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Von MINT-Girls und gebrauchten Jungen – Der Girls‘ Day und der Boys‘ Day

Junge und Mädchen am Boden vor Computer
geschrieben von: Lucas Schoppe
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VW ist für ein sehr gutes Programm beim „Zukunftstag für Mädchen und Jungen“ bekannt, und vor einiger Zeit fanden sich in meiner Klasse einige Schüler, die sehr interessiert daran waren. Unglücklicherweise waren alle Interessierten Jungen, und VW bestand darauf, das Programm ausschließlich Mädchen anzubieten. Da unter den Mädchen aber niemand etwas von VW wissen wollte, verfielen die Angebote, und wir mussten den interessierten männlichen Kindern erklären, dass sie für das Angebot leider eine ungünstige Geschlechtszugehörigkeit mitbrächten.

Das ist dann aber auch schon eine meiner wenigen seltsamen Erfahrungen als Lehrer mit dem Girls‘ Day, der an Schulen in Deutschland seit 2001 einmal im Jahr begangen wird – Mädchen haben hier einen Tag schulfrei, um Berufe im MINT-Bereich, also in der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kennenzulernen.

In Niedersachsen, wo ich unterrichte, gibt es stattdessen seit einigen Jahren den oben erwähnten Zukunftstag für Mädchen und Jungen“:

„Am Zukunftstag werden getrennte Angebote für Mädchen und Jungen vorgehalten, die es ihnen ermöglichen sollen, Einblicke in verschiedene Berufe zu erhalten, die geeignet sind, das immer noch stark geschlechtsspezifisch geprägte Spektrum möglicher Berufe zu erweitern.“
Das ist fast immer unspektakulär – für viele einfach ein Tag, an dem sie schulfrei haben, an dem sie Eltern oder Onkel oder Tanten in deren Berufe begleiten und bei dem sie selbst nicht so genau wissen, warum sie das nicht ebenso gut in den Ferien erledigen können.
Junge und Mädchen
Pädagogisch eine äußerst fragwürdige Situation, weil hier offenkundig kein Gedanke an die Geschlechtergerechtigkeit des Unterrichtsarrangements verwendet wurde. Beim Girls‘ Day und Boys‘ Day gehen Jungen und Mädchen dann endlich in verschiedene Richtungen und arbeiten an ihren jeweiligen Defiziten (Mädchen: Selbstbewusstsein; Jungen: soziale Kompetenzen). Oder so.
Mir erschien der Girls‘ Day lange Zeit als Skurrilität, die sich überlebt hat. Seit 2011 wird sie vom Boys‘ Day begleitet, der wiederum dem Projekt „Neue Wege für Jungs“ entsprang.
Oftmals passen traditionelle Männlichkeitsvorstellungen nicht mehr zu modernen Partnerschafts- und Familienmodellen und zu den Anforderungen des Arbeitsmarkts.“

Das ist die Diagnose, die das Neue-Wege-Projekt in seiner Selbstbeschreibung stellt, und es macht damit auch seine Zielrichtung deutlich: Während es beim Girls‘ Day darum geht, Mädchen zu ermutigen und traditionelles Verhalten zu erweitern, geht es bei Jungen eher darum, „(männliche) Rollenbilder“ in Frage zu stellen.

Hier aber werden die Projekte dann eben doch interessant, weil sie viel darüber aussagen, wie sich die Verantwortlichen Jungen und Mädchen vorstellen – und wie sie sich eine Erziehung vorstellen, bei der die Geschlechtszugehörigkeit im Mittelpunkt steht.

Mädchen entwickeln sich. Jungen werden gebraucht. Das Heft planet-beruf.de.Mein Start in die Ausbildung wird von der Bundesagentur für Arbeit herausgegeben und richtet sich an ältere Schüler vor dem Schulabschluss. Die letzte Jahresausgabe ist wie schon im Vorjahr vom einen Ende aus gelesen eine für Mädchen – MINT for you – und von der anderen Seite aufgeschlagen eine für Jungen – SOZIAL for you. In der Heftmitte treffen sich dann Leserinnen und Leser zu einem Quiz, bei dem sie entweder „Sozial sein und gewinnen“ oder überprüfen können, ob sie ein „MINT-Girl“ sind.

Vorher wird den Mädchen dann die Arbeit in technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen nahegelegt – am Beispiel von Melitta Bentz, die den Kaffeefilter erfunden hat (S. 4), oder am Beispiel von Jessica, die eine Ausbildung als Elektronikerin macht und deren Eltern nun froh sind, dass ihre Tochter „den Fön oder das Bügeleisen reparieren kann“ (8), oder am Beispiel der Anlagenmechanikerin in Ausbildung Ramona, der es schon früher Spaß gemacht habe, „bei Reperaturen in Haus und Garten zu helfen“ (10), oder auch ganz einfach am Beispiel eines Glases Orangesaft, bei dem die Leserinnen sich einmal vorstellen sollen, wie der Saft denn eigentlich in die Packung gekommen sei.

Ein komisch-skurriles Bemühen, Mädchen die MINT-Fächer im Rückgriff auf Tätigkeiten im Haushalt zu erklären – als ob die Klischees, die überwunden werden sollen, vorher unbedingt noch einmal genossen werden müssten.

