Geschlechterpolitik

Wie ich noch einmal versuchte, die SPD in ein Bürgergespräch zu verwickeln

Bild zeigt ein Wahlkampfplakat der SPD mit dem Slogan: Gleiche Bildungschancen für alle".
geschrieben von: Lucas Schoppe
„So erfreulich die in den letzten Jahren entstandene maskulistische Bloggerszene ist, so bedauerlich ist es zugleich, wie sehr sich die meisten von uns noch darauf beschränken, innerhalb der eigenen Filterbubble zu lamentieren, zu analysieren, zu kommentieren und zu diskutieren. Zahllose Blogposts und endlos lange Kommentarspalten helfen uns aber nur begrenzt. Allmählich wären Beiträge dringend geboten, die Aktionen initiieren, um die Positionen und Argumente der Männerbewegung so vielen Leuten wie möglich bekannt machen.“
Soweit Arne Hoffmann in seinem Interview bei MANNdat, das vor einigen Tagen veröffentlicht wurde.  Er erwähnt dann auch gleich eine Seite, die – auf Gene Sharp zurückgehend – 198 Methoden des gewaltlosen politischen Engagements auflistet.
Spd Plakat
Ein SPD-Wahlplakat von 1919. Heute müsste jemand, der so etwas fordert, mit Nazi-Vorwürfen aus der Partei rechnen..
Kurz darauf machte auf LoMis Blog Offene Flanke anlässlich des Textes Politischer werden – Wie kann das gelingen? der Kommentator Bombe 20 einen Vorschlag, der geeignet sein kann, zumindest eine kleine Brücke zwischen dem Internet-Engagement und politischen Strukturen außerhalb des Internets zu bauen:
„Jeder formuliert eine nicht zu lange Mail (höchstens so 50 Zeilen, Links höchstens als zusätzliche Quellenangabe) zu seinem Lieblingsthema, nimmt sich die Fraktionslisten von Land- oder Bundestag (oder gezielt die von Ausschüssen) und fängt unten an. Jeden Tag eine Mail, rotierend durch die Fraktionen. Fleißige passen den Text noch für jede Fraktion leicht an.  
Und wenn man anfängt, mehrmals die gleiche Standardantwort zu bekommen, weiß man, daß es Zeit ist, das Thema zu wechseln.  
Das letzte Mal habe ich das in großem Stil Ende 2012 anläßlich der ‚Beschneidungs‘diskussion gemacht. Nicht, daß ich glaube, irgendetwas geändert zu haben, aber man bekommt genug Antworten, um einen weiter zu motivieren.“
Das hätte nicht nur den Vorteil, auf sich aufmerksam zu machen – sondern auch den, herauszufinden, ob es überhaupt irgendwo Ansprechpartner für uns gibt. Im schon zitierten Interview stellt Arne Hoffmann das so dar:
„Wenn ich die furchtbarsten Blindgänger einer politischen Strömung zitieren will, finde ich dabei immer haarsträubenden Unfug. Das gilt auch für den Maskulismus. Statt sich an solchen Menschen abzuarbeiten, wäre es sinnvoller, jene Leute in der Linken zu finden und zu erreichen, die für uns geeignete Ansprechpartner sind.“

Wenn es solche Leute den überhaupt gibt. Da ich ursprünglich – und sogar über eine schon mehrere Generationen lange Familientradition – aus der Sozialdemokratie stamme, liegt es für mich natürlich nahe, es dort zu versuchen. Es gibt ja auch gerade einen sehr aktuellen Anlass. Also:

Sehr geehrter Herr…/Sehr geehrte Frau…

ich schreibe an Sie als einen Abgeordneten meines Bundeslandes im Bundestag.

Ich bin Lehrer, ich bin Vater, und ich komme politisch aus einer durch und durch sozialdemokratischen Familie. Kurz nachdem unser Sohn vor einigen Jahren geboren wurde, hat seine Mutter sich von mir getrennt. Nun fahre ich regelmäßig quer durch Deutschland, um alle zwei Wochen unseren Sohn sehen zu können. Das bedeutet mir viel – da ich aber pro Monat etwa 700 Euro allein für die Umgangskosten aufbringen muss, könnte ich es mir nicht leisten, wenn ich nicht als Lehrer gut verdienen würde.

Dass ich aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit mein Kind kaum noch – und dann nur unter großen Schwierigkeiten – sehen kann, hätte ich vor dieser Erfahrung niemals für möglich gehalten. Die Gesetze, die das möglich gemacht haben, sind ja auch schon längst von den zuständigen Gerichten als menschenrechts- und verfassungswidrig herausgestellt worden.

