Wozu ist Männerhass eigentlich gut? (Teil 1: Auslöschung der Rabenväter)

„Mir ist klar geworden, dass der Kampf für Frauenrechte allzu oft zu einem Synomyn für Männerhass geworden ist. Wenn ich eines sicher weiß, dann, dass das ein Ende haben muss.“ ( I’ve realized that fighting for women’s rights has too often become synonymous with manhating.)
Diese Sätze aus Emma Watsons viel diskutierter UN-Rede ist missverständlich. Im Zusammenhang wird klar, dass sich Watson keineswegs gegen Männerhass stellt – sondern gegen die Meinung, Feminismus habe etwas mit Männerhass zu tun. Im nächsten Satz schon zieht sie sich auf eine Lexikon-Definition zurück. Für’s Protokoll („for the record“): Feminismus sei eine Bewegung zur Gleichheit der Geschlechter.
Watson hätte an dieser Stelle natürlich zumindest die Möglichkeit einräumen können, dass andere Menschen andere Erfahrungen gemacht haben als die junge Lexikon-Leserin. Was nach ihrer Darstellung also „ein Ende haben muss“, ist, dass diese Menschen ihre Erfahrungen offen aussprechen können, und dass sie ihre Erfahrungen eigenständig bewerten.
Ein typischer Väterrechtler. Selbstverständlich ist diese Darstellung so realistisch wie nur möglich und hat nichts mit dem Aufbau von Feindbildern zu tun.
Dabei geht es keineswegs allein um extreme Äußerungen des Hasses, wie etwa Solanas‘ berühmtes „Scum“-Manifest, oder um den Sadismus der „Ich bade in Männertränen/ I bathe in male tears“-Sprüche, oder um die beliebten eugenischen Phantasien, den männlichen Anteil an der Weltbevölkerung auf zehn Prozent zu reduzieren. Es gibt auch eine Alltagsfeindschaft, die nicht so extrem daherkommt wie diese Beispiele, die aber wohl noch deutlich folgenreicher ist. An drei Beispielen dafür lässt sich gut zeigen, welche Funktion diese Feindschaft erfüllt.

