Warren Farrells Top Ten und die Champions League des Sexismus (Monatsrückblick Juni 2014)

Natürlich musste die Formulierung mit einem Fragezeichen versehen werden:
„Eine internationale Konferenz über die Rechte von Männern?“ (An international conference on men’s rights?)
Unter diesem Titel berichtete der amerikanische Sender msnbc über die Konferenz, die am Ende des Monats in Detroit stattfand – die erste International Men’s Issues Conference.

Aber Rechte? Welche spezifischen Rechte brauchen denn Männer?

Die msnbc-Sendung ist ein Beispiel dafür, mit welchem Befremden das Thema Männerrechte noch immer in Mainstream-Medien wahrgenommen wird. „Mansplaining“ stand als Untertitel fast die gesamte Zeit unter dem Bericht und dem folgenden Gespräch, als ob das ein neutraler, unverfänglicher Begriff wäre.

Zwei Frauen, Alex Wagner als Moderatorin und die feministische Komödiantin Lizz Winstead als Gast, debattierten aufgeregt über die Konferenz, räumten vorsichtig und beiläufig ein, dass manche Themen ja ganz interessant hätten sein können, dass insgesamt aber die Beteiligten natürlich weit über das Ziel hinausgeschossen hätten.

„Nicht ganz ohne Komik“, kommentiert Arne Hoffmann  die Szene, die deutlich macht, wie extrem unterschiedlich die Sensibilitäten im Hinblick auf spezifische Frauen- und spezifische Männerthemen sind: Noch jedem gedankenlosen, klischeebesoffen Redakteur wäre klar, dass es recht lächerlich aussähe, wenn zwei Männer sich aufgeregt und von oben herab über eine Konferenz zu Frauenthemen ausließen und wieder und wieder engstirnige Bewertungen der beteiligten Referentinnen abgäben.

Wagner und Winstead aber haben ganz offenkundig überhaupt keinen Sinn dafür, wie nahe an der Lächerlichkeit ihr Arrangement gebaut ist, in dem sie sich über Männerrechte (?) erregen. Auch für sie sind Geschlechterthemen selbstverständlich Frauenthemen – und, ganz wichtig: Man spricht über Männerrechtler, aber nicht mit ihnen.
Männerrechtler reden über die große Bedeutung beider Eltern für Kinder – über Kommunikation zwischen Männern und Frauen – über die notwendige psychologische Betreuung für Soldaten – über die sehr hohe Zahl der Jungenselbstmorde.
Wir hingegen reden übers Ficken.“
Geschlechterbewusste junge Menschen demonstrieren in Dallas gewohnt herrschaftskritisch gegen die Konferenz zu Problemen von Männern und Jungen.
Das aber war nur eine von vielen Reaktionen. Der konservative Sender FOX berichtete durchaus angetan von der Konferenz und machte deutlich, wie unangemessen die Vorwürfe, die harten Proteste und Drohungen dagegen waren.  Die große amerikanische Tageszeitung USA Today schrieb sogar:
„Doch obwohl die spezifischen Themen interessant waren, war doch der Aspekt der Veranstaltung, der mich am meisten berührte, der greifbare Mangel an aller Anspannung zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen auf dieser Konferenz zogen offenkundig an einem Strang, gehörten zum selben Team – und das auf eine Weise, die in diesen Zeiten der Geschlechtertrennung beinahe überraschend ist.“ (1)
Das war eben gerade der Akkord, mit dem der wohl profilierteste Redner der ganzen Veranstaltung seine Rede beendete: Warren Farrell sagte vor dem herzlichen, begeisterten Schlussapplaus zu seinem Beitrag:
„Wir brauchen keine Frauenbewegung, die Männer beschuldigt – wir brauchen keine Männerbewegung, die entweder furchtsam agiert oder Frauen beschuldigt (…) Dies ist nicht die Zeit für eine Männerrechtsbewegung oder eine Frauenrechtsbewegung, sondern für eine Bewegung zur Liberalisierung der Geschlechterrollen (gender liberation movement), weg von den rigiden Rollen der Vergangenheit hin zu flexibleren in der Zukunft.“ (2)

