Monatsrückblicke

In diesem August (Monatsrückblick August 2014)

Bild zeigt schwarz-weiss-Foto mit Strassenschildern, mit Peace und War als Aufschrift.
geschrieben von: Lucas Schoppe
Als ich die Nachrichten dieses Monats mit den Geschlechterdebatten verglich, die über Nagellack und Fap-Vorwürfe geführt wurden, kamen mir diese Debatten oft sehr unwirklich vor. Es gibt einen Text von Wolfgang Borchert, An diesem Dienstag, der davon lebt, dass ziviler Alltag und Krieg einander gegenübergestellt werden. Aus diesem Text habe ich mich für den Monatsrückblick bedient.
In diesem August
In diesem August
kamen in der belgischen Stadt Lüttich die Oberhäupter der europäischen Staaten und Gäste aus vielen anderen Ländern zusammen, um gemeinsam des Tages zu gedenken, an dem hundert Jahre zuvor der Erste Weltkrieg begonnen hatte. Damals waren deutsche Soldaten in Belgien einmarschiert.
Auch Herr Gauck, der deutsche Präsident, war bei der Gedenkfeier dabei, erklärte seine Dankbarkeit dafür, teilnehmen zu dürfen, und sagte auch: „Wir sind dankbar dafür, dass wir in Europa nun schon so lange in Frieden leben dürfen.“
In diesem August
erzählte Andriy Gerus aus Kiew, der in London gerade sein Management-Studium abgeschlossen hat und nun Geschäftsführer einer ukrainischen Firma ist, von einem Tag im Juli. Er wollte gerade mit seinem Baby einen Spaziergang machen, als es an seiner Tür klopfte und ein Mann ihm seine Einberufungspapiere überreichte. Herr Gerus spürte sein Herz rasen, weil er fast nichts über Schusswaffen weiß, sagte er.
Nun saß Herr Gerus in einem Cafè in Kiew und wartet täglich darauf, in den Krieg ziehen zu müssen. Wie ihm geht es vielen ukrainischen Männern, die in mehreren Wellen zum Kampf gegen Russen in der Ostukraine eingezogen wurden.
In diesem August
kritisierte die Umweltschutzorganisation Robin Wood die zweitausend Luftballons, die in der französischen Stadt Reims bei einer Gedenkstunde zum Beginn des Ersten Weltkriegs aufgestiegen waren. An jedem Luftballon hing eine Karte zur Erinnerung an die getöteten französischen Soldaten. Robin Wood machte darauf aufmerksam, dass diese Ballons eine Umweltbelastung sind, und bezeichnete sie als „Krieg gegen die Tierwelt“. Sie will daher gegen die Stadt Reims klagen.