Da es sinnvoll war, das Problem der Gesetzeslage als politisches Problem zu verstehen und es nicht in permanentem Konflikt mit meiner Ex-Partnerin auszutragen, bin ich seit mehreren Jahren Mitglied im Väteraufbruch für Kinder. Nun habe ich gelesen, dass ich und andere in meiner Situation von der „SPD-nahen“ Friedrich Ebert Stiftung dafür öffentlich als rechtsradikal und als Unterstützer des Massenmörders Breivik hingestellt werden.

In der gerade erschienenen Expertise „Maskulismus“ setzt der Verfasser Robert Claus Menschen, die sich – wie ich – gegen geschlechtsspezifische Benachteiligungen auch von Männern und Jungen wehren, mit Unterstützern eines brutalen Massenmordes an Jugendlichen gleich. (S. 13) Er schreibt zudem, dass es offensichtliche Überschneidungen zwischen Väteraufbruch und rechtsradikalem Spektrum gebe (S. 17). Jeweils völlig ohne Beleg. Das sind keine Ausrutscher, sondern ist Tenor des gesamten Textes – in dem der Autor auch ansonsten seine Unkenntnis des untersuchten Gegenstands belegt.

Das kommt mir, ganz ehrlich, verrückt vor. Eine wichtige Organisation Ihrer Partei stellt mich als Nazi hin, und als Fan eines Massenmords an Jugendlichen – weil ich gern bei meinem Kind sein möchte? Ganz unabhängig davon, ob Sie meine Meinung und die der Gerichte teilen oder nicht: Eine so boshafte und gewalttätige Diffamierung verbietet sich.

Ich habe kein Interesse daran, das feministische Narrativ vom „Patriarchat“ nun durch ein Narrativ zu ersetzen, nach dem Männer allüberall die hilflosen Opfer einer Frauenherrschaft wären. Das sind wir nicht. Es gibt gleichwohl in einigen Bereichen strukturelle Nachteile für Männer und Jungen, von denen mir als Vater und Lehrer zwei jeden Tag präsent sind.

Neben den weiterhin bestehenden rechtlichen und institutionellen Benachteiligungen nichtehelicher Väter hat mich insbesondere die Situation von Jungen in der Schule berührt. Die Daten sind ja bekannt – in den Haupt- und Förderschulen sind Jungen massiv über-, im Gymnasium und beim Abitur sind Jungen massiv unterrepräsentiert. Es ist an vielen Gymnasien normal geworden, dass Jungen nur noch ein Drittel der Klasse bilden. Dass sie geschlechtsspezifische Nachteile im Schulsystem haben, ist bei Lehrern wie bei Eltern selbstverständliches Alltagswissen – nur in die Politik ist dieses Wissen noch kaum vorgedrungen.

Und wer auf die Probleme dieser Kinder hinweist, ist in den Augen der Friedrich Ebert Stiftung – ein Nazi?

Ich bitte Sie, mir einige Fragen kurz zu beantworten:

1. Was tun Sie, und was tut Ihre Partei dafür, Gleichberechtigung von Männern und Frauen auch im Familienrecht durchzusetzen?

2. Was tun Sie und tut Ihre Partei, um Vätern und Kindern (und ggfs. auch Müttern und Kindern) zu helfen, die voneinander getrennt sind? Dass viele Kinder ihre Väter und Väter ihre Kinder nur sehen können, wenn die Väter überdurchschnittlich viel Geld verdienen, müsste doch eigentlich gerade in den Augen von Sozialdemokraten ein Problem sein.

3. Was tun Sie und tut Ihre Partei für die Verbesserung der Situation von Jungen im Schulsystem?

4. Was tun Sie dafür, dass ein bürgerrechtliches Engagement – bei aller Kritik, die natürlich auch an diesem Engagement möglich sein muss – nicht mehr dadurch erheblich behindert wird, dass sozialdemokratische Organisationen es blind und durchaus hetzerisch als rechtsradikal diffamieren?

Mit freundlichen Grüßen,
Lucas Schoppe

PS. Ich habe auf meinem Blog die Arbeit von Robert Claus eingehender rezensiert. http://man-tau.blogspot.de/2014/07/von-versteinerungen-und-der-angst-vorm.html

Ich habe den Brief an Sie als offenen Brief geschrieben und möchte gern auch Ihre Antwort dort auch veröffentlichen.

Claus nimmt übrigens Arne Hoffmanns Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik nicht zur Kenntnis. Es ist sehr detailreich und umfassend und bietet einen wesentlich besseren Einblick in das Thema als der Text der FES.

So. Es ist ja möglicherweise keine perfekter Moment, eine solche Aktion ausgerechnet in der Sommerpause zu starten.

