Männerechtsbewegung

Von Versteinerungen und der Angst vorm Tanzen – Zu Robert Claus‘ „Maskulismus“

Bild zeigt Filmcover
geschrieben von: Lucas Schoppe
Robert Claus‘ Text Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass, den er gerade für die SPD-nahe Friedrich Ebert Stiftung veröffentlicht hat, ist ein Kunstwerk. Wie in vielen literarischen Werken ist auch hier der ganze Inhalt eigentlich schon in den ersten Zeilen enthalten – so dass der aufmerksame Leser sich den Rest eigentlich sparen könnte.
Ich habe trotzdem alles gelesen.
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Leider nur zweite Wahl bei der Suche nach einem Umschlagtitel für Robert Claus‘ Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass. Gezeigt wird vermutlich ein Bild des Autors, der geistesgegenwärtig und unerschrocken in eine geschlechterpolitische Debatte mit sog. „Männerrechtlern“ (im Hintergrund) eingreift.
„Mit dem ‚Maskulismus‘ trat in den vergangenen Jahren ein ebenso widersprüchlicher wie gefährlicher Akteur in die geschlechterpolitische Diskussion. Teile der sich formierenden Bewegung schrecken nicht davor zurück, Adresslisten anonymer Frauenhäuser zu veröffentlichen oder die Morde des Anders Behring Breivik in Norwegen als widerständige Tat ‚gegen Feminismus und ‚Multikulti’ zu preisen. Zugleich versuchen sie, Werte wie ‚Gleichberechtigung‘ und ‚Geschlechtergerechtigkeit‘ für sich als ‚männliche Opfer‘ zu beanspruchen.“ (S. 13)

So beginnt die Schrift. Nachdem wir schon durch den Titel auf „Frauenhass“ vorbereitet wurden und verstanden haben, dass jeder Anschein von Salonfähigkeit der Maskulisten nur trügerisch sein kann, wissen wir nun auch um die Gefährlichkeit des Untersuchungsgegenstandes. Für die Behauptung, dass die Adressen von Frauenhäusern veröffentlicht wurden, könnte der Autor sogar Belege liefern, wenn er nur nach ihnen gesucht hätte.

Wenn er jedoch durch die Anführungszeichen den Eindruck erweckt, seine Behauptung der Maskulisten-Sympathie für den Massenmörder Breivik durch ein direktes Zitat zu stützen, bleibt einiges offen – wen er hier zitiert, und von wo, und ob er hier überhaupt zitiert, lässt er im Dunkeln.

Für eine wissenschaftliche oder journalistische Arbeit wäre das angesichts der schweren Beschuldigung natürlich desaströs, in einem literarischen Werk aber ist diese bewusst gesetzte Leerstelle geschickt eingesetztes Instrument des Spannungsaufbaus.

Wenn der Autor dann davon spricht, dass „sie“ versuchen, Gleichberechtigung (in Anführungszeichen) auch für sich als männliche Opfer (in Anführungszeichen) zu beanspruchen, dann kann sich dieses „sie“ schon grammatikalisch allein auf die „Teile“ der „Bewegung“ beziehen, die auch Breiviks Massenmorde begrüßen. Und damit ist die wesentliche These des Textes denn auch schon formuliert, das wesentliche Motiv etabliert, um das die folgenden Seiten dann kreisen und das wieder und wieder variiert wird:

Wer tatsächlich von männlichen Opfern redet und Gleichberechtigung (bitte die Anführungszeichen jeweils unbedingt mitdenken) tatsächlich für alle Menschen fordert, der findet es auch toll, wenn ein rechtsradikaler Killer 77 Menschen ermordet und die meisten der Ermordeten Jugendliche sind.

Bei einem solch schrecklichen Verbrechen verbietet sich natürlich die allzu unbeeindruckte Frage, worin denn nun eigentlich genau der Zusammenhang zwischen Forderungen nach Gleichberechtigung und der Sympathie für einen Massenmord an Jugendlichen besteht. Auch die FES fragt dies natürlich nicht, die parteinahe SPD-Stiftung, die übrigens – anders als der Begriff „Stiftung“ es eben nahelegt – nicht mit privatem Geld, sondern mit Steuergeldern arbeitet.

Stattdessen veröffentlicht sie Claus‘ Text als wissenschaftliche Arbeit im „Forum Politik und Gesellschaft“ und verdirbt damit jedes Lesevergnügen – denn wenn der Text nicht als literarisches, souverän die Klischees von Geschlechterdebatten persiflierendes Kunstwerk, sondern als ernstzunehmende Studie gelesen wird, ist er erstaunlich skrupellos, unseriös und unerträglich.
Aber ich habe ihn ja, wie schon erwähnt, trotzdem gelesen – und fand ihn am Ende dann doch wieder sehr interessant. Aber wohl auf eine Weise, die sein Autor nicht beabsichtigt hat.

