Coke contra Pepsi, oder: Wozu ist nochmal diese linke Männerpolitik gut?

„Dass es einen ‚linken Flügel der antisexistischen Männerbewegung‘ gibt, ist mir neu, und ist durchaus amüsant. Wo lässt der sich denn einordnen, innerhalb der Linken? Steht der eher in der Nähe des ‚linken Flügels zur Pflege des Ansehens der militärischen Tradition‘ oder doch eher in der Nähe des ‚Linken Flügels zur Verbesserung der pekuniären Situation des Großunternehmertums?‘“
Soweit amüsiert zeigte sich der Kommentator „führerscheinnichtnutzer“ unter Sarah Schascheks Tagesspiegel-Artikel „Brutale Drohungen im Internet Hetze gegen Genderforscherinnen“. Für Rechte von Männern einzutreten sei also, als würde man für die Rechte von Militaristen oder die von Großunternehmern eintreten – eine klassische Angelegenheit der politischen Rechten. Der Begriff antisexistisch passt ihm hier ohnehin nicht und wird daher souverän ignoriert.
Dass führerdings sein stillschweigendes Argument nicht ausdrücklich formuliert, sondern ironisierend verpackt, hat wohl einen guten Grund. Schon wer nur kurz nachdenkt, wird auf viele Männer oder Jungen kommen, die in deutlich hilfloseren Situationen leben als militärische Traditionalisten oder Großunternehmer: Obdachlose; Väter ohne Möglichkeit zum Kontakt zu ihren Kindern; einfache Soldaten; Arbeiter in gesundheitsgefährdenden Berufen; Jungen mit ihren spezifischen Schwierigkeiten in der Schule…
Kurz: Er wird auf Menschen kommen, deren Interessen einmal ein Kernanliegen linker Politik waren. Dass die Ironie der zitieren Passage überhaupt verfangen kann, setzt daher voraus, dass auf Seiten von Linken und solchen, die es sein wollen, die Vorstellung fraglos betoniert ist, ein Engagement für Fraueninteressen sei „links“ und eines für Interessen von Männern sei irgendwie „rechts“.

Eben eine solche betonierte Gegenüberstellung wird auch von ganz anderer Seite bestätigt.

„Wie lange wollen sich ‚linke Männerrechtler‘ noch von Vertretern ihres eigenen Lagers verprügeln, verleumden und ‚positiv‘ (sic!) diskriminieren lassen, bevor sie erkennen, daß ‚links‘ heute explizit ‚Feminismus‘ und ‚Anti-Maskulismus‘ bedeutet? Sorry, aber aus meiner bescheidenen Sicht ist das naiv und/oder sehr masochistisch“,
stellte der Kommentator „Horst“ vor einigen Wochen nach Christian Schmidts Artikel zu Robert Claus‘ Maskulismus klar.
Nun gibt es allerdings schon seit einiger Zeit Texte, die Feminismuskritik und Engagement für Männerrechte ausdrücklich aus einer politisch linken Position heraus formulieren. Arne Hoffmann hat viele davon in einer langen Linkliste versammelt, und sein eigenes Plädoyer für eine linke Männerpolitik gehört unbedingt dazu.Da Horst sich bei Alles Evolution jedoch durch den Hinweis auf diese Texte nicht überzeugen ließ, und da es anderen vielleicht ähnlich geht, versuche ich es einmal anders – nämlich in einer ganz persönlichen Perspektive zu erzählen, wie jemand eigentlich dazu kommen kann, links zu sein und sich für Rechte von Männern zu engagieren.

Die Chance, sich zu unterscheiden Eine mögliche Erklärung hat schon LoMi als Antwort auf Horst gegeben. Man könne

„seine politische Überzeugung ja nicht einfach so abstreifen, nur weil gewisse Vertreter in Geschlechterfragen ein ziemlich verqueres Denken zeigen. Links sein heißt ja üblicherweise, sich mit den gesellschaftlichen Folgen ökonomischer Ungleichverteilung zu beschäftigen. Das Problem bleibt bestehen, auch wenn linke Politiker allesamt Feministen zu sein scheinen.“

Das bedeutet: Jemand kann links sein, und er kann Männerrechtler sein, auch wenn möglicherweise beides nicht unbedingt miteinander verbunden ist.Ich selbst habe, so wie LoMi das skizziert, als Linker angefangen und mich für Männerrechte erst sehr spät interessiert.

Viele, die sich selbst eher als konservativ verstehen, setzen linke Politik routiniert mit „Gleichmacherei“ gleich. Für mich ist sie eben das Gegenteil, und das war sie von früh an. Meine Eltern kamen beide aus Arbeiterfamilien und hatten auch beide entsprechende Berufe erlernt. Beide hatten sich allerdings auch schon von Kindheit an mit Büchern und klassischer Musik beschäftigt, lasen begeistert, und als beide schon Jahre in ihren Berufen waren, entschloss mein Vater sich, seinen Beruf als Maurer aufzugeben und zu studieren. Da er nicht mehr als einen Hauptschulabschluss hatte, musste er die Studienberechtigung über eine Begabtensonderprüfung erwerben.

Ich wurde wesentlich später geboren. Interessant war für mich im Nachhinein zu merken, wie unterschiedlich die Familien meines Vaters und meiner Mutter auf sein Studium reagiert hatten. Seine eigenen Eltern hatten ihm vorgeworfen, Rosinen im Kopf zu haben, meiner Mutter unterstellt, ihr sei ein einfacher Maurer wohl nicht gut genug, und konnten sich überhaupt nicht vorstellen, dass der Wunsch zu studieren von ihm selbst gekommen war.

Die Eltern meiner Mutter aber verstanden ihn wesentlich besser, und besonders bei ihrem Vater, meinem Großvater, hatte ich oft den Eindruck, dass er sehr stolz auf meinen Vater war und großen Respekt vor ihm hatte.

Ich habe mir den Unterschied in den Reaktionen meiner Großeltern erst später erklären können. Meine Mutter stammt aus einer Familie, deren Angehörige schon seit Generationen in der Arbeiterbewegung engagiert waren – Geschichten über heftige Dispute und dramatische Zerwürfnisse zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten gehörten bei uns zur Familienfolklore.

Aber hier wurzelte eben auch etwas, was einmal wesentlich zu dieser Bewegung gehörte und sie stark gemacht hat: ein ungeheurer, selbstverständlicher Respekt vor Bildung – verbunden mit der Überzeugung, sich diese Bildung auch selbst erwerben zu können und nicht zeitlebens von ihr ausgeschlossen zu sein.Das war bei den Eltern meines Vaters anders. Mit Arbeiterbildungsvereinen oder der Sozialdemokratie hatten sie nie etwas zu tun gehabt, und akademische Bildung war für sie etwas aus einer fremden Welt, in die sie nicht gehörten. Als mein Vater zu studieren begann, hatten sie vermutlich einfach nur Angst, ihn ganz zu verlieren.

Natürlich ist das hier nur eine Skizze. Allerdings erklärt sie schon, warum es mir immer etwas unwirklich vorkommt, wenn jemand über die „linke Gleichmacherei“ herzieht. Nicht nur bei der Verbesserung von politischen und sozialen Bedingungen, sondern mehr noch im Hinblick auf das Selbstbild von Menschen hat gerade die Sozialdemokratie einmal – das jedenfalls ist meine Erfahrung – eine ungeheure Bedeutung gehabt.

Linke Politik bedeutet hier eben nicht, alles gleich zu machen – sondern die Möglichkeit, sich unterscheiden zu können; anders zu leben, als die Bedingungen des eigenen Lebens es nahegelegt hätten; sich Chancen zu verschaffen, die man zunächst nicht für möglich gehalten, an die man nicht einmal gedacht hätte.

Wie man für die Unterdrückten kämpft, indem man sich selbst den Bauch pinselt Dass linke Politik so heute kaum beschrieben werden kann, weiß ich natürlich auch. Gerade die SPD, deren Bildungspolitik tatsächlich einmal berühmt war, hat sich längst in der seit Jahrzehnten erprobten politischen Gefechtslage um das Modell der Gesamtschule eingerichtet,  möchte lieber nichts davon wissen, dass es heute – neben Migranten – vor allem Jungen sind, die in der Schulbildung abrutschen, und  interessiert sich nicht wesentlich dafür, dass der Anteil der studierenden Arbeiterkinder in Deutschland extrem gering ist.
An einer entsprechenden Umfrage des Studentenwerkes ist für Sozialdemokraten heute vor allem wichtig, dass es ordnungsgemäß eigentlich „Studierendenwerk“ heißen müsste.
Dass der Fokus einst linker Politik sich deutlich verschoben hat, wird von rechts aus gern aufgegriffen. Wer von der amerikanischen Rechten den Begriff „Kulturmarxismus“ übernommen hat, erläutert dann, dass die Linke – nachdem es mit der Weltrevolution nicht so recht geklappt habe – nun auf kulturelle Unterwanderung setze. In einem Video wird beispielweise ganz ernsthaft (hier bei etwa 17:00) erklärt, dass in diesem Sinne die Frankfurter Schule Adornos sowohl für Charles Manson als auch für John Lennon verantwortlich sei.
Ein wesentliches Instrument der linken Unterwanderer sei natürlich der Feminismus, der die bürgerliche Familie und damit die Basis der Gesellschaft zerstöre.Aus feministischer Sicht wiederum ist hieran sehr praktisch, dass damit auch von rechts bestätigt wird, wie eng linke und feministische Politik zusammengehören. Beide Seiten zeichnen damit ein einfaches, simples Bild linker (und anderer) Politik, bei dem alles an seinem Platz ist und jeder wissen muss, wo er hingehört.