„Die Abgeordneten widmen sich in dieser Zeit ihrem Wahlkreis, befassen sich mit Detailfragen (…)“,

heißt es zwar offiziell, aber vermutlich ist das eine bloß in Insiderkreisen bekannte Chiffre für „Urlaubmachen“. In diesem Fall muss ich die Aktion nach der Sommerpause wiederholen. Auf jeden Fall werde ich jetzt an das Berliner Büro und das Wahlkreisbüro schreiben

Ich richte mich an die Abgeordneten meines Bundeslandes Niedersachsen, das sind 26 Personen minus Sebastian Edathy, der im Moment eh‘ anderes zu tun hat. Dafür sind Sigmar Gabriel und Thomas Oppermann dabei. Falls ich Antworten bekomme, werde ich die hier posten

Und falls sich jemand beteiligen würde, wäre das natürlich sehr schön.

Der letzte Versuch, die SPD in ein Bürgergespräch zu verwickeln, hat nicht berauschend gut geklappt, brachte aber immerhin ein paar Ergebnisse. Mal sehen, was jetzt passiert.

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27 Comments

  • Super!

    „Und wer auf die Probleme dieser Kinder hinweist, ist in den Augen der Friedrich Ebert Stiftung – ein Nazi?“

    Ich würde das hier oder an anderer Stelle als direkte Frage an die Abgeordneten formulieren, ungefähr so:

    „Stimmen Sie persönlich der publizierten Einschätzung der Friedrich Ebert Stiftung zu, daß jemand, der auf die Probleme dieser Kinder hinweist, ein Nazi ist?“

  • Mein Name ist Michael Bohr! Ich bin 44 Jahre alt, stolzer Vater von drei Mädels und seit 28 Jahren Sozialdemokrat.Ich habe mich bevor meine Scheidung und der Trennungskrieg durch meine Frau begonnen hat, in Gremien der Partei und meiner Kommune engagiert. Gerade im Bezug auf unsere Ziele und die Grundlage der Problematik, ist ein politisches Engagement zwingend gefordert. Es können Bestimmungen der Exikutive ( Jugendamt etc. ) und der Legislative nur durch aktive Teilhabe beeinflusst werden! Und damit meine ich nicht wählen gehen, nein sich wählen lassen. In Ausschüssen meinungs- und programmbildend wirken. Gesetzesvorlagen mitbestimmen, Durchführungsverordnungen erstellen. Vielleicht sogar in Frauendomänen einbrechen und als Sozialarbeiter im Jugendamt wirken! So können nach meinem Denken Veränderungen erwirkt werden. Ich mein ja bl
    oß!

  • Ich neige zu Pessimismus und Resignation. Der betreffende Abgeordnete wird einen seiner Mitarbeiter zu einer Wischi-Waschi-Antwort beauftragen, die keinem wehtut: „Schreiben sie mal was Nettes“. Ich fühle mich leider ziemlich rat- und hilflos, was EFFEKTIVE männerrechtliche Aktivitäten jenseits von Blogartikeln und Kommentaren zu Online-Beiträgen angeht. Politik ist das „Bohren dicker Bretter“ – vielleicht bewegen ja diese Online-Aktivitäten langfristig auch etwas. Und vielleicht übertreibt es der Staatsfeminismus zukünftig doch so sehr, dass auch der normale Bürger etwas registriert und sich wehrt. Vielleicht die Eltern des in der Schule benachteiligten Jungen, vielleicht die männlichen Quotenopfer in der Wirtschaft (die Aufsichtsratsquote ist ja erst der Anfang). [KlausT]

  • Hallo,
    ich lese schon seit einiger Zeit mit und schätze Sie und Herrn Danisch sehr. Ich halte es jedoch für naiv zu denken, man könnte durch solche Aktionen etwas ändern. Die Politiker von der SPD werden nach dem Schema antworten: “ Das ist keine Diskriminierung des männlichen Geschlschechts, sondern nur ein Abbau von Diskriminierungen gegenüber Frauen blabla…. 99% der DAX Vorstände sind Männer blabla…. Jahrtausende Jahre mussten Frauen leiden blabla….. Frauen sorgen für bessere Zahlen blabla….“ Auf eure Argumente werden sie nie eingehen (haben sie das jemals getan?) Ihr müsst euch einfach mal klar machen, dass in ihrer Welt eine Diskriminierungen gegenüber (weißen) Männern gar nicht geben kann. Das sind einfach pure Ideologen. Warum verschwendet ihr Kraft und Nerven? Ich für meinen Teil habe beschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen ohne Rücksicht auf irgendwelche Frauen. Ich möchte euch die MGTOW- Bewegung aus Amerika ans Herz legen.

