Monatsrückblicke

Von belangloser Gewalt und der Macht des Konsums (Monatsrückblick April 2014)

Bild zeigt einen Stapel voll dicken Büchern, die alle mit farbigen Lesezeichen versehen sind.
geschrieben von: Lucas Schoppe
Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, der hat aus irgendwelchen Gründen den Monat April verpasst.
Ein mittlerweile schon berühmtes Bild: Alle Toten in den Game of Thrones (A Song of Ice and Fire)-Büchern, durch bunte Lesezeichen markiert. Der gewaltsame Tod ist dort so allgegenwärtig, dass es sogar einen spielerischen Zufallsgenerator gibt, bei dem jeder herausfinden kann, wie er selbst in dieser Welt sterben würde…
DIESE GEWALT allerdings ist gar nicht das eigentliche  Problem… (Quelle)
Ein Skandal war beispielweise eine Szene in einer der gewalthaltigsten Fernsehserien aller Zeiten, weil dort ausnahmsweise einmal für ein paar Minuten lang kein Kind getötet, Mann gefoltert oder Dorf massakriert, sondern eine Frau vergewaltigt wurde. Der Feminismus sei
„mitten in der Popkultur angekommen“,
schreibt Lorraine Haist in der Welt, passenderweise in der Lifestyle-Sektion. Das aber hat offenbar bislang weder dem Feminismus noch der Popkultur sonderlich genutzt.
Geschadet allerdings auch nicht, jedenfalls nicht dem Feminismus. Das liegt auch daran, dass die Männerbewegung im Netz zwar noch zu klein ist, um zu laufen, sich aber schon jede Menge Flügel wachsen lässt – ohne mit ihnen koordinierte Flugbewegungen hinzubekommen, selbstverständlich.
Diese internen Konflikte sind ohnehin ein Symptom eines ganz anderen Problems: Da die kleine, institutionell weithin isolierte Männerbewegung keinen Zugang zu ernsthaften politischen Debattenfeldern hat, trägt sie diejenigen Konflikte praktischerweise nach innen aus, die sie dort nicht führen kann, wo sie geführt werden müssten.
Es gab mal einen Mann, der sich oft über seinen Nachbarn ärgerte. Der aber hörte ihm nie zu, wenn er ihm etwas dazu sagen wollte. Schließlich fand der Mann einen guten Umgang mit dem Problem: Jedes Mal, wenn der Nachbar sich wieder einmal daneben benommen hatte, haute er sich einfach selbst eine aufs Maul, weil das irgendwie die einfachste Lösung war.
Weiß ich auch nicht, wie ich darauf jetzt komme. Ein gutes Beispiel jedenfalls für die Isolation der Männerbewegung ist der Hype – bekanntlich eine der popkulturellen Pflichtübungen – um das Buch „Tussikratie“ der Autorinnen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, über die auch Christian Schmidt, Arne Hoffmann und Ole Wintermann Essays veröffentlicht haben.
Ich finde das Buch nicht schlecht, und die Essays fand ich sehr lesenswert – die massenmediale Aufmerksamkeit, die es bekommt, steht gleichwohl in einem seltsamen Missverhältnis zu dem viel substantielleren Veröffentlichungen Arne Hoffmanns aus diesem Jahr, die kaum einmal einer Radiostation ein Interview wert waren. Geschlecht ist weiterhin Frauensache.
Aber der Reihe nach. Alles beginnt, selbstverständlich, mit „Game of Thrones“…

