler brauchen Linke nicht.“

Man kann das Eintreten für Männerrechte sicherlich auch von einem humanistisch-liberalen und einem humanistisch-konservativen Standpunkt aus theoretisch fundieren, aber m.E. ist dies von einem linken politischen Standpunkt sehr viel umfassender, kohärenter und überzeugender möglich.

Bereits Warren Farrells Buch „Mythos Männermacht“, auf das die Männerrechtsbewegung ideengeschichtlich wesentlich zurückgeht, ist ja von den linken und liberalen politischen Grundsätzen US-amerikanischer Bürgerrechtsbewegungen geprägt.

Ich denke, dass Farrells „Mythos Männermacht“ in vielerlei Hinsicht in der Tradition der 68er-Bewegung und ihrer Nachfolger steht und einen Versuch darstellt, deren ursprüngliche emanzipatorische Ideale vor der Korruption durch den radikalen Feminismus (bzw. durch das, was ich als das „Paradigma des Radikalfeminismus“ bezeichne) zu bewahren und auf die Problemlagen von Jungen und Männer anzuwenden.

Das zeigt sich bei Farrell ja u.a. auch darin, dass bereits bei ihm die Kritik an den Nachteilen starrer traditioneller Geschlechterrollen für Männer (aber auch für Frauen) ein wichtiges Thema darstellt. Gleichzeitig praktiziert er eine Kritik an autoritären und sexistischen Strömungen und Positionen im Feminismus, vor dem Hintergrund der ursprünglichen Werte von Freiheit und Gleichberechtigung, die sich im Rahmen der US-amerikanischen Bürgerbewegungen der 60er und 70er Jahre entwickelt hatten.

Arne Hoffmanns Bücher stehen m.E. ebenfalls von Anfang in dieser Traditionslinie und „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ verdeutlicht dies noch mal explizit.

Wie ich manchmal ironisch mit Bezug auf die bescheuerten Verschwörungstheorien der politischen Rechten zu sagen pflege: Der linke Maskulismus ist „kulturmarxistisch“ und geschlechtersozialistisch. Und das von Anfang an.

Diese theoretische Verortung in einem Wertesystem und einer Weltsicht, die von linken Ideen geprägt sind, bietet m.E. ein gutes Fundament sowohl für die Kritik der Nachteile der traditionellen Geschlechterrolle für Männer als auch für eine Kritik am „Paradigma des Radikalfeminismus“ und dessen Einfluss auf die akademischen und medialen Diskurse und die Politik als auch für die Kritik an andere Aspekte, die zu männlichen Benachteiligungen beitragen wie z.B. die kapitalistische Klassengesellschaft und deren neoliberaler Umbau.

Im Rahmen einer links-maskulistischen Orientierung können auch Diskriminierungen und soziale Problemlagen von schwulen Männern und Männern mit Migrationshintergrund leichter einbezogen werden, es können Intersektionalitäten und Gemeinsamkeiten zu anderen sozialen Bewegungen herausgearbeitet werden, z.B. hinsichtlich der Kritik an Zwangsdiensten und einseitiger Wehrpflicht zu antimilitaristischen Bewegungen oder hinsichtlich der Benachteiligung von Männern mit Behinderung zu Interessengruppen von Menschen mit Behinderung.

Für eine multikausale und intersektionale Analyse und Kritik der Ursachen und Bedingungskontexte männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen ist eine linke politische Orientierung m.E. diejenige, die die umfassendsten Möglichkeiten und besten Vorraussetzungen bietet. Ich glaube nicht, dass sich das Thema „Männerrechte“ von einem rein liberalen oder gar einem konservativen Standpunkt aus, potentiell so umfassend wissenschaftlich und theoretisch bearbeiten und fundieren lässt.

Für einen integralen Antisexismus

Ein weiterer Aspekt, bei dem dein Artikel m.E. zu kurz greift, ist die etwas zu starke Fixierung auf politische Parteien.

Damit es wahrscheinlicher wird, dass politische Parteien männerrechtliche Anliegen aufgreifen, ist es m.E. wichtig und notwendig, dass diese in den zeitgenössischen akademischen und medialen Diskursen zunehmend bekannt werden und zur Anerkennung gelangen. Erst dann ist m.E. realistischerweise zu erwarten, dass politische Parteien berechtigte männerrechtliche Anliegen zunehmend aufgreifen.

Insofern sehe ich persönlich es auch als Aufgabe seriöser und humanistischer Männerrechtler der verschiedenen politischen Lager, ihre jeweilige Perspektive auf männliche Benachteiligungen und soziale Problemlagen an den Mainstream in den Medien und den Sozialwissenschaften anschlussfähig zu machen.

Und dass bedeutet für linke Männerrechtler, dass es zu ihren Aufgaben gehört, die linke Sichtweise auf männliche Benachteiligungen und soziale Problemlagen für Journalisten und Sozialwissenschaftler mit linker politischer Orientierung nachvollziehbar zu machen. (Seriöse und humanistische liberale und konservative Männerrechtler sollten dies für ihren jeweiligen liberalen und konservativen Mainstream natürlich ebenfalls tun.)

In dem Zusammenhang scheint es mir wichtig festzustellen, dass m.E. erst seitdem der linke Maskulismus sich explizit als eigenständiger Flügel der Männerrechtsbewegung konstituiert hat, die ideologische Hegemonie der Konservativen innerhalb der Männerbewegung mit all ihren Fragwürdigkeiten spürbar durchbrochen wurde. Seitdem hat sich ein deutlich erkennbarer gemäßigter Flügel der Männerrechtsbewegung herausgebildet (zu dem freilich nicht nur Linke gehören.)

Zuvor hatte der radikale Teil des konservativen Lagers quasi in einer Art eigenwilligen Kooperation mit den radikalfeministischen Gegnern der Männerrechtsbewegung so ziemlich alles gegen die Wand gefahren, was sich gegen die Wand fahren ließ, und die Mixtur aus Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und antilinken, antisemitischen und homophoben Verschwörungstheorien am rechten Rand der Männerbewegung drohte das Vorhaben, berechtigte männerrechtliche Anliegen in den Mainstream zu bringen, erheblich zu erschweren.

Erst seitdem der linke Flügel der Männerrechtsbewegung klar erkennbar als Gegengewicht zu radikalmaskulistischen und antihumanistischen Tendenzen in Erscheinung getreten ist und eigene Ideen und Theorien zum Ausdruck gebracht hat, kam es in Folge zu einer deutlichen Stärkung der gemäßigten Kräfte, konnten die „Brachial- Maskulisten“ weitgehend isoliert werden und hat sich eine gut vernetzte, gemäßigte linke und liberale maskulistische Blogger-Szene herausgebildet.