Auch das Erstaunen solcher Kommentatorinnen wie Wagner und Winnfield angesichts der Rede von Männerrechten (?) nahm Farrell schon vorweg: Wenn Männer ohnehin als Herrscher gelten würden, dann sei jemand, der für Männerrechte eintritt, wie jemand, der für die Bürgerrechte von Königen kämpft. „It‘s like asking for kings‘ rights.“ (1:44)

Zehn wesentliche Themen, seine „Top Ten“ skizziert Farrell in seiner Rede – und diese Skizze eignet sich sehr gut dafür, die Themen des vergangenen Monats noch einmal zu betrachten.

Eines von zehn – Die Jungenkrise Das wichtigste Thema  sei die Jungenkrise (53:45), denn hier könne auch die Bedeutung von Männerrechten allgemein nachvollziehbar werden. Die Rede über die Belange, auch den Schmerz erwachsener Männer nämlich würden andere Männer tendenziell als Schwäche wahrnehmen, Frauen als Jammerei. Ginge es aber um Jungen, dann würden Schutzimpulse angesprochen, und eine empathische Reaktion würde möglich.

„Plötzlich spürt sie seinen Schmerz.“ („Suddenly she feels his pain.“ 58:24)

Ob Farrell hier tatsächlich recht hat, lässt sich allerdings bezweifeln: Als die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram Schulmädchen entführte, reagierte die westliche Öffentlichkeit mit einer großen internationalen Kampagne, ausführlich von allen Massenmedien begleitet: Bringbackourgirls. Dass Boko Haram zuvor in vielen Fällen gezielt Jagd auf Jungen gemacht hatte, dass Jungen getötet, abgeschlachtet, bei lebendigem Leibe verbrannt worden waren – das hatte dieselbe Weltöffentlichkeit nie interessiert.

Die gleiche Kälte gegen Kinder demonstrierte in Deutschland auch die Darmstädter Philosophieprofessorin Petra Gehring, die ein Weltgastrecht für Frauen und dabei ausdrücklich auch ein spezifisches Recht der Aufnahme von Mädchen – nicht: Jungen – forderte. Ihr entschlossen antihumanes Statement wurde in der Emma abgedruckt und dort als Beitrag zum Weltfrieden präsentiert.

Als Skandal wurde dieser Text außerhalb einer Reihe von Blogs nicht wahrgenommen – mit der Einschätzung, dass die Empathie mit Jungen im allgemeinen Bewusstsein größer sei als die mit Männern, liegt Farrell wohl falsch.

Zwei von zehn – Kinder brauchen beide Eltern Farrells zweites Thema, die Bedeutung beider Eltern für Kinder (59:20), wurde in diesem Monat fast wörtlich schon im Blog Geschlechterallerlei vorweggenommen:

„Mal ganz abgesehen davon, dass Kinder ein Recht auf ihren Vater haben und umgekehrt, bin ich der festen Überzeugung, dass ein Kind beide Elternteile braucht“,

schrieb dort die Bloggerin evilmichi. Ganz ähnlich stellte auch Farrell klar, dass es nicht allein um Rechte (rights) von Kindern ginge, sondern auch um basale, zentrale Bedürfnisse (needs), und er verwies auf Forschungsergebnisse, nach denen für Kinder auch nach einer Trennung ein guter, gleichmäßig verteilter Kontakt zu beiden Eltern dringend nötig sei.