Die Moderatorin und die telegene Empörung In der Sendung „Menschen bei Maischberger“  vom 9. September mit dem Titel Krieg um Kinder – Wenn die Familie zerbricht wird auch Detlef Bräunig interviewt, ein grobschlächtig mit Feindbildern operierender Blogger und in die Sendung eingeladen als Vater, der seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommt. Bevor er noch zu Wort kommt, macht Maischberger darauf aufmerksam, dass „sogenannte Rabenväter“ (00:58) den Staat allein im Jahr 2013 170 Millionen Euro gekostet hätten, weil dieser für fehlenden Unterhalt hätte aufkommen müssen.
Bräunig versucht, sein Verhalten zu erklären. Wer keine Rechte habe, könne eben auch den Mut haben zu sagen: „Jetzt gehe ich und lass Euch mit Euren Problemen allein.“ (1:01) Maischberger akzeptiert das nicht, ebenso wenig wie der Rest der Gesprächsrunde, die fast ausschließlich aus Frauen besteht – Bräunig hätte ja um sein Recht kämpfen können.
Das stimmt so nicht, tatsächlich hatte ein nichtverheirateter Vater zur Zeit von Bräunigs Trennung diese Möglichkeit des Kampfes eben nicht und hat sie bis heute kaum. Gleichwohl wird Bräunig vorgeführt als verantwortungsloser Rabenvater, bedient dieses Bild aber auch selbst, wenn er sich selbst als trickreiches, wohlhabendes Cleverle auf der Flucht vor Unterhaltspflichten präsentiert. Die Welt kommentiert:
„Bei allem Showgehabe warfen seine Einwendungen durchaus ernste Fragen auf – nach den Rechten unverheirateter Väter, der Höhe von Unterhaltszahlungen und den Folgen für die Betroffenen. Sie blieben unbeantwortet.“
Sie bleiben auch deshalb ohne Antwort, weil Bräunig es seinen Gesprächspartnerinnen sehr leicht macht, sich in die Pose aufrechter Empörung zu werfen – und möglicherweise ist er auch zu eben diesem Zweck eingeladen worden.
Es hätte die telegene gerechte Empörung vielleicht unnötig irritiert, darauf hinzuweisen, dass die Zahlungsmoral unterhaltspflichtiger Mütter deutlich schlechter ist als die unterhaltspflichtiger Väter. Ein Väterproblem, als das Maischberger es präsentiert, ist das Ausbleiben der Zahlungen nicht deshalb, weil so viele Väter verantwortungslos wären – sondern deshalb, weil so wenige Trennungsväter eine Chance auf die Alleinsorge für ihre Kinder haben und Mütter daher deutlich seltener unterhaltspflichtig sind.
Ohne das Feindbild Vater, das Maischberger am günstigen Modell Bräunigs entwirft, hätte sich den  Frauen der Gesprächsrunde möglicherweise früher oder später eine unangenehme Frage gestellt: Wie würden sie denn reagieren, wenn der Vater der gemeinsamen Kinder ihnen ohne Angabe von Gründen, aber mit staatlicher Unterstützung den Kontakt zu ihren Kindern ganz oder weitgehend nehmen würde –
wenn sie froh sein könnten über die Gelegenheit, ihre Kinder alle zwei Wochen einmal bei sich zu haben, wenn auch unter schwierigen Bedingungen –
wenn sie wüssten, dass es andere Frauen gibt, die ihre Kinder gar nicht mehr sehen können, und dass sie daher für den knappen Umgang mit den Kindern dankbar sein müssen –
und wenn sie dann noch dazu verpflichtet wären, nicht nur den Unterhalt der Kinder, sondern auch das Leben des Vaters mit ihrer eigenen Arbeit zu finanzieren, weil sie selbst sich ja schließlich nicht um die Kinder kümmern würden?
Ich bin mir sicher, dass kaum eine Frau es fraglos als ihre „Verantwortung“ akzeptieren würde, eine solche Situation auf Dauer zu ermöglichen. Das ist völlig verständlich. Warum aber ist es eigentlich dann so schwer, sich vorzustellen, dass diese Situation für Männer ganz ähnlich belastend, schrecklich und entrechtend ist, wie sie es für Frauen wäre?
Es ist weiterhin selbstverständlich, dass Männer Situationen finanziell zu tragen haben, unter den sie selbst und ihre Kinder erheblich leiden. Anstatt aber die politischen, ökonomischen und juristischen Strukturen zu analysieren, die so etwas ermöglichen, macht Maischbergers Diskussion es sich in einer moralisierenden Anklage bequem, die ungehemmt auf einfache Schwarz-Weiß-Muster und Feindbilder zurückgreift. Insbesondere die Moderatorin selbst begegnet ihrem Gast Bräunig dabei mit demonstrativer Aggression und Verachtung – als ob sie ihn nicht selbst eingeladen hätte.
Das positive Gegenstück in der Sendung ist ein Vater, der jahrelang um den Kontakt zu seinen Kindern gekämpft hat, weil seine italienische Frau sie nach der Trennung entführte, über viele Monate hinweg versteckt hielt und sie schließlich in den Libanon verschleppen wollte. Mit großem,  jahrelangem Einsatz und der Hilfe verschiedener europäischer Polizeibehörden gelang es dem Vater, die Kinder zurück zu holen.
Erst ein so unbezweifelbarer Heroismus macht den Vater hier als Vater akzeptabel. Wie viel ihn sein Einsatz als Vater gekostet hat, möchte er allerdings auch auf Nachfrage nicht verraten. Eben das aber ist ein Problem: Es ist unehrlich, diesen Vater als leuchtendes Vorbild hinzustellen, zugleich aber zu wissen, dass der Großteil der anderen Männer sich ein ähnliches Agieren schon allein aus finanziellen Gründen gar nicht leisten könnte.
Ich selbst lebe im Vergleich zu dem heldenhaften Vater der Sendung in einer deutlich alltäglicheren Situation, doch selbst diese Situation kann ich nur aufrechterhalten, weil ich finanziell relativ privilegiert bin. Der Umgang mit unserem Kind über große Entfernungen hinweg kostet mich – mit Fahrtkosten, der Miete für eine Zweitwohnung, doppelten Haushalten, der Versorgung unseres Kindes – mindestens 700 Euro im Monat. Als ich den Betreuungsunterhalt für meine Ex-Partnerin noch bezahlen musste, war der regelmäßige Umgang trotz eines guten, sicheren Gehalts nur dadurch möglich, dass ich mir einen Kredit über mehrere tausend Euro aufnahm.
Selbst eine solche Situation, die deutlich weniger dramatisch ist als die des Vatervorbilds bei Maischberger, könnten sich viele weniger privilegierte Männer wohl kaum leisten. Auch für mich ist sie natürlich bleibend schwierig: Sie ist eben nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich und gesundheitlich belastend – ich habe aber nicht die Möglichkeit, meine Stundenzahl im Beruf zu reduzieren, weil ich sie dann finanziell nicht mehr bewältigen könnte.
Ich hätte lediglich die Wahl, den Kontakt zu unserem Kind erheblich einzuschränken oder zu beenden – eine Entscheidung, die mir durch die verrückten Rahmenbedingungen regelrecht aufgedrängt wird, die ich aber natürlich so nicht treffe.
Jedes Mal, wenn ich unseren kleinen Sohn zur Mutter zurück bringe, bettelt er lange darum, bei mir bleiben zu können. Wenn der Umgang beginnt, zählt er die Zeit, die er bei mir sein kann. Er zählt auch die Tage, die es dauert, bis ich wieder da bin. Ich gehe gleichwohl davon aus, dass er die Präsenz beider Eltern und nicht nur meine braucht – aber zu Gesprächen, die das ermöglicht hätten, war meine Ex-Partnerin nie bereit.
Es gab niemals jemanden in den beteiligten Institutionen, der sie dafür kritisiert hätte – mit Ausnahme einer Mitarbeiterin in einem Jugendamt, der daraufhin sofort die Zuständigkeit für uns entzogen wurde.
Besonders verrückt: Obwohl die gesamte Situation regelmäßig durch den Hinweis auf das Kindeswohl legitimiert wird, konnte niemals offen darüber gesprochen werden, was eigentlich das Beste für unser Kind ist.
Dass solche Situationen überhaupt möglich sind in einer Gesellschaft, die sich für demokratisch, rechtsstaatlich und kinderfreundlich hält – das ist nur erklärbar durch Feindbilder, die sich von realen Bedingungen längst abgekoppelt haben und die umso verbissener in der Diskussion gehalten werden.
Die Antifaschistin und die unbedeutenden Menschenrechte „Das Geschrei der geprellten Väter – Väterrechtler unter sich“ – so ist ein Text überschrieben, den Svenja Pfeiffer in einem „Blog für Feminismus, Sozialkritik und Antifaschismus“ veröffentlicht hat. Sie greift Maischbergers Vorlage, dass Bräunig ein „Männeraktivist“ sei, auf und stellt ihn als „Heldenfigur der deutschen Väterrechtlerszene“ hin. Natürlich stimmt das nicht – die meisten Väterrechtler kennen Bräunig nicht einmal.
Ihre kurze Beschreibung von Bräunigs Maischberger-Auftritt überführt Pfeiffer dann jedoch unmittelbar in eine allgemeine Aussage:
„Dabei zeigt sich: Den ach so engagierten Vätern geht es nicht um das so viel beschriene Kindeswohl, es geht um ihren Stolz, ihr Portemonaie und ihren Hass auf alle Frauen.“
Als ob es niemals ein Problem gewesen wäre, von Einzelfällen auf ganze Gruppen zu schließen, legt sie dann unbekümmert nach:
„Zahlreiche Väter konnten in den vergangenen Jahren beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte feststellen lassen, dass die automatische alleinige Sorge der Mutter bei einer nichtehelichen Geburt und die daraus entstehende ‚Macht‘, dem Vater das Sorgerecht zu verwehren, gegen die Menschenrechte verstoße.“
Tatsächlich ging es um die Klage eines Vaters, aber das reichte. Und tatsächlich hat nicht nur der Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt, dass die deutsche Praxis Menschenrechte verletzt, das Verfassungsgericht hat sie zudem als grundgesetzwidrig herausgestellt.
Dass aber  Menschen- und Grundrechte von Männern – und übrigens auch von Kindern – über viele Jahre hinweg verletzt wurden, interessiert die „Antifaschistin“ Pfeiffer nicht weiter. In ihrer Interpretation haben Väter lediglich ihre Machtposition verteidigt und dabei selbstverständlich institutionelle Schützenhilfe erhalten. Zu Lasten von Mutter und Kind, versteht sich.
„Bestand eine Beziehung zwischen Vater und Mutter, so wird der Kampf um die gemeinsame Sorge vom Vater gerne dazu genutzt, die Ex-Partnerin in den Wahnsinn zu treiben.“
Welchen anderen Grund könnte ein Vater auch haben, wenn er auch das Recht haben möchte, für seine Kinder zu sorgen?
Das Blog „Störenfriedas“, für das Pfeiffer schreibt, ist offenbar ein kleines Blog, aber die Argumentation greift auf lange und weithin vertraute Klischees zurück. Wesentlicher Bezug Pfeiffers ist eine Autorin, die jahrzehntelang eine verbissene akademische Lobbyarbeit für die Ausgrenzung von Vätern betrieben hat, die damit promovierte und lange beim Deutschen Jugendinstitut in München arbeitete: Anita Heiliger.
Die Christin und die Auslöschung der Väter Moderater im Ton, aber radikaler noch als Svenja Pfeiffer ist eine Autorin, die als Redakteurin für eine Zeitung der evangelischen Kirche arbeitet und die eine der wichtigsten feministischen Bloggerinnen im Netz ist.
„Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“
fordert Antje Schrupp in einem Text, den Kai im Frontberichterstatter-Blog als „gefühlskalt“ beschreibt und zu dem er fragt: „Wie kann ein Mensch glauben, nur weil es der Vater ist, kann man ihn aus dem Leben der Kinder einfach entfernen, nur weil die Mutter es möchte?“
Schrupp schreibt:
„Väter werden zunehmend von Pflichten entbunden und bekommen gleichzeitig mehr Rechte, das ist der Trend, der auch noch unter dem Deckmäntelchen der ‚Gleichstellung‘ firmiert.“
Der geringe Zuwachs an Väterrechten war mit den Entscheidungen des Gerichtshofs für Menschrechte und des Verfassungsgerichts unvermeidbar geworden – auch wenn er von Regierung und Parlament dann immer noch lange verschleppt wurde. Was Schrupp also als irgendwie frauenfeindlichen „Trend“ hinstellt, war lediglich die kleinstmögliche Korrektur einer menschenrechts- und verfassungswidrigen Gesetzgebung. Das verschweigt sie ebenso wie die Tatsache, dass Väter damit noch immer deutlich weniger Rechte haben als Mütter.
Schrupp kann sich ebenso wenig wie Pfeiffer oder Heiliger vorstellen, dass Väter für ihre Kinder sorgen wollen, wenn sie sich um das Recht bemühen, für ihre Kinder sorgen zu dürfen. In ihrer Vorstellung geht es Väterrechtlern stattdessen um die Verweigerung von Unterhaltszahlungen – und dabei haben sie in Schrupps Phantasie aus unerfindlichen Gründen jegliche institutionelle Unterstützung:
„Diese Männer fühlen sich wirklich ungerecht behandelt, deshalb werden sie immer weiter klagen, und sie werden weiterhin Recht bekommen.“
In diesem Punkt aber ist die Autorin plötzlich unerwartet empathisch mit den so verachteten Vätern. Es sei ja irgendwie verständlich, dass jemand, der mit der Vergangenheit – damit meint sie: mit seinen Kindern, die natürlich kein Teil seiner Gegenwart sind – abschließen wolle.
„Mein Vorschlag: Nehmen wir diesen Wunsch doch ernst – und trennen wir die Kinderversorgung vom biologischen Erzeuger.“
Statt dessen sollte der Kindesunterhalt, und natürlich auch der Betreuungsunterhalt für die Mutter, steuerfinanziert werden.
Keine Rechte, keine Pflichten für Väter – das ist Schrupps Modell einer modernen Familienpolitik. Der reale Vater wird ganz ausgelöscht, statt dessen wird der Staat zu einem Super-Papa aufgebaut, der Frau und Kind zuverlässig versorgt und sie ansonsten in Ruhe lässt. Die darin konservierten erheblichen Aggressionen gegen reale Väter und die massiven Unterstellungen gegen sie orchestriert die christliche Bloggerin so mit einem unbekümmerten radikal-patriarchalen Staatsverständnis.
Es wäre, so die Autorin, zudem ein positiver Nebeneffekt dieser Regelung, dass sie „den Väterrechtlern eine gehörige Portion Wind aus den Segeln nehmen würde“ – also einer „Väterrechts-Bewegung, die sich meiner Ansicht nach sehr schädlich auf die Allgemeinheit auswirkt“ (Kommentar Nr. 5).
Die blinde Unterstellung, bei Väterrechten ginge es lediglich um die Möglichkeit des Unterhaltsentzugs, ist natürlich sachlich nicht zu halten. Sie zeigt aber, wie massiv die Widerstände auch gegen die vorsichtigen Bemühungen um mehr Gleichberechtigung im Familienrecht sind.
Im Mittelpunkt väterrechtlichem Engagements steht das Recht zur Sorge für die Kinder. Wenn dabei Regelungen zum Kindesunterhalt  kritisiert werden, dann nicht aus Zahlungsunlust, sondern weil diese Regelungen der realen Sorge beider Eltern nicht mehr angemessen sind. Weiterhin muss beispielsweise ein Vater auch dann den vollen Unterhalt an die Mutter bezahlen, wenn er tatsächlich einen großen Teil der Kindessorge selbst leistet.
Was Schrupp und andere blind als Geldgier oder gar begründungslos als Hass präsentieren, ist einfach die Forderung nach einem Unterhaltsrecht, dass der wichtigen gemeinsamen Sorgeleistung beider Eltern gerecht wird.
Die Phantasie der restlosen Auslöschung des realen Vaters ist bei Schrupp nur vordergründig Teil eines Geschlechterkampfes. Tatsächlich würden die  vorgeschlagenen Regelungen sowohl Vätern schaden, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, als auch Müttern, die an der Kooperation mit den Vätern interessiert sind. Sie würden sowohl Vätern nützen, die sich der Beziehung zu ihren Kindern entziehen, als auch Müttern, die ihre Kinder vereinnahmen und die Väter aus der Beziehung zu ihnen herausdrängen.
Die Väterfeindlichkeit kreiert also Monster: Sie schadet eben den Eltern beiderlei Geschlechts, die sich im Sinne ihrer Kinder verhalten, und bevorteilt die Eltern beiderlei Geschlechts, die den eigenen Kindern schaden.
Und so schadet sie in jedem Fall den Kindern.
Das sind, wie eigentlich bekannt ist, Konsequenzen jeder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit – sie schadet schließlich nicht nur denjenigen, die zu Feindbildern aufgebaut werden. Wie ist es aber überhaupt möglich, dass solche antihumanen Reden gleichwohl so weithin akzeptiert und verbreitet werden, vom kleinen „antifaschistischen“ Blog über die Texte einer „christlichen“ Autorin und akademische Arbeiten bis hin zur Abendtalkshow des öffentlich rechtlichen Rundfunks?
Eine Antwort versuche ich im nächsten Text zu geben (der gesamte Text ist mir, was ja ganz ungewöhnlich für mich ist, etwas zu lang geworden, daher hab ich ihn aufgeteilt).