Natürlich bleiben auch die obligatorischen Ermutigungen nicht aus:

„Mir gefällt auch, dass ich den typischen Vorurteilen entgegenwirke, dass doch Mädchen nicht in so einem Beruf arbeiten“,
sagt Jessica, und die Feinwerkmechanikern Tina stellt klar:
„Die vielen männlichen Kollegen sind kein Grund, sich abschrecken zu lassen. Ich denke mir dann einfach: ‚Ich zeig’s ihnen!‘“ (13)
Allgemein gilt natürlich:
„Oft unterschätzen Mädchen ihre Kenntnisse in den MINT-Fächern – sie sind besser, als sie denken!“ (5)
Bei Jungen ist diese Ermutigung selbstverständlich nicht nötig, dort wird an „Verantwortung“ appelliert. Mehrmals stellt die Broschüre klar, dass Jungen und Männer in sozialen Berufen dringend benötigt würden: Erzieher würden „extrem gesucht“ (13), in der Pflege würden Fachkräfte „dringend benötigt“ (5), der soziale Bereich biete „Jungs gute Aufstiegschancen“ (12) – ohne allerdings zu erwähnen, dass solche Aufstiege in der Regel bei Gehältern enden, bei denen andere, in einigen MINT-Berufen zum Beispiel, noch nicht einmal über einen Berufseinstieg nachdenken würden.
„Häufig fehlen in den Familien die männlichen Vorbilder, da sind Jungs auf alle Fälle erwünscht.“ (9)

Das stimmt, aber dabei wird auch deutlich, dass die demonstrative Parallelität Girls‘ Day–Boys‘ Day nur scheinbar ist.

In sozialen Berufen, als Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter zum Beispiel, sind Jungen und Männer tatsächlich enorm wichtig und werden dringend benötigt – schließlich erleben viele Kinder und Jugendliche in Familien und Institutionen weitgehend oder gar ausschließlich weibliche Erwachsene, und ein stabiler vertrauenswürdiger Kontakt zu Männern ist für sie von zentraler Bedeutung.

Ähnliche Gründe dafür, dass in MINT-Berufen Mädchen oder Frauen arbeiten sollten, gibt es allerdings kaum – hier werden Fachkräfte unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit gebraucht. Die Orthopädietechnik-Mechanikerin Nora erzählt davon, dass „sich viele Kundinnen orthopädietechnische Hilfsmittel lieber von einer Frau anpassen“ ließen (2) – aber abgesehen davon wird beim Girls‘ Day nirgendwo klar, warum Computer, Heizungen oder Werkstoffe dringend auf eine Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich angewiesen wären.

Das ist schon für sich ein wesentlicher Unterschied: Während Jungen in soziale Berufe gehen sollen, weil sie dort von anderen gebraucht werden, sollen Mädchen in MINT-Berufe gehen, um ihre eigenen Möglichkeiten zu vergrößern.

Wer genau ist hier eigentlich privilegiert? Spätestens hier wird auch der vordergründig so sehr um Ausgewogenheit bemühte Zukunftstag von einem klassischen Problem der „geschlechterbewussten Pädagogik“ erwischt: von dem Problem nämlich, dass diese Form der Pädagogik notorisch und zuverlässig eben die Geschlechterklischees produziert, die zu überwinden sie vorgibt. Jungen sollen sich auf dem Erwerbsmarkt gerade so orientieren, wie Männer – und übrigens auch nicht-bürgerliche Frauen – dort ohnehin schon seit eh und je ihre Entscheidungen treffen: Sie sollen überprüfen, wo sie gebraucht werden, und sie sollen sich dort zur Verfügung stellen.

Für Mädchen hingegen wiederholt die Kampagne das Missverständnis der Erwerbsarbeit, das frauenpolitische Diskussionen spätestens seit de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ prägt – das Missverständnis nämlich, es ginge im Erwerbsleben vor allem darum, eigene Möglichkeiten zu vergrößern und eigene Potenziale zu verwirklichen.

Wer aber diese fixe Idee propagiert, die übrigens nur im Kontext äußerst privilegierter Arbeitsverhältnisse entstehen konnte, der trägt eben dazu bei, dass Mädchen sich NICHT in MINT-Berufe orientieren. Wenn es nämlich nicht so wichtig ist, mit einem guten Verdienst zu kalkulieren, und wenn es wichtiger ist, eigene Potenziale zu entfalten, dann werden weiterhin viele Mädchen und junge Frauen in soziale Berufe strömen – oder in die Medien – oder auch in künstlerische Berufe.

Das eben ist ein wesentliches Manko des Prospekts, der doch einen „Start in die Ausbildung“ verspricht: Er tut so, als ginge es bei der Erwerbsarbeit eigentlich gar nicht um den Erwerb. Damit aber kann er dann insbesondere die Jungen nicht ansprechen.

Denn tatsächlich – das ist gerade wieder in größeren Studien deutlich geworden – erwarten sehr viele junge Frauen ja weiterhin von ihren potenziellen Partnern ein so gutes Verdienst, dass es dazu reicht, ihnen ein Leben ohne Vollzeit-Beruf zu erlauben. Nach meiner persönlichen Erfahrung als Lehrer tun sie das sogar mit deutlich steigender Tendenz – sollte das verallgemeinert werden können, dann liegt das möglicherweise daran, dass die frauenpolitische Idealisierung der Erwerbsarbeit außerhalb ihrer medialen Wiederholungsschleifen mittlerweile einem eher nüchternen, realistischen Bild gewichen ist.