Ein mutterfixiertes Kindschaftsrecht, insbesondere das in Deutschland, steht diesen needs natürlich entgegen. Das zeigt sich selbst in evilmichis Text: Sie schreibt,

„dass ich mich manchmal regelmäßig dafür verfluche, keines von diesen Weibsbildern keine von jenen Frauen zu sein, die den Vater einfach ‚entsorgen‘(…).“
Auch eine Frau also, die fest von der Bedeutung des Vaters für die Kinder überzeugt ist, spielt ganz selbstverständlich mit der Option, ihn weitgehend aus dem Leben der Kinder entfernen zu können – wenn sie diese Option auch bewusst ausschlägt.
Allein die faktische und rechtliche Möglichkeit des Vaterentzugs prägt offenkundig Beziehungen, und auch solche, in der die Mutter von dieser destruktiven Möglichkeit nicht Gebrauch macht. Das gilt natürlich auch für Männer: Der Druck, auch in als unerträglich empfundenen Beziehungen zu verharren, ist für Männer sehr groß, wenn sie den Kontakt zu ihren Kindern nicht ganz oder weitgehend verlieren möchten.
Das Problem des staatlich exerzierten Vaterentzugs ist nicht allein ein Problem der entsorgten Väter und ihrer Kinder, bei weitem nicht.
Schon im Mai trat in Deutschland übrigens das Gesetz zur vertraulichen Geburt in Kraft, das den Vater und seine Bedeutung für das Kind radikal ausblendet – betroffenen Vätern wird es damit völlig unmöglich gemacht, für ihr Kind sorgen zu können oder auch nur Informationen über ihr Kind zu erhalten.
Drei von zehn – Der Gender Pay Gap und die männliche Tragödie  Das automatisierte Verständnis des „Gender Pay Gaps“ als berufliche Diskriminierung der Frau lässt sich, so auch Farrell,  nicht halten. Erklären ließen sich Unterschiede nur, wenn männliche und weibliche Positionen im Arbeits- und Familienleben gemeinsam betrachtet würden. Der Königsweg zur hochbezahlten Arbeit nämlich sei es, viel Zeit außerhalb und fern von der Familie zu investieren. (1:05)

Männer würden in der Situation sein, sich die familiäre Nähe durch ihre Rolle als Versorger gleichsam zu erkaufen – eben diese Rolle würden sie aber nur in der Distanz zur Familie ausfüllen können. Als „männliche Tragödie“ hatte Farrell diesen Widerspruch schon in seinem bahnbrechenden Buch The Myth of Male Power bezeichnet.

Die Weigerung, Strukturen des Familien- und des Arbeitslebens im Zusammenhang zu betrachten, mündet regelmäßig in verkürzten Analysen der Situation. Ökonomisch in der Behauptung einer weiblichen „Lohndiskriminierung“, aber auch, beispielweise, pädagogisch: In den Schulen folgen der Girls‘ Day und der Boys‘ Day dem Glauben, Berufswahlentscheidungen von Jungen und Mädchen könnten beliebig modelliert werden, wenn beiden nur die richtigen Rollenvorbilder zur Verfügung stünden.

Vier von zehn – Kommunikation  Wer Kritik erfahre, so Farrell, würde grundsätzlich auf eine evolutionär eingeübte Weise reagieren: nämlich die Kritik als Angriff wahrnehmen, auf den ein Gegenangriff folgen müsse. So aber stünde unser genetisches Erbe im Widerspruch zu unserer Zukunft: Was einmal funktional für das Überleben gewesen sei, sei dysfunktional für das Leben in Beziehungen. (1:13)

Eben dieses Thema war im vergangenen Monat wiederholt Gegenstand engagierter Diskussionen. Elmar Diederichs setzte sich beispielweise mit einem Bericht Carla Otts über den internetbedingten „Niedergang der Kennenlernkultur“ auseinander, der sich von seinen eigenen Erfahrungen erheblich unterscheide.

In dem Kommentaren diskutierten Christian Schmidt und crumar dann kontrovers über die Bedeutung von Pick Up und damit auch über dass Verhältnis von Erbe und Zukunftsgestaltung:  Pick Up, so crumars Vorwurf kurz gefasst, wiederhole unreflektiert den klassischen Versuch, die Erwartungen von Frauen zu bedienen, und setze damit „unsere männliche Rolle in alle Ewigkeit“ fort, statt sie zu verändern und zu erweitern.