Am Grabbeltisch der Politik

Ein kurzer Briefwechsel zwischen Johannes Meiners und Lucas Schoppe

Dieser Text hat schon eine längere Geschichte. Johannes hatte mir vor Wochen einen Text geschickt zu einem Interview, das in der FAZ erschienen war. Ich war gerade mitten in den Schuljahresendarbeiten und brauchte eine ganze Weile, um darauf zu antworten – antworten aber wollte ich, einiges sah ich nämlich ganz anders als Johannes. Die Antwort erreichte Johannes dann gerade, als er seinerseits unterwegs war – so hat der ganze kurze Briefwechsel am Ende einige Wochen gedauert. Als er dann druckreif war, kochte gerade die Diskussion über einen Zeit-Artikel hoch…

 
Das Thema aber bleibt wichtig, trotz des Aufhängers über ein FAZ-Interview. Der Briefwechsel dreht sich nämlich um die Frage: Hat es überhaupt einen Sinn, sich in einer Partei zu engagieren?
LS
 
 

Johannes Meiners: Als Herr Tauber einmal verführen sollte

„Es ist Zeit für einen Test. Ich will, dass Peter Tauber mich dazu verführt, in die CDU einzutreten, oder es zumindest versucht.“

Eine junge, fesche Akademikerin – natürlich mit „Migrationshintergrund“ – interviewt für die einst seriöse, im Selbstverständnis bürgerlich-liberale Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) den neuen, jungen CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Sie fragt, was seine Partei ihresgleichen verspreche, um sie zum Beitritt zu bewegen.

Da hat die sich für stark und selbstbewusst haltende Dame wohl etwas falsch verstanden:

Sie will als Mitglied geködert werden – und Männer (!) sollen ihr alles Mögliche dafür versprechen, natürlich vollkommen leistungsentkoppelt und ohne, dass sie eine innere Überzeugung, eine Werthaltung oder gar ein Welt- und Menschenbild mitbringen müsste, die auch nur ansatzweise zur Union zu passen hätte.

Nicht sie, die Frau, soll etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen, Ideen einbringen, innovativ sein, Mut zeigen, Einsatz und Energie, Reden halten, Andere anwerben und sich immer wieder um Kandidatenplätze bemühen, sondern die CDU, sprich die darin oder in jeder beliebigen anderen Partei wie obig beschriebenen Männer, sollen ihr, der Frau, jedes Hindernis präventiv aus dem Weg räumen – und dann wird suggeriert, die Frau sei „stark und selbstbewusst“.

Das Angebot der Parteien ist reichhaltig und vielfältig, und wir müssen nur zugreifen. Wer aber die bunten Wagen jeden Tag so schön bepackt, bleibt ein Mysterium.
Interessant auch, dass es nicht um große Fragen der Zeit geht, die eigene Biographie, Überzeugungen des Interviewpartners, aktuelle Geschehnisse, Abgrenzungen zu anderen Parteien u. V. m., sondern ein Detail einer (Nach)Verhütungsmethode zum Kern des Gesprächs erkoren wird.

„Sie wollen mich überzeugen, in Ihre Partei einzutreten, ich will die „Pille danach“ ohne Rezept, und um die Nebenwirkungen möchte ich mir selber Gedanken machen.“
Generalsekretär Tauber legt meines Erachtens viel zu wenig Wert darauf, dass die Forderung „Pille danach ohne Rezept“ die ohnehin schon hegemoniale Kultur der Verantwortungslosigkeit bei Intimkontakten weiter fördert.

Diese normative Stoßrichtung obliegt der Suggestion, weibliche Geschlechtsteile zu haben sei ein biologischer Nachteil gegenüber den männlichen, unfair und daher „gesellschaftlich auszugleichen“. Nett gesprochen und den so Argumentierenden mehr Weitsicht zutrauend als sie vermutlich aufbringen, ist dies die Gedankenwelt des Sozialkonstruktivismus.

Abgesehen auch von der fortschreitenden Asymmetrie im Kräfteverhältnis von Männern und Frauen bei jeder Form der Sexualkontakte: Schon jetzt lasten hierbei die wesentlichen Teile der Verantwortung für mögliche Folgen, ohne darüber entscheiden zu können, ohne Abtreibungsmöglichkeit oder Unterhaltsentzug, auf den Männern.

Die öffentliche Meinung suggeriert dabei Gegenteiliges, oft vertreten von Redakteurinnen, die bewusste Falschaussagen tätigen und erst recht Zusammenhänge verzerren, nicht zwischen Korrelation und Kausalität differenzieren (können/wollen).

Und – natürlich – wurden alle wirksamen Verhütungsmethoden immer und ausschließlich von Männern entwickelt, produziert, verkauft, finanziert und verbessert.

Alles in dem Interview ist also wie im richtigen Leben – und das nennt sich dann „feministisch“, „emanzipatorisch“ oder gar „progressiv“…;

Wie sehen die Leser das? Konstruktive Kommentare und Diskussionen untereinander sind herzlich willkommen!

Lucas Schoppe: Frage nicht, was Du für Deine Partei tun kannst…

Lieber Johannes,

 
ich nehme mir als Leser und Blogger einfach die Freiheit, gleich selbst zu antworten. Ich sehe nämlich mindestens einen Punkt ganz anders als Du.

Du wirfst der Interviewerin Anna Prizkau vor, sie würde vor einem Eintritt in eine Partei leistungsentkoppelt Versprechen von Männern einfordern. Sie würde also nach ihrem eigenen Verständnis nicht etwa

„etwas leisten müssen, sich anstrengen, kämpfen, frustriert sein, scheitern, nachdenken, neu ansetzen, wieder Klinken putzen“,
sondern an die Partei mit der Attitüde einer selbstbewussten, wohl auch verwöhnten Konsumentin herantreten, die sich mal umschaut, was ihr hier so geboten wird.

Das ist eigentlich der Vorwurf, sie würde Kennedys berühmten Satz einfach umdrehen, nur eben auf die Partei und nicht auf das Land bezogen:

„Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst.“
Dass diese Haltung spezifisch als Haltung einer Frau gegenüber einem Mann, oder allgemein den Männern der Partei erscheint, liegt natürlich auch an Prizkau selbst. Schließlich erwartet sie gleich zu Beginn, „verführt“ zu werden, und spielt damit auf eine Balz-Situation an.

Das passt natürlich zu dem Missverhältnis zwischen den garantierten Frauen-Quoten bei den Partieposten der SPD und der Grünen und dem jeweils deutlich kleineren Anteil von Frauen, die dafür die Arbeit an der vielgerühmten und wenig beachteten Parteibasis erledigen.

Du reagierst darauf, indem Du diese Konsumentenhaltung, die hier deutlich weiblich konnotiert ist, als eigentlich unpolitische Haltung eines Menschen abwertest, der gar nicht weiß, wie Parteiarbeit wirklich funktioniert. Ich möchte hingegen einfach mal das Gegenteil vorschlagen – nämlich, sich die Haltung von Prizkau zum Vorbild zu nehmen.

Anstatt den Kopf zu schütteln über eine Frau, die sich in einer Partei wie an einem Grabbeltisch verhält, könnten sich eigentlich auch Männer fragen, was ihnen denn eigentlich eine Partei so zu bieten hat, ohne dass sie sich dabei allzu viele Gedanken über die Bezahlung machen.

 
Anstatt den selbstlosen Einsatz für das Ganze als Vorbild hinzustellen, sollte klarer werden, dass solch ein Einsatz nur dann einen Sinn hat, wenn er eingebunden ist in allgemeine Erwartungen der Solidarität, die sich an ALLE Beteiligten richten.

Der Einsatz für andere ist nur dann keine Einwilligung in meine eigene Ausbeutung, wenn ich erwarten kann, dass die anderen sich in vergleichbarer Situation ebenso für mich einsetzen.

Das aber können Männer, als Männer, von Frauen in der Parteipolitik allgemein nicht erwarten. Ich kann mich an keine einzige halbwegs namhafte Politikerin erinnern, die jemals von sich aus spezifische Benachteiligungen von Männern oder Jungen offen als Problem beschrieben hätte. Statt dessen beginnt die SPD jetzt sogar, das Frauen-Statut der Grünen zu kopieren – die SPD von Berlin-Mitte hat beschlossen, dass auf ihrer Kreisdelegiertenversammlung Männer kein Rederecht mehr haben, wenn sich keine Frauen mehr an der Diskussion beteiligen wollen.

