Monatsrückblicke

Gesprächsattrappen, Nazihappen, Jammerlappen – Monatsrückblick Juli 2014

Bild zeigt Kopf eines jungen Mannes, der die Hand vor den Mund hält.
geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Index der verbotenen Bücher baute – wie allgemein bekannt ist – auf einem schwerwiegenden Widerspruch auf. Wichtig war es natürlich, zu wissen, welche Bücher bei der Lektüre das Seelenheil beschädigen – doch um eben dies herauszufinden, mussten die Bücher gleichwohl überhaupt erst einmal gelesen werden.

Zu lesen, um zu wissen, was nicht gelesen werden darf – diese Aufgabe setzte eine erhebliche Opferbereitschaft und eine ungewöhnlich große persönliche Stabilität voraus – eine heldenmütige Entschlossenheit, sich zum Schutze anderer in schwerste Gefahr zu begeben – und eine Reinheit des Herzens, die es dem Leser erlaubte, gleichsam unbeschädigt mitten durch die Hölle zu wandern.

Natürlich ist von einem jungen Wissenschaftler der heutigen Zeit diese Mischung aus Heldenmut und Herzensunschuld kaum zu erwarten, vor allem aber ist unseren aufgeklärten Zeiten deutlich, dass unlösbare Widersprüche eben nicht durch einen Sprung in den Glauben zu lösen, sondern tunlichst ganz einfach zu umgehen sind.

Als der Sportethnologe Robert Claus für die sozialdemokratische Friedrich Ebert Stiftung über die „Männerrechtsbewegung“ schrieb und sie ebenso auftragsgemäß wie unbelegt mit Rechtsradikalismus und Massenmord in Verbindung brachte, konnte natürlich niemand von ihm erwarten, die wichtigen Schriften dieser Bewegung auch zu kennen.

Nun ist allerdings für einige Zeitgenossen, die ihr Verständnis von Wissenschaftlichkeit aus „der ideologischen Mottenkiste“ (Claus, S. 21) gezogen haben, die Forderung  selbstverständlich, Texte, über die man wissenschaftlich arbeitet, auch irgendwann einmal zu lesen.

Die Absurdität dieser Forderung ist vielen dieser Menschen leider keineswegs einsichtig. Wieso eigentlich sollte der junge Wissenschaftler sich erst eigens mit Texten und Positionen auseinandersetzen, nur um wissenschaftlich nachzuweisen, dass sie der Auseinandersetzung nicht Wert sind?

Dieses unreflektierte Verständnis von Wissenschaftlichkeit, das von Forscher_innen ultimativ und meist begründungslos ein gewisses Maß an Bekanntschaft mit dem Gegenstand ihrer Forschungen einfordert, ist jedoch unglücklicherweise weit verbreitet und womöglich sogar politisch wirksam. So ist es auch heute leider unumgänglich, dass irgend jemand die Rolle des Lesers übernimmt, der sich opferbereit aus einem einzigen Grund mit unliebsamen Texten beschäftigt: um anderen diese Beschäftigung zu ersparen.
Gewusst wie! Ein junger Mann beteiligt sich an einer Diskussion emanzipatorischer Geschlechterpolitik in einem offenen Dialog auf Augenhöhe (Picture by M0tty / CC by-sa 3.0)
Wenn also bei der grünen Heinrich Böll Stiftung turnusgemäß in einem Jahr wieder einmal ein junger Wissenschaftler nachweist, dass Menschenrechte irgendwie faschistisch sind, wenn sie auch die Rechte von Jungen und Männern beinhalten – dann soll dieser junge Mann sich nicht neben seiner sonstigen anstrengenden Tätigkeit auch noch für die Lektüre der von ihm gewissenhaft analysierten und sorgfältig diffamierten Positionen opfern müssen.
Das nämlich kann ich übernehmen.
Denn wo können diese Positionen besser zur weiteren Verwendung in der emanzipatorischen Arbeit aufbereitet werden als hier, beim Monatsrückblick. Diesen Rückblick möchte ich hiermit also ausdrücklich als Serviceleistung für Robert Claus und seine noch unbekannten, aber so wichtigen Nachfolger verstanden wissen.

Wie Robert Claus einmal aus Versehen eine Blogparade organisierte Die Reaktion auf Robert Claus wirkte wie abgesprochen. Innerhalb von zwei Tagen waren mehr als zehn Texte veröffentlicht, die sich mit seiner Schrift auseinandersetzten. Diese schnelle Blogparade ist natürlich auch auf eine bedauerliche Waffenungleichheit zurückzuführen: Während Claus aus den erwähnten Gründen die von ihm so überzeugend analysierten Positionen und Texte nicht kennen konnte und gleichsam aus der Reinheit seines Herzens heraus arbeiten musste, war sein Text den kritikwütigen Bloggern natürlich bekannt, und sie konnten umfassend aus ihm zitieren, ohne Angst um ihr Seelenheil resp. die Lauterkeit ihrer Gesinnung haben zu müssen.

Natürlich schreckten sie dabei auch vor ernstzunehmenden Verzerrungen nicht zurück. Tom z. B. schrieb:

„Es ist bezeichnend, dass es für einen Magister der Gender Studies unvorstellbar ist, dass es Kritikpunkte am Feminismus gibt, die nicht auf Frauenhass basieren.“

Natürlich ist dies eine ganz unbegründete Unterstellung – alle ernsthaften Vertreter_innen der Gender Studies werden einräumen, dass Kritik am Feminismus nicht allein auf Frauenhass, sondern auch auf die Angst vor dem Verlust männlicher Hegemonie (Stichwort: patriarchale Dividende) zurückzuführen ist. Dieser so wichtige Aspekt wird in der „männerrechtlichen“ Reaktionen selbstverständlich unterschlagen.

Ansonsten wird dem Text von Claus, wieder und wieder, schlankweg die Wissenschaftlichkeit bestritten – und seine Kritiker legen dabei eben die Maßstäbe an, von denen Claus schon im Text schreibt, dass sie „nicht auf der Höhe der Zeit“ seien: „eine ideologische Mottenkiste (…), die behauptet, nach Wahrheiten zu suchen, anstatt Ambivalenzen zu sehen.“ (s.o.)

Und so eine Mottenkiste kann natürlich viel behaupten. Der Text enthalte z.B.

„nichts, was man als Methode bezeichnet, nichts, was Wissenschaftler unter Methode verstehen“ (Kritische Wissenschaft).
Oder:
„Der Autor stellt entweder Behauptungen völlig ohne Begründung in den Raum oder er zitiert aus anderen früheren Studien über Maskulismus.“ (Elitemedium).
Ähnliches findet sich beim Flussfänger oder hier bei man tau. Der Vorwurf, nicht wissenschaftlich zu arbeiten, wird Claus so regelmäßig gemacht, dass dies allein durch Absprachen erklärt werden kann – oder dadurch, dass einer vom anderen abgeschrieben hat. Denn es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass so viele Menschen unabhängig voneinander auf dieselbe Idee gekommen sind.
Die Vorwürfe wurzeln offenbar in dem subjektiven Eindruck, von Claus und der Ebert-Stiftung nicht recht ernst genommen worden zu sein. LoMi zum Beispiel beklagt sich:
„Wir können also noch so gepflegt, sachlich und argumentativ schreiben, am Ende sind wir für Leute wie den Autor eben doch nur stumpf emanzipationsfeindliche Alt-Machos.“

Elmar Diederichs hat gar das Gefühl, an der Nase herumgeführt zu werden, Wolle Pelz unterstellt den Nazi-Vergleichen von Claus eine politische Absicht, Hadmut Danisch wird aggressiv und bescheinigt gleich der ganzen SPD einen „Dachschaden“, Arne Hoffmann hat

„nicht die geringste Lust habe, mit einer Zusammenfassung und Analyse von diesem Quatsch meine Zeit zu vergeuden“ ,

Andreas Kraußer und Martin Domig psychologisieren gar und unterstellen dem Autor und seinen Auftraggebern Angst vor dem Verlust eines Deutungsmonopols. Als ob feministische Kräfte sich ihre Position nicht durch jahrzehntelang erarbeitete emanzipatorische Erkenntnisse verschafft hätten, sondern durch irgendetwas anderes, was weiß ich, etwa durch die Besetzung wichtiger Posten in den Institutionen oder ähnliches.

Auf die inhaltlichen Aspekte dieser Kritik einzugehen, würde lediglich den Eindruck erwecken, sie seien der Auseinandersetzung wert. Viel sinnvoller ist ein Umgang, den gerade Lia in der Emma empfohlen hat:

„Hier wurde vorgeschlagen, Antifeministen zu beschämen, indem man sie zu Jammerlappen erklärt (Ooooh, Du Armer). Das ist eine sehr gute Taktik, denn Männer können es nicht mit ihrem Selbstbild vereinbaren, schwach zu sein. Männer sind lieber ‚Hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder‘, sie gehen durch’s Feuer und jammern nicht! 

Diese Taktik wurde in Streitgesprächen auch schon von Bascha Mika angewandt (‚Muss ich Ihnen sagen, Sie sind ein Jammerlappen‘) oder Thea Dorn (‚Ich weine gleich‘).“

Natürlich wäre es ein Missverständnis, diese Männer-weinen-nicht-Position, die explizit auch nationalsozialistische Slogans nutzt, als reaktionär zu bezeichnen – sie greift lediglich subversiv die reaktionären Dispositionen auf, die bei „Männerrechtlern“ allgemein vermutet werden dürfen, und wendet sie gegen sie.

Was sind das schließlich auch für Probleme, über die sich diese Männer so lauthals beklagen: dass Vätern willkürlich der Kontakt zu ihren Kindern genommen wird – dass es verschiedene rechtliche Benachteiligungen für Männer gibt – dass die Gesundheitsfürsorge für Männer schlechter und ihre Lebenserwartung deutlich niedriger ist – dass Jungen in der Schule offenkundig Nachteile erleben – etc.etc..

Wie klein wirkt dies alles im Vergleich zu wirklichen Problemen, die Bascha Mika mutig, doch ohne zu jammern anspricht – dass nämlich Männer Frauen im fortgeschrittenen Alter nicht mehr hinterherschauen und diese Frauen damit regelrecht „unsichtbar“ machen würden. Männer hingegen können froh sein, diese Probleme nicht zu haben, weil viele von ihnen eh‘ ihr Leben lang unsichtbar sind und daher Zeit genug hatten, sich daran zu gewöhnen.

Warum Pirinçcis nützlich und Nazi-Bezüge bloß Metaphern sind Der Vergleich mit Rechtsradikalen und dem Mörder Breivik, den Claus so elegant zieht, macht vielen „Männerrechtlern“ jedenfalls ganz offenbar ernsthaft zu schaffen.

Glücklicherweise gibt es immer ein paar Antifeministen oder „Männerrechtler“, die den emanzipatorischen Kräften in der Geschlechterpolitik die Möglichkeit verschaffen, auf die Schnittmengen von Rechtsradikalismus und, z.B., Väterrechten immer wieder hinzuweisen. Akif Pirinçci beispielsweise, der nicht nur mit recht verwirrten Äußerungen („Die EU will uns töten!“)  auf sich aufmerksam macht, sondern der auf seiner Facebook-Seite auch ein paar Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen die für ihre Sexualpädagogik berühmte Professorin Elisabeth Tuider  veröffentlichen lässt.

