Warum Linke, Liberale und Konservative sich verständigen können (und Reaktionäre lieber über gegessenen Kuchen klagen)

In einem Kommentar bei Alles Evolution, der zu einem eigenen Beitrag wurde, beschreibt Leszek drei grundsätzliche Strömungen der Kritik am Feminismus: eine linke, eine liberale und eine konservative. Ich finde diese Beschreibung aus mehreren Gründen sehr sinnvoll.
 
Einerseits knüpft sie umstandslos an politische Ordnungsmuster an, die wir ohnehin schon verwenden.

Andererseits bietet sie aber auch die Chance, ein gemeinsames Feld zu beschreiben, auf dem Menschen ganz unterschiedlicher politischer Hintergründe einigermaßen sinnvoll miteinander in eine Diskussion kommen können. Ein solches Modell ist wesentlich sinnvoller als der Versuch, willkürlich Trennlinien zu ziehen oder zu dekretieren, wer „der Männerbewegung“ schade und wer ihr nütze. Gerade in den Diskussionen bei Alles Evolution ist es für mich oft sehr interessant gewesen, dass hier Teilnehmer ganz unterschiedlicher politischer Hintergründe miteinander diskutierten.

Dass gleichwohl mit Leszeks Modell auch Grenzen gezogen werden, ist trotzdem wichtig: Wer Frauen das Wahlrecht nehmen will, von der natürlichen Minderwertigkeit von Frauen redet oder Gewalt gegen Transsexuelle prima findet, hat in einer demokratischen und menschenrechtlich orientierten Bewegung natürlich keinen Platz. Gleichwohl lässt das Modell noch einen großen Raum für Unterschiede.

Allerdings kamen die Konservativen beim ausgewiesenen Linken Leszek vergleichsweise schlecht weg. Während Leszeks liberaler Männerrechtler radikal- und staatsfeministische Positionen als Gefahr für persönliche Freiheiten betrachtet und Leszeks linker Männerrechtler Gerechtigkeit für alle, also auch für Männer im Auge hat, hat der konservative Männerrechtler vorwiegend Angst: Für ihn sei der Feminismus

„Bedrohung für Werte, Normen und Institutionen zu sehen, die ihm Halt, Sicherheit und Orientierung vermitteln“.
Dass dieser Typus Männerrechtler so als ein etwas vorgestriges, aber auch etwas verängstigtes Hascherl präsentiert wird, kam bei konservativen Kommentatoren nicht sonderlich gut an, und sie empörten sich entsprechend prompt über eine „Ausgrenzung der Nichtlinken“ oder ein „Linkssektierertum“. Anstatt also einfach eine etwas positiver formulierte Definition des konservativen Männerrechtlers vorzulegen, zogen sie es vor, zur Sicherheit lieber erst einmal ein wenig zu schmollen.

Da die Konservativen auf diese Weise ihre eigene positive Beschreibung ungeschickterweise den Linken überlassen, habe ich mich also daran gemacht, auch Leszeks konservativen Männerrechtler auf eine Weise zu skizzieren, die zeigt, warum dieser Typus sehr wichtig sein kann.

 
Wo aber Grenzen sind, die ich nicht mehr akzeptabel finden kann, und was mir selbst als linker Männerrechtler wichtig ist, beschreibe ich dann gleich auch noch. Einfach nur, um zu zeigen, warum mit dem Modell einiges anzufangen ist…

Wex ist schon konservativ?

„Ich vertrete die Auffassung, dass Linke eine Wertepräferenz für den Wert Gerechtigkeit haben, Konservative eine Wertepräferenz für den Wert Sicherheit und Liberale eine Wertepräferenz für den Wert Freiheit.“
Leszeks Zuordnung über Wertpräferenzen finde ich sehr hilfreich, aber für die gebräuchliche Zuweisung der „Sicherheit“ zum Konservativen möchte ich trotzdem einen anderen Vorschlag machen. Sicherheit nämlich ist ein zentraler Wert auch für andere.

Selbst Radikalliberale beispielsweise, die – wie etwa Robert Nozick in Anarchy, State, and Utopia  – im Interesse möglichst großer persönlicher Freiheiten nur einen Minimalstaat für legitim halten, geben diesem Minimalstaat gemeinhin die Funktion, für Sicherheit zu Sorgen: für Sicherheit im Inneren (durch eine Polizei) und nach außen (durch eine Armee).

Sicherheit ist in mancher Hinsicht auch ein spezifisch linkes Thema. Sicherheit vor Gewalt beispielsweise können sich auf Dauer nur Wohlhabende leisten, wenn sie Privatangelegenheit bleibt. Eine Sicherheit im Hinblick auf die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern ist ebenfalls für diejenigen dringender, bei denen aufgrund begrenzter Ressourcen diese Versorgung in Frage steht.

Der Sinn konservativer Ansätze gerade für Geschlechterdebatten lässt sich statt dessen vielleicht an einer irritierenden Eigenschaft vieler feministischer Theorien entwickeln. Gesellschaftliche und soziale Ordnungen bis weit in den persönlichen Bereich erscheinen dort regelmäßig als Ausdruck von „Herrschaft“ – von einer Männerherrschaft natürlich, oder von der Herrschaft derjenigen, die durch das soziale Konstrukt einer „heterosexuellen Matrix“ profitierten und dieses Konstrukt daher stabilisierten. Das sind, überraschenderweise, auch die Männer.

Mir hat diese Fixierung auf Herrschaft und ihre Aufdeckung niemals eingeleuchtet. Wesentlich plausibler ist es in meinen Augen, Ordnungen dadurch zu erklären, dass sie halbwegs sinnvoll halbwegs sinnvolle Funktionen erfüllen – und dies nicht im Dienste der Sicherung einer Herrschaft weniger, sondern im Dienste eines einigermaßen gelingenden Lebens der meisten Beteiligten.

 
Im Hinblick auf die bürgerliche Ehe beispielweise führt das zu einem wesentlich differenzierteren und realistischeren Bild als die Annahme, diese Institution sei lediglich Ausdruck patriarchaler Herrschaftsstrukturen. Das können auch die einräumen, die dieses Modell mittlerweile nicht mehr für funktional halten.

Konservative haben eben hier ein gutes grundsätzliches Argument: Vorgefundene Ordnungen hätten sich eben deswegen stabilisiert, weil sie sinnvolle Funktionen für die Beteiligten und für die soziale Kooperation erfüllen. Da bloß gedanklich entworfene Alternativen den Beweis solcher Funktionalität erst noch schuldig seien, sei es grundsätzlich sinnvoll, die vorgefundenen Ordnungen möglichst zu bewahren – und Veränderungen nur auf ihrer Basis anzustreben, sie aber nicht revolutionär zu ändern oder zu stürzen. Keine Experimente.

Ein Beispiel dafür, dass eine solche Position keineswegs randständig ist, sind schroff ablehnende Reaktionen auf feministische Sprachregelungen, die von liberaler Warte aus als gängelnden Eingriff in das Handeln von Menschen, aus konservativer Warte als Angriff auf die Funktionalität bestehender sprachlicher Formen gewertet wird: Wer beispielsweise von „Studierx“ spreche und mit dem Pronomen „Wex?“ nach ihnen frage, würde gängige Sprache willkürlich manipulieren und sprachliche Verständigung erheblich erschweren.

Die Gefahr, wenn jemand den bestehenden Ordnungen grundsätzlich Funktionalität unterstellt und so ihre Stabilisierung präferiert, ist naheliegend: Konservative halten möglicherweise auch dann noch an diesen Ordnungen fest, wenn sie schon dysfunktional geworden sind. Zudem verteidigen sie, weil sonst schließlich die Stabilität der Gesellschaft oder ähnliches bedroht sei, diese Ordnungen womöglich auch um den Preis, Prinzipien der Freiheit oder der Gerechtigkeit zu verletzen.

 
Gleichwohl hat der Typus des konservativen Männerrechtlers einen wichtigen Platz,  wenn es beispielweise darum geht, traditionelle Geschlechterordnungen und insbesondere traditionelle Männer gegen pauschale Verurteilungen („deadbeat dads“, Paschas, Patriarchen, etc.) zu schützen und deutlich zu machen, dass traditionelle Ordnungen Funktionen erfüllen oder erfüllten. Wer sie ändern möchte, muss dann eben zeigen, wie andere Ordnungen diese Funktionen besser erfüllen können – oder warum diese Funktionen unwichtig geworden sind.

Warum Reaktionäre über gegessenen Kuchen klagen Es gibt jedenfalls keinen vernünftigen Grund, konservative Positionen grundsätzlich abzulehnen. Anders aber ist das bei reaktionären Positionen. Ein Reaktionär hält nicht am Bestehenden fest, sondern an Ordnungen, die vergangen sind und deren Dysfunktionalität sich bereits erwiesen hat. Er ist daher keineswegs einfach nur eine absurde Steigerung des Konservativen und stolziert nicht lediglich dort noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit, wo der Konservative stehenbleibt.

In einer wichtigen Hinsicht hat der Typus des Reaktionärs sogar deutlich mehr Ähnlichkeit mit dem Typus des Linken: Beide sind nicht zufrieden mit der vorgefundenen gesellschaftlichen Ordnung, sondern überzeugt davon, dass eine bessere Gesellschaft möglich sei und realisiert werden sollte.

 
Während aber der Linke die nötigen Veränderungen in eine offene Zukunft hinein zeichnet, projiziert der Reaktionär sie auf eine abgeschlossene Vergangenheit. Damit sind beide nicht equivalent, sondern ganz unterschiedlich rational. Einfach ausgedrückt: Der Reaktionär klagt wortreich darüber, dass er den Kuchen, den er eben gegessen hat, zurück haben möchte – der Linke hingegen überlegt, wie man in Zukunft besseren Kuchen backen kann.

Gleichwohl lassen sich beide Typen verwechseln. Ein wichtiges gegenwärtiges Beispiel für eine politische Position, die reaktionär ist, sich aber für links hält, ist ein Feminismus, der auf der Idee eines allgegenwärtigen Patriarchats aufbaut. Mit dieser Idee nämlich legitimiert sich der Schutz eines längst dysfunktional gewordenen Versorgungsstatus bürgerlicher Frauen, die doch gegen die übermächtige Männerherrschaft beständig besonderen Schutz und engagierte Unterstützung bräuchten.

Am Besten lässt sich der Typus des Reaktionärs wohl als Schattenseite aller drei anderen Typen beschreiben.

 
Die Position des Konservativen verkehrt er in eine dumpfe Abwehr aller offenen Horizonte, all dessen, was neu ist, unerprobt, oder was er ganz einfach nicht kennt.
 
Die Position des Liberalen verkehrt er in eine missmutige, aggressive Abwehr der Einmischung anderer in „seine Angelegenheiten“ bis hin zur weiträumigen Ablehnung des Staats – ohne überhaupt wahrzunehmen, wie sehr diese seine Angelegenheiten nur durch die Leistungen anderer überhaupt möglich werden.
 
Die Position des Linken verkehrt er in eine hochmütige Missachtung der Funktionalität bestehender Ordnungen, die er ganz gewiss und jederzeit und aus dem Handgelenk durch bessere ersetzen könne – wenn man ihn denn nur ließe.

In Geschlechterdebatten spielen sich feministische und antifeministische Reaktionäre typischerweise und zum Schaden anderer Beteiligten gegenseitig die Bälle zu, auch wenn sie sich selbst irrtümlich als erbitterte Gegner verstehen.

 
Auf Männerseite wenden sich reaktionäre Positionen beispielsweise gegen das Frauenwahlrecht und beschreiben Männer als reifere, den Frauen übergeordnete Wesen – ohne dass die Vertreter dieser Positionen jemals bemerkten, dass die damit verbundene Infantilisierung von Frauen Menschen beider Geschlechter schadet und feministische Opfermythen bedient.
 
Oder sie hetzen gegen Homosexuelle, ohne zu bemerken, dass sich in der Angst vor männlicher Homosexualität auch die Festlegung von Männern auf die Funktion des Versorgers von Frauen spiegelt und dass diese Angst daher sowohl homo- wie auch heterosexuelle Männer einschränkt. Die Beispiele ließen sich fortsetzen.

 

Zwei linke Ansätze der Feminismuskritik  Gegenüber Linken ist ein typischer reaktionärer Vorwurf, dass Linke „Gleichmacherei“ betreiben würden. Das ist haltlos. Die Präferenz für Gerechtigkeit verlangt keine allseitige Gleichheit, wohl aber eine gesellschaftliche Ordnung ohne Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen. Was damit gemeint ist, lässt sich im Vergleich zur Arbeitsteilung beschreiben.

In der Arbeitsteilung ergänzen sich die Tätigkeiten verschiedener Menschen, haben die Beteiligten Rechte und Pflichten weitgehend ausbalanciert, sind voneinander abhängig, arbeiten aber auch einander zu, so dass idealerweise alle voneinander profitieren können. In einer gerechten arbeitsteiligen Gesellschaft hätten Menschen beispielsweise die Option, durch größeren persönlichen Einsatz auch einen größeren Zugang zu Ressourcen zu erhalten – oder aber in Kauf zu nehmen, dass ihr Zugang zu Ressourcen relativ begrenzt bleibt, sie dafür aber auch mit geringerem Einsatz agieren.

 
In diesem Sinne, beispielsweise, kann es gerechte Ungleichverteilungen geben – das ist eigentlich seit Aristoteles Allgemeingut in der Philosophie und traditionell auch für überzeugte Linke keine Überraschung.

Unter Bedingungen der Ausbeutung aber ist eine Option wie die oben beschriebene nicht möglich. Hier geht es darum, dass Menschen prinzipiell mit dem größtmöglichen Einsatz agieren müssen, ohne aber grundlegende Entscheidungen über ihr Leben noch treffen zu können. Ihre Existenz ist wesentlich Mittel zum Zweck, anderen ein deutlich angenehmeres Leben zu ermöglichen. In westlichen Gesellschaften agieren beispielsweise die working poor  unter Bedingungen der Ausbeutung, die trotz der Arbeit in mehreren Jobs unter der Armutsgrenze leben.