In diesem August
überfiel die Terrorgruppe Boko Haram das Bauern- und Fischerdorf Doron Baga im Nordosten Nigerias, zündete die Häuser an, tötete achtundzwanzig Menschen und entführte siebenundneunzig. Alle Entführten waren Männer und Jungen, nur Frauen und Mädchen wurden zurückgelassen.
„Bring back our boys“ forderte niemand im Westen – ebensowenig wie wenige Monate zuvor, als die Terror-Armee ISIS einhundertsechsundachtzig kurdische Schuljungen gekidnappt hatte.
In diesem August
beschimpfte die Bloggerin Frau Banaszczuk über das Internet Herrn Pellenberg, von dem sie sich geärgert fühlte, und hielt ihm vor, er würde eigentlich nicht reden, sondern lediglich masturbieren. Frech bejahte Herr Pellenberg dies. Frau Banaszczuk rief alle ihre Freundinnen und Freunde zusammen, um Herrn Pellenberg als Sexisten zu brandmarken.
Die christliche Publizistin Frau Schrupp erklärte, an Herrn Pellenberg sähen wir, dass die sexistische Ordnung überall sei, und dass wir ihr nicht entkommen könnten. Sie sei wie Regen.
In diesem August
musste Hozam Saleh mit seiner Familie seine Heimat verlassen und in Berge fliehen, in denen es über vierzig Grad heiß war und wo es nichts zu trinken und zu essen gab. Hozam Saleh und seine Familie sind Jesiden, die im Nord-Irak so wie Christen und Schiiten von der Terror-Armee ISIS gejagt werden.
Herr Saleh erzählte, wie sie sich auf der Flucht von Blättern und Baumrinde ernährt hätten, und wie er und seine Frau die Leichen ihrer drei Kinder zurücklassen mussten. Sie waren wie viele andere Kinder auf der Flucht gestorben. Sein Gesicht regte sich nicht, als er das erzählte.
In diesem August
wurde ein Nagellack zu einem Ärgernis, der von vier amerikanischen Studenten erfunden wurde, um Frauen vor Vergewaltigungen zu schützen.   Er wechselt die Farbe, wenn er in einen Drink gehalten wird, der K.O.-Tropfen enthält. Kritikerinnen bemängelten, dass so ein Produkt die Verantwortung den Opfern zuschieben würde. Die Aufschrei-Initiatorin Frau Wizorek stellte klar, dass „echtes Empowerment“ anders aussieht.
Noch mehr ärgerte Frau Wizorek, dass auch im August weiterhin Frauen behaupteten, sie seien gegen den Feminismus.
In diesem August
gingen viele Schüler in Israel und im Gaza-Streifen nach den Ferien wieder zur Schule. Sie haben auch nach der Waffenruhe Angst vor dem Beschuss von Raketen. Die israelischen Schulen in der Nähe zum Gaza-Streifen haben Bunkerräume, in die Kinder bei Raketenbeschuss innerhalb von fünfundvierzig Sekunden fliehen müssen.
In Europa wurden schon im Monat zuvor Juden auf Demonstrationen beschimpft und bedroht: „Scheiß-Juden, wir kriegen euch!“, riefen Demonstranten in Berlin. „Der Judenhass ist wieder da“, schrieb ein Magazin.
In diesem August
wurde der Junge Alex verhaftet, weil er eine Geschichte geschrieben hatte, in der er den Spielzeugdinosaurier des Nachbarjungen tötet.
Ulla saß in der Schule und stellte fest, dass sie mit der Zungenspitze bis an die Nase kommt. Die Lehrerin fragte sie, ob sie die Hausaufgabe hatte. Ulla hatte sie. Die Lehrerin machte einen Strich hinter ihren Namen. „Interpretiere den Satz ‚Im Krieg sind alle Väter Soldat‘ aus Borcherts Text“, lautete die Hausaufgabe. Ulla hatte sie an den Anfang ihrer Seite geschrieben. Darunter standen noch zwei Sätze. Mehr war ihr nicht eingefallen.
In diesem August
ging ein Vater in Deutschland vor Gericht, um das Recht zu bekommen, für sein Kind sorgen zu dürfen. Immerhin, vor Gericht kann ich jetzt gehen, dachte er.
Ein anderer Vater ging, wie jedes Jahr, hundert Kilometer, um ein Zeichen für seine Kinder zu setzen. Er hat sie seit mehreren Jahren nicht mehr sehen können. Er hatte ihnen nie etwas getan, der Mutter auch nicht. Aber die Mutter möchte nicht, dass er sie sieht.
Ein anderer Vater wunderte sich über seine Kirche. Herr Rosowski, Vorstand der Männerarbeit in der Evangelischen Kirche und Vorsitzender des Bundesforum Männer, hatte gesagt, dass Väter ihre persönlichen Erfahrungen zu politischen Strukturen hochstilisieren. Die christliche Publizistin Frau Schrupp hatte geschrieben: „Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“ Es bleibt kein Glaube, keine Hoffnung, und die Liebe wurde getötet, dachte der Vater.
In diesem August
teilte die britische Journalistin Jessica Valenti von der berühmten Tageszeitung The GuardianDer Beschützer, Der Gralshüter – ihren Anhängern mit, dass sie gern in Männertränen badet.
Wenig später weinten viele über den Tod des Schauspielers Robin Williams, der sich selbst getötet hatte. Scheidung bedeutet, dass dir das Herz durch deine Brieftasche herausgerissen wird, hatte Williams gesagt. Er hatte nach zwei Scheidungen große Geldsorgen.
In diesem August
ließ sich die deutsche Verteidigungsministerin Frau von der Leyen frühmorgens fotografieren, als Transportmaschinen der Bundeswehr in Richtung Irak starteten. Eine Zeitung sah „eine Frau, die sich ihrer Sache sicher ist: ernst, entschlossen, voller kühler Energie, das Gesicht punktgenau vom Blitz der Kamera erleuchtet.“
Sie möchte bei Waffenlieferungen Tabus beiseitelegen, sagte sie, und „schießendes Personal“ in die Welt senden. Damit machte sie allerdings einen Scherz und meinte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Vielleicht machte sie auch keinen Scherz, denn sie möchte, dass deutsche Soldaten in Zukunft mehr als heute überall in der Welt eingesetzt werden. Das möchte der deutsche Präsident auch.
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26 Comments