Ein Kommentator bei Stefan Niggemeier bringt auf den Punkt, warum Pirinçci so nützlich ist:

„Wenn ich versuche, mit jemandem zu diskutieren und dabei steht neben mir jemand, der nach jedem meiner Argumente einmal brüllt: ‚Genau! Und außerdem seid ihr alle Arschgeigen!‘ delegitimiert das auch meine Position.“

Pech also für die „Männerrechtler“, die sich als gemäßigt oder gar als „links“ verstehen wollen – Pirinçci steht auf Eurer Seite!

Völlig verfehlt ist es übrigens, die Morddrohungen gegen Professorin  Tuider mit den Morddrohungen gegen den feminismuskritischen Professor Gerhard Amendt zu vergleichen.  Schließlich muss unbedingt berücksichtigt werden, welche Herrschaftsverhältnisse diesen Drohungen zu Grunde liegen.

Während eine Drohung gegen eine emanzipatorische Wissenschaftlerin als Widerstand gegen den bevorstehenden Verlust von hegemonialen Positionen verstanden werden muss, ist eine Morddrohung gegen einen feminismuskritischen Wissenschaftler natürlich lediglich ein etwas überschwänglich geratener Ausdruck von Befreiungshoffnungen, die sich nicht mehr länger unterdrücken lassen.

Oder, einfacher gesagt: Morddrohungen sind immer nur dann schlimm, wenn sie von den anderen kommen und nicht von progressiven Kräften. Oder irgendwie so.

„Woher kommt all der Hass?“, fragt Magda ganz in diesem Sinne beim Freitag. Ganz einfach: Hass ist es immer nur, wenn es von den anderen kommt – wenn es von uns kommt, ist es gerechtfertigte Wut.

Immerhin skizziert ein Kommentator von Magda ein Bild der „Männerrechtler“, das die Analyse von Robert Claus elegant zusammenfasst – und das erkennbar mit Hass ganz und gar nichts zu tun hat:

„Mit diesen Jammergeiferern, die furchtbar leiden, weil ihnen kein Papa Hitler mehr eine folgsame Zuchtgefährdin zuführt, kann ich eigentlich gar nix anfangen.“

Eine hübsche Links-Rechts-Kombination von Nazivorwurf und Jammerlappen-Beschämung.

Keine Angst müssen emanzipatorische Kräfte übrigens davor haben, dass ihnen das Verfahren, „Männerrechtler“ nach dem „guilty-by-association“-Prinzip zu diskreditieren (Väter hängen an ihren Kindern – Es gibt Nazis, die an ihren Kindern hängen – also sind Väter logischerweise irgendwie Nazis), irgendwann auf die eigenen Füße fällt. Wäre das nämlich möglich, dann wäre es schon längst geschehen.

Gerade stellte beispielsweise ein Artikel in der tageszeitung, dem Bayernkurier einer emanzipatorischen grün-roten Wähler_innen_schaft, frohgemut fest:

„Es muss in einem freien Land möglich sein, straflos das Existenzrecht Isreals infrage zu stellen.“

Eindrücklich ist der Text illustriert mit einem Bild von einer Demonstration, das Netanjahu als kindstötenden Vampir zeigt. Dass die „Infragestellung“ des Existenzrechts Israels nicht einfach eine abstrakte politische Position ist, sondern in der realen historischen Situation Massenmorde nach sich zöge, wenn sie sich durchsetzte, ist natürlich ein wenig peinlich – und dass es in diesem Land wieder möglich sein müsse, Massenmorde an Juden zu fordern, war eigentlich lange eine Position, die nicht einmal extrem rechte Parteien zu beziehen wagten.

Dass aber die taz ab und zu zwischendurch mal links und rechtsaußen verknüpft, war noch nie ein Problem. Würden die emanzipatorischen Kräfte in Deutschland tatsächlich nicht mit Leuten sprechen, wenn es in deren Positionen „Schnittmengen“ mit mörderischen rechten Positionen gibt, dann würden sie schon lange nicht mehr mit sich selber reden.

Aber darum geht es ja auch gar nicht.

Tatsächlich ist es  – und das ist ein wesentliches Ergebnis der so wichtigen wissenschaftlichen Arbeit von Robert Claus – völlig egal, dass die meisten „Männerrechtler“ mit Rechtsaußen-Positionen überhaupt nichts zu tun haben. Sie stehen für die Verteidigung patriarchaler Machtpositionen, und mit solchen Leuten redet man nicht, basta. Die Nazibezüge sind eher als unverzichtbare Metaphern zu verstehen, um den Gesprächsboykott auch Menschen begreiflich zu machen, die in Patriarchatstheorie noch nicht allzu firm sind.

Women Against Feminism:   Kritikentschärfer, Katzenbilder, Kuckucksväter Dies ist umso wichtiger, als ja in diesem Monat eine seltsame politische Bewegung immer stärker wurde: „Women Against Feminism“, mit eigener Facebook-Seite  und tumblr-Account.

Anstatt sich einfach mal die Frage zu stellen, ob es nicht verrückt ist, als Frau gegen Fraueninteressen zu wettern, und anstatt sich – wie das ja z.B. auch Oppositionelle in Stalins Sowjetunion getan haben – auf die Suche nach den psychischen Problemen zu machen, die eine Frau zur Opposition gegen die politischen Vertretung von Frauen bewegen…

…anstatt also das Naheliegende zu tun, äußern Hunderte von Frauen öffentlich Kritik. Feminismus sei feindselig gegenüber Männern – würde Frauen in Opferpositionen festzurren – und Feministinnen würden andere Frauen bevormunden  – etc.etc.pp., und immer so weiter:  Frauen, die sich vom Binnen-I belästigt fühlen  oder die finden, dass der Feminismus auch Frauen schade.

Auch hier lohnt sich natürlich eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht.

Wesentlich sinnvoller ist es, wenn feministische Frauen in bewährten Beschämungs-Strategien nicht-feministische Frauen schwesterlich lächerlich machen  oder sie ohne unnötige Angst vor Klischees einfach mit Katzenbildern auskontern.

Wenn dann noch Wikipedia-Einträge sachdienlich umgeschrieben und ein paar emanzipatorische Drohungen gegen die Urheberin der Netz-Bewegung platziert werden, ist alles Wesentliche schon erledigt.

Ganz falsch und anitemanzipatorisch hingegen ist es gewiss, die Frauen-gegen-Fraueninteressen als erwachsene Menschen zu behandeln, ihnen ernsthafte Motive zuzuschreiben und von diesen Motiven auch noch lernen zu wollen – wie das Cathy Young im TIME-Magazine  tut.

„Eine wahrhafte Bewegung für Gleichberechtigung würde sich für die Bedürfnisse und Interessen von beiden Geschlechtern verantwortlich fühlen. Sie würde beispielsweise für alle Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt eintreten, unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit – und zugleich für Fairness gegenüber denen, die solcher Vergehen beschuldigt werden. Sie würde sowohl Frauen als auch Männer unterstützen – und dies sowohl am Arbeitsplatz wie in der Elternschaft.“

Eine gefährliche Position, die gezielt den Eindruck erweckt, Gleichberechtigung hätte irgend etwas mit gleichen Rechten zu tun, und die so bloß auf der Ebene des Wortspiels agiert und die Analyse der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen verweigert.

Eines immerhin stimmt an der Women-Against-Feminism-Kampagne optimistisch. Sie erhält wesentlich mehr Aufmerksamkeit als „männerrechtliche“ Positionen, auch wenn viele ihrer Argumente dort schon seit Jahren formuliert werden. Geschlechterpolitik ist weiterhin Frauensache, so oder so.

Das ist umso wichtiger, als sich Männer zunehmend Gedanken um ihre politische Wirksamkeit machen, so wie  das auch  Arne Hoffmann im MANNdat-Interview tut – oder da sie sich international orientieren und beispielsweise die Erfolge der französischen Väterbewegung als Inspiration empfehlen  – oder sich auf eine Weise als Opfer gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen präsentieren, die recht eindrucksvoll für solche Menschen sein kann, die patriarchatstheoretisch nicht ausreichend geschult sind.

Gerade im letzten Monat gab es gar ein Urteil des Bundesgerichtshofs, nach dem „Kuckucksväter“ einen Auskunftsanspruch gegenüber den Müttern haben. So weit ist das Patriarchat also tatsächlich zu gehen bereit: Nun müssen Frauen damit rechnen, gesetzlich (!!) dazu verpflichtet zu werden, ihren Partnern zu erzählen, ob sie in zeugungsrelevanter Weise mit jemand anderem geschlafen haben. Angeblich ist es für Männer ja wichtig ist zu wissen, ob ihre Kinder eigentlich ihre eigenen Kinder sind – als ob sich Frauen umgekehrt über so etwas jemals Gedanken machen würden.

Nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Es bleibt wichtig, in der Geschlechterpolitik ÜBER Männer zu reden, aber nicht MIT ihnen. Ein eindrucksvolles Modell dafür haben uns im vergangenen Monat Robert Claus und die Friedrich Ebert Stiftung geschenkt.

Ein Hoffnungszeichen: Auf die hier bei man tau präsentierten  öffentlichen Briefe an Abgeordnete der SPD, die die Studie und ihre Nazi-Bezüge kritisierten, antworteten gerade einmal vier Angeschriebene – mit Hinweisen, später einmal zu antworten. So weit kann der Bürgerdialog schließlich nicht gehen, dass man am Ende noch mit Menschen redet, die anderer Meinung sind.

So bleibt es dabei: Wir reden nicht mit Männern, weil sie ohnehin nur ihre hegemoniale Position verteidigen wollen – und weil wir nicht mit ihnen reden, haben sie auch keine Chance, dieses Bild zu korrigieren.

Ein wunderbar in sich geschlossenes und gefestigtes  Muster, das einer emanzipatorischen Geschlechterpolitik noch lange behilflich sein wird.

 

Das Zitat von Cathy Young habe ich selbst ins Deutsche übersetzt. Hier ist das Original:

A true equality movement would be concerned with the needs and interests of both sexes. It would, for instance, advocate for all victims of domestic and sexual violence regardless of gender — and for fairness to those accused of these offenses. It would support both women and men as workers and as parents.
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46 Comments

  • Chapeau!

    Wir dürfen uns schon auf die nächsten Schreiberlinge nach Robert Claus freuen. Bei der Heinrich-Böll-Stiftung ist das Männerbewegungsbashing wie beim Fußball – nach dem Bashing ist vor dem Bashing. Wahrscheinlich wird dieser neueste Böller aus der Stiftung zur Handlungsanleitung beim BuFoMä (Bundesforum Männlein).