    Grüße

  • Diese neuerliche, bürgerrechtliche Initiative ist natürlich zu unterstützen.
    Allerdings wird nach aller Erfahrung mit dem institutionellen Feminismus und mit weiblichen Anspruchsdenken, welches weniger im denken als vielmehr im irrationalen beharren Ausdruck findet, die Reaktion analog Armin mithin stereotyp ausfallen.

    Alle Versuche, die Geschlechterdebatte aufgrund wissenschaftlicher Standards zu führen, schlugen bereits im Quotenmutterland Norwegen fehl. Die dortige Entwicklung in Form des sogenannten Gender Gleichheitsparadox ist ja auch hierzulande gegeben. Insofern steht Norwegen für mich exemplarisch im Hinblick auf die weitere politische Entwicklung in D. Männer haben auch in Norwegen nach wie vor keine Lobby. Sie malochen wie ehedem und funktionieren ansonsten still vor sich hin, statt gegen tussikratische Strukturen zu rebellieren.
    Norwegen zeigt: Männer lassen sich prima instrumentalisieren und ausbeuten. Sind ja Männer. Und „richtige“ Männer halten nunmal die Klappe und dienen dem Frauenwohl – was immer jene Frauen auch begehren.
    Die SPD-Mannen turnen derlei männliche Selbstaufgabe im Dienste der Frau ganz klassisch vor.

    „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ war einmal. Heute 'kämpfen' die ehemaligen Sozialdemokraten für Vorstandsfrauen.

  • „aber vermutlich ist das eine bloß in Insiderkreisen bekannte Chiffre für „Urlaubmachen“. „

    Das ist so nicht richtig. Im Wahlkreis warten tatsächlich jede Menge Termine, denn sämtliche Verbände, Vereine, Unternehmen oder sonstige Akteure wissen von der parlamentarischen Sommerpause und wollen entsprechend im Terminkalender des MdB berücksichtigt werden.

    Das nur mal gerechtigkeitshalber.

    Soweit ich weiß, bieten zumindest die direkt gewählten Abgeordneten eine Art „Bürgersprechstunde“ an, so dass man sich da auch persönlich einfinden kann. Das ist mitunter besser, als wenn der Brief bloß beim Referenten landet, der ihn mit einer Mustervorlage beantworten wird.

  • Mit dem „Bohren dicker Bretter“ (Max Weber) haben Sie vollkommen recht. Nur sind die dicken Bretter eben nicht die Kommentarspalten einschlägiger Blogs, sondern die Postfächer einschlägiger Mandatsträger. Ja, die Arbeit daran kann etwas verändern. Dafür gibt es viele Beispiele. Aber dafür reicht eben eine E-Mail alle zwei Jahre nicht aus. Das ist kein Bohren dicker Bretter. Bohren dicker Bretter heißt es, diese Postfächer tatsächlich regelmäßig – denn steter Tropfen hölt den Stein – mit Anfragen zu beglücken. Und das darf auch nicht immer der gleiche tun, es müssen immer wieder verschiedene Leute sein. Nur so werden Politiker auf das Thema aufmerksam werden und es als breites öffentliches Anliegen auffassen und dann entsprechend handeln.

  • „Bohren dicker Bretter heißt es, diese Postfächer tatsächlich regelmäßig – denn steter Tropfen hölt den Stein – mit Anfragen zu beglücken.“

    Da bin ich skeptisch. Erstens werden diese Schreiben alle an den Referenten übergeben. Bei einer gewissen Häufung der Schreiben wird zweitens ein Referent für alle anderen Abgeordneten eine Musterantwort entwickeln, die dann als Textbaustein zurück an die Schreiber geht. Drittens erzeugt eine solche Kampagne irgendwann Überdruss, die Aufmerksamkeit geht zurück.

    Deshalb wären persönliche Gespräche der bessere Weg, denn dort können die Referenten nicht helfen und Textbausteine nützen auch nichts mehr.

  • @ LoMi Es ist ja kein Entweder-Oder, sondern beide Methoden haben Vorteile und – enge – Grenzen. Bei meiner eigenen Abgeordneten habe ich bisher den Eindruck gehabt, dass ein Gespräch ziemlich wenig Sinn hätte.