„Die haben Angst.“ Sehr schnell und umfassend waren die Reaktionen auf diesen Text. Wolle Pelz fragte im Hinblick auf die traditionellen Nazi-Unterstellungen an Männerechtler:

„Was wäre der Feminismus wohl, wenn man ihm diese Waffe nehmen würde?“

LoMi formulierte darauf eine Antwort  und hatte schon zuvor, resigniert angesichts des FES-Textes, geseufzt:

„Wir können also noch so gepflegt, sachlich und argumentativ schreiben, am Ende sind wir für Leute wie den Autor eben doch nur stumpf emanzipationsfeindliche Alt-Machos.“

Tom hatte den akademischen Hintergrund des Verfassers ins Spiel gebracht:

„Es ist bezeichnend, dass es für einen Magister der Gender Studies unvorstellbar ist, dass es Kritikpunkte am Feminismus gibt, die nicht auf Frauenhass basieren.“

Martin Domig hatte, überzeugend, festgestellt:

„Die haben Angst. Vor dem Verlust der Deutungshoheit. Davor, dass sich irgendjemand mit einem moderaten Maskulinisten unterhalten könnte, ohne zuvor korrekt gebrieft worden zu sein.“

Andreas Kraußer hatte ganz ähnlich formuliert:

„Im Grunde spricht hier die Angst aus der FES, das Monopol der rein feministischen Geschlechterpolitik könne ins Wanken geraten.“

Elmar Diederichs war pessimistischer:

„Wir haben keine Ahnung davon, wie man die Öffentlichkeit dazu bringt, sich für uns und Männerrechte, Männlichkeit oder Männerinteressen zu interessieren.“ 

Elitemedium wiederum zog das völlig zutreffende – aber beschämende – Fazit:
„Der Autor stellt entweder Behauptungen völlig ohne Begründung in den Raum oder er zitiert aus anderen früheren Studien über Maskulismus. Es ist für mich nicht erkennbar, wie der Autor eigene Erkenntnisse über den Maskulismus gesammelt und gewonnen haben will.“ 
Und Arne Hoffmann hatte klargestellt, dass er
„nicht die geringste Lust habe, mit einer Zusammenfassung und Analyse von diesem Quatsch meine Zeit zu vergeuden“ ,

dann aber am Beispiel des Massakers von Srebrenica – das ein Genderzid an Männern war – die humanistischen Ziele der Männerrechtsbewegung dargestellt, die Claus für die SPD-Stiftung so frohgemut und massiv diskreditiert. Hoffmann zitiert dabei übrigens aus seinem ausführlichen, wichtigen und umfassend recherchierten Plädoyer für eine linke Männerpolitik – das von Claus an keiner Stelle erwähnt wird. Es ist ja auch erst ein halbes Jahr alt und konnte daher natürlich nicht mehr berücksichtigt werden.

All dies sind Zitate aus Analysen eines einzigen Tages – die mit dem Blick auf die Diskussion bei Alles Evolution noch wesentlich ergänzt werden könnten.

Dass die Reaktion so schnell, so umfassend und so klar war, hat wohl zwei Gründe. Einerseits bietet der Text von Claus nichts Neues, spult altvertraute Diffamierungen ab, und sein Untersuchungssample ist im Wesentlichen vier Jahre alt (S. 101) – so dass die Reaktion darauf schnell erfolgen kann.

Andererseits hat sich in den Jahren seit der Zeit, die Claus vertraut ist, im Internet eine kleine Öffentlichkeit feminismuskritischer Blogger und Kommentatoren gebildet, die der Autor zwar fast völlig ignoriert oder schlicht nicht kennt, die aber gegen Positionen wie seine schon lange eine Fülle von schlüssigen Argumenten entwickelt hat.

Von herrschenden Männern, reinen Frauen –  und der völlig überschätzten Tätigkeit des Lesens Die Position von Claus wiederum ist schnell skizziert:

Wie man zwischen den Zeilen liest, ohne die Zeilen zu kennen Claus verweigert alle inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen der Männerrechtsbewegung, spricht ihr alle Berechtigung ab und nimmt sie lediglich strategisch wahr.
Er stellt fest, dass Maskulisten vorwiegend in Internet agieren und „in ihrer Außenwirkung sowie ihrer Mobilisierungskraft zu öffentlichen Kundgebungen stark beschränkt“ seien (33), weigert sich aber, überhaupt von einer „Männerrechtsbewegung“ zu schreiben –
„um die von der Bewegung intendierte positive Konnotation des ‚Kämpfens für Rechte‘ nicht zu verstärken.“ (18)
Er bezieht sich weitgehend auf das radikale Forum „wgvdl“ – dazu gibt es eine sehr nützliche Aufstellung von man.in.th.middle in den Kommentaren zu Christians „Selbermach-Samstag“  – und ignoriert fast alle anderen männerrechtlichen Texte. Wenn er sich denn doch einmal auf gedruckte Texte oder gar Bücher (!) bezieht, so wie auf Arne Hoffmanns Männerbeben (70; 83), dann sind seine Bezüge isoliert, radikal verkürzt und tendenziös – es ist offensichtlich, dass er die Texte kaum kennt.
Er schreibt dann über den von Hoffmann und anderen vertretenen linken Maskulismus:
„Jenseits der Frage, ob es einen ‚linken Maskulismus’ geben kann, sollten der vermeintlich moderatere Ton und das gemäßigtere Vokabular nicht davon abhalten, auch zwischen den Zeilen zu lesen.“ (83)

Vor allem aber sollten sie nicht davon abhalten, zuerst überhaupt einmal die Zeilen selbst zu lesen.

Wer nicht an männliche Herrschaft glaubt, verschleiert sie nur Unerschütterlich ist für Claus die Überzeugung, im Rahmen „patriarchaler Machtverhältnisse“ (18) zu leben. Er kennt offenkundig auch den Text nicht, der international wichtigster Impulsgeber der heutigen linken und liberalen Männerrechtsbewegung war, Warren Farrells The Myth of Male Power – und er hat sich offenkundig, weder kritisch noch zustimmend, jemals mit Farrells These beschäftigt, dass das Gerede von der „Männermacht“ einen Mythos konstruiere.

Statt dessen repetiert er seitenweise (27-29) die so problematischen Thesen Connells, deren Rede von „hegemonialer Männlichkeit“ und „patriarchaler Dividende“ – so kritik- und distanzlos, als wäre er ein Konfirmand und Connells Text die Heilige Schrift.