Das bedeutet aber auch, dass viele Mädchen dem eigenen Verdienst einen deutlich geringeren Stellenwert einräumen müssen als viele Jungen: Sie müssen sich in aller Regel deutlich weniger auf die Rolle des Allein- oder Hauptverdieners vorbereiten und stärker darauf, etwas zum Familieneinkommen dazu zu verdienen.

Daher ist es nicht nur herablassend, sondern auch einfach pragmatisch unsinnig, wenn Jungen suggeriert wird, sie hätten im sozialen Bereich ebenso etwas nachzuholen wie die Mädchen im MINT-Bereich – also ob in beiden Bereichen annähernd gleich bezahlt würde.

Pädagogik wäre viel einfacher, wenn nur die Kinder nicht wären Dass wiederum in sozialen Berufen die Bezahlung meist schlecht ist, hat wohl durchaus mit einem relativ hohen Frauenanteil zu tun. Frauenpolitikerinnen entwerfen an dieser Stelle oft ein Bild, als würden böse alte Männer heimlich das Marktgeschehen steuern und dafür sorgen, dass in Frauenberufen weniger verdient wird. Wenn aber Frauen tatsächlich weniger Wert auf eine gute Bezahlung der eigenen Arbeit legen müssen als Männer, dann steuern sie eben selbst ausbildungsintensive Berufe auch dann an, wenn diese Berufe relativ schlecht bezahlt sind.

Da so ein relativ stabiles Angebot an Arbeitskräften gesichert ist, entfällt die Notwendigkeit, die Berufe über höhere Löhne attraktiver zu machen. Der Druck für höhere Löhne fehlt – und er fehlt deshalb, weil viele Frauen ohne den Druck eines sehr guten Verdienstes ihre Berufswahl treffen können.

Eben dieser Druck aber ist für viele junge Männer deutlich größer.

Die gutgemeinte Zukunftstag-Kampagne ignoriert daher gerade die Kalküle, die Jungen und Mädchen anstellen und anstellen müssen, wenn sie Berufe wählen. Vor allem ignoriert sie die Zusammenhänge zwischen familiärer Position und Berufswahl.

Diese Zusammenhänge sind den Jugendlichen wiederum ganz selbstverständlich deutlich – schließlich erleben sie, dass Männer in der Kindessorge fehlen, sie erleben, dass Väter auf die Rolle der finanziellen Versorger reduziert sind, und sie erleben auch, wie ungleich die familiären Positionen von Frauen und Männern sind in einer Gesellschaft, die sich angeblich um Gleichberechtigung bemüht.

Wer über die Änderung sozialer Bedingungen etwas an der unterschiedlichen Position von Männern und Frauen in unterschiedlichen Berufsfeldern ändern möchte, sollte also zuallererst dafür sorgen, dass die familiären – und insbesondere: die rechtlichen – Positionen von Männern und Frauen gleichgewichtig sind. Wer das nicht will, muss sich die Rede von der „Gleichberechtigung“ sparen – in jeder Hinsicht. Bei Geschlechterallerlei hat der Blogger wiemanindenwald diese Zusammenhänge vor einiger Zeit klar herausgestellt.

Es wäre zudem hilfreich, wenn Ministerien in Zukunft davon absehen könnten, in regierungsamtlichen und steuermittelfinanzierten Programmen Männer pauschal als Gewalttäter zu präsentieren – dann wäre es vielleicht auch gar nicht mehr nötig, die Folgen dieser Misandrie durch weitere steuermittelfinanzierte Programme wieder aufzufangen.

Und selbst wenn  die sozialen und rechtlichen Bedingungen ausgeglichener wären, würden möglicherweise noch immer Unterschiede übrig bleiben – schließlich können sich auch biologische Unterschiede auf soziales Verhalten auswirken.

So ist denn der Zukunftstag mit seinem gutgemeintem Begleitmaterial vor allem ein Beispiel dafür, wie unangemessen eine Pädagogik ist, die Geschlechter naiv als Rollen begreift, die den Kindern vorgelebt und in die Kinder eingeführt würden – Rollen, die ebenso gut, bei entsprechenden und wohlgewählten anderen Vorbildern, auch geändert werden könnten.

Es ist eine Pädagogik, die ganz übersieht, dass Kinder und Jugendliche reale Erfahrungen machen, in einer realen Welt ihre Entscheidungen kalkulieren und dann auch real handeln müssen.

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27 Comments

  • „Mädchen entwickeln sich. Jungen werden gebraucht.“

    Denkst du dieses Bild wird bewusst erzeugt, also das den Jungen nach dem Willen von irgendeiner Stelle beigebracht werden soll, dass sie ihre Arbeitskraft für die Gesellschaft zur Verfügung stellen zu haben? Oder ist das eher ein „war so, ist so, bleibt so“?

  • Nach meiner Einschätzung ist es eher Resultat von Gedankenlosigkeit als bewusste Strategie.Vor allem ein Resultat der Tatsache, dass eine „kritische Betrachtung“ der „Geschlechterrollen“ traditionell von der Vorstellung ausgeht, die soziale Position von Frau sei zu ihrem Schaden und zum Nutzen der Männer gestaltet – während Männlichkeit gerade in pädagogischen Kontexten gedankenlos mit „Herrschaft“ identifiziert wird. Allenfalls wird einzelnen Jungen oder Männern einmal zugestanden, dass auch sie unter dem „Patrairchat“ leiden.