Und in etwa zeitgleich zu dieser Entwicklung ist m.E. wahrnehmbar, dass männerrechtliche und feminismuskritische Themen zunehmend häufiger in den Medien in Erscheinung treten, zwar meist noch ohne direkte positive Bezugnahme auf die Männerrechtsbewegung, aber es zeigt sich doch, dass Interessierte diese Themen die letzten Monate häufiger aufgegriffen haben.

Eine gemäßigte und humanistische Männerrechtsbewegung erleichtert es potentiell interessierten Journalisten und Sozialwissenschaftlern natürlich männerrechtliche und feminismuskritische Themen aufzugreifen. Mit durchgeknallten rechten Radikal-Maskulisten möchte hingegen niemand in Verbindung gebracht werden – verständlicherweise.

Eine Stärkung des konservativen Flügels der Männerbewegung und eine Schwächung des linken Flügels brächte meines Erachtens die reale Gefahr mit sich, die aktuelle positive Entwicklung wieder umzukehren.

Selbstverständlich behaupte ich nicht, dass es eine Garantie dafür gebe, dass es mit Hilfe linker Männerrechtler gelingt, männerrechtliche Anliegen erfolgreich in den Mainstream zu bringen, aber, ich denke, es gibt eine Garantie dafür, dass dies mit rechten Radikalmaskulisten nicht gelingen wird.

Bekanntlich sehe ich es auch als Aufgabe linker Männerrechtler an, die durchgeknallten antilinken, homophoben und antisemitischen Verschwörungstheorien, die in Teilen des konservativen/rechten Lagers der Männerbewegung kursieren, kritisch zu analysieren und ihren Einfluss soweit wie möglich zurückzudrängen. Meiner Vermutung nach WOLLEN so manche aus dem konservativen Lager eigentlich keinen Erfolg haben, es stecken ganz andere psychodynamische Motive bei ihnen dahinter.

Die Propagierung der lächerlichen und dummen Anti-„Kulturmarxismus“-Verschwörungstheorie scheint mir z.B. unbewusst vor allem drei Funktionen zu haben:

1. dadurch wird es Gegnern der Männerrechtsbewegung erleichtert, diese mit antisemitischen Verschwörungstheorien und den Anschlägen von Breivik in Verbindung zu bringen. Männerrechtliche Anliegen in den Mainstream zu bringen wird dadurch erschwert.

2. es wird suggeriert, dass aufgrund einer linken Verschwörung (und nicht etwa aufgrund mangelnder Kenntnisse über männliche Probleme) ein größerer Teil des Mainstreams der Medien und Sozialwissenschaften einseitig feministisch orientiert sei. Durch diese Behauptung soll offenbar errreicht werden, dass Männerrechtler entmotiviert werden auch nur zu versuchen ihre Anliegen in den Mainstream zu bringen.

3. werden durch die ganzen absurden Behauptungen, die mit solchen Verschwörungstheorien einhergehen, falsche Analysen über Möglichkeiten und Hindernisse hinsichtlich des Ziels männerrechtliche Anliegen zur Anerkennung zu verhelfen, vermittelt – und damit auch (diskurs-)strategische Fehler begünstigt.

Alle drei Aspekte laufen auf das Gleiche hinaus: Konservative/rechte Verschwörungstheorien erschweren es, dass berechtigte männerrechtliche Anliegen Eingang in den Mainstream finden. Und ich denke, das ist auch die unbewusste Funktion, die hinter dem Propagieren solcher Ideologien steht.

In der Regel besitzen, wenn überhaupt, nur Leute mit linker Weltsicht genügend Wissen bezüglich linker Strömungen und Theorien, um solche Verschwörungstheorien kritisch zu analysieren, sie zu widerlegen und diskursiv zurückzuschlagen.

Des Weiteren sollte mitbedacht werden, dass es vermutlich in jeder, der zahlreichen zeitgenössischen miteinander konkurrierenden linken Strömungen Individuen gibt, die potentiell für männerrechtliche Anliegen offen sind, wenn man sie auf eine Art und Weise vermittelt, die für Linke nachvollziehbar ist.

Auch hier kann es natürlich keine Garantien geben, aber falls sich in jeder linken Strömung mit der Zeit auch nur ein oder zwei Personen finden würden, die sich darum bemühen, die Legitimität männerrechtlicher Anliegen in ihren jeweiligen linken Kontexten aufzuzeigen und zu begründen, dann bestünde die Möglichkeit, die gegenwärtige Ignoranz gegenüber männlichen Benachteiligungen und sozialen Problemlagen innerhalb der Linken Schritt für Schritt zunehmend abzubauen, so dass sich die Linke idealerweise auf das zubewegen würde, was ich als „integraler Antisexismus“ bezeichne – eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Probleme, die alle Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle Transsexuelle, Transgender) und ihre Probleme und berechtigten Anliegen theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt.

Es gibt also m.E. einige gute Gründe dafür, einen starken linken Flügel der Männerrechtsbewegung zu befürworten.

Ich halte den Titel deines Artikels „Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)“ aus diesen Gründen auch nicht für so besonders gelungen. Insbesondere besteht bei einem solchen Titel leider auch das Risiko unbeabsichtigt die antilinken Affekte konservativer/rechter Dummschwätzer anzusprechen, die einen solchen Titel und den Artikel dann als Bestätigung für ihre Auffassungen interpretieren, dass es keine linken Männerrechtler geben sollte.

Soweit erstmal.

Beste Grüße

Leszek
Reaktionen: Auf den ausführlichen und detailliert argumentierenden Text Leszeks gab es sofort eine Reihe von Reaktionen. Ich dokumentiere hier einige längere, habe mich dabei aber auf Kommentare beschränkt, die nicht anonym abgegeben wurden.

Erst einmal besten Dank für diese fundierte Argumentation.

Mir ist nicht klar, ob die Verwendung des Etiketts „links“ nicht mehr Verwirrung stiftet als zu nützen. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist der Begriff nach meiner Beobachtung her inhaltsarm, weil alle Parteien mehr oder minder sozial eingestellt sind. Im politischen Wertedreieck sehe ich mich viel näher bei der liberalen Ecke als bei der sozialistischen. Unklar bleibt, welche speziell linken Prinzipien für welches männerrechtliche Thema relevant sind.

Über die Etikettierungsthematik hinaus stellt sich die Frage, ob man die Geschlechterthematik überhaupt von den politischen Ideologien trennen kann und ob man wegen der unterschiedlichen Wertepräferenzen uneinig wird.

Das Konfliktpotential kann man sehr leicht an einer sehr aktuellen Frage festmachen: Frauenquoten und gesetzliche Angleichung der Gehälter in frauen- bzw. männerdominierten Berufen.