Wer von männlichen Opfern spricht, reproduziert nur männliche Herrschaft Der Gedanke, auch Männer könnten Opfer von Ungerechtigkeiten oder Gewaltstrukturen werden, ist ihm hingegen so unerträglich, dass er diesen Gedanken nur mit deutlichen Signalen der Distanzierung formulieren kann: in Anführungszeichen (13) oder in der herablassenden, von Lenz und Rosenbrock übernommenen Rede über

„die maskulistische Opferideologie am Beispiel der viel beschworenen männlichen Schulverlierer.“ (20)

Männliche Menschen kommen bei Claus als Opfer nicht vor – nicht einmal Kinder.

Dass das Engagement für Väterrechte ein wesentlicher Bestandteil der Männerrechtsbweegung ist, kann Claus selbstverständlich nicht auf den Umstand zurückführen, dass Väter – und ihre Kinder – tatsächlich massive Ungerechtigkeiten erlebt haben. Statt dessen unterstellt er berechnendes Kalkül:

„Die maskulistische ‚Bewegung’ versucht in ihrer Mobilisierung vorrangig emotional aufgeladene Felder im Bereich der Familien- und Sorgerechtspolitik zu besetzen.“ (60)

Die Feststellung der höchsten zuständigen Gerichte, dass das deutsche Sorgerecht Menschenrechte und Grundrechte von Vätern – und auch Kindern – verletzt habe, ist für den engagierten Autor belanglos. Es ist ebenso belanglos wie die Tatsache, dass die Partei, deren Stiftung ihn für seinen Text bezahlt, für diese jahrelangen Menschenrechts- und Grundrechtsverletzungen eine wesentliche Verantwortung getragen hat.

Männer sind keine Opfer, sie tun nur so, um ihre Machtpositionen zu schützen.

Und damit basta.
Zum Glück aber sind die Frauen rein und schuldlos – zumindest die feministischen Während also Männer hegemonial herrschen oder mit dieser Herrschaft paktieren und die entsprechende Dividende einstreichen, sind Frauen rein und schuldlos. Dass eine schlechtere Bezahlung auch auf eigenständige Berufsentscheidungen von Frauen zurückzuführen sei, ist für Claus eine so skandalöse Idee, dass allein dieser Gedanke sich gleichsam selbsttätig widerlegt (39f.) – jedenfalls ist für den Autor kein Argument nötig, um zu zeigen, warum diese Annahme falsch sei.
Aggressionen, gar Hass von Feministinnen gibt es für Claus nicht – während er Männerrechtlern pauschal und wiederholt den schon titelgebenden „Frauenhass“ (40, 70, 79, 81) oder auch einfach Hass (8, 82) unterstellt, kommt „Männerhass“ bei ihm nur als Zitat vor – von dem er sich sogleich pflichtschuldigt und entschlossen distanziert. (20) Über den Zweiten Männerkongress in Düsseldorf schreibt er dann unschuldig:
„Stets waren die Veranstaltungen von Interventionsversuchen aus (pro-)feministischer Perspektive begleitet.“ (84)

Statt zu erwähnen, dass diese Interventionsversuche unter anderem in ernstzunehmendenMorddrohungen gegen den Vortragenden Prof. Gerhard Amendt bestanden, ereifert der Autor sich darüber, dass die Universität Düsseldorf überhaupt mit feminismuskritischen Organisationen wie agens zusammengearbeitet hat. (85)

Einen Dialog gibt es nur, wenn Männerrechtler die Klappe halten Wenn er die Männerrechtsbewegung in einem „Spannungsfeld zwischen Vereinnahmung und Ablehnung“ des Feminismus (52) verortet, dann lässt er damit tatsächlich keinen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit feministischen Konzepten. Wer diese Konzepte radikal kritisiert, lehnt sie ganz ab, wer an feministischen Positionen bei aller Kritik legitime Aspekte entdeckt, verreinnahmt sie – für Claus ist beides indiskutabel.

Die „Fähigkeit des konstruktiven Dialogs mit feministischen Konzepten“ (83) setzt bei ihm offenkundig einen Sprung in den Glauben voraus.
Ganz anders hingegen Maskulisten – die sind in jedem Fall verdächtig, und ganz besonders dann, wenn sie nicht so wüten wie die von Claus bevorzugten Kommentatoren des wgvdl-Forums.
„Keinesfalls darf vorschnell und aufgrund vermeintlich moderaterer Töne eine gesellschaftliche Salonfähigkeit bescheinigt werden.“ (83)
So sind sie, die Männerrechtler: Wer wütet und schimpft, zeigt seinen Frauenhass offen, wer sich moderat und zivil äußert, versteckt seinen Frauenhass nur. Was ja irgendwie noch viel gefährlicher ist.

Vom Interesse an Versteinerungen Dass Claus sich so mit einer entschlossenen, aber etwas absurden Geste als Türsteher am Eingang des geschlechterpolitischen Salons inszeniert, lenkt allerdings davon ab, wie simpel, wie starr und wie reaktionär seine Geschlechterbilder sind. Männer sind hier, unbedingt und unbezweifelbar, Herrscher, sie sind mächtig, und allein schon der Gedanke, dass sie zum Opfer – und gar von Frauen! – werden könnten, ist skandalös. Frauen sind hier prinzipiell reinen Herzens, unschuldig, und sie haben jeweils, leider, nur begrenzte Handlungsmacht.