Die massiven Veränderungen der Parteien, die sich als irgendwie links verstehen, nehmen beide nicht zu Kenntnis. Dass die Grünen immer schon eine Partei des gehobenen, etablierten, akademisch gebildeten Bürgertums waren und so ohnehin Schwierigkeiten mit einem linken Selbstverständnis haben, ist eigentlich bekannt. Die Linke hat Schwierigkeiten, weil sie – was ihre eigene Schuld ist – als Nachfolgerin der SED noch immer als nostalgische Partei des ostdeutschen Establishments dasteht. Wenn die Piraten eine ausdrücklich linke Politik machen, suchen sie so zwanghaft den Anschluss an möglichst irrational agierende Splittergruppen, dass ich nie so recht weiß, ob ich darauf mit Fremdscham, Wut oder Desinteresse reagieren soll.

Die SPD hat sich von einer Arbeiterpartei über eine Partei des Ausgleichs zwischen Arbeiterschaft und aufgeklärtem Bürgertum zu einer Partei entwickelt, die sich in ihrer Politik und dem sozialen Milieu ihrer Führungsleute den Grünen weitgehend angeglichen hat. Auf mich macht sie seit Jahrzehnten den seltsamen Eindruck, als würde sie beständig den Grünen hinterherrennen und dabei verzweifelt „Wir sind aber vorne“ schreien.

Ein großes Problem der SPD ist vermutlich nicht allein, dass sie zwischen Schröders Basta-Politik und Frauenquote nicht nur fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren hat – sondern vor allem wohl, WER in dieser Zeit aus der Partei ausgetreten ist. Geblieben sind der Partei Alte, die an sozialdemokratischen Traditionen festhalten, die aber nicht mehr die Position haben, sie heute überzeugend zu präsentieren – und Menschen, die sich in einer radikal verbürgerlichten Partei gut eingerichtet haben.

Verloren aber hat die SPD wohl ausgerechnet die, die sie für eine Erneuerung linker Politik dringend gebraucht hätte.Nun ist es insbesondere für Grüne und Sozialdemokraten eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, eigene Privilegien zu sichern und dies zugleich als linke Politik zu verkaufen. Dieser Widerspruch erklärt die gedankenlose Beliebtheit feministischer Positionen in diesen Parteien wesentlich besser als jede kulturmarxistische Verschwörungstheorie.

Denn solche Positionen stellen die Möglichkeit bereit, auf Klassenkampfrhetorik zurückzugreifen, sie als Geschlechterkampf zu modernisieren, sich selbst weiterhin als Kämpfer für die Unterdrückten und gegen inhumane Machtverhältnisse zu präsentieren – und dabei ganz im Rahmen der Klischees einer bürgerlichen Geschlechterordnung zu bleiben und sich den Rest der Gesellschaft nicht mehr eigens anschauen zu müssen.

Feminismus ist, so betrachtet, ein Instrument, sich selbst den Bauch zu pinseln und dies als Einsatz für die Unterdrückten verkaufen zu können.Der berüchtigte Satz „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ ist dabei allgemein genug, um Feministinnen ganz unterschiedlicher Richtungen zu bedienen. Differenzfeministinnen, die wie Margarete Mitscherlich an das bessere Wesen der Frau glauben, können sich ebenso angesprochen fühlen wie Gleichheitsfeministinnen, die behaupten, sie würden nicht gegen die Männer, sondern bloß gegen patriarchale Herrschaftsverhältnisse kämpfen.

Alle gemeinsam können jedenfalls von der Vorstellung profitieren, sie würden schon für eine menschlichere Gesellschaft stehen, wenn sie nur einen Gegensatz zwischen Menschlichkeit und Männlichkeit konstruieren. Wie immer der auch beschaffen sein sollte.Angesichts einer solchen Lage ist die Frage natürlich völlig verständlich, was denn eigentlich Männerrechtler von diesen Parteien wollen. Robert Claus schreibt in seiner Maskulismus-Schrift, dessen Chance auf gesellschaftliche Einflussnahme bestehe

„in Bündnissen und Kooperationen mit christlichen und konservativen Familienpolitiken, Abtreibungsgegnern und -Gegnerinnen und Lebensschützern und -schützerinnen, rechtsextremen Agitationen gegen moderne und auf Antidiskriminierung ausgerichtete Geschlechterpolitik sowie Männern, die ihre Gesellschaftskritik auf feministische Politik reduzieren.“ (S. 80)
Claus erwähnt natürlich nicht, dass diese Situation, in der Männerrechtler als naturwüchsig rechts erscheinen, von vorgeblich linken Parteien systematisch produziert wird, indem von dort aus das Gespräch  in einer Mischung aus Arroganz und Panik verweigert wird. Wozu übrigens Claus selbst mit seiner Schrift erheblich beiträgt.
Coke contra Pepsi Wie wichtig trotzdem linke Männerechtler sind, und warum es wichtig ist, dass sie linke Männerrechtler – und nicht allein Linke UND Männerrechtler – sind, macht aber der schon erwähnte Text Sarah Schascheks deutlich, der von so großer Bedeutung ist, dass er sowohl im Tagesspiegel als auch in der Zeit erschien. Der Text baut Frontlinien auf, die für die Einschätzung einer linken Männerpolitik tatsächlich sehr wichtig sind.
„Hasskommentare, Mordfantasien, Sexismus: Im Internet werden Wissenschaftlerinnen immer häufiger aggressiv bedroht“

und „Im Netz tobten die Maskulisten“ schreibt Schaschek. In ihrer Darstellung werden die Gender-Forschung und ihre Vertreterinnen von einem wilden Mob angegriffen, ohne sachliche Gründe, ohne Argumente, aber dafür mit vielen Aggressionen, die „Ausdruck sozialer Verunsicherung“ seien.Dass es auch sachliche Argumente gegen ihre Forschungsrichtung geben könnte, kaschiert die Journalistin ebenso wie ihre persönliche Involviertheit als Gender-Forscherin. Ohne an irgendeiner Stelle wissenschaftliche Erfolge der Gender-Studien anzuführen, verteidigt Schaschek ihr Fachgebiet allein mit Hinweisen auf die Primitivität und Aggressivität ihrer Gegner.

So berichtet sie beispielweise über die Kasseler Wissenschaftlerin Elisabeth Tuider. Diese habe
„ein sozialpädagogisches Buch für die Arbeit mit Jugendlichen veröffentlicht, in dem sie Methoden zur Diskussion von sexueller Vielfalt vorstellt“.
Dann seien „rechtskonservative Gruppen“ auf sie aufmerksam geworden und hätten „Mord- und Vergewaltigungsdrohungen“ gepostet.
Das stimmt, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Dass Tuiders Buch nicht nur
„ein Buch über liberale Sexualpädagogik“

ist, sondern dass es tatsächlich – mit der gezielten Thematisierung des Analverkehrs schon bei Kindern, der Vorstellung von Dildos und anderem Sexspielzeug im Schulunterricht und einer Reihe anderer Vorschläge – als übergriffig verstanden werden kann, erwähnt Schaschek natürlich nicht. Die Heftigkeit der Angriffe macht die Autorin und ihr Buch sakrosankt, und seriöse Kritiker haben neben der heftig hetzenden Meute, die Schaschek präsentiert, keine Chance.Zu allem Überfluss stellt auch noch die Soziologin Sabine Hark  überrascht fest, die Meinung sei offenbar unbegründet,

„dass der professorale Status einen gewissen Schutz vor Attacken bietet“.
Das hätte sie natürlich auch schon vorher wissen können, wenn es sie nur interessiert hätte – der Bremer Wissenschaftler Gerhard Amendt konnte schon mehrmals nur mit Personenschutz an Veranstaltungen teilnehmen, weil feministische Gruppen ernstzunehmende Gewaltdrohungen gegen ihn formuliert hatten.

Das wahrzunehmen hätte Schoschek und den von ihr befragten Wissenschaftlern allerdings die Möglichkeit genommen, „das Problem als generelle Ablehnung feministischer Ideen“ zu interpretieren – es hätte ihre Schlachtordnung durcheinander gebracht.Auffällig an Schascheks Darstellung ist das klare Gegenüber einer sauberen, gesitteten, über alle Zweifel erhabenen, humanen akademischen Welt – und einem brodelnden, gefährlichen Untergrund, der im Internet „tobt“ und nach oben drängt. Hier werden klassiche Oben-Unten-Muster, die von Jeher schon zur Absicherung von Privilegien dienen, beliebig mit Geschlechterklischees verknüpft.

Eine formelle Ordnung steht so einem informellen Chaos gegenüber. Das ist praktisch. Wer gesittete Frauen vor einer mord- und vergewaltigungsbereiten männlichen Horde verteidigt, kann sich natürlich nicht mehr an solchen Nebensächlichkeiten wie der Begründung akademischer Privilegien aufhalten.Die erwähnten Mordphantasien stammen aus dem Facebook-Profil eines Schriftstellers, der ebenfalls sehr erfolgreich ist – aus dem von Akif Pirinçci, der aus dem Toben gegen multikulturelle Politik und Gender Studies ein Stilprinzip gemacht hat.

Wenn Schaschek sich mit Pirinçci auseinandersetzt, treffen zwei Hetzer aufeinander, die beide einander brauchen. Schaschek braucht Pirinçcis Maßlosigkeiten, um ihre Studien gegenüber sachlicher Kritik zu immunisieren. Pirinçci braucht Maßlosigkeiten wie die von Tuiders Pädagogik, um sein verbales Wüten zu begründen – denn ohne dieses Feindbild sähe er einfach nur so lächerlich aus, wie er tatsächlich ist.

Hier leben zwei Seiten gut mit den Feindbildern, die sie voneinander malen. Falsch aber ist, diesen Konflikt als Rechts-Links-Konflikt zu beschreiben. Wenn rechte Politik eine Politik der Privilegiensicherung ist, dann führen hier einfach zwei unterschiedliche rechte Gruppen einen Schaukampf gegeneinander.

Wesentlicher Zweck dieses Kampfes ist es nicht, ihn zu gewinnen – sondern den Gedanken zu zerstreuen, das es noch Alternativen zu den komplementär aufeinander bezogenen Positionen Schascheks und Pirinçcis geben könnte.Als ob jemand, der Durst hat, keine andere Wahl als die zwischen Pepsi und Coke hätte.