Ein wichtiges Beispiel für Ausbeutungsstrukturen in der Geschlechterpolitik findet sich in Familienmodellen. Die klassische bürgerliche Ehe lässt sich durchaus als arbeitsteilige Struktur beschreiben, auch wenn beide Partner womöglich zeitweilig den Eindruck haben, vom jeweils anderen Partner ausgebeutet zu werden.

 
Die Überspitzung dieses Modells in der Idealisierung der mütterlichen Alleinerziehung jedoch setzt auf Ausbeutung, weil hier die Verpflichtung zur finanziellen Versorgung der Kinder über Jahre hinweg auch gegen dessen Willen allein an den Vater delegiert wird, während er zugleich fast keine Rechte hat und in den meisten Fällen seine Kinder kaum oder gar nicht sehen kann.

Ein reaktionäres Modell. Seine Vertreter halten an dem Glauben, Kinder würden allein zur Mutter gehören, auch um den Preis fest, dass es nur unter großen und unfreiwilligen Opfern realisierbar ist und nicht nur den Vätern, sondern auch den Kindern schadet.

Hier wird übrigens auch deutlich, warum es eine klassische Schnittmenge zwischen linken und liberalen Positionen gibt: Ausbeutungsstrukturen sind eben auf Dauer nur mit erheblichen Einschränkungen persönlicher Freiheiten aufrechtzuerhalten.

Für eine linke Männerpolitik ergeben sich aus der Wertepräferenz für Gerechtigkeit und der klaren Ablehnung von Ausbeutung zwei zentrale Ansätze.

 
Einerseits wendet sie sich gegen geschlechtsspezifische Ausbeutungsstrukturen, für deren Beschreibung Farrells Begriff des „disposable male“ zentral ist. Der disposable male ist der verfügbare Mann, dessen Arbeit zur Versorgung anderer dient, aber er ist auch der Wegwerfmann, dem über seine Versorgungsfunktion hinaus kein eigenständiger Wert zugesprochen wird.

Eine linke Männerpolitik in diesem Sinne kann natürlich nur widerspruchsfrei bleiben, wenn sie – darauf zielt auch Leszeks Begriff des „integralen Antisexismus“ – auch andere geschlechtsspezifische Ausbeutungen als die von Männern ablehnt. Daher wären linke Feministinnen durchaus mögliche Bündnispartnerinnen – wenn man sie denn nur irgendwo in nennenswerter Anzahl finden könnte.

Andererseits kritisiert eine linke Männerpolitik, dass die Inszenierung eines Geschlechterkampfes Ungerechtigkeiten und Ausbeutungsstrukturen verdeckt, die mit den Mittel von Geschlechterdebatten überhaupt nicht vernünftig beschrieben werden können. Feministische Positionen sind in diesem Sinne ein Ersatz für linke Politik, der die klassische Terminologie des Klassenkampfes aufgreift und sie für die Zelebrierung einer bürgerlichen Nabelschau verwendet. Eine ernsthafte Analyse weiterer sozialer Ungerechtigkeiten, die über die endlose Inszenierung und Reinszenierung von bürgerlich definierten Mann-Frau-Konflikten hinausgeht, ist gar nicht mehr vorgesehen.

Ein Beispiel für einen solchen Feminismus ist Hannah Rosins berühmte Rede vom „Ende der Männer“, mit der sie massive – soziale, aber auch rassistische – Ausbeutungsstrukturen geschlechterpolitisch neu beschreibt und sie so legitimiert: Die Leidtragenden solcher Strukturen seien lediglich deshalb in Not geraten, weil sie an obsolet gewordenen Männlichkeitsidealen festgehalten hätten.

 
Ein anderes, deutsches Beispiel ist die Fixierung auf Frauenquoten in Spitzenpositionen, die von mehreren sozialdemokratischen Ministern tatsächlich als ein zentrales Element sozialer Gerechtigkeit dargestellt wurde.

 

Eine linke Männerpolitik kann gegenüber liberalen wie konservativen Positionen jederzeit gesprächsbereit sein, hat aber eine klare eigene Zielsetzung. Ebenso haben auch konservative und liberale Männerrechtler in Leszeks Modell die Möglichkeit, ihre eigene Position zu konturieren. Eine Kritik daran war gleichwohl bei Alles Evolution, dass der Sinn des Modells fragwürdig sei, weil sich die meisten doch bei mehreren Typen gleichzeitig wiederfänden.

Das allerdings ist gar kein Problem. Zwischen den Typisierungen des Linken, Liberalen und Konservativen lässt sich ein dreieckiges Netz spannen, und in diesem Netz gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, sich zu positionieren. Ich habe das für mich einmal getan: Natürlich mit einem roten Stern, allerdings keinem tiefroten, der relativ weit vom Linken in Richtung des Liberalen verschoben ist und auch einige Anteile des Konservativen hat.

Ein konservativer Männerrechtler hingegen, der zwar einige liberale Ideen anerkennt, aber mit Linken nichts am Hut hat, wäre dort – als schwarzer Stern – relativ weit von mir entfernt.

Natürlich kann jeder überlegen, wo er sich selbst in diesem Netz positionieren würde, und natürlich hat das immer auch den Charakter einer Spielerei. Es wird bei dieser Spielerei aber immerhin deutlich, dass es hier einen großen Bereich gibt, in dem sich Menschen ganz verschiedener politischer Überzeugungen sinnvoll verständigen können.

Nur die Reaktionäre, seien es die Patriarchatsfeministinnen oder die Verkünder der männlichen Höherwertigkeit, fliegen an verschiedenen Seiten an diesem Netz vorbei.

Rumms.

Anmerkung: Eine ausführlichere und differenziertere Übersicht über Maskulismus-Varianten, die zudem mit einer Reihe nützlicher Links versehen ist, findet sich im Blog Maskulismus für Anfänger.

Paddeln im Sumpf der Väterfeindschaft

„Väter-Krieg zerstört das Leben der Kinder.“
Welcher Kinder? Aller Kinder! Zumindest der Kinder jedenfalls, deren Eltern sich getrennt haben.

Der Krieg, von dessen Front der Berliner BZ-Redakteur Gunnar Schupelius hier berichtet, ist nämlich nicht etwa einfach nur ein Krieg zwischen Vätern – und wirklich schlimm wird ein Krieg ja bekanntlich ohnehin erst, wenn auch Frauen und Kinder zu den Opfern zählen. Es ist ein Krieg, den die Väter gegen die Mütter und damit gegen ihre Töchter und Söhne führen.

Und wer ist Schuld? Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof, und das Verfassungsgericht, und der deutsche Gesetzgeber. Denn:

„In nur einem Jahr hat das neue Sorgerecht eine Spur der Verwüstung durch die Seelen kleinster Kinder gezogen.“

 Und offensichtlich auch durch den Verstand größerer BZ-Redakteure.

Mit diesem Bild illustriert die BZ in gebotener Sachlichkeit ihren Text über den Krieg, den Väter gegen Kinderseelen führen. 
Natürlich enthält es auch ein Rätsel: Was denkt wohl das Kind im Vordergrund? a. Wie schön wäre es, wenn die Eltern einfach anfingen, vernünftig miteinander umzugehen? b. Wie schön wäre es, wenn dieser seltsame schlimme Mann im weißen Hemd endlich weg wäre?
Wer  sich wie Gunnar Schupelius in Kinderseelen auskennt, weiß natürlich, dass nur Antwort b. richtig sein kann. Quelle
Von dem Text in der Berliner Boulevardzeitung BZ berichtet  Gleichmass e.V. und bezeichnet ihn, was sehr wohlwollend und fair formuliert ist, als
„einen außerordentlich tendenziösen und damit voreingenommenen Artikel“.
Das ist auch deshalb interessant, weil Schupelius in unbekümmerter Haudrauflust eben die Argumente verwendet, die schon lange und routiniert von Lobbygruppen wie dem Verband der Alleinerziehenden VAMV oder Lobbyistinnen wie Anita Heiliger formuliert wurden.

Warum Babys zur Mutter gehören und gemeinhin keine Koteletts essen

„Denn in der Realität ist Streit vorprogrammiert, wenn die Basis zur Kommunikation fehlt. Leidtragende sind dann vor allem die Kinder. Sie müssen immer wieder erleben, wie zerstritten die Eltern sind über Dinge, die das Kind betreffen wie Schulwahl, Zahnspange, Taschengeldkonto, usw.“
Was hier der VAMV schreibt, ist seit jeher eines der entscheidenden Argumente für die Ausgrenzung von Vätern aus der Kindessorge gewesen.
 
Wenn Du einen Konflikt mit jemandem hast, sieh zu, dass er verschwindet: Natürlich löst diese Position Konflikte nicht ganz restlos, sie gibt allerdings Erwachsenen beiderlei Geschlechts die Möglichkeit, ihre Konflikte nicht mehr wahrnehmen zu müssen. Was ja auch schon was wert ist. Die Kinder kommen dann bestimmt schon irgendwie allein mit der Sache klar.

Das Argument des VAMV lässt sich auch so formulieren: Wenn auch andere Menschen Rechte haben, und nicht nur ich, gibt das Konflikte – Konflikte sind aber nicht gut für das Kind – also ist es im Sinne des Kindeswohls unerlässlich, dass nur ich Rechte habe.

Da aber das Argument in dieser Form auf wenig wohlwollende Zeitgenossen möglicherweise ein wenig eigensüchtig wirken kann, hilft Schupelius mit drastischen Beispielen aus.

Mit genau EINEM drastischen Beispiel, um genau zu sein. Ein Mann beantragt acht Monate nach der Geburt das gemeinsame Sorgerecht mit der ehemaligen Partnerin.

„Umgehend wird ein Umgang des Mannes mit dem Kind, das ihn noch nie gesehen hat, erzwungen. Dazu muss die Mutter zu einer bestimmten Uhrzeit vor ihr Haus treten. Eine Helferin des Jugendamtes nimmt ihr das schreiende Bündel aus der Hand, reicht es dem Vater, der es in sein Auto steckt. Kein Übergang, kein Kennenlernen. Nach 45 Sekunden ist alles vorbei. So geht es zweimal die Woche.“
Das, allerdings, hat mit dem Sorgerecht nichts zu tun – das Umgangsrecht zwischen Vater und Kind gab es auch schon vorher, unabhängig vom Sorgerecht. Diese klitzekleine Ungenauigkeit aber darf natürlich keine Rolle spielen, wenn es um Verwüstungsschneisen durch Kinderseelen geht.
 
Ebenso wenig wie das: Dass das Kind den Vater vorher „noch nie gesehen hat“, liegt ja eben daran, dass es keinen Umgang gab – was selbstverständlich dagegen spricht, dass dann überhaupt irgendwann Umgang etabliert wird. Alles klar?

Die Mutter, so stellt Schupelius empört fest,  muss doch tatsächlich „zu einer bestimmten Uhrzeit“ vor ihr Haus treten. Menschen aber einigen sich nun einmal bei Verabredungen praktischerweise auf eine gemeinsame Uhrzeit und einen bestimmten Ort und gehen nicht einfach irgendwann irgendwohin, in der stillen Hoffnung, sich mit viel Glück vielleicht zufällig zu treffen. Warum diese eigentlich alltägliche Erfahrung der BZ nun plötzlich als unbarmherzige Schikane kriegslüsterner Väter erscheint, konnte sich mir bedauerlicherweise nicht vollständig erschließen.

Dass zudem die Übergabe des Kindes nicht in der Wohnung, sondern vor dem Haus stattfindet, ist auch in meinen Augen ungünstig – nach meiner Erfahrung sind es allerdings eher die Mütter, die das so wollen. Die Eltern hätten jedenfalls problemlos die Möglichkeit, etwas daran zu ändern, wenn beide es für sinnvoll halten.

 
Der Vater schließlich kann hier natürlich gar nichts mit dem Kind anfangen, sondern steckt es einfach in sein Auto. Vermutlich fährt er damit dann planlos durch die Gegend, in der Hoffnung, dass die Windel nicht durchsüppt und das Kind ihm nicht den wertvollen Sitzbezug versaut – man weiß ja, wie Männer sind. Natürlich geht’s ihm nicht um’s Kind, sondern nur darum, der Mutter was auszuwischen.
„Nach vier Stunden ist das Baby wieder da, durstig, denn es wird noch gestillt.“
Schupelius geht offenkundig davon aus, dass das neue Sorgerecht aus ungeklärten Gründen den Eltern verbietet, beim Umgang die Stillzeiten des Kindes zu berücksichtigen.
 
Übrigens ist das Baby ungestillt nicht nur durstig, sondern auch hungrig – ein Baby oder Kleinkind vertreibt sich die Stunden zwischen den Stillzeiten schließlich nicht mit dem Verzehr von Koteletts, Steaks oder Currywürsten, wie das ausgewachsene BZ-Redakteure so tun. Hätte er sich irgendwann einmal um ein kleines Kind gekümmert, wüsste Schupelius das auch – aber das kann ja nun wirklich niemand von ihm verlangen:
„Im Interesse der Kinder müssen wir uns wieder an dem orientieren, was die Natur vorgibt: Wenn keine Einigung möglich ist, gehören Babys und sehr kleine Kinder ganz einfach zur Mutter.“
Denn natürlich hat das Kind in dem von Schupelius beschrieben Fall nach dem Umgang jeweils Fieber, und natürlich wird es verhaltensauffällig – doch zum großen Glück schreitet eine vernünftige Jugendamtsmitarbeiterin endlich ein und unterbindet den Umgang, zur unendlichen Erleichterung der Mutter. Mit demonstrativ verbittertem Zynismus schreibt Schupelius: 
„Es sei für das Kindeswohl doch nicht zuträglich gewesen, ihr das schreiende Baby zweimal die Woche zu entreißen.“
Warum Väter immer alles bestimmen wollen und Bayern München deutsche Ehebetten verwüstet
„Mütter werden so gezwungen, ihr Kind möglicherweise (re-) traumatisierenden Kontakten auszusetzen. Das Kind fühlt sich verraten von der Person, der es vertraut, die ihm Sicherheit und Schutz bietet und fragt sie: ‚Warum muss ich da hin?‘“
Dieses Zitat nun stammt nicht von Gunnar Schupelius, sondern von Anita Heiliger, aus ihrem Text Vater um jeden Preis? Umgangszwang und Kindeswohl. Deren Ressentiment gegen den Umgang von Kind und Vater, und deren Engagement gegen jeden staatlichen Druck, der das Umgangsrecht von Vater und Kind durchsetzt, teilt Schupelius voll.