So lässt sich denn auch erklären, warum Claus so fixiert auf das radikale „Gelbe Forum“ wgvdl ist und warum er die vielen liberalen, linken und zivil-konservativen Männerrechtler völlig ignoriert. Er sucht in der Männerrechtsbewegung lediglich sein eigenes Spiegelbild, findet es auch in ihren abschreckendsten Teilen – und zeigt dann voller Abscheu darauf.

Es wird damit zudem klar, was für Claus an der Männerechtsbewegung  eigentlich so beängstigend ist, dass er wieder und wieder ihre Gefährlichkeit beschwört und dass er in seiner Tätigkeit für die SPD-nahe Stiftung insbesondere linke Männerrechtler aus dem Haus werfen möchte.

Es ist offenkundig eine panische Angst davor, dass Männer eigenständig, und ohne feministische Souffleusen, über ihre Situation als Männer reden – und eben auch über Erfahrungen der Hilflosigkeit, in denen sie sich als Opfer wahrnehmen.
Es ist eine panische Angst davor, dass Männer selbstbewusst an Geschlechterdebatten teilnehmen und dabei nicht lediglich feministische Skripte aufsagen.

Es ist eine panische Angst davor, dass das eigene holzschnittartige und starre Geschlechterbild in Bewegung geraten könnte. Schließlich ist ein Feminismus á la Claus einer der wenigen Bereiche, in denen sich Männer noch uneingeschränkt als stark und mächtig wahrnehmen können.

Natürlich folgt das nicht nur irrationalen, sondern auch ganz sachlichen Kalkülen. Vor einigen Tagen beschäftigte ich mich noch einmal mit einem ganz ähnlichen Text wie dem von Claus, der ebenfalls von einem sehr jungen – und ebenfalls mit dem Thema völlig unerfahrenen – Akademiker im Auftrag einer größeren Organisation verfasst wurde: Thomas Viola Rieskes Bildung von Geschlecht, einer wissenschaftlich unhaltbaren „Studie“, die im Auftrag der GEW geschlechtsspezifische schulische Nachteile von Jungen wegzureden versuchte.

Nun ist es an Schulen schon lange kein Geheimnis mehr, dass Jungen dort spezifische Nachteile haben und dringend Förderung bräuchten – diese Meinung teilen und äußern nach meiner Erfahrung Lehrkräfte beiderlei Geschlechts, und dies auch dann, wenn sie noch nie etwas von männerrechtlichen Positionen gehört haben. Eine „Studie“ wie die Rieskes kann das Wissen um die Probleme von Jungen nicht mehr aus den Kollegien verdrängen – sie kann aber dazu beitragen, so lange wie möglich zu verhindern, dass dieses Wissen in institutionelle Unterstützungsangebote für Jungen überführt wird. Solche Angebote nämlich würden durchaus etablierte Positionen gefährden.

Ganz ähnlich auch die Schrift Thomas Gesterkamps, der als erster für die FES die Männerrechtsbewegung als „rechtsradikal“ diskreditierte und der forderte, einen „cordon sanitaire“ um Männerrechtler zu legen – eine inhumane, aber auch verräterische Metapher, die das Engagement für Rechte von Jungen und Männern mit einer ansteckenden schweren Krankheit vergleicht. Vor welcher Ansteckung eigentlich fürchtet sich Gesterkamp?

Von seiner FES-Schrift Geschlechterkampf von rechts berichtete mir jedenfalls eine Gleichstellungsbeauftragte, dass der Text bei einem Treffen von Gleichstellungsbeauftragten  allen auf dem Tisch gelegen hätte – und dass sich angesichts dieser Schrift alle schnell einig gewesen wären, eine Aufmerksamkeit für Benachteiligungen von Männern und Jungen sei nicht statthaft, weil die Forderung danach offenkundig einer rechtsradikalen Geisteshaltung entspringe.

Eben so ist auch der Text von Claus einzuordnen. Es ist ein Gebrauchstext. Sein Zweck ist nicht die Öffnung von Debatten, sondern ihr Abschluss – und der Ausschluss von unwillkommenen Teilnehmern. In keiner Passage geht es ihr um offene, faire, kritische Auseinandersetzungen, sondern beständig darum, solche Auseinandersetzungen zu ersticken.

Ihr Zweck ist nicht, die Geschlechterverhältnisse zum Tanzen zu bringen, sondern dafür zu sorgen, dass niemand aus der Reihe tanzt.

Ihr geht es um die Bewahrung versteinerter Geschlechterbilder, in denen sich wieder und wieder mächtige, unverwundbare Männer und reine, unschuldige Frauen gegenüberstehen – und um die Bewahrung der institutionellen Privilegien, die sich mit diesen Versteinerungen legitimieren.

Ganz kurz gesagt: Es ist unverzeihlicher reaktionärer Dreck, den hier die Friedrich Ebert Stiftung mit Steuermitteln in die Landschaft bläst.

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31 Comments

  • Das ist mal wieder eine schöne Analyse!

    Allerdings macht es der Herr Claus auch leicht. Sein Text ist so offenkundig politisch vorbelastet, dass die Kritikpunkte daran nur mit größter Mühe zu übersehen sind. Wissenschaftlich ist das jedenfalls nicht. Ein Wissenschafter hätte eigentlich zunächst vorurteilsfrei seinen Gegenstand betrachten müssen. Das gilt umso mehr, wo der Verfasser doch ein Ethnologe sein will. Gerade ein Ethnologe sollte sich unbedingt von seinen eigenen Normen und Werten distanzieren, wenn er die ihm fremde Kultur verstehen will. Weil man seine eigenen Normen natürlich nicht abschütteln kann ohne weiteres, hätte man sie mindestens kritisch reflektieren müssen. Es ist aber trotz der eigenen kulturellen Prägung immer möglich, eine „fremde“ Kultur so zu beschreiben, dass man sie nicht gleich bewertet, sondern dass man deren Weltsicht und deren Werte sichtbar macht, gleichsam durch deren Brille schaut.