Männer dürfen nur reden, wenn auch Frauen reden wollen – anstatt das die Genossinnen solidarisch sind mit ihren Genossen und für deren Rederecht kämpfen, passen sie lieber auf, dass Männer auch bloß nicht mehr sagen können als Frauen. Was angesichts des großen Männerüberschusses an der Parteibasis übrigens bedeutet, dass der einzelne Mann wesentlich weniger Redechancen erhält als die einzelne Frau.

Das ist nicht nur die Schuld der Frauen, sondern vor allem die der Männer. Wenn mir ständig angeboten werden würde, dass ich etwas umsonst oder zu geringem Einsatz bekomme – dann könnte ich es früher oder später auch nicht mehr verstehen, wenn dann irgendwann und plötzlich jemand daherkommt und für dieselbe Leistung Gegenleistungen sehen will.

Das heißt: Durch das Ethos des selbstlosen Einsatzes für das große (Partei-)Ganze, das Du vertrittst, trägst Du in meinen Augen eben zu der Konsum-Haltung bei, die Du kritisierst.

 
Noch ein weiterer Kommentar zu Deinen Bemerkungen zur „Pille danach“: Es gibt ja tatsächlich ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern beim Recht, darüber zu entscheiden, ob man Kinder bekommen möchte. Dieser Unterscheid bei den „Reproduktivrechten“ ist in meinen Augen ein zentrales Thema, wenn es um Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern geht – und eines, das von Männerrechtlern noch relativ wenig aufgegriffen wird.

Ich finde aber, dass es kein Problem des „Sozialkonstruktivismus“ ist. Ganz ehrlich: Die Idee, Institutionen aller Art, geteilte Moralvorstellungen, auch Vorstellungen von Männern oder Frauen als soziale Konstruktionen zu verstehen, finde ich völlig sinnvoll. Sinnlos wird diese Idee erst, wenn so getan wird, als ob es gar nichts anderes gäbe und als ob diese Konstruktionen völlig beliebig wären und ebenso beliebig geändert werden könnten. Aber das sind eigentlich schon zwei Themen für weitere Artikel…

Viele Grüße,

Lucas Schoppe
 
Johannes Meiners: Bequemes Wandern auf dem Holzweg

Lieber Lucas,

vielen Dank für Deine Antwort! Sehr gern schreibe ich dazu eine Replik:

Im Kern stimme ich Dir vollkommen zu: Auch „wir“ Männer sollten unser Verhältnis zur Politik „opportunisieren“: Damit meine ich, wie von Dir umrissen, dass (auch) Männer sich zunächst darüber informieren sollten, welche Partei das, was ihnen wichtig ist, (glaubhaft) vertritt. Das muss keineswegs zwingend mit dem „Geschlechterthema“ zu tun haben; doch wenn es Fragen dazu sind, gilt die Notwendigkeit zum „geschärften Blick“ erst recht.

Leider ist es so, dass die systematische Bevorzugung von Frauen nicht auf „rot-rot-grün“ beschränkt ist. Vielmehr läuft es bei der Union inzwischen genauso ab: Frauen stellt man(n) sich als „ewig unterdrückt“ vor und gleichzeitig als „bessere Menschen“. Sie werden glorifiziert, Männer dämonisiert (vgl. Christopher Kucklick, Zeit Dossier vom 12. April 2012) – Gerechtigkeit mit Gleichheit verwechselt, Chancen mit Ergebnissen.

Da sich jedoch kaum Frauen für Politik interessieren, schon gar nicht für Parteipolitik, und erst recht nicht, wenn ein solches Engagement persönliche Entbehrungen für sie bedeuten würde, sind Männer bei jeder Veranstaltung in der deutlichen Mehrheit. Es sei denn, sie wurden „wegquotiert“. Dies gilt orts-, generationen- wie weltanschauungsunabhängig und wird darauf zurückgeführt, dass „Männerbünde“ Frauen aus verantwortlichen Positionen heraushalten und es deswegen kaum Vorbilderinnen für nachwachsende weibliche Menschen gebe. Wäre dies anders, gäbe es genauso viele politisch aktive Frauen wie Männer, so die Erzählung.

Die Realitäten liegen anders, wie es Klaus Funken für die SPD beschrieben hat („25 Jahre sind genug“/ „Weiter auf dem Holzweg“): Männer schämen sich dafür, Männer zu sein und breiten Frauen Teppiche aus, wie sie röter nicht sein könnten. Alle unangenehmen, aufwendigen, konflikthaften Tätigkeiten im ehrenamtlichen Bereich werden nach wie vor beinahe ausschließlich von Männern erledigt, in allen Parteien. Ohne Geld, oft auch ohne Dank und mit wenig Anerkennung – wenn, dann nach Jahrzehnten durch eine Ehrennadel.

 
Frauen hingegen beginnen ihre „Karriere“ immer öfter mit der Aufstellung zur Kandidatin für ein Parlament. Landtagsabgeordnete, die erst im selben Jahrzehnt in die Partei eintraten, sind keine Seltenheit mehr. Ohne Ochsentour. Natürlich nur auf der Frauenseite.

Hier kommen der Sozialkonstruktivismus und die negative Wirkung seiner Hegemonie ins Spiel: Er suggeriert, alle Verhältnisse auf der Welt seien auch in ihren tiefsten Ursachen lediglich „menschengemacht“ – und von Männern. Dies sei ungerecht, frauenfeindlich und müsse geändert werden – und zwar so wie es sich Feministinnen, die sich anmaßen, für „die“ Frauen zu sprechen, vorstellen.

 
Dass sie nie auch nur ansatzweise eine Mehrheit der weiblichen Menschen unserer Gesellschaft hinter sich hatten, ist eine andere Geschichte. Ebenso, dass es über das Konzept des „Gender Mainstreaming“ nie parlamentarische Debatten oder gar öffentliche Diskussionen gab oder gar Abstimmungen – vgl. die Replik von Professor Günter Buchholz auf Heribert Prantl.

Viele Menschen haben noch nie von den beschriebenen „genderistischen“ Ideologemen gehört, Andere sie nicht verstanden. Und nicht aus eigener Schuld: Denn der „Genderismus“, wie wir als feminismuskritische, progressive Männerrechtler ihn nennen, ist in der Tat völlig unklar, verschwurbelt und schleierhaft – eben reine Ideologie, unwissenschaftlich, da nicht zu verifizieren. Auf der Meta-Ebene besteht ja ein regelrechtes „Forschungsvorbot“ zur Relevanz der „Gender Studies“ und der Richtigkeit ihrer „Lehren“.

Glaube statt Wissen: Die Universitäten sind dafür der falsche Ort!

Dies sahen wohl auch die Sozialkonstruktivisten so: Doch sie archivierten ihre längst widerlegten Ideologeme nicht. Sie generierten – im Sinne von These und Antithese – keine neuen Synthesen aus vorhandenen neuen Erkenntnissen. Stattdessen gingen sie dazu über, politische Forderungen zu stellen, die sich aus der Anwendung ihrer (widerlegten) Axiome ergaben. Für die beanspruchten sie – unter redlichen Wissenschaftlern ein „No-Go“ – unwiderrufbare Gültigkeit.

 
So gingen sie vor Jahrzehnten, hinaus aus dem Elfenbeinturm ihrer pseudoakademischen Gleichgesinnten, in die Politik. Dort fanden sie willige Unterstützer, die sie mit reichlich Steuergeld dafür eindeckten, dass sie unentwegt – methodisch haltlose – „Studien“ anfertigen, um die normativen Forderungen jener Politiker(innen) vermeintlich stichfest zu legitimieren. Dies gilt ganz besonders für die gesamte feministische Mythologie, die das Geschlechterverhältnis beherrscht und jede Form des Pluralismus im Vorhinein verunmöglicht – ganz bewusst und systematisch.
 
Dass diese Tabus im öffentlichen Raum bestehen, unter denen wir als „Antigenderisten“ (dazu gehören alle Menschen, die ihren sprichwörtlichen „gesunden Menschenverstand“ einsetzen) und Männerrechtler besonders zu leiden haben, verhalf der sozialkonstruktivistischen Gedankenwelt und ihren Vertretern erheblich beim Durchbruch zur Vorherrschaft.

Die Politik ist nach wie vor eine viel zu wichtige Angelegenheit, die dort getroffenen Entscheidungen mit ihren Folgen zu weitreichend als dass sie solchen Leuten überlassen werden dürfte. Genau hier sehe ich auch einen deutlichen Lichtblick: Diejenigen, die ernsthaft Politik betreiben, leidenschaftlich, authentisch, voller Überzeugungen, mit einer gefestigten Werthaltung, mit Überzeugungskraft und Durchsetzungsfähigkeit genauso wie mit Kompromissbereitschaft, diejenigen, die sich für andere Menschen einsetzen, die sich auskennen und sich über lange Zeit einbringen, sind – in allen Parteien, an allen Orten und in jedem Lebensalter – weit überwiegend Männer.

 
Solche Menschen brauchen wir. Und man kann nur hoffen, dass sie sich von den allfälligen Quotierungen nicht abschrecken lassen. Zugleich müssen sie lauter werden, wenn es um sie selbst geht, der eigenen Leistungen und der eigenen Unentbehrlichkeit bewusst: Einfordern, dass man – und frau – ihnen dankt, dass sie Gelegenheit erhalten, parlamentarisch zu arbeiten und Vieles mehr. Die große Mehrheit der Frauen hat übrigens auch keine Schwierigkeiten damit, ihren Männern dies zuzugestehen.