Wenn man (ich z.B.) geschlechtsspezische statistische Unterschiede bei den Talenten und Interessen von Frauen und Männern annimmt, sind männlich oder weiblich dominierte Berufe (Lehrer vs. Ingenieure) normal, daher auch damit zusammenhängende Stereotype, ggf. Einkommensunterschiede (vor Einkommensteuer und der Progression) usw.

Solange allen alle Optionen offenstehen und keinem ernsthafte Hindernisse in den Weg gelegt werden und keiner verhungert, ist die Welt für mich in Ordnung. Ich glaube, daß die Leute so glücklicher werden, weil sie das tun dürfen, was sie wollen (auch wenn sie dann weniger verdienen). Ein egalitärer Linker sieht das vermutlich anders, für den ist Gleichstellung wichtiger als das absolute Niveau des Lebensstandards. Damit hätte man ggf. schon einen Dissens in einer zentralen politischen Frage (Quoten).

Vielleicht bin ich zu pessimistisch. Die Aufgabe, eine maskulistische soziale Theorie zu entwickeln, die für alle wichtigen politischen Ideologien (ohne Radikale und Fanatiker darin natürlich) akzeptabel ist und aus der man auch gemeinsame politische Ziele und Forderungen ableiten kann scheint mir noch ungelöst und eine ziemliche Herausforderung. Es wäre aber schon ein Erfolg, wenn man ein i.w. gleiches Theoriegebäude hätte, auch wenn unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen werden.

LoMi

So, nun habe ich Deinen Beitrag endlich ganz gelesen und ich finde ihn sehr gut! Ich teile nicht alles, aber die Bandbreite der Betrachtung gefällt mir.

Was die Kulturmarxismus-Menschen angeht: Ich verstehe diese Simplifizierung einfach nicht. Vermutlich hast Du Recht, dass es eher eine psychodynamische Angelegenheit ist. Zumindest ist diese Art Verschwörungstheorie weit entfernt von einer sachlichen Kritik und sie operiert fortwährend mit Freund-Feind-Bildern und das vor allem durch Rhetorik und nicht Reflektion. Es kommen ja meist metaphorische und stark wertgeladene Begriffe zum Einsatz und weniger echte logische Konstruktionen. Zudem wird dogmatisch, aber kenntnisfrei gegen alle Sozialwissenschaft gewettert. Das ist besonders nervig. Erst wird ein Popanz aufgebaut: Alle Sozialwissenschaft ist generell ideologisch und links (welch ein Irrtum, man denke an Parsons und Luhmann). Dann wird dieser Popanz bekämpft. Don Quichote wäre begeistert…

crumar

@LoMi @Leszek

1. Es handelt sich m.E. um den US-Import des Vokabulars der US-amerikanischen Rechten, die inzwischen zum offenen Irrationalismus übergegangen ist.

 „Cultural marxism“ demnach der baldige Ruin der „westlichen Zivilisation“, (gemeint ist natürlich die USA) und es herrsche dort bereits „socialism“.

Übersetzt ins Deutsche erkennt man das in inflationären und abenteuerlichen Vorwürfen, dieses oder jenes sei bereits „sozialistisch“ – die Frauen-Quote z.B. als Instrument.

Das hat mit der Bedeutung von „sozialistisch“ selbstverständlich nichts zu tun, wird jedoch propagandistisch ausgeschlachtet, als sei jede Beschränkung unternehmerischer „Freiheit“ bereits die Vorstufe zur Abschaffung des Kapitalismus.

In diesem Kontext macht die Propaganda m.E. derzeit Sinn (bspw. im Rahmen der politischen Re-Regulierung der Finanzmärkte).

2. Noch einmal zu Breivik / Antisemitismus: die besondere Ironie seines Manifestes ist nicht, dass er bei Broder abgeschrieben hat, sondern dass sich Broder auf einer neurechten Argumentationslinie liegt, die global durchgesetzt worden ist.

Breivik hat sich eines Gedankengutes zur Rechtfertigung seiner Taten bloß bedient.

Von den Rechten wurde und wird die Gefahr des Islam und also der Muslime besonders beschworen und diese Instrumentalisierung von Phobien ist für zwei Gruppen nützlich a. denen es um die Sicherung von Rohstoffen geht und b. denjenigen, die Kritik an der Politik der israelischen Gesellschaft unterbinden wollen.

Es ist nicht weiter erstaunlich, wenn man nun die beiden Sündenböcke miteinander verbindet, also

1. Islam/Muslime
2. Kultur-Marxismus

eigentlich nur den Ersatz für das gute alte (/sarcasm off)

1. jüdisch-
2. bolschewistisch

im neuen Gewand vorzufinden.

Diese Bestrebungen setzen also an Verschwörungstheorien an, die schon einmal da waren und gerade Linke sollten wissen, wohin sie geführt haben.

Gruß, crumar

Kai

Linke Parteien lehnen keine Männerpolitik ab, sondern haben sie nur noch nicht entdeckt 😉

Die linke Politik ist zum einen immer noch traumatisiert von Schröders Agenda. Linke Politik war aber immer eine Politik der „Massen“. Für den kleinen Mann, immer auch für Feminismus. Kleiner Mann ist immer weniger geworden und wird immer weniger, und „kleine Männer“ wählen heute oftmals die Linke. So ist als feste Hausmacht noch Feminismus geblieben. Der Ruck in die Mitte, der von Schröder angestrebt wurde, hat nicht funktioniert. Nun will man keine Experimente. Doch wenn der Druck aus der Wählerbasis erst groß genug ist, wird sich etwas ändern. Gleiches grillt auch für konservative Parteien.

Aber auch bei den Konservativen ist nicht viel Spielraum, wenn ich deren Ablehnung zum gemeinsamen Sorgerecht sehe, wo sie lieber Männern ein Recht verweigern, weil die Frau ja vergewaltigt worden sein kann. Aber vergewaltigte Männer zu reinen Unterhaltszahlern abstempeln, die keine Rechte über das Kind erhalten, nicht einmal ein Auskunftsrecht in der Schule, sehe ich da auch schwarz, und nicht nur politisch.

Die Teilung war hingegen nötig, weil ich z. B. nicht mit Menschen zusammenarbeite, die noch an einen Familienvorstand glauben, die von Frühverschwulung reden und die in meinen Augen gar keine Politik, sondern nur Polemik machen, um ihre Wunden zu lecken. Und nicht nur ich, auch viele andere gemäßigte sehen das so. Wir wollen vorankommen und nicht immer Grabenkämpfe austragen.