    Es ist nach meiner Erafhrung wirklich beunruhigend, wie selten in der akademischen Pädagogik die Geschlechtszugehörikeit von Menschen ohne solche blinden Unterstellungen männlicher Herrschaft thematisiert wird.

    Und das setzt sich eben in andere Institutionen fort – die Verantwortlichen für diese Schrift und für den „Zukunftstag“ kommen gar nicht auf die Idee, dass Jungen eine spezifische Förderung gebrauchen könnten. Es reicht, das von ihnen zu fordern, was schon immer von ihnen gefordert wurde.

    Dass eher Gedankenlosigkeit als Vorsatz dahinter steckt, ist dabei übrigens keine Entschuldigung – wären Kinder, männliche wie weibliche, wichtiger, dann könnte sich nämlich niemand diese Gedankenlosigkeit leisten.

    Ein anderes kleines Beispiel, dass dazu passt: In einer Zeit, in der Jungen weiträumig in massive schulische Schwierigkeiten geraten, beim Abitur stark unterrepräsentiert, in Förder- und Hauptschulen stark überrepräsentiert sind – in eben dieser Zeit geht der Deustche Schulpreis 2014 an eine Mädchenschule, die sich durch ihre Mädchenförderung im MINT-Bereich hervorgetan hat.

    Ein regelrecht verbissenes Bemühen darum, von der Routine nicht abweichen zu müssen, dass Mädchen – und nicht Jungen – diejenigen sind, die Förderung benötigen.

  • Mein Eindruck ist eher, dass wir es hier mit einem ziemlichen hohen Anteil an Korruption zu tun haben, die vor allem auch Einzelpersonen und Organisationen („Günstlingswirtschaft“) zugute kommt.

    Gerade aktuell auch dazu

    http://sciencefiles.org/2014/06/30/hausliche-gewalt-ist-weiblich-frauen-schlagen-ofter-zu/

    Gerade die Ministerien für Bildung, Forschung und Familie fallen hier sehr auf. Ich habe eigentlich nichts gegen Frauen in der Politik, dennoch entsteht hier der Eindruck, dass insbesondere diese in den letzten Jahren von Frauen geführten Ministerien offenbar ein hohes Maß an Korruption zu verzeichnen haben. Auch und insbesondere über ideologisierte Geschlechterpolitik.

    Erwähnenswert fände ich dabei auch den dabei bisher entstandenen und zukünftig wohl noch entstehenden volkswirtschaftliche Schaden, bedenkt man das diese Ministerien wesentliche volkswirtschaftliche stützende Aufgaben wahrzunehmen haben und dadurch auch gerechtfertigt sind, aber offenbar eher ideologisch fehlgeleitet korrupte „Günstlingswirtschaft“ mit Steuergeldern betreiben.

    Hier wird zu wenig Rechenschaft verlangt und abgelegt. Eine weitere Vermutung ist, dass sich die dort ansässige Korruption mittlerweile auch auf andere Bereiche ausgeweitet hat, da hier offenbar ein Möglichkeit besteht auf höchster Ebene am Rechsstaat vorbei zu „wirtschaften“.

    Ich nehme das mittlerweile eher als etwas mit krimineller Energie wahr. Die Jungen sind als Diskriminierungsopfer wahrscheinlich nur die Spitze eines Eisbergs. Insofern ist es ähnlich der Entwicklung die in den USA zu beobachten ist. Es geht um Funding und zu rechtfertigende Schaffung von Ämtern und Posten für Günstlinge und aus machtpolitischen Gründen über Ideologie und fabrizierten „Realitäten“. Und das ist mittlerweile wohl das größte vernetzte Korruptionsgebilde was in unserem Land nach 45 errichtet wurde. Einige davon sitzen derzeit in der Groko Regierung.

    Auch fällt sehr auf, dass es sich in letzter Zeit häuft, dass Frauen in Ämtern und in der Politik offenbar nicht das Vertrauen verdienen, dass man ihnen gegeben hat. Und diese letzte Aussage einfach als misogynistisch abzutun wäre zu einfach. Hier hat sich tatsächlich im Zuge eines offenbar korrumpierenden feministischen Einflusses ein sehr ungute Entwicklung in Gang gesetzt.

    Hier bedarf es vermehrter öffentlicher Transparenz, Rechtfertigung und Kontrolle, insbesondere im Hinblick auf ideologisch geleitetes Handeln und damit zusammenhängender Korruption. Das sind öffentliche und keine privaten Institutionen.

  • Ihre Einschätzung würde demnach beinhalten, dass feministische Fabulation inzwischen zum vorurteilsstiftenden Gemeinplatz geworden ist. Eine Einschätzung, die ich mit Ihnen teile. Demzufolge wäre Gedankenlosigkeit und Bauchgefühl auch als eine wissenschaftliche Kategorie anzuerkennen. Zumindest gelten diese Eigenschaften aus feministischer Perspektive als weibliche Fähigkeiten.

    Ich assoziiere damit Renaissance, als der Hexenhammer verfasst wurde. Damals basierte Logik ebenso auf Annahme, Gefühl und Phantasterei. Es ging um in sich geschlossene Systeme, in Fortsetzung der bis dahin gewohnten Weltbilder. Das ganze nannte man dann Magie und Zauberei. Und es waren wirksame Systeme.
    Gruß M.M.