Heiligers Text stammt aus dem Jahr 2008 – ihre Wut auf den Vater-Kind-Umgang, der eigentlich nur

„die Absicherung männlicher Bestimmungsmacht über (Ex-)Frauen und Kinder“
bedeute, konnte sie schon viele Jahre vor dem neuen Sorgerecht ausleben. Beides hat eben nichts miteinander zu tun.

Schupelius baut darauf, dass angesichts des eindrucksvollen Bildes einer Schneise der Verwüstung durch die Seelen ganz kleiner Kinder niemand mehr so genau nachfragen wird, was er eigentlich sagen will. Denn natürlich legt er ein Wunderwerk abendländischer Argumentationskunst vor: Nicht allein begründet er eine Allgemeinaussage mit nur einem einzigen Beispiel, er benutzt dafür auch noch ein Beispiel, das mit der Allgemeinaussage gar nichts zu tun hat.

 
Ebensogut könnte er behaupten, die Meisterschaft von Bayern München hätte eine Schneise der Verwüstung durch deutsche Ehebetten gezogen – da diesem Satz aber die Eindrücklichkeit verwüsteter Kinderseelen fehlt, käme möglicherweise irgendjemand auf den Gedanken nachzufragen, was um Himmels Willen er damit eigentlich meint.

Jedenfalls hat Schupelius das unbestreitbare Verdienst, überdeutlich gemacht zu haben, in welch einem reaktionären Sumpf die politische Feindschaft gegen Väter gedeiht, die dann von Institutionen wie dem VAMV oder von Lobbyistinnen wie Heiliger nutzbar gemacht wird. Der VAMV, übrigens, hat passenderweise gerade jetzt einen Aufruf gestartet, Erfahrungen mit dem neuen Sorgerecht mitzuteilen, um

„Kriterien für die Evaluation des neuen Gesetzes zu erarbeiten und diese dem Justizministerium zur Verfügung zu stellen.“
Ich bin sicher: Sobald das Bundesforum Männer, das seinen engagierten Winterschlaf entschlossen in eine produktive Frühjahrmüdigkeit überführt hat, irgendwann im Laufe der nächsten Monate mal kurz aufwacht, wird es sich ganz bestimmt auch um das Thema kümmern. Vielleicht findet es dann sogar die Zeit, nebenbei mal zu erklären, wie eigentlich eine Geschlechterpolitik funktionieren soll, die zugleich menschenfreundlich ist UND die Zustimmung von VAMV, Heiliger und Schupelius findet.
 
Oder meinetwegen auch eine, die zugleich rund und quadratisch ist, falls das dem Bundesforum leichter fällt.

Anmerkung: Ein weiterer, und sehr empfehlenswerter Text zu Schupelius‘ Artikel findet sich im Frontberichterstatter-Blog. Ich hab ihn erst entdeckt, nachdem mein eigener Text fertig war – sonst hätte ich Hinweise auf ihn natürlich schon mit eingebaut. Einen anderen, kurzen und lesenswerten Text mit Hinweisen zur BZ hat LoMi auf dem Blog Offene Flanke veröffentlicht (den Text hab ich ebenfalls erst im Nachhinein entdeckt…).

Warum es sexuelle Gewalt gegen Männer nicht gibt (und sie außerdem auch halb so schlimm ist)

„Theon wurde nicht vergewaltigt.“
Das hat Robin hier zu Beginn des Monats zu meiner Behauptung geschrieben, dass in der Fernsehserie Game of Thrones die Vergewaltigung einer Frau als Medienskandal behandelt wurde, während die unendlich lange Folter, Demütigung und Vergewaltigung eines männlichen Protagonisten kaum der Rede wert sei.
Ich hab mir daraufhin noch einmal die über die gesamte Staffel verteilten Szenen der Folterung Theons angeschaut, weil ich wissen wollte, ob ich irgendetwas ganz falsch verstanden hatte. Ein solches Best-of-Folterszenen war natürlich eine eher schräge Erfahrung und hat eine Weile gedauert, aber zum Thema der sexuellen Gewalt gegen Männer und ihrer Verarbeitung in der Popkultur sind die Szenen sehr aufschlussreich.
Entschuldigung an Robin übrigens für die späte Antwort – und das schreibe ich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass solche Entschuldigungen ab und an dramatische Folgen haben können. Auch wenn die sexuelle Gewalt, die Theon erlebt, rechtlich wohl tatsächlich nicht als Vergewaltigung klassifiziert werden würde, sondern als schwere sexuelle Nötigung, frage ich mich weiterhin: Warum spielt diese Gewalt eigentlich eine so viel geringere Rolle als die Vergewaltigung der Cersei, die in vergangenen Wochen ein Skandal war?
Sicher: Weil Theon ein Mann ist, sicher, und wohl auch, weil die Täter Frauen sind. Nur beantwortet das ja fast nichts, sondern führt sofort zu neuen Fragen.
Theon sagt Please… Eine Szene aus der dritten Staffel von Game of Thrones Quelle

Vergewaltigte Männer hätten es auch in der Realität schwerer als es vergewaltigte Frauen hätten, mit ihrer Erfahrung ernst genommen zu werden und Hilfe zu bekommen, berichtet der Mitarbeiter einer Beratungsstelle in Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik. (S. 189) James Landrith vom Good Man Project, selbst Opfer einer Vergewaltigung durch eine Frau, berichtet im selben Text von „immer wieder reflexartig erfolgenden Abwehrversuchen“ (190), wenn es um männliche Vergewaltigungsopfer ginge – und um weibliche Täterschaft.

Mehr noch als die psychologischen Motive hinter dieser Abwehr interessiert mich die Frage, wie sich diese Einseitigkeit eigentlich legitimiert.

Die Legende von der männlichen Stand-By-Geilheit Game of Thrones Theon ist keine sympathische Figur. Er ist verantwortlich für die Zerstörung Winterfells, des Hauptsitzes der Familie Stark, deren Mitglieder wiederum zu den Identifikationsfiguren in der Serie gehören. Dass Zuschauer mit Theon wohl kaum mitfühlen, erlaubt es, die lange, sich fast über die gesamte Staffel hinziehende – und dann noch nicht einmal beendete – Folterung mit etwas Distanz zu betrachten.
Theon weiß in dieser ganzen Zeit nicht, wer ihn gefangen hält – ein Mann namens Ramsay Snow  – und welchen Zweck die Folter eigentlich hat. Er wird von einer Gruppe von Männern in einem unbekannten Raum an ein hölzernes Kreuz gebunden und gequält. Zunächst sieht es so aus, als ob die Folterknechte Informationen von ihm erhalten wollten, doch als Theon ihnen schon alles gesagt hat, was er über die Zerstörung Winterfells weiß, wird die Folter gleichwohl unverändert fortgesetzt.
Ein junger Mann nähert sich ihm, gibt sich in einem unbeobachteten Moment als Freund zu erkennen und verspricht ihm Hilfe zur Flucht. In der Nacht kehrt er zurück, ermöglicht Theon die Freiheit, doch dieser wird von seinen Folterknechten gejagt, gefangen, überwältigt und fast vergewaltigt – der junge Mann aber befreit ihn und führt ihn zu einer Burg, die angeblich die Burg eines Verbündeten ist.
Als Theon eintritt, erkennt er, dass er sich wieder im Raum befindet, in dem er gefoltert wurde: Die Flucht war eine Finte, sein Folterknecht Ramsay hatte mit seiner Hoffnung auf Befreiung gespielt, um ihn nun umso intensiver und sadistischer weiter quälen zu können.
Theon wird wieder an das Kreuz gefesselt, psychisch und körperlich extrem gequält. Eine Szene aber beginnt dann damit, dass ihn weibliche Hände vorsichtig losbinden. Erst allmählich ist erkennbar, dass es zwei junge Frauen sind, die Theon umsorgen, ihn streicheln, ihm – nachdem er zuvor nahe am Verdursten existierte, während Ramsay vor seinen Augen Trinkwasser demonstrativ verschüttete – zu trinken geben, ihn küssen.
Es ist offensichtlich, dass Theon nicht weiß, was geschieht, und dass er trotz der Erleichterung seiner Situation der Panik nahe ist. Als eine der Frauen die Hand in seine Hose zu schieben versucht, hält er ihre Hand fest – er sagt flehentlich „Please“, um sie zu bitten, nicht weiter zu machen: Eben dieses Wort hatte er zuvor so oft zu Ramsay gesagt, dass der es ihm schon verboten hatte.
Er bekommt zunächst offenkundig keine Erektion („Do you think we’re ugly?“), fleht um Hilfe,  fragt die Frauen, wer sie geschickt habe, ist misstrauisch. Sie aber versichern ihm, sie seien freiwillig und seinetwegen hier, weil sie von seinem berühmten großem Geschlechtsteil gehört hätten – schließlich zieht sich eine von ihnen aus, Violet, setzt sich rittlings auf ihn und reibt sich an ihm – zum Beischlaf fehlt allein, dass sie ihm die dünne Hose auszieht.
Eben in diesem Moment, als Theon sich zu entspannen scheint, ist die Tröte zu hören, die das Erkennungsmerkmal Ramsays ist. Er kommt herein, die Frauen, die ihm gehorchen, ziehen sich sofort von Theon zurück, und Ramsay verspottet sein Opfer: Theon habe die Mädchen immer geliebt und geglaubt, die Mädchen liebten auch ihn. Die Frage, welches sein wichtigstes Körperteil sei, hatte er ihm zuvor schon gestellt, nun beantwortet er sie selbst – sein berühmtes Glied sei es.
Die Szene endet damit, dass Theon von Ramsay kastriert wird.
Ich verstehe, warum diese Szene nicht als Vergewaltigung wahrgenommen wird, schließlich schläft Violet nicht tatsächlich mit Theon, sondern simuliert einen Beischlaf. Angesichts dieser Szene ist gleichwohl schwer zu verstehen, wie die Vergewaltigung Cerseis durch Jaime ein so großer, bis in die größten amerikanischen Medien hinein beschriener Skandal werden, die sexualisierte Gewalt an Theon während seiner Folter aber völlig übersehen werden konnte. Cersei sagt mehrmals „Not here“, als Jamie sie zu Boden reißt: Was ist an diesem „Not here“ eigentlich so viel dringlicher als an Theons flehendlichem „Please“?
Nach vielen Tagen der Folter ist Theon schließlich ganz gewiss nicht in der Lage zu einer freien Zustimmung – seine psychische Manipulation ist schon zuvor Teil der Folter – das wiederum weiß er, und das versetzt ihn nun erst recht in Panik – er ist faktisch hilflos – er hält die Hand einer Frau auf, als sie in seine Hose greift – er bittet, bettelt fast, er fleht – und, mehr noch: Es ist eindeutig, dass hier die Sexualität nicht der gegenseitigen Freude dient, sondern gezielt eingesetzt wird, um Theon so weit wie möglich zu quälen und zu demütigen.
Dass er am Ende offenbar eine Erektion hat, ist kein nachvollziehbarer Grund, diese Handlung nicht als sexuelle Gewalt anzusehen. Dass Sexualorgane auch ohne oder gegen den Willen von Menschen reagieren können, ist allgemein bekannt, und bei einer Frau würden vergleichbare physiologische Reaktionen mit gutem Grund nicht zur Entlastung des Täters führen.
Dass die männliche Erektion in der Interpretation solcher Szenen überhaupt relevant ist, hat wohl nur einen Grund: Sie belegt scheinbar ein Vorurteil, das auch Ramsay schon gegen Theon ausspielt, das Vorurteil nämlich, Männer seien ohnehin beständig zur Sexualität bereit. Wer davon ausgeht, dass der typische Mann ohnehin alle Frauen begatten wolle, die nicht bei drei auf den Bäumen sind usw.usw. – der schließt eben schon die logische Möglichkeit aus, dass ein Mann von einer Frau vergewaltigt werden kann.
Die Unterstellung permanenter Bereitschaft zum Sexualakt greift hier übrigens ein Motiv auf, das mit umgekehrter Geschlechterzuordnung schon seit Jahrzehnten routiniert kritisiert wird: Theon wehrt sich zunächst deutlich, gibt dann aber nach und genießt die Situation möglicherweise sogar. Als meinte ein Mann, der „Nein“ sagt, eigentlich: „Mach ein bisschen heftiger!“
Die Unterstellung einer männlichen Stand-By-Geilheit verbindet sich häufig mit der Vorstellung männlicher Stärke, die den Mann doch jederzeit in die Lage versetze, sich gegen Übergriffe zu wehren, zumal gegen Übergriffe von Frauen. Beides ist unrealistisch. In die Geschlechterordnung wird damit eine andere Ordnung hineinfantasiert, die hier eigentlich ganz deplatziert ist: die des Profanen und des Sakralen.
Denn wer eine solche Position vertritt, akzeptiert es nicht, alle Menschen gleichermaßen als unverfügbar  betrachten zu müssen. Während Männer und ihre Körper als profan erscheinen, so dass auch ihre gewalttätige Verfügbarmachung kein ernsthaftes Problem sei, werden Frauen hier sakralisiert: Auch wenn sie offenkundig erhebliche sexuelle Gewalt ausüben, fällt es kaum als problematisch auf.

Wie aber lässt sich eine so offen inhumane Haltung legitimieren, und sei es nur oberflächlich?