Ob wir nun links, gemäßigt, liberal oder sonst was sind, ist erst einmal egal. Ich kann mit einem Männerrechtler, der in der CDU ist, traditionelle Werte hat, aber nicht dogmatisch ist, besser zusammenarbeiten wie mit Gabriel, Steinmeier, Nahlens oder den absoluten Rechtsauslegern, die sich Männerrechtler nennen, aber keine sind.

Das, was wir heute als rechts und links verorten, ist bezogen auf Männer zwar vorhanden, aber gerade um die Probleme anzusprechen, eher unerheblich. Ich gebe Lucas sogar Recht, wenn er bemerkt, dass gerade Konservative eher für unsere Probleme offen sind. So gibt es in vielen Bundesländern mit CDU/FDP Regierung ein Programm zur Jungenförderung in der Schule, aber in SPD/Grün geführten Ländern immer nur den Hinweis, das dieses Problem ja nur Migrantenjungen betrifft, die dann komischerweise nicht gefördert werden müssen. Aber, wie bei Sorgerecht zu sehen, oder in der Beschneidung, auch das rechte Lager lehnt hier vieles dogmatisch ab.

Es geht nicht um Teilung, es geht hier einfach um eine Richtung, in die wir uns bewegen wollen. Da hat die traditionelle Familie mit erwerbstätigem Vater und Mutter als Hausfrau nicht mehr viel zu suchen, auch wenn ich das Modell nicht ablehne, aber nicht als allumfassend ansehe, sondern als eines von vielen. Andere Möglichkeiten als Linker aber eben auch entwickelt sehen möchte, wie mehr Kindergärten, Teilzeit etc. etc. etc.

Gruss
Kai

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15 Comments

  • Hallo Leszek, erst einmal vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar´!

    Ein für mich wesentlicher Punkt war, dass heutige männerrechtliche Positionen in vielen substantiellen Aspekten klassische linke Positionen sind. Sie können auch von Anhängern anderer politischer Richtungen begrüßt werden, aber sie haben für linke Politik eine besonderes zentrale Bedeutung.

    Das steht aber nun einmal, und leider, in einem offenkundigen Widerspruch zur besonders verbissenen Ablehnung männerrechtlicher Positionen bei Institutionen, die sich als „links“ verstehen.

    Was aber kann man mit so einer Situation anfangen? In dem einen Punkt bin ich nicht mit Kai einer Meinung, dem ich ansonsten fast immer routiniert zustimme – die Linke hat die Männerpolitik nicht nur noch nicht entdeckt, sie hat sie zum Feindbild aufgebaut.

    Und Du hast recht: In diesem Punkt spielen bei mir auch viel Ärger und Enttäuschung eine Rolle, auch persönliche. Dass ich und andere Väter in meiner Situation von Grünen mit Steuermitteln als Rechtsradikale und Breivik-Fans präsentiert werden, nur weil wir für eine Verbesserung der Rechte von Vätern eintreten, ist eine politische Brutalität, für die es keine Entschuldigung gibt. Allerdings kann man natürlich, wie ja auch Matthias Mala in den Kommentaren zum Artikeln, bezweifeln, ob die Grünen eine linke Partei sind.

    Diese Ablehnung betrifft ja nicht nur die politischen Parteien, sondern auch akademische Tätigkeiten, oder – wenn auch offenkundig bröckelnd – die Massenmedien. Dafür, dass eine männerpolitische Position schlüssig und offen, und besonders gut, als linke Position ausformuliert werden kann, hast Du ja klar argumentiert. Aber was fangen wir damit an angesichts des skizzierten politischen Klimas?

  • (Fortsetzung) Eigentlich sind linke Männerrechtler schließlich in einer tragischen Position, weil sie ausgerechnet dort mit besonderer Härte bekämpft werden, wo sie sich selbst politisch verorten. Politische Heimatvertriebene, sozusagen.

    Ich finde nur, dass tragische Positionen keine guten Positionen in der Politik sind – und das nicht nur deshalb, weil das damit verbundene Pathos sie früher oder später lächerlich werden lässt. Für mich gehört es gerade zu einer sinnvollen Politik, tragische Situationen – also unlösbare Widersprüche in vitalen Fragen – nicht zu produzieren bzw. sie abzubauen, wo sie bestehen.

    Deshalb ist es wichtig, darauf zu reagieren, dass die institutionalisierte „Linke“ in Deutschland in massiver Abwehr gegen männerrechtliche Anliegen verharrt. Wer für eine linke Männerpolitik eintritt, muss sich daher damit beschäftigen, wo er überhaupt Bündnispartner findet.

    Mir ist eine Passage von John Dewey in Erinnerung, in der er schreibt, dass der Begriff „Opportunismus“ zu Unrecht einen schlechten Klang habe – weil er darauf verkürzt werde, dass man seinen Mantel nach dem Wind hängt. Tatsächlich bezeichne er die Suche nach GELEGENHEITEN, wirksam zu werden – oder den Versuch, solche Gelegenheiten zu schaffen. Für mich geht es auch um Gelegenheiten, Übereinstimmungen zu finden.

    Und in dieser Hinsicht kann ich mit Menschen, die so drauf sind wie man.in.th.middle oder Adrian von Gay West, die sich also mit einer liberalen Perspektive ausdrücklich nicht als Linke bezeichnen, eine Menge Übereinstimmungen finden, die ich mit Leuten wie Schwesig oder Maas gewiss nicht hätte.

    Du hast Recht: Eine konservative Position bietet keine verlässliche Perspektive, und zumal in der Familienpolitik spielen sich Konservative von der Union und feministisch orientierte Akteure bei Rotgrün seit Jahrzehnten routiniert die Bälle zu. Gleichwohl kann ich möglicherweise auch bei Konservativen in einzelnen Situationen Übereinstimmungen finden, die ich mit anderen nicht hätte. Bei der Entlassung Monika Ebelings beispielsweise waren, soweit ich orientiert bin, CDU-Politiker die einzigen politisch Beteiligten, die sich einigermaßen human verhalten haben.

    Ein anderes Beispiel ist das neue Kindschaftsrecht bei Unverheirateten. Der weitestgehende erste Vorschlag einer Widerspruchslösung, der von einer gemeinsamen Sorge ab Geburt ausging, kam von der FDP-Justizministerin. Unter Beschuss genommen wurde er sowohl von Konservativen in der Union wie auch von Mütterlobbyistinnen bei Rotgrün, so dass am Ende eine erheblich verschlechterte Version herauskam. Es gab bekanntlich sogar eine Partei, der selbst die minimale Verbesserung der Situation von Vätern noch zu weit ging: die SPD.

    Wo sind in solchen Konstellationen Perspektiven für linke Männerrechtler?