Game of Thrones, oder: Vergewaltigung als Verbrechen und Metapher Das brutale, dekadente Geschwisterpaar Jamie und Cersei begegnet sich an der aufgebahrten Leiche des jungen, brutalen und dekadenten Königs Joffrey, der offiziell Cerseis, inoffiziell auch Jamies Sohn war. Cersei glaubt, dass der gemeinsame, kleinwüchsige Bruder Tyrion schuld ist an Joffreys Tod und fordert Jamie auf, den Bruder zu töten, um das Kind zu rächen. Daraufhin gibt sie ihm einen innigen Kuss und zieht sich dann wieder von ihm zurück.
Mag sein, dass Jamie das als Versprechen einer Belohnung interpretiert, die er erst dann erhält, wenn er Tyrion – für mich übrigens inmitten der Game of Thrones-üblichen Düsternis eine der lichtesten Figuren, bislang jedenfalls – getötet hat. Jedenfalls bezeichnet er Cersei plötzlich als „hasserfüllte Frau“ (hateful woman), beklagt sein Schicksal, eine solch hasserfüllte Frau zu lieben, und erzwingt dann schräg über die Leiche des gemeinsamen Kindes gebeugt einen Kuss. Dann zieht er sie zu Boden und vergewaltigt sie – unbeeindruckt davon, dass sie wiederholt „Nicht hier“ (not here) ruft.
Robin Urban, „megamäßig angepisst“,  kritisiert an dieser Szene, dass sie die Figur des Jamie zerstöre, der sich im Buch von einer eindeutig negativen zu einer ambivalenten Figur entwickelt habe. Diese Entwicklung werde durch die Vergewaltigung, die so im Buch nicht stattfinde, dementiert.
Die Argumentation ist lohnend, doch gleichwohl ist die Sorge um die Charakterentwicklung Jamies ganz gewiss nicht der ausschlaggebende Grund, warum die Fernsehserie in die Kritik geriet – einen kleinen Einblick in diese auch von richtungsweisenden Magazinen wie Time und Newsweek/The Daily Beast formulierte Kritik bietet dieser Text in der New Republic.
Aus dem Daily Beast:
„We’ve already seen plenty of horrifying things happen on Game of Thrones. That time Viserys Targaryen’s head was melted off with molten gold. That time Theon Greyjoy’s penis was cut off and sent to his family in Pyke. That time King Joffrey impaled a prostitute with his crossbow. And so on.
But none of that quite prepared us for the horrifying encounter between Jaime and Cersei Lannister (…).“
Irritierend ist solche Kritik nicht, weil die Szene nicht brutal wäre – das ist sie. Irritierend ist die Kritik, weil sie andere extreme Brutalitäten der Serie zwar benennt, sie aber kaum ähnlich dramatisch gewichtet.
Ich hab Game of Thrones auch fasziniert geschaut, weiß aber nicht einmal, warum. Vielleicht sind Buchreihe und Fernsehserie auch deswegen ein so enormer Erfolg, weil sie eine enorme Fragilität und Verfügbarkeit menschlichen Lebens in unzähligen Variationen durchdeklinieren, dies aber in einem mittelalterlichen Setting tun, das für uns – im Unterschied zur Unübersichtlichkeit moderner Machtstrukturen – trotz aller Schrecken noch überschaubar ist.
Wenn der Erfolg von Game of Thrones etwas über unsere Gegenwart aussagt, dann leben wir jedenfalls wahrlich in sehr finsteren Zeiten.
In der vorangegangenen dritten Staffel war beispielweise eine der männlichen Hauptfiguren über mehrere Folgen lang schwer gefoltert, vergewaltigt und genüsslich kastriert worden – auch das übrigens, wie die Szene zwischen Jamie und Cersei, mit Abweichungen vom Romantext. Fast eine ganze Familie wurde, mitsamt ihrem Gefolge, in einem extremen Massaker ausgelöscht, weil ein Mann ein Heiratsversprechen ignoriert hatte. Verglichen damit ist eine Vergewaltigung gleichwohl keine Nichtigkeit – es ist aber auch schwer verständlich, warum sie so exklusiv zu einem Skandal taugt.
Erklärbar ist das nur, wenn beachtet wird, dass Cersei in der Szene gleich zwei Rollen traditionell weiblicher Ikonografie einnimmt: Die der Mutter, die trotz allem und unbeirrbar zu ihrem Kind steht (und die natürlich an seinem Totenbett keinen Sex will) – und die der geschändeten, hilflosen Frau. Die Szene arbeitet dick mit Geschlechterklischees.
Das wäre kaum der Rede wert, wenn die Reaktion darauf nicht so aussagekräftig wäre. Inmitten einer Welt von extremer allgegenwärtiger Gewalt spielt hier einzig ein Gewaltakt eine Rolle, der als eine geschlechtertypische Gewalt interpretiert werden kann – als gewalttätige Unterdrückung der Frau durch den Mann. Die Aufmerksamkeit auf Geschlechterverhältnisse hilft hier also nicht etwa beim Verständnis des Geschehens, sondern macht blind für den größten Teil dessen, was getan wird – und was Menschen getan wird.
Dieser von massivem Moralisieren zuverlässig begleitete Empörungsgestus ist eigentlich Ausdruck einer tief inhumanen Haltung, für die Gewalttaten aller Art halb so wild sind, solange sie sich nicht als spezifische Gewalt von Männern gegen Frauen interpretieren lassen. Auch das war im letzten Monat wiederholt Thema: ein unbekümmert einseitiges Verständnis von Gewalt, auch und gerade in der regierungsamtlichen Politik, und die Frage nach inhumanen Strukturen traditioneller Geschlechterpolitik.
Das Verbrechen der Vergewaltigung wird in Diskussionen wie der über Games of Thrones als  unvergleichlicher Inbegriff der Gewalt hingestellt, als absolut singuläre Tat – solange jedenfalls kein Mann das Opfer und ein Mann der Täter ist. Das mag damit zusammenhängen, dass im Feminismus der Großmütter-Generation – bei Dworkin z.B., oder bei Brownmiller, oder bei Schwarzer – die Vergewaltigung als Basismetapher für die Beziehungen zwischen Männern und Frauen instrumentalisiert wurde. Zu einer sinnvollen Analyse von Gewalt aber trägt diese Beschreibung offensichtlich nichts bei.
I’m the Boss, oder: Warum Konsum Freiheit ist
„Eine neue Form des Feminismus geht um die Welt: Entspannt, selbstbewusst und manchmal auch urkomisch.“
Das jedenfalls findet Lorraine Haist in der Welt. Auch deren Artikel ist an sich kaum der Aufmerksamkeit wert, als Symptom aber interessant. Ihre Heldinnen sind Beyonce („I’m not bossy – I’m the boss.“) oder Katie Holmes, die
„von ihrem neuen, selbstbestimmten Leben ohne Tom Cruise“
erzähle – als ob die Erzählung von der Frau, die sich nur von ihrem Mann trennen müsse, um ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können, tatsächlich unglaublich neu wäre.
Was Frauen
„allerdings noch immer nicht erreicht haben: die Hauptsache, nämlich selbstverständlich das gleiche Geld zu bekommen“,
schreibt Frau Haist und lässt sich nicht groß durch die Tatsache irritieren, dass in dem von ihr warm empfohlenen Buch „Tussikratie“ die Rede vom „Gender Pay Gap“ ein ganzes Kapitel lang entzaubert wird.
Sie lässt sich aber schließlich auch nicht durch eigene Zitate irritieren. Ein paar Zeilen später schreibt sie:
„Auch schlaue Firmen haben es erkannt: Man muss mit Produkten und deren Vermarktung in erster Linie Frauen erreichen, weil sie heute bereits die Mehrzahl der Kaufentscheidungen treffen – sei es im Bekleidungs-, im Versicherungs- oder Finanzsektor.“
Die im Vergleich zu Männern größere Macht durch größeren Konsum zu genießen und zugleich zu beklagen, dass Frauen weniger Geld als Männer bekämen – das passt natürlich nicht zusammen, aber das stört die Autorin auch nicht. Ihre Selbstbilder als hippe Feministin lassen sich durch patriarchalen Pipifax wie Kohärenz- und Redlichkeitserwartungen nicht stören.
„Feminismus ist ganz einfach die Überzeugung, dass Frauen so frei sein sollten wie Männer, egal wie dämlich, durchgedreht, schlecht angezogen, fett, faltig, faul und eingebildet sie sein mögen,“
zitiert sie Caitlin Moran, ohne sich groß darum zu scheren, dass die meisten Männer all dies selbstverständlich nicht ohne ernsthafte Folgen sein können, ob nun frei oder nicht.
„Frauen mögen vor allem Produkte, die das Leben einfacher machen“ – während Männer bekanntlich Produkte bevorzugen, die unnötige Schwierigkeiten schaffen, so wie zum Beispiel unbequeme Schuhe mit absurden Absätzen, komplizierte Frisuren, langwierige Maniküren und noch viele andere Dinge, die sie sich von Frauen wie Lorraine Haist bereitwillig anschwatzen lassen.
Dass Madonna mit jeder neuen Veröffentlichung einen neuen Typ ihrer öffentlichen Person kreierte, ist ein Teil der Popkultur, den ihre Fans grandios finden können. Wenn es aber um Politik geht, oder um moralische Fragen, oder um Fragen der Gerechtigkeit – dann ist diese Beliebigkeit der Selbstentwürfe kein popkulturelles Spiel, sondern eher eine Art des Sozial-Narzissmus. Es ist das Verhalten von Menschen, die Widerrede schon längst nicht mehr gewohnt sind – und die das mit „Freiheit“ verwechseln.
So schließt Haists Text denn auch konsequent mit einer Frage, zu der sie die Antwort gleich mitliefert:
„Und was sagen die Männer zum neuen Feminismus?  Who cares?“
Wen interessiert’s?
Die Schöne und das Biest, oder: Von der politischen Strahlkraft des Kotzens Diese Antwort müsste in Anführungsstrichen stehen – so kommentierte Kevin Fuchs  den Artikel. Von solcher Souveränität sind Männer, leider, oft weit entfernt.
Wenn sich Männer, die sich überhaupt geschlechterpolitisch äußern, in solchen Konflikte zerreiben wie den erneut aufgeflammten um den ungeheuerlichen Skandal, dass ein männerrechtlicher Blogger sich bei einer feministischen Bloggerin für ein offenbar schlechtes Verhalten entschuldigt hatte – dann ist es nicht verwunderlich (und genau betrachtet eigentlich ein glücklicher Umstand), dass außerhalb kleinerer Kreise kaum jemand Notiz von ihnen nimmt.
Immerhin besteht die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung auch positive Folgen haben könnte – im Vorschlag eines männerrechtlichen Internet-Knigges zum Beispiel, oder in Reflexionen  zur spezifischen Debattensituation im Internet, die mit diesem Kommentar von Nick beginnen.
Versuche, aus der Isolation im Internet heraus- und in weitere Gespräche einzutreten, gibt es jedenfalls. Zentral sind sicher Arne Hoffmanns neue Publikationen, bei denen es sehr schade ist, dass sie bislang zwischen den üblichen weiblichen Beiträgen zur Geschlechterpolitik auf der einen Seite und noch erfolgreicheren Krawall-Publikationen noch nicht ausreichend zur Geltung kommen.
Die Autoren und Autorinnen  des Gemeinschaftsblogs Geschlechterallerlei legen zudem in ihrem ersten regulären Monat, wie ein Leser kommentiert,
„alle einen sehr gelungenen Auftritt mit (…) differenzierten, teils konträren, und vor allem: durchdachten Artikeln hin“.
Die Artikel selbst, aber auch die Diskussionen mit Kommentaren, die oft den Gehalt eigener Artikel haben, gehören in diesem seltsamen Monat April ganz gewiss zu den Perioden schöneren Wetters.
Ein anderer Versuch der Öffnung von Debatten war ein offener Brief an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, der die Situation nicht-ehelicher Väter und das nachhaltige Desinteresse der Kirche an ihnen anspricht. Eine Antwort erhofft sich der Verfasser, Kai, allerdings selbst nicht.
Kai schlägt auch ein sinnvolles Kriterium für das sinnvolle männerrechtliche Agieren vor – er unterscheidet zwischen Männern, die etwas erreichen wollen, Männern,
„die alle mit anderen Ansichten beleidigen oder runter machen und sich selbst als so toll produzieren wollen.“
Das passt zu LoMis Text über Gute Gründe für das Gemäßigtsein: Die Überhöhung der Gegnerschaft führt zu einem unterkomplexen Bild dieser Personen:
„Sie sind nur noch jene, die sich irren, die eventuell gar bösartig sind. Anstelle einer komplexen Persönlichkeit, die jedem Menschen eigen ist, treten einfache Feindbilder, die das Gegenüber tendenziell entindividualisieren.“
Angesichts des Verkaufserfolgs von Pirinçcis Auskotzerei allerdings werden sich vermutlich eher brachialer agierende Maskulisten bestätigt fühlen.
Das immerhin kreiert wunderbare Aussichten: Auf der einen Seite agiert dann ein schicker schöner neuer Feminismus, der beständig und fröhlich „Alle Räder stehen still, wenn meine schicke schöne neue Brieftasche es will“ vor sich herträllert – auf der anderen Seite ein kleiner Maskulismus, der davon überzeugt ist, alles und jeden schwungvoll anzukotzen sei das politische Erfolgsrezept schlechthin.
Die Schöne und das Biest, nur ohne Prinzessin und verwunschenen Prinzen, dafür in Endlosschleife inszeniert: ein mitreißendes Spektakel, bei dem vernunftbegabte Zeitgenossen allerdings lieber zuschauen als mitmachen. Oder lieber gleich ganz wegschauen.
Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, der hat nun einmal aus irgendwelchen Gründen den Monat April verpasst. Auch wenn ich das Gefühl habe, das hätt ich schonmal irgendwo erwähnt.
RSS
Follow by Email
Google+
https://man-tau.com/2014/05/02/von-belangloser-gewalt-und-der-macht-des-konsums-monatsruckblick-april-2014/
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Unsere Plattform ist frei von Werbung oder Paywalls und stellt alle Inhalte kostenlos zur Verfügung. Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie Artikel, die Ihnen gefallen haben, in Social-Media-Kanälen, liken oder kommentieren. Sharing is caring!