  • „Ulla saß in der Schule und stellte fest, dass sie mit der Zungenspitze bis an die Nase kommt. Die Lehrerin fragte sie, ob sie die Hausaufgabe hatte. Ulla hatte sie. Die Lehrerin machte einen Strich hinter ihren Namen. „Interpretiere den Satz ‚Im Krieg sind alle Väter Soldat‘ aus Borcherts Text“, lautete die Hausaufgabe. Ulla hatte sie an den Anfang ihrer Seite geschrieben. Darunter standen noch zwei Sätze. Mehr war ihr nicht eingefallen.“

    Und was?

  • Tolle Zusammenfassung.

    chrismon setzt indes noch eins drauf. Unter der Rubrik „Familie & Partnerschaft“ finden wir aktuell:

    „Mann im Leben? Muss nicht sein –

    … Wochen später in ein anderes Forum. Dort können Singlefrauen ihren ­Samenspender nach Augenfarbe, Ausbildungsstatus und Hobbys auswählen. Es ist ein bisschen, als würde man sich ­einen Pulli in einem Katalog bestellen. Aber meine über 80-jährige Großmutter sagte cool: Wenn du Kinder willst und keinen Mann hast, ja, irgendwie musst du zu Kindern kommen!“

    Vaterlose Kinder aus dem Katalog. Soviel zu ev-luth 'Partnerschaft'.

    http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/mann-im-leben-muss-nicht-sein-22106

  • Klar das Frau von der Leyen kein Problem damit hat junge Männer in den Krieg zu schicken. Es sind ja nicht ihre Kinder die da Verheizt werden, denn die Kinder der Oberschicht gehen nicht zum Militär.

  • Eine beeindruckende und auch niederschmetternde Zusammenfassung zu diesem August. Danke für diesen starken Artikel, welcher hervorragend zusammenfasst, in welchen Zeiten wir leben:

    Eine Verteidigungsministerin mit posiertem Blick gen Osten, einen Bundespräsidenten, der offen zum Krieg aufruft, Kinder, die 'täterisiert' werden, weil sie einen Plastik-Dinosaurier töteten, Feministinnen, die kollabieren, weil sie vom Nagellack zum angeblichen Opfer gemacht werden, Frauen, die in den Tränen von geschröpften Scheidungsmännern wie Robin Williams baden, einen medial 'gehypten' Ost-West-Konflikt und so weiter und so fort.

    In diesem August
    hatte ich Geburtstag. Und es war der deprimierendste 'Feiertag' seit langem.

  • In diesem August gedieh der ganz normale Wahnsinn, wie in jedem anderen Monat zuvor auch. In diesem August logen Politik und Medien, wie in jedem anderen Monat auch. Und in diesem August fiel die Saat des Wahnsinns und Lüge auf fruchtbaren Boden, wie in jedem anderen Monat zuvor auch. – Wir haben nur zwölf Monate im Jahr, um Gewalt und Dummheit gleichmäßig übers Jahr zu verteilen. Für unser Potential an Frieden, Klugheit und Gemeinsinn genügen hingegen einige wenige Tage im Jahr.

  • @ stefanolix Ja. Es ist der einzige Teil des Textes, der nicht real ist, sondern lediglich einen literarischen Bezug hat – ich wollte noch einen direkten Bezug auf den Borchert-Text dabei haben.

    Möglicherweise hat die Leichtfertigkeit, mit der Leute wie vdL oder Gauck heute über den Einsatz deutscher Soldaten allüberall in der Welt reden, eben damit zu tun: Die Generation derer, die den Krieg selbst erlebt haben, ist alt geworden, tritt ab – und die, die heute aktiv sind, kennen Krieg nicht mehr aus eigener Erfahrung. Er wird zu einem abstrakten Problem, zu dem man eigentlich nicht viel zu sagen weiß.

