Lasst endlich die Feministinnen in Ruhe!

Als konservative Feministin, so schrieb die amerikanische Journalistin Christine Sisto vor wenigen Tagen im National Review, fühle sie sich desillusioniert und angegriffen von den Liberalen, welche die gegenwärtige feministische Bewegung dominieren würden.
„Und ich fange an zu glauben, dass Männerrechtsbewegung und feministische Bewegungen heiraten sollten. Wenn Feministinnen tatsächlich Gleichheit der Geschlechter wollen, dann sollten sie kein Problem mit Männern haben, die auf rechtliche und gesellschaftliche Bereiche hinweisen, in denen Männer unfair behandelt werden.“
Eine freundliche Äußerung mit einigen alarmierenden Aspekten – allein schon deshalb, weil viele Männer der Institution der Ehe gegenüber ohnehin misstrauisch geworden sind, mit guten Gründen. Wenn Feminismus und Männerrechtsbewegung heiraten würden, wie sähe dann eine Scheidung aus? Und was würde aus den – und welchen? – Kindern?
Vermutlich wüssten viele auch gern, ob Sisto mit „equality“ nun eigentlich Gleichheit, Gleichstellung oder Gleichberechtigung meint.
Nie wieder ganz entsetzt im Hier und Jetzt: Der Männerrechtler der Zukunft ist ruhig, gelassen und völlig desinteressiert am Feminismus

Vor allem aber spricht sich Sisto dafür aus, dass sich Männer stärker um die Belange von Männern kümmern und sich weniger am Feminismus abarbeiten sollten („to focus more on men, and less on criticizing feminists“). Die berühmte Webseite A Voice For Men würde sich zum Beispiel ganz auf den Hass auf Feministinnen konzentrieren – während andere, wie die National Coalition For Men, sich um die wirklichen Belange von Männern kümmern würden („some, like the National Coalition for Men, focus on real issues that men face“).

Mit der Annahme, dass der Feminismus für Männer eigentlich kein wirkliches Problem darstelle, würde Sisto unter Männerrechtlern wohl ziemlich allein dastehen. So vermutet Arne Hoffmann denn auch, dass ihre „Position zu empörtem Kreischen und Haareraufen unter Maskulisten ebenso wie unter Feministinnen führen dürfte“.
Was aber spricht denn eigentlich dafür, dass ein Engagement für Männerrechte immer zugleich eine Auseinandersetzung mit dem Feminismus sein müsse?
Richtige Männer interessieren sich nicht für Feminismus. Oder? Einige Gründe jedenfalls legen es nahe, dass Sisto Recht hat.
Feminismus? Hast Du keine anderen Probleme?  Für spezifische Nachteile von Männern sind offensichtlich nicht allein Feministinnen verantwortlich. Das betrifft nicht bloß den Klassiker der Wehrpflicht. Problematisch für Trennungsväter sind nicht allein mutterfixierte Lobbyistinnen, sondern auch – gern ältere – Richter, die sich fragen, welches seltsame Problem ein Vater denn eigentlich hat, der für die Betreuung seines Kindes sogar die Erwerbsarbeit vernachlässigen möchte. Oder konservative Familienpolitiker, in deren Augen die Ehe weiterhin heilig ist und Väter ohne Sorgerecht selbst Schuld sind an ihrer Situation – sie hätten ja die Mutter ihrer Kinder einfach heiraten können.
Die Unterstützung der Frauenquote in Aufsichtsräten wiederum wird in vielen Fällen vermutlich kein Ausdruck feministischer Überzeugungen, sondern ein simples Mittel der Privilegiensicherung sein. Von dieser Quote profitiert schließlich nur eine Handvoll ohnehin gut etablierter Frauen, der Großteil wird von ihr kaum jemals profitieren können. Dafür nützt sie auch gut etablierten Männern, die sich darum bemühen, ihre Ehefrauen, Töchter oder Parteigenossinnen vorteilhaft unterzubringen.
Feminismus ist eigentlich nicht so wichtig Ohnehin geht eine beständige Feminismuskritik am Stellenwert feministischer Positionen für die meisten Menschen weit vorbei. Schließlich ist der Feminismus noch deutlich unwichtiger als, beispielsweise, die katholische Kirche – und schon jemand, der sich an der beständigen Kritik dieser Kirche festbeißen und sie für allerlei verbreitete Probleme verantwortlich machen würde, wirkte nach kurzer Zeit recht verbissen und albern.

Als „zuständig für Frauen und das ganze andere Gedöns hat Gerhard Schröder seine Familien- und Frauenministerin einst bezeichnet. Das ist bezeichnend für die Haltung vieler Männer, die den Feminismus erst gönnerhaft belächelt haben und ihn nun, nur noch heimlich lächelnd, ebenso gönnerhaft durch die politischen Institutionen winken.

Wer dagegen wieder und wieder feministische Positionen kritisiert, verschwendet in den Augen solcher Männer seine Zeit an etwas, das der Auseinandersetzung kaum wert ist – verschafft ihnen aber zugleich eine bequeme Gelegenheit, sich kostenfrei als aufgeklärter Beschützer der angegriffenen Weiblichkeit in Szene zu setzen.

Eine harmlose Ideologie und eine düstere Bibliothek Allerdings gibt es natürlich trotzdem – abgesehen von ihrem miserablen Selbstdarstellungs- und PR-Wert – vernünftige Gründe für Feminismuskritik.
Politisch statt sexistisch Klassische Position der zweiten feministischen Welle und ihrer Folgewellen skizzieren eine „Männerherrschaft“ oder beschreiben Vergewaltigung als Verbrechen aller Männer an allen Frauen, kommen mit Slogans wie „Weniger Mann ist mehr Mensch“ daher oder verwursten solche eitlen Sprüche gleich für ein Parteiprogramm:

„Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“

Ein Buch der feministischen Autorinnen Cheryl Benard und Edit Schlaffer hieß „Laßt endlich die Männer in Ruhe“ und trat nicht etwa dafür ein, von misandrischen Klischees abzulassen, sondern lediglich dafür, dass sich Frauen mehr um sich selbst kümmern sollten, anstatt Zeit und Energie für Beziehungen mit Männern aufzubringen.