Und die aktiven Frauen, die brauchen wir – natürlich – auch; besonders schön ist: Die wirklich Überzeugten und Überzeugenden unter ihnen meckern meist auch gar nicht, sondern schämen sich für die egozentrischen Ausflüge ihrer Geschlechtsgenossinnen, wie es die junge Migrantin Anna Prizkau, deren Namen noch einmal zu nennen, angesichts ihrer Dreistigkeit und ihrer bescheidenden kognitiven Fähigkeiten wohl bereits zu viel der Ehre für sie ist, im FAZ-Interview vormachte.

Uns beiden und unserer ganzen, entstehenden Männerrechtsbewegung, den progressiven, den liberalen, den konservativen, im deutschsprachigen Raum wie weit darüber hinaus, wünsche ich für mögliche Erfolge unseres wirklich altruistischen Einsatzes alles erdenklich Gute und würde mich freuen, wenn wir auch künftig so gut zusammenwirken, zunehmend auch jenseits des Netzes wahrgenommen!
 
Viele Grüße,
Johannes

Für eine offene und sachliche Geschlechterdebatte. Gegen Diffamierungen.

Offener Brief an die Zeit-Redaktion
Von Lucas Schoppe, Prof. Dr. Günter Buchholz, Dr. Alexander Ulfig
 
 
 
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

wir reagieren mit diesem Brief auf einen Text, der am vergangenen Donnerstag in der Zeit veröffentlicht wurde und bei dem wir nicht verstehen, wie er in einer Zeitung mit einem Anspruch auf Seriosität erscheinen konnte. Es ist in unseren Augen ein menschenfeindlicher, hetzerischer Text, und er diskreditiert Menschen maßlos, deren politische Position von der Meinung der Autorinnen abweicht.

Es geht um den Text „Vom Zorn abgehängter Männer“ von Christina Schildmann und Anna-Katharina Meßmer. Fragwürdig ist nicht allein der Text selbst, sondern schon seine redaktionelle Einbindung. In den dünnen Angaben, die Ihre Zeitung zu den Autorinnen macht, kann nicht einmal ansatzweise deutlich werden, wie sehr sie mit persönlichen Interessen in ihr Thema verstrickt sind.

Meßmer ist nicht nur Aufschrei-Initiatorin, sondern auch Promovendin bei einer der einflussreichsten Gender-Forscherinnen des Landes, bei Paula-Irene Villa. Christina Schildmann ist bei der Friedrich Ebert Stiftung verantwortliche Redakteurin von Robert Claus‘ Schrift „Maskulismus“, die in diesem Jahr erschien und die kenntnisarm und ohne Belege männerrechtliches Engagement pauschal als rechtsradikal diffamierte. Gegen diese Schrift wurden in vielen Internet-Artikeln Kritikpunkte und Argumente formuliert – die Autoren dieser Artikel gehören zu denjenigen Männern, die Schildmann nun in ihrem Zeit-Artikel pauschal und ungeheuer diffamierend angreift.

Diese persönlichen Hintergründe der Autorinnen können durch Ihre redaktionelle Darstellung unmöglich deutlich werden.

Gleich zu Beginn schreiben die Autorinnen davon, dass Männer sich – wie Schweine – in Ressentiments „suhlen“ und – wie Affen oder Steinzeitmenschen – zu „Horden“ zusammenschließen würden, um gezielt auf Einzelne loszugehen. Dafür liefern die Autorinnen selbstverständlich keinen Beleg, aber sie präsentieren ihre politischen Gegner, wie in einem Grundakkord, pauschal als aggressive, tierähnliche Wesen.

Die eigenen Gegner mit Tieren zu vergleichen, ist ein traditionelles Mittel politischer Propaganda. Auch zu Geschlechterklischees tragen solche inhumanen Vergleiche seit Jahrhunderten bei. Als journalistisches Mittel der Wochenzeitung Die Zeit waren sie bis vor Kurzem eher nicht bekannt.
Das ist kein begrifflicher Ausrutscher. Auch im weiteren Verlauf des Textes gestehen sie Menschen – Männern – nicht zu, dass sie Gründe und Argumente für ihre Positionen haben könnten. Stattdessen unterstellen sie ihnen rundweg, und immer wieder, Wut und Zorn. Da die De-Humanisierung der politischen Gegner und ihre Präsentation als wilde, emotionsgeleitete, irrationale tierische Wesen offen erkennbar ein Grundprinzip des Textes ist, verstehen wir nicht, wie so etwas in Ihrer Zeitung erscheinen konnte.

Zivile Empathie verweigern die Autorinnen den so angegriffenen Männern regelrecht demonstrativ. Selbst Vätern beispielsweise, die schlicht aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit nicht für ihre Kinder sorgen dürfen, gestehen sie nicht zu, sich – ebenso wie ihre Kinder – tatsächlich in einer bedrückenden, leidvollen Situation zu befinden. Stattdessen unterstellen sie ihnen wie anderen Männern blind, alle Unzufriedenheit mit der eigenen Situation resultiere aus einem „Gefühl der Entmännlichung“, dem „Verlust einer sicheren Ordnung“: Ein Mann, der leidet, leidet in der Vorstellung der Autorinnen allein unter einem Herrschaftsverlust.

Die implizite Botschaft ist natürlich, dass er dafür gewiss kein Mitgefühl verdient habe. Auch dass Ihre Zeitung in dieser Form die Verweigerung ziviler Empathie propagiert, ist uns nicht nachvollziehbar.

Die so problematischen Thesen des amerikanischen Soziologen Michael Kimmel, auf die sich die Autorinnen dabei stützen, referieren sie völlig distanz- und kritiklos. Ebenso kritiklos verhalten sie sich zu ihrer eigenen Position. Christoph Kucklick hat ja in seinem Werk Das unmoralische Geschlecht und vielen Essays (unter anderem in Ihrer Zeitung) gezeigt, wie umfassend schon seit dem Beginn der Moderne das Klischee verbreitet ist, „den“ Mann als tierisches, gefährliches Wesen darzustellen. Obwohl sie sich als Verteidigerinnen der Geschlechterforschung präsentieren, ist den Autorinnen offenbar überhaupt nicht bewusst, wie blind und konsequent sie selbst in ihrem Text jahrhundertealte Geschlechterklischees reproduzieren.

Würden sie dabei einfach eine pauschale Verdammnis der Gender Studies kritisieren, dann wäre das eine völlig legitime Position – aber eben das tun sie nicht. Stattdessen verdammen sie pauschal jede Kritik, vermischen polemisch völlig Unterschiedliches und erwecken den Eindruck, wer Kritik an den Gender Studies übt, sei gewiss auch feindselig gegenüber Homosexuellen oder wolle an Begriffen wie dem „Zigeunerschnitzel“ festhalten. Alles eine „rechte“ Soße, irgendwie.

Wiederum ist nicht verständlich, wie so etwas in der Zeit publiziert werden konnte. Es gehört nun einmal grundlegend zu einer Wissenschaft, zum Gegenstand von Kritik werden zu können, ja, zur Kritik sogar einzuladen – sonst wäre es keine Wissenschaft, sondern ein Kult oder ein Religionsersatz. Es gibt keinen Grund, die Gender Studies davon auszunehmen. Fragwürdig ist zum Beispiel die weitgehende, oft auch programmatische Ausblendung männlicher Perspektiven und Problemlagen – oder die Fixierung auf die Idee, Geschlechter rundweg als Konstruktionen zur Reproduktion einer (natürlich irgendwie immer männlichen) Herrschaft zu verstehen. Angesichts der erheblichen öffentlichen Mittel ist es zudem fragwürdig, dass Vertreterinnen der Gender Studies eine Überprüfung ihrer Methoden und Ergebnisse von außen verweigern.

Wenn Anna-Katharina Meßmer, zumal als Nutznießerin dieser öffentlichen Mittel, das anders sieht, ist das verständlich, und es ist ihr gutes Recht. Es wäre allerdings nötig, dass sie für ihre Position auch Argumente anführt, anstatt ihre Kritiker pauschal und argumentfrei als rechtsradikale Wüteriche zu diffamieren.

Dass Schildmann und Meßmer mit persönlichen Interessen erheblich in ihr Thema verstrickt sind, bedeutet nun nicht, dass sie keine Gelegenheit zur Darstellung ihrer Position haben sollten. Es müssten aber eben auch Vertreter anderer Positionen zu Wort kommen können – beispielsweise in einem Streitgespräch.

Eben das aber wird von Ihnen vermieden. Die so radikal einseitige, zweifellos auch von persönlichen Interessen bestimmte Position Schildmanns und Meßmers erscheint bei Ihnen als absolut und alternativlos, weil alle Alternativen maßlos diskreditiert werden. Die einzigen, die in der Darstellung Ihrer Zeitung vernünftige Gründe für ihre Position haben, sind die Autorinnen selbst.

Das zeigt sich auch im Umgang mit ihren Lesern. Die engagierte, umfangreiche, oft auch kenntnisreiche Diskussion in den Kommentaren brechen Sie schon nach wenigen Stunden und mit fragwürdiger Begründung ab – Verlinkungen durch Leser, die Kritik an den Autorinnen belegen können, werden von Ihnen entfernt. Sie nehmen dadurch Männern, die im Text so maßlos und feindselig attackiert werden, die Möglichkeit, auf diese radikale Feindseligkeit zu antworten – und Sie laufen vor ihren eigenen Lesern davon.