  • (Und noch eine Fortsetzung) Mein Punkt: Wenn es darum geht, eine linke Männerpolitik auszubuchstabieren, mach ich gern und mit Freude mit – aber es reicht nicht. Es kommt auch darauf an, Gemeinsamkeiten oder zumindest Verträglichkeiten mit Vertretern anderer Positionen zu beschreiben, z.B. mit der eines liberalen Maskulismus, wie ihn etwa der Blogger „Wie man in den Wald ruft“ skizziert hat. https://medium.com/republik-osterreich/5412bfa29026

    Dass die Abgrenzung gegen brachialmaskulistische Positionen wichtig ist, sehe ich ebenso wie Du, glaube aber, dass auch das in Übereinstimmung mit liberalen Maskulisten möglich und sinnvoll ist, die sich gar nicht explizit als links beschreiben wollen.

    Dass eine scharfe Kritik an linker Politik zu Beifall führen könnte, den ich nicht gesucht habe, glaube ich auch – ich habe auch schon gelesen, dass mein Text ein harter Angriff auf Arne Hoffmann gewesen sei (war er natürlich nicht). Es ist aber fatal, aus Angst vor einem solchen Beifall wichtige Kritik zu unterlassen – und in meinen Augen hat die politische „Linke“ in der Geschlechterpolitik nicht nur viel versäumt, sondern tatsächlich auch ernsthafte Schuld auf sich geladen.

    Mein wichtigster Punkt aber: Wir haben etwas zu bieten. Wir müssen nicht buhlen um die Diskussionsbereitschaft von Leuten, die nur auf Gelegenheiten warten, uns mit abwegigen Argumenten als Nazis zu beschimpfen. Wenn das, was wir – auch als explizit linke Männerrechtler – entwickeln, Substanz hat, dann sind wir nicht auf die Einsicht und die Diskussionsbereitschaft von „linken“ Parteien oder von akademischen Akteuren angewiesen, die sich irrational auf eine Abwehr männerrechtlicher Positionen versteifen.

    So war meine Überschrift gemeint, und natürlich nicht als Absage an linke Männerrechtler.

    Auch von mir beste Grüße!

  • Die Rede von der „linken Politik“ etc. ist ein Anachronismus: „Politik“ heute ist ein Zombie. Im Endstadium des Kapitalismus ist alles politische Leben abgestorben, und das System besteht nur noch aus Systemerhalt. Maenner sind Arbeiter, und ihre Ausbeutung ist unabdinglich fuer das System. Nur noch „Verbesserungen“ fuer Minderheiten werden geduldet, und exzessiv gefoerdert — auf das niemals die Mehrheit ein besseres Leben bekommt. Der sich bildende Regenbogenmaskulismus wird genau dadurch erfolgreich sein, dass einige neue Minderheitengruppen anerkannt werden (vielleicht werden dadurch andere verdraengt), und einige Gleichstellungsstellen geschaffen werden. Wie den Feminismus und andere „Bewegungen“ muss man den Regenbogenmaskulismus als einen kapitalistischen Betrieb auffassen. Es gibt sicherlich keinen Garantie, dass dieser Betrieb sein Stueck vom Minderheitenkuchen abbekommt (der einzige Kuchen, der noch bleibt), aber es sieht doch so aus, als ob in den naechsten Jahren ein paar Broeckchen vom Tisch abfallen werden. In Vorbereitung darauf werden schonmal fundamental alle „radikalen Positionen“ ausgemerzt (mit denen kann man natuerlich keinen Erfolg haben).

    Vielleicht koennte man etwas Bewusstsein von einem solchen Vorgang entwickeln, wenn jetzt konkrete Ziele explizit genannt werden wuerden. Dann waere es nicht so einfach, in fuenf Jahren den Erfolg zu feiern (denn man koennte ja mit den (mit Sicherheit nicht erreichten) Zielen vergleichen (ausser die Ziele werden gleich „realistisch“ festgelegt, als ein paar Stellen, und ein paar Minderheiten-Aktien)).

    Im besten Fall kann der Regenbogenmaskulismus einen Erfolg wie die Piraten ernten (die haben ja fuer ein paar Jahre schon Parties gefeiert und abgesahnt), im schlechtesten Falle eben nicht. In der Endphase des Kapitalismus, wo kulturelles Kapital und Koerperkapital gleichberechtigt neben dem produktiven Kapital am Wettbewerb teilhat, gewinnen eben nur die „Besten“, und da ist es sehr schwer vorherzusehen, ob z.B. die Schwulenkarte sticht oder nicht.

    Ganz konkret gesagt, halte ich es fuer sehr auffaellig, wie allgemein die Rede von der „linken Maennerpolitik“ usw. gehalten wird. Da scheint es mir doch sehr naheliegend, dies als Korruption aufzufassen — die Interpretation, es geht einfach nur noch um „Erfolg“, und worin dieser besteht, ist letztendlich nebensaechlich, draengt sich doch auf.

  • Es ist ein grundsätzlicher Irrtum, zu meinen, die Forderungen der Maskulisten seien links oder würden von linken Parteien und Gruppierungen besser vertreten. So wähnen sich die meisten Menschenrechtsgruppen zwar links, treten aber nicht für Männerrechte ein, sondern multiplizieren feministische Stereotype. Ein anderes Beispiel, das die scheinheilige Positionierung der Pseudolinken aufzeigt, ist die stete Gewalt gegen Schwule. Diese Thematik wird ignoriert, weil man den Gewaltstereotyp „Frau gleich Opfer“ nicht aufgeben möchte, um die etablierte Finanzierung für das Helfergewerbe nicht zu gefährden; andernfalls müssten Finanzmittel womöglich geteilt werden.

    Dafür aber werden Schwule instrumentalisiert, um bürgerliche und liberale Gruppierungen, die sich gegen Zwangserziehung und Zwangssexualisierung ihrer Kinder wehren, als homophob und somit als grundrechtsfeindlich zu diffamieren. Schwulenverbände tappen in diese Falle und lassen sich so bevormunden. Ja, sie sondern sich von anderen Männerrechtlern ab, indem sie ein sexuelles Minderheitenrecht behaupten. – Und wieder funktioniert das Prinzip „teile und herrsche“, indem sich die Männer nach ihre sexuellen Präferenz dividieren lassen.

    Mir ist dabei durchaus klar, dass die Gewalt gegen Schwule, im Grunde ein Männerproblem ist und eben auch von Männerrechtlern diskutiert werden müsste. Dennoch zeigt dieses Beispiel auch, wie die vorgeblichen Verteidiger der Menschenrechte ein dekadentes Spiel um Subventionen und Ideologien austragen. – Was daher hilft, sind, statt Bündnisse mit lauen Linken, die mehr an ihrem Ding als an der gemeinsamen Sache interessiert sind, zu phantasieren, die Männerrechte zu kommunizieren, wo immer es möglich ist; das heißt das Thema Männerrechte beständig ins Private wie in die Öffentlichkeit zu tragen.