    Ich möchte aber einfach einmal sehen, ob irgend einer der 25 Abgeordneten, die ich anschreibe (die meisten Briefe hab ich fertig und losgeschickt – aber es dauert, weil ich den lästigen Ehrgeiz habe, immer noch etwas mit einem persönlichen Bezug für die Adressaten reinzuschreiben) einmal eine Antwort schickt, die zumindest die Bereitschaft ausdrückt, sich mit dem Thema – und mit uns – auseinanderzusetzen. Wenn man rausfinden möchte, wo es Ansprechpartner gibt, muss man halt eine gewisse Zahl von Leuten ansprechen.

    Dass das persönliche Gespräch aber Vorteile gegenüber einer Mail hat, steht dabei außer Frage. Ich kann aber leider nicht rumreisen und überall Gespärche führen. Ich werds aber bei meiner Abgeordneten nochmal versuchen.

  • Danke für die Anregung! Ich hab ganz kurz die Frage angehängt, ob SPD-Gremien und der Adressat das wirklich glauben…

    Ein kurzer Hinweis an alle: Da im Moment das Spam-Aufkommen ziemlich groß ist, hab ich für eine Weile etwas an den Einstellungen geändert. Man muss beim Kommentieren nun ein paar Buchstaben abtippen, um zu beweisen, dass man nicht einfach nur ein Spambot ist. Tut mir leid wegen der zusätzlichen Hürde, ich mach's so bald als möglich wieder rückgängig.

  • „In dieser Zeit prägte er als strikter Gegner der Frauenquote den Begriff des „Tittensozialismus“,[3] mit dem er die am Geschlecht, nicht an der persönlichen Eignung orientierte Zusammensetzung von Parteigremien sowie die krampfhaften Bemühungen um eine geschlechterneutrale Sprache kritisierte.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Friedhelm_Farthmann

    Da gibt's noch weisse Flecken bei Wikipedia, die Andreas Kämpfer noch nicht beackert hat: „krampfhaften Bemühungen um eine geschlechterneutrale Sprache“.

    Es ist zwar richtig, dass man versuchen sollte da einzudringen, ich glaube aber, dass die SPD genau so genderistisch verpestet ist, wie die Piratenpartei. Solch aufrechte SPD-Männer, wie Farthmann oder die roten Männer (http://de.wikimannia.org/Rote_M%C3%A4nner) scheinen Geschichte zu sein.

  • „Und vielleicht übertreibt es der Staatsfeminismus zukünftig doch so sehr, dass auch der normale Bürger etwas registriert und sich wehrt.“

    Geht schon los: http://www.taz.de/!142849/

    Der Kampf gegen den „Genderwahnsinn“ hat viele Unterstützer. Das sagt sogar die taz.

    Wenn wir nicht nachlassen, dann hat der real existierende Matriarchat keine Chancen.

  • Ich würde den Appell auch an Frauen richten. Schlussendlich sind es viele Mütter, die ihre Söhne leiden sehen.

  • Danke für die Verlinkung! Der taz-Artikel geht ebenso vor wie Robert Claus – jede Kritik an liebgewonnen frauenpolitischen Vorstellungen wird gleichermaßen als „der Kampf der „weißen männlichen Heten“ (René Pollesch) um ihre Hegemonie“ gewertet, und es wird eine Gegnerschaft imaginiert, in der liberale Hochschullehrer mit Rechtsradikalen verknüpft sind. Nicht einmal der Versuch, wenigstens zu FRAGEN, ob einige der Einwände berechtigt sein können.

    An ein „Matriarchat“ glaub ich übrigens nicht, ebenso wenig wie an ein Patriarchat. Geschlechter sind einfach keine sonderlich sinnvollen sozialen Kategorien, weil sich jeweils viel zu viele unterschiedliche Menschen, Situationen oder auch Probleme in der Kategorie „Mann“ oder „Frau“ versammeln.

    Von der Unterdrückung eines Geschlechts durch das andere kann man m.E. nicht sinnvoll reden. Es gibt jeweils bestimmte Bereiche der Benachteiligung – aber keine allgemeinen Machtstrukturen, die einen „Geschlechterkampf“ nach dem Muster des Klassenkampfs legitimieren würden.

  • „Bei meiner eigenen Abgeordneten habe ich bisher den Eindruck gehabt, dass ein Gespräch ziemlich wenig Sinn hätte.“

    Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen, dass das ein Problem ist. Die sind ja erstens nicht sonderlich auf „Diskurs“ gepolt. Überzeugen durch Argumente ist nicht Alltag. Zweitens haben sie sich ein dickes Fell zugelegt, weil andauernd Leute ihnen irgendein Anliegen ans Herz legen.