27 Comments

  • Hallo Lucas,

    „Alle Räder stehen still, wenn …“
    Noch erschreckender ist ja, das hier, zumindest laut Zeit, eine Dame behauptet, das Frauen hier eine Vormachtstellung erlangen und dies sogar mit dem Geld der Männer finanzieren. Es müsste somit heißen, alle männerpolitischen Räder stehen still, wenn die Geldbörse der Frau, gefüllt mit Mannes Geld, das will… Und ich finde es schade das zu diesem Artikel außer von Arne und Kevin nichts gekommen ist. Bei mir lag es zum einen an der knappen Ressource Zeit, aber auch an dem Spektakel, das gerade mal wieder auf unseren Bühnen aufgeführt wurde.

    Zum Spektakel ist denke ich alles gesagt, von allen Seiten… Ich werde auf jeden Fall den Knigge von Man in the Middle als Nettikette in meinem Blog verlinken. Ich denke nur man kann da nicht einfach wegsehen, sondern muss leider Kopfschüttelnd dabei stehen. Ansonsten galt hier für beide Seiten ein Satz, den ich auch oft in amerikanischen Krimis höre;Alles was sie ab jetzt sagen kann und WIRD gegen sie verwendet…

    Gruss
    Kai

  • *Wer immer noch der Idee nachhängt, etablierte Geschlechterdebatten seien im Kern rational, zweckdienlich und human, …*

    Ich verstehe nicht, was „etablierte Geschlechterdebatten“ sind.

    Für mich gibt es keine plausible Begründung, dass staatliche Macht Individuen wegen ihres Geschlechts verschieden berechtigt oder verpflichtet. Wenn Private jedoch Männer und Frauen verschieden behandeln, ihnen verschieden begegnen, dann ist das ihre Sache.