  • Ich will mal einen Versuch starten, die Diskussion etwas zu strukturieren, und zwar mit Hilfe dieser Übersichtsttabelle (ich kann sie hier nicht in das Kommentarfeld kopieren, die HTML-Tags sind nicht erlaubt). Zumindest mir hat diese Strukturierung der Geschlechterthematik viel geholfen. Die Spalten der Tabelle sind:

    1. Grundannahmen (Grundwerte und naturwissenschaftliche Grundlagen)
    2. soziale Theorien
    3. Ziele und Forderungen

    Ganz grob sind das die großen Etappen, in denen man letztlich zu politischen Konzepten kommt und sie begründet und plausibel macht, warum die Welt so besser sein wird. D.h. Ergebnis der 3. Etappe sind konkrete politische Forderungen (z.B. Gesetze zu ändern). Weitere Erläuterungen s. verlinkte Webseite. Man könnte noch eine 4. Etappe hinzufügen:

    4. Koalitionspartner suchen, klüngeln, Kompromisse aushandeln, Umsetzungsstrategien entwickeln, Ziele ausarbeiten und umsetzen,…

    Eine Hauptursache, warum wir nach meinem Eindruck immer wieder im Kreis diskutieren, ist das fehlende Bewußtsein, in welcher Etappe man sich gerade befindet. Große Teile der Diskussion betreffen Etappe 4, obwohl noch gar kein klares Ergebnis aus Etappe 3 vorliegt. D.h. man „verhandelt“ z.B. mit gemäßigten Feministen, ohne seine eigenen Verhandlungsziele genau durchdacht zu haben bzw. überhaupt zu kennen.

    Auch bei der aktuellen Frage, ob wir „links“ oder „liberal“ sind und ob das überhaupt eine Rolle spielt, bleibt offen, ob sich „links“ bzw. „liberal“ bei den Grundwerten oder den Annahmen zur Biologie unterscheiden oder bei den Annahmen zur sozialen Prozessen oder ob es nur um den Spitzensteuersatz für Einkommen ab 100.000 Euro geht.

    Die Grundwerte bzw. Grundwertpräferenzen sind leider zu abstrakt, um quasi automatisch zu bestimmten politischen Forderungen zu kommen. Sie müssen für jeden Problembereich ausgearbeitet werden. Auf der Seite Kernthemen und -Forderungen des Maskulismus habe ich die nach meiner Beobachtung wichtigsten Problembereiche aufgelistet:

    1. Strafrecht
    2. Familienrecht
    3. Sexismus
    4. Berufsleben
    5. politische Gleichberechtigung
    6. Gesundheit und körperliche Unversehrtheit
    7. Ausbildung

    Politische Forderungen (Etappe 3) können sich immer nur auf einen konkreten Problembereich beziehen, d.h. während man in Etappe 1 noch abstrakt argumentieren kann bzw. naturwissenschaftliche Grundlagen autark existieren, muß man irgendwann auf die konkreten Umstände eines Problembereichs eingehen. Das ist leider sehr viel Arbeit, aber es bringt nichts ein, sich etwas vorzulügen, man könne irgendwie an dieser Arbeit vorbeikommen.

    Dummerweise muß man sich gut mit den Verhältnissen im jeweiligen Problembereich auskennen. D.h. jeder einzelne kann nur bei bestimmten Themen bei den Detaildiskussionen kompetent mitmischen.

    Es gibt nichts gutes, außer man tut es. Beispielsweise könnten sich die Aktivisten, die sich mit Bildungsproblemen von Jungen auskennen, zusammentun und versuchen, innerhalb von 1 – 2 Monaten ein ähnliches Dokument zu entwickeln wie dieses Papier von Manndat: http://manndat.de/wp-content/uploads/2010/06/Studie_Verharmlosung_Bildungsmisserfolge.pdf (von dem man übrigens viel übernehmen könnte, auch wenn es schon ein paar Jahre alt ist)

    Man bräuchte allerdings einen Haupteditor, der Entwürfe eines Papiers vorlegt und die Diskussionen zusammenfaßt. Das dürfte das größte Problem sein, jemand zu finden, der das kann und will.

  • @man.in.th.middle Ich finde die Listen für die Strukturierung der Diskussion sinnvoll und hilfreich. Ich glaube zudem, dass die von Dir vorgeschlagene Einteilung (Grundannahmen/soziale Theorien etc.) sehr nützlich ist, wenn man seine Gedanken ordnen will, dass aber die Reihenfolge nicht zwingend ist.

    Ich glaube, dass man sehr wohl einzelne Forderungen haben oder dringliche Probleme ansprechen kann (beispielweise im Hinblick auf ein antisexistsiches Verständnis von Gewalt oder auf Gleichberechtigung im Familienrecht) und die entsprechenden sozialen Theorien oder Grundannahmen erst danach ausformuliert.

    Es ist dabei durchaus möglich, dieselben – oder kompatible – Forderungen zu haben, aber von einem unterschiedlichen theoretischen Verständnis der Gesellschaft auszugehen. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, auch bei unterschiedlichen theoretischen Annahmen zu gemeinsamen Zielen zu finden.

    Soweit ich es sehe, gibt es allerdings in der Männerpolitik EINE wesentliche Grundentscheidung, auf die Leszek mit dem Bezug auf Farrell und Hoffmann deutlich hinweist und die durchaus einen Graben markiert, über den eine gute Zusammenarbeit nicht denkbar ist. Das betrifft die Vorstellung von einem sinnvollen Zusammenleben der Geschlechter in der Zukunkft ebenso wie die Diagnose gegenwärtiger Probleme:

    Begrüßen wir Möglichkeiten eines gleichberechtigten (was ja nicht heißt: gleichgestellten) Verhältnisses der Geschlechter und beschreiben wir es als Problem, dass diese Gleichbererechtigung in der gegenwärtigen, gerade auch in der feministisch orientierten Geschlechterpolitik angegriffen wird? Dann entwickeln wir eine Vorstellung, die – grob formuliert – einem klassischen links-liberalen politischen Spektrum entspricht, die aber heute seltsamerweise gerade von linker Seite aus abgelehnt wird.