Feminismuskritik ist immer auch ein Versuch, solche Positionen aus männlicher Perspektive zu beantworten, ohne ihren deutlichen Sexismus zu wiederholen – sich also nicht gegen „die Frauen“ zu positionieren, sondern gegen „den Feminismus“. So sehr das auch verallgemeinernd sein mag, so ist es doch immerhin ein Fortschritt in Geschlechterdebatten und ein Versuch, sie politisch und nicht sexistisch zu führen.
Was sind denn eigentlich diese Männerinteressen? Zudem ist es fragwürdig, was eigentlich unter „den Männerinteressen“ zu verstehen ist, auf die sich eine Männerrechtsbewegung doch bitteschön konzentrieren sollte. Für Männer aller Schichten ist es traditionell normal, sich nicht allein an ihrer Geschlechtszugehörigkeit, sondern an ihren beruflichen und sozialen Positionen zu identifizieren – im Zweifelsfall nicht mit anderen Männern, sondern in Abgrenzung zu ihnen.
Die Identifikation über die eigene Geschlechtszugehörigkeit ist eine spezifische Sonderbarkeit der traditionellen Position bürgerlicher Frauen, die sich als Mutter und Ehefrau bestimmten und bestimmen. Da der Feminismus seit der zweiten Welle fast ausschließlich als akademisch unterfüttertes bürgerliches Selbstgespräch geführt wird, erscheint es daher in dessen Perspektive als ganz fraglos, von „den Fraueninteressen“ sprechen zu können – auch wenn die meisten Frauen davon weitgehend unberührt bleiben.
Für Männer hingegen werden gemeinsame Männerinteressen meist erst durch die Erfahrung relevant, dass sie als Männer angegriffen werden, als Männer ihre Kinder nicht sehen dürfen, als Männer für Unterdrücker erklärt werden oder für sexfixierte Deppen. Es kann daher eigentlich nicht ernsthaft überraschend sein, dass die Vertretung von Männerinteressen eng mit der Kritik an solchen feministischen Klischees verbunden ist.
Anstatt diese Kritik abzuwerten, wäre es daher sinnvoll, ab und zu einmal probeweise die Frage zu stellen, weshalb die überaus allgemeine und disparate Kategorie „Geschlecht“ eigentlich eine sinnvolle soziale Kategorie sein sollte. Ob es beispielsweise eigentlich irgendwelche vernünftigen Gründe dafür gibt, überhaupt von „den Männerinteressen“ oder „den Fraueninteressen“ zu reden.
Institutionalisierte Ungleichheit Auch wenn zudem feministische Positionen meist nicht das wesentliche Problem von Männern sind, so tragen sie doch oft entscheidend dazu bei, humane Veränderungen zu blockieren. Einschlägig ist die mittlerweile jahrzehntelangte faktische Kooperation konservativer Familienpolitiker mit frauenpolitisch Engagierten im Familienrecht. Es sind insbesondere feministisch orientierte Frauen, die darauf drängen, dass sich Parteien mit einem progressiven Selbstverständnis wie SPD und Grüne die reaktionäre Das-Kind-gehört-zur-Mutter-Position zu eigen machen und eine Gleichberechtigung von Vätern und Müttern effektiv verhindern.
Ohnehin beruht die Vorstellung, dass Männer doch bitteschön von der Kritik feministischer Positionen ablassen sollten, in aller Regel auf einem verharmlosenden Bild  – als ob jemand, der für Gleichberechtigung ist, damit eigentlich auch schon im Herzen ein Feminist wäre, und als ob es um mehr eigentlich gar nicht ginge.
Eben das ist ja ein  zentrales männerrechtliches Argument: Tatsächlich richtet sich feministische Politik, die in den öffentlichen Institutionen viel stärker verwurzelt ist als in den Überzeugungen der meisten Menschen, eher gegen Gleichberechtigung, als sie zu unterstützen. Wer in einer Männerherrschaft lebt, braucht schließlich als Frau ganz besondere Unterstützung und Schutz – die rechtliche und institutionelle Ungleichheit wird als Gegengewicht zu einer angeblich allumfassenden patriarchalen Gesellschaft imaginiert.

Blicke in eine seltsame Bibliothek Ein Blick in feministische Klassiker ist zudem meist sehr ernüchternd – diese Texte leben eher davon, dass niemand sie liest, als davon, dass sie sorgfältig studiert würden. Alice Schwarzers Phantasie einer Okkupation der reinen, heilen Frauenwelt durch männliche Besatzer in „Der kleine Unterschied“ etwa, oder Margarete Mitscherlichs saubere Aufspaltung von Aggression und Friedensliebe zwischen den Geschlechtern. Ein kleinerer, aber in der Politik der Väterausgrenzung sehr einflussreicher Klassiker ist Anita Heiligers Idealisierung der mütterlichen Alleinerziehung als Befreiung von männlicher Herrschaft.

Andrea Dworkin wiederum idealisierte den Mutter-Sohn-Inzest als Sexualität, die nicht von der Destruktivität erwachsener Männer geprägt sei. Als gewalttätigen Akt der Einschüchterung aller Frauen durch alle Männer beschreibt Susan Brownmiller  in Against Our Will, und auch dieses Beispiel lohnt einen näheren Blick. Die Rechtsordnung sei geprägt von dem „alten Potiphars-Frau-Syndrom“ (370), der uralten Furcht der Männer vor der Falschbeschuldigung – weswegen Regeln zur Beweislast aufgestellt worden wären, die eine Verurteilung von Vergewaltigungen erschwerten. Was Brownmiller eigentlich stört, ist der Gedanke, dass auch eine Frau in solchen Fällen eine unwahre Aussage machen könnte.