    Geht es den Männerrechtlern darum, das Männerbild aufzuwerten, damit die Frauen wieder mal ein bisschen lieb sind, oder damit die reale Männerdiskriminierung nicht über das böse Bild begründet werden kann?- oder geht es ihnen um GLEICHBERECHTIGUNG?

    Gehts ums Erste, dann wird die Debatte irrational, gehts ums zweite, dann rational.

    Die Antwort auf Feminismus ist nicht Maskulismus, nicht Geschlechterdebatte, sondern konsequenter politisch-juristischer Antisexismus.

  • Games of Thrones und Lorraine Haist zeigen zusammen (ungewollt) doch eines:

    Es ist so quitschlebendig wie ehedem: Das romantisierte Geschlechterbild, nach dem die Frauen für das Schöne, den Lifestyle und die Freuden des Lebens stehen und Männer für das Schmutzige, Dreckige, den Kampf und das Sterben und Sterben lassen.

    Wo bitteschön gab es denn eine etablierte Geschlechterdebatte?

    Im übrigen würde sich nur etwas ändern, wenn die künstliche Gebärmutter zur Annwendungsreife entwickelt würde und es feminine Androiden als adäquaten Ersatz der Frau als Sexobjekt des Mannes gäbe (Optional auch mit Quengelsprachmodul).

    Beides würde das Geschlechterverhältnisse mehr revolutionieren als alles jemals dagewesene. Und dem weiblichen Unabhängigkeitsstreben ein machtvolles männliches Äquivalent entgegensetzen.

    Aber soweit wird es in diesem Zyklus nicht mehr kommen…

  • „Geht es den Männerrechtlern darum, das Männerbild aufzuwerten, damit die Frauen wieder mal ein bisschen lieb sind, oder damit die reale Männerdiskriminierung nicht über das böse Bild begründet werden kann? – oder geht es ihnen um GLEICHBERECHTIGUNG?“

    Ich denke nicht das es nur dieses Entweder-Oder-Oder gibt. Das Männerbild aufwerten? Ich würde sagen, ja unbedingt. Ich erinnere gerne an:

    http://genderama.blogspot.de/2014/04/warum-fuhrt-der-tatort-eine-kampagne.html

    Aber es ist nicht zwingend erforderlich, dass auf Kosten der Frauen zu machen. Es würde schon reichen wenn man Männer nicht öffentlich als Sexdämonen darstellt:

    http://www.smh.com.au/travel/i-dont-want-my-kids-sitting-next-to-a-man-on-a-plane-20140424-375z6.html

  • „… auch die Diskussionen mit Kommentaren, die oft den Gehalt eigener Artikel haben, gehören [..] ganz gewiss zu den Perioden schöneren Wetters. …“

    Schöne Zusammenfassung zum April, April, der weiß nicht was er will. „crumar“ hat bei „Geschlechterallerlei“ einen tollen Kommentar geschrieben, in dem Hannah Rosin brillant zerlegt wird: http://geschlechterallerlei.wordpress.com/2014/04/30/die-cis-manner-sind-unser-ungluck/comment-page-1/#comment-1805

    Dieser hätte unter anderem nicht nur das Potential zu einem eigenen Artikel, sondern wäre tatsächlich einer wert.

  • „Die Argumentation ist lohnend, doch gleichwohl ist die Sorge um die Charakterentwicklung Jamies ganz gewiss nicht der ausschlaggebende Grund, warum die Fernsehserie in die Kritik geriet“

    Ich kann nicht für andere sprechen, aber für MICH war es der ausschlaggebende Punkt.

    „In der vorangegangenen dritten Staffel war beispielweise eine der männlichen Hauptfiguren über mehrere Folgen lang schwer gefoltert, vergewaltigt und genüsslich kastriert worden – auch das übrigens, wie die Szene zwischen Jamie und Cersei, mit Abweichungen vom Romantext.“

    Theon wird nicht vergewaltigt. Und die Kastration fand im Buch ebenfalls statt – nur eben „off-screen“. Das kann man in einer Serie nicht bringen. Man kann nicht eine wichtige Hauptperson für eine ganze Staffel verschwinden lassen und dann, wenn sie wieder auftaucht (und sie viele Zuschauer, die die Bücher nicht gelesen haben, bereits vergessen haben), einfach berichten (lassen), was in der Zwischenzeit passiert ist.

  • Hmm, dann würde, wie in der Vergangenheit, die Frau weiterhin Gott spielen wollen (mein Bauch gehört mir, ich alleine bestimme ob und wann Kind leben darf [von dem her war die Aktion in der Kirche/Altar sehr nach an der Wirklichkeit]). Frau würde sich sofort die alleinigen Verfügungsrechte darüber beschaffen, Alice sorgt für die richtige, polemischen Kampagne. Sie glauben doch nicht ernsthaft, das sich Frau dieses Machtinstrument aus der Hand nehmen lässt? Eher sorgt die Marktreife dann für Menschenzuchtstationen, so wie bei Schweinen/Hühnern etc., damit für die Wirtschaft immer schön Arbeiter da sind (männliche, Frauen für die gehobene Laufbahn). Und wenn das Männchen brav war, darf das Ei in der Gebärmaschine dann auch mit seinem Sperma befruchtet werden, ansonsten halt per Bestellung von der Samenbank, mit den gewünschten Attributen (Augenfarbe, Größe, Statur und wenn möglich, Geschlecht; Sonst wird halt abgeschaltet und ein neuer Versuch gestartet;o)…
    Und über die Samenbank, da tun sich ja wirklich ganz neue Euthanasie-Fantasien für die Damen auf, wie war das mit den 10% ;o)
    Chris

  • @ Kai „Zum Spektakel ist denke ich alles gesagt, von allen Seiten… Ich werde auf jeden Fall den Knigge von Man in the Middle als Nettikette in meinem Blog verlinken. Ich denke nur man kann da nicht einfach wegsehen, sondern muss leider Kopfschüttelnd dabei stehen. Ansonsten galt hier für beide Seiten ein Satz, den ich auch oft in amerikanischen Krimis höre;Alles was sie ab jetzt sagen kann und WIRD gegen sie verwendet…“

    Ja, schade. Dieses Spektakel ist eigentlich sehr öde, es bringt nichts, aber es werden dabei zum Teil solche Verletzungen ausgeteilt, dass es schwer ist, einfach nur zu- (oder weg-)zuschauen.

    Eigentlich geht es um etwas, was für die Frage der Debatten im Internet interessant gewesen wäre: Inwieweit schafft die Anonymität Möglichkeiten für Menschen, sich an offenen Debatten zu beteiligen, die sich sonst nicht beteiligen könnten – um basale eigene Interessen zu schützen oder die Interessen Dritter? Dass es bei diesen Dritten um Kinder gehen kann, macht die Situation von Trennungsvätern natürlich besonders prekär.