Warum eine Frau einen Mann nicht vergewaltigen kann (und er es außerdem auch gar nicht besser verdient hat)  Wie vergewaltige ich einen Mann?, Verblendung Wie vergewaltige ich einen Mann?, fragte die finnische Autorin Märta Tikkanen 1975 in einem Selbstjustiz-Roman, der zu seiner Zeit ein großer Erfolg war. Die vierzigjährige Tova Randers wird vergewaltigt und überlegt sich in den Tagen und Wochen nach der Tat intensiv, wie eine Vergeltung an ihrem Vergewaltiger möglich sein kann: Wie kann sie ihm die gleiche Demütigung und den gleichen Schmerz zufügen, die er ihr zugefügt hat? Sie findet schließlich eine Möglichkeit, ihn ebenfalls zu vergewaltigen.
Der Plot des Buches geht von einer Voraussetzung aus, die sich längst als irrig erwiesen hat: Davon nämlich, dass die Vergewaltigung eines Mannes, gar durch eine Frau, etwas Unerhörtes, kaum jemals Dagewesenes sei, das gleichsam von einer engagierten, hochmotivierten Frau erst eigens und neu erfunden werden müsse.
Arne Hoffmann zitiert seitenweise aus Studien, die zeigen, dass sexuelle Gewalt gegen Männer auch durch Frauen wesentlich häufiger verübt würde, als das aus den Kriminalstatistiken deutlich wird – die Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien offenbar längst nicht so groß wie angenommen. Eine großangelegte Studie aus den USA lege beispielweise den Schluss nahe, es beginne sich
„bereits eine ähnliche Annäherung abzuzeichnen wie bei Gewalt in der Partnerschaft insgesamt“ (186).

Gleichwohl wird das Motiv der Vergeltungs-Vergewaltigung in einem Buch wieder aufgegriffen, das seit seinem Erscheinen im Jahr 2005 noch wesentlich erfolgreicher war als Tikkanens Buch und das seither schon zwei Mal verfilmt wurde, das zweite Mal mit Daniel Craig in der Hauptrolle: Stieg Larssons Verblendung.

Die weibliche Heldin, Lisbeth Salander, ist eine vierundzwanzigjährige, extrem begabte Computer-Hackerin mit so erheblichen psychischen Problemen, dass ihr ein gesetzlicher Vormund zugewiesen wurde. Dieser Vormund, der Anwalt Bjarmen, nutzt seine Position, um Salander erst zum Oralsex zu zwingen und sie schließlich äußerst brutal anal zu vergewaltigen.
Salander kehrt einige Zeit später zu ihm zurück, macht ihn mit einem Elektroschocker wehrlos, zieht ihn aus und bindet ihn an sein Bett. Dann führt sie ihm einen Anal-Plug ein:
„Durch sein Klebeband schrie Bjarman wie am Spieß, als Lisbeth Salander seine Backen brutal auseinander riss und den Stöpsel am vorgesehenen Platz versenkte. ‚Hör auf zu flennen‘, sagte Lisbeth und imitierte seine Stimme. ‚Wenn du Zicken machst, muss ich dich bestrafen.‘“ (Verblendung, 303f.)

Natürlich imitiert Salander ihn auch hier lediglich:

„Als er nicht reagierte, streckte sie die Hand aus, griff nah seinem Hodensack und zog, bis sich sein Gesicht vor Schmerz verzerrte.“ (Verblendung, 306)

Schließlich hält sie ihm eine Tätowiernadel vor das Gesicht und beginnt, ohne Betäubung seinen Körper zu beschreiben:

„Sie hatte rote und blaue Farbe für die Botschaft verwendet, die sie in fünf Reihen Großbuchstaben über seinen ganzen Bauch tätowiert hatte, von den Brustwarzen bis kurz über sein Geschlechtsorgan:
ICH BIN EIN SADISTISCHES SCHWEIN,
EIN WIDERLING
UND EIN VERGEWALTIGER.“
(Verblendung, 309)

Beim Lesen des Romans fällt kaum auf, das Salander hier nicht nur eine Auskunft über Bjarman notiert, sondern dass sie auch sich selbst beschreibt – dass sie ihre Vergewaltigung Bjarmans regelrecht mit einer Selbstauskunft signiert. Denn natürlich ist auch sie eine Vergewaltigerin, und sadistisch agiert auch sie – dass sie durch ein Vergeltungsbedürfnis und nicht durch sexuelle Gier getrieben wurde, ändert daran schließlich nichts.

Zudem verhindert sie mit ihrer Tat gerade nicht, dass auch Bjarman seinerseits weiterhin Frauen vergewaltigen kann – sie verhindert lediglich, dass er einen  beiderseits freiwilligen Sex mit einer Frau erleben kann.

Das wiederum hat Salander natürlich nicht daran gehindert, zu einer Kultfigur zu werden.
Larssons Millenium-Trilogie, die mit Verblendung beginnt, ist weithin mit kaum vertrauenswürdigen, machtgierigen, sadistischen Männern bevölkert. Män som hatar kvinnor heißt der erste Band auf schwedisch: Männer, die Frauen hassen. Schlimmer noch als Bjarman sind, wie in späteren Romanen deutlich wird,  Salanders Bruder und natürlich – wir leben schließlich im Patriarchat – ihr Vater. Das spiegelt sich schon im Plot des ersten Romans, auch hier entpuppen sich ein Vater und Brüder als extreme, sadistische Verbrecher.

Fast die einzige Ausnahme ist der Held Mikael Blomkvist, der Astrid Lindgrens kindlichem Detektiv Kalle Blomquist nachgebildet ist: Als könne der einzige gute Mann nur ein Mann sein, der ein ewiges Kind bleibt.

In diesem Kontext wirkt Salander als Opfer von allumfassenden männlichen Herrschaftsstrukturen, das trotz der eigenen Traumatisierungen gleichwohl wehrhaft bleibt. Ihr Opferstatus macht sie gegen moralische Verurteilungen immun: In den europäischen Verfilmungen der Trilogie wird Salanders sadistische Vergewaltigung durch Bjarman gleich in allen drei Teilen gezeigt, sie hat dort also einen sehr hohen Stellenwert, wohl auch für eine dick moralisierend ummantelte perverse Unterhaltung. Sie ist gleichsam die Achse, um die sich das Geschehen dreht.
Die Legende von der männlichen Herrschaft – Against Our Will Die Vergewaltigung sei
„vielleicht der entscheidende Schlüssel („perhaps the central key“, Against Our Will S. 396)

zur Unterdrückung der Frau, schreibt Susam Brownmiller in ihrem feministischen Klassiker Against Our Will aus dem Jahre 1975, in dem sie die Vergewaltigung nicht als persönliches, sondern als

„politisches Verbrechen gegen Frauen“ („political crime against women“, AOW 397)

beschreibt. Sie sei ein

„wohlüberlegter, feindlicher, gewalttätiger Akt der Herabwürdigung und Inbesitznahme durch einen Möchtegern-Eroberer, geschaffen um einzuschüchtern und Furcht zu erregen“ (1).

Hier wird Vergewaltigung zum Ausdruck und zum stabilisierenden Element von ohnehin bestehenden Herrschaftsverhältnissen. Diese Sicht wurde weithin aufgegriffen, beispielsweise auch im Duluth-Modell zur häuslichen Gewalt, nach dem Gewalt in der Partnerschaft als Ausdruck patriarchaler Herrschaft gedeutet wird.

Auf diese Weise wird die Möglichkeit der Vergewaltigung von Männern nicht nur geleugnet, mehr noch: Wenn Männer Gewalt erleben, dann trifft es aus dieser Perspektive eigentlich immer irgendwie die Richtigen. Hier, wie in vielen anderen Kontexten, immunisiert sich die Annahme umfassender patriarchaler Herrschaft gegen naheliegende Einwände: Da Gewalterfahrungen von Männern nicht ernst genommen werden, kann die Vorstellung einer Männerherrschaft aufrechterhalten werden – und da diese Vorstellung aufrechterhalten wird, können die Gewalterfahrungen von Männern ignoriert werden. Mimimi.
Tatsächlich liegt dieser Konstruktion natürlich ein überholtes Geschlechterbild zu Grunde. Arne Hoffmann zitiert die kanadische Kolumnistin Barbara Kay:
„Viktorianische Ritterlichkeit und der Feminismus des 21. Jahrhunderts bilden ein merkwürdiges Gespann, aber indem beide Frauen in unrealistischer Weise als das grundsätzlich sanftere Geschlecht zeichnen, verdammen sie sowohl männliche als auch weibliche Opfer von sexueller Gewalt durch Frauen zum Schweigen und zu einem Status als Menschen zweiter Klasse.“ (395)

Entsprechend würden, so Hoffmann,

„Erkenntnisse über sexuelle Gewalt durch Frauen in deutschen Medien zum Verschwinden gebracht“ (192),

das offene Reden darüber werde durch die Befürchtung verhindert, sich dem Vorwurf des „Antifeminismus“ (191) auszusetzen.

Wir haben diese Einseitigkeit gerade in einem etwas anderen, schrecklichen Fall erlebt. Als die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram über zweihundert Mädchen verschleppte und sie als Sklavinnen zu verkaufen drohte, entstand ein enormer weltweiter Protest dagegen. Als dieselbe Terrorgruppe kurz zuvor 60 Jungen brutal massakriert hatte, waren die menschenrechtsbewegten Protestierer noch ganz still gelieben.
Wer sich wie Anne Hathaway oder Angelina Jolie politisch oder sozial engagiert, betreibt damit eben auch Imagepflege. Der Einsatz für Mädchen ist offenkundig zur öffentlichen Profilierung besser geeignet als der für Jungen, und ein Engagement angesichts spezifischer Probleme von Jungen ist wohl sogar mit einem Risiko für das öffentlichen Ansehen verbunden. In Deutschland waren es gerade wieder einmal die Grünen, die eine Aufmerksamkeit für spezifische männliche Probleme als „braun“ und „rechts“ brandmarkten.
Der „Einsatz von sexueller Gewalt gegen Männer als Kriegswaffe“ (205) werde totgeschwiegen, berichtete 2011 das Greenpeace Magazin, männliche Opfer sexueller und geschlechtsbezogener Gewalt würden „systematisch ausgeblendet“ (208), so der britische Direktor des Refugee Law Project, Dr. Chris Dolan. Arne Hoffmann bündelt diese und viele andere Feststellungen in der Formulierung, dass viele zentrale internationale Organisationen – etwa Amnesty International oder Oxfam – eine deutliche „sexistische Ausrichtung“ (209) hätten.
Die Interpretation von Gewalt, und insbesondere von sexueller Gewalt als Ausdruck und Stabilisierung patriarchaler Herrschaft ist damit nicht nur untauglich zur Analyse von Gewalt, sie dient auch der Legitimation von Gewalt und der Verdeckung ihrer Folgen.
Und: Sie trägt wesentlich dazu bei, dass Opfer von Gewalt weiter schweigen und weiter schweigen müssen.

Literatur:

Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik, 2014

Steig Larsson: Verblendung, München 2006

Susan Brownmiller: Against Our Will. Men, Women and Rape, London (Penguin) 1977

Alle Seitenangaben beziehen sich, wenn nicht anders vermerkt, auf das Buch Arne Hoffmanns.

Ein längeres Zitat aus Brownmillers Against Our Will habe ich im Text übersetzt, hier ist das Original:

(1) „deliberate, hostle, violent act of degredation and possession on the part of a would-be-conquerer, designed to intimidate and to inspire fear“ (391)

Anmerkung: „Angesichts dieser Szene ist gleichwohl schwer zu verstehen, wie die Vergewaltigung Cerseis durch Jaime ein so großer, bis in die größten amerikanischen Medien hinein beschriener Skandal werden, die sexualisierte Gewalt an Theon während seiner Folter aber völlig übersehen werden konnte.“ Diesen Satz habe ich auf einen richtigen Einwand Robins hin in der markierten Passage verändert, vorher war hatte ich von einer „Vergewaltigung Theons“ geschrieben. Das ist die Szene nicht.


Und noch eine Anmerkung: Als ich das erste Mal versuchte, eine Rezension zu Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik zu schreiben, hab ich es nach kurzer Zeit aufgegeben. Das Buch ist sehr fakten- und detailreich, und sehr umfassend: von der Frage nach einer linken Männerpolitik über die männliche Emanzipation von traditionellen Geschlechterrollen, die Jungenkrise, häuslicher Gewalt, wirtschaftlicher Not von Männern, spezifischer Situationen männlicher Zuwanderer, spezifisch gegen Männer gerichteten Menschenrechtsverletzungen, Schwulenrechten, den einseitigen Interessen von Medien und solchen Institutionen wie Regierung oder Universitäten – bis hin zur Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt gegen Männer. 
Ich nahm mir daher vor, statt einer Rezension einzelne dieser Themen aus dem Buch herauszugreifen und immer mal wieder auf einzelne Kapitel einzugehen. Einen Text zum Verhältnis der institutionalisierten linken Politik zur Männerrechtsbewegung hab ich schon geschrieben, auf den Leszek hier auch eine Erwiderung formuliert hat. Dieser Text bezog sich besonders auf die Kapitel 1. (Warum eine linke Männerpolitik notwendig ist) und 12. (Was haben linke Männer (und Frauen) gegen den Feminismus?) in Hoffmanns Buch.

Die Frage nach sexueller Gewalt gegen Männer und ihrer Darstellung in der populären Kultur ist in Deutschland gerade aus einem weiteren Grund aktuell: Klaus Beimer wird in der Lindenstraße von einer Frau vergewaltigt, von seiner ehemaligen Partnerin. „Sexuelle Gewalt gegen Männer – gibt es das?“, heißt das achte Kapitel von Hoffmanns Buch. Auch die Frage nach dem Geschlecht der Menschenrechte, die Hoffmann im neunten Kapitel stellt, gehört hierher.