Sie nehmen sich damit, unter anderem, die Möglichkeit, die Brüchigkeit Ihrer eigenen Position wahrzunehmen.

Denn längst hat sich ja im Internet und anderswo eine sehr vielfältige Geschlechterdebatte entwickelt, an der auch Männer selbstbewusst teilnehmen und in der Positionen wie die Meßmers und Schildmanns fundiert kritisiert werden. Wesentliche Gemeinsamkeit der dabei vertretenen Positionen ist übrigens kein „Antifeminismus“, sondern die selbstverständliche Überzeugung, dass Menschenrechte geschlechterunabhängig und unteilbar sind. Ein bedeutendes Beispiel dafür aus diesem Jahr ist Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik, in der er engagiert und mit großem Faktenreichtum für einen „integralen Antisexismus“ eintritt, der sich gegen sexistische Benachteiligungen von Frauen UND Männern wendet. Auch dies ist ein Text, der Ihren Autorinnen offenbar völlig unbekannt ist.

Statt die offene Auseinandersetzung zu suchen, setzen Ihre Autorinnen auf Diffamierung und Einschüchterung: Wer kritisch ihren Positionen gegenüber ist, merkt, dass er leichthin und ganz ohne Argumente öffentlich als rechtsradikaler Berserker präsentiert werden kann. Wiederum ist es uns unverständlich, wie sich Ihre Zeitung für solche Einschüchterungsmanöver hergeben kann.

Schildmann und Meßmer arbeiten mit simplen binären Mustern – mit einfachen Feindbildern. Zivilisiert contra unzivilisiert, sachlich contra aggressiv, wissenschaftlich contra wutgeleitet, human contra rechtsradikal, Frau contra Mann, und eigentlich: Menschen contra Tiere. Es ist unglaublich, dass ein Text, der so konsequent mit antihumanen, hetzerischen Ressentiments operiert, in einer Zeitung mit Anspruch auf Seriosität erscheinen konnte.

Es wird aber erklärlich, wie das radikal verzerrte Bild möglich ist, das Schildmann und Meßmer von ihren politischen Gegnern zeichnen: Sie nehmen in ihren Gegnern nur die Aspekte wahr, die zu ihrer eigenen Feindseligkeit, zu ihrer eigenen Wut und zu ihrem eigenen Ressentiment passen.

Möglich ist ihre skandalöse, die politischen Gegner entmenschlichende Position allein dadurch, dass diese Gegner nicht selbst zu Wort kommen können. Wir fordern Sie daher dringend auf, das Bild zu korrigieren, das durch die von Ihnen veröffentlichte politische Hetze entstanden ist. Geben Sie den Angegriffenen eine Möglichkeit zur Erwiderung. Räumen Sie doch beispielsweise Arne Hoffmann im Rahmen eines Zeit-Artikels eine faire Möglichkeit zur Gegenrede ein.

Wir sind trotz des Eindrucks, der durch den Text entstanden ist, davon überzeugt, dass sie eigentlich an einer offenen Debatte und nicht bloß an einer Diffamierung Andersdenkender interessiert sind. Wenn dies aber so ist, dann kommen Sie nicht daran vorbei, nun denjenigen das Wort zu geben, die in Schildmanns und Meßmers Text auf so feindselige, ent-menschlichende Weise angegriffen worden sind.

Lucas Schoppe

Prof. Dr. Günter Buchholz

Dr. Alexander Ulfig

Dazu auch: Wie uns die „Zeit“ wieder mal davonlief

Wie uns die "Zeit" wieder mal davonlief

Ich schaue ja immer gerne nach, wo Artikel des man tau-Blogs verlinkt worden sind. Als ich heute Abend nach Hause kam, fand ich in meinen Statistiken beispielsweise Besuche von der Seite der Zeit – dort hatte der Leser gran_torino77 einen Text von mir im Kommentarbereich verlinkt. Vielen Dank dafür! Am selben Tag wurde mir noch ein weiterer Link aus der Zeit angezeigt, aus deren mit Abstand umstrittensten Artikel des Tages: Vom Zorn abgehängter Männer.
 
Verfasserinnen sind die Aufschrei-Initiatorin und Sozialdemokratin Anna-Katharina Messmer und Christina Schildmann, Referentin der Friedrich Ebert Stiftung und verantwortliche Redakteurin bei Robert Claus‘ Schrift „Maskulismus“. Bedauerlicherweise vergisst die Zeit es versehentlich, klarzustellen, wie außerordentlich parteilich diese beiden Verfasserinnen angesichts ihres Themas sind.

Zu meiner großen Enttäuschung fand ich den Link nicht auf der Seite, auf der es sich befinden sollte – lediglich einen gelöschten Kommentar von gran_torino77. Dazu eine Begründung:

„Entfernt. Bitte beachten Sie, dass aus Extrembeispielen keine allgemeinen Aussagen über Gruppen abgeleitet werden können. Aus diesem Grund bewerten wir das Posting dieses Links als überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp“
Überzogene Polemik? ICH?? Und das auch noch nach einem sachlichen Zeit-Artikel, der gleich zu Beginn völlig wertfrei feststellt, dass Männer sich im Internet zu „Horden“ zusammenschließen würden (was selbstverständlich Männer nicht mit Tieren gleichsetzen soll, sondern irgendwas ganz anderes ausdrückt, auch wenn ich im Moment nicht so genau weiß, was eigentlich)?
 
Womöglich sehen aus der Sicht der Zeit die eigenen Leser ungefähr SO aus. Kein Wunder, dass die Redaktion das Bedürfnis hat, sich vor ihnen zu schützen. Leider kommt sie nicht auf die Idee, dass der Blick von oben manchmal täuschen kann.
 
Da meine Neugier nun endgültig geweckt war, versuchte ich mit den Klickzahlen herauszufinden, welcher Artikel hier wohl verlinkt worden war.
 
Wie die Zeit einmal rechts und links verwechselte Ganz offenkundig war es ein Artikel über Valerie Solanas‘ faschistisch-feministische Hetzschrift SCUM, die in Deutschland seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt wird und die eine Ermordung aller Männer fordert. Und die den Gedanken daran feiert.

Es kann natürlich auch sein, dass ich mich irre – aber der Hinweis auf Solanas passt zumindest sehr gut in den Zusammenhang. Schließlich behauptet der Zeit-Artikel schon in den Eingangszeilen:

„Im Internet wie im Feuilleton suhlen sich rechte Meinungskrieger in ihren Ressentiments.“
Angesichts der stillschweigenden Gleichsetzung Feminismus=links, Feminismuskritik=reaktionär und faschistoid ist es sachlich ja durchaus begründet, darauf hinzuweisen, dass es im Feminismus auch extreme, faschistoide und faschistische Strömungen gibt:

Von Valerie Solanas‘ Massenmordphantasien, die sich betont und wohlwollend auf den nationalsozialistischen Massenmord an den europäischen Juden beziehen, über die berühmte feministische Theologieprofessorin Mary Daly, die wie eine ganze Reihe anderer Feministinnen den Anteil der Männer an der Weltbevölkerung auf einen Bruchteil reduzieren wollte, bis hin zu Dalys heutiger Nachfolgerin, die auf ihrem youtube-Kanal die weitgehende Auslöschung der Männer propagiert und die dabei auf eine sagenhafte Anzahl an Abonnenten (fast eine halbe Million) kommt.

Aus dem Hinweis, dass der Feminismus auch faschistische Anteile hat, ergibt sich nun natürlich nicht die Behauptung, dass alle Feministinnen faschistisch seien oder dass der Feminismus in jeder Hinsicht faschistoid wäre. Es ergibt sich daraus lediglich, dass die simple Links-Rechts-Gegenüberstellung, mit der die Zeit operiert, nicht haltbar ist.

Das hätte ich gern – noch ganz erschrocken darüber, dass jemand mich (!) als polemisch (!!) wahrnehmen könnte – unter dem Text in einem Kommentar auch so aufgeschrieben. Meine Versuche blieben allerdings erfolglos. Den Grund verstand ich erst, als ich ganz zum Ende des Kommentarbereichs klickte.

 
In acht Stunden hatte es über 500 Kommentare gegeben, von denen Arne Hoffmann einige hier zitiert. Doch anstatt sich über die große Resonanz und das Leserinteresse zu freuen, schrieb dort Annika von Taube, leitende Community-Redakteurin der Zeit, schlicht:
„Liebe Leserinnen und Leser, weil in diesem Kommentarbereich abgesehen von persönlichen Angriffen unter Kommentatoren keine neuen Aspekte mehr diskutiert werden, haben wir ihn geschlossen.“
Natürlich kam mir die Behauptung ein wenig seltsam vor, dass die Zeit Kommentarbereiche schließt, wenn Community-Redakteurinnen die Leserkommentare nicht innovativ genug finden. So hielt ich es schließlich für wahrscheinlich, dass der Grund für die Schließung in persönlichen Angriffen lag: Und also machte ich mich auf, die Kommentare zu lesen, soweit sie nicht gelöscht waren.
Der weitaus größte Teil der Kommentatoren argumentierte – zwar gegen den Artikel und seine Verteidiger, und manchmal gereizt, aber dass hier außer persönlichen Angriffen nichts mehr gekommen wäre, stimmt offensichtlich nicht.
„Ihre zynische Argumentation widert mich an“
– das war dann doch mal ein persönlicher Angriff, den ich finden konnte. Er stammt allerdings von einem Verteidiger (oder einer Verteidigerin?) des Artikels. In Kommentar 387 antwortet nämlich „Corvello“ mit diesen wohlgesetzten Worten auf den seltsamen Gedanken eines anderen Kommentators, der geringere Verdienst von Frauen hätte auch etwas mit eigenen Lebensentscheidungen zu tun.
„Und der Rest ist blödes Sarrazin-Gedöns, darauf antworte ich nicht,“
schreibt Corvello am Ende seiner Antwort, wohl um zu beweisen, dass man mit Feminismuskritikern einfach nicht reden kann.