  • @ Lucas:

    Was soll dabei rauskommen? Ich fürchte, Du wirst die gleichen Erfahrungen machen, die im Prinzip alle machen, die sich mit derlei unbequemen Themen an eine Partei wenden: Du bekommst ein nettes Schreiben, in dem Dir höflich mitgeteilt wird, daß man Dich versteht, aber leider, leider nicht weiterhelfen könne.
    Ich persönlich habe es längst aufgegeben mich als Bürger an Parteien zu wenden, denn dort (und gerade die SPD hat diese Wandlung mitgemacht) herrscht das Top-Down-Prinzip, die Themen werden also nicht von „unten“ an die Parteioberen herangetragen, sondern die Parteioberen machen die Politik und drücken diese nach „unten“ durch.

  • @Lucas
    Die Einschätzung, dass weder „Matriarchat“ noch „Patriarchat“ der Menschheit weiterhilft, unterschreibe ich sofort.

    Das Problem, das wir haben ist, dass es genügend Menschen auf dieser Welt gibt, die sich auf diese Kategorien berufen und alles daran setzen sie Wirklichkeit werden zu lassen.

    Diese Überzeugungen und die verwendete Terminologie nährt sich aus der niemals bewiesenen Mythologie eines „Matriarchats“, siehe z. B. hier: „Ablösung der alten Fruchtbarkeits- und matriarchalischen Religionen durch patriarchalische Kräfte“ http://www.pinselpark.de/geschichte/einzel/a05_3000_orient/gilga/inhalt_epos.html

    So gesehen, wäre Gilgamesch der erste historisch belegte Männerrechtler, denn sein scharfer Angriff auf die Göttin, muss wohl als Gesellschaftskritik gelten: http://www.lyrik.ch/lyrik/spur1/gilgame/gilgam6.htm Offensichtlich hatten es in allen geschichtlichen Epochen manche Frauen verstanden, sich sehr destruktiv in ihren Beziehungen zum anderen Geschlecht zu verhalten. Der Vergleich mit der Gottesanbeterin wäre bei der summarischen Göttin Ischtar nicht unangebracht. Es wird niemand bestreiten wollen, dass wir auch heute solche Damen unter uns haben, die sich genau so destruktiv verhalten können, ohne jemals dafür Verantwortung tragen zu müssen.

    Wenn wir scharf nachdenken, dann sehen wir hoffentlich um was es eigentlich geht: Die Gesetze denen wir mehr oder weniger folgen und die Richter einhalten müssten, haben mal das eine mal das andere Geschlecht übervorteilt.

    Offensichtlich waren die Frauen zu den Zeiten Gilgameschs übervorteilt, sonst hätte er seine Göttin nicht so scharf kritisiert.

    Nun werden die Frauen hierzulande übervorteilt. Ich brauche hoffentlich nicht all die bekannten Tatsachen aufzählen um den Lesern dieses Blogs dies zu beweisen. Einem entsorgten Vater fällt da sicherlich besonders viel ein.

    Mag sein, dass ich mich täusche. Ich werde aber auf allen Kanälen – wie zu den guten Zeiten der Propaganda im real existierenden Sozialismus – vom Begriff „Patriarchat“ belästigt. Ich gehöre offensichtlich zu der Gruppe, die alle anderen Gruppen unterdrückt, ich lebe meine „hegemoniale Männlichkeit“ allein durch meine Existenz aus und weil ich mich nicht täglich durch Selbstgeißelung bestrafe: http://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lfer-Schia

    Dafür muss ich Buße tun und meine „patriarchale Dividende“ zahlen.

    Wenn wir also von „Matriarchat“/“Patriarchat“ reden, dann sollten wir zuerst fragen wer über das Leben der Frauen / Männer entscheidet?

    Für diejenigen unter uns, die ihr Leben auf partnerschaftliches Einvernehmen aufbauen können, stellt sich diese Frage nicht.

    Bei allen anderen hingegen, stellen wir fest, dass – sobald Kinder da sind oder eine Ehe da war – das Leben des Mannes sich den Bedürfnissen der Frau unterzuordnen hat (im Mittel, selbstverständlich).

  • @Lucas, 2. Teil
    Es beginnt mit den familiären Verhältnissen: der Geburt des Kindes (die Entscheidung ob ja oder nein trägt die Frau, siehe Boris Becker), der Mann kann seine Vaterschaft nur unter erheblichen Anstrengungen prüfen lassen, der Betreuung (der Vater soll arbeiten/Mutter zu Hause bleiben), dem Unterhalt (der Vater soll seine Werte überweisen, nicht vermitteln), dem Sorgerecht (nicht eheliche Väter müssen ihr natürliches Recht als Menschen zweiter Klasse beantragen), usw., usf. Das Ergebnis sieht man in der Statistik: 90% alleinerziehende Mütter.