Ob es sinnvoll ist, die Geschlechterdebatte insgesamt als Beziehungsstreit zu interpretieren, war denn auch einer der meistdiskutierten Artikel bei Alles Evolution.

LoMi untersuchte auf seinem Blog Offene Flanke, wie sehr Geschlechterdebatten gerade durch gezielte Regelbrüche geprägt werden. Die „hohe Konfliktbereitschaft des Störers“ könne andere zum Rückzug bewegen, da sie sich davon erhoffen würden, den gestörten Frieden wieder herzustellen. Eben so hätten Männer auf feministische Forderungen reagiert – ohne dass sie damit die Situation jemals hätten befrieden können

Fünf von zehn – Seriöse Men’s Studies  150.000 Frauen würden jährlich Women’s Studies-Kurse belegen – wer in den Medien mit Geschlechterfragen beschäftigt sei, habe zu einem großen Teil einen Hintergrund in den Women’s Studies. Eine Folge davon sei, dass Geschlechterdebatten auf Fraueninteressen fixiert seien und Männerrechtler gegen eine gigantische Mauer (huge wall) anrennen müssten. (1:20)

Farrell berichtet aber auch von einem Gespräch mit dem Präsidenten einer Universität, der die Einrichtung von seriösen Men’s Studies durchaus begrüßte, die nicht allein feministische Klischees über Männer reproduzierten. Dieser Präsident wollte sich selbst jedoch niemals dafür stark machen: „Möchtest Du, dass ich gefeuert werde?“ (Have me fired?, 1:21:34)

Auch in Deutschland geraten Universitäten immer wieder mit seltsamen geschlechterpolitischen Einseitigkeiten in die Nachrichten, und dies noch weit über die Gender Studies – die de facto Women’s Studies sind – hinaus. Im Juni brachte sich wieder einmal die Berliner Humboldt-Universität ins Gerede.

Dort hatte sich der Top-Mathematiker Matthias Aschenbrenner auf eine Professur beworben, wurde auch auf dem ersten Platz der Bewerberliste platziert – und dann zog die Universität die Ausschreibung zurück. Die Stelle hatte, gefördert vom Professorinnenprogramm, allein mit einer Frau besetzt werden sollen. Die geschlechtsneutrale Ausschreibung war offenbar lediglich pro forma erfolgt, um sie nicht rechtswidrig werden zu lassen – mit der Folge, dass sich männliche Mathematiker reihenweise für die Besetzung der Stelle vorstellten, ohne zu wissen, dass sie nicht einmal eine basale Chance auf Erfolg hatten.
Von einer Veranstaltung an der Bochumer Universität berichtete zudem der Stadtfuchs. Die Professorin Ilse Lenz, als Betreuerin der Arbeit wesentlich mitverantwortlich für Hinrich Rosenbrocks berüchtigte Schrift bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung, führte dort in eine Diskussion zum Thema Maskulinismus und Antifeminismus ein.
Eine Diskussion, bei der kontroverse Meinungen oder gar Kritik an der Position von Lenz natürlich nicht gefragt waren:

„Wir führen hier keine Dialoge!“,

hielt die Diskussionsleiterin dem Stadtfuchs offen vor, bemerkenswert unbekümmert um die üblichen Gepflogenheiten demokratischer und akademischer Debattenkultur, die sie vermutlich ohnehin als Herrschaftsinstrumente weißer alter Männer interpretiert.

Sechs, sieben und neun von zehn – Der disposable male (männliche Schwangerschaftsverhütung, Gesundheitsbewusstsein und Fürsorge für Soldaten)  Mit seinem sechsten, siebten und neunten Aspekt führt Farrel noch einmal einen zentralen Aspekt seiner Arbeit an: den des disposable male – was mit „verfügbarerer Mann“ ebenso wie mit „Wegwerf-Mann“ zu übersetzen ist.