Diese eingespielten Fronten lassen sich durch rechte Positionen nicht aufbrechen. Wer darauf besteht, dass Männerpolitik „rechts“ sein müsse oder linke Männerpolitik für absurd erklärt, bestätigt bloß die Schlachtordnung, in der sich hier alle Seiten gut eingerichtet haben.

Eine linke Männerpolitik hingegen kombiniert etwas, was in dieser Schlachtordnung nicht zusammengehört. Nach Charles Sanders Peirce birgt eben das die Chance, Neues zu schaffen – Dinge zusammenzubringen, von denen man sich zuvor nicht hätte einfallen lassen, dass sie zusammengehören könnten.

Im Unterlaufen der privilegiensichernden eingeübten Schlachtordnungen hat eben gerade eine linke Männerpolitik das Potenzial, solche Verbindungen herzustellen und so Bewegung in einer betonierten Situation zu ermöglichen. Leszeks Begriff vom „integralen Antisexismus“, den auch Arne Hoffmann verwendet, ist vielleicht ein Beispiel für eine solche verbindende Kraft.

Eine linke Männerpolitik hat also den großen Nachteil, dass sie gleichsam ins Leere hinein entworfen wird – ihr fehlen die politischen Bündnispartner. Sie hat aber den unverzichtbaren Vorteil, dass sie in einer festgefahrenen Debatte das Potenzial hat, Neues zu entwerfen und vielleicht Chancen zu erarbeiten, die man zunächst nicht für möglich gehalten, an die man nicht einmal gedacht hätte.

48 Kommentare zu “Coke contra Pepsi, oder: Wozu ist nochmal diese linke Männerpolitik gut?

  1. Anonym sagt:

    Im Club der Toten Dichter stiegen Schüler auf das Pult des Lehrers um die Welt aus einem anderen Blickfeld zu betrachten. Dieses Pult sind in meinen Augen die linken Männerrechtler, ähnlich hast Du es ja auch geschrieben. Am Ende des Filmes sind ebenfalls einige Schüler auf das Pult gestiegen, in diesem Falle um Solidarität zu zeigen.

    Das Problem der SPD ist, sie ist ein Traditionsverein, in dem immer noch die alten Arbeiterlieder gesungen werden, in dem man an die Tage des Feminismus anknüpfen möchte etc. etc. etc.

    Es ist aber auch eine Partei, in der man manchmal auf Tische steigt, wie z. B. bei der Einführungsveranstaltung meiner Uni, wo die linke AStA uns bat auf die Tische zu steigen. Die gleiche AStA übrigens, die mir genau ein Semester später sagte, wo ich, weil ich neugierig war, von einem Bekannten zu einer Veranstaltung seiner Studentenverbindung eingeladen wurde, diese seien alle frauenfeindlich, rechtsextrem und reine Seilschaften… Sie ließen sich nicht einmal davon überzeugen, als ich ihnen versuchte das genaue Gegenteil zu belegen…

    Und hier ist das Problem der Politik heute. Man möchte Bildung, aber bitte keine gebildeten Politiker. Die SPD speist sich zum grössten Teil aus den Jusos, wo die jungen Menschen geformt werden, wo sie uniformiert werden im Denken. Mir sagte z. B. einmal ein JuSo im Bezierksvorstand, wir (ein Freund und ich) wären doch die, die immer an der falschen Stelle geklatscht hätten. Es war zu Agendazeiten und Bastapolitik von Schröder, und Müntefehring wurde zu einer „Bestrafungsaktion“ eingeladen, die vom Vorstand absolut geplant war, wo kein anderer auf die Redeliste kam ausser den Vorständen die ihre Reden zufällig, trotz Programmänderung alle fertig geschrieben hatten, Nach den Vorständen war die geplante Gesamtredezeit um etc. etc. etc. Übrigens wurde Münte vorgeworfen auf dem Bundesparteitag angeblich eine Bestrafungsaktion gegen die aufmüpfigen Jusos geplant zu haben, wo andere Meinungen nicht gewollt waren…

    Ich halte 90% der Parteiführung nicht mal für geistig in der Lage einen Tisch zu erklimmen, geschweige denn einen anderen Blick zu entwickeln. Wie auch, die meisten kommen von der Schule direkt in die Partei und gehen mit der Hochschulpolitik der SPD an die Universitäten. Einen anderen, aufgeklärteren Blick kann man so nicht entwickeln. Die Mandatsträger der SPD sind die, die am ende des Films der toten Dichter auf ihren Stühlen sitzen geblieben sind, weil sie keine neuen Sichtweisen brauchen, weil sie Angst haben vor Veränderung oder geistig bereits so zerbrechlich, dass sie nicht mal mehr einen Tisch erklimmen können.

    So zeigt obiger Kommentator übrigens auch, dass entweder SPDler oder Grüner ist, der zu keinen geistigen Verrenkungen mehr fähig ist, der nicht mal mehr einen Tisch zu erkennen scheint, wenn er andere Positionen ohne sie zu kennen, so abbügelt.

    Gruss
    Kai

  2. Stephan sagt:

    Wieder einmal eine brilliante Analyse, @Schoppe.

    Es fehlt jetzt nur noch die Verteilung des Textes an alle Mitglieder von SPD, PDS und Grünen verbunden.

    Gruss Stephan

  3. Anonym sagt:

    Korr.: verbunden entfällt

  4. wolle pelz sagt:

    Eine linke Politik in Parteien hat sich erledigt. Sämtliche Parteien sind feministisch durchsetzt. Ich habe im Pelzblog einiges darüber geschrieben. Die Grünen, die SPD und die Linke bekommt ihr fett weg.

    Etwas in der Partei zu versuchen zu verändern wird alleine schon an den existierenden Frauenquoten und Vetorechten der Frauen dort scheitern. Eine Partei, die linke ist als die Linke, sollte normalerweise nicht in Frage kommen.

    Männer sollten auch davon weg gehen, zu versuchen, Männerpolitik innerhalb ihrer eigentlichen politischen Ausrichtung machen zu wollen. Wir sollten uns an Feministinnen ein Beispiel nehmen und parteiübergreifende Netzwerke bilden. Ist der Feminismus als Gefahr für die Gesellschaft erst einmal entkräftet, sollte man weitersehen.

    Feministische Netzwerkbildung am Beispiel der Partei „Die Frauen“:

    http://www.pelzblog.de/2014/08/feministische-netzwerkbildung-partei-die-frauen/

    und

    Feministennetzwerke: Gemeinnützigkeit gegeben?

    http://nicht-feminist.de/2014/08/frauennetzwerke-gemeinnuetzigkeit-gegeben/

    Aber den PELZBLOG liest man ja bekanntlichermaßen nicht mehr, wenn es nach Stimmen aus dem Umfeld des Geschlechterallerleis geht.

    Ich sehe aber auch keine Persönlichkeit, die als Männerechtler im linken Spektrum etwas zustande bringen könnte.

    Bei unseren Treffen in Berlin, die sich parteiübergreifend verstehen, sind regelmäßig Linke anwesend. Ich zähle mich ebenfalls zu den Linken, ich war bis letzten Monat noch Mitglied in DER Partei. Vielleicht können wir etwas über unsere Treffen bewegen, ohne in eine bestimmte politische Richtung schwenken zu wollen.

    Will man eine WIRKLICH LINKE POLITIK machen, die auf dem Humanismus mit seiner Gleichberechtigung und allem aufbaut, wird man momentan nicht um die Gründung einer neuen Partei herumkommen.

    Wir Berliner Nicht-Feministen sehen die Probleme aber momentan als so gewaltig an, dass wir partei- und richtungsübergreifend eben diese angehen wollen.

    http://nicht-feminist.de/2014/07/naechstes-treffen-in-berlin/

    Ich denke, bei uns ist man mit einer Politik, die linken Ideen am nächsten kommt, momentan ganz gut aufgehoben.

  5. Matze sagt:

    „Ohne an irgendeiner Stelle wissenschaftliche Erfolge der Gender-Studien anzuführen, verteidigt Schaschek ihr Fachgebiet allein mit Hinweisen auf die Primitivität und Aggressivität ihrer Gegner.“

    Ist das nicht auch einer der Gründe für das entstehen der dritten Welle der Frauenbewegung sowie für dessen Rechtfertigung?

    Mit der Politik ist es ähnlich wie mit dem Feminismus: Die Grundidee von der SPD und den Grünen sowie des Feminismus ist gut, wie es aber umgesetzt wird und was dessen Anhänger im Namen dieser Idee tun, ist eine Katastrophe.

  6. wolle pelz sagt:

    Der Analyse fehlt es an praktischen Erfahrungen aus einer Parteiarbeit.

    Es gibt keine PDS.

  7. wolle pelz sagt:

    Die Grundidee des Feminismus ist zu hinterfragen. Ist es nicht der Feminismus der von Anfang an spaltend ist? Der Feminismus hat es bisher immer gut verstanden, sich als den „besseren Humanismus“ zu verkaufen.

    Ist er es aber? Ging es jemals wirklich um gleiche Rechte UND Pflichten? Es wurde z. B. ganz schnell immer auf die Wehrpflicht verzichtet.

    Beim Gender Pay Gap wird jetzt auch ganz schnell auf die Arbeitszeit und die Qualifikation des Mannes verzichtet, um dieselben Ziele zu erlangen.

    Ich glaube nicht mehr daran, dass der Feminismus irgendwann einmal gute Ziele für die Gesamtgesellschaft hatte. Dafür gibt es massenweise Beispiele.