Resultat solcher Überlegungen, bis heute wirksam, ist nicht nur die Rede von einer Rape Culture, sondern auch die Forderung nach einem Ende der Unschuldsvermutung, die beispielweise von Schwarzer öffentlichkeitswirksam beim Prozess gegen Jörg Kachelmann erhoben wurde. Nun ist allerdings die Unschuldsvermutung kein patriarchaler Trick – der Sinn der Unschuldsvermutung ist nicht Täterschutz, sondern die Verpflichtung des Staates, die Ausübung staatlicher Gewalt zu legitimieren und ihrer Angemessenheit zu beweisen. Es ist nicht Aufgabe desjenigen Menschen, der staatliche Gewalt erfahren hat, die Illegitimität dieser Gewalt zu beweisen.

Wer das abschaffen will, will den autoritären Staat, der irgendwie immer schon weiß, was richtig und was falsch ist – und der nicht durch unnötige Fesseln daran gehindert werden soll, das zu exekutieren.

Schon bei einem kurzen Blick in deutsche und internationale feministische Klassiker wird es unverständlich, warum solche Schriften jemals als Plädoyers für Gleichberechtigung und Emanzipation, nicht als Beispiele für einen reaktionären Sexismus gelesen wurden. Dafür muss dieser Blick nicht einmal auf Solanas‘ Massenmordphantasie Scum fallen

Adam, Eva und: Warum ein linker Maskulismus wichtig ist Von wenigen, immer isolierten Ausnahmen abgesehen folgen diese und viele andere mögliche Beispiele klassischer feministischer Theorie demselben quasi-religiösen, tief reaktionären Muster:

Als wären nicht Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben worden, sondern als wäre Eva dort geblieben, während Adam in seiner Verirrung und seinem Größenwahn das Paradies verlassen hätte, um sich anderswo etwas Besseres zu schaffen – und als würde er nun wieder und wieder neidisch das Land Evas belagern und gewaltsam besetzen, weil er allein mit sich nicht leben, sich aber seine Verirrung auch nicht zugestehen kann.

So ist es offensichtlich eine falsche Alternative, zwischen männerrechtlichem Engagement und Feminismuskritik entscheiden zu müssen: Wer sich für die Rechte von Männern – und übrigens auch die von Kindern und Frauen – einsetzt, wird um Feminismuskritik nicht herumkommen; wer sich aber in einer solchen Kritik verbeißt und seinen Blick nicht weitet, wird sich für diese Rechte ebenfalls nicht sinnvoll einsetzen können.
Woher stammt denn beispielweise eigentlich das tiefe Bedürfnis, wesentliche Erfolge der Moderne – Rechtsstaatlichkeit, rechtliche Gleichheit, allgemeine Menschenrechte, aber auch basale Grundsätze von Wissenschaftlichkeit – über Bord werfen und durch die Annahme ersetzen zu können, Frauen hätten sich anders als Männer in allen Verirrungen der Moderne ihre naturwüchsige Menschlichkeit bewahren können? Wer die menschliche Gesellschaft wolle, müsse also nur die Frauen unterstützen: Warum sind ausgerechnet Parteien für solche reaktionären Sehnsüchte anfällig, die nach ihrem eigenen Selbstverständnis progressiv sind?
Eben hier hat der linke oder linksliberale Maskulismus eine wesentliche Bedeutung, weil er Denkroutinen – Feminismus sei immer irgendwie links, männerrechtliches Engagement immer irgendwie rechts – unterläuft und auf Fragen wie die eben skizzierten Antworten formuliert.

Daher ist es auch ein echtes Problem, dass linke Maskulisten nicht nur – was normal und richtig wäre – kritisiert, sondern von manchen Männerrechtlern regelrecht bekämpft werden. Wer jemanden als Speichellecker beschimpft, nur weil er ein differenziertes Bild von Feministinnen hat – oder wer den Schulterschluss mit der amerikanischen Rechten und ihrem sinnlosen Kulturmarxismus-Gerede sucht – der zementiert bestehende Fronten, anstatt sie zu analysieren.

Das gönnt feministischen Positionen wesentlich mehr Ruhe, als sie es verdient haben.

 

Christine Sistos Zitate am Beginn des Textes habe ich aus dem Englischen übersetzt. Hier ist das Original des längsten übersetzten Abschnitts:

And I’m beginning to think the men’s-rights and feminist movements should get married. If feminists really want equality between the sexes, then they should have no problem with men pointing out the areas in law and society where they are treated unfairly.

Susan Brownmiller habe ich zitiert nach:
Susan Brownmiller: Against Our Will. Men, Women and Rape, London (Penguin) 1977
  1. Der linke Männerrechtler der Zukunft ist ruhig, gelassen und völlig desinteressiert am Feminismus. Er hat eine wesentliche Bedeutung, weil er das Vorurteil, Männerrechtler seien rechts, unterläuft und deswegen sollte er von anderen Männerrechtlern nicht bekämpft werden.

    Diese Bekämpfung ist kräfteraubend und der Ausgang vorhersehbar. Ich sehe aber sehr deutlich die Motive dahinter und würde vorschlagen, als Container die Wut und Empörung aufzunehmen, anzuerkennen und mitzufühlen. Nicht jeder rationalisiert seine Entrüstung hinweg, nicht jede Selbstidentifikation kann sich gegen die Abwertung des Männlichen behaupten. Der erste Paragraph dieses Kommentars wäre nicht geeignet die Verzweiflung eines Scheidungsopfers zu besänftigen oder die Scham einer dämonisierten Sexualität zu mildern. Er würde nicht ausreichen, die fläzende Selbstzufriedenheit feministisch gesinnter Frauen erträglich oder deren mafiösen Umgang mit der Wahrheit tolerabel zu machen.

