Von männerfreien Friedhöfen und Telefonen nur für Frauen (Monatsrückblick März 2014)

Da ich mich gefreut habe, die Kommentare von Leszek über linke Männerpolitik als Text veröffentlichen zu können, habe ich den Rückblick auf den Monat März ein paar Tage verschoben. Der Monat lohnt aber, wie ich finde, solch einen Rückblick auch noch etwas später…

Der Monat März endete in einer Reihe von Aprilscherzen, der erste kam einen Tag zu früh. Von einer seltsamen Nachricht auf dem Anrufbeantworter der Familienministerin Schwesig berichtete am 31. März das Blog Wortschrank.

„Mir ist zwar bewusst, dass (mit Ausnahme von Sexualstraftaten) Männer sämtliche Gewaltopfer-Statistiken anführen und das auch in der Statistik des Bundeskriminalamtes ganz klar belegt ist. Das hat mich aber nicht daran gehindert, trotzdem statt für alle Bürgerinnen und Bürger nur für Frauen eine Gewaltopfer-Telefon-Hotline einzurichten und ich verkünde heute mit Stolz den 12.000sten Anruf, den wir in mühevoller Kleinarbeit und 16 verschieden Sprachen an zuständige Frauenhäuser, psychologische Beraterinnen, Seelsorgerinnen und Online-Chats vermittelt haben.“

Tatsächlich hat das exklusive Anti-Gewalt-Telefon 6 Millionen Euro an Steuergeldern gekostet – wofür eigentlich, das habe ich auch bei längere Suche im Internet nicht herausfinden können. Noch seltsamer ist die Beschränkung auf Hilfe für Frauen. Wie würde es wohl einem Minister ergehen, der mehrere Millionen Euro für ein Anti-Gewalt-Telefon nur für Weiße ausgeben würde?

Eine Werbung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Dazu gehört auch noch ein eindrucksvoller Spot:

Der sexistische Blick auf Gewalterfahrungen prägt auch eine Studie, die ausgerechnet von der EU-Kommission für Menschenrechte erstellt wurde: Eine europaweite Studie zur Gewalt gegen Frauen. Als ob es Hunderte von Studien nie gegeben hätte, nach deren Ergebnissen Männer ebenso häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen, fixiert sich die Studie programmatisch allein auf weibliche Opfer.

Während sie so die Gruppe derjenigen, deren Gewalterfahrungen untersuchenswert erscheinen, erheblich begrenzt, weitet sie zugleich den Gewaltbegriff willkürlich aus: Geschubstwerden oder das Gefühl, vom Partner nicht angemessen wahrgenommen zu werden, stehen hier beliebig neben Angriffen mit Schusswaffen oder Vergewaltigungen.
Das erwartbare Ergebnis dieses Untersuchungsdesigns: Europas Frauen werden rundweg als Opfer massiver Alltagsgewalt präsentiert, Männer implizit rundweg als Gewalttäter. Das dieses Ergebnis mehr das sexistische Design der Studie als über die Erfahrungen von Frauen und Männern aussagt, spielt für berichtende Medien kaum eine Rolle: Fast durchweg spiegeln sie kritiklos die Ergebnisse der „Studie“ und schlagen Alarm im Namen von Europas allüberall gequälten Frauen.

Männliche Leichen sind hier unerwünscht Die sexistischen Strukturen, die in Europas und Deutschlands Politik mit Millionenbeträgen gefördert werden, tauchen auf anderen Ebenen als Farce wieder auf.Alles Evolution berichtet am ersten April über den Blogger farthen, der sich als „genderfluid“ wahrnimmt – also als Menschen ohne festgelegte, beständig wechselnde Geschlechtszugehörigkeit. Damit wäre er eine ikonische Figur feministischer Zirkel, wäre er nur eine genderfluide Frau – doch dummerweise wird er nach herkömmlicher, genderpolitisch uninformierter Lesart als Mann eingeordnet.