  8. Stephan sagt:

    „Der Analyse fehlt es an praktischen Erfahrungen aus einer Parteiarbeit.“

    Die Frage ist eher, wie man im linken Kontext mit einem „integralen Antisexismus“ wirkmächtig werden könnte – zwischen all den richtig beschriebenen Betonköpfen, zumal diese eine kritisch-feministische Haltung sofort als rechts labeln

  9. Anonym sagt:

    Lieber Wolle,

    stellen wir uns einmal vor wir würden uns über alle Grenzen wegsetzen und versuchen gemeinsam Politik zu machen… Alles läuft super und dann, ja dann???? Kommt einer und möchte mal mit Feministinnen reden…

    Ich habe nichts dagegen über alle Grenzen hinweg Aktionen zu machen oder zusammen zu arbeiten. Es gibt jedoch für jeden hier irgendwann einen Punkt wo er eben nicht mehr mitgehen wird oder will. Dieser Punkt ist bei jedem hier übrigens anders ausgelegt, manchmal auch in Nuancen. Hierzu z. B. mal die Blogparade Nr. 1 – wer bei diesen Positionen die da formuliert wurden nicht mitgehen möchte, ok. Wer diese aber offen und auf ganzer Linie angreift ist bei mir auf der NoGoListe… Simple Live…

    Ich halte es erst einmal für wichtig an den Grenzen der verschiedenen Strömungen zu arbeiten und diese aufzuzeigen um dann Gemeinsamkeiten, von mir aus auch Schnittmengen, zu suchen…

    Gruss
    Kai

  10. wolle pelz sagt:

    Ich meinte damit z. B. die Äußerung über „die Linke“.

    Mein Austritt aus der Linken, den ich ja mit deren Feminismus begründet habe, wurde so abgetan:
    „Schade, wir mochten Dich, aber dann passt Du politisch halt nicht zu uns.“

    Der Feminismus steht als unantastbares Dogma in den Fundamenten der Partei. Ich selbst empfinde den Feminismus als diametral in Oppositiion zu einer linken Einstellung stehend.

    „Betonkopf“ klingt für mich zu passiv in diesem Zusammenhang. Ich habe einen wahren Misandriesturm erlebt, als ich in der Linken das Thema Männerrechte angesprochen habe.

    http://www.pelzblog.de/2014/04/erlebnis-des-tages-2-politischer-stammtisch/

    Dieses Erlebnis und die Kommentare zu meinem Austritt aus der Partei haben mich davon überzeugt, dass die Linke nicht wirklich linken Idealen entspricht.

  11. wolle pelz sagt:

    Ich glaube, wir beide haben nichts zu bereden.

  12. Anonym sagt:

    Dann war der Satz:
    „Männer sollten auch davon weg gehen, zu versuchen, Männerpolitik innerhalb ihrer eigentlichen politischen Ausrichtung machen zu wollen.“

    nichts weiter als eine hohle Phrase?

    Q.E.D.

  13. wolle pelz sagt:

    Sieh es, wie Du willst. Eine Diskussion ist hier überflüssig.

    Zurück zum Thema.

  14. Anonym sagt:

    Lieber Wolle,

    ich bin ja für Klarheit, nicht das es wieder Diskussionen gibt, deshalb solltest Du den Satz umformulieren:
    „Männer, außer Kai, Wortschrank und allen anderen die so blöd sind mit Feministinnen zu reden oder mich kritisiert haben oder sonst was machen was ich total blöd und behämmert finde, sollten auch davon weg gehen, zu versuchen, Männerpolitik innerhalb ihrer eigentlichen politischen Ausrichtung (würde ich noch durch Filterbubble ersetzen) machen zu wollen.“

    Ich denke so ist das klar formuliert.

    Womit ich dann beim zweiten Punkt bin, den man anbringen kann. Ziviles Miteinander oder zwischenmenschliche Beziehungen, zu denen man übrigens auch nach einer Auseinandersetzung zurück finden muss. Doch auch dazu bist Du anscheinend nicht bereit oder in der Lage.

    Ist einer der beiden Punkte (Grenzen/Schnittmengen und ziviles Miteinander), oder gar beide Punkte, nicht gegeben, dann wird die Männerbewegung die gleichen Riffe anfahren, auf die die Piratenpartei auch schon mit Volldampf gerast ist.

    Recht freundliche Grüsse
    Kai

  15. petpanther sagt:

    @Kai

    Danke für die Einschätzung.

    Das ist m.E. höchstwahrscheinlich zutreffend.

  16. petpanther sagt:

    @wolle pelz

    „Ich glaube nicht mehr daran, dass der Feminismus irgendwann einmal gute Ziele für die Gesamtgesellschaft hatte. Dafür gibt es massenweise Beispiele.“

    Ich habe auch diesen Eindruck.

    Errin Pizzey hat da eine ähnliche Meinung. Die Frau ist sehr integer.

    Auch dies sollte und muß entsprechend hinterfragt werden.

    Sätze wie

    „Damals war hatte der Feminismus Sinn und war noch gut …“

    sind wahrscheinlich falsch. Und dieser Ideologie sehr zuträglich.

    Selbst ihre Geschichte ist an ihr falsch.

    Gemäß Pizzey war es eher so etwas wie der aufgeklärte Humanismus, der es erlaubte Emanzipationsbestrebungen möglich zu machen. Rechte gehen eigentlich immer mit Pflichten einher. So war und ist Gleichberechtigung zu verstehen.

    Rechte ohne Pflichten ist eine fixe korrumpierende Idee, die wahrscheinlich durch den Feminismus mit hoffähig gemacht wurde. Diese ganzen „Social Warriers“ sind in diesem Sinne Scammer und schaden uns.

    Ganz auch nach (Zitat vom Artikel)

    „Hier werden klassiche Oben-Unten-Muster, die von Jeher schon zur Absicherung von Privilegien dienen, beliebig mit Geschlechterklischees verknüpft.“

    Das sind Tricks um sich so Unverdientes zu erschleichen. Eine schlimme Form der Korruption, die manche tatsächlich wichtige Anliegen nicht nur mißbraucht, sondern deshalb auch nie lösen wird. Der Mißbrauch kann bei Lösung ja nicht fortgesetzt werden. Und falls kein Anliegen vorhanden ist, wird eins fabriziert und mit Angst und Hysterie aufgepumpt. Verunsicherung und Mißtrauen sind die Folge.

    Das zersetzt jede gesunde Gesellschaft. Und es ist wohl auch das was der Feminismus eigentlich kulturell beigetragen hat. Sein „Verdienst“ sozusagen. Ein Schema um Leute und Gesellschaft erfolgreich zu betrügen und dann noch einen Orden angehängt zu bekommen.

  17. wolle pelz sagt:

    Daher ist der Schritt zu einer linken Politik ohne Feminismus EIGENTLICH nicht weit.

  18. Stephan sagt:

    „Der Feminismus steht als unantastbares Dogma in den Fundamenten der Partei. Ich selbst empfinde den Feminismus als diametral in Oppositiion zu einer linken Einstellung stehend.“

    Genau so ist es im Sinne eines unhinterfragbaren Dogmas, im Sinne einer Denkunmöglichkeit, dass einerseits Männerrechte links, Feminismus im Sinne eine Privilegiensicherung aber auch rechts sein kann.
    Deshalb finde ich die Analyse von Schoppe geradezu brilliant, auch im Sinne einer „Argumentationsrichtlinie“, der nur schwer zu widersprechen ist.

  19. Schoppe sagt:

    „Die Grundidee des Feminismus ist zu hinterfragen. Ist es nicht der Feminismus der von Anfang an spaltend ist?“ Fragt sich eben, was diese Grundidee ist. Wenn die Grundidee ist, dass es für Frauen geschlechtsspezifische Benachteiligungen geben kann, und dass es wichtig ist, das anzusprechen – dann wüsste ich nicht, was daran auszusetzen sein sollte. Schon gar nicht wäre das eine grundsätzliche Spaltungsideologie.

    Problematisch wird Feminismus dort, wo er mit der Vorstellung eines umfassenden Patriarchats arbeitet. Dann wird jeder Nachteil von Frauen als Beleg einer Unterdrückung durch Männern interpretiert, jeder Nachteil von Männern aber als EIN kleines Ausnahmebeispiel, das nur zeigt, dass eben die Männerherrschaft auch für Männer selbst schlechte Folgen haben könne. Ab und zu.

    Ein Interpretationsmuster, das eben deshalb nicht zu widerlegen ist, weil es mit der empirischen Wirklichkeit eigentlich gar nichts zu tun hat.

    Aber auch damit sehe ich den Feminismus nicht als DAS grundsätzliche Problem. Die Frage ist doch, wie eine solche Position – und gerade bei Leuten, die sich für politisch links halten – überhaupt zu Ansehen gelangen konnte. Und um diese Frage zu beantworten, braucht man m.E. einen weiteren Blick als allein den einer Feminismuskritik.

  20. Kai V sagt:

    Lieber Wolle,

    es ist sehr interessant zu sehen, dass Du hier zu einem Thema zurückkehren möchtest, über dass ich hier die ganze Zeit schreibe. Du beweist durch solches Gehabe aber nur, dass Du eben nicht in der Lage bist über persönliche und Ideologiegrenzen hinweg sachlich an einem Thema zu arbeiten. Denn neben mir, dem einen der immer nur hetzt, gibt es ja auch noch den anderen Dauerhetzer, der übrigens von vielen als der Motor genau dieser Bewegung gesehen wird.

    Während Du bei mir noch hoffen kannst mich zu ignorieren oder rausdrängen zu können, wirst Du mit dem anderen jedoch ein größeres Problem haben. Ich bin übrigens bereit zu vergessen, den „Hetzer“, genau so wie die Unterstellung ich würde zu Gewalt aufrufen und habe versucht Dir hier sachlich zu antworten. Obwohl Du mich, nach meinem Artikel, genau so in Deinen Zielbereich genommen hast, wie Wortschrank. Übrigens mit Unterstellungen der übelsten Sorte, wie z. B. dem konstruierten Gewaltaufruf gegen Dingens. Dass entsprechender Artikel von Deiner Seite verschwunden ist, natürlich ohne Entschuldigung, ändert aber nichts an der Tatsache dahinter.
    Du beweist hingegen, dass Du eben nicht daran interessiert bist, weder an einer Kommunikation, noch daran hier irgendwelche Gräben zu schließen, noch an einer Zusammenarbeit! Das würde nämlich einschließen mit Menschen zu reden, die Dir nicht passen. Das würde auch einschließen nicht nach jedem Satz von mir auf ein Thema zurückkommen zu wollen, über das ich die ganze Zeit schreibe. Es würde erfordern dass Du einfach mal was stehen lassen oder sachlich darauf eingehen kannst, auch wenn Dir die Person und/oder der Inhalt nicht passt.