Er setzt sich für die Entwicklung einer Pille für den Mann ein (1:25), die gegen eine männliche Verfügbarkeit als Samenspender oder Zahlvater helfen kann – er plädiert dafür, das Gesundheitsbewusstsein von Männern (men’s health intelligence, 1:27) zu fördern – und er redet von Soldaten, die in den Einsatz geschickt und nach ihrer Rückkehr vergessen würden. Der Tod durch Selbstmord sei bei zurückgekehrten Soldaten fünfundzwanzig Mal so häufig wie zuvor der Tod im Kampfeinsatz.

Männer würden, so Farrell, als human doings geschätzt, nicht als human beings – für die Gesellschaft sei die männliche Disponibilität wichtig gewesen, für die Männer selbst aber destruktiv. Das gesellschaftliche Überleben sei lange darauf angewiesen gewesen, den Söhnen eine möglichst unbeschränkte Verfügbarkeit anzutrainieren (based on its ability to train its sons on being disposable, 1:27). Eine Folge davon sei, dass die Selbstmordrate von Jungen auf dem Weg zum Mann im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen massiv erhöht sei.

Schon in den massiven Protesten gegen die Konferenz zeigt sich die große Bedeutung des disposable male. Der Blogger virtual-cd führt die Proteste eben auf diese männliche Disponibilität zurück – denn werden Männer nicht mehr als verfügbar, nicht mehr als Wegwerf-Männer behandelt,

„dann wird eine randbewusste Grundlage unserer Zivilisation in Frage gestellt.“
Auffällig auch, dass die auf eine Ausweitung von Militäreinsätzen bezogene Forderung des Bundespräsidenten „für ein stärkeres Engagement Deutschlands im Ausland“ zwar vieldiskutierte Vorwürfe nach sich zog – dass es aber in diesen doch eigentlich so geschlechterbewussten Zeiten niemand für nötig hielt, darauf hinzuweisen, dass es fast ausschließlich junge Männer sind, die der pastorale Präsident gern öfter in Kriegseinsätzen sehen würde. Aus sicherer Entfernung, versteht sich.
Acht von zehn – White House Council on Boys and Men Farrells achter Punkt zieht eine politische Konsequenz: Er fordert ein White House Council on Boys and Men (1:34).

Wie wichtig es wäre, antisexistische Positionen auch in Deutschland zu institutionalisieren und dabei nicht allein auf frauenfeindlichen Sexismus fixiert zu sein, hat in diesem Monat wieder einmal die grüne Partie demonstriert. Sie gewann mit ihrem Frauenstatut souverän und unangefochten die Champions League des Sexismus und konnte mit dem eleganten Satz

„Benachteiligungen von Männern aufzeigen und beseitigen – dies ist nicht unser politischer Wille“

auch gleich noch den dritten Platz behaupten.

Konkurrenz bekam der grüne Sexismus allerdings vom Bundesforum Männer, das sich doch eigentlich für die Belange von Jungen und Männern stark machen sollte.  Stattdessen lud es den feministischen „Männerforscher“ Michael Kimmel nach Berlin, der über Männer ungefähr so forscht wie ein Virologe über Viren – als Bekämpfer einer Krankheit. Der Bundesforum-Vorsitzende Rosowski garnierte den Vortrag, so der Bericht dazu von Hadmut Danisch, mit höhnischen Vorwürfen gegen erfolglose Männer, die  „Verlierer“ unserer Gesellschaft seien.