    Insofern ist die Internet-Anonymität, bzw. die einfache Möglichkeit der offenen Rede unter einem selbstgewählten stabilen Pseudonym, durchaus ein wichtiger Beitrag zu einer demokratischen Debattenkultur – weil potenziell gerade Menschen in besonders prekären Situationen nun einen Zugang zu diesen Debatten bekommen, den sie sonst de facto nicht hätten.

    Und da stimme ich Dir und Deinem Artikel in Deinem Blog absolut zu: Jemanden aus dieser Anonymität zu reißen bedeutet in einer solchen Situation, ihn aus der Debatte zu schmeißen.

    Nun war das ja vielleicht gar nicht mal perfide Absicht, sondern einfach eine dämliche Aktion, die weitgehend folgenlos hätte bleiben können – wenn sich die Beteiligten einfach mal nicht-öffentlich verständigt hätten. Dass statt dessen in aller (Blog-)Öffentlichkeit nachgekartet wird, das Geschehen zu einer Auseinandersetzung zwischen „Gemäßigten“ und „Fundamentalisten“ überhöht wird – das ist in meinen Augen nur eine sinnlose Deck-Diskussion, die ein, äh, kritikwürdiges persönliches Verhalten kaschiert.

    Dass damit beständig andere konfrontiert werden, die sich dann irgendwie dazu verhalten müssen (und sei es, indem sie ihre Impulse zum „Nun halt doch einfach einen Moment die Klappe und lass mal sacken!“-Sagen unterdrücken, weil es eh nix bringen würde) – das ist regelrecht belästigend. Und es lenkt von viel wichtigeren Themen ab.

    Aber: Das Ganze hat vielleicht doch einen Nutzen, wenn solche Texte wie der Knigge von man.in.th.middle dadurch stärker in den Fokus kommen….

    Viele Grüße!

  • @ Matze Danke für die Links. „I know it's sexist. But I don't want my kids sitting next to a man on a plane.“ (Read more: http://www.smh.com.au/travel/i-dont-want-my-kids-sitting-next-to-a-man-on-a-plane-20140424-375z6.html#ixzz30sTAHkbz ) Man stelle sich den Satz mal so vor: „I know it's racist. But I don't want my kids sitting next to a black on a plane.“ Damit kme sie wohl kaum durch. Insofern finde ich auch, dass sich die Alternative zwischen Gleichberechtigung und Aufwertung des Männerbildes nicht stelt. Ein mieses Männerbild verhindert beispielsweise Entwicklungen in den Urteilen von Gerichten, oder Verbesserungen der Situation von Jungen an den Schulen – die nämlich werden gern reflexhaft als „selbst schuld“ hingestellt, weil sie nun einmal einem obsolet gewordenen Männlichkeitsideal nachhängen würden.

  • „wenn die künstliche Gebärmutter zur Annwendungsreife entwickelt würde“ In meinen Augen ist die Hoffnung auf Lösungen von Geschlechterkonflikten durch neue Technologien (z.B. in der Tradition von Shulamith Firestone) eigentlich ein Ausdruck von Hlflosigkeit. Wir bekommen es unter DIESEN Bedingungen einfach nicht hin – also brauchen wir eine Technologie, die uns diese Bedingungen ändert.

  • Das sehe ich genauso. „Nach allen empirischen Befunden, die ich gesichtet habe, hat ihr Buch den falschen Titel.
    Es hätte heißen müssen: “Das Ende des SCHWARZEN Mannes” – und wäre SO sicherlich kein Verkaufsschlager geworden.“

    Tatsächlich geht es ja nicht um das Ende „des mannes“, sondern um die immer prekärer werdende Situation der ärmsten Männer – und das sind in den USA nun einmal weit überproportional schwarze Männer. Als „Das Ende des schwarzen Mannes“ aber wäre das Buch eine Anklage gegen impliziten Rassismus gewesen – ein Appell an die soziale Verantwortung der Besitzenden – eine Auseinandersetzung mit der Frage, wer eigentlich dafür bezahlt, dass es immer noch ziemlich vielen ganz enorm gut geht – kurz: Es wäre eine Spßabremse gewesen.

    Als „Das Ende des Mannes“ aber ist eine eine unbedenkliche Vorlage für Triumphgesten – vor lauter „Selber Schuld“ muss sich niemand ernsthaft damit auseindersetzen, ob das Wegbrechen ganzer Gruppen nicht eigentlich ein echtes Problem sein könnte.

    Interessant wäre es also, das Buch wieder in die rassistischen Kontexte zurückzuspielen, aus denen es in dieser Interpretation stammt – dann wäre es ein einfaches Anknüpfen an vertrautes Suprematiedenken.

    Kurz gesagt: Ich stimme mit Dir ganz überein: crumar braucht entweder ein Blog, oder er sollte öfter als alle paar Monate mal einen Artikel schreiben. 🙂

  • Vom Rückblick zum Ausblick; ich frage mich seit Wochen, ob man nicht wieder mal eine Wahlprüfstein-Aktion lostreten sollte. Argumente pro und contra:

    – für Antworten ist es zu spät, man könnte ggf. noch Argumente für Diskussionen an Wahlkampfständen sammeln, wenn man solche Diskussionen überhaupt für sinnvoll hält.
    – man weiß die Antworten auf die thematisch einschlägigen Wahlomat-Fragen auch so schon.
    – seit den BTW hat sich vermutlich kaum etwas geändert – oder?
    – die Europawahl nimmt niemand so richtig ernst (was aber deren Bedeutung verkennt)
    – man könnte mal direkt fragen nach der Haltung zur Initiative, Kritik am Feminismus unter Strafe zu stellen.

    Unsere feministischen Aktivisten waren schon lange vorher fleißig, man findet jedenfalls eine ganze Reihe von Treffern im Netz (Männer sind übrigens auch an der Energiekrise schuld, s. http://www.fachstelle-frauenarbeit.de/fileadmin/user_upload/fachstelle/Aktuelles/ZusatzinfosKlimawandel.pdf).

    Meinungen?

  • Was ist an einem „Ausdruck von Hlflosigkeit“ falsch? Z.B. die Erfindung des Rads kann man dann auch als einen „Ausdruck von Hilflosigkeit“ kritisieren — haette man nicht die Probleme unter den alten Bedingungen loesen sollen?

    Offensichtlich nicht! In der Tat ist unsere einzige Chance die Entwicklung der Produktivkraefte — und die Verhinderung dieser Entwicklung ist geradezu der Wesenskern des Feminismus (Herrschaft der Reproduktionssphaere ueber die Produktionssphaere).