  • @ Max Der Satz kommt aus Borcherts „An diesem Dienstag“. Dort ist es einfach ein Satz für Schreibübungen. („Krieg wird mit G geschrieben. G wie Grube.“, sagt die Lehrerin). Ich hab die Passage – als einzige, die keinen realen, sondern nur einen literarischen Bezug hat – hineingenommen, weil ich eine klare Anspielung auf Borchert dabei haben wollte.

    Außerdem ist in seinem Text die Tatsache, dass der Satz für schlichte Buchstabenübungen verwendet wird, ein Beispiel dafür, wie fremd und unwirklich das Thema Krieg in einem zivilen Umfeld eigentlich ist – und wie unsensibel der Umgang damit.

    Die klischeehafte Aufgabe „Interpretiere den Satz…“ sollte das in die Gegenwart übertragen. Ulla ist jetzt sicher etwas älter als bei Borchert, keine Schreibanfängerin mehr – aber die Unbeholfenheit im Umgang mit dem Thema Krieg sollte bleiben.

  • Danke für den Link. Ich hab den Text gelesen, und finde ihn einigermaßen rätselhaft. Einfach eine Geschichte über eine Frau, die nie Interesse an einer Partnerschaft hatte, aber unbedingt Kinder wollte. Sie sucht sich dann einen Spender, der die Kinder sogar ab und zu sehen darf – was sie sich hoch anrechnet.

    Aber er ist zum Glück kein Partner, mit dem sie sich abstimmen müsste, und kein präsenter Vater. Die Botschaft des Textes ist eher ein fröhliches „Na bitte, so geht's doch auch.“ als ein „Könnten wir vielleicht mal einen Moment stillhalten und überlegen, WAS wir da eigentlich tun?“

    Als meine Partnerin den Text gelesen hat, hat sie sich noch einmal verwundert vergewissert, dass Chrismon tatsächlich ein Magazin der Evangelischen Kirche ist. Es wirkt wie eine primitive Propaganda-Postille.

  • @ Matthias Mala „In diesem August gedieh der ganz normale Wahnsinn, wie in jedem anderen Monat zuvor auch.“ Ja, es war nichts qualitativ Neues. Ich hatte aber im August den Eindruck, dass der ganz normale Wahnsinn außergewöhnlich kumuliert.

  • „Es ist der einzige Teil des Textes, der nicht real ist,“

    Dafür so formuliert, dass es für mich der stärkste Teil des ganzen Posts ist.

    Nicht: „They don’t give a f*ck“, sondern: „Es ist einfach kein Thema.“

    Das ist gleichzeitig bitterer und hoffnungsvoller. Im zweiten Satz könnte ein „bisher“ stehen.

  • Gewiss, insbesondere der bellizistische Unterton ist derzeit besonders schrill. Der letzte scharfe Krieg mit deutscher Beteiligung begann mit der Parole „Nie wieder Auschwitz nie wieder Krieg“. Eine neue griffige Parole wird sich schon wieder finden lassen … Aber Frauen sind bekanntlich friedfertiger, also wird der nächste Krieg ein friedlicher sein.

  • „…Geschichte über eine Frau, die nie Interesse an einer Partnerschaft hatte, aber unbedingt Kinder wollte.“

    Ich hatte den Eindruck, daß die Dame asexuell oder frigide oder so ähnlich ist und zu irgendeinem der 58 nicht-hetero-Spezialgeschlechter von Facebook gehört, also zu einer speziellen sexuellen Minderheit. Solche Personen haben ggf. natürlich auch einen Kinderwunsch, können den Kindern also mMn prinzipiell keine normale Entwicklungsumgebung bieten.

    „Normal“ ist relativ, aber den Männern wird ja ständig vorgeworfen, in den Familien abwesend zu sein und deswegen an allen möglichen kindlichen Entwicklungsproblemen schuld zu sein. Also ist nach feministischer Lesart eine Familie, in der nicht ein Mann seine Erzieherpflicht erfüllt, eine Fehlkonstruktion und nicht „normal“.