Bei Alles Evolution kommentierte DJM überzeugend, dass sich in dieser Verachtung für Männer und Männerrechtler tatsächlich ein reaktionäres Geschlechterbild verberge:
„Immer wieder fällt mir bei diesen nämlich auf, dass sie keineswegs ‚lila Pudel‘ oder männliche Feministen sind, sondern im Grunde gerade ein (uneingestanden) starres, altes Männerbild haben, das sie von Männerrechtlern bedroht fühlen.“ 
Zehn  von zehn – Männerklischees Das katastrophale Männerbild Rosowskis, der doch eigentlich für die Vertretung der Interessen von Männern und Jungen bezahlt wird, hängt eng mit Farrells letztem Punkt seiner Top Ten zusammen.
Boys are stupid, throw rocks at them – er habe, so Farrell, kein Problem damit, dass es überhaupt jemanden gäbe, der so feindselige Sprüche mache. Er habe aber ein Problem damit, dass eine Industrie daraus entstanden sei. (1:42)
Das Problem sei eine allgemeine Atmosphäre, in der auch massive Feindseligkeiten gegen Jungen und Männer als normal oder gar gerechtfertigt akzeptiert würden.
„Wenn ich groß bin, werde ich meine Frau schlagen“ stand 2008 groß neben dem Bild eines Jungen auf Plakaten einer Kampagne in öffentlichen Verkehrsmitteln in Dallas
„Eines Tages wird mein Ehemann mich töten“ stand neben dem eines Mädchens.

Wäre der Junge schwarz gewesen, so Farrell, dann hätte jeder Betrachter sofort verstanden, dass hier rassistische Klischees bedient werden. Die sexistischen Klischees einer solchen Kampagne würden jedoch viele nicht wahrnehmen.

Das aber könne geändert werden.
Dass solche Änderungen nicht plötzlich, sondern nur schrittweise erfolgen, zeigte sich auch an der öffentlichen Darstellung der Konferenz – bei der übrigens nicht allein Farrells Rede wichtig war.
Sehr lohnend ist beispielweise die furiose Auseinandersetzung Karen Straughans mit dem Feminismus der ersten Welle – auch damals schon sei es nicht um Gleichberechtigung gegangen, sondern um die Etablierung und Verteidigung von Vorrechten.

Das von Feministinnen beschriebene Patriarchat, so eine naheliegende Schlussfolgerung aus Straughans Vortrag, hat es nie gegeben. Warum auch hätten die Männer es so ungünstig, wie es für sie ist, einrichten sollen, wenn sie wirklich die umfassende Herrschaft gehabt hätten? Die Frage stellte sich jedenfalls in einer der für mich  interessantesten Diskussionen des Monats bei Alles Evolution.

Jessica Roy berichtete für das große TIME-Magazin von der Konferenz und kam zu einem zwiespältigen, aber auch typischen Schluss, der Offenheit für die angesprochenen Probleme mit der Reproduktion von Klischees kombinierte.

„Es gibt Männer da draußen (…), für die ein Erfolg dieser Bewegung sehr wichtig wäre. Die Paranoia und Giftigkeit der Anführer der Bewegung kann ihnen dabei unmöglich helfen.“ (3)
Dass dieses Statement bei aller Klischeehaftigkeit ein reales Problem anspricht, räumt auch Arne Hoffmann in einem Kommentar ein:
„Auch in der deutschen Männerbewegung beißen sich Appelle an mehr Menschlichkeit immer wieder mit Ausfällen, die genau dieses Ziel konterkarieren.“ 
Möglicherweise gibt es bald eine Möglichkeit, das auch im deutschen Sprachraum breit, und persönlich, zu diskutieren: Bei Geschlechterallerlei schlägt wiemanindenwald ein ideologisch offenes Bar-Camp in Wien oder München vor.
Die Zeitangaben zu Farrells Beitrag beziehen sich auf die verlinkte Video-Version seines Vortrags.´
Die Vorträge von der ersten International Men’s Issues Conference in Dallas sind allesamt als Videos verfügbar. Die des ersten Tags (von der kanadischen Senatorin Anne Cools, von der Begründerin der Frauenhausbewegung Erin Pizzey, von der Psychotherapeutin Tara Palmentier, vom britischen Politker Mike Buchanan und vielen anderen) und die des zweiten Tags (unter anderem von Warren Farrell und Karen Straughan).
Ich habe im Text alle englischen Zitate ins Deutsche übersetzt und sie in der Regel als englischsprachiges Originalzitat in Klammern hinzugefügt. Hier sind drei längere Zitate im Original, die ich aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht in den Text eingefügt hatte:

(1) But although the specifics were interesting, the thing that struck me most about the gathering was the palpable lack of gender tension. Men and women at this conference seemed to be on the same page, and the same team, in a way that seems almost surprising in these gender-divided times.