  • „- für Antworten ist es zu spät, man könnte ggf. noch Argumente für Diskussionen an Wahlkampfständen sammeln, wenn man solche Diskussionen überhaupt für sinnvoll hält.“

    Wenn Du Zeit verbrennen willst ist genau das eine supertolle Idee, ansonsten kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, die meisten an den Ständen wollen einfach nur ihr Programm unter die Leute bringen.

    Einen Infoflyer und ein Argumentationspapier zu erstellen, das unter die Leute zu bringen die am SPD Stand vorbeigehen, das den Menschen klar sagt, wenn ihr einen Sohn habt dann wählt nicht diese Partei weil… Bringt 1000 mal mehr, denn dann schaffst du Öffentlichkeit…

    Dahingehend sollte man mal überlegen, das bedeutet Argumentationspapiere zu einem Thema entwickeln für die unter uns die mal solch eine Aktion machen wollen, dazu einen Flyer mit kurzen Infos und ein ausführliches max. 2 Seitiges Informationsblatt. Sich einen Samstag in die nähe eines Standes stellen und aktiv gegen die Politik dieser Partei Werbung machen. Ggf. braucht man eine Genehmigung durch das Ordnungsamt und ein wenig Geld für die Kopien…

    Politik funktioniert nur über Schmerz… Erst als es richtig weh tat hat man Reformen durchgeführt, erst wenn es den Parteien richtig weh tut sind sie bereit sich zu ändern…

  • Du hast Recht, das z.B. wäre ein weit wichtigeres Thema gewesen als z.B. – um mal ganz willkürlich irgendein Problem herauszugreifen – die Frage, ob man sich bei einer Feministin für ein blödes Verhalten entschuldigen darf. Danke erst einmal für den Link – den kannte ich nicht, und ich finde ihn an einigen Stellen wunderhübsch.

    „Dabei sind Frauen nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern verfügen über wichtige Überlebens- und Bewältigungsstrategien.“

    Männer haben den Klimawandel gemacht, Frauen machen alles wieder heile – wenn denn Männer sie nur lassen. Beleg? „In Schweden, einem gleichstellungspolitischen Vorreiterstaat, ist der Verbrauch männlicher Single-Haushalte um 22% höher als der weiblicher.“

    Das ist so von mir kaum überspitzt dargestellt. Auch in den Wahlprüfsteinen selbst heißt es: „Zum Klimawandel tragen Frauen und Männer auf unterschiedliche Weise bei und sind unterschiedlich davon betroffen. Frauen
    sind nicht nur passive Opfer der Auswirkungen des Klimawandels,
    sondern verfügen auch über bedeutende Bewältigungskompetenzen.“

    Feministische Politik ist ja schon länger dazu übergegangen, auch noch die Ironisierungen feministischer Politik gleich mitzuerledigen.

    Dass wir es nicht hinbekommen, selbst Wahlprüfsteine vorzulegen, hat natürlich damit zu tun, dass so gut wie alle Männerrechtler im Internet in ihrer Freizeit nebenbei agieren. Allerdings gibt es ja eigentlich Vorlagen, auf die man zurückgreifen könnte: Agens hatte ja zur Bundestagswahl Wahlprüfsteine formuliert, Christian Schmidt hatte die gründlich gesichtet und z.T. auch klar kritisiert. Darauf könnte man ja zurückgreifen – obwohl in den kommenden Jahren natürlich keines bundesweiten Wahlen mehr anstehen.

    Jetzt zu sichten, welche Antworten es auf Wahlprüfsteine gibt, finde ich durchaus gut – auch wenn die Antworten natürlich oft klischeehaft sind, würde mich interessieren, ob sich etwas ändert gegenüber den Antworten auf letzte Wahlprüftsiene, die ja zum Teil sehr aufschlussreich (im Sinne von: peinlich ) waren.

  • @ Oliver Ein Ausdruck von Hilflosigkeit ist gut, wenn man ihn denn einfach als solchen versteht – aber ein Verbeißen in Hoffnungen auf ein Wunder ist nicht sinnvoll. Um das in Deinem Bild zu sagen: Auch VOR der Erfindiung des Rades werden Menschen sich irgendwie zu helfen gewusst haben, anstatt sich einfach darauf zu einigen, dass man eh nix machen könne, solange das Rad noch nicht erfunden ist.

    Auch technologische Innovationen entstehen, wenn ich es richtig sehe, zu einem großen Teil aus dem, was man tut, um bestimmte gegenwärtige Probleme zu lösen – wenn man das zurückstellt in der Hoffnung, dass es irgendwann eine technische Lösung gegen wird, verhindert es auch die.

    Das Verhältis zwischen Frauen und Männern – so wie andere soziale Beziehungen – wird zudem durch neue Technologien immer mal wieder verändert, muss aber eben trotzdem mit Mitteln gestaltet werden, die nicht allein technischer Natur sind. Ein Beispiel ist ja die Pille: Ihre Enführung hatte eine beträchtliche Wirkung, aber für jedes Problem, das sie gelöst hat, sind andere entstanden.

  • @Lucas @emannzer

    Der crumar dankt für euer Lob und ist a. ein wenig überfordert, weil mich der Unfall komplett aus der Bahn geworfen hat und ich faktisch ein ganzes Jahr verloren habe.
    Ich grüble schon einige Zeit, ob ich einen Blog eröffnen kann, ob mir überhaupt die Ressourcen für ein solches Hobby zur Verfügung stehen, denn ich möchte nicht wie achdomina irgendwann das Handtuch werfen müssen, weil mir klar wird, es geht nicht (schade, dass er nicht mehr schreibt).

    Und b. habe ich an mir eine Haltung entdeckt, die mir nicht passt, bzw. die mich ratlos macht.

    Zur Erklärung: ich lese gerade die „Tussikratie“ und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
    Es ist das unpolitisch politischste Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe und es fällt leicht, sich über die Ignoranz ihrer Filterbubbles, die Selbstgerechtigkeit, die latente Doppelmoral, riesige Bildungslücken und die kryptisch verborgene Selbstkritik lustig zu machen.

    Andererseits sind das junge Frauen, die durchaus eine Kritik am radikalen Feminismus und seinen Flurschäden auch im Bewusstsein von Frauen formulieren…
    Und die machen sich wirklich lebensgeschichtlich Sorgen um die Zukunft (ihre eigene und) des Geschlechterverhältnisses.