  • Wenn man(n) sich das alles so auf der Zunge zergehen lässt, dann schleicht sich ein gewisser Gedanke ein. So wie beim VAMV die Väter mit auftauchen, um zu suggerieren auch für sie da zu sein, so verhält es sich wohl auch im übertragenen Sinne mit Nazi-Vorwürfen. Frau lenkt ab und agiert beim genaueren Betrachten nach deren Vorgehensmodellen. Als erstes werden von der Allgemeinheit abgegrenzte Institutionen geschaffen (nur für Ohneglieder, auch Sinne des Geistes), um ungestört operieren zu können. Dann kommt das Bildungswesen dran (wichtig für die zukünftige Indoktrination [Feminismus, Genderismus]) um die Jugend entsprechend der ideologischen Klassifizierung (männlich = dumm, böse, Arbeiterklasse; weiblich spar ich mir hier) auf den zukünftigen Lebensweg vorzubereiten und zu formen. Parallel dazu wird versucht, sich die öffentliche Meinung per Medien gefügig zu machen (z. B. damit: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/frauenquote-pro-quote-a-977909.html#js-article-comments-box-pager). Wichtig dabei, alle Institutionen müssen ausgrenzend arbeiten (also z. B. keine Männer erlaubt etc., keine Kritiker, nur „Systemkonforme“ eben alles was vorher als Mißstände auf der Gegenseite angeprangert wurde ist nur für den eigenen Zweck erlaubt). Ist die notwendige Basis geschaffen, dann werden (nach Muster Weimarer Republik) wichtige Ministerien übernommen und nach eigenem Strickmuster mit ideologiekonformen MitarbeiternInnen bestückt. Als letztes dann, nach der Legistative (ein Hoch auf die kommende Bundes-Uschi;o), muss auch noch der Rest der Judikative (Baer sei dank) übernommen werden. Damit ist dann auch alles rechtens was gemacht wird, so das jeder Kritik die Basis entzogen ist und ganz ungeniert „gefraut“ werden kann. Da zieht auch die EU gerne mit (Gesetzentwurf ECTR/Süßmuth http://kreidfeuer.wordpress.com/2014/01/11/ectr-papier-kriminalisierung-und-umerziehung-fuer-gedankenverbrecher/). Und dann kommt noch die Toleranzbehörde dazu… was unterscheidet dann –D- vom Islamischen Staaten (Sittenpolizei, Sharia)… Genauso inhuman, ABER Rollentausch… 1984 lässt grüßen.
    Basis von allem ist natürlich Differnzierungsmodelle, die es erlauben die Gesellschaft in Gut und Böse zu differenzieren (das kennen wir ja zu genüge), dabei heiligt der Zweck die Mittel. Der ideologische geführte Geschlechterkrieg wird nicht physisch ausgetragen, sonder psychisch, das Schlachtfeld ist die Wirtschaft und das Privatleben. Der Endsieg wird auch dem historischem Vorbild folgen und wie damals verheerend auf Psyche und Wirtschaft wirken (erste Ansätze sind bereits vorhanden, Rückzug der Männer [Hikikomori bzw. kein Einsatz mehr für Gesellschaft und Beruf (Men on strike, http://cuncti.net/streitbar/485-der-streik-der-maenner), MGTOW [men go their own- way http://www.mgtow.com/about/ ] etc., die Quotenfrauen können/wollen und werden das nicht kompensieren). Dazu kommt, dass die gewünschten Bildungsverlierer (oder wie lässt sich die „massive“ Jungenförderung sonst erklären?) frustriert radikal werden, was natürlich prima in das geförderte und gewünschte hell/dunkel-Schema passt (die sich selbst erfüllende Prophezeiung)… Und wenn es schief geht ist ja klar wer schuld daran ist ;o)… Ihr Schuldigen Ihr!
    chris

  • Chapeau!

    Großartige Demonstration in Doublethink! Ich hätte mir einen Knoten ins Gehirn gedacht, hätte ich versucht, diesen Text zu schreiben. Allerhöchsten Respekt!

  • „“Woher kommt all der Hass?“, fragt Magda ganz in diesem Sinne beim Freitag.“

    Dazu noch eine Ergänzung, die auch mit der Frage zusammenhängt, ob und wie man politisch wirksamer werden kann.

    Zunächst ein paar Fakten zur feministischen Inquisition und virtuellen Textverbrennung, die gerade beim Freitag stattfindet:

    – Ein langjährig aktiver Benutzer namens fegalo (ca. 3 Jahre Mitglied, ca. 10 eigene Beiträge. 300+ Kommentare, generell sehr höflich, in der Sache aber hart) lieferte mMn besonders gute Argumente gegen die Tuidersche Sexualpädagik. Er wurde wüst angefeindet und war nach ein paar Tagen komplett gelöscht. Einige seiner Kommentare sind noch als „Ehemaliger Nutzer“ übrig.

    – Einem ebenfalls langjährig aktiver Benutzer namens crumar ging es nicht viel besser. Nach meiner Erinnerung hatte er ein gutes Dutzend Blogposts geschrieben, die vor 2 Monaten noch vorhanden waren – tabula rasa. Wann genau das passiert ist, weiß ich nicht.

    – Der Thread, der offensichtlich zur Löschung von fegalo führte, hatte ein stilgerechtes, abruptes Ende (nach 329 Kommentaren):
    https://www.freitag.de/autoren/magda/woher-kommt-all-der-hass#1407313597997756

    Community-Redaktion 06.08.2014 | 10:26

    Auf Grund der beleidigenden und anti-feministischen Kommentare wird dieser Thread geschlossen. Die Community Redaktion

    Anti-Feministismus ist nämlich nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt, Gotteslästerung geht einfach nicht. Nur damit auch klar ist, wo der Hammer hängt.

    Zurück zur Frage, ob und wie man politisch wirksamer werden kann. Pragmatisch gesehen stellt sich die Frage, wofür man seine Zeit investiert und welche Plattformen man für politisch relevant hält.

    Die Inquisition beim Freitag ist ganz einfach eine intellektuelle Selbstdemontage. Wenn das ein safe space zur feministischen Selbstbeweihräucherung sein soll, so eine zweite mädchenmannschaft, dann bitte, gerne, aber ohne mich. Die Wahrscheinlichkeit, von der Redaktion zensiert zu werden oder von den Thread-Autoren „versteckt“ zu werden, ist so hoch, daß man seine Zeit verschwendet, dort etwas zu schreiben.

    Ich würde eher über den Freitag als im Freitag schreiben. Der Magda-Post liefert dazu ganz hervorragendes Anschauungsmaterial.

    Selbst das nur unter der Voraussetzung, daß man den Freitag überhaupt für ein politisch relevantes Medium hält. Mit seinen ca. 20.000 Lesern ist er nicht ganz vernachlässigbar, andererseits im Vergleich zu den großen Zeitungen nur drittklassig. Auch außerhalb der Geschlechterfrage sind viele Beiträge sehr skurril, ich rätsele manchmal, was das für eine Leserschaft ist, die sich hier ihre Meinung liefern läßt.

  • Ich habe ab und zu Artikel im „Freitag“ gelesen. Vor allem und zuerst wegen Leserkommentare von Nutzern wie crumar und fegalo. Wenn diese zensiert werden, weil ihnen argumentativ nicht beizukommen ist – was in der Regel der Fall war – dann ist das die intellektuelle Bankrotterklärung der Verantwortlichen des Freitags. Am Ende dieses Prozesses wird der Freitag zu einem Medium, in dem in Artikeln und Leserkommentaren zu Geschlechterthematiken bloss noch feministische Phrasen gedroschen werden.
    Die hier erwähnte Magda ist übrigens von einer Ignoranz und Borniertheit, die seinesgleichen sucht. Zensur ist für den Ignoranten naheliegenderweise das Mittel der Wahl, wenn man den „Störenfrieden“ argumentativ nicht gewachsen ist.
    @ crumar
    Ich warte übrigens immer noch auf deinen Blog! Wenn ich mich recht erinnere, wurde dir unmissverständlich ein Schreibbefehl erteilt! 🙂

  • Ich wuerde diese Zensur nicht unterschaetzen — „intellektuelle Selbstdemontage“ ist vielleicht hier irrelevant, wenn nur die Indoktrination der Leser wirkt.

    Man sollte zu einem Boykott dieser Zeitschrift aufrufen. Wenn dies in einigen Blogs geschieht, has das schon eine gewissen Wirkung. (Und ja nicht auf „Gerechtigkeit“ setzen, d.h., wenn man Freitag boykottiere, muesse man ja auch andere Zeitschriften boykottieren — Gegenwehr muss immer punktuell beginnnen (sonst beginnt sie nie)).

  • Crumar und Leszek sind für mich auf jeden Fall die linken Analytiker und Vordenker der Männerrechtlerszene und so hoffe ich auch, dass crumar bald blogmäßig online geht! Wie „gefährlich“ er für die Feministinnen ist, zeigt ja das angesprochene Geschehen beim Freitag. [KlausT]

  • fegalo:

    Es freut mich, dass mein Rauswurf beim Freitag hier missbilligende Erwähnung findet. Der Freitag nennt sich zwar „Meinungsmedium“, duldet aber nur EINE Sorte Meinung, nämlich irgendwas zwischen links und linksextremistisch. Mein Rauswurf wurde von der Redaktion mir gegenüber in einer e-mail mit meinen „anti-feministischen Kommentaren“. begründet.

    Ich fragte die Redaktion zurück, ob sie anti-feministisch etwa mit misogyn verwechseln würde, und dass sie mir mit Sicherheit nirgends Misogynie nachweisen könne. Eine Antwort blieb erwartungsgemäß aus.

    Vor zwei Jahren bin ich wegen des gleichen Vergehens auch schon bei ZEITonline rausgeflogen. Ganz offensichtlich machen die Zensoren das nicht nur an einzelnen Beleidigungen fest, sondern sie eliminieren Kommentatoren irgendwann auch dann, wenn diese permanent gegen das erwünschte Meinungsklima anschreiben. Irgendwann ist dann der allergeringste Anlass ausreichend.

    Sogar auf EU-Ebene hat es bereits Bestrebungen gegeben, Antifeminismus als Straftatbestand zu deklarieren.

    http://www.freiewelt.net/nachricht/eu-verordnet-toleranz-durch-intoleranz-10020610/

    Auch hier fragt man sich, ob es sich dabei nicht um eine absichtliche Vertauschung von Begriffen wie „Frauenhass“ mit „Antifeminismus“ handelt, ähnlich wie beim Versuch den Begriff „Gleichberechtigung“ durch „Gleichstellung“ zu ersetzen, der ja eine vollkommen andere Bedeutung hat, nämlich die Forderung der Ergebnisgleichheit anstelle der gleichen rechtlichen Möglichkeiten.

    Schließlich:

    Diskussionsforen wie die des Freitag schmoren im eigenen ideologischen Saft, und wollen den politischen Gegner nicht überzeugen, sondern zum Schweigen bringen. Da dies nicht funktioniert, entfernt man ihn aus der Diskussion und klagt und jammert weiter unter seinesgleichen.

    Interessant sind dort zum Beispiel die Diskussionen um Themen wie Rassismus. Da echte Rassisten sich gar nicht beteiligen (sie könnten es keine Sekunde), werden nur Überbietungswettbewerbe im gefühlten Antirassismus ausgefochten, mitsamt gegenseitigen Bezichtigungen und Beschämungsversuchen.