    Somit scheint eben klar, das ohne Abgrenzung (Posting 1 von mir) und ohne zivilen Umgang (Posting 2 von mir) keine Möglichkeiten der Zusammenarbeit bestehen. Womit ich die ganze Zeit bei dem Thema war, zu dem Du gerne zurückkommen möchtest!

    Ich gebe Dir übrigens Recht, es gibt keine Person in der linken Szene, die hier als Vorreiter und Leader der Szene herausragt. Hingegen war Euer Kreis von Antifeministen in Berlin ja mehrmals auf der Titelseite der Bild… Und viele Linke, inkl. mir, haben sich aus dem Männercamp und der Diskussion in Geschlechteralleerlei weitgehend rausgehalten. Ich habe popcornessend verfolgt wie das Thema zerredet wurde. Übrigens gleich unter den ersten 5 Posts, wo die Grundsatzdiskussion mit gemäßigten und radikalen ins Spiel kam, war mir klar dass dieses Ding gegen die Wand fährt. Bei wollen wir Frauen zulassen, obwohl keine Frau überhaupt Zustimmung bekundet hat, habe mich laut lachend und kopfschüttelnd ausgeklinkt … Wann und wo findet das Männercamp denn nun statt?

    Ich habe es schon mal gesagt und wiederhole es gerne nochmal, ich bin bereit mit jedem zusammen zu arbeiten der an einem weiterkommen interessiert ist. Menschen die jedoch durchgehend Grenzen überschreiten, rumpöbeln und sich hier produzieren möchten, brauche ich nicht…

    Hochachtungsvoll
    Kai V.

    PS:
    Das war jetzt mein letztes Posting zu diesem Thema hier, ab jetzt kannst Du hier rumspielen!

    PPS: Um Dir Arbeit abzunehmen
    ZURÜCK ZUM THEMA!!!

  21. wolle pelz sagt:

    Gut, die Frage ist eigentlich „von Anfang an“ oder halt „schon recht früh2. 😉

    Momentan beschäftige ich mich mit ein paar sehr frühen feministischen und anti-feministischen Schriften. Vielleicht kann ich mich einer erschöpfenden Antwort annähern.

    Fest steht allerdings, dass Feminismus schon recht früh ausschließend war.

    In meinem humanistischen Links-sein hat der Feminismus zumindest keinen Platz.

  22. Kai V sagt:

    'Fest steht allerdings, dass Feminismus schon recht früh ausschließend war.'

    Ab wann war den früh? Als er das Wahlrecht nur für Frauen gefordert hat? Oder die Abschaffung von Benachteiligungen wie den Haushaltsvorstand, auch nur für Frauen?

    Es ist in einer Bewegung normal das sie normalerweise für nur diese Gruppe eintritt und andere Probleme nicht unbedingt ins Visier nimmt. Egal ob CDU oder SPD oder gar FDP und auch bei den Grünen sieht man, sie machen Klientelpolitik, egal ob mit oder ohne Feminismus. So ist es beim Feminismus auch, man kann ihm nicht vorwefen für Rechte, aber nicht für Wehrpflicht geworben zu haben, sonst müsste man das jeder pol. arbeitenden Gruppe vorwerfen und diese aus gleichem Grunde ablehnen. Dann muss man das auch der Männerrechtsbewegung vorwerfen…

    Wie Lucas sehe ich auch, Problematisch wird es nur, wenn man versucht als Gruppe die eigentliche Definitionsmacht zu erhalten und andere Meinungen nicht zulasse… Hierbei ist egal ob ich diese Gruppen ausschliesse weil sie Ausländer oder vom Patriarchat bevorzugte Männer sind…

  23. @Schoppe 29. August 2014 20:54 „Fragt sich eben, was diese Grundidee ist“

    Vor dieser Frage bzw. dem Versuch, sie zu beantworten, warne ich insofern, als man sich damit leicht völlig verhebt und verzettelt.

    Wie schon oft genug erwähnt gibt es nicht „den Feminismus“, sondern extrem viele Varianten, und schon gar nicht „die Grundidee“, weder hinsichtlich der Konzepte/Theorien noch den politischen Aktionen. Deswegen ist „der Feminismus“ von außen betrachtet je so voll von inneren Widersprüchen.

    Wenn sich noch nicht mal die feministischen Aktivisten auf eine Grundidee einigen können, dann erst recht nicht einige Außenstehende. Es ist auch nicht die Aufgabe der Feminismuskritiker, diese Probleme zu lösen, man wird es nicht schaffen und verschwendet nur seine Energie. Das gilt auch für Versuche, die feministische Vergangenheit aufzuarbeiten, was wann unter welchen Randbedingungen sinnvoll und moralisch vertretbar war, das können gerne irgendwelche Vollzeithistoriker machen.

    Meine persönliche Konsequenz hieraus ist, daß ich versuche, mich auf die hier und heute sichtbaren Kollateralschäden des Feminismus zu konzentrieren (aktuelle Liste hier). MMn ist es viel wichtiger, sich selber darüber klar zu werden, wie relevant diese Kollateralschäden sind (da wird manchmal einiges dramatisiert) und was man konkret besser machen könnte bzw. anders haben will. Die Frage, ob „der Feminismus“ zu 100% verantwortlich ist oder nur zu 60% und im Zusammenhang mit anderen sozialen Entwicklungen, rückt dann etwas in den Hintergrund. Vor allem hat man sich von der selbst auferlegten „Pflicht“ befreit, die inneren Widersprüche des Feminismus erklären zu müssen und seine Grundideen zu finden.

  24. Leszek sagt:

    „Ist er es aber? Ging es jemals wirklich um gleiche Rechte UND Pflichten? Es wurde z. B. ganz schnell immer auf die Wehrpflicht verzichtet.“

    Schaut man sich den Mainstream-Feminismus der zweiten Welle der Frauenbewegung an, so scheint es mir eher, dass das Thema Wehrpflicht so ziemlich das einzige Thema war, bei dem radikale Feministinnen zur Abwechslung tatsächlich mal gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Frauen und Männer forderten, weshalb gerade dieses Thema in Schriften zur Geschichte des Feminismus auch gerne hervorgehoben wird:

    „Besonders deutlich werden unterschiedliche Positionen, (auch) innerhalb der Bundesrepublik, an der Diskussion über eine Wehrpflicht für Frauen, wie sie zwischen den beiden Zeitschriften der Frauenbewegung „Emma“ und „Courage“ geführt wurde. Alice Schwarzer, die Herausgeberin von „Emma“ plädierte für die Gleichstellung von Frauen in allen Bereichen und somit für ihre Unterwerfung unter den Militärdienst, während das „Courage“-Kollektiv den Kriegsdienst generell hinterfragte und ablehnte.“

    (aus: Gisela Notz – Feminismus, S. 20)

    Aber es geht bei dieser Diskussion ja offenbar um die erste Welle der Frauenbewegung. Diese bestand selbstverständlich ebenfalls aus mehreren Strömungen, die man gesondert bezüglich dieser Fragestellung untersuchen müsste, die grundlegendste Einteilung innerhalb der Forschung ist die zwischen der bürgerlichen und der sozialistischen Frauenbewegung. Beide besaßen mehrere Unterströmungen: bei der bürgerlichen Frauenbewegung wäre zwischen eher konservativen und eher liberalen Unterströmungen zu unterscheiden, bei der sozialistischen Frauenbewegung zwischen sozialdemokratischer, kommunistischer und anarchistischer Frauenbewegung.

    Bereits bezüglich der Einstellung zum Wahlrecht gab es hier signifikante Unterschiede. In Deutschland waren ja vor 1919 auch nicht alle Männer in dieser Hinsicht gleichberechtigt. Es existierte in manchen Bundesstaaten noch das sogenannte Zensuswahlrecht, bei dem das Wählen vom Vermögen abhing:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zensuswahlrecht

    Die bürgerliche Frauenbewegung forderte in dieser Hinsicht oft nur die gleichen Rechte für Frauen, was also im Falle des Vorhandenseins des Zensuswahlrechts ebenfalls ein beschränktes Wahlrecht analog dem der Männer bedeutete.

    Die sozialistische Frauenbewegung forderte dagegen ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für alle Männer und Frauen. Die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen ging bei ihnen also mit einer Forderung nach Abschaffung des Zensuswahlrechts einher, so dass alle Männer und Frauen der unteren Klassen die gleichen Rechte erhalten wie die der oberen Klassen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zensuswahlrecht

    Speziell die libertär-sozialistische, anarchistische Frauenbewegung bejahte grundsätzlich ebenfalls ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für alle Männer und Frauen, bewertete dies in emanzipatorischer Hinsicht jedoch als relativ geringer, da sie staatliche Institutionen grundsätzlich ablehnte und sich Anarchisten an Wahlen oft ohnehin nicht beteiligten.

  25. Leszek sagt:

    Bezüglich der Verknüpfung von Wahlrecht und Wehrpflicht sollte aus männerrechtlicher Perspektive sicherlich mitberücksichtigt werden, dass wer es für richtig hält, das Wahlrecht von der Wehrpflicht abhängig zu machen, konsequenterweise auch das Wahlrecht für all diejenigen Männer, die aus irgendwelchen Gründen keinen Wehr- oder Ersatzdienst leisten, ablehnen muss.