Insofern können diese Kritiker der Zeit dankbar dafür sein, dass deren Community-Redaktion sie umsichtig vor weiteren „persönlichen Angriffen“ von Feminismus-Befürworten zu schützen versucht. Es wäre allerdings vielleicht nett gewesen, vorher kurz zu fragen, ob dieser Schutz erwünscht und nötig ist – oder ob die Leser nicht vielleicht die eine oder andere Pöbelei in Kauf nehmen, wenn sie dadurch nur weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Meinung aufzuschreiben.

„Sorry, ich will nicht böse/abwertend klingen, aber Kommentare wie die Ihren machen deutlich, wie wenig Erkenntnisgewinn erzielt wird, wenn man jeden Impuls, jede Information, jeden Gedanken zuerst durch eine binäre Schablone (0/1, ja/nein, weiß/schwarz, Mann/Frau) jagt, bevor man weiter denkt.“
Einem Kommentar wie diesem (Nr. 386 von Allan Clarke) ist, wie einer ganzen Reihe anderer Kommentare von Kritikern des Artikels, anzumerken, wie wenig sie von „Zorn“ bestimmt sind, und wie bemüht sie darum sind, die aggressiven und diffamierenden Zuschreibungen der Autorinnen nicht zu bestätigen. Eigentlich kann von Taube Clarke und vielen anderen weiter nichts vorwerfen, als dass sie offen und ziemlich unerschrocken ihre Meinung äußern, obwohl sie im Artikel der Zeit für eben diese Meinung als tierähnlich und – ebenfalls völlig begründungslos, übrigens – als rechtsradikal hingestellt werden.

Viel schlimmer sind hier einige Meinungen von Feministinnen, die selbstverständlich nicht entfernt wurden. Zum Beispiel diese von „Anna Cosima“, Kommentar 400:

„Sollten die Männer noch eine Zukunft haben wollen, dann sollten sie langsam mal anfangen, sich den sich ändernden Gegebenheiten anzupassen und aufhören sich in eine Opferrolle hineinzuphantasieren oder sie werden sich eines Tages tatsächlich als quantité négligeable in einer femininen Welt wiederfinden.“
Ein ganzes Bündel gängiger Klischees, zusammengesetzt aus Rosins Gerede vom „Ende der Männer“ und einer reaktionären Geschlechterideologie – Männer, die über eigene Leiderfahrungen und Nachteile nicht ordnungsgemäß schweigen, sind für Anna Cosima selbstverständlich Jammerlappen. Interessant wäre trotzdem zu erfahren, warum die Idee vom Ende der Männer für eine ganze Menge Frauen (hoffentlich nicht so viele, wie es aussieht) solch eine große und deutliche Attraktivität besitzt. 
 
Von der  Angst vor dem Verlust gewohnter Schlachtordnungen Bei alledem ist der Artikel selbst weitgehend inhaltslos – er besteht vollständig aus dem argumentfreien Bemühen, Menschen, die eine andere Position als die Autorinnen haben, als rechtslastige Wirrköpfe hinzustellen. Messmer und Schildmann beschreiben – ganz wie Sarah Schaschek  dies schon kurz zuvor in der Zeit und im Tagesspiegel getan hat – eine wohlgeordnete Welt, in der einem zivilisierten, stets sachlich und aufgeklärt argumentierendem akademischen Milieu eine „Horde“ wütender und instinktgeleiteter Wesen gegenübersteht.

Dass dabei Kritiker von Gender-Studies, in denen Messmer übrigens promoviert, und institutionalisiertem Feminismus auch Argumente haben könnten, schließt sich aus irgendwelchen Gründen ganz von selbst aus. Die Autorinnen beziehen sich auf Michael Kimmels Rede von den „Angry White Men“ und behaupten, dass „die Wut dieser weißen Männer aus einem Gefühl der Entmännlichung“ stamme. Wütend über die „Zerstörung einer sicheren Ordnung“ durch „Progressive, Frauen, Ausländer, Homosexuelle“ würden diesen Männer ihre persönlichen Traumata zu „politischen Botschaften“ werden, mit denen sie wütend „in den Geschlechterkampf ziehen“. 

Brutal an dieser Darstellung ist nicht allein die durchgängige Präsentation dieser Männer als irgendwie tierische Wesen, die nicht in der Lage sind, ihre eigene Position zu reflektieren und die allein ihrer Wut folgen – ganz als seien sie tollwütige Hunde. Brutal ist, mehr noch, die völlige Verweigerung von Empathie.

 
Ausdrücklich nennen die Autorinnen etwa Väter ohne Sorgerecht als Beispiele für ihre zornigen Männer. Dass es aber ein reales (und von den zuständigen Gerichten längst festgestelltes) Unrecht ist, Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit die Möglichkeit zur Sorge für ihre Kinder zu nehmen – dass diese Menschen darunter erheblich leiden, ebenso wie ihre Kinder – das interessiert die Autorinnen demonstrativ überhaupt nicht.

Für sie reduziert sich das Problem dieser Männer darauf, dass sie sich nicht mehr so richtig männlich fühlen können. Woran sie irgendwie ja selber schuld sind. Und weshalb sie bitteschön nicht jammern sollen.

Den großen Rest des Artikels nimmt eine unsystematische Typologie ein, die lediglich den Zweck verfolgt, Journalistenkollegen zu diffamieren: Jan Fleischhauer steht als „Dandy-Konservativer“ da, Reinhard Mohr als „der gewendete Ex-Linke“, Matthias Matussek als „der intellektuelle Berserker“.

 
Die Funktion dieser simplen Typisierung ist es offenkundig, die Schlachtordnung intakt zu halten. Messmer und Schildmann beschreiben schließlich auf der einen Seite eine geordnete, aufgeklärte Welt der Universität und des Feuilletons, auf der anderen eine der animalischen Internet-Horden.  Natürlich möchten sie bei aller Mühe, die sie sich damit gegeben haben, nicht, dass journalistische Überläufer zur anderen Seite das alles durcheinander bringen.
 
 
Die Zeit läuft uns davon Der Text ist aus zwei wesentlichen Gründen Ausdruck einer tiefen gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Einerseits, weil er es Menschen prinzipiell abspricht, für die eigenen Positionen gute Gründe zu haben, weil er sie als impulsgesteuerte, irrationale, tierähnliche Wesen hinstellt.
 
Andererseits, weil er Menschen – auch und gerade Menschen in großen Notlagen – systematisch und konsequent alle zivile Empathie verweigert. Die nirgends begründete Denunzierung von entsorgten Vätern und anderen als „rechts“ – was hier wohl immer auch bedeutet: rechtsradikal – ist eine schlichte Einschüchterungsstrategie. Wer sich kritisch äußert, wer Positionen wie denen von Messmer und Schildmann widerspricht, muss damit rechnen, vor einer möglichst großen Öffentlichkeit als rechtsradikaler Wüterich hingestellt zu werden. Ihm wird sogar demonstriert, dass dafür nicht einmal Argumente notwendig sind.

Vielleicht könnte die Community-Redakteurin einmal erläutern, warum eine noch immer als seriös geltende Zeitung wie die Zeit sich für solche Einschüchterungsmanöver hergibt.

Es ist ein gutes Zeichen, dass viele Männer, die den Text gelesen haben, sich nicht einschüchtern ließen. Es ist insbesondere ein gutes Zeichen, dass Männer es nicht stillschweigend zur Kenntnis nehmen, wenn eine der größten und wichtigsten Zeitungen Deutschlands sie zum Ziel einer radikalen Feindseligkeit macht. Women Can’t Hear What Men Don’t Say heißt eines der Bücher von Warren Farrell – Frauen können nicht hören, was Männer nicht sagen. Es ist offensichtlich, dass in Geschlechterdebatten Männer heute offener und selbstbewusster teilnehmen als noch vor einigen Jahren.

Wenn die Redaktion der Zeit dies nicht erträgt – wenn sie Männern die Möglichkeit nimmt, auf die radikale Feindseligkeit zu antworten, mit der ihre Zeitung ihnen begegnet – dann läuft sie vor ihren eigenen Lesern davon. Sie nimmt sich damit, unter anderem, die Möglichkeit, die Brüchigkeit ihrer eigenen Position wahrzunehmen.

Kimmels Rede von den „Angry White Men“, die Messmer und Schildmann schon im Titel ihres Textes aufgreifen, spielt absichtlich oder unabsichtlich natürlich auf die Angry Young Men  an – eine Gruppe junger britischer Autoren wie John Osborne oder Alan Sillitoe, die aus einer proletarischen oder kleinbürgerlichen Perspektive gegen die erstarrten gesellschaftlichen Ordnungen der fünfziger Jahre anschrieben.

 
So sehr Kimmel, Messmer und Schildmann auch versuchen, die von ihnen Angefeindeten als Herrscher außer Dienst hinzustellen, die über den Verlust ihrer Herrschaft nicht hinwegkommen – schon in der Sprache, die sie verwenden, stellen sie die Situation ganz anders dar, und angemessener, als es ihnen lieb ist.