(2) We don’t need a women’s movement blaiming men, we don’t need a mens movement either fearful or blaming women  (…) That’s not the time for a men’s rights movement or a women’s rights movement, it’s the time for a gender liberation movement from the rigid roles in the past to more flexible roles in the future.

(3) There are men out there, like DeLuca and Brendan Rex, who have a real stake in the movement’s success. The paranoia and vitriol of its leaders can’t possibly do anything for them.

  1. @ Max Danke dafür! Ich hab natürlich nicht den Anspruch, alles Wichtige verlinkt zu haben, und bin dankbar dafür, wenn jemand noch gute Links in den Kommentaren hinzufügt.

    Ich bin übrigens gerade dabei, einen Text zu schreiben, der mit Farrells sechstem Punkt in Zusammenhang steht – über Männer und ihre schwache Position, wenn es um „reproductive rights“ (also Entscheidungsrechte im Hinblick auf Fortpflanzung und Abtreibung) geht.

    Wir hatten einmal kurz über die Möglichkeit eines Crossover-Artikels in unseren Blogs gesprochen, der dann aber daran gescheitert ist, dass ich ein wenig in der Berufsarbeit ersoffen bin. Hättest Du daran noch Interesse? Ich kann mir vorstellen, dass der Text dafür gut geeignet wäre.

    Antwort

  2. Jetzt füge ich selbst noch einen Link hinzu – ein Interview, das ich gerade erst gelesen habe. Das Kuckucksvater-Interview in der Welt.

    Ich finde es sehr gut, ein Interview in einer überregionalen Zeitung zu dem Thema zu finden – auch wenn es ein sehr bedrückendes Thema ist. Auch dafür danke!

    Antwort

  3. familyplace.org ist ja goldig! Aber um solche Werbung muss man sich erst kümmern, wenn alle die Plakate mit leicht bekleideten Frauen verschwunden sind, denn die fördern nämlich schädliche Stereotype. Bei Letzterem kann man noch sagen Frauen sind schön und begehrenswert, aber bei dem anderen fällt mir keine positive Deutung ein.

    Man kann der Seite zugute halten, das sie unter Anzeichen eines gewalttätigen Partners nicht immer von ihm als Täter spricht und auch Männer als Opfer in deren Statistiken auftauchen (6%). Trotzdem vermittelt die Werbung den Eindruck, das es für Frauen eigentlich zu riskant ist eine Beziehung mit einem Mann einzugehen. Wie bei den M&Ms.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man den Frauen dort einen Vorwurf machen kann. Wer in einem Frauenhaus arbeitet und immer mit Frauen zu tun hat, die irgendwie Gewalt durch ihren, meist männlichen, Partner erlebt haben, kann natürlich schnell zu dem Schluß kommen, das es den meisten Frauen so ergeht. Es ist irgendwie so wie in den Nachrichten: In Land XY ist eine Bombe explodiert. Viele viele Tote. Und in Land YZ ist gestern alles ganz friedlich gewesen. Das eine hört man täglich, das andere eigentlich nie.

    Antwort

  4. @Schoppe

    „reproductive rights“ ist ein tolles Thema für einen Crossover-Artikel und natürlich habe ich weiterhin Interesse.

    Dass „die Welt“ so ein ausführliches Interview mit mir zum Vaterschaftstest ab Geburt führte, ist erstaunlich und erfreulich zugleich. Es gibt in den Massenmedien immer mehr die Bereitschaft, Journalisten solche heißen Eisen (Männerthemen) zu lassen. Und es kündigen sich auch schon die nächsten Berichte an.
    Das ganze begann mit dem Artikel „Nur ein Vaterschaftstest bietet Sicherheit“, den ich im Schweizer Mamablog veröffentlichen durfte.
    Dann kam eine Journalistin von 20min aus der Schweiz, die Auslandskorrespondentin für Österreich / Schweiz von „die Welt“ etc. etc.