    Wie sich die verschiedenen Strömungen der ersten Welle der Frauenbewegung zur Wehrpflicht positionierten, ist aber auf jeden Fall eine interessante Frage. Genau kann ich es im Augenblick nur für die libertär-sozialistische, anarchistische Frauenbewegung sagen, die die Wehrpflicht als staatlichen Zwangsdienst grundsätzlich für beide Geschlechter ablehnte.

    Bezüglich der bürgerlichen Frauenbewegung ist mir hierzu ein Text aus dem Jahre 1874 der bekannten deutschen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm bekannt, die 1873 als eine der frühesten deutschen Feministinnen das Wahlrecht für Frauen forderte und sich auch mit dem Argument der Wehrpflicht für Frauen im Zusammenhang mit der Forderung nach Gleichberechtigung auseinandersetzte:

    In dem Abschnitt „Zweiter Einwand. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“ des Kapitels „Ob Frauen studiren sollen“ ihres 1874 erschienen Buches „Die wissenschaftliche Emancipation der Frau“ nennt sie mehrere Gegenargumente, aus ihrem 4. Argument geht hervor, dass sie eine Wehrpflicht für Frauen (trotz grundsätzlich militarismuskritischer Haltung) nicht grundsätzlich ablehnte:

    „Viertens: Es bedürfte nur der Erfindung eines leichten eleganten Mordinstruments, dessen Handhabung der Frau keine allzu große Kraftanstrengung zumuthete, und einiger anderer Erfindungen zur Vermehrung der Bequemlichkeit im Felde, etwa eines kleinen tragbaren Canapees und eines Taschen-Velocipedes, und die Frau könnte Kriegsdienste leisten, so gut wie der Mann.“

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/4771/10

    Wie sich die Hauptströmungen der damaligen Frauenbewegung ansonsten zu dieser Frage positionierten, wäre wie gesagt eine interessante Forschungsfrage. Aber nur, wenn man sie wirklich wissenschaftlich angeht – und d.h. ergebnisoffen – mit der Bereitschaft unterschiedliche Positionen und Begründungen hierzu wahrzunehmen.

  26. Anonym sagt:

    „Viertens: Es bedürfte nur der Erfindung eines leichten eleganten Mordinstruments, dessen Handhabung der Frau keine allzu große Kraftanstrengung zumuthete, und einiger anderer Erfindungen zur Vermehrung der Bequemlichkeit im Felde, etwa eines kleinen tragbaren Canapees und eines Taschen-Velocipedes, und die Frau könnte Kriegsdienste leisten, so gut wie der Mann.“

    Am Ende ist Dohm – ähnlich wie Solanas – eine „Satirikerin“?

  27. „Wesentlicher Zweck dieses Kampfes ist es nicht, ihn zu gewinnen – sondern den Gedanken zu zerstreuen, das es noch Alternativen zu den komplementär aufeinander bezogenen Positionen Schascheks und Pirinçcis geben könnte.“

    Das kann man wohl getrost als Paranoia bezeichnen. Können Sie diese Aussage belegen? An solchen Stellen verlieren Leute wie Sie und Arne Hoffmann ihre Glaubwürdigkeit und entlarven sich als linke Agitatoren.

    Pirincci bolzt drauf los, wie es ihm paßt. Daß er nebenbei auch noch mit dem Teufel paktiert, wie Sie und Arne Hoffmann es jetzt investigativ herausgefunden haben, müßte man noch beweisen.

    Einfach nur peinlich.

  28. petpanther sagt:

    @Schoppe, Kai, mitm

    „@Schoppe 29. August 2014 20:54 „Fragt sich eben, was diese Grundidee ist“

    Vor dieser Frage bzw. dem Versuch, sie zu beantworten, warne ich insofern, als man sich damit leicht völlig verhebt und verzettelt.“

    Dazu die kürzliche HoneyBadgerRadio Session ab 1:20:00

    Bitte mal reinhören. So wie sie es dort sehen erscheint mir ziemlich nah an dem was wirklich war und ist. Sie betrachten die historische Einbettung.

    Essentiell ist die Aussage die, dass es Feminismus nie um Gleichberechtigung ging, sondern um Privilegien. Privilegien für die weiße weibliche Oberschicht.

  29. JC Denton sagt:

    „Falsch aber ist, diesen Konflikt als Rechts-Links-Konflikt zu beschreiben. Wenn rechte Politik eine Politik der Privilegiensicherung ist, dann führen hier einfach zwei unterschiedliche rechte Gruppen einen Schaukampf gegeneinander.“

    Ich finde es ja sehr amüsant, wenn der Feminismus plötzlich als „rechts“ definiert wird, wenn Feministen irgendwas tun oder fordern, was den Linken nicht gefällt. Das ist etwa genauso glaubwürdig wie die Behauptung mancher Leute, der Nationalsozialismus wäre links.

  30. Eine linke Männerpolitik hat also den großen Nachteil, dass sie gleichsam ins Leere hinein entworfen wird
    In den etablierten linken Parteien (SPD und Linke), werden linke Maskulisten kein Bein auf den Boden bekommen. Es dürften eher libertäre Gruppen sein, die die Argumente linker Maskulisten aufnehmen werden. Ob allerdings linke Maskulisten da mitgehen, möchte ich bezweifeln. Von jeher waren Anarchisten und Sozialisten (SPD und Kommunisten) wie Hund und Katz.

  31. Oliver K sagt:

    @ JC Denton: Wo ist das Argument? „Lustig“ ist kein Argument. Es wird nichts „definiert“, sondern festgestellt, anhand plausibler Kriterien was „links“ und „rechts“ sei.

  32. Oliver K sagt:

    „entlarven sich als linke Agitatoren“ — was soll denn dieser Unsinn? Hoert sich nach „Kulturmarxismus“ an, die Unterstellung eines grossen Plans zur Zerstoerung „der Gesellschaft“ (der aber dann doch ziemlich leicht entlarvt wird).

    In dem Zitat „Wesentlicher Zweck …“ muss man „wesentlicher Zweck“ lesen als das, was am Ende dabei herauskommt. Dies ist ein gaengiges Interpretationsschema, — moegen sich die Kontrahenten subjektiv denken was sie wollen, objektiv hat deren Kampf eine andere Bedeutung.

    „Peinlich“ ist da auch nichts dran (passt auch nicht zu „linken Agitatoren“ — das muss man ja wohl hier als eine Art Krimineller interpretieren, und ein Krimineller ist ja auch nicht „peinlich“).

    Ich muss aber hinzufuegen, dass ich es fuer *falsch* halte. Ich kenne von Pirincci nur


    und ich moechte doch jedem empfehlen, der unbedingt was zu Pirincci sagen muss, sich dieses Interview anzuschauen. Was man hier sieht, ist zum einem, dass es Widerstand jenseits der „linken Widerstandshegemonie“ gibt. Da wird nach Worten gerungen, wie man bestimmte Aspekte des gegenwaertigen Wahnsinns ausdruecken kann; diese Worte kommen nicht leicht, und Pirincci springt in die Bresche. Die Hetze gegen ihn von Arne Hoffmann ist das Hetzen eines Insiders gegen einen Outsider.

    Zum anderen kann man auch schoen in dem Interview sehen, wie zwar die Symptome erkannt werden (und dies ist wichtige Ideologiekritik), aber bei den „Ursachen“ dann ploetzlich der intellektuelle Horizont zusammenschnurrt, und der (gewoehnliche) Staatshass und das Hohelied des Kleinunternehmers alle Argumentation ersetzt (immerhin ist das sehr deutlich bei Pirincci, der sagt, dass dies alles sehr einfach waere). Diese Ideologie, dieses romantische Ideal einer Gesellschaft, in der sich der Staerkere durchsetzt, weil er der Bessere ist, ist das eigentliche Problem bei Pirincci — und dieses teilt er mit vielen anderen, ist es doch nur ungeschminkter Ausdruck eines ideologischen Hauptpfeilers der Gesellschaft, der Ideologie der „Marktwirtschaft“.

    Aber da dies sehr viele Menschen so denken, muss man sich dem stellen.

    Mir scheint Pirincci nicht nuetzlich fuer Feministen zu sein, sondern fuer einen Teil des „Maskulismus“, der vielleicht gar nicht gewinnen will, und der in ihm den Buhmann und Schuldigen findet (als ob „Maskulismus“ nur vorgeschoben wuerde, und man letztlich dem Feminismus doch viel naeher steht als man zugeben will).

  33. JC Denton sagt:

    @ Oliver K

    Es wird sehr wohl definiert („Wenn rechte Politik eine Politik der Privilegiensicherung ist“), und man kann anhand anderer plausibler Kriterien den Feminismus problemlos als „links“ einstufen, was ja auch dem Selbstbild der weit übewiegenden Zahl seiner Vertreter entspricht.

  34. JC Denton sagt:

    „Diese Ideologie, dieses romantische Ideal einer Gesellschaft, in der sich der Staerkere durchsetzt, weil er der Bessere ist, ist das eigentliche Problem bei Pirincci — und dieses teilt er mit vielen anderen, ist es doch nur ungeschminkter Ausdruck eines ideologischen Hauptpfeilers der Gesellschaft, der Ideologie der „Marktwirtschaft“.“

    Als ob die freie Marktwirtschaft das gesellschaftliche Ideal wäre … Das ist ja wohl nicht dein Ernst?!

  35. Leszek sagt:

    @ Petpanther

    „Bitte mal reinhören. So wie sie es dort sehen erscheint mir ziemlich nah an dem was wirklich war und ist.“

    Darf ich dich daran erinnern, dass du noch letzte Woche mit Bezug auf die konservative/rechte Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie gegen Andersdenkende gehetzt hast und ich auf meine Nachfrage nach Belegen – wie immer – keinen Beleg von dir erhalten habe.

    Da dein Feindbilddenken stark ausgeprägt ist und deine Fähigkeit und Bereitschaft um Objektivität bemüht zu sein, leider eher gering, wirkt es auf mich nicht sehr überzeugend, wenn dir etwas als richtig „erscheint“.