Das nun führt zu seinem großen Kummer dazu, dass feministische Gesprächspartnerinnen ihn/sie nicht recht ernst nehmen, sondern ihm seine männlichen Privilegien vorhalten und ihn partout nicht recht zu Wort kommen lassen wollen.
‚Dude‘ sagten sie. Nicht einmal, mehrmals. Immer wieder. ‚Als Dude hast du da nichts zu zu sagen‘.“
Das ist eine putzige Logik, die sich empört gegen Diskriminierungen wendet, sich dabei aber zugleich auf die Richtigkeit der Diskriminierungen beruft. Dass jemand nicht ausreden kann, weil er ein Mann ist, ist für farthen völlig in Ordnung – empörend ist für ihn allein die Tatsache, dass er selbst als Mann wahrgenommen wird.
Martin Luther King hätte vermutlich kaum zur Humanisierung seines Landes beigetrage, wenn er nicht gegen Diskriminierungen von schwarzen Amerikanern protestiert hätte, sondern einfach nur empört darüber gewesen wäre, dass er nicht als ethnofluid wahrgenommen wird.

Das aber ist generell eine Tendenz, die sich in der modernen Geschlechterpolitik von öffentlichen Millionenprojekten bis hin zu ihrer farcehaften Spiegelung in den Tiefen des Internets zeigt: Unverkennbar bildet eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik rassistische Strukturen nach.

Nicht einmal Tote sind davor sicher: Gerade erst wurde in Berlin ein Friedhof für lesbische Frauen eröffnet, auf dem Männer nicht begraben werden dürfen – so dass keiner lesbischen Frau das Leben durch die entsetzliche Aussicht vermiest wird, dass ihre Leiche dereinst womöglich in der Nähe einer männlichen Leiche liegen könnte. Die BZ, die darüber berichtete, musste eigens betonen, dass es sich bei der Nachricht nicht um einen Aprilscherz handelt.

Angesichts solch beflissener Kopien rassistischer Strukturen ist es verwunderlich, dass die bislang letzte feministische Welle nicht nur geschlechterpolitisch, sondern auch vordergründig anti-rassistisch argumentiert. Christian Schmidt beschreibt sie in einer von mehreren Auseinandersetzungen mit feministischen Wellen und dem Paradigma des Radikalfeminismus“ (Leszek) als „intersektionalistisch“ – also als Bewegung, die nicht auf eine bestimmte Form der Diskriminierung, sondern auf unterschiedliche Diskriminierungsformen und ihr Zusammenspiel konzentriert ist.
Legendär ist der Bruch des Bloggerinnenkollektivs der „Mädchenmannschaft“, den die feministische Bloggerin Robin Urban damals, im Januar 2013, als „Selbstdemontage des Feminismus“ beschrieb. Einige Frauen hatten sich im anti-islamistischen Protest mit Schuhcreme Burkas ins Gesicht gemalt hatten, und einige Bloggerinnen der Mädchenmannschaft interpretierten das als eine Reproduktion einer rassistischen Praxis, des „Blackfacing“. Über diesen zugespitzten Rassismus-Vorwurf zerbrach das Bloggerinnen-Kollektiv.

Das Feministinnen  den Rassismus entdeckt haben, ohne jemals an Strukturähnlichkeiten einiger feministischer und rassistischer Positionen einen Gedanken zu verschwenden, hat möglicherweise den einfachen Grund, dass sich auch mit viel gutem Willen und großem Engagement kaum haltbare Belege für die These einer allgemeinen Frauendiskriminierung finden lassen.

Wer gleichwohl die Vorstellung aufrecht erhalten will, dass „WHM“, weiße heterosexuelle Männer, den Rest der Menschheit unterdrückten, muss sich wohl oder übel nach anderen Begründungen umsehen.

Hier instrumentalisieren also weiße Frauen die Erfahrungen schwarzer Frauen und Männer, um ihre gewohnte, liebgewordene und längst mainstream-fähige Anklage gegen weiße Männer nicht überdenken zu müssen – ein Amalgam aus rassistischen und sexistischen Elementen, dessen Herstellerinnen sich seltsamerweise als antisexistisch und antirassistisch verstehen.
Kennzeichen der Distinktion, des – in diesem Fall: moralisch – höheren Rangs werden hier ganz nach alter akademischer Gewohnheit vor allem sprachlich gesetzt: Besonders wichtig ist es natürlich, einen Begriff für Schwarze zu verwenden, der ganz gewiss nicht in absehbarer Zukunft in den allgemeinen Sprachgebrauch einwandern wird. Denn dass sehr bald allüberall von „poc“ (people of color) gesprochen wird, kann zur Erleichterung aller Beteiligten ausgeschlossen werden.