    Es endet mit der Arbeitswelt: Dem Mann wurde das aktive und passive Wahlrecht durch §16 BGleiG aberkannt. Die Frauenquote wird ihn aus den gut bezahlten Jobs herausdrücken, ohne Ausgleich im Familienleben. …

    Ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Die heutige Gesetzeslage und gesellschaftliche Lügen haben eine gewaltige Schieflache der Geschlechter verursacht, zum Nachteil des Mannes.

    Ich kann sicherlich eine ganze Dissertation mit Benachteiligungen des Mannes hinlegen: Ohne einem griffigen, plakativen Begriff, wie „real existierende Matriarchat“, wird bei den Leuten da draußen, die heute auf das „Patriarchat“ hereinfallen, nichts von den guten Argumenten übrig bleiben.

    Wer vom „real existierenden Matriarchat“ spricht, der erreicht, dass sein Gegenüber das Denken darüber anfängt.

    Es wäre schön, wenn man solche Begrifflichkeiten, Argumentationen und vor allem die Kenntnis der Faktenlage bei den Betroffenen – den Männern – durch eine Männerakademie erarbeiten, festigen, vermitteln könnten.

    Der Bedarf wäre da.

    Das Bewusstsein des Mannes für die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung, scheint sich seit Gilgamesch nicht mehr weiterentwickelt zu haben. Es ist klar, dass staatliche Stellen so etwas nicht unterstützen werden, denn sie möchten keine aufgeklärte, befreite Männer, sondern nur treue, wie Gesterkamp, Kemper, Claus, Kimmel, Rosenbrock, usw..

    PS: Vom „Geschlechterkrieg“ können wir garantiert nicht reden – obwohl die feministische Nomenklatura den vom Zaun brechen möchte – schon allein weil es genügend Mütter gibt, die es nicht mehr mitansehen können, wie ihre Söhne leiden.

  • Guten Tag!

    Angesichts der vielen Benachteiligungen, denen eine gegenwärtige Frau ausgesetzt ist, ist es mir zwar eingängig, warum so viel und so kontrovers darüber hin- und herdebattiert wird. Andererseits habe ich manchmal das Gefühl, dass man mit tatsächlichen Forderungen nach GLEICHBERECHTIGUNG (welche diverse feministisch Ambitionen ebenfalls ausschließen würde) eher aneckt, statt dafür anerkannt zu werden, etwas sinnvoll umgestalten zu wollen. Dass man hunderte von Kilometern durchs Land tingeln muss, um seine Kinder zu sehen, liegt an einem versteinerten Artefakt, dass die Gerichte bis zum heutigen Tage mit sich herumschleppen, obwohl es aus einer Zeit kommt, in der die Ehefrau um Arbeitserlaubnis beim Gatten fragen musste. Wenn man all das betrachtet, ist es noch viel sonderbarer als ohnehin schon, dass „Maskulismus“ an vielen Stellen als etwas Unlauteres eingestuft wird, das man sich als aufgeklärter und toleranter Mensch doch bitte verkneifen sollte. Vielleicht bin ich da zu utopisch – aber von tatsächlicher Gleichberechetigung sind wir noch Lichtjahre entfernt. Und das gilt wohlgemerkt für beide Geschlechter. Es wäre schon viel geholfen, wenn man von Klassikern absehen könnte, wie zum Beispiel „dass es den Kinder bei Mami ja dann doch besser geht, weil eine Mutter den Kindern einfach näher ist.“ Offensichtlich perfekt informierte Clowns, die so etwas von sich geben, haben etwas verpasst. Es gibt unzählige alleinerziehnde Väter, denen man mehr als nur blose Kompetenz bescheinigen kann. Sie sind VÄTER. Gute Väter. Das ganze Konstrukt „Familie“ sollte in Politik (ob konservativ oder pragmatisch) und Rechtsprechung auf das 21. Jahrhundert erweitert werden. Die Leitleinien des letzten Jahrhunderts sind nämlich schon lange, lange vorbei. Großartiger Blog übrigens – muss mir mal den Rest noch anschauen!

    Viele Grüße,
    Stefan
    ______________________________________

    http://federkleidhustler.blogspot.de/
    ______________________________________

  • „Angesichts der vielen Benachteiligungen, denen eine gegenwärtige Frau ausgesetzt ist, „

    Immer, wenn ich diesen Satz lese, fällt mir auf, dass mir kein Beispiel einfällt. Dabei gibt es angeblich so viele.

    Von Manndat gibt es ja eine Liste von Punkten, inwiefern das „System“ – also geschriebene und ungeschriebene Gesetze – Männer unfair behandeln. (http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen)

    Gitbt es so was, also sachlich und mit Argumenten fundiert, auch von Feministischer Seite?