    „Sie betrachten die historische Einbettung.
    Essentiell ist die Aussage die, dass es Feminismus nie um Gleichberechtigung ging, sondern um Privilegien. Privilegien für die weiße weibliche Oberschicht.“

    Dass es eine solche Feminismusvariante in den damaligen USA gab, mag durchaus sein, (wiewohl keine wissenschaftlich stichhaltigen Belege genannt werden).
    Bezüglich jeder Feminismusvariante, der es nachweislich nicht um Gleichberechtigung geht oder ging, ist Kritik stets berechtigt.

    Was den klassischen radikal-liberalen Feminismus der ersten Welle der Frauenbewegung in den USA angeht, gibt es allerdings zufällig eine Unterstützerin der Männerrechtsbewegung, die Expertin für dieses Thema ist und zu anderen Ergebnissen kommt.

    Eine bekannte dissidente Feministin sowie Unterstützerin der Männerrechtsbewegung und Kritikerin des Radikal/Gender/Staatsfeminismus ist Wendy McElroy, Hauptvertreterin des Individual-Feminismus, einer radikal-liberalen und individual-anarchistischen Feminismusvariante, die in ihrer zeitgenössischen Form explizit pro-maskulistisch ist:

    http://www.ifeminists.net/e107_plugins/content/content.php?content.333

    http://www.foxnews.com/story/0,2933,86685,00.html

    http://www.ncc-1776.org/tle2001/libe153-20011224-02.html

    Wendy McElroy, die man faktisch sowohl als Frauenrechtlerin als auch als Männerrechtlerin bezeichnen kann, gehört im englischsprachigen Raum zu jenen Personen, die viel dafür getan haben, männerrechtliche Anliegen bekannt zu machen und ihnen zur Anerkennung zu verhelfen.
    Und natürlich blieben die üblichen Anfeindungen von radikalfeministischer Seite gegen Wendy McElroy nicht aus, im Mainstream-Feminismus ist sie verhasst und wird als „antifeministisch“ verunglimpft.

    Tatsächlich ist Wendy McElroy u.a. aber auch Expertin für die Ideen- und Sozialgeschichte des radikal-liberalen und individual-anarchistischen Feminismus (dem sie sich zuzählt) in den USA und hat 2 Bücher zum Thema herausgegeben, in denen Originalquellen dargestellt und kommentiert werden:

    „Freedom, Feminism, and the State“

    http://www.amazon.de/Freedom-Feminism-State-Wendy-McElroy/dp/0945999674/ref=sr_1_2?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1409477235&sr=1-2&keywords=wendy+mcelroy

    und

    „Individualist Feminism of the Nineteenth Century: Collected Writings and Biographical Profiles“

    http://www.amazon.de/Individualist-Feminism-Nineteenth-Century-Biographical/dp/0786474009/ref=sr_1_11?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1409477124&sr=1-11&keywords=wendy+mcelroy

    Wendy McElroys Befunden zufolge, hatte der klassische radikal-liberale Feminismus der ersten Welle der Frauenbewegung in den USA seinen Ursprung wesentlich in der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei und beruhte von seinen theoretischen Grundlagen her, auf der Annahme dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Rasse und Religion als souveräne Individuen mit gleichen Rechten behandelt werden sollten.

    In den beiden Vorworten der Bücher geht Wendy McElroy ausführlich auf die ideengeschichtlichen Aspekte des klassischen radikal-liberalen Feminismus in den USA ein und sie belässt es nicht bei Behauptungen, sondern belegt diese und präsentiert Originalquellen.

  36. petpanther sagt:

    @Leszek

    Das mag ja sein. Ich weiß auch, dass das was die HoneyBadgerinnen da sagen gegen die übliche Legende ist.

    Hanna Wallen und Kristel Garcia waren das glaub ich. Auch die haben geschichtliche Quellen. Insbesondere Wallen kennt sich da ziemlich gut aus.

    Ich halte ich es für glaubwürdig. Und es zeigt, dass die übliche Legende ernsthaft zu hinterfragen ist.

    Ausserdem erscheint mir die HoneyBadger Version auch sehr viel plausibler, ehrlicher und glaubwürdiger. Auch vom Menschlichen her und dem wie sich der Feminismus gebärdet.

  37. petpanther sagt:

    @Leszek

    „Darf ich dich daran erinnern, dass du noch letzte Woche mit Bezug auf die konservative/rechte Anti-Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie gegen Andersdenkende gehetzt hast und ich auf meine Nachfrage nach Belegen – wie immer – keinen Beleg von dir erhalten habe.

    Da dein Feindbilddenken stark ausgeprägt ist und deine Fähigkeit und Bereitschaft um Objektivität bemüht zu sein, leider eher gering, wirkt es auf mich nicht sehr überzeugend, wenn dir etwas als richtig „erscheint“. „

    Diesen Unsinn lasse ich einmal so stehen. Weil ich ja weiß wie du „argumentierst“, wenn etwas oder jemand gegen deinen Strich geht.

  38. Was den Hang zur Gleichmacherei angeht, so sind die Grünen darin unübertroffen. Sie sind durch und durch von ihrer Mission beseelt, so dass sie mit stetem Paternalismus die Bürger zu rechtschaffenen Verhalten und Ansichten leiten wollen. Gleichsein in der Geisteshaltung ist dabei ihr eigentlicher Wunsch. Die Genderideologie kommt ihnen dabei zupass. Wer nur noch „weiblich“ oder „nicht weiblich“ als Geschlechtszugehörigkeit kennt, der zeigt unmissverständlich, welch gleichtönigen Geistes Kind er nachstrebt. Dementsprechend sind die Grünen durch ihre Definitionsmacht stets die Gleicheren unter den Gleichen. Da hinken SPD und Linke immer hinterher.

    Interessant in diesem Zusammenhang der Aufsatz von Sean Collins „Paternalismus: Wir lassen uns herumschubsen“ auf Cuncti.

  39. @ Oliver K.

    Immerhin siehst du hinsichtlich Arne Hoffmann die Realitäten. Das erfreut mich. Arne Hoffmanns Kritik an Pirincci ist einfach nur deppert und er fährt sich damit selbst in die Parade. Zusätzlich offenbart er sich als Islam-Hypochonder.

    Deine ersten beiden Absätze sind allerdings fragwürdig. Es gibt eben keinen übergeordneten Zweck, seriöse Feminismus- und Genderkritik zu überblenden. Ich kann mir auch kaum vorstellen, daß Pirincci das möchte. Und hier kommt tatsächlich wieder die Paranoia ins Spiel, denn Schoppe spricht ja von linker Kritik. Tja, vielleicht tut Schoppe mehr für die von ihm angesprochene Polarisierung, als ihm bewußt ist. Er denkt eben nur in Rechts-Links-Schemata und fühlt sich nun von Pirincci angepißt – wie Hoffmann.

    Das ist eben die Souveränität, die ich vermisse. Die Linken heulen genauso rum und schieben ihren Film. Woher will Studienrat Schoppe eigentlich so genau wissen, daß Pirincci die seriöse Kritik an Gender und Feminismus überblendet?

    Hier kommt auch wieder die Anmaßung vieler Linker ins Spiel. Sie wollen, daß die Sache eben linksrum läuft. Ich empfehle eine ganzheitliche Haltung, die auch das Positive an Clowns und Harlekins wie Pirincci honoriert. Und die nicht in paranoide Kritik verfällt, wie das bei Hoffmann zu sehen ist.

    Meine Kritik an Gender und Feminismus ist weder links noch rechts. Einfach mal locker bleiben, Leute.

    Dein erster Absatz enthält auch allerlei Mutmaßungen, die recht phantasievoll sind. Ich rede nirgends von Kulturmarxismus. Daß Leute wie Hoffmann oder Leszek agitieren, habe ich bereits mehrfach in meinen Artikeln nachgewiesen – ich Mitglied des sogenannten „Pirincci-Lagers“.

    Eine Ideologie der Marktwirtschaft als solche sehe ich nicht, vielmehr einer sogenannten freien, deregulierten Marktwirtschaft, die viel Ungerechtigkeit produziert und ökonomisch völlig kontraproduktiv ist, gerade weil sie zu viele Freiheiten gewährt. Dadurch entstehen endlose Verwerfungen und Risiken, die mit der sogenannten Konkurrenzfähigkeit begründet und gerechtfertigt werden. Es dauert wohl noch ein paar Jahrzehnte, bis die Menschheit begriffen hat, daß die Marktwirtschaft eine ausreichende ethische Regulierung braucht und gerade erst dadurch richtig und produktiv funktionieren wird. Dazu bedarf es aber des Solidarisierungswillens aller Völker. Und das dauert noch. 🙂

    Solange wird man noch – wie in der Vergangenheit – mit allen möglichen unlauteren Mitteln versuchen „konkurrenzfähig“ zu bleiben. Wir sind ja so frei. Wir brauchen ja den Konsum und rasend schnelle Innovationen. Brauchen wir doch alle, oder?

    Ich persönlich bezeichne diese Zusammenhänge als Konkurrenz- und Freiheitsideologie. Man betet nicht Marx an, sondern Adam Smith. Sind schon peinlich diese Freiheitsapostel á la Michael Klein und so.

    @JC Denton

    Die Freie Marktwirschaft als solche ist sicherlich nicht das Ideal, sondern die soziale. Aber unsere Marktwirtschaft ist insbesondere auf Makroebene immer noch viel zu frei. Man muß unterscheiden zwischen zu vielen Vorschriften auf der Mikroebene und verantwortungslosen Freiheiten auf der Makroebene: Siehe Banken oder Dumping-Löhne. 🙂

  40. petpanther sagt:

    @Kirk

    „Es dauert wohl noch ein paar Jahrzehnte, bis die Menschheit begriffen hat, daß die Marktwirtschaft eine ausreichende ethische Regulierung braucht und gerade erst dadurch richtig und produktiv funktionieren wird.“

    Das ist auch etwas was ich nicht verstehe. Ist doch eigentlich einleuchtend.