    All das hat der Ethnologe Claus nicht geschafft und insofern ist sein Text unwissenschaftlich und handwerklich schlecht.

    Es wird nur leider eine Menge Rechtgläubiger geben, die die in dieser Schrift aufgestellten Behauptungen einfach unbesehen glauben werden. Im entsprechenden Milieu wird man sich bestätigt fühlen.

    Gut wäre deshalb eine öffentliche Auseinandersetzung über diese Schrift.

  • @Lomi: „Gut wäre deshalb eine öffentliche Auseinandersetzung über diese Schrift.“

    Ich finde, den Punkt können wir in dem Sinne abhaken, daß die ausführlichen Kritiken von Arne Hoffmann, Lucas Schoppe, Dir selber und diversen anderen bereits eine öffentliche Auseinandersetzung über diese Schrift sind, der nicht mehr viel hinzuzufügen ist.
    Bemerkenswert ist vor allem, daß unsere linksliberale Masku-Blase innerhalb von wenigen Tagen diese wuchtige Replik erzeugt hat 🙂

    Ansonsten verweise ich auf das gerade erschienene, sehr lesenswerte Interview von Arne Hoffmann bei manndat: http://manndat.de/leitartikel/gleichgesinnte-finden-anstatt-sich-fanatikern-abarbeiten.html , dort speziell die letzten Teile. Er weist völlig zu recht darauf hin, daß wir unsere Arbeitszeit mehr darauf umlenken sollten, politisch relevantes zu tun. Sich an qualitativ minderwertigem Propagandamaterial der FES abzuarbeiten, bringt einen nicht weiter.

    Ich habe mal herumgegoogelt, wo denn sonst noch die FES-Schrift zitiert oder besprochen wird: praktisch nirgends. Insofern ist es reine Beschäftigungstherapie, weitere 25 Fehler in dem Werk zu dokumentieren.

  • „Ich habe mal herumgegoogelt, wo denn sonst noch die FES-Schrift zitiert oder besprochen wird: praktisch nirgends.“ Ging mir genauso. Trotzdem finde ich es wichtig. dass wir so schnell und so umfassend, und (sogar ohne Absprache) von mehreren Seiten so klar auf die Schrift reagiert haben. Damit die offenkundigen Argumente dagegen zumindest prinzipiell zugänglich sind und formuliert wurden.

    Der eigentliche Zweck einer solchen Schrift besteht meiner Einschätzung nach auch keineswegs darin, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen – offene Diskussionen meiden ja solche Leute wie Bettina Rürup oder Christina Schildmann, die von der FES für die Schrift verantwortlich sind.

    Es geht eher um das Bilden institutioneller Wagenburgen – intern Argumente zu ventilieren, die dann überhaupt nicht mehr angezweifelt werden. So dass einerseits störende Impulse von außen nicht mehr durchgelassen werden und andererseits intern bei den Beteiligten Disziplin hergestellt wird, damit niemand auf dumme Ideen kommt und am Ende noch Hilfsangebote für Jungen oder ähnlich Skandalöses fordert.

    Da ist es wichtig, dass wenigstens IRGENDWO offen zugänglich halbwegs kompetenter Widerspruch formuliert wird. Die selbstbezüglichen, betonierten Strukturen, in denen eine Schrift wie die von Claus entstehen konnte, werden dadurch nicht gleich ins Wanken geraten. Aber sie können mit der Zeit vielleicht ein wenig erodieren.

  • Also wenn ich nach “ Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass“ google, sind auf der ersten Seite Links zu der Studie selbst, Geschlechterallerlei, Freie Welt, AllesEvolution, Maennerstreik, man tau, Flussfaenger und Nicht-Feminist. Auf der 2. Seite kommt dann auch noch Tom und Artikel die die „Studie“ nur zitieren sich aber nicht mit deren Inhalt auseinander setzen.

    Ist vielleicht eine reine Beschäftigungstherapie, aber vielleicht auch nicht…

  • mitm

    „ich finde, den Punkt können wir in dem Sinne abhaken, daß die ausführlichen Kritiken von Arne Hoffmann, Lucas Schoppe, Dir selber und diversen anderen bereits eine öffentliche Auseinandersetzung über diese Schrift sind, der nicht mehr viel hinzuzufügen ist.“

    Ich stelle mir eine öffentliche Auseinandersetzung so vor:
    Es werden nicht weitere Fehler analysiert. Vielmehr wird diese Schrift in Medien und auf öffentlichen Veranstaltungen kritisiert und zurückgewiesen. Es geht mir also schon mehr um Öffentlichkeit an sich, um ein deutliches Signal, dass man derartige Machwerke nicht akzeptiert. Damit könnte man die unhinterfragte Legitimität solcher Schriften und Autoren mal massiv in Frage stellen.

  • „Trotzdem finde ich es wichtig. dass wir so schnell und so umfassend, … reagiert haben.“

    Meine Rede, 100% Zustimmung. Ich habe ja nicht umsonst oben gegrinst. Wenn man die Studie als eine Art Fehdehandschuh ansieht, der einem hingeworfen wird, hat uns das eine Gelegenheit gegeben, darauf in kürzester Frist auf der inhaltlich-fachlichen Ebene zu reagieren und zu demonstrieren, daß wir hinsichtlich der Argumente jederzeit lieferfähig sind, und zwar öffentlich.