    Ich glaube, die Grenzziehung ist nicht links oder rechts, sondern der Grad der verletzten persönlichen Integrität. Politik hat in der Männerrechtsbewegung nichts zu suchen. Diese Bewegung wird tatsächlich zu einer Bewegung von Männern als Männern. Ihr ist mit politischen Kategorien nicht beizukommen.

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  2. Äh, Geschichtsklitterung? Es sieht doch seit geraumer Zeit eher so aus, dass die selbsternannten „linken“ und „gemäßigten“ Maskulisten alles bekämpfen, was ihnen an abweichenden Meinungen anderer Maskulisten vor die Nase kommt, mitunter mit Lügen und Verleumdungskampagnen.

    Der Feminismus ist übrigens so erfolgreich geworden, weil er durch alle Parteien und durch fast das gesamte poltische Spektrum gewandert ist.

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  3. @ quellwerk „Ich sehe aber sehr deutlich die Motive dahinter und würde vorschlagen, als Container die Wut und Empörung aufzunehmen, anzuerkennen und mitzufühlen. Nicht jeder rationalisiert seine Entrüstung hinweg, nicht jede Selbstidentifikation kann sich gegen die Abwertung des Männlichen behaupten.“

    Finde ich einen sehr wichtigen Punkt. Die Wut und Empörung aufzunehmen ist absolut richtig, es ist aber falsch zu meinen, nur ihr unmittelbarer Ausdruck würde ihr gerecht werden. Das ist eine Falle. Ich kann Dir versichern, der „der Grad der verletzten persönlichen Integrität“ ist bei mir sehr hoch, ich habe viele Gründe, enorm wütend zu sein, und bin es auch. Das gehört aber gewissermaßen zum Spiel dazu: Wer als Trennungsvater seine Wut unmittelbar raushaut, wird als Konsequenz nur erleben, dass das gegen ihn und gegen das Kind verwendet wird.

    Ungerecht? Natürlich ist das ungerecht. Vielleicht hast Du mal die bekannte Doku-Szene gesehen (ich such sie raus, komm im Moment aber nicht dazu), in der in einem Football-Stadion eine Frau auf einen Mann einprügelt. Sofort greifen einige empörte und aufgeregte Männer hart ein – und gehen ihrerseits auf den Mann los. Dass eine Frau prügelt, können sich (gerade männliche) Zeugen offenbar nur dadurch erklären, dass er ihr etwas Schlimmes getan hat und sie vor ihm geschützt werden muss.

    Das ist nach meiner Einschätzung vielen Männerrechtlern, gleich welcher politischer Richtung, nicht präsent: Das Verhalten von Männern wird, gerade wenn es um den Ausdruck von Wut und (noch so begründeten) Aggressionen geht, von den meisten Zeugen ganz anders aufgenommen und interpretiert als das von Frauen.

    Bei einem Mann, der seine Wut einfach raushaut, fragen die meisten nicht danach, ob diese Wut gute Gründe hat – sondern danach, wie sie Frauen und Kinder vor ihm schützen können.

    Deshalb finde ich es auch falsch, vom „Hinwegrationalisieren“ der Wut zu reden. Sublimieren vielleicht, aber das ist auch nötig – sie also in etwas zu verwandeln, das mittelbar wirken kann, anstatt sie unmittelbar rauszuhauen. Zumal im Internet wirkt es oft einfach nur deplatziert, wenn jemand seine Wut einfach in die Tasten kloppt – es mag sich am heimischen Schreibtisch noch so authentisch anfühlen, aber von außen betrachtet wirkt es dann oft einfach nur peinlich, grenzverletzend, und manchmal auch etwas verrückt. Das macht es denjenigen viel zu leicht, gegen die sich diese Wut richtet.

    „Politik hat in der Männerrechtsbewegung nichts zu suchen.“ Dann wird eine Männerrechtsbewegung auch nichts erreichen. „Politik“ bedeutet für mich nicht, sich selbst zu kastrieren und die eigene Wut zu unterdrücken – sondern zu realisieren, dass man ein Spieler unter mehreren ist und dass man nicht weiter kommt, wenn man deren Perspektiven ignoriert. Was übrigens nicht heißt, dass man deren Perspektiven richtig finden muss.

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  4. @ maennerstreik „dass die selbsternannten „linken“ und „gemäßigten“ Maskulisten alles bekämpfen, was ihnen an abweichenden Meinungen anderer Maskulisten vor die Nase kommt“.

    Ein aktuelles Beispiel waren ja Diskussionen um die Wikimannia. Bei der finde ich viele Artikel gut recherchiert, weitgehend sachlich, und sie sind ein guter Einstieg in nähere Beschäftigungen mit bestimmten Themen oder Personen, weil sie mit nützlichen Links ausgestattet sind. Auch manche Artikel zu einigen bekannten Feministinnen sind weitgehend sachlich gehalten.

    Dann aber gibt es eine ganze Reihe von Artikeln, die den Eindruck zerstören – enorm primitive Gehässigkeiten gegen Frauen, gegen Ausländer etc. Nach meinem Eindruck von außen gibt es bei den Beiträgern der Wikimannia selbst unterschiedliche Meinungen dazu, wie die Plattform aussehen sollte.

    Das ist ein typisches Bild, das Männerrechtler oft abgegeben haben: Berechtigte Anliegen zu haben, sich zu engagieren, um diese Anliegen zu formulieren und sachlich zu unterfüttern, eine ganze Menge an Arbeit zu investieren – und dann gewissermaßen mit dem Hintern umzureißen, was man sich mit den Händen aufgebaut hat.