    „Der Vater der Kinder kommt alle zwei Monate zu Besuch. Dann sind sie ganz aus dem Häuschen.“

    Ist zwar auch bei Omas und Opas so, die nie schimpfen und immer nur Geschenke mitbringen, man kann das aber trotzdem als starkes Indiz für Entzugserscheinungen bei den Kindern werten, das die These von der Notwendigkeit eines Vaters stützt.

    „Könnten wir vielleicht mal einen Moment stillhalten und überlegen, WAS wir da eigentlich tun?“

    Genau. Vor 20 oder 30 Jahren waren solche Artikel noch vertretbar, als es um die prinzipielle Frage ging, ob man überhaupt freiwillig eine 1-Eltern-Familie anstreben kann. Nachdem inzwischen klar ist, daß Vaterlosigkeit schädlich für Kinder, auch für Mädchen, ist, ist so eine plumpe Anpreisung eine nicht mehr zeitgemäße Gedankenlosigkeit.
    Ich frage mich, welchen Lesertyp die Redaktion damit noch erreichen bzw. indoktrinieren will. Die Probleme von 1-Eltern-Familien werden seit mindestens einem Jahrzehnt breit diskutiert, bei vermutlich fast allen Lesern dürfte der Artikel nur noch Kopfschütteln hervorrufen.

  • Die Hinweise auf due „christlichen Publizistin“ Schrupp ist ziemlicher Unsinn, weil nicht differenziert wird. Umgekehrt würde man jede/n Nicht-Christen mit Aussagen über nicht-christliche Feministinnen – deren es ja viele gibt – diskriminieren.
    Eher anders herum wäre es richtig Festzustellen das es sehr viele Christen – Frauen und Männer – gibt die gegen den Genderwahnsinn sind. Zum Beispiel Papst Franziskus.

  • Der Hinweis bedeutet ja nicht, dass alle Christen so sind, oder dass diese Position typisch christlich wäre. Er war mir aus zwei Gründen wichtig. Einerseits kritisiert Kai in dem verlinkten Text Schrupp und Rosowski selbst aus christlicher Perspektive.

    Andererseits begegnet mir immer wieder die Meinung, extreme, männerfeindliche Positionen des sogenannten „Radikalfeminismus“ seien Außenseiterpositionen, die doch kaum jemand ernsthaft vertreten würde, eigentlich ginge es Femnistinnen allein um Gleichberechtigung, etc.

    Schrupp nun fordert schlankweg die Abschaffung der Rechte von Vätern. Auch mit dieser extremen Position ist sie eine durchaus weithin anerkannte feministische Publizistin, zugleich Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“. Sie ist keine wirre Außenseiterin, sondern mittendrin und gut etabliert in den Institutionen – in diesem Fall der Kirche.

    Ich unterstelle dabei nicht, dass die Kirche ihre Meinung teilt (obwohl die evangelische Kirche, wenn ich mir Chrismon so ansehe, schon ein ernsthaftes Problem mit ihrem Männerbild hat).Sie stört sich aber auch nicht an diesem Extremismus. Ich bin mir sicher: Würde ein evangelischer Redakteur die Abschaffung aller Rechte von Müttern fordern, würde ihn schon mal (und zurecht) jemand in der Kirche fragen, wie so eine Position eigentlich mit dem christlichen Glauben zusammenpasst.

  • Ich denke auch, dass es nicht um alle Christen geht, sondern um Vertreter radikaler Positionen, die sich gleichzeitig christlich nennen. Damit ist der Widerspruch schon benannt. Einerseits fordert das Christentum eine unbedingte Nächstenliebe. Andererseits gibt es auch das Beispiel von Jesus, der mit den verpönten Zöllnern zusammensitzt. Daraus folgt doch, dass Christen eher Versöhnung anstreben sollten, anstatt als Interessenvertreter zu agieren. Ein wichtiger dritter Punkt ist die Demut, die nicht mit Unterwürfigkeit verwechselt werden sollte, sondern mit der Anerkenntnis eigener Endlichkeit und Fehlbarkeit. „Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Das ist ein Satz, der zur Selbstkritik auffordert, bevor man andere verurteilt. Eine solche Haltung kann man bei Frau Schrupp nicht finden. Alle drei Elemente fehlen da eigentlich. Da darf man sich schon fragen, ob das Etikett „christlich“ überhaupt noch für einen Inhalt steht.

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