  • Macht korrumpiert, egal ob Weibchen oder Männchen. Es wäre interessant mal alle Quellen zu bündeln und eine Art Landkarte zu zeichnen, wer in welchem Netzwerk/Block/etc. „verbandelt“ ist und wie das zweifelsohne vorhandene Zusammenspiel von Politik/Press/Öffentlichkeits-(arbeit) funktioniert. So nimmt „Initiative Pro Quote“ ja bereits Einfluss auf Medien und deren Unabhängigkeit (oder wie soll ich es bewerten, wenn Chefredakteurinnen alle in einem Netzwerk organisiert sind? Ist dann Pressfreiheit gegeben oder geht das eher auf eine (schon mal dagewesene „Gleichschaltung“ der Medien raus. Nicht gleichgeschaltet Medien werden ja öffentlich angeprangert „Zeitung so und so hat noch keine unserer Redakteurinnen auf dem Chefposten“ ;o) ). Ich denk wenn so eine Grafik über das Beziehungsgeflecht, die damit verbunden Korruption vorliegen würde, den Schlandbewohnern würde schlecht werden…. Ähnlichkeit mit historischen…. sind rein zufällig und … ;o)
    chris

  • @Lucas und @MM (hoffentlich geht mein Beitrag nicht wieder flöten, deshalb diesmal zwei Teile)

    Das fortwährend kontrafaktische Bemühen um die Kompensation von Nachteilen, die Mädchen nicht haben, während die (ich nenne es inzwischen offen so) Diskriminierung von Jungen verdrängt wird kann nur funktionieren, wenn man die empirische Realität als Kontrolle und Maßstab aus seinem Denken und Weltbild ausschließt.

    Wer auf dem Boden der empirischen Realität argumentiert, kann was zur Zeit abläuft nur als „Projekt Gegenaufklärung“ begreifen – als Schleifung von Vernunft, Logik und Humanität.
    Das geht über „Filterbubble“ weit hinaus und nimmt in den USA m.E. schon pathologische Formen an.

    Lucas schreibt: „Wenn es nämlich nicht so wichtig ist, mit einem guten Verdienst zu kalkulieren, und wenn es wichtiger ist, eigene Potenziale zu entfalten, dann werden weiterhin viele Mädchen und junge Frauen in soziale Berufe strömen – oder in die Medien – oder auch in künstlerische Berufe.“

    Dazu dreierlei:
    1. Wie ich in meinem damaligen Blog schrieb, stellte eine Professorin 2011 zu ihrem Entsetzen fest, die bei ihr studierenden jungen Frauen hätten sich noch NIE vorher Gedanken über eine Gehaltsvorstellung gemacht.

    Wie ernsthaft wird dann wohl die verkündete Bereitschaft zum finanziellen „burden sharing“ in einer späteren Partnerschaft und Familie gemeint sein?
    Wie ernst nehmen diese jungen Frauen das Thema „Verantwortung“ für sich selbst und andere eigentlich wirklich?

    Das Problem von Studien, die die Ansprüche von jungen Frauen an eine zukünftige Partnerschaft untersuchen ist m.E., es werden solche „Fangfragen“ in Bezug auf ihre wirkliche PRAXIS gar nicht erst gestellt.

    Es wird den Frauen rundweg das abgekauft, was sie an sozial akzeptierter Sicht auf sich selbst von sich geben und diese Sicht wird als Anspruch an Männer 1:1 weitergegeben.

    Die jungen Männer leben in dem falschen Bewusstsein, es erwarte sie eine moderne Partnerschaft, in der auch sie eine gute Balance zwischen Erwerbsarbeit und Familie finden können.
    Und wachen dann mit zwei von mir beispielhaft herausgesuchten Frauentypen auf:

    a. Krankenschwester. Durchschnittliche Ausbildungszeit: 3,5 Jahre. Durchschnittlicher Verbleib in der Erwerbsarbeit: 3 (drei) Jahre.

    b. Lehrerin, West. Durchschnittliche Abwesenheit von der Erwerbsarbeit bei 2 Kindern: 17,5 Jahre.

    DAS ist die empirische Realität!!!
    Merke: Feminismus ist die Theorie, Absentismus ist die Praxis.

    Es läuft damit alles auf Vollzeit, Vollzeit, Vollzeit für den Mann heraus und alle Wahlmöglichkeiten der Lebensführung für die Frau.
    Wobei natürlich die „modernen“ Ansprüche an den Mann trotzdem noch auf seinen Packen aufgeladen wird.

  • Teil 2

    2. Das Projekt „Selbstverwirklichung für bürgerliche Frauen“ = „Erweitere deine individuellen Potenziale und scheiß auf den ökonomischen Nutzen, denn dafür sorgt ein Mann!“ scheitert an seinen eigenen Realisierungsmöglichkeiten.
    Dieses Ideal war historisch für eine kleine Schicht von Frauen vorgesehen und niemand konnte mit 1,2 Millionen studierender Frauen rechnen, als dieses Programm formuliert wurde.

    Irgendwer muss den Mut aufbringen den Frauen zu erzählen, sie studieren an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes vorbei.
    Das endet sonst in einem gesellschaftlichen Desaster.