Die Privilegierten, die um ihre Privilegien bangen, sind nicht die „abgehängten Männer“ (mal ganz nebenbei gefragt: Ist eigentlich irgendjemand mal auf den Gedanken gekommen, dass diese Formulierung kurz nach dem Selbstmord von Robin Williams irrwitzig deplatziert ist?). Die Privilegierten in Angst um ihre Privilegien sind eher die, die in Schriften wie Robert Claus‘ „Maskulismus“ oder wie in diesem Zeit-Artikel zum „Gegenangriff“ starten.

In diesem August (Monatsrückblick August 2014)

Als ich die Nachrichten dieses Monats mit den Geschlechterdebatten verglich, die über Nagellack und Fap-Vorwürfe geführt wurden, kamen mir diese Debatten oft sehr unwirklich vor. Es gibt einen Text von Wolfgang Borchert, An diesem Dienstag, der davon lebt, dass ziviler Alltag und Krieg einander gegenübergestellt werden. Aus diesem Text habe ich mich für den Monatsrückblick bedient.
 
 
In diesem August
 
In diesem August
kamen in der belgischen Stadt Lüttich die Oberhäupter der europäischen Staaten und Gäste aus vielen anderen Ländern zusammen, um gemeinsam des Tages zu gedenken, an dem hundert Jahre zuvor der Erste Weltkrieg begonnen hatte. Damals waren deutsche Soldaten in Belgien einmarschiert.
 
Auch Herr Gauck, der deutsche Präsident, war bei der Gedenkfeier dabei, erklärte seine Dankbarkeit dafür, teilnehmen zu dürfen, und sagte auch: „Wir sind dankbar dafür, dass wir in Europa nun schon so lange in Frieden leben dürfen.“
 
 
In diesem August
erzählte Andriy Gerus aus Kiew, der in London gerade sein Management-Studium abgeschlossen hat und nun Geschäftsführer einer ukrainischen Firma ist, von einem Tag im Juli. Er wollte gerade mit seinem Baby einen Spaziergang machen, als es an seiner Tür klopfte und ein Mann ihm seine Einberufungspapiere überreichte. Herr Gerus spürte sein Herz rasen, weil er fast nichts über Schusswaffen weiß, sagte er.
 
Nun saß Herr Gerus in einem Cafè in Kiew und wartet täglich darauf, in den Krieg ziehen zu müssen. Wie ihm geht es vielen ukrainischen Männern, die in mehreren Wellen zum Kampf gegen Russen in der Ostukraine eingezogen wurden.
 
In diesem August
kritisierte die Umweltschutzorganisation Robin Wood die zweitausend Luftballons, die in der französischen Stadt Reims bei einer Gedenkstunde zum Beginn des Ersten Weltkriegs aufgestiegen waren. An jedem Luftballon hing eine Karte zur Erinnerung an die getöteten französischen Soldaten. Robin Wood machte darauf aufmerksam, dass diese Ballons eine Umweltbelastung sind, und bezeichnete sie als „Krieg gegen die Tierwelt“. Sie will daher gegen die Stadt Reims klagen.
In diesem August
überfiel die Terrorgruppe Boko Haram das Bauern- und Fischerdorf Doron Baga im Nordosten Nigerias, zündete die Häuser an, tötete achtundzwanzig Menschen und entführte siebenundneunzig. Alle Entführten waren Männer und Jungen, nur Frauen und Mädchen wurden zurückgelassen. 
 
„Bring back our boys“ forderte niemand im Westen – ebensowenig wie wenige Monate zuvor, als die Terror-Armee ISIS einhundertsechsundachtzig kurdische Schuljungen gekidnappt hatte.
 
 
In diesem August
beschimpfte die Bloggerin Frau Banaszczuk über das Internet Herrn Pellenberg, von dem sie sich geärgert fühlte, und hielt ihm vor, er würde eigentlich nicht reden, sondern lediglich masturbieren. Frech bejahte Herr Pellenberg dies. Frau Banaszczuk rief alle ihre Freundinnen und Freunde zusammen, um Herrn Pellenberg als Sexisten zu brandmarken.
 
Die christliche Publizistin Frau Schrupp erklärte, an Herrn Pellenberg sähen wir, dass die sexistische Ordnung überall sei, und dass wir ihr nicht entkommen könnten. Sie sei wie Regen.
 
 
In diesem August
musste Hozam Saleh mit seiner Familie seine Heimat verlassen und in Berge fliehen, in denen es über vierzig Grad heiß war und wo es nichts zu trinken und zu essen gab. Hozam Saleh und seine Familie sind Jesiden, die im Nord-Irak so wie Christen und Schiiten von der Terror-Armee ISIS gejagt werden.
 
Herr Saleh erzählte, wie sie sich auf der Flucht von Blättern und Baumrinde ernährt hätten, und wie er und seine Frau die Leichen ihrer drei Kinder zurücklassen mussten. Sie waren wie viele andere Kinder auf der Flucht gestorben. Sein Gesicht regte sich nicht, als er das erzählte.
 
 
In diesem August
wurde ein Nagellack zu einem Ärgernis, der von vier amerikanischen Studenten erfunden wurde, um Frauen vor Vergewaltigungen zu schützen.   Er wechselt die Farbe, wenn er in einen Drink gehalten wird, der K.O.-Tropfen enthält. Kritikerinnen bemängelten, dass so ein Produkt die Verantwortung den Opfern zuschieben würde. Die Aufschrei-Initiatorin Frau Wizorek stellte klar, dass „echtes Empowerment“ anders aussieht.
 
Noch mehr ärgerte Frau Wizorek, dass auch im August weiterhin Frauen behaupteten, sie seien gegen den Feminismus.
 
In diesem August
gingen viele Schüler in Israel und im Gaza-Streifen nach den Ferien wieder zur Schule. Sie haben auch nach der Waffenruhe Angst vor dem Beschuss von Raketen. Die israelischen Schulen in der Nähe zum Gaza-Streifen haben Bunkerräume, in die Kinder bei Raketenbeschuss innerhalb von fünfundvierzig Sekunden fliehen müssen.
 
In Europa wurden schon im Monat zuvor Juden auf Demonstrationen beschimpft und bedroht: „Scheiß-Juden, wir kriegen euch!“, riefen Demonstranten in Berlin. „Der Judenhass ist wieder da“, schrieb ein Magazin.
 
In diesem August
wurde der Junge Alex verhaftet, weil er eine Geschichte geschrieben hatte, in der er den Spielzeugdinosaurier des Nachbarjungen tötet.
 
Ulla saß in der Schule und stellte fest, dass sie mit der Zungenspitze bis an die Nase kommt. Die Lehrerin fragte sie, ob sie die Hausaufgabe hatte. Ulla hatte sie. Die Lehrerin machte einen Strich hinter ihren Namen. „Interpretiere den Satz ‚Im Krieg sind alle Väter Soldat‘ aus Borcherts Text“, lautete die Hausaufgabe. Ulla hatte sie an den Anfang ihrer Seite geschrieben. Darunter standen noch zwei Sätze. Mehr war ihr nicht eingefallen.
 
In diesem August
ging ein Vater in Deutschland vor Gericht, um das Recht zu bekommen, für sein Kind sorgen zu dürfen. Immerhin, vor Gericht kann ich jetzt gehen, dachte er.
 
Ein anderer Vater ging, wie jedes Jahr, hundert Kilometer, um ein Zeichen für seine Kinder zu setzen. Er hat sie seit mehreren Jahren nicht mehr sehen können. Er hatte ihnen nie etwas getan, der Mutter auch nicht. Aber die Mutter möchte nicht, dass er sie sieht.
 
Ein anderer Vater wunderte sich über seine Kirche. Herr Rosowski, Vorstand der Männerarbeit in der Evangelischen Kirche und Vorsitzender des Bundesforum Männer, hatte gesagt, dass Väter ihre persönlichen Erfahrungen zu politischen Strukturen hochstilisieren. Die christliche Publizistin Frau Schrupp hatte geschrieben: „Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“ Es bleibt kein Glaube, keine Hoffnung, und die Liebe wurde getötet, dachte der Vater.
 
In diesem August
teilte die britische Journalistin Jessica Valenti von der berühmten Tageszeitung The GuardianDer Beschützer, Der Gralshüter – ihren Anhängern mit, dass sie gern in Männertränen badet.
Wenig später weinten viele über den Tod des Schauspielers Robin Williams, der sich selbst getötet hatte. Scheidung bedeutet, dass dir das Herz durch deine Brieftasche herausgerissen wird, hatte Williams gesagt. Er hatte nach zwei Scheidungen große Geldsorgen.
In diesem August
ließ sich die deutsche Verteidigungsministerin Frau von der Leyen frühmorgens fotografieren, als Transportmaschinen der Bundeswehr in Richtung Irak starteten. Eine Zeitung sah „eine Frau, die sich ihrer Sache sicher ist: ernst, entschlossen, voller kühler Energie, das Gesicht punktgenau vom Blitz der Kamera erleuchtet.“
 
Sie möchte bei Waffenlieferungen Tabus beiseitelegen, sagte sie, und „schießendes Personal“ in die Welt senden. Damit machte sie allerdings einen Scherz und meinte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Vielleicht machte sie auch keinen Scherz, denn sie möchte, dass deutsche Soldaten in Zukunft mehr als heute überall in der Welt eingesetzt werden. Das möchte der deutsche Präsident auch.