  • Die redaktionelle Linie aller Periodika – inzwischen auch des SPIEGEL Online – ist identisch. Der Meinungshorizont wird zum Korridor. Es ist ja kein Zufall, dass sich Journalisten selbst bei der FAZ beschwerten, dass sie mit der Meinung des Lesers belästigt werden und besonders unsachliche Beiträge und Kommentare als Beleg dafür anführten, künftig jede Gegenrede einzuschränken, zu zensieren oder nicht zu veröffentlichen.

    Ich will das mal mit einem Beispiel pars pro toto illustrieren, weil ich mich gerade an einen früheren „Kumpel“ erinnere, der mit mäßiger Schreibbegabung, aber über ein paar nützliche Kontakte bis heute bei der taz arbeitet. Gleichwohl darauf hingewiesen, dass dieses Prinzip exemplarisch auch für den nicht-journalistischen Bereich und damit für Ämter, Behörden oder die freie Wirtschaft gilt: Als junger Mann und Student war er durchaus kritisch, eher links, aber nicht dogmatisch. Er war neugierig, trinkfest, hatte einen guten Humor. Über seine „Karriere“ bei der taz wurde er immer fetter und fetter (klar, argumentum ad hominem, aber dennoch als Beschreibung des Reifezyklus anzuführen), schrieb zwischendurch ein Buch mäßiger Spaßigkeit und Relevanz über Verschwörungstheorien und zeitigte dann wohl bei lausigem Gehalt einen Ressorthof, den es zu verteidigen galt und wie man es auch von langjährigen Mitarbeitern überall in der Welt kennt, wurde der Job zum Stellungskrieg gegen die eigene Mittelmäßigkeit und die Herausforderung, Mainstreammeinungen von links oder des Feminismus Stellung zu beziehen. Diese Korruption am eigenen Geiste oder die Angst, sich gegen die allgemeine Korruption zu wehren, erklärt sich aus der Marktlage. Wer aufbegehrt, wird über kurz oder lang gegangen. Der Journalist ebenso wie der SPD-Kreisliga-Denker. Dann lieber den Spatz in der Hand, weil man selbst für schmales Geld nicht mehr in einer anderen Redaktion unterkäme. Es lesen zwar weit mehr Männer als Frauen eine Tageszeitung, aber der Markt stirbt an den neuen Medien über die nächste Generation aus. Wer noch auf Papier macht, sieht sinkende Auflagen Richtung Tod und die Online-Auftritte der Zeitungen und Magazine haben das Vergnügen der Wahl. Das züchtet und filtert all die „irgendwas mit Medien“ auf 10 – 25 Prozent der Belegschaft. Denen geht allen die Muffe. Deswegen ist der Opportunismus Ausdruck schierer, nackter Angst. Und mit dieser Angst sind sie alle gleichgeschaltet. Und nein, dass ist keine These, sondern anhand von Auflagenzahlen der Medien zweifelsfrei offen nachvollziehbar. Strafe einen und erziehe Tausende.

  • @Peter „… wird der Freitag zu einem Medium, in dem in Artikeln und Leserkommentaren zu Geschlechterthematiken bloss noch feministische Phrasen gedroschen werden“

    Wohin so eine Mädchenmannschaftisierung führt, kann man beim Original ablesen, Ich kann mich irren, aber außerhalb einer radikalfeministischen Blase scheint mir das niemand mehr ernst zu nehmen.

    @Oliver K „zu einem Boykott dieser Zeitschrift aufrufen“

    Lieber nicht, das wirkt mehr als Werbung und man stellt sich als Knötterer dar. Es reicht eigentlich, die Fakten darzustellen, die Schlußfolgerung kann dann jeder selber ziehen. Wobei die Fakten zu kompliziert für einen #Aufschrei sind, das muß viel einfacher und eingängiger sein. Wenn ich ein Twitter-Konto hätte, würde ich wahrscheinlich das #magdagate oder #freitaggate ausrufen. Aber diese gate-Proklamationen werden langsam langweilig.

  • @fegalo: erst mal danke für die vielen guten Kommentare.

    „Ich fragte die Redaktion zurück, ob sie anti-feministisch etwa mit misogyn verwechseln würde“

    Die Frage stellt sich nicht. Feminismus hat in gewissen Kreisen den Status einer Religion, Antifeminismus als solcher ist für diese Leute unerträglich (auch wenn sie nicht mal genau sagen können, was (Anti-) Feminismus genau ist).

    „… sie eliminieren Kommentatoren irgendwann auch dann, wenn diese permanent gegen das erwünschte Meinungsklima anschreiben“

    Kann gut sein, viele Foren haben ein komplettes Verzeichnis aller Beiträge eines Nutzers. Offenbar sollte man regelmäßig seine Identität wechseln. Wobei man aufpassen müßte, nicht immer von der gleichen IP-Adresse aus zu arbeiten.

    „Diskussionsforen wie die des Freitag schmoren im eigenen ideologischen Saft,“

    Wir natürlich auch (ein ganz klein wenig 😉 ).
    Das Schmoren im eigenen Saft ist immer mit einer selektiven Wahrnehmung und Blindheit gegenüber validen Argumenten verbunden, bis hin zu Falschaussagen und Lügen. Das senkt das Qualitätsniveau und macht einen extrem angreifbar. Generell bin ich fest davon überzeugt, daß man die Wahrheit auf Dauer nicht unterdrücken kann (wenn man nicht gerade in China oder ähnlich totalitären Staaten wohnt). Deswegen kann man in einer halbwegs freiheitlichen Gesellschaft den politischen Gegner nicht durch eine lokale Zensur in einem weniger bedeutenden Medium zum Schweigen bringen.

  • @mitm

    Das ist so natürlich richtig.

    Nur, wie der Kommentar oben von 'chris' die systematische Methodik richtig zusammenfasst, möchten sie gern genau diese halbwegs freiheitliche Gesellschaft genau deswegen einschränken.

    Der ganze Feminismus und all das vorgeschobene Neusprech 'Gleichheitsbegehren' und 'Antidiskriminierung' dient nur dem Zweck der eigenen Privilegieren und Verantwortungsentledigung sowie der Unterdrückung derer, die das und die damit zusammenhängende Ausbetung anderer gefährden.

    Es dreht über Sicherung von Opferstatus mit zugehörigen Sündenböcken. Eigentlich ein Klassiker.

  • „Deswegen ist der Opportunismus Ausdruck schierer, nackter Angst. Und mit dieser Angst sind sie alle gleichgeschaltet.“

    Womit die Wertschätzung für die Printmedien sicherlich nicht zunimmt.

    So setzt man wohl einen Teufelkreis in Gang, der das Schicksal der Printmedien endgültig besiegelt.

    Man spart sich buchstäblich kaputt.

    – Nick

  • Auch ich kommentiere Artikel zu Geschlechterthemen auf SPON bzw. auf ZON, niemals jedoch schreibe ich in den Kommentarspalten des Freitag. Das wäre vergebene Liebesmüh'. Während man bei SPIEGEL oder ZEIT online wenigsten noch die Ahnung einer Diskussion verspürt, so ist der bereits angesprochene „eigene Saft“ beim „Freitag“ eher eine feministische Kloake, in der zu waten ich weder die Zeit noch das entsprechend unempfindliche Riechorgan habe. Und die Diskussion (gelegentlich über den entsprechenden Artikel hinaus gehend) ist doch das eigentlich spannende. Hier trennt sich die veröffentliche von der öffentlichen Meinung, hier prallen ggf. Argumente aufeinander, die in ihrer Subjektivität wenigsten ehrlich sind und hier muss (darf) keine Rücksicht auf eine Redaktionslinie genommen werden. Darum habe ich Fegalo und Crumar nie so ganz verstanden, dass sie ihre sachlichen und teils hervorragenden Argumente an die Sektenmitglieder des „Freitag“ (siehe: Liebesmüh') verschwenden.
    Eines noch zur Forumspolitik der angesprochenen Online-Medien: Die ist durchaus und durch die Bank uneinheitlich. Bei der taz wurde ich rausgeworfen, weil ich häufiger mal die Damen Oestreich, Pohl et. al. direkt angegangen bin (höflich und sachlich zwar, aber immer nahe an der Majestätsbeleidigung resp. Blasphemie), bei SPON komme ich mit sehr scharfen Kommentaren fasst immer durch durch, während Anmerkungen zu anderen Themen – auch und gerade unkritische – nicht durchkommen. Verstehe wer will… und bei ZON ist noch nie auch nur einer meiner Kommentare gelöscht worden, obwohl ich die Meinung der Autorinnen in der Regel nicht nur nicht teile, sondern für schlechten, weil parteiischen Journalismus halte, was ich auch sehr deutlich zum Ausdruck bringe.

  • „Forumspolitik der angesprochenen Online-Medien: Die ist durchaus und durch die Bank uneinheitlich.“

    Das ist kein Wunder. Die Moderation großer Foren mit tausenden Kommentaren täglich ist für die Verlage ein erheblicher Kostenfaktor. Deshalb setzen manche Verlage Softwaresysteme ein, die Kommentare automatisch filtern, und nur verdächtige Kommentare werden manuell geprüft. Dies wiederum von wechselnden Personen, ggf. nur Hilfskräften.

  • Ausnahme ist Zeit online, wo zunächst alle Kommentare veröffentlicht werden und nur bei Meldungen von Lesern ggfls. gelöscht oder gekürzt werden. Aber auch bei gelöschten Beiträgen wird der Name angezeigt: Und es wird mittgeteilt, dass (und warum) der Kommentar gelöscht wurde. Das passt zu einer grundsätzlich liberalen Zeitung und das finde ich angenehm transpartent und auch grundsätzlich angemessen.[KlausT]

  • fegalo

    „ „Diskussionsforen wie die des Freitag schmoren im eigenen ideologischen Saft,“
    Wir natürlich auch (ein ganz klein wenig 😉 ). „

    Der Unterschied ist, ob man dem politischen Gegner mit Argumenten begegnet oder mit Verteufelung und Versuchen der moralischen Diskreditierung. Ich denke, auf Letzteres hat die linke Riege das Abonnement. Viele linke Positionen stellen Gefühls- bzw. Gesinnungshaltungen dar, die mit der Wirklichkeit gar nicht vereinbar sind. Darum stehen ihnen auch keine Argumente zu Gebote, sondern man versucht, den anderen zu beschämen („Was, du bist gegen die ungehinderte Einreise afrikanischer Armutsmigranten nach Europa? Dann findest du es also in Ordnung, dass die zu tausenden im Mittelmeer ertrinken…“)

    „Generell bin ich fest davon überzeugt, daß man die Wahrheit auf Dauer nicht unterdrücken kann (wenn man nicht gerade in China oder ähnlich totalitären Staaten wohnt).“

    Das sehe ich auch so, aber manchmal dauert es – und letztendlich gilt es auch für totalitäre Staaten – siehe UDSSR. Auch Nordkorea wird fallen, vielleicht in gar nicht mal so ferner Zukunft.