Blogstöckchen und ein Sturm in der Filterbubble Solchen Distinktionen und ihren Signalen, und solchen Abgrenzungen, die selbst den Tod überdauern, standen im vergangenen Monat auf männlicher Seite gleich mehrere Diskussionen gegenüber, in deren Mittelpunkt die offene Kommunikation mit Feministinnen stand.

Ein Beitrag im Wortschrank-Blog, der in einer Entschuldigung bei Robin Urban mündete, hatte eine lange und oft sehr hitzige Diskussion zur Folge. Auch die anschließende Diskussion bei Alles Evolution war engagiert und lang.

Klar wurde dabei immerhin, dass sich die Landschaft männlicher Blogger in den vergangenen Monaten erheblich entwickelt hat und an einer offenen Diskussion mit Feministinnen interessiert ist. In dieser Hinsicht stehen sich Männerrechtler und Feministinnen also durchaus nicht spiegelbildlich gegenüber:
Während auf feministischer Seite Rituale der Abgrenzung schärfer werden und immer kleiner Gruppen in immer mehr Richtungen Gräben ausheben, versuchen geschlechterpolitisch interessierte Männer, möglichst umfassende Perspektiven zu finden, in denen viele aufgehoben sind. Leszeks Begriff des „integralen Antisexismus“ ist ein zentrales Beispiel dafür.

Allerdings hatte die Auseinandersetzung um die Wortschrank-Entschuldigung mit ihren wechselnden Koalitionen zeitweilig auch unverkennbar einen Soap-Opera-Charakter – ein Sturm in der Filterbubble. Arne Hoffmann verlegte die Diskussion satirisch in eine Talkshow bei Maybrit Illner.

Offenbar birgt die Ausgrenzung männerrechtlicher Beiträge aus allgemeinen politischen Debatten für männerrechtliche Diskussionen erhebliche Risiken – was eigentlich in die politische Debatte gehörte, wird auf persönlicher Ebene ausgetragen, und Netzfeministinnen werden an Stelle politischer Verantwortlicher adressiert.

Gerade angesichts der inklusiven Überzeugungen vieler Männerrechtler ist ihre Exklusion aus allgemeinen politischen Debatten besonders unverständlich. Klar wurden diese Überzeugungen abermals bei einem Blogstöckchen, das im März herumgereicht wurde und das nach dem Verhältnis zum Feminismus fragte. Geworfen hatte es Kai,  es antworteten Tom, Christian Schmidt, Arne Hoffmann, Adrian, Graublau, LoMi, Hans G, Elmar Diederichs  und der L for Liberty-Blog. Hier bei man tau gab es auch eine Antwort, und schließlich schrieb auch Kai selbst etwas zu seinen Fragen.
Fast alle Kommentatoren konnten bestimmte feministische Forderungen nachvollziehen und signalisierten Gesprächsbereitschaft – nunja, zumindest die Bereitschaft, einmal mit Feministinnen gemeinsam ein Bier zu trinken. Insgesamt wirkt das Verhältnis gegenüber Feministinnen deutlich entspannter als auf der anderen Seite deren Verhältnis zu Männern und Männerrechtlern – die alte feministische Forderung nach einer Tötung aller Männer erlebte im März auf Twitter, wieder einmal, eine Renaissance.
Bier, Böll und Bollerwagen Das wäre nicht einmal weiter tragisch, wenn solche Feindbilder nicht auch die allgemeine politische Diskussion prägten. Sichtbar wird das besonders an der Reaktion auf Beiträge, die eine solche Feindschaft abbauen könnten. Die Zeit veröffentlichte zum Frauentag einen Artikel Miriam Laus, der den gegenwärtigen Feminismus klar kritisierte:
„Die europäische Frauenbewegung ist dabei, zu einer Art Staatsfeminismus zu werden, einer Nelke in Aspik.“
Erbost antwortete darauf beispielweise Regina Frey, die für die Heinrich-Böll-Stiftung Staatsgelder für ihre Verteidigung der Gender-Forschung gegen ihre Kritiker ausgegeben hat. Sie führt in ihrer Lau-Kritik diese Schrift als Beleg ihrer Position an, vergisst aber im Eifer des Gefechts zu erwähnen, dass sie diese Schrift selbst herausgegeben hat.
Auch der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein kommt bei ihr selbstverständlich schlecht weg, und selbstverständlich kann sie unterschiedliche Artikel der Zeit nicht als einzelne Texte wahrnehmen, sondern entdeckt in ihnen entschlossen eine böse Tendenz:
„Das sind keine Einzelfälle, sondern es spiegelt inzwischen eine redaktionelle Grundlinie wieder. Das Fass ist nun übergelaufen.“

Das klingt, als ob die Böll-Stiftung gemeinsam mit Freys Genderbüro der Zeit ob ihrer unbotmäßigen Texte bald eine Standpauke halten würde.