    3. Stattdessen – statt nämlich verantwortlich zu handeln – haben die Scharlatane im Jungenbericht des Familienministeriums eine neue Methode gefunden den Wahnsinn als realen Anspruch an Männer zu verkaufen.

    Die Jungen müssten nunmehr eine neue gesellschaftliche, weibliche geprägte ELITE anerkennen: Tierärztinnen und Gender-Forscherinnen.
    Kein Scheiß.
    Die neue gesellschaftliche Elite in Deutschland wird aus Tierärztinnen und Absolventinnen der gender studies bestehen.
    Warum?
    Weil dort der Frauenanteil an den Studierenden besonders hoch ist.
    Das war es auch schon mit der Beweisführung.

    Merke: Wenn die Wirklichkeit stört, musst du nicht die Wirklichkeit ändern, sondern die Wahrnehmung der Wirklichkeit.

    Schönen Gruß, crumar
    PS: Mitte Juli starte ich meinen eigenen Blog und hoffe sehr, ich habe genug Zeit für diesen.

  • a. Krankenschwester. Durchschnittliche Ausbildungszeit: 3,5 Jahre. Durchschnittlicher Verbleib in der Erwerbsarbeit: 3 (drei) Jahre.

    b. Lehrerin, West. Durchschnittliche Abwesenheit von der Erwerbsarbeit bei 2 Kindern: 17,5 Jahre.

    Woher hast du diese Zahlen?

  • @ crumar „Feminismus ist die Theorie, Absentismus ist die Praxis.“ Irrational, aber folgerichtig. Wer die Gesellschaft wesentlich als eine eigentlich inhumane Herrschaft beschreibt, als Patriarchat, als durchdringende „heterosexuelle Matrix“etc.pp, dann ist die eigentlich humane Optien, sich gesellschaftlichen Anforderungen so weit wie möglich zu entziehen.

    Natürlich ist das eine behelfsmäßige Legitimation eines Agierens, das seinerseits ein sehr bedenkenloses Herrschaftsverhalten ist – darauf kalkulierend, dass andere sich Zwängen unterwerfen, damit man selbst von diesen Zwängen frei sein kann.

    Der Druck, der entfaltet wird, um eine offene Kritik an der institutionellen Unterstützung dieses Agierens zu unterbinden, verrät insgeheim möglicherweise schon das Wissen um die Irrationalität und Unhaltbarkeit einer solchen Ideologie. In einer offenen Diskussion wären feministische Basisannahmen und ihre Institutionalisierungen nicht zu verteidigen.

    „Mitte Juli starte ich meinen eigenen Blog“ Das freut mich sehr!

    Lieben Gruß!

  • „Frauenpolitikerinnen entwerfen an dieser Stelle oft ein Bild, als würden böse alte Männer heimlich das Marktgeschehen steuern und dafür sorgen, dass in Frauenberufen weniger verdient wird.“

    Dieses Bild wird gerne und immer wieder auch zur Begründung von frauenfördernden Maßnahmen bei Gesetzgebungsverfahren gezeichnet. Ich halte neben der o. g. Ursache jedoch einen weiteren Grund für ausschlaggebend: der soziale Bereich mit Kranken- und Altenpflege, Schule, Sozialarbeit etc. erzeugen schlicht Kosten, meistens für die Algemeinheit, während in Industrie, Handwerk und Handel Gewinne erwirtschaftet werden können.

    Der Wunsch z. B. der öffentlichen Haushalte Kosten zu reduzieren sorgt dann zuverlässig für entsprechende Gehaltsunterschiede. Da braucht es gar keine Verschwörung der bösen, alten Männer.

    Die passen nur besser in das geschlossene, feministische Weltbild.

    hinnerk-k

  • In pflegerischen Berufen ist die Produktivität, anders als bei fertigungstechnischen Berufen kaum zu steigern. Dieser Fakt macht es im sozialen Sektor schwer, mehr oder vermeintlich angemessen zu bezahlen. Erhöht sich die Produktivität nicht, wird das Produkt Pflege etc. bei höherem Entgelt nur teurer.

  • Crumar
    “ Mitte Juli starte ich meinen eigenen Blog und hoffe sehr, ich habe genug Zeit für diesen.“

    Hänge das bitte rechtzeitig an die große Glocke, damit ich Deinen Blog dann auch mitbekomme, es wäre zu schade, ihn zu verpassen.

    Zweitens schließe ich mich der Frage von Matze an: Welche Quelle hast Du für diese Zahlen?

    Eine Überlegung habe ich noch: Das Projekt Selbstverwirklichung ist eigentlich kein rein weibliches. Dieses Versprechen gilt zunächst für alle und die Universitäten sind mit ihrer Offenheit die Institution der Wahlfreiheit nach dem Motto: Mache das, was Dich interessiert! Dies wird auch Männern so suggeriert, aber die Rechnungslegung erfolgt ja dann etliche Jahre später. Die Wahl der Studienfächer ist zunächst einmal frei für alle und gelenkt vom Versprechen der Selbstverwirklichung.

    Einige Leute, auch Frauen, studieren dann Dinge wegen der Nützlichkeit für die eigene Karriere: Jura etwa oder BWL. Viele werden ansonsten schlicht ihren nicht weiter hinterfragten Neigungen folgen und erst nach Abschluss erkennen, dass dieser nicht zum Arbeitsmarkt passt.