    „Es geht eher um das Bilden institutioneller Wagenburgen“

    Daß diese Wagenburgen existieren und alles daran setzen, sich durch regelmäßige Gehirnwäsche intern gegen fachliche Kritik zu immunisieren, ist klar. Die feministische Infrastruktur ist großenteils eine einzige Wagenburg, die sich in den ministeriellen und universitären Machtpositionen verbarrikadiert hat.

    Die Frage ist nur, ob man bei dieser sozialen Gruppe mit Argumenten noch irgendetwas erreichen kann, also sozusagen von innen Überzeugungsarbeit leistet, oder nur noch von außen politischen Druck erzeugt, indem man den Sexismus dieser Ideologie, die unhaltbaren Theorien usw. in der politischen Öffentlichkeit thematisiert und die Auseindersetzung in der politischen Öffentlichkeit führt. Ich tendiere zu letzterem. Deswegen freue ich mich auch über das FES-Papier, denn das ist eigentlich eine öffentliche wissenschaftliche Selbstdemontage, die man nur noch als solche bekannter machen muß.

  • So, und wer bringt das Teil jetzt wie an die Öffentlichkeit? Rumkugeln des Problemes (Öffentlichkeit) bringt wenig, wer ist in der Lage / hat Verbindungen zu Presse und kann sich dieses Themas annehmen (Zurückweisung der Hetzschrift mit Hinweis was alles mit Steuergeldern gemacht wird)?
    chris

  • “ Für die Behauptung, dass die Adressen von Frauenhäusern veröffentlicht wurden, könnte der Autor sogar Belege liefern, wenn er nur nach ihnen gesucht hätte.“
    Ist das wirklich so? Soweit ich weiß, ist zwar in Deutschland wie in der Schweiz dazu aufgerufen worden, Frauenhausadressen zu sammeln und zu veröffentlichen. Diese Adressen sind aber nicht veröffentlicht worden. Somit ist diese Behauptung von Claus frei erfunden.
    Das passt übrigens zu der frei erfundenen Behauptung von Rosenbrock, er hätte Morddrohungen von Feminismuskritikern bekommen. Aber das käut ja Claus hier wenigstens nicht wider.
    Feministen ist jedes Mittel recht, Feminismuskritiker in den Dreck zu ziehen. Da gehören auch solche Falschbeschuldigungen dazu.

  • „Für die Behauptung, dass die Adressen von Frauenhäusern veröffentlicht wurden, könnte der Autor sogar Belege liefern, wenn er nur nach ihnen gesucht hätte.“

    Es mag ein unbedeutendes Detail sein, aber zu einer Veröffentlichung kam es nie. Das wurde von Hinrich Rosenbrock wahrheitswidrig behauptet. Claus' Formulierung ist diesbezüglich nicht eindeutig, aber die Leser werden sie mehrheitlich so verstehen, dass die Adressen tatsächlich veröffentlich wurden. René Kuhn hat übrigens in einem Interview, das ich leider nicht mehr finde, sogar behauptet, dies sei nie wirklich beabsichtigt gewesen.

  • Danke für die Hinweise! Das hab ich selber nicht gewusst – ich war auch davon ausgegangen, dass die Adressen veröffentlicht wurden. Und unbedeutend finde ich das Detail nicht.

  • Es wurde und wird viel geschrieben über diese Art von Studien/Streitschriften, doch der Kern der Sache wird nicht erfasst.
    Mit Feminismus, Gleichstellung, Opferkultur und Helferindustrie wird richtig viel Geld verdient. Da hängen jede Menge Jobs und Verdienstmöglichkeiten dran. Das erklärt auch die Abwehrreaktionen. Mit Logik hat das nichts zu tun. Eigentlich auch nicht wirklich mit Verteidigung des Feminismus oder Angriff auch Maskulisten. Diese Leute verteidigen nur ihren Job, wie das ein jeder andere auch machen würde…

    http://de.wikimannia.org/Systematik_des_Feminismus

  • „Diese Leute verteidigen nur ihren Job, wie das ein jeder andere auch machen würde…“ Ja, das trägt zumindest zur Situation erheblich bei. Allerdings: Der Job eines Arbeiters ist, etwas herzustellen. Der Job eines Arztes ist, Menschen gesund zu machen. Der Job eines Lehrers ist, Schüler zu unterrichten. Der Job eines LKW-Fahrers ist es, Dinge zu transportieren. Aber hier? Der Job der Verantwortlichen ist es lediglich, den eigenen Job zu erhalten. Es wäre schön, wenn wenigstens irgendein anderer positiver Zweck erkennbar wäre.

  • Die Genderisten und Feministen sind jenseits des von ihnen geschaffenen und verteidigten Biotops bei Stitungen wie Böll und FES usw. ja schlicht nicht vermittelbar. Kein Wunder also, wenn die einerseits beosnders radikal auftreten und andererseits alle Register ziehen, auch die der Lüge, Hetze und Diffamierung.

  • „René Kuhn hat übrigens in einem Interview, das ich leider nicht mehr finde, sogar behauptet, dies sei nie wirklich beabsichtigt gewesen.“

    Google hilft. Ich habe nach „René Kuhn Interview Adressen Frauenhäuser veröffentlich“ gesucht und dann sofort folgenden Treffer:
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wir-sind-nicht-so-krank/story/20665056

    Ich kenne mich mit dem Fall nicht aus, es scheint so, als habe die IGAF einen Aufruf zur Veröffentlichung der Adressen veröffentlicht, ihn dann aber aufgrund von Protesten zurückgezogen.