  • Finde ich gut, deine Aktion. Allerdings sollte man sich davon nicht zuviel versprechen. Seinerzeit haben wir bei Agens in Partnerschaft mit Abgeordnetencheck und duch Unterstützung von MannDat sämtliche Abgeordneten des Bundestages hinsichtlich der Männerrechte angeschrieben (per Brief); mit einem eher mauen Ergebnis. Leider finde ich den Text nicht mehr, sonst hätte ich ihn hier mal gepostet. Aber ich frage mal intern nach und würde ihn bei Interesse nachreichen.

    Generell ist dein Schreiben gut formuliert und ich wünsche dir mehr, als nur wachsweiche Antworten.

    Ich gehe mittlerweile den direkten Weg und spreche die Parteien direkt an, wenn sie mittem im Wahlkampf sind und einen Stand haben.

  • Die Gefahr bei plakativen Begriffen wie „Patriarchat“ oder „Matriarchat“ ist in meinen Augen, dass sie zu Selbstläufern werden – dass sie also gedankenlos wiedergekäut werden, selbstverständlich werden, und das Denken eher behindern als fördern.

    Beim Begriff „Patriarchat“ ist das ja längst so – den in Diskussionen einzuflechten, ist in einigen (sich auch noch als „links“ definierenden) Kreisen regelrecht das Pendant zu einem Glaubensbekenntnis. Wer das nicht leistet, ist draußen. Ich kann mich an einen Kommentar einer taz-Journalistin erinnern, die empört klarstellte, man müsse doch ja wohl nicht darüber diskutieren, dass wir in einem Patriarchat leben.

    Für mich ist das eine Grundentscheidung mänennerechtlicher Positionen: Setzen wir auf die groben feministischen Klötze grobe Keile, oder distanzieren wir uns eher von der Holzerei? Ich bevorzuge eindeutig die zweite Möglichkeit, obwohl mir klar ist: Falls wir damit überhaupt wirksam werden, wird das eine ganze Weile dauern.

    Aber feministische Einseitigkeiten maskulistisch zu spiegeln, ist in meinen Augen auf jeden Fall zum Scheitern verurtelt. Männer werden NIEMALS von Frauen den fürsorglichen, engagierten, schützenden Beistand erhalten, den feministsiche Frauen durch Männer erhalten haben. Es gäbe zumindest im Bereich der Politik keine feministischen Erfolge, wenn nicht Männer wesentlich daran mitgearbietet hätten.

    Wenn Männer aber gegen Frauen agitieren (so wie feministische Frauen gegen Männer agitiert haben), dann werden Männer eher als Gefahr dastehen, als Leute, die sich selbst nicht unter Kontrolle haben; oder als Jammerlappen. Wer als Mann von einem „Matriarchat“ redet, wird sich in den Augen der meisten bloß klein machen. Während aber eine Frau, die sich klein macht, bei vielen Schutzimpulse auslöst, provoziert ein Mann, der sich klein macht, bestenfalls Mitleid.

    Ich halte den Ansatz, den Leszek und Arne Hoffmann als „integralen Anisexismus“ bezeichnet haben, auf Dauer für viel erfolgversprechender. Es gab gerade in einem ganz anderen Zusammenhang, in einem Artikel Cathy Youngs im TIME-Magazin zur „Women against feminism“-Bewegung, ein Zitat, das ich so auch für Deutschland richtig finde.

    „Is there still a place in modern-day America for a gender equality movement? I think so. Work-family balance remains a real and complicated challenge. And there are gender-based cultural biases and pressures that still exist — though, in 21st century Western countries, they almost certainly affect men as much as women. A true equality movement would be concerned with the needs and interests of both sexes. It would, for instance, advocate for all victims of domestic and sexual violence regardless of gender — and for fairness to those accused of these offenses. It would support both women and men as workers and as parents.“

    Das klingt möglicherweise wachsweich in den Ohren von Männern, die das Gefühl haben, es werde Zeit, mal richtig auf den Tisch zu hauen (was ich Dir nicht unterstelle, ich formuliere ganz allgemein). Es ist aber nach meiner Überzeugung die einzige Richtung, in der eine Männerrechtsbewegung Erfolg haben kann.

  • Ich habe mittlerweile vier Antworten, alle mit dem Hinweis, das eine spätere Antwort folgen werde. Sie wirken unterschiedlich persönlich und engagiert. Es ist sehr wohl möglich, dass der Weg über Briefe nicht effektiv ist – es ist aber ohnehin eher eine Ergänzung zum direkten Gespräch als ein Alternative dazu.

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