 

"Not all men" – Die Politik der Beschämung

Vorgestern habe ich bei Spiegel-Online von der Geburt eines neuen Superhelden gelesen. Die Missy-Journalistin Chris Köver beschreibt dort sein Wirken so:
„Alarm, das Mann-Signal ist am Himmel zu sehen. Das bedeutet: Irgendwo auf der Welt wird gerade in diesem Moment ein Mann diskriminiert, höchste Not. Doch fürchten muss sich niemand, denn schon ist er zur Stelle: Not-All-Man, der Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, die Stimme der Stimmgewaltigen.“ 
Und weiter:
„Dem Not-All-Man ist das Differenzieren wichtig: Während sicher einige Männer vielleicht und ganz eventuell auch mal etwas frauenfeindlich, gewalttätig oder zumindest übermäßig von sich eingenommen sein könnten, gilt das eben nicht für alle Männer. Und das zu sagen, ist dem Not-All-Man sehr, sehr wichtig. (…) Einen solch Mutigen wie Maskierten kennen fast alle, die sich im Netz oder anderswo bemühen, über Sexismus zu diskutieren.“
Das Ende von Matt Lubchanskys Episode Save Me aus seinem Comic Please Listen to Me: Die Geburt einer neuen Art von Superheld. Das Comic gilt als sehr witzig.  Quelle
Der Not-All-Men setzt ein Motiv fort, das für Köver „bislang eines der erfolgreichsten feministischen Netzphänomene“ ist: Witzeleien über die Wendung „Not all men“ (etwa: „Nicht alle Männer sind so“), die mit entsprechenden Bildern versehen seit Beginn des Jahres einen „kometenhaften Aufstieg“ („meteoric rise“, so Jess Zimmerman bei TIME) erlebt hätten.
Für die feministische Website jezebel ist das Not-All-Men-Motiv „das beste Meme im Internet“ („the Best Meme on the Internet“).
„Das Meme ist ein Kind des Internets. Ein Running Gag, ein Schmäh, der sich mal schnell, mal langsam verbreitet, lokal und global“,

erläutert The Gap.  Was aber macht das Not-All-Men-Meme so erfolgreich – und was eigentlich sollte an dem selbstverständlichen Hinweis so belustigend seien, dass nicht alle Männer gleich sind?

In seinem vor wenigen Tagen veröffentlichten Text Das Schweigen der Männer schreibt LoMi in einem anderen Zusammenhang über Erfahrungen an der Universität:

„Da gab es einschlägige Seminare, die bei den männlichen Teilnehmern schweres Unbehagen hervorriefen. In den Pausen wurde zwar gespottet, aber während des Seminars selbst ertrug man mit zusammengebissenen Zähnen die allfällige Anklage gegen das Patriarchat, welches noch heute und auch in Gestalt vermeintlich aufgeklärter Männer wirksam sei. Der im Pausenspott ausgedrückte Unmut wurde hier nicht mehr offen ausgesprochen. Keine Gegenwehr. Lediglich zaghafte Kritik wurde hier und da geäußert.“

Das Not-All-Men-Meme ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie dieses Schweigen von Männern in Geschlechterdebatten produziert wird. Wie viele Männer ruhig bleiben, anstatt ihre Interessen zu vertreten und etwas zu sagen, bemerken dabei viele Frauen offenkundig kaum.

Der Superheld als Maulstopfer Auf den ersten Blick wirken die Not-All-Men-Witzeleien gezwungen. Ein Bild von Spielbergs weißem Hai beispielweise, der mächtig auf ein Boot kracht.

Das Alien, das mit den Worten „Not all men“ durch die Bauchdecke seines gequälten Wirts bricht.

Jack Nicholson, wie er in The Shining ausrastet und durch eine Tür bricht, zum Schrecken seiner hilflosen Frau.

Die Werbefigur für das Getränkepulver„Kool Aid“, wie sie durch eine Mauer bricht…

…und noch in einer anderen Version, die stärker der Solanas-Tradition verpflichtet ist.

Ein Pferd, das aus einem Loch im Weg schaut.

Ein junger Mann in ähnlicher Position.
 
Es sind eben solche Bilder, die der  Zeichner Matt Lubchansky für eine Episode seines Webcomics Please listen to me aufgreift. Die Wendung „Not all men“ wird zum Superhelden Not-All-Men, der im oben zitierten letzten Bild des Comics elegant durch ein Fenster kracht, um eine Frau zu unterbrechen, die gerade über Männer herzuziehen begonnen hat.

„Wenn ich hier mal den Advocatus Diaboli spielen dürfte“ („May I play devil’s advocate“).

Lubchansky beschreibt in der TIME die Verwandlung der Not-all-men-Wendung in den Not-All-Men so: Das sei, als ob 

„irgendein Blödmann TATSÄCHLICH auf Menschen zukäme, die über Rassen- oder Geschlechtergerechtigkeit reden, mit den Armen wedeln und ‚ÄHM, ICH ALSO WIRKLICH NICHT‘ rufen würde.“ (1)

Was aber ist eigentlich so belästigend daran, klischeehaften Verallgemeinerungen zu widersprechen? Dass beispielsweise nicht alle Feministinnen Männer hassen/ lesbisch sein/ Solanas lieben/ in Filterbubbles leben/ etc./ würden, haben vermutlich alle schon einmal gehört, die sich irgendwann einmal mit Geschlechterfragen beschäftigt haben – ohne das deswegen gleich  NOT-ALL-FEMINISTS-Superfrauen allüberall durch das Netz stolzierten.

Jess Zimmerman erklärt für die TIME, dass ein Mann sich mit dem Not-all-men-Hinweis selbst in das Zentrum der Diskussion anderer drängen würde („please move me tot he center of your discussion“). Dabei aber sei dieses Manöver immerhin ein kleiner Fortschritt zu klassischen Derails („classic derails“) wie der Frage nach den Problemen von Männern, weil es wenigstens anerkennen würde, dass
„Vergewaltigung, Sexismus und Frauenfeindlichkeit reale Probleme seien – nur halt reale Probleme, an denen der Sprecher überhaupt nicht beteiligt sei.“ (2)

 Auch Lubchansky selbst hätte eingeräumt,

„dass die Verlagerung von ‚Aber was ist mit Männerproblemen?‘ zu Nicht alle Männer sind so‘ seine eigene allmähliche Entwicklung zu einem anständigen Menschen begleitet hätte.“ (3)

Dass Männer, wenn sie schon Thema von Diskussionen sind, auch manchmal selbst etwas dazu sagen wollen, ist allerdings weder sonderlich überraschend noch sonderlich problematisch. Es ist zudem ganz gewiss weniger problematisch als die Annahme, dass ein Gespräch über unangenehme oder leidvolle Erfahrungen aller Beteiligten eine Sabotage der Diskussion sei („derailing“), und als die Annahme,  jedes anständige menschliche Wesen müsse selbstverständlich einräumen, dass vor allem Frauen für ihre Erfahrungen Aufmerksamkeit verdient hätten.

Wenn Zimmerman Männern vorwirft, in den Mittelpunkt des Gesprächs anderer zu drängen, dann phantasiert sie ihre eigene Position in ihre Kontrahenten hinein.

Ein zentrales Motiv der Not-all-men-Bilder, einschließlich Labchonskys Comic, das Durchbrechen – durch Mauern, Türen, Fenster, Bauchdecken etc. – und plötzliche Erscheinen sprechender männlicher Wesen reflektiert vermutlich eine Erfahrung, die feministisch orientierte Frauen in den vergangenen Jahren mehr und mehr gemacht haben: Dass Männer sich ihre Ausführungen zur männlichen Herrschaft zunehmend weniger stillschweigend und schuldbewusst anhören, sondern dass sie offen widersprechen.

Antje Schrupp beispielweise, Feministin und erklärte Liebhaberin der Filterbubble, beklagt stellvertretend, dass

„Maskulinisten-Trolle die Debatten über Geschlechter und Feminismus zerstören.“ 

Als ob Debatten, die den Namen auch verdienen, nicht überhaupt erst dann beginnen würden, wenn alle davon Betroffenen auch beteiligt sein können.

Das Not-all-men-Meme ist eine Abwehr dieser Beteiligung, die mit dem Mittel der Beschämung operiert. Die Männer, die davon getroffen werden, sind dabei seltsamerweise eben gerade nicht diejenigen, die gewaltsam oder übergriffig agieren – so wie das hier in einigen Internet-Beispielen gezeigt wird, bei denen die Triggerwarnung tatsächlich gerechtfertigt ist.

Warum Männer, die nicht wie alle Männer sein wollen, irgendwie wie alle Männer sind Wer nämlich gegenüber einer Frau gewalttätig ist und das mit einem höhnischen „Keine Angst, nicht alle Männer sind so“ begleitet, wird gegen die Beschämung durch den Not-all-men-Spott weitgehend immun sein.

Der Spott erreicht hingegen eben gerade die Männer, denen es wichtig ist, nicht gewaltsam, übergriffig oder sexistisch zu agieren. Er basiert darauf, dass das „Nicht alle Männer sind so“-Argument tatsächlich enorm defensiv ist.

Wer so argumentiert, erkennt schließlich feministische Meinungen über Männer grundsätzlich an und wehrt sich lediglich gegen deren Generalisierung. Zimmerman entwirft in ihrem Text eine Skala der Entwicklung eines Mannes zum Feministen, auf der Not-all-men-Männer sich immerhin schon zwischen der zweiten und dritten Stufe – von fünf – bewegen würden.

Zimmerman und Lubchansky aber entwerten die Gültigkeit des eigentlich selbstverständlichen Widerspruchs gegen abwertende Pauschalaussagen, wenn sie ihrerseits pauschal unterstellen, es ginge einem Mann dabei lediglich egoistisch darum, sich persönlich von aller Schuld freizusprechen.

Dabei entgeht Lubchansky, dass er im Not-All-Men eigentlich ein Selbstportrait zeichnet: Er präsentiert einen Mann in dem Widerspruch, misandrische Klischees grundsätzlich anzuerkennen, aber gleichwohl noch etwas dazu sagen und eine eigenen Position bewahren zu wollen. Das Manöver, dass Lubchansky seinem Helden unterstellt, vollführt er dabei selbst: Er wertet gegenüber Frauen andere Männer ab und präsentiert sich selbst als den besseren Mann.

Die Komik des Meme entsteht dabei eben gerade aus der Defensivität des Not-all-men-Arguments, die in einem starken Kontrast zum aggressiven Gestus der Bilder steht. Würde nicht „Not all men“, sondern ein dem Bild entsprechend aggressiver Spruch wie „Shut up, bitch!“ in den Sprechblasen stehen, wären die Bilder bloß plump und verletzend und ohne Chance auf Komik.

Das Arrangement unterstellt unausgesprochen, dass die diskutierenden Männer eigentlich deutlich aggressiver wären, als sie es darstellen – und dass sie das selbst gar nicht erkennen würden. Die Basis dafür, überhaupt am Gespräch teilzunehmen, ist für einen Mann demnach eine grundsätzliche Anerkennung der Schuld, ein Mann zu sein.

Das, natürlich, ist immer auch die Schuld der eigenen Privilegien.

Vom Privileg, nicht privilegiert zu sein Kövers Rede vom „Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, (von der) Stimme der Stimmgewaltigen“, die direkt aus Lubchanskys Comic stammt, unterstellt natürlich umfassenden Privilegien, angesichts derer der heldenhafte Einsatz für Männer lächerlich wirkt. Diese Unterstellung muss wiederum nicht angezweifelt werden, wenn die angeblich Privilegierten gar nicht zu Wort kommen.

Der Spott ist auch hier eine Abdichtung der Filterbubble mit dem Mittel der Beschämung.

Die Aufrechterhaltung der Idee einer allgemeinen männlichen Schuld ist den Produzentinnen und Produzenten des Meme dabei wichtiger als die Möglichkeit, dass Männer und Frauen gleichermaßen Position gegen Gewalt und Übergriffe beziehen.

Wer durch das Meme beschämt wird, ist schließlich zu einer solchen Gemeinsamkeit ja in aller Regel bereit: Er möchte eben gerade nicht „that guy“ sein, von dem er sich doch distanzieren soll und von dem er sich auch entschlossen distanziert. Er besitzt lediglich die Unbekümmertheit zu denken, dass er und auch andere Männer tatsächlich nicht so sind, und die Naivität zu glauben, über diese Überzeugung ins Gespräch kommen zu können.

So reflektiert das Meme als Mittel der Beschämung auch eine widersprüchliche Struktur heutiger, feministisch inspirierter Geschlechterpolitik. Diese bewegt zwischen der Behauptung, dass es um einen offenen Dialog zu Beseitigung von Herrschaftsstrukturen ginge, und der Praxis, Debatten möglichst großflächig gegen Widersprüche  abzudichten – zwischen der Forderung nach Gleichberechtigung und einer faktischen Höherbewertung des weiblichen Geschlechts, das einen größeren Anspruch auf Unterstützung, Förderung und Gehör habe. Der Anspruch von Männern auf Unterstützung und Hilfe hingegen wird der Lächerlichkeit preisgegeben.

Das Meme richtet sich gegen eben die Männer, die sich in dieser Widersprüchlichkeit verfangen – die feministische Vorgaben grundsätzlich anerkennen, darüber aber offen ins Gespräch kommen wollen, und die nicht verstehen, dass ein solches Gespräch unerwünscht ist. Gegen Männer also, die durchaus Ally-Material sind, die in ihrer Entwicklung oder Erziehung zum Ally aber noch nicht weit genug gekommen sind.

Begründet wird natürlich auch das von Köver mit männlichen Privilegien.