    In Bezug auf Männer-, Jungen und auch Kinderrechte besteht solch ein erheblicher Mißstand, dass es noch genügend „Neu-Futter“ für die Medien geben wird, über die sie teils sogar erstmalig berichten können. Aus den anfänglichen Tröpfchen ist inzwischen ein Rinnsal geworden, mal sehen, wann es zum Bächlein wird.

    Antwort

  5. „für ein stärkeres Engagement Deutschlands im Ausland“

    Die Botschaft an deutschen Schulen lautet: Gewalt ist kein taugliches Mittel der Konfliktlösung. Staatlich verordnete Opferbereitschaft bzgl. „Demokratieverteidigung“, die noch immer in der zwecks Frontstellung erfolgenden Musterung von allein jungen Männern ihren Ausdruck findet, kommuniziert parallel dazu genau das Gegenteil.

    DeMaiziere versuchte noch als amtierender Verteidigungsminister während eines Vortrages (Thema: „Armee der Einheit – Der Beitrag der Bundeswehr zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“) an der Humboldt-Uni Personal zu werben. Was passierte?
    „Krieg dem Krieg! Nie wieder Deutschland“. Andere Studenten durchbrechen die Reihe an Bodyguards vor de Maizière und stellen sich auf der Bühne tot. Mit roten Farbspritzern auf den T-Shirts. Zu welchem Zeitpunkt der Minister dann genau entschieden hat, dass er es sinnlos findet, hier zu bleiben, weiß nur er selbst. „Das hat keinen Zweck“, sagt er aber irgendwann. Er habe diskutieren wollen, aber die Studenten hätten das verhindert.“

    Jetzt hingegen genügt genau EINE weibliche Selbstdarstellerin des politischen Establishments an der Spitze der Truppe, um aus dieser ein „sympathisches, familienfreundliches Unternehmen“ zu formen? Sieh an. Am weiblichen Wesen soll eben die Welt genesen. Die Studenten der Humboldt werden der „familienfreundlichen Unternehmerin“ von der Leyen sicherlich mit Begeisterung lauschen. Die Medien scheinen zumindest schon mal dahingehend zu „berichten“.

    Zudem habe ich mir mal den „Spass“ gemacht, mich für die Veranstaltung „Strategien gegen Sexismus“ des „Forums Politik und Gesellschaft, Abteilung Politischer Dialog“ der Friedrich-Ebert-Stiftung anzumelden – und zwar als Vertreter der Initiative „Equal Age Day – struktureller Sexismus und Lebenserwartung“. Mein Interesse galt der tatsächlichen Dialogbereitschaft der FES. Die Reaktion – geschrieben natürlich von einer weiblichen Mitarbeiterin, denn auch in dieser Institution sitzen mehrheitlich Frauen – fiel einmal mehr exemplarisch aus:

    „Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Veranstaltung. Das Format richtet sich jedoch ausschließlich an Frauen, weshalb ich Ihnen Ihre Teilnahme leider nicht bestätigen kann. Hierfür bitte ich um ihr Verständnis.

    Herzliche Grüße“

    Heißt: die Abteilung 'Politischer Dialog' der FES verwehrt „herzlich“ grüßend und aufgrund des Geschlechts die Teilnahme an einer Veranstaltung zum Thema Sexismus (drängen in Geschlechternormen).

    Insofern, Mann gebe sich keinen Illusionen bzgl. Gesprächsbereitschaft hin.

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  6. Tja so sind Sie eben, in einer Veranstaltung gegen Sexismus wird genau der selbige zelebriert… was natürlich kein Sexismus ist, der geht ja nur von Männern aus ;o)…
    Wie wäre es mit einem offenen Brief an ein paar Zeitungen?
    chris

    Antwort

  7. Das ist traurige Realsatire. – Und ich habe dieser Partei mal angehört!

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  8. P.S. Die FES ist eine zur SPD gehörende Stiftung.

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