  • Okay, dann auch die Aufklärung über den Vorgang in Deutschland:
    In einem bekannten Forum hatte ein User zur Meldung von Frauenhausadressen aufgerufen. Dazu gab es eine eigene E-Mail Adresse.
    Ich kenne diese Adresse und weiß, wer die Mails auf den Rechner bekam. Deshalb weiß ich auch definitiv, dass keine Adressen veröffentlicht worden sind. Es war auch nicht beabsichtigt gewesen, diese Adressen zu veröffentlichen.

  • „All das hat der Ethnologe Claus nicht geschafft und insofern ist sein Text unwissenschaftlich und handwerklich schlecht.“ Das stimmt zweifelsfrei, aber ist sogar noch zu wohlwollend formuliert. Denn Claus verletzt nicht allein Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens – er ignoriert auch ganz schlichte Grundregeln journalistischer Sauberkeit oder ziviler Fairness.

    Ein Text wie seiner hätte eigentlich nicht einmal als Artikel in einer auch nur halbwegs seriösen Tageszeitung erscheinen dürfen.

    Ständig schreibt er über „den Maskulismus“, als ob der sowas wie Godzilla wäre, ein Monster, das wild durch die schöne Landschaft der Geschlechterpolitik wütet.

    „Seine (nämlich: des Maskulismus, LS) Forderungen nach Geschlechtergleichstellung für Männer öffneten bereits die Tür so mancher Institution.“ (13) Schlimm. Fast noch schlimmer:

    „So versucht der Maskulismus, das herrschende Wissen über die Verteilung von Reichtum und Lebensoptionen zwischen Männern und Frauen umzukehren.“ (39)

    Kaum einmal nennt Claus dabei identifizierbare Akteuere, und wenn er es doch tut, dann wiederum unseriös. Über MANNdat (!) und den Väteraufbruch (!!) schreibt er z.B., beleglos und Gesterkamp kritiklos paraphrasierend:

    „Dabei seien inhaltliche Überschneidungen mit rechtsextremen Spektren
    offensichtlich und nur geringe Berührungsängste vorhanden.“ (17)

    Nazis sehen gerne ihre Kinder – Väter sehen gerne ihre Kinder – also bitte: Die inhaltlichen Überschneidungen sind doch unübersehbar. Dass ich nicht von selbst darauf komme…

    Gern flüchtet sich Claus auch ins Passiv, um die schwierige Aufgabe zu vermeiden, konkrete Akteure zu nennen und so überprüfbar zu machen, was er schreibt:

    „Gezeichnet wird das Bild von männlichen Arbeitsdrohnen in einer von Frauen regierten Gesellschaft. Männer erscheinen als geknechtet, ausgebeutet und pathologisiert.“ (40)

    Und dann taucht wieder „der Maskulismus“ auf und ist ganz traurig über seinen fehlenden Einfluss:

    „Er führt seinen beschränkten Zugang zu staatlichen Unterstützungsleistungen auf feministische Macht und Männerfeindlichkeit in den Institutionen des Arbeitsmarktes zurück.“ (40)

    Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Dieser Text ist auch sprachlich miserabel, er ist tief unehrlich, und es tut ihm fast zu viel der Ehre an, ihn einfach nur als „unwissenschaftlich“ zu bezeichnen. Man würde ja auch die BILD-Zeitung nicht einfach nur mit dem Hinweis kritisieren, dass es irgendwie unwissenschaftlich sei, was darin steht…

  • „Man würde ja auch die BILD-Zeitung nicht einfach nur mit dem Hinweis kritisieren, dass es irgendwie unwissenschaftlich sei, was darin steht…“

    Man fragt sich ja schon, ob man der BLÖDZeitung unrecht tut mit einem solchen Vergleich.

    -Nick

  • Danke, man.in.th.middle. Ich habe den Artikel mit diesen Suchbegriffen nicht gefunden. Ich glaube nicht, dass die Proteste der Grund für den Rückzieher waren, dazu hätten es Proteste aus dem eigenen Lager sein müssen. Sie wollten die Aufmerksamkeit der Medien und die hatten sie durch diese Aktion. Dieses eine Interview war der Lohn dafür, in der René Kuhn über die Missstände im Zusammenhang mit Frauenhäusern berichten durfte. Gebracht hat es leider kaum etwas. Die meisten Leute haben sich nach dieser Aktion genausowenig für die Problemlage interessiert wie vorher, aber das Image als Frauenfeinde war den Antifeministen sicher. Die meisten Menschen blocken ab, wenn sie das Wohl von Frauen bedroht sehen. Sie sind dann für Erklärungen der Hintergründe nicht mehr empfänglich. Die Aktion der IGAF hat dies klar gezeigt. Es ist ja ein generelles Problem von Männerrechtlern, dass wenn sie leise auftreten, sie nicht gehört werden. Wenn sie laut auftreten, werden sie zwar gehört aber nicht angehört, sondern für ihr lautes Auftreten kritisiert. Umgekehrt können sich Feministinnen alles erlauben.

  • „aber das Image als Frauenfeinde war den Antifeministen sicher.“

    Dagegen muss man sich abhaerten, und verschiedene(!) rhetorische Strategien entwickeln. Die Qualifikation als „Frauenfeind“ ist „ganz normal“ unter den gegebenen Umstaenden.

    „Die meisten Menschen blocken ab, wenn sie das Wohl von Frauen bedroht sehen.“
    Man muss klar den Fetischcharakter von „Frau“ herausarbeiten. Und dann im Gegensatz dazu das Gemeinwohl betonen.