    Meine Kollegin, die Soziologin, hockt dann mit mir zusammen beim Amt ^^
    Womöglich ist dann auch der Ingenieur in die Falle getappt. Der kann gar nicht mehr anders als Vollzeit arbeiten. VErmutlich schon deswegen, weil Ingenieure nun einmal nicht Teilzeit arbeiten. Oder man in der Industrie nie Teilzeit macht. Er bekommt zwar einen Job, aber er landet in der Tretmühle der Vollzeitarbeit.

  • „PS: Mitte Juli starte ich meinen eigenen Blog …“

    War längst fällig, wenn ich das mal so sagen darf, wir sind schon alle sehr gespannt! Wäre schon interessant, wenn Du Deine vielen Einzelkommentare zu einer Gesamtdarstellung Deines Standpunkts integrieren würdest.

  • @ crumar

    „Wer auf dem Boden der empirischen Realität argumentiert, kann was zur Zeit abläuft nur als „Projekt Gegenaufklärung“ begreifen – als Schleifung von Vernunft, Logik und Humanität.“

    Ihr Beitrag ist im Großen und Ganzen hervorragend. Lediglich der vorstehend von mir zitierte Satz bezeugt ein (Noch?)-Verhaftetsein in den Denkschablonen der Gesellschaftsmatrix. Ein Projekt „Gegenaufklärung“ mit gesellschaftlich-politischer Relevanz findet in dieser Gesellschaft eben gerade nicht statt. Vielmehr ist die „Aufklärung“ in ihr Endstadium getreten und reisst die westliche Welt mit sich in den Abgrund. Das Projekt „Aufklärung“ hat sich schlichtweg totgelaufen.

    Das, was Sie betreiben, könnte man als „Gegen-Aufklärung“ bezeichnen: den Versuch, dem Wahnsinn des „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ mit gesundem Menschenverstand zu begegnen.

    Grüsse,
    Paul Filter

  • @alle in Sachen Quellen, mit Kommentaren von mir

    1. Erwerbsarbeit Krankenschwester: Kramer, Helgard 1988, S.54: Der Androzentrismus in der Qualifikationsdebatte. Institut Frau und Gesellschaft, Frauenforschung 4/1988
    zitiert nach Creydt, Meinhard Zur Kritik feministischer Wirklichkeitskonstruktionen. In: Hintergrund 1/2001

    Link hier: http://www.glasnost.de/autoren/creydt/femi.html
    Diesen Text lege ich jedem hier ans Herz! Ist ein Marxist mit Ausprägung kritische Theorie – man braucht seine politische Einstellung nicht zu teilen, um trotzdem davon zu profitieren.

    2. Elite: BMFSJ, Bericht des Beirats Jungenpolitik, Jungen und ihre Lebenswelten, 2013, S.187

    Das Kapitel 14 „Schule und demografischer Wandel“ ist schlappe 14 Seiten lang und sehr, sehr erhellend.

    3. Erwerbsunterbrechung Lehrerin im Vergleich Ost/West: Verblüffenderweise ist der Link aktuell tot und ich kann euch als Alternative im Moment nur anbieten:

    BMFSJ, Die Bedeutung des Berufs für die Dauer von Erwerbsunterbrechungen, 2009, S.40

    Dort ist allerdings für die Gymnasiallehrerin nur eine Erwerbsunterbrechung von 157,4 Monaten = 13,1 Jahre ausgewiesen, weil eben darauf verzichtet wurde, nach Ost/West zu differenzieren und auch die Kinderzahl nicht berücksichtigt worden ist.
    Der spannende Punkt an meiner ursprünglichen Quelle ist, die Ost-Lehrerin hat nur eine HALB so hohe Erwerbsunterbrechung!

    Aber auch aus dieser Quelle lassen sich einige weitere Informationen ziehen, wie z.B. auf Seite 10 in der Fußnote, dass 50% der Friseurinnen nach einer Erwerbsunterbrechung gar nicht mehr in das Erwerbsleben zurückkehren.

    Morgen suche ich noch einmal nach der eigentlichen Quelle und reiche die dann nach!

    Schönen Gruß an euch und ich freue mich sehr über das einheitliche positive feedback zu meiner Ankündigung in Sachen Blog – hoffentlich schaffe ich es, euren Erwartungen gerecht zu werden!

    crumar

  • Heißt denn „steigende Produktivität“ nicht einfach stärkere Nachfrage nach dem „Produkt“, in diesem Fall eben der Pflege? Da immer mehr Alte gepflegt werden müssen, könnte dies durchaus als „Steigerung der Produktivität“ gelten.
    Aber der Sozialsektor folgt eben wg. staatlicher Obhut nicht ausschließlich dem Marktgeschehen. Und wenn doch, heißt das eben, dass Oma in ein Pflegeheim in Tschechien geht, wo der Euro mehr wert ist und eine Deutsch sprechende Vietnamesin bereitsteht. Es heißt nicht, dass die hiesige Altenpflegerin besser bezahlt würde.
    Insofern ist dann auch Schoppes Argument zu widersprechen, dass der Druck des Marktes der Krankenschwester, Pflegerin etc. ein höheres Einkommen bescheren würde – wenn er denn „da“ wäre.
    Er ist da – nur ist zuwenig Geld im Topf.