    Wer das kritisiert und sich davon abgrenzt, hat einfach recht. Das als Bekämpfen abweichender Meinungen zu bezeichnen, als ob es dabei um blinde Gleichschaltung ginge, verfehlt den Punkt, um den es geht.

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  5. „Politik hat in der Männerrechtsbewegung nichts zu suchen.“ Ja, da ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich wollte sagen, dass die deutsche Männerbewegung noch nicht ihren adäquaten Ausdruck gefunden hat und gängige politische Kategorien hierfür nicht ausreichen. Wenn sie es schafft, dann soll sie politisch sein – na klar.

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  6. Der Feminismus ist übrigens so erfolgreich geworden, weil er durch alle Parteien und durch fast das gesamte poltische Spektrum gewandert ist.

    Richtig. Und es wäre an der Zeit, dass die Rechten das auch zur Kenntnis nehmen und aufhören, den politischen Kampf gegen die feministischen Zumutungen primär als „Kampf gegen links“ zu definieren.

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  7. Das kann man nur hervorheben:

    „Ich glaube, die Grenzziehung ist nicht links oder rechts, sondern der Grad der verletzten persönlichen Integrität. Politik hat in der Männerrechtsbewegung nichts zu suchen. Diese Bewegung wird tatsächlich zu einer Bewegung von Männern als Männern. Ihr ist mit politischen Kategorien nicht beizukommen.“

    Ich verstehe bis heute nicht, warum, vor dem Hintergrund einer anderen Gegnerschaft (w/m) die Leute aufeinander los gehen. „Linke sind die Pest“ versus „Radikale Männerrechtler sind rechtskonservative Nazis“.

    Das ist einfach nicht zielführend – aber leider Realität im Diskurs. Anstatt sich auf das Ziel der gleichberechtigten Männerrechte und Frauenpflichten zu konzentrieren, beharkt, zerfleischt und enerviert man sich lieber gegenseitig. Toll!

    Wäre ich Feministin, ich würde mich totlachen darüber.

    Die(!) haben damals zusammengehalten und eine ganze Gesellschaft zum Negativen und zur Polarisation umgekrempelt. Das taten diese Leute unabhängig von irgendwelchen politischen Diskursen.

    Nun, da sie ihr Ziel erreicht haben, da 'gönnen' sie sich ein bisschen Rauferei, ob frau nun Gleichheits- oder Differenz-Dingensda sei. Ich wette, wenn der Wind denen (noch) schärfer ins Gesicht bläst, dann halten sie zusammen, wie 'Schester und Schwefel'.

    Denn sie haben ja ihre Meta-Themen wie Opfer-Abo, #aufkreisch etc. Von dieser Selbstfindung im gemeinsamen Konsens, halte ich viele Männerrechtler für weit entfernt. Bitter – aber leider wahr imho.

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  8. Es wird nicht recht deutlich, was „linker Maskulismus“ genau sein soll. Es scheint, er soll sich hauptsächlich von reaktionären, frauenfeindlichen Tendenzen abgrenzen.
    Das ist ehrenwert. Aber Frauenfeindlichkeit per se als „rechts“ zu denunzieren, erscheint mir auch „wenig hilfreich“ (Mutti) zu sein. Da schimmert eine Ideologie durch: Links = gut / Rechts = böse. Kommt euch das nicht bekannt vor?
    Linke Maskulisten kommen um die Tatsache nicht herum, dass Feminismus und Sozialismus denselben „Stallgeruch“ teilen (Michael Klonovsky).
    Linke haften einer Opfer-Ideologie an: Im Grunde sind ALLE Opfer – schuld ist IMMER das System, der Kapitalismus. Selbstverantwortung? I wo. Da fügt sich der Feminismus bestens ein: ALLE Frauen sind Opfer – schuld ist IMMER das Patriarchat. Ich gebe das mal zu bedenken, weil mir die linken Männerrechtler bisweilen zu selbstgefällig auf die eigene Schulter klopfen. Ansonsten hab ich euch gern. Haltet euch wacker! 😉

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  9. Die wiederholt gehörte Aufforderung, die Männer möchten sich doch bitte um sich selber kümmern und nicht um „den Feminismus“, ist schlicht absurd und ein Versuch, einen für dumm zu verkaufen.

    Ich habe hier 5 offensichtliche Gründe gelistet, warum der komplette Feminismus oder relevante Teile davon eine Front gegen Männer aufmachen. Wenn jemand eine Gruppe zum Gegner erklärt und bei nächster Gelegenheit deren Gegenwehr als Aggression deklariert, dann ist das schlichtweg Teil einer psychologischen Kriegsführung.

    Das führt mich zu einem Punkt, wo ich meine Wahrnehmung, wie die Auseinandersetzung zwischen Maskulismus und Feminismus geführt wird, in letzter Zeit wesentlich geändert habe. Ich habe früher eine Denkweise unterstellt, die man als wissenschaftlich oder intellektuell bezeichnen kann und die i.w. wie in diesem Übersichtsbild dargestellt drei Aspekte unterscheidet, nämlich Analysen bzw. Debatten über

    1. ethisch / philosophische Grundwerte und naturwissenschaftliche Grundlagen

    2. darauf aufbauende soziale Theorien

    3. davon abgeleitete politische Ziele und Forderungen

    Wenn ich mir die Diskussionen auf diesem Blog oder anderen Blogs in der Nachbarschaft ansehe, dann passen die alle weitgehend in dieses Schema. Nun ist mir und anderen schon seit einiger Zeit aufgefallen, daß danach noch etwas kommt, nämlich die Phase

    4. Praktische Umsetzung (bzw. praktische Politik)

    in der man sich offenbar großenteils einen feuchten Kehricht um die ganze schöne Theorie kümmert und stattdessen seine privaten Interessen mit allen Mitteln durchsetzt, gerne auch demagogisch hetzt oder seine eigenen Interessen als die Interessen „der Frauen“ ausgibt (Stichwort: Elitefeminismus) oder in harmloserer Form einen theoriefreien „Mein-Feminismus-Feminismus“ deklariert.