    Seit Rosin bemerke ich an mir jedoch verschärft die Tendenz nur noch maskulistisches Sudoku zu spielen: wann kommt sie denn, die erste Lüge, Halbwahrheit oder Verdrehung der Wirklichkeit?
    Um diese dann mit Genugtuung und Gehässigkeit als genau das zu entlarven.
    Mein Problem ist, dass ich schon gar nichts anderes mehr erwarte als (meinetwegen) „5 Arten (oder Stufen) feministischer Lügen“ zu finden.
    Das finde ich an mir bedenklich.
    Ich hatte mir einmal vorgenommen Texte „geschlechtsblind“ zu lesen und davon bin ich weiter weg als je zuvor.
    Finde ich traurig.

    Meine Wahrnehmung ist schon so von Ideologiekritik gesättigt und deren Grundlage geworden, dass ich in Gefahr gerate, nicht mehr zwei 30 jährige Frauen zu sehen, die einen Text schreiben, sondern einen beliebigen feministischen Text den ich auseinandernehme – weil ich es kann.

    Ach so: ihr Titel ist auch falsch. 😉
    Nicht nur der von Rosin.
    Es gibt gar keine Thusnelda – die Tussikratie ist Ausdruck des Verhältnisses von Hermannokratie und Tussikratie.

    Ich schreibe später noch etwas dazu…muss jetzt arbeiten.

    Lieben Gruß, crumar

  • „Ich grüble schon einige Zeit, ob ich einen Blog eröffnen kann, ob mir überhaupt die Ressourcen für ein solches Hobby zur Verfügung stehen, denn ich möchte nicht wie achdomina irgendwann das Handtuch werfen müssen, weil mir klar wird, es geht nicht (schade, dass er nicht mehr schreibt).“ Du könntest ja auch probehalber erstmal mit ein paar Artikeln anfangen, z.B. bei Geschlechteralerlei – oder sehr gern auch bei man tau 🙂

    Ich finde den Titel „Tussikratie“ übrigens auch falsch. Bei mir ist der Grund, dass der Titel aus einem politischen Problem ein pseudo-persönliches macht. Als ginge es nicht um Interessen, die beschreibbar (wenn auch nicht in jedem Fall legitim) sind, sondern um einen irgendwie gestörten Persönlichkeitstypus, der eskalativ Rache für erlittene Demütigungen verübt.

    „Meine Wahrnehmung ist schon so von Ideologiekritik gesättigt und deren Grundlage geworden, dass ich in Gefahr gerate, nicht mehr zwei 30 jährige Frauen zu sehen, die einen Text schreiben, sondern einen beliebigen feministischen Text den ich auseinandernehme – weil ich es kann.“

    Eigentlich kann man ja jeden Text auseinandernehmen, wenn man sich dafür die geeignete Position sucht – das allein finde ich noch nicht beunruhigend. Beunruhigend ist aber für mich die Erfahrung, dass ich manchmal nicht mal probehalber noch einen guten Willen unterstelle (den es ja auch bei Argumenten geben kann, die ich völlig falsch finde). Das ist aber m.E. auch eine Art der Zermürbung – ich hab nun einmal schon (zu) viele Statements erlebt, die nun ganz bestimmt nicht von irgendeinem guten Willen geprägt waren. Trotzdem:

    Lieben Gruß zurück!

  • @Lucas

    Weil hier eine schöne Ruhe herrscht: deine Art, den Artikel zur „Tussikratie“ zu schreiben war die einzig produktive Art und Weise damit umzugehen.
    Klasse Text!

    Meine Beweisführung in Sachen „Tussokratie“ am Originaltext braucht noch dieses Wochenende. Verschrobenen Artikel gefällig?
    Und höchst possierlich fand ich deinen Umgang mit ihren kreativen Quellenangaben. Gnihihi – hilf mir doch bitte mal auf die Sprünge.
    Den nursery Reim auf S. 188 haben sie auch 100% irgendwoher „entnommen“ und mir fällt partout die Quelle nicht mehr ein.

    Zurück zum Ursprung:

    Der erste Trick ist, dass sie Kucklick gelesen haben, der beweisen konnte, dass der Feminismus mit seinem männerfeindlichem Gerede bei einem Diskurs der Frühaufklärung ansetzen konnte, in dem Männer für die Unheimlichkeiten der Moderne durch (!!!!) Personalisierung zu büßen hatten. Die „Heimlichkeit“ besteht eben darin – da war Marx am stärksten – sie hat sich hinter dem Rücken der Akteure als deren handlungsleitendes Motiv und als Handlungsanleitung durchgesetzt.
    Personalisiert *als* biologischer individueller „Trieb“ (männlich (unabsichtlich/absichtlich weil verkörpert) verkörperlicht); „Strukturen“ sind unverständlich ohne einen Actor (Individuum), Geschichten brauchen einen Autor.

    Vielleicht ist das „Patriarchat“ als Erklärung deshalb so wirkmächtig, weil es eben die „Struktur“ mit handelnden Personen füllt – ergo personalisiert? Und ist nicht der „Trieb“ die biologische Essenz von dem, was eine Person „treibt“? Und warum sollte man nicht die Kräfte, die diese Person treibt ebenfalls personalisieren als Essenz genau dieser Person?

    Was sie nun versuchen, kann aber auf keine historische *Erklärung* hinauslaufen, die Kucklick versucht hat. Sie haben keine Gesellschaftstheorie. Was liegt also näher, als aktuelle (!) politische Konflikte zu historisieren und zu personalisieren?

    Habe ich beides, dann kann ich mich von a. der Person und Handlungen als unzeitgemäß verabschieden und kann b. deren Handlungsweise nachträglich adeln, indem ich sie als *damals adäquate* Reaktion auf Bedingungen darstelle, die nun nicht mehr vorliegen.

    Der Abschied von der Tussikratie fällt genau deshalb so leicht, weil sie diese sie – kontrafaktisch – in grauer Vorzeit ansiedeln.
    Um so leuchtend *moderner* erscheint die eigene, aktuelle Interpretation des Geschlechterverhältnisses, indem diese ins Verhältnis gesetzt wird zu einer längst vergangenen Epoche.

    Hätten sie die „Tussokratie“ nicht in entfernte Epoche versetzt, dann hätten sie Roß und Reiterin nennen müssen. Nämlich GENAU welche radikalfeministischen, neoliberal gewendeten feministischen Vorstellungen konträr zu den ihren sind.

    Durch die Personalisierung und Historisierung blieb ihnen dieser Schritt jedoch erspart – sie verabschieden sich nun von quasi „unmodernen“ Vorstellungen.
    Wobei sie natürlich tunlichst vermeiden zu sortieren, welche Vorstellungen *genau* damit ebenfalls unmodern werden.