  • @Matthias und @Anonym

    Im Gegensatz zu den Orakeln a la „uns geht die Arbeit aus!“ ist die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland eben nicht zurückgegangen.
    Und das liegt m.E. an den von Matthias genanntem Grund, den ich hier verallgemeinern möchte: eben weil a. inzwischen immer mehr Menschen in Dienstleistungsberufen arbeiten, die b. schwer zu rationalisieren sind.

    Die jährlichen prozentualen Produktivitätssteigerungen in der Industrie sind im Dienstleistungssektor nicht machbar.
    Ich kann einem Lehrer mehr Kinder in der Klasse aufdrücken oder die Zahl seiner Unterrichtsstunden erhöhen – dass er jährlich in einer Unterrichtsstunde das gleiche Wissen in 3% weniger Zeit vermittelt, ist unwahrscheinlich.
    Um von den pflegerischen Berufen einmal wegzukommen…

    Natürlich existiert in D kein „Druck des Marktes“ und deshalb sind die Einkommen in diesem Sektor vergleichsweise gering – in den USA verdient z.B. eine Anästhesieschwester bis zu 160.000 Dollar im Jahr.
    Nur schafft das eben Verhältnisse (bzw. setzt diese voraus) , in denen die Kosten, die im Krankheitsfall anfallen eine Familie in den Abgrund an Verschuldung führt.
    Von daher ist hier „zu wenig Geld im Topf“ für die Krankenschwester – andererseits muss irgendwer das Geld in den Topf werfen.

    Oder anders herum: es müssen genügend andere, profitable Sektoren der Wirtschaft dieses „mehr“ ermöglichen.
    Und das ist eine politische Frage.

    Gruß, crumar

  • PS: Mitte Juli starte ich meinen eigenen Blog und hoffe sehr, ich habe genug Zeit für diesen.

    Sehr gut. Ich bin schon jetzt gespannt auf Deine Beiträge.

  • Zufälligerweise berichtet Sciencefile aktuell über den Zusammenhang von Produktivität, Lohnfindung und weiblicher Berufswahl. Her der Link
    @ Anonym: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Produktivität und Nachfrage. Produktivität ist bei manuellen Tätigkeiten nur begrenzt steigerbar.

  • Hallo Crumar,

    danke für die Quellen. Insbesondere der Text von Creydt ist interessant, zumal der ein Autor ist, der mir auch schon in Fachpublikationen über den Weg gelaufen ist. Kennst Du noch mehr solcher Texte? Wir hatten unlängst bei Allesevolution eine Debatte über sozialwissenschaftliche Kritik am Feminismus und Creydt wäre ja ein weiterer Kandidat dafür. Ansonsten ist es auch mir schwergefallen, Kritiker ausfindig zu machen.

  • Hi Lomi,
    ein weiterer, sehr guter Text von ihm ist: „FRAUEN ALS MORALISCHE SIEGER“ Zur Kritik feministischer Idealisierungen ›weiblicher‹ Zwischenmenschlichkeit“.
    http://www.trend.infopartisan.net/trd1102/t041102.html

    Als kritisch gegenüber dem Feminismus galt Niklas Luhmann; seinen Artikel von 1988: „Frauen, Männer und George Spencer Brown“
    findest du hier: http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/viewFile/2641/2178 – gelesen habe ich ihn allerdings nicht.

    Weitere Kritiker – außer den ohnehin bekannten – kenne ich ebenfalls nicht.
    Ich werde auf meinem Blog eine Literaturliste einstellen und bitte dann um Ergänzung von dir!

    Schönen Gruß, crumar

  • Hallo Crumar,

    danke! Ich werde mich mal bemühen, weitere Kritiker zu finden, schon auch deswegen, weil so oft behauptet wird, es gäbe sie nicht.

    Luhmann kann interessant sein. Seine Systemtheorie ist jedenfalls denkbar ungeeignet für einen Feminismus. Ohnehin bürstet er gerne quer und ist ein Gegner von Habermas, insofern auch kein Freund großer Moralisierungen.

  • @crumar (anstelle von Einzellantworten). Interessante und lesenswerte Einwürfe hast du geschrieben. Aber auch die Antworten waren nicht ohne.Ich persönlich denke, dass man manches erst selbst durchmachen muss, bevor man erfühlen kann, welche intrinsischen Faktoren mitverantwortlich dafür sind, was wir wie mitempfinden können.

    Aktuell war ja der Männerkongress 2014, in dem es u.a. auch um die Befindlichkeiten von Vätern, dem Mann an sich und speziell (wohl) auch um die Jungs ging. Nebst ihren Sorgen und Nöten und, ich nenne es mal so: Nötigungen!

    Dr. Albert Wunsch war als Zuhörer anwesend und hat für „Archeviva.de“ mal seine persönlichen Eindrücke strukturell und je Redner zusammengefasst. Ich habe diese Strukturen (aka Teilüberschriften) wiederum kumuliert und war erschrocken über die Subsummierungen. Wen es interessiert, hier die Zusammenfassung von mir:

    http://emannzer.wordpress.com/2014/09/30/schoner-entmannen/

    In dieser (und das meine ich nicht als Eigenlob) Konzentriertheit ist es ein virtueller Schlag in die Magengrube.

    Viele Grüße @All und ich hoffe, crumar ist wieder genesen.
    Daher ein herzlicher an ihn von mir.

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