    Was unsere Ideologen und Lügner, Gendermainstreamer, Feministinnen, PC-Trommler etc. betrifft, so ist Aufklärung das beste Gegengift. Von Gender Mainstreaming hat noch immer der größte Teil der Bevölkerung nicht das Geringste gehört, und wer es zum ersten Mal tut, glaubt es zunächst nicht, und wenn er sich dann informiert, ist er entsetzt und wird richtig sauer.

    „ Deswegen kann man in einer halbwegs freiheitlichen Gesellschaft den politischen Gegner nicht durch eine lokale Zensur in einem weniger bedeutenden Medium zum Schweigen bringen.“

    Nein, man kann nur dortselbst eine Weile lang heile Welt spielen.

  • fegalo

    „Darum habe ich Fegalo und Crumar nie so ganz verstanden, dass sie ihre sachlichen und teils hervorragenden Argumente an die Sektenmitglieder des „Freitag“ (siehe: Liebesmüh') verschwenden.“

    Es kommt eben ganz darauf an, was man sich davon verspricht. Ich habe mir noch nie eine Sekunde versprochen, in einem Forum jemanden zu überzeugen oder umzustimmen. Dergleichen findet niemals statt. Die Auseinandersetzung mit politisch Andersdenkenden kann außerhalb der politischen Bühne, wo um realen Einfluss gerungen wird, nur dazu dienen, die eigenen Position zu klären, Argumente zu entwickeln und zu erproben, und das gegnerische Milieu kennenzulernen. Außerdem ist da immer das Vertrauen, dass irgendwelche schweigenden Mitleser von den Argumenten, die man entwickelt oder verbreitet hat, profitieren werden.

  • @Peter

    Mein Blog ist aus den von mir schon befürchteten Gründen noch nicht zustande gekommen: wenn sich die Arbeit (samt beruflich bedingter Abwesenheit von zu Hause) mit familiären Verpflichtungen addiert, dann schmilzt die verfügbare Zeit auf annähernd Null. Und so war es und das war es dann mit dem avisierten Termin 15.7….nächste Woche habe ich jedoch etwas Zeit. Mal schauen!

    Was ich gerade noch so geschafft hatte, waren ein paar Kommentare zu dem Artikel „Mann, oh Mann“ im „Freitag“ unterzubringen, der sich der Studie von Claus widmete.
    Ich kam in diesen Kommentaren – wenig überraschend – zum gleichen Schluss wie Schoppe und Arne Hoffmann. Man braucht nur die Literaturliste der „Studie“ durchzulesen um festzustellen, dass es sich bei Claus um einen Blöffer und Scharlatan handelt, der sich um jede echte Auseinandersetzung mit der (linken) Männerrechtsbewegung herumdrückt.

    Erstaunlicherweise wurden meine (!, andere schon) Kommentare nicht unterdrückt und auch die Anschuldigungen nicht zensiert.
    Da aber in den Eingangs von mir zitierten Texten explizit die LINKE politische Orientierung schon im Titel stand war es danach unmöglich, einen Diskurs zu führen, als handle es sich bei der Männerbewegung per se um eine rechte Bewegung.

    Das würde ich daher als Vorgehensweise weiterempfehlen.
    Irgendwann werden sich die anderen (ihr habt ein Publikum bei jeder Auseinandersetzung) Leser und Leserinnen der Kommentare nämlich fragen, warum ein „Rechter“ ein ganzes Buch schreibt, das „Plädoyer für eine *linke* Männerpolitik“ heißt.

    Und es lesen wesentlich mehr Menschen die Kommentare als man gemeinhin denkt.

    Genau deshalb fing ich auch an beim „Freitag“ zu debattieren: um den Eindruck zu konterkarieren, „der“ Feminismus sei selbstredend links und jede Kritik an diesem könne nur von rechts kommen.
    Da ich durch andere Kommentare und Beiträge als Linker im „Freitag“ bekannt bin, ist es völlig unmöglich, mich ideologisch ins Lager der Rechten hineinzuschreiben.
    Das wäre so auffällig blöd, es würde niemand probieren, nicht einmal Andreas Kemper. 😉

    Zu meinem ehemaligen Blog beim „Freitag“:

    Ich bin *selber* aus meinem Blog beim „Freitag“ ausgestiegen, nicht herausgeworfen worden und habe stillschweigend meine Artikel heraus- und mitgenommen.
    Eine Sperre hatte ich einmal bekommen, die offiziell einen Monat dauerte und von den Moderatoren „freiwillig“ noch um ein paar Wochen verlängert worden ist. 😉

    Ich starte ein eigenes Blog, um mit *euch* und anderen, neugierig gewordenen Männern zu diskutieren und Positionen und Forderungen zu entwerfen.
    Den Streit mit den Mainstream-, Barbie- und männlichen Pro-Feministinnen halte ich inzwischen für verschwendete Lebenszeit.
    Die sind in Sachen Theorie und Argumentation auf einem so niedrigen Niveau angekommen, es grenzt schon an Selbstdemontage.

    Wenn wir ein eigenes Programm haben und wenigstens etwas mediales standing, dann geht m.E. der politische Streit und der um finanzielle Ressourcen ohnehin erst richtig los.
    Bis dahin tut eine geschlechterexklusive Debatte ganz gut, glaube ich. 😉

    Schönen Gruß, crumar

  • Da haben Sie vollkommen recht, niemand, der eine feste Meinung hat oder gar einer starren Ideologie anhängt, wie der Feminismus eine ist, ließe sich umstimmen. Dieser Illusion habe ich nie aufgesessen. Allerdings würde ich die Wirkung einer sachlichen und klaren Argumentation nicht unterschätzen, die Menschen zum Nachdenken bringt, die eben nicht das Hirn an der Feministinnen-Garderobe abgegeben haben. Diese Menschen zu erreichen lohnt sich durchaus- auch durch Diskussionen in Foren.

  • Meine Erfahrung: zon simuliert nurmehr Transparenz. Ansonsten das gleiche rigide Vorgehen gegen leiseste Feminismuskritik. Bin nach jahrelangem kommentieren als „Zeitist“ urplötzlich gesperrt worden – und zwar ohne erkennbaren Grund oder etwa einer Erklärung. Mein Schwerpunkt: die ideologisch gefärbte Berichterstattung bei Geschlechterthemen für die exemplarisch eine im Wochentakt feministische Mythen propagierende Tina Groll stand und immer noch steht.
    Habe danach noch unter 7 oder 8 accounts kommentiert. Alle wurden nach maximal 2-3 Kommentaren gesperrt. Schon die Nennung von einschlägigen Zahlen genügt, um als „unsachlich“ gekennzeichnet/gekürzt im Kommentarthread zu erscheinen. Hoffnungslos dogmatisch.

    Mit liberalen Grundsätzen hat DIE ZEIT schon lang nichts mehr am Hut. Das war vor wenigen Jahren anders, als man bei zon noch Umfragen starten konnte. Nein, die liberale ZEIT ist mit der Feminisierung der Medien ein für alle mal vorbei.

  • @Anonym10. August 2014 17:20 95 % meiner Kommentare werden nicht gelöscht. Vielleicht liegt es an meinem moderaten Schreibstil, ich kenne aber Ihre Postings nicht, kann mir also kein Urteil dazu erlauben.[KlausT]

  • @KlausT

    Es gibt inzwischen ein Buch, das sich mit der Gesamtsituation befasst: 'Tussikratie'.

    Die Autorinnen kommen zu folgenden Urteil:

    „Die Debatte (oder das, was in der Zeitung so genannt wird) sieht für uns aus wie ein Sermon, der von Frauen für Frauen gemacht ist – oder vielmehr: von bestimmten Frauen (nennen wir sie der Einfachheit halber mal: Akademikerinnen) für bestimmte Frauen (ihre Freundinnen) und unter der Bedingung, dass alle brav nicken. Die Rede von 'Geschlechtergerechtigkeit' wurde so umfunktioniert, dass eine Diskussion eigentlich kaum mehr möglich ist, weil von vornherein feststeht, dass nur ganz bestimmte Beiträge erlaubt sind, und scheinbar auch, wer bestimmt, was erlaubt ist. Männer dürfen zurzeit sowieso nur zustimmen, wenn es um Geschlechterfragen geht.“ Dementsprechend sehe man Männer inzwischen „bemerkenswert häufig einen halben Schritt nach hinten ausweichen, um dann verteidigend die Hände hochzuheben“ und zu sagen „Ich bin ja Feminist!“ Über dieser zunehmend totalitären Debatte wache statt einem Big Brother inzwischen Big Sister als „Diskurspolizei“, die „nur sauber abgezählte Äußerungen zulässt und darüber wacht, dass alle die gleiche Meinung zu Sexismus, Kinderbetreuung und Gender Pay Gap haben“ und „jeden attackiert, der anders nachdenkt oder – Gott bewahre – sogar zu anderen Schlussfolgerungen kommt“.

    http://community.zeit.de/user/klaust

    Bist du das?

  • @ fegalo „Mein Rauswurf wurde von der Redaktion mir gegenüber in einer e-mail mit meinen „anti-feministischen Kommentaren“. begründet.“ Ich merke an einer solchen Information erfreut, wieviel unschuldige Naivität ich mir doch bislang noch bewahren konnte. Dass „antifeministsiche“ Kommentare ein Grund sein könnten, jemanden irgendwo rauszuischmeißen, kann ich eigentlich immer noch nicht so recht glauben. Obwohl ich natürlich weiß, dass es passiert, nur:

    Dass jemandem Antifeminismus oder Feminismuskritik auf die Nerven gehen könnten, dass er sie falsch findet oder blasiert – das kann ich mir alles vorstellen, und das ist dann auch sein gutes Recht (wäre nur halt schön, wenn er ab und zu auch mal Argumente für seine Position hätte).

    Aber dass die Äußerung einer solchen Kritik an sich etwas Schlechtes sein sollte, und dass sie gleichsam zur Exkommunikation des Kritikers führt – das kommt mir noch immer unwirklich vor.

    Ich glaube sogar, dass es vernünftig ist, ein wenig von dem Staunen über diese antidemokratische Betoniertheit aufzubewahren – und sei es nur, um Distanz zu wahren gegenüber einer Logik, von der ich mal dachte, sie käme nur noch in Romanen (klar: 1984, oder auch: …wie eine Träne im Ozean).

    Aber es hängt wohl direkt mit dem zusammen, was crumar am Ende schreibt: „Die sind in Sachen Theorie und Argumentation auf einem so niedrigen Niveau angekommen, es grenzt schon an Selbstdemontage.“

    Wer feministsiche Thesen vertritt, kann sich eine offene Diskussion nicht mehr leisten. Mehr noch: Es reicht nichtmal mehr, sich dieser Diskussion immer wieder zu entziehen – dazu gibt es mittlerweile schon zu viele, die aufmerksam geworden sind, auch wenn sie nicht selbst mitdiskutieren. Was hilft, ist eigentlich nur noch, dass nirgendwo jemand eine Kritk äußern kann.

    Und das ist natürlich aussichtslos und nicht durchzusetzen.