„Denn Männer sind im Vergleich zu Frauen nach wie vor in der besseren Lage, ob sie wollen oder nicht. Sie werden seltener vergewaltigt und angegrabscht. Sie verdienen nach wie vor im Schnitt mehr für die gleiche Arbeit. Sie müssen weniger im Haushalt machen und…“

Nun werden Männer nach den Kriminalstatistiken tatsächlich deutlich seltener Opfer von Vergewaltigungen als Frauen – es ist allerdings nicht klar, weshalb sie deshalb nicht einem Vorwurf widersprechen sollten, nach dem alle Männer potenzielle Vergewaltiger seien oder, wie Brownmiller das behauptete, von Vergewaltigungen profitierten. Arne Hoffmann übrigens hat in seinen neuesten Büchern gezeigt, dass nach einigen Studien der Anteil der Männer, die sexuelle Gewalt von Frauen erfahren, wohl deutlich höher ist als erwartet (Not am Mann, S. 120ff)

Dass Männer mehr für die gleiche Arbeit verdienten, ist eine irreführende Formulierung, die wichtige Aspekte wie die Dauer der Betriebszugehörigkeit oder das Arbeitsvolumen auslässt. Angesichts der Tatsache, dass Männer nach wie vor den Löwenanteil der Erwerbsarbeit leisten, ist es zudem weder überraschend noch privilegiert, wenn sie einen geringeren Teil der Hausarbeit erledigen.

Zu ihrem Glück jedoch wird Köver vom Not-All-Men unterbrochen, bevor sie noch weitere Argumente dieser Güteklasse produziert.

„Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob.“

Das schreibt Arthur Schopenhauer am Ende seiner Kunst, Recht zu behalten. Angesichts der Gründe, die Köver und andere für ihre Position anführen, ist es verständlich, dass sie sich nicht auf die Kraft des besseren Arguments stützen möchten, sondern Mittel der Beschämung von solchen Gesprächspartnern entwickeln, die nicht nach den ersten Hinweisen auf männliche Herrschaftsstrukturen von selbst verstummen.

Es ist allerdings wichtig, die Selbstverständlichkeit im Auge zu behalten, das nicht alle Frauen so sind.

Einige Passagen aus der TIME habe ich der besseren Lesbarkeit wegen ins Deutsche übersetzt. Hier sind die englischen Origiale dazu:

(1) Like some dummy would for REAL be coming at people talking about racial or gender equality stuff, waving their arms and saying ‘UM ACTUALLY NOT ME!’”

(2) (…) because it acknowledges that rape, sexism, and misogyny are real issues — just not, you know, real issues that the speaker is involved with in any way.

(3) Lubchansky agreed that the shift from “but what about men’s problems” to “not all men are like that” paralleled his own gradual development into a decent human.

Literatur, wenn nicht anders verlinkt:

Arne Hoffmann: Not am Mann. Sexismus gegen Männer, Gütersloh 2014

Der Geschlechterkampf als Selbstgespräch – Bäuerleins und Knüplings "Tussikratie"

In Theresa Bäuerleins und Friederike Knüplings Buch Tussikratie schreibt Knüpling einen Brief, den sie mit der Anrede „Liebe Männer“ beginnt. Arne Hoffmann hat diesen Brief kritisiert und zugleich das Buch insgesamt hoch gelobt, auch Ole Wintermann hat das Buch sehr positiv besprochen, Christian Schmidt über ein Interview der Autorinnen einen Essay verfasst – aber niemand ist auf die Idee gekommen, Friederike Knüpling einfach mal zu antworten.
 
Das, natürlich, ist sehr unhöflich. Da ich hingegen, wie ja allgemein bekannt ist, ein sehr höflicher Mensch bin, habe ich einen Antwortbrief verfasst, der Einfachheit halber als offene Antwort auf einen offenen Brief. Hier ist er:

Sehr geehrte Frau Knüpling,

eigentlich hatte ich es mir ja abgewöhnen wollen, offene Briefe zu schreiben – schon allein, weil ich das Gefühl habe, mich mit einem offenen Brief immer sehr hart an der Peinlichkeitsschwelle zu bewegen. Da Sie aber für Ihr Buch Tussikratie, das Sie gemeinsam mit Theresa Bäuerlein verfasst haben, einen Brief mit der nun einmal ziemlich allgemeinen Anrede „Liebe Männer“ geschrieben haben und da ich mich damit selbstverständlich einfach angesprochen gefühlt habe, dachte ich, es sei zumindest höflich, Ihnen auch zu antworten.

„Die meisten Männer, die ich kenne, sind zwar durchaus bereit – und das übrigens ziemlich unabhängig von ihrem Geburtsjahrgang – , über Geschlechterverhältnisse zu sprechen. Aber die begriffliche Gruppe Männer betrachten sie in diesen Unterhaltungen meistens ausschließlich als Profiteure im Geschlechtergefüge.“ (S. 226)
Das schreiben Sie schon ziemlich zu Beginn Ihres Briefes und erzählen dann bald darauf von Ihrem Verdacht,
„dass der Fleiß, ein guter Feminist zu sein, für viele von Euch vor allem eine Methode sein dürfte, die Sprachlosigkeit über die eigene Situation zu verbergen.“ (226)
Nun ist männliche Sprachlosigkeit in Gesprächen über Geschlechterverhältnisse selbst schon ziemlich lange ein festes Thema solcher Gespräche, auch bei Männern: Ein Buch von Warren Farrell heißt beispielsweise Women Can’t Hear What Men Don’t Say.
 
Schon Arne Hoffmann allerdings war dann irritiert, wie Sie über diejenigen Männer schreiben, die dann doch den Mund aufmachen: Es befremde ihn,
„wie herablassend Knüpling über die Männerrechtler bzw. Maskulisten schreibt, ‚von denen manchmal im Sommerloch etwas in der Zeitung zu lesen ist‘.“
Alles ein Geschlechterkampf – oder wie? Quelle

Es lohnt sich hier, einen größeren Absatz aus Ihrem Brief an die „lieben Männer“ zu zitieren, in dem Sie gleichwohl in dritter Person über „die Männerrechtler“ reden, als gehörten sie irgendwie zu einer ganz anderen, ganz seltsamen Spezies und als könnten sie in die Gruppe der angesprochenen Männer gewiss nicht einsortiert werden.
„Sie haben eine Übervorteilung von Frauen in der Bildung, bei der Gesundheit und im Familienrecht identifiziert. Manche von ihnen nennen sich Maskulisten oder Antifeministen. Sie scannen die Rechtsprechung und die Medien mit dem Rechenschieber der Geschlechter, und die Blogs, die sie über Väterrechte und Jungen schreiben, kommen merkwürdig fremd-vertraut her, wie ein Dialekt aus vergangenen Zeiten.“ (228)
Tja, wie man’s macht, macht man’s falsch. Auch wenn es natürlich ein paar lobenswerte Ausnahmen gibt, wie zum Beispiel Ralf Bönt, dessen „Männerpanoptikum“ (233) sie viel Platz widmen.
„Denn für sich genommen, schreibt er, gilt ein Mann als wertlos; man erwartet von ihm, dass er von sich selbst absieht, für andere arbeitet, sich heroisch aufopfert.“ (232)
Das sind übrigens, wenn hier bei Ihnen auch zugespitzt, zentrale Thesen dieser „Maskulisten“ mit ihren Scannern und Rechenschiebern. 
Das aber ist auch der Grund, warum ich diesen Brief schreibe: Ich wollte angesichts Ihres Briefs wissen, warum so viele Männer stumm wirken – und was Sie eigentlich (von ein paar willkürlich wirkenden Ausnahmen abgesehen) so gegen die Männer haben, die nicht stumm sind.

Warum Geschlechterfragen wirklich nicht so wichtig sind Denn insgesamt gefallen mir viele Passagen Ihres Buches sehr gut. Diese zum Beispiel:

„Eigentlich sind wir nicht sicher, ob es in der neueren Geschlechterdebatte wirklich um Geschlechter geht – oder nicht doch vor allem um ein paar Frauen.“ (11)
Sie schreiben zwar, das Geschlechterfragen „zu den spannendsten Fragen, die wir kennen“ (10), gehörten. Aber eben auch:
„Die Perspektive der Frauenbenachteiligung wird an alles und jeden angelegt, selbst wo das eigentlich nicht gerechtfertigt ist oder andere Fragen wichtiger wären.“ (12)
Das bezeichnen sie als „nicht mehr geschlechtersensibel oder geschlechtsbewusst“, sondern als „geschlechtsbesessen“. (12)

Sie schreiben auch darüber, dass in Geschlechterdebatten

„eine Diskussion kaum mehr möglich ist, weil von vornherein feststeht, dass nur ganz bestimmte Beiträge erlaubt sind, und scheinbar auch, wer bestimmt, was erlaubt ist.“ (11)
Später schreiben Sie über „Big Sister“, die „nur sauber abgezählte Meinungen“ (293) zulasse.
 
Ich könnte natürlich noch lange mit dem Zitieren von Lieblingstextstellen fortfahren, bremse mich aber lieber mal, weil Sie den Text ja ohnehin kennen.

Ich gestehe aber: Für mich gehören Geschlechterfragen eigentlich nicht zu den spannendsten Fragen, die ich kenne – und ich bin mir sicher, dass das vielen Männern ähnlich geht. Dass es bei diesem Interesse oder seinem Fehlen offenkundig Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, lässt sich jedoch in meinen Augen leicht erklären.

 
Bei basalen und unverzichtbaren pragmatischen Überlegungen zum eigenen Lebensunterhalt hilft Männern aller Schichten und fast aller Altersstufen der Rückgriff auf ihre Geschlechtszugehörigkeit traditionell wenig. Wichtiger ist der Beruf, sind spezifische Fähigkeiten, die sie auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich konkurrieren lassen. Geschlechterfragen haben für Männer in dieser Hinsicht einfach wenig Sinn.

Bei Frauen ist das anders, oder zumindest: bei einigen Frauen. Für bürgerliche Frauen waren basale Fragen des Überlebens deutlich stärker als für Ihre Männer direkt mit ihrer Geschlechtszugehörigkeit verknüpft, mit ihrer Fähigkeit, eine Funktion als Ehefrau und Mutter auszufüllen. Spezifische berufliche Fähigkeiten, die sie von anderen Frauen grundsätzlich unterschieden hätten, spielten dabei traditionell kaum eine Rolle, oder sie störten sogar.

So lässt sich vielleicht erklären, warum die so sehr im traditionellen Geschlechterdenken wurzelnde Geschlechtsbesessenheit feministischer Positionen seit eh und je nicht nur für Männer unverständlich ist, sondern auch für viele Frauen – für die nämlich, die sich nicht in bildungsbürgerlichen Kontexten bewegen.

Aus dieser Perspektive ist für mich  der neuere Feminismus auch gar keine progressive Bewegung. Dass

„durch die Frauenbewegung und andere Ereignisse eine gesellschaftliche Situation entstanden ist, die (…) die Chance auf eine Neudefinition bedeutet“ (230),
habe ich ganz anders erlebt – als ein Trennungsvater, der sieht, wie konsequent wesentliche Blockaden gegen die Gleichberechtigung von Müttern und Vätern eben durch frauenbewegte Frauen und konservative Familienpolitiker errichtet werden.

Für mich ist der neuere Feminismus eher eine Bündelung diffuser reaktionärer Impulse unter einem notwendig unbestimmtem Oberbegriff – eine Maschinerie, deren wesentlicher Zweck darin besteht, die klassische Versorgungsposition bürgerlicher Frauen auch unter solchen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen aufrechtzuerhalten, unter denen sie längst dysfunktional geworden ist.

Zentraler Bestandteil dieser Maschine ist wohl die Rede vom „Patriarchat“, die eben deshalb durch widersprechende Fakten nicht korrigierbar ist, weil sie eine so wichtige Funktion erfüllt. Da Frauen seit Tausenden von Jahren durch Männer unterdrückt worden und auch heute noch unterprivilegiert wären, stünde ihnen ein Ausgleich zu – eine Schuld, die angesichts der allgegenwärtigen Unterdrückung natürlich niemals ganz abgegolten sei.

Sie und Theresa Bäuerlein jedoch schreiben:

„Wir müssten uns darüber klar werden, wann es wirklich sinnvoll ist, über Geschlecht zu sprechen – und ansonsten den Blick frei geben für eine breitere Diskussion über soziale Verhältnisse.“ (17)

Und etwas später:

„Um (…) mehr über Verteilungsfragen zu lernen – also über die Verteilung von Gütern und Freiheiten etwa zwischen Arm und Reich oder zwischen Beschäftigten und Unternehmern – , müssten wir unsere Gedanken von der fixen Idee lösen, es ginge immer und überall um die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern.“ (30)
Das ist eine Interpretation, die unter den  „Männerrechtlern“ schon lange zum Gemeingut geworden ist: Dass die Inszenierung eines Geschlechterkampfes an Stelle des ohnehin nicht mehr ganz glaubwürdigen Klassenkampfes dem Zweck diene, soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu verdecken.
 
Warum es nichts nützt, zum Geschlechterkrieg einfach nicht hinzugehen Sie beenden  Ihr Buch mit einem gemeinsamen Brief an die „lieben Frauen“ und schreiben:
„Letztlich können die fein säuberliche Trennung zwischen Männern und Frauen und der Grabenkampf der Geschlechter, der sich daraus zumindest gedanklich ergibt, uns weder Gerechtigkeit noch Glück bringen.“ (296)
Und etwas später, fast als Schlusswort des gesamten Textes:
„Der Geschlechterkampf hat lange genug gedauert, allmählich sollte echter Frieden einkehren.“ (298)
Ich hatte bei diesen Sätzen sofort eine Frage, die Ihnen und den angesprochenen lieben Frauen vermutlich ziemlich fern liegt: Wann eigentlich haben sich denn Männer an diesem Geschlechterkampf als Kontrahenten beteiligt?
 
Ob es nun um Frauenquoten geht, oder um Frauenförderung, oder um Gleichstellungsbeauftragte, die seltsamerweise weiblich sein müssen, oder um Mädchenförderung unter Verzicht auf Jungenförderung, um Gewaltschutz exklusiv für Frauen, um den Schutz mütterlicher Vorrechte auf Kosten von Vätern (und Kindern) – nichts davon wäre möglich, wenn nicht Männer zu einem großen Teil und entscheidend daran beteiligt gewesen wären und wenn nicht ein noch größerer Teil der Männer billigend oder zumindest stillschweigend zugeschaut hätte.