    Oder orientieren sich Männer an der Idee, dass früher irgendwie noch die Welt in Ordnung gewesen sei, als (angeblich) der Mann der Herr im Hause und das Verhältnis der Geschlechter klar hierarchisch geregelt war, einschließlich der entsprechenden ungleichen Rechte? Das ist eine Vorstellung, die mit einer gleichberechtigten antisexistischen Politik einfach nicht vereinbar ist, auch nicht in Einzelfragen. Männer gehen hier möglicherweise sogar von ähnlichen Problemen aus, z.B. von der Erfahrung der Entrechtung als Vater oder als Gewaltopfer, ziehen daraus aber Schlüsse, die nicht vereinbar sind.

    Insofern ist meine Formulierung der „Brachial-Maskulisten“, die Leszek zitiert, vielleicht irreführend – es geht nicht nur um einen unterschiedlichen Stil in der Formulierung von Vorstellungen, sondern auch um grundlegend unterschiedliche Vorstellungen.

    Allerdings glaube ich nicht, dass der beschrieben Graben heute tatsächlich einer zwischen links und rechts ist. Einerseits muss man keine politisch linken Überzeugungen haben, um für Gleichberechtigung einzutreten – andererseits hängen gerade Vertreter einer (ihrem Selbstverständnis nach) linken Politik Positionen an, die einer Gleichberechtigung der Geschlechter feindlich gegenüberstehen, und kaschieren dies mit dem Stichwort der „Gleichstellung“.

  • @ Oliver K Das Misstrauen gegen eine „linke Männerpolitik“ teile ich nicht. Dieser Schwerpunkt ist weniger einer „korrupten“ Anpassungsbereitschaft geschuldet als der Erfahrung, dass man auch mit sehr berechtigten Forderungen einfach abgetan werden kann, wenn man mit harten (gern als „deftig“ oder als „klare Worte“ beschönigten) Formulierungen Frauen und Schwule an ihren angeblich angestammten Platz verweist. Ganz abgesehen davon, dass solche Positionen ohnehin nicht sinnvoll begründbar sind.

    Ich gebe Dir aber völlig Recht darin, dass es wichtig ist, Forderungen genauer zu formulieren. Allein schon, um überhaupt an konkreten Beispielen zu überprüfen, wo Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Positionen sind und wo Unvereinbarkeiten beginnen.

  • @ Matthias Mala „Es ist ein grundsätzlicher Irrtum, zu meinen, die Forderungen der Maskulisten seien links oder würden von linken Parteien und Gruppierungen besser vertreten.“ Das ist für mich ein interessanter Punkt. In meinen Augen sind grundlegende Positionen der Männerbewegung sehr wohl linke Positionen, auch wenn sie als solche gar nicht explizit formuliert werden. Deshalb glaube ich auch, dass die politische „Linke“ sich vor allem selbst schadet, wenn sie diese Bewegung ignoriert.

    Mich hat es interessiert, woher diese Abwehr kommt. Meine Antwort ist, soweit ich sehe, ähnlich wie Ihre: Parteien und andere Gruppen der politischen „Linken“ instrumentalisieren klassisch bürgerrechtliche Positionen, sind aber überhaupt nicht Willens und vermutlich auch nicht mehr in der Lage, solche Positionen ernsthaft zu formulieren und in ihren eigene Kanon einzubauen.

    Zugespitzt formuliert: Das Problem der „Linken“ mit der linken Männerbewegung ist nicht, dass es eine Männerbewegung ist – sondern dass es eine bürgerrechtliche, in wesentlichen Aspekten durchaus auch klassisch linke Bewegung ist.

  • Lieber Schoppe, soweit man bürgerrechtlich als links definiert, stimme ich Ihnen zu. Ich meine aber, dass bürgerrechtlich nicht zwingend links ist, sondern eher liberal. Ich definiere links deshalb eher als egalitär, im Sinne der Angleichung von Klassenunterschieden. Da jedoch gerade die proletarische Klasse, sich nicht mehr als solche versteht, löst sich der Begriff links auf. Beispielhaft dafür ist, dass man die Grünen, die eine Großbürgerpartei mit caritativer Affinität für ausgewählte Minderheiten sind, zum linken Spektrum zählt. – Willy Brandt setzte den Blödsinn von der Mehrheit links von der CDU in die Welt, in die er die Grünen mit einrechnete. – Ich erlebe es ja selbst in der Gewerkschaft, dass sich kaum noch einer der Kollegen als Prolet verstehen mag.

    Dabei wirkt das Klassenverständnis in subtiler Weise fort. So wie Frauen mittlerweile – ob es die einzelnen Frau will oder nicht – als eine Klasse bzw. geschlossene Gruppierung verstanden werden, für die in paternalistischer Weise Begünstigungen gewährt und Benachteiligungen fabuliert werden. Ein Frauenproblem ist somit ein Problem aller Frauen.

    Im Gegensatz dazu ist das zu frühe Ableben der Männer kein Männerproblem, sondern das Schicksal des einzelnen Mannes. Gleiches gilt für alle anderen Männerprobleme. Die Väterdiskriminierung ist das Problem weniger Väter, die Gewalt gegen Schwule ist das Problem weniger Schwuler, aber keines dieser Probleme wird – im Gegensatz zu feministischen Positionen – als ein Männerproblem wahrgenommen. Männer – und das wurde auch in Ihrem Blog schon öfters angesprochen – sind in der Wahrnehmung und ihrem Selbstverständnis keine Gruppierung per se.

    Und da kommt dann wieder das Linke im doppelbödigen Wortsinn ins Spiel. Die Linke wie die Rechte denken klandestin nach wie vor in Klassen: Mütter, Frauen, Mädchen, Rentner, Arme, Reiche, Beamte, manchmal sogar noch Arbeiter. Beide fokussieren sich auf abgrenzbare Gruppierungen. Für sie wird Klientelpolitik gemacht. Was nicht erkennbar gruppiert ist, zählt nicht zu ihrem Klientel. – Insofern leben wir immer noch in einem Ständestaat. Es fehlt nur der Stand der freien Männer.

  • (1)

    @ Schoppe

    In dem was folgt kritisiere ich den Diskurs etwas, möchte das aber nicht als nicht konstruktiv verstanden wissen. Ich bin auch gleichzeitig froh, dass es ihn und gut schreibende Beitragende gibt.

    „Begrüßen wir Möglichkeiten eines gleichberechtigten (was ja nicht heißt: gleichgestellten) Verhältnisses der Geschlechter und beschreiben wir es als Problem, dass diese Gleichbererechtigung in der gegenwärtigen, gerade auch in der feministisch orientierten Geschlechterpolitik angegriffen wird?“

    Ich kenne wenige aus meiner Generation, die etwas anderes als Gleichberechtigung, sprich Gleichheit vor dem Gesetz, Arbeitsmarkt, Familienrecht, etc. wollen. Aber genau dies ist im recht extremen Sinne entäuscht worden. In Richtung Männer und Jungen. Was heute unter dem Deckmantel daherkomt – es hat sich ja auch zum Gegenteil Gleichstellung, die die explizite Diskriminierung von Männern und Jungen beinhaltet, auch dann wenn es gar nicht Prozentual notwendig erscheint. Es geht um Männer- und Jungenentrechtung auf allen Ebenen, bis hin zu verminderten Bürger- und Menschenrechten.