    Solche Rauschmisse wie der von fegalo sind – so hart sie gegenüber dem Einzelenen sind – vermuitlich eben auch ein Zeichen dafür, dass die feministischen Hegemonen der Geschlchterdebatten insgeheim um die enorme intelektuelle, politische und moralische Schwäche ihrer Positionen wissen.

  • Auch aus der Diskussion um „Tussikratie“, nachstehender Beitrag stammt von mir. Eine gewisse Polemik ist immer dabei, aber vor allem versuche ich immer, nachvollziehbare Argumente zu bringen. Wie auch immer: Nicht einer meiner Beiträge wurde bisher zensiert. (das Zitat bezieht sich auf einen anderen Beitrag im Forum)

    137. Sehe ich nicht als Privilegien
    „Stellen Sie sich mal mit ner Autopanne an den Straßenrand und warten Sie was passiert, da sehen Sie wer Privilegien in diesem Land genießt.“

    Das sind für mich keine Privilegien, sondern anerzogene Verhaltensweisen, wie früher der Indianer, der keinen Schmerz zeigen oder der Junge, der nicht weinen durfte.
    Privilegien sind die Quote (die, wie Sie sehen werden, sich über kurz oder lang nicht nur auf Aufsichtsratsmandate beschränken wird), die Privilegien von Frauen vor Familiengerichten, bei Stellenbeschreibungen (Frauen bei gleicher Qualifikation…bevorzugt), vor Strafgerichten (Stichwort Strafrabat), in der Werbung (Frauen smart, Männer dämlich), im normalen Leben (Frauenparkplätze etc.) usw. usf. Neben diesen tatsächlichen Privilegierungen stehen die gefühlten Privilegien, die Feministinnen Männern andichten. Welche das nur sind, ich komme auf kein einziges… Vielleicht im öffentlichen Dienst? Nee, da werden Frauen bevorzugt, wie bei den Gleichstellungsbeauftragten, Frauenhäusern (bei ungefähr gleicher Verteilung der Geschlechter bei häuslicher Gewalt), bei der Bundeswehr (unterschiedlich gewertete Einstufungstest mit verminderten Anforderungen an Frauen), der Schule (schlechtere Bewertung von Jungen) etc.

    Bitte helfen Sie mir, es muss doch männliche Privilegien geben, wenn Feministinnen daraus schon ein Mantra machen, die würden doch nie lügen…?

  • „Der Unterschied ist, ob man dem politischen Gegner mit Argumenten begegnet oder mit Verteufelung und Versuchen der moralischen Diskreditierung. Ich denke, auf Letzteres hat die linke Riege das Abonnement.“ Ich glaube: Dier Verteufelung der Gegner liegt nahe bei allen politischen Richtungen, die sehr stark mit moralischen Argumenten arbeiten. Ob es dabei um Gerechtigkeit (eher links) oder gute Sitten (eher konservativ, war es jedenfalls mal) geht, spielt gar keine vordringliche Rolle.

    Wer eine moralisch sehr hochgestimmte Position vertritt, kann den Gegner dieser Position eben nicht einfach als jemanden wahrnehmen, der eine andere Meinung hat, der Sachverhalte anders bewertet, aus denselben Prämissen zu anderen Schlussfolgerungen kommt oder der mit anderen Prämissen arbeitet, Er kann ihn nur als jemanden sehen, der sich moralisch verwerflich verhält.

    Ein Geheimnis des feministsichen Erfolges ist wohl, dass feministische Politik sowohl linkes wie auch rechtes Moralisieren bedient: als Kampf für die unterdrückte Frau kommt sie links, als Bewahrer der Traditionen männlichen Schutz- und Versorgungsverhaltens kommt sie rechts daher.

    Deshalb bin ich mir sicher: Die Sakralisierung des Feminismus ist AUCH ein linkes Problem, aber Linke haben es nicht exklusiv.

  • @Lucas

    Das von dir hier geschriebene:
    „Was hilft, ist eigentlich nur noch, dass nirgendwo jemand eine Kritk äußern kann. Und das ist natürlich aussichtslos und nicht durchzusetzen.“
    sehe ich wesentlich pessimistischer.

    Als die ersten kritischen Beiträge von Feministinnen als „hate speach“ auf hatr.org gesendet wurde, war für mich klar, worauf die Sache hinausläuft. Nämlich als unerträglich empfundene *Kritik* am Feminismus als *Hass* zu reformulieren.

    Dann ging und geht es politisch darum a. die Bedeutung des Wortes „Hass“ so zu verschieben, das selbst sachlich geäußerte Kritik am Feminismus genau den gleichen Status hat wie die hassvoll geäußerte radikale Polemik, weil b. die Kritik als Hass *empfunden* wird.
    In der Öffentlichkeit wird nun eine beliebige Krawallschachtel, ein Serienmörder usw. als Begründung vorgeschoben und s.o. irgendein nützlicher Idiot findet sich. Eigentlich gemeint jedoch ist die inhaltliche Kritik.

    Dann geht es c. darum, diese spezifisch subjektiv-feministische Form der *Wahrnehmung* politisch zu verallgemeinern und Maßnahmen einzufordern gegen den Hass, ergo die Kritik. Und damit ebenso zu setzen, dass der feministische Subjektivismus Allgemeingültigkeit hat.

    Das (bspw. das EU-Papier zur „Förderung der Toleranz“) läuft immer Hand in Hand mit Vorschlägen zur Zensur und Selbstzensur der Medien, zur staatlichen Indoktrination der Schüler und Schülerinnen via Schule, zur Erfindung neuer Straftaten (siehe Belgien) in diesem Geiste, zu Überwachungsbehörden und Gesinnungsschnüffelei.
    Und zur Beugung und Biegung des Grundgesetzes – was wird aus der Meinungsfreiheit, dem kompletten Artikel 5 GG!?

    Den Stellenwert und den Einfluss, den dieser neoliberal gewendete Feminismus in den obersten Etagen des „Patriarchats“ gewonnen hat, hat er m.E. nicht ohne Grund.
    An dieser Stelle sehe ich diese nur als nützliche Idioten der Neoliberalen bzw. des Kapitals. Es ist wie einen Testballon steigen lassen, ob und wie stark der Widerspruch gegen die absehbare Einschränkung demokratischer Freiheiten sein wird.
    Und ob es gelingt, diesem Widerstand die Spitze zu brechen, indem man Kritik an der Schleifung von demokratischen Rechten bspw. als reaktionär und sexistisch denunzieren kann.

    Man hat rot/grün gebraucht, um den hiesigen Sozialstaat zu schleifen und nun werden die nützlichen Idiotinnen der genderistischen Gegenaufklärung eben benutzt, um Demokratie und Rationalität zu beseitigen.
    Sieht alles eher nicht so gut aus…

    Schönen Gruß an dich vom crumar

  • Auch ich bin nach aller Erfahrung im Hinblick auf eine offene Debatte eher skeptisch. Ein demokratischer Austausch auf rationaler Ebene ist definitiv nicht zu erwarten. Liegt doch die Spaltung des Humankapitals mittels feministischem Hate speech ganz im Interesse des Establishments. GenderM als Einfallstor für weitere Topdown-Diskriminierungen. Das Ende der Fahnenstange ist hierbei lange nicht erreicht.
    Die Unverfrorenheit mit der in Medien, Politik, Institutionen usw. inzwischen vorgegangen wird, deutet auf weitere Beschneidung universaler Bürgerrechte und den Ausbau repressiver Strukturen hin.
    Die nützlichen Idiotinnen werden weiter Öl ins Feuer giessen dürfen mit ihrer Demagogie, ihrer rücksichtslosen Egomanie, ihrer Ignoranz und ihren irrationalen Hass auf den Mann, denn eine gespaltene Menge lässt sich bekanntlich leichter lenken.

    Insofern ist es in der Tat jammerschade um jeden Versuch der sachlichen Auseinandersetzung, denn er hat nicht die geringste Chance gehört zu werden.

  • @Revolte Teil 1 von 2

    Es gibt m.E. keine Alternative zu einem Versuch der sachlichen, rationalen Auseinandersetzung.
    Das ist das „Problem“ und jeder sollte eine Lösung entwickeln, mit der er/wir individuell, emotional als (männliche) Individuen auch in dieser Auseinandersetzung leben können.

    Bist du nämlich – berechtigt – so sauer, wie es dein Gefühl dir sagt Angesichts des Hasses, der dir entgegenschlägt, dann verwandelst du dich in genau den „angry white man“, von dem sie von vorne herein sagen, du seist genau dieser.
    Sie nutzen die von ihnen medial produzierten Stereotype und Zerrbilder über Männer so, dass in der Auseinandersetzung sich die Stereotype erst „bewahrheiten“. In diesem „Geschlechterkampf“ entstehen wir als genau dieses Zerrbild von uns – das mit uns als Individuen, als individuelle Männer nichts zu tun hat.

    Dabei werden die emotionalen Reaktionen der Männer ex-post mit Labeln versehen, die ihnen eine „eigentliche“ Motivation zu ihrer emotionalen Reaktion unterstellt, welche sich dann *in* der Reaktion „bewahrheitet“.
    Beispiel: du bist nicht sauer, weil du als Mann offensichtlich gesellschaftlich diskriminiert und medial auf einen Trottel reduziert wirst, sondern weil du im Begriff bist, deine „männlichen Privilegien“ zu verlieren.
    Dabei brauchen sie gar nicht zu benennen, welche Privilegien das genau sind – das ersparen wir ihnen nämlich, präzise zu benennen, um welche es sich handelt. Nachhaken wäre m.E. eine gute Idee…

    Natürlich setzt der skizzierte Vorgang wiederum an dem Klischee der Kontrolle der Männer über die eigenen Gefühle an, wonach der Verlust der Selbstbeherrschung auch ein Verlust an Männlichkeit ist.
    D.h. unbewusst packen sie dich damit an den, deinen männlichen Eiern.

    Und das wäre also *ein* passender Antwortsatz: „Ja, ich habe dicke Eier!“ 😉

    Auch nicht schlecht: „Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir's euch auch darin gleich tun.“

    Die „shame tactics“ sind „emo tactics“, die an genau den männlichen und weiblichen, stinketraditionellen Geschlechterrollen ansetzen – es ist eigentlich langweilig, das immer und immer wieder zu wiederholen – welche die Genderisten vorgeblich überwinden wollen.

    Appell an dich: „Du bist doch so ein großer, starker Mann, du kannst das ertragen!“ (hat Lucas schön entdeckt) im Gegenzug die Ich-Botschaft der Frau: „Oh, it hurts! Hilf mir, großer starker Mann!“
    Frag Christian, aus dieser Situation lässt sich bestimmt was machen! 😉

    M.E. sollten wir immer wieder genau das aufzeigen: dass hinter all ihren Appellen, gerichtet an Männer (=uns), den Vorwürfen, den Verhaltensaufforderungen das stinketraditionelle Geschlechterarrangement und konservative Geschlechterrollen stehen.

    Damit will ich sagen: dieser, ihr Weg führt nirgendwo hin. Er zeigt keine (gesellschaftlichen) Lösungen auf, er beschreibt noch nicht einmal die (gesellschaftlichen) Probleme der Geschlechter adäquat.
    Und das ist der eigentliche Ruin des Feminismus gewesen, lange bevor er sich ins herrschende System integriert hat.