    In diesem Zusammenhang empfehle ich, den Blogpost „Ein bösartiger Vortrag eines bösartigen Professors“ von Hadmut Danisch, http://www.danisch.de/blog/2014/06/25/ein-boesartiger-vortrag-eines-boesartigen-professors/ , zu lesen, der beste und wichtigste Post seit langem auf seinem Blog. Kurz gesagt: er berichtet über einen Vortrag von Michael Kimmel „Angry white men – Männlichkeit am Ende einer Ära“ auf einer Veranstaltung in der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin der SPD. Nahezu der komplette Vortrag stellte in n-facher Wiederholung die übelsten US-amerikanischen Nazis und insb. deren Bild von Männlichkeit dar. Kimmel ist Jude und von einem fanatischen Haß auf diese Nazis (den man als solchen verstehen kann, die sind wirklich übel) getrieben, er scheint eine regelrechte Sucht zu haben, noch ekligere Facetten dieser Nazis aufzuspüren, um seinen Haß zu befeuern. Achtung, jetzt kommt der geistige Salto: Aus diesem Haß leitet Kimmel seine Mission ab, jedes einzelne männliche Charaktermerkmal, das zum Selbstbild der US-Nazis beiträgt, überall in der ganzen (US-) Gesellschaft mit allen Mitteln zu bekämpfen. Jedes Mittel und jeder Koalitionspartner ist recht. Herr Kimmel ist zwar Professor, aber die ganze SPD-Veranstaltung ist pure Demagogie und Hetze gegen alles Männliche, in der ein erlesenes (und offenbar bereits mental vorgeschädigtes) SPD-Publikum ideologisch weiter aufgeheizt wird. Standing ovations von Joseph Goebbels, wenn er noch leben würde.

    (Fortsetzung im nächsten Kommentar

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  10. (Fortsetzung:)

    Damit wären wir wieder bei der Frage, ob wir einen „linken“ Maskulismus brauchen. Antwort: Ja, aber das reicht nicht. Links ist ein unscharfer Begriff, aber nach meiner Wahrnehmung agiert der linke Maskulismus fast nur auf der wissenschaftlich / intellektuellen Schiene, also irgendwo in den obigen Phasen 1 – 3. All die geistige Akrobatik interessiert Kimmel und Co. nicht die Bohne, es geht in Phase 4 nur darum, Emotionen zu wecken, Feindbilder zu schaffen und Vorurteile gegen Männer (= alles nur miesepetrige Antifeministen) zu erzeugen, gerne auch mit erprobten Hypnosetechniken. Appelle der der Form „Lasst endlich die Feministinnen in Ruhe“ sind ein durchschaubares Manöver, das man entsprechend einordnen sollte.

    Die „linke“ bzw linksliberale Männerrechtsbewegung muß zu Kenntnis nehmen, daß in Phase 4 ganz andere Spielregeln gelten als in den Phasen 1 – 3, und daß man nicht umhin kommt, an den unerfreulichen politischen Grabenkämpfen in Phase 4 teilzunehmen, wenn man Erfolg haben will.

    Die einzige bisher erfolgreiche Strategie hierbei war und ist nach meiner Wahrnehmung die Demaskierung feministischer Aktionen und deren innerer Widersprüche und das Brechen der feministischen Diskurshoheit in den Medien. Insofern spricht alles dagegen, die Feministinnen in Ruhe zu lassen.

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  11. Was ist denn dieser „linke Maskulismus“ und was hat er bis heute erreicht? Nehmen wir doch die beiden, die sich für die Platzhirsche halten in der Ecke: Arne Hoffmann und Christian Schmidt-Zweitname.

    Keine Frage, Arne Hoffmann hat mit einigen seiner Bücher vieles an Argumenten und Daten geliefert. die unsereins bei der Argumentation und dergleichen helfen. Ansonsten Mitgliedschaft bei Agens und Manndat sowie sein tägliches Copy & Paste-Bloggen. Fein. Aktivismus offline? Nö.

    Dann Christan Schmidt-Zweitname von Alles Evolution. Tag für Tag eine mehr oder weniger tragfähige Kopfgeburt samt anschließender Kopfwichserei in den Kommentaren. Tut vielleicht seinem Ego gut, keine Ahnung. Daneben Der Mist mit Pickup, wo sich wohl so ziemlich alle denkenden Männerrechtler fragen, was dieser Aufreisser-Mist mit Männerrechten zu tun haben soll, dass man das in einen Top wirft. Hat man ja im Fall Elliot Rodger gesehen, was uns das gebracht hat: Scherereien. Außderdem entsteht so der falsche Eindruck, Männerrechtler seien einfach frauenscheu oder „merkwürdig“ und bräuchten daher so einen Quatsch. Komplett falsche Baustelle. Auch bei ihm: echter Aktivismus außerhalb des Netzes? Nö.

    Lediglich mit Bloggen und Diskussionen im Netz wird man nicht viel erreichen und auch Agens und Manndat sind sehr zahm unterwegs – was teils verständlich ist. Allerdings braucht es mehr echten Aktivismus draußen, um die Massen zu erreichen. Es hilft nichts, wenn einfach der immer gleiche Kreis Männerrechtler jeden Tag die gleichen Blogs und alle paar Monate die gleichen Bücher liest und darüber diskutiert. Es fehlt extrem an Außenwahrnehmung und an der Einbindung von Männer jenseits der akademischen Diskurse bei Arne und Christian. Die Lebensrealität der durchschnittlichen Männer muss getroffen werden, damit diese sich angesprochen fühlen, sich Gedanken machen und ebenfalls aktiv werden, sich informieren etc.pp.