    Das links – rechts Gerede ist m.E. irritierend. Zumal es eine soziale gemäßigte Linke nicht mehr wirklich gibt. Zu diesem recht erstaunlichen Schluß ist man hier ja auch schon gekommen. Eine Linke meine ich, die tatsächlich für die kleinen Leute da ist und auch Leben und Leben lassen kann. Die „Linke“ ist heute selbstgerecht bohemien fett, extrem paternalisierend, nicht integrierend und dazu noch romantisierend-eigennützig ideologisch und bigott intolerant. Auch ganz nach dem Motto nicht vor meiner Haustür, aber ansonsten gerne Nötigung und missionarischer Eifer gegenüber anderen. Dekadenz und Arroganz von Bessergestellten im Zusammenspiel mit Befreiung schlechten Gewissens, die sich mit Minderheitenschutz gegen andere schmückt, der sich zur reinen Bevorzugung ausgestaltet und gut mit misandrischen Interessen von Genderfeministen zusammengeht. Die braune Rechte, die ist zwar auch zu beoachten. Sie wäre hier ein absoluter Bärendienst im Sinne von brachialen Maskulisten (die auch nicht immer gleich so braun sein müssen) von denen sich in diesem Sinne abzugrenzen wäre. Aber man wirkt heutzutage schon rechts, wenn man sich ungern nötigen lässt, unideologischen Realitätssinn hat und Toleranz im Sinne von Leben und Leben lassen bei legitimer Ziehung der persönlichen Grenzen lebt. Auch hier sind ungesunde Entwicklungen eingetreten, die mit dem eigentlichen Anliegen verschwimmen und dem den wir eignetlich entgegentreten wollen nur begünstigen.

    Auch finde ich die ganze politisch strukturelle Diskussion zwar praktisch irgendwann notwendig, dennoch lenkt sie von der grundsätzlichen breiten und emotional sich verankerden Misandrie ab. Es entsteht eine Dynamik von Profiteuren, Handlangern und Verharmlosern. Steigbügelhalter ist die obig beschriebene „Linke“, die sich dadurch mitschuldig macht.

  • (2)

    Bei der hier vorgeführten Diskussion, deren Beiträge ich gar nicht schlecht finde, fällt mir auf, dass die Heftigkeit und Ausmaß der Misandrie mit allen damit menschlich psychosozial wie gesellschaftlich totalitären Dynamiken m.E. immer noch weit unterschätzt wird. Deutlich wird dies bereits durch Idvorkin, Rosin, Butler, Solana etc. Es geht um offenkundig eigennützige Ausgrenzungs- und Opfermentalität unter vorgeschobenen angeblich moralisch höherwertigen Zielen, die dann offenbar auch zur Erhebung über und Herabwürdigung von Menschen legitimiert, ist m.E. mit Keim des Feminismus. Keim jeder Ideologie. Und m.E. auch Keim von dem hier gern vermiedenem sehr politisch unkorrekten Wort. Häufig und harmloser, da noch eingedämmt, auch bei identitäts-, status- und aufmerksamkeitssuchenden Teenagern anzutreffen, die sich so anderen durch intolerante Toleranzforderungen aufnötigen können (hier sind auch Parallelen zu LBGT angelegt). Dennoch sind entgrenzte #killallmen Hashtags mit denen Jungs heutzutage konfrontiert werden, oder auch andere unfassbare Unmenschlichkeiten, wie sie hier schon in Form eines Fragebogens dargestellt worden sind, Rape Culture mit dem Vorwurf jeder Junge und Mann sei ein Vergewaltiger etc. nicht zu unterschätzen, da sie (entmenschlichende) Grundhaltungen festigen. Das ist nicht mehr harmlos und nur politisch strukturell. Auch ist typische und heftige Verdrängungsprojektion mit im Spiel, die den eigenen Sexismus unsichtbar werden lässt und in den USA mit den uns hier bekannten bereits Bürger- und Menschrechte aushebelnden Gesetzen gegen Männer Hexenjagd-artige Umgebungen geschaffen hat.

    Das ist mit Sicherheit kein progressiver Weg in die Zukunft. Und die Linke wirkt wie ein Brandbeschleuniger.

    Wir sprechen zwar noch von Sexismus. Nimmt man aber Entwicklungen, die sich auch durch die kürzlich in Erscheinung getretene selbsternannte u.a. (!) aber auch anti-white-hetero-sexual-male Rassenaktivistin Suey Park #CancelColbert Aktion (z.B. interview im Salon – …Salon: What is the best way to work with white people, to get them on our side? Park: I don’t want them on our side. Salon: You don’t want them on your side. Park: This is not reform, this is revolution. …) ausdrücken hinzu entsteht ein etwas schärferes Bild, dass ja auch schon durch noch verdeckten Code wie „positive“ Diskriminierung und Reverse Racism seit längerem im Sprachgebrauch ist. Auch die positiv romantisch-naiv verklärte Sicht auf sog. Multikulturismus und Diversity sollte man sich einmal in diesem Licht betrachten. Menschen sind tatsächlich dann manchmal doch nicht so nett und reziprok wie geglaubt, auch dann nicht wenn man ihnen mit vorauseilender selbstnegierender (Über-)Toleranz begegnet (oder auch gerade dann nicht?). Dann ist noch einiges mehr wie z.B. aggressiver Islam etc.

    Auf den Seiten von AVFM hat der Psychologe Tom Golden eine Trilogie über Misandrie in der Psychologie erstellt, die eigentlich Unfassbares erzählt, aber dennoch in etwa der Wirklichkeit entspricht. Hier geht es um das ideologische Konstrukt der toxischen Männlichkeit eines führenden Psychologen, der sich zur Frau wandeln lies, und mit Feministinnen geradezu misandrische Hetzschriften angefertigt hat, die heutzutage global Justiz und Politik in Form von Gutachtern und Referenten vertreten werden.

    http://www.avoiceformen.com/series/tom-goldens-mental-health-misandry/mni-misandry-in-psychological-research/

    Ich hab auch keine praktische Antwort parat und mag nun gut reden. Aber wir denken, so mein Eindruck, viel zu klein und klein-in-klein und scheuen uns die hässliche, nicht angenehme und m.E. deutlich extremere Realität wirklich zu sehen. Es mag natürlich auch daran liegen, dass die Dynamiken in den USA bereits heftiger sind.

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