    So und das für heute vom crumar

  • Ich sehe hier einen grundlegenden Fehler: Das Problem ist nicht, zu einem „angry white man“ zu werden, sondern das wirkliche Problem wird dann erzeugt, wenn man es zu vermeiden versucht!

    Denn mit dem Vermeiden wird sich eingefuegt in die Hegemonie, die besagt, dass „angry white man“ was Falsches ist. Und damit wird man zu einem kraftlosen Idioten.

    „Es gibt m.E. keine Alternative zu einem Versuch der sachlichen, rationalen Auseinandersetzung. „
    „Rational“ ist hier scheinrational, da einfach durch Nennung von „angry“ die wesentliche(!) Kraftquelle des Mannes, die „Eifersucht“ (traditionell gebraucht!!), ausgeschaltet wird (fuer den, der sich in die Hegemonie einfuegt).

    Die Schwaeche der Maennlichkeit besteht ja doch heute gerade darin, dass der „akademische Diskurs“ vom „Diskurs des Herren“ abgetrennt wurde, so dass es dann entweder „reinen rationalen“ Diskurs gibt, ohne Ereignis, kraftlos, oder den „reinen symbolischen“ Diskurs, bildmaechtig, ohne Vernunft. Es ist in der Tat so, dass das heutige (perverse) politische Denken der Kampf um „Hegemonie“ ist (dies ist viel genauer als „Definitionshoheit“), naemlich das Besetzen der Begriffe, womit das BEGEHREN beherrscht wird.

    Nehmen wir ein anderes, zentrales Beispiel, die Trias
    Fortschrittsglaeubigkeit, Wissenschaftsglaeubigkeit, Technikglaebigkeit.
    Nur durch den Irrglauben des „rationalen Verhaltens“ ist es doch moeglich, dass einfach durch Nennung dieser Begriffe diese drei zentralen Glauben fast ausgeloescht wurden. Wir muessen an die Moeglichkeit der besseren Gesellschaft (Fortschritt), die Moeglichkeit des Verstehens (Wissenschaft), und die Moeglichkeit des Eingreifens (Technik) *glauben*. Aber da die Vernunft sich selbst irre gemacht hat, haben wir die psychopathische Aufspaltung in „Versteher“ und „Macher“. In unserem Beispiel, typisch fuer diesen Diskurs hier auf dieser Seite ist doch die Reduktion auf das „reine Verstehen“, dem der Feminismus als „reines Machen“ gegenueber steht.

    „Angry white men“ benennt drei wesentliche Elemente des Fortschritts:
    – „angry“, die notwendige Gefuehlsbasis im Zorn, angesichts des universellen Wahnsinns
    – „white“, die Wissenschaft
    – „men“, der Arbeiter.
    Der hegemoniale Diskurs hat es geschafft, diese Begriffe unbewusst mit Schuld aufzuladen, so dass es kein Entrinnen zu geben scheint(!).

  • Noch ein Nachtrag: „dass hinter all ihren Appellen, gerichtet an Männer (=uns), den Vorwürfen, den Verhaltensaufforderungen das stinketraditionelle Geschlechterarrangement und konservative Geschlechterrollen stehen.“

    Das koennen wir den Feministen aber nicht veruebeln, denn es ist unsere Schuld. Die „vaterlose“ Gesellschaft ist unsere Feigheit, die Rolle des „Vaters“ auszufuellen. Die Feministen versuchen nur, diese Leerstelle mit ihren Mitteln auszufuellen, die Sinngebung der Gesellschaft, der symbolische Rahmen. Dass sie dies mit ihren bescheidenen Mitteln tun (den der Hausfrauen), ist naturgegeben und nicht ihre Schuld. Schuldig sind die, die da meinten, am Weiblichen wuerde die Welt genesen.

    Oder: wo die Maenner zu falschen Hysterikern werden, muessen die Frauen zu falschen Herren werden.

  • @crumar

    Sie fahren bewusst zweigleisig. Deshalb verstecken sie auch deine Kommentare, oder verwehren mir 'freundlich' grüßend aufgrund meines Geschlechts die Teilnahme an Veranstaltungen mit Thema „Strategien gegen Sexismus“. Wir bekommen also erst gar keine Gelegenheit zur sachlichen Auseinandersetzung, denn ihnen ist vollkommen klar, dass bei einer solchen ihr ideologisches Kartenhaus schneller zusammenfällt als sie sich die Wimpern tuschen. Darum müssen sie uns zu Dämonen erklären, denn anders ist sind Maulkorb und dauerhafte Diskriminierung schließlich nicht zu rechtfertigen.
    Sie wollen uns wie ehedem dienstbar bis zur Selbstopferung – Erfüllungsgehilfen wie auch immer gearteter weiblicher Lebensentwürfe. Und wenn SIE über all die Jahrtausende keinen Grund hatte sich rational zu verhalten, warum sollte SIE es plötzlich anders halten? SIE kommt mit derlei durch – auch durch die Institutionen.

    Das soll dich jedoch keineswegs bzgl. deines geplanten Blogs – den ich mit gespanntem Interesse erwarte – entmutigen, bester crumar. Abseits aller medial verbreiteten Irrationalität und Demagogie sind deine Texte wohltuend erhellende Schlaglichter auf finsterste Gegenaufklärung.

    Wie ich bereits vor einiger Zeit bei Christian schrieb, besteht für IHN heute die Herausforderung darin, das Beste aus dieser alles in allem deprimierend aussichtslosen Gesamtsituation zu machen. Für mich heißt das: Grund erwerben, Hütte zimmern, selbst versorgen, Ausstieg.

    Schöne Grüße

  • Hallo Lucas,

    “Aber dass die Äußerung einer solchen Kritik an sich etwas Schlechtes sein sollte, und dass sie gleichsam zur Exkommunikation des Kritikers führt – das kommt mir noch immer unwirklich vor.“

    Wenn im Freitag, links, feministisch und dank Verleger auch antisemitisch, Kritik an diesen Themen hochkommt, dann gehen bei einigen Lesern die Filterbubbles kaputt. Und da Crumar und andere eben nicht bereit sind vor jedem Artikel eine Triggerwarnung zu schreiben, sind die armen Feministinnen diesem dann auch noch Schutzlos ausgeliefert.

    Wenn Du Dir die ganzen Planungen zu feministischen Seminaren ansiehst, geht es doch genau um diese Filterbubble. Frauen brauchen erst mal einen Schutzraum, wo sie sich nach empfangener Kritik einmal ausruhen können und von den entsprechenden Damen wieder aufgebaut werden. Dann gibt es quotierte Redelisten, damit bloss kein Mensch merkt, das die Mehrheit der Menschen evtl. gegen ein Thema ist, wobei am besten die Redeliste einseitig quotiert ist. Bitte nicht derailen, kein Victim blaming, also den anderen die Schuld für ihr Verhalten geben, immer alles recht freundlich und mit LiLaLaunebär wir haben uns alle Lieb gesicht. Und, seien wir mal ehrlich, da sind dann Crumar und andere nun mal die Trolle, die nur provozieren wollen, die nur Gegenhalten, weil sie alle anderen genau von diesem wir haben uns alle lieb abhalten. Zugegeben, auch wenn sie gute und sogar bessere Argumente haben.

    @Crumar
    Wäre schön etwas regelmässig von Dir zu lesen. Doch warum nicht als Gastleser. Ich sehe das die Szene sich hier gerade aufbläht. Was evtl. auch mit dem Blog Patriarchat zu tun hat, wo täglich viele Artikel hochpoppen. (was ist eigentlich mit dem Blog im moment?)

    Besser wäre es unsere Aushängeschilder durch gute Gastartikel weiter aufzuwerten. Lieber 5 Perlen als ein Kilo Perlenstaub. Deshalb, wenn Du keine Zeit hast, warum nicht als Gastautor bei Lucas, LoMi, Christian, Genderama etc. Deshalb finde ich auch den Gemeinschaftsblog Geschlechterallerlei sehr gut, weil vielfältig, ausgewogen und durch viele Schreiber immer mit Leben gefüllt.

    Wenn wir einen qualitativ guten Blog mal in den Rankings sehr hoch kriegen, dann würden noch mehr auf ihn aufmerksam. Irgendwann kann man so was dann nicht mehr ignorieren…

    Gruss
    Kai

  • Ok, ich sehe mal, ob ich es heute schaffe, ein paar eurer anregenden Gedanken aufzunehmen und mich mit diesen zu beschäftigen.

    In chronologischer Reihenfolge.
    @Oliver

    Wenn man die Herkunft des „angry white man“ betrachtet, dann entstammt dieses Label historisch der Behandlung der Anliegen *schwarzer* Männer in den USA – ERST gab es die „angry black man“ und DANN wechselte die Hautfarbe.

    Der Clou an dem Label ist, 1. das (politische) Anliegen verschwindet in diesem. Es ist gar nicht mehr entscheidend, welche Ursachen zum Ärger (anger) geführt haben und auch die Argumente, die auf Aufhebung der Ursachen drängen sind unwichtig.
    Denn wichtig ist jetzt nur noch, wie sie (Medien, einem Medienpublikum) emotional a. erscheinen und b. (medial) präsentiert werden können.

    In dem „angry black man“ fällt die MEDIALE Erscheinungsform als Erscheinung für ein Publikum mit der Absicht zusammen, WARUM das Label *für* das Publikum verteilt wird.

    Denn 2. zielt das Label auf ein WEISSES Publikum, dem damit suggeriert wird, a. außer dem Ärger habe der schwarze Mann kein Anliegen zu äußern, bzw, der Ärger, den dieser verkörpere falle mit dem Anliegen unmittelbar zusammen.
    Womit b. auch eine Umlenkung der Aufmerksamkeit erwirkt wird – wichtig ist nicht mehr, was der schwarze Mann zu sagen hat, sondern wichtig ist, wie er dem weißen Publikum ERSCHEINT.
    Und c. wird damit dem weißen Publikum auch vermittelt, wie er ihm zu erscheinen *hat*, nämlich als „angry“.
    Womit das weiße Publikum so auch eine Ausrede und ein Mittel der Selbstberuhigung gegen den eigenen Rassismus zur Hand hat: es würde dem schwarzen Mann gerne zuhören, wäre er nicht in erster Linie so unglaublich angry.

    Von daher zu sagen „anger is an energy“ bleibt für dich selbst oder uns beide zwar wichtig; in dieser Situation geht eine so geführte *politische* Diskussion mit 100%iger Sicherheit nach hinten los.
    Weil wir damit ein Klischee bedienen, das lange vor uns historisch schon da war, um dem Widerstand die Energie zu nehmen.

    Du schreibst:

    „Es ist in der Tat so, dass das heutige (perverse) politische Denken der Kampf um „Hegemonie“ ist (dies ist viel genauer als „Definitionshoheit“), naemlich das Besetzen der Begriffe, womit das BEGEHREN beherrscht wird.“

    Einverstanden insofern, als es um das besetzen der Begriffe geht – es geht jedoch zugleich um das besetzen und das *ausnützen* der (voraussehbaren) emotionalen Reaktion.
    Ich nehme an, dass du dies mit der „Beherrschung des Begehrens“ auch so gemeint hast?!