    Gerade fuer das Erreichen von noch halbwegs geistig aktiven Menschen waere eine zentrale Internetstelle von Bedeutung, die bloss(!!!) all jene Mythen (Maenner haetten von Natur aus eine geringere Lebenserwartung, etc. etc.) sammelt und widerlegt. Und zwar NEUTRAL, d.h., der kleinste gemeinsame Nenner (der meines Erachtens existiert). Faktisch, staendig erweitert, und uebersichtlich organisiert.

    Gerade arbeitstaetige Maenner wollen sich nicht mit Blogs beschaeftigen. Und dass diese aufgeklaert werden, ist das Wesentliche. (Vergesst die Frauen.) Man kann sie schonmal interessieren, aber icht wuesste keine Internetseite, die ich dann empfehlen koennte, nur das allgemeine „man solle sich halt schlau machen“, was nun wirklich nicht hilft.

    Die ganzen Diskussionen mit Feministen etc. nehmen nur Kraft weg fuer die wirklichen Aufgaben. Objektiv ist dies die Funktion der „Studie“ von diesem Claus.

  • Die Qualifikation als „Frauenfeind“ ist „ganz normal“ unter den gegebenen Umstaenden.

    Man muss dieses Framing umdrehen und zu einer Auszeichnung machen. Allerdings dürfte eine Provokation mit dem Veröffentlichen von Frauenhausadressen dabei nach hinten losgehen. Ansonsten sieht es eigentlich gar nicht so schlecht aus, wer andere als „Frauenfeind“ labelt macht sich normalerweise als verbiesterte Emanze unbeliebt. Der „gebildete Diskurs“ seht das vordergründig natürlich etwas anders. Da muss man das Spielchen etwas subtiler spielen. „Frauengedöns“ ist regelmäßig Sonntagsrede. So, wie früher alle sonntags die Bibel abgefeiert haben und jeder wusste, dass nur Dummköpfe den Scheiß ernst nehmen. Natürlich ändert sich nichts, solange diese Heuchelei gepflegt wird.

    Man muss klar den Fetischcharakter von „Frau“ herausarbeiten. Und dann im Gegensatz dazu das Gemeinwohl betonen.

    Ich würde eher sagen: Man muss die erbärmliche Heuchelei bloßstellen.

    Gerade fuer das Erreichen von noch halbwegs geistig aktiven Menschen waere eine zentrale Internetstelle von Bedeutung, die bloss(!!!) all jene Mythen (Maenner haetten von Natur aus eine geringere Lebenserwartung, etc. etc.) sammelt und widerlegt.

    Es handelt sich nmE um eine Schweigespirale: Die Menschen befürchten soziale Isolation, wenn sie allzu laut denken. Deshalb ist es so wichtig, dass die entsprechenden Gedanken offen artikuliert vorzufinden sind. Vor allem muss das Moralin da raus.

    (Vergesst die Frauen.)

    Auf die kommt es tatsächlich nicht an. Es geht wohl erstmal nur darum, dass Männer aufhören, nur insgeheim mit den Augen zu rollen.

    Objektiv ist dies die Funktion der „Studie“ von diesem Claus.

    Ich denke schon, dass es wichtig ist dass entsprechende Analysen auffindbar sind.

    Die Funktion sehe ich darin, das Biotop auf Linie zu trimmen.

    Grüße, Nick

  • ..das Problem ist doch, dass alle denken dass die Mehrheit denkt, und deshalb lieber sich das Maul nicht verbrennen. Was dann wiederum den Eindruck verstärkt, dass die Mehrheit so denkt.

    Die Presse und die Politik sind idR gnadenlos Opportunistisch, da will niemand was riskieren.

    Man kann wohl nur hoffen, dass man mit Graswurzelarbeit ein anderes Klima sichtbar werden lassen kann.

    – Nick

  • Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass …

    Salonfähigkeit? Ganz offensichtlich ist Herr Claus ein Salonlinker, der für die Unterschicht aka Proleten nur Verachtung übrig hat. Die müssen draussen bleiben! Salonlinke aller Länder, vereinigt euch … oder so ähnlich.

  • Ich bin in diesem Jahr 50 Jahre Mitglied der SPD. Mich hat Robert Claus` Schrift „Maskulismus“ nachhaltig schockiert. Ich meine, der Beirat der FES sollte sich mit der Schrift beschäftigen. Es kann nicht sein, dass die FES solche Hetzartikel verantwortet. Der Analyse von Lucas Schoppe kann ich nur zustimmen. Da es in der alten SPD immer üblich war, kontrovers über bestimmte Sachverhalte zu diskutieren, sollte der obige Artikel gemeinsam mit der Hetzschrift von Robert Claus verbreitet werden. Oder die FES verliert nachhaltig ihre Glaubwürdigkeit. Ich werde mich auf alle Fälle auch an die zuständigen Gremien der SPD wenden. Ich habe nämlich den Eindruck, dass die Leser von Man Tau durchaus zum linken Spektrum in der BRD gehören, und damit zur möglichen Wählerschaft der SPD. l

  • „Ich werde mich auf alle Fälle auch an die zuständigen Gremien der SPD wenden.“ Danke dafür! Auf die Idee bin ich auch schon gekommen – und es ist schön, wenn noch andere mitmachen.

  • @ Peter Ja, das stimmt, nichtmal die Metaphern stimmen so richtig. Oder sie stimmen zu gut… Und dass (gerade „linke“) Beschreibungen der Männerbewegung auf alte Proleten-Klischees zurückgreifen, ist mir tatsächlich schon öfter aufgefallen.

  • […] von einer SPD-Schrift, welche Väter, die sich wie ich für rechtliche Verbesserungen einsetzen, als rechtsradikal und als Unterstützer des Massenmörders Breivik hingestellte. Für mich traditionellen Rot-Grün-Wähler war das ein […]

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