Der Geschlechterkampf, von dem Sie reden, ist traditionell eine seltsam einseitige Angelegenheit, bei der Männern eine schräge Doppelrolle zugewiesen wird: Als Verkörperung der unerbittlichen, grausamen, herrschsüchtigen, vergewaltigenden Feinde – und zugleich als Friedenstruppe und Rote-Kreuz-Helfer, die den (weiblichen) Verwundeten dieses Kampfes zu helfen hätten.

Aber natürlich hätten Männer schon seit Ewigkeiten einen Geschlechterkampf geführt, die Frauen seien nur eben erst in jüngerer Zeit bereit, gegen die patriarchale Herrschaft zurückzuschlagen: So ungefähr sieht die traditionelle Antwort auf die Frage aus, wo denn bitteschön Männer eigentlich einen Geschlechterkampf führten. Diese Antwort bedient sich in meinen Augen eines simplen Zirkels, der in der medial so gepuschten Aufschrei-Debatte besonders sichtbar wurde: Beiträge von Männern über eigene Sexismus-Erfahrungen wurden als „Derailing“ ausgegrenzt, weil sich darin nur das Festhalten an patriarchalen Privilegien zeige – und da die Idee „patriarchaler Strukturen“ so nicht angetastet werden konnte, war auch die Ausgrenzung der Männer jederzeit legitimiert.

Ein trotz des ernsten Themas komisches Beispiel für diese Fixierung auf die Idee einer Männer- bzw. Väterherrschaft lieferte eben gerade die taz: Heide Oestreich berichtet dort überraschend offen und klar über Väter, die nur noch als „Erzeuger und Geldmaschine“ taugen, und zitiert dann einen der Betroffenen:

„Mir ist jetzt erst so richtig aufgefallen, was es heißt, im Patriarchat zu leben.“
Die Inszenierung eines Geschlechterkampfes kann auf die Phantasie eines Patriarchats eben selbst dann nicht verzichten, wenn Frauen noch weit verbissener als Männer an tradierten Strukturen festhalten und wenn Männern Rechte vorenthalten werden, die für Frauen selbstverständlich sind.

So lässt sich vielleicht Ihr Eindruck erklären, dass Männer zu ihrer Situation als Männer bemerkenswert wenig zu sagen hätten. Männer fallen angesichts eines solchen Kampfes in zwei ganz unterschiedlich große Gruppen auseinander:

 
Viele  stehen dem inszenierten Kampf mit einer Mischung aus Irritation, Wohlwollen und einem sehr großen Anteil Desinteresse gegenüber. Sie haben verständlicherweise den Eindruck, dass es sowohl ernsthaftere als auch interessantere Themen gibt, über die man sich den Kopf zerbrechen könnte. Gerhard Schröder hat diese Haltung mit seinem Gerede vom „Gedöns“ gewohnt bedenkenlos auf den Punkt gebracht.

Deutlich weniger Männer aber geraten in die Position zu merken, dass der „Geschlechterkampf“ nicht nur eine Metapher ist, sondern reale Opfer fordert. Männer zum Beispiel, die voll arbeiten, zugleich finanziell ruiniert sind, weil sie ihre Ex-Frauen unterstützen müssen, und die seit Jahren ihre Kinder nicht mehr sehen konnten – ohne dass ihnen irgendetwas vorzuwerfen gewesen wäre. Dass männlichen Menschen ganz oder weitgehend der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden kann, und Kindern der zu ihren Vätern, einfach weil das die Mütter willkürlich und ohne Notwendigkeit einer Erklärung so entschieden haben – das hätte ich niemals für möglich gehalten, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.

 
Ähnlich ergeht es Männern, die Opfer von Gewalt werden und die erleben, dass ihnen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit regierungsamtlich nicht nur der Anspruch auf Schutz versagt bleibt, sondern dass sie auch noch pauschal als Täter diffamiert werden. Oder auch Jungen, die in der Schule in erhebliche Schwierigkeiten geraten und denen selbstgefällig attestiert wird, das läge halt an ihrer Fixierung auf obsolete Männlichkeitskonzepte.

Wenn allerdings solche Menschen oder die, die sich für sie einsetzen, den Mund aufmachen, haben Sie dafür ein Geste übrig, die zu einem Reflex in Geschlechterdebatten geworden ist und die zum Rest Ihres Textes kaum passt: Sie sprechen von „Opfergetue“ (229). Auch in diesem Reflex zeigt sich in meinen Augen eine reaktionäre Haltung, die an der Vorstellung festhält, dass sich für einen richtigen Mann das „Gejammere“ nicht ziemen würde.

So haben dann aber eben beide Gruppen von Männern, die desinteressierten Zuschauer und die Leidtragenden des Geschlechterkampfes, gute Gründe, den Mund zu halten.

Wie man über Selbstgespräche Selbstgespräche führt  „Ein erfreulicher frischer Wind“ – so hat Christian Schmidt in seinem Blog Alles Evolution ihre Positionen bezeichnet. Das ging mir in vielen Passagen Ihres Buches ähnlich, insbesondere dort, wo Sie – ganz anders als sonst in  Geschlechterdebatten üblich – die Perspektiven von Männern umstandslos einbeziehen.

„Meiner Ansicht nach sollte es keine Themen geben, die in Anwesenheit von nur einem Geschlecht besprochen werden können.“ (98)
Eben diese zivile Selbstverständlichkeit, zur Wahrnehmung der anderen Perspektiven bereit zu sein, fehlt im „Kampf“ – und dass sie fehlt, befeuert wiederum die Fortführung des Kampfes.

Tatsächlich greifen Sie und Theresa Bäuerlein ja eine Menge Überlegungen aus der Männerbewegung auf, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob Sie das überhaupt wissen oder ob es sie überhaupt interessiert.

„Oben gibt es die gläserne Decke – aber keineswegs nur für Frauen, und auch nicht für alle von ihnen. Unten wiederum hat man dünnes Eis, während die Mieten munter steigen …“
Mit dieser Passage aus Ihrem Brigitte-Interview wiederholen Sie beispielweise fast wörtlich ein sprachliches Bild, mit dem Warren Farrell schon vor zwanzig Jahren die Rede von der gläsernen Decke relativiert hatte – mit dem Hinweis auf den „gläsernen Keller“, in dem Männer meist allein sitzen würden. (Mythos Männermacht, S. 127ff.)

Wenn Sie über die „Diskurspolizei“ der „Big Sister“ sprechen (293), über die Fragwürdigkeit der Gender Pay Gap-Konstruktion und der Rede einer „Diskriminierung“ (90) von Frauen beim Lohn, über den „Unterton diebischer Freude“ (15), mit dem Rosin über das Ende der Männer schreibe, über den falschen Ansatz, „Geschlechterverhältnisse (…) als Nullsummenspiel“ (17) zu verstehen, über die Fragwürdigkeit der „Co-Feministen“ (227), über die Fragwürdigkeit der Vorstellung, dass Frauen eine „moralische Überlegenheit“ (297) besäßen, wenn Sie das „Bild des amoralischen, triebgesteuerten Mannes“ (174) kritisieren oder das „Bild einer Welt voller rücksichtsloser Männer“ (143), die „schwanzgesteuert und egoistisch“ (146) seien – in jedem Fall beziehen Sie Positionen, die zu einem guten Teil schon vor Jahren von Männerrechtlern bezogen wurden, oder von Autoren, die feste Bezugspunkte von Männerrechtlern sind, etwa von Farrell (den der von Ihnen angeführte Ralf Bönt ebenso wie Sie fast wörtlich zitiert), von Arne Hoffmann, von Christoph Kucklick und anderen.

Dass Sie diese Quellen fast niemals angeben, finde ich kaum problematisch. Politische Ideen unterliegen schließlich mit gutem Grund keinem Urheberrecht – es ist ja gerade ihr Sinn, dass andere sie übernehmen und sich zu eigen machen.

 
Da solche Quellen von Ihnen jedoch zugleich als wütender Protest, der nicht viel bewirkt“ präsentiert werden und als bloßes Thema für das Sommerloch (228), da Sie den Eindruck erwecken, es ginge Männern lediglich darum, sich zur Abwechslung einmal selbst als Opfer einer allgemeinen Frauenherrschaft zu präsentieren –  da dies so ist, bekommt diese Auslassung einen anderen Charakter. Sie bedienen damit dann nämlich das Klischee, dass sinnvolle Beiträge zur Geschlechterpolitik eigentlich nur von Frauen geleistet worden seien, während Männer  traditionell irgendwie zwischen wütendem Knurren und verbissenem Schweigen hin- und hergehüpft wären.
 
Selbst noch die Kritik an der weiblichen Hegemonie in Geschlechterdebatten ist damit – Frauensache. 
Dass Frauen die beständige Inszenierung als Opfer allgegenwärtiger männlicher Herrschaft nicht nur nützt, sondern auch schadet – das interessiert Sie denn auch deutlich mehr als die Tatsache, dass es bei der Inszenierung eines Geschlechterkampfes auch reale Leidtragende gibt.
 
Über „Väterrechte“ (228) schreiben Sie beispielweise, wenn ich richtig sehe, in Ihrem Buch nur ein einziges Mal – um sich über Männerrechtler, die für diese Rechte eintreten, lustig zu machen. Dabei gibt es ja kaum ein anderes Thema, an dem die Ambivalenz der von Ihnen als „Tussikratie“ präsentierten Geschlechterpolitik, deren Widersprüchlichkeit zwischen progressivem Selbstbild und reaktionärem Agieren so deutlich wird wie bei der systematischen Verletzung dieser Rechte.

Daher hatte ich schließlich auch nicht den Eindruck, dass Sie  mit Ihrem Buch zu einem Ende des endlosen öffentlichen Selbstgesprächs einiger privilegierter Frauen und ihrer privilegierten männlichen Claqueure beitragen, das sich als „Geschlechterdebatte“ tarnt, sondern dass Sie dieses Selbstgespräch lediglich mit einem halbwegs neuen Dreh weiter führen.

 
Allein die Tatsache aber, dass eine solche neue Windung offenbar nötig wird, lässt manche Ihrer Kritikerinnen schon vor Wut kochen – und allein das macht mir Ihr Buch schon sympathisch. Dass das festgezurrte weibliche Selbstgespräch sich überhaupt verändern muss, um fortgeführt werden zu können, dass die Beteiligung von Männern dabei zumindest simuliert werden muss – das, immerhin, ist ein Grund zur Hoffnung darauf, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis sich wirklich etwas ändert.
 
 
Mit freundlichen Grüßen
Lucas Schoppe
 
 
 
Literatur, soweit nicht verlinkt:
 
Theresa Bäuerlein/Friederike Knüppling: Tussikratie. Warum Frauen nichts falsch machen und Männer nichts richtig machen können, München 2014 (Ich zitiere nach der elektronischen Ausgabe)
 
Warren Farrell: Mythos Männermacht, Frankfurt am Main 1995

 

Von belangloser Gewalt und der Macht des Konsums (Monatsrückblick April 2014)

Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, der hat aus irgendwelchen Gründen den Monat April verpasst.
Ein mittlerweile schon berühmtes Bild: Alle Toten in den Game of Thrones (A Song of Ice and Fire)-Büchern, durch bunte Lesezeichen markiert. Der gewaltsame Tod ist dort so allgegenwärtig, dass es sogar einen spielerischen Zufallsgenerator gibt, bei dem jeder herausfinden kann, wie er selbst in dieser Welt sterben würde…
DIESE GEWALT allerdings ist gar nicht das eigentliche  Problem… (Quelle)
Ein Skandal war beispielweise eine Szene in einer der gewalthaltigsten Fernsehserien aller Zeiten, weil dort ausnahmsweise einmal für ein paar Minuten lang kein Kind getötet, Mann gefoltert oder Dorf massakriert, sondern eine Frau vergewaltigt wurde. Der Feminismus sei
„mitten in der Popkultur angekommen“,
schreibt Lorraine Haist in der Welt, passenderweise in der Lifestyle-Sektion. Das aber hat offenbar bislang weder dem Feminismus noch der Popkultur sonderlich genutzt.
Geschadet allerdings auch nicht, jedenfalls nicht dem Feminismus. Das liegt auch daran, dass die Männerbewegung im Netz zwar noch zu klein ist, um zu laufen, sich aber schon jede Menge Flügel wachsen lässt – ohne mit ihnen koordinierte Flugbewegungen hinzubekommen, selbstverständlich.
 