    Nicht einverstanden bin ich mit der – von dir angedeuteten – Identität von „Hegemonie“ und „Definitionsmacht“.

    „Definitionsmacht“ einer bestimmten Gruppe (von Subjekten) ergibt sich m.E. zwangsläufig aus dem Brei, den der (epistemologische) Relativismus und der (scheinbare!) Verzicht auf „Objektivität“, „empirische Realität“ und „Wahrheit“ verursacht.

    Schönen Gruß, crumar

  • Hallo crumar,

    „dieser Situation geht eine so geführte *politische* Diskussion mit 100%iger Sicherheit nach hinten los.“

    Wenn ich hier „angry white man“ anfuehre, dann nicht, um das zu einem zentralen Begriff zu machen (mehr zu einem „Seitenbegriff“). Aber wenn man damit konfrontiert wird, kann man einige schoene dialektische Punkte machen. Zudem sollte man sich vom Gegner nicht vorschreiben lassen, was man denkt und sagt.

    Man koennte sagen, dass heutzutage „white man“ fuer den universellen,
    generischen Menschen steht — der Ueberschuss (das „Exkrement“), der sich nicht in die herrschende sozialen Ordnung des „Besonderen“, der Identitaeten, einfuegt. Insofern ist der „white man“ eine wuerdige Nachfolger des „black man“ (der ja zu seiner Zeit auch, aufklaererisch betrachtet, fuer das Universale stand).

    Mit „white man“ sollte man das universelle Projekt der Aufklaerung, des
    generischen Menschen, eben wieder stark machen. Jeder kann ein „white man“ werden, egal welches Geschlecht, Hautfarbe etc. Das Weisse und Maennliche versinnbildlicht geradezu das Verschwinden aller Besonderheiten, waehrend in der Endphase des Kapitalismus fuer die grosse Masse nichts als die totale glorifizierte Behindertenolympiade bleiben soll (so wird ja auch „Frau“ staendig glorifiziert und gleichzeitig als behindert dargestellt).

    „Angry“ sollte man hier besser als „Zorn“ ausdruecken. Zorn ist etwas
    Fundamentales, und wir haben hier den (universellen) Zorn der Proletarier
    (an sich, aber noch nicht fuer sich).
    „Macht kaputt, was Euch kaputt macht.“

    (Nebenbemerkung: Jemand wie Pirincci scheint mir partiell wesentlich naeher an der Wahrheit zu sein — wenn man mit Wahnsinn konfrontiert wird, sollte man dies auch sagen. Ironie sehe ich da viel kritischer — vorgetaeuschte Ueberlegenheit. Das Probem von Pirincci (und z.B. auch Danisch) kann man vulgaer-marxistisch (;-) ha, das macht Spass) im fehlenden Klassenbewusstsein sehen — das Zerrbild des Klein-Unternehmers.)

    Also wenn jemand denunziatorisch ankommt mit „angry white man!“, dann ganz laessig antworten, das da schon was dran ist, dass wir uns naemlich als Nachfolger der angry black man begreifen. Weiss ist das neue Schwarz — aber nicht negativ, im Sinne der Behindertenolympiade („wir sind ja so schwach!!“), sondern im Sinne von Fortschritt und Aufklaerung.
    Natuerlich ein bisschen verkuerzt, aber so ist die Rhetorik.
    (Und bzgl. des Zorns eiskalt bleiben, denn die Drohung ist staerker als
    ihre Ausfuehrung.)

    „was der schwarze Mann zu sagen hat, sondern wichtig ist, wie er dem weißen Publikum ERSCHEINT.“
    Aber das passt ja hier — der „weisse Mann“ erscheint eben als „farblos“.

    Jetzt aber auf zu den schwierigen Themen, und wohl von grosser Wichtigkeit,
    „Hegemonie“ versus „Definitionshoheit“ und „Besetzen der Begriffe“.
    Auf gar keinen Fall will ich eine
    „Identität von „Hegemonie“ und „Definitionsmacht““
    andeuten. Unter „Hegemonie“ verstehe ich viel mehr als bloss Begriffe an sich zu reissen — dieses hat so etwas „Asiatisches“, aus dem Nichts kommen die Barbaren, und stehlen uns die Begriffe.
    Aber das passt jetzt nicht in den kleinen Kasten hier, und muss etwas warten.

  • Von mir auch noch ein paar Gedanken zu der Diskussion der „Angry White Men“. Zuerst aber vielen Dank an die Beiträger insgesamt hier für die unheimlich interessanten Diskussionen! Ich war eine Weile im Urlaub, hab ab und zu an Texten schreiben, aber dann kaum auf Kommentare antworten können.

    Was mich schon seit längere Zeit beschäftigt, ist die Frage, inwieweit in rassistische oder sexistische Zuschreibungen nicht – über die Sündenbocksuche hinaus – vor allem den Zweck haben, reale und real bedrohliche ökonomische Entwicklungen zu verdecken. Gleichsam als Deckdiskussionen, die ihren Zweck auch dann erfüllen, wenn die dort bezogenen Positionen offenkundig nicht haltbar sind.

    Dass die „Angry White Men“ die „Angry Black Men“ abgelöst haben, ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass einem großen Teil der amerikanischen Mittelklasse der Boden unter den Füßen weggebrochen ist. Auch in dieser Hinsicht ist White das neue Black – viele Weiße sind heute in einer marginalisierten, ökonomisch aussichtslosen Situation, in die nach ihrem Verständnis doch eigentlich nur Schwarze hätten kommen dürfen.

    Diese Situation umzudeuten und sie als Problem von Männern zu beschreiben, die mit dem Verlust ihrer eigenen Hegemonie nicht klarkommen – das verharmlost die Lage natürlich enorm und ermöglicht es Privilegierteren, die damit verbundenen realen Probleme ignorieren zu können.

    Diese Interpretation verwandelt nämlich soziale Probleme in eine Schwierigkeit, die sich bloß im (reaktionären) Kopf der Betroffenen abspielt – die wollen sich halt nicht auf die neue Situation einstellen, sind irgendwie selber Schuld, und eigentlich ging es ihnen ohnehin immer viel zu gut.

    Bei Bourdieu, in den „Feinen Unterschieden“, gibt es nach meiner Erinnerung eine Passage, in der er das als typisch wahrgenommene weibliche Verhalten mit einem Oberschichtenhabitus, das als typisch männlich wahrgenommene mit einem Unterschichtenhabitus verknüpft.

    DAS fänd ich interessant, die Gender-Diskussionen einmal in diesem Sinne zu verstehen: als Abwehr gegenüber sozialen Problemen, als Wagenburg einer kleiner werdenden, privilegierten Schicht, die sich in einer völligen Verkennung ihrer eigenen Position als „fortschrittlich“ begreift, sich mit dem (feinen, friedlichen) „Weiblichen“ identifiziert und das ungeschlachte, grobe, irgendwie immer bedrohliche „Männliche“ abwehrt.

    Das würde auch erklären, warum sich feministische Politik so wenig für real existierende Frauen interessiert – um die geht es dabei auch gar nicht.

    @ Kai Danke für Deinen Hinweis auf Gastautoren! Die sind bei mir natürlich immer willkommen. 🙂

  • @Oliver
    Zu einem ganz großen Einverständnis zuerst:
    „Zudem sollte man sich vom Gegner nicht vorschreiben lassen, was man denkt und sagt.“

    Nur sollte man auch ins Kalkül ziehen, dass der Gegner jede Schwäche ausnutzt, die sichtbar wird.
    Eine Schwäche in unserer Diskussion ist das „tone“ Argument seitens des bürgerlichen Feminismus und der Medien – der berechtigte Ärger, der Zorn wird gegen uns verwendet werden; ungeachtet der Hautfarbe.
    Ich sage das nicht in einem warnenden Tonfall, es ist einfach Fakt und eventuell sollte man sich strategisch darüber Gedanken machen.

    Du schreibst: „wenn man mit Wahnsinn konfrontiert wird, sollte man dies auch sagen. Ironie sehe ich da viel kritischer — vorgetaeuschte Ueberlegenheit.“
    Mein Problem ist, im Angesicht des aktuell überbordenden Wahnsinns einen kühlen Kopf zu behalten und nicht in Zynismus oder Verzweiflung zu verfallen.

    Zu den anderen Themen später mehr…

    Gruß, crumar

  • @Oliver
    Was mir am Herzen liegt zuerst.
    Du schreibst: „wenn man mit Wahnsinn konfrontiert wird, sollte man dies auch sagen. Ironie sehe ich da viel kritischer — vorgetaeuschte Ueberlegenheit.“ Völlig einverstanden; nur fällt es *mir* schwer, Angesichts des aktuell überbordenden Wahnsinns einen kühlen Kopf zu bewahren. Und nicht in Zynismus oder Verzweiflung zu verfallen. Die Frage ist für mich immer noch mit Marx zu stellen: Kopf der Leidenschaft oder Leidenschaft des Kopfes?
    Das beantwortet jeder für sich selbst und wie die Umstände es (für ihn) hergeben.

    Du schreibst, auch da stimme ich dir prinzipiell zu: „Zudem sollte man sich vom Gegner nicht vorschreiben lassen, was man denkt und sagt.“ Nur sollte man ins Kalkül ziehen, was mit 100%iger Sicherheit von Seiten des bürgerlichen Feminismus und der Medien als „Argument“ ins Feld geführt werden wird. Wenn die Polemik nämlich inhaltlich nicht goutiert werden kann und wird, wird man sagen, es läge am Tonfall (tone).

    Und nun blättere bitte den Ausredenkalender um! 😉

    „Angry“ sollte man hier besser als „Zorn“ ausdruecken. Zorn ist etwas Fundamentales, und wir haben hier den (universellen) Zorn der Proletarier“ – oder des Lumpenproletariats, oder des wütenden Kleinbürgers?!
    An dieser Stelle bin ich mir weniger sicher… Aber natürlich, „anger is an energy“! https://www.youtube.com/watch?v=Vq7JSic1DtM

    Gruß, crumar

  • @fegalo:
    „Vor zwei Jahren bin ich wegen des gleichen Vergehens auch schon bei ZEITonline rausgeflogen. Ganz offensichtlich machen die Zensoren das nicht nur an einzelnen Beleidigungen fest, sondern sie eliminieren Kommentatoren irgendwann auch dann, wenn diese permanent gegen das erwünschte Meinungsklima anschreiben. Irgendwann ist dann der allergeringste Anlass ausreichend. „

    … dann bin ich mal gespannt, wann ich an der Reihe bin…. ich bin ja nichmal links! [Blanc R. Unsinn]

  • […] der Hilflosigkeit – wenn Männer solche Gefühle offen darstellen, müssen sie damit rechnen, als „Jammerlappen“ (Bascha Mika) lächerlich gemacht, mit Phrasen wie „Mimimi“ oder dem weinerlichen „What about […]

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