    Das Beharren auf „links“ ist vielleicht den albernen Anschuldigungen von Leuten wie Kemper und den anderen Böll-Mietmäulern geschuldet, dass das manche wie eine Monstranz vor sich her tragen. Ist aber überflüssig, Kemper und Konsorten sollten nicht unsre Aufmerksamkeit und Energie binden, genauso wenig langatmige Diskussionen mit Feministinnen, die die Standpunkte der Männerechtler meistens nicht die Bohne interessieren. Für die ist das einfach Aufmerksamkeit und darauf stehen Feministinnen. Hübsche Frauen bekommen die Blicke auf der Straße, die weniger hübschen und häßlichen holen sich die Aufmerksamkeit in solchen Diskussionen, wenn sie nicht gerade irgendwo twittern, chatten oder sonstwas tun. Aufmerksmkeit ist bei diesen Feministinnen egosteigernd, das ist alles. Ergebnisse gleich Null.

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  12. Solange aus dem Feminismus hemmungslos gegen Männer gehetzt wird, muß man dagegen ankämpfen. Ich würde sie gerne in Ruhe lassen, aber sie lassen uns ja nicht in Ruhe. Ließen wir sie in Ruhe, hätten sie gänzlich freie Bahn.

    Michel D.

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  13. Ich bin froh, dass es Leute wie Hoffmann, Schmidt und natürlich auch Schoppe gibt. Ich bin nämlich über diese Personen – insbes. durch Hoffmann – auf die Männerbewegung gestoßen. Ich gehe davon aus, dass es – zunehmend – auch anderen so gehen wird. Schließlich wird die Situation bzw. die persönliche Benachteiligung für Männer immer unangenehmer, beispielsweise bei der sich zukünftig umfassend ausweitenden Frauenquote. Wenn seriöse, linke und/oder gemäßigte „Einstiegsmöglichkeiten“ in die Thematik fehlen und man den Raum nur politisch oder emotional Radikalen überlasst, dann schreckt man einen (Groß- ?) Teil ab und bestätigt die Feministinnen und ihre männlichen Wasserträger in der Anti-Propaganda. Jeder hat seine Schwerpunkte – das ist und war auch in anderen politischen Bewegungen, auch Parteien, so: Die einen sind die Theoretiker und die anderen sind die „Macher“, die Praktiker. Beides hat seine Berechtigung: Es ist bedauerlich, dass die jeweils andere Verhaltensform von manchen abgewertet wird. Ich stimme zu, dass zu Zeit das konkret handlungsorientierte Verhalten, also auch die außenwirksame „Aktion“, vernachlässigt wird, ein männliches „Femen“ würde beispielsweise möglicherweise mehr bringen, als hunderte von Blogbeiträgen. Ich z.B. bin nicht bereit, mich in die konkrete Aktion zu stürzen und Flugblätter zu verteilen oder an Demonstrationen teilzunehmen oder gar etwas rechtlich Unzulässiges zu machen. Und ich gehe davon aus, dass das viel anderen auch so geht, auch vielen Blogbetreibern. Das ist vielleicht aus der Sicht mancher nicht effektiv, aber besser als nichts! [KlausT]

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  14. Das Probleme mit Bloggen, Twitter und Co werden nicht die Massen erreicht um in die „Öffentlichkeit“ zu kommen, das macht der Feminismus eindeutig besser. Und solange sich dafür keiner „hergibt“, die Aufgabe wahrnimmt, wird weiter im „dunkel“ gemunkelt. Würden sich Scheidungsväter am nächsten Scheidungsgericht anketten und in den Hungerstreik gehen, dann würde das Thema „Scheidungsrecht“ eine Öffentlichkeit bekommen, das gleiche beim Thema Bildung, Terrorismus, Gewalt gegen Männer, Gesundheitsvorsorge etc…
    Aber Man(n) traut sich nicht… und solange wird der Bereich „Öffentlichkeit“ kampflos den Feministinnen überlassen…
    chris

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  15. Die Links-Rechts Schemata sind eher störend.

    Und bei Bevormundung oder gar diskriminierender Gesetzgebung geben sich links und rechts eh dann die Hand. Und der Feminismus ist hier eine Art Chameleon, dass durch (etwas vereinfachend Schablonenhaft) seine Opfer- und Sündenbockideologie eher dem linken Spektrum und durch seine chauvinistische Rollenzuschreibungen eher dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Und ja, er wird uns, egal was wir Männer machen, nicht in Ruhe lassen. Genauso wie eine stets projezierende Missbrauchstäterin in einer familiären Gewaltbeziehung. Das ist ja genau deren Natur und Basis.

    Ansonsten sehe ich das eher integrativ, un-ideologisch. D.h. ich würde mir das auch so wünschen. Die Männerrechtsbewegung fußt doch auf keiner Ideologie, sondern im Gegenteil (das wird immer als Antipode zum Feminismus hingestellt, ist aber m.E. grundfalsch) auf einer Notwendigkeit. Und genau das ist eigentlich doch auch ein Vorteil.

    Es sollte Raum für alle geben. Und es sollte auch Raum für Äußerungen über mittlerweile mehr als berechtigten Ärger geben, ohne dass das gleich als Misogynie gedeutet wird. Dies sollte immer auch sofort deutlich gemacht werden.

    Das eigentliche Thema ist ja ein sich etablierender und bereits in weiten Teilen etablierter gesellschaftlicher Missbrauch in Richtung Männer und Jungen und damit auch in Richtung aller Mann-Frau, Mann-Kind und Vater-Kind Beziehungen. Es geht dabei tatsächlich um Misandrie, offenbar und mittlerweile seit Boko Haram für jeden auch offenkundig auch in schweren dehumanisierenden Formen.