Diese internen Konflikte sind ohnehin ein Symptom eines ganz anderen Problems: Da die kleine, institutionell weithin isolierte Männerbewegung keinen Zugang zu ernsthaften politischen Debattenfeldern hat, trägt sie diejenigen Konflikte praktischerweise nach innen aus, die sie dort nicht führen kann, wo sie geführt werden müssten.
Es gab mal einen Mann, der sich oft über seinen Nachbarn ärgerte. Der aber hörte ihm nie zu, wenn er ihm etwas dazu sagen wollte. Schließlich fand der Mann einen guten Umgang mit dem Problem: Jedes Mal, wenn der Nachbar sich wieder einmal daneben benommen hatte, haute er sich einfach selbst eine aufs Maul, weil das irgendwie die einfachste Lösung war.
Weiß ich auch nicht, wie ich darauf jetzt komme. Ein gutes Beispiel jedenfalls für die Isolation der Männerbewegung ist der Hype – bekanntlich eine der popkulturellen Pflichtübungen – um das Buch „Tussikratie“ der Autorinnen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, über die auch Christian Schmidt, Arne Hoffmann und Ole Wintermann Essays veröffentlicht haben.
Ich finde das Buch nicht schlecht, und die Essays fand ich sehr lesenswert – die massenmediale Aufmerksamkeit, die es bekommt, steht gleichwohl in einem seltsamen Missverhältnis zu dem viel substantielleren Veröffentlichungen Arne Hoffmanns aus diesem Jahr, die kaum einmal einer Radiostation ein Interview wert waren. Geschlecht ist weiterhin Frauensache.
Aber der Reihe nach. Alles beginnt, selbstverständlich, mit „Game of Thrones“…
Game of Thrones, oder: Vergewaltigung als Verbrechen und Metapher Das brutale, dekadente Geschwisterpaar Jamie und Cersei begegnet sich an der aufgebahrten Leiche des jungen, brutalen und dekadenten Königs Joffrey, der offiziell Cerseis, inoffiziell auch Jamies Sohn war. Cersei glaubt, dass der gemeinsame, kleinwüchsige Bruder Tyrion schuld ist an Joffreys Tod und fordert Jamie auf, den Bruder zu töten, um das Kind zu rächen. Daraufhin gibt sie ihm einen innigen Kuss und zieht sich dann wieder von ihm zurück.
Mag sein, dass Jamie das als Versprechen einer Belohnung interpretiert, die er erst dann erhält, wenn er Tyrion – für mich übrigens inmitten der Game of Thrones-üblichen Düsternis eine der lichtesten Figuren, bislang jedenfalls – getötet hat. Jedenfalls bezeichnet er Cersei plötzlich als „hasserfüllte Frau“ (hateful woman), beklagt sein Schicksal, eine solch hasserfüllte Frau zu lieben, und erzwingt dann schräg über die Leiche des gemeinsamen Kindes gebeugt einen Kuss. Dann zieht er sie zu Boden und vergewaltigt sie – unbeeindruckt davon, dass sie wiederholt „Nicht hier“ (not here) ruft.
Robin Urban, „megamäßig angepisst“,  kritisiert an dieser Szene, dass sie die Figur des Jamie zerstöre, der sich im Buch von einer eindeutig negativen zu einer ambivalenten Figur entwickelt habe. Diese Entwicklung werde durch die Vergewaltigung, die so im Buch nicht stattfinde, dementiert.
 
Die Argumentation ist lohnend, doch gleichwohl ist die Sorge um die Charakterentwicklung Jamies ganz gewiss nicht der ausschlaggebende Grund, warum die Fernsehserie in die Kritik geriet – einen kleinen Einblick in diese auch von richtungsweisenden Magazinen wie Time und Newsweek/The Daily Beast formulierte Kritik bietet dieser Text in der New Republic.
 
Aus dem Daily Beast:
„We’ve already seen plenty of horrifying things happen on Game of Thrones. That time Viserys Targaryen’s head was melted off with molten gold. That time Theon Greyjoy’s penis was cut off and sent to his family in Pyke. That time King Joffrey impaled a prostitute with his crossbow. And so on.
But none of that quite prepared us for the horrifying encounter between Jaime and Cersei Lannister (…).“
Irritierend ist solche Kritik nicht, weil die Szene nicht brutal wäre – das ist sie. Irritierend ist die Kritik, weil sie andere extreme Brutalitäten der Serie zwar benennt, sie aber kaum ähnlich dramatisch gewichtet. 
 
Ich hab Game of Thrones auch fasziniert geschaut, weiß aber nicht einmal, warum. Vielleicht sind Buchreihe und Fernsehserie auch deswegen ein so enormer Erfolg, weil sie eine enorme Fragilität und Verfügbarkeit menschlichen Lebens in unzähligen Variationen durchdeklinieren, dies aber in einem mittelalterlichen Setting tun, das für uns – im Unterschied zur Unübersichtlichkeit moderner Machtstrukturen – trotz aller Schrecken noch überschaubar ist.
 
Wenn der Erfolg von Game of Thrones etwas über unsere Gegenwart aussagt, dann leben wir jedenfalls wahrlich in sehr finsteren Zeiten.
In der vorangegangenen dritten Staffel war beispielweise eine der männlichen Hauptfiguren über mehrere Folgen lang schwer gefoltert, vergewaltigt und genüsslich kastriert worden – auch das übrigens, wie die Szene zwischen Jamie und Cersei, mit Abweichungen vom Romantext. Fast eine ganze Familie wurde, mitsamt ihrem Gefolge, in einem extremen Massaker ausgelöscht, weil ein Mann ein Heiratsversprechen ignoriert hatte. Verglichen damit ist eine Vergewaltigung gleichwohl keine Nichtigkeit – es ist aber auch schwer verständlich, warum sie so exklusiv zu einem Skandal taugt.
Erklärbar ist das nur, wenn beachtet wird, dass Cersei in der Szene gleich zwei Rollen traditionell weiblicher Ikonografie einnimmt: Die der Mutter, die trotz allem und unbeirrbar zu ihrem Kind steht (und die natürlich an seinem Totenbett keinen Sex will) – und die der geschändeten, hilflosen Frau. Die Szene arbeitet dick mit Geschlechterklischees.
Das wäre kaum der Rede wert, wenn die Reaktion darauf nicht so aussagekräftig wäre. Inmitten einer Welt von extremer allgegenwärtiger Gewalt spielt hier einzig ein Gewaltakt eine Rolle, der als eine geschlechtertypische Gewalt interpretiert werden kann – als gewalttätige Unterdrückung der Frau durch den Mann. Die Aufmerksamkeit auf Geschlechterverhältnisse hilft hier also nicht etwa beim Verständnis des Geschehens, sondern macht blind für den größten Teil dessen, was getan wird – und was Menschen getan wird.
Dieser von massivem Moralisieren zuverlässig begleitete Empörungsgestus ist eigentlich Ausdruck einer tief inhumanen Haltung, für die Gewalttaten aller Art halb so wild sind, solange sie sich nicht als spezifische Gewalt von Männern gegen Frauen interpretieren lassen. Auch das war im letzten Monat wiederholt Thema: ein unbekümmert einseitiges Verständnis von Gewalt, auch und gerade in der regierungsamtlichen Politik, und die Frage nach inhumanen Strukturen traditioneller Geschlechterpolitik.
 
Das Verbrechen der Vergewaltigung wird in Diskussionen wie der über Games of Thrones als  unvergleichlicher Inbegriff der Gewalt hingestellt, als absolut singuläre Tat – solange jedenfalls kein Mann das Opfer und ein Mann der Täter ist. Das mag damit zusammenhängen, dass im Feminismus der Großmütter-Generation – bei Dworkin z.B., oder bei Brownmiller, oder bei Schwarzer – die Vergewaltigung als Basismetapher für die Beziehungen zwischen Männern und Frauen instrumentalisiert wurde. Zu einer sinnvollen Analyse von Gewalt aber trägt diese Beschreibung offensichtlich nichts bei.
 
I’m the Boss, oder: Warum Konsum Freiheit ist
„Eine neue Form des Feminismus geht um die Welt: Entspannt, selbstbewusst und manchmal auch urkomisch.“
Das jedenfalls findet Lorraine Haist in der Welt. Auch deren Artikel ist an sich kaum der Aufmerksamkeit wert, als Symptom aber interessant. Ihre Heldinnen sind Beyonce („I’m not bossy – I’m the boss.“) oder Katie Holmes, die
„von ihrem neuen, selbstbestimmten Leben ohne Tom Cruise“
erzähle – als ob die Erzählung von der Frau, die sich nur von ihrem Mann trennen müsse, um ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können, tatsächlich unglaublich neu wäre.
 
Was Frauen
„allerdings noch immer nicht erreicht haben: die Hauptsache, nämlich selbstverständlich das gleiche Geld zu bekommen“,
schreibt Frau Haist und lässt sich nicht groß durch die Tatsache irritieren, dass in dem von ihr warm empfohlenen Buch „Tussikratie“ die Rede vom „Gender Pay Gap“ ein ganzes Kapitel lang entzaubert wird.
Sie lässt sich aber schließlich auch nicht durch eigene Zitate irritieren. Ein paar Zeilen später schreibt sie:
„Auch schlaue Firmen haben es erkannt: Man muss mit Produkten und deren Vermarktung in erster Linie Frauen erreichen, weil sie heute bereits die Mehrzahl der Kaufentscheidungen treffen – sei es im Bekleidungs-, im Versicherungs- oder Finanzsektor.“
Die im Vergleich zu Männern größere Macht durch größeren Konsum zu genießen und zugleich zu beklagen, dass Frauen weniger Geld als Männer bekämen – das passt natürlich nicht zusammen, aber das stört die Autorin auch nicht. Ihre Selbstbilder als hippe Feministin lassen sich durch patriarchalen Pipifax wie Kohärenz- und Redlichkeitserwartungen nicht stören.
„Feminismus ist ganz einfach die Überzeugung, dass Frauen so frei sein sollten wie Männer, egal wie dämlich, durchgedreht, schlecht angezogen, fett, faltig, faul und eingebildet sie sein mögen,“
zitiert sie Caitlin Moran, ohne sich groß darum zu scheren, dass die meisten Männer all dies selbstverständlich nicht ohne ernsthafte Folgen sein können, ob nun frei oder nicht.
„Frauen mögen vor allem Produkte, die das Leben einfacher machen“ – während Männer bekanntlich Produkte bevorzugen, die unnötige Schwierigkeiten schaffen, so wie zum Beispiel unbequeme Schuhe mit absurden Absätzen, komplizierte Frisuren, langwierige Maniküren und noch viele andere Dinge, die sie sich von Frauen wie Lorraine Haist bereitwillig anschwatzen lassen.
Dass Madonna mit jeder neuen Veröffentlichung einen neuen Typ ihrer öffentlichen Person kreierte, ist ein Teil der Popkultur, den ihre Fans grandios finden können. Wenn es aber um Politik geht, oder um moralische Fragen, oder um Fragen der Gerechtigkeit – dann ist diese Beliebigkeit der Selbstentwürfe kein popkulturelles Spiel, sondern eher eine Art des Sozial-Narzissmus. Es ist das Verhalten von Menschen, die Widerrede schon längst nicht mehr gewohnt sind – und die das mit „Freiheit“ verwechseln.
So schließt Haists Text denn auch konsequent mit einer Frage, zu der sie die Antwort gleich mitliefert:
„Und was sagen die Männer zum neuen Feminismus?  Who cares?“
Wen interessiert’s?
Die Schöne und das Biest, oder: Von der politischen Strahlkraft des Kotzens Diese Antwort müsste in Anführungsstrichen stehen – so kommentierte Kevin Fuchs  den Artikel. Von solcher Souveränität sind Männer, leider, oft weit entfernt.
Wenn sich Männer, die sich überhaupt geschlechterpolitisch äußern, in solchen Konflikte zerreiben wie den erneut aufgeflammten um den ungeheuerlichen Skandal, dass ein männerrechtlicher Blogger sich bei einer feministischen Bloggerin für ein offenbar schlechtes Verhalten entschuldigt hatte – dann ist es nicht verwunderlich (und genau betrachtet eigentlich ein glücklicher Umstand), dass außerhalb kleinerer Kreise kaum jemand Notiz von ihnen nimmt.
Immerhin besteht die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung auch positive Folgen haben könnte – im Vorschlag eines männerrechtlichen Internet-Knigges zum Beispiel, oder in Reflexionen  zur spezifischen Debattensituation im Internet, die mit diesem Kommentar von Nick beginnen.
Versuche, aus der Isolation im Internet heraus- und in weitere Gespräche einzutreten, gibt es jedenfalls. Zentral sind sicher Arne Hoffmanns neue Publikationen, bei denen es sehr schade ist, dass sie bislang zwischen den üblichen weiblichen Beiträgen zur Geschlechterpolitik auf der einen Seite und noch erfolgreicheren Krawall-Publikationen noch nicht ausreichend zur Geltung kommen.
Die Autoren und Autorinnen  des Gemeinschaftsblogs Geschlechterallerlei legen zudem in ihrem ersten regulären Monat, wie ein Leser kommentiert,
„alle einen sehr gelungenen Auftritt mit (…) differenzierten, teils konträren, und vor allem: durchdachten Artikeln hin“. 
Die Artikel selbst, aber auch die Diskussionen mit Kommentaren, die oft den Gehalt eigener Artikel haben, gehören in diesem seltsamen Monat April ganz gewiss zu den Perioden schöneren Wetters.
 
Ein anderer Versuch der Öffnung von Debatten war ein offener Brief an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, der die Situation nicht-ehelicher Väter und das nachhaltige Desinteresse der Kirche an ihnen anspricht. Eine Antwort erhofft sich der Verfasser, Kai, allerdings selbst nicht.
Kai schlägt auch ein sinnvolles Kriterium für das sinnvolle männerrechtliche Agieren vor – er unterscheidet zwischen Männern, die etwas erreichen wollen, Männern, 
„die alle mit anderen Ansichten beleidigen oder runter machen und sich selbst als so toll produzieren wollen.“
Das passt zu LoMis Text über Gute Gründe für das Gemäßigtsein: Die Überhöhung der Gegnerschaft führt zu einem unterkomplexen Bild dieser Personen:
„Sie sind nur noch jene, die sich irren, die eventuell gar bösartig sind. Anstelle einer komplexen Persönlichkeit, die jedem Menschen eigen ist, treten einfache Feindbilder, die das Gegenüber tendenziell entindividualisieren.“
Angesichts des Verkaufserfolgs von Pirinçcis Auskotzerei allerdings werden sich vermutlich eher brachialer agierende Maskulisten bestätigt fühlen.
Das immerhin kreiert wunderbare Aussichten: Auf der einen Seite agiert dann ein schicker schöner neuer Feminismus, der beständig und fröhlich „Alle Räder stehen still, wenn meine schicke schöne neue Brieftasche es will“ vor sich herträllert – auf der anderen Seite ein kleiner Maskulismus, der davon überzeugt ist, alles und jeden schwungvoll anzukotzen sei das politische Erfolgsrezept schlechthin.
 
Die Schöne und das Biest, nur ohne Prinzessin und verwunschenen Prinzen, dafür in Endlosschleife inszeniert: ein mitreißendes Spektakel, bei dem vernunftbegabte Zeitgenossen allerdings lieber zuschauen als mitmachen. Oder lieber gleich ganz wegschauen.
Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, der hat nun einmal aus irgendwelchen Gründen den Monat April verpasst. Auch wenn ich das Gefühl habe, das hätt ich schonmal irgendwo erwähnt.