    Etwa wie beim Fußball. Ohne Regeln würde jeder den Ball in die Hand nehmen und foulen wie es ihm beliebt. Und ohne sportethischen Rahmen würden wir (zumindest auf dem Platz) allerlei Versuche sehen, die Regeln unfair zu unterlaufen, auch dann wenn es einen Schiedsrichter gibt.

  41. Schoppe sagt:

    @ Matthias Mala „In den etablierten linken Parteien (SPD und Linke), werden linke Maskulisten kein Bein auf den Boden bekommen.“ Werden sie auch nicht, nicht als Gesamtprogramm. Was ich für möglich halte, ist, hier punktuell etwas zu erreichen. So wie das Gleichmaß in Thüringen gerade tut.

    Und was die Grünen angeht, würde sich vielleicht etwas bewegen, wenn sich im grünen Milieu etwas ändert – das heißt: Wenn akademische Positionen zur Geschlechterpolitik Männer ebenso berücksichtigen würden wie Frauen.

    Auch wenn das vermutlich nur ein unwahrscheinlich Szenario durch ein anderes austauscht…

  42. Schoppe sagt:

    @ JC Denton Ich hab, und darauf weist Oliver ja nochmal hin, begründet, was ich unter „links“ verstehe, und mir nicht einfach eine Definition einfallen lassen, die halt eben gerade passte. Und ich habe den Feminismus nicht plötzlich als „rechts“ definiert, sondern schon oft versucht zu beschreiben, warum feministische Konzeptionen nach herkömmlichem Verständnis eher als reaktionär denn als irgendwie „links“, „progressiv“ o.ä. einzustufen sind. Es ist ja z.B. kein Zufall, dass die Entrechtung von Vätern seit Jahrzehnten über ein De-facto-Zusammenspiel von konservativen Familienpolitikern und Feministinnen betrieben wird.

    Ich finde es daher falsch, das Selbstbild der Feministinnen zu akzeptieren. Sie sind, in der ganz überwiegenden Mehrheit, Vertreterinnen von Geschlechtermodellen, die sich längst überlebt haben, und alles andere als „links“.

    Ein weiteres Beispiel von vielen möglichen ist ja Jessica Valentis triumphierendes „Male tears“-Bild, das sie unglücklicherweise kurz vor dem Selbstmord von Robin Williams postete. Männer haben nicht zu heulen – aber Frauen sind schutzbedürftig: Ich kenne niemanden, der das ernsthaft als „linke“ Politik beschreiben würde. Ist es auch nicht, offensichtlich.

  43. Schoppe sagt:

    @ Oliver „Da wird nach Worten gerungen, wie man bestimmte Aspekte des gegenwaertigen Wahnsinns ausdruecken kann; diese Worte kommen nicht leicht, und Pirincci springt in die Bresche. Die Hetze gegen ihn von Arne Hoffmann ist das Hetzen eines Insiders gegen einen Outsider.“

    Pirincci hat einen absoluten Bestseller geschrieben, war wieder und wieder damit Thema in allen großen Zeitungen. Mit einem Buch, in dem er nach meinem Eindruck wirklich nicht um Worte ringt, sondern in dem er einfach raushaut, was ihm in den Kopf kommt. Dabei sind auch Teile, bei denen man sagen könnte – „Er hat ja irgendwie Recht, damit trifft er einen Punkt.“ Aber die werden im Gesamtwüten und seiner enormen Freund-Feind-Attitüde völlig entwertet.

    Hoffmann hat ein Buch geschrieben, in dem er sehr sorgfältig und umfassend und zu ganz unterschiedlichen Aspekten zu zeigen versucht, warum eine (nach klassischem Verständnis) linke Politik es sich nicht leisten kann, feministisch betoniert Männeranliegen völlig zu ignorieren. Das Buch wurde selbst in den Medien völlig ignoriert.

    „Insider“ und „Outsider“ müssten hier also eben gerade andersherum zugeteilt werden. Pirincci ist ebenso wenig Outsider wie Bushido – er kultiviert eine ungeschlachte „Ich sags, wies ist“-Ghetto-Attitüde und kann davon sehr gut leben.

    Am Vorwurf aber, dass ich hier einen Buhmann für das Scheitern einer vernünftigen Männer-Politik aufbaue, könnte trotzdem etwas dran sein. Wenn Männer sich klarer, offener und nachdrücklicher äußern würden, ließen sich Pirincci und seine Fans (so wie Schaschek das tut) gar nicht als Hauptkritiker, oder gar als einzige Kritiker der Gender-Studies aufbauen. Insofern ist es wichtig zu überlegen, was man selbst tun kann – mit einer Abgrenzung von Pirincci allein ist noch gar nichts gewonnen.

    @ Kirk „Woher will Studienrat Schoppe eigentlich so genau wissen, daß Pirincci die seriöse Kritik an Gender und Feminismus überblendet?“ Ich hab geschrieben, dass zwischen den Positionen von Schaschek und Pirincci ein Schaukampf ausgefochten wird, der Schaschek die Möglichkeit gibt, seriöse Kritik auszublenden. Das weiß ich, weil ich ihren Text gelesen habe – es ist dann ziemlich offensichtlich.

  44. Schoppe sagt:

    Ich teile, @ mitm, die Skepsis gegenüber dem Versuch, eine Grundidee des Feminismus zu finden und dann womöglich noch zu denken: Wenn diese Grundidee als trügerisch, korrupt etc. entlarvt wird, wird irgendwie alles gut.

    Der große Masse an Feminismus-Varianten, auf die Du ja auch hinweist, beruht m.E. vor allem darauf, dass „Mann“ und „Frau“ als soziale Kategorien einfach nicht besonders gut brauchbar sind. Die Unterscheide zwischen verschiedenen Männern und verschiedenen Frauen sind enorm, zugleich haben Männer und Frauen – zumal die derselben Schicht – oft identische Interesse.

    So kann man auf ganz verschiedene Weise für „die Frauen“ oder „die Männer“ eintreten, und in unterschiedlichem Verhältnis zum jeweils anderen Geschlecht, von Abgrenzung bis hin zur Kooperation.

    Dabei ist es aber ziemlich offensichtlich, dass heute männerfeindliche Feministinnen gegenüber kooperativen Feministinnen sich weithin durchgesetzt haben. Es gibt andere, aber das sind immer Einzelne.

    Deshalb finde ich es, @ petpanther, ebenfalls wichtig zu überlegen, woran das liegt. Dazu gehört auch, die Legende aufzubrechen, Feminismus sei grundsätzlich schlicht für Gleichberechtigung gewesen, in einer Zeit, in der Frauen überall unterdrückt waren – und zu zeigen, dass schon früh feministische Positionen Privilegiendenken propagierten. Daher danke für den Link zum Honeybadger-Radio. Karen Straughan hat bei ihrer Rede bei der Konferenz in Detroit ja ähnlich argumentiert.

    @ Leszek Auch Dir danke! „I do know that feminism's best hope…maybe its only hope of becoming relevant again…lies in listening to the voices of men demanding justice.“ DAS (aus einer der von dir verlinkten Reden McElroys) wäre tatsächlich einmal ein Ansatz, mit dem sich in der Geschlechterpolitik etwas positiv entwickeln könnte: Von dem Grundsatz auszugehen, dass auch die eigene Freiheit beeinträchtigt wird, wenn andere unfrei bleiben. Das passt dazu, dass eine konsistente Position an gleichen Pflichten ebenso interessiert sein müsste wie an gleichen Rechten.

    Um so mehr steht für mich aber die Frage im Raum, weshalb sich im feministischen Denken das Geschlechterverhältnis weithin nur als Nullsummenspiel denken lässt. — Wir können nur gewinnen, wenn die Männer verlieren – unsere Würde zu wahren bedeutet, die der Männer zu verletzen – menschlicher werden wir nur, wenn wir weniger männlich sind – etc.pp.

    Sicher lässt es sich rekonstruieren, dass das viel mit der Vorstellung einer „patriarchalen Herrschaft“ zu tun hat, die überwunden werden müsse. Trotzdem wüsste ich gern, warum die Alternativen zu solchen Holzschnitt-Interpretationen sozialer Herrschaft im feministischen Denken weithin so chancenlos sind.

  45. Martin sagt:

    Was ich auch begrüßenswerter fände. Linke Politik wird wohl auch weiterhin das sein, was sie bisher ist und immer war – bevormundend, gängelnd, gleichmacherisch und vor allem den Funktionären ihrer jeweiligen Parteien dienend. Wie rechte halt auch.
    Wahrscheinlich würde eine Übernahme männerrechtlicher Inhalte in „linken“ Parteien nicht zu einer Reduktion feministischer Inhalte (und Mittel, Pöstchen,Subventionen dafür) führen, sondern nur zu einer Vermehrung. Statt nur Frauenbeauftragte abzuschaffen, gibt es dann noch Männerbeauftragte zusätzlich und und und…. am Ende hat man dann statt einer Reduktion eine Verdopplung von zum Großteil völlig nutz- und wertlosen „Kümmer-, Forschungs- und Propagandapöstchen“ mit dem entsprechenden Apparat und Abgaben.

    Ich frage mich daher ernsthaft, ob es für mich nicht besser wäre, *gegen* eine linke Männerpolitik zu arbeiten. Die Beschädigung speziell linker Parteien durch feministische Inhalte kann ich so eigentlich nur positiv sehen. Der potentielle und reale Schaden durch eine größere Einflußnahme und Wirkungsphäre linker Parteien auf alle Freiheiten übersteigt m.E. den durch den Feminismus angerichteten Schaden bei weitem.

  46. […] gut sein solle, hat es hier schon verschiedene Texte gegeben – einen von Leszek, einen auch von mir selbst. Ich hab zudem schon vor Wochen begonnen, etwas zu einer kurzen Diskussion zu schreiben, die eben […]

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