    Im feministischen Umfeld lässt sich darüber hinaus über dämonisierende Demagogie („Big Lies“) und alarmistischen Propagandaunterstellungen Status erlangen und (viel) Geld verdienen, d.h. es geht auch immer um Korruption, die teilweise sehr schwerwiegend bis hin zu GG-aushöhlend sein kann und auch ist. Und das alles funktioniert offenbar nur so gut, weil wir es auch mit mittlerweile ideologischen Medien zu tun haben, denen nicht mehr das Vertrauen zugestanden werden sollte, das sie einst inne hatten – desgleichen alle anderen Institutionen, insbesondere auch die Universitäten. Und das nicht nur in feministisch-ideologischer Hinsicht.

    Auch das sind längst keine einfachen links-rechts Schemata mehr.

    Die gerade beendete erste Internationale Männerrechtskonferenz in Detroit (oder wie Farrell es dort geäußert hat und gern genannt haben möchte „Männerthemen“ anstelle von Männerrechten) hat auch sehr deutlich gemacht, dass Frauen mit integriert sind und sich auch gut aufgehoben fühlen. D.h. es geht eben nicht ausschließlich um Männer, obwohl es auch so ist, dass Männer zu sich finden müssen, auch und gerade ohne Frauen, um dann geben zu können (ist eigentlich in jeder Beziehung so und von daher nichts Neues).

    Das ist ja alles nach vorn ausgerichtet. So etwas sollte auch vermehrt zu kommuniziert werden.

    Hierzulande ist das fast gänzliche Fehlen der sich auch nach außen selbst darstellenden Mitwirkung von Frauen, bis auf wenige mutige und sehr zu würdigende Ausnahmen (denen man vielleicht auch einmal eine Würdigung aussprechen sollte), ein Manko.

    Und auch ich bin froh, dass es Leute wie Hoffmann, Schmidt und natürlich auch Schoppe gibt. Und da sind ja noch einige mehr, wie z.B. bei den Blogparaden zu sehen war, deren Beiträge auch schätzenswert sind. Und auch dann, wenn man nicht immer gleicher Meinung ist. Das bereichert doch nur das Spektrum.

    Man sollte sich auch nicht von Schmähungen abschrecken lassen. Die kommen sofort, auch dann wenn eine berechtigte Forderung im vorauseilenden Gehorsam sehr sanft und ggf. maximal linkskompatibel in den Raum gestellt wird, da sie als sofort abweichend vom liebgewonnenen Stigmas von sich selbst als gut bzw. moralisch höher und offenbar eigentlich sich auch sonst wertvoller definierenden Menschen wahrgenommen wird.

    Antwort

  16. Ich bin ganz derselben Meinung wie Klaus T, dass es wenig Sinn hat, die einen gegen die anderen auszuspielen. Das verkennt auch die Situation. Ich versuche das einmal an Erfahrungen von Vätern zu beschreiben:

    Ich kenne Väter, die vorsichtig, umsichtig und rücksichtsvoll agiert haben und die nun mit Nichts dastehen, außer Schulden, vielleicht nicht mal mehr ihre Kinder sehen können – und ich kenne Väter, die viel massiver, fordernder und auch aggressiver aufgetreten sind, mit ähnlichem Resultat.

    Es gehört zur Absurdität der Situation, dass das Gefühl vermittelt wird, es gäbe RICHTIGE Lösungen, die man nur eben gerade leider nicht gewählt hat – während die Situation doch eigentlich durch das Bemühen geprägt ist, solche Lösungen auszuschließen.

    Das lässt sich m.E. auf Männerrechtler insgesamt übertragen. Ob man konziliant und diplomatisch agiert oder deutlich fordernd – man wird immer die Erfahrung machen, dass man damit gegen Wände läuft. Daher ist es wenig sinnvoll, sich gegenseitige Vorwürfe zu machen.

    Ausnahme: Iditotische, brachiale Beschimpfungen von Frauen, Feministinnen oder anderen, die dabei als „Feinde“ begriffen werden. Oder politisch völlig unsinnige Forderungen. Damit ist überhaupt nichts zu gewinnen, und das wäre es auch nicht in einer günstigeren Situation.

    Ich halte die kleine Öffentlichkeit, die durch das Bloggen entsteht, schon für sehr wichtig – und sei es nur, weil einzelne dadurch wissen können, dass sie nicht völlig isoliert sind – und weil es Plattformen für die gemeinsame Entwicklung von Gedanken gibt. Insbesondere Alles Evolution hat hier eine sehr große Bedeutung, daher teile ich das negative Urteil (@ männerstreik) auch gar nicht.

    Ich vermisse aber ebenfalls Versuche, eine Öffentlichkeit außerhalb des Internets herzustellen – ich erinnere mich z.B. ungern an den schwachen Besuch von Väteraufbruchs-Demos.

    Ich glaube aber auch, dass das zum Teil eine Geduldsfrage ist. Die Konferenz in Detroit kann nach meiner Einschätzung dabei sehr hilfreich sein – so etwas ist ein wirklich wichtiger Schritt. Nach meiner Einschätzung in der Langzeitwirkung deutlich wichtiger als angekettete Väter.

    Antwort

  17. @man.in.th.middle28. Juni 2014 10:26:
    Es ist vollkommen Ihre Sache, Herrn Danisch zu glauben, aber sein Blogbeitrag ist gelinde gesagt tendenziös. Er war offenbar nicht nur auf einer anderen Veranstaltung, sondern scheints auf einem anderen Planeten als ich und 140 andere, die bei Kimmel waren. Dieser referierte über „The White Wing“, ein Kapitel seines Buches, und töricht ist, wer denkt, er habe Nazis mit „den (amerikanischen) Männern“ gleichsetzen wollen.

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