    Und damit wieder zu ihrem ökonomischen und weiblichen Standpunkt: Journalistinnen über 30.
    Das sind zwei gute Gründe über gängigen Feminismus nachzudenken.
    😉

    Wer das liest ist gemein!

    crumar

  • Eine wie immer spannende Auslegung, Crumar!
    Ich werde mich mal damit auseinandersetzen. Den Aspekt der Personalisierung über essentielle Eigenschaften eines Mannes hat bei mir drüben auch einer eingebracht und das fand ich ziemlich interessant. Das ist ja auch als Diskurs ein Volltreffer, weil es eben persönlich betroffen macht. Gesellschaftsblind ist es, wie Du ja zeigst, sowieso.

  • @ crumar „Verschrobenen Artikel gefällig?“ Ja, natürlich. Immer gern…Würd mich freuen!:-)

    „deren Handlungsweise nachträglich adeln, indem ich sie als *damals adäquate* Reaktion auf Bedingungen darstelle, die nun nicht mehr vorliegen.“ Das wiederum greift einen häufigen Topos im Gespräch über Feminismus auf – dass doch verstanden werden müsse, auf welche bedingungen der Feminismus reagiert habe, und dass dadurch einge Einseitigkeiten doch erklärbar sein.

    Klar: Den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext zu sehen ist immer richtig – aber in dieser Argumentation zerfällt die Weltgeschichte regelrecht in zwei Teile. Einerseits eine unaufgeklärte Zeit, so ca. 5000 Jahre lang,in der die Männer unangefochten herrschten und die Frauen sich zu ducken hatten – und eine aufgeklärte, so etwa seit vierzig Jahren, in der die Frauen sich endlich erhoben hätten. Was dann natürlich lauter verunsichterte Männer produziert hätte.

    Zu den vielen Nachteilen dieser eleganten Geschichtsbetrachtung gehört die ständige Abwertung der „traditionellen“ Männer, die in der Vorzeit hängengeblieben seien, und die Ausrufung des „neuen modernen Mannes“, der allerdings vor lauter Versuchen, bloß nicht so zu sein wie die verknöcherten Vorväter, notorisch verwirrt durch die Welt spaziert.

    Wenn dann Frauen wie Nina Pauer sich über die modernen Schmerzensmänner auch noch lustig machen, geht es erst recht nicht mehr weiter…

    Was den nursery rhyme angeht, weiß ich auch nicht mehr – nur dass er schon aus dem 18. Jahrhundert kommt (die wikipedia sagt allerdings 19.).

    What are little boys made of?
    What are little boys made of?
    Snips and snails
    And puppy-dogs' tails,
    That's what little boys are made of.

    What are little girls made of?
    What are little girls made of?
    Sugar and spice
    And everything nice,
    That's what little girls are made of.

    „The song is nowadays thought to be sexist against both girls and boys“ schreibt die englische wikipedia heute dazu. Ist ja auch schlimm: Jungen werden aus Schnipseln und Schnecken und Hundeschwänzen gemacht, Mädchen aus Zucker und Gewürzen und lauter netten Sachen – und dann gibt es noch Leute, die einfach partout nicht einsehen wollen, dass diese Zuschreibungen für BEIDE gleichermaßen diskriminierend sind…

    Bei „A Voice for Men“ gab es mal einen guten Text dazu. Seine letzte Zeile:
    Skies and stars and infinite dreams. That’s what little boys are made of.

    Skies and stars and infinite dreams. That’s what little boys are made of.

  • Lieber crumar, dass tut mir leid und auf diesem Weg meine besten Wünsche für deine Gute Besserung.

    Das mit dem Bloggen ist halb so wild und im Kopf bist du doch voll 'funktionsfähig'. Mehr übrigens, als viele anderen in diesem Land. Und der Rest wird wieder (in der Brigitte stünde jetzt wohl: „ich drück dich mal“

    @Lucas: Ich danke dir an dieser Stelle noch mal für deine Formatierung, die ich damals etwas 'benörgelte'. Tolle Beiträge schreibst du, finde ich.

  • @emannzer
    Vielen Dank für deine lieben Wünsche und dein Lob! Drücke zurück! 😉

    Es geht auch immer besser, nur ist es halt wesentlich zäher, als ich ursprünglich gehofft habe und ich habe noch zwei Ops vor mir. Die sind harmlos, nur kosten sie halt wieder Zeit.

    Schönen Gruß, crumar

  • @ emannzer Ach, Du warst das…:-) Hat dem Blog sehr gut getan, finde ich. Und vielen Dank für den Kommentar zu den Beiträgen, der hat mich sehr gefreut.

    @ crumar Alles Gute wünsch auch ich Dir dafür!

  • @ Robin Ich hab mir Zeit mit einer Antwort gelassen, weil ich mir jetzt tatsächlich alle Szenen der Folterung Theons in den verschiedenen Folgen der dritten Staffel noch einmal angesehen habe (was auch nicht unbedingt ein Vergnügen ist). Das hat gedauert, weil zugleich an der Schule eine ganze Menge los ist.

    „Theon wird nicht vergewaltigt.“ Das sehe ich völlig anders, in meinen Augen wird er eindeutig vergewaltigt. Er ist nach langer Folter überhaupt nicht in der Lage, eine freie Zustimmung zum Sex zu geben – er versucht unmissverständlich, die Frauen, die sich an ihm (der immer noch gefangen und ungeheuer geschwächt ist) sexuell zu schaffen machen, davon abzuhalten – er weiß überhaupt nicht, was los ist, und ist nach meinem Eindruck regelrecht in Panik – und die Sexualität wird von den Frauen und von dem Folterer Ramsay eindeutig als Mittel benutzt, um die Hilflosigkeit und Demütigung Theons noch zu intensivieren. Direkt im Anschluss wird er ja auch von Ramsay kastriert. Ich verstehe eigentlich nicht, warum das keine Vergewaltigung sein sollte.

    Das war jetzt knapp zusammengefasst, ich schreib später noch einmal mehr dazu.

  • @ Schoppe: Ja, ich war das und es hat deinem Blog wirklich sehr gut getan. Es ist jetzt eine reine Freude, deine durchdachten und reflektierten Beiträge zu lesen. Und das meine ich wirklich so, wie ich es schreibe. 🙂

  • Noch ein Video eines kleinen, empirischen Versuches in London (22-05. veröffentlicht) mit versteckter Kamera aufgenommen… Deutlich sind die unterschiedlichen Reaktionen/Muster zu erkennen… Auch die anschließend geposteten Kommentare sprechen Bände…


    chris

Kommentar verfassen

close

Enjoy this blog? Please spread the word :)