„Interessant, wie Mainstream-Medien im Moment immer antifeministischer werden,“

bemerkt ganz in diesem Sinne Heide Oestreich für einen Text des Gunda Werner Instituts in der Heinrich-Böll-Stiftung.  Dass sich eine parteipolitische „Stiftung“, die Steuergelder für parteipolitsche Öffentlichkeitsarbeit verwendet, als kritischer Wachhund und Kontrolleur der Presse präsentiert, dreht das herkömmliche Verhältnis zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten in der Politik mit entwaffnender Selbstverständlichkeit um.

Gerade die Absurdität der Situation kann Hoffnung darauf wecken, dass sie nicht mehr ewig andauern wird. Auf der einen Seite gräbt sich eine Politik ein, die auf eine politische und rechtliche Segregation der Geschlechter setzt, die dabei in aller Unschuld rassistische Strukturen nachäfft, die konsequent bis hin zum Alltagsterror auch Gewalt als Mittel zum Zweck versteht und der dabei wieder und wieder öffentliche Foren und öffentliche Gelder angeboten werden.
Auf der anderen Seite bilden sich Positionen, die auf eine Integration verschiedener Perspektiven bauen, die von einem fast rührenden Glauben an die Kraft der offenen Debatte beseelt sind und die dafür aus öffentlichen Debatten ausgegrenzt und mit öffentlichen Geldern bekämpft werden.
Elisabeth Raether antwortet auf Miriam Lau in der Zeit mit einer Gegenfrage:
„Was will denn der Mann? Will er reden oder machen? Will er Geld oder Glück? Will er Treue oder Abenteuer? Will er Liebe oder Macht? Am 29. Mai ist der sogenannte Herrentag. Ein schöner Anlass, statt Bier zu trinken und den Bollerwagen durch die Gegend zu ziehen, ein paar Antworten zu geben.“
So sind’s halt, die Männer – saufen und ziehen durch die Gegend, anstatt mal ein paar klare Worte zu Geld und Glück, Treue und Liebe und Macht zu kommunizieren.
Davon, dass Männer zu eben diesen Themen nun schon seit Ewigkeiten schreiben und reden, und seit Jahrzehnten auch mit männerrechtlicher Perspektive, merken aber offenbar Menschen nichts, die ganz in intensive Selbstgespräche versunken sind.
  1. eine Anmerkung zu Elisabeth Raether und „Am 29. Mai ist der sogenannte Herrentag“ Ist 29.Mai nicht VATERtag? o_O #WTF

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  2. @zuerstmensch Stimmt – wenn man dem Himmelfahtstag schon eine Geschlechtszugehörigkeit verpasst, ist „Vatertag“ natürlich die wesentlich gebräuchlichere Bezeichnung. Nur war Raether in diesem Fall die Anspielung auf die bekanntermaßen prekäre rechtliche Position von Vätern möglicherweise etwas unlieb – von HERREN zu schreiben passt hier besser ins Konzept.

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  3. In Ostdeutschland ist eher der Begriff Herrentag gebräuchlich und wird dort ganz selbstverständlich von allen Schichten udn Geschlechtern verwendet.

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  4. Brandenburg: Herrentag
    NRW: Vatertag

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  5. „„Was will denn der Mann? Will …..Ein schöner Anlass, statt Bier zu trinken und den Bollerwagen durch die Gegend zu ziehen, ein paar Antworten zu geben.“

    Vor allem sind alle diese Antworten schon millionenfach gegeben worden und werden es. Je nach Mann halt unterschiedlich. Und wenn die Damen weniger dauerbesoffen von sich selbst und ihrem Geratsche wären, dann hätten sie die ein oder andere Antwort auch schon mitbekommen.

    Jahrzehntelang alles hemmungslos niederschreien und dann „nun sag doch auch mal was“ sagen. Typisch weiblich halt.

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